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Gleichgewicht im Alter: Zusammenhänge zwischen Gleichgewichtsveränderungen und Partizipation. Mögliche Ansatzpunkte in der Psychomotoriktherapie

Borner, Anne-Sophie

Abstract

Altern ist ein unumgänglicher Prozess. Mit zunehmendem Alter finden beim Menschen biopsychosoziale Veränderungen statt, welche Auswirkungen auf das alltägliche Leben haben. Da in der Schweiz nur wenige Psychomotoriktherapeut:innen im Seniorenbereich tätig sind, ist es von hoher Relevanz, die Altersgruppen unserer Klient:innen auszuweiten. In der vorliegenden Arbeit wird thematisiert, wie sich das Gleichgewicht im Alter verändert und welche Einflüsse sie auf die Partizipation im Alltag und in der Gesellschaft haben kann. Um Einblick in die Befindlichkeit von Betroffenen zu erlangen, wurden durch leitfadengestützten Interviews drei Seniorinnen befragt. Ziel der Befragung war es, herauszufinden, wie die Gleichgewichtsveränderungen die Betroffenen im Alltag, und spezifisch, die Partizipation im Alltag und in der Gesellschaft beeinflussen. Ein weiteres Ziel ist es, im Forschungsbereich erste psychomotorische Ansatzmöglichkeiten für Senior:innen anzudenken. Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Befragten eine positive Befindlichkeit zum Alterungsprozess vorliegt. Die altersbedingten Veränderungen in den Körperfunktionen werden von den Befragten vor allem im visuellen und auditiven, sowie am Bewegungsapparat wahrgenommen. Herausgefunden wurde, dass die Gleichgewichtsveränderungen wenig Einschränkungen in der Teilhabe verursachen. Es zeigt sich, dass bei den Befragten gewisse Bedürfnisse bezüglich der Teilhabe vorhanden sind. Es werden zudem Wünsche angesprochen, bei denen alltägliche Tätigkeiten und Routinen solange wie möglich aufrecht erhalten werden möchten. Dazu gehören zum Beispiel das Autofahren oder der tägliche Spaziergang zur Bäckerei. Aus psychomotorischer Sichtweise, würden sich Settings anbieten, welche auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten abzielen. Einen guten Ansatzpunkt dafür würde das motogeragogische Konzept von Marianne Eisenburger bieten.

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Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 I Studiengang Psychomotoriktherapie Bachelorarbeit Gleichgewicht im Alter: Zusammenhänge zwischen Gleichgewichtsveränderungen und Partizipation. Mögliche Ansatzpunkte in der Psychomotoriktherapie Eingereicht von: Anne-Sophie Borner Begleitperson: Christina Bär Zweite Fachperson: Myrtha Häusler Datum der Abgabe: 16.05.2025 Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 II ABSTRACT Altern ist ein unumgänglicher Prozess. Mit zunehmendem Alter finden beim Menschen biopsychosoziale Veränderungen statt, welche Auswirkungen auf das alltägliche Leben haben. Da in der Schweiz nur wenige Psychomotoriktherapeut:innen im Seniorenbereich tätig sind, ist es von hoher Relevanz, die Altersgruppen unserer Klient:innen auszuweiten. In der vorliegenden Arbeit wird thematisiert, wie sich das Gleichgewicht im Alter verändert und welche Einflüsse sie auf die Partizipation im Alltag und in der Gesellschaft haben kann. Um Einblick in die Befindlichkeit von Betroffenen zu erlangen, wurden durch leitfadengestützten Interviews drei Seniorinnen befragt. Ziel der Befragung war es, herauszufinden, wie die Gleichgewichtsveränderungen die Betroffenen im Alltag, und spezifisch, die Partizipation im Alltag und in der Gesellschaft beeinflussen. Ein weiteres Ziel ist es, im Forschungsbereich erste psychomotorische Ansatzmöglichkeiten für Senior:innen anzudenken. Die Ergebnisse zeigen, dass bei den Befragten eine positive Befindlichkeit zum Alterungsprozess vorliegt. Die altersbedingten Veränderungen in den Körperfunktionen werden von den Befragten vor allem im visuellen und auditiven, sowie am Bewegungsapparat wahrgenommen. Herausgefunden wurde, dass die Gleichgewichtsveränderungen wenig Einschränkungen in der Teilhabe verursachen. Es zeigt sich, dass bei den Befragten gewisse Bedürfnisse bezüglich der Teilhabe vorhanden sind. Es werden zudem Wünsche angesprochen, bei denen alltägliche Tätigkeiten und Routinen solange wie möglich aufrecht erhalten werden möchten. Dazu gehören zum Beispiel das Autofahren oder der tägliche Spaziergang zur Bäckerei. Aus psychomotorischer Sichtweise, würden sich Settings anbieten, welche auf die individuellen Bedürfnisse der Klienten abzielen. Einen guten Ansatzpunkt dafür würde das motogeragogische Konzept von Marianne Eisenburger bieten. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 III Inhalt 1 Einleitung ........................................................................................................................................ 1 1.1 Persönlicher Bezug ................................................................................................................ 1 1.2 Heranführung an das Thema .................................................................................................. 1 1.3 Fragestellung .......................................................................................................................... 5 1.4 Ziel der Arbeit ........................................................................................................................ 5 1.5 Vorgehen/Methodenauswahl ................................................................................................. 5 1.6 Aufbau der Arbeit .................................................................................................................. 5 2 Theoretischer Hintergrund .............................................................................................................. 7 2.1 Alter(n), Gleichgewicht und Partizipation ............................................................................. 7 2.1.1 Begriffserklärung zum Alter(n) ......................................................................................... 7 2.1.2 Begriffsabgrenzung zum Gleichgewicht ......................................................................... 10 2.1.3 Partizipation aus Sicht der ICF ........................................................................................ 13 2.2 Natürlicher Alterungsprozess ............................................................................................... 16 2.2.1 Biologische Veränderungen ............................................................................................ 16 2.2.2 Psychische Aspekte des Alterns ...................................................................................... 19 2.2.3 Soziale Aspekte des Alterns ............................................................................................ 20 2.2.4 Aktiv/gesund Altern ........................................................................................................ 22 3 Empirischer Teil ............................................................................................................................ 24 3.1 Leitfadengestütztes Interview .............................................................................................. 24 3.1.1 Entwickeln eines Interview-Leitfadens ........................................................................... 24 3.1.2 Stichprobe ........................................................................................................................ 25 3.2 Ergebnisse ............................................................................................................................ 26 3.2.1 Interpretation ................................................................................................................... 28 4 Diskussion ..................................................................................................................................... 31 4.1 Beantwortung der Fragestellungen ...................................................................................... 31 4.2 Abschliessendes Fazit .......................................................................................................... 32 5 Abbildungsverzeichnis .................................................................................................................. 34 6 Literaturverzeichnis ....................................................................................................................... 34 7 Anhang .......................................................................................................................................... 38 Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 1 1 EINLEITUNG 1.1 PERSÖNLICHER BEZUG In der Ausbildung zur Psychomotoriktehrapeutin ist die gesamte Sinneswahrnehmung von hoher Relevanz. Die Wahrnehmung war für mich in den Vorlesungen jedoch nicht immer greifbar, da mir oft die genauen Vertiefungen und Erklärungen dazu fehlten. Mit der Altersgruppe der Senior:innen habe ich mich bisher nur vage auseinandergesetzt. Auf mich wirkten ältere Menschen schon immer sehr distanziert oder «weit entfernt». Damit meine ich, dass ich oft nicht verstand, warum sie anders sprechen und handeln als meine Eltern, Geschwister und ich. Daher habe ich mich oft von älteren Menschen distanziert und mich, wahrscheinlich bewusst, für einen Beruf entschieden, welcher sich primär nicht mit dieser Altersgruppe beschäftigt. In der Deutschschweiz sind Psychomotoriktherapeut:innen überwiegend in Regelund Sonderschulen oder heilpädagogischen Institutionen angestellt. Aufgrund dessen zielt die Ausbildung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich (HFH) auf die Entwicklung und Thematik der Altersgruppe von Kindern, welche diese Schulen besuchen, ab (stand bis und mit 2025). Für mich stellt die vorliegende Arbeit eine Chance dar, mit einer für meine Berufskenntnisse noch unbekannten Altersgruppe in Kontakt zu kommen und mich mit einem berufsalltäglichen Thema, der Gleichgewichtsfähigkeit, auseinander zu setzen. 1.2 HERANFÜHRUNG AN DAS THEMA Dass sich unser Körper und unser Geist im Laufe des Lebens verändert, ist eine Tatsache. Diese Arbeit orientiert sich am natürlichen Alterungsprozess. Dieser ist von Mensch zu Mensch individuell und gestaltet sich je nach Lebenslauf jedes Einzelnen. Medizinisch gesehen, setzen jedoch bei jedem Menschen im Verlauf des Lebens gewisse Abbauprozesse ein. Beide spielen für die Gleichgewichtsfähigkeit eine wichtige Rolle. Muskelkraft und Sinnesrezeptoren gehen verloren und es finden Abbauprozesse am Gleichgewichtsorgan statt (Huch & Jürgens, 2015; Nigg & Steidl, 2011). Jedoch ist nicht nur die Funktionsfähigkeit des Körpers betroffen. Die soziale Eingebundenheit oder Teilhabe kann sich aufgrund multifaktorieller Ereignisse einschränken. Abhängig davon ist, wie sich das Individuum an die Alterungsprozesse und deren möglichen Folgen anpassen kann. «Im Alter bauen wir ab»: eine stereotypisierte Aussage. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2016) erstellte erst kürzlich das Konzept des gesunden/aktiven Alterns, wobei es darum geht, die stereotypen Altersbilder aus den Köpfen der Gesellschaft zu lösen (WHO, 2016). Dies soll durch Aufklärung, wie Menschen im höheren Alter Vitalität, Partizipation, funktionale und psychische Gesundheit und das Wohlbefinden, wie auch die Lebenszufriedenheit aufrechterhalten können, erreicht werden (vgl. WHO, 2002). Wie der natürliche Alterungsprozess, ist das aktive Altern multifaktoriell bedingt. Ein aktiver Lebensstil ist dabei ein wichtiger Schutzfaktor. Dieser trägt zur Förderung von Wohlbefinden, sozialer Teilhabe und Selbstständigkeit bei (BAG, 2022; WHO, 2002). Ein nennenswerter Risikofaktor stellen Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 2 medikamentöse Behandlungen, aufgrund Multimorbiditäten im Alter, dar. Im zunehmenden Alter stellen sie zum einen eine Unterstützung zur Behandlung von Krankheiten dar, wirken sich zum anderen oft negativ auf das Gleichgewichtssystem aus und erhöhen das Risiko von Stürzen (ebd.). Eine Polymedikation ist im Alter, aufgrund Multimorbiditäten, jedoch kaum wegzudenken. In Verbindung mit dem Gleichgewicht und der Gleichgewichtsfähigkeit sind Stürze ein wichtiges Thema. Stürze treten sehr häufig bei älteren Menschen auf und jede Person kann eines Tages davon betroffen sein. Stürze zeichnen sich durch «...ein unerwartetes Ereignis, bei dem der Betroffene auf den Boden oder einer tieferen Ebene landet» (vgl. Becker, Hauer, Jorstad, Lamb & Todd, 2006 in Hörmann, Nikolaus, Schaaf & Walther, 2008) aus. Nach einer Erfassung der WHO (2007) stürzen weltweit 2835% aller Personen über 65 Jahren mindestens einmal im Jahr. Diese Zahlen erhöhen sich mit ansteigendem Lebensalter. Nach der WHO (2007) erhöht sich die Zahl der Stürze mit dem zunehmenden Gebrechlichkeitsgrad (frailty level) einer Person. Das schweizerische Bundesamt für Statistik (BFS, 2024) befragte 2022 die Bevölkerung der Schweiz. Die Ergebnisse (vgl. Abbildung 1) zeigen, dass rund 25% der 75-84 Jährigen in der Schweiz mindestens einmal im Jahr stürzen, bei den über 85 Jährigen sind es bereits 31%. Stürze können oft Vorbote für Infektionen oder Zeichen von fortschreitenden Problemen, wie einer chronischen Krankheit oder altersbedingen Veränderungen, sein (Nigg & Steidl, 2011). Zudem