scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

SODa Basiskurs zu Erschließung und Forschungsdatenmanagement in Universitätssammlungen. Modul 4: Objekte digitalisieren

Gnyp, Anna

Abstract

Der SODa Basiskurs vermittelt Menschen, die in und mit wissenschaftlichen Hochschul- und Universitätssammlungen arbeiten, Objekte nachhaltig zu erschließen, digital zugänglich zu machen und forschungsorientiert zu nutzen. Er umfasst sechs Module, die unabhängig voneinander genutzt werden können. In "Modul 4: Objekte digitalisieren" erhalten Teilnehmende einen Überblick über die Planung von Digitalisierungsprojekten, aktuelle Herstellungsverfahren digitaler Repräsentationen und Anforderungen an Digitalisate, um in die Lage versetzt zu werden, die Digitalisierung der eigenen Sammlungsbestände entsprechend der Objektart und im Rahmen des Budgets durchzuführen. Inhaltliche Schwerpunkte dieses Moduls sind: Nutzungsszenarien digitaler Repräsentationen Planung von Digitalisierungsprojekten (Kosten-Nutzen-Analyse) Überblick über Herstellungsverfahren von Objektreproduktionen: 2D-Bild, Text, 3D-Modell, Audio & Video Technische Eigenschaften der einzelnen Reproduktionstypen (Dateiformate, Standards) Management der digitalen Assets Metadaten digitaler Reproduktionen Rechtliche Aspekte Der Foliensatz umfasst die Inhalte des am 23.10.2025 durchgeführten Online Workshops zu Modul 4 (150 Min.). Die weiteren Module des SODa Basiskurs zu Erschließung und Forschungsdatenmanagement in Universitätssammlungen sind hier zu finden: Modul 1 – Sammlungs- und Objektdaten als Forschungsdaten managen: https://doi.org/10.5281/zenodo.16761352 Modul 2 – Mit sammlungsbezogenen Daten arbeiten: https://doi.org/10.5281/zenodo.18656610 Modul 3 – Sammlungen erschließen: https://doi.org/10.5281/zenodo.17938534 Modul 5 – Publizieren & Archivieren: https://doi.org/10.5281/zenodo.18496044 Modul 6 – Ethische und rechtliche Herausforderungen bewältigen: https://doi.org/10.5281/zenodo.18758186 Mehr Informationen zum Datenkompetenzzentrum SODa finden Sie auf https://sammlungen.io/.

Full text

Basiskurs zu Erschließung und Forschungsdatenmanagement in Universitätssammlungen Modul 4: Objekte digitalisieren Anna Gnyp, 23.10.2025 Sofern nicht anders angegeben, gilt CC BY 4.0 Ressourcen SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 2 •Miro Board: https://miro.com/app/board/uXjVJ2a0Uwg=/?share_link_id=940769656952 •Präsentation wird im Nachgang veröffentlicht •Workshop ist Teil des SODa Basiskurses "Erschließung und Forschungsdatenmanagement in Universitätssammlungen“ (Module 1-6). •Alle Publikationen in der SODa Community auf Zenodo Agenda SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 3 1. Begrüßung & Einführung 2. Relevanz von Objektreproduktionen Übung: Digitalisierungsprojekt planen (15 Minuten) PAUSE ca. 10:45– 11:00 Uhr 3. Arten der Digitalisierung und ihre Herstellungstechniken 3.1. 2D 3.2. 3D 3.3. AV-Medien 3.4. Text PAUSE ca. 11:40– 11:55 Uhr 4. Management digitaler Assets 5. Technische Eigenschaften 6. Metadaten digitaler Reproduktionen 1. Einführung SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 4 Digitalisierung im Sammlungskontext Der Begriff „Digitalisierung“ bezeichnet den Prozess der Erstellung einer digitalen Repräsentation eines physischen Objektes. Die Informationen des physischen Objektes werden dabei in ein Format übersetzt, (sei es Text, Bilder, Audio oder Video), das von Computern leicht verarbeitet, gespeichert und übertragen werden kann. Ein analoges Objekt wird dadurch in Bits und Bytes umgewandelt, in eine digitalisierte Version, die mit Einsen und Nullen kodiert ist. Digitization vs. Digitalization •Digitization: Prozess der Umwandlung von der analogen in