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EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST

Gesellschaft pro Vindonissa; Mayer, Simone

Abstract

Bereits im 19. Jahrhundert führte J. J. Schmid Ausgrabungen in der römischenKolonie Augusta Raurica durch. Darunter auch im zum spätantiken und früh-mittelalterlichen Kastell gehörenden Gräberfeld. In einem Frauengrab kam dabeieine in der heutigen Nordwestschweiz ansonsten unbekannte Beigabe zum Vor-schein: Ein als Armband getragener Lederriemen mit zweierlei Beschlagtypen, diealternierend am Riemen befestigt waren. Während das Leder heute nicht mehr er-halten ist, sind die Beschläge Teil der Sammlung Schmid im Historischen MuseumBasel. Nur mithilfe von diversen Notizen früherer Bearbeiter und den Beschlägenselbst konnte das Armband rekonstruiert werden. Vergleichsfunde weisen nachNordosteuropa und datieren in die Römische Eisenzeit – bislang ist das Armbandjedoch ein Einzelstück in einem Grab mit frühmittelalterlicher Zeitstellung.

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IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-ANDREW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG ianua patet cor magis IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-A NDR EW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG GESELLSCHAFT PRO VINDONISSA © 2025 by Gesellschaft Pro Vindonissa, ch-5200 Brugg Promoted by LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel, Frankfurt a. M. isbn 978-3-907662-14-4 ianua patet cor magis by individual Authors is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial 4.0 International License. www.creativecommons.org Open Access bei: www.librumopen.com doi 10.19218/3907662144 KORREKTORAT. Stefan Worminghaus, Rudolf Känel KOORDINATION. Hannes Flück, Sandra Ammann, Ana Z. Maspoli, Sven Straumann und Jörg Blum GESTALTUNGSKONZEPT, BILDREDAKTION, UMSCHLAG UND SATZ . Jörg Blum, Zürich BILDBEARBEITUNG. Thomas Humm, humm dtp Matzingen, und Jörg Blum, Zürich DRUCK. Druckhaus Müller, Langenargen (D) klima-druck.de ID-Nr. Druckprodukt CO₂ kompensiert Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik, zur Kompensation und dem gewählten GoldstandardKlimaschutzprojekt finden Sie unter klima-druck.de/ID. 24181679 Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stad t Archäologische Bodenforschung Abteilung Kultur DIE DRUCKLEGUNG WURDE ERMÖGLICHT MIT FINANZIELLEN BEITRÄGEN VON FOLGENDEN INSTITUTIONEN. Swisslos-Fonds Kanton Aargau Dr. Daniel Schuhmann Fonds Stiftung Pro Augusta Raurica Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt Kantonsarchäologie Aargau Kantonsarchäologie Solothurn Kantonsarchäologie Zürich Kantonsarchäologie St.Gallen Kantonsarchäologie Schaffhausen Archäologie, Hauptabteilung Kultur, Glarus Archäologischer Dienst Graubünden Section d’archéologie et paléontologie du Canton de Jura Römerstadt Augst Archäologie Schweiz Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz (ARS) Gesellschaft Pro Vindonissa Basler Zirkel für Urund Frühgeschichte Arbeitsgemeinschaft Prospektion Schweiz Albert-Weitnauer-Stiftung Departement Bildung und Kultur Fachstelle Archäologie        TITELBILD. Eingang mit Inschrift und Wappen der Familie von Salis. Palazzo Salis, Bondo. Foto: Andrea Badrutt ianua patet cor magis ZUM GELEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Ana Z. Maspoli TABULA GRATULATORIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 BIBLIOGRAFIE VON PETER-ANDREW SCHWARZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 LISTE DER VON PETER-ANDREW SCHWARZ AB 2007 BETREUTEN ABSCHLUSSARBEITEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 DIE VINDONISSA-PROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT BASEL – EIN INTERKANTONALES ERFOLGSMODELL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Thomas Doppler, Elisabeth Bleuer und Georg Matter 15 JAHRE LEGIONÄRSPFAD VINDONISSA: EINE ERFOLGSGESCHICHTE . . . . . . . . . . . 