schränken sie einen Menschen meist in seiner Selbstständigkeit ein und können zu schweren körperlichen, wie und psychischen Beschwerden führen (Hörmann et al., 2008; Freiberger & Schlee, 2016). Die Ursache von Stürzen im Alter können ihren Ursprung in der Angst vor Stürzen, der körperlichen Funktionsfähigkeit oder im Abbau der psychischen Funktionen haben (Freiberger & Schlee, 2016). Ein weiterer Grund kann ebenfalls die Einnahme mehrerer rezeptpflichtiger Medikamente aufgrund Multimorbiditäten sein (Modreker & von Renteln-Kruse, 2009; Trabert, 2025). Die sich daraus entwickelnde Sturzangst ist bei Menschen über 65 Jahren weit verbreitet. «Sturzangst beschreibt die Furcht, bei üblicher, gewohnter Fortbewegung und/oder Alltagsaktivitäten einen Sturz zu erleiden, unabhängig von einer vor Abbildung 1: Stürze im laufe eines Jahres (BFS, 2024) Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 3 angegangenen Sturzerfahrung» (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023, S.2). Sie umfasst die damit verbundenen Ängste, (erneut) zu stürzen, nicht mehr allein aufstehen zu können, sich zu verletzen, hospitalisiert zu werden und dem daraus resultierenden Autonomieverlust. Die ICF (international classification of functioning, disability and health) hilft in fachspezifischen Bereichen, einen Menschen in einem bio-psycho-sozialen und dynamischen Prozess zu betrachten. Darin sind die Bereiche der Teilhabe und Aktivität verankert. «Eine Behinderung liegt nach dem Konzept der ICF vor, wenn die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt ist. Dementsprechend kann bspw. eine Beeinträchtigung der Mobilität in Kombination mit fehlender Barrierefreiheit eine Behinderung darstellen.» (REHADAT, 2023, S.2). Im Sinne der vorliegenden Arbeit stellt der natürliche Alterungsprozess im Gleichgewicht einen Abbau dar, welcher sich negativ auf die Aktivität und die Teilhabe der Person auswirken kann. Partizipation ist ein Menschenrecht und sollte daher immer für jeden Menschen zugänglich sein. Das Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich (2007) beschreibt unter dem Begriff der Teilhabe die «Teilnahme einer Person oder einer Gruppe an Entscheidungsprozessen oder Handlungsabläufen, die in über geordneten Strukturen oder Organisationen stattfinden» (S.3) und die «Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Einbeziehung.» (ebd.). In der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe Teilhabe und Partizipation als Synonyme verwendet. Nach und nach verlieren Menschen im Alter an Teilhabe. Der Auslöser kann bereits der Austritt aus der Berufstätigkeit und der somit erfolgende Eintritt ins Rentenalter sein (Hagen, Motel-Klingebiel, Simonson, & Vogel, 2013). In Hinblick auf das Forschungsthema wird davon ausgegangen, dass natürliche, degenerative Prozesse von Körperfunktionenund Strukturen die soziale Teilhabe von älteren Personen einschränken. Teilhabe stellt im Alter eine hohe Wichtigkeit dar, vor allem, weil sie gesundheitsfördernd wirkt (BAG, 2019). Menschen, welche sich im Alter weiterhin engagieren und vor allem den sozialen Kontakte pflegen, sind gesünder und weisen eine höhere Lebenszufriedenheit auf (ebd.). Das BAG beschreibt in seiner Broschüre für gesundes Altern (2019), dass intrinsische Motivation zum Engagement durch attraktive Angebote gefördert werden sollte. Partizipation ist wichtig, weil: «Die Lebensqualität im Alter hängt massgeblich davon ab, inwieweit ältere Menschen in ein soziales Netzwerk eingebunden sind und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Soziale Teilhabe wirkt der Vereinsamung und damit möglichen psychischen Erkrankungen entgegen» (BAG, 2019, S.34). Die Psychomotoriktherapie wird in der Deutschschweiz überwiegend in regeloder heilpädagogischen Schulen angeboten. Vereinzelt ist sie in kinderpsychiatrischen Einrichtungen oder Kinderspitälern vertreten. Menschen im erwachsenenund im höheren Alter entsprechen in der deutschschweizerischen Region nicht der typischen Klientel der in der Psychomotorik. Anders ist es in der Westschweiz, wobei Therapien von Selbstständigen Therapeut:innen angeboten werden (vgl. Psychomotorik Schweiz, 2025). Ebenso sind Länder wie die Niederlande, Frankreich und Dänemark auf dieses Klientel spezialisiert. Marianne Eisenburger entwickelte das Konzept der Motogeragogik, welches auf die Arbeit mit Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 4 Menschen in Pflegeheimen abzielt (Eisenburger & Zak, 2019). Es beinhaltet überwiegend die Thematik, älteren Menschen «verstanden werden» zu vermitteln und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, zu respektieren und zu achten. Dabei spielt Empathie eine wichtige Rolle (Eisenburger & Zak, 2019; Fischer , 2024). Durch Bewegung und Materialerfahrung soll die Eigenaktivität angeregt werden, um dem Menschen sein Können neu zu vermitteln und spüren zu lassen. Die vorliegende Arbeit möchte der Befindlichkeit und den Bedürfnissen der Menschen ausserhalb von Altersund Pflegeheimen ein offenes Ohr bieten. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 5 1.3 FRAGESTELLUNG In der vorliegenden Arbeit wird der Zusammenhang zwischen den altersbedingen Veränderungen des Gleichgewichtes und der Partizipation untersucht. Zum einen soll dabei der aktuelle Forschungsstand bezüglich dieses Zusammenhangs festgestellt werden. Andererseits soll durch Interviews herausgefunden werden, wie es mit diesem Zusammenhang in der Realität steht. Daraus resultieren zwei Fragestellungen: 1.4 ZIEL DER ARBEIT Die Arbeit stellt eine Annäherung an eine Forschungslücke dar. Es sollen vor allem praktizierende Psychomotoriktherapeut:innen in der Deutschschweiz erreicht und zum Nachdenken angeregt werden. Ziel ist es, Licht auf eine neue und potenzielle Klientel in der Psychomotoriktherapie zu werfen. Dazugehörig sollen Ansatzpunkte für eine mögliche Umsetzung angedacht werden. Zudem möchte durch die Stimmen von Befragten, ein Einblick in die subjektive Empfindung von Alterungsprozessen und Teilhabe eröffnet werden. 1.5 VORGEHEN/METHODENAUSWAHL Der erste Teil beinhaltet den aktuellen Forschungsstand der Thematik dieser Arbeit. Dafür wurde eine Literaturrecherche getätigt, um die Themen des Gleichgewichtes, des Alter(n)s und der Partizipation zu erläutern und deren Zusammenhang darzustellen. Für den empirischen Teil wurde ein Interviewleitfaden, angelehnt an den ersten Teil, erstellt. Die Stichprobe setzte sich aus drei ausgewählten Personen, im Alterssegment von 83 bis 97 Jahren zusammen. Ziel der Interviews war es, die subjektive und individuelle Befindlichkeit bezüglich des Alterungsprozesses und der Gleichgewichtsveränderungen auf die Partizipation der Befragten zu erkunden. Zudem wollte die Forschende herausfinden, ob es diesbezüglich Wünsche und Bedürfnisse bei den Befragten gibt, welche in einer psychomotorischen Sichtweise umgesetzt werden könnten. 1.6 AUFBAU DER ARBEIT Nach der vorliegenden Einführung folgt ein theoretischer Hintergrund zum aktuellen Forschungsstand der Forschungsthematik. Den ersten Teil des zweiten Kapitels bildet eine Einführung in die Grundbegriffe des Alter(n)s, des Gleichgewichtes und der Partizipation. Die Begriffe Alter und Altern werden unterschieden und erklärt. Zudem wird das Feld der Gerontologie (Altersforschung) erläutert. Im Beschrieb des Alter(n)s findet sich ein kurzer Teil zur Motogeragogik. Darin werden die wichtigsten Handlungsweisen und Kerninhalte beschrieben. Weiter wird das Gleichgewicht in seinen Begrifflichkeiten 1. Wie stellt sich, gemäss ICF, der Zusammenhang zwischen altersbedingten Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit auf die Partizipation von Menschen im höheren Alter dar? Wie wirken sich altersbedingte Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit auf die Partizipation von Menschen im höheren Alter, gemäss ICF, aus? Zusammenhang beschreiben 2. Gibt es Bedürfnisse im Bezug auf die Teilhabe, welche Menschen mit einer Gleichgewichtsunsicherheit haben und könnte die Psychomotoriktherapie daran ansetzen? Welche Wünsche und Bedürfnisse haben Betroffene bezüglich der Beibehaltung von Teilhabe und wo könnte die Psychomotorik Unterstützung bieten? → als Ziel ins Abstract Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 6 differenziert. Dabei wird ersichtlich, dass die Begriffsbildung des Gleichgewichtes nicht einheitlich und sehr vielseitig ist. In einem zweiten Teil werden Aspekte des natürlichen Alterungsprozess des Menschen erläutert. Dabei wird auf die Veränderung der Gleichgewichtsfähigkeit in Bezug auf die körperlichen, sozialen und psychischen Aspekte eingegangen. Abschliessend zum theoretischen Hintergrund wird das Konzept des aktiven und gesunden Alter(n)s erklärt und aufgezeigt, welche Rolle die Gleichgewichtsveränderungen, bei der Erreichung dessen, spielen. Der praktische Forschungsteil der vorliegenden Arbeit umfasst eine theoretische Einführung in die Forschungsmethode des qualitativen Leitfadeninterviews. Hier werden die dazu relevanten Forschungsschritte erläutert. Weiter werden die erhobenen Daten als Ergebnisse festgehalten und interpretiert. In einem letzten Schritt folgt eine Diskussion und die Beantwortung der Fragestellungen. Abschliessend folgt ein Fazit, wobei der Forschungsprozess und -thematik von der Verfasserin reflektiert werden. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 13 2.1.2.2 BEDEUTUNG DER GLEICHGEWICHTSFÄHIGKEIT Die Sinnessysteme funktionieren beim Menschen nicht isoliert voneinander. Daher ist das Zusammenspiel aller Sinne von hoher Relevanz. Um sich im Raum und der Lage orientieren zu können, sind wir Menschen auf das vestibuläre System angewiesen. Zudem benötigt der Körper Informationen vom visuellen, auditiven und taktil-kinästhetischen System. Durch die Schwerkraft und mithilfe der visuellen Wahrnehmung, macht sich das vestibuläre System eine Vorstellung davon, wo oben und unten ist. Dafür muss zwingend die Vorstellung der eigenen Körperlage mitintegriert werden. Die Augen wandern bei jeder Kopfbewegung mit oder fixieren einen Punkt. Es entsteht für den Menschen ein Bild, wobei uns die Welt als statisch vorkommt, auch wenn wir dabei in Bewegung sind (beispielsweise beim Gehen). Das Fehlen einer stabilen Körperhaltung kann ein verschwommenes Sichtfeld oder Schwierigkeiten im Verfolgen von Objekten mit den Augen, nach sich ziehen (Hottinger & Kesper, 1992; Kisch & Pauli, 2022). Bereits beim Versuch, mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu stehen, werden wir feststellen, dass es uns die Aufgabe schwerer fällt, als wenn die visuelle Kontrolle gegeben ist. Das liegt daran, dass zirka 80% der Raum-Lage Wahrnehmung durch das visuelle System erfasst werden (Hottinger & Kesper, 1992). Durch das Richtungshören können wir uns ebenfalls im Raum orientieren. Dabei unterstützt uns das taktil-kinästhetische System, indem die Körperlage adäquat der Umwelt angepasst wird (Lienert et al., 2019; Rosenkötter, 2021). Die Sinnesorgane des vestibulären und auditiven Systems liegen nahe beieinander, da sie sich ursprünglich aus derselben Struktur entwickelt haben. Sie besitzen beide Anteile am 8. Hirnnerv (Hottinger & Kesper, 1992). Die Vestibulariskerne im Hirnstamm erhalten somit nicht nur vestibuläre, sondern auch auditive Informationen, wobei diese koordiniert werden. Aus diesem Grund kann es sein, dass bei Personen mit eingeschränktem Gehör häufiger Gleichgewichtsprobleme auftreten. 2.1.3 PARTIZIPATION AUS SICHT DER ICF Der Begriff der Partizipation oder auch Teilhabe wurde bereits in der Einleitung der vorliegenden Arbeit definiert. Das Modell der ICF ist ein wesentlicher Teil der psychomotorischen und fachübergreifenden Arbeit. In diesem Abschnitt wird kurz auf den Zusammenhang zwischen dem Alterungsprozess, des Gleichgewichts und der Partizipation eingegangen. Die ICF ist eine Erweiterung der ICD und ermöglicht es Fachpersonen, eine einheitliche Sprache sprechen zu lassen, wenn es um die Beeinträchtigung von Körperfunktionen und -strukturen, der Aktivität oder Teilhabe einer Person aufgrund eines Gesundheitsproblems geht. Die ICF kommt dann zum Einsatz, wenn ein Gesundheitsproblem nach ICD vorliegt (WHO, 2001). Ein Leitsatz der ICF ist, dass Gesundheit nicht bloss die Abwesenheit von Krankheit darstellt. Daraus resultiert der Einbezug der Bereiche Partizipation und Aktivität. Eine Person gilt nach ICF als funktional gesund, wenn (WHO, 2001): 1. ihre körperlichen Funktionen (einschliesslich des geistigen und seelischen Bereichs) und ihre Körperstrukturen allgemein anerkannten Normen entsprechen. