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M EU Kids Online Schweiz Chancen und Risiken für Kinder und Jugendliche im Internet Martin Hermida & Marco Hartmann
2 Zitationsvorschlag Hermida, M., Hartmann, M. (2025). EU Kids Online Schweiz. Chancen und Risiken für Kinder und Jugendliche im Internet. Institut für Medien und Schule, Pädagogische Hochschule Schwyz. https://doi.org/10.5281/zenodo.17654070 Copyright Dieser Bericht ist lizenziert mit einer CC-BY-NC-ND 4.0 International Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
3 Inhalt Die EU Kids Online Schweiz Studie ...................................................................................................................... 5 Danksagung .................................................................................................................................................... 5 1. Key findings .................................................................................................................................................... 6 1.1 Kinder und Jugendliche .............................................................................................................................. 6 1.2 Lehrpersonen ............................................................................................................................................ 6 1.3 Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit ............................................................................................. 7 2. Aktivitäten und Kompetenzen .......................................................................................................................... 9 2.1 Geräte ....................................................................................................................................................... 9 2.2 Aktivitäten ............................................................................................................................................... 10 2.3 Digitale Kompetenzen .............................................................................................................................. 11 3. Risikoreiche Internetnutzung ......................................................................................................................... 13 3.1 Übersicht über alle Risiken ....................................................................................................................... 13 4. Einstellungen und Umgang mit Risiken ........................................................................................................... 15 4.1 Sicherheitsempfinden im Internet ............................................................................................................ 15 4.2 Negative Erfahrungen im Internet ............................................................................................................. 15 4.3 Massnahmen bei unangenehmen Erlebnissen .......................................................................................... 17 4.4 Gewünschte Unterstützung ...................................................................................................................... 18 5. Soziale Medien ............................................................................................................................................. 20 5.1 Interaktionen mit online Kontakten in sozialen Medien ............................................................................... 21 5.2 Kompetenzen mit Moderationsfunktionen ................................................................................................. 22 6. Cybermobbing .............................................................................................................................................. 23 6.1 Verletzendes Verhalten onund ocline ..................................................................................................... 23 6.2 Cybermobbing ......................................................................................................................................... 25 7. Sexuelle Darstellungen und Nachrichten ........................................................................................................ 28 7.1 Sexuelle Darstellungen ............................................................................................................................ 28 7.2 Sexuelle Nachrichten ............................................................................................................................... 29 7.2.1 Absender sexueller Nachrichten ........................................................................................................ 30 7.2.2 Reaktion auf sexuelle Nachrichten ..................................................................................................... 31 7.3 Fragen nach sexuellen Informationen ....................................................................................................... 32 8. Problematische nutzergenerierte Inhalte und Hate Speech ............................................................................. 33 8.1 Kontakt mit problematischen Inhalten online ............................................................................................ 33 8.2 Hassrede ................................................................................................................................................ 36 9. Übermässige Nutzung ................................................................................................................................... 39 10. Datenschutz ............................................................................................................................................... 41
4 10.1 Verletzung der Privatsphäre durch Freunde, Eltern und Lehrpersonen ...................................................... 42 10.2 Betrug und Zugric auf Accounts .............................................................................................................. 43 11. Mediation der Internetnutzung durch die Eltern ............................................................................................ 44 11.1 Kommunikation mit den Eltern ............................................................................................................... 44 11.2 Mediation durch Eltern ........................................................................................................................... 45 11.3 Technische Mediation ............................................................................................................................ 47 12. Nutzung von KI-Tools ................................................................................................................................... 48 12.1 Gründe für die Nutzung von KI-Tools ....................................................................................................... 48 12.2 Potenziell problematische Nutzungsweisen ............................................................................................ 50 13. Handyregeln in der Schule ........................................................................................................................... 51 14. Ausund Weiterbildung der Lehrpersonen .................................................................................................... 53 14.1 Gewichtung der Themen in der Ausund Weiterbildung ........................................................................... 53 15. Kompetenzen und Einstellungen von Lehrpersonen ...................................................................................... 55 15.1 Kompetenzen ........................................................................................................................................ 55 15.2 Blockieren von Nutzern und Inhalten ...................................................................................................... 56 15.3 Einstellung zu neuen Technologien ......................................................................................................... 57 16. Handyregeln an der Schule (Lehrpersonen) .................................................................................................. 59 17. Themen im Unterricht, Lehrmittel und Anforderungen ................................................................................... 60 17.1 Förderung von Medienkompetenzen im Unterricht .................................................................................. 60 17.2 Unterrichtsthemen ................................................................................................................................ 62 17.3 Lehrmittel und Anforderungen ................................................................................................................ 64 17.4 Einstellung zum Unterricht über Medienthemen ...................................................................................... 65 18. Aufteilung der Verantwortung zwischen Elternhaus und Schule ..................................................................... 66 19. Künstliche Intelligenz .................................................................................................................................. 68 20. Cybermobbing aus Sicht der Lehrpersonen .................................................................................................. 69 20.1 Erfahrung der Lehrpersonen mit Cybermobbing ...................................................................................... 69 21. Übermässige Nutzung ................................................................................................................................. 72 21.1 Umgang der Schulen mit übermässiger Mediennutzung ........................................................................... 72 21.2 Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler ....................................................................................... 73 22. Einflüsse von Medien auf Körperbild und Selbstwert ..................................................................................... 74 23. Methode ..................................................................................................................................................... 76 Referenzen ....................................................................................................................................................... 77
5 Die EU Kids Online Schweiz Studie Die EU Kids Online Studie stellt Daten über die Interneterfahrungen von 9bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen in Europa zur Verfügung. Für die Schweiz wurden dafür von der Pädagogischen Hochschule Schwyz im Frühjahr 2025 in den drei Sprachregionen 80 Schulklassen mit insgesamt 1390 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 16 Jahren und ihre Lehrpersonen zum Umgang mit digitalen Medien befragt. Die Familien, die Schulen, die Politik, die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft sind bestrebt, die Chancen der OnlineWelt zu maximieren und die Risiken zu minimieren. Die EU Kids Online Studie stellt ein Monitoring der OnlineNutzung von Kindern und Jugendlichen bereit, das alle beteiligten Stakeholder dabei unterstützen soll, auf Grundlage wissenschaftlicher Daten Entscheidungen zur Förderung der Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu trecen. Die Ergebnisse zeigen auf, in welchen Bereichen Kinder und Jugendliche Unterstützung benötigen, welche Einstellungen sie gegenüber aktuellen Technologien haben und zu welchen Themen sie sich mehr Hilfe und Tipps wünschen. Danksagung Wir bedanken uns bei der nationalen Plattform Jugend und Medien des Bundesamts für Sozialversicherungen, die die vorliegende Untersuchung durch ihre finanzielle Unterstützung ermöglicht hat. Für die finanzielle Unterstützung danken wir ebenfalls der Schweizerischen Kriminalprävention und der Stiftung Action Innocence. Wir bedanken uns auch bei allen kantonalen Erziehungsdirektionen und allen Schulleitungen, die das Projekt unterstützt haben. Diese Studie wurde teilweise im Rahmen des EU Kids Online (EUKO)-Netzwerks durchgeführt, einem multinationalen Forschungsnetzwerk, das sich mit den Möglichkeiten, Risiken und der Sicherheit europäischer Kinder im Internet befasst. Weitere Informationen unter www.eukidsonline.net. Und ein ganz besonderer Dank gilt den zahlreichen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern, die uns ihre kostbare Zeit zur Verfügung gestellt haben, um uns an ihren Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien teilhaben zu lassen.
6 1. Key Findings Die Ergebnisse der EU Kids Online Schweiz Studie zeigen ein vielschichtiges Bild der digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Digitale Medien sind allgegenwärtig und eröcnen vielfältige Chancen für Lernen, Kommunikation und Unterhaltung. Gleichzeitig werden Kinder früh mit Risiken wie problematischen Inhalten, Hassrede, Cybermobbing oder übermässiger Nutzung konfrontiert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Kompetenzen und Strategien zum Umgang mit Risiken häufig noch unzureichend ausgeprägt sind und Heranwachsende sich insbesondere beim Umgang mit Herausforderungen wie Fake News, Datenschutz, Cybermobbing oder Nutzungszeit mehr Unterstützung wünschen. Auch Eltern spielen dabei eine zentrale Rolle – doch fast die Hälfte spricht nie oder nur selten mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet. Die folgenden zentralen Befunde geben einen kompakten Überblick über die bestehenden Herausforderungen. 1.1 Kinder und Jugendliche • Die drei häufigsten Risiken sind der Kontakt mit Hassrede, mit problematischen nutzergenerierten Inhalten und mit sexuellen Darstellungen. • Nur gut die Hälfte der 15/16-Jährigen weiss, wie man die Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Internet prüft. • Die meisten kennen Blockierund Meldefunktionen in sozialen Medien und über die Hälfte hat diese auch schon benutzt. • Freundinnen und Freunde sind die wichtigsten Ansprechpersonen bei unangenehmen Erlebnissen im Internet. • Kinder und Jugendliche wünschen sich vor allem Tipps zu den Themen Fake News, Datenschutz und Cybermobbing. • Nur 52% aller Befragten und 65% der 15/16-Jährigen wissen was sie tun können, wenn jemand im Internet etwas macht, das sie stört. Personen zu blockieren ist die wirkungsvollste Massnahme, wobei jüngere Kinder damit weniger erfolgreich sind als ältere. • 28% geben an, dass ihre Eltern nie mit ihnen über das sprechen, was sie im Internet machen, weitere 18%, dass dies fast nie geschieht. • Insbesondere 15/16-Jährige teilen persönliche Daten so, dass viele Leute, die man noch nie persönlich getrocen hat, diese sehen können. • KI-Tools werden vor allem für die S chule eingeset zt um Dinge einfacher zu machen, Zeit zu sparen und bessere Noten zu bekommen. • Fast ein Viertel (23%) der 15/16-Jährigen gibt an, erfolglos versucht zu haben, weniger Zeit im Internet zu verbringen. • Beim Vergleich von Handy-Regeln in der Schule stehen die Schülerinnen und Schüler einer Regel, bei der man ein Handy zur Schule mitbringen aber nur in Ausnahmefällen benutzen darf, am positivsten gegenüber (gleich wie die Lehrpersonen). 1.2 Lehrpersonen • Bei der Ausund Weiterbildung wünschen sich Lehrpersonen insbesondere mehr Gewicht bei den Themen
7 Künstliche Intelligenz, übermässige Mediennutzung und Cybermobbing. Aber auch bei Themen wie soziale Medien, Glaubwürdigkeit von Informationen und Fake News. • Lehrpersonen haben in den meisten abgefragten Bereichen sehr hohe Kompetenzen, ausser bei den Themen Künstliche Intelligenz und Programmiersprachen. • Beim Thema Umgang mit dem Handy in der Schule stehen die Lehrpersonen einer Regel, bei der man ein Handy zur Schule mitbringen aber nur in Ausnahmefällen benutzen darf, am positivsten gegenüber (gleich wie die Schülerinnen und Schüler). • Die häufigsten Unterrichtsthemen sind Glaubwürdigkeit, übermässige Mediennutzung, Datenschutz und Cybermobbing. Wobei die Lehrpersonen eine breite Palette weiterer Themen im Unterricht behandeln. • Ein Drittel der Lehrpersonen findet, dass dem Thema Cybermobbing zu wenig Beachtung geschenkt wird. • Fast die Hälfte (48%) findet, dass dem Thema übermässige Mediennutzung zu wenig Beachtung geschenkt wird. • Lehrpersonen stellen bei den Schülerinnen und Schülern sowohl positive wie auch negative Ecekte der Mediennutzung auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und auf das Selbstbewusstsein fest. 1.3 Schlussfolgerungen für die Präventionsarbeit Prävention früh ansetzen und auf den Umgang mit Risiken fokussieren. Der Kontakt mit den meisten Risiken betrict bereits die jüngeren Befragten und die Häufigkeit solcher Kontakte nimmt in der Regel mit dem Alter zu. Der Kontakt mit Risiken gehört zum Aufwachsen in einer digitalen Welt dazu. Dass Risiken existieren, bedeutet jedoch nicht zwingend, dass alle Kinder und Jugendlichen negative Erfahrungen machen müssen. Nur 25% der 9/10-Jährigen wissen, was sie tun können, wenn sie online etwas stört. Und auch bei den 15/16-Jährigen ist dieser Anteil mit 65% noch zu klein. Weil der Kontakt mit Risiken nicht gänzlich verhindert werden kann, muss Prävention möglichst früh ansetzen und auf den adäquaten Umgang mit Risiken abzielen. Ein aktive Gesprächskultur fördern und auch an die Gleichaltrigen denken. Nach wie vor sind Freundinnen und Freunde noch vor den Eltern die am häufigsten gewählten Ansprechpersonen. Gleichaltrige sind damit die wichtigste Anlaufstelle bei unangenehmen Erlebnissen im Internet. Kinder und Jugendliche sollten dazu ermuntert werden, bei ernsthaften Problemen von Freundinnen und Freunden ebenfalls Rat bei Erwachsenen zu holen. Weiterhin gibt es Kinder und Jugendliche, die sich bei unangenehmen Erlebnissen niemandem anvertrauen. Auch diese sollten ermuntert werden, sich an eine Vertrauensperson zu wenden. Das Thema übermässige Nutzung stärker beachten. Die übermässige Internetnutzung beschäftigt Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Diesem Thema sollte auf allen Ebenen – auch bei der Regulation der Plattformen – mehr Beachtung geschenkt werden. Insbesondere weil der Wunsch nach Tipps auch von den Kindern und Jugendlichen selbst kommt. Beim Fokus auf bestimmte Risiken auch auf die Zielgruppe hören. Zur Setzung passender Themen in der Prävention sollte auch die Stimme der Kinder und Jugendlichen gehört werden. Sie wünschen sich insbesondere zu den Themen Fake News, Datenschutz, Cybermobbing und Nutzungszeit mehr Hilfestellungen und Tipps. Eltern ermuntern, mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet zu sprechen. Nach wie vor spricht fast die Hälfte (46%) der Eltern nie oder fast nie mit den Kindern über deren Aktivitäten im Internet. Eltern sollten weiterhin ermuntert werden, dies regelmässig zu tun. Ein breites Handlungsrepertoire bei unangenehmen Erlebnissen aufzeigen. Kindern und Jugendlichen sollte eine breite Palette an Massnahmen aufgezeigt werden, wie man sich gegen störende Erlebnisse im Internet wehren kann. Nicht alle Massnahmen sind gleich erfolgreich. Aber bei allen untersuchten Massnahmen gibt es einen Teil der Befragten, die damit Erfolg hatten. Es ist daher empfehlenswert über verschiedene Massnahmen und deren situative
8 Angemessenheit zu sprechen, damit Kindern und Jugendlichen im Bedarfsfall möglichst viele verschiedene Optionen zur Verfügung stehen. Die Versorgung mit oNiziellen Lehrmitteln fördern. Die Versorgung mit ociziellen Lehrmitteln in der Schule kann noch verbessert werden - ein Drittel der Lehrpersonen gibt an, dass ihnen davon nicht genügend zur Verfügung stehen. Sie erstellen Arbeitsblätter selber, nutzen inocizielle Lehrmittel und müssen sich die Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammensuchen. Passende Lehrmittel helfen, den fachlichen Fokus zu setzen und ermöglichen es den Lehrpersonen, einen grösseren Teil ihrer Ressourcen für den eigentlichen Unterricht einzusetzen. Themenauswahl in der Ausund Weiterbildung erhöhen. In der Ausund Weiterbildung sollten die Wünsche der Lehrpersonen einbezogen werden. Sie möchten eine stärkere Gewichtung auf Themen wie übermässige Mediennutzung, Cybermobbing, soziale Medien und Glaubwürdigkeit legen. Gleichzeitig zeigen die Daten eine breite Palette weitere Themen, zu denen sich Lehrpersonen mehr Informationen wünschen.
