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LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF

Gesellschaft pro Vindonissa; Hertig, Nathalie

Abstract

In diesem Beitrag werden zwei im Jahr 1930 entdeckte spätantike Bestattungenaus Mumpf /AG zusammen mit weiteren Altfunden aus den Jahren 1912 und 1928vorgestellt. Obwohl die Bestattungen wahrscheinlich im Zusammenhang mit derKleinfestung Mumpf-Burg stehen, sind sie bislang jeweils nur am Rande erwähntworden. Mit der Vorlage dieser Funde wird damit eine kleine Lücke geschlossenund gleichzeitig die langjährige Forschung der Vindonissa-Professur zum spät-antiken Hochrhein-Limes um einen Beitrag ergänzt.

Full text

IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-ANDREW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG ianua patet cor magis IANUA PATET COR MAGIS ANA Z. MASPOLI SANDRA AMMANN HANNES FLÜCK SVEN STRAUMANN (HRSG.) XXXIII Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa FESTSCHRIFT FÜR PETER-A NDR EW SCHWARZ ZUM 65. GEBURTSTAG GESELLSCHAFT PRO VINDONISSA © 2025 by Gesellschaft Pro Vindonissa, ch-5200 Brugg Promoted by LIBRUM Publishers & Editors LLC, Basel, Frankfurt a. M. isbn 978-3-907662-14-4 ianua patet cor magis by individual Authors is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial 4.0 International License. www.creativecommons.org Open Access bei: www.librumopen.com doi 10.19218/3907662144 KORREKTORAT. Stefan Worminghaus, Rudolf Känel KOORDINATION. Hannes Flück, Sandra Ammann, Ana Z. Maspoli, Sven Straumann und Jörg Blum GESTALTUNGSKONZEPT, BILDREDAKTION, UMSCHLAG UND SATZ . Jörg Blum, Zürich BILDBEARBEITUNG. Thomas Humm, humm dtp Matzingen, und Jörg Blum, Zürich DRUCK. Druckhaus Müller, Langenargen (D) klima-druck.de ID-Nr. Druckprodukt CO₂ kompensiert Mehr Informationen zur Berechnungsmethodik, zur Kompensation und dem gewählten GoldstandardKlimaschutzprojekt finden Sie unter klima-druck.de/ID. 24181679 Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stad t Archäologische Bodenforschung Abteilung Kultur DIE DRUCKLEGUNG WURDE ERMÖGLICHT MIT FINANZIELLEN BEITRÄGEN VON FOLGENDEN INSTITUTIONEN. Swisslos-Fonds Kanton Aargau Dr. Daniel Schuhmann Fonds Stiftung Pro Augusta Raurica Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt Kantonsarchäologie Aargau Kantonsarchäologie Solothurn Kantonsarchäologie Zürich Kantonsarchäologie St.Gallen Kantonsarchäologie Schaffhausen Archäologie, Hauptabteilung Kultur, Glarus Archäologischer Dienst Graubünden Section d’archéologie et paléontologie du Canton de Jura Römerstadt Augst Archäologie Schweiz Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz (ARS) Gesellschaft Pro Vindonissa Basler Zirkel für Urund Frühgeschichte Arbeitsgemeinschaft Prospektion Schweiz Albert-Weitnauer-Stiftung Departement Bildung und Kultur Fachstelle Archäologie        TITELBILD. Eingang mit Inschrift und Wappen der Familie von Salis. Palazzo Salis, Bondo. Foto: Andrea Badrutt ianua patet cor magis ZUM GELEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Ana Z. Maspoli TABULA GRATULATORIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 BIBLIOGRAFIE VON PETER-ANDREW SCHWARZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 LISTE DER VON PETER-ANDREW SCHWARZ AB 2007 BETREUTEN ABSCHLUSSARBEITEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 DIE VINDONISSA-PROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT BASEL – EIN INTERKANTONALES ERFOLGSMODELL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Thomas Doppler, Elisabeth Bleuer und Georg Matter 15 JAHRE LEGIONÄRSPFAD VINDONISSA: EINE ERFOLGSGESCHICHTE . . . . . . . . . . . 