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Bronzezeitliches Schwemmgut vom «Chollerpark» in Steinhausen (Kanton Zug). Bemerkenswerte Holzfunde vom nördlichen Zugersee sowie weitere bronzezeitliche Hölzer von Fundplätzen an Gewässern der Zentral- und Ostschweiz. Antiqua 37 (Basel).

Eberschweiler, Beat

Abstract

(English version below) Die Fundstelle «Chollerpark» liegt heute etwa 800 m vom See entfernt, genauer an der Sumpfstrasse, die Teil der heutigen Gewerbezone von Steinhausen ZG ist. In ur- und frühgeschichtlicher Zeit befanden sich an diesem Ort das Ufer des Zugersees sowie eine seichte Bucht. An ihrer gegenüberliegenden Seite, etwa 600 m entfernt, lag der spätbronzezeitliche Siedlungsplatz von Zug- Sumpf. Wegen eines Bauvorhabens war die Kantonsarchäologie Zug im Winterhalbjahr 1999/2000 gezwungen, auf dem betroffenen Areal eine grossflächige Rettungsgrabung durchzuführen. Unter den Deckschichten folgten wechselweise Ablagerungen von Torfen und Auelehmen der Lorze. In diesen Schichten waren grosse Mengen an Schwemmgut eingelagert. Es handelte sich dabei um Tausende von bearbeiteten und unbearbeiteten Hölzern, so beispielsweise rund belassene Stämme, allseits bearbeitete Kanthölzer, Spaltprodukte wie Bohlen, Bretter und Schindeln, kleine Holzabfälle ebenso wie grosse trapezförmige, aus mehreren langen Hölzern zusammengesteckte Rahmen. Alle diese Holzfunde verteilten sich auf die beiden Schichtpakete US = unteres Schichtpaket: (Früh- und) Mittelbronzezeit und OS = oberes Schichtpaket: Spätbronzezeit. Am selben Ort wurden erst in der Hallstattzeit und dann wieder im Frühmittelalter verschiedentlich Pfähle in den weichen Grund getrieben. Die besondere Bedeutung dieser Feuchtbodenfundstelle liegt darin, dass sie sich in zweierlei Hinsicht «ausserhalb» befindet, nämlich ausserhalb der damaligen Dorfareale (Seerandsiedlungen) und zu einem guten Teil auch ausserhalb der damit verknüpften «Zeitfenster». Der Chollerpark ist dabei nur einer von mehreren solchen Fundplätzen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in den verlandeten Feuchtgebieten am Nordufer des Zugersees, aber auch andernorts, beispielsweise am Federsee (D), entdeckt worden sind. Today, the “Chollerpark” site is situated at a distance of about 800 m from the lake, its precise location being on the Sumpfstrasse, which is part of the present day industrial zone of Steinhausen, Canton Zug. In prehistoric times, a shallow bay on the banks of Lake Zug was located on this spot. The Late Bronze Age settlement Zug-Sumpf was situated on the opposite side of the bay, about 600 m away. A building project forced the Archaeological Department of Canton Zug to carry out an extensive rescue excavation at the site during the winter of 1999/2000. After the removal of the overburden, alternating layers of peat and alluvial clay deposits of the River Lorze were uncovered. These layers contained large amounts of washed-in material. This consisted of thousands of worked and unworked timbers, for example unworked roundwood trunks, squared timbers worked on all sides, split wood such as planks, boards and shingles, small fragments of timber debris as well as large trapezoidal frames consisting of several long timbers joined together. All these timber finds were spread over the two stratigraphic units US (= “unteres Schichtpaket”, bottom stratigraphic unit): (Early and) Middle Bronze Age and OS (= “oberes Schichtpaket”, top stratigraphic unit): Late Bronze Age. It was not until the Hallstatt Period and again in the Early Middle Ages that piles were again driven into the soft subsoil on various occasions at the same site. The special significance of this wetland site lies in the fact that it is situated “outside” in two regards, namely outside the village areas of the time (lakeside settlements) and also largely outside the associated “windows of time”. At the same time, the Chollerpark site is only one of several such sites to have been discovered in the dried up wetland areas on the northern bank of Lake Zug and in other places such as Lake Feder in Germany over the last number of decades.

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Beat Eberschweiler ISBN 3-908006-29-5 Beat Eberschweiler Antiqua 37 Antiqua 37 Bronzezeitliches Schwemmgut vom «Chollerpark» (ZG) Bemerkenswerte Holzfunde vom nördlichen Zugersee sowie weitere bronzezeitliche Hölzer von Fundplätzen an Gewässern der Zentralund Ostschweiz BRONZEZEITLICHES SCHWEMMGUT VOM «CHOLLERPARK» IN STEINHAUSEN (KANTON ZUG) Chollerpark_UM.qxp 19.10.2004 8:56 Uhr Seite 1 Beat Eberschweiler Bronzezeitliches Schwemmgut vom «Chollerpark» in Steinhausen (Kanton Zug) Bemerkenswerte Holzfunde vom nördlichen Zugersee sowie weitere bronzezeitliche Hölzer von Fundplätzen an Gewässern der Zentralund Ostschweiz Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 1 Pubblicazione della Società Svizzera di Preistoria e d’Archeologia Publication de la Société Suisse de Préhistoire et d’Archéologie Veröffentlichung der Schweizerischen Gesellschaft für Urund Frühgeschichte ANTIQUA 37 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 2 Bronzezeitliches Schwemmgut vom «Chollerpark» in Steinhausen (Kanton Zug) Bemerkenswerte Holzfunde vom nördlichen Zugersee sowie weitere bronzezeitliche Hölzer von Fundplätzen an Gewässern der Zentralund Ostschweiz Mit Beiträgen von Stefanie Jacomet und Philippe Rentzel, Institut für prähistorische und naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA), Universität Basel Inka Potthast und Ralf Riens, Konservierungslabor Konstanz Beat Eberschweiler Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 3 4Impressum Abbildung auf dem Umschlag: SteinhausenChollerpark, US. Flächenplan der Felder 110 und 111 (Ausschnitt), mit Ende von Trapez 3 (grün), Trapezschenkel 2 und 5 (blau) sowie weiteren bearbeiteten und unbearbeiteten mittelbronzezeitlichen Hölzern (orange, rötlich). Künstlerische Umsetzung C. Hagner. Die vorliegende Arbeit wurde von der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich im Sommersemester 2004 auf Antrag von Frau Prof. Dr. Margarita Primas als Dissertation angenommen. Herausgegeben von der Kantonsarchäologie Zug Publiziert mit Unterstützung durch den Regierungsrat des Kantons Zug Redaktion, Gestaltung und Satz: Büro&Edition arcHart, Udligenswil Layout: Büro&Edition arcHart, Udligenswil Übersetzungen: Catherine Leuzinger-Piccand (Französisch), Laurence Neuffer (Italienisch), Sandy Hämmerle (Englisch) Druck und Ausrüstung: Zürcher Druck+Verlag AG, Rotkreuz Lithos: Büro&Edition arcHart, Udligenswil; Lichtpaus+Repro Hüsser AG, Zug; Zürcher Druck+Verlag AG, Rotkreuz Alle Rechte der Vervielfältigung, der Fotokopie und des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten. Copyright © 2004 by Schweizerische Gesellschaft für Urund Frühgeschichte, Basel ISBN 3-908006-29-5 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 4 5 Inhaltsverzeichnis Zum Geleit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Vorwort und Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 I. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 1. Der Forschungsstand an den Seeufern der Zentralund Ostschweiz . . . . . 13 1.1. Von der Beschäftigung mit bronzezeitlichem Bauholz . . . . . . . 13 1.2. Der absolutchronologische Rahmen – Die dendrochronologisch datierten «Zeitfenster» . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 1.3. Die kontinuierliche Ausweitung dieser «Zeitfenster» . . . . . . . . . . . . 14 2. Ziele dieser Arbeit . . . . . . . . . . . . . 15 3. Zum Aufbau der Arbeit . . . . . . . . . 16 II. Die Fundstelle von SteinhausenChollerpark im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes . . . 17 1. Der Zugersee und das Baarer Becken 17 2. Der Zugerseespiegel . . . . . . . . . . . 18 3. Die Grabungsgeschichte . . . . . . . . 20 3.1. Überraschende Entdeckungen . . . . 20 3.2. Rettungsgrabung unter erschwerten Bedingungen . . . . . . . 21 3.3. Grabungstechnik und Befunddokumentation . . . . . . . . . . 22 3.4. Bergung und Datenaufnahme der Hölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 3.5. Die Konservierung und Restaurierung der Holzobjekte . . . . 32 4. Überblick über die Schichtverhältnisse und das Fundmaterial . 37 4.1. Die Gesamtabfolge der Schichten . 37 4.2. Die Hauptphasen . . . . . . . . . . . . . 39 4.3. Das hauptsächliche Fundgut: grössere (un)bearbeitete Hölzer . . . 40 4.4. Ein Glossar zum bronzezeitlichen Holzbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 4.5. Die Kleinfunde . . . . . . . . . . . . . . . . 43 III. C14-Untersuchungen und Dendrochronologie . . . . . . . . . . . 44 1. Die Verwendung von dendrochronologischen Daten . . . 44 1.1. Datierungsgüte: Aund B-Daten . . 44 1.2. … und der Umgang damit . . . . . . 46 2. Das Vorgehen bei der Datierung der Schichten vom Chollerpark . . . . . . 46 2.1. Erste C14-Untersuchungen . . . . . . 46 2.2. Die dendrochronologische Analyse des erfolgversprechenden Probenmaterials . . . . . . . . . . . . . . 46 2.3. Die dendrochronologische Bearbeitung der weniger tauglichen Holzproben . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 2.4. Schlusskontrolle . . . . . . . . . . . . . . . 49 IV. Das untere Schichtpaket – eine mittelbronzezeitliche «Off-site»-Situation . . . . . . . . . . . 50 1. Naturwissenschaftliche Analyse der Fundschichten . . . . . . . . . . . . . 50 1.1. Geoarchäologie . . . . . . . . . . . . . . . 50 1.2. Archäobotanik . . . . . . . . . . . . . . . . 50 2. Die Hölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 2.1. Fundumstände, Zustand und Menge . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 2.2. Gliederung des Bauholzbestandes und Holzartenanalyse . . . . . . . . . . 53 2.3. Die Trapeze und Trapezbestandteile 53 2.4. Rundhölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 2.5. Halbierte und geviertelte Hölzer . . 75 2.6. Bohlen, Bretter und Schindeln . . . . 76 2.7. Kanthölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 2.8. Sonstige Hölzer . . . . . . . . . . . . . . . 77 3. Die übrigen Funde . . . . . . . . . . . . 78 3.1. Keramik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 3.2. Der Einbaum und einige fragliche Heckbretter und «Schotten» . . . . . 78 3.3. Paddel und Paddelschäfte . . . . . . . 80 3.4. Botanische Makroreste . . . . . . . . . 84 3.5. Übriges Material . . . . . . . . . . . . . . 84 4. Datierung des unteren Schichtpakets (US) . . . . . . . . . . . . 85 4.1. Das Probenmaterial . . . . . . . . . . . . 85 4.2. Die Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . 85 5. Diskussion des unteren Schichtpakets (US) . . . . . . . . . . . . 98 5.1. Zur Einlagerung . . . . . . . . . . . . . . 98 5.2. Zur Deutung . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 6. Exkurs: Mittelbronzezeitliche Fundstellen in Feuchtgebieten . . . 104 V. Das obere Schichtpaket – spätbronzezeitlicher Siedlungsbrandschutt . . . . . . . . 106 1. Naturwissenschaftliche Analyse der Fundschichten . . . . . . . . . . . . 106 1.1. Geoarchäologie . . . . . . . . . . . . . . 106 1.2. Archäobotanik . . . . . . . . . . . . . . . 107 2. Die Hölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 2.1. Fundumstände, Zustand und Menge . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 2.2. Gliederung des Bauholzbestandes und Holzartenanalysen . . . . . . . . 109 2.3. Rundhölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 INHALTSVERZEICHNIS Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 5 6Inhaltsverzeichnis 2.4. Halbierte und geviertelte Hölzer . 113 2.5. Bohlen und Bretter . . . . . . . . . . . 114 2.6. Schindeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 2.7. Kanthölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 2.8. Sonstige Hölzer . . . . . . . . . . . . . . 125 3. Datierung des oberen Schichtpakets (OS) . . . . . . . . . . . 125 3.1. Das Probenmaterial . . . . . . . . . . . 125 3.2. Die Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . 125 4. Kleinfunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 4.1. Keramik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 4.2. Bronze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 4.3. Paddel und Paddelschäfte . . . . . . 130 4.4. «Knebel» mit mittiger Einschnürung . . . . . . . . . . . . . . . 133 4.5. Holzgefässe . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 4.6. Weitere Gegenstände aus organischem Material . . . . . . . . . 133 4.7. Botanische Makroreste und auffälliges Holzmaterial . . . . . . . . 134 4.8. Sonstige Reste . . . . . . . . . . . . . . . 134 5. Der Vergleich mit den Bauhölzern von Zug-Sumpf . . . . . . . . . . . . . . 134 5.1. Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 5.2. Typologische Parallelen . . . . . . . . 135 5.3. Nachdatierungen . . . . . . . . . . . . 136 5.4. Chronologische Parallelen . . . . . . 138 5.5. Ähnlichkeiten in den Jahrringmustern . . . . . . . . . . . . . 138 5.6. Weitere Übereinstimmungen und Unterschiede . . . . . . . . . . . . 138 6. Diskussion des oberen Schichtpakets (OS) . . . . . . . . . . . 141 7. Das spätbronzezeitliche Bauholzspektrum: Analogien und Ergänzungen zum Zuger Material 142 7.1. Pfähle, Pfosten und Ständer . . . . 142 7.2. Pfahlschuhund Schwellenkonstruktionen . . . . . . . 146 7.3. Blockhölzer . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 7.4. Bauteile der aufgehenden Konstruktion . . . . . . . . . . . . . . . . 151 8. Überlegungen zur spätbronzezeitlichen «Architekturlandschaft» in der Zentralund Ostschweiz . . 155 VI. Die nachfolgende Nutzung des Geländes am See . . . . . . . . . . . . 161 1. Analyse der Fundschichten . . . . . 161 2. Dünne Pfähle und Stangen im Nordteil der Grabung . . . . . . . . . 161 2.1. Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . 161 2.2. Datierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 3. Weitere Pfahlspitzen im gesamten Grabungsareal . . . . . . . 163 3.1. Beschreibung . . . . . . . . . . . . . . . 163 3.2. Datierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165 4. Keramik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 5. Diskussion der Strukturen . . . . . . 166 6. Weitere Hinweise auf nachbronzezeitliche Aktivitäten an den Seeufern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 6.1. Fischereitätigkeit . . . . . . . . . . . . . 167 6.2. Einzelbauten . . . . . . . . . . . . . . . . 169 6.3. Verkehrsbauten . . . . . . . . . . . . . . 170 6.4. Einzelfunde . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 ANHANG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 A. Ein Vorschlag zur Dokumentation von Hölzern aus Feuchtbodenfundstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 1. Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . 171 2. Die Erfassung der relevanten Daten 172 2.1. Basisdaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 2.2. Allgemeine holzspezifische Daten 172 2.3. Spezifische Datenerfassung für konstruktive Einheiten . . . . . . . . . 173 2.4. Zeichnerische Holzdokumentation 174 2.5. Fotografische Holzdokumentation 174 B. Optimale Probenentnahme für dendrochronologische Analysen . 175 C. Holzeigenschaften . . . . . . . . . . . . 177 1. Eiche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 2. Esche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 3. Erle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 4. Weisstanne . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 5. Buche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 6. Ahorn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 7. Pappel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 8. Ulme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 9. Fichte oder Rottanne . . . . . . . . . . 179 10. Weide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 11. Hasel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Zusammenfassung der Ergebnisse . . . . . 180 Résumé des résultats . . . . . . . . . . . . . . . 182 Riassunto dei risultati . . . . . . . . . . . . . . . 184 Summary of Results . . . . . . . . . . . . . . . . 186 Abkürzungsund Literaturverzeichnis . . 188 Abbildungsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Textabbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Tafelabbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Katalog und Tafeln . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 Katalog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Tafeln 1–56 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 6 Hin und wieder kommt es vor, dass Archäologen eine Entdeckung machen, von der sie zwar sogleich wissen, dass sie selten und von grosser wissenschaftlicher Bedeutung ist, vorerst aber keine Ahnung haben, um was es sich bei dem Fund genau handelt. So ist es der Kantonsarchäologie Zug im Juli 1999 ergangen, als sie bei archäologischen Baggersondierungen im Bereich einer zukünftigen Baugrube in Steinhausen ZG auf Tausende ungeordnet durcheinander liegender Hölzer stiess, von denen zahlreiche Stücke Bearbeitungsspuren aufwiesen. Vorerst liessen sich weder das Alter noch die Funktion der Hölzer bestimmen. Mit der Zeit wurde klar, dass die Archäologen auf einen besonderen, ja sensationellen Fund gestossen waren. Die durch das Grundwasser konservierten Funde stammen aus zwei Schichten. Die obere Schicht datiert in die Spätbronzezeit (kurz vor 1050 bis kurz nach 900 v. Chr.), die untere hat vor allem Daten aus dem Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit erbracht (erste Hälfte 14. Jahrhundert v. Chr.). Neben vielen unbearbeiteten Hölzern konnten knapp 2400 Bauhölzer geborgen werden. Trotz der grossen Zahl der Konstruktionshölzer handelt es sich bei den Funden aber nicht um die Überreste einer Seeufersiedlung, sondern im Wesentlichen um Strandgut. Etliche Gegenstände stammen von Booten. Zudem sind rund 65 Paddel und paddelartige Objekte zum Vorschein gekommen. Rätsel gab insbesondere die Funktion von trapezförmigen Holzrahmen, die bis zu 16 m lang waren, auf. Ein so reiches Ensemble aus Bauhölzern, Schiffsteilen und Paddeln, das zudem noch die rätselhaften Rahmenkonstruktionen beinhaltet, ist in Europa bisher einzigartig. Zu schnell vergisst man, unter welch schwierigen Umständen diese Funde geborgen wurden. Die archäologische Baggersondierung vom 7. Juli 1999 und die anschliessende Sondiergrabung vom 23. August bis 24. September 1999 zeigten, dass sich die Fundstelle auf fast die gesamte knapp 6000 m2grosse Parzelle erstreckte und eine Rettungsgrabung grösseren Ausmasses notwendig sein würde. Obwohl die für die Archäologie zuständige Direktion des Innern grundsätzlich die Möglichkeit besessen hätte, die Baustelle bis zu einem Jahr unter vorsorglichen Schutz zu stellen, wurde im Einvernehmen mit der Kantonsarchäologie auf diese für den Eigentümer sehr einschneidende Massnahme verzichtet, um so die pünktliche Realisierung des Bauvorhabens nicht zu gefährden. Dadurch ergab sich für die Archäologen ein enormer Zeitdruck. In einer eilig organisierten Rettungsgrabung mussten rund 5000 m2 Fläche untersucht und Tausende von Hölzern geborgen werden. Der damalige Vorsteher der Direktion des Innern, Regierungsrat Peter Bossard (†), erteilte die für die Rettungsaktion notwendigen Kredite rasch und auf unkomplizierte Weise. Aber auch der Bauherr Heinz Ineichen, Baar, und der Architekt Urs Flüeler, Zug, leisteten einen grossen Beitrag zur Rettung der Funde. Die eigentliche Rettungsgrabung begann am 25. September 1999 und wurde termingerecht am 29. Februar 2000 beendet. Die Grabung fand teilweise bei widrigsten Witterungsverhältnissen statt: Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, Schnee und Regen oder Schlamm sind hierzu die Stichworte. Während der kurzen Arbeitspause zwischen Weihnachten und Neujahr wurde ein 12 m x 30 m grosses, beheiztes Festzelt installiert. Damit konnten wenigstens Teile der Fundstelle unter «Normalbedingungen» ausgegraben werden. Die Tatsache, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kantonsarchäologie bereit waren, unter derart schwierigen Rahmenbedingungen zu arbeiten, zeugt von ihrer hohen Motivation und enormen Einsatzbereitschaft. Unter der technischen Leitung von Johannes Weiss und Patrick Moser standen folgende Personen temporär oder permanent im harten Wintereinsatz: Christine Allisson, Markus Bolli, Marzell Camenzind, Beat Eberschweiler, Maria Ellend, Theo Frey, Isa Gasi, Ursula Gnepf Horisberger, Walter Hitz, Peter Holzer, Eugen Jans, Thomas Kuhn, Dominik Lehner, Benedikt Lüdin, Andy Marti, Mengia Moser, Xavier Näpflin, Salvatore Pungitore, Heini Remy, Peter Riethmann, Andreas Suwald, Tobias Winkler, Marlise Wunderli und Susanne Zuber. Ihr ausserordentlicher Einsatz verdient unsere grosse Anerkennung. Die Entdeckung der spektakulären Funde stiess nicht nur im Kanton Zug, sondern auch gesamtschweizerisch und im Ausland auf reges Interesse. Viele Bürgerinnen und Bürger sowie 7 Zum Geleit Zum Geleit Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 7 Schlagphasen ab etwa 1650 v. Chr. Zur Zeit kann noch nicht entschieden werden, ob dieses Phänomen mit einer Siedlungsverdichtung an den Seen zusammenhängt oder rein erhaltungsbedingt ist. Die bronzezeitlichen Klimaschwankungen – und damit direkt verbunden eine entsprechende Abfolge von Ufersiedlungsphasen und -unterbrüchen – lassen sich dank verschiedener interdisziplinär angelegter Forschungsarbeiten unterdessen recht genau nachzeichnen.8Nach einer die frühbronzezeitliche Siedlungstätigkeit begünstigenden Warmphase dürften um 1500 v. Chr. die Siedlungsareale auf den Strandplatten aufgegeben worden sein. Die momentan jüngsten Schlagphasen stammen von Zürich-Mozartstrasse (1503 v. Chr.)9und Jona SG-Feldbach Ost (1490 v. Chr.)10. Die anschliessende niederschlagsreiche Kaltphase lässt sich in den Alpen durch das Sinken der Waldgrenze, die wachsende Solifluktion und Gletschervorstösse gut fassen. Damit zeitlich ungefähr parallel scheint das Ansteigen der Seespiegel (Transgression) in vielen Mittellandseen einherzugehen.11 Je nach den lokalen Gegebenheiten hat bereits eine geringfügige Verlagerung der Dörfer weiter landeinwärts (d. h. hangwärts) zur Folge, dass mangels permanenter Durchfeuchtung sich kaum mehr Spuren erhalten. Die verstärkte Wiedererwärmung in der entwickelten Spätbronzezeit, verbunden mit geringeren Niederschlägen, liess dann auch die Wasserspiegel wieder auf ein Niveau fallen, das die Uferplatten ab etwa 1060/1055 v. Chr. neuerlich besiedelbar machte, bevor kurz vor 800 v. Chr. die damaligen Seeuferzonen überall verlassen wurden. 1.3. Die kontinuierliche Ausweitung dieser «Zeitfenster» Dank etlicher noch nicht oder erst in Vorberichten publizierter Entdeckungen der letzten Jahre an verschiedenen Seeufern und in Feuchtgebieten der Zentralund Ostschweiz konnten diese – lange Zeit als ziemlich unverrückbar geltenden – Zeitfenster weiter geöffnet werden: Der Zeitraum vor 1650 v. Chr. Sensibilisiert durch die Entdeckung entsprechend alter Dörfer in der Westschweiz und in Süddeutschland – z. B. Concise VD-sous Colachoz am Lac de Neuchâtel12, Siedlung Forschner (D) am Federsee13, Bodman-Schachen IA (D) am Bodensee14 – konnten unterdessen auch im Kanton Zürich solche Siedlungen entdeckt (z. B. Greifensee ZH-Starkstromkabel, Greifensee ZH-Böschen) sowie bereits bekannte neu C14-datiert werden (z. B. Zürich-Mozartstrasse 1a/b)15. Es steht ausser Frage, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern dass wir für diese Zeit überall mit Siedlungen rechnen dürfen.16 Dendrochronologische Absolutdatierungen stehen zur Zeit noch aus, weil die Fundstellen an Greifenund Zürichsee bislang ein zu breites Holzartenspektrum und Proben mit durchweg zu wenig Jahrringen geliefert haben. Der Zeitraum nach 1500 v. Chr. Der klare Siedlungsunterbruch von nahezu 450 Jahren zwischen früher Mittelund entwickelter Spätbronzezeit an den Seeufern bleibt zwar (vorerst) bestehen. Aus anderen Quellen können jedoch Hölzer herangezogen werden, die diesen Hiatus abdecken und ebenfalls aus dem Ufermilieu stammen. Es handelt sich dabei zwar nicht um eigentliche Siedlungen («on-site»), sondern um Fundplätze in der (weiteren) Umgebung von Siedlungsstellen («off-site»). Ein Beispiel dafür ist der hier vorzustellende Fundplatz von Steinhausen ZG-Chollerpark. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts v. Chr. schliesslich gibt es Hinweise auf eine Bautätigkeit vor dem allgemeinen Wiederbeginn um 1060/1055 v. Chr., so beispielsweise auf der ehemaligen Insel Zürich/Rb-Grosser Hafner17 im unteren Zürichseebecken. Der Zeitraum nach 800 v. Chr. Auch für die Hallstattzeit verdichten sich die Hinweise auf eine Bautätigkeit im feuchten Milieu. «Off-site»-Fundstellen wie die hallstattzeitliche Hechtfang-Anlage in einem ehemaligen Flachwasserbereich des Federsees bei Oggelshausen-Bruckgraben (D)18, aber auch die wenigen Hölzer von Ürschhausen TG-Horn zeigen ganz klar, dass selbst in diesen seit langem postulierten Siedlungsunterbrechungen mit baulichen Strukturen in Feuchtböden zu rechnen ist, auch wenn diese nicht zwingend als Teil konventioneller Ansiedlungen anzusprechen sind. 14 I. Einleitung Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 14 2. Ziele dieser Arbeit Ausgangspunkt für die nachfolgenden Betrachtungen und Überlegungen bildet die im Winter 1999/2000 in einer Notgrabung dokumentierte Fundstelle Steinhausen ZG-Chollerpark. Die umfangreichen Komplexe aus den verschiedenen Schichten datieren von der frühen Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter, mit (mengenmässig) klaren Schwerpunkten in der Mittelund Spätbronzezeit. Wir haben es bei diesem Fundplatz – ganz im Gegensatz zu den üblichen Seeuferfundstellen – mit einem sehr ungewöhnlichen Befund zu tun. Es handelt sich nämlich fast ausschliesslich um nicht am Fundort selber, also in situ «produzierte» archäologische Funde und Strukturen, sondern um ohne direktes menschliches Zutun an dieser Stelle eingelagerte archäologische Artefakte. Im Zuge des Auswertungsprozesses kristallisierten sich deshalb nach und nach zusätzliche Themenkomplexe heraus, deren Aufarbeitung sich begleitend aufdrängte. Gleichzeitig ergab sich die Möglichkeit, verschiedene Forschungslücken zu füllen, und zwar erstens hinsichtlich der Chronologie, zweitens in Bezug auf das Bauholz-Spektrum und drittens, was die Quellenlage an den Seen betrifft. Mit der Station Steinhausen-Chollerpark tritt nämlich eine neue Fundgattung auf, welche die gängige Definition der «Ufersiedlung» sprengt. Dementsprechend lassen sich folgende Ziele für diese Arbeit formulieren: –Zentrales Anliegen ist die umfassende Vorlage der Holzreste aus den torfigen und lehmigen Ablagerungen von Steinhausen-Chollerpark unter verschiedenen Gesichtspunkten, z. B. verwendete Holzarten und damit verbundene «Materialtreue», Dendrochronologie, Beobachtungen zu Herstellungstechniken, Diskussion des Materials mit Quervergleichen und möglichen Hinweisen auf Verwendungszweck oder Einsatzgebiete. –Im Rahmen der Behandlung der unteren Schichten (US) vom Chollerpark treten ergänzende Überlegungen zur Beziehung zwischen Siedlungen und dem umliegenden Wirtschaftsgebiet, insofern sie durch bauliche Reste mit «Off-site»-Charakter19 belegt werden kann. –Im Rahmen der Behandlung der darüber folgenden oberen Schichten vom Chollerpark (OS) wird einerseits ein Vergleich mit dem – publizierten – Materialbestand von Zug-Sumpf angestellt, andererseits der noch unpublizierte Holzbestand aus weiteren spätbronzezeitlichen Feuchtbodensiedlungen der Zentralund Ostschweiz vorgelegt, soweit er neue Aspekte einbringt. Dies mündet im Versuch, die Bandbreite des spätbronzezeitlichen Bauwesens an den Seen zu skizzieren. Da aber gerade bei älteren Dokumentationen die zeichnerische Dokumentation heutigen Ansprüchen oft nicht genügt, gelingt dieses Vorhaben nur mit Vorbehalt. Aussagen zu Form, Vollständigkeit und Verwendungszweck sind nicht in allen Fällen möglich. Der Einbezug all dieser noch unpublizierten Bauhölzer sollte es dennoch ermöglichen, künftig Neufunde auf Grund einer breiter abgestützten Materialkenntnis besser einordnen zu können. 8Eine Zusammenfassung des Forschungsstandes geben Magny et al. 1998. 9K. Wyprächtiger/E. Gross, Die Dendrochronologie. In: E. Gross et al., Zürich «Mozartstrasse». Neolithische und bronzezeitliche Ufersiedlungen, Band 1. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 4. Zürich 1987, 85 (Abb. 125). 10 JbSGUF 84, 2001, 211: Fundberichte 2000, Bronzezeit: Jona SG, Feldbach Ost. 11 Jacomet 1998, 725 f. 12 C. Wolf et al., Les sites lacustres néolithiques et bronzes de Concise VD-sous Colachoz: premiers résultats et implications sur le Bronze ancien régional. JbSGUF 82, 1999, 7–38. Für die Hallstattzeit: GollnischMoos 1999, 155; Köninger 1999 und Köninger 2000. 13 W. Torke, Abschlussbericht zu den Ausgrabungen in der «Siedlung Forschner» und Ergebnisse der Bauholzuntersuchungen. Ber. RGK 71, 1, 1990, 52–57. 14 Köninger 1993. 15 A.-C. Conscience/B. Eberschweiler, Zwei bemerkenswerte Fundplätze der frühen Bronzezeit im Greifensee. JbSGUF 84, 2001, 136–146; Conscience 2001. 16 I. Bauer, Neolithische und bronzezeitliche Befunde am Rietspitz bei Fällanden. JbSGUF 68, 1985, 41–64 (bes. Abb. 4): Drei mächtige Weisstannenpfähle mit sorgfältiger langgezogener Spitzenbearbeitung. Ihre grossen Durchmesser lassen annehmen, dass diese Pfähle nie in Pfahlschuhen steckten. Eine dendrochronologische Datierung gelang nicht, weshalb im Rahmen des Nationalfonds-Projektes Nr. 12-59365.99 (Jahrringanalysen von prähistorischen Bauhölzern – Unterschiedliche Holzarten, Zeitabschnitte und Kleinregionen) C14-Proben entnommen worden sind. Die Analysen erbrachten folgende Rohdaten: ETH-27478: 3485 ±50 BP; ETH27479: 3465 ±50 BP, was eine absolute Datierungsspanne um 1900–1650 BC cal ergibt. 17 Die Stadtzürcher Stationen sind im Folgenden mit der Quartierbezeichnung versehen: Af = Affoltern, En = Enge, Rb = Riesbach, Wo = Wollishofen. Fundstellen ohne Bezeichnung befinden sich auf Altstadt-Gebiet (z. B. Mozartstrasse). 18 Köninger 2000. 19 «Off-site» bedeutet also ausserhalb regulärer Siedlungsareale liegend. 