9 2. Aktivitäten und Kompetenzen Das Internet ist eine wichtige Ressource mit viel positivem Potential. Je häufiger und je vielfältiger Kinder und Jugendliche das Internet nutzen, desto eher können sie das positive Potenzial für sich entdecken und nutzen. Mit der zunehmenden Nutzung steigt auch die Wahrscheinlichkeit, auf Risiken zu stossen. Die Grenze zwischen Risiken und Chancen ist dabei nicht immer leicht zu ziehen, denn die meisten Tätigkeiten bergen Potenzial für beides. 2.1 Geräte Das Handy ist das meistverwendete Geräte, um das Internet zu nutzen; 41% der Befragten gehen mehrmals pro Tag damit online. Ergänzt wird das Handy durch eine breite Palette an anderen Geräten: So nutzen 46% der Befragten mindestens einmal pro Woche den Computer/Laptop um ins Internet zu gehen, 42% das Tablet und ein Drittel (35%) eine Spielkonsole. Die Internetnutzung erfolgt somit über verschiedene Geräte, die alle regelmässig zum Einsatz kommen. Abbildung 2.1: Geräte zur Internetnutzung 13 7 3 9 20 41 20 19 10 23 17 6 26 17 9 18 17 7 29 18 11 17 12 6 30 14 7 9 10 4 6 7 6 6 27 keine Antwort Mit anderen Geräten Mit einer Spielkonsole (z.B. Playstation, Nintendo, Xbox) Mit einem Tablet Mit einem Computer/Laptop Mit einem Handy nie mehrmals täglich täglich / fast täglich mind. einmal pro Woche mind. einmal pro Monat fast nie Antworten in % aller Befragten auf die Frage: Wie oft warst du in den letzten 12 Monaten mit den folgenden Geräten online/im Internet? Handy, Laptop und Tablet häufigste Geräte, aber 46% sind auch mind. einmal pro Monat via Spielkonsole online Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n= 1390.
16 Abbildung 4.2: Unangenehme Erlebnisse im Internet Alle, die von unangenehmen Erfahrungen innerhalb der letzten 12 Monate berichtet haben, wurden auch danach gefragt, ob sie mit jemandem darüber gesprochen haben (vgl. Tabelle 4.1). Die wichtigsten Ansprechpersonen sind Freundinnen und Freunde, die von 27% der Befragten ins Vertrauen gezogen wurden. Danach folgen die Eltern mit 22% und die Geschwister mit 10%. Bei dieser allgemeinen Frage zu Ansprechpersonen bei unangenehmen Themen, gibt mit 13% nur ein kleiner Teil an, mit niemandem über das Erlebte gesprochen zu haben. Je nach Art des abgefragten Risikos, kann der Anteil aber höher sein (siehe nachfolgende Kapitel). 48 24 10 46 25 11 51 23 9 46 15 7 53 20 6 46 33 10 47 28 15 18 18 18 32 21 10 9 keine Antwort 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle nie fast nie mindestens 1x pro Monat oder häufiger Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Ist in den letzten 12 Monaten irgendetwas online/im Internet passiert, das für dich schlimm oder unangenehm war (z. B. etwas, bei dem du dich unwohl gefühlt hast, das dir Angst gemacht hat oder dich traurig gemacht hat oder wo du dachtest, du hättest es nicht sehen sollen)? Unangenehme Erlebnisse im Internet sind selten, mit dem Alter nehmen sie leicht zu Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht,ich bin mir nicht sicher oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n Alle und Alter = 1390, n Mädchen/Jungen = 1349.
17 Tabelle 4.1: Ansprechpartner bei unangenehmen Erlebnissen Am häufigsten wird mit Freundinnen oder Freunden und den Eltern über Unangenehmes im Internet gesprochen Antworten in % aller Befragten, die in den letzten 12 Monaten etwas unangenehmes im Internet erlebt haben Gesprochen mit in % Einem Freund / einer Freundin (ungefähr gleich alt wie ich) 27 Meiner Mutter oder meinem Vater (oder Erziehungsberechtigte) 22 Ich habe mit niemandem gesprochen 13 Meinem Bruder oder Schwester (auch Stiefgeschwister, Pflegegeschwister oder Halbgeschwister) 10 Ich weiss es nicht 7 Möchte ich nicht sagen 4 Einer anderen erwachsene Person, der ich vertraue 3 Jemand, mit dem ich online/im Internet spreche 3 Meinem Grossvater oder meiner Grossmutter 2 Einer Lehrerin / einem Lehrer 2 Jemand anderem 2 Jemand, dessen Beruf es ist, Kindern zu helfen 1 Alle Befragten, die im letzten Jahr etwas Unangenehmes online erlebt haben, n = 713. 4.3 Massnahmen bei unangenehmen Erlebnissen Jene, die im letzten Jahr unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht haben, wurden auch gefragt, welche Massnahmen sie daraufhin ergricen haben und als wie wirkungsvoll sie diese empfanden (siehe Tabelle 4.3). Am häufigsten wurde versucht, das Problem zu ignorieren (49% aller Befragten). Besonders bei den älteren Befragten war dieses Ignorieren ocenbar eine relativ erfolgreiche Strategie: 45–49% der 11bis 16-Jährigen empfanden diese Reaktion als wirksam. Insgesamt am erfolgreichsten war jedoch das Blockieren einer Person – mit einer Erfolgsquote zwischen 69 und 77% bei den 11bis 16-Jährigen. Aucällig ist, dass viele der häufiger berichteten Massnahmen von den jüngsten Befragten (9/10-Jährige) nicht nur seltener angewendet, sondern auch als weniger erfolgreich eingeschätzt werden. Eher selten hatten die Befragten Erfolg, wenn sie versucht haben, sich an der anderen Person zu rächen (18-38%) oder wenn sie ihre Online-Freunde um Hilfe gebeten haben (24-27%). Allerdings bedeutet dies nicht, dass diese Verhaltensweisen weniger sinnvoll sind - immerhin haben sie gut einem Viertel der Betrocenen geholfen, ein Problem zu lösen. Die Daten zeigen, dass Kinder und Jugendliche eine Vielzahl von Strategien anwenden. Jede der 13 genannten Massnahmen wurde von mindestens einem Viertel der Befragten angewendet. Eine tiefe Erfolgsquote bei den Massnahmen bedeutet nicht, dass diese per se schlecht ist. Viel mehr deuten die Zahlen darauf hin, dass es entscheidend ist, Kinder und Jugendlichen aufzuzeigen, wann der Einsatz welcher Strategie sinnvoll ist.
18 Tabelle 4.3: Massnahmen bei unangenehmen Erlebnissen 4.4 Gewünschte Unterstützung Kinder und Jugendliche wünschen sich in verschiedenen Bereichen der Internetnutzung Unterstützung (Tabelle 4.4). Jeweils etwa ein Drittel der Befragten hätte gerne mehr Hilfe und Tipps bei der Beurteilung von Fake News (37%), beim Schutz der eigenen Daten online (35%) oder dabei, wie sie anderen im Falle von Cybermobbing helfen können (31%). Auch den Wunsch nach Tipps, wie man die im Internet verbrachte Zeit gut einteilen kann, hat über ein Viertel (28%) der Befragten - und über ein Drittel (35%) der 15/16-Jährigen. Das Bedürfnis nach diesen Hilfestellungen ist grösser als jenes nach Tipps zum Umgang mit unangenehmen Erlebnissen (23%). Möglicherweise nimmt dieser
19 Wunsch mit dem Sprung von 13/14 (27%) zu 15/16 (23%) Jahren wieder leicht ab, wobei dies auf Grund des kleinen Unterschiedes nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann. Weniger Interesse zeigen die Befragten an Unterstützung bei der Auswahl von Personen, mit denen sie online kommunizieren (16%) oder bei der Einschätzung, wann persönliche Informationen geteilt werden sollten und wann nicht (15%). Generell geben Mädchen etwas häufiger an, an Unterstützung interessiert zu sein. Ein besonders grosser Unterschied zeigt sich hierbei bei dem Wunsch, mehr Tipps und Hilfestellungen zum Thema Fake News zu erhalten. Tabelle 4.4: Gewünschte Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien
20 5. Soziale Medien Von allen befragten Kindern und Jugendlichen haben 45% mindestens ein aktives Profil in einem sozialen Netzwerk (Abbildung 5.1). Dies unterscheidet sich stark nach Alter: Bei den Jüngsten (9/10-Jährige) geben lediglich 7% an, ein solches Profil zu haben. Auch könnte der grosse Anteil (37%) an “Ich weiss nicht” und fehlende Antworten darauf hindeuten, dass viele Kinder in diesem Alter noch unsicher sind, was ein Profil in den sozialen Medien ist, obwohl dies im Fragebogen beschrieben wurde. Einen starken Anstieg des Anteils derjenigen mit einem aktiven Profil zeigt sich zwischen der Altersgruppe der 11/12Jährigen (29%) und den 13/14-Jährigen (61%). Bei den 15/16-Jährigen sind es dann mehr als 4 von 5 Jugendlichen, die ein aktives Profil in den sozialen Medien haben (83%). Die Geschlechtergruppen unterscheiden sich nicht nennenswert voneinander. Abbildung 5.1: Profil in sozialen Medien Mit anderen zu kommunizieren ist die häufigste Aktivität in sozialen Medien. 57% der Befragten machen dies täglich oder mehrmals täglich mit ihren Freundinnen und Freunden und 45% mit ihren Eltern. Deutlich weniger oft zeigen Kinder und Jugendliche anderen Dinge, die sie im Internet gefunden haben oder kommentieren Beiträge von Freundinnen und Freunden (Abbildung 5.2). Nur 19% zeigen Freundinnen und Freunden oder der Familie nie etwas, das sie im Internet gefunden haben. Auch wenn das Kommunizieren in sozialen Medien ein wichtiger Aspekt ist, erfolgt dies deutlich seltener durch das Kommentieren der Beiträge von Freundinnen und Freunden - 46% geben an, 38 45 39 46 38 44 55 7 53 29 31 61 14 83 17 15 18 37 18 8 3 Nein Ja keine Antwort 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle Anteil der Befragten mit einem aktiven Profil in den sozialen Medien nimmt mit dem Alter stark zu Antworten in % auf die Frage: Hast du ein Profil in einem sozialen Netzwerk und benutzt es? Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n Alle und Altersgruppen = 1390, n Mädchen/Jungen = 1349.