31 Rahel Göldi (K)EINE ZUKUNFT OHNE HERKUNFT? GEDANKEN ZUM STATUS QUO UND HERAUSFORDERUNGEN DER ARCHÄOLOGIE IN DER SCHWEIZ IM 21. JAHRHUNDERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Andrea Schaer GÄHNENDE LEERE? VERBREITUNGSKARTEN, IHRE GESCHICHTE UND INTERPRETATION AM BEISPIEL SPÄTREPUBLIKANISCHEN BRONZEGESCHIRRS 49 Holger Baitinger und Gabriele Rasbach ENTRE ARGENTORATE ET VINDONISSA LES CAMPS MILITAIRES JULIO-CLAUDIENS D’OEDENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Michel Reddé CIL III 4441 – EINE INSCHRIFT SUCHT IHREN TEMPEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Franziska Beutler, Christian Gugl, Gabrielle Kremer und Mario Wallner DIE JOCHWEIHUNG DES VETERANEN PRIMANIUS INGENU(U)S MIT NENNUNG DER CULTORES UND COLONI AUS KRATZENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Peter Henrich BUILD THAT WALL! ÜBERLEGUNGEN ZUM ARBEITSAUFWAND BEI DER ERRICHTUNG DER GALLIENISCHEN STADTMAUER VON VERONA . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Ulrich Stockinger RETOUR SUR LE BUSTE EN OR D’AVENCHES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .101 Michel E. Fuchs INHALT ianua patet cor magis KARNIVORE NEANDERTALER UND RÖMISCHE GERSTENFRESSER: ZUR VERKNÜPFUNG VON TIERISCHEM PROTEIN MIT «URSPRÜNGLICHER MÄNNLICHKEIT» UND MACHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 Brigitte Röder EQUIDEN ALS SPIEGEL VON MENSCH-TIER-BEZIEHUNGEN IN RÖMISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Claudia Gerling DONNÉES RÉCENTES SUR L’HABITAT GALLO-ROMAIN DE COURROUX (CANTON DU JURA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 Robert Fellner et Céline Robert-Charrue Linder EINE EISENPFEIFE VON DER SPÄTLATÈNEZEITLICHEN HÖHENBEFESTIGUNG MONTCHAIBEUX (JU) – ENDLICH EIN BEWEIS FÜR KELTISCHE PFEIFENRAUCHER? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141 Raphael Berger, Andreas Heege und Elena Prado EIN GLÜCKSBRINGER AUS DER VILLA RUSTICA VON FLUMENTHALATTISHOLZWALD IM KANTON SOLOTHURN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 Mirjam Wullschleger HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Christa Ebnöther und Andrew Lawrence mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry SCHON DREIMAL AUSGEGRABEN UND DENNOCH ETWAS GEFUNDEN – DIE RÖMISCHE VILLA AUF DEM LENDENBERG BEI SCHLEITHEIM . . . . . . . . . . . . . . . .179 Valentin Homberger «THE BITE OF A SNAKE» EINE GUSSFORM FÜR SCHLANGEN ARMREIFEN AUS KEMPRATEN . . . . . . . . . . . . . . . .191 Regula Ackermann, Hannes Flück und Markus Helfert AUF DER SUCHE NACH DER PIONIERBESIEDLUNG. ZUR FRÜHZEIT VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Sven Straumann, Sandra Ammann und Hans Sütterlin AUGUSTUS IN AUGST: EIN BRONZE NACHGUSS DER STATUE VON PRIMAPORTA IM GARTEN DER VILLA CLAVEL UND DIE ITALIENISCHE KUNSTINDUSTRIE . . . . 221 Martin A. Guggisberg VERFLIXT UND ZUGEMAUERT – NEUES ZUR WESTFRONT DES HAUPTFORUMS VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . 233 Juha Fankhauser, Simon Friz, Cédric Grezet und Claude Spiess VOM FEILKLOBEN ZUM SCHRAUBSTOCK – 2000 JAHRE KLEMM VORRICHTUNGEN IM HANDWERK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Alex R. Furger ERRARE HUMANUM EST: EIN ANTONINIAN FÜR TETRICUS II. MIT FEHLERHAFTER LEGENDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Markus Peter ianua patet cor magis SCHÄDEL GEFUNDEN! NEUES ZUM PLATTENGRAB BEIM FELDHOF IN AUGUSTA RAURICA/AUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Michael Baumann EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Simone Mayer ZU ZWEI NEUENTDECKTEN ZIEGELPLATTEN MIT GRAFFITI AUS DEM CASTRUM RAURACENSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Jakob Baerlocher PRIMI VINDONISSENSES – DIE SPÄTLATÈNEZEITLICHEN BRANDGRÄBER DER GRABUNG WINDISCH-SPILLMANNWIESE V.003.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Örni Akeret, Cornelia Alder, Sabine Deschler-Erb und Lara Kurmann ACHILL AUF EINEM GOLDRING MIT GLASKAMEO AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . 311 Regine Fellmann Brogli und Stefanie Martin-Kilcher EIN BISSCHEN GLAS MUSS SEIN! ZU EINER GESICHTSPERLE AUS DEM GRÄBERFELD AM REMIGERSTEIG IN VINDONISSA/BRUGG AG . . . . . . . . . 321 Sylvia Fünfschilling EINE TÖNERNE STÜTZFIGUR AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Rudolf Känel LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF . . . . . . . . . . 335 Nathalie Hertig AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Matthias Flück und Jürgen Trumm MAUERN UND MÜNZEN AUF DER EGG ZWISCHEN MANDACH UND VILLIGEN – EINE ALTE GRABUNG IN NEUEM LICHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Valentin Häseli EIN ZERSTÖRTES GRÄBERFELD DER MITTELKAISERZEIT AN DER AESCHENVORSTADT IN BASEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375 Markus Asal EXILE? ON MAIN STREET? DIE SPÄTANTIK-FRÜHMITTELALTERLICHEN BESTATTUNGEN ÖSTLICH DES MÜNSTERHÜGELS (BASEL-ANTIKENMUSEUM) UND IHR KONTEXT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 Martin Allemann und Anna Flückiger WIE KOMMT EINE TÖRICHTE JUNGFRAU VOM MÜNSTER NACH ST. LEONHARD? TRANSFER EINES BASLER STATUEN FRAGMENTES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Christoph Philipp Matt SECOND LIFE DER DINGE: BASLER SPOLIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 Hans-Rudolf Meier KOT, KULT UND KÜCHE – TAUBEN IN MARRAKESCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Thomas Reitmaier und Raphael Sele ABKÜRZUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429 283 ianua patet cor magis EINE SELTENE BEIGABE Simone Mayer für dieses und weitere Stücke aus Südskandinavien, die von Kapselanhängern inspiriert wurden45. Derweil legte Marzena Przybyła einige Kapselanhänger mit Pressblechverzierung vor, die womöglich eine Eigenheit des skandinavischen Raums sind46. Die Zungenform der Kaiseraugster Kapselanhänger hebt das Ensemble von den meist runden Anhängern ab. Dazu kommt, dass üblicherweise einzelne Kapselanhänger in Gräbern auftreten. Raddatz zählte nur wenige Grabinventare mit mehr als drei Anhängern47. Ein Fund mit fünf Anhängern stammt aus Nieblum auf Föhr (D)48 und ein Grab mit elf der verwandten, eimerförmigen Anhänger aus Eisen ist aus Gudendorf (D) bekannt49. Von Carnap-Bornheim schloss aus den weiteren Beigaben in Gräbern mit Kapselanhängern, dass die grosse Mehrheit von Kapselanhängern zur weiblichen Trachtausstattung gehört50, wie es auch für Grab 84 in Kaiseraugst der Fall ist. Die Ösen der Kapsela nhänger deuten auf eine Anwendung als Ketten anhänger oder Amulette hin, wobei viele Funde aus gestörten Körperoder Brandgräbern stammen und die ursprüngliche Platzierung daher unklar ist. Leder armbänder oder eine Kombination der Kapseln mit ähnlichen länglichen Riemenhaltern, wie sie in Kaiseraugst aufgefunden wurden, sind nicht bekannt. Wie die Kapseln an einem Leder riemen