15 2. Ziele der Arbeit Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 15 –Ergänzend zu den jüngsten Strukturen vom Chollerpark treten noch ein paar Gedanken zu den nachbronzezeitlichen Aktivitäten an den Seeufern. –Es soll ein Beitrag zur Verbesserung der dendrochronologischen Datenbasis geleistet werden. In den letzten Jahren fand eine merkliche Verdichtung des dendrochronologischen Datenbestandes für die Bronzezeit statt. Überdies führte der Aufbau neuer Mittelkurven von Steinhausen-Chollerpark unter anderem zu zahlreichen Nachdatierungen in ZugSumpf. Über ein laufendes Nationalfonds-Projekt20 konnten parallel dazu am Zürichsee etliche neue Kurven für verschiedene Holzarten aufgebaut werden, und auch die Mittelbronzezeit erfährt eine sukzessive Belegungsverdichtung. An dieser Stelle soll jedoch auch eine kritische Auseinandersetzung mit dendrochronologisch ermittelten Daten stattfinden, die den korrekten Umgang mit diesen Daten, den vorhandenen Interpretationsspielraum, aber auch Überlegungen zur Errechnung von Schlagdaten auf Grund unvollständiger Splinterhaltung usw. mit einbezieht. –In Bezug auf die Dokumentation von Bauholz soll ein mögliches Vorgehen zur standardisierten Erfassung dieser Denkmälergruppe skizziert werden, eine Art Aufnahmemaske, die der künftigen verbesserten Datenerfassung von Bauholz dienen soll. Es wird hingegen bewusst darauf verzichtet, die schon mehrfach präsentierten spätbronzezeitlichen Referenzstationen ein weiteres Mal einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Die dafür nötige, sehr gründliche Beschäftigung würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Ausgeklammert wird auch das frühbronzezeitliche Bauholz, obwohl auch in Steinhausen-Chollerpark einige Hölzer in die Frühbronzezeit datieren. Es böte sich hier ein durchaus lohnendes Forschungsfeld an, denn durch die Untersuchungen der vergangenen Jahre hat sich gerade für diesen Zeitabschnitt eine unterdessen stattliche Materialbasis angesammelt.21 3. Zum Aufbau der Arbeit Im ersten Teil der Arbeit (Kap. II, S. 17–43) soll ein Überblick über die Fundstelle im nördlichen Zugerseegebiet gegeben werden: Der Zugersee repräsentiert mit seinen Seespiegelschwankungen, den verschiedenen historisch belegten Rutschungen und den ausgedehnten Verlandungszonen eine dynamische Region, in der bereits im lokalen Vergleich mit sehr unterschiedlichen Befundsituationen gerechnet werden muss. Eine eingehendere Betrachtung verdient auch die Grabungsgeschichte am Fundplatz Chollerpark selber. Bedingt durch die für Ufersiedlungen atypische Schichtabfolge und die Unmengen an hölzernem Fundmaterial ist es einigermassen schwierig, den Überblick über die Fundstelle zu behalten. So soll die Einleitung auch als Orientierungshilfe dienen, dank der man sich in den nachfolgenden Teilen besser zurechtfindet. Das Folgekapitel (Kap. III, S. 44–49) widmet sich der Datierung und dem Umgang mit dendrochronologisch ermittelten Daten. Es skizziert auch den mühseligen Weg hin zur Datierung der verschiedenen Schichten im Chollerpark, über die zu Beginn der Grabungen ja noch völlige Unklarheit herrschte. Diese etwas ausführlichere Darlegung scheint auch deshalb angezeigt, weil das Probenmaterial den üblichen Rahmen urgeschichtlicher «Pfahlbauhölzer» sprengt. In den nachfolgenden Kapiteln werden dann die verschiedenen Hauptphasen detailliert vorgestellt: –Kap. IV (S. 50–105): Die unteren Schichten (US) der Mittelbronzezeit. –Kap. V (S. 106–160): Die oberen Schichten (OS) der Spätbronzezeit. –Kap. VI (S. 161–170): Die jüngeren, nachbronzezeitlichen Strukturen. Im Anhang (S. 171–179) wird auf diverse Aspekte prähistorischen Bauholzes eingegangen. Dieser Teil ist weniger ausschliesslich auf die Gegebenheiten im Chollerpark bzw. am Zugersee fokussiert, sondern bietet ein paar grundsätzliche Überlegungen zum Umgang mit bronzezeitlichem Holz auf Grabungen und in der Auswertung. 16 I. Einleitung Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 10:53 Uhr Seite 16 1. Der Zugersee und das Baarer Becken Der Zugersee liegt in der Zentralschweiz und ist mit einer Fläche von 38,3 km2einer der grösseren nordalpinen Alpenrandseen, von der Grösse her vergleichbar etwa mit dem Bielersee (Abb. 3). Seeanrainer sind die Kantone Zug, Schwyz und Luzern. Durch einen vorspringenden Felsriegel zerfällt das Seebecken in zwei Teile, wobei nach heutigem Wissensstand nur am Untersee, also im nördlichen Becken auf Zuger Kantonsgebiet, urgeschichtliche Feuchtbodenfundstellen vorhanden sind (Abb. 4). Eine Besonderheit besteht darin, dass die Lorze den See nicht wirklich durchfliesst, weil Zufluss und Abfluss am Nordende des Sees sehr nahe beieinander liegen. Das ausgedehnte Ufergebiet zwischen Zug und Cham sowie das daran anschliessende Hinterland bis nach Steinhausen und Baar bilden die grösste Ebene des Kantons, die Lorzeebene. Das Untersuchungsgebiet ist zwischen 1495 und 1700 mehrmals kartographisch erfasst worden. Dieser Umstand ermöglicht einen Einblick in die früheren landschaftlichen Verhältnisse (Abb. 5).22 Das ausserordentlich flache Gebiet wurde immer wieder von der Lorze23 und den vielen kleineren Bächen überschwemmt und war bis ins 19. Jahrhundert hinein eine langgestreckte und eindrucksvolle Sumpfzone24. Diese wurde, weil kaum passierbar, gemieden 20 Nationalfonds-Projekt Nr. 12-59365.99: Jahrringanalysen von prähistorischen Bauhölzern – Unterschiedliche Holzarten, Zeitabschnitte und Kleinregionen. 21 Die singulären Baustrukturen von Zürich-Mozartstrasse sind erst in einem Vorbericht publiziert worden und werden unterdessen älter datiert (Conscience 2001). Weitere Stationen sind ebenfalls publiziert: Arbon TG-Bleiche (Hochuli 1994), Bodman-Schachen (D; Köninger 1993). Im Pfahlbauarchiv der archäologischen Tauchequipe der Stadt Zürich sind Informationen zu etlichen weiteren Fundstellen vorhanden, wo frühbronzezeitliche Bauelemente dokumentiert, aber noch nie in einer Synthese zusammen vorgestellt worden sind: Horgen ZH-Scheller Bronzezeitstation, Wädenswil ZH-Vorder Au, Zürich-Breitingerstrasse, Rapperswil SG-Technikum, Jona SG-Feldbach Ost. Darüber hinaus gibt es weitere Stationen mit einer momentan noch ungenügenden Präsentation der Bauteile, so z. B. Hochdorf LU-Baldegg mit seinen eigentümlichen isolierten mächtigen Bauteilen im Dorfzentrum oder die eindrückliche Befestigungsanlage von Egg-Obere Güll (D) im Bodensee unweit Konstanz. 22 Dändliker 1968; Schiedt 2000. 23 Eine einmündende Lorze mit drei Armen ist zu finden auf der Gygerschen Karte von 1643. 24 Eine komprimierte, anschauliche Übersicht bietet das Begleitheft zur Dokumentation Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) im Kanton Zug. Bern 1998. 17 1. Der Zugersee und das Baarer Becken II. Die Fundstelle von SteinhausenChollerpark im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 3 Das schweizerische Mittelland (Ausschnitt) mit dem Zugersee. M. 1:1 Mio. N 01km N Abb. 4 Das untere Becken des Zugersees mit den bisher bekannten neolithischen und bronzezeitlichen Feuchtbodenfundstellen. Der hell hervorgehobene Bereich bezeichnet den Landgewinn durch die künstliche Seeabsenkung im 16. Jahrhundert n. Chr. Legende: Neolithikum Bronzezeit Steinhausen-Chollerpark Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 17 und musste in einem weiten Bogen umgangen werden. Unter Einbezug der Höhenlinie 420 m ü. M. fällt auf, dass das ehemalige Seeund Sumpfgebiet weit ins Hinterland, etwa bis an den Schlossberg von Steinhausen gereicht haben dürfte (vgl. Abb. 4 und 5). Noch anfangs des 20. Jahrhunderts bildeten hier Riedgras, Schilf, Seebinse und Laichkraut den typischen Bewuchs, heute sind am Ufer die Schilfbestände massiv zurückgegangen, und die Nutzung als Kulturland mit den damit einhergehenden Drainagen hat auch das Hinterland völlig verändert.25 Die Fundstelle an der Sumpfstrasse befindet sich im rasch wachsenden Gewerbeareal von Steinhausen (Abb. 7). Sie liegt im nordöstlichsten Randbereich der ehemaligen, heute verlandeten Bucht des Zugersees. Die Parzelle ist heute knapp 900 m vom Nordufer des Sees entfernt (Abb. 6). 2. Der Zugerseespiegel Die aktuelle Stauschwelle bei Cham befindet sich auf einer Höhe von 412,53 m ü. M. Bei einem ausserordentlich niedrigen Wasserstand könnte also der Zugersee theoretisch zeitweilig abflusslos sein. Der heutige mittlere Wasserstand des Zugersees liegt auf 413,50 m ü. M. Die Jahresamplitude zwischen höchstem und niedrigstem Wasserstand beträgt lediglich etwa 1,5 m.26 Der Hauptzufluss erfolgt über die den Ägerisee entwässernde Lorze. Sicher um einiges beträchtlicher als die jahreszeitlichen Schwankungen sind die sogenannten säkularen Seespiegelschwankungen. Darunter werden längere, d. h. meist Jahrhunderte dauernde Perioden mit durchschnittlich tiefen bzw. hohen Seespiegelständen verstanden. Die damit zusammenhängenden Grundlageninformationen sind nur schwer fassbar. Das Phänomen macht aber klar, dass über lange Perioden weit dynamischere und tiefgreifendere Vorgänge an den Seen stattfinden, als wir sie mit unseren Messreihen der Wasserstände fassen können.27 Die aktuellen Verhältnisse lassen sich nicht auf frühere Zeiten übertragen. Der Zugersee erfuhr nämlich schon sehr früh eine Veränderung seiner hydrologischen Verhältnisse, und dies in einer Radikalität, wie sie den meisten anderen schweizerischen Mittellandseen erspart blieb. Stadtbaumeister Jost Knopfli liess bereits im Jahre 1591/92 das Flussbett der Lorze an der damaligen Stauschwelle «mannstief» tiefer legen28, so dass der Wasserspiegel um etwa 2,5 m abgesenkt wurde29. Es wird allgemein angenommen, dass der Seespiegel vor den Eingriffen einen Wasserstand zwischen 415,50 m ü. M. und 416,50 m ü. M. aufgewiesen haben dürfte. Wenn sich aber heute die meisten archäologischen Schichten auf deutlich tieferen Niveaus befinden und man eine Entstehung der Schichten ungefähr im Übergangsbereich See–Land annimmt, dann muss praktisch überall mit späteren massiven Landsenkungen gerechnet werden. Diese lassen sich auch nachweisen: Durch die Abtiefungen fielen damals natürlich gewollt ausgedehnte Uferabschnitte trocken. Daraus resultierte aber nicht nur ein beträchtlicher Gewinn an Land, sondern es kam in der Folge auch zu erheblichen Stabilitätsproblemen. So ereigneten sich Rutschungen und Abbrüche30, ja sogar regelrechte Versenkungen von Seeuferstrecken, die am 7. März 1594 auch Teile der Zuger Altstadt in Mitleidenschaft zogen31. Knapp 300 Jahre später kam es am 5. Juli 1887 zur grossen «Katastrophe von Zug». Damals wurde berichtet: «Der Grund der Häuser, welcher früher 4 bis 5m über dem Seeniveau stand, liegt jetzt 2 bis 6 m darunter.»32 Solche ausserordentlichen Bodenbewegungen lassen sich auch anderswo erahnen.33 Vielerorts wird man von weniger massiven Veränderungen ausgehen dürfen: Es scheinen aber durchschnittliche Senkungen von mindestens 1–2 m stattgefunden zu haben.34 Die unterschiedlich starken Auswirkungen auf die verschiedenen Uferabschnitte lassen sich u. a. durch die Art der Sedimente und die uneinheitliche Topo18 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 5 Das Baarer Becken auf der sogenannten Anselmier-Karte von 1845/46. Der Ausschnitt zeigt die noch spärliche Ausrichtung der damaligen Siedlungsund Verkehrsbauten auf die Lorze und die nahezu ungenutzte Fläche zwischen Steinhausen und dem nördlichen Zugerseeufer. Signatur: Steinhausen-Chollerpark. Reproduziert im M. 1:50000. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 18 25 Horat 2000, 33 f. 26 Speck 1991, 5. Der See wird nicht durch alpine Schmelzwässer gespiesen. 27 Jacomet 1998, 725, 730. 28 Der damals abgegrabene Fels liegt heute auf 412,00 m ü. M. (Seifert 1996, 7). Die ursprüngliche Höhe des Abflussriegels dürfte somit bei ungefähr 413,70 m ü. M. gelegen haben. 29 Ammann 1993; Speck 1993. 30 Horat 2000, 36: rund 100 Erdabbrüche. 31 Bereits am 4. März 1435 – also lange vor Knopflis Seeabsenkung – glitt eine Häuserzeile der Zuger Altstadt in den See. 32 Die Katastrophe von Zug 5. Juli 1887. Gutachten der Experten Prof. Dr. Heim, Ober-Ingenieur R. Moser, Dr. A. Bürkli-Ziegler. Zürich 1888, an die Tit. Behörden des Cantons und der Stadt Zug. 33 Hochuli 2000, 121: Die neolithische Fundschicht von Risch-Buonas liegt auf 410,20 m ü. M., also etwa 6m unter dem damaligen Seespiegelniveau um 416,00 m ü. M. 34 Ammann 1993; Speck 1991, 3: Absenkungsbetrag 1,5–2 m. Eine gute Umsetzung zu den verschiedenen Höhenlagen bietet Seifert 1996, 8 f. (Abb. 5 und 6). 19 2. Der Zugerseespiegel Abb. 6 Luftbild mit der Fundstelle Steinhausen-Chollerpark (1) im Vordergrund und Blick über die verlandete Ebene in Richtung des heutigen Zugerseeufers mit Lage der spätbronzezeitlichen Siedlung ZugSumpf (2). 1 2 Abb. 7 Weihnachtspause auf der Grabungsstelle Steinhausen-Chollerpark. Zwischen den überschwemmten, bereits ausgegrabenen Feldern und der Sumpfstrasse befinden sich Grabungsbaracken und -zelte. Im Hintergrund die Autobahn A4. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 19 graphie erklären: Je nach Zusammensetzung der Schichten, aber auch je nach Mächtigkeit und Aussehen des darunter folgenden Untergrundes (Seekreide oder glaziale Ablagerungen) reagierten die Uferpartien sehr unterschiedlich auf Druck von oben oder auf Trockenlegungen. Ohne detaillierte Abklärungen lassen sich jedoch kaum verlässliche Aussagen zu den oft beträchtlichen Höhendifferenzen machen.35 Die spätbronzezeitlichen Kulturschichten von Zug-Sumpf wurden auf einer durchschnittlichen Höhe von 413,00–413,50 m ü. M. angetroffen, die Schichten von Steinhausen-Chollerpark – notabene teilweise gleichzeitig! – liegen deutlich höher, nämlich auf Höhen um 415,50–416,50 m ü. M. Dies erstaunt nur auf den ersten Blick, kann aber durch die obgenannten Phänomene bei Seeabsenkungen erklärt werden. Ähnliche Beobachtungen liegen auch von anderen Seen vor, z. B. vom Zürichsee.36 Auch hier lassen sich zahlreiche dendrochronologisch als gleichzeitig erkannte Siedlungsschichten aufführen, die heute auf ganz unterschiedlichen Niveaus liegen. Schräg stehende Pfähle und abschnittweise gebrochene Schichtpakete verschiedener Fundstellen belegen die teils recht massiven Kriechund Rutschbewegungen von Seekreide und den darin eingelagerten Siedlungsresten. Fazit: Die bei Grabungen angetroffene Höhenlage archäologischer Schichten erlaubt also keinerlei Rückschlüsse auf das ursprüngliche Niveau zum Zeitpunkt der Ablagerung. Nur geoarchäologische oder archäobotanische Analysen können hier weiteren Aufschluss geben. 3. Die Grabungsgeschichte 3.1. Überraschende Entdeckungen Eine private Bauherrschaft37 plante im Bereich der Steinhausener Allmend, genauer an der Sumpfstrasse 13–15,die Realisierung eines grösseren Bauvorhabens. Archäologische Abklärungen schienen unbedingt angezeigt, nicht zuletzt weil in den letzten Jahren an verschiedenen ähnlichen Stellen auf Steinhausener Gemeindegebiet Funde zutage gekommen waren.38 Deshalb führte die Kantonsarchäologie Zug am 7. Juli 1999 sechs kleine Baggersondierungen durch. Dabei kamen unter der Humusschicht verschiedene Lagen von Torf und Lehm zum Vorschein, wobei insbesondere die Torfschichten unbearbeitetes und bearbeitetes Holz aufwiesen. An der Schichtbasis wurde die eindrucksvolle Abfolge von Seekreide abgeschlossen. Auf Grund der in den Profilwänden erkennbaren unterschiedlichen Höhenlagen der Schichten wurde schon damals richtig vermutet, dass man sich in einer ehemaligen Bucht befinden müsse, die gegen Nordosten hin ihren höchsten Punkt erreichte, sich also gegen Südwesten zum heute weit entfernten Zugersee hin öffnete. Die anschliessend in die Wege geleiteten flächigen Sondiergrabungen – zwischen dem 23. August und dem 24. September 1999 wurden drei Felder à 4 m × 5m geöffnet – liessen keinen Zweifel mehr daran, dass man es mit einer Fundstelle von grosser kulturgeschichtlicher Bedeutung zu tun hatte (Abb. 8–10). 20 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 8 SteinhausenChollerpark. Ein Sondierschnitt wird geöffnet: Die Baggerschaufel entfernt zügig die jüngeren Deckschichten über der obersten holzführenden Fundschicht. Abb. 9 SteinhausenChollerpark. Bergung der allerersten bronzezeitlichen Hölzer aus dem südlichen Sondierschnitt. Sie werden vorerst – fein säuberlich aneinander gereiht – in der daneben liegenden Wiese deponiert. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 20 3.2. Rettungsgrabung unter erschwerten Bedingungen Zur treffenden Umschreibung der Arbeitsbedingungen mögen zwei Aussagen dienen, von denen die eine vom örtlichen Grabungsleiter Johannes Weiss und die andere vom Kantonsarchäologen Stefan Hochuli stammt (Abb. 11 und 12): «Der zähe Matsch klebte nicht nur hartnäckig an den archäologischen Funden, sondern auch an Arbeitsgerät und Stiefeln der Ausgräber.»39 «Die Arbeiten mussten unter grossem Zeitdruck und unter widerlichsten Bedingungen stattfinden. Aus Profilen und Flächen drückte das Grundwasser; Regen, Schnee und Frost erschwerten einen normalen Ablauf.»40 Innert Wochenfrist wurde – ohne eigentliche Vorbereitungsphase – entschieden, Ende September 1999 auf dem Areal des geplanten Bürogebäudes eine Rettungsgrabung zu starten, denn es musste mit Tausenden von unbearbeiteten und bearbeiteten Hölzern gerechnet werden. Die ganze Unternehmung wuchs sich alsbald mit jedem neuen Tag und jedem neuen Teilbereich in einer nie voraussehbaren Art und Weise aus.41 Die Kantonsarchäologie musste sich sehr bald eingestehen, für eine Grabung dieser Grössenordnung nicht über die entsprechenden personellen, technischen und räumlichen Kapazitäten zu verfügen. Umso engagierter wurde alles unternommen, um die begonnene archäologische Notgrabung unter möglichst akzeptablen Rahmenbedingungen weiterführen und abschliessen zu können. Die kontinuierlich anwachsende Grabungsequipe musste unter enormem Zeitdruck die Infrastruktur den sich abzeichnenden Dimensionen der Rettungsgrabung anpassen. Bei Grabungsbeginn ging man noch davon aus, die Arbeiten im Winter zu unterbrechen. Der Entschluss, wegen des Fundanfalls einerseits und der bereits vereinbarten Baustellenräumung im März des folgenden Jahres andererseits ebenfalls im Winter zu graben, führte nicht nur zu einer deutlichen Straffung der Arbeitsabläufe, sondern auch zu einem wahren Kampf gegen die Launen der Natur. Die Grabung an der Sumpfstrasse wurde ihrem Namen gerecht: Bereits Ende September führten starke Regenfälle dazu, dass Grabungsequipe und geöffnete Grabungsfelder im Morast versanken. Schon ab November waren wiederkehrend akute Frostprobleme zu beklagen. Die Pumpenschläuche vereisten, und in den geöffneten Feldern froren bereits freigelegte Schichten und Hölzer trotz Geotextilabdeckung zu. Immer wieder musste der alles überdeckende Schnee weggewischt werden, bevor weitergearbeitet werden konnte. Kleine bis hinunter in die Seekreide reichende Sondagen am Ostrand der Grabung führten am 4. November 1999 zur Erkenntnis, dass in diese Richtung keine 35 Nördlich der Fundstelle Chollerpark liegt der neolithische Fundplatz von Steinhausen ZG-Sennweid, der ebenfalls Gegenstand einer wissenschaftlichen Auswertung ist (B. Röder, in Vorbereitung). Im Rahmen jener Arbeit ist vorgesehen, die verschiedenen dokumentierten Aufschlüsse aus Profilwänden und Bohrungen zusammenzuführen und ein exakteres Bild vom Aussehen und Wandel des Nordufers des Zugersees zu entwerfen. Die Kantonsarchäologie Zug hat überdies wegen der Wichtigkeit des Verständnisses der durch die Absenkungen von 1591/92 ausgelösten Vorgänge zusammen mit der Fachhochschule Rapperswil und der Geo-Consulting H. R. Schneider (Zug) ein Forschungsprojekt initiiert: «Archäologie, Bodenmechanik, Geologie und Hydrologie des Zugersees». 36 Ruoff 2000, 109–112; C. Schindler, Geologie von Zürich und ihre Beziehung zu Seespiegelschwankungen. Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 116/2, Juni 1971, 283–315, bes. 307 ff.: Bemerkungen zu den Eigenschaften von Seekreide, Bemerkungen zum Problem der Ufersiedlungen, Problematik der Höhenbestimmung von Kulturschichten. 37 Ineichen AG Bauunternehmung, Baar. 38 Z. B. Sumpfstrasse, Überbauung ESEC (Tugium 15, 1999, 25). 39 Johannes Weiss (Auszug aus dem Grabungstagebuch). 40 Stefan Hochuli (Auszug aus einem Pressetext). 41 Ein erster Vorbericht: Hochuli/Röder 2001. 21 3. Die Grabungsgeschichte Abb. 10 SteinhausenChollerpark. Grabungsbeginn auf der grünen Wiese. a: Ein Bogenzelt über den ersten geöffneten Feldern 1 und 2. b: Liebevoll zusammengestellte Collage aus geborgenem Holz – in Unkenntnis der noch kommenden Mengen … a b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 21 Fortsetzung des Fundgeländes zu erwarten war. Kurz vor Weihnachten herrschten erneut derart frostige Temperaturen, dass nicht gegraben werden konnte. Bereits freigelegte Hölzer wurden ein weiteres Mal mit Plastik abgedeckt, die Pumpen blieben trotz Arbeitsunterbrechung in Betrieb. Die Bergung der Hölzer konnte oft erst nach mehreren Anläufen erfolgen, weil die unbeständige Witterung sowie die zahlreichen Besuche von Interessierten Verzögerungen mit sich brachten. Die Installation eines beheizbaren Festzeltes brachte dann wenigstens für die letzten Wochen in einzelnen Grabungsfeldern deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen. Am 29. Februar 2000 endete die Grabung pünktlich, wie mit der Bauherrschaft vereinbart. Der Bagger begann umgehend mit der Verteilung aller Aushubhaufen auf die ganze Fläche, die Infrastruktur wurde Anfang März abgeräumt, die Fundstelle mutierte zur Baustelle. Wenige Monate später stand bereits der grösste Büround Gewerbebau Steinhausens an der Stelle, der «Chollerpark». 3.3. Grabungstechnik und Befunddokumentation 3.3.1. Schichtabbau und Flächendokumentation Die Verantwortlichen der Kantonsarchäologie Zug erahnten das Potenzial des Platzes sehr früh, hatten aber nur geringe Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen – Zeitdruck, Arbeitsbedingungen, Holzmenge – zu beeinflussen. Die Baugrube hatte eine Ausdehnung von etwa 100 m × 50 m, wobei wegen der abgeschrägten Baugrubenwände eine archäologisch zu begleitende Fläche von etwa 4100 m2 verblieb. Darüber wurde ein genordetes Vermessungsnetz mit durchnummerierten Grabungsfeldern à 40 m2(5 × 8m) gelegt. Weil etliche dieser Felder auf Grund der ersichtlichen Fundleere nur noch beobachtet, aber nicht mehr ergraben wurden, verblieb eine Zone von knapp 2600 m2 (Abb. 13), die dann tatsächlich Holzfunde lieferte. In Anbetracht der spezifischen Fundsituation wurde bewusst entschieden, eine systematische Fundbergung bei vereinfachtem Dokumentationsaufwand durchzuführen. Die nachfolgende auf Tagebuchnotizen basierende Darstellung zeigt denn auch, dass der in Steinhausen-Chollerpark angewandte Grabungsstandard natürlich nicht mit demjenigen von Forschungsgrabungen an Seeufern unter Einbindung sämtlicher Nachbarwissenschaften verglichen werden darf. Schichtabtrag, Freilegung der dicht gepackten Holz22 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 11 SteinhausenChollerpark. Der ständige Kampf gegen das Wasser. a: Mit der Schaufel gegen die Pfützen in Feld 14. b: Zwischen Aushubhügeln und den Grabungsfeldern 27/28 wird versucht, mittels kleinen und grösseren Gräben das Wasser fernzuhalten. c: Halb unter Wasser stehendes Feld 8, bereits dokumentiert und durchnummeriert. d: Im völlig aufgeweichten Boden hat der Bagger den Halt verloren und ist zur Seite gekippt. a b c d Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 22 lagen und Dokumentation erfolgten hier annähernd im Akkord (Abb. 14). Als ideale Tagesleistung wurde jeweils die vollständige Erledigung eines Feldes von 5 m × 8m angestrebt, wobei meist verschiedene Felder gleichzeitig offen waren und sich in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien befanden (Abb. 16). Das Problem des bei jedem Grabungsfeld anfallenden Aushubmaterials konnte elegant gelöst werden: Es wurde jeweils einfach in die Gruben von bereits abgeschlossenen Feldern umgefüllt. Der übliche Arbeitsablauf lässt sich etwa wie folgt wiedergeben: Als Erstes wurden die Deckschichten maschinell bis in die erste holzführende Schicht abgetragen, und zwar so weit, bis die Fundmenge an Hölzern derart gross wurde, dass man von Hand weitermachen musste. Dieser Holzhorizont wurde zuerst mit Schaufeln grob, dann von Hand mit Kellen feiner freigelegt (Abb. 15), so dass danach die Flächen zeichnerisch im Massstab 1:50 und auch noch fotografisch dokumentiert werden konnten (Abb. 17). Die gezeichneten Flächenpläne entsprechen allerdings keiner genauen massstäblichen Verkleinerung der angetroffenen Situation: Man trug zuerst die Messdaten von allen grösseren sowie von allen offenbar bearbeiteten Hölzern ein. Diese erhielten in der Regel jeweils auch eine individuelle Fundnummer. Als nächstes wurden die zahlreichen übrigen Hölzer weitgehend nach Augenmass dazwischen zeichnerisch «eingefüllt» (Abb. 17 und 18). Diese Hölzer wurden anschliessend zusammen aufgelesen, eingesackt und mit einer gemeinsamen Sammelnummer versehen. Fragile Einzelhölzer oder spezielle Situationen wurden in wenigen Fällen auch im Massstab 1:10 oder 1:20 in situ dokumentiert. 3.3.2. Schichtdokumentation Alle angetroffenen und voneinander unterscheidbaren Schichten wurden mit einer Positionsnummer versehen und in einem Positionsbuch ausführlich beschrieben. Der Profildokumentation in dieser Verlandungszone wurde absichtlich nicht dieselbe Aufmerksamkeit zuteil wie üblicherweise bei Grabungen in Seeufersiedlungen. Dennoch lassen sich die Abfolgen anhand der wenigen längeren Profile, der kleinen Schnitte an einzelnen Feldergrenzen sowie der zusätzlichen Positionsbeschreibungen und zahlreichen Tagebuchnotizen recht gut nachvollziehen.42 Es gibt ein längeres Nord-Süd-Profil und einige kleine Stichprofile bei komplexen Situationen mit liegenden Hölzern, aber leider nur sehr wenige West-Ost-Profile, die parallel zum heutigen Seeufer und quer zur damaligen Uferlinie verlaufen (Abb. 13). 3.4. Bergung und Datenaufnahme der Hölzer 3.4.1. Bergung Die Bergung von kleineren Hölzern (dies gilt natürlich auch für alle übrigen Fundgattungen) erfolgte als Ganzes, grössere Stücke wurden in tragbare Einheiten zerschnitten und so nach oben gebracht. Weil die Freilegungsarbeiten sehr schnell vonstatten gingen, war es beinahe unvermeidlich, dass einzelne Holzobjekte partiell beschädigt wurden. Sicher wurden auch kleinere Hölzer und andere Funde hie und da übersehen. Gleich nach erfolgter Bergung mussten die Hölzer vor Frost und Austrocknung geschützt werden (Abb. 19 und 20). Im Tagebuch wird mehrmals erwähnt, dass bei weitem nicht alle Hölzer, die zutage kamen, geborgen werden konnten. Es wurde aus verständlichen Gründen darauf verzichtet, die zahllosen kleineren, unbearbeiteten 42 Die Kontrolle aller Angaben aus Profilen, Schnitten und Tagebuchnotizen mit Hilfe der Harris-Matrix ergab eine korrekte und in sich stimmige Abfolge der Schichten. 23 3. Die Grabungsgeschichte Abb. 12 SteinhausenChollerpark. Mühsames Freilegen der Fundobjekte im völlig durchweichten Boden. a: Individuelle Freilegearbeiten mit der Kelle. b: Kollektive Bemühungen an einem Einbaumfragment. Unter das zu bergende Teilstück wurde eine Stahlplatte geschoben, bevor das Ganze mit Eisenstangen als Hebel angehoben wird. a b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:08 Uhr Seite 23 borgene Holzreste in Zapflöchern oder Nuten – wurde festgestellt, so dass die betreffenden Hölzer noch erfasst und nachnummeriert werden konnten. Bei allen (partiell bereits auf der Grabung dokumentierten und separat abgepackten) bearbeiteten Hölzern wurden noch einmal alle Daten kontrolliert und entsprechend in eine eigens für dieses Material erstellte Datenbank eingegeben. Dabei galt es, eine grosse Datenflut zu bewältigen, weil sich Massangaben und Kurzbeschreibungen zu ein und demselben Objekt an ganz verschiedenen Orten befanden und diese sehr oft nicht übereinstimmten. So liessen sich die Massangaben zur Länge einer Schindel gleich an mehreren sehr verschiedenen Stellen finden: Als Notiz vorne oder hinten auf dem Fundzettel, als Eintrag auf der Fundliste, als Mass auf der technischen Skizze, auf dem Flächenplan im Massstab 1:50, auf einem Objektfoto mit Massstab und u. U. auch in einer Tagebuchnotiz oder auf einer weiteren während der Grabung begonnenen Liste. Es war also die letzte Gelegenheit, die teils widersprüchlichen Angaben am Original (bzw. dem verbliebenen Rest davon) miteinander zu vergleichen und gegebenenfalls zu korrigieren. Dies war nicht mehr immer möglich, weshalb von einer gewissen Fehlerquote ausgegangen werden muss. Um keine falsche Genauigkeit zu suggerieren, wird nachfolgend des Öfteren mit gerundeten Werten und ganzen Zahlen operiert. Schliesslich wurden auch die technischen Zeichnungen überarbeitet – oder erst angefertigt, denn der Grabungsverlauf erlaubte es bei weitem nicht, alle Hölzer schon auf der Grabung in einer Skizze zu sichern. In einer provisorisch eingerichteten Fotoecke wurden die meisten aussagekräftigen Hölzer fotografiert, bevor dann in periodisch anberaumten Besprechungen in der Fachgruppe45 entschieden wurde, welche Hölzer für die Konservierung vorzusehen und entsprechend zu verpacken seien und welche beprobt und entsorgt werden könnten. Dies geschah natürlich erst nach Erhalt der frisch entwickelten Fotonegative, damit gegebenenfalls gewisse Motive nochmals hätten fotografiert werden können. 30 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 23 SteinhausenChollerpark. Beispiele von auf der Grabung angefertigten technischen Skizzen unterschiedlicher Güte. Daneben ein Erfassungsblatt für die wichtigsten Rohdaten. a b Abb. 24 SteinhausenChollerpark. Das provisorische Zwischenlager im Hinterberg. a: Arbeit ohne Ende … Plastikcontainer und flache Wasserbassins beherbergen kurz nach Grabungsende Tausende von Hölzern. b: Beginn der Schlussdokumentation: Auspacken der grossen Bohle FK 1060. Auf der Oberfläche sind bereits erste feine Trockenrisse zu erkennen. 45 Diese bestand aus den Vertreterinnen des Museums für Urgeschichte Zug (Irmgard Bauer, Sabine Bolliger Schreyer) und den Vertretern der Kantonsarchäologie Zug (Stefan Hochuli, Johannes Weiss, Beat Eberschweiler). Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:09 Uhr Seite 30 Abb. 25 SteinhausenChollerpark. Prozessabläufe für die Fundgattung «Holz» in der Endbearbeitung im Lager Hinterberg. Holz im Zwischenlager Holzprobe: Teilfläche Holzprobe, ringreich Fotografische Dokumentation Triage nach Holzart und Ringanzahl Entnahme Holzprobe, Rest entsorgen Saubere Probe schneiden, einschweissen, abpacken Minimale Entnahme für Holzartenbestimmung/ggf. Entnahme Dendroprobe, Analyse, Reintegration ins Gesamtobjekt Transportfähige Verpackung und Lieferung ans Konservierungslabor Nach Konservierung Einlagerung oder museale Präsentation Lieferung Dendrolabor: Holzarten und Dendroanalyse Nein Ja Nein Ja Holz mit weiterem Dokumentationsbedarf Auspacken und Fundzettel kontrollieren Feinreinigung unter der Brause Konservierung Abschliessende Ergänzung der Dokumentation: Masse, Beschreibung, Ergänzung oder technische Skizze 31 3. Die Grabungsgeschichte Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:09 Uhr Seite 31 Sämtliche nicht konservierungswürdigen Hölzer wurden schliesslich ebenfalls noch beprobt. Um die nachfolgende dendro(chrono-) logische Arbeit zu erleichtern, wurden die Probenscheiben grob vorsortiert und entsprechend abgepackt. Es wurde einerseits unterschieden zwischen Eiche, Tanne und übrigen Holzarten, andererseits wurden die Probenscheiben auf Grund der Jahrringzahl in vier Kategorien untergliedert und in entsprechenden Plastikboxen abgelegt. Diese Massnahme erwies sich in der Folge als überaus vorteilhaft für ein schlankes und effizientes «Management» der auf Paletten gestapelten Holzproben, auch wenn sich im Nachhinein zeigte, dass die unter Zeitdruck erfolgte Vorsortierung nach Holzarten und Dendroeignung eine gewisse Fehlerquote aufwies. Auch von Hölzern, die für die Konservierung vorgesehen waren, wurden Probenscheiben materialschonend46 entnommen, gemessen und dann wieder ins Objekt eingefügt. 