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g Projektbericht Von Livia Renggli & Olivia Herger 03.07.2025 Im Auftrag der Fachstelle Integration und Vernetzung Kanton Uri Projektbericht Förderung der Partizipation von Migrant:innen in Urner Vereine Abbildung 1: Logo (Fachstelle Integration und Vernetzung Uri) A b b i ld u n g 2 : T i te lb i ld ( F a ch s te ll e I n teg r a t io n u n d V e rn et z u n g U r i; Hannah Busing, 2020, Unsplash)
Förderung der Partizipation von Migrant:innen in Urner Vereine Projektzeitraum vom 15. Dezember 2024 bis 23. Juni 2025 Autorinnen: Livia Renggli und Olivia Herger Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Studienrichtung Sozialarbeit Begleitperson: Selma Koch Diese Arbeit wurde am 03. Juli 2025 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eingereicht. Für die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit wird durch die Hochschule Luzern keine Haftung übernommen. Studierende räumen der Hochschule Luzern Verwendungsund Verwertungsrechte an ihren im Rahmen des Studiums verfassten Arbeiten ein. Das Verwendungsund Verwertungsrecht der Studierenden an ihren Arbeiten bleibt gewahrt (Art. 34 der Studienordnung). Studentische Arbeiten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit werden unter einer Creative Commons Lizenz im Repositorium veröffentlicht und sind frei zugänglich.
09-2022 Originaldokument gespeichert auf LARA – Lucerne Open Access Repository and Archive der Zentralund Hochschulbibliothek Luzern Urheberrechtlicher Hinweis: Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung 3.0 Schweiz (CC BY-NC-ND 3.0 CH) Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzuschauen, gehen Sie bitte zu https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten. Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheberund Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders. Nicht kommerziell — Sie dürfen das Material nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten. Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt. Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden, sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten. Diese Lizenz lässt die Urheberpersönlichkeitsrechte nach Schweizer Recht unberührt. Eine ausführliche Fassung des Lizenzvertrags befindet sich unter https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ch/legalcode.de
Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit empfiehlt diesen Projektbericht besonders zur Lektüre!
Abstract Integration ist wie ein Tanz, bei dem alle Beteiligten aufeinander zugehen, anstatt dass eine Person die andere mitzieht. Diesen Ansatz verfolgt dieses Projekt, welches Urner Vereine für die soziale Integration von Migrantinnen und Migranten sensibilisieren soll. Das vorliegende Dokument fasst ein Integrationsprojekt im Kanton Uri zusammen, das Migrant:innen beim Einstieg in die Vereinswelt begleiten und die Bevölkerung für soziale Teilhabe sensibilisiert. Aufbauend auf einem Vorgängerprojekt von 2020 wurde geprüft, wie sich theoretische Handlungsempfehlungen praktisch umsetzen lassen. Ziel war es, drei geflüchteten Personen beim Einstieg in Vereine zu begleiten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für zukünftige Integrationsprozesse nutzbar zu machen. Im Zentrum stand nicht nur die direkte Begleitung, sondern auch die Frage nach langfristiger Wirkung und struktureller Verankerung. Leitfadeninterviews und der Aufbau einer Koordinationsstruktur mit freiwilligen Begleitpersonen ermöglichten eine praxisnahe Reflexion. Integration braucht Zeit, freiwilliges Engagement und tragfähige Netzwerke – nicht nur als kurzfristige Massnahme, sondern als strukturierte, langfristige Aufgabe. Trotz Hürden entstand ein Modell, das über den Projektzeitraum hinauswirkt und neue Wege für Zusammenarbeit aufzeigt. Tauchen Sie ein in ein Projekt, das Integration als lebendigen Prozess versteht und neue Wege zur gesellschaftlichen Zusammengehörigkeit aufzeigt
Inhaltsverzeichnis 1. Projektkontext............................................................................................ 1 1.1 Ausgangslage ........................................................................................................... 1 1.2 Aktuelle Herausforderungen ................................................................................... 1 1.3 Projektmotivation .................................................................................................... 2 1.4 Aufbau des Berichts................................................................................................. 3 2. Theoretischer Bezugsrahmen zur Situationsanalyse .................................... 4 2.1 Bedürfnisbefriedigung von Personen mit Migrationshintergrund ............................ 4 2.2 Partizipation und Empowerment ............................................................................. 4 2.3 Integration durch Vereinsaktivität im Kanton Uri ..................................................... 4 3. Begründung des Handlungsbedarfs aus der Sicht der Sozialen Arbeit ........... 6 3.1 Gesetzliche Grundlagen .......................................................................................... 6 3.2 Ethische Grundlagen ............................................................................................... 6 3.3 Ergebnisse aus dem Projekt Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Kanton Uri ....................................................................................................................... 6 3.4 Ergebnisse aus dem Verein Integration in der Freizeit ............................................. 7 3.5 Ableitung der Intervention aufgrund des Handlungsbedarfs ................................... 8 4. Projektmethodische Fundierung mit Evaluation ........................................... 9 4.1 Zielgruppe und Ziele ................................................................................................ 9 4.1.1. Intendierte Wirkung ............................................................................................ 9 4.2 Projektaufbauorganisation .................................................................................... 12 4.3 Auswertung des Projektaufbaus ............................................................................ 13 4.4 Projektablauforganisation ..................................................................................... 14 4.4.1 Projektphasen und Meilensteine ....................................................................... 14 4.4.2. Detaillierte Projektablauforganisation ............................................................... 15 4.4.2 Auswertung des Projektablaufs ......................................................................... 17 4.5 Risikobeurteilung .................................................................................................. 18 4.5.1 Risiken ............................................................................................................. 18 4.5.2 Auswertung Risiken .......................................................................................... 19 4.5. Erfolgsrechnung .................................................................................................... 20 5. Methodisches Vorgehen mit Evaluation ..................................................... 21 5.1 Recherchephase ................................................................................................... 21
5.2 Projekt Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Kanton Uri ............. 21 5.2.1 Gespräche mit Fachstelle Integration und Vernetzung ....................................... 22 5.2.2 Leitfadeninterview S. Gökalp............................................................................. 22 5.2.3 Austausch mit R. Feiler ..................................................................................... 23 5.3 Verein Integration in der Freizeit ............................................................................ 23 5.3.1 Leitfadeninterview A. Heini ............................................................................... 23 5.3.2 Austauschanlass Verein Integration in der Freizeit ............................................. 24 5.3.3 Austausch mit R. Wijesekera ............................................................................. 25 5.4 Umsetzungsphase mit ethnografischer Begleitung ............................................... 25 5.4.1 Klientelauswahl ................................................................................................ 25 5.4.2 Erstgespräch und Einverständnis ...................................................................... 26 5.4.3 Vereinsanfragen ............................................................................................... 26 5.4.4 Vereinseintritt .................................................................................................. 27 5.5 Abschlussphase .................................................................................................... 