21 dies nie zu tun. Ein Grossteil der Befragten gibt an, nie Informationen über sich selbst (73%) oder ohne Erlaubnis über andere Personen (80%) zu teilen. Abbildung 5.2: Häufige Aktivitäten in sozialen Medien 5.1 Interaktionen mit online Kontakten in sozialen Medien Alle Befragten, die angegeben haben, soziale Medien aktiv zu nutzen, wurden zur Häufigkeit ausgesuchter Interaktionen in den sozialen Medien befragt (vgl. Abbildung 5.3). Das Suchen nach Freunden und Freundinnen oder Followern und Followerinnen ist die häufigste Aktivität: 48% machen dies zumindest gelegentlich. Damit einher geht auch, dass gut ein Drittel (34%) der Befragten angeben, Personen, die sie noch nie von Angesicht zu Angesicht getrocen haben, zu ihren Kontakten hinzuzufügen. 15% geben an, in den letzten 12 Monaten gelegentlich Fotos oder Videos von sich an Personen geschickt zu haben, die sie nicht persönlich kennen. 20 18 57 20 28 45 62 30 3 46 32 14 19 59 16 73 18 3 80 11 2 54 38 2 60 29 4 6 7 6 8 6 6 7 6 7 keine Antwort Ich habe Informationen oder Inhalte (z.B. Fotos, Videos) über jemanden geteilt, den ich kenne, ohne um Erlaubnis zu bitten. Ich habe Informationen über mich öffentlich geteilt (das können auch Fotos oder Videos sein), so dass sie von Leuten gesehen werden können, die ich noch nie zuvor getroffen habe (z.B. auf Instagram, TikTok ..). Ich habe nach neuen Freunden oder Kontakten gesucht. Ich habe digitale Güter (wie Skins und andere digitale Gegenstände in Spielen) gehandelt oder gekauft. Ich habe Dinge online/im Internet verkauft oder gekauft. Ich habe die Beiträge, Stories, Reels oder Videos meiner Freunde kommentiert. Ich habe meinen Freunden oder meiner Familie etwas gezeigt, das ich online/im Internet gefunden habe. Ich habe mit meinen Eltern (oder Erziehungsberechtigten) kommuniziert (z.B. per Messenger, E−Mail, WhatsApp, Facebook, Snapchat, Instagram, TikTok ..). Ich habe mit meinen Freunden kommuniziert (z.B. per Messenger, E−Mail, WhatsApp, Facebook, Snapchat, Instagram, TikTok ..). Nie Fast nie bis min. ein Mal pro Woche Täglich oder häufiger Kommunikation häufigste Aktivität, Teilen von Informationen seltenste Antworten in % auf die Frage: Wie oft hast du diese Dinge im letzten Monat online/im Internet gemacht? Die Kategorie keine Antwort beinhaltet alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben, n = 1390.
22 Abbildung 5.3: Verhaltensweisen in sozialen Medien 5.2 Kompetenzen mit Moderationsfunktionen Die Kinder und Jugendlichen zeigen eine hohe Kompetenz beim Verwenden von Moderationsfunktionen in den sozialen Medien. Mehr als 90% der Befragten sind vertraut mit “Blockieren”-Knöpfen wie sie in vielen sozialen Netzwerken und Spielplattformen üblich sind (Abbildung 5.4) und ein grosser Teil (78%) gibt an, einen solchen Knopf auch schon benutzt zu haben. Ähnlich sieht es bei der “Melden”-Funktion aus, die 58% der Befragten bereits einmal genutzt haben. Abbildung 5.4: Moderationsfunktionen in den sozialen Medien 49 35 13 2 80 13 5 3 62 24 10 4 74 15 5 6 82 10 4 3 Ein Foto oder Video von mir selbst an jemanden geschickt, den ich noch nie von Angesicht zu Angesicht getroffen habe Ich habe jemandem persönliche Informationen über mich gegeben, den/die ich noch nie von Angesicht zu Angesicht getroffen habe Im Internet so getan, als wäre ich anders als ich in Wirklichkeit bin Personen zu meinen Freunden/Kontakten hinzugefügt, die ich noch nie von Angesicht zu Angesicht getroffen habe Im Internet nach neuen Freunden, Freundinnen oder Followern gesucht 0 25 50 75 100 Nie Ein paar Mal Einmal pro Monat oder häufiger Keine Antwort Suche nach neuen Freunden, Freundinnen und Followern häufigste Interaktion Antworten in % auf die Frage: Wie oft hast du diese Dinge in den letzten 12 Monaten in sozialen Medien gemacht (z. B. Instagram, Tiktok, Snapchat)? Antworten aller Befragten mit einem aktiven Profil, n= 622. 5 14 78 7 29 58 42 45 7 3 6 6 Einen «Hilfe»-Knopf oder einen Link zu einer Hotline/Telefonnummer (damit man jemanden kontaktieren kann, der einem helfen kann) Einen "Melden"-Knopf oder etwas ähnliches (um gemeines Verhalten oder unpassende Inhalte zu melden) Ein «Blockieren»-Knopf (um Personen oder Kontakte zu blocken) Nein, noch nie gesehen Ja, schon gesehen Ja, schon benutzt keine Antwort Moderationsfunktionen den meisten bekannt Antworten in % auf die Frage: Wenn du über deine Nutzung von sozialen Medien (z.B. Instagram, TikTok, Snapchat) oder Gaming-Plattformen nachdenkst, hast du dort schon einmal etwas von diesen Dingen gesehen oder benutzt? Antworten aller Befragten mit einem aktiven Profil, n= 622.
23 6. Cybermobbing Mobbing bezeichnet ein absichtliches, wiederholtes und aggressives Verhalten gegenüber einer Person. Einmalige Attacken oder Beleidigungen gehören nicht dazu. Cybermobbing bezieht sich auf das gleiche Verhalten, aber mittels elektronischer Medien. Im Vergleich zum Mobbing ohne elektronische Medien ist Cybermobbing oft für ein viel grösseres Publikum sichtbar. Dass die Täter die Reaktionen der Opfer nicht unmittelbar sehen können, kann eine enthemmende Wirkung haben. Die Attacken bleiben oft über den Moment hinaus sichtbar (z.B. durch gemeine Posts oder Fotos) und die Opfer können sich den Tätern schwer entziehen, weil sie über die digitalen Kanäle überall erreichbar sind. 6.1 Verletzendes Verhalten onund offline Fast ein Drittel (30%) der Befragten gibt an, ocline oder online gemeines Verhalten sich selbst gegenüber erlebt zu haben. Mit 23% ist der Anteil jener, die das ocline erlebt haben, deutlich höher als die 7%, die das online erlebt haben (Abbildung 6.1). Mit 15% berichten die 9/10-Jährigen am seltensten von wiederholtem, gemeinem Verhalten. Bei den 13bis 16Jährigen schwankt der Anteil zwischen 35-38%. Der Anteil Befragter, der solche Gemeinheiten via elektronische Abbildung 6.1: Opfer von Cyber-Mobbing geworden 51 23 7 47 27 7 55 19 7 49 14 48 22 9 51 28 10 57 27 8 19 19 18 35 21 10 7 keine Antwort 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle Nein Ja, persönlich, von Angesicht zu Angesicht Ja, über das Internet/online, auf dem Handy oder in einem Online−Spiel Verletzendes oder gemeines Verhalten in Person kommt deutlich häufiger vor als Cybermobbing Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Hat sich jemand in den letzten 12 Monaten [über eine gewisse Zeit lang an verschiedenen Tagen] dir gegenüber gemein oder verletzend (unangenehm, böse, fies) verhalten? Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n Alle und Altersgruppen = 1390*, n Mädchen/Jungen = 1349.
24 Medien erlebt hat, bleibt über die ältesten drei Altersgruppen relativ konstant zwischen 8-10%. Mädchen erfahren solches Verhalten ocline etwas häufiger (27%) als Jungen (19%), im online Bereich gibt es aber keinen Unterschied zwischen den Geschlechtergruppen. Von den 30% der Kinder und Jugendlichen, die im letzten Jahr verletzendes Verhalten erlebt haben (ocline und online), berichteten 47%, dass dieses von anderen aus der Klasse oder der Schule ausging. Bei 39% stammte es von Freundinnen oder Freunden (siehe Tabelle 6.1). Etwas seltener kam es von Familienmitgliedern, einschliesslich Geschwistern (16%). Zudem gaben 10% der Befragten an, dass das Verhalten von Personen ausging, die sie nicht kennen. Tabelle 6.1: Wer sich verletzend verhalten hat Kinder und Jugendliche erfahren Mobbing am häufigsten durch Kinder in ihrer Schule, aber auch sehr oft durch Freunde oder Freundinnen Antworten in Prozent der Befragten, die angegeben haben im letzten Jahr Mobbing erlebt zu haben Gemeines oder verletzendes Verhalten kam von in % Kinder aus meiner Klasse /andere Kinder aus meiner Schule 47 Freundinnen oder Freunde 39 Familienmitglied 16 Jemand den ich nicht kenne 10 Jemand, mit dem ich in einer romantischen Beziehung bin („Freund oder Freundin“). 9 Möchte ich nicht sagen 6 Jemand, den ich nur über das Internet/online kenne 5 Jemand anderes 5 Lehrerinnen oder Lehrer 4 Ich weiss nicht, wer es war 2 Antworten in Prozent der Befragten, die angegeben haben im letzten Jahr Mobbing erlebt zu haben Die drei häufigsten Gründe für verletzendes Verhalten sind das eigene Aussehen oder Verhalten (von 50% der Betrocenen genannt), spezifisch die Körpergrösse oder das Gewicht (43%) sowie die eigenen Meinungen oder Überzeugungen (43%). Bei 10–16% der Betrocenen tritt Mobbingverhalten aus einem dieser Gründe mindestens wöchentlich auf (Abbildung 6.2). Weitere Gründe wie Sexualität, Herkunft, Religion oder Hautfarbe werden seltener genannt, jedoch ebenfalls von einem Teil der Befragten wöchentlich oder häufiger als Gründe für gemeines Verhalten erlebt.
25 Abbildung 6.2: Cybermobbing Grund 6.2 Cybermobbing Obwohl verletzendes Verhalten in Person deutlich häufiger berichtet wird als online (siehe Kapitel 6.1), werden einige spezifische Formen davon dennoch relativ häufig erwähnt (Abbildung 6.3). Die mit Abstand häufigste Form von verletzendem Verhalten online sind gemeine oder verletzende Nachrichten: 45% der Betrocenen berichten davon; bei 6% tritt dies wöchentlich oder häufiger auf. Zudem geben 29% der Betrocenen an, online von Gruppen oder Aktivitäten ausgeschlossen worden zu sein. 19% berichten, dass auch schon verletzende Nachrichten, Bilder oder Videos von ihnen herumgeschickt oder gepostet wurden. 69 21 81 9 76 14 49 31 12 87 5 83 9 62 24 7 44 34 16 48 33 10 42 26 10 6 6 6 8 6 7 6 6 8 22 keine Antwort Wegen einer Behinderung Weil ich nicht genug Geld habe Wegen meiner Hautfarbe Wegen meiner Religion Wegen der Herkunft meiner Familie Wegen der Menschen, in die ich mich verliebe Wegen etwas anderem Aufgrund meiner Meinungen oder Überzeugungen Wegen meiner Grösse oder meines Gewichts Wie ich aussehe oder mich benehme Nie Fast nie bis min. ein Mal pro Monat Ein Mal pro Woche oder häufiger Antworten in % auf die Frage: Wie oft wurdest du in den letzten 12 Monaten aus folgenden Gründen schlecht behandelt (online/im Internet oder auch nicht online/ nicht im Internet)? Viele unterschiedliche Merkmale werden zum Anlass für Mobbing Alle Befragten, die angegeben haben im letzten Jahr verletzendes Verhalten erlebt zu haben, n= 416.