befestigt werden konnten, bleibt unklar (siehe oben), allerdings sind ähnliche Formen von Kapseln bei den Awaren als Teil der Gürtelgarnitur bekannt51. Wo sich Reste von Lederriemen erhalten haben, werden sie meistens als Gürtel interpretiert. Ohne genaue Fundlage in einem Grab könnten die Riemen aber auch andere Funktionen gehabt haben. Die von den länglichen Riemenhaltern abgeleitete Breite des Kaiseraugster Bandes von ca. 2 cm liegt im Bereich der bekannten Ledergurte. Schmale, vergoldete Leder riemen mit eingestanzten Palmetten oder Kreisaugen aus dem Thorsberger Moor, zwischen 0,9 und 3,3 cm breit, wurden als Schwertzubehör und Gürtel eingeordnet. Aufgrund fehlender Vergleichsfunde und der geringen Grösse der Fragmente bleibt dies jedoch unsicher52. Vielleicht könnte man sich ähnliche Riemen als Armbänder vorstellen? DIE DATIERUNG DES ARMBANDES Vergleichbare Armbänder sind nicht bekannt, Lederriemen an sich weit verbreitet und gleichbleibend, für die länglichen Beschläge mit Kreisaugendekor sind bislang keine direkten Vergleiche gefunden. Zur Datierung des Armbands selbst können einzig die Kapselanhänger als bekannte Fundgruppe beitragen. Allerdings sind Kapselanhänger selbst nicht näher datierbar und werden üblicherweise via Beifunde in die mittlere und späte Kaiserzeit gesetzt53. Damit wäre das Armband in die römische Epoche einzuordnen. Wirft man einen Blick auf die weiteren Beigaben in Grab 84, zeichnet sich aber ein anderes Bild ▶ 7 ab. In diesem Artikel wird keine genaue Einordnung und Besprechung der weiteren Funde in Grab 84 vorgenommen, sondern nur kurz auf die allgemeinen Datierungen der Fundtypen eingegangen, um zumindest den Zeitpunkt der Grablegung und damit die finale Anwendung des Armbands als Beigabe einzugrenzen. Der tönerne Spinnwirtel ist schwierig genauer einzuordnen und könnte sowohl römisch als auch frühmittelalterlich sein. Die bronzenen Schuhschnallen mit zugehörigen Riemenzungen ▶ 7,4–7 wurden in Form gegossen. Die drei Niete des Schnallenbeschlägs sind reine Zier, da die Schnalle mit Stegösen auf der Rückseite befestigt wurde. Beschläge und Riemenzungen wurden im Tierstil II verziert54. Gürtel schnallen entsprechender Machart und Verzierung können ins 7. Jahrhundert datiert werden und Kaiseraugst wird als Herstellungsort diskutiert55. Eine andere gute Datierungsgrundlage bieten die verschiedenen Perlen. Ein grober Überschlag der Glasperlen ▶ 7,1 ergibt eine Datierung in die 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts56. Die Amethystperlen an der Perlenkette ▶ 7,1 treten in dieser Form ab dem späten 6. Jahrhundert auf57. Die Bernsteinperlen ▶ 7,8 sind vor allem Martins Serie B und den Bernsteinperlen «von besonderer Grösse» zuzuweisen, die meistens in die Kaiseraugster Zeitstufe E datieren (610/20– 700/20)58. Das Kaiseraugster Grab Schmid 84 darf somit grob ins 7. Jahrhundert, vermutlich in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts gestellt werden. Den Zeitstufen von Martin für das Nordostgräberfeld folgend, wurde Grab 84 in der Zeitstufe E (610/20–700/20) angelegt59. Was bedeutet das nun für das Armband mit Kapselanhängern aus der Römerzeit? Verschiedene offene Fragen zu Datierung, Herkunft und Herstellung stehen zur Diskussion. Mit einer Verbreitung in Nordosteuropa sind die Kapselanhänger an sich Importe. Da Vergleiche für die länglichen Beschläge mit Kreisaugen fehlen, ist ein (Fern-)Import dieser Stücke ebenfalls nicht auszuschliessen. Martin hatte besonders Verbindungen nach Westen und Nordwesten ausgemacht60. Mit dem Armband aus Grab 84 sind direkte oder indirekte Kontakte nach Nordosten, zu germanischen oder gar slawischen Kulturkreisen im heutigen Polen, nachgewiesen. Mit der Datierung der Kapselanhänger in die Römer zeit könnte das Armband z. B. ein Erbstück 284 ianua patet cor magis EINE SELTENE BEIGABE Simone Mayer (1906.839.88) 8 (1906.839.84) 7 (1906.839.83) 6 (1906.839.82) 5(1906.839.81) 4 (1906.839.87) 3 (1906.839.90) 2 (1906.839.98) 1 Satzspiegel 18.725cm x 24.46 cm 7 Tafel mit den weiteren Beigaben aus Grab 84 in Kaiseraugst. 