28 5.6 Freiwilligenarbeit ................................................................................................... 28 6. Sicherung der Nachhaltigkeit .................................................................... 29 6.1 Prozessevaluation ................................................................................................. 29 6.2 Methodisches Vorgehen zur nachhaltigen Verankerung des Projekts ................... 30 6.2.1 Übergabe an Fachstelle Integration und Vernetzung .......................................... 30 6.2.2 Austauschanlass.............................................................................................. 30 6.2.3 Freiwillige Personen ......................................................................................... 31 7. Schlussfolgerungen und Perspektiven ...................................................... 32 7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ..................................................... 32 7.2 Schlussfolgerungen für die Praxis ......................................................................... 32 7.3 Ausblick ................................................................................................................. 33 8. Literaturverzeichnis.................................................................................. 34 9. Anhang .................................................................................................... 36 Anhang A Broschüre 2025 ............................................................................................... 36 Anhang B Erfolgsgeschichte ............................................................................................ 52 Anhang C Flyer Vereine ................................................................................................... 54 Anhang D Flyer Teilnehmende ......................................................................................... 55 Anhang E Bericht Urner Zeitung ....................................................................................... 56
Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Logo (Fachstelle Integration und Vernetzung Uri) .............................................................. i Abbildung 2: Titelbild (Fachstelle Integration und Vernetzung Uri) ......................................................... i Abbildung 3: Zielbaum (eigene Erhebung) ............................................................................................ 10 Abbildung 4: Grafische Projektstruktur (eigene Darstellung)................................................................ 13 Abbildung 5: Projektablauforganisation (eigene Erhebung) ................................................................. 16 Abbildung 6: SWOT-Analyse (eigene Erhebung) .................................................................................... 18 Abbildung 7:Risikoanalyse (eigene Darstellung).................................................................................... 19 Abbildung 8:Budget (eigene Erhebung) ................................................................................................ 20
Hochschule Luzern 1 1. Projektkontext Die Fachstelle Integration und Vernetzung Uri, bestehend aus einem dreiköpfigen Team und ist unter der Leitung von Begjie Berisha, hat in Zusammenarbeit mit der kantonalen Verwaltung und dem Sozialdienst Uri-Nord eine Leistungsvereinbarung getroffen, um das Zusammenleben zu fördern. Ihre Dienstleistungen richten sich an Personen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete in allen Urner Gemeinden (B. Berisha, persönliche Mitteilung, 2024, 30. Oktober). Livia Renggli und Olivia Herger haben dieses Projekt Förderung der Partizipation von Migrant:innen in Urner Vereine unter dem Auftrag der Fachstelle Integration und Vernetzung durchgeführt. Das Projekt wird als Interventionsprojekt klassifiziert, da ein partizipativer Prozess basierend auf theoretischem Wissen angestrebt wird. Der zeitliche Rahmen beider Studentinnen der Hochschule Luzern (HSLU) betrug 720 Stunden. 1.1 Ausgangslage Das Projekt von Vorgängerinnen mit dem Titel Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Kanton Uri, unter der Leitung von K. Arnold, A. Tschümperlin und N. Zwahlen (2020), untersuchte die Integration von geflüchteten Personen und vorläufig Aufgenommenen in Vereine im Kanton Uri. Dafür führten die Projektleiterinnen Bedarfsanalysen sowie Situationsbewertungen durch und fassten schlussendlich Handlungsempfehlungen für Vereine in einer Broschüre zusammen (S. 17). Näher beschrieben wird dieses Vorgängerprojekt im Kapitel 3.3. Diese Handlungsempfehlungen wurden später von A. Heini umgesetzt, in Form eines Pilotprojektes. Mit Erfolg, denn im Jahr 2022 wurde der Verein Integration in der Freizeit gegründet, welcher heute aus 15 Personen im Vorstand und zehn Freiwilligen besteht (siehe Kapitel 3.4.). Die Idee ist, dass das Team von Freiwilligen die Leute treffen und Informationen über verschieden Vereine geben. Anschliessend vernetzen die Freiwilligen die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres in einen Verein (A. Heini, Interview, 20.01.2025). Diese beiden Vorgängerprojekte werden im Folgenden näher erläutert. 1.2 Aktuelle Herausforderungen Dem Erfahrungsbericht von Arnold, Tschümperlin und Zwahlen (2020) zufolge konnte entnommen werden, dass keine Geflüchteten oder vorläufig aufgenommenen Personen aktive Mitglieder der Vereine sind. Eine aktive Kontaktaufnahme mit den Vereinen ist erforderlich, um diese zur Teilnahme am Integrationsprojekt zu motivieren (S. 21). Aufgrund der Coronapandemie und der Art der Übung konnten diese Empfehlungen nicht umfassend umgesetzt werden. Die Sicherung der Nachhaltigkeit sollte durch eine Abschlussveranstaltung gewährleistet werden. Es nahmen 35 Vereinsvertretende teil
Hochschule Luzern 8 A. Heini (2025) beschreibt die den Einbezug der Vereine zur Integration als «eigentlich logisch». Die vorhandenen Ressourcen der Vereine werden genutzt, dadurch werden Zeit und Kosten für neue Projekte oder Angebote gespart. Leider mangle es in der Umsetzung jedoch an Koordination, Vernetzung und struktureller Unterstützung. Die Sozialarbeitenden stossen in der Umsetzung des Empowerments ressourcentechnisch an ihre Grenzen (A. Heini, Interview, 20.01.2025). Deshalb ist freiwillige Engagement wichtig, um den Zugang zur Vereinswelt zu ebnen, damit ein «gleichberechtigter Einbezug von Personen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft (Wichmann und D’Amato, 2010, S. 20)» stattfinden kann. 3.5 Ableitung der Intervention aufgrund des Handlungsbedarfs Aus Sicht der Sozialen Arbeit ergibt sich daher ein konkreter Handlungsbedarf. Eine Analyse der Ausgangslage sowie die Auswertung des Vorgängerprojekts, des Vereins in Luzern und Leitfadeninterviews mit relevanten Rollen zeigen deutlich, dass die Förderung von Integration durch Vereine vielversprechend ist. Nichtsdestotrotz bestehen sprachliche, kulturelle und strukturelle Hürden, welche berücksichtigt werden sollten. Der Vereinsbeitritt von Migrant:innen muss daher durch eine partizipative Begleitung in Form von Freiwilligenarbeit oder durch sozialarbeiterisches Handeln gefördert werden. Eine Intervention soll unterstützend, koordinierend und begleitend wirken. So soll der Prozess vom Erkennen der eigenen Interessen bis hin zum effektiven Vereinseintritt partizipativ gestaltet werden. Dies soll einen nachhaltigen Ansatz zur Stärkung der Sozialen Teilhabe fördern.
Hochschule Luzern 9 4. Projektmethodische Fundierung mit Evaluation In diesem Abschnitt werden verschiedene Aspekte der Projektplanung erläutert und ausgewertet. 4.1 Zielgruppe und Ziele Die Primärzielgruppe des Projekts bilden volljährige Menschen mit Migrationshintergrund, die - unabhängig der Aufenthaltsdauer - im Kanton Uri wohnhaft sind. Der Aufenthaltsstatus spielt keine Rolle, die Teilnehmer:innen müssen jedoch Motivation aufzeigen, sich sozial integrieren zu wollen. Ergänzend dazu bildet die Sekundärzielgruppe die Vereinslandschaft des Kantons Uri, bestehend aus deren Mitglieder. Für eine nachhaltige Integration sind beide Zielgruppen von grosser Relevanz. 4.1.1 Intendierte Wirkung Die soziale Integration von Migrant:innen in die Vereine des Kantons Uri soll gefördert werden, indem die Potenziale des Projekts Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Kanton Uri gezielt genutzt werden. Dadurch sollen interethnische Kontakte gestärkt und die gesellschaftliche Teilhabe verbessert werden. Die Rechercheund Analysephase dienen dazu, bestehende Barrieren und Stolpersteine zu identifizieren. Diese Erkenntnisse fliessen in den Handlungsplan des Vorgängerprojekts ein und bilden die Grundlage für eine gezielte Umsetzung und eine fundierte Begleitung. Durch die ethnografisch dokumentierte Begleitung der Teilnehmenden entsteht ein Modellprozess, der langfristig zur Sensibilisierung von Vereinen und der breiteren Öffentlichkeit beitragen kann. Anbei werden die Ziele in einem Zielbaum festgehalten und ausgewertet, wobei das Hauptziel in einzelne Teilziele und Indikatoren unterteilt werden.
