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Übergangsunterstützung: Projektbericht

Chan, Cheuk Long Jacky

Abstract

Der Übergang von der Primarstufe in die Oberstufe stellt eine zentrale Entwicklungsaufgabe für Kinder dar. Er ist geprägt von neuen schulischen Strukturen, höheren Leistungsanforderungen, sozialer Neuorientierung und dem Verlust vertrauter Bezugspersonen. Vor diesem Hintergrund initiierte die Quartierarbeit Moosmatt das Projekt «Übergangsunterstützung», das sich an Kinder der 6. Klassen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli richtet. Ziel war es, ein partizipatives Unterstützungsangebot zu schaffen, das Kinder im Umgang mit veränderter Freizeitstruktur stärkt und ihre Selbstwirksamkeit fördert. Die Situationsanalyse, bestehend aus einer Online-Umfrage und Expert*inneninterviews, zeigte, dass vor allem der Verlust an Freizeit und das Gefühl von Zeitdruck als belastend erlebt werden. Daher wurde die Freizeitgestaltung ins Zentrum des Projekts gestellt. Kern des Projekts war die Einbindung von Jugendlichen der 1. Oberstufe, die diesen Übergang bereits gemeistert hatten. In einem World-Café reflektierten sie ihre Erfahrungen und entwickelten gemeinsam mit der Projektleitung ein Unterstützungsangebot für die 6. Klässler*innen. Daraus entstand ein Kurzfilm mit Alltagsszenen, Tipps und Botschaften, der im Rahmen einer schulübergreifenden Veranstaltung mit anschliessender Fragerunde präsentiert wurde. Dieses Format förderte Identifikation, Austausch und Selbstreflexion. Die Jugendlichen übernahmen aktiv Verantwortung und stärkten ihre sozialen und methodischen Kompetenzen als "Übergangsexpertinnen". Das Projekt knüpft an Strukturen der OKJA an, erweitert diese aber durch die Verzahnung mit Schulen und die sozialräumliche Einbettung. Die Ergebnisse liefern Impulse für künftige Übergangsprojekte, während Wiederverwendung des Films und eine mögliche jährliche Wiederholung die Nachhaltigkeit sichern. Damit zeigt das Projekt exemplarisch, wie Peer-to-Peer-Ansätze und informelles Lernen wirksam verbunden werden können.

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Projektbericht: Übergangsunterstützung Projektzeitraum von 01.10.2024 bis 31.07.2025 Cheuk Long Jacky Chan Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Soziokultur Begleitperson: Sandra Schmid Eingereicht am: 31.08.2025 Diese Arbeit wurde am 31.08.2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich. 09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de 1 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ................................................................................................................... 1 1 Abbildungsverzeichnis ..................................................................................................... 2 2 Tabellenverzeichnis ......................................................................................................... 2 3 Abstract .......................................................................................................................... 3 4 Einleitung ........................................................................................................................ 4 5 Ausgangslage .................................................................................................................. 4 6 Situationsanalyse ............................................................................................................ 5 6.1 Stakeholder-Analyse ................................................................................................ 5 6.2 Schriftliche (Online-)Befragung ................................................................................. 6 6.3 Expert*inneninterviews ............................................................................................ 7 6.4 Dokumentenanalyse ................................................................................................ 9 7 Handlungsbedarf und aus der Situationsanalyse abgeleiteten Projektidee ....................... 10 8 Darstellung der Ziele ...................................................................................................... 12 9 Definition der Zielgruppe ................................................................................................ 13 10 Darstellung der Aufbauorganisation ............................................................................... 14 11 Darstellung der Ablauforganisation und Dokumentation der Umsetzung .......................... 15 12 Evaluation und Reflexion des Projekts ............................................................................ 