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Basel im Blick von Kindern: Projektbericht

Giger, Eliane Nora

Abstract

Das Kinderbüro Basel engagiert sich als Fachstelle für Kinderpartizipation dafür, dass Kinder an Entscheidungsprozessen teilhaben, die ihre Lebensrealität betreffen. In Bezug der strategischen Ziele der Organisation – "Bedürfnisse öffentlich sichtbar machen" und "mehr und andere Kinder erreichen" – entstand ein partizipatives Projekt mit dem Titel Basel im Blick von Kindern. Dieses wurde im Rahmen des Moduls 201 "Praxisprojekt Soziokultur" der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit im Praktikum beim KBB konzipiert, umgesetzt, dokumentiert und evaluiert. Mithilfe kreativer Methoden wie Fotografie und Audioarbeit erkundeten Kinder ihre Quartiere, hielten persönliche Eindrücke fest und präsentierten diese in einer öffentlichen Ausstellung. Der iterativ gestaltete Projektprozess bezog neben den Kindern auch Kooperationspartner*innen aus dem Kunstmuseum Basel, HitProducer Basel sowie Mitarbeitende des KBB ein. Die Dokumentation von Prozess und Erkenntnissen liefert dem KBB eine wertvolle Grundlage für zukünftige Projekte mit kreativen Methoden, neuen Zugängen zu Kindern und Kooperationen. Das Projekt zeigt, wie künstlerische Ausdrucksformen in Verbindung mit partizipativen Ansätzen Sichtbarkeit von Kinderperspektiven und Selbstwirksamkeit stärken können.

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Basel im Blick von Kindern – Kinderaugen und -ohren erzählen Projektbericht Modul: SA.201_Praxisprojekt Mentor: anonym Autorin: Eliane Nora Giger Datum: 19. September 2025 Basel im Blick von Kindern Bericht Praxisprojekt – Leistungsnachweis Modul 201 Projektzeitraum von Februar bis Juni 2025 Eliane Nora Giger Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Soziokultur Begleitperson: anonym Eingereicht am: 19. September 2025 Diese Arbeit wurde am 19. September 2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich. 09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit empfiehlt diesen Projektbericht besonders zur Lektüre! III Abstract Das Kinderbüro Basel engagiert sich als Fachstelle für Kinderpartizipation dafür, dass Kinder an Entscheidungsprozessen teilhaben, die ihre Lebensrealität betreffen. In Bezug der strategischen Ziele der Organisation – „Bedürfnisse öffentlich sichtbar machen“ und „mehr und andere Kinder erreichen“ – entstand ein partizipatives Projekt mit dem Titel Basel im Blick von Kindern. Dieses wurde im Rahmen des Moduls 201 „Praxisprojekt Soziokultur“ der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit im Praktikum beim KBB konzipiert, umgesetzt, dokumentiert und evaluiert. Mithilfe kreativer Methoden wie Fotografie und Audioarbeit erkundeten Kinder ihre Quartiere, hielten persönliche Eindrücke fest und präsentierten diese in einer öffentlichen Ausstellung. Der iterativ gestaltete Projektprozess bezog neben den Kindern auch Kooperationspartner*innen aus dem Kunstmuseum Basel, HitProducer Basel sowie Mitarbeitende des KBB ein. Die Dokumentation von Prozess und Erkenntnissen liefert dem KBB eine wertvolle Grundlage für zukünftige Projekte mit kreativen Methoden, neuen Zugängen zu Kindern und Kooperationen. Das Projekt zeigt, wie künstlerische Ausdrucksformen in Verbindung mit partizipativen Ansätzen Sichtbarkeit von Kinderperspektiven und Selbstwirksamkeit stärken können. IV Inhaltsverzeichnis Abstract .................................................................................................................................... III Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ VI Abbildungsverzeichnis ........................................................................................................... VI Abkürzungsverzeichnis .......................................................................................................... VI 1 Ausgangslage und Situationsanalyse ................................................................................ 1 1.1 Beschreibung der Ausgangslage ..................................................................................... 1 1.2 Beschreibung der Situationsanalyse ................................................................................ 1 1.2.1 Perspektive der projekttragenden Organisation.................................................... 2 1.2.2 Das Recht auf Partizipation und seine Bedeutung ................................................ 2 1.2.3 Beteiligung und Mitgestaltung von Kindern .......................................................... 2 1.2.4 Zugänglichkeit und Inklusion ............................................................................... 3 1.2.5 Wirkungspotential kreativer Methoden ................................................................. 3 2 Handlungsbedarf und Umsetzungsstrategie ..................................................................... 4 2.1 Beschreibung des Handlungsbedarfs .............................................................................. 4 2.2 Projektidee und Umsetzungsstrategie ............................................................................. 5 3 Zielsetzung und Adressat*innen ......................................................................................... 6 3.1 Zielbaum ........................................................................................................................... 6 3.2 Definition der Adressat*innen ........................................................................................... 7 3.3 Gesellschaftliche Differenzierung..................................................................................... 