Hochschule Luzern 10 4.1.2 Auswertung der Ziele Mit Abschluss dieses Projektes konnten fast alle Ziele mit Zufriedenheit ausgeführt werden. Die Evaluation zeigt, dass neben der unmittelbaren Projektwirkung zunehmend die Frage nach der langfristigen Wirkung im Vordergrund steht. Die im Abschnitt 1.2. erwähnten Herausforderungen bewahrheiten sich teilweise. Um einige zu nennen waren das die kulturellen Unterschiede, finanzielle Vision Das Zusammenleben in der Schweiz zeichnet sich durch Vielfältigkeit aus, in der die Herkunft keine Benachteiligung darstellt (K. Arnold, A. Tschümperlin & N. Zwahlen, 2020, S. 11). Hauptziel Urner Vereine werden für die soziale Integration von in den Kanton Uri migrierten Personen sensibilisiert, sodass die Partizipation von Migrant:innen in Vereine gefördert wird. Teilziele Teilziel 1: Es werden drei qualitative Leitfadeninterviews mit involvierten Personen aus vorgängigen Projekten geführt (Leistungsziel). Diese sollen Aufschluss darüber geben, wieso die Integration von Migrant:innen in Vereine zu diesem Zeitpunkt funktioniert, nicht funktioniert hat oder wo Stolpersteine liegen (Wirkungsziel). Teilziel 2: Es wird eine Begleitung von drei Migrant:innen (auf Basis der Recherche) in Urner Vereine durchgeführt (Leistungsziel). Die Begleitung soll Migrant:innen in Vereine integrieren und der Prozess als Vorzeigebeispiel festgehalten werden (Leistungsund Wirkungsziel). Teilziel 3: Der Begleitprozess wird dokumentiert (Leistungsziel), um der Fachstelle eine «Erfolgsgeschichte» übergeben zu können, die der Sensibilisierung der Vereine und der breiten Öffentlichkeit dienen soll (Leistungsziel). Indikatoren - Es werden Literaturrecherchen bezüglich dem Forschungsstand zur Integration von Migrant:innen in Vereine sowie Leitfadeninterviews gemacht. - Es sind Erkenntnisse aus der Literaturrecherche festgehalten. - Es werden insgesamt drei Leitfadeninterviews geführt. Zwei mit involvierten Personen des Projekts 2020 (Mitglieder Feuerwehr und Migrant:innen) sowie ein Interview mit einer Person aus dem Projekt Luzern. - Die Analyse dieser Interviews sollen Rückschlüsse liefern, wo Stolpersteine in der Begleitung bestehen könnten. Indikatoren - Die Erkenntnisse der Vorgängerprojekte werden mit einbezogen und in die Methoden zur Begleitung aufgegriffen. - Für die Begleitung wird ein Handlungsplan erstellt, welcher auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts, den Recherchen und den Leitfadeninterviews basiert. - Die Bedürfnisse der Beteiligten sollen abgeholt und der erstellte Handlungsplan umgesetzt werden. - In den Vereinen wird ein zukünftiges Gotti / ein zukünftiger Götti festgelegt, deren / dessen Kontaktdaten an die Fachstelle vermittelt werden. Indikatoren - Der Prozess der Umsetzung des Handlungsplanes wird in einem Dokument verschriftlicht. - Die Dokumentation wird als eine «Erfolgsgeschichte» mit Fotos und Gesprächsinhalten zusammengefasst. - Die Falldokumentation sowie «Erfolgsgeschichte» werden überarbeitet, gegengelesen und schliesslich der Fachstelle übergeben. Abbildung 3: Zielbaum (eigene Erhebung)
Hochschule Luzern 11 Hürden sowie fehlende Kenntnisse über Vereinsstrukturen, welche die Integration teilweise erschwerten. Im Folgenden wird auf die Teilziele und deren Wirkung eingegangen. Teilziel 1: Im Rahmen dieses Projekts wurde das gesetzte Teilziel erreicht. Die geplanten qualitativen Leitfadeninterviews mit S. Gökalp und A. Heini wurden durchgeführt. Diese waren zielbringend, weshalb aus ressourcengründen auf das Interview mit der Feuerwehr Erstfeld verzichtet wurde. Eine Literaturrecherche zum Forschungsstand im Kanton Uri erfolgte nicht in diesem Umfang. Die Relevanz lag weniger auf der theoretischen Aufarbeitung, sondern vielmehr auf der praktischen Perspektive durch die Interviews. Die gewonnenen Erkenntnisse konnten dokumentiert werden. Die Leitfadeninterviews lieferten wertvolle Informationen, die in der Begleitung umgesetzt werden konnten. So konnten die Interviews, die Gespräche mit der Fachstelle und anderen Personen dazu genutzt werden, Unterlagen, Tipps und Ideen zu übernehmen, ohne einen grossen Aufwand zu betreiben. Die Analyse der Interviews erfolgte systematisch mittels Kategorienbildung, was sich als sinnvoll erwies. Im Kapitel fünf werden die angewendeten Methoden detailliert erläutert. Die so gewonnenen Kategorien konnten schliesslich auch für die abschliessende Evaluation genutzt werden und sorgten für methodische Konsistenz. Teilziel 2: Das Ziel, den Begleitungsprozess zu dokumentieren, wurde grundsätzlich erreicht. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Vorgängerprojekten wurden aktiv in die Planung und Umsetzung der Begleitung aufgenommen. Sie dienten als wichtige Grundlage für die methodische Ausgestaltung des Prozesses und wurden praxisnah berücksichtigt. Ein Handlungsplan wurde erstellt, der sich auf die Ergebnisse der Literaturrecherche und der qualitativen Interviews stützte. Mit den Teilnehmenden wurden Erstgespräche geführt, ihre Bedürfnisse aufgenommen und Vereinseintritte vorbereitet. Dass es bei der Umsetzung teilweise scheiterte, lag an externen Faktoren wie zeitlichen Ressourcen oder sprachlichen Herausforderungen. So bestätigt sich die im Vorgängerprojekt erkannten Herausforderungen, denn die Teilnahme seitens Vereine wurde u.a. durch fehlende Sprachkenntnisse verweigert. Weiter blieb der finanzielle Aspekt eine Hürde. Der Plan wurde jedoch konsequent verfolgt, weshalb das Leistungsziel als erfüllt betrachtet werden kann. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, wurden zwei freiwillige Personen über die Fachstelle in den Prozess eingeführt. Die Projektleitung begleitete sie eng, übergab ihnen Materialien und Informationen. Eine erste Vernetzung mit einer Migrantin konnte bereits erfolgen. Die Kontaktdaten der Freiwilligen wurden an die Fachstelle weitergegeben. Teilziel 3:
Hochschule Luzern 12 Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit konnte nicht nur erreicht, sondern übertroffen werden. Denn die Sensibilisierung und Veröffentlichung dieses Projekts wurde in zusätzlichen Formen als geplant ausgeführt. Eine Erfolgsgeschichte wurde erstellt und enthält neben narrativen Elementen auch Gesprächsinhalte und Bildmaterial. Die Aufbereitung erfolgte so, dass sie für die Öffentlichkeitsarbeit und zur Sensibilisierung von Vereinen eingesetzt werden kann. In der Anfangsphase nahmen die Projektleitenden an einer Sitzung der Fachkommission Integration teil und stellten ihr Projekt vor. Livia Renggli, welche das Interview mit der Gründerin vom Verein Integration in der Freizeit durchführte, nahm an einem Austauschanlass dieses Vereins teil. Zudem hatten die Projektleitenden am Flüchtlingstag einen Stand, um auch dort das Projekt vorzustellen und mögliche Vereine sowie Teilnehmende direkt zu vernetzen. Geplant wird, passend zu diesem Teilziel, in Zukunft ein Austauschanlass, an dem interessierte Vereine teilnehmen können und das Projekt der Gesellschaft nähergebracht wird. 4.2 Projektaufbauorganisation Die Fachstelle Integration und Vernetzung fungierte als Auftraggeberschaft und definierte das übergeordnete Grobziel des Projekts. Als Ziel wurde festgelegt, dass der entwickelte Handlungsplan des Projekts Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Kanton Uri von der Theorie in die Praxis umgehen und sichtbare Ergebnisse erzielen sollte. Die Auftraggeberschaft stand während der gesamten Planungsund Umsetzungsphase als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung und gaben regelmässig inhaltliches Feedback. Die Steuergruppe setzte sich aus zwei zentralen Institutionen zusammen. Auf strategischer Ebene war der Asylund Flüchtlingsdienst des SRK für die Ressourcenbeschaffung zuständig. Diese beinhaltete alle Sozialarbeiter:innen und die Case Managerin. Die Fachstelle Integration und Vernetzung, vertreten durch Begjie Berisha, Yvonne Suter und Aline Arnold, fungierten beratend bei inhaltlichen oder organisatorischen Fragen. Die Projektleitenden werden auf operativer Ebene von der Begleitperson der HSLU, Selma Koch, durch Fragen zum Projektablauf, unterstützt. Ihre Rolle bestand darin, die Studentinnen im Rahmen der Projektausbildung fachlich zu begleiten, die Reflexion anzuregen und eine wissenschaftliche fundierte Auswertung sicherzustellen. Die Rolle der Steuergruppe war, bei Entscheidungen, wie Meilensteinsitzungen, projektentscheidende Fragen zu klären.