19 13 Nachhaltigkeit ............................................................................................................... 22 14 Quellen ......................................................................................................................... 22 2 1 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Antworten der Onlinebefragung Abbildung 2: Antworten der Onlinebefragung Abbildung 3: Zielbaum Abbildung 4: Organigramm des Projektes Abbildung 5: World-Café Moderation Abbildung 6: Erster Entwurf der Umsetzungsphase Abbildung 7: Dotmocracy-Methode bezüglich des Formats Abbildung 8: Feedbacks nach der ersten Sitzung Abbildung 9: Bedenken und Sorgen des Projektteams Abbildung 10: Filmdreh mit Projektteam Abbildung 11: Dokumentation der offenen Fragenrunde Abbildung 12: Vorbereitung FIlmaufführung Abbildung 13: Rückmeldungen der 6. Klässler*innen Abbildung 14: Filmplakat 2 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Stakeholderanalyse (Eigene Darstellung) 3 3 Abstract Der Übergang von der Primarstufe in die Oberstufe stellt eine zentrale Entwicklungsaufgabe für Kinder dar. Er ist geprägt von neuen schulischen Strukturen, höheren Leistungsanforderungen, sozialer Neuorientierung und dem Verlust vertrauter Bezugspersonen. Vor diesem Hintergrund initiierte die Quartierarbeit Moosmatt das Projekt «Übergangsunterstützung», das sich an Kinder der 6. Klassen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli richtet. Ziel war es, ein partizipatives Unterstützungsangebot zu schaffen, das Kinder im Umgang mit veränderter Freizeitstruktur stärkt und ihre Selbstwirksamkeit fördert. Die Situationsanalyse, bestehend aus einer Online-Umfrage und Expert*inneninterviews, zeigte, dass vor allem der Verlust an Freizeit und das Gefühl von Zeitdruck als belastend erlebt werden. Daher wurde die Freizeitgestaltung ins Zentrum des Projekts gestellt. Kern des Projekts war die Einbindung von Jugendlichen der 1. Oberstufe, die diesen Übergang bereits gemeistert hatten. In einem World-Café reflektierten sie ihre Erfahrungen und entwickelten gemeinsam mit der Projektleitung ein Unterstützungsangebot für die 6. Klässler*innen. Daraus entstand ein Kurzfilm mit Alltagsszenen, Tipps und Botschaften, der im Rahmen einer schulübergreifenden Veranstaltung mit anschliessender Fragerunde präsentiert wurde. Dieses Format förderte Identifikation, Austausch und Selbstreflexion. Die Jugendlichen übernahmen aktiv Verantwortung und stärkten ihre sozialen und methodischen Kompetenzen als „Übergangsexpertinnen“. Das Projekt knüpft an Strukturen der OKJA an, erweitert diese aber durch die Verzahnung mit Schulen und die sozialräumliche Einbettung. Die Ergebnisse liefern Impulse für künftige Übergangsprojekte, während Wiederverwendung des Films und eine mögliche jährliche Wiederholung die Nachhaltigkeit sichern. Damit zeigt das Projekt exemplarisch, wie Peer-to-Peer-Ansätze und informelles Lernen wirksam verbunden werden können. 4 4 Einleitung Der vorliegende Projektbericht wurde im Rahmen des Moduls 201 – Praxisprojekt an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit verfasst. Er dokumentiert die fachliche Planung, praktische Umsetzung und systematische Auswertung eines sozialräumlich orientierten Unterstützungsangebots, das während des Praktikums bei der Quartierarbeit Moosmatt der Stadt Luzern im Zeitraum von Januar bis Juli 2025 realisiert wurde. Dieser Bericht dient als Leistungsnachweis und zugleich als praxisorientierte Reflexion. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur der Qualitätssicherung des aktuellen Projekts dienen, sondern auch zur konzeptionellen Weiterentwicklung beitragen. Langfristig verfolgt das Projekt die Zielsetzung, ein wiederholbares Format zu etablieren, das in weiteren Luzerner Quartieren angepasst und umgesetzt werden kann, stets orientiert an den Bedarfen der jeweiligen Zielgruppe und den sozialräumlichen Gegebenheiten. 5 Ausgangslage Das Projekt „Übergangsunterstützung“ entstand im Rahmen des Praktikums bei der Quartierarbeit Moosmatt und wurde als praxisorientiertes Angebot für Kinder der 6. Klassen konzipiert. Ziel war es, diese beim Übertritt in die Oberstufe zu begleiten. Einer Lebensphase, die mit vielfältigen Anforderungen und Veränderungen verbunden ist. Besonderes Augenmerk galt dabei den Themen Zeitmanagement, Freizeitgestaltung und der steigenden Selbstverantwortung im schulischen Alltag. Die Quartierarbeit der Stadt Luzern ist mit einem Standort im Quartier Moosmatt verankert. Das Einzugsgebiet umfasst schwerpunktmässig die Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli sowie das umliegende Wohngebiet. Die Quartierarbeit