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Wenn Alltagsmomente Hände stärken. Entwicklung eines digitalen Ideenkatalogs zur Förderung der Feinmotorik im Alltag - für Bezugspersonen von 4-8-jährigen Kindern

Vanoli, Flavia

Abstract

Feinmotorische Fähigkeiten sind eng mit alltäglichen Handlungen verknüpft und begleiten Kinder auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit. Alltägliche Tätigkeiten bieten somit wichtige und natürliche Übungsmöglichkeiten für die feinmotorische Entwicklung. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, wie die Feinmotorik 4-8-jähriger Kinder im Alltag durch ihre Bezugspersonen unterstützt werden kann. Zur Klärung der Ausgangslage wurde eine Erhebung des Ist-Zustandes mittels einer online Befragung von 20 Bezugspersonen durchgeführt. Dabei wurde untersucht, welche Kenntnisse Bezugspersonen über die Feinmotorik besitzen und welche Informationen sie in einem Ideenkatalog zu diesem Thema als wichtig erachten. Die Ergebnisse zeigen, dass Bezugspersonen sich vor allem konkrete und detaillierte Anleitungen von Alltagstätigkeiten wünschen. Auch grundlegendes Wissen zur feinmotorischen Entwicklung sowie Hinweise zur Absicht der Alltagstätigkeit, Variationsmöglichkeiten und Beobachtungspunkte werden als unterstützend beschrieben. Diese Ergebnisse, sowie fachliche Grundlagen zur Feinmotorik bilden die Basis für die anschliessende Produktentwicklung. Als Endprodukt entstand ein digitaler Ideenkatalog in Form einer Webseite. Dieser stellt niederschwellige und alltagsintegrierte Förderideen für die Feinmotorik zur Verfügung. Digital zugängliche Förderideen im Bereich der Psychomotoriktherapie können eine sinnvolle Ergänzung zu therapeutischen Massnahmen darstellen, verfügen über präventives Potenzial und bieten eine mögliche Entlastung für Fachpersonen sowie Therapiestellen.

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Studiengang Psychomotoriktherapie Bachelorarbeit Wenn Alltagsmomente Hände stärken Entwicklung eines digitalen Ideenkatalogs zur Förderung der Feinmotorik im Alltag - für Bezugspersonen von 4-8-jährigen Kindern Abbildung 1: Titelbild (eigene Aufnahme) Eingereicht von: Vanoli Flavia Begleitperson: Bieri Beatrice Zweite Fachperson: Salzmann Daniela Datum der Abgabe: 07.05.2025 Abstract Feinmotorische Fähigkeiten sind eng mit alltäglichen Handlungen verknüpft und begleiten Kinder auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit. Alltägliche Tätigkeiten bieten somit wichtige und natürliche Übungsmöglichkeiten für die feinmotorische Entwicklung. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, wie die Feinmotorik 4-8-jähriger Kinder im Alltag durch ihre Bezugspersonen unterstützt werden kann. Zur Klärung der Ausgangslage wurde eine Erhebung des Ist-Zustandes mittels einer online Befragung von 20 Bezugspersonen durchgeführt. Dabei wurde untersucht, welche Kenntnisse Bezugspersonen über die Feinmotorik besitzen und welche Informationen sie in einem Ideenkatalog zu diesem Thema als wichtig erachten. Die Ergebnisse zeigen, dass Bezugspersonen sich vor allem konkrete und detaillierte Anleitungen von Alltagstätigkeiten wünschen. Auch grundlegendes Wissen zur feinmotorischen Entwicklung sowie Hinweise zur Absicht der Alltagstätigkeit, Variationsmöglichkeiten und Beobachtungspunkte werden als unterstützend beschrieben. Diese Ergebnisse, sowie fachliche Grundlagen zur Feinmotorik bilden die Basis für die anschliessende Produktentwicklung. Als Endprodukt entstand ein digitaler Ideenkatalog in Form einer Webseite. Dieser stellt niederschwellige und alltagsintegrierte Förderideen für die Feinmotorik zur Verfügung. Digital zugängliche Förderideen im Bereich der Psychomotoriktherapie können eine sinnvolle Ergänzung zu therapeutischen Massnahmen darstellen, verfügen über präventives Potenzial und bieten eine mögliche Entlastung für Fachpersonen sowie Therapiestellen. . Dank An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die mich während der Bachelorarbeit und bei der Entwicklung der Webseite «Feinmotorik im Alltag» begleitet und unterstützt haben. Ein besonderer Dank geht an meine begleitenden Dozentin Beatrice Bieri, welche mich durch ihre fachlichen und inhaltlichen Inputs immer wieder kompetent beraten hat. Sie hat sich immer Zeit für meine Anliegen genommen und wertvolle Inputs gegeben. Ihre Begleitung war eine grosse Unterstützung. Weiter möchte ich mich bei Jana Näpflin und Kathrin Tanner bedanken. Sie unterstützen mich bei der Übermittlung der Umfrage an meine Zielgruppe. Ebenso danke ich den Teilnehmenden der Umfrage. Sie haben sich Zeit genommen die Umfrage auszufüllen und dabei mit ihrer Rückmeldung mein Endprodukt mitgestaltet. Zuletzt möchte ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden*innen für die vielseitige Unterstützung bedanken. Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ......................................................................................................................1 1.1 Ausgangslage ...................................................................................................... 1 1.2 Begründung der Themenwahl und psychomotorische Relevanz ..................... 1 1.3 Zielsetzung und Fragestellung ........................................................................... 2 2 Fachliche Grundlage ....................................................................................................3 2.1 Definition von Feinmotorik .................................................................................. 3 2.1.1 Begrifflichkeiten.................................................................................................................. 3 2.1.2 Ganzheitliche Sicht auf die Feinmotorik ............................................................................ 4 2.1.3 Abgrenzung zum Begriff Grafomotorik .............................................................................. 5 2.1.4 Relevanz der Feinmotorik .................................................................................................. 6 2.2 Teilaspekte der Feinmotorik ................................................................................ 7 2.2.1 Schulterund Ellenbogengelenkbeweglichkeit/ Handgelenkbeweglichkeit/ Fingergelenkbeweglichkeit ............................................................................................................. 8 2.2.2 Handund Fingerkraft/ Kraftdosierung .............................................................................. 9 2.2.3 Taktile und kinästhetische Wahrnehmung ......................................................................... 9 2.2.4 Auge-Hand-Koordination ................................................................................................. 10 2.2.5 Visuomotorische Integration ............................................................................................ 11 2.2.6 Hand-Hand-Koordination ................................................................................................. 11 2.2.7 Händigkeit ........................................................................................................................ 11 2.3 Entwicklung der Feinmotorik .............................................................................12 2.3.1 Allgemeine Entwicklung der Feinmotorik ......................................................................... 12 2.3.2 Entwicklung des Greifens und In-Hand-Manipulation ..................................................... 15 2.3.3 Variabilität und Entwicklungsverzögerung ....................................................................... 18 2.4 Feinmotorik und Lernen .....................................................................................19 2.5 Alltagsintegrierte Förderung der Feinmotorik ..................................................22 2.6 Fazit für die Weiterarbeit ....................................................................................23 3 Ist-Analyse: «Feinmotorik im Alltag» ........................................................................ 25 3.1 Methodisches Vorgehen .....................................................................................25 3.1.1 Untersuchungsdesign ...................................................................................................... 25 3.1.2 Stichprobe ........................................................................................................................ 25 3.1.3 Datenanalyse ................................................................................................................... 26 3.2 Ergebnisse der Ist-Analyse ................................................................................26 3.2.1 Allgemeine Angaben ........................................................................................................ 