31 Rahel Göldi (K)EINE ZUKUNFT OHNE HERKUNFT? GEDANKEN ZUM STATUS QUO UND HERAUSFORDERUNGEN DER ARCHÄOLOGIE IN DER SCHWEIZ IM 21. JAHRHUNDERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Andrea Schaer GÄHNENDE LEERE? VERBREITUNGSKARTEN, IHRE GESCHICHTE UND INTERPRETATION AM BEISPIEL SPÄTREPUBLIKANISCHEN BRONZEGESCHIRRS 49 Holger Baitinger und Gabriele Rasbach ENTRE ARGENTORATE ET VINDONISSA LES CAMPS MILITAIRES JULIO-CLAUDIENS D’OEDENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 Michel Reddé CIL III 4441 – EINE INSCHRIFT SUCHT IHREN TEMPEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Franziska Beutler, Christian Gugl, Gabrielle Kremer und Mario Wallner DIE JOCHWEIHUNG DES VETERANEN PRIMANIUS INGENU(U)S MIT NENNUNG DER CULTORES UND COLONI AUS KRATZENBURG . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Peter Henrich BUILD THAT WALL! ÜBERLEGUNGEN ZUM ARBEITSAUFWAND BEI DER ERRICHTUNG DER GALLIENISCHEN STADTMAUER VON VERONA . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Ulrich Stockinger RETOUR SUR LE BUSTE EN OR D’AVENCHES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .101 Michel E. Fuchs INHALT ianua patet cor magis KARNIVORE NEANDERTALER UND RÖMISCHE GERSTENFRESSER: ZUR VERKNÜPFUNG VON TIERISCHEM PROTEIN MIT «URSPRÜNGLICHER MÄNNLICHKEIT» UND MACHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 Brigitte Röder EQUIDEN ALS SPIEGEL VON MENSCH-TIER-BEZIEHUNGEN IN RÖMISCHER ZEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Claudia Gerling DONNÉES RÉCENTES SUR L’HABITAT GALLO-ROMAIN DE COURROUX (CANTON DU JURA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 Robert Fellner et Céline Robert-Charrue Linder EINE EISENPFEIFE VON DER SPÄTLATÈNEZEITLICHEN HÖHENBEFESTIGUNG MONTCHAIBEUX (JU) – ENDLICH EIN BEWEIS FÜR KELTISCHE PFEIFENRAUCHER? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141 Raphael Berger, Andreas Heege und Elena Prado EIN GLÜCKSBRINGER AUS DER VILLA RUSTICA VON FLUMENTHALATTISHOLZWALD IM KANTON SOLOTHURN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 Mirjam Wullschleger HANDWERK IM BILD – BERUFSDARSTELLUNGEN AUF RÖMISCHEN GEFÄSSEN ALS AUSDRUCK GEMEINSCHAFTLICHER IDENTITÄT: EIN NEUER BLICK AUF EINEN ALTBEKANNTEN FUND AUS STUDEN BE/PETINESCA . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Christa Ebnöther und Andrew Lawrence mit Beiträgen von Markus Scholz und Günther E. Thüry SCHON DREIMAL AUSGEGRABEN UND DENNOCH ETWAS GEFUNDEN – DIE RÖMISCHE VILLA AUF DEM LENDENBERG BEI SCHLEITHEIM . . . . . . . . . . . . . . . .179 Valentin Homberger «THE BITE OF A SNAKE» EINE GUSSFORM FÜR SCHLANGEN ARMREIFEN AUS KEMPRATEN . . . . . . . . . . . . . . . .191 Regula Ackermann, Hannes Flück und Markus Helfert AUF DER SUCHE NACH DER PIONIERBESIEDLUNG. ZUR FRÜHZEIT VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Sven Straumann, Sandra Ammann und Hans Sütterlin AUGUSTUS IN AUGST: EIN BRONZE NACHGUSS DER STATUE VON PRIMAPORTA IM GARTEN DER VILLA CLAVEL UND DIE ITALIENISCHE KUNSTINDUSTRIE . . . . 221 Martin A. Guggisberg VERFLIXT UND ZUGEMAUERT – NEUES ZUR WESTFRONT DES HAUPTFORUMS VON AUGUSTA RAURICA . . . . . . . . . 