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 14 2. sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (im Sinne der ICD) erwartet wird. 3. sie zu allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, Zugang hat und in sich in diesen Lebensbereichen in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von Menschen ohne Beeinträchtigung der Körperfunktionen, -strukturen oder Aktivitäten erwartet wird. Mit der Annahme aus dem Abschnitt Alter(n), dass Alterungsprozesse, im Sinne einer verminderten Anpassungsfähigkeit, schädlich für das Individuum sind, entspricht ein alternder Mensch nicht den oben genannten Aufzählungspunkten. Die Recherche zeigt zudem mehrere Risikofaktoren, wie den Abbau von Organstrukturen (im Sinne einer Schädigung nach ICF), die Polymedikation, die möglichen Entwicklung einer Sturzangst und die vermehrte Aussetzung von Krisensituationen. Daraus können psychische, soziale und körperliche Einbussen und folgend ein oder mehrere Gesundheitsproblem(e) nach ICD resultieren. Da die ICF Umweltund Personenbezogene Faktoren beinhaltet, ist bei dieser Aussage jedoch Vorsicht geboten, weil jede Person über unterschiedlich ausgeprägte Schutzfaktoren wie Resilienz, einen aktiven Lebensstil oder soziale Eingebundenheit etc. verfügt. In der folgenden Tabelle finden sich nach der Forschungsthematik ausgewählte Bereiche der ICF aus den Komponenten Körperfunktionen, Partizipation und Aktivität1. Der erste Teil der Tabelle dient dem Leser dazu, sich ein Bild davon zu machen, worin ein Mensch bezüglich seiner Gleichgewichtsfähigkeit beeinträchtigt sein/werden kann. Der zweite Teil der Tabelle stützt sich auf die Komponenten der Aktivität und Partizipation. Dabei wurden Bereiche ausgewählt, welche sich vor allem an den bereits genannten Risikound Schutzfaktoren, sowie aus der Recherche erhobenen Informationen, orientieren2. Körperfunktionen (b) den Körper in seiner Raum-Lage wahrnehmen b2350: Lagesinn das Gleichgewicht aufrecht erhalten b2351: Gleichgewichtssinn wahrzunehmen, wie schnell und in welche Richtung man sich bewegt b2352: Bewegungssinn Erleben des Gefühls vom Fallen b2403: Gefühl des Fallens Das Gleichgewicht aufrechterhalten, wenn es gestört wird b755: Funktionen der unwillkürlichen Bewegungsreaktionen 1 Die Komponente der Körperstrukturen wurde, aufgrund nicht näher bezeichneten Unterkomponenten, bewusst ausgeklammert. Sie würde alle Schädigungen der körperlichen Strukturen, welche im Zusammenhang mit dem vestibulären System stehen, umfassen. 2 Die Tabelle wurde eigenständig von der Verfasserin erstellt und kann fehlerhaft bzw. unvollständig sein. Partizipation und Aktivität (d) Allgemeine Aufgaben und Anforderungen Resilienz in Krisensituationen d230: Mit Krisensituationen Umgehen Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 15 Tabelle 1: ausgewählte Bereiche der ICF, eigene Darstellung (vgl. BfArM, 2012) alltägliche Handlungen in ihrem Tagesablauf planen und vollständig durchführen d2402: Tägliche Routine durchführen d620: Waren und Dienstleitungen des täglichen Lebens beschaffen d640: Hausarbeiten erledigen Körperposition verändern (sitzen, liegen, knien, hocken, stehen, sich beugen, Körperschwerpunk verlagern) d410: Körperpositionen ändern sich in der eigenen Wohnung und ausserhalb fortbewegen d460: Sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegen Fortbewegung mit Gehhilfe, Rollstuhl etc. d465: sich unter Verwendung von Geräten/Ausrüstung fortbewegen Interpersonelle Interaktionen und Beziehungen Beziehungen zu Nachbaren, Bekannten, Freunden und Gleichaltrigen eingehen und aufrechterhalten d750: Informelle soziale Beziehungen Beziehungen zur Familie aufrechterhalten d760: Familienbeziehungen Gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben am Gemeinschaftsleben teilnehmen (z.B. Teilnahme an informellen und formellen Vereinigungen, Feierlichkeiten) d910: Gemeinschaftsleben Teilnahme an Erholungsund Freizeitangeboten (Kino, Theater, Sportangebote, Gesellschaftsspielen, Geselligkeitstreffen etc.) d920: Erholung und Freizeit Recht auf Partizipation/Eingebunden sein in Gesellschaftsleben d940: Menschenrechte Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 16 2.2 NATÜRLICHER ALTERUNGSPROZESS Altern ist ein unumgänglicher und individueller Prozess. Es gibt viele natürliche Alterungsprozesse, welche von Medizinern der Norm entsprechend angesehen werden und evolutionär bedingt eintreten. Die Frage, warum wir altern, ist bislang nicht vollständig belegt (Huch & Jürgens, 2015; Thieme, 2008). Es gibt verschiedenste Theorien zum Altern. Diese werden im Rahmen dieser Arbeit nicht erläutert, da sie den theoretischen Rahmen ausweiten würden. Ignatzi und Kühnert (2019) beschreiben nach Baltes und Baltes (1994) fünf Bereiche, in denen der Mensch altert. Diese sind (vgl. Ignatzi & Kühnert, 2019, S.29): • Körperliches Altern umfasst die Funktionsfähigkeit des Körpers • Psychisches Altern umfasst die subjektive Befindlichkeit zum Älterwerden • Soziales Altern umfasst die individuellen Rollenerwartungen und Rollenzuschreibungen in der Gesellschaft • Historisches Altern umfasst den geschichtlichen Kontext und die Veränderungen des Alter(n)s in historischen Epochen • Kulturelles Altern umfasst die Altersbilder und Stellung älterer Personen in einer Gesellschaft Für die vorliegende Arbeit haben das körperliche, psychische und soziale Altern Priorität. Dies wird vor allem im Hinblick auf die Partizipation nach ICF ersichtlich. Die natürlich bedingten Veränderungen werden in den folgenden Abschnitten aufgezeigt. Dabei werden die Veränderungen in den Organstrukturen, der Sensorik, im spezifischen die des vestibulären Systems und den psychischen Veränderungen beschrieben. Anschliessend werden die sozialen Aspekte des Alterns und die Bedeutung der Partizipation aufgezeigt. Abschliessend wird das Konzept des aktiven Alterns aufgegriffen und im Zusammenhang mit der Forschungsproblematik hinterfragt. 2.2.1 BIOLOGISCHE VERÄNDERUNGEN Zu den biologischen Faktoren zählen die Veränderungen von Organstrukturen und -funktionen und die der Sensorik. Spezifisch wird die Veränderung der Gleichgewichtsfähigkeit aufgezeigt und ein Exkurs zum Leitsymptom des Schwindels beschrieben. Veränderungen der Organstrukturen und -funktionen Nach Thieme (2008, S. 220) findet Altern in den Zellen statt. Dabei spielen die bereits genannten freien Radikale eine Rolle. Sie behindern, durch ihr anknüpfen an ein anderes Molekül, die Bildung verschiedener Enzyme, Hormone, Proteine und die Aufrechterhaltung der DNA in den Zellen. Dies führt zum Vorgang der Atrophie, was die Rückbildung von Gewebestrukturen umschreibt (vgl. Duden, 2021). Nicht jedes Gewebe wird dabei gleich abgebaut (Nigg & Steidl, 2011). Abbildung 3 fasst die altersbedingten Veränderungen der Organe und deren Auswirkungen zusammen. Im zunehmenden Alter fehlt es dem Menschen immer mehr an Spurenelementen, was vor allem Auswirkungen auf den Stoffwechsel in den Zellen haben und die Degeneration beschleunigen kann (Hörmann et al., 2008). Durch die Abnahme der Beinmuskulatur und er Zunahme von Gelenkversteifungen erhöht sich das Sturzrisiko im Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 17 Alter (Delius, et al., 2010) und die Wiederherstellung eines sicheren Gleichgewichtes wird erschwert (Ignatzi & Kühnert, 2019). Ein wichtiger Einflussfaktor für die Geschwindigkeit des Organabbaus ist der Lebensstil des Individuums (Maksiuk & Schachtschnabel, 2006; Thieme, 2008). Dabei wird, in Bezug auf das aktive Altern, ein aktiver Lebensstil als gesundheitsfördernder Schutzfaktor gesehen (WHO, 2002). Veränderungen der Sensorik Zwischen dem 45.-50. Lebensjahr vermindert sich das Sehvermögen (Nigg & Steidl, 2011). Hierbei handelt es sich um eine Veränderung der Struktur, welche den Lichteinfall auf die Retina und die Brechfähigkeit des Auges, reduzieren können. Zwischen dem 50.-60. Lebensjahr beginnt sich die Retina zu verändern. Folgen davon sind ein eingeschränktes Sehfeld und eine geringere Anpassungsfähigkeit bei dunklen Verhältnissen (Huch & Jürgens, 2015). Gaskell und McMurdo (1991), nennen die altersbedingte Abnahme der Dunkeladaptation im Visus als Hauptrisikofaktor für Stürze im Alter. Hierbei handelt es sich um eine Veränderung der Struktur des Auges, welche den Lichteinfall auf die Retina und die Brechfähigkeit des Auges reduzieren können. Der Hörverlust im Alter steht mit absterbenden Sinneszellen im Zusammenhang (Nigg & Steidl, 2011). Dabei werden zuerst die Hörzellen für hohe Frequenzen abgebaut, wobei ältere Menschen Abbildung 3: Veränderungen der Organsysteme im Alter (vgl. Huch & Jürgens, 2015) Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 18 Schwierigkeiten zeigen, diese zu hören. Man spricht dann von einer Altersschwerhörigkeit, auch Presbyakusis genannt (Huch & Jürgens, 2015; Nigg & Steidl, 2011). Da die verbale Kommunikation von uns Menschen im mittleren Frequenzbereich liegt, ist zu Beginn meist keine Einschränkung vorhanden. Im Alter nimmt die Fähigkeit, Objekte haptisch zu erfassen, ab. Dies liegt daran, dass die Myelinschicht der Sensoren abnimmt. Davon sind überwiegend afferente Bahnen betroffen, was es dem Menschen also schwieriger macht, Reize adäquat aufzunehmen und zu interpretieren (Grunwald, et al., 2021). In der Forschung geht man heute nicht mehr nur von einem Abbau der Sensoren aus, sondern konnte man eine Korrelation zwischen der abnehmenden haptischen Erfassung und abnehmenden kognitiven Fähigkeiten feststellen (ebd.). Mit abnehmenden auditiven, visuellen und taktilen Funktionen nimmt ebenfalls die Gleichgewichtsfähigkeit ab. Das liegt daran, dass die vier Sinneswahrnehmungen eng miteinander verknüpft sind und zu einem gewissen Grad in ihrer Qualität voneinander abhängen (Hörmann et al., 2008). Abnahme der Gleichgewichtsfähigkeit im Alter Bisher sind die Ursachen von unsicherem Gleichgewicht nur teilweise erforscht (Hörmann et al., 2008). Mit zunehmendem Lebensalter wird ersichtlich, dass sich vor allem die Strukturen im Rezeptoren-Bereich des vestibulären Systems verändern, respektive abbauen. Dabei beginnen sich die Haarund Sinneszellen im Vestibulärorgan ab dem 70. Lebensjahr abzubauen (ebd.). Durch die veränderten Stoffwechselvorgänge im vestibulären System kann dies bei verschiedenen Strukturen (bspw. den Otolithen) zum langsamen Abbau und Zerfall sowie Beeinträchtigungen in der Wahrnehmungsverarbeitung führen. Zudem baut sich die Myelinschicht des Hirnnervs langsam ab, was einen Einfluss auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit haben kann. Bezüglich Anzahl und Dichte finden jedoch keine Veränderungen im Hirnnerv und den Ganglien statt. Anders in den Kerngebieten, wobei die Anzahl, das Volumen und die Neuronen-Dichte abnehmen. Da das propriozeptive System ebenfalls an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts beteiligt ist, hat die altersbedingte Veränderung der Muskelspindeln Einfluss auf die Tiefenwahrnehmung und die Raum-Lage-Orientierung des Körpers. Zu betonen ist, dass nicht alle Gelenke des Körpers gleich stark betroffen sind. Das Kniegelenk scheint stärker vom Abbau betroffen zu sein als z.B. die Hüfte, was als Auslöser für die Stolperund Sturzproblematik gesehen werden kann. (Hörmann et al. 2008). Rubenstein und Josephson (2002 zitiert nach Schott, 2007) zeigen auf, dass im Alter von über 80 Jahren das Sturzrisiko bei Frauen deutlich höher ist als bei Männern. Zudem seien Personen, welche bereits Stürze erlitten und eine geringere Muskelkraft in den Beinen, sowie Defizite in der visuellen Wahrnehmung, der Gleichgewichtsfähigkeit und Kognition zeigen, sowie Personen, welche unter Arthritis oder Depression leiden, besonders für Stürze risikogefährdet. Exkurs: Schwindel als Leitsymptom Schwindel ist das häufigste Leitsymptom für Gleichgewichtsprobleme und -störungen im Alter. Da sich diese Arbeit auf nicht auf pathologische Entwicklungen fokussiert, wird in diesem Abschnitt nur kurz darauf eingegangen. Ein Schwindelgefühl wird in der Anfangsphase subjektiv und als Symptom empfunden (Trabert, 2025). Ursachen für Schwindel gibt es viele und diese beruhen meist auf Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 19 multifaktoriellen Ereignissen und Veränderungen im Körper sowie der Umwelt (Hörmann et al., 2008). Trabert (2025) beschreibt als zusätzlichen Risikofaktor die Wirkung von ototoxischen Medikamenten3, welche das Innenohr schädigen und somit zu Hörverlust und Gleichgewichtsproblemen führen können. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich Schwindel durch schwindende soziale Beziehungen entwickeln kann, wobei von einem psychogen bedingten Schwindel die Rede ist (Hörmann et al., 2008). Fakt ist, dass Schwindel die Lebensqualität erheblich vermindert (Hörmann et al., 2008; Trabert, 2025). Dabei können die Unsicherheiten im motorischen Gleichgewicht zu Ängsten und zum Verlust von Autonomie führen, was schlussendlich ein erhöhtes Sturzrisiko und/oder eine Sturzangst nach sich ziehen kann. 2.2.2 PSYCHISCHE ASPEKTE DES ALTERNS Im Alterungsprozess sind die Gehirnstrukturen und Prozesse ebenfalls vom Abbau betroffen. Die Zahl der neuronalen Zellen im Gehirn nimmt im Laufe des ganzen Lebens ab. Dabei sind Leistungen wie z.B. die Aufmerksamkeit, Konzentration und Schreibgeschwindigkeit betroffen (Huch & Jürgens, 2015). Wie bei fast allen Funktionen, sind beim Gedächtnis nicht alle Funktionen gleich stark von einer Degeneration betroffen. Der sensorische Input kann eingeschränkt sein, wobei die Sinnesinformationen durch altersbedingte Veränderungen der Sinnesorgane, nicht mehr adäquat aufgenommen werden können. Delius, et al. (2010) beschreiben in der Berliner Altersstudie den Einfluss von abnehmenden Sinnesqualitäten auf die intellektuelle und kognitive Leistungsfähigkeit. Ebenfalls nehmen die Aufmerksamkeit und Konzentration ab, wodurch es für den Menschen schwieriger wird, neue Informationen aufzunehmen (Oswald, 2006). Ein weiterer vom Altern betroffene Prozess ist die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit. Gelerntes wird entweder im Kurzzeitgedächtnis (auch Arbeitsgedächtnis) oder durch repetitives lernen im Langzeitgedächtnis gespeichert. Da die fluiden Funktionen schon im früh beginnenden Alterungsprozess immer mehr nachlassen, gelingt es uns mit zunehmendem Alter weniger, Informationen schnell zu verarbeiten, wie auch mit angeeignetem Wissen abzuspeichern (Huch & Jürgens, 2015; Oswald, 2006). Über die ganze Lebensspanne eignet sich der Mensch Wissen an. Das Faktenwissen, sprachliche Fähigkeiten oder Wissen durch Erfahrungen sind im Speicher der kristallinen Intelligenz verankert, auf welches im Altern ebenfalls noch zugegriffen werden kann. Dadurch, dass ein Mensch im hohen Lebensalter über viel Lebenserfahrung verfügt, ist man, in einer psychologischen Sichtweise, nicht nur von einem Abbauprozess betroffen (Bergmann & Wiegel, 2020; Oswald, 2006). Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen Depressionen und Demenz. Im Alter verändert sich diesbezüglich die Vulnerabilität und die subjektive Einschätzung der Person (Angst & Ugolini , 2019). Die Gründe dafür liegen in den vermehrt auftretenden Krisensituationen, welche die Person in ihrer Verarbeitung und Anpassung herausfordert. Dazu zählen Verlustereignisse von nahestehenden Personen, Pensionierung, Krankheiten oder der Wechsel in eine betreute Wohnumgebung (Angst & Ugolini , 2019; Nigg & Steidl, 2011). 3 Ototoxische Medikamente umschreiben Medikamente, welche «giftig für das Ohr» sind. Sie finden sich in oft verschriebenen Medikamenten für ältere Personen (vgl. regional-hoergeraet.de) Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 20 Ein wichtiger Schutzfaktor stellt dabei die bereits erwähnte Resilienz dar. Wie ein Individuum mit solchen Lebenseinschlägen umgeht, hängt stark von den persönlichen Ressourcen und Erfahrungen ab. Angst und Ugolini (2019) lassen dabei die körperlichen Ressourcen und Kompetenzen nicht ausser Acht. Für die Förderung der psychischen Gesundheit kristallisieren die Autorinnen mehrere Punkte heraus (vgl. S. 4). Folgende, für diese Arbeit relevante Punkte, werden genannt: • Verfügbarkeit von Möglichkeiten für sinnvolle Aktivitäten • Verfügbarkeit von Möglichkeiten für körperliche Aktivitäten und Training • Stärkung positiver Beziehungen • Verbesserung kommunaler Partizipation Diese Bereiche wurden aufgrund psychomotorischer Arbeitshaltung ausgewählt. Nach dem Verständnis der Verfasserin könnten die oben beschriebenen Punkte mit verschiedenen psychomotorischen Ansätzen in einer Therapie umgesetzt bzw. unterstützt werden. 2.2.3 SOZIALE ASPEKTE DES ALTERNS Gesundheit, Lebensqualität und Partizipation im Alter Ältere Menschen entwickeln mit dem Abbau von Körperfunktionen und Strukturen oft chronische Krankheiten. Dies beginnt meist mit der natürlichen Einbusse der Sehfähigkeit (Nigg & Steidl, 2011). Die häufigsten psychischen Krankheiten im Alter sind Demenz und Depression. Dies erklärt sich vor allem durch den Verlust von Autonomieund Anerkennung (Nigg & Steidl, 2011). Nach und nach entwickeln sich Multimorbiditäten. Ebenfalls werden die Verhaltensweisen älterer Menschen durch ihren Lebenslauf und ihr Umfeld, indem sie sich bewegen, gezeichnet. Dazu gehören im Alter zunehmend mehr Verlusterlebnisse im sozialen Umfeld und/oder den körperlichen, wie auch geistigen Fähigkeiten, woraus negative Assoziationen auf die Selbstständigkeit und Selbstkontrolle entstehen können. Daraus können zusätzlich Minderwertigkeitsgefühle resultieren, wobei der Selbstwert der Person darunter leidet (Angst & Ugolini , 2019; Nigg & Steidl, 2011). Angst und Ugolini (2019) betonen die Wichtigkeit der sozialen Einbindung im Alter. Zum einen scheint der Sozialkontakt wichtig für die Unterstützung der alternden Person zu sein. Zusätzlich sollen beim Individuum dabei Gefühle vom geschätzten Dasein und dem Gefühl gebraucht zu werden vermittelt werden. Dies ist im Sinne der Förderung des psychischen Wohlbefindens (ebd.). Fehlt die soziale Einbindung, schwindet die Teilhabe der Person und folglich wird sie sich immer mehr Isolieren. Der Einfluss von Stürzen auf die Partizipation Stürze sind ein grosses gesundheitliches Problem in der Gesellschaft. Personen sind nach einem Sturz oft auf medizinische Unterstützung angewiesen. Die häufigsten körperlichen Folgen von Stürzen sind Hüftund Oberschenkelfrakturen, sowie Schädelhirntraumata (vgl. WHO, 2007, S. 2). Oft tragen betroffene Menschen die psychischen Belastungen nach einem Sturz noch lange mit sich. Folgen davon sind meist Depressionen, Verwirrtheit, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Autonomie. Diese wirken sich negativ auf alltägliche Aktivitäten und auf die Partizipation der Person aus (ebd.). In einer Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 21 Befragung von Abonyi, Bacsu , Jeffrey, Johnson und Novik (2016), äusserten die Betroffenen Personen, dass sie nach einem erlebten Sturz den gewohnten Aktivitäten limitierter nachgehen können. Daraus würde ebenfalls eine erhöhte Sturzangst resultieren. Abonyi et al. (2016) fanden ebenfalls heraus, dass die körperlichen Folgen eines Sturzes von den Betroffenen meist heruntergespielt und mit einer Ungeschicktheit gerechtfertigt werden. Abbildung 4: Risikofaktoren Sturzangst (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023) Aus Gangunsicherheiten oder bereits erlebten Stürzen kann eine Sturzangst resultieren. Merkmale einer Sturzangst reichen von Unsicherheit und Panik, über Verkrampfungen und festklammern beim Gehen (z.B. bei Treppen), langsamer und stockender Erholung nach einem Sturz, depressiven Verstimmungen und Rückzug, Aggressivität und Ablehnung bis zum endgültigen Verlust von Selbstständigkeit und Mobilität (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023; Freiberger & Schlee, 2016). Mit der steigenden Angst vor Stürzen versteife sich ein Mensch immer mehr, was sich negativ auf das Gleichgewicht auswirken kann (Sonnenmoser, 2015). In einer Befragung von Abonyi, Bacsu , Jeffrey, Johnson und Novik (2016) äusserten die Betroffenen Personen, dass sie nach einem erlebten Sturz den gewohnten Aktivitäten limitierter nachgehen können. Daraus resultiere ebenfalls eine erhöhte Sturzangst. Abonyi et al. (2016) fanden ebenfalls heraus, dass die körperlichen Folgen eines Sturzes, von den Betroffenen meist heruntergespielt und mit einer Ungeschicktheit gerechtfertigt werden. Schnell entwickeln sich solche Ängste zu einem Teufelskreis, welcher es den Betroffenen immer schwerer macht, den Alltag zu bewältigen, was meist eine stärkere Isolation und das Aufgeben von Aktivitäten zur Folge hat (Sonnenmoser, 2015). Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 22 2.2.4 AKTIV/GESUND ALTERN Aktives Altern ist mehrdimensional und hängt nicht nur von den physischen und kognitiven Funktionen ab (Brayne, Cosco, Prina, Perales & Stephan, 2014). Was gesundes Altern genau ist, wie und wann man gesund altert, ist eine subjektive Frage. Daher wird der Begriff von jedem Autor anders definiert. Man schätzt die Anzahl Definitionen bereits auf mehr als Hundert. Die Definitionen wurden von Brayne et al. (2014) in fünf grössere Gruppen eingeteilt, wobei, durch eine Befragung der Gesellschaft, verschiedene Schwerpunkte als Priorität des gesunden Alterns gesetzt wurden. Dabei kristallisierten sich folgende Schwerpunkte heraus: physiologischer Status (Funktionalität und Abwesenheit von Krankheiten), soziale Beziehungen, Wohlbefinden (emotionale Stabilität und Lebenszufriedenheit), persönliche Ressourcen (Resilienz und Autonomie) und äusserliche Faktoren (Umwelteinflüsse, sozioökonomischer Status). Meist werden die verschiedenen Ansichten, was gesundes Altern ausmacht, durch kulturelle Bedingungen beeinflusst (ebd.). Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG, 2022) verweist auf das Konzept des aktiven Alterns der Weltgesundheitsorganisation. Basierend auf dem Fakt, dass körperliche und psychische Krankheiten im Alter zunehmen, wurde ein Konzept erstellt. Es soll nicht auf die vollständige Gesundheit des älteren Menschen abzielen, sondern auf die Ressourcen jedes einzelnen eingehen (vgl. BAG, 2022). Durch die Nutzung der Ressourcen möchte man erreichen, dass es Menschen, trotz einer chronischen Erkrankung, gelingt, mit sozialen, körperlichen und emotionalen Herausforderungen umgehen zu können. Das Ziel dabei ist es, die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden der Menschen zu fördern und aufrecht zu erhalten (BAG, 2022; WHO, 2016). Das Konzept spricht die stereotypen Altersbilder an, wobei die Meinung vertreten wird, dass im Alter überwiegend Abbauprozesse stattfinden. Mittels Aufklärung soll der Gesellschaft bewusst gemacht werden, dass dem nicht so ist und Menschen in allen Bereichen der Lebensspanne im Stande sind, neues zu lernen. Zudem soll eine umfassende Gesundheitspolitik gesundes Altern ermöglichen. «Dazu braucht es eine gute Vorsorge und Gesundheitsförderung, ein unterstützendes soziales Umfeld, eine angemessene Lebensund Wohnsituation und ein Altersbild, das die Ressourcen älterer Menschen erkennt.» (BAG, 2019). Die WHO beschreibt ausserdem Faktoren, welche das aktive Altern beeinflussen (WHO, 2002, S. 19 ff.). Dazu zählen: • Universell gültige Faktoren: Kultur und Geschlecht • Für das Gesundheitsund Sozialwesen bestimmende Faktoren • Verhaltensabhängige Faktoren • Persönlichkeitsabhängige Faktoren • Umweltfaktoren • Soziale Faktoren • Wirtschaftliche Faktoren Die oben aufgelisteten Faktoren sind teilweise beeinflussbar. Im selben Artikel (WHO, 2002) betont die WHO die ansteigende Sturzgefahr im Alter. Sie verweisen dabei auf die möglichen Folgen wie Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 29 Kaffeetrinken mit engen Freundinnen, und dem bereits erwähnten Mittagessen bei der Tochter. Die Befragte 2 erzählte von sporadischen Begegnungen mit Bekannten beim Spaziergang. Die Befragte 3 erzählte von ihrer Mitgliedschaft in einem Chor, welche bis vor kurzem noch bestand. Die restliche Zeit, würden die Befragten oft allein verbringen. Jedoch stösst die Forscherin auch hier auf viel Akzeptanz und einer positiven Befindlichkeit bezüglich des Aspekts der Teilhabe. Es wird geschätzt, was noch da ist, seien es die Kolleginnen und die Familie. Zwei der Befragten äusserten, dass sie in grösseren Gruppen wie z.B. Vereinen, nicht aktiv waren, da kein Bedürfnis vorhanden war. Die Befragte 3 betonte, dass der Ausstieg aus dem Chor eine bewusste Entscheidung war und erklärte, dass man gewisse Dinge im Alter aufgeben muss. Aktivitäten wie diese seien mit einem Aufwand und einer hohen Anstrengung verbunden. Zudem interpretiert die Forscherin ein gewisses Schamgefühl oder eine kritische Selbsteinschätzung, bezüglich der Teilnahme am Chor und der eigenen körperlichen Verfassung. Trotzdem würde sich die Befragte 3, nach ihrer Aussage, mehr Teilhabe wünschen. Es sticht heraus, dass alle der Befragten nur wenig Kontaktpunkte zum gesellschaftlichen Leben haben. Diese beschränken sich auf den Einkaufsort, die Familie und Freundesgruppe, das Altersheim des Ehemannes, die Spazierroute mit anschliessendem Kaffeetrinken und den Weg mit dem Zug zur Therapie. Kategorie 4: Gleichgewicht und Stürze Bezüglich des Gleichgewichts stiess die Forschende auf eine positive Befindlichkeit und Selbsteinschätzung der Befragten. Zwei von drei Befragten nutzen einen Gehstock, wenn sie das Haus verlassen und haben teilweise zusätzliche Unterstützung durch das Einhängen bei einer zweiten Person. Der Stock bereite beiden Befragten ein Gefühl der Sicherheit. Die dritte Person äusserte, dass sie teilweise Gangunsicherheiten bemerken würde und froh sei, wenn sie sich beim Einkaufen am Einkaufswagen halten könne. Es scheinen keine Ängste vor Stürzen zu bestehen. Es wurden unterschiedlich viele Erfahrungsberichte zur Sturzhäufigkeit erstattet. Aus den Aussagen kann entnommen werden, dass die Stürze meist einem auslösenden Faktor geschuldet waren. Dabei handelte es sich zum Beispiel um einen Hirntumor, Arthrose in den Fussgelenken oder einem zu hohen Blutdruck. Die Folgen der Stürze wurden teilweise körperlich wie ein gebrochenes Handgelenk oder ein geschwollenes Knie. Die Befragte 1 konnte sich nicht mehr an den Sturz erinnern. Es wurden ähnliche Bewältigungsstrategien genannt. Diese beinhalten die Abgrenzung vom Ereignis, indem man sich keinen Kopf darüber macht oder das Aufstehen und Weitermachen, welche beide als (un)bewusste Kompensationsstrategie interpretiert werden könnten. Teilweise wurden Veränderungen im Verhalten angesprochen, welche z.B. beim Gehen vorsichtiger unterwegs zu sein und den Boden im Blick zu halten oder vermeiden von Treppensteigen, beinhalteten. Die Befragten 2 und 3 äusserten, dass sie sich noch den Aktivitäten widmen würden, welche sie gut alleine verrichten können. Wenn z.B. beim Putzen der Schrank zu hoch sei, dann würden sie es sein lassen. Kategorie 5: Bedürfnisse und Wünsche Im Bereich der Bedürfnisse und Wünsche stiess die Forscherin ebenfalls auf ein positives Befinden. Ein psychomotorisches Angebot würde für die Befragte 3 in einem Einzelsetting in Frage kommen. Sie Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 30 würde es sehr schätzen, wenn ihr Bedürfnis nach guten