26 3.2.2 Bevorzugte Informationskanäle ....................................................................................... 27 3.2.3 Kenntnisse und Wünsche über die Feinmotorik .............................................................. 27 3.2.4 Feinmotorik und Alltagstätigkeiten ................................................................................... 28 3.2.5 Bedarf Ideenkatalog ......................................................................................................... 29 4 Ideenkatalog «Feinmotorik im Alltag» ....................................................................... 30 4.1 Methodisches Vorgehen zur Entwicklung des Ideenkatalogs .........................30 4.2 Auswahl der Inhalte ............................................................................................31 4.2.1 Literaturrecherche ............................................................................................................ 31 4.2.2 Ergebnisse Ist-Analyse .................................................................................................... 32 4.3 Aufbau Ideenkatalog ...........................................................................................33 5 Diskussion und Schlussfolgerung für die psychomotorische Praxis .................... 35 5.1 Beantwortung der Fragestellungen ...................................................................35 5.2 Diskussion der Gesamtergebnisse ....................................................................37 5.3 Schlussfolgerungen für die psychomotorische Praxis ....................................38 5.4 Diskussion der Forschungsmethoden ..............................................................38 5.5 Schlusswort ........................................................................................................39 6 Literaturverzeichnis .................................................................................................... 40 7 Abbildungsverzeichnis............................................................................................... 43 8 Tabellenverzeichnis .................................................................................................... 44 9 Anhang ........................................................................................................................ 45 1 1 Einleitung Die Einleitung zeigt zu Beginn die Ausgangslage auf und geht danach auf die Begründung der Themenwahl ein. Es folgen die Zielsetzung und Fragestellungen dieser Arbeit. 1.1 Ausgangslage Die Autorin begegnet in ihrem Arbeitsalltag immer wieder Kindern, die Schwierigkeiten mit feinmotorischen Tätigkeiten haben. Das Zeichnen, das Ausschneiden mit der Schere, das Basteln oder auch das Auffädeln von Perlen beispielsweise fallen diesen Kindern schwer. Von den Eltern erfährt die Autorin, dass diese Kinder im Alltag ebenfalls auf Herausforderungen treffen und vermehrt auf Unterstützung angewiesen sind. Wie Haerle & Scheuzger-Hofmann (2015, S. 7) beschreiben, beinhalten alltägliche Tätigkeiten zahlreiche feinmotorische Aspekte. Der Alltag bietet somit wichtige und notwendige Übungsmöglichkeiten für die kindliche Entwicklung. Feinmotorische Tätigkeiten gehören zum Alltag und begleiten die Kinder auf dem Weg zur Selbständigkeit. Sie sind wichtig für die Alltagsbewältigung, das eigenständige Erforschen der Umwelt, das Aufbauen des Selbstbewusstseins aber auch für den schulischen Erfolg (Haerle & Scheuzger-Hofmann, 2015, S. 7–8; Petermann, 2015, S. 21–22). Trotz dieser vielseitigen Relevanz ist der Zusammenhang zwischen Feinmotorik und alltäglichen Lebensbereichen bislang nur wenig erforscht. Die bestehenden Studien fokussieren sich vor allem auf den schulischen Kontext und untersuchen hauptsächlich grafomotorische Fertigkeiten. Obwohl es bereits zahlreiche Förderprogramme und Ideensammlungen zur Unterstützung der Feinmotorik gibt, richten sich viele davon primär an Fachpersonen. Diese Programme erfordern oft spezielles Material, folgen einem klaren und strukturierten Ablauf und sind in der Umsetzung recht aufwändig. Für nicht Fachpersonen, wie beispielsweise Eltern oder andere Bezugspersonen, könnten solche Programme daher überfordernd oder abschreckend wirken. Es besteht ein Bedarf an leicht zugänglichen und einfach umsetzbaren Förderideen, welche ohne spezielles Material und Fachwissen im Alltag integriert werden können. Aufgrund dieser Ausgangslage wird beabsichtigt, einen Ideenkatalog zur niederschwelligen und alltagsintegrierten Förderung der Feinmotorik zu gestalten. Dieser soll sich speziell an interessierte Bezugspersonen von 4-8-jährigen Kindern richten. 1.2 Begründung der Themenwahl und psychomotorische Relevanz Die Feinmotorik umfasst gezielte und besonders abgestimmte Bewegungen, besonders von Hand und Finger, die im Alltag oft unbewusst geübt werden (Sägesser Wyss, Eckhart & Maurer, 2024, S. 27). Dies zeigt sich beispielsweise beim Spielen, Anziehen oder Helfen im Haushalt. Die Relevanz der feinmotorischen Bewegungen zeigt sich wie bereits erwähnt in der Entwicklung wichtiger Alltagsfähigkeiten, der Förderung von Selbständigkeit und im 2 Aufbau des Selbstvertrauens. Das Ziel der Psychomotoriktherapie ist es, die Eigenaktivität und Selbständigkeit der Kinder zu stärken. Kinder zeigen schon früh den Wunsch etwas selbst zu tun, sich selbst zu helfen und immer unabhängiger und selbständiger zu werden (Zimmer, 2022, S. 60). Selbstwirksamkeitserfahrungen holen sich Kinder beispielsweise in Alltaghandlungen, die mit jeder Wiederholung zunehmend eigenständiger funktionieren. Sie gewinnen somit auch Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten. Ein zentraler Aspekt ist der Einbezug des sozialen Umfelds. Eltern sind als wichtigste Bezugspersonen entscheidend für die motorische Entwicklung ihrer Kinder. Kinder lernen und üben in der vertrauten Umgebungen zu Hause (Siegler, Saffran, Gershoff & Eisenberg, 2021, S. 160–162). Besonders in der sensiblen Phase zwischen 4 und 6 Jahren, in der Kinder ihre Handgeschicklichkeit weiterentwickeln, ist es wichtig, ihnen vielfältige Übungsmöglichkeiten zu bieten (Groschwald, Rosenkötter & Schuh, 2018, S. 27). Um diese Zeit der Entwicklung zu nutzen und die Bezugspersonen einzubeziehen, entstand die Idee eines niederschwelligen Ideenkatalogs. An vielen Psychomotorik-Institutionen gibt es grosse Wartelisten, da die Therapieplätze begrenzt sind. Dieser Ideenkatalog zur frühzeitigen und niederschwelligen Förderung der Feinmotorik im Alltag kann auch als Entlastung der Fachpersonen und Therapiestellen dienen. 1.3 Zielsetzung und Fragestellung Im Rahmen dieser Bachelorarbeit erstellt die Autorin auf Grundlage der Literaturrecherche und der Ist-Analyse einen Ideenkatalog zur Förderung der Feinmotorik. Der Ideenkatalog soll spezifisch Bezugspersonen von 4-8-jährigen Kindern ansprechen, und sie in der niederschwelligen Förderung unterstützen. Der Ideenkatalog enthält leicht umsetzbare und alltagsnahe Tätigkeiten, welche die Feinmotorik und in deren Verbindung auch die Selbständigkeit und das Selbstvertrauen der Kinder stärkt und fördert. Diese Bachelorarbeit ist ein Entwicklungsprojekt. Folgende Fragestellungen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden: Wie lässt sich die Feinmotorik 4-8-jähriger Kinder im Alltag gezielt von Bezugspersonen unterstützen? - Wie entwickelt sich die Feinmotorik zwischen dem vierten bis zum achten Lebensjahr und welche Anforderungen stellt dies an die Förderung? - Welches Wissen benötigen Bezugspersonen, um die Feinmotorik ihrer Kinder zu unterstützten? 3 2 Fachliche Grundlage Die fachlichen Grundlagen dieser Bachelorarbeit umfassen als Erstes die Definition von Feinmotorik. Danach werden die Teilaspekte der Feinmotorik beleuchtet und dessen Entwicklung wird beschrieben. Es wird aufgezeigt, was beim Lernen von feinmotorischen Fertigkeiten im Kindesalter relevant ist. Weiter wird auf den Begriff alltagsintegrierte Förderung eingegangen und diesen in Bezug zur Arbeit gesetzt. Zum Schluss werden die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst. Die theoretische Auseinandersetzung soll als Grundlage für die Entwicklung des Ideenkatalogs dienen. 2.1 Definition von Feinmotorik Dieses Kapitel beleuchtet die theoretischen Grundlagen der Feinmotorik, welche zu Beginn beschrieben wird. Es wird eine ganzheitliche Sicht auf die Feinmotorik aufgezeigt und von der Grafomotorik abgegrenzt. Zuletzt wird auf die Relevanz der Feinmotorik in verschiedenen Bereichen eingegangen. 