Call for Papers – Soziologie im Zeitalter generativer künstlicher Intelligenz (KI): Forschung über und mit KI
Abstract
Das Themenheft des Berliner Journals für Soziologie „Soziologie im Zeitalter generativer KI: Forschung über und mit KI“ lädt theoretische, methodologische und empirische Beiträge ein, die generative KI als Gegenstand und als epistemische Infrastruktur der Disziplin adressieren (reflexive Soziologie der KI). Abstract (≤ 500 Wörter) + Kurzbiografie (≤ 150 Wörter) bis 30.11.2025 an christian.meier-zu-verl[at]uni-konstanz.de; im Abstract den reflexiven Beitrag kurz ausweisen und ggf. KI-Einsatz transparent machen. Rückmeldung: 15.12.2025; Manuskripte: 30.04.2026; Publikation: 2027.
Full text
Call for Papers Themenhe& des Berliner Journals für Soziologie Soziologie im Zeitalter genera/ver künstlicher Intelligenz (KI): Forschung über und mit KI Gastherausgeber: Chris4an Meier zu Verl & Sebas4an Koch (Universität Konstanz) Einreichungsfrist: 30.11.2025 Genera4ve künstliche Intelligenz (insb. LLMs) transformiert gegenwär4g Wissensprak4ken, Organisa4onen und Öffentlichkeiten. Das geplante Themenhe& nimmt diese Dynamik disziplinär in den Blick und verfolgt eine doppelte Perspek4ve: KI als Gegenstand soziologischer Analyse und KI als epistemische Infrastruktur der Soziologie. Dabei verstehen wir unter einer Soziologie genera4ver KI die reflexive Selbstbeobachtung der Disziplin: die Analyse ihrer epistemischen Prak4ken (Heuris4ken, Evidenz, Gütekriterien), ihrer Autor:innenscha&sund Verantwortungsordnungen sowie ihrer ins4tu4onellen Rahmungen (Lehre, Review, Datenund Publika4onsinfrastrukturen). Zugleich richtet sich der Blick auf KI als Gegenstand gesellscha&licher Ordnung, Konflikte und Ungleichheiten. Während KI in Forschungskontexten häufig als Werkzeug adressiert wird (etwa zur Textrezep4on, Transkrip4on oder Codierung von Daten), werden genera4ve Verfahren zunehmend in Theoriebildung und Interpreta4on eingebunden. Dadurch stellen sich Grundsatzfragen für die Soziologie – nicht nur für die Sozialforschung: Wie verändern sich Evidenzprak4ken, die Automa4sierbarkeit interpreta4ver Logiken, die Bewertung von Geltungsansprüchen und die norma4ven Erwartungen an Autor:innenscha&? Gleichzei4g emergiert KI als sozialer Gegenstand – in Organisa4onen und digitalen Öffentlichkeiten –, an dem Aushandlungen über Klassifika4on, Kontrolle, Teilhabe und Sprache sichtbar werden. Thema/sche Felder Alle Beiträge des Themenhe&s müssen einen Rückbezug auf die Soziologie im Sinne einer reflexiven Soziologie der KI leisten: Sie sollen ausweisen, welche epistemischen, methodologischen und/oder ins4tu4onellen Konsequenzen ihre Argumenta4on für die Disziplin (Evidenzund Bewertungsprak4ken, Autor:innenscha&, Verantwortung, Lehre, Peer-Review etc.) hat. Wir begrüßen Beiträge, die eines oder mehrere der folgenden Felder adressieren: Theorien der KI Dieses Feld versammelt Beiträge, die genera4ve KI mit gesellscha&sund sozialtheore4schen Ansätzen analysieren – etwa Systemtheorie, Feldtheorie, Praxistheorie, Gouvernementalitätstheorie, Kri4sche Theorie oder Science and Technology Studies (STS). Im Micelpunkt stehen die Seman4ken, die Performa4vität und die soziale Einbecung genera4ver Verfahren sowie die Zuschreibungen von Akteur:innenrollen in soziotechnischen Arrangements. Erwartet wird zudem, dass die Beiträge ausweisen, welchen begrifflichen und theoriepoli4schen Ertrag diese Perspek4ven für eine reflexive Soziologie der KI besitzen.