die digitale Form •Digitalization: Nutzung digitaler Technologien, um Prozesse zu verändern (Digitaler Wandel) Ressourcen SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 5 •Miro Board: https://miro.com/app/board/uXjVJ2a0Uwg=/?share_link_id=940769656952 •Präsentation wird im Nachgang veröffentlicht •Workshop ist Teil des SODa Basiskurses "Erschließung und Forschungsdatenmanagement in Universitätssammlungen“ (Module 1-6). •Alle Publikationen in der SODa Community auf Zenodo 1. Einführung SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 6 Digitale Repräsentation Digitale Version eines physischen Objektes. Digitale Repräsentation entstehen wenn z. B. Schallwellen eines Instrumentes oder einer Vinylplatte in digitale Audiodateien wie MP3s umgewandelt werden oder analoge Fotos und Zeichnungen in pixelbasierte Formate wie JPEGs oder Vektorgrafiken wie SVGs. Diese digitalen Formate stellen Repräsentationen dar. Sie sind digital manipulierbar, duplizierbar und teilbar. In der Regel werden sie mit der Intention angefertigt, das Objekt originalgetreu wiederzugeben (Master). “Digital Twin“ Ein Digitaler Zwilling ist mehr als nur eine digitale Repräsentation. Er übernimmt die Rolle des echten Sammlungsstücks in digitalen Räumen und Systemen. Er fungiert als dessen virtuelle Repräsentanz innerhalb digitaler Erlebnisräume und Infrastrukturen und etabliert sich damit als eigenständige Referenzinstanz neben dem materiellen Original. Diese Funktion eröffnet neue Möglichkeiten der Dokumentation, Restaurierung und präventiven Archivierung. In Forschung und Vermittlung dient der Digitale Zwilling als informationsreiche Ressource, die erweiterte Visualisierungsformen, neue Perspektiven und eine engere Verknüpfung zwischen historischer Kontextualisierung und materieller Vorlage ermöglicht. 1. Einführung SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 7 Digital Twin aus dem Gyrolog-Projekt: 3DDigitalisierung von Kreiselgeräten auf der Basis von Photogrammetrie und Endoskopie sowie Computertomographie (CT). Ermöglicht die virtuelle Zerlegung einzelner Kreiselteile für genauere Betrachtungen. Wagner, J.F, et al. (2021): Gyrolog: Aufbau einer digitalen Kreiselsammlung für historische und didaktische Forschung – Schlussbericht, BMBF-Förderlinie eHeritage. Stuttgart: Universität Stuttgart, Professur für Flugmesstechnik, 2021. Bild II.15 https://doi.org/10.2314/KXP:1768094594 Virtuelle Zerlegung des Stators des Wendekreisels GG165A2. CC BY-SA 4.0. 1. Einführung SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 8 Quelle: Markert, M., Hiltscher, A., & Pelz, D. (2025). digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien: Educational material from the digiKulTh project. https://github.com/digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien/tree/main , Handreichung Projektmanagement. CC BY 4.0. Inhalte leicht verändert. I. Planung II. Digitalisierung III. Nachbereitung Objektselektion und -anzahl Objekttransport Qualitätsmanagement Objektzustand Vorbereitung der Objekte langfristige Datenhaltung Nutzungsszenarien Anfertigung von Digitalisaten Publikation Budget Digitalisat -Metadaten Evaluation Ressourcen (Personal, Zeit, Raum) Ggf. Nachbearbeitung Dokumentation Digitalisierungsverfahren (Hardware & Software) Ggf. Inventarisierung Rechtliche & ethische Aspekte Absprachen mit Stakeholder & Personal 2. Relevanz von Objektreproduktionen SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 9 Nutzungsszenario 1: Objektverwaltung Objektuntersuchung /Dokumentation Restaurierungsprozesse Leihverkehr Archivierung / Vorsorge im Verlustfall Virginal, Inv.