2.1.1 Begrifflichkeiten Unter Feinmotorik versteht man die Fähigkeit zu kleinräumigen, gezielten und besonders abgestimmten Bewegungen (Sägesser Wyss et al., 2024, S. 27). Vetter, Amft, Sammann & Kranz (2010, S. 20) fügen in der Definition hinzu, dass diese Bewegungen unter Beteiligung der Wahrnehmung ausgeführt werden. Wie Jenni (2021, S. 96–97) beschreibt, betrifft die Feinmotorik nur Teilbereiche des Körpers. Dazu gehören beispielsweise Hand-, Finger-, Fuss-, Zehen-, Gesichts-, Augenund Mundbewegungen. Feinmotorische Bewegungen sind komplexe motorische Abläufe, die verschiedene grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordern. Unter anderem setzten sie ein fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Finger-, Hand-, Armund Gelenkbeweglichkeit, Tonusanpassung, Wahrnehmung, Steuerung und Koordination voraus (Haerle & ScheuzgerHofmann, 2015, S. 7–8). In der Literatur gibt es unterschiedliche Begrifflichkeiten. Viele Autoren*innen begrenzen die Feinmotorik einzig auf die Handund Fingerfertigkeiten (Groschwald et al., 2018, S. 8). In der Medizin wird diese Auffassung von Feinmotorik häufig kritisiert und als unpassend empfunden. Die Feinmotorik begrenze sich im engeren Sinn nicht nur auf die Fertigkeiten von Hand und Finger, sondern wie oben beschrieben würden auch mimische Bewegungen dazu gehören. Manche empfehlen daher den Begriff Handmotorik anstelle von Feinmotorik zu verwenden (Jaščenoka & Petermann, 2017, S. 87–88). Die Handmotorik umfasst alle Bewegungen und Haltungen der Hände. Hinzu kommt die Haltung und Bewegung der beiden Hände miteinander, sowie die Bewegungen mit den Handgelenken und den Fingern (Groschwald et al., 2018, S. 9; Rosenkötter, 2021, S. 54). 4 Unter Handgeschicklichkeit hingegen versteht man die Koordination von feinmotorischen Bewegungen der Hände und Arme (Oswald, 2020, S. 14). Diese werden zur Ausführung von Tätigkeiten, zur geschickten Manipulation von Gegenständen und zur Nutzung für alltägliche Objektund Umweltmanipulation benötigt (Martzog, 2015, zitiert nach Groschwald et al., 2018, S. 9). Für eine gute Handfunktion werden sowohl motorische, wie auch sensorische Funktionen gefordert (Oswald, 2020, S. 14). Für die psychomotorische Arbeit, aber auch für die Alltagsbewältigung und die Selbständigkeit, sind die Hände essenziel. Aus diesem Grund bezieht sich die weitere Arbeit einzig auf die feinmotorische Bewegungsfähigkeit der Hände und Finger. Die Fussund Gesichtsbewegungen werden in dieser Arbeit nicht thematisiert. Entweder wird der Begriff Feinmotorik verwendet, wobei nur die Aktivitäten der Finger und Hände gemeint sind oder der Begriff Handmotorik. 2.1.2 Ganzheitliche Sicht auf die Feinmotorik Laut Pauli und Kisch (2019, S. 11) beeinflussen sich die Grobmotorik, die Feinmotorik und die Sinneswahrnehmung in der kindlichen Entwicklung gegenseitig. Eine gut koordinierte Körpergeschicklichkeit wird als Grundlage einer gut dosierten Feinmotorik gesehen. Groschwald et al. (2018, S. 11) betonen, dass das Zusammenspiel zwischen der Handmotorik und der Körpermotorik sehr zentral ist. Alltagshandlungen wie das Waschen von Händen und Gesicht, abtrocknen oder anund ausziehen erfordern die aktive Beteiligung von Rumpf, Schulter und einer stabilen Körperhaltung. Die aufrechte Körperhaltung sowie das Stehen, Sitzen, Laufen und Rennen sind grundlegende Voraussetzungen dafür, dass die Hände frei und gezielt eingesetzt werden können (Oswald, 2020, S. 14). Nachfolgend ein Beispiel, welches die Wechselwirkung von Grobund Feinmotorik verdeutlicht: Ein hypotones Kind, das sehr kraftlos ist, macht kaum Erfahrungen mit schnellen, kräftigen und ausdauernden Bewegungen und Handlungen. Auch im Bereich der Handgeschicklichkeit ist es kraftlos. Es kann seinen Rumpf nicht aufrecht halten und stützt sich unter Umständen auf seinen Schreibarm. Dies verhindert dynamisches, lockeres Schreiben. Das Kind neigt dazu, sich im Schulter-Armbereich zu verkrampfen, um dadurch kompensatorisch mehr Tonus aufzubauen. (Pauli & Kisch, 2019, S. 11–12) Bei der Entwicklung der Handgeschicklichkeit sind zudem taktile, kinästhetische und visuelle Informationen nötig. Bei feinmotorischen oder handgeschicklichen Tätigkeiten ist die Wahrnehmung immer beteiligt. Eine koordinierte Zusammenarbeit der Sinneszellen für Berührung, Druck und Muskelkraft sowie deren Verarbeitung im Wahrnehmungssystem bilden 11 2.2.5 Visuomotorische Integration Neben dem Zusammenspiel von Auge und Hand beinhaltet die visuomotorische Integration auch die innere Repräsentation der zu zeichnenden Formen. Das Zusammenspiel der visuellen Wahrnehmung und der Motorik des Arms, führt dabei zur Wiedergabe von Formen (Symbole, Buchstaben, Zahlen). Die visuomotorische Integration ist besonders beim Erlernen der Schrift zentral. Dabei muss das Kind unter visueller Kontrolle eine gesehen Form durch einen angepassten Bewegungsablauf reproduzieren. Die Bewegung der Hand wird zu Beginn durch visuelle Rückmeldung ständig überprüft und angepasst. Später ist das Schreiben ein automatisierter Prozess und das Auge muss den Schreibbewegungen nicht mehr folgen (Sägesser Wyss et al., 2024, S. 35–36). 2.2.6 Hand-Hand-Koordination Für eine gute Handgeschicklichkeit im Alltag benötigen wir beide Hände, dessen Zusammenarbeit gut funktionieren. Die Hand-Hand-Koordination beschreibt die Fähigkeit, bei beidhändigen Tätigkeiten, mit jeder Hand etwas anderes zu tun (Bergenhenegouwen & Sauter-Limberger, 2021, S. 9). Dabei übernimmt die eine Hand eine Haltefunktion und die andere ist die Arbeitsoder Aktionshand. Jede Hand leistet ihren Beitrag zur Tätigkeit (Schönthaler, 2020, S. 166–167). Unter der Haltehand versteht man die weniger geschickte Hand, die bei beidhändigen Verrichtungen die Haltefunktion übernimmt. Die Arbeitshand hingegen ist die geschicktere und bevorzugtere Hand. Bei beidhändigen Verrichtungen übernimmt sie den feinmotorisch anspruchsvolleren Teil der Tätigkeit. Manchmal wir sie auch Führungshand genannt (Kisch & Pauli, 2013, S. 139–140). Ab dem dritten Monat beginnt ein Baby die Hände zusammenzuführen, wodurch die HandHand-Koordination beginnt. Die zunehmend sicherer werdende Hand-Hand-Koordination ist eine Voraussetzung zur Entwicklung der Arbeitsund Haltehand und somit ein wichtiger Aspekt bei der Händigkeitsentwicklung (Jenni, 2021, S. 188; Pauli & Kisch, 2019, S. 53–55). Die Entwicklung der Hand-Hand-Koordination wird genauer im Kapitel 2.3.1 erläutert. 2.2.7 Händigkeit Unser Gehirn besteht aus zwei Hirnhälften (Hirnhemisphären), welche durch eine Brücke (Balken) verbunden sind. Beide Hirnhälften haben unterschiedliche Funktionsschwerpunkte, arbeiten jedoch eng zusammen. Die rechte Hirnhemisphäre ist überwiegend für die motorischen und sensorischen Aktivitäten der linken Körperseite, also auch für die der linken Hand zuständig. Zudem werden in dieser Hirnhälfte die emotionalen Empfindungen und eher ganzheitliche Wahrnehmung verarbeitet. Die linke Hirnhemisphäre hingegen ist für die motorischen und sensorischen Aktivitäten der rechten Körperseite zuständig. Weiter werden in ihr das analytische und linear-serielle Denken verarbeitet (Kisch & Pauli, 2013, S. 17). 12 Kisch & Pauli (2013, S. 18) schreiben, dass die Händigkeit eines Kindes angeboren ist und nicht verändert werden darf. Die Händigkeit ist durch die motorische Dominanz einer der beiden Hirnhemisphären festgelegt. Eine Hirnhemisphäre ist also in Bezug auf bestimmte Funktionen überlegen. Bei der Händigkeit bedeutet dies, dass die dominante Hand beim Kind geschickter ist. Diese Geschicklichkeit zeigt sich in verschiedenen Komponenten, wie beispielsweise einer besseren Koordinationsfähigkeit, einer exakteren Feindosierung oder einer höheren Genauigkeit. Es gibt also keine «Beidhändigkeit». Bei Kindern, welche wechselnden Handgebrauch zeigen ist deren Händigkeitsausprägung noch nicht abgeschlossen oder gestört. Kisch & Pauli (2013) betonen: «Zwischen dem 10. und 20. Lebensmonat zeigt sich bei einigen Kindern bereits eine eindeutige Bevorzugung der linken oder rechten Hand. Bis zum 24. Monat stabilisiert sich die Händigkeit zunehmend. Im Alterszeitraum zwischen 4 und 5 Jahren sollte sie festgelegt sein» (S. 18). 2.3 Entwicklung der Feinmotorik Im Folgenden wird zuerst die allgemeine Entwicklung der Feinmotorik aufgezeigt. Danach wird spezifisch auf die Greifentwicklung und In-Hand-Manipulation eingegangen. Zuletzt wird die Variabilität in der Entwicklung und Entwicklungsverzögerungen thematisiert. 