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Revitalisierung strukturschwacher Regionen: Der Beitrag von Innovationsökosystemen und Solidarische Landwirtschaft SolaRegio-Arbeitspapier Erstellt von: Mirco Zech, Niko Paech, Jana Schmidt, Lukas Egli und Marius Rommel Datum: 14.10.2025 Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt unter dem Förderkennzeichen 01UY2212 im Rahmen der Programmfamilie Innovation & Strukturwandel in der Programmlinie Region.Innovativ gefördert und vom DLR als Projektträger betreut. Die Verantwortung für den Inhalt liegt bei den Autor:innen.
1. Einleitung: Förderung strukturschwacher Regionen .................................................... 1 1.1. Definition „Strukturschwache Region“ ................................................................................... 1 1.2. Revitalisierung statt (ausschließlicher) ökonomischer Entwicklung ....................................... 2 1.3. Revitalisierung in Bezug auf Regionalentwicklung ................................................................ 3 1.4. Methodisches Vorgehen ........................................................................................................... 3 2. Konzeptionelles Literaturreview zur Begriffsbestimmung ........................................... 4 2.1. Analyseverfahren..................................................................................................................... 5 2.2. Analyse aktueller Revitalisierungskonzepte ............................................................................ 5 2.3. Analyse identifizierter Indikatoren-Kataloge .......................................................................... 7 3. Revitalisierungsperspektiven: Defizitund Positivanalyse ........................................... 8 3.1. Defizitanalyse als Grundlage für die Erfassung von Revitalisierungseffekten ....................... 8 3.2. Positivanalyse als Grundlage für die Erfassung von Revitalisierungseffekten ..................... 10 4. Eine Revitalisierungsmaßnahme: Verbreitung des Solawi-Konzepts mittels Innovationsökosysteme .......................................................................................................... 13 4.1. Unmittelbare Revitalisierungseffekte .................................................................................... 14 4.1.1. Ökologische Effekte ...................................................................................................... 14 4.1.2. Ökonomische Effekte .................................................................................................... 15 4.1.3. Soziale Effekte............................................................................................................... 17 4.2. Übergeordnete Revitalisierungseffekte ................................................................................. 19 4.2.1. Übergeordnete Effekte durch die Umstellung auf Solawi ............................................. 19 4.2.2. Übergeordnete Effekte durch Innovationsökosysteme und Promotoren ....................... 21 5. Limitierung & Fazit ........................................................................................................ 23 6. Literatur ........................................................................................................................... 24 7. Anhang ............................................................................................................................. 32
1 1. Einleitung: Förderung strukturschwacher Regionen Bereits seit 1969 ist es das erklärte Ziel der deutschen Bundesregierung, eine ausgewogene regionale Entwicklung zu fördern, indem gezielt strukturschwache Regionen unterstützt werden (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz o.J.). Dies wurde in das Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW-Gesetz) überführt, in dem die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur im Sinne des Artikels 91a Abs. 1 des Grundgesetzes verankert ist (GRW 2024). Mithilfe eines hierfür aufgelegten GRW-Förderprogramms sollen die wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale von strukturschwachen Regionen gestärkt und letztlich gleichwertige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet hergestellt werden (Maretzke et al. 2021). Vor diesem Hintergrund wurde 2021 die dritte Förderrunde „REGION.innovativ zur gesellschaftlichen Innovationsfähigkeit“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) aufgelegt. Im Fokus stehen die grundsätzlichen Fragen, (1) „wie sich die komplexen Innovationszusammenhänge auf regionaler Ebene darstellen lassen“ und (2) „wie es Regionen gelingen kann, durch Innovation einen erfolgreichen Strukturwandel zu gestalten“ (BMFTR o.J.). Eine Besonderheit stellt die Fokussierung auf neue oder bisher nur wenig beachtete, sozialund gesellschaftswissenschaftliche Erklärungsansätze für Innovationszusammenhänge dar, die sich am gesellschaftlichen Nutzen und an Nachhaltigkeitszielen orientieren (BMFTR 2021). Im Gegensatz zur allgemeinen Ausrichtung des GRW-Förderprogramms, das primär auf die ökonomische Entwicklung strukturschwacher Regionen ausgerichtet ist (Standortnachteile ausgleichen, Beschäftigung schaffen und sichern, Wachstum und Wohlstand erhöhen und Transformationsprozesse hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft beschleunigen) (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz o.J.), rücken nun soziale Innovationen und die gesellschaftliche Innovationsfähigkeit mit dem Ziel der Revitalisierung dieser Regionen in den Mittelpunkt. 1.1. Definition „Strukturschwache Region“ In Deutschland erfolgt die Einteilung in strukturstarke bzw. -schwache Regionen primär anhand des sog. GRW-Indikator-Katalogs, im Rahmen dessen verschiedene ökonomische Parameter einer Region erfasst werden (Maretzke et al. 2019a). Mithilfe dieses Katalogs sollen die schwächsten Regionen der Bundesrepublik identifiziert werden, um anschließend über einen Förderzeitraum von fünf Jahren gezielt unterstützt zu werden. Auf diese Weise sollen Standortnachteile ausgeglichen, Anreize zur Schaffung von Einkommen und Beschäftigung geschaffen sowie Transformationsprozesse hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft beschleunigt werden (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz o.J.). Die Fördergebiete werden dazu in regelmäßigen Abständen durch den Bund-Länder-Koordinierungsausschuss auf der Basis von Arbeitsmarktregionen neu abgegrenzt, um zu gewährleisten, dass sich die Förderung stets auf die schwächsten Regionen konzentriert (Maretzke et al. 2021). Hierfür wird seither ein Gesamtindikator errechnet, welcher sich aus vier Einzelindikatoren (Arbeitsmarkt-, Einkommen-, Demographieund Infrastrukturindikator) zusammensetzt: GRW = Aw1 Ew2 Dw3 Iw4 GRW: Gesamtindikator; A: Arbeitsmarktindikator; E: Einkommensindikator; D: Demografie-Indikator; I: Infrastrukturindikator; w1-w4: Gewichte der Indikatoren, die sich zu 1 addieren.
2 Ob eine Region als strukturstark oder -schwach eingeordnet wird, hängt demnach von den einbezogenen Einzelindikatoren und den jeweiligen Gewichtungen ab (Maretzke et al. 2021), die im Rahmen von GRW folgendermaßen definiert sind: • Arbeitsmarktindikator: Durchschnittliche Unterbeschäftigtenquote 2017 bis 2019 (in %): Gewichtung 37,5%, • Einkommensindikator: Regionale Produktivität (Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen im Jahr 2018): Gewichtung 37,5%, • Demografie-Indikator: Entwicklung der Zahl der Erwerbsfähigen 2017 bis 2040: Gewichtung 17,5%, • Infrastrukturindikator: Setzt sich aus drei Einzelindikatoren zusammen: Gewichtung 7,5%. o Verkehrsinfrastruktur: Bewertet wird die Ausstattung mit hochrangigen Verkehrsinfrastrukturen, wie Autobahnen und Schienenwegen, die für den Güterund Personenverkehr von Bedeutung sind. o Breitbandinfrastruktur: Gemessen wird der Anteil der Haushalte, die mit einer Internetverbindung von mindestens 100 Mbit/s ausgestattet sind. Dies spiegelt die digitale Erreichbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit einer Region wider. o MINT-Beschäftigte: Erfasst wird der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) an allen Beschäftigten. Dieser Indikator gibt Aufschluss über das technologische Potenzial und die Innovationsfähigkeit einer Region. Basierend auf diesen Kriterien wurden sämtliche Regionen der Bundesrepublik Deutschland für die Förderperiode 2022-2027 in verschiedene Fördergebiete eingeteilt. 1.2. Revitalisierung statt (ausschließlicher) ökonomischer Entwicklung Eine Alternative zur an der GRW-Indikatorik orientierten und damit einseitig ökonomischen Entwicklung von strukturschwachen Regionen findet sich im Ansatz der „regionalen Revitalisierung“ (Chen et al. 2023b), welche auf die Wiederherstellung von regionaler Vitalität abzielt (Grodach und Ehrenfeucht 2015; Hajduga 2020), indem gleichermaßen Wirtschaft, Politik, Kultur, Ökologie und das Wohlbefinden der Menschen gefördert werden (Long et al. 2019). Zudem impliziert der Ansatz die Wiederbelebung einer Region durch die Überwindung schädlicher oder dysfunktionaler Faktoren (Weitkamp 2009). Dies steht der Logik des fortlaufenden Hinzuaddierens durch ständiges Innovieren, ohne entsprechende „Exnovation“ (Paech 2012) von Nicht-Nachhaltigem, diametral entgegen. Obwohl in Deutschland zunehmend kritisch diskutiert wird, ob eine einseitig ökonomische Förderung von strukturschwachen Regionen zielführend erscheint (Bieker et al. 2023; Kopatz und Hahne 2018), steht eine Auseinandersetzung über die Bedeutung einer regionalen Revitalisierung in deutschsprachigen wissenschaftlichen Publikationen bisher weitestgehend aus. Um mehr Klarheit über das Konzept zu erlangen, es für das Forschungsvorhaben „SolaRegio“ sowie den Forschungszweig der Regionalund Raumentwicklung nutzbar zu machen und damit die Lücke in der deutschsprachigen Literatur zu schließen, wird nachfolgend eine konzeptionelle
3 Literaturanalyse durchgeführt, um den Stand der Debatte kritisch unter dem Aspekt zu reflektieren, ob dieser einer sich rapide wandelnden Realität noch gerecht wird. 1.3. Revitalisierung in Bezug auf Regionalentwicklung Der Begriff Revitalisierung hat in den letzten Jahren zunehmend an Bekanntheit gewonnen (Wilczkiewicz und Wilkosz-Mamcarczyk 2015), trotzdem blieb eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Konzept der Revitalisierung – insbesondere in Bezug auf strukturschwache Regionen – weitestgehend aus (Schubert 2002; Günzel 2012; Wilczkiewicz und WilkoszMamcarczyk 2015). Darüber hinaus ist der Begriff nicht präzise definiert. Häufig wird unter Revitalisierung sehr allgemein „ein komplexes Aufgabenfeld des Nutzungswandels, der Wiederund Neubelebung, der Umund Neugestaltung“ (Schubert 2002, S.49) verstanden. Entsprechend wird Revitalisierung je nach Fachrichtung und Zielrichtung in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt und interpretiert (Bielawska-Roepke 2009). Ferner werden häufig unterschiedliche „Revitalisierungsobjekte“ (z.B. Gewässer, Gebäude, Städte, ländliche Regionen oder Kulturen) mit Hilfe diverser Methoden untersucht, weshalb ebenfalls die Beurteilung von Revitalisierungserfolgen nicht einheitlich erfolgt. Vor diesem Hintergrund gilt es den Begriff Revitalisierung zu präzisieren, für den Forschungszweig der Regionalund Raumentwicklung nutzbar zu machen und die bestehende Diskussion alternativer Regionalentwicklung zu bereichern. 1.4. Methodisches Vorgehen In einem ersten Schritt werden im Rahmen eines „konzeptionellen Literaturreviews“ (Granstrand und Holgersson 2020) Definitionen und Beschreibungen des Revitalisierungsbegriffes in der Fachliteratur identifiziert und analysiert. (siehe Kapitel 2) Dieses Verfahren zielt darauf ab das vorhandene Wissen aus bisheriger Forschung in einem bestimmten Bereich zu reflektieren und in einer konzeptionellen Weise zu erweitern (Hulland 2020). Neben den Definitionen wurden die identifizierten Dokumente zusätzlich hinsichtlich der angewandten Methoden zur Messung von Revitalisierungserfolgen untersucht. In einem zweiten Schritt werden mittels Positivund Defizitanalyse unterschiedliche Revitalisierungsperspektiven diskutiert, um die Zielrichtung von Revitalisierungsprozessen in strukturschwachen Regionen herauszuarbeiten (siehe Kapitel 3). Hieran anknüpfend wird die Verbreitung des Solawi-Konzepts als Revitalisierungsmaßnahme für strukturschwache Regionen diskutiert und Revitalisierungseffekte beschrieben (siehe Kapitel 4).
