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LOHNT SICH DIE AUSBILDUNG VON LERNENDEN? KOSTEN, NUTZEN UND AUSBILDUNGSQUALITÄT AUS SICHT DER BETRIEBE 2025

Gehret, Alexander; Kuhn, Andreas; Schweri, Jürg

Abstract

Ob und wie viele Betriebe Lernende ausbilden, hängt auch davon ab, welche Kosten und Nutzen durch die Ausbildung zu erwarten sind. Die Kosten-Nutzen-Erhebung der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung EHB zeigt im Bericht 2025, dass über 70 Prozent der Lehrverhältnisse schon während der Ausbildung einen positiven Nettonutzen für den ausbildenden Betrieb erzeugen. Für die fünfte Erhebung zu Kosten und Nutzen der beruflichen Grundbildung aus Sicht der Betriebe wurden im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) schweizweit Betriebe zu ihrer Ausbildungstätigkeit und der Rekrutierung von Fachkräften befragt. Die Resultate der Online-Erhebung umfassen Antworten von fast 6700 ausbildenden und gut 3600 nichtausbildenden Betrieben zum Ausbildungsjahr 2022/23. Neben Fragen zu den Kosten und Nutzen der Ausbildung finden sich im Bericht Erkenntnisse zur Berufsmaturität, zur Passung der Bildungspläne für die Betriebe und – neu – zur Ausbildungsqualität.

Full text

Alexander Gehret, Andreas Kuhn, Jürg Schweri LOHNT SICH DIE AUSBILDUNG VON LERNENDEN? KOSTEN, NUTZEN UND AUSBILDUNGSQUALITÄT AUS SICHT DER BETRIEBE 2025 EIDGENÖSSISCHE HOCHSCHULE FÜR BERUFSBILDUNG Schweizer Exzellenz in Berufsbildung EHB EXECUTIVE SUMMARY 2 EINLEITUNG 3 1 WOZU KOSTEN-NUTZEN-ÜBERLEGUNGEN IN DER BERUFSBILDUNG? 4 1.1 Strategische Überlegungen für Ausbildungsbetriebe 4 1.2 Kosten-Nutzen-Studien generieren Steuerungswissen 6 2 DAS KOSTEN-NUTZEN-MODELL 8 2.1 Bruttokosten 8 2.2 Produktive Leistungen 10 2.3 Nettonutzen 12 3 ABLAUF DER ERHEBUNG 14 3.1 Überarbeitung des Erhebungsinstruments 14 3.2 Pretest 16 3.3 Stichprobenziehung 16 3.4 Feldphase 18 3.5 Rücklauf in den beiden Teilstichproben 19 3.6 Zusammensetzung der beiden Nettostichproben 20 3.7 Plausibilisierung 23 3.8 Vorgehen bei fehlenden Variablenwerten 23 3.9 Stichprobengewichte 24 4 RESULTATE 25 4.1 Durchschnittliche Kosten und Nutzen der beruflichen Grundbildung 25 4.2 Kosten und Nutzen der zweijährigen beruflichen Grundbildung mit EBA 27 4.3 Kosten und Nutzen der dreijährigen beruflichen Grundbildung mit EFZ 30 4.4 Kosten und Nutzen der vierjährigen beruflichen Grundbildung mit EFZ 33 4.5 Resultate nach Betriebsgrösse 36 4.6 Resultate nach Branche 37 4.7 Resultate nach Grossregion 38 4.8 Resultate nach Beruf 39 4.9 Resultate zum Nutzen aus Weiterbeschäftigung 42 4.10 Hochrechnung der Ausbildungs kosten, der produktiven Leistungen und des Nettonutzens 43 4.11 Vergleich mit Deutschland 44 4.12 Fazit 45 5 MULTIVARIATE ANALYSEN 46 5.1 Analyse der Erhebung von 2022/23 46 5.2 Multivariater Vergleich mit der Erhebung für das Lehrjahr 2016/17 48 6 BILDUNGSPLÄNE UND BERUFSMATURITÄT 50 6.1 Bildungsverordnungen und Bildungspläne 50 6.2 Die Berufsmaturität 1 aus Sicht der Betriebe 52 INHALTSVERZEICHNIS Impressum Herausgeber: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB Zitiervorschlag: Gehret, A., Kuhn, A., & Schweri, J. (2025). Lohnt sich die Ausbildung von Lernenden? Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025. Zollikofen: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung. November 2025. Alle Rechte vorbehalten, Nachdruck oder Verwendung von Inhalten nur mit Genehmigung der EHB. Version: 1.0 Kontakt: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB, Jürg Schweri und Alexander Gehret, Kirchlindachstrasse 79, CH-3052 Zollikofen, +41 58 458 27 82 und +41 58 458 27 88, [email protected], www.ehb.swiss/kosten-nutzen 7 AUSBILDUNGSQUALITÄT IN DEN LEHRBETRIEBEN 54 7.1 Was ist betriebliche Ausbildungsqualität? 54 7.2 Wie schätzen die Lehrbetriebe ihre Ausbildungsqualität ein? 55 7.3 Fünf Ausbildungstypen von Lehrbetrieben 57 7.4 Was charakterisiert die Betriebe der verschiedenen Ausbildungstypen? 59 7.5 Warum ist die Ausbildungsqualität wichtig? 60 8 (NICHT)AUSBILDUNGSGRÜNDE 61 8.1 Betriebe ohne eigene Ausbildung von Lernenden 62 8.2 Ausbildungsund Nichtausbildungsgründe im Vergleich 62 LITERATUR 67 2 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 EXECUTIVE SUMMARY eigenen Betrieb ein. Dies erscheint als hoher Wert angesichts der Tatsache, dass diese Dokumente eine umfassende berufliche Handlungskompetenz der Lernenden über die Bedürfnisse des Einzelbetriebes hinaus sicherstellen sollen. Umgekehrt geben 19 Prozent der Betriebe an, dass sie Zusatzqualifikationen ausbilden, die nicht im Bildungsplan enthalten sind. – Die lehrbegleitende Berufsmaturität (BM 1) führt aufgrund der höheren Abwesenheiten der Lernenden zu etwas tieferen produktiven Leistungen für die Betriebe. Der Nettonutzen für die Betriebe reduziert sich dabei um rund 3000 Franken, bleibt jedoch positiv. – Die Lehrbetriebe wurden mit acht Fragen zu ihrer Ausbildungsqualität befragt und basierend darauf in fünf Ausbildungstypen eingeteilt: Insgesamt gehören mehr als drei Viertel der Lehrbetriebe zu den drei Ausbildungstypen, die eine befriedigende bis sehr gute Ausbildungsqualität bieten. Ein Viertel der Betriebe bietet eine hervorragende Ausbildungsqualität. Ein Drittel der Betriebe bietet eine mittlere Qualität. 19Prozent bilden eher spontan und ohne grosse Planung aus, erreichen aber sonst ebenfalls eine mittlere bis gute Qualität. Die vierte Gruppe, als «autoritär» ausbildend bezeichnet, umfasst 8 Prozent: Diese Betriebe gestehen den Lernenden kaum eigenständige Lösungswege zu und achten auch weniger auf eine mögliche Überforderung der Lernenden. Fast 15 Prozent der Betriebe bewerten ihre Ausbildungsqualität in allen Dimensionen als unterdurchschnittlich. – Die Lehrbetriebe sehen als wichtigstes Motiv für ihre Ausbildung, dass diese eine Gemeinschaftsaufgabe der Wirtschaft und somit eine Leistung für die Gesellschaft sei. Allerdings haben ökonomische Motive im Vergleich zur Studie sechs Jahre zuvor an Bedeutung zugelegt: Die Lehrbetriebe stimmen neu am zweithäufigsten der Aussage zu, dass sie mit der Ausbildung Fachkräfte qualifizieren wollen, die sie langfristig im Betrieb einsetzen können. Offenbar fördert der Fachkräftemangel dieses Interesse der Betriebe. Ebenfalls als wichtiger eingeschätzt wird die Möglichkeit, Lernende bereits während der Ausbildung als Arbeitskräfte einzusetzen. – Die Online-Erhebung ergab einen Datensatz mit Angaben von 6686 Ausbildungsbetrieben und 3655Nichtausbildungsbetrieben. Die Rücklaufquote bei den zufällig aus dem Betriebsregister des Bundesamts für Statistik ausgewählten Betrieben lag bei 39 Prozent (ausbildende Betriebe) und 31 Prozent (nichtausbildende Betriebe). – Im Schnitt über alle Lehrberufe betrug der durchschnittliche Nettonutzen im Ausbildungsjahr 2022/23 gut 4500 Franken pro Lehrjahr und Lehrverhältnis. Eine Mehrheit der Lehrverhältnisse (rund 71 Prozent) ist demnach mit einem einen Nettonutzen für den Lehrbetrieb verbunden. Der Nettonutzen ist dabei definiert als der Wert der produktiven Arbeiten der Lernenden in der Ausbildungszeit («produktive Leistungen») abzüglich aller Ausbildungskosten («Bruttokosten»). – Dieses positive Durchschnittsresultat deckt sich mit der Einschätzung der Betriebe: 80Prozent der Betriebe bezeichnen sich als eher oder sehr zufrieden mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Ausbildung eigener Lernender. – Die Resultate für die zweiund dreijährigen beruflichen Grundbildungen weichen nicht signifikant von den Resultaten der letzten Erhebung zu Kosten und Nutzen der beruflichen Grundbildung im Ausbildungsjahr 2016/17 ab. Der Nettonutzen pro Lehrverhältnis liegt im Durchschnitt bei 9630Franken für das Eidgenössische Berufsattest (EBA) und bei 13 940Franken für das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ, drei Jahre). Der Nettonutzen der vierjährigen EFZ-Berufslehren von 17 510 Franken ist signifikant höher als noch 2016/17. Dies liegt teilweise an Lehrberufen, die von einer dreiauf eine vierjährige Ausbildungszeit gewechselt haben. Weiter wurden die Fragen des Erhebungsinstruments seit der letzten Erhebung vereinfacht und verbessert, was ebenfalls zu veränderten Resultaten führen kann. – Die Bildungsverordnungen und Bildungspläne (BiVo und BiPla) passen nach Einschätzung der Betriebe relativ gut zu ihren eigenen Bedürfnissen. Im Durchschnitt schätzen die Betriebe 82 Prozent der im BiPla festgelegten Ausbildungsinhalte als relevant für den Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 3 Die berufliche Grundbildung beruht auf der Bereitschaft der Betriebe, junge Menschen (und auch Erwachsene) in einem Lehrberuf auszubilden. Für diese Bereitschaft ist es wichtig, dass sich die berufliche Grundbildung aus Sicht der Betriebe lohnt. Die vorliegende Studie wurde vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Auftrag gegeben, um ein aktuelles Bild der betrieblichen Kosten und Nutzen und der damit zusammenhängenden Faktoren zu erhalten. Die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB) erhielt im WTO-Ausschreibungsverfahren den Zuschlag für die Durchführung der Erhebung. Der vorliegende Bericht beschreibt das Konzept, die Planung und die Feldphase der Erhebung sowie die Datenaufbereitung und die wichtigsten Resultate. Die fünfte Erhebung zu Kosten und Nutzen der beruflichen Grundbildung (KNBB) baut auf einer Reihe von Vorgängererhebungen auf. Die grundlegende Methodik der früheren Kosten-Nutzen-Erhebungen hatte sich seit der ersten Erhebung im Ausbildungsjahr 2000/2001 (Schweri et al., 2003) kaum verändert. Um die Belastung für die teilnehmenden Betriebe zu verringern und die Datenqualität zu verbessern, wurde der Online-Fragebogen für die aktuelle Erhebung grundlegend überarbeitet. Nichtsdestotrotz bleiben die Resultate der verschiedenen, in Kapitel 1 beschriebenen Erhebungen weitgehend vergleichbar. Mit einem nochmals gestiegenen Rücklauf basiert die vorliegende Studie auf Angaben von über 6600 Ausbildungsbetrieben. Um die Resultate leichter zugänglich zu machen, werden die Resultate zu einzelnen Berufen in spezifischen Berufskapiteln auf der Webseite der EHB zur Verfügung gestellt. https://ehb.swiss/kosten-nutzen Da der Bericht viele grundlegende Resultate der Vorgängererhebung des Ausbildungsjahres 2016/17 (Gehret et al., 2019) mit den neu erhobenen Daten des Ausbildungsjahres 2022/23 repliziert, wurde auf eine komplette Neuformulierung von seither gleichbleibenden Argumentationen im Text verzichtet. Dies ermöglicht den Lesenden auch, die Resultate der beiden Berichte einfach zu vergleichen. Der vorliegende Bericht enthält jedoch auch viele gänzlich neue Resultate, beispielsweise das Kapitel7 zur betrieblichen Ausbildungsqualität. Die Autoren danken allen teilnehmenden Betrieben und an der Erhebung beteiligten Stellen, insbesondere Jürg Bieri und Philipp Theiler vom SBFI und Alain Chassot, Natalia Dorontsova, Laurent Inversin und Frédéric von Kessel vom Bundesamt für Statistik (BFS). Weiter danken die Autoren Samuel Mühlemann, Harald Pfeifer, Gudrun Schönefeld und Felix Wenzelmann für hilfreiche Diskussionen bei der Überarbeitung des Fragebogens. Schliesslich sei den an der Studie beteiligten Mitarbeitenden der EHB gedankt, insbesondere Yolanda Hübsch, Ivana Lovric, Tania Pichierri, Filippo Pusterla, Lea Rathlef und Matilde Wenger sowie den Hilfsassistentinnen und Hilfsassistenten Anaclet Deguenon, Esperanza Marx, Lorenzo Peduzzi, Lea Raas und Julia Stadler. EINLEITUNG 4 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Angaben zu den Kosten und Nutzen der beruflichen Grundbildungen aus der Sicht der Betriebe sind für verschiedene Zielgruppen von Bedeutung: erstens für die Betriebe selbst und zweitens für alle Akteurinnen und Akteure des Berufsbildungssystems, die auf die freiwillige Ausbildungsbeteiligung der Betriebe angewiesen sind. Nachfolgend wird daher zunächst der Zusammenhang zwischen Ausbildungsstrategien sowie Kosten und Nutzen auf der Ebene der Betriebe dargestellt. Danach wird beschrieben, welchen Beitrag Kosten-Nutzen-Daten zur Steuerung des Berufsbildungssystems zu leisten vermögen. Es gibt in der Arbeitsmarktund Bildungsökonomie eine grosse Literatur mit Analysen zur Frage, was Betriebe zur Ausbildung von Lernenden bewegt. Die kurze Einführung in diesem Kapitel bietet keine umfassende Übersicht über diese Literatur. Für deutschsprachige Überblicksartikel sei auf Wolter (2008) und Strupler & Wolter (2012) verwiesen, für englischsprachige auf Mühlemann (2019) und Mühlemann & Wolter (2014). 1.1 Strategische Überlegungen für Ausbildungsbetriebe Für die Betriebe sollte sich die eigene Ausbildung aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnen. Dabei spielen unterschiedliche Kostenund Nutzenaspekte der Ausbildung eine Rolle. Sie sind für die Betriebe teilweise nicht leicht zu erheben und zu beziffern, weil die Ausbildung in der Buchhaltung selten umfassend abgebildet wird. Mithilfe des Kostenmodells der vorliegenden Erhebung (siehe Kapitel 2) können Betriebe ihre eigene Kosten-Nutzen-Berechnung durchführen. Die Resultate aus der Erhebung zeigen den Betrieben weiter auf, welche Kosten und Nutzen andere Betriebe in der Schweiz im Durchschnitt aufweisen, auch im Vergleich mit Betrieben der eigenen Branche oder des gleichen Lehrberufs. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, die Werte der eigenen Ausbildung mit den genannten Durchschnitten aus der Erhebung zu vergleichen. Auf diese Weise lässt sich die Kosteneffizienz der eigenen Ausbildung besser einschätzen. Allerdings geht es nicht einfach darum, ob ein Betrieb «besser» oder «schlechter» abschneidet, weil er geringere oder höhere Nettokosten aufweist. Die Kosten-Nutzen-Resultate sind das Resultat der unterschiedlichen Ausbildungsstrategien und -organisationen der Betriebe. Je nach Zielen, die ein Betrieb mit der Ausbildung verfolgt, ergeben sich unterschiedliche Kosten-Nutzen-Zahlen. Die entscheidende Frage ist daher, ob die gewählte Ausbildungsorganisation es erlaubt, sowohl die betriebswirtschaftlichen Ziele zu erreichen wie auch den Lernenden eine qualitativ gute Ausbildung und Vorbereitung für das weitere Berufsleben zu ermöglichen. Kosten-Nutzen-Überlegungen und -Analysen bieten den Ausbildungsverantwortlichen eine Möglichkeit, die eigene Ausbildungstätigkeit in diesem Sinne zu reflektieren und zu optimieren. Betriebe müssen ständig entscheiden, welche Mitarbeitenden mit welchen Qualifikationen sie benötigen, um ihre Güter oder Dienstleistungen effizient zu produzieren. Die meisten Schweizer Betriebe beschäftigen dabei unter anderem Fachkräfte mit einem EFZ oder einem EBA. Die Betriebe müssen entscheiden, ob sie ihre Fachkräfte mit beruflicher Grundbildung vom externen Arbeitsmarkt rekrutieren oder (auch) selbst ausbilden. Diese Entscheidung ist anspruchsvoll, weil viele relevante Faktoren unsicher sind. Die Lehrzeit beträgt zwei bis vier Jahre und der Lehrvertrag kann nicht ohne Weiteres aufgelöst werden. Die Betriebe gehen mit der Anstellung von Lernenden somit eine mehrjährige Verpflichtung ein. Diese ist risikobehaftet, weil der Betrieb weder die Nachfrage nach seinen Produkten in dieser Zeit noch seinen Personalbedarf in der Zukunft noch die Qualität der Lernenden exakt prognostizieren kann. Entsprechend muss er Aufwand und Erträge der eigenen Ausbildung unter Berücksichtigung der Risiken abschätzen. Die Kosten umfassen die Personalkosten, die durch die Ausbildung und Betreuung der Lernenden entstehen, die Lehrlingslöhne sowie alle ausbildungsbezogenen Sachkosten und Gebühren. Diesen Kosten stehen verschiedene Erträge gegenüber. Berufslernende arbeiten während der Lehrzeit produktiv im Betrieb und können Arbeiten ausführen, die sonst von anderen Mitarbeitenden des Betriebs ausgeführt werden müssten. Dabei kann es sich um Fachkräfte, aber auch um unoder angelernte 1 WOZU KOSTEN-NUTZEN-ÜBERLEGUNGEN IN DER BERUFSBILDUNG? Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 5 Mitarbeitende handeln. Da die Löhne der Lernenden gegenüber diesen Kategorien von Mitarbeitenden tief sind, kann bereits der produktive Einsatz der Lernenden genügend Nutzen generieren, um die ganzen Ausbildungskosten zu decken. Ein weiteres Nutzen-Element ist die Weiterbeschäftigung der Lernenden als Fachkräfte nach der Lehrzeit. Ein Nutzen entsteht dadurch, dass die Lernenden im Betrieb bereits gut eingearbeitet sind, während Fachkräfte auf dem externen Arbeitsmarkt erst gesucht, gefunden und anschliessend eingearbeitet werden müssen. Durch Übernahme der Lernenden können diese Kosten eingespart werden. Darüber hinaus können die Ausbildungsbetriebe auch die Arbeitsqualität beziehungsweise Produktivität ihrer eigenen Lernenden gut einschätzen und gezielt jene weiterbeschäftigen, die sich besonders bewährt haben. Damit tragen sie weniger Risiko als bei der Rekrutierung von Fachkräften über den Arbeitsmarkt. Selbst ausgebildete Fachkräfte weisen zudem oft auch eine höhere Betriebstreue auf, was die Fluktuationskosten senkt (Euwals & Winkelmann 2004). Aus Sicht der ökonomischen Theorie geht es beim Nutzen durch Übernahme darum, dass die selbst ausgebildeten Lernenden den Betrieben eine höhere Produktivität bringen, die ihnen aber von den Betrieben – gegenüber Fachkräften auf dem externen Arbeitsmarkt – nicht oder nur teilweise in Form von höherem Lohn vergütet werden. Die Ausbildungsbetriebe verdienen somit eine «Rente» auf ihren ehemaligen Lernenden. Die entsprechende Literatur (zum Beispiel Acemoglu & Pischke, 1999) beschäftigt sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt mehr oder weniger Möglichkeiten für die Betriebe bestehen, solche Renten zu verdienen. Schliesslich hat die Ausbildungstätigkeit an sich noch weitere Vorteile, die den Betrieben zugutekommen. Einerseits steigert sie das Image des Betriebs bei Kunden und (potenziellen) Arbeitskräften. Andererseits kann sie zu Know-how-Transfer und Innovation beitragen (Backes-Gellner & Lehnert, 2023): Es ist möglich, dass die Betriebe dank ihren Lernenden von Neuerungen erfahren, die diese in überbetrieblichen Kursen (ÜK) oder an der Berufsfachschule von Lehrpersonen oder auch von Kolleginnen und Kollegen kennengelernt haben. Weiter ist der Betrieb auch eher im Kontakt mit dem zugehörigen Verband beziehungsweise der Organisation der Arbeitswelt, was zu einer verstärkten Kommunikation innerhalb der Branche und damit zum Wissensaustausch beiträgt (Rupietta & Backes-Gellner, 2018). Eine grundlegende Zweiteilung der Ausbildungsstrategien erfolgt nach dem primären wirtschaftlichen Motiv der Ausbildung: Wenn ein Betrieb Lernende vor allem ausbildet, um den eigenen Fachkräftenachwuchs sicherzustellen, handelt es sich um eine «investitionsorientierte» Ausbildungsstrategie. Der Betrieb bemüht sich, seine künftigen Fachkräfte möglichst gut gemäss dem eigenen Bedarf auszubilden, und ist darum häufig bereit, während der Lehrzeit Nettokosten zu tragen. Diese werden mit der Übernahme der Lernenden und den daraus entstehenden Erträgen amortisiert. Bei der «produktionsorientierten» Ausbildungsstrategie (Lindley, 1975) versucht der Betrieb dagegen, alle Ausbildungskosten bereits während der Lehrzeit mit den Erträgen aus der produktiven Arbeit der Lernenden zu decken. Betriebe, die diese Strategie verfolgen, sind nicht zwingend auf die Übernahme ihrer Lernenden angewiesen: Selbst wenn Lernende nach der Lehrzeit von anderen Betrieben abgeworben werden, hat sich die Ausbildung für sie gelohnt. Anders ist die Lage für Betriebe mit investitionsorientierter Ausbildungsstrategie: Sie sind darauf angewiesen, genügend Lernende weiterzubeschäftigen, um ihren Fachkräftebedarf zu decken und Kosten für Rekrutierungen über den externen Arbeitsmarkt einzusparen. Wenn viele Lernende nicht im Betrieb verbleiben, weil sie von anderen Betrieben abgeworben werden – oder auch, weil sie eine weitere Ausbildung wie die Berufsmaturität oder ein Fachhochschulstudium beginnen –, können die Betriebe die Investition in diese Lernenden nicht amortisieren. Dies dürfte ein wichtiger Grund sein, warum grosse Unternehmen häufig Ausbildungsverbünde in ihrer Region gründen (Walther et al., 2005) und andere Betriebe auf diese Weise in die Ausbildung von Lernenden in der Region einbinden. Um die Kompetenzentwicklung der Lernenden während der Lehrzeit zu fördern, stehen den Betrieben viele Stellschrauben zur Verfügung, die zugleich das Kosten-Nutzen-Verhältnis beeinflussen. Wichtig und kostspielig zugleich sind die Ausbildungsstunden, die von den Berufsbildungsverantwortlichen im Betrieb geleistet wer- 6 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 den. Auch die Infrastruktur für die Ausbildung spielt eine Rolle. Bei beiden Aspekten sind eine gute Planung und ein zielgerichteter Einsatz nötig. Schon während der Lehrzeit handelt es sich jedoch nicht nur um Kostenfaktoren: Wenn die Lernenden dank dieser Aufwände ihre Kompetenzen erweitern, können sie auch besser produktiv eingesetzt werden, und zwar während der Lehrzeit und gegebenenfalls auch danach. Umgekehrt trägt die Art des produktiven Einsatzes selbst zur Kompetenzentwicklung bei. Die Lernenden sollen spätestens bis zum Ende der Lehrzeit in jenen Tätigkeiten kompetent sein, die sie als Fachkraft ausüben werden. Es ist daher sinnvoll, dass sie diese produktiven Tätigkeiten während der Lehrzeit nicht nur kennenlernen, sondern möglichst bereits eine gewisse Erfahrung darin entwickeln können. Für die Betriebe bietet der Einsatz von Lernenden für solche Tätigkeiten den Vorteil, dass die Arbeitsleistung von Fachkräften teilweise eingespart werden kann. Die Kosten-Nutzen-Erhebungen ermöglichen es, die oben genannten Stellschrauben in den Ausbildungsfirmen detailliert zu erfassen. Auf diese Weise können sich Betriebe darüber informieren, wie sich die verschiedenen Elemente auf Kosten und Nutzen in Ausbildungsbetrieben auswirken (Kapitel 2). In den Berufskapiteln https://ehb.swiss/kosten-nutzen werden zudem die Durchschnitte der wichtigsten Werte pro Lehrberuf ausgewiesen. 1.2 Kosten-Nutzen-Studien generieren Steuerungswissen Den Verbundpartnern der Berufsbildung, der Politik und der Forschung erlauben Kosten-Nutzen-Erhebungen, die Ausbildungsmotive der Betriebe besser zu verstehen und zu berücksichtigen. Werden Bildungsverordnungen von beruflichen Grundbildungen revidiert, können beispielsweise die Zahl der Lektionen und Tage in der Berufsfachschule oder auch die Dauer der ganzen Lehre verändert werden. Solche Veränderungen beeinflussen sowohl den Ausbildungsaufwand der Betriebe wie auch den Nutzen, der ihnen durch die produktive Arbeit der Lernenden zugutekommt. Die tatsächlichen Veränderungen der betrieblichen Kosten und Nutzen hängen daher von der Ausbildungsorganisation der Ausbildungsbetriebe im jeweiligen Lehrberuf ab, beispielsweise von der Verteilung von Ausbildungsaufwand und produktivem Einsatz über die Lehrjahre. Die Forschung mit Kosten-Nutzen-Daten aus Deutschland und der Schweiz hat das Verständnis für die Funktionsweise der dualen Ausbildung in diesen beiden Ländern entscheidend verändert. In Deutschland wiesen die Betriebe in den Kosten-Nutzen-Erhebungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) von Beginn an erhebliche Nettokosten zum Ende der Ausbildungszeit auf (z.B. von Bardeleben et al., 1995). Die internationale arbeitsmarktökonomische Forschung stellte deshalb Deutschland und die USA einander gegenüber und betonte die Bedeutung der Arbeitsmarktregulierungen in Deutschland für das duale System. Verschiedene Eingriffe in den Arbeitsmarkt (Kündigungsschutz, Tarifverträge, starke Gewerkschaften, Betriebsräte usw.) führen demnach dazu, dass die Mobilität der deutschen Fachkräfte im Vergleich mit dem wenig regulierten US-Arbeitsmarkt eingeschränkt ist. Dies erlaubt den Ausbildungsbetrieben, ihre ehemaligen Auszubildenden zu einem Lohn etwas unter ihrer Produktivität weiterzubeschäftigen. Sie verdienen auf diese Weise eine Rente, mit der die Nettokosten der Ausbildung gedeckt werden. In dieser Sichtweise bildete die Arbeitsmarktregulierung die Grundlage für die Existenz des deutschen dualen Systems: Deutschland sei durch ein «low quits/ high training»-Gleichgewicht gekennzeichnet, also eine Situation, in der die Auszubildenden den Betrieb nach der Ausbildung selten verlassen (low quits) und in der viel Ausbildung stattfindet (high training). Die USA dagegen wiesen ein «high quits/ low training»-Gleichgewicht auf mit viel Mobilität der Fachkräfte, aber wenig Ausbildungstätigkeit der Betriebe (Acemoglu & Pischke, 1998). Als die Resultate der 2000er-Erhebung zur Schweiz publiziert wurden (Schweri et al., 2003), war das Resultat, dass die Betriebe im Durchschnitt einen Nettonutzen erzielen. Dies war im Vergleich mit den deutschen Resultaten für die Studienautorinnen und -autoren wie auch für die Kolleginnen und Kollegen des BIBB eine grosse Überraschung. Das Resultat erklärt jedoch, wie es möglich ist, dass die Schweiz ein «high quits / high training»-Gleichgewicht zu erreichen vermag. Da der schweizerische Arbeitsmarkt viel weniger reguliert ist als der deutsche, ist Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 7 die Mobilität der Lernenden nach der Lehrzeit höher als in Deutschland. Entsprechend können sich die Betriebe weniger als in Deutschland darauf verlassen, dass sie die Kosten der Ausbildung durch Weiterbeschäftigung decken können. Stattdessen achten die meisten Betriebe darauf, die Bruttokosten bereits während der Lehrzeit durch den produktiven Einsatz der Lernenden zu decken (Mühlemann et al., 2010). Die Schweiz bietet somit einen «dritten Weg» der Berufsbildung im Vergleich zu den USA, die keine regulierte Berufsbildung kennen, und zu Deutschland, das die Berufsbildung mit einem regulierten Arbeitsmarkt verbindet. Diese Zusammenhänge wurden in einer weiteren deutschen Studie (Jansen et al., 2015) bestätigt: Diese zeigt auf, dass die Arbeitsmarktderegulierung in Deutschland seit 2003 die Betriebe zu einem stärkeren produktiven Einsatz der Auszubildenden bewog, sodass sie die Nettokosten der Ausbildung senken konnten. Die Kosten-Nutzen-Studien der letzten Jahrzehnte haben somit unser Verständnis für die Funktionsweisen der dualen Systeme in Deutschland und in der Schweiz sowie für ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede geschärft. 14 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 3.1 Überarbeitung des Erhebungsinstruments Ein Fragebogen, der nicht direkt messbare Kosten-Nutzen-Elemente im Betriebsalltag erfassen soll, ist anspruchsvoll. Er muss einerseits bei über 200 Lehrberufen mit unterschiedlichen betrieblichen Ausbildungsrealitäten und in mehreren Sprachregionen die Qualität der erhobenen Daten sicherstellen. Andererseits sollten die teilnehmenden Betriebe nicht überlastet werden. Um diese Ziele zu erreichen, wurde der Online-Fragebogen grundsätzlich neu gedacht und überarbeitet. Die Leitidee der Überarbeitung war, die Fragen für die Betriebe zu vereinfachen und konsequent aus ihrer Perspektive zu formulieren statt aus der Perspektive der Forschenden. Auf diese Weise sollte die Qualität der Antwort gesteigert werden. Zugleich sollten die Resultate aber mit den Vorgängererhebungen vergleichbar bleiben. In einem ersten Schritt wurden die Daten der Erhebung von 2016/17 sowie die Erfahrungen des damaligen Projektteams analysiert: Was waren die Eigenschaften der teilnehmenden Betriebe und welche Personengruppen im Betrieb füllten den Fragebogen aus? Welche Fragen zeigten Probleme mit fehlenden oder unplausiblen Angaben und zu welchen gab es viele Rückfragen? Welche Fragen waren zentral für die Berechnungen und bei welchen konnten fehlende Werte leichter mit statistischen Methoden vervollständigt werden? Die zentralen Erkenntnisse dieser ersten Analyse waren: – Kleinstbetriebe und kleine Betriebe machen die grösste Benutzergruppe aus. Ein Fragebogen sollte daher auch auf Personen ausgerichtet werden, die sich nur beiläufig mit der Berufsbildung befassen. – Eine grosse Heterogenität bei den teilnehmenden Personengruppen deutet darauf hin, dass eine einfache Sprache wichtig ist für die Verständlichkeit, während exakte, aber nicht breit bekannte Begriffe eher zu Missverständnissen führen. – Die Antwortqualität nimmt mit der Dauer des Ausfüllens ab. Anspruchsvolle Fragen und solche, die zentral sind für die Berechnungen, sollten daher so früh wie möglich gestellt werden. – Teilnehmende müssen sich bei der Befragung in verschiedene betriebliche Kontexte hineinversetzen. Deshalb ist es entscheidend, den Bezugsrahmen (z. B. Lernende/-r in einer typischen Arbeitswoche) möglichst selten zu wechseln. – Erklärende Texte werden kaum gelesen oder verstanden. Es ist daher wichtig, dass die Befragten durch die Fragen selbst und den Ablauf der Fragen bereits verstehen, was Gegenstand und Ziel der eingeblendeten Frage ist. Basierend darauf wurde ein Test-Fragebogen erstellt und mit Personen aus verschiedenen Betrieben in kognitiven Tests geprüft und fortlaufend verbessert. Diese Überarbeitung hat den Fragebogen primär in den nachfolgend beschriebenen Punkten verändert. Reihenfolge Die Reihenfolge der Fragen wurde in früheren Erhebungen durch das Papierformat bestimmt, das Filterführungen stark einschränkt. Dank dem Online-Format können unnötige Fragen besser auf den ausfüllenden Betrieb angepasst einund ausgeblendet werden. Dies ermöglichte auch, eine Reihenfolge zu wählen, bei der die Befragten allein durch die Sequenz der Fragen die Intention der Fragen und ihren Bezugsrahmen besser verstehen: 1. Um was für eine Ausbildung (Beruf, Anzahl Lernende, Basislehrjahr) handelt es sich? 2. Anund Abwesenheit der Lernenden? Am Ende dieser Fragen ist klar, wie viele Tage die Lernenden im Betrieb anwesend waren – insbesondere in einer typischen Arbeitswoche. 3. Wie viel Zeitaufwand hatte der Betrieb während der Anwesenheit der Lernenden? 4. Wie viel Zeitaufwand entstand durch die letzte Lernenden-Rekrutierung? 5. Gab es weiteren Zeitaufwand, der bis hier nicht angegeben werden konnte? 6. Was für Tätigkeiten übten die Lernenden während ihrer Anwesenheit im Betrieb aus? 7. Was für Lehrlingslohnund Sachkosten entstanden? 8. Fragen zur Fachkräfte-Rekrutierung. 9. Fragen zu den Löhnen der beteiligten Personengruppen. 10. Ergänzende Fragen. 