2.3.1 Allgemeine Entwicklung der Feinmotorik Sägesser Wyss et al. (2024, S. 26) zeigen auf, dass die motorische und wahrnehmungsbezogene Entwicklung grundsätzlich vom Kopf zu den Füssen und von der Körpermitte nach aussen zu den Extremitäten verläuft. Rumpfnahe Bewegungen können also früher kontrolliert werden als feinmotorische Bewegungen wie beispielsweise die der Fingerspitzen. Auch Meinel und Schnabel (2015, S. 253) stellen fest, dass die motorische Entwicklung von den grossen Muskelgruppen zu den kleinen verläuft. Die zentralen (körpernahen) Bewegungen entwickeln sich somit vor den peripheren (körperfernen) Bewegungen. Dies zeigt klar auf, dass die Koordination der Feinmotorik eine hohe Anforderung darstellt und die feinmotorischen Bewegungen erst gegen Ende der Bewegungsentwicklung ausdifferenziert werden. Groschwald et al. (2018, S. 23) zeigen die zwei miteinander verbunden Reifungsprozesse der Handmotorik auf. Diese sind ähnlich wie oben beschrieben, nun aber spezifisch auf die Hände angepasst. Einerseits gibt es den Reifungsprozess von der Körpermitte zur Körperperipherie, was bedeutet, dass die Differenzierung der Armmotorik von der Schulter, dem Oberarm, dem Unterarm zur Hand vorschreitet. Der zweite Reifungsprozess entwickelt sich von der Handfläche zu den Fingerspitzen. Die Handmotorik entwickelt sich fortschreitend vom Handgelenk über die Handfläche bis hin zu den Fingerspitzen. Dies ist auch gut erkennbar in der Greifentwicklung, welche später noch erläutert wird. 13 Aufgeführt in der Tabelle 1 ist die Entwicklung der Feinmotorik von der Geburt bis zum achten Lebensjahr. Die Tabelle ist eine eigene Zusammenstellung und stützt sich auf die Beschreibungen von Groschwald et al. (2018, S. 22–27), Oswald (2020, S. 16–19) und Sägesser Wyss et al. (2024, S. 32–33). Das Wissen über den Normalverlauf der feinmotorischen Entwicklung der Hände in den ersten acht Lebensjahren ist zentral für diese Arbeit. Da die Entwicklung im ersten Lebensjahr schnell verläuft, wird diese in der nachfolgenden Tabelle zu Beginn in kürzeren Zeitabständen aufgeführt. Tabelle 1: Chronologische Entwicklung der Feinmotorik (eigene Darstellung) Altersspanne Grenzsteine der Feinmotorik Vor der Geburt bis zum dritten Lebensmonat Etwa nach der achten Schwangerschaftswoche sind bei einer Ultraschalluntersuchung bereits erste unwillkürliche Handbewegungen nachweisbar. Ein neugeborener Säugling liegt in Rückenoder Bauchlage, wobei die Hände meist gefaustet sind. Das Öffnen der Hände ist noch unkoordiniert, es sind jedoch spontane Fingerbewegungen vorhanden. Der Säugling nuckelt häufig an seinen Händen und Fingern, wodurch er diese erkundet. Zudem haben Neugeborene einen bestehenden Handgreifreflex - wenn man auf ihre Handfläche drückt, klammert sich die Hand fest an den angebotenen Finger oder Greifring. Mit drei Monaten fixieren Säuglinge Gegenstände für kurze Zeit und verfolgen sie mit dem Auge. Dies ist der Beginn der Auge-Hand-Koordination. Mit Ende des dritten Lebensmonats entsteht das Bewusstsein der Steuerungsfähigkeit der eigenen Hand und die Fähigkeit ihre Bewegungen mit dem Auge zu kontrollieren. Vierter bis sechster Lebensmonat Der Säugling stützt sich zunehmend auf seinen Unterarmen ab, wodurch die Hand immer mehr als Stütze genutzt wird. Mit vier Monaten tritt das aktive, bewusste und gezielte Greifen hervor. Ein Kind in diesem Alter kann seine Hände gezielt nach einem Gegenstand ausstrecken, diesen ergreifen und zum Mund führen. Beim Greifen liegt der Daumen neben den Fingern und wird noch nicht isoliert bewegt. Palmares Greifen (mit der ganzen Handfläche und gestrecktem Daumen) mit beiden Händen ist möglich. Der Mund wird zum Erkunden der Gegenstände intensiv eingesetzt. Ungefähr ab dem sechsten Lebensmonat kann das Kind einen Gegenstand über die Körpermittellinie von einer Hand in die andere geben. Dadurch entsteht ein Zusammenspiel beider Hände (HandHand-Koordination). Zudem beginnt das Kind, die Handund Armbewegungen der Bezugspersonen nachzuahmen. Siebter bis neunter Lebensmonat In dieser Phase beginnt sich das Kind selbständig fortzubewegen. Das Kind dreht sich, robbt und krabbelt. Im Alter von etwa acht Monaten kann das Kind frei sitzen. Kleine Gegenstände werden mit gestreckten Fingern und dem Daumen ergriffen werden. Das palmare Greifen wird ab diesem 14 Zeitpunkt durch den Scherengriff erweitert. Das Kind kann etwa ab dem siebten oder achten Monat mit jeder Hand gleichzeitig einen Gegenstand festhalten. Meistens schlägt es die verschiedenen Gegenstände gegeneinander. Das Kind nimmt Gegenstände weiter in den Mund, um sie oral zu erkunden. Immer mehr verbindet das Kind visuelle, taktile, propriozeptive und gustatorische Sinnesreize. Bewusstes öffnen der Hand gelingt einem Kind ab dem neunten Lebensmonat. Es kann also Gegenstände bewusst fallen lassen. Zehnter bis zwölfter Lebensmonat Mit etwa zehn Monaten kann das Kind Gegenstände mit dem Pinzettengriff ergreifen. Dies kann man beobachten, wenn die Kinder den Gegenstand zwischen dem Zeigefinger und dem Daumen greifen. Zu Beginn ist noch der Mittelfinger beteiligt, bis diese Hilfestellung nicht mehr gebraucht wird. Mit der Zeit gelingt es den Kindern immer besser die Finger zu beugen und nur mit den Fingerspitzen zu greifen. Sie werden immer geschickter und öffnen die Finger nur so weit, dass der entsprechende Gegenstand dazwischen Platz hat. Zweites Lebensjahr Die Mehrzahl der Kinder kann nun frei gehen. Aufgrund der neu gewonnenen Bewegungsfreiheit kommt das Kind mit vielen Gegenständen in Kontakt und kann diese erforschen. Die Materialerfahrung wird erweitert und differenziert. Mit 13-15 Lebensmonaten beginnen Kinder Werkzeuge zu gebrauchen. Sie Verwenden einen Löffel, einen Kamm, verschiedene Haushaltsgeräte und vieles mehr. Beidhändige Funktionen gelingen immer besser. Zahlreiche Aktivitäten erfordern die Auge-Hand-Koordination, welche nun zunehmend auch im Spielverhalten sichtbar wird. Das Kind greift gezielt nach Gegenständen, lässt diese wieder los, legt Bausteine in Kästchen oder setzt eine Puppe auf einen Stuhl. Das funktionelle Spiel beginnt. Becher werden gefüllt und entleert, Bilderbücher werden durchgeblättert und betrachtet. Das Kind handelt mit klaren Absichten und seine Handlungen haben einen Zweck. Das Kind ahmt Alltagshandlungen und Haushaltsaktivitäten nach. Gegen Ende des zweiten Lebensjahres trinkt das Kind beidhändig aus einem Gas und isst mit Löffel und Gabel. Bereits am Schluss des zweiten Lebensjahres zeigt das Kind eine beginnende Handpräferenz und verwendet die verschiedenen Griffe gezielt an. Die In-Hand-Manipulation beginnt sich zu entwickeln. 15 Drittes Lebensjahr Im dritten Lebensjahr wird die Handpräferenz deutlich, dadurch bilden sich beim Spielen sowie bei anderen Tätigkeiten eine führende und eine haltende Hand heraus. Das Kind kann zwei bis drei kleine Gegenstände greifen und in die Handfläche transportieren. Auch einfache Drehbewegungen, wie das Öffnen und Schliessen eines Drehverschlusses, gelingen bereits. Gegenstände werden gestapelt, hineingelegt, herausgenommen und unterschiedliche Materialien werden in Gefässe gefüllt. Das Kind erfährt viel über Menge, Grösse und Gewicht. Der Umgang mit der Schere wird langsam gelernt. Das Schneiden selbst ist jedoch noch anspruchsvoll und gezielte Schnitte können noch nicht ausgeführt werden. Die Schere wird zudem meistens mit beiden Händen festgehalten. Das Kind beginnt einzelne Kleidungsstücke selbständig auszuziehen, manchmal gelingt bereits das selbständige Anziehen. Mit drei Jahren hat ein Kind alle wesentlichen Muster der Handmotorik gelernt. Viertes bis sechstes Lebensjahr In dieser Altersspanne werden bereits erlernte Fähigkeiten in der Koordination und im Krafteinsatz weiter verfeinert und in der Händigkeit abgestimmt. Bewegungen finden immer kontrollierter statt. Dies kann man bei Tätigkeiten beobachten, wo die eine Hand einen Gegenstand hält und die andere ihn bearbeitet (z.B. beim Schneiden einer Gurke, beim Formen von Ton usw.). In diesem Alter ist es besonders wichtig, dass Kinder Spielumgebungen erhalten, die ihr haptisches, visuelles und motorisches Neugierverhalten weckt. Dies kann durch Spiele, Bastelund Werktätigkeiten, aber auch durch Alltagshandlungen ermöglicht werden. Siebtes bis achtes Lebensjahr Die Handgeschicklichkeit ist so weit fortgeschritten, dass das Kind in der Lage ist, selbständig zu basteln und zu werken. Manchmal sind die Kinder jedoch noch auf Anregung und Unterstützung des Umfeldes angewiesen. Durch die Fähigkeit Finger einzeln und koordiniert zu bewegen, können Kinder im Alter von acht Jahren komplexe und schnelle Fingerspiele durchführen. Die Fingerbewegungen sind automatisiert und können flexibel variiert werden. Zudem kann die Feindosierung der Bewegung der jeweiligen Aufgabe in vielfältiger Weise angepasst werden (Pauli & Kisch, 2019, S. 39–40). 2.3.2 Entwicklung des Greifens und In-Hand-Manipulation Die Greifentwicklung ist von hoher Bedeutung, insbesondere für die Aufrichtung und Fortbewegung, aber auch für die Ausführung zunehmender Alltagstätigkeiten (Meinel & Schnabel, 2015, S. 254–255). Das Greifen ist laut Jenni (2021, S. 189) wohl der wichtigste Meilenstein der Feinmotorik im ersten Lebensjahr. Meinel und Schnabel (2015, S. 254–255) betonen, dass die Entwicklung des gezielten Greifens in engem Zusammenhang mit dem Aufbau der Koordinationsfähigkeit von Auge und Hand steht. 