4 2. Konzeptionelles Literaturreview zur Begriffsbestimmung Dieses Review basiert auf einer strukturierten Suche nach expliziten Definitionen des Konzepts Revitalisierung zur nachhaltigen Entwicklung von (Teil-)Regionen. Entsprechend begann der Reviewprozess mit einer grundlegenden Suche mit dem Suchterm ("revitalization" AND "sustainab*" AND ( "regional" OR "urban" ) in Scopus. Dieser Suchterm wurde speziell formuliert, um Literatur zu identifizieren, die sich mit Revitalisierung im Kontext von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung beschäftigt, mit einem Fokus sowohl auf regionale als auch urbane Gebiete. Die Suche wurde auf englischsprachige „Reviews“ und „Artikel“ beschränkt, die zwischen 2000 und 2024 veröffentlicht wurden und den Suchterm in ihren Abstracts enthalten. Die Anwendung des Suchbegriffs auf Abstracts soll sicherstellen, dass sich die Recherche auf Artikel konzentriert, die thematisch relevant und inhaltlich bedeutsam sind. Dies reduziert unnötige Ergebnisse und garantiert eine höhere Qualität der identifizierten Literatur. Um die erste Stichprobe von 626 Dokumenten zu reduzieren und die Trefferquote von expliziten Definitionen zu optimieren, wurde der Suchterm in einem zweiten Schritt weiter spezifiziert. Zusätzlich zu den beschriebenen Anforderungen sollten die Dokumente mindestens die Begriffe („revitalization“ AND „sustainab*“) in den Keywords enthalten. Diese zusätzliche Filterung erschien sinnvoll, da ein erstes Scannen des vorläufigen Sample eine geringe Trefferquote bezüglich expliziter Definitionen aufwies. Um thematische Divergenzen zu vermeiden, wurden die Suchergebnisse abschließend auf die folgenden Fachgebiete beschränkt: „Sozialwissenschaften“, „Umweltwissenschaften“ und „Geound Planetenwissenschaften“. In Summe ergab sich folgender Suchterm: ( ABS ( "revitalization" AND "sustainab*" AND ( "regional" OR "urban" ) ) AND KEY ( "revitalization" AND "sustainab*" ) ) AND PUBYEAR > 1999 AND PUBYEAR < 2025 AND ( LIMIT-TO ( LANGUAGE , "English" ) ) AND ( LIMIT-TO ( DOCTYPE , "ar" ) OR LIMIT-TO ( DOCTYPE , "re" ) ) AND ( LIMIT-TO ( SUBJAREA , "SOCI" ) OR LIMIT-TO ( SUBJAREA , "ENVI" ) OR LIMIT-TO ( SUBJAREA, "EART" ). Es verblieben 77 Artikel. Entsprechend des Vorgehens von Granstrand & Holgersson (2020) wurde sich auf die meistzitierten Artikel fokussiert, weshalb lediglich jene Dokumente berücksichtigt wurden, die mindestens 5 Zitationen vorwiesen. Auf diese Weise wurde die Stichprobe auf 43 Artikel reduziert. Anschließend wurde für jeden dieser Artikel eine Textsuche nach den (Teil-)Begriffen „revital*“ und „defin*“ durchgeführt, um explizite Definitionen des Konzepts zu identifizieren. In diesem ersten Sample konnten 9 explizite Definitionen identifiziert werden. Einige Dokumente verwiesen auf weitere Schlüsselreferenzen. Der nächste Schritt bestand daher darin, diese Referenzen gemäß der „Snowballing“-Methode (Jalali und Wohlin 2012) zu identifizieren und anschließend zu scannen. Auf diese Weise wurden in 21 weiteren Dokumenten 8 zusätzliche Definitionen identifiziert. In Summe wurden 64 Artikel untersucht, in denen sich insgesamt 17 explizite Definitionen befanden. Der gesamte Suchverlauf ist in Abb. 1 zusammengefasst.
5 Abbildung 1: Suchverlauf des konzeptionellen Reviews 2.1. Analyseverfahren Die identifizierten Definitionen wurden anschließend analysiert und der jeweilige Inhalt mittels „induktiver Kodierung“ (Chandra und Shang 2019) codiert. Hierfür wurden in einem ersten Schritt eine Reihe von „first-level-codes“ identifiziert und tiefgehender analysiert, um dann gemeinsame Themen von „higher-level-codes“ herzuleiten (Chandra und Shang 2019). Dieses Verfahren wurde in zweierlei Hinsicht durchgeführt: Zum einen wurden first-level und higherlevel Codes bezüglich der Zielsetzung des Revitalisierungsprozesses und zum anderen bezüglich der adressierten Dimensionen des Revitalisierungsprozesses entwickelt und festgelegt. Während für erstere lediglich einzelne Begriffe als „Codiereinheiten“ (Kuckartz und Rädiker 2024, S. 68) (z.B. „restoration“) festgelegt wurden (siehe Anhang 1), wurde für zweitere längere Satzteile (z.B. „connects rural transformation and sustainable development“) festgelegt (siehe Anhang 2). Darüber hinaus wurden die identifizierten Definitionen hinsichtlich der untersuchten Revitalisierungsobjekte (z.B. Revitalisierung von ländlichen Regionen) untersucht und differenziert. 2.2. Analyse aktueller Revitalisierungskonzepte Von den 17 identifizierten expliziten Definitionen adressieren 9 die Revitalisierung von (ländlichen) Regionen („rural revitalization“ und „regional revitalization“), 7 fokussieren die Revitalisierung von speziellen Teilregionen wie Städten, urbanen/bebauten Gebieten oder Uferregionen („urban area“, „built environment“, „urban space“, „district“ und „waterfront“) und lediglich eine blieb ohne expliziten Bezug auf ein Revitalisierungsobjekt.