-nr. UL MIM 36, Universität Leipzig, Musikinstrumentenmuseum, CC BY-NC 4.0 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 16 2D: Fotografie/Scan 3D AV-Medien Text Flachbettscanner Photogrammetrie Audio -Digitalisierung OCR Fotografie Structured -LightScanning Video -Digitalisierung HTR Röntgenbilder Reflectance Transformation Imaging (RTI) Computertomographie (CT) LiDAR /Laser Scanner 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 17 Bei zweidimensionalen Bildwerken werden hauptsächlich zwei Methoden der digitalen Bilderfassung angewendet: Scannen (von englisch: abtasten): Das Objekt wird mit lichtempfindlichen elektronischen Elementen Zeile für Zeile abgetastet und in ein digitales Bild umgewandelt. Genutzt werden meistens Flachbettscanner. Digitale Fotografie: Die von einem Objektiv erzeugte optische Abbildung wird von einem Bildsensor aufgezeichnet. Hierbei sind die lichtempfindlichen elektronischen Elemente über die Fläche des Sensors verteilt. Typische Beispiele sind alle handelsüblichen Digitalkameras. 3.1 2D-Digitalisierung 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 18 Flachbettscanner Methode: Die Vorlage wird auf eine Glasscheibe gelegt und darf während des Scanvorgangs nicht bewegt werden. Beim Scannen wir das Objekt beleuchtet und die Sensoren fangen das reflektierte Licht ein. Der Sensor wandelt die Lichtmuster in digitale Informationen um. Um ein scharfes Bild zu erreichen, muss die Vorlage ganz flach auf der Glasplatte aufliegen. Geeignet für: Fotos, Grafiken, Zeitungen, Poster, Postkarten, Archivdokumente, Briefe, Negative, Dias (Scanner mit Durchlichteinheit nötig oder Filmscanner) 3.1 2D-Digitalisierung digiS Technische Grundlagen der Digitalisierung 2021. digiS/Marco Klindt CC BY 4.0. https://www.digis-berlin.de/wissenswertes/digiselecture-technische-grundlagen-der-digitalisierung/ 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 19 Fotografie Methode: Im besten Fall Fotostation einrichten mit Stativ, Digitalkamera (Spiegelreflex oder spiegellos), Softboxen, neutrales einfarbiges Hintergrundpapier (z. B. grau, abhängig von Objekt). Fotos mit und ohne Farbkarte. Geeignet für: Dreidimensionale Objekte, größere Objekte, Gemälde, Photogrammetrische Aufnahmen, Bücher, sehr kleine Objekte, an die man heranzoomen oder Makroobjektiv verwenden muss. 3.1 2D-Digitalisierung Markert, M., Tripke, J. (2024), digiKulTh/Lehr-LernMaterialien: Educational material from the digiKulTh project. Poster Objektfotografie. Ausschnitt (CC BY-NC 4.0). https://github.com/digiKulTh/Lehr-LernMaterialien/blob/main/Handreichungen/Checkliste%20Ob jektfotografie.md 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa | 20 Fotografie-Hardware •Digitalkamera mit Sensor ab 24 Megapixel empfohlen (Vollformat oder APS-C) oGute Druckqualität bis zur A3 bei 300 ppi oDateien brauchen nicht so viel Speicherplatz oSchnellere Verarbeitung auf dem Rechner •Digitalkamera mit großem Sensor (45-60 Megapixel oder mehr) oFür Aufnahme großer Objekte, die im Detail scharf sein sollen oFür Aufnahme sehr kleiner Objekte, die vergrößert werden sollen oAufnahme feiner Strukturen von Objekten oder Archivalien oFür Digitalisate, die über eine IIIF API verfügbar sein sollen 3.1 2D-Digitalisierung Kleines Budget Großes Budget 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa | 21 Fotografie-Software Beim Kauf von Software möglichst unbefristete Einzelplatzlizenzen, so dass der Workflow langfristig durch wechselndes Personal genutzt werden kann. Empfehlungen ohne Abo-Modell: •Capture One für Tethering (Anbindung der Digitalkamera für Live View) und digitale Entwicklung, https://www.captureone.com/de •Affinity Photo für Bildbearbeitung, Photostacking, https://affinity.serif.com/de/photo/ Open Source •Gimp: https://www.gimp.org/downloads/ 3.1 2D-Digitalisierung Markert, M., Tripke, J. (2024), digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien: Educational material from the digiKulTh project. Poster Objektfotografie. Ausschnitt, Materialliste Objektfotografie@digiKulTh: https://github.com/digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien/blob/main/Lehrendenmaterial/digiKulTh-Fototechnik.md, CC BY-NC 4.0. 