32 7.3 Fragen nach sexuellen Informationen Mit zunehmendem Alter werden Kinder und Jugendliche im Internet auch häufiger nach sexuellen Informationen über sich gefragt. 11% der Befragten geben an, dass dies in den letzten 12 Monaten mindestens ein paar Mal passiert ist. Mädchen sind im Schnitt etwas häufiger betrocen (14%) als Jungen (8%). Die Zahl der Betrocenen steigt von 6% bei den 11/12-Jährigen auf 20% bei den 15/16-Jährigen an. In der höchsten Altersgruppe ist der Unterschied zwischen den Geschlechtergruppen ausgeprägter als im Durchschnitt. Während 15% der 15/16-jährigen Jungen angegeben haben, nach sexuellen Informationen über sich gefragt worden zu sein, war das bei einem Viertel (25%) aller Mädchen der Fall. Abbildung 7.3: Häufigkeit, mit der nach sexuellen Informationen gefragt Im Vergleich zum Jahr 2019 sind etwas weniger Kinder und Jugendliche betrocen. Während aktuell 76% aller Befragten angeben, dass sie im vergangenen Jahr nie nach sexuellen Informationen gefragt wurden, waren es im Jahr 2019 nur 67%, die dies nie erlebt haben. Der Rückgang zeigt sich insbesondere bei den 13bis 16-Jährigen. 76 92 73 11 3 78 71 75 60 78 62 74 16 4 13 13 14 19 14 7 keine Antwort 15−16 13−14 Alter 011−12 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle nie ein paar Mal ein Mal pro Monat oder häufiger Kaum Unterschiede nach Geschlecht bei Fragen nach sexuellen Informationen Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Wie oft wurdest du in den letzten 12 Monaten von jemandem online/im Internet oder über dein Handy nach sexuellen Informationen (Wörter, Bilder/ Fotos, Videos) über dich selbst gefragt, obwohl du diese Frage nicht beantworten wolltest? Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n alle und Altersgruppen n = 1034, n Mädchen/Jungen = 1007.
33 8. Problematische nutzergenerierte Inhalte und Hassrede Problematische nutzergenerierte Inhalte sind Inhalte, die von einzelnen oder kleinen Gruppen verbreitet werden und Wertvorstellungen, Verhaltensweisen oder Wissen propagieren, die für Kinder und Jugendliche ungeeignet oder generell illegal sein können. 8.1 Kontakt mit problematischen Inhalten online Die Fragen zu den problematischen nutzergenerierten Inhalten wurden den jüngsten Kindern (9/10-Jährigen) nicht gestellt. Entsprechend liegen hier nur Daten zu den 11bis 16-Jährigen vor. Am häufigsten ist der Kontakt mit blutigen oder gewalttätigen Bildern. 22% haben innerhalb des vergangenen Jahres solche Inhalte gesehen. Ebenso Inhalte mit gefährlichen Challenges (20%) und Inhalte, wie man sich körperlich wehtut oder verletzt (19%) (Abbildung 8.1). Besonders problematische Inhalte wie Möglichkeiten zum Begehen von Suizid oder Erfahrungen mit Drogen haben nur wenige, aber immer noch 12-16% der Befragten gesehen. Der hohe Anteil fehlender Antworten (einschliesslich “Ich weiss nicht” und “Möchte ich nicht sagen”) könnte mit dem sensiblen Charakter der Themen zusammenhängen. Bei allen abgefragten Inhalten beträgt dieser Anteil rund ein Viertel. Bei allen Befragten, die angaben, solche Inhalte im letzten Jahr gesehen zu haben, wurde zusätzlich gefragt, ob sie diese Inhalte mit Absicht angeschaut hatten (Abbildung 8.2). Dies war meistens nicht der Fall (63–86%). Die Themen sind hier nach der Häufigkeit der Nennung gemäss Abbildung 8.1 aufgeführt, um eine bessere Vergleichbarkeit der beiden Abbildungen herzustellen. Am häufigsten mit Absicht angeschaut wurden pornografische Inhalte (27%), Verschwörungstheorien (25%) sowie Inhalte zu Möglichkeiten, dünn zu sein (25%).
34 Abbildung 8.1: Kontakt mit problematischen nutzergenerierten Inhalten 55 19 3 24 57 17 3 24 57 16 3 24 57 12 3 28 58 13 4 24 60 11 3 26 61 13 3 23 65 10 2 24 Möglichkeiten wie man Selbstmord begehen kann Erfahrungen mit Drogen Pornografie für Erwachsene (+18 Inhalte) Möglichkeiten, sehr dünn zu sein (z. B. Magersucht, Bulimie oder 'Thinspiration') Verschwörungstheorien Wie man sich körperlich weh tut oder verletzt Herausforderungen oder Challenges, die dich ernsthaft verletzen oder töten könnten Blutige oder gewalttätige Bilder, zum Beispiel von Menschen, die anderen Menschen oder Tieren wehtun 0.00 0.25 0.50 0.75 1.00 Nie Mind. ein paar Mal wöchtenlich oder häufiger Keine Antwort Kontakt am häufigsten mit Gewalt, risikoreichen Challenges und Selbstverletzung Antworten auf die Frage: Wie oft hast du in den letzten 12 Monaten online/im Internet Inhalte (Bilder, Videos) oder Diskussionen gesehen, wo Leute über diese Dinge sprechen oder sie zeigen? Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. Antworten aller Befragten im Alter von 11−16 Jahren (n = 1034).
35 Abbildung 8.2: Absicht beim Sehen problematischer nutzergenerierte Inhalte Generell sprachen nur wenige der Befragten, die im letzten Jahr problematische Inhalte gesehen hatten, mit jemandem darüber (Tabelle 8.1). Lediglich 11% gaben an, mit einer Freundin oder einem Freund darüber gesprochen zu haben und nur 6% mit einem Elternteil. Tabelle 8.1: Mit wem über problematische nutzergenerierte Inhalte gesprochen Am häufigsten wird mit Freundinnen und Freunden und den Eltern über problematische Inhalte im Internet gesprochen Antworten in Prozent der Befragten, die beim letzten Mal als so etwas passiert ist mit jemandem darüber gesprochen haben Gesprochen mit in % Ich habe mit niemandem gesprochen 19 Einem Freund / einer Freundin (ungefähr gleich alt wie ich) 11 Meiner Mutter oder meinem Vater (oder Erziehungsberechtigte) 6 Meinem Bruder oder Schwester (auch Stiefgeschwister, Pflegegeschwister oder Halbgeschwister) 3 Möchte ich nicht sagen 3 Meinem Grossvater oder meiner Grossmutter 1 Einer anderen erwachsene Person, der ich vertraue 1 Jemand anderem 1 Ich weiss es nicht 1 Alle Befragten zwischen 11 und 16 Jahren, die problematische nutzergenerierte Inhalte gesehen haben, n = 172. 74 14 78 11 67 25 75 17 86 11 82 13 73 25 63 27 12 11 9 8 3 4 2 10 Möglichkeiten wie man Selbstmord begehen kann Erfahrungen mit Drogen Pornografie für Erwachsene (+18 Inhalte) Möglichkeiten, sehr dünn zu sein (z. B. Magersucht, Bulimie oder .Thinspiration") Verschwörungstheorien Wie man sich körperlich weh tut oder verletzt Herausforderungen oder Challenges, die dich ernsthaft verletzen oder töten könnten Blutige oder gewalttätige Bilder, zum Beispiel von Menschen, die anderen Menschen oder Tieren wehtun Nein, es war nicht meine Absicht Ja, es war meine Absicht Möchte ich nicht sagen War der Kontakt mit den problematischen Inhalten absichtlich oder nicht? Antworten in % auf die Frage: Das letzte Mal, als du solche Dinge gesehen hast: Wolltest du diese sehen? Antworten aller Befragten zwischen 11 und 16 Jahren, die in der vorherigen Frage jeweils angegeben haben, im letzten Jahr diese Inhalten gesehen zu haben, n = 128−203.
36 8.2 Hassrede Eine spezifische Form problematischer Online-Inhalte stellen hasserfüllte oder erniedrigende Nachrichten oder Kommentare gegen Menschen oder Menschengruppen dar (Hassrede/Hatespeech). Über alle Befragten hinweg gaben 31% an, im letzten Jahr online Hassreden gesehen zu haben; 11% berichteten, solche Inhalte wöchentlich oder häufiger gesehen zu haben (Abbildung 8.3). Ältere Befragte – insbesondere die 15/16-Jährigen – waren deutlich häufiger mit Hassreden konfrontiert: 61% gaben an, zumindest vereinzelt solche Inhalte gesehen zu haben, und 28% berichteten mindestens wöchentlichen damit in Kontakt gekommen zu sein. Abbildung 8.3: Häufigkeit Kontakt mit Hassrede (Hatespeech) Ähnlich wie bei den zuvor genannten problematischen Inhalten ist die Begegnung mit Hassreden online selten Absicht der Kinder und Jugendlichen (Abbildung 8.4). Nur 8% derjenigen, die Hassreden gesehen haben, geben an, dies absichtlich getan zu haben. Dabei schauen sich Jungen etwas häufiger absichtlich Hassreden an (13%) als Mädchen (3%). 46 20 11 44 24 11 48 17 12 57 20 56 15 3 40 31 13 30 33 28 22 22 23 40 25 16 8 keine Antwort 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle nie ein paar Mal oder häufiger ein Mal pro Woche bis mehrmals täglich Ältere Jugendliche sehen häufig Hassreden online Antworten in % der Gruppe auf die Frage: Wie oft, wenn überhaupt, hast du in den letzten 12 Monaten online/im Internet hasserfüllte oder erniedrigende Nachrichten oder Kommentare gegen Menschen oder bestimmte Gruppen von Menschen gesehen? (z.B. gegen Frauen, Muslime, Migranten, Juden, Roma, LGBTIQ+, Menschen mit Behinderung usw.)? Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die die Frage ausgelassen haben, ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. n = 1390, n Mädchen/Jungen = 1349.
37 Abbildung 8.4: Absicht beim Kontakt mit Hassrede (Hatespeech) Von denjenigen, die online mit Hassreden in Kontakt kamen, fühlten sich insgesamt 46% mehr oder weniger gestört oder verärgert (Tabelle 8.2), 21% nur ein bisschen verärgert. Nur sehr wenige fanden das Gesehene lustig (6%) und 28% hatten keine bestimmte Reaktion auf diese Inhalte. Tabelle 8.2: Reaktion auf den Kontakt mit Hassrede (Hatespeech) Reaktion oft verärgert aber auch häufig indiKerent Reaktion in % Ich habe nichts Bestimmtes gefühlt 28 Es hat mich ein bisschen gestört/verärgert 21 Keine Antwort 16 Es hat mich ziemlich gestört/verärgert 15 Es hat mich sehr fest gestört/verärgert 10 Ich fand es lustig 6 Ich habe mich gut gefühlt 3 Alle Befragten, die im letzten Jahr Hassreden online gesehen haben, n = 468. Ähnlich wie bei den problematischen Inhalten haben nur sehr wenige der Befragten über das Gesehene mit jemandem gesprochen (Tabelle 8.3). Wenn, dann am häufigsten mit einem Freund oder einer Freundin (7%). 70 8 80 3 59 13 22 17 28 keine Antwort Jungen Mädchen alle Nein, wollte ich nicht Ja, wollte ich Antworten in % aller Befragten die im letzten Jahr online Hassreden gesehen haben. Frage: Und das letzte Mal, als du solche Inhalte gesehen hast, wolltest du sie sehen? Kontakt mit Hassreden online sehr selten absichtlich, vor allem bei Mädchen Die Kategorie keine Antwort beinhalte alle Befragten, die ich weiss nicht oder möchte ich nicht sagen angekreuzt haben. Daten aller Befragten, die im letzten Jahr Hassreden online gesehen haben, n = 468.
