scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Policy Paper Soziale Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsbiographie in Stadt und Land. Erkenntnisse und Empfehlungen aus zwei praxisnahen Forschungsprojekten

Kordel, Stefan; Weidinger, Tobias; Rischke, Ramona; Yanasmayan, Zeynep

Abstract

Dieses Policy Paper hebt die zentrale Bedeutung von Pflegekräften mit Migrationsbiographie bei der Bewältigung des Fachkräftemangels im deutschen Gesundheitswesen hervor und bezieht sich auf Erkenntnisse und Empfehlungen aus zwei praxisnahen Forschungsprojekten „Gesundheit! Teilhabe von Pflegekräften“ und „Willkommen in der Pflege". Die Studien zeigen, dass soziale Teilhabe und Integration entscheidend für das Bleiben in Stadt und Land sind, wobei transnationale Lebensrealitäten, Zugehörigkeit und strukturelle Barrieren wie Wohnen und Alltagsmobilität im Fokus stehen. Empfehlungen umfassen die Anerkennung vielfältiger Lebensrealitäten, den Ausbau inklusiver Netzwerke sowie die Verbesserung von Wohn- und Mobilitätsangeboten. Langfristige Strategien sollten soziale Teilhabe, Unterstützungsstrukturen und regionale Kooperation priorisieren, um Fachkräfte nachhaltig zu binden. Ein ganzheitlicher Ansatz, der soziale, räumliche und institutionelle Faktoren berücksichtigt, ist notwendig, um eine stabile und inklusive Personalentwicklung zu gewährleisten.

Full text

Policy Paper Soziale Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsbiographie in Stadt und Land. Erkenntnisse und Empfehlungen aus zwei praxisnahen Forschungsprojekten Stefan Kordel, Ramona Rischke, Tobias Weidinger, Zeynep Yanaşmayan November 2025 ii Gefördert von: Einführung: Zur Rolle von Arbeitskräften mit Migrationsbiographie im Pflegesektor 1 1 Einführung: Zur Rolle von Arbeitskräften mit Migrationsbiographie im Pflegesektor Der Pflegesektor steht weltweit vor vielfältigen Herausforderungen, wobei globalisierte Arbeitsmärkte den Wettbewerb um qualifizierte Pflegekräfte weiter verstärken. Besonders in Europa zeigt sich ein Mangel: Die OECD und die Europäische Kommission berichten, dass bis zu 16 EU-Staaten einen Pflegekräftemangel aufweisen 1 , darunter auch Deutschland. Das Statistische Bundesamt sieht infolge der Alterung der Gesellschaft einen zusätzlichen Bedarf von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften bis 2049 2 , was 16 bis 40 Prozent der derzeitigen Anzahl an Pflegekräften entspricht 3 . Der Arbeitsund Fachkräftemangel im Pflegesektor hat dabei mehrere Ursachen: eine alternde Gesellschaft, Nachwuchsmangel im Pflegeberuf, alternative Karrieremöglichkeiten sowie die Abwanderung aus dem Pflegesektor (‚Pflexit‘ 4 ). Letztere lässt sich unter anderem auf eine zunehmende Arbeitsbelastung, die teils mit psychischen Erkrankungen (Burnouts) einhergehen und auf eine immer kürzere Verweildauer und hohen Fluktuationsraten von Patient*innen in Kliniken, sowie einer insgesamt wachsenden Anzahl an zu betreuenden Personen pro Pflegekraft zurückführen. Zudem steigen zukünftige Bedarfe an Pflegekräften aufgrund der Alterung der Belegschaft und der Zunahme von Teilzeitarbeit. Um die resultierende Arbeitsund Fachkräftelücke zu schließen und die Daseinsvorsorge sicherzustellen, setzt die Akutund Langzeitversorgung, die ambulante Versorgung und die medizinische Rehabilitation, neben Digitalisierung, technologischen Innovationen und besserer Bezahlung, insbesondere auf die Rekrutierung von ausländischen Personen, die bereits vor Ort sind und aus dem Ausland. Deutschland stellt für Migrant*innen, nicht