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa | 22 Fotografie-Einstellungen 3.1 2D-Digitalisierung Siehe: Markert, M., Tripke, J. (2024), digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien: Educational material from the digiKulTh project. Poster Objektfotografie. https://github.com/digiKulTh/Lehr -Lern-Materialien , CC BY-NC 4.0. •Handreichung: Checkliste Objektfotografie •Poster zur Objektfotigrafie 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 23 3.2 3D-Digitalisierung Photogrammetrie (Structure-from-Motion Methode) Anhand einer Vielzahl von regulären Farbfotos aus verschiedenen Blickwinkeln wird ein 3D-Modell berechnet. Equipment: Digitalkamera, Stativ, Softboxen, Drehteller, Software für Berechnung des Modells (z. B. MetaShape, Meshroom, RealityCapture) 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 24 3.2 3D-Digitalisierung Structured-Light-Scanning (Streifenlichtscanner) Mit einem Projektor wird dabei strukturiertes Licht auf das zu messende Objekt projiziert und von (mindestens) einer Kamera aufgenommen. Das 3D Modell wird durch Triangulationsverfahren berechnet. Der Vorteil dieser Methode ist , dass die Oberflächengeometrie besonders gut und detailliert erfasst werden kann. 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 25 3.2 3D-Digitalisierung Structured-Light-Scanning (Streifenlichtscanner) Set-up eines Streifenlichtscanners. Mbrickn, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons (Ausschnitt) 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa | 32 3.3 AV-Medien: Auswahl Audio Analog Schellackplatten, Vinylschallplatte, Musikkassette MC Digital Digital Audio Tape (DAT), MiniDisk, Audio CD Auswahl Film Analog 35mm Film, 16mm Film, 8mm Film Digital Bei neueren (aus den 1990er -Jahren) Verfahren sind die Audioinformationen zusätzlich zum Analogton auch teilweise digital auf dem Filmmaterial enthalten. Bei Dolby -Digital als Micromatrixcodes zwischen den Perforationslöchern oder bei Sony Dynamic Digital Sound auf den Außenrändern des Filmstreifens. Auswahl Magnetbandformate zur Videoaufzeichnung Analog Quadruplex, 1 Zoll C, U -matic, VCR-System, Betamax, VHS, Video 2000, Betacam SP, VHSC, Video 8, Super Beta, S -VHS, Hi8 Digital Digital: D -1, D-2, Digital Betacam, DV, MiniDV, D-VHS, Digital8 (DV auf Hi8-Bändern), HDCAM, M2 Dresen, C., Klindt, M. (2022), Eine kleine Handreichung zur Digitalisierung von Audiound Videomaterial. digiS, Forschungsund Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (Hrsg.). S. 17. CC BY 4.0. URN: urn:nbn:de:0297-zib-86526 , c 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 33 3.3 AV-Medien: Diskretisierung Medium wird auf Gerät abgespielt, Signale werden abgetastet Quantisierung Messwerte werden mithilfe eines Analog-digital-Wandlers (Analog-digital converter, DAC) auf einem Zahlenbereich abgebildet Digitalisat Quantisierte Werte werden in ein für Rechner verarbeitbares Format kodiert. Dresen, C., Klindt, M. (2022), Eine kleine Handreichung zur Digitalisierung von Audiound Videomaterial. digiS, Forschungsund Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (Hrsg.). S. 17. CC BY 4.0. URN: urn:nbn:de:0297-zib-86526 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 34 3.3 AV-Medien: Audio Beispiel Digitalisierung einer Schallplatte Abspielen auf USB-Plattenspieler oder auf herkömmlichen Plattenspieler