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Nachhaltigkeit leben und lehren: Schritte an der ASH Berlin

Liedholz, Yannik; Hegewald, Janice; Prigge, Michaela

Abstract

Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin ergreift Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Hochschulbetrieb und Lehre mit einem eigenen Arbeitsbereich, einem Klima-Team und interdisziplinären Lehrveranstaltungen in den Studiengängen Soziale Arbeit und IGo.

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5|2025 FÜR ANWENDUNGSBEZOGENE WISSENSCHAFT UND KUNST Impressum HAW als Vorbilder: Nachhaltigkeit in der Praxis leben und lehren Liedholz, Yannick; Hegewald, Janice; Prigge, Michaela: Nachhaltigkeit leben und lehren: Schritte an der ASH Berlin In: Die Neue Hochschule, 2025-5, S. 30–33. Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.16942482 Persistent Identifier bei der Deutschen Nationalbibliothek: https://nbn-resolving.org/ urn:nbn:de:101:1-2025021228 Herausgeber: hlb-Bundesvereinigung e. V. Godesberger Allee 64 | 53175 Bonn Telefon: 0228 555 256-0 Chefredakteur: Prof. Dr. Jörg Brake Kirschgartenstraße 19 67146 Deidesheim Telefon: 06326 218 119 3 joerg.brak[email protected] (verantwortlich im Sinne des Presserechts für den redaktionellen Inhalt) Redaktion: Dr. Karla Neschke Telefon: 0228 555 256-0 karla.neschk[email protected] Gestaltung und Satz: Nina Reeber-Laqua, www.reeber-design.de Herstellung: Wienands Print + Medien GmbH Linzer Straße 140 | 53604 Bad Honnef Erscheinung: zweimonatlich Verbandsoffiziell ist die Rubrik „hlb aktuell“. Alle mit Namen der Autorin/des Autors versehenen Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Auffassung des hlb sowie der Mitgliedsverbände. ISSN 0340-448 x 30 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Nachhaltigkeit leben und lehren: Schritte an der ASH Berlin Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin ergreift Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Hochschulbetrieb und Lehre mit einem eigenen Arbeitsbereich, einem Klima-Team und interdisziplinären Lehrveranstaltungen in den Studiengängen Soziale Arbeit und IGo. Dr. Yannick Liedholz, Dr. Janice Hegewald und Michaela Prigge „Die ASH Berlin orientiert sich in Lehre, Forschung, Transfer und Hochschulbetrieb an Prinzipien der Nachhaltigkeit, einschließlich einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (ASH Berlin o. J. a) – so heißt es im Leitbild der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Neben den Selbstverpflichtungen stellt das Land Berlin Nachhaltigkeitsanforderungen an die Hochschulen. In der gemeinsamen Klimaschutzvereinbarung für die Jahre 2023 bis 2032 ist festgehalten, dass die ASH Berlin ihre mit dem Energieverbrauch verbundenen CO₂-Emissionen um 20 Prozent senkt und 15 weiterführende Klimamaßnahmen umsetzt (SenUMVK/ASH Berlin 2023). Mit den Berliner Hochschulverträgen für die Jahre 2024 bis 2028 werden die Nachhaltigkeitsund Klimaanforderungen präzisiert. Die ASH Berlin muss ein Nachhaltigkeitskonzept anhand der „Handlungsfelder und Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen“ (SenWGP/ASH Berlin o. J., S. 20) vorlegen. Als übergeordnetes Ziel ist das Erreichen von „Klimaneutralität bis 2035“ (ebd.) festgeschrieben. Strukturen zu Nachhaltigkeit an der ASH Berlin Um Nachhaltigkeitsund Klimamaßnahmen umsetzen zu können, sind entsprechende Strukturen und personelle Ressourcen erforderlich. Seit dem Jahr 2016 gibt es eine Arbeitsgruppe (mittlerweile: