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Nachnutzung von Forschungsdaten in Studium und Lehre: Sammlung von Lehrszenarien in der geschichtswissenschaftlichen Lehre

Lemaire, Marina; Voigt, Anne; Schmunk, Stefan; Schubert, Charlotte; Burckhart, Daniel

Abstract

Um den Einsatz von Forschungsdaten in der Lehre zu fördern, wird das Ziel verfolgt, didaktisierte Lehrszenarien zur Arbeit mit Datensätzen zusammenzutragen und zur Verfügung zu stellen. Die Task Area „Data Literacy” des NFDI-Konsortiums 4Memory möchte solche Lehrszenarien sammeln und als Open Educational Resources publizieren. Dafür wurde ein Template erstellt, in dem die zentralen Informationen zum Datensatz und zum didaktischen Szenario erfasst werden. In diesem Working Paper wird Hintergrund und Ziel des Vorhabens dargelegt. Als Anschauung wurden drei verschiedene Szenarien integriert. Im letzten Abschnitt erfahren Sie zudem, wie didaktisierte Lehrszenarien eingereicht werden können.

Full text

4memory Working Paper Series Nr. 9 Marina Lemaire, Anne Voigt, Stefan Schmunk, Charlotte Schubert, Daniel Burckhart Nachnutzung von Forschungsdaten in Studium und Lehre Sammlung von Lehrszenarien in der geschichtswissenschaftlichen Lehre DOI: 10.5281/zenodo.16812354 Autor:innenliste: Auflistung der Autor:innen (gemäß Credit-Taxonomie) inkl. ORCID Marina Lemaire | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0000-0003-47262481 Anne Voigt | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0000-0002-2873-3201 Stefan Schmunk | Writing – original draft, Writing – review & editing | ORCID: 0000-0001-97069757 Charlotte Schubert | Writing – review & editing | ORCID: 0000-0002-3132-8231 Daniel Burckhart | Writing – review & editing | ORCID: 0000-0003-0982-3735 Philipp Benra | Editing | ORCID: 0009-0007-3572-7647 im Namen des 4Memory-Konsortiums. Zusammenfassung Um den Einsatz von Forschungsdaten in der Lehre zu fördern, wird das Ziel verfolgt, didaktisierte Lehrszenarien zur Arbeit mit Datensätzen zusammenzutragen und zur Verfügung zu stellen. Die Task Area „Data Literacy” des NFDI-Konsortiums 4Memory möchte solche Lehrszenarien sammeln und als Open Educational Resources publizieren. Dafür wurde ein Template erstellt, in dem die zentralen Informationen zum Datensatz und zum didaktischen Szenario beschrieben werden. In diesem Working Paper werden Hintergrund und Ziele des Vorhabens dargelegt. Als Anschauung wurden drei verschiedene Szenarien integriert. Im letzten Abschnitt erfahren Sie zudem, wie didaktisierte Lehrszenarien eingereicht werden können. Danksagung Diese Arbeit ist im Rahmen des NFDI-Konsortiums 4Memory entstanden (www.4memory.de). Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die finanzielle Unterstützung – Projektnummer 50 1609550. Inhaltsverzeichnis Intention .................................................................................................................................... 1 Ziel ............................................................................................................................................ 2 Lehrszenario Beispiel 1 ............................................................................................................ 3 Lehrszenario zur Vermittlung von OCR-Methoden und Prinzipien der Digitalisierung von gedruckten Materialien und Erstellung von Retro-Digitalisaten: Datensatz „Bomber’s Baedecker” .......................................................................................................................... 3 Beschreibung des Datensatzes ........................................................................................... 3 Didaktisches Lehrszenario ................................................................................................... 