Moosmatt bietet vor Ort Angebote der Offenen Kinderund Jugendarbeit an. Der Schwerpunkt liegt auf Kindern und Jugendlichen im Alter von ca. 10 bis 15 Jahren, mit besonderem Fokus auf Kinder der 4. bis 6. Klasse, die im Quartier wohnen oder dort ihren Lebensmittelpunkt haben (Stadt Luzern, 2024, S. 5). Ziel ist es, bestehende Angebote anderer Organisationen zu ergänzen, insbesondere dort, wo institutionelle Strukturen wie Schule, Schulsozialarbeit oder offene Jugendarbeit an Grenzen stossen oder Lücken bestehen (ebd., S. 9). Dabei versteht sich die Quartierarbeit als sozialräumlich arbeitende Instanz, die niedrigschwellige, freiwillige und partizipative Zugänge ermöglicht. Die Quartierarbeit der Stadt Luzern definiert ihre Arbeit in drei Leistungsbereiche. Eines davon ist die «partizipative Freizeitgestaltung», sie verfolgt dabei laut Fachkonzept der Stadt Luzern (2024) spezifische Wirkungsziele. Dazu gehören insbesondere: • Die Förderung der Kompetenzerweiterung von Kindern und Jugendlichen, die Stärkung ihrer Selbstwirksamkeit und die ernsthafte Einbeziehung ihrer Meinungen in Gestaltungsund Veränderungsprozesse (Stadt Luzern, 2024, S. 6). • Ein besonderer Fokus liegt auf Kindern und Jugendlichen in Übergangsphasen, insbesondere beim Wechsel von der Primarschule in die Sekundarstufe, da diese Zeit für ihre Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist (Stadt Luzern, 2024, S. 5). 5 Das Qualitool der Quartierarbeit Stadt Luzern (2022) definiert zudem als erwünschte Outcomes: • Die Erweiterung der Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen und die Förderung ihrer Selbstwirksamkeit. Der übergeordnete Impact lautet: • Die Stadt Luzern unterstützt die gesunde Entwicklung der Wohnbevölkerung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Diese Zielsetzungen legitimieren die Quartierarbeit dazu, den Übergang von der Primarschule in die Oberstufe aktiv zu begleiten und entsprechende Angebote zu entwickeln, um die Kinder und Jugendlichen in dieser Phase bestmöglich zu unterstützen. 6 Situationsanalyse Für die Situationsanalyse wurden verschiedene methodische Zugänge gewählt, um möglichst breit abgestützte und fundierte Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei wurde eine Umfrage unter Schüler*innen der 6. Klasse durchgeführt, um direkte Einblicke und Perspektiven der Zielgruppe aus erster Hand zu erhalten. Zudem wurden Fachpersonen interviewt, die aufgrund ihrer engen Zusammenarbeit mit der Zielgruppe sowie ihrer fachlichen Expertise eine wertvolle Informationsquelle für das Projekt darstellen. Ergänzend dazu wurden relevante Dokumente und Projektberichte zum Thema «Übergang» analysiert, um bestehende Erkenntnisse einzubeziehen. 6.1 Stakeholder-Analyse Name Funktion Einstellung Einflussmöglichkeit Rolle und Aufgabe Cristina Sama Standortleitung Moosmatt Positiv Gross Informieren, Fragen stellen im Prozess, Unterstützung bei Projekt-umsetzung Tobias Naunheim Standortleitung Tribschen + Praxisaus-bildner Positiv Mittel Informieren, Fragen stellen im Prozess, evtl. Unterstützung bei Projekt-umsetzung Regula Rescalli Bereichsleitung Positiv Gross Informieren und Zustimmung Sibylle Stolz Leiterin Quartiere und Integration Positiv Mittel Informieren via Bereichsleitung Team QA Mitarbeitende Quartierarbeit Positiv Mittel Evtl. Unterstützung bei Projektumsetzung 6 Balduin Meile Jugendarbeiter Positiv Mittel Informieren, Fragen stellen im Prozess, Unterstützung bei Projekt-umsetzung Katholische Kirche Paulusheim Neutral Mittel Evtl. wegen Raum fragen Daniela Hunziker Unterichts-leitung Schulhaus Moosmatt Neutral Mittel Kontaktver-mittlung zu 6. Klässler*innen, evtl. Werbung über sie machen Mario Tresch Lehrperson Schulhaus Säli Neutral Mittel Kontaktver-mittlung zu 6. Klässler*innen, evtl. Werbung über sie machen Irene Schwander Schulleiterin PS Hubelmatt Neutral Mittel Kontaktver-mittlung zu 6. Klässler*innen, evtl. Werbung über sie machen Petra Hirzinger Schulsozial-arbeit Schulhaus Hubelmatt Positiv Mittel Fragen stellen im Prozess, evtl. Werbung über sie machen Eltern Erziehende Neutral Mittel Evtl. informieren Tabelle 2: Stakeholderanalyse (Eigene Darstellung) 6.2 Schriftliche (Online-)Befragung Über Microsoft Forms wurde eine Online-Umfrage durchgeführt, die an alle 6. Klassen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli versendet wurde. Die Befragung umfasste neun Fragen (siehe Anhang) mit dem Ziel, Stimmungsbilder, Emotionen sowie mögliche Sorgen der Schüler*innen zu erfassen. Trotz mehrmaliger Erinnerungen an die Schulleitungen und Lehrpersonen wurde die Umfrage lediglich von zwei Schulklassen des Schulhauses Hubelmatt ausgefüllt. Von den Schulhäusern Moosmatt und Säli konnten hingegen keine Daten erhoben werden. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass der Wechsel von der 6. Klasse in die 1. Oberstufe mit einer Vielzahl von Emotionen verbunden ist. Die befragten Kinder berichten sowohl von positiven Gefühlen wie Freude und Neugier als auch von negativen Emotionen wie Nervosität und Unsicherheit. Die emotionale Bandbreite unterstreicht die Bedeutung dieses Übergangs für die Schüler*innen. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen entwickeln die Kinder unterschiedliche Strategien. Einige äussern den Wunsch, mit ihren Eltern oder Freunden über ihre Sorgen zu sprechen, während andere daraufsetzen, sich in der neuen Umgebung aktiv einzufinden. Besonders der Kontakt zu Gleichaltrigen wird als hilfreich empfunden, um Unsicherheiten zu reduzieren. 7 Ein bedeutender Aspekt des Übergangs ist die Veränderung der Freizeitgestaltung. Viele Kinder befürchten, dass sie aufgrund der gestiegenen schulischen Anforderungen weniger Zeit für Freizeitaktivitäten haben werden. Insbesondere soziale Treffen und sportliche Betätigungen werden seltener wahrgenommen, was zu einer Umstellung des bisherigen Alltags führt. Abbildung 1: Antworten der Onlinebefragung Abbildung 2: Antworten der Onlinebefragung Neue Freundschaften in der Oberstufe entstehen nach Meinung der befragten Kinder der 6. Klassen in Zukunft hauptsächlich innerhalb der eigenen Schulklasse oder in Parallelklassen. Einige Kinder sind jedoch unsicher, wie sie neue soziale Kontakte knüpfen können. Treffen mit alten und neuen Freund*innen finden meist in der Schule, zu Hause oder im öffentlichen Raum statt. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass nur noch sehr wenige Kinder regelmässig den Kidstreff besuchen. Von insgesamt 33 Antworten behaupteten nur 2 Kinder, dass sie aktuell immer noch gerne zum Kidstreff kommen und 4 Kinder antworteten, dass sie früher gerne im Treff waren, dies aber nicht mehr der Fall ist. Abschliessend muss erneut erwähnt werden, dass die Ergebnisse aus der Online-Befragung lediglich von 2 Klassen desselben Schulhauses stammen und somit nicht repräsentativ für die gesamte 6. Stufe sind. Dennoch liefern sie wertvolle Hinweise auf verschiedene Herausforderungen in der Übergangsphase. 6.3 Expert*inneninterviews Es wurden Expert*inneninterviews mit drei Fachpersonen durchgeführt: mit der Quartierarbeiterin, die hauptsächlich mit Kindern der Primarstufen arbeitet, dem Jugendarbeiter, der primär Jugendliche der Oberstufe begleitet, sowie mit der Schulsozialarbeiterin des Schulhauses Hubelmatt, die sowohl mit der Zielgruppe aus der Primarals auch der Oberstufe tätig ist. Diese Personen wurden gezielt ausgewählt, da sie über fundiertes Wissen zum Thema Übergänge von Kindern und Jugendlichen verfügen und in direktem Kontakt mit der Zielgruppe stehen. Die Wahl des semistrukturierten Interviewformats mit einem vorbereiteten Leitfaden bietet einerseits eine klare Struktur für das Gespräch, ermöglicht andererseits aber auch den Fachpersonen, ihre 14 ihrer Talente ermöglicht. Insbesondere dann, wenn diese nicht den traditionellen Geschlechterrollen entsprechen (TOJ, S. 4-5, 2019). Um die Beteiligung weiblicher Jugendlicher gezielt zu fördern, wurde auf eine sensible und wertschätzende Ansprache geachtet. Jugendliche, die sich in Gruppensettings zurückhaltend zeigen, wurden in einer ermutigenden Weise angesprochen, ohne unter Druck gesetzt zu werden. Zusätzlich wurden bei Bedarf kleinere, geschützte Gesprächsrunden geschaffen, in denen sich insbesondere weibliche Jugendliche freier äussern können. Auch kreative Methode wie anonyme Ideensammlungen kamen zum Einsatz, um vielfältige Beteiligungsformen zu ermöglichen. Auf diese Weise wurde ein Raum geschaffen, in dem sich weibliche Jugendliche gleichberechtigt einbringen und ihre Selbstwirksamkeit stärken konnten. 10 Darstellung der Aufbauorganisation Die Aufbauorganisation des Projekts „Übergangsunterstützung“ beschreibt die Zusammensetzung sowie die Aufgabenund Rollenverteilung. Sie zeigt, welche Personen und Institutionen in die Planung, Durchführung und Begleitung eingebunden waren und welche Funktionen sie übernahmen. Die Projektleitung lag beim Praktikanten der Quartierarbeit der Stadt Luzern, der das Vorhaben im Rahmen des Studienmoduls „Praxisprojekt“ innerhalb der Quartierarbeit Moosmatt konzipierte, koordinierte und umsetzte. Er war verantwortlich für die Bedarfsanalyse, die methodische Planung, die Abstimmung mit externen Partnern sowie für die Begleitung der beteiligten Jugendlichen während der Projektlaufzeit. Eine zentrale Rolle übernahm das