38 Tabelle 8.3: Mit wem über Hassrede gesprochen Wenige reden über gesehene Hassreden - am ehesten aber mit einem Freund oder einer Freundin Antworten in Prozent der Befragten, die beim letzten Mal als so etwas passiert ist mit jemandem darüber gesprochen haben. Gesprochen mit in % Ich habe mit niemandem gesprochen 17 Einem Freund / einer Freundin (ungefähr gleich alt wie ich) 7 Meiner Mutter oder meinem Vater (oder Erziehungsberechtigte) 5 Meinem Bruder oder Schwester (auch Stiefgeschwister, Pflegegeschwister oder Halbgeschwister) 2 Möchte ich nicht sagen 2 Einer anderen erwachsene Person, der ich vertraue 1 Jemand, mit dem ich online/im Internet spreche 1 Jemand anderem 1 Ich weiss es nicht 1 Alle Befragten, die im letzten Jahr Hassreden online gesehen haben, n = 468.
39 9. Übermässige Nutzung Die als problematisch einzustufende Internetnutzung im Hinblick auf die aufgewendete Zeit wird nicht an der tatsächlich Onlinezeit gemessen, sondern an den Auswirkungen auf das Sozialleben, die schulischen Leistungen und das persönliche Wohlbefinden. Die häufigste negative Folke übermässiger Internetnutzung ist, zu wenig Zeit für Familie, Freundinnen und Freunde und Hausaufgaben zu haben (Tabelle 9.1). Am häufigsten berichten 15/16-Jährige davon, wobei fast ein Drittel (31%) dieser Altersgruppe angibt, dieses Fehlen von Zeit im vergangenen Jahr mindestens einmal pro Woche erlebt zu haben. Fast ein Viertel (23%) der 15/16-Jährigen ist mit der eigenen Nutzungszeit nicht zufrieden und hat erfolglos versucht, weniger Zeit im Internet zu verbringen. Dies ist die zweithäufigste negative Erfahrung und bemerkenswert dabei ist, dass bereits 11% der 11/12-Jährigen berichten, dass sie erfolglos versucht haben, ihre Nutzungszeit zu reduzieren. Tabelle 9.1: Negative Folgen übermässiger Nutzung
40 Einzelne negative Folgen übermässiger Nutzung sind nicht zwingend ein Hinweis auf ein problematisches Verhalten. Werden jedoch mehrere der Folgen regelmässig erlebt, steigt das Risiko ernsthafter Konsequenzen deutlich an. In Tabelle 9.2 sind die Anzahl negativer Folgen der Internetnutzung summiert. Der Anteil Befragter, der regelmässig 3 oder mehr negative Folgen übermässiger Internetnutzung erlebt liegt zwischen 6 und 10%. Der Anteil nimmt mit steigendem Alter zu, während sich die Mädchen und Jungen diesbezüglich nicht unterscheiden. Tabelle 9.2: Anzahl negativer Folgen übermässiger Internetnutzung Drei und mehr negativen Folgen übermässiger Nutzung im niedrigen einstelligen Prozentbereich Anzahl negativer Folgen übermässiger Internetnutzung (mindestens einmal pro Woche), Antworten in % der Gruppen 1 2 3 4 5 6 Mind. 1 3 oder mehr Alle 11 5 3 2 1 0.2 22 6 Jungen 12 6 3 2 2 0 25 7 Mädchen 10 4 4 3 1 0.3 22 8 11-12 Jahre 6 4 1 1 1 0 13 3 13-14 Jahre 11 3 3 3 2 0.3 22 8 15-16 Jahre 17 8 6 3 1 0.2 35 10 Daten aller 11bis 16-Jährigen. n alle und Altersgruppen = 1033, n Mädchen/Jungen = 1007. Obwohl im Vergleich zum Jahr 2019, als 9% aller Befragten drei oder mehr negative Folgen übermässiger Nutzung berichteten, aktuell nur 6% davon berichten, kann aufgrund der statistischen Unsicherheit nicht verlässlich von einer relevanten Verbesserung ausgegangen werden.
41 10. Datenschutz Sobald Kinder beginnen im Internet selbst zu kommunizieren, wird der Schutz der eigenen Daten und Identität zu einem wichtigen Thema. 21% der Befragten gaben an, im letzten Monat persönliche Daten von sich so veröcentlicht zu haben, dass diese von Leuten gesehen werden können, die man noch nie vorher von Angesicht zu Angesicht getrocen hat (Abbildung 10.1). Mädchen und Jungen unterscheiden sich dabei nicht voneinander. Es zeigen sich aber grosse Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während bei den Jüngsten lediglich 7% angeben, im letzten Monat persönliche Informationen von sich veröcentlicht zu haben, sind es bei den 15/16-Jährigen 40%. Auch innerhalb der Gruppe der 15/16-Jährigen unterscheiden sich die Jungen nicht von den Mädchen. Im Umgang mit den Daten anderer sind die Befragten etwas vorsichtiger als mit den eigenen Daten (Abbildung 10.2). Nur 13% geben an, dass sie im letzten Monat Informationen über andere geteilt haben, ohne diese vorher um Erlaubnis zu bitten. Allerdings steigt auch dieser Anteil mit zunehmendem Alter an. Bei den 15/16-Jährigen gibt fast ein Viertel (23%) der Befragten an, dies im letzten Monat getan zu haben. In dieser Gruppe unterscheiden sich Jungen und Mädchen leicht voneinander. Während nur 19% der 15/16-jährigen Mädchen angaben, im letzten Monat persönliche Informationen anderer ohne Erlaubnis geteilt zu haben, waren es bei den Jungen 26%. Abbildung 10.1: Veröbentlichen von persönlichen Informationen 21 0 21 21 0 7 10 26 40 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle Antworten in % der Gruppe, die angeben im letzten Monat Informationen über sich öffentlicht geteilt zu haben, so dass sie von Leuten gesehen werden können, die man noch nie vorher getroffen hat. Veröffentlichen von persönlichen Informationen nimmt ab 13 Jahren zu n alle und Altersgruppen = 1390, n Mädchen/Jungen = 1349.
48 12. Nutzung von KI-Tools Die Nutzung von KI-Tools ist im Medienalltag von Kindern und Jugendlichen bereits sehr präsent. 53% aller Befragten haben im letzten Monat solche Tools genutzt. Mädchen und Jungen unterscheiden sich dabei nicht nennenswert voneinander. Über die Altersgruppen hinweg zeigen sich aber deutliche Veränderungen. Zwar nutzt schon ein Fünftel (21%) der 9/10-Jährigen solche Tools, dieser Anteil steigt aber markant an und bei den 15/16-Jährigen sind es bereits 80%. Abbildung 12.1: Nutzung von KI-Tools 12.1 Gründe für die Nutzung von KI-Tools Die wichtigsten Gründe für die Nutzung von KI-Tools sind Hilfestellungen für die Schule. 26% der Befragten haben sich im letzten Monat einen Text zusammenfassen oder erklären lassen und 22% haben ein KI-Tool ver wendet, um Aufsätze oder Geschichten für die Schule zu schreiben (Tabelle 12.1). Beide Funktionen werden von besonders vielen Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe genutzt, wo über die Hälfte (54%) der Befragten angibt, dass sie sich im letzten Monat Texte zusammenzufassen oder erklären haben lassen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind vernachlässigbar. Die zweitwichtigste Kategorie neben dem Einsatz für die Schule ist das Einholen von Empfehlungen für die Freizeit (inkl. Filme, Serien, Musik und Produkte). Im Vergleich zum schulischen Einsatz, der mit zunehmendem Alter steigt, stagniert dieser Einsatz jedoch ab 13 Jahren bei etwa 20% der Befragten. 13% der 15/16-Jährigen nutzen KI-Tools auch um sich Empfehlungen oder Ratschläge für ihre körperliche Gesundheit 53 0 55 50 0 21 44 67 80 15−16 13−14 11−12 Alter 09−10 Dummi2 Jungen Mädchen Dummi1 alle Bereits 21% der 9/10-Jährigen haben KI-Tools genutzt Antworten in % der Gruppe auf die Frage, ob sie im letzten Monat KI-Tools verwendet haben. n Alle und Altersgruppen = 1390, n Mädchen/Jungen = 1349.
49 oder Fitness zu holen. Die Geschlechterunterschiede sind sowohl insgesamt aber auch innerhalb der Altersgruppe der 15/16-Jährigen vernachlässigbar. Wenig verbreitet ist das Erstellen von Bildern, Videos oder Deepfakes. Tabelle 12.1: Für welchen Zweck KI-Tools eingesetzt werden Alle Befragten, die angaben, KI-Tools zu nut zen, wurden unabhängig vom Zweck des spezifischen Einsatzes danach gefragt, warum sie ein KI-Tool gewählt haben (Tabelle 12.2). Die beiden häufigsten Gründe sind um Dinge einfacher zu machen (46%) und um Zeit zu sparen (45%). Insbesondere bei den 15/16-Jährigen sind diese Motive stark ausgeprägt. Über ein Viertel (29%) der 15/16-Jährigen gibt auch an, die Tools einzusetzen, um bessere Noten in der Schule zu bekommen. Während mit steigendem Alter auch ein steigender Anteil der Befragten die Tools einsetzt, um Dinge einfacher zu machen oder Zeit zu sparen, verhält es sich beim Spassmotiv umgekehrt. Über ein Viertel (29%) der 9/10-Jährigen hat KI-Tools genutzt, um damit herumzuspielen und mit Freundinnen und Freunden oder Geschwistern Spass zu haben. Dieser Anteil sinkt mit steigendem Alter auf nur 6% bei den 15/16-Jährigen. Ebenso der Anteil, der die Tools nutzt, um damit (alleine) Spass zu haben, welcher von 27% bei den 9/10-Jährigen auf 6% bei den 15/16-Jährigen sinkt. Diese Resultate legen nahe, dass KI-Tools hauptsächlich als Werkzeuge eingesetzt werden, die einem Zeit und Mühe ersparen sollen. Für jüngere Kinder ist “Spass” ein wichtiges Motiv, das jedoch mit zunehmendem Alter vom praktischen Nutzen abgelöst wird.
50 Tabelle 12.2: Aus welchem Grund KI-Tools eingesetzt werden 12.2 Potenziell problematische Nutzungsweisen Schülerinnen und Schüler mit potenziell problematischen Nutzungsweisen von KI-Tools sind vergleichsweise selten, sollten aber dennoch nicht ausser Acht gelassen werden. 13% der 15/16-Jährigen nutzen KI-Tools um Empfehlungen für ihre körperliche Gesundheit oder Fitness zu erhalten. Angesichts der teilweise falschen oder unvollständigen Informationen, sind die Tools für gesundheitsbezogene Ratschläge zurzeit nicht empfehlenswert (z.B. Li and Guenier 2024). Auch dass 9% der Befragten angeben, KI-Tools zu nutzen, weil sie KI-Anwendungen mehr vertrauen als anderen Quellen, sollte beobachtet werden, da die Tools durch die Wahl der Trainingsdaten oder durch Interventionen der Konstrukteure Tendenzen zu bestimmten Antworten und Ideologien aufweisen können (z.B. Motoki, Pinho Neto, and Rodrigues 2024). Das Aufzeigen der Möglichkeiten und Grenzen von KI-Tools ist bei diesen Gruppen besonders relevant und sollte spätestens im ersten Jahr der Oberstufe starten.