Hochschule Luzern 13 Während des Projekts wurde Wert auf die effiziente Nutzung bereits vorhandener Ressourcen und bewährter Tools gelegt. Wichtig war, auf bestehenden Ansätzen aufzubauen und den Fokus darauf zu legen, vorhandenes Wissen zu integrieren, um effizient arbeiten zu können. Weiter soll eine transparente und niederschwellige Kommunikation hergestellt werden. (B. Berisha, persönliche Mitteilung, 2024, 30. Oktober). 4.3 Auswertung des Projektaufbaus Die Auftraggeberin, Steuergruppen, Projektleitung sowie die Begleitung der HSLU nahmen ihre Aufgaben wahr und führten diese angemessen aus. Die Kommunikation zwischen der Fachstelle Integration und Vernetzung erfolgte unkompliziert über Telefon oder E-Mail. Beide Parteien nahmen sich Zeit, um zeitnahe auf Fragen der Kolleginnen zu antworten, um einen stetigen und transparenten Kommunikationsfluss zu halten. Abbildung 4: Grafische Projektstruktur (eigene Darstellung)
Hochschule Luzern 14 Die Verlagerung vom Projekt von der Begleitung zur Nachhaltigkeit wird durch den vordefinierten Wert begründet, dass auf bereits bestehende Ansätze aufgebaut werden soll. Durch die Vernetzung von B. Berisha eröffneten sich mehrere Möglichkeiten der Bekanntmachung und somit Verankerung des Projektes (Siehe Kapitel 6). Die weiteren Werte wurden respektiert und zufriedenstellend umgesetzt. Die Begleitung durch Selma Koch erfolgte gemäss der Planung an gemeinsamen Projektleitungssitzungen. Dort war die Terminfindung und -definierung nicht optimal, wurde jedoch schnell benannt und korrigiert. Ausserordentliche Kontaktaufnahmen gab es keine. Die Zusammenarbeit mit dem SRK konnte über die Projektleitende Olivia Herger, welche selbst dort tätig ist, gewährleistet werden. Gegen aussen wurde gemerkt, dass es nicht klar war, wer auftraggebende Personen waren. Vereine kamen auf die Auftraggeberschaft zu und erwähnten das Projekt im Namen des SRKs. Dies wurde den Projektleitenden zurückgemeldet, welche sich seitdem achteten, die Fachstelle Integration und Vernetzung zu erwähnen. Was mit der Planung abweicht, sind die freiwilligen Personen, welche auf operativer Ebene eine wichtige Rolle spielten. 4.4 Projektablauforganisation Das Projekt war in vier aufeinanderfolgende Phasen gegliedert. Diese Projektphasen beinhalteten alle ihr methodisches Vorgehen (siehe Kapitel 5), welche anhand vorhergehender Recherche bestimmt wurden. In diesem Abschnitt wird lediglich auf die Aktivitäten der Projektphasen eingegangen und evaluiert. 4.4.1 Projektphasen und Meilensteine In der Recherchephase wurde zu bestehenden Ansätzen zur Vereinsmitgliedschaft von Migrant:innen recherchiert. Gleichzeitig galt es herauszufinden, wie Leitfadeninterviews aufgebaut und ausgewertet werden. Ein solches Interview wurde in der darauffolgenden Phase der Analyse umgesetzt. Dafür wurde S. Gökalp, welcher im Vorgängerprojekt als Teilnehmer involviert war, sowie A. Heini, Gründerin des Vereins Freizeit und Integration, über Erkenntnisse und Erfahrungen interviewt. Dadurch sollten die Rechercheergebnisse vom Vorgängerprojekt (siehe Kapitel 3.3.) auf die Aktualität geprüft werden. Die Umsetzungsphase wurde als längste Phase definiert. Die Aktivitäten wurden anhand des Handlungsplans des Vorgängerprojekts geplant und beinhaltete Gespräche mit verschiedensten Vereinen und Personen. Die Auswahl der Teilnehmer:innen wurde nicht detailliert geplant, sondern in einer Projektleitendensitzung bestimmt. Die abschliessende Phase beinhaltete die Erstellung der Erfahrungen und Resultate für die Übergabe.
Hochschule Luzern 15 4.4.2 Detaillierte Projektablauforganisation Die folgende Tabelle bietet eine detaillierte Beschreibung des zeitlichen Vorgehens in den einzelnen Projektphasen. Die Projektleitenden behielten sich die Möglichkeit offen, agil auf Gegebenheiten zu reagieren. Die in Violett dargestellten Meilensteine markieren jene Zeitpunkte, an denen die Auftraggeberschaft eine projektsteuernde Entscheidung geben musste, um die nächsten Schritte freizugeben.