233 Juha Fankhauser, Simon Friz, Cédric Grezet und Claude Spiess VOM FEILKLOBEN ZUM SCHRAUBSTOCK – 2000 JAHRE KLEMM VORRICHTUNGEN IM HANDWERK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Alex R. Furger ERRARE HUMANUM EST: EIN ANTONINIAN FÜR TETRICUS II. MIT FEHLERHAFTER LEGENDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Markus Peter ianua patet cor magis SCHÄDEL GEFUNDEN! NEUES ZUM PLATTENGRAB BEIM FELDHOF IN AUGUSTA RAURICA/AUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Michael Baumann EINE SELTENE BEIGABE IN EINEM FRÜHMITTELALTERLICHEN FRAUENGRAB AUS KAISERAUGST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 Simone Mayer ZU ZWEI NEUENTDECKTEN ZIEGELPLATTEN MIT GRAFFITI AUS DEM CASTRUM RAURACENSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Jakob Baerlocher PRIMI VINDONISSENSES – DIE SPÄTLATÈNEZEITLICHEN BRANDGRÄBER DER GRABUNG WINDISCH-SPILLMANNWIESE V.003.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Örni Akeret, Cornelia Alder, Sabine Deschler-Erb und Lara Kurmann ACHILL AUF EINEM GOLDRING MIT GLASKAMEO AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . 311 Regine Fellmann Brogli und Stefanie Martin-Kilcher EIN BISSCHEN GLAS MUSS SEIN! ZU EINER GESICHTSPERLE AUS DEM GRÄBERFELD AM REMIGERSTEIG IN VINDONISSA/BRUGG AG . . . . . . . . . 321 Sylvia Fünfschilling EINE TÖNERNE STÜTZFIGUR AUS VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Rudolf Känel LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. NEUES UND ALTES ZU DEN SPÄTANTIKEN BESTATTUNGEN IN MUMPF . . . . . . . . . . 335 Nathalie Hertig AUF DEM WINDISCHER SPORN – ANMERKUNGEN ZU EINER SPÄTRÖMISCHEN BEFESTIGUNG VON VINDONISSA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Matthias Flück und Jürgen Trumm MAUERN UND MÜNZEN AUF DER EGG ZWISCHEN MANDACH UND VILLIGEN – EINE ALTE GRABUNG IN NEUEM LICHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Valentin Häseli EIN ZERSTÖRTES GRÄBERFELD DER MITTELKAISERZEIT AN DER AESCHENVORSTADT IN BASEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375 Markus Asal EXILE? ON MAIN STREET? DIE SPÄTANTIK-FRÜHMITTELALTERLICHEN BESTATTUNGEN ÖSTLICH DES MÜNSTERHÜGELS (BASEL-ANTIKENMUSEUM) UND IHR KONTEXT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 387 Martin Allemann und Anna Flückiger WIE KOMMT EINE TÖRICHTE JUNGFRAU VOM MÜNSTER NACH ST. LEONHARD? TRANSFER EINES BASLER STATUEN FRAGMENTES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Christoph Philipp Matt SECOND LIFE DER DINGE: BASLER SPOLIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 Hans-Rudolf Meier KOT, KULT UND KÜCHE – TAUBEN IN MARRAKESCH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419 Thomas Reitmaier und Raphael Sele ABKÜRZUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429 341 ianua patet cor magis LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. Nathalie Hertig magische Wirkung zugeschrieben39. Ob der Fingerring aber auch tatsächlich als magisches Amulett oder dergleichen angesehen wurde, ist schwierig zu sagen. Ebenso wirft die Datierung Fragen auf. In den Fundberichten wird der Fingerring zwar im Zusammenhang mit dem römischen Mumpf erwähnt, es wird aber nie explizit auf die Datierung eingegangen40. Hingegen ist auf dem Inventarblatt des Historischen Museums Basel Folgendes festgehalten: «Die gleichen Ringe aus amerikanischem Achat werden heute noch in Waldkirch bei Freiburg i. Br. hergestellt, Dr. E. Major»41. Die Edelsteinschleiferei hat in der Region des südlichen Oberrheins tatsächlich eine lange Tradition. Die ältesten Nachweise reichen bis ins Spätmittelalter zurück42. Im fraglichen Zeitraum (um 1912) waren in Waldkirch (D) nur noch zwei Edelsteinschleifereien in Betrieb. Einerseits die Firma Trenkle, die 1935 nach Freiburg im Breisgau übersiedelte und andererseits die Firma Winter mantel, die weiterhin besteht43. Die Aussage E. Majors, dass der Fingerring tatsächlich von dort stammt, liess sich allerdings weder verifizieren noch falsifizieren44. Bleibt die Frage, ob Fingerringe dieser Form in römischer Zeit überhaupt auftreten. Römische Fingerringe sind in der Regel aus Eisen gefertigt. Edlere Exemplare gibt es aus Edelmetallen wie Silber oder Gold. Halbedelsteine waren beliebt für Gemmen – aber ausgesprochen selten für Fingerringe, zumindest im westlichen Imperium45. Für die typologische Einordnung ist das Material weniger entscheidend als die Form. Der vorliegende Fingerring verfügt dabei über einen kreisrunden Reif, über dem sich eine Platte erhebt. Der Reif ist innen flach und aussen gewölbt. Zur Platte hin wird er leicht breiter. Die Seitenflächen sind glatt und setzen sich kantig von den breiten Flächen des Reifs ab. Die Platte ist erhöht gegen den Reif abgesetzt. Ihre Form ist ungefähr langrechteckig (5,5 × 11 mm), die Ecken sind abgerundet. Die Platte ist flach und war ursprünglich möglicherweise für eine Inschrift oder Verzierung vorgesehen. Auf der Unterseite der Platte zeigt der Ring eine längliche Vertiefung. Der Innendurchmesser beträgt 23 mm. Damit liegt er deutlich über den modernen Fingerringgrössen, die bei Frauen ringen bis zu 17,5 mm und bei Männerringen bis zu 19,1 mm betragen. Selbst die grössten modernen Männerringe übertreffen 20,7 mm nicht. Im Vergleich dazu stellt Alex Furger bei den römischen Fingerringen ein sehr viel breiteres Grössenspektrum fest, d.h., dass die kleinsten Fingerringe kleiner und die grössten grösser sind als heute. Allerdings sind auch diese selten grösser als 22 mm46. Unter den Fingerringen, die Friedrich Henkel 1913 zusammengetragen hat, lassen sich Vergleiche am ehesten bei den Bronzeund Eisenringen in der Kategorie «Ringe mit Entwicklung einer Platte» finden. Innerhalb der Variante «Die Platte ist in ihrer ganzen Ausdehnung erhöht gegen den Reif abgesetzt» führt er ähnliche Exemplare auf. Diese datiert er grob ins 4. Jahrhundert n. Chr.47. Ein formidentisches Exemplar findet sich aber nicht. Insbesondere die Rille unterhalb der Platte ist bei keinem der Fingerringe vorhanden. Unter den wenigen Fingerringen aus mineralischen Stoffen, die Henkel aufführt, gibt es ebenso wenig ein exaktes Vergleichsstück. Er bemerkt auch, dass solche Fingerringe in den nordwestlichen Provinzen äusserst selten zu sein scheinen. Die wenigen bekannten Exemplare weist er aufgrund ihrer Form der Spätantike zu48. Ein ebenfalls nicht identisches Exemplar, aber zumindest ähnlich in der Form, stammt aus einem Brandschüttungsgrab mit Urne vom Südfriedhof in Vindonissa. Der Fingerring ist zwar aus Bergkristall gefertigt und deutlich massiver, verfügt aber ebenfalls über eine abgeflachte Platte. Datiert wird das Grab allerdings ins 1./2. Jahrhundert n. Chr.49. Ein weiterer Fingerring aus Bergkristall mit abgeflachter Platte stammt aus dem belgischen Vlaams Brabant und wird ins 2. Jh. n. Chr. datiert50. Ein Fingerring aus Karneol, dessen Fundkontext leider unbekannt ist, befindet sich im Thermenmuseum in Heerlen, Niederlande. Er besitzt einen Aussendurchmesser von 21 mm und wird – unter Vorbehalt – in das 2. oder 3. Jh. n. Chr. datiert. Es handelt sich zwar um eine andere Form, ihnen gemeinsam ist aber die abgeflachte Platte51. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine Datierung des vorliegenden Fingerrings in römische Zeit aufgrund fehlender exakter Vergleichsbeispiele nicht bestätigt werden kann. Das Vorhandensein von Fingerringen aus mineralischen Stoffen in römischen Kontexten, wie beispielsweise der Fingerring aus Bergkristall von Vindonissa, lassen einen römischen Ursprung aber zumindest denkbar erscheinen. 37 Vermerk Inventarblatt HMB und Eingangsbuch Sammlung Pharmaziemuseum Basel (schriftliche Mitteilung S. Prillwitz). 38 Schriftliche Mitteilung S. Prillwitz, 19.12.2023. 39 Vgl. Henkel 1913, 339–340; Plinius d. Ältere widmet den Edelsteinen ein ganzes Buch. Darin erwähnt er auch verschiedene Anwendungen als Heilmittel, Plin. Nat. Hist. 37. 40 Burkart 1928, 7; Tatarinoff 1915, 65. 41 Inventarblatt Inv. Nr. 1914.217, HMB. 42 Cremer 2020, 275; Kaiser 2013, 296–303; Kaiser 2003; vgl. auch Metz 1961 und Schragmüller 1914. 43 Cremer 2020, 275–276. 44 Eine entsprechende Anfrage vom 18.01.2024 beim Deutschen Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein (D) ergab keinen Treffer https://www.edelsteinmuseum.de/museum/geschichte-des-museums. Schriftliche Mitteilung des Museums: «Wir haben keine solchen Fingerringe in unserer Sammlung und auch leider keine Kenntnis von möglichen Vergleichs stücken.» 45 Vgl. Henkel 1913; Riha 1990, 27. 46 Furger in Riha 1990, 49–51; F. Henkel denkt bei manchen übergrossen Fingerringen an Votivgaben, vgl. Henkel 1913, 345–347. 47 Vgl. Henkel 1913, Kat. Nr. 941–946. 48 Henkel 1913, 250–251. 49 Hintermann 2000, 101; Taf. 34,20. Hintermann äussert sich auch zur Bedeutung von Bergkristall in der Antike und führt weitere Vergleichsbeispiele von Fingerringen aus Bergkristall auf. Den Hinweis verdanke ich Ana Z. Maspoli. 50 Sas/Thoen 2002, Kat. Nr. 151, 51 Sas/Thoen 2002, Kat. Nr. 156. Diesen Hinweis verdanke ich ebenfalls Ana Z. Maspoli. 342 ianua patet cor magis LETZTE RUHE MIT RHEINBLICK. Nathalie Hertig FAZIT Die als Grabbeigabe verwendeten punzverzierten Gürtelbeschläge werfen etwas Licht auf die wenig bekannten spätantiken Bestattungen in Mumpf. Die sorgfältig gearbeiteten Teile einer Gürtelgarnitur datieren ans Ende des 4. oder den Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr., einer bewegten Zeit am Hochrhein. Aufgrund der ähnlichen Datierung, der geografischen Nähe wie auch der militärischen Komponente der Grabbeigaben ist ein Zusammenhang mit der nahen Kleinfestung Mumpf-Burg wahrscheinlich. Möglicherweise wurde damit ein Militärangehöriger der valentinianischen Kleinfestung bestattet. Die Verwendung als Beigabe weist nicht zuletzt auf die grosse symbolische Bedeutung dieses wertvollen Objekts hin. Über die zweite, weniger gut erhaltene Bestattung lässt sich wenig sagen. Die kurze Distanz zwischen den Gräbern, die gleiche Ausrichtung und die Feststellung, dass beide in Rückenlage bestattet waren, spricht aber zumindest für eine ähnliche zeitliche Einordnung. Mehr Fragen bleiben hinsichtlich des wiedergefundenen Fingerrings offen. Vielleicht wurde er in einer der bekannten Edelsteinschleifereien im nahen Waldkirch bei Freiburg im Breisgau hergestellt. Damit wäre er in die Neuzeit zu datieren. Eine römische Datierung scheint aktuell weniger wahrscheinlich, da exakte Vergleiche fehlen, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Eine vertiefte Recherchearbeit in beide Richtungen könnte mögliche