16 Kinder im Alter von vier Monaten zeigen erste Greifversuche (Groschwald et al., 2018). Ab diesem Zeitpunkt des gezielten Greifens gibt es eine bestimmte Aufeinanderfolge von Greifformen. Diese werden in der nachfolgenden Tabelle 2 genauer erläutert und mit Bildern verdeutlicht. Es ist eine eigene Darstellung in Anlehnung an Oswald (2020, S. 19–21), Sägesser Wyss et al. (2024, S. 28) und (Rosenkötter, 2021, S. 59). Tabelle 2: Meilensteine der Greifentwicklung (eigene Darstellung) Bezeichnung Beschreibung der Entwicklung des Greifens Abbildungen (aus Oswald, 2020, S. 19–21) Ungefähres Alter in Monaten Erstes aktives Greifen 3-4 Palmares Greifen Objekte werden vorwiegend mit den Fingern und ohne Beteiligung des Daumens ergriffen/ Ganze Handfläche ist am Greifen beteiligt/ gestreckter Daumen 6 Scherengriff oder Schlüsselgriff Ein Gegenstand wird zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt wie mit einer Schere/ Der Daumen fixiert den Gegenstand mehr an der Aussenkante des Zeigefingers 8-10 Indexfinger Das Kind bohrt mit dem Zeigefinger in kleine Löcher oder befühlt Unebenheiten 10 Pinzettengriff Greifen mit gestrecktem Zeigefinger und opponiertem Daumen 11 Gezieltes Loslassen 11-15 Zangengriff Greifen mit gebeugtem Zeigefinger und opponiertem Daumen 12 Pressgriff Der Daumen, Zeigefinger, Mittel-, Ringund Kleinfinger drückenden Gegenstand gegen die Handfläche (Halten von Messer, Zahnbürste, Hammer oder Pfannengriff) Ab 12 17 Unter In-Hand-Manipulation versteht man das Manipulieren von kleinen Objekten in der Hand. Im Alltag gibt es unterschiedliche Formen, welche wir anwenden. Oswald (2020, S. 21–23) veranschaulicht die In-Hand-Manipulation mit einer Alltagssituation. Wenn wir eine Münze aus dem Portemonnaie nehmen, ergreifen wir das Geldstück mit dem Zeigefinger und dem Daumen, transportieren diese zur Handfläche, fixieren es mit dem Mittel-, Ringund Kleinfinger bis wir die Münzen an eine andere Person weitergeben. Exner (1992 zitiert nach Oswald, 2020, S. 21) unterscheidet drei Formen der In-Hand-Manipulation. Oswald (2020, S. 21–23) beschreibt diese wie folgt: Translation: dazu gehören lineare Bewegungen - lineare Bewegungen von der Handfläche zu den Fingerspitzen (ab ca. 15 Monaten) - lineare Bewegungen von der Handfläche zu den Fingerspitzen, mit Stabilisation, mit mehreren Objekten (ab ca. 24-30 Monaten) - lineare Bewegungen von den Fingerspitzen zur Handfläche, mit und ohne Stabilisation (ab ca. 24-30 Monaten) Abbildung 3: Alltagsbeispiel mit Geldmünzen - Translation (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 22)) Shift: bezeichnet das Verschieben von Objekten in der Hand - verschieben eines Objektes zwischen den Fingern, längs der Fingerspitzen oder quer der Fingerspitzen (ab ca. 36 Monaten) – z.B. Prüfen der Stoffqualität, Nachgreifen am Stift - Verschieben mit Stabilisation (ab ca. 4-5 Jahren) – z.B. Schnappverschluss öffnen Abbildung 4: Alltagsbeispiel Stoffqualität prüfen - Shift (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 22)) 18 Rotation: dabei wird ein Objekt mit isolierten, unabhängigen Fingerbewegungen um 180° oder 360° in einer Hand gedreht. - Einfache Rotation (ab ca. 24 Monaten) – z.B. Schraubverschluss aufund zudrehen - Einfache Rotation mit Stabilisation – z.B. ein Puzzleteil mit dem 3.,4.,5. Finger in der Handfläche fixieren und gleichzeitig ein 2. Teil mittels Zangengriffs hin und her drehen - Komplexe Rotation: ein Objekt (Stift, Bausteine) in der Hand drehen (ab ca. 36-48 Monaten) – z.B. den Bleistift um 180° rotieren, um mit dem Radiergummiende zu radieren 2.3.3 Variabilität und Entwicklungsverzögerung Die Entwicklung der Handmotorik und -geschicklichkeit kann individuell variieren und ist abhängig vom Umfeld und von der Förderung. Im ersten Lebensjahr kann es zu Abweichungen von 1-2 Monaten kommen (Pauli & Kisch, 2019, S. 21). Auch Vetter et al. (2010, S. 34–35) weisen darauf hin, dass die kindliche Entwicklung sehr individuell in einer grossen Vielfalt verläuft und es für alle Entwicklungsschritte grosse Spannbreiten gibt. In der motorischen Entwicklung gibt es eine grosse Variabilität. Einerseits gibt es individuelle Unterschiede, welche dazu führen können, dass einige Kinder Vorstufen einer zu erwerbenden Bewegungsform ganz auslassen. Besonders sind aber auch generelle Unterschiede im Zeitverlauf der Aneignung von verschiedenen Bewegungsformen festzustellen. Die Gründe dieser motorischen Variabilitäten kann man nicht konkret belegen. Man erklärt sie sich aber vor allem durch den unterschiedlichen Reifungsprozess des Nervensystems, durch die verschiedenen Umweltbedingungen, aber auch durch den Einfluss der sozialen Umwelt (Meinel & Schnabel, 2015, S. 258). Der Autorin ist es wichtig zu betonen, dass in allen Entwicklungsbereichen Variabilität vorhanden ist. Grenzsteine können einen hilfreichen Anhaltspunkt geben, wo das Kind in der Entwicklung stehen könnte. Jedoch sollte allen bewusst sein, dass die Entwicklungsschritte einem längeren Zeitraum entsprechen und auch noch später aufgeholt werden können. Sobald man jedoch das Gefühl hat, dass die Entwicklung der Feinmotorik des Kindes stark verzögert ist und viele Grenzsteine noch nicht erreicht sind, macht es Sinn eine Fachperson einzubeziehen. Bei einer motorischen Diagnostik wird dann geschaut, welche Gründe dahinter liegen können und in welchem Bereich genau das Kind gefördert werden kann. Da die Feinmotorik von vielen Aspekte beeinflusst wird, können Schwierigkeiten ihren Ursprung sowohl Abbildung 5: Alltagsbeispiel Schraubverschluss öffnen - Rotation (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 23)) 19 in der Motorik, der Lateralität (unklare Händigkeit) oder auch in unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen haben (Klöck & Schorer, 2020, S. 103). Umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen (UEMF) Probleme in der Feinmotorik und der Handgeschicklichkeit werden in der ICD-10 als «umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen» (UEMF) klassifiziert. Als Hauptmerkmale der UEMF wird eine schwerwiegende Entwicklungsbeeinträchtigung der motorischen Koordination gesehen (Oswald, 2020, S. 24). Eine umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen zeigt sich im Laufe des Kleinkindalters (Groschwald et al., 2018, S. 65–66). Typischerweise soll die Diagnose jedoch nicht vor dem fünften Lebensjahr gestellt werden. Bei einer UEMF ist nur der Entwicklungsbereich der Motorik betroffen, die sonstige Entwicklung des Kindes verläuft altersgerecht (Oswald, 2020, S. 24). Folgende drei Merkmale gehören nach Jenni (2024, S. 154–155) zu einer umschriebenen Entwicklungsstörung motorischer Funktionen (UEMF): - Auffällige Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern, unter Berücksichtigung des kognitiven Entwicklungsstandes und der individuellen Lernvoraussetzungen. - Die motorischen Schwierigkeiten bestehen über einen längeren Zeitraum und beeinträchtigen den Alltag des Kindes deutlich – insbesondere in schulischen Anforderungen, beim Spielen und in der Freizeit. - Die motorischen Defizite lassen sich nicht durch neurologische oder psychische Erkrankungen oder durch soziale bzw. kulturelle Einflüsse erklären und treten bereits im frühen Kindesalter auf. Die Ursachen einer UEMF liegen oft in einer familiären Veranlagung. Eher selten anzutreffen aber auch möglich ist, dass sie die Folge einer schwierigen Schwangerschaft, von Problemen bei der Geburt oder sozialen Voraussetzungen ist (Groschwald et al., 2018, S. 66). Weitere Störungen der Handmotorik Schwierigkeiten in der Handmotorik können auch Teil einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung sein. Somit weisst das Kind nicht nur im motorischen Bereich eine Verzögerung auf, sondern auch in andern, wie beispielsweise der Sprache oder der Kognition. Regelmässige qualifizierte Beobachtungen aller Entwicklungsbereiche sind bei jedem Kind wichtig. Eine isolierte Beeinträchtigung der Handmotorik kann zudem auch durch organische Krankheiten verursacht sein. Häufig ist sie Folge einer neurologischen oder genetischen Störung, wie beispielsweise spastische Zerebralparese, Gehirnerkrankungen, Muskelerkrankungen oder angeborene Fehlbildungen (Groschwald et al., 2018, S. 67–68). 