Hochschule Luzern 16 Abbildung 5: Projektablauforganisation (eigene Erhebung)
Hochschule Luzern 17 4.4.3 Auswertung des Projektablaufs Die einzelnen Projektphasen konnten zur Zufriedenheit der Projektleitenden umgesetzt werden. In der Recherchephase wurde schnell bemerkt, dass sich der Fokus auf die beiden Vorgängerprojekte beschränkte. Es erwies sich als sinnvoll, sich vertieft mit dem Handlungsplan auseinanderzusetzen, weil dieser ein wichtiges Tool für die Begleitung wurde. Die Leitfadeninterviews stellten einen wichtigen Schritt zur Weiterführung des Projekts dar, da durch A. Heini wertvolle Erkenntnisse sowie Materialien übernommen werden konnten. Dies ersparte den Projektleitenden Zeit und kam in der Umsetzungsphase zugute. Der verschobene Schwerpunkt der Begleitung zur Nachhaltigkeit des Projekts und die Anpassung an die individuellen Vereine und Teilnehmenden hatte Veränderungen in dieser Phase zur Folge. So brauchte es bei manchen Teilnehmenden weniger Gespräche oder in manchen Vereinen mehr Sensibilisierung. Stattdessen wurde mehr Zeit in der Nachhaltigkeit und Publizierung des Projektes aufgewendet. Es kamen deshalb weitere Aktivitäten dazu, wie zum einen die Anfrage der Freiwilligen und deren Einbezug in den Prozess. Zum anderen die Teilnahme an einer Sitzung der Fachkommission Integration, wofür die Projektleitenden zur Vorbereitung eine PowerPoint erstellten. Die Teilnahme an einem Austauschanlass des Vereins Integration und Freizeit, dem Austausch mit R. Wijesekera oder die Teilnahme am Flüchtlingstag waren weitere Aktivitäten, die nicht aufgeführt wurden. Zum Ausgleich gab es keinen Austausch mit der Feuerwehr, welcher anfänglich geplant war. Für diese drei zusätzlichen Veranstaltungen wurden unter anderem die Meilensteinsitzungen für deren Vorbereitung genutzt. Ansonsten wurden die Meilensteine wie geplant durchgeführt. Zeitlich hat die Projektleitung gegen Ende Pufferzeit eingeplant. Schlussendlich glich sich der Zeitaufwand aus und konnte, obwohl der Schluss sportlich war, erfolgreich und fristgerecht abgeschlossen werden.
Hochschule Luzern 24 für die Auswertung verwendet wurde. Die entstandenen Erkenntnisse wurden dafür verwendet, den bestehenden Handlungsplan des Vorgängerprojekts zu aktualisieren. Diese Vorgehensweise erwies sich als gewinnbringend, da das Interview gut strukturiert war und die notwendigen Informationen für eine Aktualisierung des Handlungsplans brachte. Beispielsweise wie mit dem sprachlichen Niveau der Teilnehmenden umgegangen werden kann. So gibt es Vereine, in welchen die Sprache eine weniger wesentliche Rolle spielt. In herausfordernden Situationen soll die freiwillige Person Hilfestellung leisten. Ein weiterer Punkt stelle der Kostenpunkt dar, gewisse Vereine haben höhere Auslagen. Darüber sagt A. Heini, dass Vereine teilweise bei den Kosten entgegenkommen können oder Individallösungen mit Sozialarbeitenden getroffen werden können (A. Heini, Interview, 20.01.2025). Für die Kommunikation arbeitet der Verein mit diversen Flyern oder Broschüren, welche A. Heini den Projektleiterinnen zur Verfügung stellte. So konnte die Projektgruppe sich am bewährten Informationsmaterial des Vereins orientieren und eigene Unterlagen für den Prozess erstellen. Während des Interviews wurde ausserdem ein Austauschanlass thematisiert, welcher im Verein stattfindet. A. Heini zeigte sich offen und lud die Interviewerin dazu ein, am Anlass teilzunehmen. 5.3.2 Austauschanlass Verein Integration in der Freizeit Dieser Austauschanlass am 29. Januar 2025 eröffnete Möglichkeiten zum «Entdecken einer fremden Welt», um durch Interaktion und Beobachtung neue Perspektiven zu entwickeln. Zudem fand eine «teilnehmende Beobachtung» statt, in welcher eine tiefere Einsicht in einen sozialen Prozess gewonnen werden kann (Mayring, 2015, S. 33). Am Austauschanlass waren die Freiwilligen Ansprechpersonen für Teilnehmende sowie Gäste dabei. Nach einem kurzen theoretischen Input zum Prozess wurde ein partizipativer Austausch unter den Anwesenden gefördert, welcher durch die Freiwilligen angeleitet wurde. Alle kamen ins Gespräch, wobei Teilnehmende über Angebote informiert wurden und neue Kontakte knüpfen konnten. Livia Renggli nahm am Anlass teil und hatte dadurch den Zugang zu neuen Erkenntnissen. Beispielsweise welche Vereine sich besonderer Beliebtheit unter den Anwesenden erfreuen oder woran die Entscheidung für oder gegen einen Vereinseintritt festgemacht wird. Rückwirkend lässt sich sagen, dass der Austauschanlass eine wertvolle Einsicht in einen Verein bot, welcher das gleiche Ziel wie das Projekt verfolgt. Das Programm des Anlasses wurde dokumentiert und der Fachstelle Integration und Vernetzung mit der Empfehlung einer Durchführung eines solchen Anlasses übergeben. Auch würden sich die Projektleiterinnen zur Verfügung stellen, an einem solchen Austauschanlass ihr Wissen und ihre Erfahrungen kundzutun.
Hochschule Luzern 25 5.3.3 Austausch mit R. Wijesekera Durch den Austausch mit den freiwilligen Personen aus dem Verein «Integration in der Freizeit» ergab sich ein weiterer Kontakt. R. Wijesekera ist im Kanton Uri wohnhaft und wurde bereits für Integrationsprojekte angefragt. Weil sie deshalb einen Erfahrungsschatz sowohl in Projekten als auch des Kantons Uri aufwies, wurde mit ihr ein Austausch geplant. Im Gespräch ging es darum, wiederum den Bedarf zu erheben. Ausserdem sollte ihre Erfahrung aus dem Kanton Luzern dazu dienen, eine Parallele zum Kanton Uri herzustellen. Im Austausch wurden Fragen gemäss den Strukturen des Leitfadeninterviews gestellt, welches wiederum gemäss der beschriebenen Literatur geführt wurde, wurden die erwähnten Punkte besprochen. Es zeigte sich, dass die Befragte einen Bedarf an integrationswilligen Personen im Kanton Uri erkennt. Sie äusserte zudem Bedenken, ob das Angebot an integrationsfreudigen Vereinen vorhanden sei. Die Erkenntnisse dieses Austausches wurden in der weiteren Planung berücksichtigt, indem der Handlungsablauf bei Vereinsanfragen angepasst wurde. Die Projektleiterinnen konnten bei Vereinsanfragen zwar auf die Vernetzungsliste zurückgreifen, doch diese umfasste nicht alle Vereine. So wurde in gewissen Fällen über vernetzte Personen wie R. Wijesekera oder die Fachstelle nach den geeigneten Vereinen gesucht. 5.4 Umsetzungsphase mit ethnografischer Begleitung Die vorherig beschriebenen Prozesse waren insofern hilfreich, dass die ethnografische Begleitung an die Erkenntnisse aus der Recherche und anschliessenden Analyse angepasst werden konnte. 5.4.1 Klientelauswahl Der Bedarf an integrationswilligen Personen war ausgewiesen. Nun wurde der Prozess der Rekrutierung gestartet. Dies sollte über die Sozialarbeitenden geschehen, welche bereits in Kontakt mit potenziellen Teilnehmenden stehen. Dafür wurde das Team des Asylund Flüchtlingsdienst der Geschäftsstelle vom SRK Uri informiert, sowie die Sozialdienste Uri Nord sowie Süd per E-Mail aufgeklärt. Es wurde ein Flyer zur Werbung erstellt und Interessierte konnten auf einer Excelliste mit den Kontaktdaten erfasst werden. Die potenziellen Teilnehmenden sollten niederschwellig auf das Projekt aufmerksam gemacht und informiert werden. Der Entscheid sollte durch die Person mit Migrationshintergrund eigenständig getroffen werden. Dies entspricht dem partizipativen Prozess, welcher die Selbstbestimmung von Anfang an ins Zentrum stellt (Strassburger & Rieger, 2019, S. 134). Die Projektleiterinnen verlangten für