zuletzt aufgrund sprachlicher Hürden, bürokratischer Herausforderungen und wahrgenommener Diskriminierung zwar ein interessantes Zielland, jedoch häufig nicht das Land erster Wahl dar. Auch vor diesem Hinter1 OECD/European Commission (2024) 2 Statistisches Bundesamt (2024) 3 Mediendienst Integration (2025) 4 Taufer, R./Fuchs, D. (2022) Einführung: Zur Rolle von Arbeitskräften mit Migrationsbiographie im Pflegesektor 2 grund wurde in den vergangenen Jahren die Zuwanderung in die Pflege durch verschiedene politische Maßnahmen erleichtert (u.a. durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und gezielte Anwerbeabkommen). Die Anzahl und der Anteil ausländischer Pflegekräfte wuchs zuletzt stark an, der Beschäftigungsanstieg in der Pflege geht seit 2022 ausschließlich auf ausländische Arbeitsund Fachkräfte zurück. 5 Die Herkunftsländer diversifizierten sich zunehmend, wobei sich sowohl EU-Mitgliedsstaaten als auch sogenannte Drittstaaten unter den TOP10-Herkunftsländern befinden. Der hohe Frauenanteil in der Pflege nahm durch die Zuwanderung leicht ab, 6 hinsichtlich der Altersstruktur tragen ausländische Beschäftigte klar zu einer Verjüngung bei. Regional sind ausländische Pflegekräfte v.a. in den Metropolregionen München und Rhein-Main präsent (z.B. Offenbach/Main: 45,1% Anteil ausländischer Beschäftigter in der Krankenpflege, im Rettungsdienst und der Geburtshilfe; München: 62,3% Anteil ausländischer Beschäftigter in der Altenpflege), während ihre Anteile in ländlichen Regionen (v.a. Ostdeutschlands) bisher noch geringer ausfallen 7 . Die Anwerbung von internationalem Pflegepersonal und die Ausund Weiterbildung von Menschen mit unterschiedlichen Migrationsbiographien in Deutschland wird häufig als sogenannte „Replacement Migration“ 8 gerahmt, also als Ersatz für ausscheidende Pflegekräfte. Kritisch daran ist, dass Migrant*innen hierbei und auch in politischen und öffentlichen Debatten auf ihre Arbeitskraft reduziert werden 9 , ihre Lebensrealitäten und ihre soziale Teilhabe hingegen kaum Beachtung finden. Für eine nachhaltige Fachkräftegewinnung, für ein Bleiben wollen in der Pflege, am Wohnort und in Deutschland ist es jedoch zentral, neben Arbeitsmarktperspektiven auch sozialräumliche Aspekte wie Wohnen, Versorgung im Alltag, Bildung, Freizeit und soziale Kontakte in den Blick zu nehmen (in ländlichen Räumen zudem die Teilhabedimension Alltagsmobilität). Hier setzt dieser Policy Brief an. Er stellt die zentralen Ergebnisse zweier angewandter Forschungsprojekte vor, die an der FAU Erlangen-Nürnberg und am DeZIM-Institut zum Thema soziale Teilhabe von Pflegekräften mit eigener Migrati5 Singer, K./Fleischer, N. (2025) 6 SVR (Sachverständigenrat für Integration und Migration) (2022) 7 Weidinger, T./Bendel, P./Kordel, S./Bekyol, Y./Wagner, T. (2025) 8 Bijak, J./Kupiszewska, D./Kupiszewski, M. (2008) 9 Christinck, L./Diekmann, M./Engler, M./Palop-García, P./Rischke, R./ Yanamayan, Z.(2025) Einführung: Zur Rolle von Arbeitskräften mit Migrationsbiographie im Pflegesektor 3 onsbiographie durchgeführt wurden und sich in ihren Zielgruppen ergänzen, und skizziert auf dieser Grundlage ausgewählte Befunde sowie konkrete Empfehlungen für Politik, Praxis und Zivilgesellschaft. Forschungsprojekte 4 2 Forschungsprojekte 2.1 Projekt: “Gesundheit! Teilhabe von Pflegekräften” Das angewandte Forschungsprojekt „Gesundheit! Teilhabe im Pflegesektor“, angesiedelt am FAU Forschungszentrum Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg (FAU CHREN), beschäftigt sich seit 2022 aus interdisziplinärer