2.4 Feinmotorik und Lernen Für kleine Kinder sind zunächst das Nachahmen (Lernen am Modell) und das Sich-an-etwas-gewöhnen besonders wichtige Lernmethoden. Die Lernmotivation verschiebt sich in der 20 kindlichen Entwicklung von aussen gesteuert (extrinsische Motivation – Zusprache, Lob und Vorbild anderer Menschen) zunehmend zur Motivation durch den eigenen Antrieb (intrinsische Motivation) (Groschwald et al., 2018, S. 11). Diese Lernprinzipien lassen sich ebenfalls auf die Feinmotorik beziehen. Groschwald et al. (2018, S. 72–74) beschreiben drei verschiedene sehr relevante Grundsätze, welche bei der Förderung und beim Lernen feinmotorischer Fertigkeiten beachtet werden sollen: Unterund Überforderung vermeiden: Wenn ein Kind oder eine erwachsene Person unteroder überfordert ist, dann bricht es das Spiel oder die Aufgabe meistens ab oder findet eine Möglichkeit die Situation zu vermeiden. Überund Unterforderung führen zu Stress. Fachkräfte oder auch Eltern sollten die Stärken und Ressourcen, wie auch mögliche Barrieren einschätzten können. Die Förderung kann somit auf den Entwicklungsstand des Kindes angepasst werden. Konsistentes Lernen: Zu konsistentem Lernen gehören Wiederholungen und Variationen. Genau bedeutet es dauerhaft und unverändert zu lernen. Damit ein Kind Abläufe oder Wissen automatisieren kann, sollten Spieloder Lernsituationen zunächst möglichst gleichbleibend gestaltet werden. Erst dann ist das Wissen gefestigt, kann ohne bewusstes Nachdenken abgerufen und möglicherweise auf neue Situationen übertragen werden. Man kann darauf vertrauen, dass Kinder eine Aufgabe oder ein Spiel selbst ändern, wenn dies für sie keine Schwierigkeit mehr darstellt. Bei Kindern, welche Schwierigkeiten mit der Bewältigung haben, ist es besonders wichtig die Bedingungen unverändert zu lassen. Durch die Wiederholungen kann gelernt und das Wissen gefestigt werden. Motivation, Aktivierung und Fokussierung: Die Lernmotivation ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Sie ist abhängig von der individuellen Erwartung auf Erfolg oder Misserfolg und dem Selbstwertgefühl. Die Motivation zum Lernen und Üben hängt zudem davon ab, ob das Lernen aus eigenem Antrieb oder aus äusserem Antrieb erfolgt. Kinder mit einem hohen Selbstwertgefühl werden durch interessante Gegenstände oder erfolgreiche Tätigkeiten intrinsisch motiviert. Manchmal ist jedoch auch eine zusätzliche Motivation, eine Hilfestellung oder ein besonderes Lob nötig, um ein Kind zum Lernen und Handeln zu motivieren. Aktivierung und Fokussierung stehen ebenfalls in Zusammenhang mit der Motivation und dem Selbstwertgefühl. Kinder mit einer Erfolgserwartung stellen sich höhere Ansprüche und verfolgen diese mit hoher Aufmerksamkeit. Ergänzend erwähnen Vetter et al. (2010, S. 38–39) das Spiel als einen wichtigen Faktor für das Lernen. Spiel ist die Haupttätigkeit von Kindern. Lernen im Spiel ist wirkungsvoll, da es aus innerem Antrieb geschieht. Im Spiel machen Kinder die unterschiedlichsten Erfahrungen, können Neues ausprobieren, ihre Gefühle ausdrücken und soziale Kontakte schliessen. 27 3.2.2 Bevorzugte Informationskanäle Eine Frage bezog sich darauf, welche bevorzugten Informationskanäle die Teilnehmenden nutzen würden, wenn sie sich mehr über die Feinmotorik von Kindern informieren möchten (siehe Abbildung 8). Abbildung 8: Bevorzugte Kanäle, um sich über die Feinmotorik von Kindern zu informieren (aus Umfrage von Microsoft Forms) Bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich. Ungefähr 44% der abgegebenen Antworten bestanden darin, sich persönlich bei medizinisch-therapeutischen oder pädagogischen Fachpersonen zu informieren. Das Gespräch mit anderen Eltern nannten nur wenig als Informationskanal für dieses Themengebiet. Relevant für die Entwicklung des Ideenkatalogs wurde die Differenz zwischen der Bevorzugung analoger oder digitaler Informationskanäle angesehen. Dabei zeigte sich, dass die digitalen Informationskanäle von rund 80% der Teilnehmenden bevorzugt werden, während analoge Informationskanäle, seltener genutzt werden (siehe Abbildung 9). Insgesamt vier Personen wählten die spezifische Internetsuche als Informationskanal aus. Darunter wird ein gezieltes Aufrufen eines Links oder einer Plattform verstanden, wobei die Informationsquelle bereits bekannt ist. Dies kann beispielsweise durch einen Flyer oder eine Empfehlung einer Fachperson sein. Obwohl es sich dabei um einen digitalen Informationskanal handelt, wurde diese Option vergleichsweise selten gewählt. Die Autorin kann sich gut vorstellen, dass diese Art von Informationskanal noch wenig bekannt ist. 3.2.3 Kenntnisse und Wünsche über die Feinmotorik Rund 60 % der Teilnehmenden hatten eine ungefähre Vorstellung davon, was der Begriff Feinmotorik bedeutet. 35 % gaben an, die genaue Bedeutung des Begriffs zu kennen. Lediglich 19% 62% 19% Fachliteratur (z.B. Bücher, Zeitschriften) - analog Internetsuche (z.B. Google, Blogs) - digital spezifische Internetsuche (z.B. Fachlink mit gezielten Förderideen) - digital Abbildung 9: Verhältnis digitale und analoge Informationskanäle (eigene Darstellung) 28 eine Person war sich unsicher hinsichtlich der Definition. In der Abbildung 10 ist ersichtlich, welche Kenntnisse die Bezugspersonen über die verschiedenen Teilbereiche haben. In den Teilbereichen Greifentwicklung, Handund Fingerkraft sowie Hand-Hand-Koordination verfügen rund 65 % der Teilnehmenden über Grundkenntnisse. Im Teilbereich Händigkeit gaben etwa 45 % an, Grundkenntnisse zu besitzen, während die restlichen 55 % nur wenig oder gar keine Kenntnisse haben. Der Teilbereich der taktil-kinästhetische Wahrnehmung ist mit Abstand am unbekanntesten: 65 % der Teilnehmenden gaben an, keinerlei Kenntnisse darüber zu haben und weitere 20 % verfügen nur über wenig Wissen. Insgesamt zeigten 55 % bis 70 % der Teilnehmenden Interesse daran, mehr über die verschiedenen Teilbereiche zu erfahren. Dabei variierte das Interesse zwischen den Bereichen nur minim. Abbildung 10: Kenntnisse über die Teilbereiche der Feinmotorik (aus Umfrage von Microsoft Forms) 3.2.4 Feinmotorik und Alltagstätigkeiten Das Bewusstsein über die feinmotorische Beteiligung in vielen Alltagstätigkeiten ist bei 90% der Teilnehmenden vorhanden. Nur 10% gaben an, dass ihnen dies nur teilweise bewusst ist. Laut den Angaben der teilnehmenden Personen beziehen sie ihre Kinder besonders aktiv in das Kleider Anund Ausziehen und das Aufräumen ein. Bei den Alltagstätigkeiten Kochen, Backen und Gartenarbeit gaben zwischen 60-80% der teilnehmenden Personen an, ihre Kinder oft aktiv einzubinden. Am seltensten wurde angegeben, dass die Kinder in das Waschen einbezogen werden. Auf das offene Fragefeld zu weiteren Alltagstätigkeiten, in welche die Kinder häufig eingebunden werden, gingen neun Antworten ein, die teilweise auch mehrere Tätigkeiten beinhalteten. Dabei wurden folgende Tätigkeiten genannt: Basteln, Couverts einpacken, Papier zuschneiden, Wäsche falten, Wäsche sortieren, Entsorgung, Haustiere pflegen, Tisch decken und abräumen, Geschirrspüler einräumen, Türen und Briefkasten aufschliessen, Bücher lesen und umblättern, Helm anziehen, Zähne putzen, Haare kämmen, Gesicht waschen, Hände mit Seife waschen, Toilettengang und Duschen. 29 3.2.5 Bedarf Ideenkatalog Die letzte Frage bezog sich direkt auf den Ideenkatalog. Es ging darum, welche Informationen in einem Ideenkatalog zur Förderung der Feinmotorik im Alltag als hilfreich erachtet werden. Die Teilnehmenden konnten die neun aufgelisteten Informationen anhand der Nützlichkeit ordnen. In der Tabelle 3 ist das Resultat ersichtlich. Aus allen Antworten wurde diese durchschnittliche Reihenfolge erstellt. Tabelle 3: Nützlichkeit der Informationen im Ideenkatalog (eigene Darstellung) Sehr hilfreich 1 Absicht der Alltagtätigkeit (Was wird genau gefördert?) 2 Detaillierte Anleitung der Alltagstätigkeit 3 Hinweise zur Anpassung der Tätigkeit zur feinmotorischen Unterstützung 4 Mögliche Beobachtungspunkte während der Alltagstätigkeit 5 Tipps zur Motivation des Kindes 6 Hintergrundinformationen zur Feinmotorik und deren Entwicklung 7 Benötigtes Material 8 Zeitaufwand für die Durchführung 9 Wenig hilfreich Hintergrundinformationen zum Handgebrauch (RechtsLinkshändigkeit) 30 4 Ideenkatalog «Feinmotorik im Alltag» In diesem Teil der Arbeit wird dargelegt, wie der Ideenkatalog «Feinmotorik im Alltag» entstanden ist. Zu Beginn wird das methodische Vorgehen erläutert und danach aufgezeigt, welche Ergebnisse aus der Literatur und der Umfrage in die Erarbeitung des Ideenkatalogs eingeflossen sind. Zum Schluss wird kurz auf den Aufbau des Ideenkatalogs eingegangen. 4.1 Methodisches Vorgehen zur Entwicklung des Ideenkatalogs Als Grundlage des Ideenkatalogs dienen einerseits die Literaturrecherche und andererseits die gemachte Ist-Analyse. In den nachfolgenden Kapiteln (Kapitel 4.2.1 und 4.2.2) wird erläutert, welche Inhalte in die Erstellung eingeflossen sind. Mit diesem Hintergrund werden die Förderideen entwickelt und ausgetestet. Zudem werden die theoretischen Hintergründe so aufbereitet, dass sie für Bezugspersonen schnell lesbar und gut verständlich sind. Der digitale Ideenkatalog wird in Form einer Webseite mit Jimdo erstellt. In der untenstehenden Abbildung 11 wird das methodische Vorgehen zur Entwicklung des Ideenkatalogs verbildlicht. Literaturrecherche - Teilaspekte der Feinmotorik - Entwicklung der Feinmotorik - Alltagsintegrierte Förderung Ist-Analyse - Kenntnisse der Bezugspersonen - Einbezug in Alltagstätigkeiten - Wünsche an den Ideenkatalog - Aufbereitung der Inhalte - Entwicklung der Förderideen Erstellung Ideenkatalog mit Jimdo Fazit für die Weiterarbeit - Einbauen der Inhalte in den Ideenkatalog - Relevantes für die Förderung Auswertung und Fazit für die Weiterarbeit - Erforderliches Wissen für Bezugspersonen - Aufbau alltagsnahe, niederschwellige Förderideen für Bezugspersonen Anpassungsprozess Aufbereitung Abbildung 11: Methodisches Vorgehen für die Entwicklung des Ideenkatalogs (eigene Darstellung) 31 Wichtig zu erwähnen ist, dass die Literaturrecherche und die Ist-Analyse als Ausgangslage für den Ideenkatalog dienen. Als besonders wichtig für diese Arbeit wird jedoch erachtet, dass die Inhalte auf die Zielgruppe und die Entwicklungsidee adaptiert werden. Es soll herausgearbeitet werden, was für die Förderung aus fachlicher Sicht beachtet werden muss, wie die Förderideen einfach in den Alltag eingebaut werden können und welches Wissen Bezugspersonen benötigen, um die Ideen umzusetzen. Für die Erstellung der Förderideen orientiert sich diese Arbeit an verschiedenen Alltagstätigkeiten, wo die Hände essenziel sind. Alle Ideen wurden von der Autorin selbst entwickelt. Die eigenen Erfahrungen im Alltag und das neu gewonnene Hintergrundwissen zur Feinmotorik haben sie dabei beeinflusst. 