mit PhonoVorverstärker und Line-in-Anschluss Digitale Aufnahme mit Software z. B. Audacity oder CapCut KarleHorn, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/b y/3.0>, via Wikimedia Commons Christian Schnettelker, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/lice nses/by/2.0>, via Wikimedia Commons 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 35 3.3 AV-Medien: Video Digitalisierung von Filmrollen •Abspielen und digitale Aufnahme mit Filmabtaster •Abspielen und Aufnehmen der Tonspur mit entsprechendem Abspielgerät (in der Regel separat) •Ggf. Kompression, um Datenmenge zu verringern (Kosten-Nutzen-Abwägung. •Export in Containerformat Runner1616, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/bysa/3.0>, via Wikimedia Commons 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 36 3.3 AV-Medien Empfehlung: Professionellen Dienstleister beauftragen •Zur Digitalisierung selbst, Bearbeitung und Archivierung von Audiound Videomaterial sind tiefgehende medientechnische und restauratorische Kompetenzen erforderlich. •Adäquates Equipment zum Teil sehr teuer •Ein unsachgemäßer Umgang mit dem Material sowohl analog als auch digital kann zum Totalverlust führen. •Für LZA an zentrale Stelle des Bundesfilmarchives oder an das Deutsche Rundfunkarchiv wenden oder die Archive der öffentlich-rechtlichen Rundfunkund Fernsehanstalten kontaktieren. 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 37 AV-Medien Digitalisierung: empfohlenes Vorgehen: 1. Vorhandene Arten von AV-Medien erkennen: https://www.artusfilm.tv/postproduktion/service/videokassetten-digitalisieren/ Informationen über den Umfang, die Länge in Minuten sowie über die Aufzeichnungsnormen und die Charakteristik (Profi-/Consumerbereich) sammeln, um das Volumen und die Kosten der Digitalisierung abzuschätzen (Infos auf MAZ-Karten). 2. Zustand überprüfen (Staub, Kratzer, Verfärbung, Beschädigungen) 3. Von externen Dienstleister restaurieren & digitalisieren lassen. Medienspezifische Hinweise zur Leistungsbeschreibung: Für Audiomaterialien siehe Lacinak, C.: Guide to Developing a Request for Proposal for the Digitization of Audio, New York, 2015. https://www.weareavp.com/wp-content/uploads/2017/07/AVPS_Audio_Digitization_RFP_Guide.pdf (abgerufen am 16.10.2025). Für Videoformate: Lacinak, C.: Guide To Developing A Request For Proposal For The Digitization Of Video (And More). New York, 2013. Verfügbar unter https://www.weareavp.com/guide-to-developing-a-request-for-proposal-for-the-digitization-of-video-and-more/ (abgerufen am 16.10.2025) 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 38 3.4 Textdigitalisierung OCR bezeichnet die automatisierte Textbzw. Schrifterkennung innerhalb von Bildern. Ursprünglich basierte die automatische Texterkennung auf optischer Zeichenerkennung (englisch: optical character recognition, Abkürzung OCR). Diese Technik wird zunehmend durch neue Methoden abgelöst wie z. B. neuronale Netze, die ganze Zeilen statt einzelner Zeichen verarbeiten, oder Vision-Language Models (VLMs), die das gesamte Dokument auf einmal verarbeiten und damit Layoutanalyse, Zeilenerkennung und Texterkennung in einem Schritt durchführen. Handwritten Text Recognition (HTR) bezeichnet die automatische Erkennung von Handschriften und die Umformung dieser in einen elektronischen Text. Aufgrund der großen Variabilität von Handschriften werden allerdings meist nicht alle Textelemente richtig erkannt und müssen nachbearbeitet werden. Kostenlose Tools: •OCR4all: https://www.ocr4all.org •PERO OCR: https://pero-ocr.fit.vutbr.cz/index 3. Arten der Digitalisierung und Herstellungstechniken SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 39 3.4 Textdigitalisierung: OCR/HTR