3 ABLAUF DER ERHEBUNG Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 15 Einige wenige ergänzende Fragen wurden auch früher gestellt, wenn diese gut zu einer zentralen Frage passten. Fragen zu spezifischen Schulungsräumen (Schulungsräume, die primär für Ausbildungsund Weiterbildungszwecke bestehen) wurden, wenn anwendbar, an den passenden Orten eingeblendet. Dieser Aufbau ermöglichte es, auf viele Hinweise zum Bezugsrahmen («…nicht zu berücksichtigen sind hier… Zeiten in der Berufsfachschule…») zu verzichten, weil der Kontext der Fragen klarer erkennbar war und weil den Teilnehmenden so ein roter Faden vermittelt werden konnte. Ein solcher Aufbau bedingt ein sequenzielles Ausfüllen. Daher wurde im Unterschied zum Fragebogen von 2016/17 ein Überspringen einzelner Kapitel nicht mehr ermöglicht. Einfachere Sprache Der Fragebogen der Erhebung von 2016/17 lehnte sich an die Fragebogen der Vorgängererhebungen aus Deutschland und der Schweiz an. Dabei wurden viele Begrifflichkeiten sowie der Satzaufbau aus Gründen der Vergleichbarkeit beibehalten. Die Erkenntnisse aus der vorne geschilderten Analyse früherer Erhebungen sprachen dennoch dafür, die Sprache zu vereinfachen und so das Ausfüllen zu erleichtern und die Datenqualität zu verbessern. Technokratische Bezeichnungen wurden wo möglich in für sich sprechende Begriffe verändert. Statt von «Ausbildungsstätten» zu sprechen – dieser Begriff wurde oft mit dem Ausbildungsbetrieb selbst verwechselt – und zwischen diesen und «speziellen Schulungsräumen für betrieblichen Unterricht» zu unterscheiden, werden die Betriebe nun gefragt, ob der Betrieb über «spezifische Schulungsräume» verfügt, «die ausschliesslich für Ausund Weiterbildung» genutzt werden. Dies erlaubt es zu erfragen, was für die Berechnung zentral ist, ohne auf ein gemeinsames Verständnis von Begriffen zu vertrauen oder dieses Verständnis erst durch lange Erläuterungen und Auflistungen zu erzeugen. Ein wichtiges Beispiel für die sprachliche Überarbeitung sind auch die Bezeichnungen für die zwei Kategorien von Tätigkeiten, die die Lernenden am Arbeitsplatz ausführen (siehe Kapitel 2). Statt nach «Produktiven LeistungenI: einfache Tätigkeiten» und «Produktiven LeistungenII: schwierige Tätigkeiten» wird nun konsequent nach «Ungelernten-Tätigkeiten» und «Fachkraft-Tätigkeiten» gefragt. «Einfach» und «schwierig» hängen von der Perspektive der befragten Person ab. Hat diese Person eine lange Arbeitserfahrung, dann dürfte ein grosser Teil der Tätigkeit der Lernenden als «einfach» und nur ein kleiner Teil als «schwierig» erachtet werden. Verfügt die befragte Person erst über wenig Erfahrung, dürfte die Einschätzung anders aussehen. Dagegen sind «Fachkraft-» und «Ungelernten-Tätigkeiten» deutlich weniger abhängig von der Perspektive der Teilnehmenden. «Ungelernten-Tätigkeiten» sind Aufgaben, die auch von ungelernten Personen übernommen werden (können). «Fachkraft-Tätigkeiten», ob einfach oder schwierig, werden sonst von ausgebildeten Fachkräften ausgeführt. Diese Begriffe entsprechen auch dem ökonomischen Konzept, dass der Beitrag der Lernenden den Kosten entspricht, die dem Betrieb ohne die Arbeit der Lernenden für andere Kategorien von Mitarbeitenden anfallen würden. Einfachere Sprache und Begriffe reduzieren den kognitiven Aufwand (cognitive load) für die Befragten. Daher sollten sie die Messfehler, also den Unterschied zwischen der Realität im Betrieb und dem im Fragebogen angegebenen Wert, verkleinern und damit die Qualität der erhobenen Daten verbessern. Die Reduktion von Messfehlern führt allerdings unweigerlich zu Abstrichen bei der Vergleichbarkeit mit den vorherigen Frageformulierungen. Unterschiede in beobachteten Mittelwerten zwischen den Erhebungen bedeuten deshalb nicht unbedingt tatsächliche Veränderungen im Betrieb, sondern können auch das Resultat eines tieferen Messfehlers sein. Letzteres wird aber im Sinne eines möglichst realitätsnahen Bilds der Kosten und Nutzen der Betriebe bevorzugt. Stärkere Individualisierung des Fragebogens Der komplette Verzicht auf Papierfragebogen ermöglicht es, den Fragebogen noch stärker auf die teilnehmenden Betriebe zu individualisieren und in Echtzeit anzupassen. Gewisse Fragen werden nur bei Betrieben oder Berufen mit bestimmten Eigenschaften gestellt, wodurch der Leseaufwand und die Möglichkeit für Missverständnisse reduziert werden. Beispielsweise werden Fragen zu Basislehrjahr und saisonalen Blockkursen nur bei Berufen gestellt, bei denen es diese Kurse tatsächlich gibt. 16 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Andere Fragen (z.B. zu «hauptberuflichen Ausbildnerinnen und Ausbildnern») werden nur angezeigt, wenn eine minimale Anzahl von Lernenden im Betrieb überstiegen wird. Angaben, die im Laufe des Fragebogens gemacht wurden, werden teilweise später den Befragten zur Information nochmals angezeigt, was ihnen hilft, spätere Angaben konsistent zu früheren auszufüllen. Anpassungen, die bereits 2016/17 vorgenommen wurden und sich bewährt haben, werden im neuen Fragebogen weitergeführt. So können die Teilnehmenden auffällige Werte korrigieren oder sie bestätigen und in Echtzeit erklärende Kommentare hinterlassen. Betriebe, die fälschlicherweise als nichtausbildende Betriebe angeschrieben wurden, werden auf den Fragebogen für ausbildende Betriebe weitergeleitet (und umgekehrt). Schliesslich wurden alle Anpassungen auch auf den Fragebogen für nichtausbildende Betriebe übertragen, soweit dort die gleichen Angaben erfragt werden. 3.2 Pretest In einer Runde von kognitiven Pretests wurde der Fragebogen bei ausgewählten Betrieben vor Ort geprüft und fortlaufend verbessert. Hierzu füllten die befragten Personen in ihrem Betrieb an ihrem Computer den Fragebogen in Anwesenheit eines Testers des Erhebungsteams aus. Dabei wurden die Teilnehmenden gebeten, ihre Gedanken laut zu formulieren. Zudem konnten beiderseits Rückfragen gestellt werden. Diese Tests führten insbesondere zu folgenden weiteren Anpassungen: – Weniger ist mehr: Viele zusätzliche Informationen wurden nicht gelesen und führten zu Unsicherheit und Missverständnissen. Daher wurden weitergehende Informationstexte teils gestrichen, teils analog zu Fussleisten am unteren Ende der Frage statt im Haupttext angezeigt. – Möglichkeit, gewisse Fragen zu «parkieren»: Es zeigte sich, dass der ausfüllenden Person gewisse Informationen nicht zur Verfügung standen und sie diese bei anderen Personen abfragen musste. Daher wurde bei einzelnen Fragen die Möglichkeit geschaffen, diese zu parkieren, weiterzufahren und sie am Schluss oder nachträglich abzuklären und zu beantworten. – Einige Teilnehmende konnten die Fragen zur Fachkräfte-Rekrutierung überhaupt nicht beantworten, da sie keine Einsicht in diesen Prozess hatten. Hier wurde die Möglichkeit geschaffen, diesen Teil über eine Eingabemaske an eine zweite Person weiterzuleiten. – Weitere sprachliche Anpassungen. Die Resultate der Überarbeitung und der Pretests wurden in je einem halbtätigen Experten-Workshop mit Harald Pfeifer, Gudrun Schönefeld und Felix Wenzelmann vom BIBB sowie mit Samuel Mühlemann von der Ludwig-Maximilians-Universität München besprochen und schliesslich dem Auftraggeber unterbreitet. Nach der Freigabe der Überarbeitung wurde der Fragebogen durch M.I.S. Trend in einer Online-Version aufgebaut und anschliessend durch das Projektteam ausgiebig funktional und inhaltlich getestet. Parallel wurden die Texte in die Sprachen Französisch und Italienisch übersetzt und durch M.I.S. Trend in den Online-Fragebogen übertragen. Auch diese Versionen wurden in einem abschliessenden Schritt durch das Projektteam getestet. 3.3 Stichprobenziehung Im Wesentlichen wurde je eine geschichtete Zufallsstichprobe von ausbildenden sowie von nichtausbildenden Betrieben gezogen, und die Betriebe aus den beiden Stichproben wurden auf postalischem Weg zur Teilnahme an der Erhebung eingeladen (vgl. Kapitel 3.4). Das Vorgehen betreffend die Stichprobenziehung orientierte sich stark an der letztmaligen Erhebung (Gehret et al., 2019; Kuhn & Schweri, 2019). Im Folgenden werden die zentralen Eckwerte der Stichprobenziehung aus den beiden Teilpopulationen skizziert; zusätzliche Informationen zum Vorgehen im Detail finden sich im begleitenden Methodenbericht (Kuhn et al., 2025). Festlegen der Zielpopulation In einem ersten Schritt wurden für beide Teilpopulationen der Betriebe einige wenige gemeinsame Restriktionen festgelegt. Konkret wurden Betriebe aus dem ersten Sektor (Landwirtschaft), private Haushalte sowie extra- Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 17 territoriale Organisationen und Körperschaften aus der Zielpopulation ausgeschlossen. Zudem wurde die Zielpopulation auf Betriebe mit mindestens zwei Beschäftigten eingeschränkt. Das weitere Vorgehen sowie die Datengrundlage für die Ziehung der Stichprobe unterscheiden sich für die beiden Teilpopulationen, weshalb diese im Folgenden separat diskutiert werden. Ausbildende Betriebe Die Stichprobe der ausbildenden Betriebe wurde aus einer bereits vorhandenen Verknüpfung von Daten aus der Statistik der beruflichen Grundbildung (SBG) sowie dem Betriebsund Unternehmensregister (BUR) gezogen. Dabei werden Betriebsinformationen aus dem BUR zur Population aller laufenden Lehrverträge eines Lehrjahres hinzugefügt. Das Bundesamt für Statistik (BFS) gewährte dem Projektteam zum Zweck der Stichprobenziehung Zugang zu einer anonymisierten Version dieser Daten. Die verknüpften Daten, im Folgenden kurz SBG-BUR genannt, enthielten für das Ausbildungsjahr 2022/23 rund 186 200 duale Lehrverhältnisse. Aufgrund der genannten Einschränkungen der Population (z. B. ohne landwirtschaftliche Betriebe und ohne Betriebe mit weniger als zwei Beschäftigten) reduzierte sich die relevante Anzahl der Lehrverhältnisse auf rund 176 200. Die spezifische Datenverknüpfung von SBG und BUR hat den grossen Vorteil, dass damit zwei strukturelle Merkmale in der Datenstruktur angegangen werden können, die ansonsten die Stichprobenziehung stark verkomplizieren würden. Zunächst ist es so, dass nur ein vergleichsweise kleiner Teil aller Betriebe in der Schweiz während eines bestimmten Lehrjahres Lernende ausbildet (BFS, 2024). Gleichzeitig gibt es grosse Unterschiede in der absoluten Häufigkeit, mit der die verschiedenen Lehrberufe ausgebildet werden (Kuhn, 2024). Dies ist eine Herausforderung, da bei einer einfachen Zufallsziehung primär Nichtausbildungsbetriebe und die häufiger gewählten Berufe in die Stichprobe gelangen würden. In den SBG-BUR-Daten können aber die ausbildenden Betriebe bereits vor der eigentlichen Stichprobenziehung identifiziert werden. Dies erlaubt es, eine Stichprobe zu ziehen, in der ausbildende Betriebe gegenüber nichtausbildenden Betrieben überrepräsentiert sind. Zweitens lässt sich – ebenfalls bereits vor der Stichprobenziehung – beobachten, welche Betriebe in welchen Lehrberufen ausbilden. Diese Information erlaubt es, diejenigen Betriebe zu identifizieren, die in einem der weniger häufig gewählten Lehrberufe ausbilden, und ihnen eine überproportionale Auswahlwahrscheinlichkeit zuzuweisen. So kann erreicht werden, dass auch weniger häufige Lehrberufe in der Erhebung in ausreichender Zahl abgefragt werden. In einem vorbereitenden Schritt wurde zunächst jedem Betrieb, sofern er in mehreren Lehrberufen gleichzeitig ausbildet, ein eindeutiger Beruf zugewiesen. Dieser Schritt erfolgte, weil für die Teilnahme an der Erhebung angeschriebene Lehrbetriebe typischerweise maximal für einen einzelnen Beruf Auskunft geben. Die Bestimmung eines eindeutigen Lehrberufs wurde probabilistisch, entsprechend den Häufigkeiten der Lehrberufe im Betrieb, vorgenommen. Bildet demnach ein Betrieb in verschiedenen Lehrberufen gleichzeitig aus, dann wird diesem Betrieb mit grösserer Wahrscheinlichkeit ein Lehrberuf zugewiesen, der vergleichsweise häufig ausgebildet wird. Mit einer entsprechend geringen Wahrscheinlichkeit wird ein untypischer Lehrberuf ausgewählt. Anschliessend wurde eine nach dem Lehrberuf sowie nach Betriebstyp geschichtete Zufallsstichprobe gezogen. Das heisst, es wurde aus Gruppen von Betrieben (Schichten) jeweils eine Stichprobe gezogen. Dies hat den Vorteil, dass beispielsweise bestimmte Lehrberufe bewusst überproportional für die Stichprobe ausgewählt werden. Bei diesem Schritt wurde versucht, verschiedene Zielvorgaben an die Stichprobenziehung so gut wie möglich gleichzeitig zu implementieren. So sollten insbesondere für mindestens 25 verschiedene Lehrberufe, inklusive fünf EBA-Ausbildungen, separate Auswertungen möglich sein, was für jeden dieser Berufe eine ausreichende Anzahl an Betrieben erfordert, die konkrete Angaben zu diesen Berufen machen. Zweitens wurde Betrieben, die in Berufen mit längerer Ausbildungsdauer ausbilden, tendenziell ebenfalls eine höhere Auswahlwahrscheinlichkeit zugewiesen, da jeweils Angaben zu allen Lehrjahren verfügbar sein müssen. Drittens wurde über die Schichtung versucht, den Betrieben mit einer grossen Anzahl an Lehrverhältnissen mehr Gewicht zu 18 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 geben, um möglichst viele der laufenden Lehrverhältnisse durch die Erhebung abzudecken. Ausserdem haben wir, viertens, Betriebe aus Unternehmen mit sehr vielen Betriebsstätten (z.B. grössere Detailhandelsketten mit vielen Filialen) unterproportional häufig für die Stichprobe ausgewählt, da ansonsten von einer tiefen Beteiligung dieser Betriebe an der Erhebung auszugehen ist. Basierend auf der letztmaligen Erhebung gingen wir für die ausbildenden Betriebe von einem Rücklauf von rund 27,4Prozent aus (Gehret et al., 2019, Kuhn & Schweri, 2019). Um eine Nettostichprobe von mindestens 4500 ausbildenden Betrieben sicherzustellen, wurde deshalb die Bruttostichprobe mit einer zusätzlichen Sicherheitsmarge auf 17 400 Betriebe festgelegt. Dies entspricht rund 32Prozent aller Ausbildungsbetriebe in der relevanten Ausgangspopulation. Nichtausbildende Betriebe In Ergänzung dazu wurde aus der Population der nichtausbildenden Betriebe ebenfalls eine Stichprobe gezogen. Im Unterschied zur Stichprobe der ausbildenden Betriebe führte das BFS diese Ziehung durch. Dazu wurden zunächst die ausbildenden Betriebe aus der SBG-BUR-Verknüpfung im BUR markiert. Die verknüpfbaren Betriebe repräsentierten die Population an ausbildenden Betrieben; die Komplementärmenge entsprach demnach der Population an nichtausbildenden Betrieben. Aus dieser Population wurde anschliessend eine nach Betriebsgrössenklasse geschichtete Zufallsstichprobe gezogen, wobei grösseren Betrieben eine höhere Auswahlwahrscheinlichkeit zugewiesen wurde. Ebenfalls auf der Grundlage der letztmaligen Erhebung wurde für die nichtausbildenden Betriebe eine Bruttostichprobe von 12 600 Betrieben festgelegt, mit dem Ziel, eine Nettostichprobe von mindestens 3500 Betrieben zu realisieren. Der Rücklauf bei den nichtausbildenden Betrieben betrug im Lehrjahr 2016/17 rund 28,8Prozent; es wurde auch hier eine zusätzliche Reserve an Betrieben hinzugerechnet. Die Grösse der Bruttostichprobe entspricht rund 4,6Prozent aller nichtausbildenden Betriebe in der Zielpopulation. Ausbildungsquote in der Zielpopulation Anhand der Populationsdatensätze, aus denen die beiden Teilstichproben gezogen wurden, kann zudem die aggregierte Ausbildungsquote, das heisst der prozentuale Anteil an Betrieben, die während dem Lehrjahr 2022/23 mindestens eine lernende Person ausbildeten, geschätzt werden. In der definierten Zielpopulation werden insgesamt 53 828 ausbildende sowie 273 481 nichtausbildende Betriebe gezählt, also insgesamt 327 309 Betriebe. Daraus ergibt sich eine aggregierte Ausbildungsquote von rund 16,5Prozent für das betrachtete Lehrjahr 2022/23. Somit bildete im entsprechenden Lehrjahr rund jeder sechste Betrieb in der Schweiz mindestens eine lernende Person aus. In der gesamten Bruttostichprobe sind demnach ausbildende Betriebe mit 58Prozent der angeschriebenen Betriebe stark überrepräsentiert, entsprechend der zentralen Zielsetzung der Studie, primär Informationen zu den Kosten sowie den produktiven Leistungen der Ausbildung von Lernenden aus der Perspektive der ausbildenden Betriebe bereitzustellen. 3.4 Feldphase Um die Erhebung mit genügend Abstand zum Ende der COVID-Pandemie zu beginnen und so ein Ausbildungsjahr zu erheben, das nicht mehr stark von dieser betroffen ist, wurde die Feldphase von 2022 ins Jahr 2023 verschoben. Die Betriebe der Bruttostichproben wurden ab der ersten Maiwoche zur Teilnahme an der Erhebung eingeladen. Hierzu wurde den Betrieben ein Einladungsschreiben in der entsprechenden Landessprache – beziehungsweise Deutsch für Betriebe aus dem rätoro manischen Sprachgebiet – mit der Betriebsadresse gemäss Betriebsund Unternehmensregister zugesandt. Neben dem Einladungstext beinhaltete das Schreiben die LoginDaten sowie grundsätzliche Informationen zur Erhebung und die Kontaktangaben für die Hotline. Weiter wurde eine kleine Informationsbroschüre beigelegt. Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 19 Der Versand wurde von einer Gratishotline (Telefon und E-Mail) für die Betriebe begleitet. Diese Hotline war montags bis freitags jeweils von 8bis 18Uhr dreisprachig besetzt. Es konnten Fragen zu allgemeinen Aspekten der Erhebung und spezifisch zum Fragebogen gestellt werden. Eine FAQ-Webseite wurde laufend mit den häufigsten Fragen und Antworten aktualisiert. Die telefonische Hotline sowie die E-Mail-Kontaktmöglichkeit wurden vor allem nach dem Versand der Einladungsund Erinnerungsschreiben rege genutzt. Wie bereits aus den Vorgängererhebungen bekannt, nahm der Rücklauf nach Versand der beiden Erinnerungsschreiben stark zu. Während der ganzen Feldphase kam es zu keinen nennenswerten technischen Problemen. Direktkontakte und Ausbildungszentren Im Unterschied zu den Vorgängererhebungen (Strupler & Wolter, 2012, Gehret al., 2019) wurde darauf verzichtet, die grossen Unternehmen sowie die wichtigsten Ausbildungszentren und Verbünde bei der Einladung separat zu behandeln. Nach Ende der primären Feldphase wurden solche Organisationen wo nötig nacherhoben. Dies geschah, je nach Aufgabenaufteilung der Organisation und nach telefonischer Kontaktaufnahme, in einer mehrstufigen schriftlichen Befragung. Wie in Tabelle 4 in Kapitel 3.6 sichtbar, sind die grossen Betriebe in der Nettostichprobe gut repräsentiert und weisen einen grösseren Anteil auf als in der Vorgängererhebung (siehe Gehret et al., 2019, S. 22, Tabelle 4). 3.5 Rücklauf in den beiden Teilstichproben Für die Auswertungen steht letztlich allerdings nur ein Teil der angeschriebenen Betriebe zur Verfügung. Die wichtigsten Gründe dafür sind unvollständige oder fehlerhafte Adressen von Betrieben; Betriebe, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung bereits nicht mehr aktiv sind; die fehlende Bereitschaft von Betrieben, an der Umfrage teilzunehmen; sowie ein (zu) hoher Anteil an fehlenden oder unklaren Angaben, trotz aktiver Teilnahme des Betriebs an der Erhebung. Die Tabelle 3 dokumentiert den Rücklauf in den beiden Teilstichproben unserer Erhebung. Die Grösse der Bruttostichprobe der ausbildenden beziehungsweise nichtausbildenden Betriebe beträgt 17 400 beziehungsweise 12 600 Betriebe. Wie bei der letztmaligen Durchführung der Erhebung zeigt sich, dass die Adressangaben in den SBG-BUR-Daten relativ verlässlich sind, da  Ausbildende Betriebe Nichtausbildende Betriebe Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Einladungen 17400 100,00 12600 100,00 Einladung nicht zustellbar 301 1,73 679 5,39 Anzahl Einladungen (abzüglich Postretouren) 17099 100,00 11921 100,00 Fragebogen aufgerufen 10465 61,20 4155 34,85 Fragebogen abgeschlossen 7379 43,15 3655 30,66 Brauchbare Antworten 6686 39,10 3655 30,66 Zu spezialisiert für die Ausbildung   999 27,33 Tabelle 3: Rücklauf in den beiden Bruttostichproben 20 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Merkmal Ausprägung Anzahl Prozent Betriebsgrössenklasse 1–9 Beschäftigte 1982 29,64 10–49 Beschäftigte 2704 40,44 50–99 Beschäftigte 723 10,81 100+ Beschäftigte 1277 19,10 Sektor Industrie 928 13,88 Bau 935 13,98 Dienstleistungen 3054 45,68 Verwaltung, Non-Profit-Organisationen 1769 26,46 Sprachregion Deutsch 5121 76,59 Französisch 1314 19,65 Italienisch 251 3,75 nur wenige Betriebe aufgrund falscher Adressangaben nicht angeschrieben werden konnten. So konnte die Einladung bei den ausbildenden Betrieben aus der Bruttostichprobe lediglich bei 301 Betrieben nicht per Post übermittelt werden, was rund 1,7 Prozent entspricht. Bei den nichtausbildenden Betrieben (die direkt aus dem BUR gezogen wurden) konnte ein im Vergleich dazu deutlich grösserer Anteil von rund 5,4Prozent der Betriebe nicht postalisch erreicht werden. Relevanter sind Ausfälle aufgrund von Teilnahmeverweigerungen sowie die Tatsache, dass ein Teil der Betriebe einen vergleichsweise zu grossen oder zu relevanten Teil des Fragebogens nicht oder nur fehlerhaft ausgefüllt hat, sodass diese Fragebogen nicht für die Datenauswertung berücksichtigt werden können. Bei den ausbildenden Betrieben riefen rund 61 Prozent den Fragebogen zumindest auf und 39,1Prozent der Fragebogen sind für die Auswertung brauchbar. Bei den nichtausbildenden Betrieben riefen hingegen rund 35 Prozent den Fragebogen auf und circa 31Prozent der Fragebogen sind für die Auswertung verwertbar. Bei den nichtausbildenden Betrieben geben zudem 999 Betriebe – das entspricht rund 27Prozent der brauchbaren Antworten – an, dass sie keine Lernenden ausbilden könnten, da sie kein wirtschaftlich eigenständiger Betrieb oder eine sehr kleine, stark spezialisierte Aussenfiliale seien. Diese werden deshalb in den nachfolgenden Auswertungen nicht berücksichtigt. In absoluten Zahlen stehen für die nachfolgenden Auswertungen somit Angaben von 6686 ausbildenden sowie von 2656 nichtausbildenden Betrieben zur Verfügung. 3.6 Zusammensetzung der beiden Nettostichproben In einem nächsten Schritt wird die Zusammensetzung der beiden Nettostichproben entlang einiger zentraler Merkmale beschrieben. Da die folgenden beiden Tabellen auf die ungewichteten Betriebe fokussieren, widerspiegeln sie auch die in Teilen disproportionale Schichtung des Stichprobenplans. So existieren beispielsweise ausgeprägte sprachregionale Unterschiede in der Bedeutung der beruflichen Grundbildung, was sich in einem höheren Anteil an Ausbildungsbetrieben in der Deutschschweiz niederschlägt (Aepli et al., 2021a; Kuhn et al., 2022). Da in der Bruttostichprobe ausbildende Betriebe überrepräsentiert sind, ergibt sich auch ein überproportional grosser Anteil an Betrieben aus der Deutschschweiz. Tabelle 4: Zusammensetzung der Nettostichprobe der ausbildenden Betriebe Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 21 Merkmal Ausprägung Anzahl Prozent Lehrdauer 2 Jahre 456 6,82 3 Jahre 4082 61,05 4 Jahre 2148 32,13 Lehrberuf  Kaufmann/-frau EFZ 750 11,22 Zeichner/-in EFZ 444 6,64 Detailhandelsfachmann/-frau EFZ 422 6,31 Fachmann/-frau Betreuung EFZ 397 5,94 Schreiner/-in EFZ 202 3,02 Automobil-Fachmann/-frau EFZ 193 2,89 Dentalassistent/-in EFZ 185 2,77 Fachmann/-frau Gesundheit EFZ 178 2,66 Medizinische/-r Praxisassistent/-in EFZ 169 2,53 Elektroinstallateur/-in EFZ 166 2,48 Zimmermann/Zimmerin EFZ 140 2,09 Fachmann/-frau Apotheke EFZ 140 2,09 Koch/Köchin EFZ 131 1,96 Automobil-Mechatroniker/-in EFZ 117 1,75 Maler/-in EFZ 116 1,73 Fachmann/-frau Betriebsunterhalt EFZ 114 1,71 Logistiker/-in EFZ 114 1,71 Coiffeur/Coiffeuse EFZ 110 1,65 Informatiker/-in EFZ 107 1,60 Gärtner/-in EFZ 104 1,56 Polymechaniker/-in EFZ 98 1,47 Sanitärinstallateur/-in EFZ 95 1,42 Maurer/-in EFZ 93 1,39 Automatiker/-in EFZ 85 1,27 Haustechnikpraktiker/-in EBA 78 1,17 Montage-Elektriker/-in EFZ 67 1,00 Detailhandelsassistent/-in EBA 64 0,96 Büroassistent/-in EBA 52 0,78 Assistent/-in Gesundheit und Soziales EBA 48 0,72 Logistiker/-in EBA 30 0,45 Übrige vierjährige EFZ 789 11,80 Übrige dreijährige EFZ 704 10,53 Übrige EBA 184 2,75 (6686 Betriebe, ungewichtet) 22 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Die Tabelle 4 fokussiert zunächst auf die Nettostichprobe der 6686 ausbildenden Betriebe. Rund 29,6Prozent dieser Betriebe weisen dabei bis zu 9 Beschäftigte auf, 40,4Prozent zwischen 10 und 49 Beschäftigte, 10,8Prozent zwischen 50 und 99 Beschäftigte und die restlichen 19,1 Prozent der Betriebe haben 100 oder mehr Beschäftigte. Nach Sektor aufgeschlüsselt sind jeweils etwa 14Prozent der Betriebe dem Bau beziehungsweise der Industrie zuzuordnen, eine Mehrheit von 46Prozent dem Dienstleistungssektor und die verbleibenden rund 26Prozent der Verwaltung und den Non-Profit-Organisationen. Schliesslich stammt mit rund 76,6 Prozent die grosse Mehrheit der ausbildenden Betriebe aus der Deutschschweiz (inklusive der Regionen, in denen Rätoromanisch die häufigste Sprache ist), rund 19,7Prozent stammen aus der Romandie und 3,8Prozent aus dem Tessin und anderen mehrheitlich italienischsprachigen Regionen der Schweiz. Der untere Teil der Tabelle zeigt, wie viele Fragebogen pro Lehrberuf ausgefüllt wurden. Für Lehrberufe, für die mindestens 40Beobachtungen pro Lehrjahr (EBA: 14Beobachtungen pro Lehrjahr) von mindestens 65Betrieben (EBA: 25Betriebe) ausgewiesen werden können, ist jeweils eine separate Auswertung auf der EHB-Webseite verfügbar (vgl. dazu: https://ehb.swiss/kosten-nutzen). Über alle Lehrberufe hinweg machten etwa 7 Prozent der Betriebe Angaben zu einem EBA-Lehrberuf sowie 61Prozent beziehungsweise 32Prozent Angaben zu einem dreibeziehungsweise vierjährigen EFZ-Lehrberuf. Schliesslich zeigt die Verteilung über die spezifischen Lehrberufe, dass für insgesamt 30Lehrberufe (inklusive fünf EBA-Berufe) Angaben von mindestens 30 verschiedenen Ausbildungsbetrieben vorliegen. Das Minimum liegt bei 30Betrieben (Logistiker/-in EBA), das Maximum bei 750Betrieben (Kaufmann/-frau EFZ). Tabelle 5: Zusammensetzung der Nettostichprobe der nichtausbildenden Betriebe Merkmal Ausprägung Anzahl Prozent Betriebsgrössenklasse 1–9 Beschäftigte 1796 67,62 10–49 Beschäftigte 539 20,29 50–99 Beschäftigte 180 6,78 100+ Beschäftigte 141 5,31 Sektor Industrie 233 8,77 Bau 213 8,02 Dienstleistungen 1687 63,52 Verwaltung, Non-Profit-Organisationen 523 19,69 Sprachregion Deutsch 1764 66,42 Französisch 700 26,36 Italienisch 192 7,23 (2656 Betriebe, ungewichtet) Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 23 Ergänzend dazu zeigt die Tabelle 5 die Zusammensetzung der Nettostichprobe der 2656 nichtausbildenden Betriebe. Ein grosser Teil dieser Betriebe von rund 67,6Prozent hat weniger als 10 Beschäftigte, 20,3Prozent haben zwischen 10 und 49 Beschäftigte, 6,8Prozent haben zwischen 50 und 99 Beschäftigte und 5,3Prozent haben 100 oder mehr Beschäftigte. Nach Sektor betrachtet finden sich mit 63,5 Prozent mehrheitlich Betriebe aus dem Dienstleistungssektor, gefolgt von Verwaltung und Non-Profit-Organisationen mit 19,7Prozent, Industrie mit 8,8Prozent und schliesslich Bau mit 8,0Prozent. Eine Mehrheit der Betriebe von 66,4 Prozent stammt aus der Deutschschweiz, 26,4Prozent stammen aus der Romandie und die verbleibenden 7,2Prozent aus mehrheitlich italienischsprachigen Regionen. 3.7 Plausibilisierung Um eine hohe Datenqualität zu garantieren, wurden die Antworten der Befragten in mehreren Schritten plausibilisiert. Einerseits wurden die Antworten bereits bei der Eingabe im Browser aufgrund von vorgängig festgelegten Grenzwerten auf ihre Plausibilität kontrolliert. Bei Überoder Unterschreiten dieser Grenzen wurden die Befragten auf auffällige Werte hingewiesen. Sie konnten diese Werte direkt im Browser korrigieren oder bestätigen und kommentieren. Diese Kommentare konnten bei der anschliessenden Plausibilisierung genutzt werden, um Auffälligkeiten besser zu verstehen oder Werte teilweise nachträglich zu berichtigen. Grundsätzlich zeigte sich im Vergleich zur Vorgängererhebung eine bessere Antwortqualität, die zu weniger unplausiblen Antworten führte. Gleichwohl war in vielen Fällen eine telefonische Nachbefragung nötig. Um diese Fälle und die betreffenden Betriebe zu identifizieren, wurden die Daten nochmals anhand von Grenzwerten analysiert. Wiesen Antworten nicht plausible oder fehlende Werte auf, wurden die entsprechenden Betriebe wenn möglich telefonisch zu den betroffenen Teilen des Fragebogens nachbefragt. 3.8 Vorgehen bei fehlenden Variablenwerten Konsequenzen fehlender Variablenwerte Die Berechnung von Kosten und Nutzen der betrieblichen Ausbildung (vgl. Kapitel 2) setzt voraus, dass ein Betrieb sämtliche Fragen zu Variablen, die in das Modell einfliessen, beantwortet hat. In vielen Fällen ist es allerdings so, dass einzelne oder auch mehrere dieser Fragen nicht beantwortet wurden. Dies ist insbesondere deshalb ein Problem, weil fehlende Werte in einer Variable zu fehlenden Werten auf allen nachfolgenden Ebenen der Berechnung oder Auswertung führen. Dies ist selbst dann der Fall, wenn – im Extremfall – nur eine einzige Variable für einen Berechnungsschritt fehlt. Imputation fehlender Werte Aus diesem Grund wurden die fehlenden Werte von Variablen, welche für die Kosten-Nutzen-Berechnung notwendig sind, mit statistischen Methoden imputiert (Dong & Peng, 2013; Little & Rubin, 2019). Imputieren bedeutet, dass fehlende Werte bei einzelnen Variablen durch möglichst plausible gültige Werte ersetzt werden. Das grundsätzliche Vorgehen besteht bei der Imputation vereinfacht ausgedrückt darin, dass für einen Betrieb mit einer fehlenden Angabe eine gültige Angabe aus möglichst vergleichbaren Betrieben übernommen wird. In der Umsetzung ist dieses Vorgehen oftmals äusserst komplex, weil fehlende Werte bei verschiedenen Variablen des gleichen Betriebs gleichzeitig auftreten können und sich die Muster der fehlenden Werte zwischen den Betrieben unterscheiden. Moderne Imputationsmethoden arbeiten iterativ. Das heisst, dass die fehlenden Werte in mehreren, sich wiederholenden Durchläufen mittels eines komplexen Algorithmus schrittweise ersetzt werden. Damit können praktisch beliebige Muster von fehlenden Daten korrigiert werden (vgl. dazu van Buuren, 2007, 2018). In Erweiterung des Imputationsverfahrens der Vorgängererhebung wurde dieses Mal ein multiples Verfahren gewählt. Dies bedeutet, dass fehlende Werte nicht mit Tabelle 5: Zusammensetzung der Nettostichprobe der nichtausbildenden Betriebe 30 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Vergleich zur Vorgängererhebung Im Vergleich zu 2016/17 unterscheiden sich das Total der Bruttokosten, das Total der produktiven Leistungen und somit auch der Nettonutzen kaum. Bei den Bruttokosten ist eine nur leichte Verschiebung weg von den Material-/ Anlagekosten und den sonstigen Kosten hin zu den Personalkosten zu beobachten. Bei den produktiven Leistungen ist zwischen den Erhebungen eine deutliche Verschiebung weg von den Leistungen aus Ungelernten-Tätigkeiten hin zu Leistungen aus Fachkraft-Tätigkeiten erkennbar. Diese Verschiebung basiert primär auf einer deutlich anderen Einschätzung der Zeitanteile der produktiven Tätigkeiten am betrieblichen Arbeitsplatz und ist über alle Berufe beobachtbar. Wie eingangs des Kapitels erwähnt, wurde die Bezeichnung der Tätigkeiten in der aktuellen Erhebung bewusst angepasst. Die Erfahrungen aus dem Pretest des Fragebogens deuten darauf hin, dass die aktuelle Einschätzung näher an der Realität liegt. Auch erscheint es plausibler, dass die Lernenden beispielsweise im zweiten Lehrjahr 56 Prozent ihrer Zeit am Arbeitsplatz mit Fachkraft-Tätigkeiten verbringen, gegenüber nur 29 Prozent in der Erhebung von 2016/17. 