Kommission) zu Nachhaltigkeit an der ASH Berlin. Sie berät den Akademischen Senat und strukturiert Nachhaltigkeitsentscheidungen für die Hochschulleitung vor. Genauso lange existiert die studentische Nachhaltigkeitsinitiative TrASHform, die das Engagement der Studierenden bündelt. Mit der Professur für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) entstand eine erste spezifische Stelle in der Hochschullehre. Verstärkt wird der Schwerpunkt seit dem Jahr 2023 durch die wissenschaftliche Mitarbeiterstelle für Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit und BNE. Mit ihr wurde auch der Grundstein für den Arbeitsbereich Nachhaltigkeit und Gesundheit gelegt, der die Nachhaltigkeitsund Gesundheitsaufgaben koordiniert. Für die Umsetzung im Hochschulalltag wurde jüngst ein Klima-Team gegründet, das sich aus drei Mitarbeitenden der zentralen Einheiten IT-Service, Facility Management und Haushalt zusammensetzt. Das Klima-Team geht konkrete Verbesserungsmaßnahmen an. Die beteiligten Mitarbeitenden haben dafür ein wöchentliches Stundenkontingent zur Verfügung. Nachhaltigkeit leben: Bilanzierung, Fortschritte und Herausforderungen Als Teil des Klimagerechtigkeitskonzepts hat die ASH Berlin eine detaillierte Klimabilanz für das Basisjahr 2019 erstellt. In Abstimmung mit weiteren Berliner Hochschulen folgt die ASH dem Verursacherprinzip. Das heißt, es werden alle Treibhausgasemissionen abgebildet, die durch die Aktivitäten der Hochschulangehörigen im Rahmen ihres Hochschulbezugs entstehen. Damit geraten vor allem die Betriebsbereiche Energie, Mobilität, Beschaffungen, Verpflegung, (Ab-)Wasser und Abfall in das Blickfeld. Für die Erstellung der Klimabilanz war es von Vorteil, dass die Verbrauchswerte und Aktivitäten an der ASH Berlin zentral erfasst werden. Zum Beispiel liegen die gesamten Stromund Wärmeverbräuche dem Facility Management und alle Dienstreiseanträge dem Personalbüro vor. Zusammen mit den entsprechenden CO₂-Emissionsfaktoren konnten so für jeden Betriebsbereich die CO₂-Emissionen berechnet werden. Die ASH Berlin verursachte beispielsweise im Basisjahr 2019 durch ihren Stromverbrauch von 483 MWh, bilanziert nach dem CO₂-Emissionsfaktor von 0,398 Tonnen/MWh für den Bundesstrommix, CO₂-Emissionen in Höhe von 192 Tonnen. Zur Verbesserung der Klimabilanz setzt die ASH Berlin – entsprechend ihrem Profil – wesentlich auf soziale Innovationen. Die Überarbeitung des Dienstreiseantrags ist hier hervorzuheben. Reiseziele, die mit der Bahn in unter neun Stunden Fahrzeit erreichbar sind, sollen nicht mehr mit dem Flugzeug angesteuert werden. In den Hinweisen zu Dienstreisen findet sich ebenfalls ein deutliches Bekenntnis zur Bahn als zentrales Verkehrsmittel. In den 31 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.16942482 letzten Jahren sind die CO₂-Emissionen durch Dienstreisen an der ASH Berlin tendenziell gesunken. Im Basisjahr 2019 lagen die CO₂-Emissionen – berechnet anhand der CO₂-Emissionsfaktoren nach TREMOD 6.42 – bei 137,8 Tonnen und im Jahr 2024 nur noch bei 86,9 Tonnen. Da keine technischen Lösungen für ein wirklich klimaneutrales Fliegen absehbar sind, stellen Selbstverpflichtungen ein zentrales Mittel dar. Ein weiteres Beispiel sind die erneuerten „Hinweise über Haushaltswirtschaftliche Regelungen“ (ASH Berlin 2024), die von der Kanzlerin verabschiedet wurden. Sie weisen (starke) Nachhaltigkeit als ein Kriterium bei den Beschaffungen aus, das mit „dem Wirtschaftlichkeitsund Sparsamkeitsgebot