Bildqualität ist entscheidend für die Automatisierung mit OCR •Bilddatei oder PDF •Mind. 300 ppi •Bei Verwendung moderner deep-learning basierten Methoden: RGB Bildern •Ggf. Nachbearbeitung (Kontrast erhöhen, betreffenden Textbereich ausschneiden) •Zustand und Qualität des Originals kann die Texterkennung trotz guter Bildqualität beeinflussen Vertiefend: Neudecker, C.: Wie funktioniert OCR?. Werkzeug. Zur Praxis computergestützter Forschung in den Geistesund Kulturwissenschaften, Kompetenzwerkstatt Digital Humanities der Universitätsbibliothek Humboldt-Universität zu Berlin, 2024. https://doi.org/10.5446/67432 4. Management digitaler Assets SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 40 Masterdigitalisat Arbeitsmaster (MD, Archivmaster, Archivkopie, digitales Ersatzoriginal o.ä.) meint ein digitales Objekt, das die messbaren/digitalisierbaren Eigenschaften der analogen Vorlage in der besten Qualität abbildet. Werden meist nicht nachbearbeitet. optional (AM, Produktionsmaster, Intermediate, Servicedatei, bearbeiteter Master o.ä.) meint eine bearbeitete Version des Masterdigitalisat in bester/sehr hoher Qualität, z. B. beschnittenes o. farbkorrigiertes Bild, Positiv eines Negativs, digital restauriertes Bild. Arbeitskopie (AK, Arbeitsderivat) meint ein Dateiformat und -größe mit der tagtäglich gearbeitet werden kann. Meist komprimiert oder kleiner gerechnet. Nutzungskopie (NK, Nutzungsderivat) entspricht meist der Arbeitskopie. Umfasst allerdings auch für die Nachnutzung kleiner gerechnete Versionen o. aber durchsuchbare PDFs, die Bilddaten & OCR-Ergebnisse zusammen nutzbar in einer Datei bereitstellen, oder andere Dateiformate. 2D-Digtalisierung 4. Management digitaler Assets SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 41 3D-Digtalisierung •Projektname •Fotos •RAW •JPEG •3D •Photogrammetrie •Exportdateien •Hochauflösend_unbearbeitet •Hochauflösend_bearbeitet •Klein_bearbeitet •Arbeitskopie Inputdaten Outputdaten Für die Archivierung: X3D z.B. SLT, OBJ Engleberg Center on Innovation Law & Policy at NYU Law School: https://glam3d.org/digitize#621-metadata-and-paradata, CC BY 4.0. 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 48 Dateiformat Archiv Nutzungsdatei TIFF ja ja hat sich als einer der wichtigsten Standards etabliert JPEG2000 nein ja Verlustfrei komprimiert, bessere Qualität als JPEG geringe Kompatibilität mit Webbrowser, teilweise nicht lizenzfrei, sehr komplex, geringe Verbreitung JPEG nein ja Komprimiert mit Qualitätsverlust PDF/A jein ja Geeignet für Archivierung, aber entspricht nicht den FAIR -Prinzipien RAW -Dateien nein nein Proprietär, enthält alle Bildinformationen; als Sicherungskopie speichern, am besten als DNG PNG jein ja Für Bilder/Grafiken mit transparentem Hintergrund, verlustfreie Komprimierung, geeignet für Grafiken, Diagramme und Screenshots, NICHT für Fotos. 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 49 Generell gilt: •Die Auflösung im Nachhinein zu erhöhen ist nur schwer möglich und erfordert eine Neuberechnung des Modells mit anderen Detaileinstellungen und/oder mehr bzw. besseren Aufnahmebildern. •Eine Reduktion der Auflösung/Dateigröße ist in fast jeder Photogrammetrie-Software nachträglich möglich. → Daher am besten alle Bilderserien archivieren (nicht nur das Modell), da daraus jederzeit 3DModelle reproduziert werden können. 