6 Hinsichtlich der inhaltlichen Aspekte begreift die Mehrheit der Autor:innen Revitalisierung als einen Transformationsprozess (17-mal und in 13 Definitionen genannt), der nicht nur auf die Wiederherstellung oder die Stabilisierung eines früheren Zustands (13-mal und in 9 Definitionen genannt), sondern ebenfalls auf eine Veränderung oder Weiterentwicklung des Revitalisierungsobjekts abzielt (siehe Anhang 3). Dies geschieht, indem eine oder mehrere (ökonomische, soziale, ökologische) Dimensionen aufgewertet werden. Am häufigsten werden die ökonomische Dimension (32-mal und in 16 Definitionen genannt) und die soziale Dimension (22-mal und in 13 Definitionen genannt) betont. Die ökologische Dimension wird lediglich 10-mal und in 9 Definitionen explizit adressiert (siehe Abb.2). Abbildung 2: Dimensionen von Revitalisierung Trotz dieses Ungleichgewichts hinsichtlich der betonten Dimensionen verweisen neun Autor:innen explizit darauf, dass Revitalisierungsprozesse alle drei Dimensionen gleichermaßen adressieren müssen: „From the perspective of sustainable development regional revitalization places significant focus on overall economic, social, cultural, and environmental development, aligning with the objectives of the Sustainable Development Goals (SDGs)” (Chen et al. 2023b, S.2f.). Entsprechend wird auf die enge Beziehung zwischen den Konstrukten Revitalisierung und Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung verwiesen (Kim und Lee 2020; Liu 2018; Diaz-Sarachaga 2020; Tao et al. 2024; Chen et al. 2023b). Darüber hinaus verweisen DiazSarachanga (2020) und Kim und Lee (2020) auf den Zusammenhang von Quality of life und Revitalisierung; Long et al. (2019) auf den Zusammenhang von Revitalisierung und Well-being und Fan et al. (2021) postulieren eine enge Verbindung von Revitalisierung und Resilienz (Fan et al. 2021). In Summe lässt sich konstatieren, dass Revitalisierung eine ökologische, soziale und ökonomische Dimension besitzt und eng mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung zusammenhängt. Darüber hinaus zielt der Revitalisierungsbegriff auf die Stabilisierung bzw. Wiederherstellung bestimmter gefährdeter, aber als unverzichtbar erachteten Funktionen einer Region ab und dient gleichzeitig der Verbesserung der Lebensqualität der Menschen aus einer Region. 0 5 10 15 20 25 30 35 ökonomisch ökologisch sozial Dimensionen von Revitalisierung Nennungen insgesamt Nennungen in Anzahl an Definitionen
7 2.3. Analyse identifizierter Indikatoren-Kataloge Neben den Definitionen wurden die identifizierten Dokumente zusätzlich hinsichtlich der angewandten Methoden zur Messung von Revitalisierungserfolgen untersucht. Hierbei wurde deutlich, dass der Erfolg von Revitalisierungsmaßnahmen grundsätzlich in zweierlei Weise erfasst wird: Einerseits werden Indikator-Kataloge entwickelt und angewandt, mittels derer die Erfolge im Rahmen eines Vorher-Nachher-Vergleichs anhand von quantitativen Daten beurteilt werden (Fan et al. 2021; Ren et al. 2020; Shi und Yang 2022; Wei et al. 2021; Chen et al. 2023a). Andererseits wurden qualitative Methoden (z.B. Anwohner:innenbefragungen in Form von Interviews) angewandt, um die Revitalisierungserfolge von durchgeführten Maßnahmen zu beurteilen (Shen und Chou 2022; Keyvanfar et al. 2018; He und Zhang 2022; Diaz-Sarachaga 2020). Mit Hinblick auf den Fokus dieser Arbeit wurden die genutzten Indikator-Kataloge noch genauer analysiert. Nach einer entsprechenden Filterung verblieben lediglich fünf Studien, die allesamt die Revitalisierung von ländlichen Regionen in China untersuchten. Die genutzten Kataloge priorisieren sehr unterschiedliche Teilbereiche der regionalen Revitalisierung, fokussieren einseitig auf die ökonomische Dimension und sind zudem stark auf die Besonderheiten von ländlichen Regionen in China zugeschnitten. Entsprechend eignen sie sich nicht, um den Erfolg von Revitalisierungsprozessen adäquat abzubilden. Im Ergebnis konnte weder ein geeigneter Indikator-Katalog zur Messung von Revitalisierungserfolgen in Regionen identifiziert noch ein adäquater Synthese-Katalog aus den fünf identifizierten Katalogen extrahiert werden. Entsprechend verbleibt die Entwicklung eines geeigneten Indikator-Katalogs.
14 4.1. Unmittelbare Revitalisierungseffekte 4.1.1. Ökologische Effekte Die Verbreitung des Solawi-Konzepts durch Umstellung schlägt sich unmittelbar in den kommunalen SDG-Indikatoren Ökologischer Landbau, Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft, Nitrat im Grundwasser, Fließgewässerqualität und Nährstoffbelastung in Fließgewässern nieder (siehe Tabelle 4): Da Solawis in der Regel ökologisch wirtschaften (Boddenberg et al. 2017a; Wellner und Theuvsen 2017; Schmidt et al. 2025), teilen sie die positiven ökologischen Effekte mit anderen „herkömmlichen“ ökologischen Landwirtschaftsbetrieben: Eine ökologische Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen trägt zur Verringerung des Stickstoffüberschusses (Muller et al. 2017) und der Schadstoffbelastung in Fließgewässern bei (Cambardella et al. 2015). Durch eine vielfältige Fruchtfolge, eine dauerhafte Bodenbedeckung, den Einsatz von organischem Düngemittel und eine möglichst angepasste Bodenbearbeitung, fördert der Ökolandbau den Humusaufbau, was zu einer positiven Klimaschutzwirkung durch die Bindung von Kohlenstoff in Böden führt (Sanders und Heß 2019). Auf diese Weise werden durch den Ökolandbau in gemäßigten Klimazonen durchschnittlich etwa 900 kg CO2-Äquivalente/ha/Jahr mehr als im konventionellen Landbau gebunden, was sich positiv auf den Indikator Treibhausgasemissionen – Gewerbe, Handel und Dienstleistung (GHD) und Sonstiges auswirken dürfte: Die Kohlenstoffgehalte ökologisch bewirtschafteter Böden liegen damit etwa zehn Prozent höher als jene konventionell bewirtschafteter Böden (ebd.). Darüber hinaus erweisen sich ökologische Landwirtschaftsbetriebe in Trockenperioden als resilienter als konventionelle Vergleichsbetriebe, da sie durch höhere Humusgehalte mehr Wasser speichern können und besser vor Austrocknung der Böden geschützt sind (Pimentel et al. 2005). Außerdem wiesen die Böden mehr organische Substanz und eine höhere biologische Aktivität auf. Verschiedene Studien deuten auf weitere das Solawi-Konzept betreffende ökologische Vorteile hin. Laut einem Literaturreview von Egli et al. (2023) greifen Solawi-Betriebe seltener auf Düngemittel, Pestizide, Fahrzeuge und Maschinen zurück: Im Rahmen einer in fünf SolawiBetrieben durchgeführten ökologischen Standortbestimmung wurde festgestellt, dass Solawis eine größere Vielfalt an Nutzpflanzen anbauen, seltener Maschinen einsetzen und häufiger auf „mittlerer Technologien“ (Schumacher 2013) wie z.B. naturschonender Messerbalken-Mähgeräte, leichter Bodenbearbeitungsgeräte sowie kleiner Traktoren und Pferde zurückgreifen (Bechtel 2014). Außerdem setzen Solawis im Vergleich zu anderen Ökoland-Betrieben häufiger auf pfluglose Bodenbearbeitung, sechsgliedrige Fruchtfolgen und eine nahezu vollständige Heunutzung (ebd.). Während zwei Fallstudien zeigten, dass untersuchte Solawi-Betriebe deutlich weniger Energieverbrauch und Klimaemissionen pro Kilogramm Ernte verursachten als konventionell und sogar ökologisch wirtschaftende Vergleichsbetriebe (Pérez-Neira und Grollmus-Venegas 2018; Zhen et al. 2020), könnten die Ergebnisse in einer Untersuchung von sechs Betrieben im Raum Leipzig nur teilweise bestätigt werden (Menzel et al. 2025). Die Studienlage ist insgesamt zu uneindeutig, um eine abschließende Bewertung vornehmen zu können. Weitere direkte Effekte, die sich in dem Indikator Abfallmenge niederschlagen dürften, ergeben sich durch die Reduktion von Verpackungsmüll durch Solawis (Bechtel 2014). Durch die direkte Verbindung von Produzierenden und Verbrauchenden konnten Lebensmittelverluste und -abfälle entlang der Wertschöpfungskette um 22-70% reduziert werden, wie eine Studie im
15 Raum Leipzig zeigte (Voge et al. 2023). Eine weitere Untersuchung in England verdeutlicht den erheblichen Unterschied bei Lebensmittelverlusten: In solidarischer Landwirtschaft wurden lediglich 6,71 % der frischen Gemüse verschwendet, im Vergleich zu 55,2 % im konventionellen Supermarktsystem (Baker 2014). Ursächlich hierfür sind u.a. wegfallende Zwischenstationen zwischen Erzeugung und Verbrauch, die häufig hohe Anforderungen an Ästhetik oder Verpackung haben und daher große Gemüsemengen aussortieren. Eine Mitgliederumfrage in Deutschland zeigte zudem, dass bei der Mehrheit der Solawi-Mitglieder seit der Mitgliedschaft gar keine oder lediglich sehr geringe Gemüseabfälle anfallen (Bechtel 2014). 4.1.2. Ökonomische Effekte Trotz der ökologischen Vorzüge des Ökolandbaus, sehen sich auch diese Betriebe dem steigenden Marktdruck ausgesetzt (Boddenberg et al. 2017a), was insbesondere kleinere Betriebe vor große Herausforderungen stellt (Canenbley et al. 2004; Döpke 2012). Die Innovation Solidarische Landwirtschaft stellt eine Möglichkeit zur Emanzipation von kapitalistischen Vermarktungsstrukturen dar, indem die Betriebe die Notwendigkeit der Abnahme durch die Lebensmittelindustrie umgehen (Boddenberg et al. 2017a; Paech et al. 2019). Hierzu befähigt das konstituierende Merkmal von Solidarischer Landwirtschaft, welches in der sog. Umlagefinanzierung besteht: Sämtliche betrieblichen Kosten werden über Beiträge der Solawi-Mitglieder abgedeckt, die dafür regelmäßig einen Anteil der Ernte erhalten (Middendorf und Rommel 2024; Cox et al. 2008). Im Sinne einer Dekommodifizierung 1 zahlen die Mitglieder ihren Beitrag nicht für ein explizites Produkt, sondern erhalten einen Anteil an der Gesamtproduktion (Degens 2023; Boddenberg et al. 2017b). Dies kann zur Unabhängigkeit von Marktpreisen beitragen und so den Wachstumsdruck verringern (Rommel et al. 2019). Die betriebswirtschaftliche Sicherheit infolge der Umlagefinanzierung ermöglicht außerdem eine bodenschonende und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung (Matzembacher und Meira 2019; Bechtel 2014). In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Solawi-Betriebe wirtschaftlich äußerst erfolgreich und langfristig stabil sein können (Egli 2024; Hunter et al. 2022; Zhen et al. 2020; Pérez-Neira und Grollmus-Venegas 2018; Jablonski et al. 2019). Entsprechend gelangt Bechtel (2014) zu dem Ergebnis, dass das Solawi-Konzept zur finanziellen Sicherheit und damit zur Existenzsicherung der Betriebe beiträgt. Dies wiederum dürfte sich langfristig positiv auf die kommunalen SDG-Indikatoren Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der landwirtschaftlich genutzten Fläche, Bruttoinlandsprodukt je Einwohner:in und Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort an allen Einwohner:innen auswirken. Ein weiterer ökonomischer Vorteil ergibt sich insbesondere für kleinere landwirtschaftliche Betriebe durch von Mitgliedern bereitgestelltes zusätzliches Investitionskapital (Rommel und Antoni-Komar 2022). Hierdurch entsteht insbesondere für kleinere Betriebe das Potenzial zusätzlicher finanzielle Maßnahmen für kleinere (z.B. Imkerei oder Gehölzpflanzungen) oder größere Anschaf1 In einer kapitalistischen Marktwirtschaft sind die meisten Güter "kommodifiziert", d. h. sie werden wie Waren behandelt – man muss sie kaufen oder verkaufen. Dekommodifizierung bedeutet das Gegenteil: Menschen müssen bestimmte Güter oder Leistungen nicht am Markt erwerben oder verkaufen, um Zugang zu ihnen zu erhalten. In einer Solawi wird die Produktion finanziert, die unter Umständen auch unter eigener Beteiligung geschieht, und nicht das einzelne Produkt, dessen (Tausch-)Wert ihm erst auf dem Markt zugeschrieben wird (Boddenberg et al. (2017b).