der Landeshaushaltsordnung Berlin“ (ebd., S. 10) harmoniert. Den Mitarbeitenden der ASH Berlin wird nahegelegt, die geplanten „Beschaffungen nach strengeren ökologischen und sozialen Kriterien“ (ebd., S. 11) zu prüfen. Es gilt zum Beispiel die Fragen zu beantworten, warum genau dieser Beschaffungsgegenstand benötigt wird und ob er nicht aus dem bisherigen Inventar der Hochschule oder über eine Second-Hand-Option bezogen werden kann. Eine bedeutsame technische Klimamaßnahme stellt die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach des Bestandsgebäudes dar. Im Jahr 2024 konnte die ASH Berlin damit 21,5 Prozent ihres gesamten Strombedarfs selbst produzieren und 36,8 Tonnen an CO₂-Emissionen vermeiden. Neben diesen Fortschritten bestehen manche Herausforderungen. Zum einen ist die ASH Berlin noch weit entfernt von „einer Kultur der Nachhaltigkeit“ (HRK 2018, S. 5). Das Thema muss vom Arbeitsbereich Nachhaltigkeit und Gesundheit immer wieder aufgemacht, erstritten und nachgehalten werden. Gegen die Einrichtung des Klima-Teams wurde aus den zentralen Einheiten argumen - tiert, dass bei der Vielzahl an bestehenden Aufgaben keine zeitlichen Ressourcen vorhanden sind. Nachhaltigkeit könne nicht auch noch bearbeitet werden. In der Tendenz wird Nachhaltigkeit oft als ein Add-on oder ein Nebenzweck dargestellt, der nicht zum Kerngeschäft der Hochschule gehört und daher verzichtbar ist. Zum anderen ist zu beobachten, dass verschiedene Strukturentwicklungsprozesse nebeneinanderher laufen. Parallel zu den Nachhaltigkeitsund Klimaanforderungen hat die ASH Berlin in den vergangenen Jahren einen Zuwachs von 1.000 Studierenden bewältigt. In Verbindung damit wurde ein neues Gebäude gebaut, um der gewachsenen Hochschule Rechnung zu tragen. Denkt man an die CO₂-Emissionen, Ressourcenverbräuche und Flächenversiegelungen, die durch den Bau entstanden sind, und an die fortlaufenden ökologischen Verbräuche, die der Betrieb mit sich bringt, dann ist das für die Nachhaltigkeitsbilanz der ASH Berlin eine Hypothek. In ähnlicher Weise ließen sich die steigerungsorientierten Vorgaben etwa bei der Drittmitteleinwerbung sowie die Internationalisierungsund Digitalisierungsstrategien kritisch reflektieren. Eine Auseinandersetzung mit diesen strukturellen Konfliktfeldern ist zwingend erforderlich, um eine realistischere Chance auf das Erreichen von Nullemissionen im Jahr 2035 zu haben. DR. YANNICK LIEDHOLZ Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit und BNE Alice-Salomon-Hochschule Berlin Alice-Salomon-Platz 5 12627 Berlin [email protected] Foto: Christian Tietge MICHAELA PRIGGE Modulverantwortliche für „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie", wissenschaftliche Mitarbeiterin „Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen“ Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Nöldnerstraße 40–42 10317 Berlin [email protected] Foto: Uwe Völkner DR. JANICE HEGEWALD Modulverantwortliche für „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie", Gruppenleitung „Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen“ Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Nöldnerstraße 40–42 10317 Berlin [email protected] Foto: Ayumi Löwenstein „Für die Umsetzung im Hochschulalltag wurde jüngst ein Klima-Team gegründet, das sich aus drei Mitarbeitenden der zentralen Einheiten IT-Service, Facility Management und Haushalt zusammensetzt.