Hochschule Luzern 26 die Teilnahme ausschliesslich, dass sich auf Deutsch verständigt werden kann und die Teilnehmenden partizipieren möchten. Sobald sich Personen mit Migrationshintergrund als interessiert äusserten, nahmen die Projektleitenden mit den jeweiligen Personen Kontakt auf. Dabei wurde beim Erstkontakt darauf geachtet, dass die Migrant:innen in einfacher Sprache nachvollziehbar zum Projekt aufgeklärt wurden und sie eigenständig über die Projektteilnahme entscheiden durften (Strassburger & Rieger, 2019, S. 237-238). Dies hatte zur Folge, dass einige Personen sich bereits vor dem Erstgespräch dazu entschieden, nicht mitmachen zu wollen oder zu können. Mit den Personen, welche weiterhin Interesse hatten, wurde ein Erstgespräch geplant. 5.4.2 Erstgespräch und Einverständnis Das Erstgespräch dauerte jeweils eine Stunde, die Projektleiterinnen benutzten zur Führung eine Präsentation. Die Präsentation setzte sich aus folgenden Teilen zusammen: Vorstellung, Projektbeschrieb, Anforderungen und Einverständnis für das Projekt, Erklärungen zum System Vereine sowie Fragen an Teilnehmende, das daran verbundene Interesse und dessen Möglichkeiten. Die Unterlagen zur Vorbereitung entstanden aus dem Informationsmaterial des Vereins Integration in der Freizeit. Die Projektleitenden hielten sich bei der Durchführung an die partizipative Gesprächsführung, welche daraus besteht, die Ziele bewusst zu machen und Ressourcen für eine positive Veränderung zu nutzen. So konnte die Motivation zur Integration und das Interesse an gewissen Vereinsaktivitäten genutzt werden, um den Prozess der Vereinsbegleitung zu starten. Dabei war es wichtig, den Teilnehmenden Mut zu machen und sie in herausfordernden Situationen zu unterstützen (Strassburger & Rieger, 2019, S. 239-240). Eine Einverständniserklärung zum Abschluss des Gesprächs sollte dazu verhelfen mehr Verbindlichkeit in der Kommunikation zu schaffen, indem auf Nachrichten geantwortet werden sollte sowie an den vereinbarten Treffen teilzunehmen. In der Evaluation erwies sich das Einverständnis als eher abschreckend, diese Vereinbarungen hätten auch mündlich erfolgen können. Für das Erstellen von Medienbeiträgen war das Einverständnis jedoch unausweichlich. Im Rahmen des Projekts wurden von elf Migrant:innen die Bedürfnisse während Erstgesprächen abgeholt. Alle Teilnehmenden des Erstgesprächs teilten schliesslich ihre Interessen mit und es wurde vereinbart, dass die Vereinssuche durch die Projektleitenden startet. 5.4.3 Vereinsanfragen Mit dem Kennen der Interessen der Teilnehmenden startete das Rekrutieren der Sekundärzielgruppe, nämlich der Vereine. Dabei verfolgt die Projektgruppe den Ansatz des strukturellen Empowerments.
Hochschule Luzern 27 Barrieren müssen für Vereine abgebaut werden und Zugänge einladend und niederschwellig gestaltet werden, dabei sollten alle Adressat:innen für sie relevante Entscheidungen miteinbezogen werden (Strassburger & Rieger, 2019, S. 237-238). Die Vernetzungsliste, mit Vereinen aus dem Kanton Uri und der Informationen zum Stand der letzten Anfrage vom Vorgängerprojekt, half der Projektgruppe, passende Vereine ausfindig zu machen. Die Liste wurde fortlaufend mit neuen Vereinen ergänzt und die Anfragen gemäss der ethnografischen Dokumentation festgehalten, damit die erworbenen Daten gesammelt und verwendet werden konnten (S. Thomas, 2019, S. 95 – 113). Neue Vereine wurden im Austausch mit der Fachstelle Integration und Vernetzung, durch Personen wohnhaft im Kanton Uri oder durch Onlinerecherchen ausfindig gemacht. Die Vereinsanfrage geschah schliesslich per E-Mail oder per Telefon, wobei persönliche Gespräche zur verständlichen Erklärung bevorzugt wurden. Falls die Vereinsvertreter:innen Interesse am Prozess der Integration zeigten, erhielten sie die Broschüre für Handlungsempfehlungen. Dies sollten die Vereine bereits präventiv auf Empfehlungen aufmerksam machen. Weiter wurden die Rahmenbedingungen für ein Schnuppertraining wie Ort, Zeit, Wochentag, Kosten und notwendige Ausrüstung abgeholt. Im Prozess der Vereinsanfragen zeigten sich viele Vereinsvertretende offen und boten sogleich ein Schnuppertraining an. Andere Vereine zeigten eine skeptische Grundhaltung und äusserten Bedenken, ob ihr Verein der richtige für eine Integration sei. Die Projektleiterinnen versuchten auf diese Herausforderung mittels transparenter Kommunikation zu reagieren. Die Entscheidung, ob ein Vereinseintritt als möglich erachtet wird, lag gemäss dem partizipativen Ansatz bei den Vereinen. Insgesamt konnte der Kontakt zu 14 Urner Vereinen geknüpft werden. 5.4.4 Vereinseintritt Die Informationen zum Verein wurden schliesslich den Teilnehmenden zur Auswahl gestellt und das Interesse dazu eingeholt, somit wurde nach Empowerment praktiziert (Strassburger & Rieger, 2019, S. 152 – 185). Partizipative Prozesse können bei den Teilnehmenden dazu führen, dass Klarheit bezüglich der eigenen Interessen geschaffen werden (Strassburger & Rieger, 2019, 239-240). Bei den begleiteten Teilnehmenden war es gemäss eigener Angaben selten das Interesse, welches gefehlt hat. Es hat sich gezeigt, dass auf Grund der strukturellen Rahmenbedingungen Vereine aus zeitlichen oder kostenrelevanten Gründen nicht besucht werden konnten. Für solche Situationen sollte zukünftig die Freiwilligenarbeit zur Verfügung stehen, so kann gemeinsam mit den Teilnehmenden und Vereinsvertretenden nach Lösungen gesucht werden. Bei einer Begleitung wurde bemerkt, dass die Freiwillige schnell eine Bindung zur Teilnehmerin aufbauen konnte. Dies war gewinnbringend für den Prozess, da dadurch die Teilnehmende Motivation am Prozess aufrechterhalten konnte.