16 fungen (z.B. Flächenkauf) (Bechtel 2014). Diese Vorteile dürften in Summe Anreize für Betriebsneugründungen schaffen, was sich im Indikator Anzahl der neu errichteten Gewerbebetriebe je 1.000 Einwohner:innen widerspiegeln würde. Obwohl viele Studien die wirtschaftliche Stabilisierung des Solawi-Konzepts herausstellen, konstatieren Rommel und Antoni-Komar (2022), dass sich viele deutsche Solawi-Betriebe (insbesondere in Gründungsund Frühphasen) mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sehen. Dies liege einerseits an der betriebswirtschaftlichen Benachteiligung, da erbrachte, unsichtbare Leistungen in Form von Ökosystemleistungen nicht monetär gewürdigt würden. Andererseits erreichen viele Solawi-Betriebe häufig zu langsam eine ausreichende Produktionskapazität und einen festen Mitgliederstamm (Rommel und Antoni-Komar 2022). Obwohl lediglich 46 % der befragten Solawi-Landwirt:innen im Rahmen einer in den USA durchgeführten Umfrage aus dem Jahr 2001 angaben, zufrieden mit ihrer Fähigkeit zu sein die Betriebskosten decken zu können, habe sich dennoch laut Selbsteinschätzung bei 73,4% der Landwirt:innen die Fähigkeit zur Kostendeckung durch das Solawi-Konzept verbessert (Lass et al. 2003). Diese Analyse zeigt, dass eine Umstellung auf Solawi keine zwangsläufige Erfolgsgarantie für ein langfristig stabiles Unternehmen darstellt. Viele verschiedene Faktoren (z.B. Fachkräftemangel, Zugang zu Land, fehlende Subventionen, usw.) beeinflussen den langfristigen Erfolg (ebd.). In Summe dürften die stabilisierenden Effekte des Solawi-Konzepts dem anhaltenden Hofsterben langfristig entgegenwirken (Zech et al. 2025) und sich eine Verbreitung des Konzepts positiv in den kommunalen SDG-Indikatoren Steuereinnahmen, BIP und Existenzgründungen (sofern Solawi-Neugründungen berücksichtigt werden) niederschlagen. Das Solawi-Konzept besitzt nicht nur großes Potenzial zur Stabilisierung der Betriebe, sondern ermöglicht den Landwirt:innen ebenfalls eine faire Bezahlung (Egli et al. 2023). So stellte beispielsweise Paul (2019) fest, dass Solawi-Landwirt:innen in untersuchten Regionen der USA im Durchschnitt 377,5 % mehr auf dem Hof verdienten als der nationale Durchschnitt. Bestätigung findet dies in der Studie Oberholtzer (2004), in welcher ein höheres mittleres Bruttoeinkommen im Vergleich zum nationalen Durchschnitt bei Solawi-Landwirt:innen in drei US-Bundesstaaten identifiziert wurde. Auch in Spanien lag das Einkommen von Solawi-Landwirt:innen etwa 50 % bis 75 % über dem von untersuchten konventionellen Betrieben (Pérez-Neira und Grollmus-Venegas 2018). Auch wenn sich das Einkommen und die Lebensqualität für die Landwirt:innen durch das Solawi-Konzept verbesserte (Lass et al. 2003), sind die höheren Einkommen weiterhin häufig nicht existenzsichernd (Paul 2019; Brown und Miller 2008). Entsprechend bewerten die meisten Solawi-Landwirt:innen, wie auch viele andere Landwirt:innen, ihre eigene Arbeit in monetären Begriffen als zu gering (Galt 2013). Zusätzlich neigen insbesondere Solawi-Landwirt:innen aufgrund des starken Pflichtgefühls gegenüber ihren Mitgliedern zu Selbstausbeutung (Galt 2013). Trotz dieser bestehenden Defizite im landwirtschaftlichen Sektor, die auch durch das Solawi-Konzept nicht vollends gelöst werden können, sind SolawiLandwirt:innen die meiste Zeit mit ihrer Arbeit zufrieden, was insbesondere auf „immaterielle Vorteile“ zurückzuführen sei (Tegtmeier und Duffy 2005). Auch Hunter et al. (2022) fanden heraus, dass Glücksempfinden und positive Zukunftserwartungen in Solawi-Betrieben höher waren als in anderen alternativen Ernährungsnetzwerken. In Summe dürfte dies die Arbeitsattraktivität einer wichtigen Branche in ländlichen Regionen erhöhen und langfristig die Abwanderungsbewegung aufgrund unattraktiver Joboptionen mindern.
17 4.1.3. Soziale Effekte Entsprechend der solidarischen Komponente des Solawi-Konzepts entstehen durch die gemeinsame Planung, Organisation und Durchführung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten sowie von Freizeitaktivitäten (z.B. Hoffeste) soziale Gemeinschaften, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und den Einzelnen in ein soziales Netzwerk einbetten (Wellner und Theuvsen 2017; Diekmann und Theuvsen 2019b). Durch die Möglichkeit von Bieterrunden soll ebenfalls Menschen mit geringerem Einkommen der Zugang zu Solawis ermöglicht werden (Degens und Lapschieß 2023; Gruber 2020). In der Theorie sollen mit Hilfe dieser sozialen Aushandlungspraxis der monetären Mitgliedsbeiträge die sozio-kulturellen und finanziellen Unterschiede innerhalb der heterogenen Mitgliedergruppe berücksichtigt werden und das notwendige Budget solidarisch erhoben werden (Klemisch 2021). Entsprechend zahlen finanziell schwächere Mitglieder geringere Beiträge als finanziell stärkere (Degens und Lapschieß 2023). In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Bieterrunden, aufgrund von außerhalb eines Solawi-Betriebs geltenden Normen, häufig nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Insbesondere finanziell schwächere Mitglieder treten lieber aus, als weniger als den Richtwert zu bieten (Kunzmann 2015). Außerdem werden Personen mit geringeren Bildungsabschlüssen und Einkommen bisher nicht im gleichen Maße vom Solawi-Konzept erreicht wie vergleichsweise besser gebildete und gut situierte Personen (Blättel-Mink et al. 2017). Dies betrifft ebenfalls People of colour (Galt et al. 2017). Entsprechend besteht hier Weiterentwicklungsbedarf, sodass mehr Solidarität zwischen den Mitgliedern erzeugt wird. Die spezielle Wertestruktur, welche den Solawi-Mitgliedern zugeschrieben wird, dürfte ein geeignetes Fundament hierfür bieten: Laut Diekmann und Theuvsen (2019a) begünstigt ein ausgeprägter Universalismus 2 vieler Mitglieder den sozialen Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb der Gemeinschaft. Bestätigung findet diese Perspektive auch bei Bietau et al. (2013): Sie stellen fest, dass die gelebte Solidarität unter den Mitgliedern zu Hilfeleistungen untereinander führen. In schweren Zeiten werden nicht nur Aufgaben für andere Mitglieder übernommen, sondern ebenfalls emotionaler Beistand geleistet. Darüber hinaus wird die Verantwortung für die Abholung der Lebensmittel häufig in Form von Abholgemeinschaften organisiert, sodass einzelne Mitglieder entlastet werden können (Bietau et al. 2013). Diese Nähe zur Lebensmittelproduktion erzeuge eine soziale Brücke zwischen den urbanen und ländlichen Lebenswelten, was sich positiv auf das Lebensgefühl der städtischen Bevölkerung auswirke (Wellner und Theuvsen 2017). Das Ergebnis sei eine Do-It-Together-Mentalität, welche die neue Maxime des gemeinschaftsorientierten Wirtschaftens bilde (AntoniKomar 2016). Die gelebte Solidarität gewinnt insbesondere für jene Gruppen an Bedeutung, die die Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft auf andere Lebensbereiche ausdehnen möchten – etwa durch die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftlichem Leben (Degens 2023). Bei einer flächendeckenden Verbreitung des Solawi-Konzepts dürfte dies in Summe den sozialen Zusammenhalt und die Identifikation mit der Region als Ganzes positiv beeinflussen. Auch wenn dies keinen Indikator der kommunalen SDGs direkt betrifft, wirken diese Aspekte des Solawi-Konzepts den Ursachen einer Negativentwicklung in der Region entgegen (siehe Kapitel 4.1). 2 Universalismus drückt sich in der Sorge um die Menschheit, die Umwelt und alle lebenden Wesen aus Diekmann und Theuvsen (2019a).