“ 32 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Nachhaltigkeit lehren: Studiengänge Soziale Arbeit und IGo Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Hochschule ist die Verankerung von Nachhaltigkeit in den Curricula ein wichtiger Schritt. Über die Lehre können die Hochschulen die zukünftigen Fachund Leitungskräfte in den Berufsfeldern für die Nachhaltigkeitsprobleme und die Nachhaltigkeitstransformation sensibilisieren. Nach dem aktuellen Stand der Modulhandbücher weisen nur zwei von neun Bachelorstudiengängen an der ASH Berlin ein Modul mit einem direkten Nachhaltigkeitsbezug auf. Viele Studierende kommen bisher mit diesem Themenfeld nicht in Berührung. Neben einer stärkeren Berücksichtigung bei den kommenden Studiengangsreformen setzt sich der Arbeitsbereich Nachhaltigkeit und Gesundheit dafür ein, dass einzelne Lehrveranstaltungen mit einem Nachhaltigkeitsund Klimaschwerpunkt ausgestaltet werden. Im Wintersemester 2024/2025 und Sommersemester 2025 wurden entsprechende Lehrangebote im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit entwickelt. In der Unit „Politologische und sozialpolitische Grundlagen Sozialer Arbeit“ standen die interdisziplinären Diskursfelder Sustainable Welfare und Klimasozialpolitik im Zentrum. Es ging um ein Zusammendenken von sozialund klimapolitischen Maßnahmen. Inwiefern kann man über sozialpolitische Regelungen zu einer konsequenten Klimapolitik beitragen? Und wie lässt sich die Klimapolitik sozial gerecht ausgestalten? Im Rahmen der Unit „Internationale Soziale Arbeit“ wurden die Auswirkungen der Nachhaltigkeitskrisen auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen weltweit thematisiert und die Handlungsspielräume der internationalen Organisationen der Sozialen Arbeit beleuchtet. Seit dem Wintersemester 2024/2025 besteht zudem eine Kooperation im Bachelorstudiengang Interprofessionelle Gesundheitsversorgung (IGo). Die Einbindung von Nachhaltigkeit in die Lehre erfolgte hier über das Konzept von One Health. One Health im Modul „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie“ Eine nachhaltige Entwicklung wurde im Jahr 1987 von der Brundtland-Kommission als eine Entwick - lung definiert, welche „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen“ (Fehr et al. 2020, S. 588). Angelehnt an die Idee der Nachhaltigkeit und mit Verbindung zu Gesundheitsperspektiven sind Konzepte von Planetary Health und One Health entstanden. Das Konzept One Health berücksichtigt das Zusammenspiel der Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt und verfolgt das Ziel, eine dauerhafte Optimierung der Gesundheit aller zu erreichen. Nur wenn die Gesundheit von Mensch und Natur gleichermaßen gefördert wird, kann ein Höchstmaß an Gesundheit erreicht werden. In den gemeinsamen Blick von Humanmedizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften geraten damit Gesundheitsprobleme wie neu auftretende Krankheiten, Zoonosen, multiresistente Erreger und gesundheitsschädliche Produktionsweisen zum Beispiel in der Nutztierhaltung oder der Lebensmittelherstellung. Für die Fachkräfte im Gesundheitssektor gehören die Auseinandersetzung mit Infektionskrankheiten und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen bereits zum Alltag. Aber auch bei präventiven Gesundheitsmaß - nahmen im Sinne von One Health kommt ihnen eine Bedeutung zu. Die Initiative „Health for Future“, die sich für die Verschränkung von (starker) Nachhaltigkeit und Gesundheit einsetzt, sieht sie als wichtige Akteure. „Menschen in Gesundheitsberufen sind Change Agents