1) Glasperlen; 2) Verschlussteil aus Bronze; 3) Tonspinnwirtel; 4–5) Riemenzungen; 6–7) Schuhschnallen; 8) Bernsteinperlen. M. 1:2. 285 ianua patet cor magis EINE SELTENE BEIGABE Simone Mayer gewesen sein oder als Antiquität seinen Weg nach Kaiseraugst gefunden haben. Anhänger, Beschläge und Lederriemen könnten allerdings auch eigenständige Objekte gewesen sein, die erst in sekundärer Funktion zu einem Armband zusammengesetzt wurden. Damit können die drei Bestandteile des Armbands sowohl verschiedene Herstellungsorte als auch Produktionszeiträume aufweisen. Gleichzeitig ist damit auch unklar, ob das Armband z. B. in Nordosteuropa oder in Kaiseraugst selbst zusammengesetzt wurde. Da weitere Vergleiche fehlen, handelt es sich bis auf Weiteres um ein Einzelstück. Besonders wenn man davon ausgeht, dass Altstücke verschiedener Herkunft gesammelt und zu einem neuen Schmuckstück zusammengefügt wurden. Damit wäre das Kaiser augster Armband auch ein ungemein persönliches Objekt, das vielleicht von der Bestatteten selbst nach eigenem Geschmack designt wurde. Der spannende Fund lässt also noch viele Fragen offen und zeigt gleichzeitig, dass mit der Aufarbeitung von Altgrabungen neue Entdeckungen gemacht werden können. LITERATURVERZEICHNIS Baumann 2021: M. Baumann, Die Bestattung einer wohlhabenden Frau aus Augusta Raurica. Interdisziplinäre Auswertung eines Bleisargs aus dem Nordwestgräberfeld. Mit Beiträgen von C. Alder, D. 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Zweiter Band, Archäologische und epigraphische Schriften (Leipzig 1878) 430–463. von Carnap-Bornheim 2002: C. von Carnap-Bornheim, Der Trachtschmuck, die Gürtel und das Gürtelzubehör (C1-C61). In: J. Peška/J. Tejral, Das germanische Königsgrab von Mušov in Mähren. Mit Beiträgen von C. von Carnap-Bornheim, E. Droberjar, J. Ilkjær, E. Künzl. Monogr. RGZM 55/1 (Mainz 2002) 189– 305; 537–557. Weber 2015: M. Weber, Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Rodersdorf. Ausgrabungen auf dem Kleinbüel 2000 und 2001. Beitr. Arch. u. Denkmalpfl. Kt. Solothurn 3 (Solothurn 2015). Winter 1997: H. Winter, Awarische Grabund Streufunde aus Ostösterreich. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte. Monogr. Frühgesch. u. Mittelalterarch. 4 (Innsbruck 1997). ABBILDUNGSNACHWEIS 1 Bearbeitung Ursula Jansen, Römerstadt Augusta Raurica. 2 Staatsarchiv Zürich, Archiv der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, KRF IV 23, Sign. W I 3 111.8. Detailfoto: Simone Mayer. 3 – 5 Foto: Susanne Schenker, Römerstadt Augusta Raurica. 6 Aus: Blume 1912, 92, Abb. 118; Nerman 1935, 94, Abb. 233; Thaerigen 1939, Taf. 21.6. Gesetzt durch Hannes Flück. 7 Zeichnungen: Christine Stierli, Fotos: Susanne Schenker, Tafel gesetzt durch Ursula Jansen, alle Römerstadt Augusta Raurica. AUTORIN Simone Mayer: [email protected] 429 ianua patet cor magis ABKÜRZUNGEN Grundsätzlich gelten die Zitier-Richtlinien und Abkürzungen der Römisch-Germanischen Kommission (vgl. Ber. RGK 71, 1990, 973 – 998; 73, 1992, 477 – 540). Zusätzlich werden folgende Abkürzungen für Zeitschriften verwendet: AKB Archäologisches Korrespondenzblatt AFS Archäologischer Führer der Schweiz AS Archäologie der Schweiz ASA Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde ASA N.F. Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, Neue Folge ASSPA Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d’Archéologie Ber. RGK Berichte der Römisch-Germanischen Kommission BPA Bulletin de l’Association Pro Aventico CAR Cahiers d’Archéologie Romande CIL Corpus Inscriptionum Latinarum HA Helvetica Archaeologica JbAK Jahresbericht aus Augst und Kaiseraugst JbAS Jahrbuch Archäologie Schweiz Jber. GPV Jahresbericht der Gesellschaft Pro Vindonissa Jber. SLMZ Jahresbericht des Schweiz. Landesmuseums Zürich JbHVFL Jahrbuch des Histor. Vereins für das Fürstentum Liechtenstein JbRGZM Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz JbSGU Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte JbSGUF Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urund Frühgeschichte MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich RIC The Roman Imperial Coinage SPM Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter UFAS Urund frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz Veröff. GPV Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa ZAK Zeitschrift für Schweiz. Archäologie und Kunstgeschichte Weitere Abkürzungen und Siglen: ADB Archäologischer Dienst Bern AE L’Année Épigraphique AR Augusta Raurica EAD Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege (Grafische Sammlung SNB) EDCS Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby GPV Gesellschaft Pro Vindonissa GS Grafische Sammlung HLS Historisches Lexikon der Schweiz HMB Historisches Museum Basel HRL Hochrhein-Limes IDR Inscriptiones Daciae Romanae ILAlg Inscriptions latines d’Algérie ILJug Inscriptiones Latinae quae in Iugoslavia … repertae et editae sunt KAAG Kantonsarchäologie Aargau KASG Kantonsarchäologie St.Gallen KDM BS Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich ÖAI Österreichisches Archäologisches Institut ÖAW Österreichische Akademie der Wissenschaften PIR Prosopographia Imperii Romani PIR² Prosopographia Imperii Romani (2. Auflage) PLRE The Prosopography of the Later Roman Empire RIB The Roman Inscriptions of Britain RIU Die römischen Inschriften Ungarns SMRA Site et Musée romains d’Avenches SNB Schweizerische Nationalbibliothek ThLL Thesaurus Linguae Latinae RPC Münz-Typ nach Burnett u.a. 1992 Allgemeine Abkürzungen: Abb. Abbildung Anm. Anmerkung B. Breite Bd. Band Beg. N. Begrawiyeh Nord bes. besonders Bsp. Beispiel bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa cf. vergleiche Dat. Datierung d. h. das heisst Dm. Durchmesser dt. deutsch ebda. ebenda ehem. ehemalig engl. englisch et al. und andere f./ff. folgende fig. figura/figure Fl. Fläche freundl. freundlich Fragm. Fragment frz. französisch Gr. Grab H. Höhe ha Hektare Imit. Imitation indet. unbestimmt insbes. insbesondere it. italienisch Jh. Jahrhundert Kat. Katalog l. links L. Länge lat. lateinisch Lit. Literatur M. Massstab max. maximal mind. mindestens N Norden n. Chr. nach Christus n. l. nach links n. r. nach rechts Nr./no. Nummer Nrn. Nummern O Osten o. ohne o. ä. oder ähnliches Pos. Position 430 ianua patet cor magis r. rechts rät. rätisch resp. respektive röm. römisch S Süden s. siehe S. Seite Sign. Signatur sog. sogenannt s. o. siehe oben St. Stärke s. u. siehe unten s. v. unter dem Stichwort (sub voce) Taf. Tafel u. und u. a. unter anderem v. a. vor allem v. Chr. vor Christus Verf. Verfasser verm. vermutlich Vorb. Vorbereitung W Westen z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil Open Access doi 10.19218/3907662144