Antworten bringen. Unabhängig von der Datierung ist es gut vorstellbar, dass er seinem Träger Glück bringen sollte. Immerhin ist die Wahl eines Fingerrings aus Quarzgestein eher ungewöhnlich. Vielleicht war er aber auch einfach nur ein schönes Schmuckstück, das im Leben wie im Tod zur Schau gestellt werden wollte. Sicher ist nur, dass der Fingerring nun bereits seit Jahrzehnten im Pharmaziemuseum Basel, zusammen mit anderen «medizinischen Amuletten», ausgestellt ist. LITERATURVERZEICHNIS Bishop/Coulston 2006: M. C. Bishop/ J. C. Coulston, Roman military equipment from the Punic Wars to the fall of Rome (Oxford 20062). Böhme 1974: H. W. Böhme, Germanische Grabfunde des 4. bis 5. Jahrhunderts zwischen unterer Elbe und Loire. Studien zur Chronologie und Bevölkerungsgeschichte. Münchner Beitr. Voru. Frühgesch. 19 (München 1974). Böhme 2020: H. W. Böhme, Die spätantiken Gürtel mit kerbschnittverzierten Metallbeschlägen. Studien zu Militärgürteln des 4.–5. Jahrhunderts. Kat. voru. frühgesch. Altertümer 50 (Mainz 2020). Burkart 1928: H. R. Burkart, Vereinzelte Funde und Grabungen 1928. Vom Jura zum Schwarzwald 3, 1928, 7. Burkart 1930: H. R. Burkart, Grabungsbericht. Vom Jura zum Schwarzwald 5, 1930, 119–122. Burkart 1931: H. R. Burkart, Fundbericht 1931. Vom Jura zum Schwarzwald 6, 1931, 60. Cremer 2020: F. Cremer, Die Edelsteinschleiferei Wintermantel. Einzigartiges Zeugnis des Gewerbes, das Waldkirch von 1450 bis 1800 prägte. Nachrichtenbl. Landesdenkmalpfl. 49, 4, 2020, 273– 278. Hintermann 2000: D. Hintermann, Der Südfriedhof von Vindonissa. Veröff. GPV 17 (Brugg 2000). Häseli/Schwarz 2019: V. Häseli/P.-A. Schwarz, Altes und Neues zur spätantiken «Magazinstation» Mumpf-Burg. Vom Jura zum Schwarzwald 93, 2019, 7–31. Häseli/Schwarz 2021: V. Häseli/P.-A. Schwarz, Neue Forschungen zum spätantiken Hochrhein-Limes im Kanton Aargau IV. Die spätantiken «Magazinstationen» Mumpf-Burg und Sisseln-Hintere Halde. Jber. GPV 2020, 2021, 31–60. Henkel 1913: F. Henkel, Die römischen Fingerringe der Rheinlande und der benachbarten Gebiete (Berlin 1913). Kaiser 2003: M. J. 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JbSGU 22, 1930, 63–94. Schulthess 1931: O. Schulthess, Römische Zeit. JbSGU 23, 1931, 53–89. Stehlin/von Gonzenbach 1957: K. Stehlin/V. von Gonzenbach, Die spätrömischen Wachttürme am Rhein von Basel bis zum Bodensee. 1. Untere Strecke: von Basel bis Zurzach. Schr. Uru. Frühgesch. Schweiz 10 (Basel 1957). Tatarinoff 1915: E. Tatarinoff, Römische Zeit. JbSGU 8, 1915, 51–75. ABBILDUNGSNACHWEIS 1 Grundlage © swisstopo, Ergänzungen N. Hertig. 2, 3 Archiv KAAG, Nachlass Pfarrer H. R. Burkart. © Kantonsarchäologie Aargau. 4 Zeichnung: N. Hertig. 5 Stehlin/von Gonzenbach 1957, Taf. 3. Foto: E. Schulz. 6 Fundnotiz K. Stehlin, Dossier «Einzelne Fundnotizen von K. Stehlin, Band 1», PA 88a H. 7 .6a. © Staatsarchiv Basel-Stadt. 7 HMB Inv. Nr. 1914.217. Bildrechte: Pharmaziemuseum Basel. AUTORIN Nathalie Hertig: [email protected] 429 ianua patet cor magis ABKÜRZUNGEN Grundsätzlich gelten die Zitier-Richtlinien und Abkürzungen der Römisch-Germanischen Kommission (vgl. Ber. RGK 71, 1990, 973 – 998; 73, 1992, 477 – 540). Zusätzlich werden folgende Abkürzungen für Zeitschriften verwendet: AKB Archäologisches Korrespondenzblatt AFS Archäologischer Führer der Schweiz AS Archäologie der Schweiz ASA Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde ASA N.F. Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde, Neue Folge ASSPA Annuaire de la Société Suisse de Préhistoire et d’Archéologie Ber. RGK Berichte der Römisch-Germanischen Kommission BPA Bulletin de l’Association Pro Aventico CAR Cahiers d’Archéologie Romande CIL Corpus Inscriptionum Latinarum HA Helvetica Archaeologica JbAK Jahresbericht aus Augst und Kaiseraugst JbAS Jahrbuch Archäologie Schweiz Jber. GPV Jahresbericht der Gesellschaft Pro Vindonissa Jber. SLMZ Jahresbericht des Schweiz. Landesmuseums Zürich JbHVFL Jahrbuch des Histor. Vereins für das Fürstentum Liechtenstein JbRGZM Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz JbSGU Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urgeschichte JbSGUF Jahrbuch der Schweiz. Gesellschaft für Urund Frühgeschichte MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich RIC The Roman Imperial Coinage SPM Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter UFAS Urund frühgeschichtliche Archäologie der Schweiz Veröff. GPV Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa ZAK Zeitschrift für Schweiz. Archäologie und Kunstgeschichte Weitere Abkürzungen und Siglen: ADB Archäologischer Dienst Bern AE L’Année Épigraphique AR Augusta Raurica EAD Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege (Grafische Sammlung SNB) EDCS Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby GPV Gesellschaft Pro Vindonissa GS Grafische Sammlung HLS Historisches Lexikon der Schweiz HMB Historisches Museum Basel HRL Hochrhein-Limes IDR Inscriptiones Daciae Romanae ILAlg Inscriptions latines d’Algérie ILJug Inscriptiones Latinae quae in Iugoslavia … repertae et editae sunt KAAG Kantonsarchäologie Aargau KASG Kantonsarchäologie St.Gallen KDM BS Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt MAGZ Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft Zürich ÖAI Österreichisches Archäologisches Institut ÖAW Österreichische Akademie der Wissenschaften PIR Prosopographia Imperii Romani PIR² Prosopographia Imperii Romani (2. Auflage) PLRE The Prosopography of the Later Roman Empire RIB The Roman Inscriptions of Britain RIU Die römischen Inschriften Ungarns SMRA Site et Musée romains d’Avenches SNB Schweizerische Nationalbibliothek ThLL Thesaurus Linguae Latinae RPC Münz-Typ nach Burnett u.a. 1992 Allgemeine Abkürzungen: Abb. Abbildung Anm. Anmerkung B. Breite Bd. Band Beg. N. Begrawiyeh Nord bes. besonders Bsp. Beispiel bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa cf. vergleiche Dat. Datierung d. h. das heisst Dm. Durchmesser dt. deutsch ebda. ebenda ehem. ehemalig engl. englisch et al. und andere f./ff. folgende fig. figura/figure Fl. Fläche freundl. freundlich Fragm. Fragment frz. französisch Gr. Grab H. Höhe ha Hektare Imit. Imitation indet. unbestimmt insbes. insbesondere it. italienisch Jh. Jahrhundert Kat. Katalog l. links L. Länge lat. lateinisch Lit. Literatur M. Massstab max. maximal mind. mindestens N Norden n. Chr. nach Christus n. l. nach links n. r. nach rechts Nr./no. Nummer Nrn. Nummern O Osten o. ohne o. ä. oder ähnliches Pos. Position 430 ianua patet cor magis r. rechts rät. rätisch resp. respektive röm. römisch S Süden s. siehe S. Seite Sign. Signatur sog. sogenannt s. o. siehe oben St. Stärke s. u. siehe unten s. v. unter dem Stichwort (sub voce) Taf. Tafel u. und u. a. unter anderem v. a. vor allem v. Chr. vor Christus Verf. Verfasser verm. vermutlich Vorb. Vorbereitung W Westen z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil Open Access doi 10.19218/3907662144