Projektteam, bestehend aus sechs Jugendlichen der 1. Oberstufe. Sie erklärten sich am Kick-off freiwillig bereit, als „Übergangsexpert*innen“ mitzuwirken. Ihre Aufgaben umfassten die Ideensammlung, Drehbuchentwicklung sowie das Mitwirken vor und hinter der Kamera. So gestalteten sie das Unterstützungsangebot für die 6. Klassen aktiv mit und übernahmen zunehmend Verantwortung. Die Quartierarbeit Moosmatt stellte als Träger die fachliche und infrastrukturelle Basis bereit – etwa Räume, Materialien sowie die Qualitätssicherung nach dem Fachkonzept der Stadt Luzern. Sie fungierte zudem als Schnittstelle zwischen Schulen, Praxisfeld und Hochschule. Eine wichtige fachliche Rolle spielte der Praxisanleiter Tobias Naunheim. Er unterstützte die Projektleitung in methodischen Fragen, bei der Reflexion und Auswertung. Durch regelmässige Standortgespräche und Inputs konnte die Projektidee kontinuierlich weiterentwickelt werden. Seine Expertise in der sozialräumlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen trug wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Operativ wurde die Projektleitung zudem von der Standortleiterin der Quartierarbeit Moosmatt, Cristina Sama, unterstützt. Sie gab praxisnahe Tipps, brachte Ideen in die Umsetzung ein und nutzte ihre Erfahrung sowie ihr vernetztes Denken, um Kontakte zu schulischen und ausserschulischen Akteur*innen einzubringen. Ihre Unterstützung war ein zentraler Faktor für die reibungslose Umsetzung. Auch die Schulleitung des Schulhauses Hubelmatt sowie verschiedene Klassenund Fachlehrpersonen wirkten als Kooperationspartner mit. Sie ermöglichten den Kick-off, stellten Schüler*innen für Projektsitzungen frei und unterstützten die Kommunikation mit den Lehrpersonen. 15 Die 6. Klässler*innen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli bildeten die primäre Zielgruppe. Ihre Perspektiven flossen durch die Online-Umfrage und Rückmeldungen in die Projektgestaltung ein. Durch klare Rollenverteilung, die partizipative Einbindung der Jugendlichen und die enge Zusammenarbeit mit Schulen entstand eine stabile Struktur, die eine zielgerichtete und ressourcenschonende Umsetzung des Projekts ermöglichte. 11 Darstellung der Ablauforganisation und Dokumentation der Umsetzung Die Umsetzung des Projekts „Übergangsunterstützung“ erfolgte entlang der in der Konzeptionsphase entwickelten Struktur und unter aktiver Einbindung der relevanten Zielgruppen. Die Dokumentation der Umsetzung orientiert sich an den einzelnen Projektphasen und stellt die durchgeführten Aktivitäten, Methoden und Ergebnisse transparent dar. Abbildung 4: Organigramm des Projektes 16 Gewinnung des Projektteams Im Mai 2025 wurde in Zusammenarbeit mit dem Schulhaus Hubelmatt eine Kick-Off-Veranstaltung in Form eines World-Cafés mit zwei 1. Oberstufenklassen durchgeführt. Die Jugendlichen erhielten dabei die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen mit dem Übergang von der Primarstufe in die Oberstufe zu reflektieren. Gleichzeitig wurde das Projekt vorgestellt und zur aktiven Mitarbeit eingeladen. Aus dieser Veranstaltung ging ein sechsköpfiges Projektteam hervor, bestehend aus engagierten Jugendlichen mit unterschiedlichen Hintergründen und Stärken. Die Beteiligung war freiwillig, wobei die Durchführung der Sitzungen während der Schulzeit einen zusätzlichen Anreiz boten. Abbildung 5: World-Café Moderation Kooperative Ausarbeitung des Projektprodukts Im Zeitraum von Mai bis Juni 2025 fanden insgesamt drei moderierte Gruppensitzungen statt, in denen das Projektteam gemeinsam die Inhalte, Struktur und Umsetzung des geplanten Kurzfilms entwickelte. Die Jugendlichen brachten ihre eigenen Erfahrungen in Bezug auf Freizeitgestaltung, Zeitmanagement, Selbstorganisation und sozialen Druck ein. Die Projektleitung übernahm eine unterstützende und strukturierende Funktion, ohne inhaltlich vorzugeben. So konnten die Jugendlichen ein hohes Mass an Selbstwirksamkeit erfahren und Verantwortung für ihr Projekt übernehmen. Abbildung 6: Erster Entwurf der Umsetzungsphase Abbildung 7: Dotmocracy-Methode bezüglich des Formats 17 Abbildung 8: Feedbacks nach der ersten Sitzung Abbildung 9: Bedenken und Sorgen des Projektteams Produktion des Kurzfilms Die Ideen des Projektteams wurden in mehreren Schritten filmisch umgesetzt. Dabei wurden Alltagsszenen aus dem Leben der Jugendlichen nachgestellt, persönliche Statements aufgenommen und praktische Tipps zur Selbstorganisation eingebunden. Die Aufnahmen wurden im Quartier sowie in der Schule realisiert. Der Schnitt und die Nachbearbeitung des Films wurden vollständig durch die Projektleitung übernommen, da der zeitliche Rahmen keine