4.3 Kosten und Nutzen der dreijährigen beruflichen Grundbildung mit EFZ Im Ausbildungsjahr 2022/23 wurden gemäss den Daten des BFS (und der Populationsdefinition in Kapitel3.3) über die Lehrjahre hinweg fast 112 500 Lernende in 104Berufen der dreijährigen beruflichen Grundbildung mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis ausgebildet. Unter den Lernenden befanden sich rund 52 Prozent Frauen und fast 7Prozent erwachsene Lernende (über 25 Jahre alt). Weniger als 6Prozent der Lehrverhältnisse entfielen auf eine verkürzte Ausbildung. Die nachfolgende Auswertung beruht auf 89 verschiedenen Berufen in 4082 Lehrbetrieben mit insgesamt 16804Lernenden in verschiedenen Lehrjahren. Die Berufsmaturitätsquote (BM1), das heisst der Anteil der Lernenden, die eine BM1 besuchten, betrug in dieser Stichprobe unter 8Prozent. Wie in der Tabelle 8 ersichtlich, erzielt ein Ausbildungsbetrieb in der dreijährigen beruflichen Grundbildung im Durchschnitt pro Lehrverhältnis einen Nettonutzen von insgesamt rund 13 940Franken. Das 95-Prozent-Vertrauensintervall («+/-») liegt dabei bei plus/minus 1910Franken, das heisst zwischen 12 030 und 15 850 Franken. Da die produktiven Leistungen über die Lehrjahre stärker ansteigen als die Bruttokosten, nimmt auch der Nettonutzen mit jedem zusätzlichen Lehrjahr zu. Lehrjahr 123Total Bruttokosten 25500 26180 30940 82620 +/- 560 730 530 1380 Produktive Leistungen 25330 29920 41300 96560 +/- 660 700 800 1630 Nettonutzen -160 3740 10360 13940 +/- 790 840 880 1910 Tabelle 8: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen pro dreijähriges EFZ-Lehrverhältnis (in Franken) Bruttokosten Der Hauptgrund für den Zuwachs an Bruttokosten über die Lehrdauer sind die zunehmenden Lehrlingslöhne, die zu deutlich ansteigenden Lehrlingslohnkosten führen (siehe Abbildung 5). Diese Zunahme wird durch die nur leicht abnehmenden Personalkosten nicht kompensiert. Die Betriebe schätzen den wöchentlichen Zeitaufwand für die Ausbildung der Lernenden im Durchschnitt auf 6,1Stunden im ersten, 4,8Stunden im zweiten und 4,5Stunden im dritten Lehrjahr. Wie bei der zweijährigen Ausbildung machen die Materialund Anlagekosten sowie die sonstigen Kosten nur einen kleinen Anteil der Bruttokosten aus und variieren über die Lehrdauer kaum. Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 31 Die Tabelle 9 zeigt, dass die Lehrlingslöhne über die Lehrjahre moderat ansteigen. Der Medianlohn der dreijährigen EFZ-Lernenden befindet sich vor Lehrabschluss bei 1300Franken im Monat. Da diese Auswertung viele verschiedene Berufe zusammenfasst, ist es wenig erstaunlich, dass die Löhne eine gewisse Streuung aufweisen. So verdienen 25Prozent der Lernenden im dritten Lehrjahr monatlich 1450 Franken oder mehr, während 25Prozent der Lernenden im dritten Lehrjahr 1150Franken oder weniger erhalten. Lehrjahr 123 25. Perzentil 600 900 1150 Medianlohn 724 950 1300 75. Perzentil 800 1020 1450 Tabelle 9: Monatlicher Bruttolohn der Lernenden in dreijährigen EFZ-Ausbildungen (in Franken) Produktive Leistungen Die produktiven Leistungen liegen bei der dreijährigen Ausbildung ab dem zweiten Lehrjahr höher als die Bruttokosten und steigen über die Ausbildungsdauer stärker an. Grundlage hierfür ist, dass die Lernenden einen grossen Teil ihrer Zeit im Betrieb mit produktiven Tätigkeiten verbringen. Die Abbildung 6 zeigt, dass die Lernenden Abbildung 5: Bestandteile der Bruttokosten der dreijährigen EFZ-Ausbildungen 0 10 20 30 in 1000 Franken 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr Lehrlingslohnkosten Personalkosten Material-/Anlagekosten sonstige Kosten 32 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 bereits im ersten Lehrjahr nur fast 20Prozent der Zeit unproduktiv sind. In dieser Zeit machen sie beispielsweise Übungen oder führen andere Tätigkeiten aus, bei denen keine für den Betrieb verwertbaren Leistungen entstehen. Am Anfang der Ausbildung leisten die Lernenden grösstenteils produktive Tätigkeiten, die sonst von ungelernten Arbeitskräften ausgeführt würden. Diese Aufgaben werden im Verlauf zunehmend durch Fachkraft-Tätigkeiten abgelöst, die bereits im zweiten Lehrjahr den grössten Zeitanteil einnehmen. Hierbei steigt der Leistungsgrad der Lernenden im Vergleich zu ausgebildeten Fachkräften von gut 38Prozent im ersten Lehrjahr auf über 57Prozent im zweiten und gut 76Prozent im dritten Lehrjahr an. Abbildung 6: Zeitanteile der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz in dreijährigen EFZ-Ausbildungen 0 20 40 60 80 100 in Prozent 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr Fachkraft-Tätigkeiten Ungelernten-Tätigkeiten sonstige Zeiten/Übungen Vergleich zur Vorgängererhebung Der aktuell geschätzte Nettonutzen in Tabelle 8 erscheint höher als im Ausbildungsjahr 2016/17 – der Unterschied ist jedoch nicht signifikant. Einerseits fallen die Bruttokosten leicht tiefer als 2016/17 aus, während die produktiven Leistungen sich kaum unterscheiden. Der Rückgang bei den Bruttokosten ist dabei primär auf tiefere Materialund Anlagekosten und tiefere sonstige Kosten zurückzuführen. So schätzen die Betriebe die Kosten für Lehrbücher, Unterlagen, Gebühren sowie Kauf und Reinigung von Kleidern um rund 1350Franken tiefer ein. Es kann dabei aber nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil des Rückgangs auch auf die Überarbeitung des Fragebogens zurückzuführen ist. So werden die Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 33 verschiedenen Elemente der Materialund Anlagekosten und der sonstigen Kosten früher und weniger über den Fragebogen verteilt abgefragt, was das Risiko doppelter Angaben verringert. Obwohl sich das Total der produktiven Leistungen kaum von jenem der Vorgängererhebung unterscheidet, fällt auf, dass es bei den Zeitanteilen der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz erhebliche Unterschiede gibt. Während die Betriebe wie 2009/10 und 2016/17 den Anteil der unproduktiven Zeiten sehr ähnlich einschätzen, unterscheidet sich die Aufteilung zwischen den Ungelernten-Tätigkeiten und den Fachkraft-Tätigkeiten in allen Lehrjahren. Im Unterschied zu 2016/17 und auch 2008/09 schätzen die Betriebe die Fachkraft-Tätigkeiten in allen Lehrjahren deutlich höher ein. Diese Veränderung dürfte wie bei den zweijährigen EBA-Ausbildungen (siehe Kapitel 4.2) auf die Anpassungen beim Erhebungsinstrument zurückzuführen sein. Die Angaben, beispielsweise 66Prozent Fachkraft-Tätigkeiten im letzten Lehrjahr gegenüber 45Prozent in der Erhebung von 2016/17, lassen sich auch bei den dreijährigen EFZ-Ausbildungen als realistisch bezeichnen. 4.4 Kosten und Nutzen der vierjährigen beruflichen Grundbildung mit EFZ Im Ausbildungsjahr 2022/23 wurden gemäss den Daten des BFS (und der Populationsdefinition in Kapitel 3.3) über die Lehrjahre hinweg fast 51 300Lernende in 79Berufen der vierjährigen beruflichen Grundbildung mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis ausgebildet. Unter den Lernenden befanden sich 17Prozent Frauen und 4,5Prozent erwachsene Lernende (über 25Jahre alt). Weniger als 7Prozent der Lehrverhältnisse entfielen auf eine verkürzte Ausbildung. Die nachfolgende Auswertung beruht auf 58 verschiedenen Berufen in 2148 Lehrbetrieben mit insgesamt 4773 Lernenden in verschiedenen Lehrjahren. Die Berufsmaturitätsquote (BM1) betrug in dieser Stichprobe fast 14Prozent. Der gesamte Nettonutzen, den ein Ausbildungsbetrieb in der vierjährigen beruflichen Grundbildung im Durchschnitt pro Lehrverhältnis erzielt (siehe Tabelle 10), ist mit rund 17 510Franken signifikant höher als in der Erhebung von 2016/17. Das 95-Prozent-Vertrauensintervall («+/-») liegt bei plus/minus 4060Franken, das heisst zwischen 13450 und 21570 Franken. Lehrjahr 1234Total Bruttokosten 26300 27090 29850 32670 115910 +/- 700 670 660 720 1960 Produktive Leistungen 21650 27160 37600 46990 133410 +/- 950 940 1130 1390 3590 Nettonutzen -4650 70 7750 14330 17510 +/- 1150 1120 1320 1600 4060 Tabelle 10: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen pro vierjähriges EFZ-Lehrverhältnis (in Franken) 34 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Bruttokosten Bei den Bruttokosten und deren Bestandteilen (siehe Abbildung 7) zeigt sich die typische Zunahme der Kosten pro Lehrjahr mit zunehmender Ausbildungsdauer. Der Grund hierfür liegt in steigenden Lehrlingslöhnen (siehe auch Tabelle 11) bei leicht abnehmenden Personalkosten. Die Betriebe schätzen den wöchentlichen Zeitaufwand für die Ausbildung der Lernenden im Durchschnitt auf 6,6 Stunden im ersten, 5,6 Stunden im zweiten, 4,9Stunden im dritten und schliesslich 4,3Stunden im vierten Lehrjahr. Die Materialund Anlagekosten sowie die sonstigen Kosten sind im Durchschnitt höher als bei den zweioder dreijährigen beruflichen Grundbildungen. Dies liegt insbesondere an den vielen technischen Berufen unter den vierjährigen beruflichen Grundbildungen. Abbildung 7: Bestandteile der Bruttokosten in vierjährigen EFZ-Ausbildungen Bei der Betrachtung des monatlichen Medianlohns der Lernenden (siehe Tabelle 11) fällt auf, dass dieser in den ersten zwei Lehrjahren tiefer ist als bei den zweijährigen beruflichen Grundbildungen und in den ersten drei Lehrjahren tiefer als bei den dreijährigen Ausbildungen. Dies war bereits in früheren Erhebungen der Fall und dürfte damit zusammenhängen, dass es in den anspruchsvollen vierjährigen Ausbildungen länger dauert, bis die Lernenden eine Produktivität erreichen, die mit jener von Fachkräften vergleichbar ist. Dafür steigt der Medianlohn im letzten Lehrjahr auf 1350Franken an. Wie bei den kürzeren Ausbildungsdauern weisen die Löhne eine 0 10 20 30 40 in 1000 Franken 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr 4. Lehrjahr Lehrlingslohnkosten Personalkosten Material-/Anlagekosten sonstige Kosten Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 35 kleine Streuung auf. 25Prozent der Lernenden im letzten Lehrjahr verdienen 1450Franken oder mehr pro Monat, während ebenfalls 25Prozent 1200Franken oder weniger pro Monat erhalten. Lehrjahr 1234 25. Perzentil 550 750 950 1200 Medianlohn 650 800 1050 1350 75. Perzentil 700 930 1200 1450 Tabelle 11: Monatlicher Bruttolohn der Lernenden in vierjährigen EFZ-Ausbildungen (in Franken) Produktive Leistungen Ausgehend davon, dass die vierjährigen EFZ-Ausbildungen eher zu den anspruchsvollen Berufen gehören, erstaunt es kaum, dass die Lernenden im ersten Lehrjahr während rund einem Viertel der Zeit im Betrieb unproduktiven Tätigkeiten wie Übungen nachgehen (Abbildung 8). Dieser Anteil nimmt mit dem Verlauf der Ausbildung ab. Im letzten Lehrjahr verbringen die Lernenden im Durchschnitt über 87Prozent ihrer Zeit im Betrieb mit produktiven Tätigkeiten, wovon der grösste Anteil Aufgaben beinhaltet, die sonst von ausgebildeten Fachkräften ausgeführt würden. Der Anteil an solchen Fachkraft-Tätigkeiten ist bereits im ersten Lehrjahr bei 44 Prozent und steigt bis ins letzte Lehrjahr auf 74Prozent. Der Leistungsgrad bei diesen Fachkraft-Tätigkeiten steigt von 31Prozent auf 46Prozent, 63Prozent und schliesslich 78Prozent im letzten Lehrjahr. Abbildung 8: Zeitanteile der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz in vierjährigen EFZ-Ausbildungen 0 20 40 60 80 100 in Prozent 1. Lehrjahr 2. Lehrjahr 3. Lehrjahr 4. Lehrjahr Fachkraft-Tätigkeiten Ungelernten-Tätigkeiten sonstige Zeiten/Übungen 36 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Vergleich zur Vorgängererhebung Im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2016/17 fällt auf, dass der Nettonutzen über die vier Lehrjahre stärker ansteigt und in der Summe um fast 10 000Franken höher liegt. Dieser signifikante Unterschied erklärt sich durch tiefere Bruttokosten bei gleichzeitig höheren produktiven Leistungen. Die tieferen Bruttokosten sind, wie auch bei den zweiund dreijährigen Ausbildungen, grösstenteils auf tiefere Materialund Anlagekosten sowie leicht tiefere sonstige Kosten zurückzuführen. Möglicherweise sind diese Kosten tatsächlich gesunken. Ebenso möglich ist jedoch, dass die Kosten aufgrund des überarbeiteten Erhebungsinstrumentes etwas tiefer ausfielen, weil sie präziser und einfacher beschrieben wurden. Ein weiterer Grund für den Anstieg des Nettonutzens seit 2016/17 liegt an der veränderten Zusammensetzung der vierjährigen Berufe. Die seit der letzten Erhebung neu vier Jahre dauernde Ausbildung in den Berufen Zimmermann/Zimmerin EFZ sowie Sanitärinstallateur/-in EFZ, Heizungsinstallateur/-in EFZ und Spengler/-in EFZ erhöht den Durchschnitt des Nettonutzens. Für die drei Berufe der Gebäudetechnik gilt dies jedoch nur für die ersten drei Lehrjahre, weil das neu eingeführte vierte Lehrjahr erstmals im Jahr nach der Erhebung stattfand. Wie bei den zweiund dreijährigen Ausbildungen hat sich auch bei den vierjährigen Berufen die Zusammensetzung der produktiven Leistungen aufgrund der veränderten Einschätzung zu den Tätigkeiten am betrieblichen Arbeitsplatz stark hin zu Leistungen aus Fachkraft-Tätigkeiten verändert, was auf eine klarere Frageformulierung im Fragebogen zurückzuführen ist. Nachdem bisher die Resultate über die verschiedenen Ausbildungsdauern betrachtet wurden, werden in den folgenden Kapiteln die Ergebnisse nach Betriebsgrösse, Branche und Grossregion beschrieben. Dabei verändert sich die Betrachtungsweise: Es werden nicht mehr die einzelnen Lehrjahre (erstes Lehrjahr, zweites Lehrjahr etc.) analysiert, sondern die Kosten und Nutzen eines durchschnittlichen Lehrjahres. Auf diese Weise lassen sich zwei-, dreiund vierjährige Ausbildungen gemeinsam betrachten. 4.5 Resultate nach Betriebsgrösse Im Ausbildungsjahr 2022/23 wurden gemäss den SBGBUR-Daten des BFS die meisten Lernenden in kleinen Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigen (38 Prozent der Lehrverhältnisse) und in grossen Betrieben mit 100 oder mehr Beschäftigten (27 Prozent der Lehrverhältnisse) ausgebildet. Mit über 20Prozent bilden auch sehr kleine Betriebe von bis zu 9 Beschäftigten sowie mittlere Betriebe von 50 bis 99Beschäftigten mit fast 13Prozent eine Vielzahl an Lernenden aus. Nur bei wenigen ausbildenden Betrieben im BUR war die Betriebsgrösse nicht bekannt. Die Abbildung 9 zeigt die Bruttokosten, produktiven Leistungen und den Nettonutzen nach diesen Betriebsgrössen. Dabei zeigt sich, dass bei allen Grössen im Durchschnitt ein Nettonutzen entsteht. Im Unterschied zu den früheren Erhebungen von 2009/10 und 2016/17 nimmt dieser Nettonutzen bei mittleren und grossen Betrieben nicht mehr merklich ab. Auch die produktiven Leistungen unterscheiden sich nunmehr kaum zwischen den Betriebsgrössen. Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 37 4.6 Resultate nach Branche Rund 63 Prozent der Lehrstellen im Ausbildungsjahr 2022/23 befanden sich im Dienstleistungssektor, nicht ganz 16Prozent in der Industrie, fast 14Prozent im Bausektor und fast 8in der öffentlichen Verwaltung oder in Non-Profit-Organisationen (SBG-BUR). Wie in der Abbildung 10 ersichtlich – und im Unterschied zu den Resultaten nach Betriebsgrösse –, bestehen zwischen den Branchen grössere Unterschiede beim durchschnittlichen Nettonutzen. Alle Branchen weisen einen deutlichen Nettonutzen aus, wobei dieser im Bausektor signifikant höher ist als in den restlichen Branchen. Der Bausektor weist zwar leicht höhere Bruttokosten als die Branche Verwaltung und Non-Profit und auch als die Dienstleistungsbranche aus, andererseits übertreffen die produktiven Leistungen klar diejenigen der restlichen Gruppen. Treibender Faktor bei den höheren produktiven Leistungen im Bausektor ist die höhere Anzahl Anwesenheitstage im Betrieb. So verbringen die Lernenden auf dem Bau 7 bis 13Tage pro Lehrjahr mehr im Betrieb. Zudem verrichten die Lernenden in dieser Zeit weniger unproduktive Tätigkeiten wie Übungen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Fachkraft-Löhne, mit denen die produktiven Fachkraft-Tätigkeiten verrechnet werden: Diese sind im Bausektor höher als in der Branche Verwaltung/ Non-Profit und der Dienstleistungsbranche. Höhere Fachkraftund Ungelernten-Löhne bei der Berechnung der produktiven Leistungen erklären auch, wieso Lehrverträge in der Industrie höhere produktive Leistungen als in der Branche Verwaltung/Non-Profit und der Dienstleistungsbranche aufweisen. Abbildung 9: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Betriebsgrösse 0 10 20 30 40 <10 10–49 50–99 >99 in 1000 Franken Anzahl Beschäftigte im Betrieb Bruttokosten Produktive Leistungen Nettonutzen 38 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 4.7 Resultate nach Grossregion Die Lehrverhältnisse im Ausbildungsjahr 2022/23 verteilen sich über alle Grossregionen. Auf den Espace Mittelland entfallen mehr als 22 Prozent aller Lehrverhältnisse, auf Zürich 19 Prozent, die Ostschweiz 16 Prozent, die Genferseeregion 14Prozent, die Nordwestschweiz mehr als 13 Prozent, die Zentralschweiz 11 Prozent und auf das Tessin gut 3Prozent. Im Vergleich zu den Resultaten nach Branche sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Grossregionen kleiner (siehe Abbildung 11). Wiederum weisen alle Untersuchungsgruppen einen positiven Nettonutzen aus. Dieser unterscheidet sich aber nur zwischen der Genferseeregion und dem Tessin signifikant. Der höhere Nettonutzen in der Genferseeregion erklärt sich, bei leicht höheren Bruttokosten, durch höhere produktive Leistungen, insbesondere höhere Leistungen aus Fachkraft-Tätigkeiten. Zudem sind die produktiven Leistungen in der Genferseeregion auch höher als im Espace Mittelland und in der Nordund Ostschweiz. Der Grund sind leicht höhere Löhne der Fachkräfte, welche für die Berechnung der Fachkraft-Tätigkeiten hinzugezogen werden. Wie 2016/17 zeichnet sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Tessin durch tiefere produktive Leistungen aus. Hier zeigt sich der Einfluss von tieferen Löhnen bei Fachkräften und ungelernten Beschäftigen auf die Berechnung der Leistungen: Wenn die Löhne tiefer sind, dann reduziert dies die durch die Lernenden erwirtschafteten Leistungen. Im Vergleich zu 2016/17 fällt weiter auf, dass sich die produktiven Leistungen in der Region Zürich den restlichen Regionen (ausser dem Tessin) angeglichen haben, was zu einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis geführt hat. Abbildung 10: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Branche in 1000 Franken Dienstleistungen Industrie Bau Verwaltung und Non-Profit Bruttokosten Produktive Leistungen Nettonutzen 0 10 20 30 40 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 39 4.8 Resultate nach Beruf Die folgenden Abbildungen zeigen den durchschnittlichen Nettonutzen der häufigsten EBA-Berufe (Abbildung 12) und EFZ-Berufe (Abbildung 13 sowie Abbildung14). Detaillierte Auswertungen zu diesen Berufen sind unter folgendem Link online abrufbar: https://ehb.swiss/kosten-nutzen Als Berufsbezeichnungen werden die im Ausbildungsjahr 2022/23 aktuellen Bezeichnungen verwendet. Somit sind beispielsweise mit Fachmann/-frau Apotheke EFZ auch lernende Pharma-Assistentinnen und -Assistenten EFZ – so lautete die frühere Bezeichnung des gleichen Berufs – des damals zweiten und dritten Lehrjahrs mitgemeint. Bei den zweijährigen beruflichen Grundbildungen können im Vergleich zu 2016/17 neu die Berufe Logistiker/-in EBA sowie Haustechnikpraktiker/-in EBA ausgewiesen werden, während die Fallzahlen für Automobil-Assistent/-in EBA und Küchenangestellte/-r EBA nun nicht mehr eine Einzelauswertung ermöglichen. Diese werden nun wie andere EBA-Berufe mit zu tiefen Fallzahlen (weniger als 25teilnehmende Betriebe oder weniger als 14Beobachtungen pro Lehrjahr) unter «Übrige EBA» zusammengefasst. Insgesamt liegt der Nettonutzen-Durchschnitt der EBA-Berufe im Vergleich zu 2016/17 höher (siehe Kapitel 4.2). Auffallend ist der recht hohe durchschnittliche Nettonutzen im Beruf Logistiker/-in EBA. Der Grund hierfür sind vergleichsweise hohe produktive Leistungen bei leicht unterdurchschnittlichen Bruttokosten. Im Vergleich zu 2016/17 ist auch der Rückgang des Nettonutzens aufgrund deutlich tieferer produktiver Leistungen im Beruf Büroassistent/-in EBA bemerkenswert. Abbildung 11: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Grossregion 0 10 20 30 40 in 1000 Franken Genferseeregion Espace Mittelland Nordwestschweiz Zürich Ostschweiz Zentralschweiz Tessin Bruttokosten Produktive Leistungen Nettonutzen 46 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Im vorangehenden Kapitel wurden die Kosten und Nutzen der Betriebe hinsichtlich verschiedener einzelner Einflussfaktoren wie beispielsweise der Betriebsgrösse oder der Lehrberufe analysiert. Mithilfe multivariater Methoden lässt sich der gleichzeitige Einfluss verschiedener Einflussfaktoren auf den Nettonutzen untersuchen. Die multivariate Betrachtung ist insbesondere dann relevant, wenn die verschiedenen Einflussgrössen selbst miteinander korreliert sind. In Kapitel 4 wurde beispielsweise aufgezeigt, dass der durchschnittliche Nettonutzen teils deutlich zwischen den verschiedenen Lehrberufen variiert. Dafür können einerseits berufstypische Anforderungen verantwortlich sein: Technische Berufe erfordern beispielsweise gerade zu Beginn der Lehre einen relativ hohen Ausbildungsaufwand, oftmals unter Zuhilfenahme von teuren Geräten. Zudem sind die Lernenden zu dieser Zeit noch relativ wenig produktiv tätig. Beides zusammen führt zu einem eher tiefen Nettonutzen in diesen Berufen. Andererseits stehen Grossbetrieben oft mehr Mittel zur Verfügung als Kleinbetrieben, um höhere Ausgaben für die Berufsbildung zu tätigen und einen tieferen Nettonutzen in Kauf zu nehmen. Gerade technische Berufe werden häufig in Grossbetrieben ausgebildet, was eine Korrelation zwischen Lehrberuf und Betriebsgrösse impliziert. Eine isolierte Analyse des Nettonutzens nur nach Grösse der Ausbildungsbetriebe erlaubt noch keinen Rückschluss darauf, welcher Einfluss die Grösse ausübt. Mithilfe einer multivariaten Analyse kann hingegen der Nettonutzen von Betrieben mit verschiedenen Lehrberufen in der gleichen Grössenklasse verglichen werden. Damit lässt sich untersuchen, ob die Ausbildung unabhängig vom einzelnen Beruf je nach Betriebsgrösse teurer oder günstiger ist. In diesem Kapitel wird ausserdem untersucht, ob sich der Nettonutzen in den Lehrberufen zwischen der aktuellen Erhebung und jener zum Ausbildungsjahr 2016/17 signifikant verändert hat. Wiederum mithilfe von multivariaten Analysen lässt sich feststellen, wie sich der Einfluss verschiedener Faktoren auf den Nettonutzen der Betriebe über die Zeit verändert hat. 5.1 Analyse der Erhebung von 2022/23 Eine erste multivariate Auswertung gilt dem durchschnittlichen Nettonutzen für alle Lehrberufe und alle Ausbildungsbetriebe im Ausbildungsjahr 2022/23. Die folgenden multivariaten Analysen werden mit multiplen Regressionsverfahren durchgeführt. Die Datengrundlage besteht dabei aus allen Lehrjahresbeobachtungen im Datensatz (13 145 Lehrjahre in 6686 ausbildenden Betrieben). Die abhängige Variable ist der Nettonutzen pro lernende Person im entsprechenden Lehrjahr. 5 MULTIVARIATE ANALYSEN Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 47 Nettonutzen pro Lehrjahr in Franken Schätzer Standardfehler Basis: 1–9 Beschäftigte 10–49 Beschäftigte 853 *(517) 50–99 Beschäftigte 1079 (773) 100 und mehr Beschäftigte 1118 (820) Basis: Industrie Bau -606 (1146) Dienstleistungen -2336 ** (919) Verwaltung und NonProfit-Organisationen -2167 ** (955) Basis: Deutsch und Rätoromanisch Französisch 1752 ** (684) Italienisch -685 (1101) Anzahl Lernende im Beruf im Betrieb über alle Lehrjahre 3(6) Konstante 2805 *** (1068) Kontrolle Lehrberuf Ja Korrigiertes R-Quadrat 0,056 Anzahl Beobachtungen 13145 Tabelle 15: Multivariate Analyse der Kosten und Nutzen 2022/23 In der Tabelle 15 werden in der linken Spalte alle untersuchten Merkmale aufgeführt. In der zweiten Spalte finden sich die entsprechenden Schätzwerte. Diese zeigen an, wie sehr sich der Nettonutzen in der Kategorie des entsprechenden Merkmals relativ zur Basiskategorie unterscheidet. Die Sterne (*/**/***) kennzeichnen jeweils, ob diese Unterschiede statistisch signifikant sind, und beziehen sich auf das 10-prozentige, 5-prozentige beziehungsweise 1-prozentige Signifikanzniveau. Die Diskussion dieser Auswertung widmet sich den Betriebsmerkmalen; für die Unterschiede zwischen den Lehrberufen wird auf die Berufskapitel verwiesen: https://ehb.swiss/kosten-nutzen Hinsichtlich der Grösse der Ausbildungsbetriebe zeigt sich einzig zwischen den sehr kleinen Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitenden (Basiskategorie) und den kleinen Betrieben mit 10 bis 49Mitarbeitenden ein statistisch knapp signifikanter Unterschied. Die kleinen Betriebe erzielen demnach gegenüber den sehr kleinen Betrieben jährlich rund 850Franken mehr Nettonutzen. Dies gilt, wie oben im Beispiel beschrieben, nach Berücksichtigung allfälliger Unterschiede in der Zusammensetzung der Ausbildungsberufe und in anderen Merkmalen zwischen Betrieben dieser beiden Grössenklassen. Die Betriebe der beiden grösseren Klassen (50–99 beziehungsweise 100 oder mehr Mitarbeitende) weisen ebenfalls einen höheren Nettonutzen auf, aber in diesem Fall sind die Unterschiede weniger präzise geschätzt, sodass sie keine statistische Signifikanz aufweisen. Betreffend die Branche der Ausbildungsbetriebe findet sich primär ein Unterschied zwischen Betrieben der Industrie und dem Bau auf der einen Seite sowie Betrieben aus der Dienstleistungsbranche beziehungsweise Betrieben der öffentlichen Hand auf der anderen Seite. Letztere weisen einen im Durschnitt um mehr als 2000 Franken tieferen Nettonutzen auf. Schliesslich zeigen die Regressionsergebnisse in der Tabelle 15, dass Betriebe in französischsprachigen Teilen der Schweiz im Durchschnitt einen um circa 1700Franken höheren Nettonutzen erzielen als Betriebe in der deutschsprachigen Schweiz. Kein signifikanter Unterschied besteht hingegen zwischen italienischund deutschsprachigen Regionen. Die absolute Anzahl an Lehrverhältnissen, die im gleichen Lehrberuf ausgebildet werden, weist gemäss den Resultaten der Tabelle 15 keinen signifikanten Effekt auf den Nettonutzen auf. 48 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 5.2 Multivariater Vergleich mit der Erhebung für das Lehrjahr 2016/17 In einer weiteren multivariaten Auswertung wird ein Vergleich über die Zeit vorgenommen. Zu diesem Zweck wurden die Daten der beiden Erhebungen zusammengefügt. Dadurch entstand ein Datensatz mit insgesamt 23 258 Lehrjahresbeobachtungen, der neben dem von den Betrieben erzielten Nettonutzen auch allgemeine Informationen zu den Betrieben enthält. Dazu gehören die Betriebsgrösse, die Branche, in der ein Betrieb tätig ist, sowie eine gewisse Anzahl an verschiedenen Lehrberufen, zu denen in beiden Erhebungen eine Mindestanzahl an Beobachtungen vorliegt. Die anderen Lehrberufe werden in die drei Restkategorien eingeteilt, welche die Lehrdauer abbilden, das heisst zwei-, dreisowie vierjährige Lehrberufe. Wie im vorangehenden Kapitel 5.1 werden zunächst die Einflussfaktoren auf den Nettonutzen mithilfe einer multivariaten Regression untersucht. Dabei werden die Betriebsmerkmale zusätzlich mit einer Indikatorvariable, die Beobachtungen aus der Erhebung 2022/23 kennzeichnet, interagiert. Diese Interaktionseffekte sind in der Tabelle 16 dargestellt. Sie erlauben es zu untersuchen, ob sich der Zusammenhang zwischen einem Merkmal und dem Nettonutzen der Betriebe zwischen den beiden Studien verändert hat. Ein positiver Wert bedeutet, dass der mit diesem Merkmal verbundene Nettonutzen zwischen der Erhebung von 2016/17 und der Erhebung von 2022/23 gestiegen ist. Umgekehrt bedeutet ein negativer Wert, dass sich der mit diesem Merkmal verbundene Nettonutzen im Vergleich zu 2016/17 verringert hat. Zunächst lässt sich festhalten, dass sich über alle Beobachtungen hinweg ein Anstieg des Nettonutzens von im Durchschnitt rund 2780Franken pro Lehrjahr feststellen lässt. Weiter finden sich in der Tabelle 16 einige berufsspezifische Unterschiede zwischen den beiden Erhebungen. Das heisst: In einigen Lehrberufen hat sich der Nettonutzen zwischen den beiden Erhebungen signifikant verändert. Dazu zählen unter anderem die beiden Lehrberufe Auto-Mechatroniker/-in EFZ oder Informatiker/-in EFZ, bei denen es zu einer deutlichen Erhöhung des Nettonutzens im Vergleich zur letztmaligen Erhebung gekommen ist. Gleichzeitig finden sich auch einzelne Lehrberufe, für die der durchschnittliche Nettonutzen zwischen den beiden Jahren signifikant zurückgegangen ist, beispielsweise Maler/-in EFZ oder Sanitärinstallateur/-in EFZ. Bei letzterwähntem Beruf, der neu eine Ausbildungsdauer von vier statt drei Jahren hat, konnten allerdings nur die ersten drei Lehrjahre beobachtet werden: Da die Revision im Jahr 2020 in Kraft trat, wurden 2022/23 noch keine Lernenden im vierten Lehrjahr ausgebildet. Da das letzte Lehrjahr meistens stark zum Nettonutzen beiträgt, dürfte der Unterschied zu 2016/17 bei Betrachtung aller Lehrjahre wegfallen. Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 49 Nettonutzen pro Lehrjahr in Franken Schätzer Standardfehler Basis: Erhebung 2016 Erhebung 2022 2774 *(1542) Assistent/-in Gesundheit und Soziales EBA 2022 -3970 (4135) Automatiker/-in EFZ 2022 1652 (5880) Automobil-Fachmann/-frau EFZ 2022 187 (2277) Automobil-Mechatroniker/-in EFZ 2022 6099 ** (2453) Büroassistent/-in EBA 2022 -7117 ** (3305) Coiffeur/Coiffeuse EFZ 2022 -3578 (2199) Dentalassistent/-in EFZ 2022 3752 *(2144) Detailhandelsassistent/-in EBA 2022 721 (3470) Detailhandelsfachmann/-frau EFZ 2022 -936 (2166) Elektroinstallateur/-in EFZ 2022 1994 (3718) Fachmann/-frau Apotheke EFZ 2022 1638 (2369) Fachmann/-frau Betreuung EFZ 2022 437 (2038) Fachmann/-frau Betriebsunterhalt EFZ 2022 -3406 (2937) Fachmann/-frau Gesundheit EFZ 2022 4018 (3641) Gärtner/-in EFZ 2022 5199 *(2664) Informatiker/-in EFZ 2022 5000 *(2784) Kaufmann/-frau EFZ 2022 -13 (1581) Koch/Köchin EFZ 2022 1672 (2671) Logistiker/-in EFZ 2022 -608 (4202) Maler/-in EFZ 2022 -4351 *(2398) Maurer/-in EFZ 2022 190 (2986) Medizinische/-r Praxisassistent/-in EFZ 2022 757 (2302) Montage-Elektriker/-in EFZ 2022 -2222 (3610) Polymechaniker/-in EFZ 2022 -499 (3272) Sanitärinstallateur/-in EFZ 2022 -6832 ** (2889) Schreiner/-in EFZ 2022 -672 (1939) Zeichner/-in EFZ 2022 935 (1688) Zimmermann/Zimmerin EFZ 2022 2854 (2124) Konstante 53 (1113) Kontrollvariablen Ja Korrigiertes R-Quadrat 0,067 Anzahl Beobachtungen 23258 Anmerkung: Neben den Lehrberufen 2016/17 wurde für die Betriebseigenschaften Grösse (4 Kat.), Branche (4 Kat.), Sprachregion (3 Kat.), Gesamtzahl der Lernenden im Lehrberuf im Betrieb sowie jeweils für die Interaktion dieser Eigenschaften mit dem Erhebungsjahr 2022/23 kontrolliert. Tabelle 16: Multivariate Analyse der Kosten und Nutzen 2016/17 im Vergleich zu 2022/23 50 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Verschiedene Regulierungen im Bildungssystem sollen die Lehrbetriebe in der Ausbildung leiten; andere haben zumindest einen Einfluss auf ihre Ausbildungssituation. Ein zentrales Beispiel für handlungsleitende Regulierungen sind Bildungsverordnungen und Bildungspläne, die auch für Lehrbetriebe bindend sind. Dagegen ist die lehrbegleitende Berufsmaturität ein Bildungsweg, der sich primär an die Lernenden richtet, jedoch auch die Ausbildungssituation für die Betriebe beeinflusst. Dieses Kapitel geht auf die Bedeutung von Bildungsplänen und Berufsmaturität für die Lehrbetriebe ein. 6.1 Bildungsverordnungen und Bildungspläne Bildungsverordnungen (BiVo) und Bildungspläne (BiPla) beschreiben Tätigkeiten und Handlungskompetenzen, welche die Ausbildungsbetriebe ihren Lernenden in einem bestimmten Lehrberuf vermitteln sollen. Damit stellen BiVo und BiPla eine umfassende berufliche Handlungskompetenz der Lernenden über die Bedürfnisse des einzelnen Lehrbetriebs hinaus sicher. Dafür ist eine gewisse Vereinheitlichung der Bildungsinhalte der Berufslehren nötig. Dies kann dazu führen, dass BiVo und BiPla nicht für alle Betriebe, die in einem bestimmten Lehrberuf ausbilden, gleich passend sind. So dürften sich beispielsweise die täglichen Aufgaben einer Informatikerin oder eines Informatikers in einem Industriebetrieb von den Aufgaben einer Informatikerin oder eines Informatikers in einem Dienstleistungsunternehmen unterscheiden; trotzdem müssen sich die Ausbildnerinnen und Ausbildner in beiden Betrieben an dieselben BiVo und BiPla halten. Es stellt sich deshalb die Frage, als wie passend die Ausbildungsbetriebe die für sie relevanten BiVo und BiPla beurteilen. Beurteilung von BiVo und BiPla durch die Betriebe Zum zweiten Mal nach 2016/17 wurden die Betriebe zu den für sie relevanten BiVo und BiPla befragt. In einer ersten Frage sollten die Betriebe angeben, ob BiVo und BiPla den Anforderungen ihres Betriebs entsprechen.2 Die Abbildung 15 fasst die Ergebnisse dieser Frage für die 6562 antwortenden Ausbildungsbetriebe zusammen. In den meisten Fällen scheinen BiVo und BiPla den Anforderungen im Betrieb zu entsprechen. Für 55Prozent der Betriebe trifft dies zu, für weitere 13Prozent sogar «voll und ganz». Für 27Prozent entsprechen BiVo und BiPla nur zum Teil den Anforderungen des Betriebs. Für 6Prozent entsprechen BiVo und BiPla nicht oder gar nicht den Anforderungen des Betriebs. Diese Einschätzungen blieben seit der Erhebung von 2016/17 weitestgehend stabil. In einer zweiten Frage sollten die Betriebe den Anteil der Ausbildungsinhalte angeben, der zwar im offiziellen Bildungsplan festgelegt, für ihren Betrieb aber unnötig sei.3 3 Die exakte Frage lautete: «Wie hoch schätzen Sie den Anteil der im offiziellen Bildungsplan für den ausgewählten Beruf festgelegten, aber in Ihrem Betrieb nicht benötigten Ausbildungsinhalte?» 