Hochschule Luzern 28 5.5 Abschlussphase Der ganze Prozess der Vereinsbegleitung wurde gemäss der ethnografischen Dokumentation verschriftlicht. So wurden Beobachtungen verschriftlicht oder aufgenommen, welche in der Begleitung von den Projektleiterinnen als relevant eingestuft wurden. Gemeinsame Notizen im OneNote oder Memos sollten dazu helfen, eine langfristige Auseinandersetzung mit den erhobenen Daten zu ermöglichen und ein tieferes Verständnis der beobachteten Phänomene zu erlangen (S. Thomas, 2019, S. 95 – 113). Der aktuelle Stand der Begleitungen wurden von den Projektleiterinnen in der Erfolgsgeschichte festgehalten. Zudem fand eine Übergabeveranstaltung mit den Projektleiterinnen, den freiwilligen Personen, den Vertretenden der Fachstelle Integration und Vernetzung und der Mentorin Selma Koch statt. Die Projektergebnisse, -resultate sowie das weitere Vorgehen konnten vorgestellt und geklärt werden. 5.6 Freiwilligenarbeit Wie bereits im Abschnitt «Gespräche mit Fachstelle Integration und Vernetzung» erwähnt, bot die Fachstelle eine Hilfestellung in der Findung von freiwilligen Personen. Dabei wurde der Kontakt zu zwei Schlüsselpersonen gesucht, welche am Projekt mitwirken wollten. Die Projektleiterinnen entschieden, entgegen der Planung, die beiden Schlüsselpersonen gemäss dem partizipativen Arbeiten als Ressource in den Begleitprozess einzubinden (Strassburger & Rieger, 2019, 239-240). Laut einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG, 2020) ist der strukturierte Einbezug von Freiwilligen ein zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Projekte. Die Studie betont, dass die Rollenklärung, regelmässige Kommunikation und Anerkennung entscheidend sind. Wenn es zwischen den Freiwilligen und der Zielgruppe passt, wird die Wirksamkeit erhöht (S.5). So wurden sie vor dem Erstgespräch instruiert, was das Ziel ist und inwiefern die weitere Begleitung erfolgen soll. Dadurch gewonnen die Freiwilligen ein Verständnis über den verfolgten Ansatz und den Prozess. Dies führte dazu, dass eine Freiwillige bereits zwei eigene Erstgespräche durchführen konnte und die Begleitung dieser beiden Teilenehmenden aktiv unterstützt. Damit wurde ein wichtiger Schritt Richtung Nachhaltigkeit gemacht.
Hochschule Luzern 29 6. Sicherung der Nachhaltigkeit Angesichts der Verlagerung des Schwerpunktes dieses Projekts, wurde die Nachhaltigkeit ein wichtiger Anhaltspunkt. Im ersten Abschnitt wird analysiert, welche nachhaltigen Effekte das Projekt entfaltete und welche Faktoren das Verstetigen der Ergebnisse begünstigten oder behinderten. Im zweiten Abschnitt wird ausgewertet, wie durch Methoden eine Nachhaltige Vernetzung von Migrant:innen in Vereinen sichergestellt wurde. 6.1 Prozessevaluation Nebst der unmittelbaren Wirksamkeit, der Teilnahme der Migrant:innen in einem Verein, gewinnt die Frage nach dessen langfristiger Wirkung zunehmend an Bedeutung. Für die Projektleitenden und die Fachstelle Integration und Vernetzung war es wichtig, dass das Projekt nach Abschluss nicht versandet. Anfänglich war klar, dass in diesem kurzen Zeitraum das umfangreiche Thema der Freiwilligenarbeit nicht vertieft behandelt werden kann. Deshalb richtete sich das Projekt gezielt der praktischen Umsetzung aus. Im Verlaufe des Prozesses, wurden mithilfe der Auftraggeberschaft freiwillige Personen gestellt, welche sich für die Sicherstellung des weiteren Verlauf nach Projektabschluss einsetzen. Die Aufgleisung der Koordination zwischen Teilnehmenden und Vereinen musste sorgfältig angegangen werden. Dafür trafen sich die Projektleitenden mehrmals, um das weitere Vorgehen der Situation angepasst zu definieren. Ein Koordinationstool in Form einer Vernetzungsliste konnte der Fachstelle übergeben werden. Dort sind Vereine mit aktuellen Kontaktangaben, interessierte Teilnehmende sowie Freiwillige ersichtlich. Es dient zur einfachen Handhabung der zukünftigen Vernetzung und half den Projektleitenden bereits, den Überblick zu behalten. Da zeitgleich die Planung vom Flüchtlingstag lief, wurden die Projektleitenden angefragt, an diesem Tag das Projekt an einem Stand zu publizieren. Die Projektleitenden konnten die nötigen Vorbereitungen treffen und am 21. Juni 2025 ihr Projekt, zusammen mit einer freiwilligen Person, vorstellen. Auch die Fachkommission wurde durch B. Berisha eingeleitet, da dies eine Aussicht zur Verankerung im KIP ergab oder zumindest an die richtigen Personen gewidmet werden konnte. Die Erfolgsgeschichte wird nicht nur publiziert, es wurde zudem mit mehreren Vereinsmitglieder Kontakt aufgenommen und das Projekt vorgestellt. Es zeigte sich der Wunsch seitens der Auftraggeberschaft, einen Austauschanlass zu organisieren. Dieser wird aus ressourcengründen von der Fachstelle Integration und Vernetzung vorbereitet. Die Projektleitenden werden lediglich anwesend sein, da dieser erst nach Abschluss des Projektes stattfindet. Der Faktor Zeit stellte ein Hindernis dar, denn die Nachhaltigkeit ist aufwendig und zeitintensiv. Der Stand der Begleitung wurde
Hochschule Luzern 30 von den Projektleitenden vor Abschluss dieses Berichtes eingeholt. Eine regelmässige Nachfrage beim Verein, der Teilnehmenden oder Freiwilligen ist also unerlässlich. 6.2 Methodisches Vorgehen zur nachhaltigen Verankerung des Projekts Die Aktivitäten zur nachhaltigen Verankerung werden jeweils nach dem Ziel und dessen Vorgehen strukturiert. Anschliessend werden die Aufgabenverteilung sowie Durchführung und Wirkung beschrieben. Im Zentrum aller Vorgehen steht die Weiterführung des Projekts. 6.2.1 Übergabe an Fachstelle Integration und Vernetzung Die Übergabe des Projekts an die Fachstelle musste klar strukturiert werden, denn dies war ausschlaggebend für die Weiterführung der Vernetzung. Das Ziel war, dass die Fachstelle Integration und Vernetzung über den Stand der Begleitungen und deren Weiterführung Bescheid wusste. Zudem sollte der Prozess zusammengefasst und die Unterlagen übergeben werden, sowie die Rolle der Anwesenden klar gemacht werden. Das methodische Vorgehen in diesem Teil zeichnet sich durch die Vorbereitung und Durchführung der Übergabe, Klärung der weiteren Schritte sowie der Beteiligung relevanter Akteure aus. So teilten sich die Projektleitenden die Aufgaben zum Vorbereiten auf. Livia Renggli fasste in einer strukturierten PowerPoint des gesamten Prozesses zusammen. Die Durchführung wurde anhand dieser PowerPoint eingeleitet und in einem zweiten Punkt wurden die Resultate übergeben. Zu diesem Teil kamen die involvierten Freiwilligen dazu. Die Erkenntnisse und der aktuelle Stand der Begleitprozesse wurden in diesem Schritt übergeben und die Rolle der Freiwilligen sowie der Fachstelle wurde in diesem Schritt geklärt. Die Exelliste, welche als Koordinationstool weitergeführt werden soll, wurde erklärt und übergeben. In einem letzten Schritt musste die Zukunft geklärt werden. Denn der Austauschanlass (Kapitel 6.2.2) steht in Zukunft an, sowie eine Veröffentlichung eines Zeitungsartikels. Der Artikel wurde am 28. Juni in der Urner Zeitung veröffentlich, die Überschrift lautete «Integration durch Vereinsleben – Erfolgreiches Projekt im Kanton Uri wird fortgesetzt». Das Übergabegespräch fand vor Ort in den Räumlichkeiten der Fachstelle Integration und Vernetzung, zusammen mit der HSLU-Begleitperson, Selma Koch, statt. 6.2.2 Austauschanlass Zur Sicherstellung der nachhaltigen Wirkung des Projekts wurde ein gezielter Austauschanlass geplant, welcher als Ziel der Wissenstransfer, die Netzwerkbildung sowie die Verstetigung der Projektiere im sozialen Raum beinhaltet. Dieser Erfahrungsaustausch soll zwischen den Projektleitenden, Freiwilligen,