und inhaltlich qualitativen Gesprächen, erfüllt werden könnte. Die Befragte 1 äusserte grosse Zufriedenheit, so wie die Lebenssituation momentan sei und beschrieb es als Glück, Freunde und Familie um sich zu haben. Ihre tägliche Routine, bestehend aus dem Spaziergang und Kaffeetrinken mit Freundinnen, möchte sie demnach gerne beibehalten. Die Befragte 2 würde gerne wieder mehr Stricken und Gartenarbeit verrichten können. Sie äussert gegenüber einem psychomotorischen Angebot eine Offenheit. Für sie ist das Autofahren ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sie möchte dieses Bedürfnis weiterhin erfüllen können. Werden die Aussagen der einzelnen Kategorien miteinander Verglichen zeigen sich verschiedene Zusammenhänge. In der theoretischen Grundlage wurden die altersbedingten Veränderungen der Sinnessysteme beschrieben. Die Reduktion der Sinnesqualitäten des Sehens und Hörens wurden von allen der drei Befragten angesprochen. Im direkten Zusammenhang damit stehen Aktivitäten wie zum Beispiel das Fernsehen oder Zeitunglesen, was teilweise nicht mehr möglich ist. Dabei kann eine Person eingeschränkt sein, sich Informationen eigenständig zu beschaffen. Zudem wurde erwähnt, dass eine Unsicherheit darin besteht, zu erkennen, wie sich der Untergrund beim Gehen im Freien verhält. Dadurch rückt die Thematik des Gleichgewichtes und des Sturzrisikos in den Vordergrund. Obwohl die Personen eine positive Befindlichkeit bezüglich des eigenen Gleichgewichtes äussern, verlassen zwei der drei Befragten das Haus nicht mehr ohne Gehstock und/oder einer Begleitperson. Dies, aufgrund eines Sicherheitsgefühls. Die tägliche Bewegung scheint bei der Befragten 1 ein grosser Aspekt der Teilhabe zu sein, da sie dadurch den Kontakt zu ihren Freundinnen pflegt. Die Befragte 3 meidet gezielt das Treppensteigen und scheint sich dadurch in ihrer Teilhabe aber nicht eingeschränkt zu fühlen. Genau so berichtet die Befragte 2, welche die meisten Erfahrungen mit Sturzsituationen preisgibt. Durch angeeignete Bewältigungsstrategien scheinen die Erlebnisse nicht einschneidend, im Sinne einer reduzierten Partizipation zu sein. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 31 4 DISKUSSION 4.1 BEANTWORTUNG DER FRAGESTELLUNGEN Anhand des theoretischen Hintergrundes lässt sich festhalten, dass der natürliche Alterungsprozess des Menschen die Gleichgewichtsfähigkeit beeinträchtigt. Dies wird durch die Abbauprozesse am Vestibulärorgan, den Sinnesorganen wie auch den Veränderungen am Bewegungsapparat begründet. Die Ausmasse der Veränderungen können jedoch nicht generalisiert werden, da der Alterungsprozess höchst individuell ist. Da das Modell der ICF kontextabhängig, situativ bedingt ist und ebenfalls einen dynamischen Prozess darstellt kann nicht absolut gesagt werden, dass die Partizipation in jedem Fall durch die altersbedingten Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit eingeschränkt wird. Zur Einordnung eines Falles sollten dringend die Risikound Schutzfaktoren einer Person berücksichtigt und miteinbezogen werden. Die Ergebnisse der Interviews zeigen bezüglich der Fragestellung eine positive Befindlichkeit. Die Alterungsprozesse von einzelnen Sinnesmodalitäten werden wahrgenommen und akzeptiert. Ebenfalls äusserten sich die Befragten positiv zur eigenen Gleichgewichtsempfindung und dem zusammenhängenden Aspekt der Partizipation. Die Veränderung der Gleichgewichtsfähigkeit im zunehmenden Alter, scheint, erstaunlicherweise weniger Raum einzunehmen, als von der Verfasserin vermutet. Aus den Interviews wird ersichtlich, dass ältere Menschen sich sehr stark mit dem Alterungsprozess und allem, was dieser mit sich bringt, abgefunden haben. Daher wird von den meisten geschätzt, was noch da ist und vor allem, was im möglichen Bereich der Selbstständigkeit liegt. Es wurden verschiedene Bedürfnisse geäussert. Die Befragte 1 möchte gerne ihre bestehende Routine aufrecht erhalten. Sie betont, dass sie nichts anderes mehr möchte. Die Befragte 2 wünscht sich, wieder mehr feinmotorische Arbeit tätigen zu können. Das Autofahren stellt für sie eine hohe Wichtigkeit in ihrem alltäglichen Leben dar. Daher möchte sie dieses Bedürfnis weiterhin erfüllen können. Die Befragte 3 möchte gerne mehr Teilhabe. Es fällt ihr jedoch schwer, konkrete Beispiele dafür zu finden. Gerne würde sie öfters qualitative Gespräche mit einer anderen Person im eins zu eins Setting führen. Wie es das motogeragogische Konzept von Marianne Eisenburger bereits beschreibt, nimmt das bedürfnisorientierte Arbeiten einen hohen Stellenwert bei älteren Menschen ein. Womöglich ist es genau das, was sich ältere Menschen wünschen: in ihren Bedürfnissen verstanden zu werden. Um sich einer Umsetzung anzunehmen, wird der Bereich der Gerontologie sicherlich aufschlussreich sein. Zudem scheint das Konzept des aktiven und gesunden Alter(n)s einen sinnvollen Schritt bezüglich der sozialen Partizipation älterer Menschen, zu sein. Ein wichtiger Faktor 1. Wie stellt sich, gemäss ICF, der Zusammenhang zwischen altersbedingten Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit auf die Partizipation von Menschen im höheren Alter dar? Wie wirken sich altersbedingte Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit auf die Partizipation von Menschen im höheren Alter, gemäss ICF, aus? Zusammenhang beschreiben 2. Gibt es Bedürfnisse im Bezug auf die Teilhabe, welche Menschen mit einer Gleichgewichtsunsicherheit haben und könnte die Psychomotoriktherapie daran ansetzen? Wie wirken sich altersbedingte Veränderungen der Gleichgewichtsfähigkeit auf die Partizipation von Menschen im höheren Alter, gemäss ICF, aus? Zusammenhang beschreiben Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 32 bei der möglichen Umsetzung wird sicherlich die bedürfnisund ressourcenorientierte Grundhaltung des gesamten Handlungsspielraumes darstellen. 4.2 ABSCHLIESSENDES FAZIT Es folgt das Fazit. Die Verfasserin reflektiert den Arbeitsprozess des theoretischer Hintergrundes sowie der praktischen Forschungsarbeit. Bezüglich des theoretischen Hintergrundes fiel auf, dass die Forschungsthematik von Gleichgewicht im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess und der Partizipation eine noch unerforschte Zusammensetzung zu sein scheint. Es fanden sich wenig Literatur und Reviews dazu. Bei der Recherche stiess die Verfasserin oft auf Erkrankungen im höheren Alter im Zusammenhang mit Stürzen oder der sozialen Isolation aufgrund psychischer Erkrankungen. Die Gleichgewichtsfähigkeit scheint eine sehr komplexe Fähigkeit zu sein, bei welcher keine genauen und generalisierten Aussagen bezüglich ihrer Veränderung gemacht werden können. Genau so verhält sich der Alterungsprozess. Die Individualität des Alterungsvorgangs erschwerte es der Verfasserin, sich auf eine spezifische Alterskategorie einzuschränken. Die Partizipation ist zudem ein grosses Forschungsfeld. Sie scheint mit sehr viel Subjektivität verbunden zu sein. Dies machte es der Verfasserin schwer, generalisierte Aussagen dazu zu treffen. Für die Einordnung in die ICF stellte sich bei der Verfasserin die Frage, wie sich die Norm einer Person im höheren Alter äussert und welche Rolle dabei die natürlichen Alterungsprozesse spielen. Der Verfasserin fiel es oft schwer mit einer offenen Haltung gegenüber der Forschungsthematik zu recherchieren. Möglicherweise stand dies im Zusammenhang mit einer gewissen Erwartungshaltung bezüglich des aktuellen Forschungsstandes und der Thematik der vorliegenden Arbeit. Für die Forschungsthematik war die Methode des leitfadengestützten Interviews, ideal. Während der Auswertung der Rohdaten fiel der Forscherin auf, dass ihrerseits geschlossene Fragen gestellt werden. Dies hätte vermieden werden können um differenziertere Antworten erlangen zu können. Die Anwesenheit von Angehörigen beim Interview war für die Differenzierung der Antworten teilweise hilfreich und regte die Befragten stärker zur Reflexion an. Im Auswertungsprozess zeigten sich Schwierigkeiten bei der Zuordnung der Aussagen in die Kategorien. Es zeigte sich nicht immer eine eindeutige Einordnungsmöglichkeit. Dies könnte die Ergebnisse aufgrund einer hohen Subjektivität verzerren. Beim Interpretieren der Ergebnisse fiel es der Forscherin zu Beginn schwer, die Situation neutral zu betrachten. Die Aussagen der Befragten weisen einen hohen Aufforderungscharakter auf, um persönliche Meinungen und Gedanken einfliessen zu lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Veränderung der Gleichgewichtsfähigkeit nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, da es, nach den Aussagen der Befragten, wichtigere Bedürfnisse im alltäglichen Leben gibt. Für eine psychomotorische Arbeit mit älteren Menschen sollten daher die individuellen Bedürfnisse im Zentrum stehen. Das Verfassen der vorliegenden Arbeit hatte der Verfasserin eine Möglichkeit gewährt, Einblick in die Befindlichkeit einer für sie unberührten Altersgruppe zu erlangen. Die Erzählungen und Einblicke gingen ihr sehr nahe und regten sie zur Selbstreflexion an. Die Altersgruppe scheint für die Verfasserin Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 33 durch das Auseinandersetzten mit der Theorie und den unterschiedlichen Gesprächen der Befragten, greifbarer zu sein. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 34 5 ABBILDUNGSVERZEICHNIS Abbildung 1: Stürze im laufe eines Jahres (BFS, 2024) ......................................................................... 2 Abbildung 2: Struktur des Vestibulärorgans (Lensing-Conrady, 2001) ................................................ 12 Abbildung 3: Veränderungen der Organsysteme im Alter (vgl. Huch & Jürgens, 2015) ..................... 17 Abbildung 4: Risikofaktoren Sturzangst (Bruderer-Hofstetter & Knuchel-Schnyder, 2023) ............... 21 Abbildung 5: Regeln zur induktiven Kategorienbildung nach Mayring (2015).................................... 56 6 LITERATURVERZEICHNIS Abonyi, S., Bacsu , J., Jeffrey, B., Johnson, S. & Novik, N. (2016). 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Befragte 1: Das machst du ja nicht mehr mit diesem Alter. Aber laufen gehen wir immer. Und ich habe auch eine gute Kollegin. Die kommt schon immer. Studentin: Also verstehe ich das so, dass du deine Kolleginnen hast und ihr etwas zusammen machen könnt, eure Routinen habt. Bist du voll zufrieden damit? Befragte 1: Ich bin zufrieden so wie es ist. Studentin: Schön. Und in dem Fall hast du auch nicht etwas, das dir unbedingt fehlen würde? Also etwas, das du denkst, das habe ich jetzt schon ewig nicht mehr gemacht und das würde ich jetzt gerne 200 noch mal. Befragte 1: Ich habe einfach meine Dinge... Ja. Und jeden Tag ein bisschen laufen gehen. Da kommt eine Kollegin und kommt mich holen und wir gehen laufen und ein Kaffee haben und dann wieder nach Hause. Das ist für mich gut, wenn man noch ein bisschen draussen ist und ein bisschen gehen kann. Genau. Studentin: Gut. Schön. Das freut mich natürlich, wenn es dir so gut geht. Wenn du dein Leben so gestalten kannst, wie es für dich passt. Das ist natürlich ein grosses Privileg. Studentin: Jetzt sind wir eigentlich schon am Schluss angekommen. Und zwar geht es eigentlich nur darum, um das, was ich in der Psychomotorik mache. Und zwar legen wir viel Wert darauf, dass wir eine ganzheitliche Unterstützung bieten können. Das heisst, dass wir nicht nur auf eine Sache schauen, 210 sondern dass wir den kompletten Menschen anschauen. Und alles, was er mit sich bringt. Und dass wir das auch versuchen, ganzheitlich zu fördern. Und es ist uns eben auch wichtig, dass wir die Ressourcen anschauen, die dieser Mensch mitbringt. Du hast so eine Zufriedenheit und bist so gut unterwegs, wie du es dir wünschst. Befragte 1: Sie sind ja wirklich auch gut. Ich muss das sagen, ich habe es dann auch gut. Sie sind dann auch gut. Alle (zeigt auf Anwesende). Studentin: Sehr schön. Befragte: Wirklich. Ich will jetzt über nichts reklamieren. Alle sind gut mit mir. So gut. Das muss man dann auch sagen. Studentin: Für den Schluss würde es mich noch interessieren, was dir persönlich wichtig ist bezüglich 220 deiner Mobilität. Das heisst, wie du unterwegs sein kannst, was dir wichtig ist in der Teilhabe, dass du wirklich noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kannst und auch das Gefühl beibehalten kannst. Was ist dir wichtig? Befragte 1: Ja, wichtig ist mir einfach die Familie, dass wir miteinander zufrieden sind. Und ich muss sagen, wir haben es wirklich gut miteinander. Alle, auch die Grosskinder, sind wirklich auch gut mit mir. Das muss ich jetzt sagen. Da habe ich nichts auszusetzen. Studentin: Und ich denke dir, wie du es mir erzählst, ist es dir sicher auch wichtig, dass du nach draussen gehen kannst, dass du diese Bewegung hast? Befragte 1: der Kontakt mit der Kollegin, mit der, die jeden Tag kommt, zu laufen. Und sonst noch jemand, der hier und da auch einmal kommt. Eine gute Kollegin. 230 Studentin: Dann, hast du konkrete Wünsche oder ein Bedürfnis, die du hast, dass du irgendwie das Gefühl hast, das würde ich noch ein bisschen selbstständiger machen oder das würde dir wieder ein bisschen mehr... Befragte 1: Ich bin zufrieden so. Ich bin glücklich so. Und eben, also auch die Familie, sie sind ja auch gut mit mir, das muss ich sagen. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 46 Studentin: würdest du jetzt sagen, dass du nicht noch zusätzliche Unterstützung brauchst? Das heisst, dass du eigentlich so, wie es jetzt gerade ist, dass du so zufrieden bist? Oder dass du sagst, manchmal hätte ich dort doch noch gerne ein bisschen mehr Unterstützung oder vielleicht auch eine Abwechslung? Befragte 1: Wir haben es gut so. Sie sind gut mit mir und ich habe die Kollegin, mit der wir laufen gehen. Und mehr brauche ich gar nicht. 240 Studentin: Gut. Ja, das ist doch auch schön. Befragte 1: Ja. Ich habe schon ein paar Kollegen, mit denen wir irgendwann wieder zusammen sind. Studentin: Sehr schön. Ja, das waren schon all meine Fragen. Ja. Jetzt möchte ich natürlich dich noch fragen, hast du noch eine Frage an mich? Befragte 1: Eigentlich nicht. Ich bin einfach... Ich muss sagen, ich habe es gut, ich habe es schön. Und ich habe noch Kollegen, die mit mir laufen gehen. Ich möchte eigentlich nichts anderes. Einfach Gesundheit. Dass ich noch laufen gehen kann. Ja. Das wünsche ich mir. Ja. Studentin: Sehr schön. Gut. Möchtest du sonst noch etwas erzählen, was dir jetzt vielleicht noch in den Sinn gekommen ist oder was du noch vergessen hast? Befragte 1: Da kommt mir jetzt nichts in den Sinn... Ich habe es wirklich... Sie sind alle gut, gell? 250 Tochter der Befragten: Du bist in einem guten Netzwerk eingebunden, sonst würde es nicht funktionieren. Studentin: Ja. Befragte 1: Und auch die Grosskinder, die sind... Ich möchte nichts reklamieren. Ich bin glücklich. Schön. Studentin: Schön. Super. Dann danke ich dir vielmals für das Gespräch. Es hat mich sehr gefreut, einen Einblick zu bekommen. Auch in deinen Alltag und wie du das gestaltest. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 47 Transkript Befragung 2: 28.04.2025 Anwesende: Studentin, Befragte 2, Tochter der Befragten Studentin: Einleitung (Siehe Fragebogen) Studentin: Altern ist ein Prozess, den jeden von uns betrifft. Jeden Tag wird man älter, seit man auf der Welt ist, also, seit man geboren wird. Der Alterungsprozess ist ganz individuell. Sei es von dem, was 5 man mitbekommt, sei es von den Genen, sei es auch, wie man aufwächst im Umfeld, welche Wege man sich im Leben sucht und welche Schicksalsschläge man erlebt. Der Lebenslauf jeder einzelnen Person ist sehr individuell. Jetzt möchte ich dich zuerst fragen, wie du den Prozess des Älterwerdens erlebst oder was deine Befindlichkeit dazu ist. Sei es in der körperlichen Verfassung, im Kopf, in der psychischen und geistigen Verfassung oder auch bei der Teilhabe in der Gesellschaft? Was erlebst du da so? 10 Befragte 2: In der Gesellschaft bin ich alleine. Wenn ich laufen gehe, treffe ich jemanden, der mich schon lange mehr gesehen hat, dann berichtet man einander. Aber dann gehe ich wieder nach Hause und die anderen gehen nach Hause. Meistens sind jüngere oder ältere dabei, die mit den Hunden kommen. Studentin: Hast du in den letzten Jahren etwas im Körper gemerkt? Hat sich etwas verändert? 15 Befragte 2: Ja, ab 75. Ich bin nicht die Einzige, die das sagt. Es geht schon etwas runter. Ab 75 bist du viel langsamer. Du brauchst mehr Ruhezeiten. Du sitzt etwas mehr. Mit den Muskeln geht es zurück. Und ... Ja, die Knochen halt auch. Studentin: Hast du auch das Gefühl, dass du weniger Kraft in den Beinen hast? Oder Kraft, um Dinge zu heben? 20 Befragte 2: Ja, Heben auch. Studentin: Wie ist es, wenn du ein Gedächtnis hast? Hast du das Gefühl, du vergisst mehr Dinge? Befragte 2: Ich habe das schon mit dem Doktor ... Er hat mich auch schon gefragt, wie es ist. Dann sage ich, dass ich schon etwas vergesse. Dann gehe ich in die Keller und weiss nicht mehr, was ich brauche. Dann gehe ich wieder hoch und es kommt mir in den Sinn. Dann gehe ich wieder runter. Ja, das sind so 25 Dinge. Einmal ist mir auch so eine Sache passiert. Ich war Einkaufen und die gepackte Handtasche mit dem Geld blieb zu Hause. Ich musste schauen, ob ich den Einkaufswagen hinstellen konnte. Ich habe gesagt, dass ich wieder komme, aber ich muss zuerst das Portemonnaie holen gehen. Ich habe es erst bei der Kasse gemerkt. Es hat einfach nicht gereicht (Geld, welches sie dabei hatte). Dann habe ich gesagt, ich komme wieder. 30 Tochter der Befragten: Das passiert mir auch schon. Befragte: Das Portemonnaie hatte ich schon, aber das Geld nicht. Es war in der Handtasche. Und das Kärtchen auch nicht. Sonst hätte ich es mit dem Kärtchen bezahlt. Tochter der Befragten: Ich habe das Gefühl, du hast ein enorm gutes Gedächtnis. Das muss ich sagen. Sie erzählt viel von Früher, sie weiss ich viel mehr Dinge, die ich z.B. nicht mehr weiss. 35 Befragte 2: Ich überlege viel. Ich fahre an einen Ort hin, dann kommen wieder Dinge in den Sinn. Studentin: Mhm. Man sagt noch oft einen Stereotypen-Satz, dass das Alter nur ein Abbauprozess ist. Hast du das Gefühl, dass das stimmt? Dass du sagen musst, dass man im Alter nur abbaut? Oder hast du das Gefühl, es gibt schon Dinge, die man doch noch neu lernen kann? Oder hast du das Gefühl, du hast einen grösseren Erfahrungsschatz? 40 Befragte 2: Also, es ist nicht nur ein Abbauen. Ganz sicher nicht. Studentin: Anhand was machst du das fest? Befragte 2: Äh, ich mache noch viel. Wie soll ich sagen. Stricken kann ich im Moment nicht sehr gut. Aber ich habe auch viel mit der Nähmaschine gestickt. Gestrickt habe ich seht viel, aber im Moment geht es nicht so gut. 45 Tochter der Befragten: Du bist ja mit mir auch noch einen Kurs (gestalterischer Kurs) gemacht. Wir sind ja oft in den Kursen. Befragte 2: Ja, ja. Eben. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 48 Tochter der Befragten: Es ist eher grob(motorisch). Aber du musstest auch mit den Fingern arbeiten. Befragte 2: Da waren die Finger noch gut. Das ist nachträglich gekommen und eine Zeit lang lag es vor 50 allem an der Kälte. Aber du musst trotzdem immer wieder machen/tun und die Hände brauchen. Studentin: Hast du das Gefühl, im Alltag merkst du es manchmal wirklich, dass du langsam in diesem Bereich abgibst? Oder hast du das Gefühl, es kommt einfach schleichend, oder merkst du es effektiv?...Oder ist es vielleicht etwas phasenhaft? Befragte 2: Ja, wenn du etwas müde bist, denkt man darüber nach. Aber solange ich noch Haustiere 55 habe, muss ich es einfach machen. Wenn du hochkommst, musst du eine Katzenkiste putzen. Wenn du runterkommst, musst du dort auch putzen. Dann wollen sie fressen und sitzen auf dem Tisch und warten auf dich. Studentin: Und wenn man älter wird, gibt es manchmal wirklich mehr Krisensituationen. Sei es dein Partner, der jetzt im Altersheim ist. Wie von einem Tag zum nächsten nicht mehr jemand, der zu Hause 60 war. Wie hast du das Gefühl gehabt, damit umzugehen zu können? Befragte 2: Er war viel krank. Er war viel im Spital. Ich war viel alleine. Ich war auch sonst viel alleine, als wir noch in der Stadt wohnten. Er war viel in der Metzgerei (Arbeit) und kam von dort spät nach Hause. Ich war viel alleine. Aber das Corona-Zeugs, das er hatte, hat mich gewaltig auf den Boden geschlagen. Ja, ja. Ich habe am Anfang gut 15 kg abgenommen. Jetzt geht es wieder besser. Und dann 65 habe ich total viel geweint. Tochter der Befragten: Das war auch der Situation geschuldigt. Man will ja nicht, dass du hier bist und er dort. Das hätte man sich nie so gewünscht. Man wollte ja zusammen hier alt werden. Befragte 2: Dann hätten wir vielleicht auch beide ein Hilfsmittel gebraucht, weil er nicht mehr so gut stehen und gehen konnte. Das ist halt einfach dem Alter geschuldet. 70 Studentin: Was hat dir in dieser Situation geholfen? Oder wie hast du das Gefühl gehabt, dass du wieder mehr daraus rauskommst? Befragte 2: Ich habe den Radio oder den Fernseher eingeschaltet. Du hattest ein bisschen Lärm um dich herum. Und dann auch mit dem Hund rausgehen, wenn du in die Natur gehst, nützt das schon viel Studentin: Und das Umfeld? z.B. Kontakt zu den Verwandten? Hat dir das geholfen? 75 Befragte 2: Ja. Studentin: Hast du das Gefühl, mehr auf dich selbst zu schauen? Befragte 2: Ja. Aber ... Wie soll ich das sagen? Ich war mehr auf mich selbst eingestellt. Ja. Ich wollte sie (das Umfeld) nicht mit dem noch belasten. Studentin: Ja. Mhm. Ich möchte ein bisschen wegkommen vom Alterungsprozess und mehr das Gleich-80 gewicht anschauen. Das Gleichgewicht ist eine Fähigkeit, die uns befähigt, den Gleichgewichtszustand aufrechtzuerhalten. D.h., dass wir im Alltag stabil bleiben, dass wir nur schon aufrechtstehen können, dass wir sitzen können oder die Position verändern können. Für das ist alles das Gleichgewicht zuständig. Der Alterungsprozess ist individuell. Und es ist so, dass im Alter das Gleichgewicht abnimmt. Es ist immer ein bisschen verschieden, von Mensch zu Mensch. Aber es hängt auch ganz fest mit dem Sehen 85 und dem Hören zusammen. Es ist alles ein bisschen miteinander verbunden. Von den Strukturen her. Jetzt möchte ich wissen, ob du Erfahrungen gemacht hast, bei denen du gemerkt hast, dass dein Gleichgewicht sich verändert. Wie hast du das Gefühl gehabt, oder wenn du solche Erfahrungen gemacht hast, wie hat sich die Mobilität, also dein ganzer Körper, im Alltag verändert? Befragte 2: Einmal bin ich mit den Füssen hängen geblieben und bin auf die Treppe gefallen. Das andere 90 Mal war der Hund der Auslöser. Irgendwie mit den Leinen. Ich kann es nicht genau sagen. Tochter der Befragten: manchmal hast du auch ein bisschen zu viel im Kopf, wo du daran studierst. Befragte 2: Und dann bin ich hier bei Lidl umgefallen. Da habe ich eine Flasche ins Auto laden wollen. Ja, das war zwei Jahre her. Tochter der Befragten: Als du aufs Knie gefallen bist. Also, da gab es schon ein paar schlimmere Dinge. 95 Befragte 2: Schlimmer war, als ich von der Leiter draussen geflogen bin. Dreimal fiel ich um. Einmal bei den Türen zum Garten. Und einmal auch von der Leiter draussen. Aber das war der Bluthochdruck. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 49 Das war mir einfach…Als ich die andere Tablette hatte, ging es gut. Mein Mann sagte, wenn du nochmals umfällst, lasse ich den Krankenwagen kommen. Studentin: Hast du das Gefühl, dass du sicher im Gleichgewicht unterwegs bist? Oder hast du das Ge-100 fühl, dass etwas Unsicherheit da ist? Befragte 2: Ja, mit dem Laufen etwa. Gut gibt es Einkaufswagen zum halten. Das mag ich manchmal schon. Wenn du ein, zwei Dinge hast, geht ein Einkaufskorb. Aber sobald du mehrere Dinge hast... Nein, das ist ja… Tochter der Befragten: Du hast ja oft Mühe mit dem Laufen. Bis du dann «angelaufen» bist, weisst du. 105 Von daher sehe ich, dass es schon recht nachgelassen hat. Befragte: Ja, wenn du die Arthrose im Fuss hast. Studentin: Ja, klar. Das hängt natürlich miteinander zusammen. Befragte 2: Ja, da kannst du nichts machen. Es ist einfach so. Studentin: Gibt es da auch fast ein wenig Ängste? Könntest du nochmals hinfallen? Machst du dir gar 110 keine Gedanken? Befragte 2: Wenn es kommt, kommt es. Ich bin froh, wenn jeder aufstehen kann. Studentin: Aber es ist nicht so, das du das Gefühl hast, dass es ein Gleichgewichtsproblem ist oder dass es dir schwindelig wird? Befragte 2: Nein. Schwindel ist ... Schwindel ist es gar nicht. Wenn es nicht geht, lasse ich es sein. Dann 115 mache ich es zu einem anderen Zeitpunkt. Ich wollte zu Beginn die Schränke putzen. Statt die Leiter zu nehmen, nehme ich den Stuhl und wenn du nicht hochkommst, lässt du es sein. Ja, du lässt es sein. Das ist einfach so. Studentin: Hast du das Gefühl, dass sich etwas verändert hat, seit du einen Sturz hattest? Oder hast du das Gefühl, dass du dich anders verhältst? 120 Befragte: Nein. Studentin: Nicht? Befragte 2: Ja. Ich habe keine Angst. Man muss selber aufpassen. Studentin: Ja, es ist so, dass das Bundesamt für Statistik im Jahr 2022 die Bevölkerung befragt hat. Sie haben herausgefunden, dass rund 15 % der 65bis 75-Jährigen im Jahr einen Sturz haben. Das häuft 125 sich dann im Alter. Bei den 75bis 84-Jährigen ist es schon ein Viertel. Im noch höheren Alter ist es schon ein Drittel, welche mindestens einmal im Jahr stürzen. Das ist schon sehr viel. Die Risikofaktoren sind im körperlichen, also im Funktionsverlust. Sei es die Muskeln, die nachlassen, oder der ganze Mensch, der sich zurückzieht, nicht mehr so viel Bewegung hat. Es kann auch sein, dass die Medikament Einnahme, einen Einfluss haben. Gleichzeitig kann es auch sein, dass man eine Angst vor dem Stürzen 130 entwickelt, die du gesagt hast, dass du das eigentlich nicht hast, was ja schon mal gut ist. Ich habe noch die Frage, wie du damit umgegangen bist, als du umgefallen bist. Befragte 2: Als ich mit dem Hund laufen gegangen bin, bin ich einfach nur auf ein Knie geflogen. Aber die Hose war dann kaputt. Ich bin wieder aufgestanden. Ich hätte ja auf dem Strässchen abhocken können, aber nein. Aufgestanden und nach Hause. 135 Studentin: Hast du dir noch Gedanken darüber gemacht? Befragte 2: Auch nicht. Es war einfach ... Es war vorbei. Tochter der Befragten: Du nimmst nicht gerne Hilfe an, oder? Du versuchst es selbst. Das war schon früher so. Befragte 2: Wenn du auf dich allein gestellt bist, musst du selbst schauen. 