18 Eine Solawi-Mitgliedschaft wirkt sich zusätzlich positiv auf die kommunalen SDGs Kinder mit Fehlernährung und vorzeitige Sterblichkeit Frauen und Männer aus, da von Mitgliedern weniger verarbeitete Lebensmittel und mehr Obst und Gemüse verzehrt werden (MacMillan Uribe et al. 2012; Wilkins et al. 2015; Allen et al. 2017; Berkowitz et al. 2019; Vassalos et al. 2017). Darüber hinaus gaben viele Solawi-Mitglieder an, dass sich das Essverhalten im gesamten Haushalt positiv verändert habe, was insbesondere an einem erleichterten Zugang zu gesunden Lebensmitteln liege (Vasquez et al. 2017). Insgesamt interessieren sich Solawi-Mitglieder stärker für Ernährungsthemen (Allen et al. 2017). Zusätzlich stellten Berkowitz et al. (2019) fest, dass sich die Ernährung übergewichtiger Erwachsene durch eine subventionierte Solawi-Mitgliedschaft deutlich verbesserte. Der sogenannte Healthy Eating Index (HEI) – ein Maß für die Ernährungsqualität – stieg um durchschnittlich 4,3 Punkte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die statt einer subventionierten Solawi-Mitgliedschaft Geldleistungen und Informationsmaterialien erhalten hatte (Berkowitz et al. 2019). Insbesondere für Menschen mit niedrigem Einkommen kann eine Solawi-Mitgliedschaft die Ernährungsqualität deutlich verbessern (Galt et al. 2017), was wiederum zur Prävention ernährungsmitbedingter Krankheiten beiträgt (Basu et al. 2020). So berichten Solawi-Mitglieder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen über verbesserte Ernährungsweisen, einen erhöhten Gemüseverzehr, eine Reduzierung der Einkaufszeit und geringere Ausgaben für Lebensmittel (Galt et al. 2017). Abbildung 4: Unmittelbare Revitalisierungseffekte durch die Verbreitung des Solawi-Konzepts.
19 4.2. Übergeordnete Revitalisierungseffekte Neben den beschriebenen unmittelbaren Effekten, ergeben sich durch die Verbreitung des Solawi-Konzepts weitere übergeordnete Effekte, die zwar aus den (aggregierten) Handlungen einzelner Akteure resultieren, aber nicht nur auf diese rückwirken, sondern sich auf die Region als Ganzes erstrecken (siehe Abbildung 5). Hierzu zählen Spill-Over-Effekte, die aus den Aktivitäten im Rahmen von Solawi-Betrieben und durch das Wirken der verschiedenen Promotoren entstehen. Diese Effekte können dazu beitragen der Negativspirale entgegenzuwirken und gleichzeitig entsprechend der Positivanalyse einige Indikatoren der kommunalen SGDs positiv beeinflussen. 4.2.1. Übergeordnete Effekte durch die Umstellung auf Solawi Übergeordnete Effekte ergeben sich aus den verschiedenen Aktivitäten der Solawi-Mitglieder und -betreibenden, die über den Bereich des eigenen Solawi-Betriebs hinausreichen. Untersuchungen zeigten, dass sich eine Solawi-Mitgliedschaft häufig positiv auf das allgemeine Umweltverhalten auswirken (Degens 2023; Bechtel 2014; Glinska-Newes et al. 2025; Hayden und Buck 2012; Bietau et al. 2013). Da sich Mitglieder verstärkt im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen auf den Höfen engagieren, entwickeln sie ein tieferes Bewusstsein für nachhaltiges Handeln (Bechtel 2014), was insbesondere den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und einen achtungsvollen Umgang mit Tieren betreffe (Bietau et al. 2013). Das entwickelte Umweltbewusstsein wirke dann in den Alltag der Mitglieder hinein: So zeigten Russell und Zepeda (2008), MacMillan Uribe et al. (2012) und Glinska-Newes et al. (2025), dass SolawiMitglieder auch außerhalb der Landwirtschaft verstärkt ökologisch verantwortungsvoll handeln. Intensiviert wird dieser Effekt, da viele Solawi-Betriebe zusätzlich Bildungsprojekte und -angebote schaffen, um Wissen über nachhaltige Landwirtschaft oder Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu vermitteln (Martinez et al. 2022; Saltmarsh et al. 2011). Nicht selten sind Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen (z.B. Schulen oder Universitäten) und sozialen Bewegungen (z.B. Klimabewegungen) (Bonfert 2022; Hinrichs 2000). Egli et al. (2023) und Rossi et al. (2017) konstatieren, dass durch Solawi-Betriebe positive Effekte in Bezug auf Wissenstransfer und Bildung erzielt werden können, beispielsweise im Zusammenhang mit Kochkenntnissen und Ernährungsbewusstsein. Großes Potenzial bestehe auch in der Umweltbildung, da sowohl Mitglieder als auch interessierte Personen auf den Höfen vielfältige Möglichkeiten der Wissensaneignung und Bewusstseinsbildung im Bereich Naturschutz (z.B. durch Gespräche mit den Landwirt:innen und Gärtner:innen, durch Führungen und Informationsveranstaltungen und durch das Sammeln von Naturerfahrungen durch Besuche der Betriebe) erhalten (Bechtel 2014). Entsprechend dem „Spillover-Effekt“ (Behn et al. 2025; Nilsson et al. 2017) lässt sich annehmen, dass sich das durch Solawi ausgelöste nachhaltige Verhalten der Mitglieder ebenfalls positiv auf andere Bereiche auswirkt (z.B. nachhaltige Mobilität, geringerer Stromverbrauch oder nachhaltiger Konsum). Dies dürfte eine Vielzahl revitalisierender Effekte in der gesamten Region mit sich bringen: Ein geringerer Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen der privaten Haushalte, eine Verbesserung des Modal Split (Anteil des Fußverkehrs, Radverkehrs und ÖPNV), eine Erhöhung der Rate an energetischen Sanierungen von Gebäuden, eine geringere PKW-Dichte, eine Erhöhung der PKW mit Elektroantrieb sowie eine Verringerung des Trinkwasserverbrauchs (siehe Tabelle 4).
20 Potenziert werden diese Effekte durch entsprechende Weiterentwicklungen, die sich beispielweise bei einem deutschen Solawi-Betrieb zeigen: Auf dem CSA-Hof Pente wird die Solawi zu einem vielfältigen Lebenslernort mit Partizipation und Teilhabe als Begegnungsraum aller Altersklassen weiterentwickelt (Hartkemeyer 2017). In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) wird ein generationsübergreifenden Lebenslernraum entwickelt, an dem auch Kinder partizipieren können. Dieser als „Handlungspädagogik“ (Hartkemeyer et al. 2014) beschriebene Lehransatz führte im Jahr 2013 zur Gründung einer handlungspädagogischen Kita für zwölf Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren (Hartkemeyer 2017). Seither wurde das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt und ermöglicht nun sowohl Kindern als auch Jugendlichen bis zur 10 Klasse einen Lernort. Darüber hinaus bietet dieser Solawi-Betrieb ebenfalls Raum für Praxissemester und Abschlussarbeiten von Studierenden sowie Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler (ebd.). Die Schaffung von Kitas sowie Lernund Erlebnisund Bildungsorten auf Solawi-Höfen wirkt sich entsprechend positiv auf die kommunalen SDG-Indikatoren Wohnungsnahe Grundversorgung – Grundschule, Betreuung von Kindern (unter 3-jährige), Personal zur Betreuung von Kindern (unter 3-jährige), Nachhaltige Schulen, Nachhaltige Kindertageseinrichtungen, Integrative Kindertageseinrichtungen, aus. Gleichzeitig dürfte dies Ursachen für das Zustandekommen der Negativspirale beseitigen. Darüber hinaus fungierten Solawis im Raum Leipzig und Marburg als Keimzellen für die Entstehung lokaler Ernährungsräte (Bonfert 2022). Ernährungsräte arbeiten eng mit Kommunen zusammen und bringen die Ernährungspolitik auf die Kommunale Agenda, um so auf die Veränderung von Rahmenbedingungen für bio-regionale Versorgungsstrukturen hinzuwirken (Marx 2023). Indem sie zur Vernetzung zentraler Akteure in regionalen Wertschöpfungsräumen beitragen, fungieren sie als Systemintermediäre und als Plattform für Dialogprozesse zur Aushandlung einer Ernährungswende (ebd.). Auch die Untersuchung von Egli (2024) zeigte, dass die befragten Solawi-Betriebe in unterschiedlichem Maße mit verschiedenen Akteur:innen der Region (z.B. anderen Solawi-Betrieben, Ernährungsräten, Kommunalpolitik, Landwirtschaftskammer/-amt, usw.) im Austausch stehen. Ein solcher wechselwirkender Austausch kann sich ebenfalls positiv auf die geltenden Normen auswirken und eine Entwicklung in der Region als Ganzes auslösen. Indem Solawis häufig FreizeitErholungsund Outdoor-Aktivitäten anbieten, können sie zum sozialen Wohlergehen einer Region beitragen (Medici et al. 2023). Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Solawis zur Bildung regionaler Wertschöpfungsräume beitragen können (Posse 2022). So stärken Solawi-Betriebe häufig andere lokale Erzeuger:innen, indem sie deren Produkte einkaufen und in ihre Solawi-Anteile integrieren (Egli 2024). Ferner stellt Bonfert (2022) fest, dass untersuchte Solawi-Betriebe sowohl in Deutschland als auch in Wales zusätzliche Produkte wie Kartoffeln, Milchprodukte, Eier, Honig oder Fleisch von nahegelegenen Ökobetrieben einkaufen und in die Ernteanteile integrieren. Weitere Kooperationen umfassen das Teilen von Werkzeugen und Maschinen, das Organisieren von gemeinsam Lebensmittellieferungen und -einkäufen, die Unterstützung bei anspruchsvollen landwirtschaftlichen Arbeiten und den Austausch von Saatgut, Dünger oder Lebensmitteln (Bonfert 2022). Auf diese Weise trägt die Verbreitung von Solawi-Betrieben zur ökonomischen Stabilisierung und zum Aufbau regionaler Wertschöpfungsräume bei, von denen ebenfalls die regionalen Nicht-Solawi-Betriebe profitieren (Posse 2022).