51 13. Handyregeln in der Schule Die 13bis 16-Jährigen Schülerinnen und Schüler wurden zu ihrer Einschätzung von Handyregeln an der Schule befragt. Zu den vier vorgelegten Regeln konnten sie jeweils angeben, ob sie diese Regel gut finden oder nicht und ob diese Regel aktuell an ihrer Schule gilt (Abbildung 13.1). Die stärkste Zustimmung erhält die Regel, dass man ein Handy zur Schule mitbringen darf, es aber nur in Ausnahmefällen wie einem Notfall oder aus gesundheitlichen Gründen verwenden darf. 60% der Befragten stehen dieser Regel positiv gegenüber. 56% der befragten 13bis 16-Jährigen besuchen eine Schule, an der diese Regel gilt und finden die Regel auch gut. Die zweithöchste Zustimmung findet die Regel, dass man ein Handy zur Schule mitbringen darf, es aber nur für spezielle Lernaufgaben verwenden darf. Etwas über die Hälfte (54%) der Befragten findet diese Regel gut, 36% besuchen eine Schule, an der diese Regel gilt und beurteilen die Regel positiv. Geteilter Meinung sind die Schülerinnen und Schüler bei der Regel, dass man ein Handy zur Schule mitbringen und in den Pausen benutzen darf, aber nicht im Unterricht. 45% finden diese Regel gut, 30% finden die Regel nicht gut. Abbildung 13.1: Bewertung der Regeln zum Umgang mit Handys in der Schule 1911 743 5616 45 369 1811 176 2824 20 19 26 24 keine Antwort ..dass man ein Handy zur Schule mitbringen und benutzen kann (z.B. in den Pausen), es aber nicht im Unterricht benutzen darf? ..dass man ein Handy zur Schule mitbringen und es nur für spezielle Lernaufgaben (z.B. Lern−Apps, Quiz oder Informationssuche) verwenden darf? ..dass man ein Handy zur Schule mitbringen kann, aber man darf es nicht in der Schule verwenden, ausser in Ausnahmefällen (z.B. in einem Notfall oder aus gesundheitlichen Gründen)? ..dass man kein Handy zur Schule mitbringen darf? 40 20 0 20 40 Ja, aber ich finde die Regel nicht gut Nein, und so eine Regel fände ich nicht gut Nein, aber so eine Regel fände ich gut Ja, und ich finde die Regel gut Gibt es an deiner Schule eine Regel... Beurteilung der Regeln zum Umgang mit Handys in der Schule Antworten aller Befragten im Alter von 13−16 Jahren, n = 688.
52 Die grösste Ablehnung haben die Schülerinnen und Schüler gegenüber der Regel, dass man kein Handy zur Schule mitbringen darf. 54% finden diese Regel schlecht. Aber auch hier findet sich mit 26% der 13bis 16-Jährigen noch ein relevanter Teil, der diese Regel positiv bewertet. Bemerkenswert ist, dass keine der abgefragten Regeln ausnahmslos positiv oder negativ bewertet wird. Selbst die am negativsten bewertete Regel, dass man kein Handy zur Schule mitbringen darf, wird immer noch von 26% der befragten Jugendlichen positiv bewertet (Abbildung 13.2). Was für diese unterschiedlichen Bewertungen ausschlaggebend ist, ist zurzeit noch unklar. Die Unterschiede scheinen aber nicht geschlechterbedingt zu sein, denn alle vier Regeln werden von den Mädchen und den Jungen weitgehend gleich beurteilt. Abbildung 13.2: Bewertung der Handyregeln nach Geschlecht 24 27 61 59 56 53 46 45 dass man kein Handy zur Schule mitbringen darf dass man ein Handy zur Schule mitbringen und es nur für spezielle Lernaufgaben (z.B. Lern−Apps, Quiz oder Informationssuche) verwenden darf dass man ein Handy zur Schule mitbringen und benutzen kann (z.B. in den Pausen), es aber nicht im Unterricht benutzen darf dass man ein Handy zur Schule mitbringen kann, aber man darf es nicht in der Schule verwenden, ausser in Ausnahmefällen (z.B. in einem Notfall oder aus gesundheitlichen Gründen) 0 20 40 60 Mädchen Jungen Anteil in Prozent aller Befragten zwischen 13−16 Jahren, die die aufgeführte Regel gut finden Keine Unterschiede bei der Bewertung der Handyregeln Antworten aller Befragten im Alter von 13−16 Jahren, n= 671.
53 14. Ausund Weiterbildung der Lehrpersonen In den folgenden Kapiteln sind die Resultate der Befragung der Lehrpersonen beschrieben. Aus den 80 befragten Klassen haben 79 Lehrperson teilgenommen. Von diesen 79 Lehrpersonen unterrichten 57% auf der Primarstufe und 43% auf der Sekundarstufe. Je eine Person auf der Primarstufe und der Sekundarstufe unterrichtet Medien und Informatik nicht; diese zwei Lehrpersonen wurden aus einigen der nachfolgenden Auswertungen ausgeschlossen (siehe Hinweise bei Grafiken und Tabellen). Die Daten der Lehrpersonen sind im Gegensatz zu den Daten der Schülerinnen und Schüler nicht als repräsentativ für die gesamte Schweiz anzusehen. Fast drei Viertel (73%) der befragten Lehrpersonen haben während ihrer Ausbildung Lehrveranstaltungen zum Fach Medienund Informatik besucht in denen Medien-Themen (z.B. Games, Cybermobbing, Beurteilen von Informationen im Internet, soziale Medien, Fake News, Ecekte von Medien auf Kinder) behandelt wurden. Die Anzahl besuchter Weiterbildungstage zu Medienthemen variiert; 18% haben gar keine Weiterbildungen zu diesem Thema besucht, 35% haben 0.5-3 Tage Weiterbildungen besucht, 28% haben 3-10 Tage Weiterbildung besucht und 15% haben 10 und mehr Tage Weiterbildung besucht. Mehr als 40% der Lehrpersonen beabsichtigen in nächster Zeit Weiterbildungen zu Medien-Themen zu besuchen (43% der Primarlehrpersonen und 42% der Sekundarlehrpersonen). 14.1 Gewichtung der Themen in der Ausund Weiterbildung In der Ausund Weiterbildung wünschten sich die Lehrpersonen einen stärkeren Fokus auf die Themen Künstliche Intelligenz (61%), übermässige Mediennutzung (61%), sinnvolle Apps für den Schulalltag (58%) und das Thema Cybermobbing (58%). Jeweils über die Hälfte der Lehrpersonen würde diese Themen stärker priorisieren. Dicht gefolgt werden diese von den Themen Soziale Medien, Recherchieren & Glaubwürdigkeit sowie Fake News.
54 Abbildung 14.1: Welche Themen sollen in Ausund Weiterbildung mehr Gewicht erhalten 47 18 23 25 26 44 45 61 38 18 61 27 58 35 40 5 18 14 21 10 58 Werbung Technische Möglichkeiten Hintergrundwissen über die (technische) Funktionsweise des Internets Hintergrundinformationen zur Rolle der Medien in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Messenger (Whatsapp, Threema etc.) Nutzung und Wirkung erotischer Inhalte und Pornografie Hacking, Darknet, Bitcoins Office Programme (z.B. Word, Excel, Powerpoint) Anleitungen zum Erstellen von eigenen Lernvideos Anleitungen zum Erstellen eigener Online−Lern−Ressourcen (z.B. Inhalte auf Lernplattformen, Podcasts, Blogs) Games Hate−Speech / Hassrede und Extremismus im Internet/online Wie Algorithmen die Mediennutzung in sozialen Netzwerken beeinflussen Rechtliche Aspekte (Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, illegale Inhalte u.a.) Fake News Recherchieren und Glaubwürdigkeit von Informationen im Internet Soziale Medien (Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat etc.) Cybermobbing Sinnvolle Apps für den Schulalltag Mediensucht oder übermässige Mediennutzung Was Schülerinnen und Schüler über Künstliche Intelligenz (KI) lernen sollen (z.B. ChatGPT, Midjourney, Gemini, Dall−E) 0% 20% 40% 60% Lehrpersonen wünschen sich mehr Inhalte zu KI, übermässige Nutzung und Cybermobbing in der Ausund Weiterbildung Anteil der befragten Lehrpersonen in %, die einem bestimmten Medienthema in der Ausund Weiterbildung mehr Gewicht geben würden. Antworten aller befragter Lehrpersonen die Medienthemen unterrichten (n= 77)
55 15. Kompetenzen und Einstellungen von Lehrpersonen Sowohl die fachlichen Kompetenzen als auch die persönlichen Einstellungen von Lehrpersonen können einen bedeutenden Einfluss darauf haben, wie ein Fach oder Thema unterrichtet wird. In diesem Kapitel werden die Kompetenzen und Einstellungen der befragten Lehrpersonen zum Umgang mit Medien und neuen Technologien aufgezeigt. Dabei werden ausschliesslich die Daten jener Lehrpersonen analysiert, die Medienthemen selbst unterrichten. 15.1 Kompetenzen Die Kompetenzen der Lehrpersonen sind in den meisten der abgefragten Bereiche sehr hoch ausgeprägt (Abbildung 15.1). 90% oder mehr geben jeweils an zu wissen, wie man den Standort auf mobilen Geräten ausschaltet (95%), Dateien in der Cloud speichert (91%) oder die Sichtbarkeit von geteilten Inhalten einschränkt (90%). Neben diesen technischen Kompetenzen traut sich die grosse Mehrheit (90%) auch zu, die Glaubwürdigkeit von online gefundenen Informationen zu prüfen. Herausfordernder ist der Umgang mit KI-Tools. Nur 23% der Lehrpersonen wissen, was im Zusammenhang mit solchen Tools mit dem Begric “halluzinieren” gemeint ist. Das Thema Künstliche Intelligenz wird allerdings auch am häufigsten als wichtiges Thema für die Ausund Weiterbildung genannt (siehe Abbildung 14.1). Die tiefste Kompetenz weisen die Lehrpersonen beim Anwenden einer Programmiersprache aus, nur 14% verfügen über entsprechende Kenntnisse. Ein grosser Teil (69%) der befragten Lehrpersonen halten sich auf dem Laufenden und geben an, die aktuelle Berichterstattung über digitale Medien zu Themen wie KI, soziale Medien oder Regulierungen zu verfolgen. Die allermeisten Lehrpersonen schätzen zu stark vereinfachte Aussagen über das Internet korrekt als falsch ein. Die Aussagen Das erste Suchergebnis, das von Suchmaschinen (wie Google oder Bing) präsentiert wird, ist immer die beste Informationsquelle und Jeder bekommt die gleichen Informationen, wenn er online/im Internet nach Dingen sucht werden von 86%, resp. 88% der befragten Lehrpersonen als falsch identifiziert. Ebenso sind 57% berechtigterweise unsicher, ob sie KI-generierte Bilder zuverlässig von echten Fotos unterscheiden können.
56 Abbildung 15.1: Medienkompetenzen der Lehrpersonen 15.2 Blockieren von Nutzern und Inhalten Der Umgang mit den Blockierund Meldefunktionen in sozialen Netzwerken oder auf anderen Plattformen ist den befragten Lehrpersonen sehr gut vertraut. Mehr als drei Viertel (77%) haben schon Personen blockiert und fast zwei Drittel (62%) haben schon unpassendes Verhalten und Inhalte gemeldet. Diese Werte sind jenen der Schülerinnen und Schüler sehr ähnlich (siehe Abbildung 5.4). 3 90 4 95 4 90 5 91 18 70 74 14 14 73 9 81 12 69 57 23 10 83 8 1 6 4 10 12 13 10 19 19 6 unentschlossen / keine Antwort Ich kann eine Programmiersprache (z.B. Python, Javascript) anwenden. Ich weiss, was der Begriff «Halluzinieren» im Zusammenhang mit KI−Tools (ChatGPT, Gemini, Claude) bedeutet. Ich verfolge die Berichterstattungen über aktuelle Entwicklungen bei digitalen Medien (z.B. über Soziale Medien, KI−Tools, Apps, Regulierung). Ich weiss, wie man privates Surfen nutzt (z.B. Inkognito−Modus genannt). Ich weiss, wie ich verschiedene digitale Medien (z.B. Fotos, Musik, Videos, GIFs) kombinieren und etwas Neues erstellen kann. Ich weiss, wie man digitale Bilder, Musik und Videos bearbeitet. Ich kann ein Video von Youtube herunterladen. Ich weiss, wie man überprüft, ob die Informationen, die ich online/im Internet finde, wahr sind. Ich weiss, wie man Fotos, Dokumente oder andere Dateien in einer Cloud speichert (z.B. Dropbox, Google Drive, iCloud, OneDrive, Teams ...). Ich weiss, wie ich einstelle, wer meine online geteilten Inhalte sieht (z.B. nur Freunde, Freunde von Freunden oder alle Internetnutzer). Ich weiss, wie man den Standort auf mobilen Geräten ausschaltet. −50 0 50 100 Trifft überhaupt nicht oder eher nicht zu Trifft eher zu oder voll und ganz zu Lehrpersonen schätzen ihre eigene Medienkompetenz überwiegend positiv ein Antworten in % auf die Frage: Bitte geben Sie an, ob die folgenden Aussagen auf Sie zutreffen, wenn Sie an Ihre Internetnutzung und die Nutzung von Geräten wie dem Handy oder Computer denken. Antworten aller befragter Lehrpersonen die Medienthemen unterrichten (n= 77)
57 Abbildung 15.2: Erfahrungen der Lehrpersonen mit Moderationsfunktionen 15.3 Einstellung zu neuen Technologien Diejenigen Lehrpersonen, die Medien und Informatik unterrichten, wurden zu ihren Einstellungen zu neuen Technologien befragt. Hier zeigt sich ein dicerenziertes Bild aber auch viel Unsicherheit. Die grössten Sorgen machen sich die Lehrpersonen zu den Themen Falschinformationen (69%), Datenschutz (68%) und dem übermässigen Verbrauch von Ressourcen (56%). Die Lehrpersonen sehen aber auch positives Potenzial neuer Technologien. 42% glauben, dass sie den Zugang zu Wissen für alle erleichtern werden. Ein grosser Teil scheint sich aber auch unsicher zu sein oder wollte auf diese Frage keine Antwort geben (43%). 68% der Lehrpersonen stimmen der Aussage nicht zu, dass neue Technologien dazu führen werden, dass man in der Schule oder bei der Arbeit keine langweiligen Aufgaben mehr machen muss. Und die meisten finden es nicht in Ordnung, dass ihre persönlichen Daten zum Anzeigen personalisierter Werbung verwendet werden (77%). 4 16 77 3 30 62 23 52 16 4 5 9 Einen «Hilfe»-Knopf oder einen Link zu einer Hotline/Telefonnummer (damit man jemanden kontaktieren kann, der einem helfen kann) Einen "Melden"-Knopf oder etwas ähnliches (um gemeines Verhalten oder unpassende Inhalte zu melden) Ein «Blockieren»-Knopf (um Personen oder Kontakte zu blocken) nein, noch nie gesehen Ja, schon gesehen Ja, schon benutzt keine Antwort Anteil der befragten Lehrpersonen, die Moderationsfunktionen in den sozialen Medien kennen und nutzen Antworten in % auf die Frage: Wenn Sie über ihre Nutzung von sozialen Medien (z.B. Instagram, TikTok, Snapchat) oder anderen Plattformen nachdenken, haben Sie schon einmal etwas von diesen Dingen gesehen oder benutzt? Antworten aller befragten Lehrpersonen die Medienthemen unterrichten (n= 77).