140 Studentin: Gab es Folgen des Sturzes? Körperliche Folgen? Befragte 2: Das Knie tut mir immer noch weh. Ja. Es ist immer geschwollen. Studentin: Deine Tochter hat gesagt, du nimmst nicht so gerne Hilfe an. Aber wenn du überlegst, hättest du gerne etwas gehabt nach dem Sturz? Etwas, das dir vielleicht geholfen hätte nach dem Sturz? Befragte 2: Nein. So schlimm ist es nicht. Da gab es schlimmeres. 145 Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 50 Studentin: Und dort, wo du schon schlimmer umgefallen bist, hätte es dort etwas gegeben, wie eine Unterstützung oder etwas, das du gebraucht hättest? Befragte 2: Nein, nein. Mein Mann, er konnte mich ja nicht helfen. Er ging ja an Krücken. Studentin: Hättest du dir etwas vorstellen können, dass du auch von aussen vielleicht eine Unterstützung hättest brauchen können? Oder war das kein Bedürfnis? 150 Befragte 2: Nein. Ich bin ja dreimal in der gleichen Woche hingefallen. Und dann bin ich zum Doktor. Irgendetwas war noch, wo ich gehen musste. Dann sagt er, ich habe den Blutdruck viel zu hoch. Das war das, was ich hingefallen bin. Tochter der Befragten: Aber hast du ihm gesagt, dass du umgefallen bist? Befragte 2: Ja, das kann man denken. Er hat mir ja gesagt, Frau X., wenn es nicht besser würde, dürfte 155 ich nicht mehr Auto fahren. Studentin: Als der Doktor sagte, sie dürfe nicht mehr Auto fahren, fühltest du dich etwas eingeschränkt? Befragte 2: Ja. Studentin: Kann ich mir vorstellen. Befragte 2: Ja. Ich dachte, nein, also ... Darum habe ich ihm nichts gesagt, dass ich hingefallen sei. 160 Studentin: Jetzt ist noch den Aspekt der Teilhabe in der Gesellschaft. Teilhabe ist ein Menschenrecht, das gesetzlich verankert ist. Ältere Menschen verlieren meistens, laut der Recherchen, die ich gemacht habe, immer mehr an Teilhabe. Ein Aspekt davon ist schon der Austritt aus dem erwerbstätigen Alter. Man wird mit 65 pensioniert, geht nicht mehr arbeiten. Man kann dann fast wie in ein Loch fallen. Hast du das Gefühl, dass sich das Gefühl nach Teilhabe und die tatsächliche Teilhabe bei dir auch so verän-165 dert hat? Befragte 2: Schon. Du hast keinen Kontakt mehr. Die Leute, die du mit ihnen gearbeitet hast. Ab und zu sehe ich noch eines. Dann redet man ein wenig miteinander. Aber es hat schon abgegeben. Wenn du nur einmal im Jahr mit ihnen auf Reise gehst, erkennst du die Jüngeren nicht mehr, die mit 65 oder 64 pensioniert wurden. Auch die Älteren fehlen schon wieder, die gestorben sind. 170 Studentin: Was bedeutet Teilhabe für dich? Befragte 2: Ja ... Ich bin eigentlich schon fast zu alt. Ich gehe meinen Weg. Wenn man jemanden sieht, redet man miteinander. Aber sonst gehe ich eigentlich auch nirgendwo hin. Studentin: Ich habe jetzt herausgehört, dass du sicher noch einkaufen kannst, dass du das selber machen kannst. Das ist auch ein Aspekt, dass man Selbstständigkeit beibehalten kann. Das habe ich einem 175 selbst auch Teilhabe gibt. Es gibt das Einkaufen oder ... Ich weiss nicht. Vielleicht gehst du zu deinen Kindern oder kommen sie zu dir? Befragte 2: Sie kommen zu mir. Ich gehe meinen Mann besuchen im Altersheim und rede mit den Leuten oder wir gehen spazieren. Tochter der Befragten: Nein, aber du warst, wenn ich das so sagen darf, nie du unbedingt jemand, der 180 früher so viel machte. Du hats getanzt, warst in einer Trachtengruppe. Aber in den Vereinen bist du nicht unbedingt. Befragte 2: Nein, ich ging ich noch turnen früher. Aber das war mir viel zu anstrengend. Ich ging nicht lange. Vielleicht ein halbes Jahr. Tochter der Befragten: Du hast immer gearbeitet. Du hats auch körperlich gearbeitet. Du hattest ja 185 Kundenkontakt. Befragte 2: Ja. Tochter der Befragten: Das hattest du ja immer gerne. Obwohl du manchmal geschimpft hast. Befragte 2: Es war auch nicht dein Beruf, den du erraten wolltest. Das ist ganz klar. Ja. Studentin: Und jetzt nochmals zur Verknüpfung, zum Gleichgewicht. Du hast eigentlich gesagt, dass du 190 hingefallen bist und dich das nicht näher verfolgt. Du hast das Gefühl, du kannst das relativ gut verkraften. Aber hast du trotzdem manchmal das Gefühl, dass du doch irgendeine Unsicherheit hast, dass du das auch ein Stück weit Teilhabe wegnimmt? Befragte 2: Nein, ich glaube nicht. Ich versuche es trotzdem immer wieder. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 51 Studentin: Es ist also nicht so, dass du dich zu Hause verschanzen würdest. 195 Befragte 2: Nein, das ist nicht so. Studentin: Hast du das Gefühl, dass dir in Hinsicht auf die Teilhabe etwas fehlen würde? Etwas, dass du gerne wieder mehr machen könntest? Befragte 2: Stricken würde ich sehr gerne wieder. Aber es geht einfach noch nicht. Es hat sich gebessert. Da ist halt Arthrose in den Fingern. Unkraut ausreissen, ich bin gerne draussen, das mache ich gerne. 200 Studentin: Im Haushalt und Garten kommst du gut zurecht? Befragte 2: Ja. Was ich heute nicht mache, mache ich vielleicht morgen. Studentin: Dann sind wir bereits am Schluss des Gesprächs. In der Psychomotorik legen wir viel Wert auf eine ganzheitliche Unterstützung. Dass wir den Menschen als Ganzes sehen und nicht defizitorientiert arbeiten, sondern uns an den Ressourcen jedes einzelnen orientieren. Mich nimmt es darum noch 205 wunder, was dir persönlich im Alter wichtig ist bezüglich Mobilität und Teilhabe. Befragte 2: Momentan fahre ich noch gerne Auto, aber nicht weit, nicht auf die Autobahn. Da gibt es genug Stau. Das würde mich auch stressen. Es gibt mir eine Unabhängigkeit. Mit dem Bus gehe ich nicht gerne, da verliert man viel Zeit. Studentin: dann ist dir das wichtig, dass du das noch kannst und das noch hast. Hast du Bedürfnisse 210 oder Wünsche, damit du mehr Selbstständigkeit haben kannst, obwohl du ja sehr Selbstständig bist. Oder wie noch mehr Sicherheit oder Garantie für eine Sicherheit hast, wenn du unterwegs bist? Befragte 2: Ich denke, bis jetzt passt es so. Ich wüsste nicht, was ich ändern wollte. Studentin: Wenn es ein Angebot von der Psychomotorik geben würde, wir arbeiten in der Motorik mit Bewegung, manchmal machen wir auch Gesellschaftsspiele. Das kann man auch in einer Gruppe ma-215 chen oder zu zweit, wenn man zu den Leuten nach Hause geht. Es ist nicht wie eine Spitex. Wir wären da und würden die Bedürfnisse vom Menschen aufnehmen und da sein um versuchen diese umzusetzen. Wenn es ein Angebot gäbe, wärst du daran interessiert? Befragte 2: Mal schauen, das müsste man ausprobieren. Studentin: gäbe es einen Konkreten Wunsch, was das beinhalten müsste? 220 Befragte 2: nein das nicht. Ich würde mich überraschen lassen. Studentin: schön. Dann danke ich dir für das Gespräch, ich habe es sehr geschätzt von dir einen Einblick zu bekommen. Befragte 2: bitte, gerne. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 52 Transkript Befragung 3: 02.05.2025 Anwesende: Studentin und Befragte 3 Studentin: Einleitung (siehe Leitfaden) Studentin: Altern ist ein Prozess. Er betrifft jede Person. In der Theorie wird er als sehr individuell beschrieben. Das ist klar. Er ist vom Lebensablauf jeder Person abhängig. Ich habe mich gefragt, wie 5 sie den Prozess des Alters empfinden. Wie ist ihre Befindlichkeit gegenüber diesem Prozess? Wie empfinden sie es, älter zu werden? Wie ist die Befindlichkeit zu der körperlichen Verfassung? Hatten sie auch das Gefühl, dass sie in der Kognition etwas abgeben würden? Dass sie nicht mehr alles mitbekommen würden? Hatte es Einschränkungen beim Teilhaben im sozialen Umfeld? Befragte 3: Ich hatte nie viel Kontakt zu anderen. Das Gehör spielt auch eine Rolle. Wenn zwei, drei in 10 einer normalen Lautstärke miteinander sprechen, verstehe ich auch nichts. Ja, also ... Ich kann es gut akzeptieren, älter zu werden. Wie gesagt, es ist ein normaler Prozess. Das gehört dazu. Irgendwann ist ja die ganze Energie aufgebraucht. Das ist einfach normal. Mich stört das nicht. Studentin: Haben sie in der körperlichen Verfassung gemerkt, dass man auch älter wird? Befragte 3: Ja, schon. Ich laufe ja am Stock, aber einfach zur Sicherheit. 15 Studentin: Sicherheit? In welchem Sinn? Befragte 3: Dass ich nicht hinfalle. Ja. Dann habe ich ein drittes Bein. Studentin: Ist es dem Alterungsprozess geschuldet, dass sie zu gefährdet sind zum hinfallen? Befragte 3: Ich weiss es nicht. Ich muss überlegen. Ich bin ja mal umgefallen. Das war, als ich ... Ich hatte ja einen Hirntumor. Das war wahrscheinlich deswegen. Da hatte ich das Handgelenk ein bisschen 20 gebrochen. Aber, wie gesagt, mit dem Stock falle ich nicht hin. Das geht gut. Studentin: Wie ist die subjektive Einschätzung? Haben sie das Gefühl, seien momentan zufrieden, so wie es ist? Oder haben sie das Gefühl, ihnen fehlt etwas? Befragte 3: Es ist schon gut, wie es ist…manchmal. Ich finde, das, was man nicht ändern kann, das müssen wir annehmen. Das ist das Normalste, oder? Wenn man das annimmt, geht es auch besser. Das 25 ist so. Studentin: Dann ist es so, dass man im Alter auch mehr mit Krisensituationen konfrontiert wird. Z.B. im Freundeskreis. Vielleicht versterben schon die ersten Leute. Auch in der Familie. Der Kontakt wird vielleicht anders. Haben sie das Gefühl, dass sich dort etwas verändert hat? Befragte 3: Ja, was soll ich sagen? Also, die Krise ... Oder auch ... Ich habe schon das Gefühl, wenn ich 30 am Fernseher höre, wie alles läuft, habe ich das Gefühl, ich ertrage es weniger. Das ist ja auch schlimm was momentan passiert. Aber nein, es nützt ja nichts, wenn ich leide. Oder drunter. Es hilft ja niemandem weiter. Darum höre ich es möglichst nicht. Studentin: Also ist das die Strategie, dass sie ... Dass sie sich dem nicht aussetzen? Genau, dass sie dem etwas aus dem Weg gehen? 35 Befragte: ja. Studentin: Gut. Dann ... Ich möchte gerne das Gleichgewicht ansprechen. Wir verstehen unter dem Gleichgewicht in der Theorie, dass es eine Fähigkeit des Menschen ist, den gesamten Körper aufrechtzuerhalten. Nur schon, dass wir stehen oder sitzen können, ist dem Gleichgewicht geschuldet. Durch die Evolution hat sich das differenziert und ist dann so geworden, wie es jetzt ist. Zudem gehört auch, dass 40 wir unseren Körper verlagern können, dass wir die Position wechseln können und dass wir eine Kontrolle darüber haben. Der Alterungsprozess hat ja das auch beinhaltet. Das Gleichgewicht, das das nachlässt. Einfach aufgrund des Abbaus, wenn man das so sagen kann. Ich möchte Sie fragen, ob Sie auch Erfahrungen damit gemacht haben, aus dem Gleichgewicht zu sein. Oder auch zu merken ... Eben auch mit dem Stock, den Sie erwähnt haben. Was hilft ihnen, damit sie im Gleichgewicht bleiben kön-45 nen? Befragte 3: Sie meinen jetzt schon das körperliche Gleichgewicht? Studentin: Sie können auch gerne etwas über das seelische Gleichgewicht erzählen. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 53 Befragte 3: Das andere Gleichgewicht ist ja auch noch etwas. Nein, nein, es geht mir gut. Wie gesagt, ich ... Ich bin ja eben ... Das war ja vor der Operation dieses Tumors. Darum nehme ich einen Stock 50 zum Gehen. Studentin: Aber sonst haben Sie nicht irgendwie das Gefühl zum Beispiel beim Treppen laufen unsicher zu sein? machen Sie das noch häufig? Befragte 3: Nein, nein. Treppen laufen tue ich, wenn irgend möglich, nicht. Das ist auch einfach daran geschuldet, dass es mit Anstrengung verbunden ist. 55 Studentin: Ja, natürlich. Befragte 3: Letztes Mal, als ich mit dem Zug nach Zürich ging, ist der Lift ausgefallen beim Umsteigen. Und dort ist ja eine mordslange Treppe. Dann muss ich halt hochlaufen. Ja. Dann gehe ich Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. Ja. So, wie es geht. Studentin: Haben Sie das Gefühl, es ist mehr Kraft in den Beinen? 60 Befragte: Ja, es ist schon Kraft. Studentin: es hat natürlich auch damit zu tun, mit dem Gleichgewicht. Wenn man Kraft nachlässt, ist man da meist auch unsicherer unterwegs. Gleichgewicht hat mit dem Gehör und den Augen zu tun, dass das auch abgebaut wird. Wie schätzen Sie subjektiv Ihr Gleichgewicht ein? Wenn Sie auch hier in Ihren Räumlichkeiten unterwegs sind? 65 Befragte 3: Ja, das ist noch ganz gut. Aber ich kann es jetzt hier am Stock gar nicht so recht sagen. Ich bin schon froh um den Stock. Das gibt mir schon Sicherheit. Studentin: Also ist es so ... Kann ich das so interpretieren, dass in Ihrem alltäglichen Leben nicht gross Gleichgewichtsprobleme oder auch Gleichgewichtsunsicherheiten auftreten? Befragte 3: Glaube ich nicht. 70 Studentin: Okay. Und Ihr Alltag, wenn wir schon bei dem sind. Hat sich der anders gestaltet, seit Sie den Stock haben? Also, dass Sie sich irgendwie anders einstellen mussten oder dass Sie etwas ändern mussten? Befragte: Hier drinnen brauche ich den Stock nicht. Nur draussen. Nein, nein, das ist schon gut. Studentin: Haben Sie das Gefühl, Sie seien auf mehr Hilfe angewiesen gewesen? Oder hat sich da nichts 75 verändert? Befragte 3: Nein, ich muss eigentlich alles selber machen. Studentin: Und das geht gut? Befragte 3: Man macht einfach, was man kann. Studentin: Und wie schon angetönt, mit dem Gleichgewicht hat ja auch das Sturzrisiko einen Zusam-80 menhang. Nach einer Befragung des Bundesamts für Statistik im Jahr 2022 stürzen rund 15 % von den 65bis 75-Jährigen. Und bei den 75bis 84-Jährigen sind es schon 25 %. Also schon ein ganzer Viertel. Und bei den noch älteren Leuten ist es schon ein Drittel, die einmal im Jahr stürzen. Und die Risikofaktoren in der Theorie sind so, dass es am körperlichen Funktionsverlust liegen kann. Dass die Muskulatur und auch in den Gelenken die ganze Mobilität nachlässt. Dann kann es sein, dass die Einnahme von 85 mehreren Medikamenten einen Einfluss hat. Oder dass sich eine Angst entwickelt, umzukehren. Das kann auch an der psychischen Verfassung liegen. Ich möchte Sie fragen, ob es Ereignisse gab, in denen Sie unsicher auf den Beinen waren oder schon gestürzt sind. Befragte 3: Sonst (abgesehen von dem bereits erwähnten) weiss ich nicht. Nein. Sie sagten es sei dem Tumor geschuldet gewesen. Sie vermuten, dass es wegen dem war. Ja, genau. 