Hochschule Luzern 31 Auftraggeberschaften, Vereinen sowie Teilnehmer:innen stattfinden. Die operative Planung und Durchführung des Anlasses wurde von der Fachstelle Integration und Vernetzung übernommen. Die Vorbereitungen beinhalteten das Einladen der beteiligten Akteur:innen, sowie die Sicherstellung eines Raumes und organisieren eines Apéros. Die Projektleitenden werden Erfahrungen und Erkenntnisse präsentieren. Dieses Treffen sollte die Stärkung der Mitverantwortung der Beteiligten bewirken. 6.2.3 Freiwillige Personen Ziel war es, durch zivilgesellschaftliches Engagement eine langfristige Unterstützung und Mitgestaltung sicherzustellen. Das Vorgehen zum Einbezug der Freiwilligen orientierte sich an den Empfehlungen der BAG-Studie zum gelingenden Einsatz von Freiwilligen. Zu Projektbeginn wurden zwei Freiwilligen, Hana Benovic und Aterore Bicurri, durch die Auftraggeberschaft zur Mitarbeit eingeladen und den Projektleitenden übermittelt. Die Auswahl erfolgte bewusst, da beide eigene Migrationserfahrungen mitbrachten und somit eine hohe Nähe zur Zielgruppe aufwiesen – ein Aspekt, der laut Forschung die Wirksamkeit von Freiwilligenarbeit erhöht (Bundesamt für Gesundheit, 2020, S. 5). Die Beiden wurden schrittweise in die Begleitprozesse eingeführt, um eine selbstständige Weiterführung zu ermöglichen. Es wurden nach der Übergabe dieses Projektes an die Fachstelle zwei weitere Freiwillige Personen gefunden. Die Kommunikation mit den Projektleitenden war transparent und die Rollenklärung wurde laufend geklärt. Beide Frauen übernahmen bereits erste Aufgaben wie Erstgespräche, Vereinsrecherche und Begleitung zu Trainings. Für Fragen stehen die Projektleitenden bis Abschluss des Projekts zur Verfügung. Die Übergabe der Verantwortung an die Fachstelle Integration und Vernetzung wurde frühzeitig den Freiwilligen kommuniziert, um Kontinuität sicherzustellen. Die Einbindung der Freiwilligen trug wesentlich zur Reichweitenvergrösserung, Vertrauensbildung und sozialen Nachhaltigkeit des Projekts bei.
Hochschule Luzern 32 7. Schlussfolgerungen und Perspektiven Das Projekt Förderung der Partizipation von Migrant:innen in Urner Vereine hat eindrücklich gezeigt, wie vielschichtig und zugleich wirkungsvoll soziale Integration durch Vereinsaktivitäten gestaltet werden kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Erkenntnisse lassen sich in mehreren zentralen Punkten zusammenfassen, welche in diesem abschliessenden Kapitel dargelegt werden. 7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Es wurde deutlich, dass Beziehungsarbeit der Schlüssel zur erfolgreichen Begleitung ist. Eine tragfähige Bindung zwischen Begleitperson und Teilnehmenden bildet die Grundlage für Vertrauen, Motivation und nachhaltige Integration. Diese Beziehung muss nicht zufällig entstehen, sondern kann durch eine frühzeitige Rollenklärung, transparenter Kommunikation und partizipative Gesprächsführung gezielt aufgebaut werden. Zudem zeigte sich, dass Vereine als Integrationsorte grosses Potential bieten – vor allem, wenn sie aktiv in den Prozess eingebunden werden. Die Erfahrung hat gelernt, dass eine Abstimmung mit den Vereinsverantwortlichen, insbesondere in der Anfangsphase, entscheidend ist. Nur so können Missverständnisse vermieden, Erwartungen geklärt und individuelle Lösungen gefunden werden. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit steigt, wenn Vereine sich als Teil des Prozesses verstanden fühlen. Wie im nachfolgenden Kapitel erläutert wird, gilt zu beachten, dass nicht alle Vereine oder Teilnehmenden eine enge Begleitung brauchen. Die Einbindung von freiwillig engagierten Personen schuf ein nachhaltiger Wirkmechanismus. Sie fungieren nicht nur als Brückenbauerinnen, sondern auch als Vertrauenspersonen, die kulturelle Sensibilität und Nähe zur Zielgruppe mitbringen. Die Erkenntnis, dass die Nachhaltigkeit nicht automatisch entsteht, sondern aktiv gestaltet werden muss, konnten die Projektleitenden mitnehmen. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Kontext nicht nur die Weiterführung einzelner Begleitungen, sondern die Verankerung von Strukturen, die langfristig wirken. 7.2 Schlussfolgerungen für die Praxis Aus den gewonnenen Erkenntnissen lässt sich die Empfehlungen für die Praxis ableiten, dass die Begleitung nicht als Standardlösung betrachtet werden darf, sondern sollte gezielt und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Nicht jede Person benötigt dieselbe Form der Unterstützung. Manche profitieren von einer guten Erstinformation über das Vereinswesen und einer klaren Erklärung, was es bedeutet, Mitglied in einem Verein zu sein und weniger von der Begleitung in den jeweiligen Verein. Eine differenzierte Bedarfsabklärung zu Beginn spart Ressourcen und erhöht die Wirksamkeit.
Hochschule Luzern 33 Weiter wurde abgeleitet, dass die Freiwilligenarbeit gestärkt werden soll. Durch klare Rollenklärung und kontinuierlicher Begleitung erhöht sich die Erfolgschance. Um das ganze abzurunden, soll immer Partizipation ermöglicht werden. Denn die Selbstbestimmung der Teilnehmenden muss im Zentrum stehen – von der Entscheidung zur Teilnahme bis zur Wahl des Vereins – um langfristig im Vereinsleben motiviert zu bleiben. 7.3 Ausblick Das Projekt hat nicht nur konkrete Integrationsprozesse angestossen, sondern auch strukturelle Impulse gesetzt. Für die Zukunft stellt sich die Frage, wie diese Ansätze institutionalisiert werden können, etwa durch eine feste Verankerung im KIP oder durch die Schaffung eines Freiwilligennetzwerk für Vereinsintegration. Dadurch soll die Rolle der Freiwilligen als Bindeglied zwischen Fachstelle, Vereinen und Bevölkerung weiter gestärkt werden. Zudem lohnt es sich, die Wirkung dieses Projektes langfristig zu evaluieren: Wie entwickeln sich die Vereinsmitgliedschaften über mehrere Jahre? Welche Faktoren fördern oder behindern die Kontinuität? Und wie kann dir Zusammenarbeit zwischen Sozialer Arbeit, Zivilgesellschaft und Verwaltung noch effektiver gestaltet werden? Das Projekt hat gezeigt: Integration ist kein einmaliger Akt, sondern ein gemeinsamer, dynamischer Prozess – getragen von Vertrauen, Offenheit und dem Willen zur Zusammenarbeit.
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Hochschule Luzern 56 Anhang E Bericht Urner Zeitung