64 17.3 Lehrmittel und Anforderungen Zur Bearbeitung der verschiedenen Themen im Unterricht sind die zur Verfügung stehenden Lehrmittel zentral. Sie geben vor, wie die Inhalte vermittelt werden und auf welche thematischen Aspekte dabei fokussiert wird. Die meisten Lehrpersonen sind mit der Aktualität (78%) und dem Lebensweltbezug (75%) der Lehrmittel zufrieden (Abbildung 17.4). Die Versorgung mit ociziellen Lehrmitteln hat sich seit 2019 (Hermida, 2019) verbessert. Damals gaben nur 41% der Lehrpersonen an, dass ihnen genügend ocizielle Lehrmittel zur Verfügung stehen, aktuell sind es mit 64% deutlich mehr, aber immer noch nur knapp zwei Drittel. 44% der Lehrpersonen geben an, vor allem inocizielle Lehrmittel zu verwenden, dieser Wert ist seit 2019 (53%) nur leicht zurückgegangen. Knapp ein Viertel (24%) bekundet auch Schwierigkeiten, die Qualität von Lehrmitteln einzuschätzen. Abbildung 17.4: Einschätzung der Lehrmittel zu Medienthemen 8 25 47 17 18 32 38 6 14 22 39 19 22 27 29 14 1 12 61 17 4 12 61 14 27 45 16 1 4 18 52 16 29 38 18 6 4 5 5 8 9 9 10 10 9 keine Antwort Die mir zur Verfügung stehenden Lehrmittel passen nicht zum Schweizer Kontext. Es fällt mir schwer einzuschätzen, ob ein Lehrmittel gut oder schlecht ist. Ich muss passende Lehrmittel (Arbeitsblätter, Arbeitsaufträge) selber erstellen. Ich benutze vor allem inoffizielle Lehrmittel (z.B. Arbeitsblätter von Präventionskampagnen, Wohltätigkeitsorganisationen, thematisch passenden Webseiten etc.). Ich muss mir meine Lehrmittel aus mehreren verschiedenen Quellen selber zusammensuchen. Mir stehen genügend offizielle Lehrmittel (von Lehrmittelverlagen, Pädagogischen Hochschulen usw.) zur Verfügung. Die mir zur Verfügung stehenden Lehrmittel decken die relevantesten Themen ab. Die mir zur Verfügung stehenden Lehrmittel passen zur Lebenswelt der Schüler/−innen. Die mir zur Verfügung stehenden Lehrmittel sind aktuell. −50 0 50 100 Trifft voll und ganz zu Lehrpersonen schätzen die ihnen zur Verfügung stehenden Lehrmittel als aktuell und relevant ein Antworten in % auf die Frage: Wenn Sie an Ihren Unterricht über Medienthemen denken, wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zur Verfügbarkeit von Lehrmitteln zu oder nicht zu? Trifft überhaupt nicht zu Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Antworten aller befragten Lehrpersonen, die selbst Medienthemen unterrichten, n = 77.
65 17.4 Einstellung zum Unterricht über Medienthemen Der Grossteil (86%) der Lehrpersonen findet es spannend, Medienthemen zu unterrichten (Abbildung 17.5). Gleichzeitig empfinden viele den Unterricht auch als herausfordernd: Fast drei Viertel (73%) finden, dass Medienthemen mehr Spezialwissen als andere Themen erfordern und 58% würden sich mehr Lektionen dafür wünschen. Die grösste Veränderung gegenüber den Zahlen aus dem Jahr 2019 zeigt sich bei der Vorbereitungszeit. Damals gaben 71% der Lehrpersonen an, dass Medienthemen zu unterrichten mehr Vorbereitungszeit benötigt als andere Themen; aktuell sind es zwar weniger, aber mit 55% immer noch mehr als die Hälfte. Die meisten Lehrpersonen fühlen sich sicher beim Unterrichten, aber ein Drittel (34%) gibt an, dass ihnen das nötige Wissen fehlt und sie sich deshalb unsicher fühlen - 2019 gaben das 27% der Lehrpersonen an. Abbildung 17.5: Einstellungen der Lehrpersonen zum Medienunterricht 1 9 43 43 4 36 36 19 23 39 34 17 39 18 22 13 38 22 21 5 32 39 19 22 40 17 17 4 4 4 4 6 4 4 keine Antwort Medienthemen zu unterrichten verunsichert mich, weil mir das nötige Wissen fehlt. Medienthemen zu unterrichten ist für mich bei der Durchführung im Unterricht anstrengender als andere Themen. Medienthemen zu unterrichten ist komplizierter als andere Themen zu unterrichten. Medienthemen zu unterrichten erfordert meistens mehr Vorbereitungszeit als andere Themen zu unterrichten. Medienthemen zu unterrichten bräuchte eigentlich mehr Platz (Lektionen) als dafür zur Verfügung stehen. Medienthemen zu unterrichten erfordert meistens mehr Spezialwissen als andere Themen zu unterrichten. Medienthemen zu unterrichten ist spannend. 50 0 50 100 Trifft voll und ganz zu Die befragten Lehrpersonen finden den Medienunterricht spannend und fühlen sich gut darauf vorbereitet Antworten in % auf die Frage: Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen über das Unterrichten von Medienthemen zu oder nicht zu? Trifft überhaupt nicht zu Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Antworten aller befragten Lehrpersonen, die selbst Medienthemen unterrichten, n = 77.
66 18. Aufteilung der Verantwortung zwischen Elternhaus und Schule Abbildung 18.1 zeigt, wie die befragten Lehrpersonen die Verantwortung für verschiedene Medienthemen zwischen Schule und Elternhaus verorten. Auf der rechten Seite der Abbildung ist erkennbar, dass die Lehrpersonen bei den meisten Themen die Verantwortung gleichermassen sowohl bei der Schule als auch bei den Eltern sehen. So sehen etwa drei Viertel der Lehrpersonen den Umgang mit einer breiten Palette and Software und Werkzeugen wie etwa Games (78%), Ocice-Programme (76%), sozialen Netzwerke (75%), KI-Tools (75%), aber auch die Wirkung und den Umgang mit Pornografie (77%) als Themen, den sich Schule und Eltern gleichermassen annehmen sollten. Zu den Themen, die am stärksten der Schule zugeschrieben werden, sind unter anderem der Einfluss der Medien auf das Körperbild und das Selbstvertrauen (77%), der Kompetenzerwerb beim Produzieren von Medien (65%), Abofallen und Betrugsmaschen (54%) sowie der Umgang mit sexueller Belästigung im Internet (58%). Keines der abgefragten Medienthemen wird von den Lehrpersonen in gleich starkem Ausmass dem Elternhaus zugeordnet. Zu den Themen, die jedoch stärker der Verantwortung der Eltern zugeschrieben werden, zählen unter anderem Cybermobbing (44%), Schutz der Privatsphäre (46%), Werbung (37%) und Sexting (39%).
67 Abbildung 18.1: Aufteilung der Verantwortung Schule und Elternhaus 11 8 10 23 34 18 5 24 41 1 65 3 35 5 54 1 44 1 4 35 5 46 3 37 77 1 1 28 4 18 10 10 1 44 3 28 3 19 8 39 58 6 4 14 77 63 44 67 54 28 56 39 51 57 46 57 18 67 75 76 51 66 75 49 32 78 Beide etwa zu gleichen Teilen Cybermobbing Schutz der Privatsphäre/Datenschutz Werbung (klassisch oder online) Sexting (Verschicken erotischer Bilder/Videos von sich selbst) Glaubwürdigkeit von Informationen im Internet beurteilen Wie das Internet (technisch) funktioniert Bedeutung der Medien für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Urheberrecht und Kopierschutz Umgang mit KI−Tools (z.B. ChatGPT, Midjourney, Gemini, Dall−E) Umgang mit sozialen Netzwerken (Instagram, TikTok, Snapchat etc.) Umgang mit Messengern (Whatsapp, Threema usw.) Nutzung und Wirkungen von Games (Computer, Playstation, Smartphone etc.) Umgang mit Office−Computerprogrammen (Word, Excel, Powerpoint) Umgang mit und Wirkungen von erotischen Inhalten oder Pornografie Mediensucht, übermässige Mediennutzung Hate−Speech/Hassrede, Extremismus im Internet/online Kontakt mit fremden Personen übers Internet/online (in Games, sozialen Netzwerken, Apps usw.) Illegale Inhalte (grausame Gewaltdarstellungen, illegale Pornografie, rassistische Inhalte etc.) Informationen zum Umgang mit sexuellen Belästigungen (Cyber−Grooming) im Internet/online Abofallen, Betrugsmaschen Wie man selber Medienprodukte herstellt (Blogs, Filme, Fotos bearbeiten, Podcasts etc.) Einfluss der Medien auf das eigene Körperbild und das Selbstvertrauen 50 0 50 Primär die Schule Primär das Elternhaus Die Lehrpersonen sehen bei vielen Themen die Verantwortung sowohl bei der Schule, als auch beim Elternhaus Antworten in % auf die Frage: Wer sollte sich Ihrer Meinung nach den folgenden Themen annehmen? Antworten aller befragten Lehrpersonen. Pro Kategorie haben zwischen einer und drei Lehrpersonen nicht geantwortet, n = 76−78.