6 BILDUNGSPLÄNE UND BERUFSMATURITÄT Abbildung 15: Entsprechen BiVo und BiPla den Anforderungen des Betriebs? 0% 20 % 40% 60% 80% 100% trifft voll zu trifft zu teils-teils trifft nicht zu trifft gar nicht zu 2 Die exakte Frage lautete: «Zur Bildungsverordnung des SBFI und zum offiziellen Bildungsplan der Trägerschaft (OdA/Berufsverband/Branchenorganisation) des ausgewählten Berufs: Trifft die folgende Aussage für Ihren Betrieb zu? ‹Bildungsverordnung und Bildungsplan entsprechen den Anforderungen unseres Betriebs.›» Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 51 Abbildung 16: Anteil nicht benötigter BiPla-Inhalte Gemäss Abbildung 16 schätzen die Betriebe 82Prozent der im Bildungsplan festgelegten Ausbildungsinhalte als für den eigenen Betrieb relevant ein. Obwohl dieser Wert um einen Prozentpunkt tiefer liegt als 2016/17, erscheint er immer noch sehr hoch angesichts der Tatsache, dass BiPla eine umfassende berufliche Handlungskompetenz der Lernenden über die Bedürfnisse des Einzelbetriebs hinaus sicherstellen sollen. Allerdings unterscheiden sich die durchschnittlichen Antworten nach Lehrberufen. Das mit feinen Strichen angegebene Vertrauensintervall zeigt dabei die statistische Unsicherheit. Bei den Berufen im unteren Teil der Abbildung wird der Anteil Assistent/-in Gesundheit und Soziales EBA Fachmann/-frau Gesundheit EFZ Fachmann/-frau Apotheke EFZ Dentalassistent/-in EFZ Sanitärinstallateur/-in EFZ Fachmann/-frau Betreuung EFZ Automobil-Fachmann/-frau EFZ Montage-Elektriker/-in EFZ Gärtner/-in EFZ Maler/-in EFZ Übrige EBA Elektroinstallateur/-in EFZ Fachmann/-frau Betriebsunterhalt EFZ Maurer/-in EFZ Zimmermann/Zimmerin EFZ Übrige dreijährige EFZ Büroassistent/-in EBA Medizinische/-r Praxisassistent/-in EFZ Koch/Köchin EFZ Zeichner/-in EFZ Übrige vierjährige EFZ Detailhandelsassistent/-in EBA Schreiner/-in EFZ Automobil-Mechatroniker/-in EFZ Polymechaniker/-in EFZ Coiffeur/Coiffeuse EFZ Kaufmann/-frau EFZ Detailhandelsfachmann/-frau EFZ Haustechnikpraktiker/-in EBA Automatiker/-in EFZ Logistiker/-in EBA Informatiker/-in EFZ Logistiker/-in EFZ Durchschnitt 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 52 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 nicht benötigter Ausbildungsinhalte unterdurchschnittlich eingeschätzt. Bei den Berufen im oberen Teil der Abbildung wird ein grösserer Anteil an im Betrieb nicht benötigten Inhalten im BiPla festgestellt. Betriebe vermitteln ihren Lernenden aber auch Zusatzqualifikationen, die nicht durch den BiPla abgedeckt sind. Dies kann beispielsweise geschehen, weil diese Qualifikationen im Rahmen der betriebsinternen Abläufe von Bedeutung sind. 19Prozent der Betriebe geben an, dass sie ihren Lernenden über den BiPla hinausgehende Zusatzqualifikationen vermitteln, was ein deutlich grösserer Anteil ist als in der Erhebung von 2016/17 (12Prozent).4 Mit den Daten der Erhebung von 2016/17 untersuchten Schweri et al. (2021) und Aepli et al. (2021b) weiter, ob eine fehlende Passung zwischen den im Bildungsplan vorgeschriebenen und den im Betrieb benötigten Kompetenzen für die Betriebe Kosten verursacht. Tatsächlich ist dies gemäss den Autoren der Fall: Beide Passungsprobleme – nicht benötigte Kompetenzen oder zusätzlich ausgebildete Qualifikationen – gehen mit höheren Bruttokosten der Ausbildung und einem tieferen produktiven Beitrag der Lernenden einher. Diese Effekte sind zwar signifikant, aber nicht besonders hoch: Pro zehn Prozentpunkte an nicht benötigten Ausbildungsinhalten liegt der Nettonutzen pro Lehrjahr um ungefähr 630 Franken tiefer. Die wichtigste Erkenntnis dieser Analysen ist, dass breitere Bildungspläne mit Kosten für die Lehrbetriebe verbunden sind. Sehr breite Kompetenzprofile, wie sie zum Beispiel durch eine deutliche Reduktion der Anzahl Lehrberufe entstehen würden, könnten für die Lehrbetriebe daher beträchtliche Kosten bedeuten und die betriebliche Ausbildungsbereitschaft verringern. 4 Die exakte Frage lautete: «Wurden in Ihrem Betrieb im Ausbildungsjahr 2022/23 Zusatzqualifikationen vermittelt, die über die im offiziellen Bildungsplan für den ausgewählten Beruf festgelegten Inhalte hinausgehen?» 6.2 Die Berufsmaturität 1 aus Sicht der Betriebe Ob und wie viele Lernende während ihrer Ausbildung eine begleitende Berufsmaturität 1 (BM1) besuchen können, hängt auch von der Bereitschaft der Betriebe ab, ob sie dies unterstützen oder gar fördern. Ein wichtiger Faktor dabei dürfte sein, wie stark sich die tiefere Anwesenheit der Lernenden im Betrieb aufgrund der höheren Anzahl an Schullektionen auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis auswirkt. Wie Trede et al. (2020, S. 17–20) zeigen, unterschied sich im Ausbildungsjahr 2016/17 das Kosten-Nutzen-Verhältnis zwischen Ausbildungen mit oder ohne BM1. Während der Ausbildung wiesen Lehrverhältnisse mit BM1 aufgrund der tieferen Anwesenheit im Betrieb einen tieferen Nettonutzen aus. Da Lernende mit BM1 in den verschiedenen Berufen, Branchen und Betrieben ungleich vertreten sind, sind diese Unterschiede nicht direkt in den Daten messbar, sondern müssen mittels multivariater Regressionsmodelle herausgerechnet werden (siehe hierzu Trede et al., 2020). Die Abbildung 17 zeigt die Resultate dieser Schätzung mit 11388Lehrjahresbeobachtungen aus 5519Betrieben auf der Basis der aktuellen Daten für das Ausbildungsjahr 2022/23. Berechnet wurden die Kostenwerte für ein durchschnittliches Lehrjahr in zwei fiktiven Betrieben, wovon der eine keine BM1-Lernenden und der andere nur BM1-Lernende ausbildet. Wie für das Ausbildungsjahr 2016/17 gilt auch für 2022/23: Der durchschnittliche Nettonutzen pro Lehrjahr fällt mit BM1-Lernenden, bereinigt um die unterschiedlichen betrieblichen Merkmale, tiefer aus als ohne BM1-Lerndende. Mit knapp 3000Franken tieferem Nettonutzen fällt dieser Unterschied etwas kleiner aus als 2016/17 (knapp 4000Franken), aber statistisch klar signifikant. Trotzdem erzielen auch die Betriebe mit BM1-Lernenden im Durchschnitt schon während der Ausbildung einen positiven Nettonutzen. Dabei sind es die tieferen produktiven Leistungen der Lernenden – und nicht höhere Bruttokosten–, die den Unterschied zwischen Lehrverhältnissen mit oder ohne BM1 ausmachen. Die Betriebe kommen dabei ihrer Ausbildungsverantwortung nach und kompensieren die tiefere Anwesenheit nicht Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 53 mit einer Reduktion des Ausbildungsaufwands. Stattdessen werden die Lernenden seltener für produktive Tätigkeiten, insbesondere für Ungelernten-Tätigkeiten, eingesetzt. Nicht berücksichtigt ist bei diesen Resultaten, dass die BM1 den Betrieben erlaubt, besonders leistungsfähige Lernende anzuziehen. Wenn es ihnen gelingt, sie als Fachkräfte weiterzubeschäftigen, bringt dies dem Betrieb einen zusätzlichen Nutzen – besonders, wenn das Finden und Einarbeiten von Fachkräften über den externen Arbeitsmarkt aufwendig ist. Abbildung 17: Durchschnittliche Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen mit oder ohne BM1 0 10 20 30 40 in 1000 Franken Keine BM1-Lernenden Nur BM1-Lernende Bruttokosten Produktive Leistungen Nettonutzen 54 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Da Lernende den grössten Teil ihrer Lehrzeit im Lehrbetrieb verbringen, kommt den Betrieben eine grosse Bedeutung für ihre Kompetenzentwicklung zu. Es überrascht daher nicht, dass die Ausbildungsqualität der Betriebe schon früh Gegenstand von Studien war (Schwander, 1949; Häfeli et al., 1981). Lernende (und ihre Eltern) haben ein grosses Interesse daran, dass sie im Betrieb optimal gefördert werden, nicht zuletzt, um die Wahrscheinlichkeit einer Lehrvertragsauflösung oder eines Misserfolgs an den Abschlussprüfungen zu minimieren. In der vorliegenden Kosten-Nutzen-Erhebung wurden die Betriebe auch zu ihren Ausbildungsprozessen befragt, das heisst, wie sie mit den Lernenden arbeiten und ihnen Tätigkeiten übertragen. In diesem Kapitel werden diese Antworten ausgewertet. Sie geben einen Überblick über die Ausbildungsqualität in den Schweizer Lehrbetrieben. 7.1 Was ist betriebliche Ausbildungsqualität? Trotz der offensichtlichen Bedeutung der Lehrbetriebe für die berufliche Bildung ist «die betriebliche Ausbildungsqualität» schwer zu definieren und zu messen (Berger et al., 2023). Generell wird in Qualitätsmodellen häufig zwischen Input-, Prozessund Output-Qualität unterschieden (Gonon, 2008). Aus ökonomischer Sicht kommt der Output-Qualität eine besondere Bedeutung zu: Eine gute Ausbildung bedeutet, dass die Lernenden ihren Beruf gut beherrschen, das heisst, dass sie in allen beruflichen Situationen kompetent handeln können. Eine solche Definition von Qualität lässt jedoch offen, wie die Betriebe eine gute Output-Qualität erreichen können. In der Arbeitsund Organisationspsychologie sowie in der Berufsund Wirtschaftspädagogik wurden daher betriebliche Prozesse identifiziert, die Arbeitnehmende im Allgemeinen und Lernende im Besonderen zufrieden und leistungsfähig machen (Hackman & Oldham, 1975; Morgeson & Humphrey, 2006; Böhn & Deutscher, 2021). Negrini et al. (2016) setzten in einer Betriebsbefragung Fragebogenitems ein, die in dieser Literatur entwickelt wurden. Sie konnten mit Daten aus 335 Lehrbetrieben in den Berufen Koch/Köchin und Maler/-in einen signifikanten Zusammenhang ihrer Qualitätsitems mit dem Auftreten von Lehrvertragsauflösungen nachweisen. Ausbildungsqualität messen In der vorliegenden Kosten-Nutzen-Erhebung wurden acht Items als Masse für die Prozessqualität in den Betrieben eingesetzt, die mehrheitlich aus Negrini et al. (2016) stammen. Es handelt sich um folgende Items, die von den Befragten bewertet wurden: 1. Planung: Ich plane die Ausbildungseinheiten im Voraus. 2. Eigene Lösungswege: Ich lasse die Lernenden bei der Bearbeitung eines Auftrags auch eigene Lösungswege finden. 3. Abwechslung: Ich sorge dafür, dass den Lernenden abwechslungsreiche Arbeitsaufgaben gestellt werden. 4. Feedback: Ich gebe den Lernenden regelmässig Rückmeldungen über ihre Arbeitsergebnisse. 5. Einblick: Die Lernenden erhalten Einblicke in alle Phasen des Arbeitsund Produktionsprozesses. 6. Verantwortung: Ich gebe den Lernenden verantwortungsvolle Aufgaben. 7. Zuhören: Ich bemühe mich, den Lernenden gut zuzuhören. 8. Optimale Belastung: Ich achte darauf, dass die Lernenden nicht überfordert werden. Neben diesen acht Items wurden weitere Angaben der Betriebe gesammelt, welche die Ausbildungsqualität beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Angaben zu den zeitlichen Ressourcen, die den Berufsbildungsverantwortlichen im Betrieb zur Verfügung stehen, sowie zur verfügbaren Infrastruktur. Diese Variablen werden als Masse für die Input-Qualität verstanden, die später dazu dienen, zu prüfen, ob die Unterschiede zwischen den Betrieben in den oben dargestellten Ausbildungsprozessen auf eine unterschiedliche Ressourcenausstattung zurückgehen. 7 AUSBILDUNGSQUALITÄT IN DEN LEHRBETRIEBEN Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 55 7.2 Wie schätzen die Lehrbetriebe ihre Ausbildungsqualität ein? Die Betriebe gaben in der Befragung an, als wie zutreffend sie die acht oben genannten Aussagen für ihre eigene Ausbildung einstufen, und zwar auf einer Skala von eins (trifft gar nicht zu) bis sieben (trifft voll zu). Abbildung 18: Aussagen zur Ausbildungsqualität, bewertet durch die Betriebe teils-teils trifft eher zu trifft zu trifft voll zu Ich bemühe mich, den Lernenden gut zuzuhören. Ich gebe den Lernenden verantwortungsvolle Aufgaben. Ich lasse die Lernenden bei der Bearbeitung eines Auftrags auch eigene Lösungswege finden. Ich achte darauf, dass die Lernenden nicht überfordert werden. Die Lernenden erhalten Einblicke in alle Phasen des Arbeitsund Produktionsprozesses. Ich gebe den Lernenden regelmässig Rückmeldungen über ihre Arbeitsergebnisse. Ich plane die Ausbildungseinheiten im Voraus. Ich sorge dafür, dass den Lernenden abwechslungsreiche Arbeitsaufgaben gestellt werden. 4 5 6 7 62 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 8.1 Betriebe ohne eigene Ausbildung von Lernenden Diese Betriebe bilden die klare Mehrheit aller Betriebe in der Schweiz. Der genaue Anteil der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben schwankt jedoch, je nachdem, wie man die Grundgesamtheit aller Betriebe definiert. Ein Grossteil der Betriebe ist sehr klein und hat weniger als zwei Mitarbeitende. Solche Betriebe bilden selten Berufslernende aus. In der Stichprobenziehung wurden sie daher nicht einbezogen. Der Anteil der Ausbildungsbetriebe an allen Betrieben mit mindestens zwei Mitarbeitenden lag im Ausbildungsjahr 2022/23 bei 16,5Prozent, der Anteil der Nichtausbildungsbetriebe bei 83,5 Prozent (siehe Kapitel 3.3). Auch unter den Nichtausbildungsbetrieben mit mindestens zwei Mitarbeitenden gibt es Betriebe, die keine Ausbildungsbewilligung erhalten würden, weil sie zu spezialisiert sind und wesentliche Teile der Ausbildung, die in den Bildungsverordnungen und Bildungsplänen von in Frage kommenden Berufe festgehalten sind, nicht abdecken könnten. Daher wurden zu Beginn der Erhebung jene Betriebe identifiziert, die wirtschaftlich betrachtet kein eigenständiger Betrieb oder aber eine kleine, stark spezialisierte Aussenfiliale sind. Solche Betriebe machten 999 von 3655 Nichtausbildungsbetrieben oder rund 27 Prozent aus. Geht man davon aus, dass auch in der Grundgesamtheit ein entsprechender Anteil der Nichtausbildungsbetriebe gar nicht ausbildungsfähig ist, und schliesst man sie folglich aus der Grundgesamtheit der Betriebe aus, dann erhöht sich die Quote der Ausbildungsbetriebe auf 21,3Prozent. Die weiteren Analysen beruhen auf jenen 2656 Betrieben, die nicht zu spezialisiert sind und Berufslernende ausbilden könnten. 