für Klimaund Gesundheitsgerechtigkeit“ (Health for Future 2022, S. 2). Vor dem Hintergrund dieser inhaltlichen und fachlichen Verbindungslinien gab es im Sommersemester 2024 ein erstes Treffen zwischen dem Arbeitsbereich Nachhaltigkeit und Gesundheit und der Leitung des Bachelorstudiengangs IGo. Kurz darauf wurde auf der Lehrendenkonferenz mit den Dozierenden besprochen, an welcher Stelle des Curriculums eine Verankerung möglich ist. Als eine Option kristallisierte sich das Modul „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie“ heraus. Der Bachelorstudiengang IGo ist ein onlinebasiertes Angebot für Berufserfahrene in den Bereichen Gesundheits-/Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Altenpflege, Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Diätassistenz, Notfallpflege, Heilerziehungspflege und Hebammenwesen/Entbindungspflege. Die Studierenden aus ganz Deutschland sollen berufsbegleitend unter anderem interprofessionelle Kommunikation, Management der interprofessionellen Versorgung sowie wissenschaftliche Kompetenzen erlernen (ASH Berlin o. J. b). Das Modul „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie“ wird im dritten Semester angeboten. Die entsprechenden Themen werden über zehn Wochen hinweg bearbeitet. In diesen Wochen finden Online-Vorlesungen statt. Die Studierenden bearbeiten Übungen zur Vorund Nachbereitung der Vorlesungen sowie zur Prüfungsvorbereitung am Ende der Modulzeit. Das Modul schließt mit einer Präsenzphase ab, die eine Exkursion und die Durchführung einer Prüfungsleistung beinhaltet. Das Zusammendenken von (starker) Nachhaltigkeit und Gesundheit erfolgte in dem Modul im Wintersemester 2024/2025 auf zwei Ebenen: Das Konzept One Health wurde in den Online-Vorlesungen in 33 DNH 5 | 2025 HAW ALS VORBILDER: NACHHALTIGKEIT IN DER PRAXIS LEBEN UND LEHREN Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) (2024): Hinweise über Hauswirtschaftliche Regelungen an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. www.ash-berlin.eu/fileadmin/Daten/Akademische_Selbstverwaltung/AG_Nachhaltigkeit/Haushaltswirtschaftliche_Regelungen_ASH-Entwurf_reinStand241206.pdf – Abruf am 07.07.2025. Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) (o. J. a): Das Leitbild der ASH Berlin. www.ash-berlin.eu/hochschule/profil/leitbild/ – Abruf am 07.07.2025. Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) (o. J. b): Interprofessionelle Gesundheitsversorgung – online (Bachelor of Science). www.ash-berlin.eu/studium/studiengaenge/bachelor-interprofessionelle-gesundheitsversorgung-online/profil/ – Abruf am 07.07.2025. Fehr, Rainer; Hornberg, Claudia; Wichmann, Heinz-Erich: Umwelt und Gesundheit. In: Razum, Oliver; Kolip, Petra: Handbuch Gesundheitswissenschaften. Weinheim, Basel: Beltz Juventa 2020, S. 585–620. Health for Future (2022): Selbstverständnis von Health for Future. www.healthforfuture.de/wp-content/uploads/2024/02/20220411_ H4F_Selbstverstaendnis.pdf – Abruf am 07.07.2025. Hochschulrektorenkonferenz (HRK) (2018): Für eine Kultur der Nachhaltigkeit. Empfehlung der 25. Mitgliederversammlung der HRK am 6. November 2018 in Lüneburg. www.hrk.de/fileadmin/redaktion/hrk/02-Dokumente/02-01-Beschluesse/HRK_MV_ Empfehlung_Nachhaltigkeit_06112018.pdf – Abruf am 07.07.2025. Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucherund Klimaschutz (SenUMVK)/Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) (2023): Klimaschutzvereinbarung zwischen dem Land Berlin und Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin). www.berlin.de/sen/uvk/_assets/klimaschutz/klimaschutz-in-der-umsetzung/vorbildrolle-oeffentliche-hand/ksv_ash_20232032.pdf – Abruf am 07.07.2025. Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (SenWGP)/Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin) (o. J.): Vertrag für die Jahre 2024 bis 2028 gemäß § 2a Berliner Hochschulgesetz. www.berlin.de/sen/wissenschaft/politik/hochschulvertraege/hochschulvertrag-2024-2028-11-ash-inkl-anlagen.pdf?ts=1711017423 – Abruf am 07.07.2025. einzelnen Sitzungen behandelt. Es wurde theoretisch aufgearbeitet und die Studierenden diskutierten miteinander, welche interprofessionellen Schnittstellen bestehen und wo die Praxisrelevanz liegt. Als zweiter Schwerpunkt wurde in der Präsenzphase eine Exkursion zum Unfallkrankenhaus Berlin unternommen. Das Unfallkrankenhaus Berlin setzt sich seit vielen Jahren mit einer nachhaltigeren Krankenhauspraxis auseinander. Dr. Andrea Nakoinz, Ärztin, Klimamanagerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG), führte vor Ort durch die Klimaaktivitäten und über das Gelände des Unfallkrankenhauses Berlin. Thematische Schwerpunkte des Austauschs waren: –die Rolle der Klimamanagerin und die konkrete Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, –eine Diskussion bestehender Herausforderungen bezüglich (starker) Nachhaltigkeit im Krankenhaus, –die möglichen Beiträge von Gesundheitsfachpersonen für mehr Klimaschutz, –die organisationalen und technischen Nachhaltigkeitsstrategien im Klinikalltag und –die allgemeine Sensibilisierung der Studierenden für die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Exkursion war ein wertvolles Bindeglied zur theoretischen Auseinandersetzung, weil die Studierenden an eigene Praxiserfahrungen anknüpfen konnten. Die Klimadiskussion über den Einsatz von Narkosegasen war ihnen bekannt. Ebenso die Herausforderungen bei der Bewältigung von Hitzetagen. An diesen müssen die Patienten und Patientinnen vor Überwärmung und Dehydratation besonders geschützt werden. Die Fachkräfte, die diesen Mehraufwand zu leisten haben, sind aber ebenso einer höheren körperlichen Belastung ausgesetzt. Vorsicht ist also doppelt geboten. Deutlich wurde zugleich, dass das Klimamanagement auf die Fachkräfte angewiesen ist. Die Umsetzung von Maßnahmen bei dem Energieverbrauch oder der Mobilität braucht deren Engagement. Nicht zuletzt lenkte die Exkursion die Aufmerksamkeit auf strukturelle Veränderungen. Hitzeschutzkonzepte stellen gewohnte Organisationsabläufe infrage. Umfassende Begrünungsmaß - nahmen erfordern ein Neudenken von Gebäuden und Räumen. Fazit Die ASH Berlin hat sich auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Hochschule gemacht. Mit dem Arbeitsbereich Nachhaltigkeit und Gesundheit und dem Klima-Team ist ein Fundament gelegt worden. Um „eine Kultur der Nachhaltigkeit“ (HRK 2018, S. 5) an der ASH Berlin zu etablieren, sind viele weitere, auch konfliktbehaftete Schritte nötig. Im Bereich der Lehre macht das Modul „Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen und Epidemiologie“ Hoffnung. Hier ist ein dauerhaftes Zusammendenken von (starker) Nachhaltigkeit und Gesundheit geplant. Perspektivisch wird es wichtig sein, in solchen Lehrveranstaltungen den Wissensund Kompetenzzuwachs der Studierenden zu Nachhaltigkeit zu evaluieren. Ein Ziel ist es daher, dies über spezifische Erhebungen oder als Teil der regelmäßigen Lehrveranstaltungsevaluation abzufragen.