90 Studentin: Vielleicht ist das eine schwierige Frage. Aber wie sind Sie damit umgegangen, mit diesem Sturz? Befragte 3: Wie gesagt, das kann man nicht ändern. Man muss es einfach annehmen. Dann geht es schon viel besser. Studentin: Gab es schwere Folgen des Sturzes? Sie sagten, es sei ein Handgelenk gebrochen? 95 Befragte 3: Ja, ein Handgelenk war danach gebrochen. Studentin: Und es war kein längerer Spitalaufenthalt? Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 54 Befragte 3: Nein, überhaupt nicht. Gar nicht. Studentin: Hat sich dann auch etwas im Verhalten geändert? Es ist ja so, dass Sie seitdem den Stock bekommen haben. Hat sich dann auch etwas im Verhalten geändert? Waren Sie ab diesem Zeitpunkt 100 vielleicht vorsichtiger unterwegs? Befragte: Ja, vorsichtiger war ich schon. Ich schaue meistens auf den Boden, damit ich nicht stürze. Das schon, ja. Studentin: Wenn Sie zurückdenken, hätten Sie damals, vielleicht auch jetzt, etwas gebraucht, das Ihnen geholfen oder Unterstützung geboten hätte? War das für Sie eigentlich in Ordnung, wie es verlaufen 105 ist? Befragte 3: Ja. Studentin: Und haben Sie jetzt oder im Alltag Angst, dass Sie umfallen könnten? Befragte 3: Angst habe ich nicht. Studentin: Dann sind wir beim dritten Aspekt, und zwar bei der Teilhabe. Teilhabe ist ja ein Menschen-110 recht, und das ist gesetzlich verankert. Ältere Menschen verlieren ja schon fast etwas an Teilhabe, weil sie mit 65 meistens aus dem Berufsleben austreten. Für viele Leute ist es dann schon so, dass sie merken, dass sie in einem anderen Lebensraum sind, in dem sie sich bewegen. Befragte 3: Ja, ja. Das ist der letzte Teil des Lebens. Aber das macht mir gar nichts. Ja. Studentin: War es für Sie…wahrscheinlich zu einem Teil, auch schön? 115 Befragte 3: Ja, sicher. Ich finde es auch schön, dass es irgendwann fertig ist. Das wäre ja nicht lustig, wenn man weiterleben würde. Nein, nein, das ist schon gut. Und vor dem Sterben habe ich auch keine Angst. Es ist gut, dass man weiss, dass man sterben kann. Studentin: Haben Sie etwas bemerkt im Hinblick auf die Teilhabe, seit Sie nicht mehr im Erwerbstätigen sind? Haben Sie das Gefühl, dass sich etwas verändert hat? 120 Befragte 3: Ich glaube es nicht. Als ich dazumal hierher gezogen bin, habe ich nicht mehr gearbeitet. Ja, ich war ja dann auch noch im Chor. Das war schon gut, aber jetzt gehe ich auch nicht mehr. Studentin: Ja. Fehlt Ihnen das? Das war eine bewusste Entscheidung nicht mehr zu gehen? Befragte 3: Ja, es hat mir sehr gefallen. Es war eine bewusste Entscheidung, nicht mehr zu gehen. Irgendwann merkt man einfach, dass man gewisse Dinge aufgeben muss. Ich könnte den Proben schon 125 teilnehmen, aber die Aufführungen nicht mehr. Ich kann nicht mit dem Stock hin. Das ist mir zu anstrengend. Studentin: Wenn es z.B. eine Alternative gäbe ... Sie haben gesagt, es sei streng, sie könnten nicht mehr im Stock gehen. Das ist etwas mit mehr Aufwand verbunden. Das höre ich jetzt heraus. Wenn wir sagen würden, wir finden einen Weg, damit sie trotzdem dabei sein könnten, würden Sie trotzdem gerne mit-130 machen? Befragte 3: Ich kann mir keinen Weg vorstellen. Studentin: Wenn man z.B. sagt, Sie dürften sich hinsetzen auf einen Stuhl, oder jemand würde Sie abholen, Sie an einen Ort bringen, man würde etwas einrichten, damit es Ihnen bequem ist… Nein, nein. Ich möchte auch keinen Stuhl haben. Nein, nein. Das ist schon gut. Ja. 135 Studentin: Würden Sie trotzdem eher ablehnen? Befragte 3: Ja. Studentin: Was sind die Gründe? Befragte 3: Ich will nicht auffallen. Es ist mir einfach ... Wie gesagt, ich kann mich so gut damit abfinden, dass gewisse Dinge einfach vorbei sind. 140 Studentin: Okay. Was bedeutet Teilhabe für Sie? Befragte 3: Es ist schon noch wichtig. Ich habe zwei gute Kinder. Das ist mir schon viel wert. Ja. Also das Familienleben. Aber sie wohnen nicht hier. Studentin: Und was hat Teilhabe für einen Stellenwert im Alter für Sie? Hätten Sie gerne vielleicht noch mehr Teilhabe an etwas? 145 Befragte 3: Ja, zum Teil schon, ja. Es ist schwierig zu sagen, wo und wann. Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 61 Teilhabe Kontakt zu Freund:innen, Verwandten und Familie Freizeit und Erholungsaktivitäten (173) ich gehe sonst nirgendwo hin Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen C1: täglicher Austausch Wenig Kontakt (12ff.) ich gehe nach Hause, die andern gehen nach Hause (167) keinen Kontakt mehr (168) Kontakt wird weniger C2: Aktivitäten Wenig Kontaktpunkte mit anderen Menschen (173) ich gehe sonst nirgendwo hin (178) meine Kinder kommen zu mir (178) sprechen mit Leuten aus dem Altersheim (178ff.) spazieren mit Ehemann (183) Turnen war früher sehr anstrengend C3: Befindlichkeit - - Hauptkategorie D Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Gleichgewicht und Bewegung Befindlichkeit zum eigenen Gleichgewicht Bewegung im Alltag Gezielte Gleichgewichtsanforderungen Hilfsmittelgebrauch (102) Einkaufswagen zum sich festhalten Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen D1: Selbsteinschätzung Ist sich dem Bewusst (102) beim Gehen merkt manchmal Unsicherheit (109) man kann nichts machen, ist einfach so D2: Bewegung - - D3: Hilfsmittel Schätzt die Hilfestellung (102) Einkaufswagen zum sich festhalten D4: Befindlichkeit Positiv (194) keine Einschränkungen D5: Einschränkungen Begleitfaktoren (97) Bluthochdruck (107) Arthrose im Fuss Hauptkategorie E Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Sturzrisiko/Sturzangst Befindlichkeit Erfahrungen/Erlebnisse Ängste Wünsche/Unterstützung (112), wenn es passiert, ist es so. (115ff.), wenn etwas nicht geht, sein lassen. Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen E1: Befindlichkeit Neutral eingestellt, so hinnehmen wie es ist (112) wenn es passiert, ist es so. (112) froh wenn man wieder aufstehen kann (115) kein Schwindelgefühl (120ff.) kein anderes Verhalten als vor den Sturz Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 62 (137) keine Gedanken dazu gemacht, es war vorbei E2: Bewältigungsstrategien Neutrale Einstellung (115ff.) wenn etwas nicht geht, sein lassen. (133) aufstehen und weiter gehen E3: Selbsteinschätzung Neutrale Einstellung (123) keine Angst (140) wenn auf sich alleine Gestellt, selbst schauen E4: Bewegung, Mobilität - - E5: Erfahrungen Mehrere Sturzerfahrungen unterschiedlicher Schwere (90) gestolpert (93) gestürzt beim Auto einladen (96) von der Leiter gefallen (97) gestolpert beim Türrahmen E6: Folgen Körperliche Folgen Angst vor Autonomieverlust (143) Knie geschwollen und Schmerzen (156) Angst nicht mehr Autofahren zu dürfen Hauptkategorie F Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Bedürfnisse Sachen die beibehalten werden möchten Wünsche (207) Autofahren beibehalten Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen F1: Befindlichkeit Offenheit (213) es passt alles so (219) man müsste Angebot ausprobieren (221) sich überraschen lassen vom Angebot F2: Wünsche Alltägliche Beschäftigungen (199) Stricken gerne wieder (200) Unkraut wieder ausreissen (207) Autofahren beibehalten Hauptkategorie G Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Aussagen der Angehörigen Alles, was Aussenstehende preis gaben (34) gutes Gedächtnis bzgl. früherer Ereignisse Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen G1: Befindlichkeit - - G2: Bewegung, Mobilität Allgemeines Bild der körperlichen Verfassung (46) gestalterischer Kurs (95) aufs Knie gefallen (185) körperlich gearbeitet (früher) Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 63 G3: Körperfunktionen Einschätzung und Beobachtungen der Funktionen (34) gutes Gedächtnis bzgl. früherer Ereignisse (105) braucht gewisse Zeit, bis Bewegung dynamisch ist G4: Selbstständigkeit Selber machen, solange es geht (138) nicht gerne Hilfe annehmen G5: Resilienz Man wollte das Beste (67ff.) Notlösung für Ehemann wurde eingefädelt G6: Aktivität Schon früher wenig Aktivität in Vereinen (180ff.) nie in Vereinen (181) getanzt und Trachtengruppe (früher) Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 64 Kategoriensystem Befragung 3 Hauptkategorie A Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel (Zeilennummer) Alterungsprozess Befindlichkeit Wahrnehmung von Veränderungen (12ff.) normaler Prozess, ist einfach so Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen A1:Befindlichkeit Akzeptanz (11) Altern wird gut akzeptiert (12ff.) normaler Prozess, ist einfach so (13) mich stört das nicht (24) es ist gut, wie es ist, man muss es annehmen (114) das ist der letzte Teil des Lebens A1.1: Resilienz Vermeidung in Kontakt zu kommen (31) ich ertrage es weniger (33) ich höre es nicht A2: Veränderungen an Körper und Geist Wahrnehmen von Veränderungen (10) Gehör weniger differenziert (15) ich gehe am Stock (20) Hirntumor A3: Selbsteinschätzung - - Hauptkategorie B Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Alltagsbewältigung Alltägliche Tätigkeiten verrichten Befindlichkeit Selbstwirksamkeit (79) man macht, was man kann Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen B1: Bewegung Fortbewegen in anderen Umgebungen (74) Stock brauche ich im Haus nicht, nur draussen B2: Bewältigung von Haushalt Limitiert (79) man macht, was man kann B3: Selbstständigkeit Selbstständig (77) ich mache alles selber B4: Empfinden - - B5: Einschränkungen - - Hauptkategorie C Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Teilhabe Kontakt zu Freund:innen, Verwandten und Familie Freizeit und Erholungsaktivitäten (125) man muss Dinge aufgeben (126ff.) mit Anstrengung verbunden Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen C1: sozialer Austausch Bevorzugungen (10) nie viel Kontakt zu anderen gehabt (142ff.) Familienleben wichtig (163) kein Gruppenmensch C2: Aktivitäten Wenige (122) im Chor dabei Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 65 (148) Zugfahren zur Therapie C3: Befindlichkeit Akzeptanz, Scham? (114) das macht mir nichts aus (117) schön dass einmal fertig ist (124) jetzt nicht mehr im Chor, bewusste Entscheidung (125) man muss Dinge aufgeben (126ff.) mit Anstrengung verbunden (139) nicht auffallen wollen (139ff.) abfinden, dass Dinge vorbei sind (146) gerne mehr Teilhabe aber nicht wissen wann und wo C4: Selbsteinschätzung Hilflosigkeit? (121) keine Veränderungen (125ff.) ich könnte bedingt teilnehmen (132) keine Vorstellbare Lösung C5: Einschränkungen Keine (151) keine Einschränkungen wegen Stock Hauptkategorie D Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Gleichgewicht und Bewegung Befindlichkeit zum eigenen Gleichgewicht Bewegung im Alltag Gezielte Gleichgewichtsanforderungen Hilfsmittelgebrauch (67) froh um Stock, gibt Sicherheit (70) keine Gleichgewichtsunsicherheiten Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen D1: Selbsteinschätzung Positiv (66) in eigenen Räumlichkeiten gut unterwegs (70) keine Gleichgewichtsunsicherheiten D2: Bewegung Vermeidung von Treppen (54) kein Treppensteigen mehr D3: Hilfsmittel Auf Stock angewiesen (15) ich gehe am Stock D4: Befindlichkeit Dem können angepasst (17) Sicherheit mit dem Stock (55) Anstrengung beim Treppensteigen (58ff.) Schritt für Schritt die Treppe hoch (67) froh um Stock, gibt Sicherheit D5: Einschränkungen Veränderung Muskelkraft (61) Kraft in den Beinen lässt nach Anne-Sophie Borner BA Psychomotorik 22/25 66 D6: Erfahrungen Herausforderung (57ff.) Lift am Bahnhof ausgefallen Hauptkategorie E Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Sturzrisiko/Sturzangst Befindlichkeit Erfahrungen/Erlebnisse Ängste Wünsche/Unterstützung (102) vorsichtiger unterwegs, auf den Boden schauen um nicht zu Stolpern Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen E1: Befindlichkeit Neutral (24) es ist gut, wie es ist (93) man kann es nicht ändern und nimmt es an (109) keine Angst zu Stürzen E2: Strategien für den Umgang Akzeptanz und vorsichtiger unterwegs sein (25ff.) wenn man es annimmt geht es besser (102) vorsichtiger unterwegs, auf den Boden schauen um nicht zu Stolpern E3: Selbsteinschätzung Positiv (21) mit Stock falle ich nicht (21) geht gut E4: Bewegung, Mobilität - - E5: Erfahrungen Sturz aufgrund Hirntumor (20) Hirntumor – Sturz (89) sonst keine Erfahrungen E6: Folgen Bruch (20ff.) gebrochenes Handgelenk Hauptkategorie F Kodierungsregeln für die Aussagen Ankerbeispiel Bedürfnisse Sachen die beibehalten werden möchten Wünsche (173) Gespräche sind wichtig Unterkategorien Interpretation/Hypothesen Aussagen F1: Befindlichkeit Schwierigkeit jemanden zum Reden zu finden (164) eine Gruppe ist mir zu viel (170ff.) wenig Leute bilden sich weiter (178) schwierig jemanden zu finden für ein Gespräch F2: Wünsche Gute Gespräche und Einzelsetting (166) 1-1 Setting lieber (173) Gespräche sind wichtig