3.5. Die Konservierung und Restaurierung der Holzobjekte (Inka Potthast und Ralf Riens) Nach Abschluss der Grabung SteinhausenChollerpark und der Sondage der Fundhölzer wurden ausgewählte Stücke dem Konservierungslabor zur Erhaltung von archäologischem und historischem Kulturgut in Konstanz zur Konservierung übergeben. Trotz der Auswahl handelte es sich noch immer um einige hundert Kilogramm archäologischer Nasshölzer – eine zu Beginn fast unüberschaubare Menge an Objekten und Fragmenten unterschiedlichster Grössen: angefangen bei nur wenige Zentimeter grossen Hölzern 32 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 26 SteinhausenChollerpark, Arbeitsabläufe im Hinterberg. a: Auspacken und Reinigen der Hölzer im Duschraum. b: Zeichnerische Korrekturen an Fundzeichnungen anhand der gereinigten Hölzer bzw. Ersterfassung der gereinigten Hölzer. c: Fliessbandarbeit: letzte Kontrolle der erhobenen Daten, Triage bezüglich dendrochronologischer Eignung der Einzelproben. d: Das provisorisch eingerichtete Fotostudio. a d b c Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:09 Uhr Seite 32 über mehr als 2 m lange Konstruktionshölzer bis hin zu den 14,4 m langen Längsstämmen des Trapezes, die allerdings in handhabbare Abschnitte zerteilt waren. Der folgende Beitrag soll allgemein in die Thematik der Nassholzkonservierung einführen und eine Vorstellung von den durchgeführten Arbeiten vermitteln. Generell können sich Hölzer über einen sehr langen Zeitraum erhalten, sofern sie sich in einem Milieu befinden, das für holzzerstörende Insekten, Pilze oder Bakterien keine Lebensbedingungen bietet. Dies ist der Fall, wenn Hölzer, wie bei der Grabung Steinhausen-Chollerpark, dauerhaft im Grundwasserbereich und zudem noch im Sediment unter Luftabschluss lagern. Hier erfolgt ein Abbau der Hölzer lediglich auf physikalischem bzw. chemischem Wege. Einzelne Bestandteile der Zellwände, vor allem die Zellulosen, lösen sich langsam auf. Dieser Vorgang schreitet im Holz von aussen nach innen fort. Dennoch bleibt die äussere Form des Holzes erhalten, da die Zellwände noch immer aus dem physikalisch und chemisch wesentlich stabileren Lignin bestehen und die entstehenden Hohlräume von Wasser ausgefüllt werden. Probleme entstehen erst, wenn das Wasser aus dem Holz heraus zu verdunsten beginnt. Dann nämlich kommt es durch ungleichmässige Füllungen benachbarter Hohlräume zu Spannungsverschiebungen, die das Lignin allein nicht kompensieren kann. Die verbliebenen Zellwandstrukturen kollabieren, so dass ein solches archäologisches Nassholz schwindet und sich irreversibel bis zur Unkenntlichkeit verformt. Folglich bedürfen archäologische Nasshölzer einer geeigneten Konservierung, welche die Zellwandstrukturen stabilisiert und das Wasser bei der Trocknung schonend aus dem Holz entfernt. Im Konservierungslabor wird die Gefriertrocknung nach vorheriger Tränkung in einer niedrig konzentrierten PEG-Lösung47 angewandt (Abb. 28). Der erste Schritt besteht in einer gründlichen Reinigung der Hölzer, wobei bei Seeuferfunden erschwerend eine teilweise recht starke Durchwurzelung der weichen Hölzer durch Pflanzen wie beispielsweise Schilf hinzukommt. Anschliessend erfolgt 46 Materialschonend heisst: Wenn möglich wurden Probenstücke herausgebrochen (= kein Materialverlust, saubere Passstellen), ansonsten mit einer feinen Japansäge mit möglichst sauberen Schnittstellen herausgelöst. 47 PEG: Polyethylenglykol-Lösung. 33 3. Die Grabungsgeschichte Abb. 27 SteinhausenChollerpark. Konservierung und Restaurierung der Bootsbauteile. a: Zusammensetzen der Fragmente. b: Überarbeitung einer Ergänzung. c: Retuschieren einer Ergänzung. d: Bootsbauteile nach der Restaurierung. a b c d Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 33 eine Tränkung in einer je nach Abbaugrad und Holzart angepassten niedrig konzentrierten PEG-Lösung. Das PEG ist wasserlöslich und lässt sich somit leicht ins Holz einbringen. Da es im Gegensatz zu Wasser nicht verdampft, verbleibt es auch bei der Trocknung im Holz. Es wirkt stabilisierend auf die Zellwände und beeinflusst – in geringen Mengen angewandt – das Erscheinungsbild des Holzes kaum. Die Tränklösungen werden regelmässig kontrolliert und entsprechend der zuvor festgelegten Soll-Konzentration korrigiert. Nach Abschluss der Tränkung, die je nach Grösse des Holzes auch einige Monate dauern kann, werden die Objekte eingefroren. Im Vakuumkessel der Gefriertrocknungsanlage werden die Hölzer dann einem Vakuum unterhalb des sogenannten Tripelpunktes (6,13 mbar) ausgesetzt. Unterhalb dieses Punktes gibt es kein flüssiges Wasser mehr, d. h. es können nur Eis oder Wasserdampf vorhanden sein. Da kein flüssiges Wasser mehr vorliegt, kann es keine Spannungsverschiebungen in den Zellwänden geben. Somit wird der Zellkollaps verhindert, und die Hölzer behalten ihre Form. Nach der vollständigen Trocknung des archäologischen Holzes ist dieses grundsätzlich dauerhaft formstabil. Optisch unterscheidet es sich kaum von rezentem Holz. Das Gewicht beträgt jedoch teilweise nur noch 10 Prozent des Nassgewichts, was etwa dem Gewicht von Balsaholz entspricht. Derart getrocknete Fragmente können problemlos geklebt und gedübelt werden. Auf Grund des fehlenden Zellwandmaterials 34 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Abb. 28 SteinhausenChollerpark. Konservierung und Restaurierung der Paddel. a: Reinigung am Waschtisch. b: Durchwurzelung eines Paddels. c: Individuelle PEG-Tränkung. d: Paddel in der Gefriertrocknungskammer. e: Konservierte und gefriergetrocknete Paddel. f: Nachzustandsfoto eines Paddels. g: Verpackte Paddel. h: Rücktransport. a b c d Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 34 erreichen sie jedoch nicht mehr die physikalischen Festigkeitseigenschaften von rezentem Holz und sind daher etwas sorgfältiger zu behandeln und geeignet zu verpacken. Die nachfolgende Lagerung der Holzobjekte in Ausstellung oder Depot muss den klimatischen Vorgaben von rezentem Holz entsprechen. Während wir bei den auf Abb. 28 abgebildeten Paddeln neben einigen Klebungen fast ausschliesslich konservatorische Massnahmen durchgeführt haben, kann es durchaus Objekte geben, bei denen Restaurierungsmassnahmen wie Ergänzungen neben einem ästhetischen Zugewinn in der Ausstellung auch für die wissenschaftliche Auswertung von Vorteil oder gar notwendig sind. So wurden die halbrunden Bretter, die als Teile von Einbäumen angesprochen werden, nach der Konservierung aufwendiger restauriert (Abb. 27). Die Teile lagen in mehreren Fragmenten vor, die in einem ersten Schritt verdübelt und geklebt wurden. Im Weiteren wurden eindeutige Fehlstellen und Ausbrüche verkittet und mittels Mikromotor überarbeitet. Schliesslich werden die Ergänzungen mit Erdpigmenten nachretuschiert. Durch das Zusammenfügen und durch die Ergänzung sind die empfindlichen Bruchkanten geschützt, was langfristig der Erhaltung des Objekts zugute kommt. Für den Betrachter sind diese Ergänzungen auf den ersten Blick nicht sichtbar. Dieser hat so die Möglichkeit, sich ausschliesslich auf das Objekt einzulassen, ohne durch eine augenfällige Ergänzung abgelenkt zu werden. 35 3. Die Grabungsgeschichte e f g h Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 35 36 Ab ins Museum! Am 9. Januar 2002 reichte der Zuger Kantonsrat Andreas Bossard eine Interpellation ein, worin unter anderem die Frage nach der sachgerechten Lagerung und angemessenen Präsentation der ausserordentlichen Neufunde von Steinhausen-Chollerpark gestellt wurde. Diese politische Intervention bildete den Anstoss für die Erweiterung des Kantonalen Museums für Urgeschichte(n) in Zug. Grundsätzlich bestand die Möglichkeit, das Museum gegen Norden hin zu vergrössern. Hierfür hätte der Verein für Arbeitsmarktmassnahmen (VAM) Räumlichkeiten abtreten müssen. In der Folge fanden intensive Gespräche sowie ein Augenschein mit einer Delegation des Regierungsrates vor Ort statt. Im Ergebnis boten der VAM bzw. die Volkswirtschaftsdirektion an, dem Museum Räumlichkeiten abzutreten, vorausgesetzt dem VAM könnte geeigneter Realersatz geboten werden. Diesen stellte die Kantonsarchäologie in Form eines Depotraums zur Verfügung. Die Baudirektion ermittelte die Kosten für die bauliche Instandstellung der Räumlichkeiten im Hinblick auf eine zukünftige Nutzung durch das Museum. Parallel dazu gab das Museum eine Machbarkeitsstudie sowie die entsprechende Kostenberechnung für eine Ausstellungserweiterung in Auftrag. Am 2. Juli 2002 stimmte der Regierungsrat grundsätzlich einer Museumserweiterung zu und erklärte sich bereit, eine entsprechende Vorlage ausarbeiten zu lassen. Diese wurde im Frühjahr 2003 ohne Gegenstimme (!) vom Parlament genehmigt. Das bewährte Gestalterteam Stéphane Jaquenoud und Ralph Kaiser aus Cossonay VD wurde mit der Umsetzung des vom Museumsteam entworfenen Konzepts beauftragt. Wie schon beim 1997 eröffneten Museum gestaltete sich die Arbeit zwischen Museum und Kantonsarchäologie ausgezeichnet. Nach den Sommerferien 2003 trafen die ersten konservierten Hölzer aus dem Labor in Konstanz ein. Nun konnte eine repräsentative Sammlung von Ausstellungsstücken definitiv ausgewählt werden. Am 8. November 2003 war es dann so weit: Exakt sechs Jahre nach der Wiedereröffnung des Museums für Urgeschichte Zug an der Hofstrasse 15 und nur dreieinhalb Jahre nach Grabungsende konnte ein Teil der Aufsehen erregenden Funde von Steinhausen der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Teile eines der grossen Trapeze verliessen die Restaurierung erst im Herbst 2004; sie wurden nachträglich in die Ausstellung integriert. Stefan Hochuli II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 36 4. Überblick über die Schichtverhältnisse und das Fundmaterial Zur Erleichterung der Orientierung in den nachfolgenden Kapiteln mit ihren detaillierten Ausführungen zu einer jeden Schichteinheit wird an dieser Stelle ein Überblick eingeschoben. Darin werden die Schichtverhältnisse in groben Zügen vorgestellt und das vorherrschende Fundmaterial, die Hölzer sowie die übrigen Kleinfunde summarisch beschrieben. Ein Glossar am Schluss listet die in dieser Arbeit im Zusammenhang mit dem bronzezeitlichen Holzbau verwendeten Fachbegriffe auf. 4.1. Die Gesamtabfolge der Schichten (in Zusammenarbeit mit Philippe Rentzel) Als Quellen für die Rekonstruktion der Schichtabfolge dienen einerseits die auf der Grabung dokumentierten Profilabschnitte sowie die Tagebuchnotizen, andererseits die Ergebnisse aus einigen geoarchäologischen Untersuchungen von Philippe Rentzel (Abb. 29– 34).48 Eine durchgehende, die ganze Grabung begleitende Beobachtung der Schichtverhältnisse nach geoarchäologischen Kriterien fand nicht statt, sondern es wurden anlässlich von vier jeweils einen Tag dauernden Besuchen auf der Grabung lediglich drei Profile nach geologischen und bodenkundlichen Gesichtspunkten aufgenommen. Parallel dazu wurden einige wenige Bodenproben für mikromorphologische und sedimentologische Untersuchungen entnommen. Obwohl sich die Fundstelle heute als Bauland im Industriequartier von Steinhausen präsentiert und in südlicher und südwestlicher Richtung ziemlich genau 900 m vom Seeufer entfernt liegt, ist die frühere Lage im und am See in den angeschnittenen Profilen evident. Die sterile Basis wird durch eine weisse Seekreide gebildet. Sie ist stark kalkhaltig und damit eindeutig eine limnische Ablagerung. Vermutlich hat sich hier in der Jungsteinzeit der seichte Uferbereich befunden49, der hier, wie die darüber liegenden Schichten und Beobachtungen andernorts50 nahe legen, das Ostufer einer tief ins Hinterland greifenden Bucht bildete. Über der Seekreide folgen wechsellagig verschiedene Torfe – teils stark organisch, teils mit minerogenen Einschaltungen – sowie Auelehme. Dies spricht für sinkende Seespiegel bzw. in der Folge tiefe Seespiegelstände. Alle diese Ablagerungen sind kalkfrei und zeigen, dass bei ihrer Bildung keine Interaktion mit dem See mehr stattgefunden hat. Kurzfristige limnische Wasserbewegungen im Bereich dieses Niedermoores sind dennoch nicht ganz auszuschliessen, weil nämlich entsprechende botanische Reste nachgewiesen sind. Die Torfe sind alle nahezu phosphatfrei, was gegen menschliche Beeinflussung und/oder landwirtschaftliche Nutzung spricht. Das Untersuchungsgebiet war also seit der Bronzezeit ein Niedertorfmoor in Seenähe, das immer wieder von Schwemmlehmen der Ur-Lorze überdeckt wurde, deren Verlauf aber noch nicht rekonstruiert werden kann. Auf Grund der pH-Werte handelt es sich bei den Torfen um nur schwach saure Sedimente. Es liegt somit kein Torfwachstum bei komplettem Trockenfallen vor, sondern viel eher eine Bildung in konstant feuchtem Milieu. Der erst wenig fortgeschrittene Zersetzungsgrad der pflanzlichen Reste deckt sich mit den Resultaten aus den botanischen Analysen. Es handelt sich um einen Niedermoortorf, reich an Wurzeln, Blättern und Holzresten. Weiter oben dominieren dann die Auelehme, die teilweise mit ausgeschwemmten organischen Bestandteilen durchsetzt sind. Auch Holzkohlen sind in einzelnen Ablagerungen immer wieder deutlich präsent. Staunässeanzeiger sind ebenfalls belegt, was für schwankende Grundwasserspiegel spricht.51 Zuoberst folgt dann die aktuelle Bodenbildung mit dem dazu gehörenden Humushorizont. Neben sedimentär gebildeten Schichtübergängen sind auch mehrere durch Erosion gekappte Schichtgrenzen vorhanden, was 48 Ph. Rentzel, Steinhausen, Sumpfstrasse «Chollerpark» (8-976-99). Geoarchäologische Untersuchungen. Kurzbericht 23. November 2001. In die Ausführungen einbezogen wurden auch die daraus hervorgegangenen zusätzlichen Diskussionen zum Thema. 49 Streng gesehen ist die Seekreide undatiert. 50 Eine Diskussion und Gesamtvorlage der anlässlich von verschiedenen Rettungsgrabungen gesammelten «bodenkundlichen Puzzleteile» soll in der Publikation zu den Fundstellen aus dem südlichen Gemeindegebiet von Steinhausen erfolgen (B. Röder/Ph. Rentzel, in Vorbereitung). 51 Nachgewiesen sind beispielsweise rostige EisenMangan-Ausfällungen. Mündl. Mitt. von Philippe Rentzel anlässlich einer Diskussion der Zwischenergebnisse vom 14. Mai 2003. 37 4. Überblick über die Schichtverhältnisse und das Fundmaterial Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 37 38 II. Die Fundstelle im Kontext des nördlichen Zugerseegebietes US OS Abb. 29 Die Schichtabfolge in SteinhausenChollerpark. a: Ostprofil in Feld 40, idealisierte Umsetzung. Geoarchäologische Beschreibung mit Angaben zu den Bezeichnungen (Pos.) und der Zusammensetzung der einzelnen Schichten und den Übergängen dazwischen. b: Ausschnitt Ostprofil Feld 20 auf 679575,0, M. 1:40. Durchgehende Abfolge von der Seekreide (Pos. 6) bis hinauf zur Bodenbildung. Die obere Hauptfundschicht (Pos. 1) ist homogen. c: Ausschnitt Ostprofil Feld 31 auf 679575,0, M. 1:40. Die Seekreide wurde hier nicht erfasst. Die obere Hauptfundschicht lässt sich durch die mächtige eingeschobene Sandlinse (Pos. 5) weiter untergliedern. Legende zu den Symbolen der Schichtgrenzen: sedimentär pedogen erosiv 11 12 12 13 14 14 16, 3 15 7, 1 8 9 9 18 6 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Schichten (Archäologie) Schichten (Geologie) Deutung Aktueller Humushorizont Bodenbildung aus Auelehm Auelehm Humushorizont (Anmoor) Verwitterungshorizont einer Braunerde, pseudovergleyt seewärts in einen Torf übergehend Geschichteter Auelehm mit umgelagertem organischem Material und Holzkohlen, Staunässeanzeiger Auelehm minerogener Staunässeanzeiger Auelehm mit umgelagertem organischem Material und Holzkohlen Minerogener Torf holzkohlehaltig, mit Auelehmlinsen Organischer Auelehm Holzkohlen, humifiziert Auelehm mit aufgearbeiteten org. Resten, Holzkohlen, gegen N in Sandfazies übergehend Minerogener Torf mit Linsen von Auelehm, Holzkohlen Torf Auelehm, organisch Seekreide mit geschichteten organischen Resten a c 417,00 mü.M. 416,00 mü.M. 417,00 mü.M. 416,00 mü.M. 226662 226661 226660 226677 226676 226675 12 12 13 13 14 14 18 16 16 33 15 1 15 4 8 8 9 9 6 b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 38 Abb. 30 SteinhausenChollerpark. Blick auf das Ostprofil in Feld 20. Nummeriert sind die wichtigsten Schichten. Abb. 31 SteinhausenChollerpark. Fotografische Dokumentation des Südprofils (Felder 118/119). Angeschnittener Schenkel von Trapez 3. Der sterile Auelehm (Pos. 8) zieht deutlich darüber, darunter folgt der fundreiche Torf der unteren Hauptfundschicht (Pos. 9). wohl mit der Lorze in Zusammenhang zu bringen sein dürfte. Für ihren Sedimenteintrag sind – wegen des entsprechend feinkörnigen Materials wie Sand oder Silt – generell langsame Fliessgeschwindigkeiten anzunehmen. Aussagen zur Grösse des Flusses und zu seiner Bedeutung für die damalige Bevölkerung (Schiffbarkeit?) sind nicht möglich. 4.2. Die Hauptphasen Auf Grund der sedimentologischen, archäobotanischen, archäologischen und dendrochronologischen Untersuchungen lassen sich, wie bereits eingangs erwähnt, folgende Hauptphasen unterscheiden: –Die unteren Schichten (US) über der sterilen Seekreide datieren hauptsächlich in die Mittelbronzezeit. –In den darüber liegenden Schichten (OS) sind Hölzer aus der Spätbronzezeit eingelagert. –Zuoberst folgen nachbronzezeitliche Aktivitäten, belegt durch einige in situ befindliche Pfähle aus der Hallstattzeit und aus dem Frühmittelalter. 39 4. Überblick über die Schichtverhältnisse und das Fundmaterial 14 16 15 1 8 9 8 9 3 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 39 1.2. … und der Umgang damit Vielfach werden die in den Dendroberichten, die von den Labors geliefert werden, aufgelisteten Datierungen für die betreffende Publikation übernommen und persönlich gewichtet: Anders als bei der rein dendrochronologischen Wertung werden die Daten nun auch nach archäologischen Gesichtspunkten eingeschätzt. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Vorsicht ist aber geboten, wenn eine B-Datierung, also eine zwar mögliche, aber nicht sichere Datierung, rein auf Grund der Tatsache, dass sie in den gerade vorliegenden archäologischen Kontext oder ins zugrunde liegende chronologische Modell «passt», gleichwertig wie eine A-Datierung behandelt wird. Dieses Vorgehen darf man trotzdem nicht a priori verurteilen, denn es gibt ganz klar Befundsituationen (wenn auch sehr wenige), die es erlauben, rein dendrochronologisch B-datierte Proben zu den A-datierten zu gesellen, weil der archäologische Kontext die Zusammengehörigkeit zweifelsfrei bestätigt – doch selbst eine klare Situation ist nie gegen Fehlinterpretationen gefeit. Bei Fundstellen mit komplexen Verhältnissen und einer gewissen zeitlichen Tiefe ist jedoch mit solchen Daten ungleich vorsichtiger umzugehen. Unter der archäologisch begründeten Annahme, dass ein Holz vom Chollerpark mit grösster Wahrscheinlichkeit aus der Mittelbzw. Spätbronzezeit stammt, darf also eine sehr gute Korrelationslage aus dieser eingeengten Zeitspanne als vermutlich richtig angenommen werden. Ohne diesen – archäologisch vorgegebenen – sehr engen Datierungsrahmen wären allerdings durchaus auch andere Korrelationslagen in Betracht zu ziehen. Wegen dieser Restunsicherheit werden B-Datierungen im Chollerpark nicht wie die entsprechenden A-Datierungen gewichtet und nachfolgend explizit auch nicht in die Überlegungen mit einbezogen. Anderswo, beispielsweise in der einphasigen Dorfanlage von Greifensee ZH-Böschen mit kurzzeitiger Bautätigkeit, ist es eher erlaubt, B-Daten aktiver in die Überlegungen mit einzubeziehen.60 2. Das Vorgehen bei der Datierung der Schichten vom Chollerpark 2.1. Erste C14-Untersuchungen Mangels datierender Beifunde gab es zum Zeitpunkt der Entdeckung der Fundstelle keinerlei Anhaltspunkte für das Alter der mit bearbeitetem Holz durchsetzten Schichten. Deshalb wurden bereits anlässlich der ersten Vorsondierungen im Juli 1999 zwei verkohlte Hölzer für eine C14-Analyse entnommen. Die Resultate wiesen auf eine Datierung der Ablagerungen in die entwickelte oder ausgehende Spätbronzezeit hin (Abb. 39).61 Anlässlich der eingeleiteten Rettungsgrabungen kamen unter den torfigen und holzführenden Ablagerungen noch weitere ebenfalls mit Holz durchsetzte Schichten zutage. Als sich dann im Schlamm völlig überraschend eine trapezförmige Holzrahmenkonstruktion abzeichnete, herrschte ein weiteres Mal grosse Unsicherheit bezüglich der Datierung dieser Fundschicht. Auf Grund der ausgezeichneten Erhaltung und einer in der Urgeschichte noch nie angetroffenen Bauform wurde sogar in Betracht gezogen, dass man es hier mit mittelalterlichen Strukturen zu tun haben könnte, über die dann später bronzezeitliches Bauholz eingeschwemmt worden wäre. Deshalb wurden auch hier zwei C14Proben entnommen, und zwar von einem der Längsstämme62 sowie von einer Querstange, deren Analyse umgehend in die Wege geleitet wurde und die nötige Klärung brachte (Abb. 40).63 Mit den erzielten Resultaten war eine ungefähre zeitliche Einordnung dieser unteren Holzlagen in die Mittelbzw. frühe Spätbronzezeit möglich. Diese groben Anhaltspunkte zur zeitlichen Stellung der Fundschichten genügten fürs Erste und rechtfertigten auch den Entscheid, eine grosse Notgrabung einzuleiten. 2.2. Die dendrochronologische Analyse des erfolgversprechenden Probenmaterials Noch während, vor allem aber dann unmittelbar nach Abschluss der Grabungen im Chollerpark wurden mit höchster Priorität sämtliche Hölzer artenbestimmt. Parallel da46 III. C14-Untersuchungen und Dendrochronologie Labornr. Fundnr. Objekt BP BC cal (2σ) UZ 1849 976-1 verkohltes Holz 2595 ±60 BP 895–517 BC cal UZ 1850 976-2 verkohltes Holz 2775 ±60 BP 1046–807 BC cal Abb. 39 SteinhausenChollerpark. Die allerersten C14-Daten aus der Vorabklärung im Juli 1999. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 46 zu wurde eine Klassifizierung bezüglich dendrochronologischer Eignung vorgenommen.64 Bei diesen Untersuchungen fanden die folgenden Faktoren Berücksichtigung: –Holzart: Bevorzugt natürlich Eichen, Weisstannen und Eschen, daneben aber auch Buchen, Fichten und andere. –Jahrringe: Möglichst lange Jahrringsequenzen, keine Verwachsungen, Proben mit Splint und wenn möglich Waldkante (WK) oder wenigstens – soweit der Probenquerschnitt eine solche Einschätzung erlaubte – «nahe an der Waldkante». –Schichtzugehörigkeit: Proben aus möglichst allen Schichten. –Holztypen: Berücksichtigung unterschiedlicher Querschnittformen (Bretter, Kanthölzer, Hälblinge und Rundhölzer). Bei den Trapezkonstruktionen: Verschiedene Holzproben aus demselben Konstruktionsverband. Als Erstes wurden Proben der Qualität I (= aller Wahrscheinlichkeit nach datierbar) gemessen, weil sie am ehesten absolut datiertes Material versprachen, auf dem man nachher aufbauen konnte. Danach wurden alle Proben der Güteklasse II (= Messung erfolgversprechend) analysiert. Des Weiteren wurde noch unterschieden zwischen den Güteklassen III (= Messung wünschenswert) und IV (= Messung nicht sinnvoll). Das Vorgehen bestand – wie dies üblich ist – darin, dass zuerst alle Proben ohne Kenntnis der Epochenzugehörigkeit und der archäologischen Situation einzeln gemessen, untereinander gemittelt und dann umfassend verglichen wurden. Mit diesem standardisierten Vorgehen soll vermieden werden, dass das Material voreingenommen betrachtet und gewissen Datierungsbereichen bevorzugt Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Rechentests liefern insofern eine wichtige Hilfe, als sie bei der Lokalisation von potenziellen Synchronlagen helfen. Nach diesem ersten Arbeitsdurchgang konnte für die oberen spätbronzezeitlichen Schichten ein Zeitrahmen von etwa 1050 bis 950 v. Chr. fixiert werden. Ihre Absolutdatierung bereitete keine Probleme, denn es steht eine ausgesprochen umfangreiche Vergleichsdatenbank mit spätbronzezeitlichen Einzelhölzern und Mittelkurven aus der benachbarten Station ZugSumpf, dem gesamten schweizerischen Mittelland und den angrenzenden Regionen zur Verfügung. Das Holz der unteren Schicht blieb vorerst undatiert ebenso wie eine Anzahl von Pfählen, die auf Grund der Position ihrer Köpfe und der Tiefe der Spitzen mit grosser Wahrscheinlichkeit nachbronzezeitlich einzuordnen waren. Dies überraschte nicht, denn für diese Zeitabschnitte ist immer noch sehr wenig Vergleichsmaterial vorhanden, das überdies aus weiter entfernt liegenden Regionen stammt und sich teilweise auch aus anderen Holzarten zusammensetzt, als dies im Chollerpark der Fall ist. 2.3. Die dendrochronologische Bearbeitung der weniger tauglichen Holzproben Dieses erste Zwischenergebnis befriedigte natürlich nicht. Deshalb wurde die dendrochronologische Analyse auch auf die weniger geeigneten Proben ausgedehnt, in der Hoffnung, die Datenbasis vielleicht doch noch entscheidend verbreitern zu können. Erfahrungsgemäss ist es nämlich so, dass, wenn endlich eine erste Datierung gelingt, vieles 60 Ruoff 1998, 4–8 (Abb. 8). 61 Sämtliche Daten wurden kalibriert mit CalibETH 1.5b (1991, Kalibrationskurve nach Radiocarbon 35, 1993, passim). 62 Leider lässt sich auf Grund der Dokumentation nicht mehr feststellen, von welchem der beiden Längsstämme die Probe stammt (Schenkel FK 854 oder FK 881). 63 Expressauftrag an das Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung, Christian-AlbrechtsUniversität Kiel (P. M. Grootes). 64 Die Arbeitsschritte als solche sind vergleichbar mit dem dendrochronologischen Vorgehen bei Greifensee ZH-Böschen, dort allerdings unter völlig anderen Prämissen. Beim dortigen Probenmaterial konnte sehr gezielt mit einem stark eingeschränkten Datierungsspielraum gearbeitet werden (U. Ruoff, Kap. 4.1: Datierung. Einführende Erläuterungen. In: Eberschweiler/Riethmann/ Ruoff in Vorbereitung). Probentriage und -auswahl, die kritische Hinterfragung des Erarbeiteten, die Formulierung neuer Fragestellungen und das Festlegen der nächstfolgenden Schritte oblag der wissenschaftlichen Leitung. Die Laborarbeiten lagen in der Verantwortung des Dendrochronologen Trivun Sormaz, die Diskussion der Zwischenergebnisse erfolgte in regelmässigen gemeinsamen Sitzungen. 47 2. Das Vorgehen bei der Datierung der Schichten Abb. 40 SteinhausenChollerpark. Erste Anhaltspunkte zur Datierung des unteren Schichtpakets (US): Resultate der entnommenen C14-Proben an Stämmen der ersten Trapezkonstruktion. Labornr. Fundnr. Objekt BP BC cal (2σ) KIA 9276 61 alt Hauptstamm 854/881 3025 ±35 BP 1393–1130 BC cal KIA 9275 62 alt Querstange 62.1 3122 ±35 BP 1489–1312 BC cal Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 47 vorher Undatierte daran angehängt werden kann und sich plötzlich eine ganze Anzahl von Proben absolutchronologisch einordnen lässt. Dies war auch im Chollerpark der Fall, nachdem ein paar weitere Arbeitsschritte eingeschaltet worden waren: Es wurde eine nochmalige Durchsicht aller vorhandenen etwa 2500 Holzproben vorgenommen unter Berücksichtigung der bereits analysierten Hölzer und der darauf aufgebauten Mittelkurven, der Güte des restlichen noch ungemessenen Materials und seiner stratigraphischen Herkunft sowie der finanziellen Möglichkeiten im Rahmen des Auswertungskredites. Es wurden also einige weitere Proben ausgesucht und analysiert, und auch das Einbaumfragment aus der unteren Schicht konnte – nach gründlicher Reinigung und Dokumentation – schliesslich noch beprobt und gemessen werden. Bei den nachfolgenden Korrelationsschritten wurden neue Indizien zusätzlich berücksichtigt, womit es gelang, für die Holzarten Eiche, Esche und Weisstanne etliche weitere Mittelkurven aufzubauen. Die besagten Indizien wurden gewonnen durch den Einbezug archäologischer Informationen und Interpretationen, z. B. Proben aus demselben Konstruktionsverband oder aus derselben Schicht, die zudem noch in unmittelbarer Nähe zueinander lagen, offenkundig ähnliche oder gleichartige Bauholztypen, verwandte und auffällige Holzquerschnitte bei gleicher Holzart usw. Viele der auf diese Weise aufgebauten Arbeitsmittelkurven waren zuerst recht kurz und oft auch wenig belegt, aber im Laufe der Arbeiten gelang es wiederholt, einige davon zusammenzufassen und damit die Sequenz zu verlängern. Dank der so erreichten besseren Belegung kam es Schritt für Schritt zu immer überzeugenderen Korrelationslagen zwischen solchen Arbeitsmittelkurven und den datierten Referenzkurven. Bezeichnenderweise vermochten diese zuerst vor allem optisch am Leuchtpult zu überzeugen, rechnerisch hingegen weniger. Dass man sich dennoch auf dem richtigen Weg befand, zeigten beispielsweise die Datierungen über verschiedene Holzarten hinweg, die nun immer dieselben übereinstimmenden Resultate lieferten. Dennoch blieb das Material der unteren Schicht schwierig zu datieren, weil die recht grosse Zeitspanne eine klarere Eingrenzung des Datierungsspielraumes einfach nicht zuliess. Eine besonders bei kurzzeitiger Bautätigkeit erfolgversprechende selektive Suchmöglichkeit blieb damit verwehrt: Selbst bei schlechter rechnerischer Korrelationsgüte kann der optische Kurvenvergleich «Waldkante auf Waldkante» unter Umständen Hinweise auf eine mögliche Zusammengehörigkeit liefern (was in unserem Fall aber wegen fehlender Waldkanten auch nur sehr bedingt möglich gewesen wäre). Ein zusätzliches Erschwernis bildete der Umstand, dass viele Proben sehr individuelle Wachstumstrends aufwiesen, was auf die Nutzung verschiedener Waldbestände hindeuten könnte, wo die Bäume in unterschiedlichen Biotopen auch unterschiedlich auf das jeweilige Klima reagierten und wo vielleicht auch unterschiedliche Waldnutzungen ihre Spuren in den Jahrringbildern hinterliessen. Zur Absicherung wurden deshalb ergänzend gezielt C14-Analysen an einzelnen Jahrringsequenzen vorgenommen, und zwar sowohl von gut belegten, aber nicht zweifelsfrei datierten Mittelkurven wie auch von undatierten jahrringreichen Einzelproben, wo man sich die Frage stellen musste, warum sie nirgendwo eingebaut werden konnten. Hier wollten wir unbedingt das Risiko eliminieren, weitere Phasen zu verpassen, bloss weil solche durch dendrochronologisch nicht verwertbares Holz vertreten wären. Die erzielten Ergebnisse finden sich, nach den Hauptfundschichten aufgegliedert, in den nachfolgenden Kapiteln. Von grosser Wichtigkeit bei allen diesen Arbeiten war auch die Berücksichtigung der archäologischen, sedimentologischen und archäobotanischen Zwischenergebnisse, welche die beiden bronzezeitlichen Schichtpakete als einigermassen homogene Erscheinungen erkennen liessen – mit dem kleinen Vorbehalt, dass sie keine zeitlich eng begrenzten Ereignisse repräsentierten, sondern über einen gewissen Zeitraum anzudauern schienen. Insgesamt konnten 347 Proben dendrochronologisch analysiert werden, was etwa 15% aller dokumentierten Hölzer entspricht. Von diesen gemessenen Proben konnten wiederum insgesamt 232 A-datiert werden, was etwa 58% aller gemessenen Proben und nicht ganz 10% aller dokumentierten Hölzer entspricht. Es lassen sich vier Phasen herausarbeiten: –Das auf Grund der C14-Daten lange als mittelbronzezeitlich angesprochene untere Schichtpaket (US) lieferte Schlag48 III. C14-Untersuchungen und Dendrochronologie Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 11:42 Uhr Seite 48 65 Es handelt sich um die folgenden Fälle: ein als «echte Schindel» bezeichnetes Holz mit dem Endjahr 980 v. Chr., allerdings mit FK 1449.14 (Labornr. 38663), was auf einen Sammelfundkomplex aus der unteren Schicht in Feld 110 verweist; eine weitere «echte Schindel» mit FK 364 (Labornr. 38561) aus der oberen Schicht, allerdings mit einem mittelbronzezeitlichen C14-Datum (Abb. 103: Die kalibrierte C14-Datenspanne weist in die Mittelbronzezeit); ein Kantholz mit FK 1733 (alte Holznr. 28, Labornr. 