6 Lehrszenario Beispiel 2 ............................................................................................................ 9 Lehrszenario zur Vermittlung von Exploration und Transformation strukturierter Daten sowie heuristischer Analyse zur Erkennung von Mustern und Korrelationen: Datensatz „Jüdisches Adressbuch für Groß-Berlin (1929/30, 1931)” ................................................... 9 Beschreibung des Datensatzes ........................................................................................... 9 Didaktisches Lehrszenario ................................................................................................. 12 Lehrszenario Beispiel 3 .......................................................................................................... 15 Lehrszenario zur Vermittlung von Parallelstellensuche und Rekonstruktion von Textrezeption: Datensatz „Plutarchs Werke” ..................................................................... 15 Beschreibung des Datensatzes ......................................................................................... 15 Didaktisches Lehrszenario ................................................................................................. 17 Call für „forschungsdatenbasierte Lehrszenarien” ................................................................. 20 Literatur‑ und Quellennachweise ............................................................................................ 21 Intention 1 Intention Datensätze, die in Forschungsprojekten entstehen, werden in der Regel für die Beantwortung konkreter Forschungsfragen erzeugt. Sie stellen die Grundlage der Forschungsergebnisse dar und zeichnen sich deshalb durch eine hohe wissenschaftliche Qualität, Validität und Replikabilität aus. Dies macht sie besonders wertvoll für die geschichtswissenschaftliche Lehre, da sie praxisnah Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Datenkompetenz und des Forschungsdatenmanagements vermitteln. Diese Datensätze können verschiedene Arten geschichtswissenschaftlicher Forschungsdaten enthalten, wie bspw. digitalisierte Quellen, Retro-Digitalisate, Transkripte, Analyseskripte, digitale Rekonstruktionen oder Simulationsdaten (vgl. Cremer u. a. 2021, 157–160). Sie umfassen in der Regel Daten unterschiedlicher medialer Formate und repräsentieren diverse menschliche Ausdrucksformen in bspw. Bild, Ton oder Schrift. Durch deren Heterogenität hinsichtlich der genutzten Daten‑ und Dateiformate ergeben sich vielseitige Einsatzszenarien für die Lehre. Je nach Aufbereitungsgrad des Datensatzes (z. B. Rohdaten, bereinigte Daten), den Lehrzielen sowie den eingesetzten Methoden und Tools kann ein weites Spektrum an Datenkompetenzen praxisnah vermittelt werden. Mögliche didaktische Szenarien reichen von Schritt-für-Schritt-Anleitungen bis hin zu forschendem Lernen für unterschiedliche Zielgruppen und Lernniveaus. Die digital vorliegenden und zugänglichen Datensätze können annotiert, bereinigt, transformiert, interpretiert, analysiert, visualisiert und mit Normdaten angereichert werden. Mithilfe von Skripten lassen sich Abfragen erstellen, Datensätze vergleichen, zusammenführen oder tiefergehend modellieren. Studierende erlernen dabei nicht nur den Umgang mit Datenverarbeitungswerkzeugen, sondern auch essenzielle Prozesse der Datenbereinigung, Anreicherung, Standardisierung und Analyse. Dies ist sowohl für datengetriebene als auch bspw. für traditionelle hermeneutische Forschungsansätze relevant. Der praxisnahe Umgang mit realen Forschungsdaten fördert die kritische Reflexion der digitalen Methoden und deren Anwendung auf historische Fragestellungen. Für Lehrende stellen diese Datensätze ebenfalls eine wertvolle Ressource dar. Sie bieten hochwertige und flexibel einsetzbare Lehrmaterialien, die sich in verschiedene Kursformate