3D Digitalisat 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 50 3D Digitalisate Dateiformat Archiv Nutzungsdatei X3D ja ja vom Web3D Consortium entwickelte Format, eignet sich auch für Speicherung komplexer 3D -Inhalte, wie etwa Virtual Reality. OBJ jein ja Open Source Format, meist zusammen mit separaten Material - (.mtl) und Texturdateien (.jpg, .png), nicht für komplexe Szenen mit Lichtquellen geeignet glTF nein ja Austauschformat, kompatibel mit den meisten 3D - Viewern, primär im Webkontext relevant STL nein ja Wird vor allem für 3D -Druck verwendet FBX nein ja Proprietär, für Austausch mit anderen kommerziellen Programmen entwickelt 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 51 •Dateiablage in Containern: enthalten verschiedene Formate für die darin abgelegten Audiound Videodateien, Untertiteldateien, mehrsprachigen Audiospuren und weiteren Metadaten. •Verschiedene Container für Archivierung und Nutzungsderivate anlegen AV-Medien Ernst Rohlicek jun. <[email protected]>, CC BY-SA 2.5 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5>, via Wikimedia Commons Gängige Videocontainer sind: MPEG-4 Part 14 (.mp4), Quicktime File Format (.mov), Windows Media Video (.wmv), Audio-Video Interleave (.avi), Flash-Video (.flv), Matroska (.mkv) Audio-Nutzungsderivate: es gibt viele (streamingfähige) Formate wie zum Beispiel MPEG-2 Audiolayer III (MP3), AAC, Vorbis oder auch Opus Dresen, C., Klindt, M. (2022), Eine kleine Handreichung zur Digitalisierung von Audiound Videomaterial. digiS, Forschungsund Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (Hrsg.). URN: urn:nbn:de:0297-zib-86526 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 52 Bereitstellung für die Öffentlichkeit •DFG: Mindeststandard für Präsentationsderivate MP3 (Audio) bzw. MP4 (Video) sein •Komprimierte Bilder/Nutzungskopie (Film/Video): FFV1. Advanced Video Codec Intra-Frame (AVC/Intra H.264), High Efficiency Vidoe Coding HEVC H265 (8/10/12/16 Bit), ProRes 422 Codec; Archivierung: •Audio: WAVE mit Metadaten (LOC: HRA – High Resolution Audio, DSD, PCM), FLAC (verlustfreie Kompression) •Film: bisher keine verbindlichen Standards. Es empfehlen sich Containerformate wie MXF, MOV, MKV (LOC:Containerformat MXF mit Metadaten als XML, FFV1, Quicktime (.mov) Container, MPEG-2) •Video: YUV AV-Medien 4. Technische Eigenschaften SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 53 OCR-Verfahren bieten als Output in der Regel XML-basierte Formate an (verbreitet sind ALTOXML und hOCR). Diese enthalten u.a. basale Layout-Informationen (z. B. über Spaltensatz, Abbildungen u. dgl.) sowie Informationen über die Platzierung der erfassten Zeichen auf der jeweiligen Seite. Da diese Formate ebenfalls standardisiert sind, ist ihre Weiterverarbeitung und Transformation z. B. nach TEI-P5 grundsätzlich möglich. Transkriptionsdatei immer mit Bild der Originalquelle abspeichern. OCR/HTR 5. Metadaten digitaler Reproduktionen SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 54 „Metadaten machen die fachlich oder organisatorisch notwendigen Kontextinformationen explizit und dienen zur Auffindung von relevanten Informationen, deren Identifikation, deren Auswahl und Verwaltung. Beispielsweise sind Fotos nur anhand der mit ihnen assoziierten beschreibenden Metadaten effizient durchsuchund auffindbar oder Karten nur dank einer Maßstabsangabe und einer aussagekräftigen Legende wissenschaftlich nutzbar.“ (Bibby, D., Gerth, Ph., et al., IANUS. Empfehlungen zur Langzeitarchivierung für die NFDI4Objects-Community. Dokumenation mit Metadaten. CC BY-SA 4.0, https://ianus-fdz.de/it-empfehlungen/projektphasen/dokumentation/dokumentation-der-metadaten ) •Deskriptive Angaben: zum Projekt bzw. Objekt (Erschließungsdaten) •Strukturelle Angaben: weisen einzelne Teile des Objektes wie z. B. Seitenzahlen, Kapitel oder Titelblatt aus bzw. weisen ein Objekt als Teil eines Konvoluts/Ensembles aus •Administrative Angaben: Rechteauszeichnung, besitzende Einrichtung, erhaltungsbezogene Angaben z. B. Konvertierungsmaßnahmen •Technische Angaben: Informationen zu Hardware und Software, Auflösung und Farbtiefe, Komprimierungsart 5. Metadaten digitaler Reproduktionen SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 55 Bilddateien: •Können Metadaten enthalten z. B. Angabe des Kameramodells, Belichtungszeit, Brennweite usw. Macht Kamera automatisch → EXIF/IPTC Daten (es wird Software gebraucht um diese auszulesen) •Es empfiehlt sich aber Metadaten gesondert als XMP abzuspeichern (gute leicht zu extrahierende Metadatenstruktur) oder in eine Datenbank zusätzlich zu deskriptiven Daten einzugeben. 