38339), das gemäss Holzliste aus Schicht 2 stammt, also aus den oberen Schichten, aber auf 1705 v. Chr. B-datiert ist (Abb. 103: Die kalibrierte C14-Datenspanne weist in die Frühbronzezeit). daten sowie auf Grund der Endjahre hochgerechnete Fälljahre zwischen etwa 1700 v. Chr. und 1350 v. Chr. (vgl. Abb. 100– 113). –Die spätbronzezeitliche Phase im oberen Schichtpaket (OS) beinhaltet Hölzer mit Fälldaten zwischen etwa der Mitte des 11. Jahrhunderts v. Chr. und dem beginnenden 9. Jahrhundert v. Chr. (vgl. Abb. 174–180). –Einige Eschenpfähle aus den oberen Torfschichten gehören ins 8./7. Jahrhundert v. Chr. und belegen damit eine – leider kaum fassbare – hallstattzeitliche Bautätigkeit an dieser Stelle (vgl. Abb. 225, 227–228). –Weitere Eschenund Buchenpfähle gehören gemäss C14-Resultaten ins Frühmittelalter. Eine dendrochronologische Datierung ist mit dem vorhandenen Probenmaterial zur Zeit nicht möglich (vgl. Abb. 225). Gemessen an den grossen Holzmengen gibt es vernachlässigbar wenige Unstimmigkeiten zwischen Datierung und dokumentierter Schichtzugehörigkeit.65 2.4. Schlusskontrolle Ganz am Schluss wurden nochmals sämtliche Hölzer dahin gehend kontrolliert, ob sich für entscheidende Fragen nicht doch noch nähere Informationen beibringen liessen: –Alle Rundholz-Proben ohne Angabe einer Waldkante: Lässt sich tatsächlich keine sichere oder allenfalls eine wahrscheinliche Baumrundung ausmachen? –Alle Eichenproben mit splintholzdatierten Endjahren in den Randbereichen der Datenspannen: Sind wirklich alle Splintringe erfasst worden, oder lässt sich auf Grund der Dokumentation vermuten, dass bei der Bergung noch mehr vorhanden war? –Alle Hölzer mit recht guten Korrelationswerten zueinander, aber unterschiedlichen Querschnittformen: Stimmen die Querschnittangaben? –Zusammenstellung der Datierungen pro Schichteinheit: Müsste bei den weniger gut ins Gesamtbild passenden Datierungen auf Grund der Dokumentation eventuell die Schichtzugehörigkeit hinterfragt werden? 49 2. Das Vorgehen bei der Datierung der Schichten Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 49 1. Naturwissenschaftliche Analyse der Fundschichten 1.1. Geoarchäologie (in Zusammenarbeit mit Philippe Rentzel) Gleich über der Seekreide findet sich lokal ein leicht torfiger Silt, darin einige Holzschnipsel (Pos. 18), ansonsten dominiert aber ein immer noch limnisches Sediment mit geringem organischem Anteil (Pos. 10). Bei der darüber folgenden Hauptfundschicht handelt es sich um einen Torf mit geschichteten organischen Ablagerungen (Pos. 9) in Anteilen von 20% bis 30%. Auf Grund der pH-Werte um 6,1–5,8 handelt es sich um nur schwach saure Sedimente. Es liegt also kein Torfwachstum bei komplettem Trockenfallen vor, sondern viel eher eine Bildung in konstant feuchtem Milieu. Ab diesem Niveau ist kein Einfluss des Sees mehr fassbar. 1.2. Archäobotanik66 (in Zusammenarbeit mit Stefanie Jacomet und Danièle Martinoli) Wegen des grossen Zeitdrucks wurde die Grabungsfläche nicht systematisch beprobt. Leider wurde verpasst, gerade aus den unteren Schichten genügend Proben zu entnehmen. Für die archäobotanische Analyse wurden lediglich zwei Schlämmproben (etwa 9 l) aus zwei verschiedenen Grabungsbereichen geborgen. Eine weitere Probe (etwa 1,8 l) wurde anlässlich eines Grabungsbesuches von St. Jacomet entnommen. Der organische Anteil in allen Proben ist sehr hoch. Es handelt sich zumeist um Wurzeln sowie Rhizomteile von Schilf. Laubblattreste, Ästchen und Holzsplitter sowie Moosstengel, Rindenstücke und vereinzelte Holzkohlestücke konnten ebenfalls nachgewiesen werden. In keiner der Proben waren Kulturanzeiger enthalten. Auch die potenziellen Sammelpflanzen wie Haselnüsse, Himbeeren, Brombeeren und Holunder weisen derart niedrige Fundzahlen auf, dass eher ein natürlicher Ursprung anzunehmen ist. Es fehlen auch praktisch alle Hinweise auf Ackerunkräuter, Ruderalund Wiesenpflanzen, also auf eine anthropogen beeinflusste Vegetation ausserhalb der untersuchten Uferzone. Gut vertreten sind hingegen Belege für die natürliche Vegetation, einerseits Vertreter von Waldund Waldrandpflanzen ausserhalb der Uferzone, andererseits in grosser Diversität und Zahl Reste von Uferund Wasserpflanzen. In den seewärts gelegenen Proben sind Seebinse, Nixenkrautund Seerosensamen deutlich belegt (Abb. 41). 2. Die Hölzer 2.1. Fundumstände, Zustand und Menge Aus den unteren Schichten wurden insgesamt 486 verschiedene bearbeitete Hölzer geborgen und dokumentiert, darunter drei verschiedene Stücke von einem Einbaum und des Weiteren fünf auf der Grabung als «Heckbretter» bezeichnete Objekte aus dem Umfeld des Einbaumes. In den folgenden Statistiken erscheinen die Einbaumfragmente nicht, es wird also bei der nachfolgenden Präsentation des Bestandes von 483 Hölzern ausgegangen. Dieser beinhaltet somit sämtliches Konstruktionsholz sowie alles übrige bearbeitete und unbearbeitete Material, das wohl auch in einer Seeufersiedlungsfundstelle in der «Holzliste» und nicht etwa in der «Fundliste» aufzuführen wäre. 50 IV. Das untere Schichtpaket IV. Das untere Schichtpaket – eine mittelbronzezeitliche «Off-site»-Situation 66 Stefanie Jacomet und Danièle Martinoli: Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchungen aus dem Bereich des bronzezeitlichen Strandgutes bzw. der rätselhaften Holzobjekte. Bericht vom 3. März 2003. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 50 51 1. Naturwissenschaftliche Analyse der Fundschichten Datierung MBZ MBZ MBZ FK 1280 648 – Feld 110 23 40, Pos. 20 Volumen wassergesättigt (ml) 6500 2500 1800 Volumen Schlämmrückstände organisch/anorganisch >5100/– >1200/– nicht gem. Materialklassen Holzkohle x (x) Holzsplitter xx x Rinde x x x Moosstengel x x x Laubblätter Fragmente x xxxx Wurzeln xxxx xxxx xxxx Ästchen x xx Rhizomteile von Schilf xxxx xx Unkräuter im weitesten Sinne (inkl. «Wiesenpflanzen») Fallopia convolvulus Windenknöterich unverkohlt 1 Poaceae Süssgräser unverkohlt 1 Ranunculus repens Kriech. Hahnenfuss unverkohlt 2 3 x Waldund Waldrandpflanzen (ausserhalb Uferzone) Abies alba Weisstanne unverkohlt 1 1 Abies alba Weisstanne unverkohlt x x Acer pseudoplatanus Berg-Ahorn unverkohlt 1 Betula sp. Birke unverkohlt xx x xxx Betulaceae Birkengew. xx cf. Corylus avellana Haselnuss x Fagus sylvatica Rotbuche unverkohlt 23 3 Frangula alnus Faulbaum unverkohlt 3 Picea abies Fichte, Rottanne unverkohlt 31 2 Picea/Pinus unverkohlt x x x Rubus unverkohlt x Rubus idaeus Himbeere unverkohlt 2 Sambucus nigra/racemosa Holunder unverkohlt 3 Tilia sp. Linde unverkohlt 1 Uferpflanzen: Verlandungszone Alisma plantago-aquatica Gemeiner Froschlöffel unverkohlt 1 Alnus glutinosa Schwarzerle unverkohlt x x xxxx Carex bicarpellat Segge bicarpellat unverkohlt x x x Carex sp. tricarpellat Segge tricarpellat verkohlt Carex tricarpellat Segge tricarpellat unverkohlt x xx xx Cicuta virosa Wasserschierling unverkohlt 10 Cirsium cf. palustre Sumpfkratzdistel x Epilobium sp. Weidenröschen x Lycopus europaeus Wolfstrapp unverkohlt x x Lythrum salicaria Blutweiderich Schoenoplectus lacustris unverkohlt xxx xx xx Wasserpflanzen Chara unverkohlterk x x Najas flexilis Biegsames Nixenkraut x Najas marina s. l. Grosses Nixenkraut unverkohlt xx x Nuphar lutea Grosse Teichrose unverkohlt x Nymphaea alba Weisse Seerose unverkohlt x x Sparganium Igelkolben x Tierische Reste Insekten x x x Cristatella mucedo Moostierchen unverkohlt x x xxx Trichoptera Larvenhüllen Köcherfliege x Abb. 41 SteinhausenChollerpark, US. Pflanzenspektren aus den mittelbronzezeitlichen Ablagerungen. Es sind die anhand von Makroresten (Samen, Früchte, Getreidedrusch usw.) nachgewiesenen Taxa aufgeführt. Die Anzahl ist nur bei jenen Taxa aufgeführt, die vollquantitativ erfasst (d. h. gezählt) wurden. Bei allen anderen wurde nur das Vorhandensein notiert und die Häufigkeit mit einer Skala grob abgeschätzt: (x) = sehr selten x = selten xx = mittel xxx = häufig xxxx = sehr häufig Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 51 52 IV. Das untere Schichtpaket N 226694 226686 226678 226670 226662 226654 226646 226638 226630 226622 226614 226606 679560 679565 679570 679575 679580 679585 679590 679595 679600 679605 679610 Abb. 42 SteinhausenChollerpark, US. Ungefähre Anzahl geborgener grösserer Hölzer pro Feld. Berechnungsbasis: Alle in der Datenbank aufgeführten Hölzer. Gezählt wurden jeweils pro Feld jene Hölzer, deren kx1/ky1-Koordinaten sich dort befanden, ergänzt um alle in Sammelkomplexen geborgenen Funde pro Feld. In wegen Grubengrenzen angeschnittenen Feldern wurde die Anzahl hochgerechnet. Trotz selektiver Bergung und Triage dürfte die Abbildung die tatsächlichen Funddichtenschwankungen im Grabungsareal recht gut wiedergeben. M. 1:500. Legende: 1–15 Stück 16–30 Stück 31–45 Stück 46–116 Stück Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 52 Es handelt sich ausnahmslos um liegende Hölzer, es gibt keinen einzigen im Boden steckenden Pfahl oder einen anderen Hinweis darauf, dass an diesem Ort je etwas gebaut gewesen wäre. Für keines der frühund mittelbronzezeitlichen Objekte lässt sich also eine In-situ-Situation nachweisen. Auch die konzentrierte Fundverteilung entlang einer langgezogenen schmalen Zone (Abb. 42) spricht eher für eine nachträgliche Akkumulation, wobei die Hölzer an einen nach Osten leicht ansteigenden Rücken angelagert wurden. Es wurde schon während der Grabung die Vermutung geäussert, es handle sich wohl um Strandgut, das aber nicht einheitlich eingeregelt (ausgerichtet) worden ist. Darunter befinden sich auch einige bemerkenswert grosse, teils über 15 m lange trapezförmige Konstruktionen, deren leicht höher liegende landseitige Partie (Osten) eher schlechter erhalten ist. Die Längsstämme sind deutlich in die Torfschicht (Pos. 9) eingebettet, einzelne Querstangen liegen partiell im darüber folgenden Auelehm (Pos. 8). Der Zustand der Hölzer ist grundsätzlich nicht schlecht (Abb. 43), aber wegen der hohen Zahl an (leicht) erodierten Oberflächen (zwei Drittel aller Hölzer) sind nur in wenigen Fällen Aussagen über ursprünglich vorhandene Rinde, über Bearbeitungsspuren oder über Negativabdrücke von Bindungen möglich. Auffallend ist der geringe Anteil an angekohlten Hölzern, der hier ungefähr 6% beträgt. Etwas mehr als die Hälfte aller Hölzer ist offensichtlich oxidiert, d. h. weist unterschiedlich dunkel bis stark geschwärzte Oberflächen auf. In Extremfällen kann dies auf den ersten Blick sogar wie eine angesengte oder angekohlte Stelle wirken. Ein Grund für diese Erscheinung liegt sicher im Kontakt mit Luft. Die Objekte müssen also – hier oder anderswo – längere Zeit im Freien gelegen haben. Womöglich spielen weitere Faktoren eine Rolle, evtl. organische oder anorganische Stoffe aus dem Sediment oder aus dem Holz selbst.67 2.2. Gliederung des Bauholzbestandes und Holzartenanalyse Um mit der grossen Anzahl von Hölzern besser umgehen zu können, wurde der Gesamtbestand nach Holzquerschnitten untergliedert und gruppiert (Abb. 44): Wegen des schlechten Erhaltungszustandes, der teilweise ungenügenden Dokumentation und auch auf Grund der Tatsache, dass an einem Stück durchaus verschiedene Querschnittformen vorhanden sein können (oder konnten), darf diese Gliederung allerdings nicht überinterpretiert werden. Die Grenzen sind oftmals fliessend. Je nachdem wo Querschnitte gezeichnet oder Probenscheiben entnommen wurden, können einige der Bauhölzer sicher sehr unterschiedlichen Gruppen zugeschlagen werden. Die in die Trapezkonstruktionen eingebundenen Hölzer werden ungeachtet der unterschiedlichen Querschnittformen separat als Einheit behandelt. Wegen der zumeist sehr fragmentarischen Erhaltung der Hölzer machen tabellarische Zusammenstellungen der erhaltenen (Mindest-)Längen und Durchmesser wenig Sinn. Die entsprechenden Informationen lassen sich im Text sowie in den Aufsichten, Seitenansichten und Schnitten finden.68 Die Gruppierung beinhaltet natürlich keine Aussagen zur Funktion. Das Holzartenspektrum umfasst 14 verschiedene Holzarten, wobei drei Holzarten (Weisstanne, Esche und Erle) dominieren (Abb. 45). 2.3. Die Trapeze und Trapezbestandteile 2.3.1. Eine Übersicht Die für urgeschichtliche Verhältnisse ungewöhnlichen trapezartigen Konstruktionen sind ohne Zweifel die beeindruckendsten Elemente, die anlässlich der Rettungsgrabungen im Chollerpark freigelegt worden sind. Insgesamt wurden die Teile von fünf merkwürdigen Konstruktionen entdeckt, allerdings in sehr unterschiedlicher Erhaltung und Vollständigkeit (Abb. 46 und 47).69 Ganz am nördlichen Rand der Fundausdehnung lag Trapez 1, etwa 17 m südlich davon Trapez 4, und nur wenig davon entfernt gegen den südlichen Baugrubenrand hin und inmitten der grössten Funddichte befanden sich Trapez 3 sowie unmittelbar parallel daneben die beiden Trapezschenkel 2 und 5. 67 Mündl. Mitt. von Werner H. Schoch, Labor für Quartäre Hölzer, Langnau am Albis. 68 Einige für den Satzspiegel «zu lange» Hölzer wurden zeichnerisch verkürzt (symbolisiert durch einen quer zum Objekt verlaufenden Doppelstrich, z. B. Taf. 1,1.5 oder 3,8), sofern damit kein Informationsverlust verbunden war. 69 Die Trapeze wurden in den Tagebuchnotizen ausführlich beschrieben und interpretiert. 53 2. Die Hölzer Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 53 Ein trapezförmiger Rahmen lässt sich in verschiedene Teile untergliedern: –Schenkel: Zwei leicht aufeinander zulaufende Längsstämme aus Rundholz. –Querstangen: Quer zu den Schenkeln angeordnete und damit verbundene Rundholzstangen, was zusammen das langgezogene, trapezförmige Gerüst ergibt. Es sind zwei unterschiedliche Arten der Verbindung dokumentiert, wobei die Querstangen an ihren Enden jeweils verjüngt sind: ·Rechteckige bis schwalbenschwanzför54 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 43 SteinhausenChollerpark, US. Oberflächenzustand der Hölzer (repräsentative Beispiele aus der Grabung ohne Berücksichtigung der Schichtzugehörigkeit). a: intakt, mit deutlich erkennbaren Bearbeitungsspuren. b: deutlich erodiert. c: Borkenkäferfrass. d: verkohlt. e: angesengt. f: leicht erodiert und partiell angekohlt. a c d f e b Kategorie n Anteil Bohlen/Bretter/Schindeln 175 36% Rundhölzer 151 31% Trapez-Rundhölzer: Schenkel und Querstangen 25 5% Trapez-Kanthölzer: Zapfenreste, mehrseitig bearbeitet 20 4% Kanthölzer, mehrseitig bearbeitet 49 10% Hälblinge, Spältlinge 27 6% Varia, nicht näher bestimmbar 36 8% Total 483 100% Abb. 44 Steinhausen-Chollerpark, US. Gliederung der Hölzer nach Querschnittformen, darin separat aufgeführt die Trapezbestandteile. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 54 mige Aussparungen (Nuten) an der Oberseite der Längsstämme, wo die Rundholzstangen eingeschoben waren. ·Rechteckige Schlitze durch die Längsstämme, wo die Querstangen hindurch gestossen wurden. –Zapflöcher mit Holzresten: Auf der Oberseite der Schenkel oder leicht seitlich angeordnet fanden sich in regelmässigen Abständen ungefähr quadratische Vertiefungen, in denen noch letzte Holzreste für etwas nicht näher bestimmbares «Stangenförmiges» steckten.70 –Keile: Einige der Verbindungen Querstange/Schenkel wurden durch von der Trapezaussenseite her eingeschlagene Keile zusätzlich gesichert. –Anderes: Weitere Elemente wie Bindungen oder zumindest Abdrücke davon konnten nirgendwo beobachtet werden. Die bei oder auf den Trapezen liegenden Rundholzstangen mit endständigen Kerben und die Bretter können, müssen aber nicht dazu gehören. 2.3.2. Beschreibung von Trapez 1 (Abb. 48–52) Diese trapezartige Konstruktion besteht aus zwei etwa 13,4 m langen Schenkeln aus Fichtenholz, die am dickeren Ende ungefähr 20 cm und am dünneren nicht viel mehr als 10 cm dick sind. Die Enden, soweit nicht durch Erosion beschädigt, sind abgebeilt und leicht abgeschrägt worden. An den Oberseiten befinden sich für die Aufnahme der Querstangen an beiden Enden rechteckige, durch die Schenkel hindurchführende Schlitze. Dazwischen sind je sieben oberseitig ausgenommene schmale Nuten für die Einbindung der übrigen Querstangen vorhanden. Weiter sind, ebenfalls an der Oberseite beider Schenkel, insgesamt je zehn wenig tiefe quadratische bis rechteckige Löcher ausgenommen worden. Die insgesamt neun – teils recht krummen – Querstangen bestehen bei einem durchschnittlichen Durchmesser von 8 cm ±3cm aus sehr unterschiedlichen Holzarten. Es handelt sich in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit um Esche (4), Fichte (2), Ahorn (1), Buche (1) und Weisstanne (1). Ausser den recht nahe an den Schenkelabschlüssen positionierten äussersten Querstangen bilden die dazwischen liegenden Stämmchen jeweils etwas näher beisammen liegende Paare. Sie alle wurden in den Schenkeln in die meist streng rechteckig ausgebildeten Ausschnitte eingeführt und bildeten so als Ganzes einen starren Rahmen. Die meisten Enden waren derart gestört, dass keine Beurteilung der Bearbeitung mehr möglich war. Die wenigen gesicherten Fälle zeigen, dass die Rundhölzer im Bereich der Nuten meist vierkantig zugerichtet worden waren, so dass sie dort satt eingesetzt werden konnten. In einem Fall war von einem Rundholz bloss die Unterseite begradigt worden. Etwas komplexer sieht es bei den beiden äussersten Querstangen aus. Sie weisen in der Mitte eine über einen halben Meter lange leichte Ausnehmung auf, die leicht schräg an der Unterseite sitzt (Abb. 52d). Die Enden in den ausgestemmten Löchern der Schenkel sind deutlich verjüngt, nämlich von allen vier Seiten her zu einer schmalrechteckigen Zunge ausgebildet. In den drei besser erhaltenen Verbindungen befand sich an diesen zungenförmig ausgebildeten Abschlüssen der Querstangen je ein kleines Vierkantloch, ohne dass sich darin allerdings etwas erhalten hatte. Bei Trapez 3 gibt es eine identische Situation (vgl. Abb. 65), wo der dazu gehörende kleine Keil («Nagel»), der ein Herausrutschen der Stange aus dem Schenkel verhindern sollte, noch vorhanden war. In bloss fünf der insgesamt 20 ungefähr 5cm tiefen Rechtecklöcher waren noch die stark zerdrückten, ursprünglich wohl rechteckigen Holzreste von darin steckenden Stangen oder Ähnlichem zu erkennen. Es gelang70 Die nachstehende Beschreibung wird mit verschiedenen Fotos und Zeichnungen ergänzt. Wegen der teils schlechten Erhaltung ist darauf verzichtet worden, sämtliche Verbindungen und Abschnitte abzubilden. Es entsteht daraus keinerlei Informationsverlust. 55 2. Die Hölzer Holzart n Anteil Weisstanne 203 44% Esche 106 23% Erle 50 11% Eiche 22 5% Buche 21 5% Hasel (14), Ahorn (10), Weide (9), Pappel, Fichte (je 8), 57 12% Eibe (3), Linde, Ulme (je 2), Föhre (1) Total 459 100% nicht bestimmt 24 Total 483 Abb. 45 SteinhausenChollerpark, US. Holzartenanteile aller geborgenen Proben. Abb. 46 SteinhausenChollerpark, US. Überblick über die unterschiedliche Erhaltung sowie die erhaltenen Schenkellängen der trapezförmigen Konstruktionen. Trapez Erhaltung max. Schenkellänge 1Nahezu vollständig, es sind allerdings die wenigsten 13,4 m Querstangen durchgehend erhalten 2Nur ein linker Schenkel, ohne Stangen 15,8 m 3Nahezu vollständig, die meisten Querstangen sind 14,4 m durchgehend erhalten 4Nicht einmal hälftig erhalten: Linker Schenkel und Teile von 7,3 m zwei Querhölzern 5Nur ein linker Schenkel, ohne Stangen 15,8 m 45 46 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:14 Uhr Seite 55 tenen Resten handelt es sich durchweg um Eschenholz. Sowohl die Nuten wie auch die Zapflöcher sind bei diesen Stämmen ein wenig tiefer als bei den anderen Trapezen üblich eingearbeitet worden. 2.3.4. Beschreibung von Trapez 3 (Abb. 62–67) Mit seiner Länge von 14,4 m liegt dieses Trapez grössenmässig ungefähr zwischen Trapez 1 und den Trapezschenkeln 2 und 5. Die Abstände zwischen den insgesamt sieben Querstangen sind mit 2–2,5 m ungefähr gleich gross wie bei Letzteren. Die einfachen Querstangen sind hier nicht in entsprechende oberseitig angebrachte rechteckige oder schwalbenschwanzförmige Nuten eingepasst, sondern durchweg durch ausgestemmte Rechteckschlitze gestossen worden. Diese sind trotz Trapezform ganz gerade aus den Schenkeln herausgearbeitet worden, obwohl die Querstangen ja eigentlich hätten schräg eingepasst werden müssen. Dies führte dazu, dass die Stangen leicht (diagonal) verkantet in die rechteckigen Schlitze führten. Deswegen sind auch in diesem Falle die Stangenenden im Verhältnis zu den entsprechenden Lochdimensionen viel zu dünn gearbeitet worden. Nur auf diese Weise konnten sie überhaupt eingeführt werden, mussten aber im Einzelfall zusätzlich noch durch von aussen eingeschlagene Keile fixiert werden (vgl. Schema Abb. 66). Wir haben es also wie bei Trapez 1 mit einer unsorgfältigen Vorfertigung von Einzelteilen zu tun, die keinen Anspruch auf Genauigkeit erhebt. Das Holzartenspektrum ist wiederum sehr breit. Die beiden Schenkel bestehen aus Fichte, des Weiteren ist sechsmal Esche nachgewiesen (vor allem für Querhölzer), zudem für die restlichen Querhölzer und die erhaltenen Keile und Holzreste in den Zapfhölzern je zweimal Weide, Erle, Hasel und Buche. Die Enden der untersten und obersten Querstange sind zungenförmiger ausgestaltet als jene der dazwischen liegenden Querhölzer, wo der klobige Keil (durchweg nur im linken Schenkel nachgewiesen) beinahe denselben Querschnitt aufweist wie das sehr schräg hineinreichende Querholz (Abb. 65c und 67b). Erst dadurch scheint eine gewisse Fixierung gewährleistet gewesen zu sein. Der zusätzliche Holznagel in der einzigen erhaltenen gelochten Querstangenzunge verhinderte deren Herausrutschen. 2.3.5. Beschreibung von Trapez 4 (Abb. 68–72) Es handelt sich im Vergleich zu den vier anderen Trapezen mit Abstand um das kleinste Exemplar. Mit einer Länge von 7,3 m ist es nämlich nur etwa halb so gross wie jene. Es bietet dafür einige neue Aspekte in den Details. Der erhaltene Schenkel aus Fichtenholz misst im Durchmesser 16 cm am dickeren und 11 cm am dünneren Ende, beide Enden sind schräg abgebeilt. Am dickeren Ende ist der Schenkel beim durchgehenden Rechteckschlitz beidseitig etwas abgearbeitet worden, (Fortsetzung S. 68) 62 IV. Das untere Schichtpaket a b c Abb. 53 SteinhausenChollerpark, US. Trapezschenkel 2 und 5 in situ. a: Überblick über die beiden ungefähr parallel neben Trapez 3 liegenden Schenkel. b: Trapezschenkel und daneben ein intaktes Rundholz mit bearbeiteten und durchlochten Enden (FK 770, Taf. 6,29). c: Trapezschenkel und ein quer dazu liegender langer Hälbling (FK 768, Taf. 9,37) mit je einem Rechteckloch an den Enden. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:15 Uhr Seite 62 63 2. Die Hölzer Abb. 54 SteinhausenChollerpark, US. Zusammenstellung aller erhaltenen Hölzer von Trapez 2. Schenkel, M. 1:50, Holzreste in Zapflöchern, M. 1:10. FK 1212 FK 1064 FK 1331 FK 1803 FK 1332 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:15 Uhr Seite 63 64 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 55 SteinhausenChollerpark, US. Zusammenstellung aller erhaltenen Hölzer von Trapez 5. Schenkel, M. 1:50, Holzrest in Zapfloch, M. 1:10. FK 1329 FK 1042 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 12:15 Uhr Seite 64 65 2. Die Hölzer Abb. 56 SteinhausenChollerpark, US. Trapezschenkel 2. a: Darstellung in der Fläche, M. 1:60. b: Schematische Rekonstruktion, M. 1:100. a b Abb. 60a Abb. 58 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 65 66 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 57 SteinhausenChollerpark, US. Trapezschenkel 5. Darstellung in der Fläche. M. 1:60. Abb. 58 SteinhausenChollerpark, US. Zeichnerische Umsetzung von Konstruktionsdetails an Trapezschenkel 2. M. 1:20. Abb. 59 SteinhausenChollerpark, US. Zeichnerische Umsetzung von Konstruktionsdetails an Trapezschenkel 5. M. 1:20. Abb. 60b Abb. 59 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 66 67 2. Die Hölzer ba Abb. 60 SteinhausenChollerpark, US. Schematische Darstellung zur Ausrichtung der Hölzer in den Längsstämmen der Trapeze 2 (a) und 5 (b) auf Grund der Lage der Zapflöcher. M. 1:20. Abb. 61 SteinhausenChollerpark, US. Trapezschenkel 2 und 5. Detailaufnahmen von Konstruktionsdetails nach erfolgter gründlicher Reinigung im Fundlager. a: Leicht über den Schenkel ragender Zapfenrest FK 1332 in Längsstamm FK 1064. b: Bruchstelle im Längsstamm FK 1064 unmittelbar beim Zapfloch mit dem satt darin sitzenden Holzrest FK 1803. c: Zapfenrest FK 1331 aus Längsstamm FK 1064. Der obere (über dem Stamm befindliche) Teil scheint eingeschnürt zu sein (keine Erosionserscheinung). d: Das sauber gerade abgelängte Ende von Längsstamm FK 1042. a b cd Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 67 am anderen Ende vermutlich ebenso. Dasselbe ist auch bei Trapez 3 zu beobachten. An der Oberseite sind insgesamt fünf schwalbenschwanzförmige Nuten zur Aufnahme der Querhölzer vorhanden, was bedeutet, dass hier die Querstangen sehr viel näher beieinander lagen. Es sind nur die beiden äusseren Querstangen (Esche und Erle) je ungefähr zur Hälfte erhalten geblieben. Sie sind gegen das Ende hin, also dort, wo sie die Schenkel durchstossen, zweibzw. vierseitig abgearbeitet worden und weisen Querschnitte von etwa 7–8 cm auf. Was die Orientierung der Nuten und Löcher betrifft, so scheint auch hier nicht sehr sorgfältig gearbeitet worden zu sein. Es gibt sowohl eher quer wie auch eher leicht schräg angebrachte Nuten, so dass bei der endgültigen Zusammensetzung des Trapezes dieselben Probleme mit der Einpassung der Querstangen wie bei den anderen aufgetreten sein werden. Am breiteren Ende des Trapezes, also dort, wo eine Stange durch einen Schlitz hindurch gesteckt worden ist, befindet sich unmittelbar daneben ganz aussen am Schenkelende noch ein weiterer Ausschnitt. Dieser ist allerdings viel weniger tief als die übrigen bisher besprochenen Nuten. Etwas ganz Ähnliches ist von einigen Blockecken in Greifensee ZH-Böschen bekannt, wo sie zur Aufnahme von Bindungen – dort aus Waldrebe (Clematis vitalba) – dienten. Entsprechende Reste wurden hier aber nicht beobachtet. Im Unterschied zu den übrigen Trapezen finden sich anstelle der üblichen viereckigen Zapflöcher auf der Oberseite insgesamt fünf sanduhrförmige Nuten innen (!) am Schenkel. Darin befanden sich noch Reste von Hölzern, in der Nute mehrseitig bearbeitet, augenscheinlich konisch zulaufend und unten kaum über den Schenkel hinausreichend (Abb. 68c und 72b). Sie dürften dieselbe Funktion gehabt haben wie die kurzen Resthölzer in den Zapflöchern auf der Oberseite der anderen Trapeze. Zusammen mit den drei in den seitlichen Nuten vorhandenen Holzresten (Weisstanne, Esche, Erle) wurden für die kleinste trapezförmige Konstruktion also vier verschiedene Holzarten verwendet. (Fortsetzung S. 74) 68 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 62 SteinhausenChollerpark, US. Trapez 3 in situ. a: Übersicht über Trapez 3, rechts davon die beiden Schenkel der Trapeze 2 und 5, hinten die südliche Baugrubenwand gegen den Zugersee hin. b: Beispiel für eine extrem schräg ins Zapfloch des Schenkels führende Querstange. c: Freilegen der Querstangen bei einem Schenkel. Auch hier sind die Stangen innerhalb des Trapezrahmens deutlich nach unten gesackt. d: Detail einer im Schenkel verzapften Querstange mit einem leeren Zapfloch daneben. e: Der eine Trapezabschluss mit eingezapfter Querstange. a b c d e Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 68 69 2. Die Hölzer Abb. 63 SteinhausenChollerpark, US. Zusammenstellung aller Einzelhölzer aus Trapez 3. Zwei Schenkel und sieben Querstangen, M. 1:50, drei Holzreste in Zapflöchern und vier von aussen eingeschlagene Keile, M. 1:10. FK 1037 FK 1041 FK 1323 FK 1324 FK 1325 FK 1635 FK 1700 FK 1040 FK 1038 FK 1326 FK 1327 FK 1701 FK 1328 FK 1804 FK 1055 FK 1806 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 69 70 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 64 SteinhausenChollerpark, US. Idealisierte und leicht ergänzte Darstellung von Trapez 3. a–e: Siehe Abb. 65. M. 1:60. a b c d e Abb. 66 SteinhausenChollerpark, US. Zeichnerisch vereinfachte Darstellung zur Erklärung des Umstandes, warum wegen falscher Orientierung der zu grossen Löcher zur Fixierung der Querstangen Keile benötigt wurden. M. 1:100. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 70 71 2. Die Hölzer Abb. 65 SteinhausenChollerpark, US. Zeichnerische Umsetzung von interessanten Konstruktionsdetails an Trapez 3. a–e: Vgl. Abb. 64. M. 1:20. a cd b e Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:48 Uhr Seite 71 3. Die übrigen Funde 3.1. Keramik Insgesamt stammen aus den unteren Schichten 25 Wandscherben mit einem Gesamtgewicht von 257 g. Dazu gehören vermutlich noch drei weitere Scherbchen (total 9g) aus unsicherem Schichtzusammenhang, die sich aber von der Magerung her ebenfalls deutlich von jenen aus der oberen, spätbronzezeitlichen Schicht abheben. Die einzigen aussagekräftigen Stücke sind zwei grobkeramische Wandscherbchen mit aufgesetzter Leiste, das eine davon vermutlich noch mit geschlickter Oberfläche (Abb. 86a). 3.2. Der Einbaum und einige fragliche Heckbretter und «Schotten» Während der Grabungen glaubte man zuerst, womöglich Teile eines Plankenbootes entdeckt zu haben (Abb. 87). Nach der Reinigung der völlig sedimentbedeckten Holzteile war dann aber klar, dass es sich um die in Längsrichtung brettartig auseinander gebrochenen Teile eines Einbaumes handelte (Abb. 88). Auf Grund der (stark erodierten) Passstellen und der dort endenden Brandspuren geht hervor, dass der Einbaum bereits in diesem stark beschädigten Zustand einsedimentiert worden sein muss. Es erstaunt deshalb auch nicht, dass die beiden kleineren Heckfragmente etwa 15 m vom grösseren Teil entfernt gefunden worden sind. Der schlechte Erhaltungszustand erlaubt nur ein paar we78 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 81 SteinhausenChollerpark, US. Weisstannenbrettchen mit deutlich abgesetzter linker Kante. a, b: Verschiedene Detailansichten. Holzart n Anteil Weisstanne 15 33% Esche 13 29% Eiche 10 22% Erle (3), Linde, Weide, Hasel, Eibe (je 1) 7 16% Total 45 100% nicht bestimmt 4 Total 49 Abb. 82 SteinhausenChollerpark, US. Anteile der Holzarten bei den Kanthölzern. Abb. 83 SteinhausenChollerpark, US. Ständerartiges Bauteil, allerdings mit kurzem Zapfen (kein abgebrochener Dorn, Taf. 11,43). M. ca. 1:5. Abb. 84 SteinhausenChollerpark, US. Weisstannenbindung. M. 1:4. 81a 81b 82 83 84 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:49 Uhr Seite 78 nige Beobachtungen: Gut zu erkennen sind noch eine sauber gearbeitete Nut am Heck zur Aufnahme des abschliessenden Heckbrettes sowie zwei im Abstand von 2 m zueinander liegende rippenartige Verdickungen an der inneren Seitenwand. Darüber befinden sich zwei verwitterte, leicht ovale Löcher (Abb. 90). Derartige Aussparungen auf Höhe der leicht erhabenen Rippen sind auch andernorts belegt.76 Ein weiteres grösseres und gut erhaltenes Rechteckloch ist an der linken Heckpartie zu finden. Es schliesst direkt an die Nut an, die darüber zur Bordwand hin nicht mehr weiterläuft (Abb. 88a und 90). Wie das Ganze auf der gegenüber liegenden rechten Seite ausgesehen hat, ist nicht bekannt, weil hier die aufgehende Wandung, wie so oft bei Einbäumen, nur wenig hoch erhalten ist (Abb. 88 und 90). Das Zusammensetzen der drei Teile auf Grund ihres Jahrringverlaufes und das Einpassen in einen ursprünglichen Stammquerschnitt ist schwierig: Die Jahrringe verlaufen an der Stirnseite sehr unregelmässig (Nähe zum Wurzelansatz des Baumes), und auch die übrigen Beobachtungen beispielsweise in der Nut oder an Bruchstellen ergeben kein schlüssiges Bild. Sicher ist, dass das Bodenstück als einziges noch Splintreste besass. Mit aller Vorsicht lässt sich ein ursprünglicher Einbaum-Baum von ungefähr einem guten Meter Durchmesser annehmen (Abb. 89).77 Die linke Seitenwand muss eigentlich leicht nach aussen orientiert gewesen sein, denn nur so war es möglich, ein (heute fehlendes) Heckbrett in die nicht bis nach oben ausgearbeitete Nut einzulassen. Aber wie auch immer man die linke Bordwand orientiert, scheint das Vierkantloch über der Nut nicht horizontal hindurchzuführen. Es scheint vielmehr von aussen her schräg hinauf nach innen gearbeitet worden zu sein. An besser erhaltenen Einbäumen aus anderen Stationen lässt sich eine Vielfalt von ganz unterschiedlichen technischen Lösungen zur Fixierung dieses separaten Brettes im Heck ausmachen: Entweder wird es bloss in eine entsprechende Nut eingeschoben oder aber zusätzlich mit Hilfe von Dübeln oder Stiften am Brett bzw. von Keilen oder parallel zum Heckbrett verzapften Kanthölzern fixiert.78 Einfacher und vermutlich dem Chollerpark-Exemplar verwandter sind die Hecks der Einbäume von Bevaix NE und von Twann BE-Bahnhof79, bei denen auch ähnliche Dimensionen anzunehmen sind. B. Arnold gibt 79 3. Die übrigen Funde Holzart n Anteil Esche 10 30% Weisstanne 9 26% Erle 6 18% Weide, Pappel, Buche (je 2), Eiche, Linde, Ulme (je 1) 9 26% Total 34 100% nicht bestimmt 2 Total 36 Abb. 85 SteinhausenChollerpark, US. Anteile der Holzarten bei den sonstigen Hölzern. Abb. 86 SteinhausenChollerpark, US. Wandscherben mit aufgesetzter Fingertupfenleiste. M. 1:2. a b Abb. 87 SteinhausenChollerpark, US. Die linke Bordwand des Einbaumes in situ, mit Heckabschluss, Nut und Vierkantloch. rekonstruierte Masse für das Twanner Stück an, und zwar eine Länge von 7,5 m bei einer ungefähren Breite von 1,05–1,18 m und einer Höhe von etwa 0,48–0,58 m. Die beiden Einbäume sind auch etwa gleich alt.80 Von den insgesamt 25 Eichen aus der unteren Schicht weisen nur drei Splint auf, darunter das mittlere Einbaumfragment, dessen letzter Jahrring auf das Jahr 1364 v. Chr. datiert. Damit scheint es mit das jüngste datierte Objekt aus den unteren Schichten zu sein. 76 Arnold 1995, 72: Brigg GB-22. 