8 4 Aufbauund Ablauforganisation ......................................................................................... 9 4.1 Darstellung der Aufbauorganisation ................................................................................. 9 4.1.1 Steuergruppe (strategische Funktion) .................................................................. 9 4.1.2 Projektteam (operative Funktion) ...................................................................... 10 4.1.3 Begleitgruppe (reflektierende Funktion) ............................................................. 10 4.1.4 Teilprojekte ...................................................................................................... 10 4.2 Darstellung der Ablauforganisation ................................................................................ 11 5 Umsetzungsverlauf ............................................................................................................. 13 5.1 Kick-Off ........................................................................................................................... 13 V 5.2 Workshop 1 ..................................................................................................................... 13 5.3 Selbstständiger Prozess ................................................................................................. 14 5.4 Workshop 2 ..................................................................................................................... 14 5.5 Workshop 3 ..................................................................................................................... 14 5.6 Vernissage ...................................................................................................................... 15 6 Evaluation und Reflexion ................................................................................................... 16 6.1 Evaluation Wirkungsziel 1 .............................................................................................. 17 6.2 Evaluation Adressat*innen und Partizipationsstufen ..................................................... 17 6.3 Evaluation Wirkungsziel 2 .............................................................................................. 19 6.4 Evaluation Wirkungsziel 3 .............................................................................................. 21 6.5 Budgetvergleich .............................................................................................................. 24 6.6 Reflexion Aufbauund Ablauforganisation .................................................................... 25 6.6.1 Reflexion Zeitplan ............................................................................................ 25 6.6.2 Reflexion Projektorganisation............................................................................ 27 6.6.3 Reflexion Interventionspositionen ...................................................................... 27 6.7 Reflexion Nachhaltigkeit ................................................................................................. 28 7. Erkenntnisse ....................................................................................................................... 30 7.1 Zentrale Schlussfolgerungen ......................................................................................... 30 7.2 Fazit ................................................................................................................................ 31 7.3 Dank ................................................................................................................................ 31 8 Quellenverzeichnis ............................................................................................................. 33 Anhang .................................................................................................................................... 35 A Übersicht Situationsanalyse.............................................................................................. 35 B Strategiemassnahmen ...................................................................................................... 36 C Themenwahl Quartiererforschung .................................................................................... 37 D Workshop-Erarbeitungen und Feedbackmethoden ......................................................... 39 E Antworten der Umfragen auf Findmind ............................................................................. 42 VI Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Evaluationsdesign ............................................................................................ 16 Tabelle 2: Einordnung der Partizipationsstufen ....................................................................... 18 Tabelle 3: SWOT-Analyse ........................................................................................................ 19 Tabelle 4: Auswertung Evaluationsspinne ............................................................................... 22 Tabelle 5: Budgetvergleich ....................................................................................................... 24 Abbildungsverzeichnis Deckblatt: Umsetzung Vernissage (Quelle: eigene Fotos)………………………………………. I Abbildung 1: Zielbaum (Quelle: eigene Darstellung) ................................................................. 6 Abbildung 2: Aufbauorganisation (Quelle: eigene Darstellung) ................................................ 