21 Die Entstehung von Wertschöpfungsräumen trägt letztlich zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region bei oder schafft sogar neue Perspektiven und attraktive Arbeitsangebote (Martinez et al. 2022). Da Solawi in der Regel verbesserte Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende schaffen (siehe Abschnitt 4.1.2), erhöht sich die Arbeitsattraktivität für junge Menschen im landwirtschaftlichen Sektor. Dies dürfte, sofern sich das Solawi-Konzept flächendeckend verbreitet, der beschriebenen Abwanderungsentwicklung und Negativspirale entgegenwirken. Auch erhöht eine Verbreitung des Solawi-Konzepts die Resilienz einer Region, indem Solawi-Betriebe „mit anderen transformativen Akteuren ein resilientes Arrangement der Nahversorgung mit Lebensmitteln bilden“ (Paech et al. 2020, S.55) und so zur Ernährungssouveränität beitragen, lässt sich Resilienz erzielen (Antoni-Komar 2016; Bietau et al. 2013). Eine zurückgewonnene Ernährungssouveränität mindert Risiken kritischer Abhängigkeiten und exogener Störungen des industrialisierten Ernährungssystems (Antoni-Komar 2016). Außerdem verringern nahräumliche Versorgungssysteme wie das Solawi-Konzept komplexe Transportund Logistikinfrastrukturen und reduzieren somit die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern (Paech et al. 2020a; Medici et al. 2023). 4.2.2. Übergeordnete Effekte durch Innovationsökosysteme und Promotoren Die Umstellung auf das Solawi-Prinzip ist eng mit der Entstehung von regionalen Innovationsökosystemen (Palliwoda et al. unveröffentlichtes Manuskript), sowie den an diesem Prozess aktiv beteiligten Promotoren verbunden (Zech et al. 2025). Ihr Handlungsrepertoire wirkt sich einerseits direkt auf die Verbreitung des Solawi-Konzepts und damit auf die Regionalentwicklung insgesamt aus (siehe Kapitel 4.1). Darüber hinaus haben die Aktivitäten der Promotoren ebenfalls unmittelbare Effekte für die gesamte Region. Diese werden nachfolgend genauer beschrieben. In Anlehnung an Thomas und Autio (2020), Pidorycheva et al. (2020) und Granstrand und Holgersson (2020) lässt sich das Konzept des regionalen Innovationsökosystems als ein räumlich begrenztes Cluster heterogener, komplementärer und sich ergänzender Akteure definieren, die gemeinsam Innovationen schaffen, verbreiten und nutzen. Indem diese Akteure miteinander interagieren und zusammenarbeiten, können Wechselwirkungen und Synergien erzeugt werden, welche die Möglichkeiten einzelner Akteure weitreichend übersteigen (Carayannis et al. 2018). Obwohl bisweilen vor allem die Entwicklung von technischen Innovationen im Fokus von Innovationsökosystemen stand (Nambisan und Baron 2013; Jackson 2011), werden im vorliegenden Kontext soziale Neuerungen sowie die anschließende Verbreitung (Diffusion) fokussiert (Terstriep et al. 2022). Die Schlüsselpersonen eines Innovationsökosystems nehmen häufig verschiedene Promotoren-Rollen ein und tragen zur Verbreitung der Innovationen bei (Terstriep et al. 2015; Terstriep et al. 2020; Witte 1999). Bei ihnen handelt es sich um Akteure, die einen Prozess „unter Überwindung von Barrieren bis zum Innovationsentschluß voran[treiben].“ (Witte 1999, S.15). Zahlreiche empirische Untersuchungen zeigten, dass das Aktivwerden von Promotoren den Innovationserfolg maßgeblich erhöhen (Hauschildt & Gemünden 1999; Hauschildt et al. 2023). In Palliwoda et al. (unveröffentlichtes Manuskript), Schmidt et al. (2025) und Zech et al. (2025) konnten wir zeigen, dass Solawi-Promotoren einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung des Solawi-Konzepts leisten können, indem sie verschiedene Barrieren abund Motive aufbauen. Solche Initiativen stellen „erste Alternativen zum in Landwirtschaft und Ernährung notwendigen Systemwechsel dar und können als Vorboten und Impulsgeber […]
22 gesehen werden“ (Best et al. 2021, S. 4), da sie im Sinne unserer Betrachtung nicht auf monetäres Wachstum, sondern auf die Schaffung sozialer Werte (wie z.B. Gemeinschaft, Sinn, Konvivialität) ausgerichtet sind. Der Aufbau von Innovationsökosystemen knüpft unmittelbar an den Konzepten einer „endogenen Regionalentwicklung“ (Hahne 1985) bzw. „eigenständigen Regionalentwicklung“ (Mose 1989) an und forciert die Aktivierung der einer Region inhärenten Potenziale (Mühlinghaus 2002). Gleichzeitig birgt der Aufbau von beispielhaften Solawi-Innovationsökosystemen das Potenzial, weit über den unmittelbaren Wirkungsbereich hinausreichende Innovationsdynamiken in regionalen Kontexten auszulösen. Solawi-Innovationsökosysteme dürften sich zudem dafür eigenen, weitere „Alternativ Food Networks“, wie z.B. „Essbare Städte“, „Foodcoops“ oder „Vertical Farming“ (Haack et al. 2020), zu verbreiten. Hier sind ähnliche Akteure wie die Landwirtschaftskammer, Ernährungsräte, usw. relevant. In Summe dürfte der Aufbau dieser Innovationsökosysteme dazu beitragen die beschriebene Negativspirale (siehe Kapitel 3.1) zu durchbrechen. Wesentliche Mechanismen hierfür sind die Entstehung und Akkumulation von „sozialem Kapital“ (Bourdieu 2012) sowie „Humankapital“ (Becker 2002), die in der Interaktion der beteiligten Promotoren begründet liegen. Das Sozialkapital umfasst all jene Ressourcen, auf die ein Individuum aufgrund seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen Netzwerken potenziell zugreifen kann (Netzwerkbasierte Ressourcen) (Franzen und Pointner 2007). Sozialkapital besitzt ein Akteur also nicht selbst, sondern kann lediglich aufgrund seiner sozialen Kontakte zu anderen Akteuren darüber verfügen (ebd.). Dies hat ebenfalls zur Folge, dass Sozialkapital nicht von einer Gesellschaft auf die nächste Generation übertragen werden kann. Entsprechend muss jede Generation ihr Sozialkapital weitgehend selbst aufbauen (Hauff 2021). Besonders prädestiniert für den Aufbau von Sozialkapital sind jene Innovationsökosysteme (wie z.B. ein Solawi-Innovationsökosystem), welche sich in nahezu jeder Region Deutschlands aufbauen lassen. Dieses vorhandene Kapital kann dann wiederum in anderen regionsspezifischen Innovationsökosystemen angewandt werden. Gleichzeitig wird durch erworbene Erfahrungswerte und Wissen über Innovationsprozesse Humankapital erzeugt (Fliaster 2007). Becker (2002) definiert Humankapital als „the knowledge, information, ideas, skills, and health of individuals“. Dieses Wissen lässt sich wiederum auf andere Innovationsprozesse anwenden und bildet damit eine geeignete Grundlage für die Entstehung weiterer Innovationsökosysteme. Die Wirksamkeit dieses Zusammenspiels von Humanund Sozialkapital lässt sich exemplarisch an regionalen Projekten wie SolaRegio beobachten. Hier führten die initialen Aktivitäten nicht nur zu einer Vernetzung zuvor unverbundener Akteure – etwa der Landwirtschaftskammer und dem CSX-Netzwerk –, sondern stießen auch Anschlussinitiativen in Ernährungsräten und anderen Bereichen der regionalen Agrarund Ernährungspolitik an. Insgesamt zeigt sich, dass Solawi-Innovationsökosysteme nicht nur konkrete Transformationsprozesse in Gang setzen, sondern gleichzeitig die Voraussetzungen für weitere Innovationsprozesse schaffen. Durch die kontinuierliche Generierung und Anwendung von Humanund Sozialkapital entsteht ein fruchtbares Fundament für die Etablierung neuer, regionsspezifischer Innovationsökosysteme – potenziell flächendeckend in ganz Deutschland.