Perspektive mit folgender Forschungsfrage, der in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen nachgegangen wird: Wie kann nachhaltige Beschäftigung von Pflegekräften mit eigener Migrationsbiographie erreicht werden und welche Faktoren beeinflussen deren Bleibeorientierung in der Einrichtung und am ländlichen bzw. städtischen Wohnort? Zentral ist dabei eine multiperspektivische Herangehensweise, die drei interdependente Perspektiven einnimmt: die individuelle Perspektive der Migrant*innen, die organisationale Perspektive der aufnehmenden Einrichtung sowie die sozialräumliche Perspektive ihrer Wohnorte, d.h. der Kommune. Projektabschlussbericht „Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsgeschichte“ Forschungsprojekte 5 Im Folgenden präsentiert wird die Perspektive der Migrant*innen, die im Pflegesektor beschäftigt sind, insgesamt 43 Befragte (davon 30 weiblich), vornehmlich aus Vietnam, der Ukraine, Indien sowie Staaten des Westbalkan, die durchschnittlich neun Jahre in Deutschland lebten. Neben den qualitativen Interviews wurde auch ein Validierungsworkshop mit der Zielgruppe Migrant*innen durchgeführt. 2.2 Projekt: “Zugangsbarrieren und Gelingensfaktoren fr eine soziale Verwurzelung/Integration von Pflegefachkräften in Baden-Wrttemberg ” Das Forschungsprojekt beleuchtete Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg, um Prozesse der sozialen Integration nachzuzeichnen und Alltagserfahrungen und Lebenssituationen von Pflegekräften aus Drittstaaten zu erfassen. Das Projekt wurde im Auftrag der Diakonie BadenWürttemberg und im Rahmen des AMIF geförderten und von der EU kofinanzierten Projekts „InteNETZ“ im Jahr 2024 und 2025 durchgeführt. Insgesamt wurden 232 Pflegekräfte aus sogenannten Drittstaaten, also Personen mit Staatsangehörigkeiten von Ländern außerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums, anhand einer Online-Erhebung befragt. Zusätzlich wurden zwei Fokusgruppen mit Auszubildenden in Pflegeschulen durchgeführt und Expert*inneninterviews mit lokalen Akteuren aus den Bereichen Integration, Migrations(beratung) und Gesundheitsversorgung geführt. Die Stichprobe bezieht sich auf städtische und ländliche Räume in Baden und Württemberg. Aufgrund der Rekrutierung über Pflegeschulen weist die Stichprobe einen hohen Anteil von Auszubildenen auf, die durchschnittlich zudem relativ jung (29 Jahre) ist. Über die Hälfte der Teilnehmenden ist weniger als zwei Jahre in Deutschland. Forschungsprojekte 6 Projektabschlussbericht „Willkommen in der Pflege Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe 7 3 Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe Unsere Forschungsprojekte untermauern, dass die soziale Teilhabe neuzugewanderter Pflegekräfte in allen Phasen des Migrationsprozesses betrachtet werden sollte: von der Vorbereitung auf Deutschland im Ausland (pre-departure) über die Ankunft am Wohnort und die Einarbeitung am Arbeitsplatz bis hin zur sozialräumlichen Integration und die Zukunftsperspektiven am Arbeitsplatz und im Sozialraum. All dies hängt mit dem Wohlbefinden der Pflegekräfte sowie ihrer Bleibeorientierung am Wohnort und in Deutschland zusammen. Die soziale Teilhabe betrifft dabei ineinandergreifende Dimensionen wie Beschäftigung, Wohnen, Gesundheit und Wohlbefinden, Freizeit und soziale Kontakte sowie Mobilität im Alltag. 