9 Abbildung 3: Ablauforganisation (Quelle: eigene Darstellung) ................................................ 11 Abbildung 4-7: Umsetzung Vernissage (Quelle: eigenes Foto) .............................................. 15 Abbildung 8: Evaluationsspinne (Quelle: eigene Darstellung) ................................................ 21 Abbildung 9: Meilensteinplan (Quelle: eigene Darstellung) .................................................... 26 Abkürzungsverzeichnis Art. bzw. HSLU KBB KRK PL / PM SA SKA UN UNICEF Artikel beziehungsweise Hochschule Luzern Kinderbüro Basel UN-Kinderrechtskonvention Projektleitung/ Projektmitarbeit Soziale Arbeit Soziokulturelle Animation United Nations United Nations International Children's Emergency Fund Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 1 1 Ausgangslage und Situationsanalyse Im ersten Kapitel wird die Ausgangslage des Praxisprojektes sowie die Situationsanalyse und deren Ergebnisse zusammengefasst aufgezeigt. Diese bilden die Grundlage und Legitimierung der Projektdurchführung. 1.1 Beschreibung der Ausgangslage Das Kinderbüro Basel (KBB) wurde im Jahr 2000 als Verein gegründet, mit dem Ziel, Kindern eine Stimme zu geben (Kinderbüro Basel, o.J., S. 1). Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK), insbesondere das darin festgehaltene Recht von Kindern auf Partizipation, stellt die Basis der Arbeit im KBB dar (Kinderbüro Basel, 2023, S. 1). Das sechsköpfige Team setzt sich vor allem in der Region Basel, aber auch national dafür ein, dass Kinder an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, die Einfluss auf ihre Lebensrealität haben (Kinderbüro Basel, 2021, S. 1). Die Themenschwerpunkte des KBB sind Kinderbeteiligung, politische Mitwirkung sowie kinderfreundliche Raumplanung (Kinderbüro Basel, 2023, S. 1). Dazu führt das KBB-Team Projekte und Weiterbildungen durch. Vor dem Hintergrund der strategischen Zielsetzungen – insbesondere der Sichtbarmachung von Sichtweisen von Kindern sowie der Erschliessung neuer Zugänge zur Beteiligung neuer Kinder – verfolgt das nachfolgend dargestellte Projekt das Anliegen, einen Beitrag zur Umsetzung dieser Massnahmen zu leisten. 1.2 Beschreibung der Situationsanalyse Im Rahmen der Situationsanalyse wurde die Beteiligung und Mitgestaltung von Kindern im öffentlichen Raum anhand verschiedener Methoden untersucht: Dokumentenanalysen, informelle und formelle Gespräche, aktivierende Befragung der Adressat*innen sowie interne und externe Expertinnen-Interviews. Dabei wurde die Erfahrungsexpertise von Fachpersonen aus den Bereichen Soziale Arbeit (SA), Verkehrsprävention, Stadtentwicklung, dem Erziehungsdepartement und der Kunsttherapie einbezogen. Aus den Recherchen ergaben sich grundlegende Erkenntnisse, die wie folgt zusammengetragen wurden. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 8 Geschlechterverteilung, Quartierzugehörigkeit und Alter wurden berücksichtigt. Obwohl Kinder bis zum 18. Lebensjahr unter elterlicher Sorge stehen (Beobachter, 2017), anerkennt die KRK sie als eigenständige Persönlichkeiten mit uneingeschränkten Rechten (Weber Khan & Hotz, 2019, S. 209). Sie entwickeln zentrale motorische, kognitive und soziale Fähigkeiten in dieser Lebensphase (Schulz, 2018, S. 5) und gelten als Expert*innen ihrer Lebenswelt (Landsow, 2005, S. 1). Sekundäre Adressat*innen waren Besucher*innen der Ausstellung, insbesondere Entscheidungsträger*innen aus Verwaltung und Politik, Fachpersonen aus dem Bildungswesen und der SA. Aber auch Eltern, Bezugspersonen, Bekannte und Freund*innen der Kinder sowie interessierte Quartierbewohnende zählten zur erweiterten Zielgruppe. 3.3 Gesellschaftliche Differenzierung Partizipation in soziokulturellen Projekten hat eine legitimatorische wie auch eine integrative Funktion. Sie ergänzt die Mechanismen repräsentativer Demokratien, indem weitergehende und spezifischere Mitwirkungsmöglichkeiten geschaffen werden und der Kreis der Mitbestimmenden um Personen erweitert wird, die von institutioneller politischer Partizipation ausgeschlossen sind, was auch die Adressat*innen Kinder betrifft. Partizipation von Kindern hat in diesem Zusammenhang einen eigenen Wert und zielt darauf ab, demokratische Prinzipien im Sinne der SKA auszuweiten (Weiss & Zimmermann, 2021, S. 5). Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 9 4 Aufbauund Ablauforganisation Im folgenden Kapitel wird auf die Aufbauund Ablauforganisation eingegangen, diese erläutert und grafisch dargestellt. 4.1 Darstellung der Aufbauorganisation Die Aufbauorganisation besteht aus verschiedenen Projektbeteiligten mit jeweils unterschiedlichen Funktionen und Verantwortlichkeiten, wie in der folgenden Darstellung ersichtlich wird. 4.1.1 Steuergruppe (strategische Funktion) Das KBB fungierte als Auftraggeberin und übernahm damit die strategische Rolle. Es verantwortete die Absicherung des Konzepts, genehmigte Budget, Zwischenberichte und begleitete das Projekt mit seiner organisatorischen Expertise zur Kinderpartizipation. Abbildung 2: Aufbauorganisation (Quelle: eigene Darstellung) Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 10 4.1.2 Projektteam (operative Funktion) Das operative Projektteam bestand aus der beauftragten Praktikantin als PL und einer projektmitarbeitenden Fachperson (PM) des KBB. Ergänzt wurde das Team durch externe Kooperationspartner*innen: einer Fachperson für Kunstvermittlung vom Kunstmuseum Basel sowie Mitarbeitenden vom Verein HitProducer Basel für den auditiven Projektteil. Die PL übernahm Konzeption, Koordination, Organisation, Umsetzung und Evaluation der Projektbausteine, unterstützt von der internen PM. Die externen Fachpersonen brachten ihre Expertise in die Workshops ein. Regelmässige Absprachen dienten dem Arbeitsstandabgleich, Feedback und methodischer Reflexion. 