23 Abbildung 5: Übergeordnete Revitalisierungseffekte der Umstellung auf Solawi und Promotoren-Maßnahmen 5. Limitierung & Fazit Es gilt zu betonen, dass die Studienlage zu den herausgearbeiteten Revitalisierungseffekten des Solawi-Konzepts bisher noch sehr dünn ist, sich mehrheitlich auf Fallstudien stützt und geografisch verzerrt ist (Egli et al. 2023). Außerdem beruhen viele Studienergebnisse auf Selbsteinschätzungen der Solawi-Landwirt:innen oder -Mitglieder. Weitere Limitierungen ergeben sich aus dem Umstand, dass Solawis sehr vielfältig und sehr unterschiedlich ausdifferenziert sind (Middendorf und Rommel 2024). „Die Solawi“ existiert nicht. Entsprechend kann es sein, dass einige Solawi-Betriebe unterschiedliche Merkmale des Solawi-Konzepts stärker betonen als andere Betriebe. Daraus folgt, dass nicht jede Solawi dieselben revitalisierenden Effekte auf eine Region haben können. Eine Aufschlüsselung der Revitalisierungseffekte beispielsweise entsprechend der verscheidenen „Solawi-Typen“ (Middendorf und Rommel 2024) verbleibt als Aufgabe. Vor diesen Hintergründen ist eine zuverlässige Einschätzung der Revitalisierungseffekte durch Solidarischer Landwirtschaft nur schwierig möglich. Trotz der beschriebenen Limitierungen ermöglicht diese Zusammenstellung unterschiedlichster Studien eine erste Orientierung und veranschaulicht das vorhandene Potenzial der Innovation Solawi. In Summe lässt sich konstatieren, dass eine Verbreitung des Solawi-Konzepts im Sinne einer Revitalisierungsstrategie großes Potenzial besitzt, um (1) zur Realisierung eines nachhaltigen und resilienten Agrarund Ernährungssektors, (2) zur ökonomischen Stärkung und Resilienz (sowohl für Betriebe als auch für die gesamte Region), sowie (3) zu mehr sozialen Interaktionen, einer gesünderen Ernährung, einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und einer besseren Umweltbildung beizutragen. Entsprechend besitzt das Solawi-Konzept großes Potenzial zur direkten und indirekten Revitalisierung einer Region. Zusammengefasst zielt Revitalisierung einerseits auf die Stabilisierung bzw. Wiederherstellung bestimmter gefährdeter, aber als unverzichtbar erachteten Funktionen einer Region und andererseits auf die Transformation und Weiterentwicklung der Region, wodurch die Lebensqualität verbessert und eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden soll.
30 Rommel, M., N. Paech, C. Sperling. 2019. Eine Ökonomie der Nähe. Horizontale Ausbreitung resilienter Versorgungsmuster. In: Transformative Unternehmen und die Wende in der Ernährungswirtschaft. Herausgegeben von I. Antoni-Komar, C. Kropp, N. Paech, R. Pfriem. Theorie der Unternehmung Band 72. Marburg: Metropolis-Verlag. 361–397. Rossi, J., T. Woods, J. Allen. 2017. Impacts of a Community Supported Agriculture (CSA) Voucher Program on Food Lifestyle Behaviors: Evidence from an Employer-Sponsored Pilot Program. Sustainability 9/9: 1543. Russell, W. S., L. Zepeda. 2008. The adaptive consumer: shifting attitudes, behavior change and CSA membership renewal. Renewable Agriculture and Food Systems 23/2: 136–148. Saltmarsh, N., J. Meldrum, N. Longhurst. 2011. The impact of community supported agriculture. Sanders, J., J. Heß. 2019. Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Unknown. Scarpaci, J. L. 2000. RESHAPING HABANA VIEJA REVITALIZATION, HISTORIC PRESERVATION, AND RESTRUCTURING IN THE SOCIALIST CITY. Urban Geography 21/8: 724–744. Schaeffer, D., K. Hämel, M. Ewers. 2015. Versorgungsmodelle für ländliche und strukturschwache Regionen: Anregungen aus Finnland und Kanada. Gesundheitsforschung. Weinheim: Beltz. Schiller, D. 2024. Regionaler Strukturwandel. Bioökonomie und regionaler Strukturwandel: 33–44. Schmidt, J., L. Egli, M. Gaspers, M. Zech, M. Gastinger, M. Rommel. 2025. Conversion to community-supported agriculture—pathways, motives and barriers for German farmers. Regional Environmental Change 25/1. Schubert, D. 2002. Revitalisierung von brachgefallenen Hafen-und Uferzonen. Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 2002/Volume 60: 48–60. Schulz, C., B. Lange, M. Hülz, B. Schmid. 2020. Postwachstumsgeografien: Konzeptionelle und thematische Eckpunkte der Anthologie. In: Postwachstumsgeographien. Herausgegeben von B. Lange, M. Hülz, B. Schmid, C. Schulz 38. Bielefeld, Germany: transcript Verlag. 13–34. Schumacher, E. F. 2013. Small is beautiful. München: oekom verlag. Sen, A. 2020. Ökonomie für den Menschen: Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. 3. Auflage. München: Carl Hanser-Verlag. Shen, J., R.-J. Chou. 2022. Rural revitalization of Xiamei: The development experiences of integrating tea tourism with ancient village preservation. 0743-0167 90: 42–52. Shi, J., X. Yang. 2022. Sustainable Development Levels and Influence Factors in Rural China Based on Rural Revitalization Strategy. Sustainability 14/14: 8908. Skidelsky, R., E. Skidelsky. 2013. Wie viel ist genug?: Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens. Antje Kunstmann. Spellerberg, A., D. Huschka, R. Habich. 2007. Quality of life in rural areas: processes of divergence and convergence. Social Indicators Research 83/2: 283–307. Stiglitz, J., A. Sen, J.-P. Fitoussi. 2009. Report by the commission on the measurement of economic performance and social progress. Stiller, S., S. Kröhnert, J. Ragnitz, K.-H. Röhl, T. Lenk, A. Grüttner. 2011. Schrumpfende Regionen — Probleme und Chancen. Wirtschaftsdienst 91/4: 227–243. Tao, Z. et al. 2024. A framework for identifying the distribution of revitalization potential of idle rural residential land under rural revitalization. Land Use Policy 136: 106977. Tegtmeier, E., M. Duffy. 2005. Community Supported Agriculture (Csa) in the Midwest United States: A Regional Characterization. Terstriep, J., M. Kleverbeck, A. Deserti, F. Rizzo. 2015. Comparative report on social innovation across Europe. Terstriep, J., D. Rehfeld, M. Kleverbeck. 2020. Favourable social innovation ecosystem(s)? – An explorative approach. European Planning Studies 28/5: 881–905. Terstriep, J., L.-F. Wloka, V. Martini. 2022. Soziale Innovationen & Unterstützungsinfrastrukturen in Innovationsökosystemen: Eine Gegenüberstellung theoretischer Konzepte und der Bedarfe Sozialer Innovator:innen.