vertiefte Einbindung der Jugendlichen in diesen abschliessenden Produktionsschritt mehr zuliess. Dennoch spiegelte das Endprodukt klar die Ideen, Inhalte und Perspektiven des Projektteams wider, wodurch die Authentizität und Lebensnähe des Films gewahrt blieben. Abbildung 10: Filmdreh mit Projektteam Durchführung der schulübergreifenden Veranstaltung Am 3. Juli 2025 fand die schulübergreifende Veranstaltung im Paulusheim statt, zu der sämtliche 6. Klassen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli eingeladen waren. Die Veranstaltung gliederte sich in vier Abschnitte: Ankommen, Filmvorführung, offene Fragerunde mit dem Projektteam sowie Abschluss. Die Jugendlichen führten selbstständig durch die Fragerunde, beantworteten die Fragen der Kinder zu Themen wie Schulalltag, Leistungsdruck, Freizeitgestaltung oder Prüfungen. Die Beteiligung 18 der 6. Klässler*innen war rege und von grossem Interesse geprägt. Der peer-basierte Austausch ermöglichte eine niederschwellige und lebensnahe Form der Wissensvermittlung. Abbildung 11: Dokumentation der offenen Fragenrunde Abbildung 12: Vorbereitung FIlmaufführung Abbildung 13: Rückmeldungen der 6. Klässler*innen Abbildung 14: Filmplakat 19 Nachbereitung und Abschluss Im Anschluss an die Veranstaltung wurden die Projektbeteiligten zur Reflexion eingeladen. In einer letzten Sitzung wurde gemeinsam auf das Projekt zurückgeblickt: Was ist gut gelungen? Wo gab es Herausforderungen? Was wurde gelernt? Die Jugendlichen erhielten eine schriftliche Bestätigung ihrer Mitwirkung in Form eines Mitarbeitszeugnisses. Zudem wurde ihnen Raum gegeben, eigene Wünsche für eine Weiterentwicklung des Projekts einzubringen. Die Projektleitung dokumentierte sämtliche Phasen, reflektierte den methodischen Ablauf sowie die Wirkung auf die Beteiligten und bereitete den vorliegenden Projektbericht vor. Ergebnisse des Projekts Die im Rahmen des Projekts „Übergangsunterstützung“ umgesetzten Interventionen und erbrachten Leistungen führten zu mehreren sichtbaren und erlebbaren Ergebnissen für beide zentrale Zielgruppen. Auf Seiten der Jugendlichen der 1. Oberstufe zeigte sich ein hohes Mass an Motivation und Engagement. Sie nahmen die Möglichkeit, als „Übergangsexpert*innen“ mitzuwirken, mit grossem Interesse wahr und brachten eigene Ideen, Erfahrungen und Perspektiven aktiv in den Prozess ein. Dabei konnten sie nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern auch methodische, soziale und organisatorische Kompetenzen erweitern. Etwa in den Bereichen Teamarbeit, Kreativgestaltung und Präsentation vor einer grösseren Gruppe. Viele der beteiligten Jugendlichen äusserten, dass sie aus dem Projekt wertvolle Lernerfahrungen mitgenommen haben, insbesondere in Bezug auf Selbstorganisation und die Reflexion ihrer eigenen Übergangsphase. Auch die primäre Zielgruppe, die Schüler*innen der 6. Klassen profitierte unmittelbar vom Projekt. Durch die Filmvorführung erhielten sie authentische Einblicke in den Alltag der Oberstufe und konnten sich mit den Erfahrungen Gleichaltriger identifizieren. Die anschliessende Fragerunde bot Raum, persönliche Unsicherheiten anzusprechen und Antworten auf konkrete Fragen zu erhalten. Dabei wurden sowohl Strategien zur Freizeitgestaltung als auch Tipps zum Umgang mit erhöhtem schulischem Druck vermittelt. Die Kinder konnten so frühzeitig Anregungen und Orientierung für ihren eigenen bevorstehenden Übergang gewinnen. Mit dem Kurzfilm als erstelltem Produkt liegt zudem ein nachhaltiges, wiederverwendbares Medium vor, das auch künftigen Jahrgängen der 6. Klassen zugänglich gemacht werden kann. Damit entfaltet das Projekt über den aktuellen Durchführungszeitraum hinaus Wirkung und trägt langfristig zur Unterstützung von Kindern in dieser sensiblen Übergangsphase bei. 12 Evaluation und Reflexion des Projekts Die Evaluation des Projekts „Übergangsunterstützung“ basiert auf dem im Konzept entwickelten Evaluationsdesign, das qualitative und quantitative Methoden kombiniert. Ziel war es, sowohl die Perspektiven der Jugendlichen aus dem Projektteam (1. Oberstufe) als auch die Rückmeldungen der 6. Klässler*innen nach der Filmvorführung und Fragerunde systematisch zu erfassen und auszuwerten. Als Instrumente wurden unter anderem eine Online-Befragung des Projektteams, eine strukturierte Reflexionsrunde sowie informelle Gespräche nach der Veranstaltung genutzt. 