integrieren lassen. Durch die gesicherte wissenschaftliche Qualität der Daten wird die Erreichung der Lehrziele erleichtert, da Lehrende und Studierende genau wissen, womit sie arbeiten. Zudem entfällt die zeitaufwendige Erstellung eigener Trainingsdatensätze. Ziel 2 Didaktische Hinweise erleichtern die Vorbereitung und Durchführung datenbezogener Lerneinheiten und bieten die nötige Flexibilität in der Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen und Lehrszenarien. Ziel Um den Einsatz von Forschungsdaten in der Lehre zu fördern, wird das Ziel verfolgt, didaktisierte Einsatzszenarien zur Arbeit mit Datensätzen zusammenzutragen und zur Verfügung zu stellen. Dafür wurde ein Template erstellt, in dem die zentralen Informationen zum Datensatz und zum didaktischen Szenario erfasst werden. Um zu verdeutlichen, wie dies umgesetzt werden kann, werden im Folgenden drei Datensätze aufgeführt. Diese sind exemplarisch für einen Einsatz in der historischen Lehre beschrieben und die damit einhergehend möglichen Lehr-Lern-Szenarien skizziert. Alle didaktisierten Beispieldatensätze werden mit einer DOI auf Zenodo publiziert und in der Materialsammlung HISTOCAT 1 der Task Area „Data Literacy“ von 4Memory verzeichnet. Perspektivisch werden sie zusätzlich über den Data Literacy Learning Hub von 4Memory zur Verfügung gestellt und dort mit den verfügbaren Ressourcen und Lernmodulen verknüpft. 1 Link: https://histocat.uni-trier.de/#/ Lehrszenario Beispiel 1 3 Lehrszenario Beispiel 1 Lehrszenario zur Vermittlung von OCR-Methoden und Prinzipien der Digitalisierung von gedruckten Materialien und Erstellung von Retro-Digitalisaten: Datensatz „Bomber’s Baedecker” DOI: 10.5281/zenodo.16812316 Autor des Lehrszenarios: Stefan Schmunk ORCID: 0000-0001-9706-9757 Lizenz: CC BY 4.0 Lehrszenario zur Vermittlung von OCR-Methoden und Prinzipien der Digitalisierung von gedruckten Materialien und Erstellung von Retro-Digitalisaten: Datensatz „Bomber’s Baedecker” © 2025 by Stefan Schmunk is licensed under CC BY 4.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/. Beschreibung des Datensatzes Metadaten Name/Titel des Datensatzes: The Bomber’s Baedeker: (Guide to the economic importance of German towns and cities). London 1944. Datenautor:innen/‑gebende: Bach, Felix / Secco, Cristian / Schmunk, Stefan / Wübbena, Thorsten / Universitätsbibliothek Mainz Link zur Publikation des Datensatzes: https://nbnresolving.org/urn:nbn:de:hebis:77-vcol-20056 Publikation der XML-Daten: https://doi.org/10.5281/zenodo.4745122 (Revised version (primarily text correction) 19.3.2022) Publikationsdatum: 2019 Version: 1.0 Lizenz/Verfügbarkeit: Die Digitalisate stehen unter einer Public Domain Mark 1.0 Lizenz. Die XML-Daten stehen unter CC-BY-SA. Fach/Disziplin: Neueste Geschichte/Wirtschaftsgeschichte Lehrszenario Beispiel 1 4 Epoche/Zeit: Neueste Geschichte / 20. Jahrhundert Sprache: Englisch Thematische Kategorisierung: Infrastrukturen im 2. Weltkrieg Methoden: Retro-Digitalisierung, OCR Datentypen: Bilder, Text, XML Verwendete Technologien (Software u. ä.)/ Werkzeuge: XML, Transkribus, eScriptorium, Tesseract Aufbau des Datensatzes: Programmdatei, Ein‑ und Ausgabedateien, überarbeitete Ausgabedateien (Postscripts und Karten mit URLs), XML, README Kurzbeschreibung „Das zweibändige Druckwerk The Bomber’s Baedeker. A Guide to the Economic Importance of German Towns and Cities” wurde während des Zweiten Weltkrieges vom britischen Foreign Office und dem Ministry of Economic Warfare erstellt. Darin sind Städte des Deutschen Reichs mit mehr als 1000 Einwohner*innen und Informationen zu deren kriegswichtigen Infrastrukturen, Industrie‑ und Produktionsanlagen aufgeführt. Weltweit existieren nur noch vier nachgewiesene Exemplare. Der Bomber’s Baedeker wurde 2019 in der Bibliothek