3.1 Transnationale Lebensrealitäten anerkennen und für deren Auswirkungen im Alltag sensibilisieren 3.1.1 Befunde Die Anerkennung von transnationalen Lebensrealitäten, also eines Lebensalltags, der nicht nur den eigenen Aufenthaltsort als Referenzpunkt hat, sondern für den auch der Herkunftsoder weitere geographische Kontexte relevant sind, ist ein wichtiger Eckpfeiler gelungener Integration migrantischer Pflegekräfte. Dieser Blick auf Anerkennungsprozesse von Lebensrealitäten kann entscheidend dazu beitragen, Verständnis für die Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten anderer zu entwickeln und daraus realistische Erwartungshaltungen abzuleiten. Genau wie „Integration“ nicht als Bringschuld von Migrant*innen, sondern als gesamtgesellschaftlicher Prozess zu verstehen ist, beschränkt sich die Notwendigkeit der Anerkennung von Lebensrealitäten hier nicht auf die Situation neuzugewanderter Pflegekräfte, sondern beispielsweise auch auf die Situation und bestehenden Teams (z.B. hinsichtlich von Arbeitsbelastungen und fehlender struktureller Unterstützung). Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe 14 Netzwerke 3.3.2 Handlungsfelder und Empfehlungen Angesichts vielfältiger Integrationsverläufe und damit verbundener Bedarfe sollten Maßnahmen verlässlich und transparent sowie wohnortnah zugänglich gemacht werden. Soziale Teilhabe wird dabei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die auf viele Schultern verteilt werden sollte. Darunter können sein: Vorgesetzte, Pflegedienstleitungen, Praxisanleitungen, Integrationsbeauftragte und Arbeitskolleg*innen in Einrichtungen; Vermittlungsagenturen; Betriebliche Interessensvertretungen und Beratungsstellen; Bildungseinrichtungen und (Sprach-)Lehrkräfte; Wohnungswirtschaft; Kommunalverwaltung; Wohlfahrtsverbände, Freiwilligenagenturen, Vereine, Migrantische Selbstorganisationen und Ehrenamtliche; Familien, Nachbar*innen und „Peers“. Als vielversprechend gilt ein partizipativer Einbezug bestehender Teams in die Gestaltung des Anwerbe-, Onboardingund Einarbeitungsprozesses. Auch „Peer-group“-, „Tandem“- und „Buddy“-Initiativen wurden aus der Praxis heraus häufig als zielführend berichtet. Bei der Zusammenstellung von Informationsmaterialien (z.B. hinsichtlich von Pflegekulturen im Herkunftsland und in Deutschland, Informationen über den Wohnort, strukturierte Unterstützungsmöglichkeiten etc.), können regionale Netzwerke sinnvoll sein. Netzwerke bspw. zwischen den Beschäftigten, Einrichtungen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und Regionen, der Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und anderen Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe 15 zivilgesellschaftlichen Hauptund Ehrenamtlichen sollten ausgebaut und gefrdert werden, um einen Erfahrungsaustausch zu forcieren, Synergien in Form gemeinsamer Angebote oder Aktivitäten zu schaffen, gute Praxis zu skalieren und das Wohlbefinden sowie die Bleibeabsichten migrantischer Pflegekräfte aktiv positiv zu beeinflussen. Eine langfristig angelegte Finanzierung dieser Vernetzungsarbeit und Unterstützungsleistungen im Bereich Fachkräftesicherung und Integration ist dafür Voraussetzung. Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe 16 3.4 Strukturelle Herausforderungen „Wohnen“ und „Alltagsmobilität“ fr alle gestalten 3.4.1 Befunde Strukturelle Hürden, auf die Pflegekräfte mit eigener Migrationsbiographie am Arbeitsplatz und im Lebensalltag treffen, führen zu Benachteiligungen und reduzieren soziale Teilhabechancen. Für eine differenzierte Betrachtung von Ressourcen und Unterstützungsbedarfen ist eine intersektionale, raumbezogene Perspektive zielführend, die sich nicht ausschließlich auf das Merkmal der eigenen