77 B. Arnold, Haches en pierre, en bronze et en fer: abattage expérimental de gros chênes destinés, en particulier, à la construction des pirogues. AS 26/4, 2003, 43–45. 78 Ein jüngeres Beispiel (um 300 v. Chr.) bei Arnold 1995, 110 f.: Das Heck des Einbaums von Hasholme 1984/GB, East Yorkshire GB. Etwas elaboriertere Lösungen sind aber auch aus bronzezeitlichem Zusammenhang in der Schweiz belegt, so z. B. das Heckfragment von Bevaix 1990-3 (CH-22): Arnold 1995, 95, und Arnold 1996, 17. 79 Arnold 1995, 49: Bevaix CH-23; Arnold 1996, 65: Douanne-Gare CH-53. 80 B-2750: 3250 ±60 BP. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:49 Uhr Seite 79 In den neolithischen Einbaum vom Warnsdorfer Moor (Schleswig-Holstein D) sind an den beiden Enden in die Nuten zwei «Abschlussbretter» eingesetzt worden, die den Stücken vom Chollerpark sehr ähnlich sehen (Abb. 94). Das abgesetzte und etwas breitere Oberteil sitzt dort auf der Bordwand auf und ragt dadurch leicht über diese hinweg.81 Von den Massen her sind unsere Stücke allerdings viel zu gross für den Einbaum vom Chollerpark (Abb. 96). Auch waren in dessen Mittelabschnitt keine weiteren Nuten vorhanden, so dass also eine Zugehörigkeit aller Schotten82 zu diesem Einbaum sowieso auszuschliessen ist. Viel wahrscheinlicher ist eine Verwendung in anderen, deutlich flachbodigeren und breiteren Wasserfahrzeugen. Auf Grund ihrer Form darf sogar darüber spekuliert werden, ob nicht schon mit komplexeren Bootstypen als einfachen Einbäumen zu rechnen ist. Die einheitliche Verwendung von Ahorn (gut schnitzbares und abriebfestes Holz) ist kaum Zufall. Auch dürften die Dellen eine klare Funktion gehabt haben, denn dazu gibt es ebenfalls Parallelen, sie sind beispielsweise am niedersächsischen Einbaum von Dannenberg (D) zu beobachten (Abb. 95), wo die Schotten allerdings nicht eingesetzt, sondern aus dem Stamm herausgearbeitet worden sind.83 Vielleicht dienten die Mittelöffnungen oder Unterbrechungen in den Verstärkungen (Rippen), die im Innern einiger Einbäume beobachtet wurden, dem gleichen – unbekannten – Zweck.84 Im gleichen Grabungsgebiet wurden noch drei weitere, allerdings sehr viel kleinere halbrunde Bretter aus Weisstannenholz gefunden. Sie alle kommen allerdings für eine Verwendung als Heckbrett nicht in Frage, da sie dafür deutlich zu klein sind (Abb. 96). 3.3. Paddel und Paddelschäfte Im Chollerpark sind insgesamt 13 Paddelblätter mit unterschiedlich lang erhaltenem Schaft und weitere 15 Fragmente von wahrscheinlichen Paddelschäften aus den unteren Schichten (US) geborgen worden (Abb. 91, Taf. 44,310–47,336). Einer der Paddelschäfte gehört sicher zu einem der Blätter. Die ursprüngliche Zahl der Paddelschäfte und -blätter dürfte höher gelegen haben, es ist auf der Grabung nicht alles erkannt und geborgen In unmittelbarer Nähe, keine 10 m vom Einbaum entfernt, lag eine Gruppe von fünf ungefähr halbrund gearbeiteten Bohlen (Abb. 91 und 92). Sie sind allesamt aus Ahorn gefertigt, zwischen 104 cm und 125 cm breit sowie zwischen 34 cm und 47 cm hoch und etwa 5–7 cm dick. Vier von ihnen weisen oben in der Mitte eine schwache Delle auf, die Aussenkante ist mit einer Ausnahme ungefähr gerade, bevor nach unten hin nach einem kleinen Absatz eine unregelmässig ausgebildete Abrundung folgt. Die Oberflächen sind mit regelmässigen, sorgfältig ausgeführten Schlagbahnen versehen (Abb. 92 und 93). 80 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 88 SteinhausenChollerpark, US. Detailaufnahmen des Einbaums nach der Reinigung. a: Heckpartie mit Nut und Vierkantloch. b: Verdickung mit kleinem Loch zum Rand hin. c: Dünner und stark ausgewitterter Rest über dem Sediment. a b c Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 13:49 Uhr Seite 80 worden. Die Objekte sind mit einer Ausnahme (Esche) alle aus Weisstannenholz gefertigt. Ein Stück ist sehr atypisch, denn es weist noch Rinde auf und wurde aus einer minderwertigen Schwarte gearbeitet, ansonsten handelt es sich immer um radial aus dem Stamm gespaltene Objekte. Das einzige beinahe intakte Exemplar ist etwa 155 cm lang. Bereits einmal, nämlich 1995, wurde ein Paddel aus Weisstanne im unweit entfernten Areal der Cosmetochem geborgen.85 Die dortige C14Analyse erbrachte ein Rohdatum, das ausgezeichnet zur Datenserie aus den unteren Schichten vom Chollerpark (US) passt.86 Es ist deshalb anzunehmen, dass man mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ähnliche Befunde auch in anderen unterdessen ebenfalls verlandeten Uferabschnitten im Steinhausener Industrieareal trifft. Paddel dienen der Fortbewegung eines Einbaumes oder eines Bootes mittels Muskelkraft. Im Gegensatz zum Riemen (umgangssprachlich oft «Ruder» genannt) werden Paddel ohne Gegenlager am Boot frei mit den Armen geführt87, und man sitzt oder kniet in Fahrtrichtung88. Paddel bestehen aus einem (Fortsetzung S. 84) 81 Ellmers 1973, 23–62 (bes. Abb. 3: Warnsdorfer Moor: Gem. Ratekau, Kr. Eutin). Rekonstruktion auf Grund einer Vorlage von H. Schwabedissen, Zwei Moorfunde der Steinzeit aus Schleswig-Holstein. In: M. Claus/ W. Haarnagel (Hrsg.), Studien zur europäischen Vorund Frühgeschichte. Neumünster 1968, 16–21. 82 Mit dem Begriff «Schott», Plural «Schotte» und «Schotten», wird in der Seemannssprache ein der Sicherheit, Festigkeit und Unterteilung des Schiffskörpers dienendes Bauelement bezeichnet. 83 Ellmers 1973, Taf. 1: Der Einbaum von Dannenberg im Museum Göttingen. Er befindet sich heute im Ludwig-Roselius-Museum für Frühgeschichte in Worpswede (D). 84 Arnold 1995, 127: Einbaum von Port-d’Envaux 1982/F. 85 Tugium 12, 1996, 33 f.: Steinhausen ZG-Sennweid/Cosmetochem, GBP 1267. 86 Ua-10414: 3100 ±85 BP. 87 Ein Riemen ist demgegenüber ein an einer langen Stange befestigtes Paddel, das drehbar mit der Bootswand verbunden ist. 88 M. Binggeli, Der bronzezeitliche Einbaum von Vingelz – Ein moderner Nachbau. AS 20/3, 1997, 106–111. 81 3. Die übrigen Funde Abb. 90 SteinhausenChollerpark, US. Die Einbaumfragmente. M. 1:20. Abb. 89 SteinhausenChollerpark, US. Zeichnerischer Rekonstruktionsvorschlag: Ungefähre Lage der auseinander gebrochenenen Teile in einem imaginären Stammquerschnitt. 89 90 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 81 82 IV. Das untere Schichtpaket N 226694 226686 226678 226670 226662 226654 226646 226638 226630 226622 226614 226606 679560 679565 679570 679575 679580 679585 679590 679595 679600 679605 679610 Abb. 91 SteinhausenChollerpark, US. Angaben zur Fundlage der drei Teile des Einbaumes, der fünf «Schotten» sowie aller Paddelblätter und wahrscheinlichen Paddelschäfte. M. 1:500. Legende: Teile des Einbaumes Paddelblätter und -schäfte Schotten Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 82 83 3. Die übrigen Funde Abb. 92 SteinhausenChollerpark, US. Die fünf vollständig erhaltenen «Schotten». M. 1:10. a b c d e Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 83 Schaft und einem Paddelblatt und weisen am einen Ende vorzugsweise einen Knauf zur besseren Handhabung auf.89 Auch wegen der Nähe zum See liegt die Verwendung dieser Objekte als Paddel nahe. In diesem Kontext ist es wenig wahrscheinlich, eine Nutzung beispielsweise als stechspatenartiger Grabstock oder als flache Backoder Schöpfschaufel in Betracht zu ziehen.90 3.4. Botanische Makroreste Erwähnenswert sind einzig drei schon in der Fundliste als «Baumpilze» aufgeführte Objekte (vgl. Abb. 190). Alle noch erkennbaren Kriterien sprechen für den echten Zunderschwamm (Fomes fomentarium).91 3.5. Übriges Material Nur zwei Knochen wurden aus dem unteren Schichtbereich geborgen. Es handelt sich um ein linkes sowie ein rechtes Beckenteil eines männlichen Rothirsches.92 Erwähnenswert sind noch ein Werkzeuggriff (?) aus Esche und ein flachrechteckiges, am einen Ende spitz zulaufendes Holzobjekt aus Buche unbekannter Funktion (Taf. 54,404.405). 84 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 93 SteinhausenChollerpark, US. Beispiel einer «Schotte» mit sorgfältiger Oberflächenüberarbeitung (FK 997). M. ca. 1:10. Abb. 94 Der Einbaum vom Warnsdorfer Moor, Schleswig-Holstein (D). Abb. 95 Der Einbaum von Dannenberg, Niedersachsen (D). Abb. 96 SteinhausenChollerpark, US. Die zeichnerische Einpassung der «Schotten» in den Einbaum zeigt, dass weder die grossen Ahorn-Exemplare noch die deutlich kleineren Weisstannenbretter von der Form und Grösse her in den Einbaum passen. M. 1:20. 96 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 84 Referenzkurven (Eiche, Abb. 102). Beim gemessenen und datierten Material handelt es sich zum allergrössten Teil um ringreiche Schindeln, Bretter und Bohlen (Abb. 104). Die meisten dieser Weisstannen mit (oft unsicherer) Waldkante datieren in die Jahrzehnte um 1400 v. Chr. Dazu passen auch die verschiedenen Kernholzdaten. Das jüngste Schlagjahr lautet 1370 v. Chr., und es gibt 4. Datierung des unteren Schichtpakets (US) 4.1. Das Probenmaterial Von den 483 Hölzern aus den unteren Schichten wurden insgesamt 129 Stück sowie der Einbaum dendrochronologisch analysiert. Es handelt sich um 48 Schindeln/ Bretter/Bohlen, 28 Rundhölzer und weitere 20 Proben aus den Trapezen, 17 Kanthölzer, 9 Hälblinge und 7 Proben mit nicht näher bestimmbarem Querschnitt. Eine letzte Probe schliesslich stammt von einem der drei Teile, in die der Einbaum zerbrochen war. Von den analysierten Hölzern konnten 65, also ziemlich genau die Hälfte, A-datiert werden (Abb. 97).93 Das Probenmaterial unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht deutlich von Holzproben, wie sie üblicherweise aus Seeufersiedlungen stammen. Wegen des geringen Anteils an Eichen musste vor allem auf Weisstannen und Eschen ausgewichen werden. Die durchschnittliche Jahrringzahl variiert beträchtlich (Abb. 98). Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Proben besitzt wegen der Oberflächenerosion überhaupt eine Waldkante, und wenn, dann meist eine unsichere (Abb. 99). Bei den wenigen sicheren Waldkanten überwiegt wie üblich das Winterhalbjahr als Fällzeit.94 In den unsicheren Fällen handelt es sich zwar sehr oft um Rundhölzer oder Hälblinge mit anzunehmender natürlicher Rundung – aber wegen der unterschiedlich stark angegriffenen Oberfläche war diese nicht mit absoluter Sicherheit als solche zu bestimmen. Eschen sind diesbezüglich sowieso schwierig zu beurteilen, weil sie sehr gerne entlang der Jahrringe brechen. Bei radial aus dem Stamm heraus gespaltenen dünnen Tannenschindeln ist es ebenfalls schwierig, eine Baumkante auszumachen. Ins selbe Bild passt, dass von den 20 besten Eichenproben gerade einmal drei Proben überhaupt noch Splint aufwiesen. 4.2. Die Ergebnisse 4.2.1. Die datierten Weisstannen Die Absolutdatierung der Weisstannen-Mittelkurve 2520 basiert auf einer Serie von sechs C14-datierten Jahrringsequenzen (Abb. 100 und 101) und der guten optischen und rechnerischen Korrelationslage auf anderen 89 Solche Paddel werden heute als Stechpaddel bezeichnet, dies im Unterschied zu den Doppelpaddeln mit zwei Paddelblättern. 90 Zu Beschreibung und Interpretation der «gestielten Blätter» siehe auch J. Winiger, Feldmeilen-Vorderfeld. Der Übergang von der Pfyner zur Horgener Kultur. Antiqua 8. Basel 1981, 185 und H. Müller-Beck, Seeberg Burgäschisee-Süd. Teil 5: Holzgeräte und Holzbearbeitung. Acta Bernensia II. Bern 1965, 58–62. 91 Werner H. Schoch, Labor für Quartäre Hölzer, Langnau am Albis, Analysebericht vom 24. August 2000. 92 Bestimmung durch Karl-Heinz Steppan, Institut für prähistorische und naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA), Universität Basel. 93 Davon wurden 64 in die frühund mittelbronzezeitlichen Mittelkurven eingebaut. Die Probe Labornr. 38663, gemäss Dokumentation zweifelsfrei aus der unteren Schicht, datiert auf 980 v. Chr. und ist in die spätbronzezeitliche Weisstannen-Mittelkurve (Abies-MK) integriert. 94 Einerseits liegt dies an der im Winterhalbjahr tieferen Arbeitsbelastung, die eher Zeit für die Arbeit «im Holz» lässt, andererseits sind nicht mehr im Saft stehende Bäume einfacher zu fällen und weisen eine deutlich bessere Qualität auf. 85 4. Datierung Abb. 97 SteinhausenChollerpark, US. Holzartenanteile der gemessenen Proben. Grau unterlegt: Datierte Holzarten. Holzart Gemessen A-datiert B-datiert Weisstanne 56 31 3 Esche 34 23 1 Eiche 20 11 0 Fichte 8 0 3 Buche 5 0 0 Eibe 3 0 0 Ulme 2 0 0 Erle 1 0 0 Föhre 1 0 0 Total 130 65 7 Abb. 98 SteinhausenChollerpark, US. Durchschnittliche Anzahl Jahrringe der gemessenen Proben. Holzart Ringanzahl Ø Esche 75 Weisstanne 57 Eiche 56 Alle Proben 61 Abb. 99 SteinhausenChollerpark, US. Erhaltung der Waldkante am gemessenen Probenmaterial. Waldkante Anzahl Anteil keine 61 47% unsicher 53 41% sicher 15 12% Total 129 100% Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 85 86 IV. Das untere Schichtpaket –1540 –1530 –1520 –1510 –1500 –1490 –1480 –1470 –1460 –1450 –1440 –1430 –1420 –1410 –1400 –1390 –1380 –1370 P1 P2 P3 P4 P5 P6 a C14-Nr. Probe Holzart Dendro-Nr. Holznr. n Ringe Sequenz C14-Alter BP Kalib. Alter BC 2σ ETH-22885 Schindel Abies 38433 828.1 96 24–29 3200 ±50 1602–1322 BC cal ETH-22886 Schindel Abies 38433 828.1 96 44–49 3195 ±50 1599–1319 BC cal ETH-22887 Schindel Abies 38433 828.1 96 64–69 3115 ±50 1507–1225 BC cal ETH-22888 Brett Abies 38463 1357 91 46–51 3140 ±50 1513–1268 BC cal ETH-22889 Brett Abies 38463 1357 91 66–71 3055 ±50 1414–1135 BC cal ETH-22890 Brett Abies 38463 1357 91 86–91 3045 ±50 1407–1132 BC cal b –1500 2900 3000 3100 3200 3300 –1400 –1300 –1200 BC cal C14-Alter c ETH-22885 (P1):3200 ±50 BP ETH-22886 (P2):3195 ±50 BP ETH-22887 (P3):3115 ±50 BP ETH-22888 (P4):3140 ±50 BP ETH-22889 (P5):3055 ±50 BP ETH-22890 (P6):3045 ±50 BP 2000 BC cal 1500 BC cal 1000 BC cal d Abb. 100 SteinhausenChollerpark, US. Datierung der Abies-Mittelkurve 2520. a: Lage der sechs entnommenen Jahrringsequenzen (P1– P6) für die C14-Analyse. b: Tabellarische Zusammenstellung der Ergebnisse. c: Lage der C14Rohdaten auf der Kalibrationskurve (Radiocarbon 40, 1998). d: Darstellung der Wahrscheinlichkeitsdichten für die verschiedenen kalibrierten C14Datenspannen (Programm: OxCal 3.5). Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 86 95 Bei zwei Hölzern konnte eine fehlerhafte Schichtzuweisung nachgewiesen werden: Die C14-Resultate machten klar, warum die Proben nicht mit der gut belegten spätbronzezeitlichen Abies-Mittelkurve korrelierten (siehe Anm. 65). einige gleichzeitige Waldkanten-Daten bei 1374 v. Chr. Ungeachtet der stetig wachsenden Belegung der Mittelkurve gelang für verschiedene Hölzer trotz langer und störungsfreier Jahrringsequenzen keine Datierung mit dem übrigen Material. Um festzustellen, ob sich darin womöglich unerkannte andere Zeitphasen befinden, wurden vier dieser Hölzer C14-datiert. Zwei davon dürften zum übrigen Material gehören, auch wenn trotz eingeengtem Datierungsspielraum keine A-Datierung gelang. Die beiden anderen Proben sind zeitlich etwas älter anzusetzen (Abb. 103) und bestätigen damit den auch bei den Eschen und Eichen konstatierten älteren Datenblock.95 87 4. Datierung 38669 1453.2 B 38464 1365 B 38454 1125 B 38428 763 B 38475 1636 B 38438 966 B 38433 828.1 B 38440 970 B 38432 820 B 38450 1057 B 38461 1343 B 38472 1503 B 38456 1140.9 B 38442 990.7 K 38495 771 B 38437 877 B 38453 1107.3 V 38650 1178.3 B 38448 1052 R 38646 1121 B 38469 1449.6 B 38463 1357 B 38429 792 R 38449 1066 B 38458 1306 B 38474 1633 B 38644 1070 B 38670 1500 B 38462 1349 B 38434 847 B –20 –72 –43 –68 –35 –52 –86 –28 –87 –23 –81 –9 –3 –8 –8 –7 –81 –4 –85 –3 –80 0 –57 –95 –53 –93 –82 –89 –54 –88 –33 –86 –39 –85 –67 –84 –54 –79 –27 –79 –39 –78 –65 –75 –51 –74 –33 –74 –42 –74 –35 –74 –11 –74 –32 –74 –38 –73 –53 –70 –1500 –1450 –1400 Abb. 101 SteinhausenChollerpark, US. Balkendiagramm mit den datierten und in die AbiesMittelkurve 2520 integrierten Weisstannen. In der rechten Spalte finden sich Labornr., Holznr. und Querschnittform. Zu den Abkürzungen siehe Abb. 37. Unter dem Balkendiagramm ist die Belegungsdichte graphisch umgesetzt. 0 10 20 MK Vergleichskurven Überlappung t-Wert Gleichlauf 340 Quercus, Becker 1985 173 5,7 64,7 3108 Quercus, Gesamtmittel Zürich 173 4,7 63,0 Abb. 102 SteinhausenChollerpark, US. Zusammenstellung der besten Korrelationslagen der Weisstannen-Mittelkurve 2520 (174 Werte, 1543–1370 v. Chr., 30fach belegt) auf Referenzkurven. Signifikanz: 999 (gilt für hier und alle nachfolgenden entsprechenden Zusammenstellungen). Abb. 103 SteinhausenChollerpark, US. Zusammenstellung von vier ringreichen Einzelhölzern, deren ungefähre zeitliche Einordnung erst über die C14-Analyse gelang, eine sichere dendrochronologische Datierung aber noch immer aussteht. C14-Nr. Probe Holzart Dendro-Nr. Holznr. n Ringe Sequenz C14-Alter BP Kalib. Alter 2σB-Datierung ETH-27400 Indet. Holz Abies 38445 1031.5 87 68–77 3465 ±55 1906–1628 BC cal –1629 BC den ETH-27401 Brett Abies 38481 180 103 89–98 3175 ±50 1524–1313 BC cal –1395 BC den ETH-27411 sichere Schindel Abies 38561 364 80 69–78 3175 ±50 1524–1313 BC cal –1391 BC den ETH-27412 Kantholz Abies 38339 1733 53 43–52 3505 ±50 1934–1686 BC cal –1705 BC den 101 102 103 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:06 Uhr Seite 87 94 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 114 SteinhausenChollerpark, US. a: Messwerte vom Kantholz Nr. 1078.3 (Dendro-Nr. 38413, Quercus, 70 Werte, 22 Splintringe, Waldkante?, Endjahr –1691 v. Chr.). b: Messwerte vom Einbaum Holznr. 1337 (Dendro-Nr. 38659, Quercus, 54 Werte, 12 Splintringe, Endjahr –1364 v. Chr.). Grau unterlegt sind die Werte der letzten neun Kernholzringe und des ersten Splintringes. 1–10 136 121 145 128 142 109 154 172 103 166 11–20 103 97 120 97 170 116 153 133 105 90 21–30 93 128 98 89 101 81 85 109 120 88 31–40 96 103 111 106 102 88 128 93 92 76 41–50 77 62 66 63 59 60 54 56 58 42 51–60 41 47 45 50 53 56 47 63 49 53 61–70 44 50 49 48 59 62 59 85 67 80 1–10 334 275 250 252 141 256 303 325 352 247 11–20 259 199 187 134 161 190 237 285 184 99 21–30 71 94 126 217 187 177 184 200 173 263 31–40 339 261 128 179 282 374 211 285 280 331 41–50 438 179 195 131 47 77 139 209 180 211 51–54 94 64 104 81 a b Abb. 115 Zwei Beispiele von Rundhölzern aus Eiche mit Mark und Kernholz (innere schwarze Zonen) sowie Splint und Waldkante (helle äussere Bereiche). a: Ringarme Probe mit entsprechend wenig Splintjahren. b: Probe mit im Verhältnis zur Gesamtringzahl überdurchschnittlich vielen Splintringen. Durchmesser der (nicht von Steinhausen-Chollerpark stammenden) Probenscheiben um 10–12 cm. a b Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:07 Uhr Seite 94 werden (Abb. 116b).98 Diese Schätzung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Sehr oft wird auch heute noch mit pauschal 20 Splintringen gearbeitet99, ab und zu mit 25 Ringen bei über 200-jährigen oder 15 Ringen bei unter 100-jährigen Bauhölzern, denn es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Lebensalter eines Baumes und der Anzahl Splintringe. Bereits Hollstein publizierte eine Näherungsformel100 hierzu, die allerdings den Nachteil hat, dass man die vollständige Anzahl Kernholzringe kennen müsste, was aber bei archäologischen Proben eben gerade oft nicht der Fall ist. Aus diesem Grund machte sich U. Ruoff die umfangreiche Datenbank des Zürcher Dendrolabors zunutze und versuchte an allen dort gespeicherten Eichenproben mit Waldkante die Abhängigkeit zwischen der Anzahl erhaltener Splintringe und der durchschnittlichen Jahrringbreite im äusseren Stammbereich aufzuzeigen. Je grösser nämlich die mittlere Jahrringbreite ist, umso geringer ist die mittlere Anzahl Splintringe. Wenn man also von den letzten neun Kernholzringen und vom ersten Splintring die Breite misst – diese Jahrringsequenz ist ja meistens vorhanden – und deren Durchschnitt errechnet (Splintholzstatistik), lässt sich die Streuung möglicher Schlagdaten recht gut einengen.101 Proben mit breiten Kernholzringen kurz vor dem Splint haben in der Regel sehr wenige Splintringe (aber wegen der breiten Ringe viel Splintholz, vgl. Abb. 115a), solche mit sehr schmalen Ringen hingegen besitzen eher viele Splintjahre (dafür eher wenig Splintholz, vgl. Abb. 116a). Die Ruoff’sche Methode bietet zwei grosse Vorteile: Erstens benötigt man neben einem Splintrest bloss Teile des Kernholzes und zweitens lässt sich das Irrtumsrisiko individuell pro Probe einschränken. Das damals von ihm erstellte tabellarische Konzentrat wurde hier in seiner Datenbasis noch einmal stark 98 Hollstein 1965, 14–20: Eichenholzproben mit Splintrest, Häufigkeit der Eichensplintringe, jahrringchronologische Datierung nach Splintgrenzen; Hollstein 1980, 33–35: Zusammenhang der Splintringzahl und der Kernringzahl bei mitteleuropäischen Eichen. 99 A. Billamboz/B. Becker, Die frühmittelalterlichen Grabkammern von Lauchheim im dendrochronologischen Datennetz Südwestdeutschlands. Fundber. BadenWürttemberg 25, 2001, 831–870, bes. 834 f. (Abb. 10: zur Splintgrenzendatierung). 100 Hollstein 1980, 33. 101 Ruoff 1995. 95 4. Datierung Abb. 116 Die Wichtigkeit von Splintholz. a: Intakte Eichenprobe mit vollständigem Splint und Waldkante: Das Fälljahr lässt sich jahrgenau bestimmen. b: Eichenprobe mit unvollständigem Splint: Das Fälljahr lässt sich nur ungefähr abschätzen. c: Eichenprobe ohne Splint (bloss Kernholz). Es gibt gar keinen Anhaltspunkt, wie viele Ringe bis Splintbeginn fehlen könnten. Radius der (nicht von Steinhausen-Chollerpark stammenden) Probenscheiben um 15 cm. a b c Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:07 Uhr Seite 95 erweitert und in einer lesbareren Form graphisch zusammengestellt (Abb. 117).102 Es ist – ähnlich wie bei der Kalibration von C14-Rohdaten (BP) – natürlich nicht statthaft, bloss mit dem auf Grund dieser Splintholzstatistik ermittelten Mittelwert zu arbeiten. Verlässliche Schätzungen nennen nicht ein Datum (eben den Mittelwert), sondern eine Bandbreite von möglichen Daten mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten (einfache Standardabweichung: 1σ= 66% Wahrscheinlichkeit; doppelte Standardabweichung: 2σ= 95% Wahrscheinlichkeit). Im Falle der unteren Schicht von Steinhausen-Chollerpark gibt es zwei Fälle, wo eine nähere Eingrenzung des wahrscheinlichen Fälljahres von Interesse ist. Es handelt sich um die ältestbzw. jüngstdatierte Eichenprobe mit Splintresten (Abb. 114a und b): Ein Kantholz (Holznr. 1078.3, Labornr. 38413) ohne Mark mit 70 Werten, davon 22 Splintjahre, datiert auf das Jahr 1691 v. Chr. Die durchschnittliche Ringbreite der letzten neun Kernholzringe und des ersten Splintringes beträgt 0,631 mm. Daraus ergibt sich gemäss Abb. 117: 1σ(Wahrscheinlichkeit 66%): 17–26 Splintringe, 2σ(Wahrscheinlichkeit 95%): 12–31 Splintringe, Median: 21 Splintringe. Damit kommt ein wahrscheinliches Fälldatum zwischen 1690 v. Chr. und 1682 v. Chr. in Betracht. Der Einbaum (Holznr. 1337, Labornr. 38659) ohne Mark mit 54 Werten, davon 12 Splintjahre, datiert aufs Endjahr 1364 v. Chr. Die durchschnittliche Ringbreite der letzten neun Kernholzringe und des ersten Splintringes vom Einbaum beträgt 2,754 mm. Daraus ergibt sich gemäss Abb. 117: 1σ(Wahrscheinlichkeit 66%): 8–11 Splintringe, 2σ(Wahrscheinlichkeit 95%): 6–16 Splintringe, Median: 10 Splintringe. Damit kommt ein wahrscheinliches Fälldatum zwischen 1363 v. Chr. und 1360 v. Chr. in Betracht. 4.2.7. Dendrochronologische Belegungsdichten für die Bronzezeit In Abb. 118 zeigt sich die sehr unterschiedliche Belegungsdichte von dendrodatierten Jahren in einer Zeitspanne von gut 1500 Jahren. Die absolutdatierten Phasen von Ufersiedlungen der entwickelten Frühund beginnenden Mittelbronzezeit treten darin deutlich hervor. Noch viel klarer tritt uns indes die grosse Zahl datierter Hölzer aus der Spätbronzezeit (11./10. Jahrhundert v. Chr.) entgegen. Dabei ist zu beachten, dass ein Grossteil davon aus ein paar wenigen gut untersuchten Fundstellen mit hohem Probenanfall stammt. Ein grosses Problem bei der Datierung von Hölzern aus den dazwischen liegenden, schwach bis gar nicht belegten Abschnitten ist also, dass gerade hierzu kein Vergleichsmaterial vorliegt. So ist es zu erklären, dass einerseits auch kürzere Jahrringsequenzen problemlos datiert werden können, wenn sie zu einem Zeitbereich gehören, in dem eine grosse Menge an zeitgleichem Datenmaterial vorhanden ist, andererseits aber selbst längere Sequenzen unerkannt und undatiert bleiben, wenn sie zufällig in die Lücken dazwischen fallen. Auch aus diesem Grund fehlen im Untersuchungsgebiet noch immer Schlagdaten aus dem älteren Abschnitt der Frühbronzezeit. Nur am Rande sei hier angemerkt, dass – insbesondere bei knappen finanziellen Ressourcen – natürlich prioritär jenes Probenmaterial 96 IV. Das untere Schichtpaket 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Splintringzahl mm 0–0,5 0,5–0,7 0,7–0,8 0,8–0,9 0,9–1,0 1,0–1,1 1,1–1,2 1,2–1,3 1,3–1,4 1,4–1,5 1,5–1,6 1,6–1,7 1,7–1,8 1,8–1,9 1,8–2,0 2,0–2,1 2,1–2,2 2,2–2,3 2,3–2,4 2,4–2,5 2,5–2,6 2,6–2,7 2,7–2,8 2,8–2,9 2,9–3,0 3,0–3,25 3,25–3,5 3,5–3,75 3,75–4,0 4,0–4,25 4,25–4,5 4,5–5,0 5,0–6,0 >6,0 Abb. 117 Darstellung der wahrscheinlichen Anzahl Splintringe bis zur Waldkante, gegliedert nach den durchschnittlichen Ringbreiten der letzten neun Kernholzringe und des ersten Splintringes. Berücksichtigt wurden sämtliche in den Datenbanken der Dendrolabors von Zürich und Sutz BE gespeicherten Eichenmesswerte (n = 15000). Erklärung zur Boxplot-Darstellung: Der Kasten markiert jenen Bereich, worin sich 66% aller Werte befinden (1σ), der waagrechte Strich im Kasten kennzeichnet den Median, beidseits davon liegen jeweils die oberen und unteren 50% der Verteilung. Die an den Kasten anschliessenden Linien mit Querstrichen markieren den 95%-Bereich (2σ). Die Kreuze stehen für die jeweiligen Extremwerte. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:07 Uhr Seite 96 analysiert wird, das den grössten Erfolg verspricht, was zur Folge hat, dass damit ohnehin schon gut belegte Phasen weiter befrachtet werden. Dort, wo umfassendere Analysen – dendrochronologische wie C14 – möglich sind, erschliessen sich auch neue Datierungsbereiche: Der kleine Belegungshügel um 1400 v. Chr. ist beinahe ausschliesslich durch das Probenmaterial vom Chollerpark repräsentiert. Diese Basis wird es künftig ermöglichen, weitere gleichzeitige Strukturen absolut zu datieren. 102 Die Aktualisierung des Datenmaterials wurde durch Felix Walder (Labor für Dendrochronologie der Stadt Zürich) mit Hilfe des Excel-Add-Ins WinSTAT vorgenommen. Die Grafiken und jeweiligen Excel-Dateien sind im Labor archiviert. 97 4. Datierung Abb. 118 Dendrochronologische Belegungsdichte eines jeden Kalenderjahres zwischen 1850 v. Chr. (frühe Bronzezeit) und 650 v. Chr. (Hallstattzeit): Gesamtbelegung (obere Kurve) und ChollerparkHölzer (untere Kurve). Datenbasis: Sämtliche im Zürcher Dendrolabor gespeicherten, datierten Holzproben aus der Region Zentralund Ostschweiz. 940 900 800 700 600 500 400 300 200 100 50 0 650 v. Chr.1850 8501050125014501650 Abb. 119 SteinhausenChollerpark, US. Beispiele von verschiedenen Hölzern mit hoher optischer und rechnerischer Übereinstimmung. Tabellarische Zusammenstellung (a) und Kurvenplots (b). FK Labornr. Holzart Überlappung Gleichlauf t-Wert Endjahre Typ Distanz 1359 + 1072 38360 + 38412 Eiche 77 89,6 14,1 –1377/–1378 B + B ~7 m 1310 + 1449.2 38422 + 38470 Eiche 50 86,0 12,2 –1617/–1621 K + B >30 m 1306 + 1449.6 38458 + 38469 Weisstanne 61 78,7 11,6 –1374/–1378 B + B >30 m 1359 + 796 38360 + 38414 Eiche 78 78,2 11,6 –1377/–1377 B + B ~13 m a 38360 + 38412 38422 + 38470 –1450 –1440 –1430 –1420 –1410 –1400 –1390 –1380 –1670 –1660 –1650 –1640 –1630 38458 + 38469 –1440 –1430 –1420 –1410 –1400 –1390 –1380 38360 + 38414 –1450 –1440 –1430 –1420 –1410 –1400 –1390 –1380 b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 97 4.2.8. Weitere Ergebnisse Bei ausgezeichneten optischen und rechnerischen Korrelationen wird sehr oft vermutet, dass man es mit Hölzern aus demselben Baum zu tun hat.103 Eine entsprechende Prüfung aller vorhandenen Daten im Zürcher Labor durch U. Ruoff hat erbracht, dass selbst bei Überlappungen von 70 Jahren und t-Werten von über 14,0 sowie nahezu identischen Kurvenbildern die Hölzer nicht zwingend vom selben Baum stammen müssen.104 Es dürfen jedoch benachbart gewachsene Bäume angenommen werden. Unter den gemessenen Hölzern der unteren Schicht lässt sich bloss ein Fall ausmachen, wo eine sehr hohe Übereinstimmung erreicht wird, in drei weiteren Fällen bleiben die Werte darunter (Abb. 119). Ansonsten ist das Material durch eine grosse Wachstumsindividualität charakterisiert, was auf verschiedene Waldstandorte hindeuten dürfte. 5. Diskussion des unteren Schichtpakets (US) 5.1. Zur Einlagerung Das zusammen mit den Hölzern im Niedermoortorf eingelagerte Pflanzenspektrum – Wurzeln, Rhizome, Samen und Früchte – spricht für gänzlich natürliche Bildung der Schichten. Das beinahe völlige Fehlen von Kulturanzeigern an diesem Fundplatz legt nahe, dass sich die nächstgelegenen Siedlungen nicht in unmittelbarer Nähe befunden haben dürften. Andernfalls hätten nämlich entweder die Lorze oder der See entsprechende Reste zusammen mit dem Holz anspülen müssen. Dass das schliesslich Abgelagerte als Summe verschiedener Ereignisse zu verschiedenen Zeiten aufzufassen ist, belegen die über mehr als 300 Jahre streuenden dendrochronologischen Datierungen, beginnend in der Frühbronzezeit mit einem deutlichen Schwerpunkt in der Mittelbronzezeit. Auch das sehr heterogene Holzspektrum lässt an ein Konglomerat aus unterschiedlichen Quellen denken. Mittelbronzezeitliche Dörfer sind wegen der Seespiegelstände in erhöhter Lage im Hinterland der Seen anzunehmen.105 Der Grossteil des Holzbestandes vom Chollerpark dürfte zur Hauptsache im Zusammenhang mit einer «Off-site»-Seeufernutzung in unmittelbarer Nähe zum Fundort zu sehen sein. Die wenigen älteren Daten korrelieren ungefähr mit der an den Schweizerischen Seeufern allgemein bekannten frühbronzezeitlichen Siedlungstätigkeit zwischen ungefähr 1660 v. Chr. und 1490 v. Chr. und könnten demzufolge letzte Rudimente einer solchen abgeschwemmten Zuger Seeufersiedlung repräsentieren.106 Was nun zum angetroffenen Befund im unteren Schichtpaket geführt hat, ist nicht leicht zu erklären. Es ist ja nicht so, dass sich die älteren Hölzer unten und die jüngeren oben in der torfigen Fundschicht befunden hätten. Vielmehr lag alles, soweit überhaupt noch rekonstruierbar, völlig durcheinander.107 Der gesamte Holzbestand ist demzufolge gleichzeitig einsedimentiert worden. Dies wiederum bedeutet, dass das frühbronzezeitliche Holzmaterial hier sekundär abgelagert wurde, d. h. zuvor schon irgendwo abund eingelagert gewesen sein muss, weil es sich sonst kaum so gut hätte erhalten können. Der See müsste es dann freigelegt und zusam98 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 120 Felsbild aus der Valcamonica (I) mit Fisch und einem darüber projizierten Trapez (?). Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 98 men mit den jüngsten Hölzern hinter die Uferlinie gespült haben, wo der ganze Komplex dann endgültig durch Torfwachstum überdeckt worden wäre. Für eine komplette Einsedimentierung sind wohl viele Jahrzehnte zu veranschlagen.108 Die Frage bleibt allerdings, wie das frühbronzezeitliche Holz zum Zeitpunkt der endgültigen Ablagerung überhaupt noch schwimmund damit transportfähig sein konnte. Ein Transport durch den See über eine längere Distanz hinweg erscheint deshalb eher unwahrscheinlich. Vielmehr könnte es bereits an dieser Stelle oder in deren unmittelbarer Nähe gelegen haben, so dass es nur nochmals aufgeschwemmt worden und dann über und unter die jüngeren eingebrachten Hölzer zu liegen gekommen wäre. Das Wasser vermochte offenbar auch ganze Trapezrahmen hinter den Schilfgürtel zu verfrachten. Solange das Holz schwimmfähig war, genügten dafür selbst schwache Wellenbewegungen und wegen des geringen Tiefganges der Holzteile von vielleicht maximal 20 cm auch seichtes Wasser. Der See selbst hat von alledem keine Spuren in den Schichten hinterlassen, was auf ein eher kurzes und wenig tiefgreifendes Ereignis hindeutet. Man muss sicher in diesem sehr dynamischen Umfeld unmittelbar am See und in Flussnähe auch davon ausgehen, dass wir es mit stark wechselnden und für uns im Detail nur bedingt nachvollziehbaren natürlichen Vorgängen zu tun haben, die letztlich zur angetroffenen Situation geführt haben. Die dendrochronologisch ermittelten Endund Schlagjahre datieren im Falle von Steinhausen-Chollerpark sicher nicht die Schicht, sondern vielmehr bloss das Spektrum der darin eingelagerten Hölzer. Die endgültige Einsedimentierung ist mit dem jüngsten datierten Holz auf «(kurz?) nach 1360 v. Chr.» anzusetzen. 5.2. Zur Deutung Was die einsedimentierten Gegenstände betrifft, interessiert neben dem Wie insbesondere auch das Was. Mangels vergleichbaren archäologischen Befunden sind der Phantasie natürlich keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, die wegen ihrer Grösse und Einzigartigkeit bedeutsamen trapezförmigen Rahmen zu interpretieren. Es steht das (wenige) Gesicherte dem (unbegrenzt) Vorstellbaren gegenüber. Schon während der Grabung wurden alle möglichen und unmöglichen, realistischen und abenteuerlichen Funktionsvorschläge diskutiert. Die Trapeze, und dies muss noch einmal betont werden, sind bewusst ohne Sorgfalt «auf die Schnelle» produziert worden – als ob die Rahmen gerade eben für eine Saison hätten halten müssen. Die Trapezform, oder besser: die leicht konisch zulaufende Form, dürf103 Ruoff 1998, 6 f. (Abb. 9). 104 Die Arbeit erfolgte im Zusammenhang mit der Beurteilung der spätbronzezeitlichen Bauhölzer von Greifensee ZH-Böschen. Dort gab es einerseits mehrere Bauteile, die eindeutig aneinander passten, also sicher vom selben Baum stammten (die Messwerte divergierten aber dennoch meist recht stark), andererseits Hölzer mit ausserordentlich hoher optischer und rechnerischer Übereinstimmung, aber unterschiedlichen Schlagjahren. Spätestens hier stellte sich die Frage, ab welchem t-Wert eigentlich von «gleichem Baum» gesprochen werden darf. 105 Cham ZG-Oberwil Hof ist momentan eine der bestuntersuchten mittelbronzezeitlichen Landsiedlungen der Zentralund Ostschweiz (Gnepf Horisberger/Hämmerle 2001). Auch dort gibt es frühbronzezeitliche Evidenzen, die zwar nicht archäologisch, dafür auf Grund pollenanalytischer Ergebnisse im benachbarten Bibersee und durch die Auswertung der C14-Daten zutage traten (Haas/van der Knaap/Leeuwen 2001; Gross 2001). Zu den frühbronzezeitlichen Seeuferfundplätzen und den mittelbronzezeitlichen Landsiedlungen: Hochuli 1996. Ein circumalpiner Überblick bei F. Menotti, «The Missing Period»: Middle Bronze Age Lake-Dwellings in the Alps. BAR International Series 968, 2001, bes. 95 ff.: On the Brink of 15th Century BC: The Last Early Bronze Age Lake-Settlements. 106 Die nächstgelegenen frühbronzezeitlichen Ufersiedlungen sind Zug-Galgen Galgenbächli und evtl. Cham ZG-Bachgraben, Zugerstrasse (Hochuli 1996, 59, Abb. 1: Verbreitungskarte). Von Cham ZG-Oberwil stammt ein Hort mit zwei Randleistenbeilen vom Typ Neyruz. Leider ist der Verlauf der früh-/mittelbronzezeitlichen Uferlinie unbekannt, die Windund Strömungsverhältnisse dürften hingegen ähnlich gewesen sein wie in der Spätbronzezeit. 107 Auf der Grabung wurden die Hölzer in der Fundschicht nicht nach Abstichen getrennt geborgen. Auf Grund der Höhenangaben bei den Kopfund Fusskoordinaten der Hölzer lässt sich aber im Vergleich mit den umliegenden anderen Hölzern desselben Feldes ungefähr abschätzen, ob sie eher höher oder tiefer innerhalb der Schicht gelegen haben. 108 Mündl. Mitt. von Philippe Rentzel, Basel. 99 5. Diskussion Abb. 121 SteinhausenChollerpark, US. Gewicht (Rohdichte) von verschiedenen Holzarten und ihre Verwendung in den Trapezen (Basis: 7 Längsstämme und 18 Querhölzer). Holzart Rohdichte (kg/m3)Längsstamm Querholz Pappel 410 0 0 Weisstanne 410 0 1 Fichte 410 leicht 5 2 Erle 490 0 2 Hasel 560 mittel 0 1 Ahorn 620 0 1 Ulme 640 0 0 Esche 670 schwer 2 10 Eiche 670 0 0 Buche 680 0 1 leicht schwer Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 99 drochronologischen Ergebnisse zwar nicht unterstützt, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Vielleicht ist es einfacher damit zu beginnen, was die Trapeze eher nicht sind: Die Rahmen haben sicher nichts mit Wohnbauten zu tun. Selbst wenn man den trapezförmigen Teil als Unterbau ansieht, so sind die wenigen und eher kurzen bzw. dünnen Stangen allerhöchstens dazu geeignet, daran gewisse Dinge anzubinden, eine tragende Funktion kommt sicher nicht in Frage. Eine andere Nutzung an Land, insbesondere in aufgestellter Form, fällt an diesem Fundort in den ausgedehnten flachen Feuchtgebieten am Nordrand des Zugersees ebenfalls ausser Betracht. Eine Interpretation als Anlandehilfe, quasi eine Mischung aus Steg und Anlegestelle, wurde im Vorfeld von verschiedener Seite her in die Diskussion eingebracht. Sie scheint nicht sehr plausibel, weil damals die Ufer noch nicht verbaut waren und ein Anlegen mit dem Einbaum am natürlich auslaufenden Ufer wohl fast überall möglich gewesen sein dürfte. Auch ist dafür die Trapezform nicht einleuchtend (Abb. 125). Für eine Verwendung im Flachwasserbereich spricht hingegen schon einiges mehr: Die leicht verjüngende Form der Konstruktion vermittelt einen dynamischen, bewegten Eindruck und lässt damit an einen mobilen Einsatz109 in der Bucht denken. Von der Grundform her erinnern die Trapeze ein wenig an die mittelalterlichen Fischfache, und es stellt sich deshalb die Frage, ob sie nicht auch in diesem Umfeld anzusiedeln sind: Schwimmende Konstrukte, woran Reusen oder Netze befestigt wurden und von wo aus man auch anderen Tätigkeiten im Flachwasser nachgehen konnte (Fischfang mit der Angel, Wasservogeljagd?). Wenn man den beträchtlichen Aufwand berücksichtigt, mit dem in mittelalterlichen110, aber auch schon in hallstattzeitlichen Kontexten Fischfang betrieben wurde, dann scheint eine Interpretation der Trapeze als mobile Fischfache im seichten Uferbereich gar nicht so abwegig. Vielleicht sind die Felszeichnungen in der Valcamonica (I)111 mit über Fische projizierten trapezförmigen Motiven ein Hinweis darauf, dass es sich um eine weit verbreitete und durchaus übliche Konstruktion handelte (Abb. 120). Dass man keine (oder nicht nur) feste Anlagen mittels zahlreicher Pfähle in den Flachwasserbereite absichtlich gewählt worden sein. Aber selbst dafür wurde unpräzise gearbeitet, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie ungenau die entsprechenden Stangen und Nuten/Löcher zueinander passen (vgl. Kap. IV.2.3, S. 53 ff.). Mit Blick auf das übrige gleichzeitige Holzmaterial ist der Grund sicher nicht fehlendes Know-How, sondern es bestand schlicht keine Notwendigkeit einer präzisen Ausführung. Wegen ihrer Grösse und ihres Gewichtes waren sie an Land eigentlich Immobilien. Sicher ist ferner, dass sie unweit der damals fischreichen Flachwasserzone zusammen mit zahlreichen Paddeln, einem Einbaum und weiteren Einbaumteilen («Schotten») einsedimentiert wurden, was sehr stark auf eine Nutzung am oder im Wasser hinweist, wo ihre Sperrigkeit auch weniger ins Gewicht fällt. Schon weniger klar ist, ob sie Aufbauten besessen haben. Die Länge der Stangen, die sich bloss als Zapfenreste in entsprechenden Löchern erhalten haben, dürfte auf Grund der Querschnitte und der geringen Lochtiefe nicht sehr gross gewesen sein. Da im Umfeld zahlreiche Bretter sowie einige Rundhölzer mit endständigen Kerben gefunden wurden, hat man bereits auf der Grabung eine Idee formuliert: Danach hätten diese Rundhölzer ungefähr in der Mittelachse in Längsrichtung, also quer auf den Querstangen, gelegen und damit die Distanzen dazwischen überbrückt. Auf diese Weise wäre es möglich gewesen, eine Lage von Brettern mit Längen von 1,5–2 m parallel zu den Querhölzern über den ganzen Trapezrahmen zu verlegen, also eine Art Beplankung herzustellen (vgl. Abb. 126 und 127). Dies wird durch die den100 IV. Das untere Schichtpaket Abb. 122 Ethnologische und volkskundliche Parallelen zu den Trapezen aus SteinhausenChollerpark, US. Beispiel aus der Schweiz (Curaglia GR): Blockstadel mit Grastrocknungsgestell. Die Querstangen sind in der Regel eingezapft. Eine Stange ist gebunden. Das Ganze ist mit Holzschindeln bedacht. Abb. 124 (S. 101) Ethnologische und volkskundliche Parallelen zu den Trapezen aus Steinhausen-Chollerpark, US. Aussereuropäische Beispiele. a: Tonle Sap Lake (Kambodscha). Traditionelles Beutelnetz für den Fischfang. Das Trapez erlaubt es den Fischern, das Netz ins Wasser zu senken und zu heben. b: Vorderasien. Transport einer grösseren Anzahl von Tierbälgen (Schwimmsäcken). Am Ende der Flossfahrt trocknete man die Bälge und brachte sie mit Tragtieren zurück an den Ausgangsort. c: Zweistromland. Modernes Floss mit aufgeblasenen Tierbälgen (Kelek = «Floss auf Schläuchen»). d: Nachzeichnung einer Darstellung auf einem assyrischen Relief. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 100 chen errichtete, hat seinen Grund vielleicht in den lokalen Gegebenheiten. Womöglich führten in dieser ausgeprägten Verlandungszone bereits geringe Wasserstandsänderungen zu ganz unterschiedlichen Uferlinien und Strömungsverhältnissen, so dass mobilen, flexiblen Einheiten der Vorzug gegeben wurde (Abb. 126).112 Ein paar solcher Anlagen nebeneinander positioniert vermochten beispielsweise einen mäandrierenden Flusslauf auf breiter Front abzusperren. Es gibt dazu einige Gegenargumente: Leider sind keinerlei Hinweise auf eine Nutzung der Uferzone im Zusammenhang mit Fischfang gefunden worden, die eine solche Interpretation stützen würden. Die Erhaltung von Fischknochen ist wegen ihrer geringen Grösse 109 Darauf hatten bereits während der Untersuchungen der Grabungsleiter Johannes Weiss und andere richtigerweise aufmerksam gemacht. 110 U. Amacher, Zürcher Fischerei im Spätmittelalter. Realienkunde, Sozialund Wirtschaftsgeschichte der Fischerei im Zürcher Gebiet. Zürich 1996; E. Blöchlinger, Ehemalige Fischereirechte des Zürichsees. Säckingen am Rhein 1923. 111 J.-J. Cleyet-Merle, La préhistoire de la pêche. Paris 1990, 135. 112 Die vielen Hölzer mit Biberfrassspuren (vgl. Abb. 133) erinnern auch an den Biber als einen massgeblichen Mitgestalter der lokalen Gewässerverhältnisse. 101 5. Diskussion Abb. 123 Ethnologische und volkskundliche Parallelen zu den Trapezen aus SteinhausenChollerpark, US. Beispiel aus Nordeuropa: Norwegischer Fischer in Warteposition auf einem trapezförmigen Gestell über dem Fjord. ab c d Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 101 102 IV. Das untere Schichtpaket Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 102 und Feinheit zwar grundsätzlich sehr problematisch. Weil gerade aus der unteren Schicht kein geschlämmtes Material vorliegt, ist das Fehlen von Fischresten womöglich nur grabungstechnisch bedingt. Aber auch Netzoder Reusenfragmente, Angelhaken oder sonstige Anhaltspunkte für diese Interpretation stehen indes aus. Selbst wenn sich diese Aktivitäten etwas ausserhalb der Fundstelle abgespielt hätten, würde man eigentlich doch erwarten, dass wenigstens das eine oder andere einschlägige Artefakt mit den grossen Hölzern hinter den Schilfgürtel geraten wäre. Als weitere Interpretationsmöglichkeit stehen Grundgerüste von aufgelassenen Flössen zur Diskussion, die beispielsweise zum Transport des kostbaren Rohstoffes Holz auf dem Wasserweg gedient hätten. Der Bedarf an Holz war sicher gross, ob zum Hausbau, als Brennmaterial oder zur Herstellung von verschiedenen Gegenständen – die ausreichende Versorgung mit Holz war unerlässlich. Was lag also näher, als sich das in grösserer Entfernung zur Siedlung geschlagene Holz kräftesparend über den Wasserweg heranzuholen? Natürlich konnten auch andere Güter und Personen auf Flössen transportiert werden. Belege dieser Art bleiben bis ins hohe Mittelalter allerdings eher selten (Abb. 127).113 Wichtig beim Bau eines funktionsfähigen Flosses ist die Wahl der Holzarten.114 Damit auf einem See ein manövrierfähiges Floss mit genügend Auftrieb im Einsatz stehen konnte, brauchte es also zwei Voraussetzungen: Geeignetes Holz mit möglichst geringer Rohdichte115 (und damit besserer Schwimmfähigkeit) und – für ein begehbares Floss – zusätzliche Auftriebskörper. Es ist sicher kein Zufall, dass jene drei Trapeze mit erhaltenen Querstangen Längsstämme aus Fichtenholz besitzen, jenem Holz mit der geringsten Rohdichte (Abb. 121). Dass umgekehrt ein Grossteil der Querstangen aus dem deutlich schwereren Eschenholz gefertigt war, braucht dabei nicht zu stören, denn vom Volumen her sind klar die Schenkel ausschlaggebend für den Auftrieb.116 Schwimmkörper sind in archäologischem Zusammenhang natürlich nicht nachgewiesen, waren aber sicher bekannt. Durch mehrere angebundene luftgefüllte Tierbälge kann eine beachtliche Schwimmund Tragfähigkeit erreicht werden, so dass sogar schwere Lasten hätten befördert werden können. Oben mit Brettern und Matten belegt, entstünde eine breite Ladefläche, auf der sogar kleine Hütten gestanden haben könnten.117 Ein Blick auf ethnologische und volkskundliche Parallelen (Abb. 122–124)118 von Trapezen zeigen zum grossen Entsetzen jedes seriösen Wissenschaftlers Einsatzgebiete auf, die man nie auch nur im Entferntesten in Erwägung gezogen hätte: So werden durch das Anlehnen an eine Felswand oder an ein Gebäude Trapezkonstruktionen zu Trocknungsgestellen für gemähtes Gras oder gar zu Beobachtungsposten119: «An einer günstigen Stelle, meistens am Innern einer Bucht, wird ein etwa sechzehn bis achtzehn Meter hohes [trapezförmiges!] Gestell so übers Wasser hinaus gebaut, dass man vom luftigen Sitz senkrecht aufs Netz hinunter sieht. Das Netz liegt als weiter, flacher Trichter im Wasser und kann vom Beobachtungssitz aus geschlossen werden. Die Fische (…) ziehen (…) den Süsswasserflüssen entgegen, in geringer Tiefe dem Ufer entlang. Da sitzen also Fischer während der Fangzeit, die (…) drei bis vier Monate dauert, von der ersten Taghelle bis zur unsichtigen Dämmerung auf einer schmalen Holzbank und starren von ihrem Gestell herab ununterbrochen aufs Netz. Sie verdienen also ihr Brot, indem sie einfach sitzen (…), und es kann sein, dass sie in ihrer Sitzung eine ganze Woche lang kein einziges Mal gestört werden». Wer würde es ernsthaft wagen, einen archäologischen Befund auf diese Weise zu interpretieren? Wenn hier die Trapeze vom Chollerpark mittels dreier zeichnerisch umgesetzter «Lebensbilder» in einen mittelbronzezeitlichen Alltag eingebettet werden, so geschieht dies 113 Bei Caesar (De Bello Gallico) ist in verschiedenen Textpassagen von Flössen auf Flüssen die Rede. 114 Weil das begehrte Eichenholz alleine nicht schwimmfähig ist, musste es im Mittelalter für die grossen Holz-Konvois auf den Flüssen mit Tannenholz gemischt werden. 115 Die Rohdichten für die gängigen Holzarten sind in verschiedenen Lexika und Handbüchern mit (leicht variierenden) Angaben zu finden. 116 Das Holzvolumen der Schenkel beträgt ungefähr das Zehnbis Fünfzehnfache desjenigen der Querstangen. 117 D. Sahrhage, Fischfang und Fischkult im alten Mesopotamien. Frankfurt am Main 1999, 129. 118 Von verschiedener Seite wurden wertvolle Hinweise geliefert, so unter anderem von Irmgard Bauer, G. Brunner, Benno Furrer, Stefan Hochuli, Urs Niffeler, Brigitte Röder, Martin Trachsel, Wolfgang Tross und Johannes Weiss. 119 R. Gardi, Unter dem Polarkreis. Fahrten und Wanderungen in Skandinavien. Zürich 1961, 82–96: Balkonfischer am Sognfjord. 103 5. Diskussion Abb. 125 SteinhausenChollerpark, US. Diskussionsbetrag I: Ein Trapez als Anlandehilfe und Mehrzweckstruktur am Ufer. Einbäume werden angebunden und Netze zum Trocknen aufgespannt. Abb. 126 SteinhausenChollerpark, US. Diskussionsbetrag II: Ein Trapez als mobile Fischfangeinheit in Ufernähe. Soeben werden vorne die Reusen kontrolliert. Seitlich angebundenes, dichtes Astwerk oder auch herabhängende Netze kanalisieren den Weg der Fische. Abb. 127 SteinhausenChollerpark, US. Diskussionsbetrag III: Ein reich beladenes Transportfloss wird aus der seichten Bucht Richtung See manövriert. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 103 110 V. Das obere Schichtpaket N 226694 226686 226678 226670 226662 226654 226646 226638 226630 226622 226614 226606 679560 679565 679570 679575 679580 679585 679590 679595 679600 679605 679610 Abb. 129 SteinhausenChollerpark, OS. Ungefähre Anzahl geborgener grösserer Hölzer pro Feld. Trotz selektiver Bergung und Triage vermittelt das Bild in etwa die tatsächlichen Funddichtenschwankungen im Grabungsareal. Zur Berechnung vgl. Legende zu Abb. 42. M. 1:500. Legende: 1–15 Stück 16–30 Stück 31–45 Stück 46–112 Stück Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:24 Uhr Seite 110 111 2. Die Hölzer a b cd Abb. 130 SteinhausenChollerpark, OS. Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Bearbeitungen wegen der Erosion. a: Ausnehmung oder Erosion? b: Erodierte Kerbe. c: Rundum erodiertes Brett mit zungenförmigem Zapfen(?). d: Vermutlich ein kurzer brettartiger Abschluss. e: Holz mit einer möglichen Nut. Es lassen sich nirgendwo klare Bearbeitungsspuren erkennen, und die Nut verläuft auffallend unregelmässig. Womöglich ist bloss Material im Bauminnern der Länge nach ausgebrochen. a b Abb. 131 Steinhausen-Chollerpark, OS. Deutlich erkennbare Schlagspuren einer leicht geschwungenen Beilklinge an zwei Beispielen (a, b). e Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:25 Uhr Seite 111 112 V. Das obere Schichtpaket Abb. 132 Steinhausen-Chollerpark, OS. Brandeinwirkungen. a: Rundholz, mit Gabelansatz oder völlig weggebranntem (und zusätzlich aberodiertem) Vierkantloch? b: Keulenkopfähnliches Ende, Zufallsprodukt wegen des starken Brandes? c: Weisstannenbrettchen mit gerundeten Formen: wohl eine gewöhnliche Schindel. M. ca. 1:4 (a, c), 1:6 (b). a c b Abb. 133 Steinhausen-Chollerpark, OS. Biberfrassspuren, deutlich dunkel gefärbt (= oxidiert). Vor der Einlagerung in den Torf war das Holz also längere Zeit der Luft ausgesetzt. Kategorie n Anteil Bohlen und Bretter 321 20% Schindeln (sichere und mögliche) 411 26% Rundhölzer 391 24% «Kanthölzer», mehrseitig bearbeitet 282 18% Hälblinge, Spältlinge 65 4% Varia, nicht näher bestimmbar 129 8% Total 1599 100% Holzart n Anteil Weisstanne 769 51% Eiche 393 26% Esche 188 12% Erle 66 4% Buche 47 3% Hasel (16), Ahorn (15), Weide (10), 61 4% Birke (7), Pappel, Eibe (je 3), Ulme, Hartriegel, Steinobst (je 2), Föhre (1) Total 1524 100% nicht bestimmt 75 Total 1599 Abb. 135 Steinhausen-Chollerpark, OS. Holzartenanteile aller geborgenen Proben. Holzart n Anteil Weisstanne 236 62% Esche 46 12% Erle 35 9% Buche 16 4% Hasel 15 4% Ahorn (10), Eiche (8), Weide (4), Birke (3), 33 9% Pappel, Ulme, Eibe (je 2), Föhre, Hartriegel (je 1) Total 381 100% nicht bestimmt 10 Total 391 Abb. 136 Steinhausen-Chollerpark, OS. Anteile der Holzarten bei den Rundhölzern. Abb. 134 Steinhausen-Chollerpark, OS. Gliederung der Hölzer nach Querschnittformen. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 14:25 Uhr Seite 112 Rest einer abgebrochenen Durchlochung (Taf. 23,118). Ein vollständig erhaltenes Stück von 3,90 m Länge hat am einen Ende ein durchgehendes Viereckloch und am anderen, um 90° verdreht, ein halb in den Stamm eingetieftes Zapfloch (Taf. 23,120). Ein Grossteil des dazwischen liegenden Abschnittes scheint mit zwei langgezogenen Ausnehmungen versehen zu sein. Andere Hölzer sind so stark erodiert und durch Brand partiell derart in ihrem Aussehen verändert (z. B. Taf. 22,115.116.117; 23, 121; 24,128 sowie Abb. 140), dass eine Interpretation nicht möglich ist. 2.4. Halbierte und geviertelte Hölzer Die meisten Hölzer dieser Gruppe bestehen aus Eschenholz (Abb. 141), eine sicher nicht zufällige Übereinstimmung mit den Ablagerungen des unteren Schichtpakets (vgl. Abb. 76). Sie wurden auf der Grabung zeichnerisch gar nicht aufgenommen, was bedeutet, dass sie zwar einen entsprechenden Querschnitt aufwiesen, aber keinerlei interessante Bearbeitungsspuren zeigten. Neben einigen kürzeren Exemplaren (z. B. Taf. 26,145.146) gibt es auch recht lange Stücke wie den vollständig erhaltenen und nur leicht an der Oberfläche erodierten Hälbling (Taf. 26,149) mit einer Gesamtlänge von 2,59 m. Zwei weitere, ungefähr je knapp 2 m lang erhaltene Hälblinge scheinen, obwohl stark erodiert, zusammenzugehören (Taf. 27,150.151). Es gibt ansonsten sehr wenige Exemplare, die es zu beschreiben lohnt (Abb. 143). Interessant ist sicher ein angekohltes Stück mit einem geraden Ende und einer zwar unvollständigen, aber doch eindeutigen Gabelung (Taf. 27, 153). Diese Form taucht bei der Besprechung der Bohlen und der Kanthölzer nochmals auf, wo es zahlreiche Belege dafür gibt. Trotz Beeinträchtigung durch Brandspuren scheint es, also ob ein anderer Hälbling wenig nach seinem gerade zugehauenen Ende brettartig zugerichtet worden wäre (Taf. 26,148). Des Weiteren sind erwähnenswert: Ein pfahlschuhähnliches Objekt aus Buche, eine Rechteckplatte mit grossem zentralem Loch (Taf. 27,152); ein 1,96 m lang erhaltener Hälbling, an beiden Enden mit unterschiedlich erhaltenen Gabelungen (oder wegen der doch recht kräftig ausgebildeten Stege eher Reste von durchgehenden Löchern? Taf. 27,154); ein weiterer, vermutlich an der 113 2. Die Hölzer Abb. 137 Steinhausen-Chollerpark, OS. Beispiele für die zahlreich vorhandenen kurzen Rundholzabschnitte aus Weisstanne mit bearbeiteten Enden und leicht vorstehenden Astabgängen. M. ca. 2:3 (a), 1:5 (b). a b Abb. 138 Steinhausen-Chollerpark, OS. Gruppe von ungefähr gleich langen Weisstannen-Rundhölzern mit einem geraden und einem zweiseitig zugespitzten Ende (Taf. 25,135). M. ca. 1:5. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 113 schwächsten Stelle einer Kerbung (Ausschnitt) abgebrochener Hälbling mit zwei deutlich eingetieften viereckigen Zapflöchern (Taf. 28,155; Abb. 142). 2.5. Bohlen und Bretter Von den 321 Brettern und Bohlen – die zahlreichen Schindeln werden nachfolgend gesondert behandelt – besteht ein Grossteil aus gut spaltbarem Eichenholz; dies ist einer der grössten Unterschiede zum unteren Schichtpaket (Abb. 144). Die Weisstanne spielt hier eine weit weniger wichtige Rolle. Die Eiche übertrifft auch bezüglich der Dickenmasse alle anderen Holzarten (Abb. 145). Auch bei dieser Formengruppe zeigt sich ein sehr breites Spektrum. Es gibt sehr kurze (z. B. Brettchen Taf. 28,163; 29,172; Bohlen Abb. 149; Taf. 29,171 und Abb. 150) und natürlich auch mehrere Meter lange Bretter und Bohlen (Taf. 30,180). Das schönste Beispiel ist die vollständig erhaltene 1,48 m lange Doppellochschwelle aus Eiche (Taf. 31,186). Viele weitere Exemplare weisen ebenfalls durchgehende Löcher (Taf. 31,184.185.187.188; 32, 189–194) oder Schlitze (Taf. 31,183; Abb. 152) auf. Zwei «pfahlschuhähnliche» Hölzer, allerdings mit eher grossem zentralem Loch aus Buche bzw. Eiche (Abb. 154, in situ; Taf. 114 V. Das obere Schichtpaket Abb. 139 Steinhausen-Chollerpark, OS. Rundholz mit vierseitig kurz zugerichtetem Ende. Abb. 140 Steinhausen-Chollerpark, OS. Am Ende partiell als Rundholz belassenes Stück mit deutlich abgesetzten, im Querschnitt dünneren Stegen (oder Gabel?; Taf. 22,115). M. ca. 1:5. Holzart n Anteil Esche 25 40% Weisstanne 17 29% Eiche 8 13% Erle 6 9% Buche (3), Weide, Ahorn, Birke (je 1) 6 9% Total 62 100% nicht bestimmt 3 Total 65 Abb. 141 SteinhausenChollerpark, OS. Anteile der Holzarten bei den Hälblingen und Spältlingen. 146a Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 114 115 2. Die Hölzer Abb. 142 Steinhausen-Chollerpark, OS. Hälbling mit zwei nicht durchgehenden Vierecklöchern (Taf. 28,155). a: Übersicht. b: Detail eines Lochs mit Hackspuren. c: Partiell oxidierte Unterseite. M. ca. 1:5 (a, c), 2:3 (b). Abb. 143 Steinhausen-Chollerpark, OS. Typisches kurzes halbrundes Weisstannenstück mit beidseitig abgeschrägten Enden. M. ca. 1:2. Holzart n Anteil Eiche 160 53% Weisstanne 75 24% Esche 50 16% Buche 10 3% Erle (8), Birke (2), Weide, Ahorn (je 1) 12 4% Total 307 100% nicht bestimmt 14 Total 321 Abb. 144 Steinhausen-Chollerpark, OS. Anteile der Holzarten bei den Bohlen und Brettern (ohne Schindeln). 143 142a 142b 142c Abb. 145 Steinhausen-Chollerpark, OS. Durchschnittliche Dicke aller messbaren Bohlen und Bretter der oberen Schicht. Holzart Dicke Eiche 4,2 cm Esche 4,0 cm Buche 3,8 cm Weisstanne 3,6 cm Abb. 146 Steinhausen-Chollerpark, OS. Eschenbrett mit gegenständigen Nuten (FK 174). a: Umzeichnung. b: Seitenansicht. M. 1:4 (a). 146b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 115 32,191.194; Abb. 155), gehören ebenfalls dazu. Bei besser erhaltenen Hölzern zeigt sich, dass sich die Löcher in der Regel wohl an den Enden befinden, im anderen Fall sind Aussagen schwierig (Taf. 31,183 und Abb. 151: Gabel oder Loch oder Schlitz?; Taf. 31,182: seitlicher Einschnitt oder durch Spaltung des Holzes entzweites Rechteckloch?). Viele spannende Bauteile sind leider nur unvollständig erhalten (z. B. auch Taf. 32,190.192). Trotz dieser fragmentarischen Überlieferung zeichnen sich durchaus auch komplexere Bauteile ab: Ein gegen sein Ende deutlich konisch zulaufender Spältling weist ein sicheres und ein weiteres wahrscheinliches Rechteckloch auf (Taf. 31,188; Abb. 152). Ein dünnes Brett besitzt unmittelbar hinter seinem etwas ausgefransten Vierkantloch eine konisch zunehmende V-förmige Verdickung (Taf. 32,193; Abb. 153). Eine Gruppe von sicher 25 Objekten lässt sich wie folgt beschreiben: Es handelt sich um eher kurze Hölzer, meist aus Eiche und selten aus Weisstanne, die fast ausnahmslos stark verbrannte und verrundete Oberflächen aufweisen (Abb. 147, in situ). Sie sind selten länger als 30 cm, mit einem (meist) sicheren Ende einerseits und dem Ansatz einer mehr oder weniger gut erhaltenen Gabelung andererseits (Taf. 33,195–211). Bei einigen Exemplaren scheinen gar gegenständige Gabelungen vorzuliegen (Taf. 33,202.203.214). Herausragend ist ein qualitätvoll gearbeitetes Eschenbrett mit zwei gegenständigen, recht tief ausgearbeiteten Nuten (Abb. 146). Die schmalen Nuten und die geringe Breite des Brettes von 8 cm sprechen für eine eher kleine Konstruktion (z. B. Teil eines Möbels). Ein anderes, in Bogenform gearbeitetes Stück aus Esche erinnert ein wenig an ein Exemplar aus Greifensee ZH-Böschen, wo ebenfalls keine Deutung möglich ist (Abb. 156). Einige dünne Weisstannenbrettchen sind den Schindeln sehr ähnlich. Sie werden aber wegen der Lage im Stamm, die nicht der Norm entspricht, nicht dazu gezählt (Taf. 34, 216.217, «Tangentialprodukte», und Taf. 34, 218, etwas dicker Spältling). 2.6. Schindeln 2.6.1. Vorbemerkungen Schindeln131 sind ein durch Spalten erzeugtes Zerkleinerungsprodukt des Stammes, d. h. die Teilung erfolgt im Radialschnitt, was als 116 V. Das obere Schichtpaket Abb. 147 Steinhausen-Chollerpark, OS. Eines von zahlreichen Gabelhölzern in situ (Feld 16). Abb. 148 Steinhausen-Chollerpark, OS. Ensemble von verschiedenen einund zweiseitigen Gabelhölzern. Sie sind alle rundum angekohlt und weisen deshalb auch auffallend stark verrundete Oberflächen auf. M. ca. 1:8. Abb. 149 Steinhausen-Chollerpark, OS. Kurze Bohle (25 cm) mit beidseits bearbeiteten Enden. Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 116 «nach dem Scheit spalten» bezeichnet wird. Dabei wird der Stammquerschnitt in schmale Sektoren zerlegt, d. h. aus einem Stamm kann eine Vielzahl von Schindeln gewonnen werden (was für die Dendrochronologie besonders wichtig ist). Das Spalten nach dem Span (tangential) ist unbeliebt. Solche Schindeln vergleicht man mit den Schwarten, den minderwertigsten aller Bretter, weil sie am ehesten dazu neigen, sich nachträglich stark zu verziehen, was für eine Dacheindeckung natürlich ungünstig ist. Die richtige Auswahl des Holzes132 ist entscheidend für die Qualität der Schindeln: Feinringiges Holz gibt besonders dauerhafte Schindeln.133 Damit das Holz gut spaltbar ist, muss es möglichst gerade gewachsen sein, drehwüchsiges Holz wird eigentlich nicht verwendet. Die Verwendung ganz leicht nach links drehenden Holzes («nachsinnigen» Holzes) ist ebenfalls noch möglich, weil dieses sich bei feuchtem Wetter noch leicht strecken kann. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, dass das Holz beim Austrocknen einheitlich schwindet, was bei asymmetrisch gewachsenem Holz nicht der Fall ist. Das Druckholz134 hat andere Schwindungseigenschaften und zerspringt demnach leichter. Astreinheit ist ebenfalls von Vorteil. Am besten erfüllen die Stammabschnitte zwischen den Astquirlen135 diese Forderung, dann aber auch jene Bereiche, wo die Äste schon abgestorben und die Stümpfe bereits wieder überwachsen sind. Ideale Fällzeit für Schindelholz ist – wie für Bauholz überhaupt – die Zeit während der Saftruhe im Winterhalbjahr. Da die Stämme verschiedene Durchmesser haben, fallen auch die Schindeln ungleich breit aus. Das ist günstig, denn durch diese Ungleichheit erreicht man beim Decken von selbst die «versetzte Lage».136 Überhaupt ist die Art und Weise der Befestigung ein interessan131 Von lat. scindere «spalten» (Ast 1981, 14). 132 Als Holzarten zur Herstellung von Schindeln werden in volkskundlichen und bautechnischen Werken Tanne, Fichte oder Lärche genannt. 133 Ast 1981, 24; Maise/Kinsky 1997, 99. 134 Druckholz wird häufig als Folge von Windbeeinflussungen gebildet. Es unterscheidet sich vom übrigen Holz durch hohe Dichte und starkes Schwinden bzw. Quellen. Infolgedessen arbeitet Druckholz sehr stark. Bretter mit Druckholzanteilen verwerfen sich leicht, ihre Bearbeitbarkeit ist wegen der Härte und Sprödigkeit des Druckholzes eingeschränkt. 