des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG) (wieder-)entdeckt, in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Mainz digitalisiert und im Rahmen einer institutionsübergreifenden Kooperation vom Bereich Digitale historische Forschung | DH Lab des IEG und von der Hochschule Darmstadt, u. a. in Lehrveranstaltungen mit Studierenden, erschlossen und aufbereitet, sodass der Bomber’s Baedeker nun als offene, maschinenlesbare Datenquelle unter Einhaltung der FAIR-Prinzipien genutzt, analysiert und weiterbearbeitet werden kann. 2 Bomber’s Baedeker wurde während des Zweiten Weltkriegs in zwei Auflagen vom Foreign Office und dem Ministry of Economic Warfare erstellt. Dargestellt sind in der hier vorliegenden 2. Auflage aus dem Jahre 1944 insgesamt 518 Städte des Deutschen Reiches ab einer Größe von 1.000 Einwohner:innen, in denen seitens der 2 Bach, Felix, Stefan Schmunk, Cristian Secco und Thorsten Wübbena. 2021. Bomber’s Baedeker – vom Text zum Bild zur Datenquelle. In Fabrikation von Erkenntnis – Experimente in den Digital Humanities, Hrsg. Burghardt, Manuel, Lisa Dieckmann, Timo Steyer, Peer Trilcke, Niels Walkowski, Joëlle Weis und Ulrike Wuttke. Wolfenbüttel. (Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Sonderbände, 5) text/html Format. https://doi.org/10.17175/sb005_004 Lehrszenario Beispiel 1 5 britischen Ministerien kriegswichtige Betriebe und Unternehmen vermutet wurden. Für alle vorliegenden Städte sind folgende Informationskategorien erhoben worden: ● Transportwesen ● Infrastruktur (Wasser, Elektrizität etc.) ● Festbrennstoffe (Bergbau, Brennstofflager etc.) ● Flüssigbrennstoffe (Raffinerien, Brennstofflager etc.) ● Eisen‑ und Stahlindustrie ● Sonstige metallverarbeitende Betriebe ● Flugzeuge und Motoren ● Werften ● Sonstige Industrie‑ und Rüstungsbetriebe ● Chemie‑ und Munitionsbetriebe ● Textil‑, Seide‑, Zellstoff‑ und Papierbetriebe ● Gummi‑ und Reifenhersteller ● Lederindustrie ● Nahrungsmittelindustrie Darüber hinaus finden sich für eine Vielzahl der Städte eine Reihe von geographischen Markern, aus denen in Teilen die Topologie der Städte hervorgeht, aber auch der geographische Verlauf von Flüssen, Bergen, Seen, Wäldern entnommen werden kann. Diese Daten stammen einerseits von Aufklärungsflügen, der Feindaufklärung und Luftaufnahmen der Royal Airforce und ihrer Verbündeten sowie von lokalen Berichten, aber überwiegend aus den Unterlagen von Adressbüchern und vor allem auf Basis einiger britischer Rückversicherer, die in der Mitte 1930er Jahre die Brandversicherung – eine Pflichtversicherung für jedes Gebäude innerhalb des Deutschen Reichs – abgesichert hatten. Die Daten selbst liegen in einem maschinenlesbaren und standardisierten XML vor und können entsprechend der Lizenz frei verwendet werden. Zudem stehen den Nutzenden auch die Bildrepräsentation in den gängigen Formaten .jpg sowie .tiff zur Verfügung. Lehrszenario Beispiel 1 6 Didaktisches Lehrszenario Methoden Erlernen von OCR-Methoden und Prinzipien der Digitalisierung von gedruckten Materialien und Erstellung von Retro-Digitalisaten. Kompetenzen, Fertigkeiten und Lernziele Anhand der zur Verfügung stehenden Daten (Bild-Digitalisate) können Verfahren der OCR-Erkennung erprobt werden. Hierdurch können Studierende die Komplexität und Zeichenerkennung erproben und zugleich mit den zur Verfügung stehenden XMLDaten vergleichen. Kompetenzziele: Umgang mit OCR-Werkzeugen, kritische Bewertung von Digitalisierungsergebnissen Technische Voraussetzungen ● Transkribus ● eScriptorium ● Tesseract Vorkenntnisse Für die o. g. Werkzeuge kann auf eine Reihe von Tutorials zurückgegriffen werden und aufgrund der vorhandenen Datenbasis die Genauigkeit abgeglichen werden. Transkribus kann als Webtool genutzt werden, für den ein Nutzer:innen-Account angelegt werden muss. Die