Migrationsbiographie stützt. Diese sogenannte „demigrantisierende Perspektive“ kann helfen, Problemlagen zu identifizieren und in der Folge raumbezogene Strukturen zu gestalten, beispielsweise den Zugang zum Wohnraum. Während Wohnraum für Auszubildende seitens der Einrichtungen, Pflegeschulen oder Personalvermittlungsagenturen häufig zu Beginn der Beschäftigung zur Verfügung gestellt wird, u.a. in WGs, um einen sozialen Einstieg zu ermöglichen und Einsamkeit vorzubeugen, ist der Übergang in den regulären Wohnungsmarkt und der Verweis an Strukturen der Wohnraumberatung häufig nicht strukturiert geregelt. Während Diskriminierungserfahrungen bei der Anmietung von Wohnraum migrantischen und migrantisierten Personen in besonderem Maße betreffen, erstrecken sich Probleme des Zugangs zu bezahlbarem Wohnraum nahezu flächendeckend auf städtische und ländliche Räume Deutschlands. Befindet sich der Arbeitsoder Ausbildungsplatz nicht wie von vielen gewünscht wohnortnah, müssen teils längere Arbeitswege und Reisezeiten mit dem ÖPNV in Kauf genommen werden. Zu der vor allem in ländlichen Räumen etablierten Pendelpraxis mit motorisiertem Individualverkehr (MIV) haben neuzugewanderte Pflegekräfte – zumindest zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland – häufig keinen Zugang. Auch in Bezug auf Dritte Orte zwischen Arbeitsplatz und Wohnort, also Orte der Freizeitgestaltung oder Begegnungsorte wird die Zeitsouveränität durch zeitliche aber auch finanzielle Aufwendungen der Alltagsmobilität weiter eingeschränkt. Insbesondere für soziale Kontakte in der eigenen sogenannten Community (social bonds) reisen die Befragten teilweise über weitere Strecken. Befunde und Handlungsempfehlungen zu sozialer Teilhabe 17 Sozialräumliche Perspektiven 3.4.2 Handlungsfelder und Empfehlungen Der Zugang von Migrant*innen zu regulären Strukturen des Wohnungsmarktes als Bedingung fr das Wohlbefinden und längerfristige Bleibeperspektiven vor Ort sollte von Einrichtungen und Akteuren in Kommunen und Zivilgesellschaft untersttzt werden. Sowohl informellen Netzwerken als auch kommunalen Beratungsstrukturen und Vermieter*innen kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Zusätzlich wird angeregt, interessierte Einrichtungen bei der Anmietung oder dem Ausbau von Wohnungen für Mitarbeiter*innen zu unterstützen – sowohl hinsichtlich von Informationen, als auch hinsichtlich des (Um-)Baus und der Wohnungsverwaltung. Einrichtungen und Kommunen knnen die längerfristigen Bleibeabsichten von Pflegekräften frdern, indem sie die Alltagsmobilität etwa durch die Untersttzung beim Fhrerscheinerwerb, entsprechende schichtarbeitskompatible PNV-Angebote oder den Zugang zu Shuttle-Services bereitstellen. Da sich Alltagsmobilität nicht nur für Menschen in Pflegeberufen mit Schichtarbeit als besonders bedeutender Faktor im Hinblick auf soziale Teilhabe erweist, sondern auch für weitere Personengruppen mit eingeschränkter Verkehrsmittelwahl (i.d.R. ohne Privat-PKW), wie Jugendliche oder Senior*innen eine strukturelle Hürde darstellt, können Instrumente der inklusiven Verkehrsplanung und Regionalentwicklung herangezogen werden. Literatur 18 Literatur Althoff, J./Kasparick, D./Schammann, H. (2024): Kurz-Expertise. Anwerben, Qualifizieren, Halten. Handlungsspielräume lokaler Akteur:innen für die Fachkräftesicherung in ländlichen Räumen. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung GmbH. Bettig, U./Frommelt, M./Maucher, H./Schmidt, R./Thiele, G. (Hrsg.) (2021): Anwerbung internationaler Fachkräfte in der Pflege. Heidelberg: medhochzwei. Bijak, J./Kupiszewska, D./Kupiszewski, M. (2008): Replacement Migration Revisited: Simulations of the Effects of Selected Population and Labor Market Strategies for the Aging Europe, 2002-2052. Population Research and Policy Review 27, 321-342. Christinck, L./Diekmann, M./Engler, M./Palop-García, P./Rischke, R./ Yanamayan, Z.(2025): Jenseits der Verwertungslogik? Narrative zu Fachkräftemigration und demografischem Wandel (= DeZIM Poliy Papers #03/25). Berlin: DeZIM. Evans-Borchers, M./Wielga, J./Enste, P./Bräutigam, C. (2024): Pflegekräfte aus Drittstaaten: Betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung. Kosyakova, Y./Olbrich, L./Gallegos Torres, K./Hammer, L./Koch, T./Wagner, S. (2025): Germany as a stopover? Insights into return and International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) (= IAB-Forschungsbericht 15/2025). Nürnberg: IAB. Mediendienst Integration (2025): Factsheet. Ausländische Ärzte und Pflegekräfte. Das Wichtigste in Kürze (aktualisiert 06/2025). Berlin: Mediendienst Integration. OECD/European Commission (2024): Health at a Glance: Europe 2024. State of Health in the EU cycle. Paris: OECD. Ohliger, R./Schweiger, R. (2019): Kurz-Expertise. Gute Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen. Pflege sichern, Migration nutzen. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung GmbH. Pütz, R./Kontos, M./Larsen, C./Rand, S./Ruokonen-Engler, M.-K. (Hrsg.) (2019): Betriebliche Integration von Pflegefachkräften aus dem Ausland. Innenansichten zu Herausforderungen globalisierter Arbeitsmärkte. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung. Ritter, M. (2024): Rassismus und Altenpflege in Ostdeutschland. Zum “Unbehagen” in der beruflichen Zusammenarbeit mit Migrant*innen. Bielefeld: transcript. Slotala, L./Noll, N./Klemm, M./Bollinger, H. (Hrsg.) (2022): Die Internationalisierung der beruflichen Pflege in Deutschland. Frankfurt/Main: Mabuse. Statistisches Bundesamt (2024): Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt (= Pressemitteilung 033 vom 24.01.2024). Wiesbaden: DESTATIS. Taufer, R./Fuchs, D. (2022): Der Pflexit – die internationale Einordnung. Gesundheit und Sozialpolitik 76(2), 5-12. SVR (Sachverständigenrat für Integration und Migration) (2022): Jahresgutachten 2022. Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Berlin: SVR. Weidinger, T./Bendel, P./Kordel, S./Bekyol, Y./Wagner, T. (2025): Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsgeschichte (= Erlanger Migrationsund Integrationsstudien 12). Erlangen: FAU University Press. Wielga, J./Bräutigam, C./Enste, P. (2023): Anwerbung von Pflegekräften aus Drittstaaten. Hintergründe und Stimmen aus der Praxis. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung. Yalcin, S./Hubenthal, N./Dieterich, J. (2024): Arbeitsfelder der Ankunft. Migrantische Perspektiven auf Arbeit in Gastronomie, Reinigung und Pflege. Dsseldorf: Hans-Bckler-Stiftung. Yula, E./Rischke, R./ Yanamayan, Z./Käferstein, M. (2025): Willkommen in der Pflege? Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg (=DeZIM Project Report 18). Berlin: DeZIM-Institut. Impressum 19 Impressum Autor*innen: PD Dr. Stefan Kordel, Institut für Geographie, FAU Erlangen-Nürnberg Dr. Ramona Rischke, DeZIM-Institut Dr. Tobias Weidinger, Institut für Geographie, FAU Erlangen-Nürnberg Dr. Zeynep Yanamayan, DeZIM-Institut Herausgeber: Forschungsbereich Migration, Flucht und Integration, FAU Erlangen-Nürnberg Prof. Dr. Petra Bendel DOI: 10.5281/zenodo.17456954 Illustrationen: Quickdata