20 Adressat*innen / Zielgruppe Die primäre Zielgruppe, die Kinder der 6. Klassen der Schulhäuser Hubelmatt, Moosmatt und Säli wurde im Projekt eindeutig definiert und direkt angesprochen. Die Teilnahme an der schulübergreifenden Veranstaltung zur Filmvorführung ermöglichte grundsätzlich eine breite Erreichung dieser Zielgruppe. Allerdings nahmen lediglich nur zwei Klassen aus dem Schulhaus Moosmatt teil, da die Einladung erst eine Woche vor der Aufführung verschickt werden konnte und Abschlussklassen in der Zeit vor den Sommerferien oftmals ein dichtes Programm mit zahlreichen anderen Aktivitäten haben. Dennoch konnte durch den niederschwelligen Zugang über die Schule und den Einbezug der Lehrpersonen ein Teil der Zielgruppe erreicht werden. Die sekundäre Zielgruppe, die Jugendlichen der 1. Oberstufe, wurde im Projekt als sogenannte „Übergangsexpert*innen“ involviert. Diese Jugendlichen brachten ihre Erfahrungen in die Entwicklung des Films ein und fungierten als wichtige Brückenpersonen zwischen den Jahrgangsstufen. Partizipation Die Jugendlichen der 1. Oberstufe wurden stark eingebunden und konnten über eine Kick-offVeranstaltung eigenständig Themen priorisieren, Inhalte erarbeiten und in Workshops kreative Ideen umsetzen. Die Projektleitung nahm dabei eine moderierende und unterstützende Rolle ein. Die Partizipation umfasste die Ebenen der Mitwirkung und teilweise auch der Mitbestimmung, z. B. bei der Entscheidung über das Filmformat und die Themenauswahl. Die Partizipation der 6. Klässler*innen war hingegen indirekter: Durch die Situationsanalyse (inkl. Online-Umfrage) flossen ihre Bedürfnisse und Anliegen in die Konzeption ein. Während der Fragerunde am Ende der Filmvorführung konnten sie sich aktiv einbringen. Zielsetzung und Umsetzung (Effektivität) Die im Konzept definierten Ziele, insbesondere die Thematisierung veränderter Freizeitgestaltung und die Vermittlung alltagsnaher Bewältigungsstrategien wurden durch die gewählte Umsetzungsstrategie in weiten Teilen erreicht. Die Zielgruppe wurde über ein niedrigschwelliges, kreatives Format (Kurzfilm) adressiert, das sowohl informativ als auch emotional anschlussfähig war. Auch wenn der ursprünglich geplante Einbezug der Jugendlichen in den Filmschnitt zeitlich nicht umgesetzt werden konnte, blieb die Wirkung erhalten, da die inhaltliche Gestaltung zuvor gemeinsam erarbeitet wurde. Der positive Zuspruch der Lehrpersonen sowie das Feedback der Kinder in der Fragerunde deuten auf eine hohe Relevanz und Wirksamkeit des Formats hin. Aufbauund Ablauforganisation Die gewählte Aufbauorganisation war funktional und klar strukturiert. Die Projektleitung koordinierte das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit, der Quartierarbeit Moosmatt sowie den beteiligten Schulen. Die Ablauforganisation erwies sich grundsätzlich als realistisch, auch wenn gewisse Verzögerungen und Engpässe auftraten. Die Projektleitung übernahm eine klare Führungsrolle, förderte jedoch bewusst eine selbstverantwortliche Mitwirkung der Jugendlichen. Die Gruppendynamik innerhalb des Projektteams entwickelte sich positiv: Nach anfänglicher Zurückhaltung entstand ein vertrauensvoller Raum, in dem 21 Ideen eingebracht und Verantwortung übernommen wurde. Unterstützt wurde dies durch die transparente Kommunikation und das Angebot von Anreizen (z. B. Mitarbeitszeugnisse, Sitzungen während der Schulzeit). Fokus Soziokultur Die Projektleitung nahm vorwiegend eine animative Interventionsposition ein, indem sie Impulse setzte, Räume zur Mitgestaltung schuf und Ressourcenorientierung förderte. Die Arbeitsprinzipien der Soziokulturellen Animation, insbesondere Partizipation, Lebensweltorientierung, Empowerment und Gender-/Diversity-Sensibilität wurden konsequent verfolgt. So wurde z. B. gezielt auf geschlechtersensible Beteiligung geachtet, indem zurückhaltende Jugendliche aktiv zur Mitwirkung eingeladen wurden. Finanzen Das Budget konnte grösstenteils eingehalten werden. Die finanziellen Mittel wurden effizient für Materialkosten, Verpflegung, technische Ausstattung sowie die Abschlussveranstaltung eingesetzt. Dank gezielter Planung und Unterstützungsleistungen (z. B. kostenloser Zugang zu Räumlichkeiten) konnte ein wirksames Projekt mit relativ geringem Mitteleinsatz realisiert werden. Allerdings sagten beide angefragten Stiftungen, die Albert Koechlin Stiftung und die Cornelius Knüpffer Stiftung eine finanzielle Unterstützung ab, sodass die Umsetzung ausschliesslich mit den zur Verfügung stehenden internen Mitteln und Ressourcen der Quartierarbeit erfolgte. Herausforderungen und Lernfelder Im Verlauf des Projekts „Übergangsunterstützung“ traten verschiedene Herausforderungen auf, die zugleich wertvolle Lernfelder eröffneten. Eine zentrale Schwierigkeit bestand darin, ein geeignetes „Produkt“ für die 6. Klässler*innen zu entwickeln. Es sollte altersgerecht, ansprechend und inhaltlich sinnvoll sein. Die Entscheidung für einen Kurzfilm