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32 7. Anhang Tabelle 1: Kodierungsschema für die Kodierung der Definitionen mit Primärund Sekundärcodes, Eigene Darstellung Sekundärcodes Primärcodes (Zielsetzung) Kategorie restoration Erhalt und Wiederherstellung Goal of Revitalization rescuing restructuring reverse keeping regeneration reconstruction revival repair rejuvenation cope loss reactivating transformation Transformation (Veränderung und Weiterentwicklung) improving improvement development development strategy develop create replacing new uses new function enhancement modernization
33 Tabelle 2: Kodierungsschema für die Kodierung der Definitionen mit Primärund Sekundärcodes, Eigene Darstellung Sekundärcodes Primärcodes Kategorie enhancing moves towards greater the sustainability ecologic revitalization Dimension of Revitalization improving the environmental conditions revitalization of ecology connects rural transformation and sustainable development to achieve ecological revitalization construction of ecology physical environment is a main component places significant focus on environmental development reactivating waning environmental functions revitalization of society social revitalization revitalization of culture reshaping the socio-economic form social environment is a main component cultural heritage is a main component political background is a main component achieve political revitalization achieve cultural revitalization includes social revitalization refers to socioeconomic enhancement construction of people’s well being construction of politics construction of culture solving social contradictions focus on social development focus on cultural development revival of social aspects improving social conditions
34 involves improvement of the quality of life reactivating social functions change elements in social spheres change elements in cultural spheres reactivating cultural functions reshaping the socio-economic form economic revitalization drive new business entities involves economic development improving the economic conditions construction of economy enhancing competitiveness revitalization of economy carrying economic vitality carrying development attractiveness stimulate the vitality of economy achieve economic revitalization change elements in economic spheres includes economic revitalization restructuring the economic base operate more profitably operate more efficiently refers to socioeconomic enhancement develop economic activities develop distinctive industrial promote local prosperity attract industries local economy is a main component focus on economic development enhance various industries enhance its development attractiveness
35 revival economic aspects reactivating waning economic functions create more job opportunities to establish careers realize the regeneration of the local economy drive leading enterprises develop self-employment Tabelle 3: Kodierte explizite Definitionen nach Kodierschema 1 & 2 Definition Goal of revitalization Dimension of revitalization Recovery Transformation ecologic economic social Liu (2018): „Rural revitalization refers to a major strategy and process for accelerating rural transformation and urban-rural integration development by solving the principal social contradictions and prominent problems faced by rural development in a specific period. […] it aims at enhancing moves towards greater the sustainability and competitiveness of rural regional systems.“ 0 3 1 1 1 Zhou et al. (2020): „Rural revitalization is a process of comprehensive revitalization of rural population, economy, society, culture and ecology by means of economic, political, cultural and engineering measures to cope with the loss of factors and functional decline within the rural regional system.“ 1 0 1 1 2 Shen und Chou (2022): „Thus, rural revitalization is a term and concept that hopes to stimulate the vitality of the local economy, attract young people returning to their hometowns to establish careers, encourage the fertility rate, and develop self-employment based on local characteristics so as to create more job opportunities and realize the regeneration of the local economy.“ 1 1 0 5 0 Keyvanfar et al. (2018): „The goal of the revitalization strategy is to create a long-term vision for improving the physical, social, economic and environmental conditions […].“ 0 2 1 1 1
36 Diaz-Sarachaga (2020): „Rural revitalization seeks to reverse the deterioration of rural areas through an integrated and comprehensive process that involves economic development and improvement of the quality of life. The local economy, social environment, cultural heritage, physical environment, and political background are the main components of a holistic approach that connects rural transformation and sustainable development.“ 1 3 2 2 4 Wang et al. (2022): “[...] rural revitalization involves the revitalization of ecology, culture, and organization, especially the guidance and drive of capable people, new business entities, and leading enterprises.“ 0 1 1 2 2 Tao et al. (2024): “[...] rural revitalization is the sustainable ability of villages to enhance its development attractiveness and various industries [...]. It contains various connotations such as resource carrying capacity, development attractiveness, and economic vitality.“ 0 1 0 4 0 Chen et al. (2023a): „[…] rural revitalization is a development strategy to achieve economic, political, cultural, and ecological revitalization by reshaping the socio-economic form and spatial pattern of the territory.“ 0 1 1 2 3 Kim und Lee (2020): “In modern times, policies implemented to address the decline, collapse, or transformation of cities are referred to as ‘urban revitalization’ policies. These are primarily aimed at solving the complex problems of modern cities by reactivating waning economic, social, environmental, and cultural functions.” 1 1 1 1 2 Konior und Pokojska (2020): „Revitalization is a long-term process aimed at rescuing an urban area out of a crisis. This change concerns both the material tissue – buildings, public spaces, green areas – and intangible elements in economic, social, or cultural spheres“ 1 0 0 1 2 Vehbi & Hoskara (2009): „[…] revitalization is a three-way process, which includes physical, economic and social revitalization.“ 0 0 0 1 1
37 Doratli et al. (2007): „Revitalization can be briefly named as the following: (1) restructuring the economic base of the area: changes in occupation with new uses or activities replacing the former ones; (2) functional diversification: keeping the existing uses to some extent and introducing some new uses; and (3) functional regeneration: existing uses remain but operate more efficiently or profitably.“ 3 3 0 3 0 Scarpaci (2000): Revitalization refers to the general physical and socioeconomic enhancement of a designated built environment.“ 0 1 0 1 1 Long et al. (2019): „Rural vitalization is the construction of economy, politics, culture, ecology, and people’s well-being aiming at realizing the comprehensive rejuvenation in rural areas [...].“ 1 0 1 1 3 Chen et al. (2023b): „Regional revitalization seeks to help local areas develop distinctive industrial and economic activities based on their specific conditions, attract industries and population inflows, and promote local prosperity. From the perspective of sustainable development regional revitalization places significant focus on overall economic, social, cultural, and environmental development, aligning with the objectives of the Sustainable Development Goals (SDGs).“ 0 3 1 5 2 Wilczkiewicz und Wilkosz-Mamcarczyk (2015): „Today the revitalization is defined as a many-sided effort including revalorization, restoration, reconstruction, modernization, and actions aimed at revival of a building, district or a town devastated in various aspects, also economic and social.“ 3 1 0 1 1 Hajduga (2020): „[…] revitalization is defined as a complex repair process concerning a given degraded urban space, as part of which other than traditional, i.e. new functions are introduced to the destroyed, ‘dead’, fabric of a territorial unit.“ 1 1 0 0 0
38 Tabelle 4: Indikatoren-Katalog der SDG-K, eigene Darstellung. Nr. Bezeichnung des Indikators Definition des Indikators 1 SGB II-/SGB XII-Quote Anteil der Leistungsberechtigten nach dem SGB II oder SGB XII an der Gesamtbevölkerung 2 Armut - Kinderarmut Anteil der unter 15-Jährigen, die von Armut betroffen sind, an der Anzahl aller unter 15-Jährigen 3 Armut - Jugendarmut Anteil der 15bis 17-Jährigen, die von Armut betroffen sind, an der Anzahl aller 15bis 17-Jährigen 4 Armut - Altersarmut Anteil der über 65-Jährigen, die von Armut betroffen sind, an der Anzahl aller über 65-Jährigen 5 Materielle Deprivation (Entbehrung) Anteil der materiell deprivierten Einwohner:innen an der Gesamtbevölkerung 6 Wohnungslosigkeit Anteil der Einwohner:innen, die als untergebracht wohnungslos gelten, an der Gesamtbevölkerung 7 Kinder mit Fehlernährung Anteil der überbzw. untergewichtigen Kinder an allen untersuchten Kindern im Schuleingangsjahr 8 Ökologischer Landbau Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der landwirtschaftlich genutzten Fläche 9 Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft Gleitendes Drei-Jahres-Mittel des Stickstoffüberschusses in kg / ha in landwirtschaftlich genutzter Fläche 10 Vorzeitige Sterblichkeit - Frauen Anzahl der Todesfälle bei Frauen von unter 70 Jahren je 1.000 Einwohner:innen 11 Vorzeitige Sterblichkeit - Männer Anzahl der Todesfälle bei Männern von unter 70 Jahren je 1.000 Einwohner:innen 12 Lärmbelastung Anteil der Einwohner:innen in mit Verkehrslärm belasteten Wohngebieten an der Gesamtbevölkerung 13 Wohnungsnahe Grundversorgung - Hausarzt Einwohner:innengewichtete Luftliniendistanz in m zum nächsten Hausarzt 14 Wohnungsnahe Grundversorgung - Krankenhaus Einwohner:innengewichtete PKW-Fahrzeit in min zum nächsten Krankenhaus der Grundversorgung 15 Wohnungsnahe Grundversorgung - Apotheke Einwohner:innengewichtete Luftliniendistanz in m zur nächsten Apotheke
39 16 Personal in Pflegeheimen Personal in Pflegeheimen je 1.000 stationär Pflegebedürftige 17 Personal in Pflegediensten Personal in ambulanten Pflegediensten je Pflegebedürftigen 18 Pflegeheimplätze Anzahl der verfügbaren stationären Plätze in Pflegeheimen je 1.000 Einwohner:innen ab 65 Jahre 19 Luftschadstoffbelastung Jahresmittelwert der Feinstaubbelastung in µg PM₁₀ je m³ 20 Wohnungsnahe Grundversorgung - Grundschule Einwohner:innengewichtete Luftliniendistanz in m zur nächsten Grundschule 21 Schulabbrecherquote Anteil der Schulabgänger:innen ohne Hauptschulabschluss an allen Schulabgänger:innen 22 Betreuung von Kindern (unter 3-jährige) Anteil der Kinder unter 3 Jahren, die in Kindertageseinrichtungen betreut werden, an der Anzahl aller Kinder unter 3 Jahren 23 Personal zur Betreuung von Kindern (unter 3jährige) Anzahl der Kinder unter drei Jahren je Betreuer:in in Kindertageseinrichtungen 24 30bis 34-jährige mit tertiärem oder postsekundärem nicht-tertiären Abschluss Anteil der 30bis 34-jährigen mit tertiärem oder postsekundärem nicht-tertiären Abschluss an der Gesamtbevölkerung 25 Nachhaltige Schulen Anteil der Schulen in der Kommune, die ein Nachhaltigkeitszertifikat erhalten haben, an allen Schulen in der Kommune 26 Nachhaltige Kindertageseinrichtungen Anteil der Kindertageseinrichtungen in der Kommune, die ein Nachhaltigkeitszertifikat erhalten haben, an allen Kindertageseinrichtungen in der Kommune 27 Integrative Kindertageseinrichtungen Anteil der integrativen Kindertageseinrichtungen in der Kommune an allen Kindertageseinrichtungen in der Kommune 28 Verhältnis der Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern Verhältnis der Beschäftigungsquote von Frauen zur Beschäftigungsquote von Männern 29 Verhältnis der Medianeinkommen von Frauen und Männern Medianeinkommen weiblicher Arbeitnehmerinnen im Verhältnis zum Medianeinkommen männlicher Arbeitnehmer 30 Frauenanteil im Stadtrat, Gemeinderat bzw. Kreistag Anteil der Mandate im Stadtrat, Gemeinderat bzw. Kreistag, die von Frauen besetzt sind, im Verhältnis zur Anzahl aller Mandate im Stadtrat, Gemeinderat bzw. Kreistag