Studierenden können Transkribus in der Regel mittels einer Test-Version abhängig vom Scan-Volumen kostenlos nutzen. eScriptorium und Tesseract sind Open-Source-Lösungen, die als Applikation auf lokalen Rechnern installiert werden müssen. Die Nutzer:innen sollten über entsprechende Kenntnisse der jeweiligen Betriebssysteme verfügen und erste Kenntnisse in der Auszeichnung von Textdateien mittels xml haben. Lehrszenario Beispiel 2 13 Datenschutz und Datenethik: Datenschutz ist ein in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der zunehmenden Computerisierung der Gesellschaft entstandener Begriff. Die mit systematischen Auflistungen wie in diesem Adressbuch verbundenen Ängste sind jedoch älter und werden im bereits erwähnten Vorwort auch direkt angesprochen: „Es wird gewiß auch einzelne Juden geben, die sich gegen ein jüdisches Adreßbuch wehren, weil sie nicht wünschen, sich gedruckt als Juden bezeichnet zu sehen. […] Wir glauben auch nicht, daß es irgendeine Vernunft hätte, sein Judentum zu verstecken, und abgesehen davon, daß ein solches Versteckspielen unwürdig wäre, ist es auch sinnlos und töricht.” 3 Mit Blick auf die nur wenige Jahre danach einsetzende Ausgrenzung, Vertreibung und Vernichtung der im Adressbuch genannten Personen kann der für die digitalen Geisteswissenschaften charakteristische Umgang mit Auflistungen verschiedenster Art thematisiert und problematisiert werden: „Ich finde es grauenhaft, dass jemand im Deutschland des 21. Jahrhunderts Listen macht. Wir haben im 20. Jahrhundert genug von deutschen Listen gesehen. Nicht nur in der Nazi-Zeit, sondern auch in der DDR. Im Deutschland des 21. Jahrhunderts sollte es ein Listenverbot geben. Listen sind gefährlich. Künstlerisch, politisch und gesellschaftlich.” Barrie Kosky, in: Berliner Zeitung, 10.1.2022, https://www.berlinerzeitung.de/kultur-vergnuegen/debatte/barrie-kosky-mir-soll-kein-nicht-jude-mehrsagen-was-antisemitisch-ist-li.204685 Technische Voraussetzungen ● OpenRefine: https://openrefine.org/ Vorkenntnisse Für die Analyse und Bearbeitung von CSV-Dateien in OpenRefine kann auf eine Reihe von Tutorials zurückgegriffen werden. 3 Gemäß dem Vorwort der zweiten Auflage war das Vorhaben weniger kontrovers als erwartet: „Das vergangene Jahr hat erwiesen, daß wir den Widerspruch überschätzt, die Zustimmung dagegen unterschätzt haben. Es waren nur ganz wenige Kreise, gering an Zahl, die den Gedanken, welchen das Werk sein Entstehen verdankt, überhaupt bestritten.” https://nbnresolving.org/urn:nbn:de:kobv:109-1-2414417/fragment/page=9 Lehrszenario Beispiel 2 14 Tutorials ● Einführungen in OpenRefine: https://librarycarpentry.github.io/lc-open-refine/ und https://fdmlab.landesarchiv-bw.de/workshop/openrefineeinsteiger/warum-openrefine/ ● Fortgeschrittene Themen: https://fdmlab.landesarchivbw.de/workshop/openrefine-fortgeschrittene/warum-openrefine/ Vorbereitung ● Ausführung der von den Lernenden notwendigen, vorbereitenden Schritte für die nachfolgende Arbeit mit dem Datensatz (z. B. Download und Einrichtung notwendiger Software, Tutorials anschauen etc.) ● OpenRefine herunterladen und installieren: https://openrefine.org/download Weiterführende Materialien Einen Überblick über das Jüdische Berlin in der Weimarer Zeit bietet: Michael Brenner. 2001. „Die Weimarer Jahre (1919–1932)." In Juden in Berlin, Hrsg. Nachama, Andreas, Julius H. Schoeps und Hermann Simon, 137–180. Berlin: Henschel. Zur jüdischen Bevölkerungsgeschichte Berlins: Lowenstein, Steven M. 2023. The Population History of German Jewry 1815–1939: Based on the Collections and Preliminary Research of Prof. Usiel Oscar Schmelz. Hrsg. Myers, David N. und Michael Berenbaum, 467–484. Boston, USA: Academic Studies Press. Eine Reihe mikrohistorischer Analysen zu Wohnlagen und Berufen basierend auf dem (gedruckten) Adressbuch bietet: Kreutzer, Michael. 