4.2 Auswahl der Inhalte Nachfolgend wird darauf eingegangen, welche Inhalte aus der Literaturrecherche und der IstAnalyse in den Ideenkatalog einfliessen. 4.2.1 Literaturrecherche In der Fachliteratur wird die Bedeutung einer ganzheitlichen Sichtweise auf die Feinmotorik betont. Eine gelingende feinmotorische Entwicklung ist eng mit anderen Entwicklungsbereichen wie beispielsweise der Grobmotorik oder den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen verknüpft (Haerle & Scheuzger-Hofmann, 2015, S. 7–8). Diese enge Verbindung ist auch für die Förderung zentral. Aus diesem Grund sollen unterschiedliche Entwicklungsbereiche in den Ideenkatalog eingebaut und durch verschiedene Alltagstätigkeiten angeregt werden. Aus fachlicher Sicht sind die Teilaspekte Händigkeit, taktil-kinästhetische Wahrnehmung und die Visuomotorik (Auge-Hand-Koordination/ visuomotorische Integration) besonders hervorzuheben. Im Ideenkatalog wird dies unter anderem durch Hintergrundinformationen oder Beobachtungspunkte eingebaut. Die Entwicklung der Feinund Greifmotorik bis zum achten Lebensjahr ist zentral für den Ideenkatalog. Ziel ist es, dass die Förderideen auf den Entwicklungsstand der Kinder abgestimmt werden können. Grenzsteine können Bezugspersonen einen groben Überblick oder einen Anhaltspunkt über die Entwicklung der Feinmotorik bei Kindern geben. Gleichzeitig soll die Individualität der Entwicklung berücksichtigt werden. Die Förderideen sollen Raum für Veränderung lassen. Variationen in Schwierigkeitsgrad, Ablauf, Ort oder Inhalt der Tätigkeiten ermöglichen eine flexible Anpassung an die jeweilige Situation oder an den Entwicklungsstand des Kindes (Vetter et al., 2010, S. 43). Die Autorin sieht es als ihre Aufgaben, durch die Aufbereitung des Ideenkataloges die Bezugspersonen bestmöglich zu unterstützen. Die Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Feinmotorik werden kurz, vereinfacht und verständlich auf der Webseite zusammengefasst. Zu jeder Alltagstätigkeit im Ideenkatalog werden ergänzende Hinweise zur 32 Vereinfachung oder Erschwerung gemacht. Auch kurze Beschreibungen und Tipps für die Motivation, Fehlerkontrolle, Vorbildfunktion oder mögliche Beobachtungspunkte der ausgewählten Alltagstätigkeiten, können die Bezugspersonen unterstützten. Diese Inhalte müssen jedoch nicht zwingend im Voraus gelesen werden, sondern können bei Interesse später nachgelesen werden. Zur Steigerung der Attraktivität der Ideen sollen Tätigkeiten auch in Spiele oder Geschichten eingebaut werden können. An einigen Stellen werden direkt Ideen vorgeschlagen, zusätzlich wird im Allgemeinen auf die Wichtigkeit der Motivation hingewiesen. Bei der alltagsintegrierten Förderung werden keine bestimmten Materialen oder Programmbausteine genutzt. Auch strukturierte, standardisierte Abfolgen von Fördermassnahmen sind nicht vorgesehen. Es wird davon ausgegangen, dass bereits alltägliche Situationen zahlreiche Möglichkeiten zur Förderung der motorischen Kompetenzen bieten (Gartmann & Jungmann, 2021, S. 30). Die Ideen sind daher bewusst niederschwellig und alltagsnah gestaltet. Sie sollen möglichst einfach und flexibel einsetzbar sein. 4.2.2 Ergebnisse Ist-Analyse Die Umfrage zeigte, dass die digitalen Informationskanäle bevorzugt werden. Gestützt darauf wurde entschieden den Ideenkatalog in Form einer Webseite als digitalen Ideenkatalog zu gestalten. Über die Teilbereiche Händigkeit und taktil-kinästhetische Wahrnehmung besitzen Bezugspersonen am wenigsten Kenntnisse. Dies soll aufgegriffen und bewusst in den Ideenkatalog eingebaut werden. Einerseits durch Hintergrundwissen, andererseits aber auch anhand konkreten Förderideen zu diesen Teilbereichen. Bezugspersonen beziehen ihre Kinder oft beim Kleider Anund Ausziehen, dem Aufräumen, dem Kochen, dem Backen oder der Gartenarbeit ein. Einzig beim Waschen werden die Kinder weniger eingebunden. Dies gibt einen Anhaltspunkt, bei welchen Alltagstätigkeiten angesetzt werden kann. Bei den Alltagstätigkeiten, bei denen die Kinder bereits regelmässig eingebunden werden, können aus feinmotorischer Sicht Inputs oder Beobachtungspunkte aufgezeigt werden. Die qualitative Ausführung der Alltagtätigkeiten sieht die Autorin in ihrer Aufgabe. Auch sollten spielerische Variationen aufgezeigt und das Bewusstsein für die Förderung der Feinmotorik gestärkt werden. Was genau die Absicht einer Alltagstätigkeit mit Hinblick auf die Feinmotorik ist, wünschen sich die Bezugspersonen im Besonderen. Auch eine detaillierte Anleitung der Alltagstätigkeit, Hinweise zur Anpassung der Tätigkeit zur feinmotorischen Unterstützung und möglichen Beobachtungspunkte geben Bezugspersonen als hilfreich an. Dies soll in den Aufbau der Förderideen einfliessen. 33 4.3 Aufbau Ideenkatalog Der digitale Ideenkatlog wurde mittels Jimdo erstellt. Die Webseite mit den verschiedenen Förderideen heisst «Feinmotorik im Alltag». Die Webseite und der integrierte Ideenkatalog sind unter folgendem Link auffindbar: Feinmotorik im Alltag Die Webseite ist nach folgenden vier Seiten aufgebaut: Abbildung 12: Aufbau Webseite (Screenshot der Webseite) Auf der Startseite wird kurz beschrieben, aus welchem Anlass die Webseite entstanden ist, wer die Autorin ist und was Psychomotoriktherapie bedeutet. Darauf folgt der Ideenkatalog, welcher das Herzstück der Webseite ist. Aufgrund der Zielgruppe wurde entschieden, die Förderideen anhand verschiedener Alltagstätigkeiten zu ordnen (Kochen, Backen, Waschen usw.). Für jede Alltagstätigkeit gibt es verschieden Förderideen. Die Förderideen auf der Webseite sind gleich aufgebaut (siehe Abbildung 13). Nach dem Titel der Idee folgt eine Anleitung mit Fokus auf die Aufgabe der Hände. Dabei soll die feinmotorische Beteiligung während der Alltagstätigkeit aufgezeigt werden. Danach folgen Ergänzungen zu diesen drei Punkten: Absicht, Variationen, Beobachtungspunkte. Jede Förderidee ist mit einem eigenen Foto verbildlicht. Abbildung 13: Beispiel Alltagstätigkeit aus dem Ideenkatalog (Screenshot der Webseite mit eigener Aufnahme) 34 Auf der weiteren Seite «Hintergrundwissen» wird zu Beginn der Begriff Feinmotorik erklärt. Danach werden die Meilensteine der feinmotorischen Entwicklung kurz und vereinfacht in einer Tabelle dargestellt. Zudem findet man auf dieser Seite eine Begriffserklärung, bei der beispielsweise Teilaspekte erklärt werden, welche bei einigen Förderideen angesprochen werden. Die Seite des Hintergrundwissens ist bewusst nach dem Ideenkatalog angeordnet. Es wurde als wichtig erachtet, dass es eine Art Nachschlagwerk für Begriffserklärungen oder Meilensteine sein kann, nicht aber notwendig für die Durchführung der Förderideen ist. Das Hintergrundwissen dient als Ergänzung für interessierte Bezugspersonen. Bei den weiterführenden Informationen sind zu Beginn Tipps zur Begleitung aufgelistet. Da finden Bezugspersonen verschiedene Hinweise zur Motivation, Vorbildrolle, Wiederholungen oder auch zur Fehlerkontrolle. Weiter wird dort auf die Quellenangaben verwiesen. Im Impressum sind die Kontaktdaten der Autorin und die allgemein nötigen Datenschutzhinweise zu finden. Das Impressum und die Datenschutzerklärung wurden nach den EU-Vorgaben erstellt. 35 5 Diskussion und Schlussfolgerung für die psychomotorische Praxis Dieses Kapitel beginnt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse im Hinblick auf die zentralen Fragestellungen. Anschliessend folgt eine Diskussion der Gesamtergebnisse und Schlussfolgerungen zur psychomotorischen Praxis werden gezogen. Im Weiteren wird die Forschungsmethodik diskutiert. Die Arbeit wird mit einem Schlusswort abgerundet. 