erwies sich als passend, erforderte jedoch eine sorgfältige Abstimmung zwischen den Erwartungen der Kinder und den Erfahrungen der Jugendlichen. Ein weiteres Hindernis war die knappe Zeit, die sich in allen Phasen bemerkbar machte – von der Situationsanalyse über die Planung bis hin zur Umsetzung. Viele Ideen konnten dadurch nicht in vollem Umfang realisiert werden, was die Bedeutung realistischer Zeitplanung und Prioritätensetzung verdeutlichte. Eine besondere Schwierigkeit zeigte sich in der Situationsanalyse: Trotz mehrmaliger Erinnerungen leiteten die meisten Klassenlehrpersonen die Online-Umfrage nicht an ihre Schüler*innen weiter. Dadurch gingen wertvolle Rückmeldungen verloren und die Ergebnisse waren weniger breit abgestützt, als ursprünglich vorgesehen. Diese Erfahrung macht deutlich, wie wichtig die frühzeitige und verbindliche Zusammenarbeit mit Schulen ist, um partizipative Methoden wirksam einzusetzen. Auch die Mobilisierung der beteiligten Jugendlichen war anspruchsvoll. Es brauchte kontinuierliche Aktivierung, um ihre Motivation aufrechtzuerhalten, ohne die Partizipation zu stark an Belohnungen zu knüpfen. Hinzu kam die schwierige Terminfindung, da schulische und private Verpflichtungen oft kollidierten. Hier zeigte sich, wie wichtig flexible Strukturen und klare Kommunikation sind. Zudem galt es, die eigenen Ressourcen mit den kreativen Vorschlägen des Projektteams in Einklang zu bringen. Manche Ideen waren wertvoll, liessen sich aber zeitlich oder finanziell nicht umsetzen. Dies 22 stellte ein Lernfeld dar, wie partizipative Prozesse wertschätzend gesteuert und zugleich realistisch begrenzt werden können. Auch die Finanzierung war eine Herausforderung: Trotz Anträgen bei Stiftungen standen nicht alle erhofften Mittel zur Verfügung. Dadurch wurde die Notwendigkeit einer breiteren und frühzeitigen Finanzierungsstrategie deutlich. 13 Nachhaltigkeit Das Projekt Übergangsunterstützung wurde so angelegt, dass es über die einmalige Durchführung hinaus Wirkung entfalten kann. Ein zentraler Nachhaltigkeitsfaktor ist der erstellte Kurzfilm, der als eigenständiges Produkt auch in den kommenden Jahren von den Schulen eingesetzt werden kann, um Kinder der 6. Klassen bei ihrem Übergang in die Oberstufe zu unterstützen. Die Kombination aus authentischen Alltagsszenen, Tipps und persönlichen Botschaften der „Übergangsexpert*innen“ ermöglicht es, den Film flexibel in schulischen oder ausserschulischen Kontexten zu nutzen, sowohl in der Quartierarbeit als auch im Rahmen von Angeboten der Offenen Jugendarbeit oder der Schulsozialarbeit. Darüber hinaus bietet die im Projekt erprobte Peer-to-Peer-Methode einen Ansatz, der sich leicht auf andere Quartiere und Schulen übertragen lässt. Die aktive Beteiligung der Jugendlichen der 1. Oberstufe hat gezeigt, dass dieser Ansatz nicht nur die Zielgruppe der 6. Klässler*innen wirksam anspricht, sondern auch für die beteiligten Jugendlichen eine förderliche Lernerfahrung darstellt. Damit wird ein doppelter Mehrwert geschaffen: Wissensund Erfahrungstransfer an jüngere Schüler*innen sowie Kompetenzentwicklung bei den älteren Jugendlichen. Langfristig kann das Projekt als wiederkehrendes Angebot im Portfolio aller Standorte der Quartierarbeit der Stadt Luzern etabliert werden. Denkbar ist eine jährliche Durchführung in Zusammenarbeit mit den beteiligten Schulhäusern sowie eine sukzessive Anpassung des Endprodukts oder der begleitenden Veranstaltung an neue Themen, die von künftigen Jahrgängen als relevant empfunden werden. Dabei muss das Ergebnis nicht zwingend ein Film sein – ebenso möglich sind andere kreative Formate wie eine Broschüre, ein Comic, ein Lied, ein Theaterstück oder vergleichbare Ausdrucksformen. So bleibt das Angebot nicht nur inhaltlich aktuell, sondern weiterhin eng an der Lebenswelt der Kinder orientiert. 14 Quellen • Dachverband offene Kinderund Jugendarbeit Schweiz. (2018). Grundlagen für Entscheidungsträger*innen und Fachperson. • Hurrelmann, K., & Quenzel, G. (2022). Lebensphase Jugend: Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung (14. Aufl.). Beltz Juventa. • Koch, K. (2008). Handbuch der Schulforschung. (2. Aufl.). VS Verlag. • Kuchen, C. (2024). Von der 6. Klasse in die Oberstufe. Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. • Offene Kinderund Jugendarbeit Zürich. (2012). Grundlagenpapier für die Mädchenarbeit. 23 • Partizipation. (2023). World Cafe. https://partizipation.at/methoden/world-cafe/ • Stadt Luzern. (2024). Fachkonzept. • Stadt Luzern. (2022). Qualitool. • Wettstein, H. (2013). Hinweise zu Geschichte, Definition, Funktion.... In B. Wandeler, Soziokulturelle Animation. Interact.