4.1.3 Begleitgruppe (reflektierende Funktion) Die Begleitgruppe setzte sich aus dem Projektmentor der Hochschule Luzern (HSLU), dem Praxisausbildner sowie der Geschäftsleitung des KBB und den Kooperationspersonen zusammen. Sie diente der fachlichen Reflexion und Qualitätssicherung, wurde bei Bedarf zu spezifischen Fragen hinzugezogen und bot Raum für Rückmeldungen zur Projektresonanz. 4.1.4 Teilprojekte Die Umsetzung des Projekts gliederte sich in drei inhaltliche Teilprojekte: 1. Fotografie-Workshop: Einführung und Begleitung durch eine Fachperson der Kunstvermittlung, Durchführung durch PL und PM. 2. Audioaufnahme-Workshop: Durchführung durch PL und PM, technische Unterstützung durch HitProducer Basel bei der Erstellung und Verarbeitung von Tonaufnahmen. 3. Ausstellungskonzeption und Umsetzung: Partizipative Planung und Umsetzung der Ausstellung durch das Projektteam mit den Kindern. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 11 4.2 Darstellung der Ablauforganisation Abbildung 3: Ablauforganisation (Quelle: eigene Darstellung) Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 12 Die Grafik zur Ablauforganisation visualisiert den gesamten Projektverlauf sowie die zeitliche, strukturelle und kommunikative Dynamik der beteiligten Akteur*innen. Der Projektverlauf gliedert sich in drei Hauptphasen: Vernetzungsund Planungsphase (Nov. 2024–Mitte März 2025), Partizipationsphase (Ende März–Anfang Juni 2025) und Evaluationsphase (Juni– Sept. 2025). Entlang der vertikalen Achse unterscheidet die Grafik vier Akteur*innen-Ebenen: • Formelle Ebene (KBB/ HSLU) • Adressat*innen (Kinder der 4.–6. Primarstufe) • Begleitgruppe (Mentor, Praxisausbildner, Geschäftsleitung, Kooperationspersonen) • Projektgruppe (PL/PM des KBB, Fachpersonen aus Kunstund Musikvermittlung) In der Vernetzungsund Planungsphase wird der Projektauftrag geklärt, das Konzept entwickelt, Kooperationen aufgebaut und organisatorische Vorbereitungen getroffen. Zeitgleich laufen Projektbewerbung, Anmeldeprozess, Kommunikation sowie Workshopplanung. Die Begleitgruppe wird beratend einbezogen, während das Projektteam methodisch-inhaltlich vorbereitet. Die Partizipationsphase umfasst fünf Gruppentreffen, in denen sich die Kinder aktiv mit ihrem Quartier auseinandersetzen durch Fotografieund Audioarbeit. Parallel laufen projektinterne Vorbereitungen, fachliche Abstimmungen und der kontinuierliche Austausch mit der Begleitgruppe. Die Evaluationsphase dient der Reflexion, Ergebnissicherung und Berichterstellung. Neben der internen Auswertung ist eine Wiederaufnahme der Ausstellung geplant. Die Phase endet mit der Abgabe des Projektberichts im September 2025. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 13 5 Umsetzungsverlauf Vom Frühjahr bis anfangs Sommer 2025 fand die Projektumsetzung statt. Die einzelnen Umsetzungen wurden dokumentiert, so dass sie nun wie folgt beschrieben werden können. 5.1 Kick-Off Der Kick-Off fand im KBB statt und diente dem Kennenlernen sowie der thematischen und organisatorischen Einführung. Spielerische Methoden wie ein „Kennenlern-Bingo“ schufen eine offene Atmosphäre. In Halbgruppen erkundeten die Kinder mit Polaroidkameras und Aufnahmegeräten die Umgebung und präsentierten erste Eindrücke. Gemeinsam wurden Gruppenregeln und Projektmotive erarbeitet, eine kindgerechte Präsentation vermittelte Ziele, Ablauf und Rollen. Die Kinder beteiligten sich aktiv, wählten demokratisch sieben Themenbereiche sowie individuelle Schwerpunkte. Eine abschliessende Feedbackrunde zeigte hohe Motivation, insbesondere zum Fotografieren. Kritisch wurde angemerkt, dass die Kinder direkt mit den richtigen Kameras arbeiten wollten. Unterschiedliche Vorkenntnisse wurden sichtbar und im weiteren Verlauf berücksichtigt. 5.2 Workshop 1 Der erste Workshop fand im Atelier von HitProducer Basel und auf dem nahegelegenen Kasernenareal statt. Nach der Begrüssung erhielten die Kinder in Halbgruppen eine Einführung in Kameraund Audiotechnik. Bei einem spielerischen „Spionage-Rundgang“ erkundeten sie das Gelände entlang ihrer gewählten Themen und dokumentierten erste Eindrücke. Die Übung diente auch der Klärung von Fragen. Ein Kind mit Wohnheimkontext hatte aufgrund eingeschränkten E-Mail-Zugangs zentrale Informationen nicht erhalten, was die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Betreuungspersonen verdeutlichte. Zudem wurde bemerkt, dass die fotografische Einführung kindgerechter hätte gestaltet werden können. Am Ende erhielten alle Kinder eine Einwegkamera, eine Anleitung mit Vorlage zur Dokumentation, ein frankiertes Rücksendekuvert und ein Audioaufnahmegerät für den weiteren Prozess. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 14 5.3 Selbstständiger Prozess Im April 2025 erkundeten die Kinder eigenständig ihr Quartier mit Einwegkamera und Audioaufnahmegerät, um ihre gewählten Themen fotografisch und auditiv zu dokumentieren. Der Prozess wurde durch Reminder per Post und E-Mail begleitet, die Rücksendung der Kameras durch vorbereitete, frankierte Kuverts erleichtert. Das Fotolabor fotomedia unterstützte die Zuordnung der Bilder. Die Kinder berichteten von Freude am Entdecken, trotz Herausforderungen beim auditiven Aufnehmen durch Störgeräusche und der nicht sofortigen Sichtbarkeit der Fotos auf der Einwegkamera. Insgesamt förderte der Prozess eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Themen und dem Quartier. 