1996. Orte jüdischen Lebens in Prenzlauer Berg; 1: Siedlung und Beruf der Juden in Prenzlauer Berg im Spiegel von Adreßbüchern und ‑verzeichnissen. Berlin: S.T.E.R.N. Lehrszenario Beispiel 3 15 Lehrszenario Beispiel 3 Lehrszenario zur Vermittlung von Parallelstellensuche und Rekonstruktion von Textrezeption: Datensatz „Plutarchs Werke” DOI: 10.5281/zenodo.16411760 Autorin des Lehrszenarios: Charlotte Schubert ORCID: 0000-0002-3132-8231 Lizenz: CC BY 4.0 Lehrszenario zur Vermittlung von Parallelstellensuche und Rekonstruktion von Textrezeption: Datensatz „Plutarchs Werke” © 2025 by Charlotte Schubert is licensed under CC BY 4.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/. Beschreibung des Datensatzes Metadaten Name/Titel des Datensatzes: Plutarchs Werke: Parallelen und Zitate Datenautor:innen/‑gebende: Open Greek and Latin (OGL) https://scaife.perseus.org und https://github.com/OpenGreekAndLatin Link zur Publikation des Datensatzes: eAQUA: http://www.eaqua.net/ Publikationsdatum: 28.02.2025 Version: v.1 Lizenz/Verfügbarkeit: Die Daten stehen unter der CC-BY-SA-4.0 Fach/Disziplin: Alte Geschichte Epoche/Zeit: 500 v.Chr. – 1200 n.Chr. Sprache: Altgriechisch Methode: Parallelstellensuche Datentyp: TEI-XML-Dateien Verwendete Technologien (Software u. ä.)/ Werkzeuge: XML, eAQUA Lehrszenario Beispiel 3 16 Kurzbeschreibung Der Datensatz ist aus dem Textkorpus Open Greek and Latin (OGL) in eAQUA entnommen. OGL umfasst mindestens eine Ausgabe jedes griechischen und lateinischen Werks, das zwischen Homer und 250 v. Chr. verfasst wurde, wobei auch die Texte enthalten sind, die bereits in der Perseus Digital Library vorhanden sind. Die TEI-XML-Versionen der Texte sind auf GitHub verfügbar, wo sie überarbeitet (Upgrade auf EpiDoc-konformes P5-TEI-XML) und neu organisiert wurden. Dieses Projekt wurde durch den Harvard Library Arcadia Fund, den Europäischen Sozialfonds und die Alexander-von-Humboldt-Professur für Digital Humanities in Leipzig finanziert. Die Daten wurden in einer internationalen Zusammenarbeit mit dem Center for Hellenic Studies, der Harvard Library, der Mount Alison University, der Tufts University, der Universität Leipzig und der University of Virginia erstellt. Alle Texte von OGL wurden mit freundlicher Zustimmung von Gregory Crane 2020 aus GitHub (https://github.com/PerseusDL/canonical-greekLit) entnommen und in das Portal eAQUA zur Weiterverarbeitung entsprechend der eAQUA-Toolchain eingefügt. Für diesen Musterdatensatz wurden daraus der gesamte Datensatz zu Plutarchs Werken entnommen, ohne einen Filter (chronologische Eingrenzung oder Reduzierung auf einen oder mehrere Autor:innen, Similiarity) anzuwenden. Der Datensatz umfasst alle Fundstellen, die in dem gesamten Textkorpus OGL auf der Grundlage von fünf identischen N-Grammen gefunden wurden. Lehrszenario Beispiel 3 17 Didaktisches Lehrszenario Methoden Die Parallelstellensuche von eAQUA ermöglicht es, ein einzelnes Werk eines Autors oder einer Autorin in seiner Gesamtheit auf zitierte Textpassagen und verwendete Autor:innen hin zu analysieren. Zum anderen bietet es aber auch die Möglichkeit, die Rezeption des Werkes zu sichten, d. h. die spätere Verwendung von Textpassagen und Analysewerk zu erkennen. Analysemöglichkeiten/Fragestellungen Zur Eingrenzung der Fragestellung können folgende Aspekte dienen: ● Welche Autor:innen und/oder Werke werden im Analysewerk zitiert oder zitieren in den folgenden Jahrhunderten aus dem Analysewerk? ● Welchem historischen Kontext sind diese Werke zuzuordnen? ● Gibt es Zitate oder Querverweise, die in der bisherigen Fachdiskussion noch nicht oder nicht genügend berücksichtigt wurden? ● Was sagen die Fundstellen über das Verhältnis des Referenzautors zu einem bestimmten anderen Autor oder einer bestimmten