135 Etwa in gleicher Höhe am Stamm gebildete Äste, die im Querschnitt sternförmig erscheinen. 136 Ast 1981, 34. 117 2. Die Hölzer Abb. 150 Steinhausen-Chollerpark, OS. Kurze Bohlen: Radial aus dem Stamm gewonnene Stücke (Taf. 29,171). M. ca. 1:3. a b Abb. 151 Steinhausen-Chollerpark, OS. Zwei auf der Grabung nahe beisammen gefundene eichene Bohlen. a: In der Art der «Langloch-Pfahlschuhe» wie von Greifensee ZH-Böschen her bekannt (Taf. 31,183). b: Identisches Stück (Taf. 29,179; es fehlt zur Beurteilung das eine Ende). Vgl. dazu Abb. 208. M. ca. 1:8 (a), 1:7 (b). a b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 117 ter Aspekt. Grundsätzlich gilt die Regel: «Je einfacher die Dachform, desto länger die Schindel und je flacher die Dächer, desto dichter die Lagen».137 Eine Verlegung erfolgt nebeneinander, so dass die Längsseiten stumpf aneinander stossen. Die Zwischenräume werden durch eine fischschuppenartige Lagerung der darunter liegenden Schar abgedeckt, das Dach ist dadurch absolut wasserdicht.138 118 V. Das obere Schichtpaket Abb. 152 Steinhausen-Chollerpark, OS. Gegen das Ende konisch zulaufende Bohle mit einem sicheren und einem wahrscheinlichen zweiten Rechteckloch (oder Gabel?; Taf. 31,188). M. ca. 1:6. Abb. 153 Steinhausen-Chollerpark, OS. Schlanke Bohle mit durchgehendem, beinahe trapezförmigem Loch und einer deutlichen und sorgfältig gearbeiteten V-förmigen Verdickung zum Ende hin (Taf. 32,193). M. ca. 1:7. Abb. 154 Steinhausen-Chollerpark, OS. Pfahlschuh in originaler Fundlage ohne Pfahl dazu. 157a 157b Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 118 2.6.2. Das Material In den oberen Schichten vom Chollerpark waren zuhauf intakte Schindeln bis hin zu Kleinstfragmenten davon eingelagert (Taf. 34, 221–39,259; Abb. 157). Sehr vieles davon wurde bereits auf der Grabung ausgesondert und entsorgt. Zur Bearbeitung lagen schliesslich noch 146 sichere (also mit Vierkantloch ausgestattete) Schindeln vor sowie 265 weitere dünne, brettchenartige Fragmente, die diesen sehr ähnlich sehen, denen aber das charakteristische Loch fehlte. Von diesen total 411 Objekten sind 97% Spaltprodukte aus Weisstannenstämmen. Dazu kommen ein paar wenige Eichen (9 Belege), zwei Buchen und eine Pappel. Das archäologische Material entspricht im Grossen und Ganzen den ethnographischen Beispielen. Die Schindeln sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, eher engringig. Die durchschnittliche Jahrringbreite an den gemessenen 49 Proben beträgt 1,8 mm. Die meisten Stücke weisen einen geraden Wuchs auf, es gibt aber auch ein paar wenige Ausnahmen (Taf. 38,250; Abb. 157c und d). Die Schindeln vom Chollerpark stimmen mit denjenigen von Zug-Sumpf139 völlig über137 Eine Aussage von Schindelkenner Dipl. Ing. Martin Hellmayr in Ast 1981, 181. 138 Maise/Kinsky 1997, Abb. 18. 139 Seifert 1996, 77. 119 2. Die Hölzer Abb. 155 Steinhausen-Chollerpark, OS. Pfahlschuh, am einen Ende noch mit dem «Strähl», jenem Stück, das bis zuletzt noch mit der Stammfortsetzung in Verbindung stand (Taf. 32,194). M. ca. 1:5. Abb. 156 Steinhausen-Chollerpark, OS. Bogenförmig geschwungenes Eschenbrett. M. 1:4. Abb. 157 Steinhausen-Chollerpark, OS. Beispiele von unvollständig erhaltenen Schindeln. a, b: Das obere Ende ist erhalten, das untere hingegen ist abgebrannt. c, d: Leicht erodierte Vorderseite und völlig verkohlte Rückseite einer Schindel mit Drehwuchs (Taf. 38,250). M. ca. 1:5 (a, c, d), 2:5 (b). 157c 157d Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:09 Uhr Seite 119 126 V. Das obere Schichtpaket –1250 –1200 –1150 –1100 –1050 –1000 –950 0 10 20 30 40 50 60 70 38631 928.27 B 38582 483 V 38587 609 B 38541 23 B 38621 775.2 B 38679 1698.7 K 38498 265 K 38574 441.11 B 38382 224 K 38599 692.12 K 38537 68.2 V 38591 661.16 K 38656 1292.1 K 38610 773.2 K 38618 775.17 K 38553 216 K 38607 738 B 38555 254 B 38544 71.8 V 38524 168 B 38530 130 K 38534 103.2 V 38647 1163 K 38528 148 K 38379 128 B 38385 268.3 B 38535 69.1 K 38526 165.23 B 38598 692.1 K 38389 458 B 38497 ohne Nr. 38619 775.18 K 38630 928.25 K 38651 1241 B 38596 692.8 K 38586 582.2 K 38629 912 B 38332 1716 K 38533 114 K 38383 229.1 K 38540 29 V 38595 692.3 B 38552 199.1 K 38597 692.9 V 38388 431.2 K 38539 47.1 B 38639 1032.7 K 38645 1099 B 38573 441.1 B 38398 1230 B 38675 1652 R 38546 91.1 K 20045 1707 38671 1590 K 38529 133 B 38538 52.1 B 38392 775.16 K 38399 1256.1 B 38525 165.28 B 38333 249 K 38532 122 B 38344 163.1 B 38602 720.4 B 38681 1726 B 38336 549 B 38381 208 B 38558 274 B 38628 889 B 38588 617 B 38673 1606.3 K 38531 123 B 38403 1605.1 B 38476 1664.1 B 38536 68.4 B 38554 223 B 38652 1257.18 K 38377 66.2 B 38634 945 B 38600 703 B 38397 1095 B 38624 783 V 38653 1257.27 B 38380 178 B 38616 775.3 B 38648 1167 B 38387 413 K 38400 1292.8 B 38501 1091 B 38542 496 B 38390 605 B 38550 118 B 38611 773.3 K 38632 928.3 K 38633 928.33 B 38627 882.41 B 38583 1614 B 38359 1611 B 38527 164 B 38391 725 B 38604 720.12 B 38680 1698.8 K 38405 928.13 B 38395 1023 B 38560 335.2 K 20044 1706 38335 429 B 38386 298 K –66 0 –64 –96 –55 –90 –61 –54 –72 –22 –71 –22 –99 –16 –56 –16 0 –6 –54 –2 –42 –79 –58 –83 –79 –25 –76 –23 –74 –37 –73 –50 –71 0 –71 –66 –69 –12 –67 –25 –64 –25 –64 –54 –64 –55 –63 –20 –61 –73 –60 –16 –60 –43 –60 –41 –59 –34 –59 –65 –56 –47 –56 –96 –54 –6 –54 –59 –53 –10 –52 –25 –51 –99 –51 –20 –50 –92 –48 –17 –45 –37 –45 –25 –44 –46 –44 –43 –9 –43 –8 –42 –95 –42 –42 –42 –1 –41 –72 –38 –88 –42 –36 –50 –36 –88 –34 –16 –33 –28 –31 –88 –30 –94 –30 –71 –30–27 –14 –28–26 –87 –23 –63 –21 –10 –21 –94 –19 –7 –19 –51 –22 –18 –54 –17 –74 –17 –73 –17 –55 –17 –30 –16 –51 –16 –12 –14 0–20 –11 –80 –11 –16 –8 –12 –3 –55 –6 –3 –62 –6 –99 –11 –98 –77 –97 –52 –6 –95 –76 –93 –74 –93 –44 –97 –91 –51 –2 –90 –59 –89 –42 –88 –87 –13 –95 –87 –45 –87 –87 –87 –89 –91 –86 –94 –86 –65 –84 –88 –83 –7 –83 –89 –81 –54 –83 –80 –54 –84 –78 97 –78 –45 –83 –77 –16 –75 –42 –74 –59 –76 –69 –72 –63 –58 –34 –58 –41 –64 –54 –27 –54 –12 –77 –51 174 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:10 Uhr Seite 126 145 Labornr. 38349 (FK 325, Rundholz), ohne Angabe einer Waldkante: 1050 v. Chr. (B-Datum). 127 3. Datierung Abb. 174 (S. 126) Steinhausen-Chollerpark, OS. Balkendiagramm der Mittelkurve 2510 mit den datierten Eichen. In der rechten Spalte finden sich Labornr., Holznr. und Querschnittform. Zu den Abkürzungen siehe Abb. 37. Unter dem Balkendiagramm ist die Belegungsdichte graphisch umgesetzt. MK Vergleichskurven Überlappung t-Wert Gleichlauf 2021 Quercus, Zug-Sumpf 299 14,1 78,3 1101 Quercus, Zürich-Mozartstrasse 320 14,1 75,6 59 Quercus, Zürich-Wollishofen Haumesser 263 12,3 73,4 3149* Quercus, Greifensee ZH-Böschen 230 10,4 75,2 2563 Quercus, Meilen ZH-Schellen 218 11,8 72,5 1113 Quercus, Sursee LU-Insel Gamma 248 9,4 74,2 287 Quercus, D/Unteruhldingen 1/PO61 209 9,7 73,7 209 Quercus, Auvernier NE-Nord 296 9,7 68,2 –1200 –1150 –1100 –1050 –1000 –950 –900 0 10 20 38623 775.24 K 38686 1467 B 38547 95 B 38682 1743 B 38579 451 B 38684 1746 B 38657 1292.9 B 38343 147 B 38490 ohne Nr. 38603 720.9 B 38683 1744 B 38355 476 B 38594 690 B 38341 1751 B 38589 618 B 38593 688 B 38615 775.1 B 38556 272.1 B 38571 432.3 B 38601 717.2 B 38342 1755 B 38394 928.8 B 38678 1698.2 B 38585 559 R 38658 1304.15 B 38354 267 B 38663 1449.14 B 38352 263 B 38685 1257. n 38357 500 B 38568 408 B 38350 388 B 38358 504 B 38345 176.1 B 38592 681 B 38347 297 B 38340 1747 B 38677 1651 B 38378 80 R 38649 1173.2 B –18 –28 –52 –10 –96 –67 –26 –67 –35 –54 –16 –52 –81 –45 –11 –41 –14 –40 –37 –39 –5 –38 –11 –31 –22 –31 –67 –25 –17 –25 –17 –22 –19 –22 –13 –17 –70 –17 –33 –16 –92 –10 –27 0 –18 –97 –56 –92 –80 –81 –70 –80 –34 –80 –75 –77 –29 –69 –16 –64 –6 –62 –39 –59 –7 –59 –13 –58 –83 –56 –37 –55 –96 –44 –79 –81 –73 –73 –25 –61 3.2.3. Die datierten Eschen und eine datierte Buche Die wenigen datierten Eschen fügen sich gut ins Gesamtbild ein (Abb. 179 und 180). Eine Ausnahme bildet ein Rundholz (Labornr. 38338), wo zwar keine Waldkante vermerkt ist, aber das Endjahr 1099 v. Chr. doch etwas früh ist. Das Mark liegt azentrisch im Stamm, und partiell ist die Probe auch verwachsen. Deshalb ist eine Beurteilung allenfalls fehlender äusserer Ringsequenzen nicht möglich. Es gibt allerdings in beinahe allen dendrochronologisch untersuchten spätbronzezeitlichen Fundstellen immer wieder isolierte ältere Daten, die als Altholz oder Bauteil in Sekundärverwendung interpretiert werden. Ein einziges Datum für eine Buche kann trotz ihrer 101 Ringe wegen des starken individuellen Wachstums nur als B-Korrelation gelten.145 3.2.4. Streuung von Endund Fälljahren Die Hölzer decken eine beträchtliche Zeitspanne von etwa 200 Jahren ab (1060–860 v. Chr. mit einer kleinen Lücke vor und um 900 v. Chr.). Die Daten sind nahezu deckungsgleich mit jenen von anderen, über längere Zeit besiedelten spätbronzezeitlichen Dorfarealen. Abb. 175 Steinhausen-Chollerpark, OS. Zusammenstellung der besten Korrelationslagen der Eichen-Mittelkurve 2510 (323 Werte, 1273–951 v. Chr., 105fach belegt) auf Referenzkurven aus verschiedenen Regionen. Extern erarbeitete Mittelkurven: MK 1113: Heinz Egger; MK 287: André Billamboz, Dendrolabor Hemmenhofen; MK 209: Heinz Egger (?). *MK noch nicht definitiv abgelegt. Abb. 176 Steinhausen-Chollerpark, OS. Balkendiagramm der Mittelkurve 2521 mit den datierten Weisstannen. In der rechten Spalte finden sich Labornr., Holznr. und Querschnittform. Zu den Abkürzungen siehe Abb. 37. Unter dem Balkendiagramm ist die Belegungsdichte graphisch umgesetzt. 175 176 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:10 Uhr Seite 127 Auch hier im oberen Schichtpaket (OS) vom Chollerpark liegen sämtliche Elemente in einer zufälligen Durchmischung beisammen. Die Endund Schlagjahre für die Schindeln streuen in gleicher Weise wie die Kernholzdaten der ringreichen eichenen Gabelhölzer. Es sind also keinerlei Regelhaftigkeiten zu erkennen, wie beispielsweise, dass sich bestimmte Datengruppen mit ausgewählten Schichten oder speziellen Bauholztypen zusammenbringen liessen. 3.2.5. Splintholzstatistik Für das obere Schichtpaket (OS) vom Chollerpark sind die beiden folgenden Hölzer mit Splintresten von grossem Interesse, weil sie in den Randbereichen der Datenspannen liegen: –Ein Kantholz (Holznr. 661.16, Labornr. 38591) ohne Mark mit 80 Werten, davon 4 Splintjahre, datiert auf das Jahr 1079 v. Chr., womit nach konventioneller Zählweise eine Datierung um 1063 v. Chr. sehr wahrscheinlich scheint. Die durchschnittliche Ringbreite der letzten neun Kernholzund des ersten Splintringes beträgt 0,497 mm. Daraus ergibt sich: 1σ(Wahrscheinlichkeit 66%): 17–27 Splintringe, 2σ(Wahrscheinlichkeit 95%): 13–32 Splintringe, Median: 22 Splintringe. Die Bandbreite an Möglichkeiten ist gross: Als frühestes Schlagdatum wäre im 2σ-Bereich 1070 v. Chr. möglich (Minimum: 13 Splintringe), es käme aber problemlos auch ein Fälldatum von 1051 v. Chr. in Betracht (bei max. 32 Splintringen), das im üblichen Spektrum läge. –Ein Brett (Holznr. 1021, Labornr. 38395) ohne Mark mit 115 Werten, davon 5 Splintjahre, datiert aufs Endjahr 958 v. Chr., damit scheint das Holz auf den ersten Blick deutlich nach 950 v. Chr. gefällt worden zu sein. Die durchschnittliche Ringbreite der letzten neun Kernholzund des ersten Splintringes beträgt 1,010 mm. Daraus ergibt sich: 1σ(Wahrscheinlichkeit 66%): 15–21 Splintringe, 2σ(Wahrscheinlichkeit 95%): 10–29 Splintringe, Median: 18 Splintringe. Leider ist ausgerechnet für Proben mit dieser durchschnittlichen Ringbreite die Bandbreite grösser als sonst. Im Extremfall käme ein Fälljahr von 934 v. Chr. in Frage (Maximum im 2σ-Bereich: 29 Splintringe), andererseits wäre es statistisch gesehen auch möglich, dass bloss noch fünf Ringe zur Waldkante fehlten, das Schlagjahr also 953 v. Chr. lauten würde. Und selbst bei einfacher Abweichung ist ein Datum von 948 v. Chr. immer noch sehr gut möglich. 3.2.6. Weitere Ergebnisse Von zwei unterschiedlich gut erhaltenen Brettern kann auf Grund der hohen rechnerischen und optischen Übereinstimmung davon ausgegangen werden, dass sie vom selben Baum stammen (Abb. 181). Dafür sprechen auch der identische Beginn der Jahrringe, der nur um ein Jahr differierende Splintanfang, die Fundlage nahe beisammen sowie formale Ähnlichkeiten. Beim einen Stück waren die Ansätze von Vierkantlöchern bzw. Gabelungen noch auszumachen (Taf. 31,187; Abb. 182 und 183), beim andern nicht mehr. Die Gegenüberstellung der beiden technischen Zeichnungen macht es jedoch wahrscheinlich, dass es sich ursprünglich um zwei sehr ähnliche Stücke gehandelt haben dürfte. 128 V. Das obere Schichtpaket Abb. 177 Steinhausen-Chollerpark, OS. Zusammenstellung der besten Korrelationslagen der Weisstannen-Mittelkurve 2521 (390 Werte, 1250–861 v. Chr., 40fach belegt) auf Referenzkurven. Extern erarbeitete Mittelkurven: MK 3060: André Billamboz, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Referat 27, Dendrolabor Hemmenhofen (D); MK 3101: Willy Tegel, Labor für Holzanalyse, Bohlingen (D). MK Vergleichskurven Überlappung t-Wert Gleichlauf 2603 Abies, Zug-Sumpf 240 10,0 79,6 3060 Abies, Hagnau-Burg D 106 7,3 76,4 3101 Abies, Auvernier NE-Nord 206 6,4 68,9 160 Quercus, Zürich-Grosser Hafner 283 7,3 66,1 1520 Quercus, Zug-Sumpf 231 6,8 64,9 Abb. 178 SteinhausenChollerpark, OS. Einseitig angekohlte Weisstannenschindel mit geglätteter Schnittfläche und gut erkennbarem Jahrringmuster. –1200 –1150 –1100 0 –14 – –42 –94 –36 Chollerpark_INH.qxp 20.10.2004 15:10 Uhr Seite 128 129 3. Datierung Abb. 180 SteinhausenChollerpark, OS. Zusammenstellung der besten Korrelationslagen der Eschen-Mittelkurve 2523 (240 Werte, 1214–975 v. Chr., 5fach belegt) auf Referenzkurven. *MK noch nicht definitiv abgelegt. MK Vergleichskurven Überlappung Signifikanz t-Wert Gleichlauf 1520 Quercus, Zug-Sumpf 195 999 5,6 63,1 2021 Quercus, Zug-Sumpf 239 999 4,6 58,6 2024 Fagus, Zug-Sumpf 141 999 4,1 65,2 3150* Fraxinus, Greifensee ZH-Böschen 172 975 4,1 58,7 –1100 –1050 –1000 38338 1718 R 38353 425 B 38337 258 V 38622 775.23 K 38617 775.5 B –99 –89 –59 –36 –81 –75 Abb. 179 SteinhausenChollerpark, OS. Balkendiagramm der Mittelkurve 2523 mit den datierten Eschen. In der rechten Spalte finden sich Labornr., Holznr. und Querschnittform. Zu den Abkürzungen siehe Abb. 37. Unter dem Balkendiagramm ist die Belegungsdichte graphisch umgesetzt. Abb. 181 SteinhausenChollerpark, OS. Beispiele von verschiedenen Hölzern mit hoher optischer und rechnerischer Übereinstimmung. Tabellarische Zusammenstellung (a) und Kurvenplot (b). 181a 38359 + 38583 38377 + 38397 –1050 –1040 –1030 –1020 –1010 –1000 –990 –980 –1050 –1040 –1030 –1020 –1010 –1000 181b FK Labornr. Holzart Überlappung Gleichlauf t-Wert Endjahre Typ Distanz 1611 + 1614 38359 + 38583 Eiche 74 85,1 16,4 –978/–980 B + B 1,2 m 66.2 + 1095 38377 + 38397 Eiche 53 81,1 13,3 –999/–995 B + B (?) Abb. 182 SteinhausenChollerpark, OS. Die beiden Bretter FK 1611+1614. a: Reinzeichnungen der technischen Skizzen (FK 1611 = Taf. 31,187). b: Rekonstruktion ihrer Lage im Stamm anhand der Jahrringverläufe. M. 1:20. 182a 182b 179 180 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:31 Uhr Seite 129 Die Bezeichnung «selber Baum» ist zwar üblich, aber nicht ganz korrekt (vgl. S. 98 und Anm. 104). Gemeint sind damit eigentlich nahe beisammen liegende Holzteile im selben Stammabschnitt (also auf derselben Höhe) im Baum (vgl. Abb. 182b). Weiter voneinander entfernte Holzproben aus demselben Baum liefern kaum derart hohe Übereinstimmungen (vgl. dazu auch Abb. 235). 4. Kleinfunde 4.1. Keramik Auf der gesamten Grabungsfläche (Abb. 184) wurde sehr wenig Keramik geborgen.146 87% aller Scherben stammen aus dem oberen Schichtpaket, nämlich 25 Rand-, 6 Bodenund 256 Wandscherben147 mit einem Gesamtgewicht von 3207g. Sie bilden bezüglich Brand und Magerung eine zusammengehörige Gruppe. Es handelt sich – soweit trotz der starken Fragmentierung bestimmbar – um Teile von einfachen konischen Schalen, bikonischen Töpfen und Halsgefässen (Schulterbecher und Zylinderhalsgefässe) mit Schrägrand, wie sie für das 11./10. Jahrhundert v. Chr. üblich sind (Abb. 185). Eine verzierte Schaleninnenseite weist eine furchenstichartige Verzierung auf, ein Schulterfragment besitzt kleine Dreieckstempel, und zwei Wandscherben tragen flächige Fingernageleindrücke. Die im Brand völlig ausgeglühte, sekundär verbrannte Keramik könnte unter Umständen sogar wassertransportiert worden sein – sie ist derart ausgeglüht, dass sie tatsächlich schwimmt. Für die gut erhaltenen Scherben ist ein Verlust am Ort eher wahrscheinlich. 4.2. Bronze Beim einzigen Bronzefund handelt es sich um eine Nadel (Taf. 54,402). Sie ist 11,4 cm lang, weist einen zylindrischen Kopf mit leicht profiliertem Abschluss und darunter eine deutliche Einschnürung des Schaftes auf. Kopf und oberer Schaft sind mit horizontal umlaufenden Linien verziert, als Abschluss folgt ein Fischgrätmuster. Es ist zwar kein häufiger, aber für die Spätbronzezeit durchaus bekannter Nadeltyp. Ähnliche Exemplare sind z. B. aus einigen Stadtzürcher Stationen belegt.148 Die Fundstelle der Nadel liegt ungefähr auf dem höchsten Punkt des Sandrückens, wo sich eine gut quadratmetergrosse Zone mit deutlich höherem Holzkohleanteil als in der Schicht sonst üblich fand (Abb. 186). Diese Holzkohle hob sich sowohl im Profil wie auch in der Fläche recht deutlich vom umgebenden Material ab. Es könnte sich um die Reste einer verschwemmten Feuerstelle handeln. 4.3. Paddel und Paddelschäfte Aus den oberen Schichten liegen total 27 Paddelblätter vor, dazu 14 weitere Teile von vermutlichen Paddelschäften (wovon einer zweifelsfrei zu einem der Paddelblätter 130 V. Das obere Schichtpaket Abb. 183 SteinhausenChollerpark, OS. Das etwas besser erhaltene Brett FK 1611 (Taf. 31,187). M. ca. 1:4. 146 Insgesamt über sämtliche Schichten nur 28 Rand-, 6 Bodenund 310 Wandscherben mit einem Gesamtgewicht von 3672 g. 147 Dabei nicht mitgezählt sind etliche nicht bestimmbare Keramikkrümel. 148 A. Mäder, Zürich-Alpenquai I: Die Metallfunde. Zürcher Archäologie, Heft 3. Zürich/Egg 2001, Taf. 2,23 (Plattenkopfnadel, SLM 25815); M. Graf, Die Nadeln der spätbronzezeitlichen Stationen Wollishofen-Haumesser und Zürich-Alpenquai. Unpubl. Seminararbeit, Universität Zürich, Abt. Urund Frühgeschichte. Zürich 1983, Taf. 7,24 (Nadel mit kolbenförmigem Kopf, SLM 133923), Taf. 7,25 (Nadel mit Spitzchen oder Zäpfchen auf dem Kopf, SLM 1356-60). Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:31 Uhr Seite 130 131 4. Kleinfunde N 226694 226686 226678 226670 226662 226654 226646 226638 226630 226622 226614 226606 679560 679565 679570 679575 679580 679585 679590 679595 679600 679605 679610 Abb. 184 SteinhausenChollerpark, OS. Angaben zur Fundlage aller Keramikscherben, der Knebel mit mittiger Einschnürung, der Paddelblätter und -schäfte sowie der Bronzenadel. M. 1:500. Legende: Keramikscherbe Knebel Paddelblätter und -schäfte Bronzenadel Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:31 Uhr Seite 131 132 V. Das obere Schichtpaket Abb. 185 Steinhausen-Chollerpark, OS. Zusammenstellung aller aussagekräftigen Keramikscherben: Fragmente von spätbronzezeitlichen Schalen (a–c), Töpfen (d–k), Halsgefässen (l–n) und nicht näher bestimmbaren Böden (o–q). M. 1:2. ab c d ef g hi k l mn op q Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 132 gehört). Wie im unteren Schichtpaket dürften auch hier nicht alle Schaftreste als solche erkannt worden sein, so dass die ursprüngliche Zahl wohl höher gelegen haben wird. Wegen der Fülle an fragmentierten Weisstannenschindeln, die bereits während der Grabung ausgeschieden worden sind, könnte die Dunkelziffer gar noch höher liegen als in den darunter liegenden Schichten (US). Paddelblätter und -schäfte sind mit wenigen Ausnahmen aus Weisstanne gefertigt worden. Die Ausnahmen bilden vier Eichenblätter und ein Eschenblatt sowie zwei Eichenstiele und ein Eschenstiel. Möglicherweise könnte der eine oder andere Stiel auch als Holm gedient haben. Ein rundum erodiertes, aber ansonsten intakt scheinendes Exemplar ist etwa 150 cm lang (Taf. 50,363). Die Blattformen sind eher lang und schmal, es gibt aber auch kurze und eher gedrungen wirkende Formen. Bei einigen Exemplaren stellt sich auf Grund der langrechteckigen Schaftquerschnitte die Frage, wie bequem deren Handhabung war, da runde Griffe sicher angenehmer zu benutzen waren. Ob es sich bei diesen Exemplaren mit langrechteckigen Querschnitten um umgearbeitete Schindeln handeln könnte, muss offen bleiben. Ein einziges Paddel (Taf. 48,337) könnte am unteren Ende ein ehemaliges ausgebrochenes Schindelloch aufweisen. Breite und Distanz zum Ende sprächen für eine solche Annahme, es lassen sich aber keine klaren Bearbeitungsspuren erkennen, so dass auch eine zufällige natürliche Störung die Ursache dafür sein könnte. 4.4. «Knebel» mit mittiger Einschnürung Eine in Seeufersiedlungen bislang noch nie entdeckte, hier aber mit 21 Exemplaren gut vertretene Fundgattung (Taf. 52,377– 53,396; Abb. 187)149 lässt sich wie folgt beschreiben: Es handelt sich um einfache, meist etwa 30 cm lange gedrungene und an beiden Enden zugerichtete, im Schnitt mehrseitig facettierte oder rund belassene Hölzer aus Weisstanne. In der Mitte ist jeweils eine Kerbung der Ecken oder eine umlaufende Einschnürung angebracht worden. Sehr plausibel erscheint eine Verwendung als einfache Handgriffe, an denen z. B. eine Schnur oder ein Seil angebracht war, um Lasten zu ziehen.150 4.5. Holzgefässe Im Fundmaterial des oberen Schichtpakets gibt es eine grosse, innen leicht angekohlte Holzschale (Taf. 54,397), dazu zwei sorgfältig gearbeitete deckelähnliche Gegenstände mit einem umlaufenden Absatz an der Innenseite (Taf. 54,399.401; Abb. 188). Beide Stücke haben einen abgesetzten Abschluss (eine Art Scharnier), das eine ist mit einer rautenförmigen Erhebung verziert. Eine weitere runde Holzscheibe mit zentraler Lochung aus Esche (Taf. 55,406) könnte ebenfalls als einfacher Deckel interpretiert werden. 4.6. Weitere Gegenstände aus organischem Material Es sind nicht viele, aber sehr verschiedene weitere Gegenstände aus dem oberen Schichtpaket belegt: Zugespitzte stabartige Hölzer, Kellenfragmente mit sorgfältiger Oberflächenüberarbeitung, Teile von möglichen Holmen oder Schäften, ein Netzschwimmer aus Pappelrinde, Birkenrindenröllchen, ein Holzmesser, ein dünnes und doppelt gelochtes Plättchen sowie einige weitere Stücke, bei denen nicht zu entscheiden ist, ob es sich um eine intentionale oder natürliche Formgebung handelt. 149 Ein Stück ist verschollen, weshalb auf den Tafeln nur 20 Exemplare abgebildet sind. 150 Mitt. von Johannes Weiss, dessen Vater noch solche Knebel zum beschriebenen Zweck hergestellt und verwendet haben soll. 133 4. Kleinfunde Abb. 186 SteinhausenChollerpark, OS. Auffällige, aber bloss sehr lokale Strukturen: Holzkohlekonzentration (Pos. 32, «Feuerstelle», Fundort der Bronzenadel) und gelbliches, nicht näher bestimmtes Material (Pos. 34) in der Fläche von Feld 12/84. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 133 4.7. Botanische Makroreste und auffälliges Holzmaterial Bei einigen sonderbar geformten und deshalb geborgenen Holzstücken (Abb. 189) handelte es sich bei genauerem Hinsehen in den meisten Fällen um natürlich entstandene Phänomene wie beispielsweise Spechtlöcher (Abb. 191), stark verdrehte Wurzeln, Rinden oder Astwerk von Fichten. An Letzterem belegen ein paar wenige Schnittspuren das Entasten von Fichtenstämmen. Die Krümmung der Äste scheint in den meisten Fällen natürlich zu sein, echte Bindungen sind eher auszuschliessen. Bei den insgesamt sieben geborgenen Baumpilzen handelt es sich, soweit bestimmbar, um Exemplare des echten Zunderschwammes (Abb. 190).151 In einem Fall sind Schlagmarken erkennbar, die vom Ablösen des Pilzes von ihrem Wirt (meist Buche oder Birke) mit einer Axt stammen und infolgedessen für ein gezieltes Einsammeln sprechen. An allen übrigen Exemplaren sind keine solchen Spuren erkennbar. 4.8. Sonstige Reste Hier sind bloss zwei kalzinierte, nicht näher bestimmbare Kleinstfragmente von Knochen zu nennen. 5. Der Vergleich mit den Bauhölzern von Zug-Sumpf 5.1. Einführung Die Fundstelle von Zug-Sumpf ist eine der am besten untersuchten spätbronzezeitlichen Seeufersiedlungen der Schweiz.152 Sie befindet sich ganz in der Nähe von Steinhausen-Chollerpark, nämlich nur etwa 600 m südwestlich, ebenfalls im heute verlandeten Feuchtgebiet am Nordende des Zugersees und vermutlich an derselben Bucht. Das Siedlungsareal lag damals auf einer nach Osten in den See vorspringenden Landzunge. Die organischen Ablagerungen der beiden Hauptfundschichten waren mit regellos herumliegendem Bauholz von den Oberbauten durchsetzt. Auf Grund der vielen noch in situ befindlichen Konstruktionselemente liessen sich in beiden Siedlungshorizonten mehrere Hausgrundrisse lokalisieren. 134 V. Das obere Schichtpaket Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 134 Die ältere Kulturschicht beinhaltet sicher mehrere Phasen, darunter auch einen Wiederaufbau nach einem Siedlungsbrand. Die Phasen werden baulich durch Pfahlschuhe, Pfähle und vereinzelte Schwellbalken repräsentiert. Letztere gehören, weil sie stets an der Schichtbasis angetroffen wurden, sicher zur ältesten Siedlungsphase. Nach einer sehr gründlichen Auseinandersetzung mit den Bauhölzern von ZugSumpf konnte Seifert für die ältere Schicht Fälldaten von 1056 v. Chr. bis 963 v. Chr. ausmachen. Weil wegen der Erosion an den obersten Hölzern bei den Erlenpfahlschuhen die äussersten Ringe fehlten, postulierte er einen Fortbestand der Siedlung bis etwa 940 v. Chr. (jüngstes Endjahr an einer Erle 944 v. Chr.). Die Datierung erfolgte über Eiche und Esche (dies vor allem für das 11. Jahrhundert v. Chr.) sowie über Erle (für das 10. Jahrhundert v. Chr.). Mit den verschiedenen aufgebauten Nadelholzkurven gelangen keine Synchronisationen. Wegen eines Seespiegelanstieges musste die Siedlung verlassen werden. Auch die jüngere Siedlungsschicht enthielt wenigstens einen Dorfbrand. Anstelle der im unteren Schichtpaket üblichen Pfahlschuhkonstruktionen wurden hier Hausgrundrisse in Blockbautechnik erfasst153, zwischen denen sich nur noch vereinzelte Fundationsplatten fassen liessen. Das Holzartenspektrum war etwa dasselbe wie bei der Vorgängersiedlung: Erle war dominant, Eichen und Eschen wurden hier weniger verwendet. Auch das Ende dieser Siedlung dürfte durch ein Ansteigen des Sees verursacht worden sein. Die jüngere Schicht blieb dendrochronologisch undatiert. 5.2. Typologische Parallelen Bei Komplexen wie jenem im Chollerpark spielt der Vergleich mit Bauteilen bekannter Verwendung eine grosse Rolle. Bei fehlenden Parallelen ist es schwierig bis unmöglich, den vielen bearbeiteten, oft noch fragmentierten Holzobjekten eine Funktion zuzuweisen. Ein Vergleich mit den bearbeiteten Hölzern von Zug-Sumpf wird dadurch erschwert, dass von dort leider keine präzisen Zeichnungen vorliegen.154 Für alle von Seifert155 angefertigten Umzeichnungen lassen sich identische oder zumindest ähnliche Stücke im Fundbestand vom Chollerpark finden, nur dass hier das Spektrum ungleich grösser ist (Abb. 192). Am augenfälligsten sind die zahl151 Werner H. Schoch, Labor für Quartäre Hölzer, Langnau am Albis, Analysebericht vom 24. August 2000. 152 Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von ZugSumpf. M. Seifert/St. Jacomet/S. Karg/J. Schibler/M. Veszeli/B. Kaufmann, Band 1: Die Dorfgeschichte. Zug 1996; M. Seifert/M. Wunderli, Band 2: Die Funde der Grabungen 1952–1954. Zug 1997; I. Bauer/B. Ruckstuhl/J. Speck, Band 3: Die Funde der Grabungen 1923–37. Zug 2004. 153 Blockhölzer wurden in Zug-Sumpf vereinzelt auch in der älteren Schicht angetroffen: Seifert 1996, 73 f. (Abb. 83,6.10.17). 154 Seifert 1996, 73. 155 Seifert 1996, 73 (Abb. 83), 77 (Abb. 92), 137 (Abb. 166). 135 5. Vergleich mit den Bauhölzern von Zug-Sumpf Abb. 187 (S. 134) Steinhausen-Chollerpark, OS. Charakteristische Beispiele für unterschiedlich ausgestaltete «Knebel» mit mittiger Einschnürung. M. ca. 1:6. Abb. 188 SteinhausenChollerpark, OS. a: Holzdeckel mit scharnierähnlichem Abschluss und rautenförmiger Verzierung auf der Oberseite in situ (Feld 1). b: Blick auf die Unterseite mit sauber herausgearbeitetem Absatz (Taf. 54,401). ab Abb. 189 SteinhausenChollerpark, OS. Objekt unbekannter Funktion. Zufälliges Erosionsprodukt oder bewusste Formgebung? M. ca. 1:2. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 135 Da mit den spätbronzezeitlichen Holzablagerungen gleichzeitige Pfähle am Fundplatz fehlen, kann das geborgene Siedlungsbauholz kaum von Konstruktionen vor Ort stammen. Es wird – in Anbetracht des grossen Volumens – auch kaum durch die damalige Bevölkerung hierher transportiert worden sein. Es ist somit auch für das obere Schichtpaket (OS) sehr wahrscheinlich, dass der See das Holz an diese Stelle verfrachtet und hier abgelagert hat. Nicht ganz auszuschliessen ist natürlich, dass auch die Lorze einen kleinen Anteil am Eintrag gehabt haben könnte. Es ist zu beachten, dass die Dendrodaten der oberen Schicht nicht die Schicht selbst datieren, sondern nur das Alter der eingelagerten Hölzer. Das Gelände scheint zudem «begangen» worden zu sein: Nicht oxidierte Behauflächen an ansonsten flächig oxidierten Hölzern weisen darauf hin, dass das Areal im Gegensatz zur Mittelbronzezeit sporadisch aufgesucht worden ist, vielleicht um noch brauchbare (und praktischerweise bereits zugerichtete) Holzteile am Ort abzulängen. Weniges davon wurde nachweislich sogar sekundär am Platz verwendet (vgl. Abb. 218). Womöglich sind auch die Bronzenadel bei der Feuerstelle (?), die wenigen Keramikscherben und die faustgrossen herumliegenden Steine weitere, allerdings nicht sehr eindeutige Indizien dafür, dass diese Uferzone vor, während und nach der Anschwemmung des Holzes sporadisch besucht wurde. Von welcher Seite man es auch betrachtet, es bleibt stets ein sehr starker Bezug zu Zug-Sumpf bestehen: Dasselbe Kulturpflanzenspektrum, die typologische Verwandtschaft von Bauhölzern, die nahezu deckungsgleichen Schlagphasen und die ausserordentlich guten Korrelationen zwischen den Hölzern – alles zusammen genommen führt zur These, dass man mit dem angeschwemmten Holz vom Chollerpark eigentlich Material von Zug-Sumpf vor sich hat. Natürlich hat diese Vorstellung ihren besonderen Reiz, allerdings gibt es auch ein paar Argumente und Überlegungen, die gegen dieses Modell sprechen: Dass sich die Dendrodaten in beinahe schon frappierender Weise decken, muss nicht erstaunen, weil die am See identisch hohen Wasserstände eine Bautätigkeit im Uferbereich entweder erlaubten oder eben nicht zuliessen. Es konnte trotz Messung und Vergleich der vielen radialen WeisstannenSpältlinge kein einziger Fall dokumentiert werden, bei dem die Korrelationsgüte derart hoch gewesen wäre, dass über die beiden Fundstellen hinweg Bauhölzer aus demselben Baum (Stammabschnitt) absolut sicher hätten nachgewiesen werden können. Es handelt sich aber sicher um Holz aus demselben Waldgebiet, über das eine Siedelgemeinschaft (jene vom Sumpf?) die Kontrolle hatte. Dass man sich also im Einflussund Nutzungsgebiet dieser bedeutenden Ansiedlung befindet, steht ausser Frage. Allerdings kann es sich beim Fundgut ebenso um die Reste einer nicht autarken «Aussenstelle» handeln (wie bereits bei der Diskussion des älteren, darunter liegenden Schichtpakets erörtert, vgl. Kap. IV.6, S. 104 f.), quasi um einen Ableger der Sumpf-Gemeinschaft, die ihr Wirtschaftsterritorium mit einem Netz ganz unterschiedlicher dezentraler und wirtschaftsspezifischer, saisonaler Anlagen überzogen hatte, die nun in den Baugruben der Steinhausener Industriezone nach und nach zutage treten. Es ist womöglich kein Zufall, dass im Chollerpark – für Seeufersiedlungen ganz untypisch – derart viele Paddel(fragmente) sowie – als bisher unbekanntes Gerät – die Knebel mit mittiger Einschnürung vorkommen. 