5.4 Workshop 2 Im zweiten Workshop lag der Fokus auf der Bearbeitung der Tonaufnahmen. Nach einem spielerischen Einstieg reflektierten die Kinder ihre Erfahrungen mithilfe einer Plakatvorlage. Anschliessend arbeiteten die Kinder in Zweierteams an Laptops, luden ihre Aufnahmen hoch, ordneten sie thematisch und begannen mit dem Schnitt und Mixen. Fachpersonen von HitProducer unterstützten mit Erklärungen und individueller Begleitung. Der Ablauf wurde flexibel gestaltet, da die Kinder unterschiedlich viel Zeit benötigten. Teilweise kam es zu gruppendynamischen Herausforderungen, insgesamt war das Engagement jedoch hoch. Feedback über die Methoden Zielscheibe und Feedbackwolken zeigten, dass sich die Kinder wohlfühlten, Neues lernten und aktiv mitgestalteten. Für künftige Workshops wurde durch Feedbacks der Kinder und des Projektteams empfohlen, mehr Zeit für kreative Prozesse einzuplanen, um Zeitdruck zu vermeiden. 5.5 Workshop 3 Im dritten Workshop bereiteten die Kinder die Ausstellung vor. Nach einer Reflexion zum Fotoaufnahme-Prozess sowie einer Einführung zur Fotoentwicklung wurden gemeinsam Anliegen zur Ausstellungsgestaltung diskutiert und Anliegen auf einem Plakat festgehalten. In zwei parallellaufenden Stationen sichteten sie ihre Fotos, ordneten diese thematisch und wählten passende Titel aus, während gleichzeitig unvollständige Audiotracks fertiggestellt wurden. Nach dem Stationswechsel präsentierten sich die Gruppen ihre Ergebnisse gegenseitig und gaben einander Rückmeldungen. Trotz knapper Zeit konnten die meisten Aufgaben umgesetzt werden, einige Planungsschritte wie Raumund Rollenverteilung Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 15 mussten jedoch verschoben werden. Das Feedback durch die Methode Barometer zeigte ein hohes Mass an Mitbestimmung und Wohlbefinden, aber auch erlebten Zeitdruck. 5.6 Vernissage Die partizipativ gestaltete Ausstellung bildete den würdigen Abschluss des Projekts und fand im Forum des kHaus Basel statt. Freiwillige Kinder unterstützten am Vormittag den Aufbau der Fotound Audiostationen, der trotz begrenzter Zeit und schwieriger Wandverhältnisse erfolgreich verlief. Die letzten Vorbereitungen wie Apéro, Rollenverteilung und Ansprache wurden kurz vor Beginn gemeinsam mit allen Kindern abgestimmt. Zur Eröffnung begrüssten die Kinder die Gäste, führten sie eigenständig durch die Ausstellung und übernahmen Aufgaben beim Apéro und bei der Betreuung der Installationen. In einer kurzen Ansprache präsentierten die Kinder und PL das Projekt, würdigten die Zusammenarbeit und leiteten den Austausch ein. Die Atmosphäre war offen und wertschätzend, die Rückmeldungen der Besucher*innen durchweg positiv. Kritisch wurde die geringe Präsenz politischer Entscheidungsträger*innen bewertet – persönlichere Einladungen hätten hier vermutlich mehr Wirkung gezeigt. Im Anschluss wurden die Beiträge abgebaut und für die längerfristige, öffentliche Präsentation an einen anderen Ort im kHaus überführt. Abbildung 4-7: Umsetzung Vernissage (Quelle: eigenes Foto) Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 16 6 Evaluation und Reflexion Das Kapitel beginnt mit einer Darstellung des geplanten Evaluationsdesigns. Es folgt die Evaluation der Wirkungsziele sowie der Partizipationsstufen, welche wiederum auch die Effektivität und Inklusion im Projekt begründet. Darüber hinaus wird die Effizienz anhand eines Budgetvergleichs und abschliessend die Nachhaltigkeit reflektiert. Tabelle 1: Evaluationsdesign Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 17 6.1 Evaluation Wirkungsziel 1 Das erste Wirkungsziel zielte darauf ab, Kindern kreative Ausdrucksmöglichkeiten zu eröffnen und ihre Medienkompetenz zu stärken, indem sie ihre eigenen Wahrnehmungen zum öffentlichen Raum spielerisch und selbstbestimmt mit Fotografie und Audio sichtbar und hörbar machen konnten. Durch eine kinderfreundliche Einführung, partizipative Themensammlung und spielerische Methoden wurde der Projektstart so gestaltet, dass Motivation und Verständnis gefördert wurden. Die thematisch und methodisch angeleiteten Workshops boten einen geschützten Lernraum, in dem die Kinder den kreativen Umgang mit Technik erproben und sich auf die eigenständige Quartiererforschung vorbereiten konnten. Dabei profitierten insbesondere Kinder mit weniger familiärer Unterstützung von klaren Anleitungen und gezielten Erinnerungen per Post. Der kreative Prozess erforderte eine flexible Begleitung in der Verarbeitung, Reflexion und Verdeutlichung ihrer Produkte. Unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten und Gruppendynamiken machten individuelle Unterstützung notwendig. Gleichzeitig zeigte sich ein hohes Mass an gegenseitiger Hilfsbereitschaft unter den Kindern. Deutlich wurde auch, dass mehr zeitliche Ressourcen teilweise wünschenswert gewesen wären, um kreatives Arbeiten ohne Zeitdruck zu ermöglichen und die Ergebnisse weiter zu vertiefen. Trotz diesen Herausforderungen konnte das Wirkungsziel insgesamt erreicht werden. Die Kinder bauten Medienkompetenz innerhalb der Workshops auf und brachten ihre Sichtweisen aktiv ein. 6.2 Evaluation Adressat*innen und Partizipationsstufen Partizipation war in diesem Projekt sowohl Ziel als auch Mittel. Sie war ein zentrales Arbeitsprinzip und eng mit dem Wirkungsziel 2 verknüpft. Die Kinder sollten eigenständig Themen wählen, ihre Perspektiven ausdrücken und an der Ausstellung mitwirken können. Zur Einordnung wurde das Modell der Partizipationsstufen nach Stade (2019) herangezogen. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 24 6.5 Budgetvergleich Das Projekt wurde mit Gesamtausgaben von CHF 17’333.45 realisiert und blieb damit CHF 3’366.55 unter dem Budget. Die Personalkosten machten den Hauptanteil aus. Die PL blieb im Rahmen, während die PM leicht über dem geplanten Umfang lag, was im Sinne der Qualität und Begleitung jedoch gerechtfertigt war. Alle anderen Kostenpositionen, insbesondere Sachaufwand und externe Fachpersonen, lagen teils deutlich unter dem Budget. Das zeigt eine effiziente und verantwortungsbewusste Mittelverwendung. Tabelle 5: Budgetvergleich Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 25 6.6 Reflexion Aufbauund Ablauforganisation Die Evaluation zeigt, dass die gewählte Struktur insgesamt zielführend und tragfähig war. Die Projektorganisation beruhte auf angemessener Rollenverteilung: Die PL verantwortete Konzeption, Koordination, Kommunikation, Budget und Evaluation, während die PM die Umsetzungsbegleitung sowie organisatorische Aufgaben unterstützte. Diese Struktur ermöglichte einen funktionalen Ablauf, wobei in der Abstimmung mit externen Fachpersonen stellenweise eine klarere Aufgabenund Zeitabgrenzung hilfreich gewesen wäre. Externe Fachpersonen begleiteten einzelne Workshops inhaltlich. Die Begleitgruppe wurde bei Bedarf für Rückfragen oder Updates beigezogen. Obwohl das Projekt personell gut aufgestellt war, wäre insbesondere bei der Ausstellung eine zusätzliche unterstützende Person neben PL und PM entlastend gewesen, da Kooperationspersonen nur punktuell anwesend waren. Auf Zeitplan, Projektorganisation und Interventionspositionen wird im Folgenden vertieft eingegangen. 6.6.1 Reflexion Zeitplan Der Zeitplan erwies sich im Allgemeinen als realistisch, jedoch war die Anmeldefrist zu knapp bemessen und musste verlängert werden. Besonders in der Endphase der Umsetzung entstand zunehmend Zeitdruck, was von Kindern wie Projektteam als belastend empfunden wurde. Zusätzliche Zeitpuffer, insbesondere ein weiterer Workshoptag sowie frühzeitigere Absprachen mit Kooperationspartner*innen, hätten kreative und partizipative Prozesse vertiefen können. Die erwähnten Engpässe wurden auf dem folgenden Meilensteinplan, der das Projekt in vier Phasen gliedert, ersichtlich umkreist. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 26 Abbildung 9: Meilensteinplan (Quelle: eigene Darstellung) Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 27 6.6.2 Reflexion Projektorganisation Die PL nahm ihre Rolle verantwortungsvoll wahr, und koordinierte, strukturierte und ermöglichte Beteiligung auf Augenhöhe. Die Arbeitsweise war geprägt von transparenter Kommunikation und einer offenen, partizipativen Haltung. Besonders in der Arbeit mit den Kindern entstand eine unterstützende und kreative Gruppendynamik, die durch Eigenständigkeit und Engagement getragen war. Die Einbindung externer Fachpersonen wirkte bereichernd; die flexible Gestaltung der Workshops bot Raum für neue Impulse. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Aufgabenklärung mit dem Kunstmuseum präziser hätte erfolgen können, für eine klarere Aufgabenaufteilung. Unterschiedliche Vorkenntnisse und Sozialverhalten in der Gruppe machten eine individuell angepasste Begleitung durch das Projektteam erforderlich. 6.6.3 Reflexion Interventionspositionen Hangartner (2013) beschreibt für die SKA ein Handlungsmodell mit vier Interventionspositionen: Animation, Organisation, Vermittlung und Konzeption (S. 296–299). Während des Projekts nahm die PL die verschiedenen Positionen abwechselnd und teilweise gleichzeitig ein. Die Animationsposition, zielt laut Hangartner (2013) darauf ab, Menschen zu aktivieren und zu befähigen, ihre Lebenswelt mitzugestalten, zu verändern oder eigene Fähigkeiten zu erproben (S. 304). Die PL übernahm diese Position, indem sie die Kinder aktiv zur kreativen Auseinandersetzung mit ihrem Quartier einlud. Sie schuf einen Rahmen für selbstbestimmte Themenwahl, das Experimentieren mit Technik sowie den Ausdruck eigener Perspektiven. Die Kinder erlebten sich als gestaltende Akteur*innen, insbesondere durch ihre Beiträge und die öffentliche Ausstellung. Auch im Projektteam nahm die PL eine aktivierende Position ein, indem sie Möglichkeiten schuf, in einem methodisch fundierten Prozess Kinder durch Vermittlung von kulturellem Kapital zu empowern. Nahe an der Animationsposition ist die Organisationsposition, die darauf abzielt, Zielgruppen zu unterstützen, möglichst selbstorganisiert Aktivitäten und Projekte durchzuführen (Hangartner, 2013, S. 304). Die PL nahm diese Position ein, indem sie in den Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 28 Einführungsworkshops Strukturen schuf, die Kinder zur eigenständigen Quartiererforschung befähigten. Besonders in den Verarbeitungsund Vorbereitungsworkshops unterstützte sie die selbstständige Auswahl und Gestaltung der Beiträge sowie die Übernahme von Verantwortung bei der Ausstellung. Dabei bot sie Struktur und Rückhalt, ohne zentrale Aufgaben abzunehmen, wodurch die Organisationsposition altersgerecht und wirksam umgesetzt wurde. Wichtig war die Vermittlungsposition, zu der auch das Thematisieren und Übersetzen gehört (Hangartner, 2013, S. 299). Die PL agierte als vermittelnde Instanz zwischen Kindern, Kooperationspartner*innen und Besucher*innen. Sie übersetzte Anforderungen und Rahmenbedingungen in kindgerechte Sprache, half den Kindern bei der Artikulation ihrer Ideen und vertrat deren Interessen gegenüber Fachpersonen. Bei der Auswahl der Ausstellungselemente oder bei der Öffentlichkeitsarbeit war die PL anwaltschaftlich tätig, indem sie sicherstellte, dass die Stimmen der Kinder gehört und respektiert wurden. In der Konzeptionsposition werden auf der Grundlage von erhobenen Daten, Theorien