3D: •Noch keine Standardisierung. Smithsonian 3D Metadata Model liefert eines der vollständigsten MetadatenModelle. AV-Medien •Technischen Metadaten (zu Containerformat, enthaltenen Datenströmen, dazugehörigen Codecs und Kodierparametern) sollten in der eigenen Erschließung zusätzlich zur Länge & Speicherbedarf von Archivkopien und ggf. auch Nutzungsderivaten aufgenommen werden. Deskriptive Metadaten können auch direkt in die Containerdateien eingebettet werden. Am besten in Datenbank erschließen. Verwendete Ressourcen und weiterführende Literatur SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 56 Digital Twins •Emenlauer-Blömers, Eva, Bienert, Andreas und Hemsley, James R. (Hrsg.): Konferenzband EVA Berlin 2018. Elektronische Medien & Kunst, Kultur und Historie: 25. Berliner Veranstaltung der internationalen EVA-Serie Electronic Media and Visual Arts, Heidelberg: arthistoricum.net, 2018 (EVA Berlin, Band 25). https://doi.org/10.11588/arthistoricum.442 (abgerufen 20.10.2025) Sammlungsdigitalisierung •Knaus, G. (2019). Leitfaden für digitales Sammlungsmanagement an Kunstmuseen. https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/6413/ (abgerufen 20.10.2025) •IANUS. Empfehlungen zur Langzeitarchivierung für die NFDI4Objects-Community, https://ianus-fdz.de/it-empfehlungen/ (abgerufen 20.10.2025) •Altenhöner, R., Berger, A., Bracht, C., Klimpel, P., Meyer, S., Neuburger, A., Stäcker, T., & Stein, R. (2022). DFG-Praxisregeln "Digitalisierung". Aktualisierte Fassung 2022. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7435724 (abgerufen 20.10.2025) •Library of Congress Recommended Formats Statement 2025-2026, https://www.loc.gov/preservation/resources/rfs/TOC.html (abgerufen 20.10.2025) •Rieger, Th., Kristin A. Phelps, Hana Beckerle, et al. (2023), Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials: Third Edition. https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/FADGITechnicalGuidelinesforDigitizingCulturalHeritageMaterials_ThirdEdition_05092023.pdf (abgerufen 20.10.2025) Verwendete Ressourcen und weiterführende Literatur SODa Basiskurs, Modul 4: Objekte digitalisieren SODa | 57 Scan, Foto •digiS eLecture Technische Grundlagen der Digitalisierung: https://www.digis-berlin.de/wissenswertes/digis-electure-technischegrundlagen-der-digitalisierung/ (abgerufen 20.10.2025) •digiS: Parameter bei der 2D Digitalisierung – eine Orientierungshilfe: http://doi.org/10.12752/2.0.001.1 (abgerufen 16.10.2025) •Markert, M., Hiltscher, A., & Pelz, D. (2025). digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien: Educational material from the digiKulTh project. https://github.com/digiKulTh/Lehr-Lern-Materialien/tree/main (abgerufen 20.10.2025) •Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Sächsische Landesstelle für Museumswesen (SLfM), Handreichung zur Dokumentation und Erschließung von musealen Sammlungen. Nr.3 Objektfotografie im Museum, https://museumswesen.skd.museum/fileadmin/userfiles/Saechsische_Landesstelle_fuer_Museumswesen/Dateien/HR_Dokumentation_3_ Objektfotografie_neu.pdf (abgerufen 20.10.2025) •IIIF – ein Crashkurs: https://pieckh.github.io/IIIF-Crashkurs/IIIF-Crashkurs/ (abgerufen 20.10.2025)