7. Das spätbronzezeitliche Bauholzspektrum: Analogien und Ergänzungen zum Zuger Material Die bisher publizierten, reichlich mit Bauholz versehenen Fundstellen verleiten vielleicht zur Annahme, dass damit doch das Wesentliche erfasst sei, was der spätbronzezeitliche Hausbau zu bieten habe. Dabei wird allerdings ausser Acht gelassen, dass es eine nicht unerhebliche Zahl von nur punktuell untersuchten Fundplätzen gibt, die noch unzureichend veröffentlichte oder gänzlich unpublizierte Bauhölzer enthalten. Diese Bauteile bestätigen nicht bloss bereits Bekanntes, sondern vermögen vielmehr das Spektrum um interessante und neuartige Elemente zu erweitern, die nachfolgend vorgestellt werden sollen. 7.1. Pfähle, Pfosten und Ständer 7.1.1. Pfähle Selbst auf den ersten Blick «normale» Pfähle können unter Umständen überraschende Spurenbilder liefern. So sind an den gänzlich 142 V. Das obere Schichtpaket Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 142 143 7. Spätbronzezeitliches Bauholzspektrum Abb. 200 Hitzkirch LUMoos. Zwei Eichenpfosten mit stumpfem Ende und Kerbung. a, b: Umzeichnungen von Labornr. 11709 und 11710. c, d: Details der zweiseitig herausgearbeiteten Kerben. Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. M. 1:10 (a, b). ab c d Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 143 freigelegten Pfählen in Cortaillod NE-Est umlaufende Kerben und Schwalbenschwanznuten entdeckt worden.175 Vereinzelt ist dies auch an Pfählen bei der Roseninsel im Starnberger See176 (Bayern, D), in Unteruhldingen am Bodensee (Baden-Württemberg, D) und in Greifensee ZH-Böschen177 beobachtet worden. In Greifensee wiesen einzelne Pfahlspitzen sogar ein sorgfältig gearbeitetes zungenförmiges Ende mit Durchlochung auf (Sekundärverwendung?). Hätte man sie nicht bis zum unteren Ende ausgegraben, wären sie als ganz normale Pfähle dokumentiert worden. Es sind insgesamt zwar noch wenig Belege für Bearbeitungen im Pfahlspitzenbereich vorhanden, es ist aber jetzt schon klar, dass künftig bei Grabungen diesen sogenannten «normalen» Pfählen öfters «auf den Grund» gegangen werden muss. 7.1.2. Echte Pfosten Im Gegensatz zu den üblicherweise in den Seegrund getriebenen Ständern (meist: Ständer als Pfähle mit Absatz in einem Pfahlschuh) gibt es einige ganz wenige Belege für echte (gesetzte?) Pfosten: Dieser Typus konnte bislang erst in zwei Fundstellen dokumentiert werden, nämlich in Hitzkirch LU-Moos mit zwei (Abb. 200) und in Zürich/Rb-Grosser Hafner mit drei Belegen (Abb. 201). Es handelt sich um Hölzer mit eher grossem Querschnitt (bis 25 cm) und stumpfem oder nur leicht angeschrägtem Ende. Allen ist zudem eigen, dass sie etwa 70–80 cm über diesem unteren Abschluss eine deutliche Kerbung aufweisen. Am Baldeggersee lassen sich leider keine weiteren Informationen beibringen.178 Auf dem Grossen Hafner hingegen konnte die Anordnung dieser Pfosten beobachtet werden – und sie ist bemerkenswert: Die drei Hölzer standen nämlich in einer Linie, in Abständen von ungefähr 2,5 m (Abb. 202). Obwohl es sich bei der Tauchaktion bloss um eine Aufnahme der Seegrundoberfläche handelte179, darf angenommen werden, dass sowohl in Verlängerung wie auch beidseits der dokumentierten Struktur keine weiteren ähnlichen Hölzer vorhanden gewesen sind. Der Befund ist auch deshalb von besonderem Interesse, weil das Endjahr des einen A-datierten Pfostens auf eine Bauzeit hindeutet, zu der nach aktuellem Forschungsstand eigentlich die Wiederbesiedlung der Seeufer noch nicht begonnen hatte. Diese dürfte je nach See irgendwo um 1055 v. Chr. oder sogar ein wenig später anzusetzen sein. Das fragliche Holz datiert indessen von 1090 v. Chr. und weist vier Splintringe auf.180 Es wurde gemäss Splintholzstatistik mit 95% Wahrscheinlichkeit in der Zeit zwischen 1087 v. Chr. und 1070 v. Chr. geschlagen. Unklar ist der Nutzen der Kerbung. Ihre geringe Distanz zum Ende lässt annehmen, dass sie kaum über das damalige Bauniveau geragt haben kann. Vielleicht wurden, als Alternative zur Pfahlschuh-Bauweise, Stangen an den Pfosten angebunden, wobei in unseren Fällen die Kerbung ein Verrutschen der (unterdessen verloren gegangenen) Bindung verhindern sollte. Eine schlüssige Interpretation ist aber sicher noch verfrüht. Fest steht einzig, dass die überlieferten Beobachtungen – grosser Querschnitt, stumpfes Ende, Kerbung, weite Abstände – an eine besondere Bauweise denken lassen. Es ist auch bemerkenswert, dass sich diese auffällige Struktur auf dem Grossen Hafner etwa im Zentrum der ehemaligen Insel (und Siedlung?) befand, unweit von jener Stelle, wo in römischer Zeit ein kleiner römischer Rundtempel errichtet worden war.181 7.1.3. Mächtige Ständer ohne Pfahlschuhe Bei zahlreichen Tauchuntersuchungen konnten zwar in verschiedenen spätbronzezeitlichen Fundstellen immer wieder mächtige, oft mehrseitig bearbeitete Pfahlquerschnitte am Seegrund ausgemacht werden. Ohne eine vollständige Freilegung lässt sich aber nicht entscheiden, worum es sich dabei genau handelt. In den allermeisten Fällen sind es sicher die Oberteile von in einsedimentierten Pfahlschuhen steckenden Ständern. Fallweise ist damit zu rechnen, dass es sich um sogenannte «Lochpfähle» handeln könnte. 7.1.4. Lochpfähle Der Typ des gelochten Pfahles, der dann auf ganz unterschiedliche Weise mit liegenden Hölzern in Verbindung gebracht wird, um ein Einsinken zu verhindern, ist in nordwie südalpinen Feuchtbodenfundstellen zwar nicht eben häufig belegt, aber bekannt. Liegt allerdings das Erosionsniveau – und dies ist in den Zentralund Ostschweizer Seen sehr oft der Fall – bereits unter der Lochung, ist der entsprechende Nachweis schwierig. In Bodman-Schachen (D) wurde durch die Durchlochung eine Stange (ein «Prügel») gesteckt, und dieser «Prügel» war wiederum mit zwei weiteren parallel verlegten Stangen unterlegt. Das ganze wurde mit Clematis 144 V. Das obere Schichtpaket Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:32 Uhr Seite 144 175 Arnold 1990, 110 ff. 176 Fischer 1998, Abb. 8 (Kat. 1). 177 Eberschweiler 1990a, 195 (Abb. 5). 178 Die Hölzer wurden durch Taucher der GSU (Gesellschaft für Schweizer Unterwasser-Archäologie) im Jahr 1980 geborgen. Eine Dokumentation dazu (ausser Fotos und zeichnerischen Skizzen) gibt es nicht. Die beiden Objekte datieren 1062 v. Chr. (Labornr. 11710, Kernholzdatum) und 1049 v. Chr. (Labornr. 11709, Waldkanten-Datum). 179 Tauchaktion Winter 2001/02. Eigentlich ging es um die Dokumentation einer Fläche mit Resten von Pfahlspitzen und Pfostenlochverfärbungen eines römischen Rundtempels. 180 Labornr. 61716. Durchschnittliche Ringbreite der letzten neun Kernholzringe und des ersten Splintringes 0,751 mm. 181 JbSGUF 85, 2002, 335 f.: Fundberichte 2001, Römische Zeit: Zürich ZH, Riesbach, Grosser Hafner. 145 7. Spätbronzezeitliches Bauholzspektrum Abb. 201 Zürich/RbGrosser Hafner. Drei Eichenpfosten (a–c) mit stumpfem Ende und unterschiedlich ausgearbeiteter Kerbung. Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. M. 1:10. a b c Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 145 zusammengeschnürt.182 Im Prinzip handelt es sich um eine Abwandlung der Pfahlschuhkonstruktion, wobei als grosser Vorteil dafür nicht derart dicke Bäume benötigt werden: Zwar muss der Pfahl selber etwas grösser sein als die in Pfahlschuhen steckenden Ständer, die dünne Stange lässt sich aber mit weniger Aufwand beibringen als das Holz für eine Fundationsplatte (Abb. 204). Versuche müssten zeigen, inwieweit auch statische Unterschiede bestehen. Dieser gelochte Ständertyp ist in der Zentralund Ostschweiz erst zweimal nachgewiesen, nämlich am obersten Zürichsee in den bronzezeitlichen Verkehrswegen von Freienbach SZ-Hurden Rosshorn (Abb. 203) und am linken Zürichseeufer in der spätbronzezeitlichen Fundstelle von Horgen ZHScheller (Abb. 204). Weil in Horgen eine grössere zusammenhängende Fläche untersucht werden konnte, lassen sich auch die dokumentierten Baubefunde im Ansatz verstehen. Interessant ist, dass Pfähle in Pfahlschuhen einerseits und die Ständer mit Vierkantloch und durchgesteckter Stange andererseits alternierend in Reihen liegen (Abb. 205).183 Wieso diese Form gewählt wurde, ist unklar. Die Verteilung zeigt aber deutlich, dass die beiden Konstruktionsweisen gleichwertig sind und demselben Zweck dienten. Wie schon bei den sonderbaren Konstruktionen von Zürich/Rb-Grosser Hafner fällt auch hier eine tendenzielle Frühdatierung um/ kurz vor 1060 v. Chr. auf, die sich an drei verschiedenen Bauelementen auf Grund der erhaltenen Splintreste erahnen lässt.184 An den meisten Seen des Untersuchungsgebietes sind die spätbronzezeitlichen Schichten bekanntlich oft schon wegerodiert. Erhalten haben sich allenfalls noch die Dorne der Pfähle in Pfahlschuhen, erkennbar an ihren viereckigen Querschnitten, und viele weitere indifferente Pfahlspitzen. Wenn das Vierkantloch wegerodiert ist oder die Stange fehlt, lässt sich dieser Bautypus nicht (mehr) ohne weiteres erkennen (Abb. 206). 7.2. Pfahlschuhund Schwellenkonstruktionen 7.2.1. Vorbemerkungen Pfahlschuhe, also rechteckige Holzplatten (kurze Bohlen) mit einem zentralen Loch zur Aufnahme eines Pfahles, werden als das typische spätbronzezeitliche Bauelement an den Seen der Zentralund Ostschweiz schlechthin betrachtet.185 Die in den Schuhen steckenden Pfähle sitzen mit ihrem Absatz (mit ihrer Rast) auf den Platten auf. Dadurch soll das Einsinken der tragenden Konstruktion in den weichen Baugrund verhindert werden, indem das Gewicht durch die Platte auf eine grössere Fläche verteilt wird. Pfahlschuhe werden durch Spaltung aus zuvor auf die erforderliche Grösse abgelängten Stammabschnitten 146 V. Das obere Schichtpaket Abb. 202 Zürich/RbGrosser Hafner. Zeichnerische Rekonstruktion des Befundes. Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 146 182 Köninger 1993, 43. Aus Fiavè (Trentino, I) liegt ein sehr verwandtes Prinzip vor, wenn auch in viel grösserem Massstab. 183 B. Eberschweiler, Bronzezeitliche Besiedlung. In: Ch. Achour-Uster/U. Eberli et al., Die Seeufersiedlungen in Horgen. Die neolithischen und bronzezeitlichen Fundstellen Dampfschiffsteg und Scheller. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 36. Zürich/Egg 2002, 216–223 (bes. Abb. 228 mit der Flächenaufnahme, Abb. 239 mit dem Balkendiagramm der spätbronzezeitlichen Dendrodaten. 184 Lochpfahl 141 (Labornr. 27516), datiert 1078 v. Chr. mit 7 Splintringen (Mittelwert der 10 relevanten Ringe 0,705), allerspätestes Fälldatum (2σ) 1057 v. Chr.; Pfahlschuh 191 (Labornr. 27522), datiert 1069 v. Chr. mit 5 Splintringen (Mittelwert 1,630), allerspätestes Fälldatum (2σ) 1052 v. Chr.; Pfahl zu Pfahlschuh 45 (Labornr. 2296), datiert 1085 v. Chr. mit 5 Splintringen (Mittelwert 0,809), allerspätestes Fälldatum (2σ) 1062 v. Chr. 185 Erste Pfahlschuhe gibt es bereits im Neolithikum. Es handelt sich in der Zentralund Ostschweiz zur Zeit um Einzelphänomene, eine zusammen gehörende Struktur wie aus Hornstaad am Bodensee (D) ist noch nicht gefunden worden. Der älteste Beleg stammt aus Stäfa ZH-Uerikon Im Länder, Sondierungen 1973. Ein pfynzeitlicher Pfahlschuh ohne Holzartenbestimmung, Masse 50 cm × 13 cm, mit einem ebenfalls nicht artbestimmten Nichteichen-Pfahl. Ein weiterer pfynzeitlicher Pfahlschuh stammt aus Männedorf ZH-Strandbad, besteht aus Esche und misst etwa 48 cm ×17 cm × 4,8 cm. Im Loch (9,5 cm × 8 cm) steckte noch eine rundum bearbeitete Pfahlspitze aus Erle. Von Meilen ZH-Feldmeilen Vorderfeld schliesslich ist noch ein horgenzeitlicher Weichholz-Pfahlschuh mit einer Grösse von 50 cm × 16 cm dokumentiert. Im mit 15 cm × 6,5 cm recht grossen Loch steckte eine runde Eiche (r = 3,5 cm). Aufnahme anlässlich eines Kontrolltauchganges 1996. Aus schnurkeramischem Zusammenhang sind (vorderhand) keine Platten bekannt. Sämtliche Unterlagen befinden sich im Archiv BAZ, Unterwasserarchäologie. 147 7. Spätbronzezeitliches Bauholzspektrum Abb. 203 Freienbach SZ-Hurden Rosshorn, Beispiele von Lochpfählen. a: Situation am Seegrund mit Lochpfahl und teilweise noch einsedimentierter eingeschobener Stange. b–c: Beispiele von stark erodierten Lochpfahlköpfen. Mittelbronzezeit, 15. Jh. v. Chr. M. ca. 1:3 (b, c). b a c Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 147 gewonnen.186 Dieselbe Funktion haben auch viele Schwellen, die für die Aufnahme von mehreren Ständern ausgelegt und damit entsprechend länger sind. Beobachtungen in verschiedenen Fundstellen zeigen indes, dass es nicht immer gelang, das Einsinken der Konstruktion gänzlich zu vermeiden. 7.2.2. Pfahlschuhe Die frühbronzezeitlichen Fundationsplatten sind bezüglich Holzartenauswahl, Massen und Querschnittform stärker normiert gewesen als ihre spätbronzezeitlichen Nachfolger. Es handelt sich sehr oft um Hälblinge (echte Flecklinge) oder Seitenbretter, also die jeweils äusseren Stammbereiche von Erlenstämmen.187 Die spätbronzezeitlichen Exemplare sind tendenziell etwas länger und sind auch deutlich seltener halbrunde Spaltprodukte eines Stammes. Ihre Längen und Breiten sind variabler als noch in der Frühbronzezeit. Selbst im selben Hausgrundriss oder in derselben Bauflucht sind ganz unterschiedlich dimensionierte Exemplare platziert worden. In Zug-Sumpf beispielsweise sind eine ganze Anzahl von nahezu quadratischen Pfahlschuhen belegt. Im Dorf am Greifensee dagegen entsprechen die Pfahlschuhe beinahe durchweg einem Mass von etwa 60–80 cm Länge und gut 30 cm Breite.188 Aus Horgen ZHScheller liegt eine grosse Anzahl sehr schlanker Pfahlschuhe vor, was dort vielleicht damit zusammenhängt, dass sie mit den Lochpfählen kombiniert wurden.189 In der Regel wurde die Eiche bevorzugt, aber das Spektrum ist oft schon von Siedlungsbeginn an breiter, eine derart konsequente Konzentration wie in Zug-Sumpf ältere Schicht oben mit seiner Erlendominanz (als Folge einer völligen Erschöpfung der anderen Holzarten?) lässt sich selten ausmachen. Die Ausrichtung der Schuhe ist – soweit beobachtet – ohne Regel und ohne Bedeutung, und selbst Überlappungen müssen nicht unbedingt heissen, dass man damit zwei verschiedene Bauphasen fasst. Die Unterschnitte der Pfähle, also die Ausarbeitung des Absatzes (Auflagefläche auf der Platte, Beginn des Pfahldornes) ist ebenfalls variantenreicher als in der Frühbronzezeit: Neben einoder zweiseitig bis rundum gearbeiteten Unterschnitten gibt es auch Belege für eine Art umlaufende oder zumindest zweiseitige Facettierung, um den Pfahl in seinen Schuh einzupassen.190 Sie sind, wenn man eine grössere Anzahl von Pfahlschuh148 V. Das obere Schichtpaket Abb. 204 Horgen ZHScheller. Umzeichnung zweier spätbronzezeitlicher Lochpfähle mit demselben Konstruktionsprinzip wie in Abb. 203. Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. M. 1:15. ab Abb. 205 Horgen ZHScheller. Alternierende Abfolge von Lochpfählen und Pfahlschuhen in einer Bauflucht. Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 148 konstruktionen innerhalb einer Siedlung betrachten kann, mal recht häufig vertreten (Zürich/En-Alpenquai), mal beinahe inexistent (Greifensee ZH-Böschen). Es lassen sich keine Gesetzmässigkeiten erkennen. Ganz wenige Pfähle sind so weit erhalten, dass sich Aussagen zum Aussehen des aufgehenden Oberteils machen lassen (Abb. 207). Ein Exemplar von Greifensee ZH-Böschen weist 1,2 m über dem Absatz ein Viereckloch auf. Ein bereits herausgezogener und am Seegrund liegender (vermutlich bronzezeitlicher) Pfahl von Freienbach SZ-Hurden Rosshorn weist auf einer Höhe von ungefähr einem Meter eine schön gearbeitete Gabelung auf. Von Zürich/Rb-Grosser Hafner sind stark erodierte Exemplare belegt, die noch mehr als einen Meter über den Pfahlschuh erhalten sind, aber keinerlei Bearbeitung erkennen lassen. Von Zürich/En-Alpenquai schliesslich ist ein Stück mit kurzem Dorn und auch kurzem Oberteil belegt, denn das Ende oben ist zweifelsfrei flächig abgearbeitet worden. Im Gegensatz zur Frühbronzezeit wurden keine unförmigen Füllhölzer, sondern konisch zulaufende Keile verwendet, um dem Pfahl im Pfahlschuh einen festen Sitz zu geben. 7.2.3. Schwellen Haussubstruktionen mit Schwellenrahmen bzw. Schwellen in Kombination mit anderen Bauelementen sind in spätbronzezeitlichem Zusammenhang mehrfach belegt. Vollständig publiziert sind die verschiedenen Hausfundamente von Ürschhausen TG-Horn191 mit unterschiedlichen Typen von Schwellbalkenrahmen. Das Gleiche gilt für die Häuser der ältesten Siedlungsphase in Feld B von Zug-Sumpf mit zwei Grössenklassen von Schwellen (um 5,8 m und um 2,5–3 m)192 sowie einzelne Hausgrundrisse in Greifensee ZH-Böschen193. Dort gibt es Schwellen in ganz verschiedenen Kontexten: Längere Exemplare fanden für den Rahmenunterbau Verwendung, kürzere Schwellen standen im Blockgeviert und dienten dort anstelle von Pfahlschuhen zur Aufnahme der Firstständer, und schliesslich gab es noch jene ganz kurzen Schwellen (oder überlangen Pfahlschuhe) unter den Ecken der Blockgevierte. In diesem Fall dienten sie als Fundamentierung und zur Fixierung der Eckverbindungen von konventionellen Blockrahmen. Diese sehr unterschiedlichen Beispiele vom Greifensee zeigen deutlich, dass ohne Informationen zum Aufgehenden eine Interpretation zur Funktion dieses sehr variantenreichen Bautypus kaum möglich ist. Schwellen konnten auch in anderen spätbronzezeitlichen Fundorten dokumentiert werden. Von Zürich/Rb-Grosser Hafner stammen gleich mehrere interessante Stücke (Abb. 208a–c, e–g).194 Im einen Fall handelt es 186 Seifert 1996, 64 (Abb. 69). 187 U. Ruoff, Die frühbronzezeitliche Ufersiedlung in Meilen-Schellen, Kanton Zürich. Tauchausgrabung 1985. JbSGUF 70, 1987, 51–64 (bes. Abb. 2 und 4). A.-C. Conscience, Wädenswil-Vorder Au. Eine Ufersiedlung am Übergang vom 17. zum 16. Jahrhundert v. Chr. im Rahmen der Frühbronzezeit am Zürichsee. Unpubl. Lizentiatsarbeit, Universität Zürich 1998. 188 Eberschweiler/Riethmann/Ruoff 1987, 78 f. (Abb. 2: Die um das Blockgeviert von Haus K liegenden Pfahlschuhe sind kleiner als sonst üblich). 189 Siehe Anm. 183. 190 Seifert 1996, 61 (Abb. 62). 191 Gollnisch-Moos 1999, 22–31 und 58–61. 192 Seifert 1996, 57–59 (Abb. 143). 193 Eberschweiler 1990a; Eberschweiler/Riethmann/ Ruoff in Vorbereitung. 194 Eine schon früh entdeckte Doppelloch-Grundschwelle ist zu finden in MAGZ XX, 1878–80, 3. Pfahlbauten, VIII. Bericht, Taf. 1, Fig. 2, Grundschwellen. 149 7. Spätbronzezeitliches Bauholzspektrum Abb. 206 Zürich/RbGrosser Hafner. a: Am Seegrund erodierter Lochpfahl mit bereits fehlender Stange oder ein verkippter Pfahlschuh ohne den zugehörigen Pfahl? b: Kleiner Schnitt zur Situation. Wohl spätbronzezeitlich. M. 1:10 (b). b a Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 149 150 V. Das obere Schichtpaket ab c Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 150 sich um eine zwar gestörte und stark erodierte, aber wohl ziemlich vollständige kürzere Schwelle mit zwei Löchern. Ebenfalls in Originalfundlage fand sich eine knapp 4,7 m lange Schwelle aus Eiche. Das eine Ende ist noch erhalten und zeichnet sich durch einen wenig tiefen Ausschnitt zwischen zwei blockartigen Erhebungen aus. Insgesamt vier quadratische Löcher dienten zur Aufnahme von Pfählen, wovon sich aber nur einer erhalten hatte. Die anderen waren nur noch durch ein mit organischem Material verfülltes Pfostenloch präsent, sind also wohl schon früh herausgezogen worden. Leider ist das andere Ende erodiert und auch der Grabungsausschnitt zu klein, um dieses eindrückliche Bauteil besser einordnen zu können. Darunter befand sich, durch etwas Schichtmaterial getrennt, ein beinahe halbrunder Pfahlschuh, dessen gerundete Aussenseite seltsamerweise nach unten verlegt worden war. 7.3. Blockhölzer Bronzezeitliche Blockbauten sind im Feuchtbodenmilieu, und zwar nicht nur in Seenähe, sondern auch im alpinen Raum, verschiedentlich belegt195, wenn auch nicht übermässig häufig. Ohne wenigstens eine eindeutige, vollständig erhaltene Balkenlage ist es sicher nicht statthaft, eine Blockbauweise zu postulieren. Lange Rundhölzer mit Kerben an den Enden könnten auch anderweitig eingesetzt worden sein. Aus diesem Grund sind die jüngst dokumentierten Rundhölzer mit endständigen Ausschnitten von Zürich/En-Alpenquai vorerst nicht interpretierbar (Abb. 209). 7.4. Bauteile der aufgehenden Konstruktion Im Gegensatz zu auf den Boden gelegten oder dort hineingedrückten Bauhölzern ist die Chance, Teile vom aufgehenden Gebäude, also Elemente der Wandoder Dachkonstruktion, zu finden, verschwindend klein. Sicher findet man immer wieder bearbeitete Hölzer ohne Kontext in den Siedlungsschichten. Diese sind aber vielfach bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, oft derart stark erodiert, dass kaum mehr Aussagen zum ursprünglichen Aussehen möglich sind – und sie sind in der Regel völlig aus dem ehemaligen Bauverband herausgerissen, von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen (Abb. 210). Die vielen äusserst unterschiedlich bearbeiteten Hölzer im Schwemmgut vom Chollerpark zeigen eindrücklich, mit welch grosser Vielfalt an Holzformen in den Siedlungen gerechnet werden muss. Bei Seifert sind die bekannten und möglichen Lösungen für Wandund Dachkonstruktionen ausführlich geschildert196, weshalb an dieser Stelle nur wirklich neue Aspekte beleuchtet werden sollen: Dächer Auch von Zürich/En-Alpenquai stammen ein paar wenige echte und eindeutige Lochschindeln aus Weisstanne (Abb. 211). Andernorts fehlen sie völlig, beispielsweise in Greifensee ZH-Böschen aus dem einfachen Grund, dass dort keine einzige Weisstanne verbaut worden war. Auch im Falle der Dachbedeckung wird es sich aller Wahrscheinlichkeit nach gleich verhalten wie mit dem restlichen Haus: Es gibt sehr viele individuelle Lösungen, die weitgehend abhängig von den lokalen Ressourcen (Vegetation) und den lokalen Gegebenheiten (Windund Schneeverhältnisse) sind. Wände In zwei spätbronzezeitlichen Dörfern konnte weisser Kalkputz auf den flachen Aussenseiten von Hüttenlehmbrocken nachgewiesen werden.197 Anderes Von Zürich/En-Alpenquai stammt ein leider schon rundum erodiertes und angebranntes langes Kantholz mit T-förmigem Querschnitt (Fortsetzung S. 154) 195 Seifert 2000; F. Morton, Die Entdeckung eines neuen vorgeschichtlichen Berghauses. Bericht über die Freilegung im Spätherbst 1939. Kali, verwandte Salze und Erdöl, Heft 10, 1940, 156 f.; F. E. Barth, Weitere Blockbauten im Salzbergtal bei Hallstatt. In: Festschrift R. Pittioni. Archaeologia Austriaca, Beiheft 13, 1976, 538–545; G. Weisgerber, Noch einmal zu den Blockbauten am Hallstätter Salzberg. AKB 11, 1981, 119–125; R. Bosch, Über das Moordorf Riesi am Hallwilersee. ASA NF XXVI, 2/3, 1924, 73–85; H. Reinerth, Die Wasserburg Buchau. Eine befestigte Inselsiedlung aus der Zeit 1100–800 v. Chr. Führer Urgeschichte 6, Augsburg 1928. Insbesondere bei den frühen Entdeckungen sind gewisse Vorbehalte anzubringen, weil für die Rekonstruktionen offenbar doch wenig Originales vorhanden war. 196 Seifert 1996, 170 f. 197 Greifensee ZH-Böschen: Eberschweiler/Riethmann/Ruoff in Vorbereitung; Zürich/En-Alpenquai: N. Künzler-Wagner, Zürich-Alpenquai. Funde und Befunde, Tauchgrabungen 1999–2001. Zürcher Archäologie Heft Seeufersiedlungen, in Vorbereitung. 151 7. Spätbronzezeitliches Bauholzspektrum Abb. 207 (S. 150) Beispiele von länger als üblich erhaltenen Ständeroberteilen. a: Zürich/Rb-Grosser Hafner. Stark erodiertes, über 1 m langes Oberteil, Spätbronzezeit. b: Greifensee ZHBöschen. Oberteil mit einem Vierkantloch auf 1,2 m Höhe, Spätbronzezeit, 11. Jh. v. Chr. c: Freienbach SZ-Hurden Rosshorn. Am Seegrund liegender Ständer (Weisstanne) mit sorgfältig behauener und schön abgesetzter Spitze sowie mit einer (nicht fertig gestellten?) Gabel etwa 1 m über dem Absatz, vermutlich mittelbronzezeitlich. M. 1: 15 (b, c). Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:41 Uhr Seite 151 254 Tafeln Tafel 54 Steinhausen ZG-Chollerpark, OS (397–402), nachbronzezeitlich (403), US (404, 405). Kleinfunde: Holzschalen (397, 399), beidseitig konisch zulaufender Stab (398), Deckel (400, 401), Bronzenadel (402); «Fackel», zugespitzter und angesengter Span aus Weisstanne (403); kurzer Griff (?; 404), dünnes zugespitztes Plättchen (405). Esche (397, 404), Eiche (398), Weisstanne (399–401, 403), Buche (405), Bronze (402). M. 1:6 (397, 398), M. 1:3 (399–401, 403–405), M. 1:2 (402). 397 400 401 402 403 404 405 399 398 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:59 Uhr Seite 254 255 Oberes Schichtpaket und nachbronzezeitlich Tafel 55 Steinhausen ZG-Chollerpark, OS. Kleinfunde: Holzscheiben, gelocht (406, 407), Birkenrindenröllchen (408), Plättchen mit doppelter Lochung (409), bearbeitetes Ende (eines Holmes?; 410), geschnitztes Holz (Einbaum?; 411), facettiertes gerundetes Brettchenfragment (412), unbestimmtes Objekt (413), Messerchen (414), mehrseitig bearbeitete Brettchenenden (415, 419), kellenartiges gerundetes Ende (416), Holmfragmente (417, 418), gerundete Brettchen (420, 421). Esche (406, 409, 412, 413, 417, 419), Pappel (407), Birke (408), Weisstanne (410, 411, 414, 415, 418, 421), Eiche (416), Ahorn (420). M. 1:3. 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:59 Uhr Seite 255 256 Tafeln Tafel 56 Steinhausen ZG-Chollerpark, Nachbronzezeitlich. Pfahlspitzen (422–431). Esche (422–426, 428, 430, 431), Erle (427, 429). M. 1:10. 422 423 424 Labornr. 38366: –752 WK Labornr. 38367: –642 WK Labornr. 38375: –648 WK 425 426 427 428 429 430 431 Labornr. 38482: –655 WK Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 10:59 Uhr Seite 256 Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 11:01 Uhr Seite 257 Veröffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft für Urund Frühgeschichte Antiqua ISBN 3-908006-..-. 1Jakob Bill, Die Glockenbecherkultur und die frühe Bronzezeit im französischen Rhonebecken und ihre Beziehungen zur Südwestschweiz. Basel 1973. (vergr.) 2Werner E. Stöckli, Die Chronologie der jüngeren Eisenzeit im Tessin. Basel 1975. 3Jürg Ewald, Paläound epigraphische Untersuchungen an den römischen Steininschriften der Schweiz. Liestal 1974. (vergr.) 4Helmut Bender, Archäologische Untersuchungen zur Ausgrabung Augst-Kurzenbettli. Basel 1975. 5Josef Winiger und Marcel Joos, Feldmeilen-Vorderfeld. Die Ausgrabungen 1970/71. Basel 1976. 6Alain Gallay, Le Néolithique moyen du Jura et des plaines de la Saône. 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Basel 1996. -20-1. 29 Hanspeter Spycher, Caty Schucany (Hrsg.), Die Ausgrabungen im Kino Elite im Rahmen der bisherigen Untersuchungen der Solothurner Altstadt. Basel 1997. -21-X. 30 Martin Peter Schindler, Der Hortfund von Arbedo TI und die Bronzedepotfunde des Alpenraums vom 6. bis zum 4. Jh. v.Chr. – Il ripostiglio di Arbedo TI e i ripostigli di bronzi della regione alpina dal VI al IV sec. a. C. Basel 1998. -22-8. 31 Caty Schucany/Stefanie Martin-Kilcher/Ludwig Berger/Daniel Paunier (Hrsg.), Römische Keramik in der Schweiz – Céramique romaine en Suisse – Ceramica romana in Svizzera. Basel 1999. -23-6. 32 Martin A. Guggisberg, Der Goldschatz von Erstfeld. Ein keltischer Bildzyklus zwischen Mitteleuropa und der Mittelmeerwelt. Basel 2000. -24-4. 33 Ursula Gnepf Horisberger und Sandy Hämmerle, Cham-Oberwil, Hof (Kanton Zug). Befunde und Funde aus der Glockenbecherkultur und der Bronzezeit. Basel/ Zug 2001. -25-2. 34 Claudia Neukom, Corpus Signorum Imperii Romani. Schweiz 1,7: Das übrige helvetische Gebiet. Mit einem Nachtrag zu CSIR Schweiz III, Funde in Basel und Liestal. Basel 2002. -26-0. 35 Renata Windler und Michel Fuchs (Hrsg.), De l’Antiquité tardive au Haut Moyen-Age (300–800) – Kontinuität und Neubeginn. Basel 2002. -27-9. 36 Martin Bossert und Claudia Neukom, Corpus Signorum Imperii Romani. Schweiz II: Gallia Narbonensis: Colonia Iulia Vienna: Genava – Vallis Poenina – Raetia – Italia. Basel 2004. -28-7. SPM Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter ISBN 3-908006-..-. IJean-Marie Le Tensorer, Urs Niffeler (wissenschaftl. Leitung u. Red.), Paläolithikum und Mesolithikum. 1993. -50-3. II Werner E. Stöckli, Urs Niffeler, Eduard Gross-Klee (Hrsg.), Neolithikum – Néolithique – Neolitico. 1995. -51-1. III Stefan Hochuli, Urs Niffeler, Valentin Rychner (Hrsg.), Bronzezeit – Age du Bronze - Età del Bronzo. 1998. -52-X. IV Felix Müller, Gilbert Kaenel, Geneviève Lüscher (Hrsg.), Eisenzeit – Age du Fer – Età del Ferro. 1999. -53-8. VLaurent Flutsch, Urs Niffeler, Frédéric Rossi (Hrsg.), Römische Zeit – Età romana. 2002. -54-6. VLaurent Flutsch, Urs Niffeler, Frédéric Rossi (Hrsg.), Epoque romaine – Età romana. 2002. -55-4. Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 11:01 Uhr Seite 258 archäologie der schweiz archéologie suisse archeologia svizzera Zum Beispiel as. 2004, Heft 2: Auf den Spuren der Pfahlbauer In den 150 Jahren seit der Entdeckung der Pfahlbauten wurde in unserem Land Pionierarbeit geleistet: bei der Erforschung der Feuchtbodensiedlungen, beim Ausgraben, beim Entwickeln von Methoden zur Datierung und Konservierung sowie – dank hervorragender Sammlungen in Museen – bei der Vermittlung. Die interdisziplinäre Forschung liefert immer wieder neue Erkenntnisse über die Menschen von einst und ihre Umwelt. Die as.- Sondernummer «Auf den Spuren der Pfahlbauer» vermittelt in attraktiver Weise das heute gültige Bild von den «Pfahlbauern». Inhalt: Pfahlbaujuwelen am Bodensee Prähistorische Ufersiedlungen und Verkehrswege an Zürichund Obersee Die neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen des zentralen Mittellandes Die Region der drei Seen – im Grenzraum zwischen Romandie und Deutschschweiz Die prähistorischen Seeufersiedlungen am Genfersee und in der Combe d’Ain im französischen Jura Le palafitte dell’arco alpino meridionale Experiment Pfahlbauarchäologie Pfahlbauer im Schulzimmer Die «Pfahlbauten» und die Entdeckung der steinzeitlichen Bauern as. 2004, no 2, par exemple: Sur les traces des palafittes En 150 ans depuis la découverte des «palafittes», notre pays n’a pas moins joué un rôle de pionnier dans l’archéologie lacustre, en fouillant, en développant des méthodes de datation et de conservation et en enrichissant les musées de collections exceptionnelles. Et la recherche désormais interdisciplinaire livre sans cesse de nouvelles connaissances sur l’homme d’alors et son environnement. Ce numéro spécial d’«archéologie suisse» présente d’une manière attrayante la vision actuelle de ce qui étaient «les palafittes». Contenu: Joyaux palafittiques sur les rives du lac de Constance Sites lacustres et voies de passage sur les rives des lacs de Zurich La Suisse centrale au Néolithique et à l’âge du Bronze: les sites palafittiques La région des Trois-Lacs, entre la Suisse romande et la Suisse alémannique Les sites préhistoriques littoraux du Léman et leurs relations avec le Jura français Le palafitte dell’arco alpino meridionale L’archéologie palafittes: une vision expérimentale Les lacustres à l’école Petite histoire lacustre et la découverte des premiers paysans Chollerpark_INH.qxp 19.10.2004 11:01 Uhr Seite 259