anderen Autorin aus? Kompetenzen, Fertigkeiten und Lernziele ● Sachkompetenzen: Vergleichs‑ und Analysekompetenz ● Methodenkompetenzen: Historische Hermeneutik ● Sozialkompetenzen: Entscheidung‑ und Verantwortungskompetenz (z. B. in Gruppenarbeit, Vorbereitung und Durchführung von selbständigen Projektarbeiten) ● Sprachkompetenzen: auf Originalquellen basierende Interpretationskompetenz ● Fertigkeiten: ○ Kognitive und/oder praktische Fertigkeiten ○ chronologische Einordnung/Definition von Entwicklungen ○ Befähigung zur Quellenlektüre und ‑interpretation (Originaltexte) ○ Recherche Technische Voraussetzungen ● Umgang mit eAQUA (Wittig/Willkommen, s. o.): Visualisierung und Export ● Umgang mit CSV-Tabellen Lehrszenario Beispiel 3 18 Vorkenntnisse (sicherer) Umgang mit eAQUA (Wittig/Willkommen, s. o.) Vorbereitung ● eAQUA (Wittig/Willkommen, s. o.) ● ggf. Zugangsberechtigung anfragen ● Datensatz herunterladen ○ Tools → Zitationen ○ Korpusauswahl: OGL → Start → Auswahl Plutarch → Start → Export als CSV-Tabelle ● bei Verwendung weiterer Textkorpora ggf. Zugangsberechtigung anfragen Vorgehen mit Lehrmethoden und Aufgaben 1. Preprocessing in der eAQUA-Toolchain: ○ Reduktion des Textbestandes um Satzzeichen ○ Reduktion um Stoppwortliste ○ Zerlegen des Korpus in eine Folge von fünf aufeinander folgenden Termen ○ Überprüfung einzelner Segmente auf exakte Übereinstimmungen (matches) im gesamten Textkorpus (Parallelen, Zitate) 2. Vorgehen des Nutzers/der Nutzerin: ○ Korpusauswahl und Zusammenstellung ○ Ergebnistabelle ○ Verschiedene Chart-Ansichten ○ Export als CSV Lehrszenario Beispiel 3 19 Weiterführende Materialien Schubert, Charlotte. 2017. Die Arbeitsweise Plutarchs: Notizen, Zitate und Placita. Rheinisches Museum für Philologie 160: 43–57. Schuber, Charlotte. 2023. Textanalyse digital. In: Digital Humanities in den Geschichtswissenschaften, 144–165. utb-Titel ohne Reihe. Böhlau Verlag Wien, 11. Dezember. https://doi.org/10.36198/9783838561165 Schubert, Charlotte. 2024. „Das Netzwerk der antiken Philosophie: Die Placita Philosophorum bei Eusebius und Plutarch.“ In Libens Laeto Merito: Festschrift für Wolfgang Spickermann zum 65. Geburtstag, herausgegeben von Veronika M. Linder, Wolfgang Petermandl, Christian Schäfer und Lukas Scheuermann, 227–245. Wiesbaden: Harrassowitz. (Philippika 180). Links zu den Datensätzen: https://charlotteschubert.de/publikationen/ Wittig, Jens und Corina Willkommen. 2019. Digital Classics in der Praxis: Arbeiten mit eAQUA: Eine Einführung mit Beispielen. Propylaeum. Propylaeum. https://doi.org/10.11588/propylaeum.431 Call für „forschungsdatenbasierte Lehrszenarien” 20 Call für „forschungsdatenbasierte Lehrszenarien” Haben Sie bereits mit echten Forschungsdaten in Ihrer Lehre gearbeitet und würden diese Ideen gern anderen Lehrenden zur Verfügung stellen? Oder haben Sie Datensätze, die sich für den Einsatz in der Lehre eignen und dazu auch schon eine Idee, wie dies gelingen kann? Dann leiten Sie diese gern an uns weiter! Die Task Area „Data Literacy” des NFDIKonsortiums 4Memory möchte solche Lehrszenarien sammeln und als Open Educational Resources publizieren. Dafür füllen Sie bitte das unter derselben DOI publizierte Template aus und schicken es über folgende E-Mailadresse an: [email protected] Literatur‑ und Quellennachweise 21 Literatur‑ und Quellennachweise Cremer, Fabian, Daniel, Silvia, Lemaire, Marina, Moeller, Katrin, Razum, Matthias and Štanzel, Arnošt. „Data meets history: A research data management strategy for the historically oriented humanities". Band 21 Cultural Sovereignty beyond the Modern State: Space, Objects, and Media, edited by Gregor Feindt, Bernhard Gissibl and Johannes Paulmann, Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2021, pp. 155–178. https://doi.org/10.1515/9783110679151-009