und reflektierten Erfahrungen Konzepte erarbeitet, wobei die forschende Haltung und die Einbeziehung der Zielgruppe wesentlich sind (Hangartner, 2013, S. 310–312). Die PL nahm die Konzeptionsposition zunächst in der Planungsphase ein, indem sie Ausgangslage, Handlungsbedarf und Zielgruppe methodisch analysierte und durch aktivierende Befragung einbezog. Auch im weiteren Projektverlauf wurde die Position wirksam genutzt. Erfahrungen aus Anmeldungsverfahren, Workshops und Austauschen flossen kontinuierlich in die konzeptuelle Weiterentwicklung ein. Die PL beobachtete, analysierte und passte die Bedingungen fortlaufend und reflektiert an. 6.7 Reflexion Nachhaltigkeit Nach Willener (2019) umfasst Nachhaltigkeit in soziokulturellen Projekten zwei zentrale Dimensionen: Die nachhaltige Wirkung und die nachhaltige Entwicklung, wobei insbesondere die soziale Nachhaltigkeit im Fokus steht (S. 116, 125). Müller (2025) betont, dass Partizipation und Kooperation grundlegende Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung darstellen (S. 41). In Übereinstimmung damit fordert auch die Agenda 2030 Beteiligung auf allen Ebenen (S. 22), wobei Matson (2019) hervorhebt, dass insbesondere die Verbesserung der Lebensumstände vulnerabler Gruppen und deren aktive Mitwirkung – unterstützt durch SA – entscheidend für die Umsetzung der Agenda ist (S. 30). So fordert etwa das SDG 11 Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 29 (Sustainable Development Goals) eine inklusive, sichere und nachhaltige Stadtentwicklung durch partizipative Planung (Agenda 2030, 2020). Kinder nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, sowohl als zukünftige wie auch gegenwärtige Gestalter*innen ihrer Lebensräume. Da ihnen formale Mitbestimmung weitgehend verwehrt bleibt, ist ihre informelle Einbindung umso wichtiger. Dies zeigt sich besonders im Hinblick auf öffentliche Räume, die von Kindern stark genutzt werden, deren Gestaltung jedoch meist ohne ihre Perspektiven erfolgt. Steger (2021) macht deutlich, dass das Fehlen der Beteiligung von Kindern zu einem „Vorbeiplanen“ führt (00:46) – und somit Potenziale für lokale Identifikation, Verantwortungsübernahme und Nachhaltigkeit ungenutzt bleiben. Frühzeitige positive Partizipationserfahrungen fördern dagegen demokratisches Bewusstsein und langfristiges Engagement. Im Projekt Basel im Blick von Kindern wurden entsprechende Nachhaltigkeitsprinzipien teilweise bereits verstetigt. Die Ausstellung wurde nach der Eröffnung im kHaus weitere zwei Wochen öffentlich in der Plaza des kHaus zugänglich gemacht. Eine weitere Präsentation ist im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des KBB vorgesehen. Darüber hinaus konnten durch die Kooperation mit HitProducer Basel und dem Kunstmuseum Basel neue Vernetzungen etabliert werden. Auch aus dem Bewerbungsprozess gingen nachhaltige Kontakte hervor – etwa mit einem Verein für Kinder-Spiel-Aktionen, der durch das Projekt zu einem ähnlichen Vorhaben inspiriert wurde. Das Projekt diente dem KBB als ein Vorhaben für ein kooperatives, kreatives Format und wird als weiterführend und ausbaufähig eingeschätzt. Sowohl das Kunstmuseum als auch HitProducer zeigten sich offen für zukünftige Kooperationen. Zudem konnten im Hinblick auf die Zielsetzung „neue Zugänge und Inklusion“ wichtige strukturelle Erkenntnisse gewonnen werden – etwa zu Chancen und Risiken verpflichtender Anmeldesysteme oder zu notwendigen Unterstützungsressourcen. Diese Erfahrungen bilden eine wertvolle Grundlage, um die Projektarbeit im Sinne sozialer Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln und nachhaltige Beteiligungsstrukturen auszubauen. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 30 7. Erkenntnisse In diesem Kapitel erfolgen zentrale Schlussfolgerungen aus der Evaluation und Reflexion mit Theoriebezügen, einem Fazit sowie einer Danksagung. 7.1 Zentrale Schlussfolgerungen Wirkung partizipativer Kreativformate: Im Kontext dder kunstorientierten SKA können gesellschaftliche Diskurse im öffentlichen Raum initiiert und Veränderungsanstösse partizipativ gestaltet werden (Frey, 2019, S. 4–5). Ästhetische Erfahrungsprozesse können eingesetzt werden, um Fragen zu reflektieren und neue Perspektiven aufzuwerfen (Wandeler, 2010, S. 245–246). Das Projekt zeigte, dass kreative und partizipative Methoden wie Fotografie und Audioarbeit die Ausdrucksfähigkeit und Selbstwirksamkeit der Kinder stärken. Die gesetzten Wirkungsziele konnten in weiten Teilen erreicht werden. Voraussetzung dafür war vorausschauende Planung, die Raum für individuelle Begleitung und kindgerechte Prozesse liess. Niederschwellige Zugänge sind für Inklusion zentral: Die SKA trägt durch ihre präventiven Tätigkeiten dazu bei, dass soziale Probleme – so auch Exklusionsprobleme – erst gar nicht entstehen, welche die SA durch die Verbesserung der Inklusionsfähigkeit ihrer Adressat*innen zu beseitigen versucht (Wandeler, 2010, S. 177). Trotz gezielter Ansprache blieben bestimmte Kindergruppen – etwa solche mit besonderen Bedürfnissen oder ohne institutionellen Zugang – nicht repräsentiert. Es bedarf vereinfachte, direkte Ansprache, offenere Formate sowie institutionelle Zusammenarbeit, um Teilhabe chancengerechter zu gestalten. Zeit ist eine kritische Ressource: Besonders in der Endphase des Projekts kam es zu Zeitdruck, der sowohl für Kinder als auch das Projektteam als belastend empfunden wurde. Zukünftige Projekte sollten realistische Zeitpläne mit integrierten Puffern berücksichtigen. Gleichzeitig gilt es ein optimales Verhältnis im Spannungsfeld zwischen begrenzten Ressourcen und Erwartungen der Beteiligten zu schaffen. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 31 Kooperationen gezielt und frühzeitig gestalten: Um in komplexen, systemischen Verhältnissen Veränderungen bewirken zu können, ist die SKA auf Modelle der Kooperation und Vernetzung angewiesen (Wandeler, 2010, S. 189). Die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen wie dem Kunstmuseum Basel und HitProducer Basel bereicherte das Projekt inhaltlich und organisatorisch. Langfristige Partnerschaften können nachhaltige Strukturen in der kulturellen Kooperationsarbeit fördern. Eine frühere Einbindung dieser Akteur*innen in die Planungsphase hätte die Abstimmung erleichtert und Synergien gestärkt. Nachhaltigkeit braucht Anschlussfähigkeit und Dokumentation: Nachhaltigkeit zielt darauf ab, der möglichen Beliebigkeit oder Kurzlebigkeit entgegenzuwirken, die durch die kontinuierliche Arbeit an stets neuen Projekten entstehen kann (Wandeler, 2010, S. 289). Das Projekt hat wertvolle Impulse für partizipative Kinderkulturarbeit gesetzt. Um diese Wirkung zu verstetigen, sollten die gewonnenen Erkenntnisse für weitere Projekte nutzbar gemacht werden. Eine Wiederaufnahme des Formats, angepasst an neue Kontexte, könnte eine nachhaltige Weiterentwicklung ermöglichen und die Sichtbarkeit von Kinderperspektiven langfristig stärken. 7.2 Fazit Basel im Blick von Kindern war ein erfolgreiches soziokulturelles Projekt, das Kindern durch kreative Methoden, partizipative Prozesse und inklusive Zugänge Raum bot, ihre Perspektiven sichtbar zu machen und Verantwortung zu übernehmen. Die Vielfalt der Beiträge, die Selbstwirksamkeitserfahrungen der Kinder und die positive Resonanz bestätigen die Relevanz solcher Formate. Gleichzeitig zeigte das Projekt auf, an welchen Stellen strukturelle oder methodische Anpassungen notwendig sind, um Beteiligung noch inklusiver zu gestalten. Die gemachten Erfahrungen liefern praxisnahe Hinweise für die Weiterentwicklung ähnlicher Projekte im Kontext der SKA. 7.3 Dank Ein herzlicher Dank gilt allen Kindern, die mit Neugier und Kreativität ihre Quartiere erkundet und das Projekt aktiv und engagiert mitgestaltet haben. Ebenso den Eltern, Betreuungspersonen und Mitarbeitenden der beteiligten Partnerorganisationen, die durch ihre tatkräftige Unterstützung und Offenheit Teilhabe ermöglichten. Ein besonderer Dank gilt den Kooperationspartner*innen von HitProducer Basel und dem Kunstmuseum Basel für ihr Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 32 Fachwissen, ihre Ressourcen und ihre Offenheit gegenüber den Perspektiven der Kinder. Ein Dank geht auch an den Projektmentor der HSLU für die wertschätzende Begleitung und die fachliche Unterstützung. Nicht zuletzt gilt der Dank der PM und dem restlichen Team des KBB für die Unterstützung und die gemeinsame Überzeugung, dass Kinder Stimmen haben, die gehört werden sollten. Eliane Giger Projektbericht: Basel im Blick von Kindern Modul 201 33 8 Quellenverzeichnis Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung EDA/UVEK (2020, 23. April). SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden. https://www.agenda-2030.eda.admin.ch/de/sdg-11nachhaltigestaedte-und-gemeinden AvenirSocial (Hrsg.). (2010). Berufskodex Soziale Arbeit Schweiz: Ein Argumentarium für die Praxis [Broschüre]. Beobachter. (2017). Sorgerecht. https://www.beobachter.ch/rechtslexikon/sorgerecht Brüschweiler, B., Cavelti, G., Falkenreck, M., Gloor, S., Hinder, N., Kindler, T. & Zaugg, D. (2021): Kinderrechte aus Kinderund Jugendsicht: Kinderrechte-Studie Schweiz und Liechtenstein 2021. https://www.unicef.ch/de/unsere-arbeit/schweizliechtenstein/kinderrechte/studi Frey, U. (2019). Kunstorientierte Soziokulturelle Animation: Versuch einer begrifflichen Annäherung. Luzern: Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, Institut für Soziokulturelle Entwicklung. https://doi.org/10.5281/zenodo.3346875 Hangartner, G. (2013). Ein Handlungsmodell für die Soziokulturelle Animation zur Orientierung für die Arbeit in der Zwischenposition. In Wandeler, B. (Hrsg.), Soziokulturelle Animation: Professionelles Handeln zur Förderung von Zivilgesellschaft, Partizipation und Kohäsion (S. 267–322) (2. Aufl.). Interact. Husi, G. (2018). Partizipation. In B. Wandeler (Hrsg.), Soziokulturelle Animation: Professionelles Handeln zur Förderung von Zivilgesellschaft, Partizipation und Kohäsion (2. Aufl., S. 108–115). Interact. Kanton Basel-Stadt. (2023). Gesetz über die Mitwirkung der Quartierbevölkerung (Partizipationsgesetz) vom 10. Mai 2023. https://www.gesetzessammlung.bs.ch/app/de/texts_of_law/155.300 Kanton Basel-Stadt. (o. J.). Kantonsverfassung des Kantons Basel-Stadt vom 23. März 2005 (Stand 1. Januar 2025). https://www.gesetzessammlung.bs.ch/app/de/texts_of_law/150.100 Kinderbüro Basel. (o. J.). Entstehung und Aufbau des Kinderbüro Basel [Internes Dokument]. Kinderbüro Basel. (2021). Statuten Verein Kinderbüro Basel. https://www.kinderbuerobasel.ch Kinderbüro Basel. (2023). Betriebskonzept Kinderbüro Basel [Internes Dokument]. Kinderbüro Basel. (2024). Strategieentwicklung Kinderbüro: Retraite vom Oktober 2024 – Workshopergebnisse [Internes Dokument]. Lansdown, G. (2005). Can you hear me? The right of young children to participate in decisions affecting them. Bernard van Leer Foundation. https://resourcecentre.savethechildren.net/document/can-you-hear-me-right-youngchildren-participate-decisions-affecting-them/ Matson, F. (2019). Partizipation ermöglichen. In B. Wandeler, K. Hofer (Hrsg.), Werkstattheft. Soziale Arbeit und nachhaltige Entwicklung (S. 30-31). Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.