5.1 Beantwortung der Fragestellungen Nachfolgend werden die drei Fragestellungen dieser Arbeit beantwortet. Die ersten beiden Fragen dienen zur Beantwortung der Hauptfrage. Wie entwickelt sich die Feinmotorik zwischen dem vierten bis zum achten Lebensjahr und welche Anforderungen stellt dies an die Förderung? Die allgemeine motorische Entwicklung verläuft typischerweise vom Kopf zu den Füssen sowie von der Körpermitte nach aussen. Das bedeutet, dass rumpfnahe Bewegungen früher kontrolliert werden können als feinmotorische Bewegungen, wie beispielsweise die der Fingerspitzen (Sägesser Wyss et al., 2024, S. 26). Mit drei Jahren hat ein Kind alle wesentlichen Muster der Handmotorik erlernt. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr verfeinern Kinder bereits erlernte Fähigkeiten in der Koordination sowie im Krafteinsatz und stimmen diese zunehmend mit ihrer Händigkeit ab. In dieser Phase ist es besonders wichtig, Kindern vielfältige Spielund Lernumgebungen zu bieten. Besonders die haptische, visuelle und motorische Neugier soll dabei angeregt werden. Mit dem siebten Lebensjahr ist die Handgeschicklichkeit so weit ausgereift, dass Kinder zunehmend selbstständig basteln und werken können. Dennoch benötigen sie in manchen Fällen weiterhin Unterstützung und Anregungen durch ihr Umfeld, um ihr Potenzial vollständig zu entfalten (Groschwald et al., 2018, S. 27; Oswald, 2020, S. 16–19). Im achten Lebensjahr zeigt sich die Fähigkeit zur differenzierten und koordinierten Bewegung einzelner Finger. Kinder können nun komplexe und schnelle Fingerspiele durchführen. Die Bewegungsabläufe sind weitgehend automatisiert und können flexibel an verschiedene Aufgabenstellungen angepasst werden. Auch die Feindosierung von Bewegungen gelingt zunehmend (Pauli & Kisch, 2019, S. 39–40). Die Entwicklung der Handmotorik und -geschicklichkeit verläuft jedoch nicht bei allen Kindern gleich. Sie ist stark individuell und für alle Entwicklungsschritte gibt es grosse Spannbreiten (Vetter et al., 2010, S. 34–35). Demzufolge ist es wichtig, dass die Förderung dem Entwicklungsstand des Kindes entspricht, um Überoder Unterforderung zu vermeiden (Groschwald et al., 2018, S. 72). Feinmotorik ist immer ganzheitlich zu betrachten, da sie in engem Zusammenspiel mit anderen Bereichen wie der Grobmotorik, der Wahrnehmung, der Kognition 36 und den Emotionen steht (Haerle & Scheuzger-Hofmann, 2015, S. 7–8). Dementsprechend ist auch die feinmotorische Förderung ganzheitlich zu gestalten. Motivation und Freude bilden die Grundlage für nachhaltiges Lernen und die Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten (Gartmann & Jungmann, 2021, S. 17). Die Feinmotorik entwickelt sich im Alter zwischen dem vierten und achten Lebensjahr deutlich weiter und erreicht ein hohes Mass an Differenzierung. Eine individuelle, spielerische und ganzheitliche Förderung ist entscheidend, um den Kindern ein bestmögliches Übungsfeld für die feinmotorische Entwicklung zu bieten. Welches Wissen benötigen Bezugspersonen, um die Feinmotorik ihrer Kinder zu unterstützten? Das Wissen über die feinmotorischen Entwicklungsschritte im Kindesalter sind für eine entwicklungsangepasste Förderung entscheidend (Gartmann & Jungmann, 2021, S. 33). Mit diesem Wissen können Bezugspersonen die Kinder erfolgreich begleiten und gezielte Anregungen bieten. Anhand der gemachten Umfrage ist die Vermittlung der Teilbereiche Händigkeit und taktil-kinästhetische Wahrnehmung besonders wichtig, da in diesen Bereichen wenig Wissen vorhanden ist. Ein fehlendes Verständnis kann das Bewusstsein der ganzheitlichen Förderung erschweren. Zudem ist Wissen über die gewinnbringende Begleitung erforderlich. Bezugspersonen übernehmen nicht nur eine anleitende Rolle, sondern sind auch in einer bedeutenden Vorbildfunktion. Ihre eigene aktive Teilnahme an feinmotorischen Tätigkeiten wirkt motivierend auf die Kinder. Ebenso entscheidend ist eine positive Haltung gegenüber dem Kind. Das Kind muss spüren, dass ihm etwas zugetraut wird. Kritik, Leistungsdruck oder soziale Vergleiche können für das Lernen hemmend sein (Gartmann & Jungmann, 2021, S. 34–35). Neben dem oben genannten eher theoretischen Wissen benötigen Bezugspersonen auch konkrete Hilfestellungen und Anleitungen für die Umsetzung der Förderideen im Alltag. Aus der Umfrage zeigt sich, dass Bezugspersonen besonders folgende Informationen als hilfreich empfinden: Absicht der Alltagstätigkeit, eine detaillierte Anleitung zur Durchführung, Hinweise zur Anpassung der Tätigkeit zur feinmotorischen Unterstützung und mögliche Beobachtungspunkte während der Alltagstätigkeit. Um die Feinmotorik von Kindern zu unterstützen, benötigen Bezugspersonen sowohl entwicklungsbezogenes Wissen wie auch konkrete Hilfestellungen zur Begleitung feinmotorischer Tätigkeiten. Wie lässt sich die Feinmotorik 4-8-jähriger Kinder im Alltag gezielt von Bezugspersonen unterstützen? Bezugspersonen können die Feinmotorik von 4-8-jährigen Kindern in zahlreichen alltäglichen Situationen fördern. Damit sie die Kinder wirkungsvoll unterstützen können, ist es wichtig, 43 7 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Titelbild (eigene Aufnahme) .................................................................... 1 Abbildung 2: Aspekte der Feinmotorik aus Haerle & Scheuzger-Hofmann (2015, S. 8) .................................................................................................................................... 5 Abbildung 3: Alltagsbeispiel mit Geldmünzen - Translation (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 22)) ......................................................................... 17 Abbildung 4: Alltagsbeispiel Stoffqualität prüfen - Shift (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 22)) ........................................................................................... 17 Abbildung 5: Alltagsbeispiel Schraubverschluss öffnen - Rotation (eigene Aufnahme in Anlehnung an Oswald (2020, S. 23)) ......................................................................... 18 Abbildung 6: Ablauf motorisches Lernen (eigene Darstellung in Anlehnung an Gartmann & Jungmann (2021, S. 18)) ....................................................................... 21 Abbildung 7: Alter der Kinder (aus Umfrage von Microsoft Forms) ............................ 26 Abbildung 8: Bevorzugte Kanäle, um sich über die Feinmotorik von Kindern zu informieren (aus Umfrage von Microsoft Forms) ....................................................... 27 Abbildung 9: Verhältnis digitale und analoge Informationskanäle (eigene Darstellung) .................................................................................................................................. 27 Abbildung 10: Kenntnisse über die Teilbereiche der Feinmotorik (aus Umfrage von Microsoft Forms) ........................................................................................................ 28 Abbildung 11: Methodisches Vorgehen für die Entwicklung des Ideenkatalogs (eigene Darstellung) ............................................................................................................... 30 Abbildung 12: Aufbau Webseite (Screenshot der Webseite) ..................................... 33 Abbildung 13: Beispiel Alltagstätigkeit aus dem Ideenkatalog (Screenshot der Webseite mit eigener Aufnahme) .............................................................................. 33 44 8 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Chronologische Entwicklung der Feinmotorik (eigene Darstellung) .......... 13 Tabelle 2: Meilensteine der Greifentwicklung (eigene Darstellung) ........................... 16 Tabelle 3: Nützlichkeit der Informationen im Ideenkatalog (eigene Darstellung) ....... 29 45 9 Anhang Begleitbrief Umfrage Liebe Eltern, Ich bin Flavia Vanoli und studiere Psychomotoriktherapie an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit erstelle ich einen digitalen Ideenkatalog zur niederschwelligen Förderung der Feinmotorik im Alltag. Dieser soll sich an Eltern von Kindern im Alter zwischen 4-8 Jahren richten. Zum Erstellen dieses Ideenkatalogs möchte ich Eltern einbeziehen. Ich will erfahren, was Sie zum Thema «Feinmotorik» bereits wissen, in welche Alltagstätigkeiten Sie ihre Kinder einbeziehen und was Ihnen an einem Ideenkatalog zu diesem Thema wichtig wäre. Aus den erhobenen Daten leite ich ab, welche Informationen in meinem Ideenkatalog enthalten sein müssen, um diesen alltagsnah und leicht umsetzbar zu nutzen. Für meine Arbeit ist es ebenfalls wichtig, dass auch Eltern, welche zum Bereich «Feinmotorik» wenig oder keine Kenntnisse haben, an der Umfrage teilnehmen. Die erhobenen Daten sind anonymisiert und werden ausschliesslich für diese Bachelorarbeit verwendet. Das Ausfüllen der Umfrage dauert höchstens 10 Minuten. Ich wäre froh um das Teilnehmen an der Umfrage bis am 20. Dezember 2024. Ich danke Ihnen für Ihre Mithilfe. Nach Abschluss der Bachelorarbeit im Sommer 2025 stelle ich Ihnen den fertigen digitalen Ideenkatalog gerne zur Verfügung. Freundliche Grüsse Flavia Vanoli 46 Umfrage: «Feinmotorik im Alltag» über Microsoft Forms 47 48 49 50