68 19. Künstliche Intelligenz Die Primarlehrpersonen schätzen, dass nur wenige ihrer Schülerinnen und Schüler im letzten Monat KI-Tools verwendet haben. Bei den Sekundarlehrpersonen zeigt sich ein anderes Bild. Ein Drittel (34%) der Sekundarlehrpersonen schätzt, dass ihre Schülerinnen und Schüler solche Tools zum Zusammenfassen und Erklären längerer Texte genutzt haben. Ein Viertel schätzt, dass die Tools genutzt werden, um Bilder und Videos zu erstellen und 20%, dass sie verwendet werden, um Empfehlungen für die Freizeit zu erhalten. Aus den Angaben der Schülerinnen und Schüler sehen wir zwar - entsprechend den Einschätzungen der Lehrpersonen - dass jüngeren Kinder weniger KI-Tools verwenden als ältere. Allerdings geben bereits 21% der 9/10Jährigen an solche Tools verwendet zu haben (siehe Abbildung 12.1). Dies liegt höher als die Einschätzungen der Primarlehrpersonen (bis zu 11%). Auch die berichteten Werte der 13/14-Jährigen (67%) und 15/16-Jährigen (80%) liegen sehr deutlich über den Einschätzungen der Sekundarlehrpersonen. Allerdings bestätigt sich die Einschätzung der Sekundarlehrpersonen, dass KI-Tools am häufigsten fürs Zusammenfassen längerer Texte ver wendet werden (siehe Tabelle 12.1). Abbildung 19.1: Einschätzung der Nutzung von KI-Tools durch Schülerinnen und Schüler 8 34 9 25 11 20 4 15 5 13 4 9 Um einen längeren Text zusammenzufassen oder erklären zu lassen Um Bilder oder Videos von verschiedenen Dingen zu erstellen Um Empfehlungen für die Freizeit, für einen Film, eine Serie, für Musik oder für gute Produkte zu erhalten Um Empfehlungen/Ratschläge für ihre körperliche Gesundheit und Fitness zu erhalten Um über ihre Sorgen zu sprechen und Ratschläge zu bekommen Um «deep Fakes» zu erstellen −also Fotos oder Videos, die so aussehen, als würde jemand etwas tun oder sagen, obwohl diese Person das nie wirklich getan oder gesagt hat. 0 10 20 30 Sekundarstufe Primarstufe Sekundarstufe Primarstufe Sekundarstufe Primarstufe Sekundarstufe Primarstufe Sekundarstufe Primarstufe Sekundarstufe Primarstufe Texte zusammenfassen und Bilder generieren sind laut Lehrpersonen die häufigsten KI-Nutzungen von Schülerinnen und Schülern Schätzungen der Lehrpersonen, welcher Anteil ihrer Schüler:innen im letzten Monat KI−Anwendungen für folgende Zwecke genutzt hat. Separat für Lehrpersonen der Primarstufe und der Sekundarstufe Antworten aller befragten Lehrpersonen, aufgeteilt nach Primarstufe (n = 45) und Sekundarstufe (n = 34).
69 20. Cybermobbing aus Sicht der Lehrpersonen Während die befragten Kinder und Jugendlichen berichteten, wie oft sie (Cyber-)Mobbing und verletzendes Verhalten erleben, wurden die Lehrpersonen gebeten einzuschätzen, wie verbreitet Cybermobbing bei Schülerinnen und Schüler im Alter ihrer Klasse ist (Abbildung 20.1). Zwei Drittel der Lehrpersonen (68%) gehen davon aus, dass 16% oder mehr der Mädchen von Cybermobbing betrocen sind; und 40% der Lehrpersonen gehen davon aus, dass entsprechend viele Jungen betrocen sind. Vergleicht man diese Werte mit den Angaben der Schülerinnen und Schüler selbst (siehe Abbildung 6.1), von denen 7% berichteten, im letzten Jahr Cybermobbing erlebt zu haben, erscheinen die Einschätzungen der Lehrpersonen relativ hoch. Zwar belegen die Daten der Kinder die Einschätzung der Lehrpersonen, dass Mädchen insgesamt häufiger von negativem Verhalten gegen sich betrocen sind - 34% der Mädchen berichten dies, verglichen mit 26% der Jungen. Dieser Unterschied verschwindet jedoch, wenn nur Cybermobbing betrachtet wird und deckt sich nicht mit den Einschätzungen der Lehrpersonen. Abbildung 20.1: Einschätzung Cybermobbing durch Lehrpersonen 20.1 Erfahrung der Lehrpersonen mit Cybermobbing Von allen befragten Lehrpersonen hat eine Mehrheit von 71% bereits mindestens einen Fall von Cybermobbing an der eigenen Schule erlebt. Bei 49% waren es bereits mehrere Fälle. Von diesen Lehrpersonen berichteten 30%, dass ein Kind ihrer Klasse bereits Opfer von Cybermobbing war und 25% gaben an, dass ein Kind ihrer Klasse als Täter oder Täterin beteiligt war. Auf die Frage, ob ihre Schule mit der Herausforderung Cybermobbing umgehen kann, zeichnen die Lehrpersonen ein eher positives Bild (Abbildung 20.2). Etwa zwei Drittel (66%) stimmen der Aussage zu, dass ihre Schule auch bei 6 10 13 27 41 4 8 22 27 25 15 4 Jungen Mädchen 0% 25% 50% 75% 100% 0−5% 6−10% 11−15% 16−20% mehr als 20% Keine Antwort Lehrpersonen schätzen die Häufigkeit von Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz hoch ein, insbesondere bei Mädchen Antworten in Prozent auf die Frage: Was schätzen Sie, wie viele der Mädchen und der Jungen in der Schweiz, die etwa im Alter Ihrer Schüler/−innen sind, wurden schon einmal Opfer von Cybermobbing? Antworten aller befragten Lehrpersonen, n = 79.
70 schweren Cybermobbing-Fällen angemessen reagieren kann. Rund die Hälfte gibt auch an, dass ihre Schule aktive Präventionsarbeit gegen Cybermobbing leistet (52%) oder über eine entsprechende Anlaufoder Beratungsstelle verfügt (50%). Diese Werte haben sich gegenüber der Befragung 2019 kaum verändert. Während aber 2019 16% der Lehrpersonen angegeben haben, dass dem Thema Cybermobbing in ihrer Schule zu wenig Beachtung geschenkt wird, sind es aktuell 33%. Abbildung 20.2: Umgang der Schule mit Cybermobbing Zwei Drittel (66%) der Lehrpersonen sind der Ansicht, dass das Thematisieren von Cybermobbing im Unterricht dazu beitragen kann, Schülerinnen und Schüler besser für das Thema zu sensibilisieren (Abbildung 20.3). Jedoch ist eine Mehrheit von 60% auch der Ansicht, dass die Verantwortung für diese Sensibilisierung nicht in erster Linie bei der Schule liegt. Dies deckt sich auch mit den Ansichten der Lehrpersonen zur Aufteilung der Verantwortung zwischen Eltern und Schule zu diesem Thema (siehe Abbildung 18.1). 4 23 51 15 3 37 29 23 19 51 18 1 35 39 16 0 44 44 30 24 34 28 5 24 18 32 18 8 9 11 9 9 9 9 keine Antwort In unserer Schule wird das Thema Cybermobbing überbewertet. In unserer Schule werden Lehrpersonen mit dem Thema Cybermobbing allein gelassen. Unsere Schule ist mit dem Thema Cybermobbing überfordert. In unserer Schule wird dem Thema Cybermobbing zu wenig Beachtung geschenkt. In unserer Schule gibt es eine Anlauf−oder Beratungsstelle bei Cybermobbing Unsere Schule betreibt aktiv Prävention gegen Cybermobbing (z.B. Thema ist fix in Lehrplan/Jahresplanung, regelmässige Workshops etc.). Unsere Schule kann auch in schweren Fällen von Cybermobbing richtig reagieren. 50 0 50 Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Trifft voll und ganz zu Viele Lehrpersonen sehen ihre Schule als gut vorbereitet, um mit Cybermobbing umzugehen Antworten in % auf die Frage: Vorfälle von Cybermobbing sind für Schulen immer eine Herausforderung. Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Trifft überhaupt nicht zu Antworten aller befragten Lehrpersonen, n = 79.
71 Abbildung 20.3: Cybermobbing als Unterrichtsthema 3 25 52 14 9 27 46 14 23 44 28 0 6 39 43 6 6 5 5 5 keine Antwort In der Schule mehr Zeit für die Sensibilisierung für Cybermobbing aufzuwenden, hat wenig Einfluss darauf, wie sich die Schüler/−innen nachher tatsächlich verhalten. Die Lehrpersonen beeinflussen massgeblich, wie verantwortungsbewusst Schüler/−innen mit der Cybermobbing−Problematik umgehen. Für fehlende Sensibilität der Schüler/−innen für Cybermobbing kann im Allgemeinen nicht die Schule verantwortlich gemacht werden. Fehlende Sensibilität der Schüler/−innen für Cybermobbing kann mit passendem Unterricht behoben werden. −40 0 40 80 Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Trifft voll und ganz zu Viele Lehrpersonen halten eine Thematisierung von Cybermobbing im Unterricht für hilfreich Antworten in % auf die Frage: Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen über Unterricht zum Thema Cybermobbing und dessen Auswirkungen zu oder nicht zu? Trifft überhaupt nicht zu Antworten aller befragten Lehrpersonen, n = 79.
72 21. Übermässige Nutzung Die befragten Lehrpersonen gehen im Durchschnitt davon aus, dass etwa ein Viertel (26%) ihrer Schülerinnen und Schüler Symptome einer übermässigen Mediennutzung zeigen. Wie in der Tabelle 21.1 zu sehen ist, gehen die Lehrpersonen auch davon aus, dass diese übermässige Nutzung mit verschiedensten Symptomen einhergehen. Am häufigsten nennen die Lehrpersonen eine verminderte Konzentrationsfähigkeit (80%), Übermüdung (75%) und schwächere Schulleistung (61%) als Folgen. Tabelle 21.1: Einschätzung der Folgen übermässiger Mediennutzung Eine Mehrheit der Lehrpersonen sieht in erster Linie Leistungsund Aufmerksamkeitsprobleme als Folge übermässiger Mediennutzung Antworten in % der befragten Lehrpersonen die angaben, diese Folge der übermässigen Mediennutzung bei ihren Schülerinnen und Schülern zu beobachten. Beobachtete Folgen in % Tiefere Konzentrationsfähigkeit 80 Übermüdung 75 Schwächere Schulleistungen 61 Desinteresse 46 Tiefere soziale Kompetenzen 23 Gereiztheit 23 Vernachlässigung körperlicher Hygiene 9 Sozialer Rückzug 8 Gestörtes Essverhalten 5 Alle befragten Lehrpersonen (n = 79) 21.1 Umgang der Schulen mit übermässiger Mediennutzung Wie die Schulen der befragten Lehrpersonen ausgerüstet sind, um mit übermässiger Mediennutzung der Lernenden umzugehen, scheint sehr unterschiedlich zu sein (Abbildung 21.1). 40% der Lehrpersonen geben an, dass ihre Schule eine entsprechende Anlaufoder Beratungsstelle für Schülerinnen und Schüler hat. Gleichzeitig sind 52% der Ansicht, dass ihre Schule noch nicht adäquat mit schweren Fällen übermässiger Nutzung umgehen kann.
73 Abbildung 21.1: Umgang der Schule mit übermässiger Mediennutzung 21.2 Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler Die befragten Lehrpersonen sehen insgesamt nur begrenzte Möglichkeiten, die Sensibilisierung von Schülerinnen und Schülern für übermässige Mediennutzung im schulischen Kontext zu verbessern. So sind 66% der Meinung, dass selbst durch geeigneten Unterricht eine mangelnde Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler nicht behoben werden kann. Auch eine klare Mehrheit (70%) geht davon aus, dass mehr Unterrichtszeit zu diesem Thema keinen relevanten Einfluss hätte. Zudem sehen viele Lehrpersonen sich selbst nicht als entscheidenden Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen bei diesem Thema (87%). 12 40 28 11 17 36 32 9 16 36 33 5 16 40 29 7 8 36 39 9 32 23 29 11 9 5 9 8 8 5 keine Antwort In unserer Schule werden Lehrpersonen mit dem Thema übermässige Mediennutzung/Mediensucht alleine gelassen. Unsere Schule ist mit dem Thema der übermässigen Mediennutzung/Mediensucht überfordert. Unsere Schule kann auch in schweren Fällen von übermässiger Mediennutzung richtig reagieren. In unserer Schule gibt es eine Anlauf−oder Beratungsstelle für Schüler/−innen, die eine übermässige Mediennutzung zeigen (oder für Lehrpersonen, die dies bei Schüler/−innen feststellen) Unsere Schule betreibt aktiv Prävention gegen übermässige Mediennutzung/Mediensucht (z.B. Thema ist fix in Lehrplan/Jahresplanung, regelmässige Workshops etc.). In unserer Schule wird dem Thema übermässige Mediennutzung/Mediensucht zu wenig Beachtung geschenkt. 60 30 0 30 60 Trifft eher nicht zu Trifft eher zu Trifft voll und ganz zu Der Umgang mit exzessiver Mediennutzung an Schulen ist sehr heterogen Antworten in % auf die Frage: Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht zu? Trifft überhaupt nicht zu Antworten aller befragten Lehrpersonen, n = 79.