14 Prozent dieser Betriebe haben früher bereits einmal ausgebildet, 10Prozent geben an, dass sie in Zukunft auszubilden gedenken. Die Betriebe wurden nach der Wichtigkeit verschiedener möglicher Gründe gefragt, warum sie im Erhebungsjahr nicht ausbildeten. Die Abbildung 20 zeigt die durchschnittlichen Einschätzungen. Der wichtigste Grund lautet «Für die Ausbildung fehlt die nötige Zeit», gefolgt von «Der Fachkräftebedarf wird durch Weiterbildung des vorhandenen Personals gedeckt». Eher wichtig sind auch die Gründe «Betrieb ist zu spezialisiert» – dies, obwohl bestimmte hochspezialisierte Betriebe bereits aus der Stichprobe ausgeschlossen wurden – und «Kein Bedarf an entsprechenden Fachkräften absehbar». Eher weniger wichtig sind die Gründe «Ausgebildete Lernende verlassen zu oft nach Abschluss den Betrieb», «Keine qualifizierten Lehrstellenbewerber/-innen», «Lernende sind während der Ausbildung zu wenig im Betrieb» und «Die Ausbildungsbewilligung wurde nicht erteilt». Die geringere Bedeutung der letztgenannten Gründe zeigt, dass wesentliche funktionale Prozesse der Ausbildung von Lernenden – Rekrutierung, produktive Beschäftigung während und Weiterbeschäftigung nach der Lehre – auch von diesen Betrieben als intakt eingeschätzt werden. Die Nichtausbildungsbetriebe scheinen jedoch mehrheitlich aus Betrieben zu bestehen, die ihren Qualifikationsbedarf auf andere Weise besser decken können als mit der Ausbildung von Lernenden und für die sich der beträchtliche Zeitaufwand nicht genügend lohnt. Ausbildungsund Nichtausbildungsbetriebe scheinen sich somit vor allem in ihrem Qualifikationsbedarf und ihren Produktionsprozessen sowie der damit zusammenhängenden Arbeitsorganisation zu unterscheiden. 8.2 Ausbildungsund Nichtausbildungsgründe im Vergleich Im ersten Teil wurden Nichtausbildungsgründe beschrieben. Zu Gründen, die für die eigene Ausbildung von Lernenden sprechen, wurden in der Erhebung sowohl Ausbildungswie auch Nichtausbildungsbetriebe befragt. Für diese beiden Betriebsarten zeigt die Abbildung 21 die durchschnittlichen Einschätzungen zur Wichtigkeit der jeweiligen Gründe, und zwar für die Erhebung von 2022/23 (dunkelblaue bzw. dunkelgrüne Punkte) im Vergleich zur Erhebung von 2016/17 (hellblaue bzw. hellgrüne Punkte). Nicht gezeigt werden hier Vertrauensintervalle, da diese sehr eng sind und die Durchschnitte zwischen Ausbildungsund Nichtausbildungsbetrieben stets statistisch signifikant verschieden sind. völlig unwichtig eher unwichtig weder noch eher wichtig sehr wichtig Um Rekrutierungsund Einarbeitungskosten für externe Fachkräfte einzusparen Um Lernende bereits während der Ausbildung als Arbeitskräfte einzusetzen Weil die Ausbildung sich positiv auf die Innovationsfähigkeit des Betriebs auswirkt Weil Ausbildung zur Firmentradition gehört (hat) Um Fachkräfte zu qualifizieren, die langfristig im Betrieb eingesetzt werden sollen Weil die Ausbildung eine Gemeinschaftsaufgabe der Wirtschaft und somit eine Leistung für die Gesellschaft ist 2022/23 Ausbildend 2022/23Nichtausbildend 2016/17 2016/17 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 63 völlig unwichtig eher unwichtig weder noch eher wichtig sehr wichtig Um Rekrutierungsund Einarbeitungskosten für externe Fachkräfte einzusparen Um Lernende bereits während der Ausbildung als Arbeitskräfte einzusetzen Weil die Ausbildung sich positiv auf die Innovationsfähigkeit des Betriebs auswirkt Weil Ausbildung zur Firmentradition gehört (hat) Um Fachkräfte zu qualifizieren, die langfristig im Betrieb eingesetzt werden sollen Weil die Ausbildung eine Gemeinschaftsaufgabe der Wirtschaft und somit eine Leistung für die Gesellschaft ist 2022/23 Ausbildend 2022/23Nichtausbildend 2016/17 2016/17 Am meisten Zustimmung findet bei den Ausbildungsbetrieben (weiterhin) die Aussage, dass die Ausbildung von Lernenden eine Gemeinschaftsaufgabe von Wirtschaft und Gesellschaft sei. Nichtausbildungsbetriebe halten diesen Grund für wesentlich weniger wichtig. Neu an zweiter Stelle der Ausbildungsmotive steht das Motiv, eigene Fachkräfte zu qualifizieren, die langfristig im Betrieb eingesetzt werden sollen. Dieses Motiv erfuhr eine bemerkenswerte Zunahme an Zustimmung, nämlich um 0,44 Skalenpunkte oder gut 11Prozent. Eine deutliche Zunahme zeigt sich auch bei den Nichtausbildungsbetrieben. Mutmasslich spielt hier der noch verschärfte Fachkräftemangel5 eine Rolle, der dieses Ausbildungsmotiv wichtiger werden lässt. Die Firmentradition bleibt für Ausbildungsbetriebe eher wichtig, für Nichtausbildungsbetriebe dagegen naheliegenderweise weniger. Als 5 Gemäss BSS-Fachkräfteindex betrug der Indexwert für die Gesamtwirtschaft im Jahr2016 105Punkte und im Jahr2022 135Punkte. eher wichtig eingeschätzt wird von den Ausbildungsbetrieben zudem die Aussage, dass sich die Ausbildung positiv auf die Innovationsfähigkeit des Betriebs auswirkt. Der produktive Beitrag der Lernenden ist zwar weiterhin nicht bei den Top-Motiven zu finden, hat aber gegenüber der vorhergehenden Erhebung ebenfalls deutlich an Zustimmung gewonnen: Bei den Ausbildungsbetrieben beträgt der Anstieg 0,46 Skalenpunkte oder 15 Prozent. Kaum verändert hat sich die Einschätzung des Motivs, mit der Weiterbeschäftigung von Lernenden Rekrutierungsund Einarbeitungskosten für externe Fachkräfte einsparen zu können – unwichtig ist aber auch dieses Motiv nicht. Abbildung 21: Gründe für die eigene Ausbildung von Lernenden 64 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Vertiefende Studien untersuchten, ob soziale Normen– das heisst: entsprechende Erwartungen der Bevölkerung an die Betriebe – die betriebliche Ausbildungstätigkeit erhöhen können (Aepli et al., 2021a; Kuhn et al., 2022). Tatsächlich zeigen die Autoren, dass die betriebliche Ausbildungstätigkeit in jenen Gemeinden höher ist, in denen sich mehr Menschen gegen vermehrte staatliche Eingriffe in den Lehrstellenmarkt aussprechen und somit einen Grossteil der Verantwortung für die Ausbildung von Lernenden bei den Betrieben sehen. Weiter zeigen die Autoren mit den Daten der früheren Kosten-Nutzen-Erhebungen, dass in diesen Gemeinden auch die Zustimmung der Betriebe zu nicht-ökonomischen Aussagen (wie jene, dass die Ausbildung von Lernenden eine Gemeinschaftsaufgabe der Wirtschaft sei; vgl. Abbildung21) höher ist. Die aktuelle Erhebung bestätigt erneut, wie wichtig den Betrieben das Motiv «Gemeinschaftsaufgabe» ist. Zugleich haben auch zwei klar ökonomische Motive, nämlich die Qualifizierung von Fachkräften für den eigenen Bedarf und der produktive Einsatz der Lernenden, im Urteil der Betriebe deutlich an Bedeutung gewonnen. Weiter wurden die Betriebe gebeten, gewisse Massnahmen danach zu bewerten, ob diese sie zur Aufnahme der Ausbildung beziehungsweise zur Erhöhung ihres Lehrstellenangebots bewegen könnten. Die Abbildung 22 stellt wiederum den Durchschnitt der Antworten für die beiden Betriebsarten und für die beiden Erhebungen dar. Abbildung 22: Einschätzung von Massnahmen zur Erhöhung der Ausbildungstätigkeit Löhne für Lernende senken Berufsfachschulunterricht reduzieren Freiheit des Betriebs bei der Gestaltung der Ausbildung vergrössern Organisation des Berufsfachschulunterrichts verbessern Schulische Vorbildung der Lehrstellenbewerber/-innen verbessern Finanzielle oder steuerliche Anreize für die Ausbildung von Lernenden im Unternehmen verbessern 2022/23 Ausbildend 2022/23Nichtausbildend 2016/17 2016/17 völlig unwichtig eher unwichtig weder noch eher wichtig sehr wichtig Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 65 In beiden Erhebungen gibt es keine Massnahme, die im Durchschnitt die Bewertung «eher wichtig» ganz erreicht. Neu werden finanzielle und steuerliche Anreize leicht höher eingeschätzt als eine bessere schulische Vorbildung der Lehrstellenbewerberinnen und -bewerber. Allerdings sind die Verschiebungen zwischen den beiden Motiven minim und damit eher zufällig. Etwas mehr zugelegt haben die beiden Massnahmen auf den Plätzen drei und vier, nämlich eine verbesserte Organisation des Berufsfachschulunterrichts und mehr Freiheit bei der Ausbildungsgestaltung. Eine Reduktion des Berufswahlunterrichts oder Senkungen der Lernendenlöhne erscheinen nicht mehrheitsfähig. Die eher tiefen Bewertungen sämtlicher Massnahmen durch die Betriebe legen nahe, dass die Massnahmen generell keine grosse Unterstützung geniessen würden. Gerade finanzielle oder steuerliche Anreize für die Ausbildung werden von der Forschung angesichts der hohen Kosten und geringen Wirksamkeit für die Schaffung neuer oder zusätzlicher Lehrstellen skeptisch gesehen (Bonin et al., 2014; Mühlemann et al., 2007a). Für den Vergleich verschiedener Merkmale und Einschätzungen von Betrieben mit und ohne eigene Ausbildung von Lernenden eignet sich erneut die Regressionsanalyse. In der Tabelle 18 ist die abhängige Variable eine Indikatorvariable, die angibt, ob ein Betrieb ausbildet oder nicht. Verschiedene unabhängige Variablen wurden in das Modell aufgenommen, bei denen es plausibel erscheint, dass sie mit der Ausbildungstätigkeit der Betriebe zusammenhängen könnten. Da sich darunter auch Variablen wie die aktuelle Marktlage oder die internationale Verflechtung befinden, wurden nur profitorientierte Betriebe in die Schätzung aufgenommen. Zudem mussten die Betriebe gültige Werte in den verwendeten Variablen aufweisen. Die Stichprobe umfasst bei beiden Modellen über 6000Ausbildungsund Nichtausbildungsbetriebe. Betrieb bildet aus (Ja=1, Nein=0) (1) (2) Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen 0,095 (0,010) *** 0,086 (0,010) *** Einschätzung der Marktlage 0,014 (0,004) *** 0,016 (0,004) *** Attraktivität für leistungsfähige Fachkräfte 0,056 (0,012) *** 0,048 (0,011) *** Effizienz der Produktions-/ Geschäftsprozesse 0,011 (0,012) 0,015 (0,012) Internationale Verflechtung -0,056 (0,014) *** -0,039 (0,014) *** Betrieb untersteht einem GAV 0,119 (0,012) *** 0,094 (0,012) *** Betrieb beteiligt sich in Teil bereichen an Submissionsverfahren 0,098 (0,013) *** 0,085 (0,013) *** Betrieb beteiligt sich generell an Submissionsverfahren 0,145 (0,023) *** 0,132 (0,023) *** Prozesse im Betrieb ändern sich wegen Digitalisierung erheblich 0,059 (0,010) *** 0,051 (0,010) *** Basis: 1–9 Beschäftigte 10–49 Beschäftigte 0,217 (0,012) *** 0,217 (0,012) *** 50–99 Beschäftigte 0,375 (0,030) *** 0,401 (0,029) *** 100+ Beschäftigte 0,395 (0,034) *** 0,416 (0,034) *** Konstante 0,023 (0,026) 0,043 (0,034) Kontrollvariablen für Branche (14 Kategorien) und Kanton (26Kategorien) Ja Ja Kontrollvariablen für Lehrberuf (33 Kategorien) Nein Ja Korrigiertes R-Quadrat 0,241 0,278 Anzahl Beobachtungen 6148 6148 Anmerkung: Standardfehler in Klammern Tabelle 18: Determinanten der Ausbildungsbeteiligung 66 Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 Als Kontrollvariable wird in der Tabelle 18 der Einfluss der Betriebsgrösse ausgewiesen. Nicht gezeigt, aber in den Schätzmodellen ebenfalls enthalten sind Variablen für die Branchenzugehörigkeit der Betriebe und für ihren Standortkanton. Im ersten Schätzmodell wird nicht für den Lehrberuf kontrolliert, im zweiten Modell wird für den Lehrberuf kontrolliert. Bei den Nichtausbildungsbetrieben handelt es sich dabei um einen hypothetischen Lehrberuf. Sie wurden in der Erhebung gefragt, welchen Beruf sie am ehesten ausbilden würden. In Modell (1) ist sichtbar, dass bei Betrieben mit Fachkräftemangel die Wahrscheinlichkeit um 9,6 Prozent erhöht ist, dass sie ausbilden. Auch die Marktlage6 und die Attraktivität für leistungsfähige Fachkräfte werden in Ausbildungsbetrieben höher eingeschätzt, während die Effizienz der Produktionsund Geschäftsprozesse keinen signifikanten Effekt zeigt. International verflochtene Betriebe haben eine um rund 5Prozent tiefere Ausbildungsbeteiligung. Dabei handelt es sich um Betriebe, die Teil eines ausländischen Unternehmens sind, sich 6 Für die Marktlage wurde die Hauptkomponente aus vier Items des Fragebogens berechnet, die Einschätzungen zur Ertragslage, zur Wettbewerbsfähigkeit, zum technischen Stand der Anlagen und zur Innovationsfähigkeit des Betriebs umfassen. mehrheitlich im Besitz von Personen mit ausländischer Nationalität befinden oder hauptsächlich Zulieferer für ausländische Unternehmen sind. Ausbildungsbetriebe unterstehen häufiger einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) und nehmen deutlich häufiger an Submissionsverfahren teil (siehe zu diesem Thema auch Mühlemann, 2013). Die Betroffenheit durch die Digitalisierung der betrieblichen Prozesse ist bei Ausbildungsbetrieben ebenfalls höher. Schliesslich steigt die Ausbildungsbeteiligung mit der Betriebsgrösse deutlich an, was frühere Befunde bestätigt (Müller & Schweri, 2012). In Modell (2) wird zusätzlich für den Lehrberuf kontrolliert. Das heisst, dass der Effekt der oben genannten Variablen ermittelt wird, wenn die Betriebe im gleichen Lehrberuf ausbilden. Die Koeffizienten ändern sich im Vergleich zu Spalte (1) nicht grundlegend. Zumeist werden die Koeffizienten jedoch (in absoluten Werten) etwas kleiner, weil der Lehrberuf einen Teil der Unterschiede zwischen Ausbildungsund Nichtausbildungsbetrieben erklärt. Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 67 Acemoglu, D., & Pischke, J. (1998). Why do firms train? Theory and evidence. Quarterly Journal of Economics, 113, 79–119. Acemoglu, D., & Pischke, J. (1999). The Structure of Wages and Investment in General Training. Journal of Political Economy, 107(3), 539–572. https://doi. org/10.1086/250071 Aepli, M., Kuhn, A., & Schweri, J. (2021a). Culture, norms, and the provision of training by employers: Evidence from the Swiss language border. Labour Economics, 73, 1–21. https://doi.org/10.5281/zenodo.5749913 Aepli, M., Schweri, J., & Kuhn, A. 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Kosten, Nutzen und Ausbildungsqualität aus Sicht der Betriebe 2025 71 Abbildung 1: Verteilung des Nettonutzens 26 Abbildung 2: Zufriedenheit mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der eigenen betrieblichen Ausbildung 26 Abbildung 3: Bestandteile der Bruttokosten in EBA-Ausbildungen 28 Abbildung 4: Zeitanteile der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz in EBA-Ausbildungen 29 Abbildung 5: Bestandteile der Bruttokosten der dreijährigen EFZ-Ausbildungen 31 Abbildung 6: Zeitanteile der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz in dreijährigen EFZ-Ausbildungen 32 Abbildung 7: Bestandteile der Bruttokosten in vierjährigen EFZ-Ausbildungen 34 Abbildung 8: Zeitanteile der Lernenden am betrieblichen Arbeitsplatz in vierjährigen EFZ-Ausbildungen 35 Abbildung 9: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Betriebsgrösse 37 Abbildung 10: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Branche 38 Abbildung 11: Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen für ein durchschnittliches Lehrjahr, nach Grossregion 39 Abbildung 12: Durchschnittlicher Nettonutzen der häufigsten EBA-Ausbildungen 40 Abbildung 13: Durchschnittlicher Nettonutzen der häufigsten dreijährigen EFZ-Ausbildungen 41 Abbildung 14: Durchschnittlicher Nettonutzen der häufigsten vierjährigen EFZ-Ausbildungen 42 Abbildung 15: Entsprechen BiVo und BiPla den Anforderungen des Betriebs? 50 Abbildung 16: Anteil nicht benötigter BiPla-Inhalte 51 Abbildung 17: Durchschnittliche Bruttokosten, produktive Leistungen und Nettonutzen mit oder ohne BM1 53 Abbildung 18: Aussagen zur Ausbildungsqualität, bewertet durch die Betriebe 55 Abbildung 19: Korrelationen der einzelnen Items zur Ausbildungsqualität 56 Abbildung 20: Gründe gegen die eigene Ausbildung von Lernenden 61 Abbildung 21: Gründe für die eigene Lehrlingsausbildung 63 Abbildung 22: Einschätzung von Massnahmen zur Erhöhung der Ausbildungstätigkeit 64 ABBILDUNGSVERZEICHNIS