Epistemische Infrastrukturen der Soziologie Dieses Feld untersucht, wie genera4ve KI die Auswertung und Opera4onalisierung sowie die Textund Datenprak4ken der Soziologie transformiert. Im Fokus stehen die Grenzen der Automa4sierung interpreta4ver Verfahren sowie die Verschiebungen von Gütekriterien, Nachvollziehbarkeit und Kontextsensi4vität ebenso wie von Zita4onsund Bewertungsregimen. Willkommen sind Arbeiten, die die Kopplung von So&ware-Toolchains, die Datenkura4erung und den Einsatz von Bewertungsmetriken empirisch nachzeichnen und die Folgen für Reproduzierbarkeit, Evidenzansprüche und Transparenz theore4sch präzisieren. Erwartet wird zudem ein expliziter Rückbezug der Befunde auf die Disziplin, der den Beitrag zu einer reflexiven Soziologie der KI sichtbar macht. Ins>tu>onen, Profession, Hochschule Dieses Feld untersucht, wie genera4ve KI Lehre, Peer-Review, Repositorien sowie die Dricmittelund Publika4onskulturen der Soziologie verändert. Im Zentrum stehen Verschiebungen der Arbeitsteilung und der Qualifika4onsprofile im Fach sowie die daraus resul4erenden Organisa4onsund Governance-Fragen in Hochschulen und wissenscha&lichen Einrichtungen. Besonders willkommen sind Fallstudien und Vergleichsanalysen zu Curricula, Prüfungsordnungen, Review-Policies und Repositorien, die die Konsequenzen für Professionalisierung, Verantwortungszurechnung und die Governance der Disziplin herausarbeiten. Erwartet wird ein expliziter Rückbezug auf die Soziologie im Sinne einer reflexiven Soziologie der KI, der die ins4tu4onellen und professionellen Implika4onen der Befunde für das Fach präzise ausweist. Öffentlichkeit, Recht, Poli>k Dieses Feld untersucht, wie genera4ve KI in Medien, Verwaltungen und Policy-Arenen verhandelt, reguliert und eingesetzt wird. Im Micelpunkt stehen Fragen der Regulierung, Transparenz und Ha&ung sowie die Reproduk4on oder Transforma4on von Ungleichheiten entlang von Zugängen, Sprachund Plagormkompetenzen und Klassifika4onsregimen. Erwünscht sind Untersuchungen, die Konflikte um Nachvollziehbarkeit, Ha&ung und den Datenund Modellzugang in konkreten Bereichen ethnografisch, diskursoder policy-analy4sch beleuchten und die entsprechenden Ungleichheitsdynamiken präzise ausweisen. Erwartet wird zudem ein expliziter Rückbezug auf die Soziologie im Sinne einer reflexiven Soziologie der KI, der die Konsequenzen für die öffentliche Rolle, Exper4se und Verantwortung der Disziplin sichtbar macht. Einladung zur Beitragseinreichung (Fragen, Ziel, Zeitplan) Das Themenhe& versammelt Beiträge, die genera4ve KI sowohl als Gegenstand soziologischer Analyse als auch als epistemische Infrastruktur der Disziplin behandeln. Eingeladen sind theore4sche, methodologische und empirische Arbeiten, die einen klar ausgewiesenen Beitrag zur reflexiven Soziologie der KI leisten – d. h. die epistemischen, methodologischen und/oder ins4tu4onellen Konsequenzen für die Soziologie benennen. Beiträge aus der qualita4ven Sozialforschung sind ausdrücklich willkommen; reine Tool-/Erfahrungsberichte ohne disziplinären Erkenntnisgewinn sind nicht Gegenstand des He&s. Bice legen Sie ggf. eingesetzte KI-Unterstützung im Forschungsund Schreibprozess transparent dar (Art und Umfang). Lei6ragen (Auswahl): Disziplin & Theorie • Wie verschiebt genera4ve KI Grundbegriffe, Geltungsund Erklärungsansprüche soziologischer Theoriebildung?
• Welche Konzepte (z. B. Infrastrukturalität, Performa4vität, Klassifika4on) eignen sich, um KI-Phänomene gesellscha&sund sozialtheore4sch zu fassen? Epistemologie & Praxis • Welche impliziten epistemischen Annahmen sind in genera4ven Verfahren von KI eingeschrieben, und wie prägen sie Interpreta4onsund Evidenzprak4ken? • Wo liegen die Grenzen der Automa4sierung interpreta4ver Logiken; was gilt als nichtautoma4sierbarer Kern soziologischer Analyse? • Wie verändern sich Nachvollziehbarkeit, Kontextsensi4vität, Zita4onsund Bewertungsregime unter KI-Bedingungen? Ins>tu>onen & Profession • Welche Effekte zeigen sich in Lehre, Peer-Review-Verfahren, Repositorien und Förderlogiken; welche neuen Kompetenzund Rollenprofile entstehen? • Wie verschieben sich Autor:innenscha&, Verantwortungszurechnung und Governance in Organisa4onen der Wissenscha&? Öffentlichkeit, Recht, Poli>k, Ungleichheit • Wie werden Transparenz, Ha&ung und Kontrolle unter KI-Bedingungen neu verhandelt, und welche Norma4vitätslasten ergeben sich? • Wie wirken KI-basierte Klassifika4onen auf Differenzierungen entlang von Zugang, Sprache, Plagorm-/Datenkompetenz? Hinweis zur Passung: Bice weisen Sie im Abstract explizit aus (2–3 Sätze), welchen Beitrag zur reflexiven Soziologie der KI Ihr Beitrag leistet (epistemisch, methodologisch, ins4tu4onell). Ziel der PublikaBon: Die ausgewählten Beiträge erscheinen, nach Durchlaufen des doppelblinden Peer-Review-Verfahrens der Zeitschri&, in einem Themenhe& des Berliner Journals für Soziologie. Ziel ist es, Potenziale und Grenzen einer reflexiven Soziologie der KI auszuloten – sowohl in theore4scher und methodologischer Hinsicht als auch anhand theoriegeleiteter empirischer Studien. Besonderes Interesse gilt Studien, die disziplinäre Brücken schlagen und epistemische, wie ins4tu4onelle Konsequenzen genera4ver KI für die Soziologie präzise bes4mmen. Einreichung und Zeitplan: Bice senden Sie ein Abstract (max. 500 Wörter) sowie eine Kurzbiografie (max. 150 Wörter) bis zum 30.11.2025 an [email protected]. Rückmeldung (Annahme/Ablehnung): bis 15.12.2025 (op4onal) Manuskript-Workshop (für eingeladene Beiträge): Februar/März 2026 Abgabe der Manuskripte (Richtlinien des Berliner Journals für Soziologie): bis 30.04.2026 Begutachtung (Double-Blind Peer-Review): bis 30.09.2026 Finalisierung: bis Ende 2026 PublikaBon des ThemenheNs: 2027