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Nachhaltigkeit im Hochschulalltag verankern – Die HTW Berlin im WaNdel!4

Schneidt, Jennifer; Susann, Ullrich; Sick, Friedrich; Zeitner, Regina; Praetorius, Barbara

Abstract

Im Projekt WaNdel!4 entwickelt die HTW Berlin eine Blaupause für die Gestaltung realer Transformationsräume an Hochschulen und schafft damitveine Grundlage für die dauerhafte, fördermittelunabhängige Etablierung von Nachhaltigkeit in der Organisationspraxis.

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6|2025 FÜR ANWENDUNGSBEZOGENE WISSENSCHAFT UND KUNST Impressum Nachhaltige Wasserwirtschaft – HAW als Treiber für Innovationen Schneidt, Jennifer; Ullrich, Susann; Sick, Friedrich; Zeitner, Regina; Praetorius, Barbara: Nachhaltigkeit im Hochschulalltag verankern – Die HTW Berlin im WaNdel!4 In: Die Neue Hochschule, 2025-6, S. 34–37. Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.17398154 Persistent Identifier bei der Deutschen Nationalbibliothek: https://nbn-resolving.org/ urn:nbn:de:101:1-2025021236 Herausgeber: hlb-Bundesvereinigung e. V. Godesberger Allee 64 | 53175 Bonn Telefon: 0228 555 256-0 Chefredakteur: Prof. Dr. Jörg Brake Kirschgartenstraße 19 67146 Deidesheim Telefon: 06326 218 119 3 joerg.brak[email protected] (verantwortlich im Sinne des Presserechts für den redaktionellen Inhalt) Redaktion: Dr. Karla Neschke Telefon: 0228 555 256-0 karla.neschk[email protected] Gestaltung und Satz: Nina Reeber-Laqua, www.reeber-design.de Herstellung: Wienands Print + Medien GmbH Linzer Straße 140 | 53604 Bad Honnef Erscheinung: zweimonatlich Verbandsoffiziell ist die Rubrik „hlb aktuell“. Alle mit Namen der Autorin/des Autors versehenen Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Auffassung des hlb sowie der Mitgliedsverbände. ISSN 0340-448 x 34 FACHBEITRÄGE DNH 6 | 2025 Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.17398154 Nachhaltigkeit im Hochschulalltag verankern – Die HTW Berlin im WaNdel!4 Im Projekt WaNdel!⁴ entwickelt die HTW Berlin eine Blaupause für die Gestaltung realer Transformationsräume an Hochschulen und schafft damit eine Grundlage für die dauerhafte, fördermittelunabhängige Etablierung von Nachhaltigkeit in der Organisationspraxis. Jennifer Schneidt, Dr. Susann Ullrich, Prof. Dr. Friedrich Sick, Prof. Dr. Regina Zeitner und Prof. Dr. Barbara Praetorius Klimaneutralität und Nachhaltigkeit sind zentrale und zeitkritische Ziele der Gegenwart. Um sie zu realisieren, muss sich unsere Gesellschaft institutionell und strukturell verändern. Den Hochschulen kommt in diesem Kontext eine besondere Funktion zu, denn sie vereinen Bildungsauftrag, Vorbildfunktion und angewandte Forschung in einem Haus. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Verbundprojekts WaNdel!⁴ – Wissen für angewandte Nachhaltigkeit an deutschen Hochschulen (2023–2025) verfolgt die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin das Ziel, nachhaltige Entwicklung strukturell und kulturell in den Bereichen Infrastruktur, Campusgestaltung, Büroflächennutzung, Beteiligung und Governance zu integrieren. Die Maßnahmen reichen von datenbasierten Wärmeplanungstools und grün-blauer Campusgestaltung über suffizienzorientierte Büronutzungskonzepte bis hin zur partizipativen Entwicklung eines hochschulweiten Nachhaltigkeitskonzepts. Im Zentrum steht die Frage, wie Hochschulen konkrete Verantwortung für nachhaltige Entwicklung übernehmen und diese strategisch in ihre Strukturen und Prozesse integrieren können. Das WaNdel!⁴-Projekt dient dabei der lokalen Umsetzung explorativer Maßnahmen und fungiert als Ausgangspunkt für Transferstrategien. Partner im Verbundprojekt sind die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die Hochschule Mittweida und die Technische Hochschule Ingolstadt. Gemeinsam entwickeln und erproben die beteiligten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) praxisorientierte und übertragbare Konzepte, die aufzeigen, wie Nachhaltigkeit integraler Bestandteil institutioneller Entwicklung und Hochschulpraxis werden kann. Das Projekt WaNdel!⁴ knüpft an die im Hochschulvertrag mit dem Land Berlin verankerten Nachhaltigkeitsziele der HTW Berlin an. Neue Formate wie ein „grün-blauer Campus“ oder eine Testumgebung für aktivitätsbasiertes Arbeiten werden pilotiert und institutionelle Lernprozesse sowie die strukturelle Verankerung angestoßen. Im Mittelpunkt steht das Ziel eines klimafreundlichen, biodiversen, resilienten und partizipativ gestalteten Campus. Der Beitrag gibt Einblick in wesentliche Aktivitäten und Erkenntnisse des WaNdel!4-Projektes. Energiezukunft gestalten: Dekarbonisierung und digitale Planungstools Die HTW Berlin hat das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein. Zentrale Bausteine hierfür sind die EMAS-Zertifizierung, ein kontinuierliches Energiemanagement sowie Maßnahmen zur Energieeinsparung. Das Projekt WaNdel!⁴ geht im ersten Arbeitspaket konkret auf die energetische Transformation der Wärmeversorgung am größeren HTW-Campus Wilhelminenhof ein. Die Dekarbonisierung des lokalen Wärmenetzes soll auf Basis energiewirtschaftlicher Modellierungen gezielt planbar werden. Mithilfe JENNIFER SCHNEIDT, M. A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte [email protected] www.htw-berlin.de PROF. DR.-ING. FRIEDRICH SICK Professor für Regenerative Energien [email protected] www.htw-berlin.de DR. PHIL. SUSANN ULLRICH Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte [email protected] www.htw-berlin.de Foto: Fotostudio Fieguth Foto: Alexander Rentsch/ HTW Berlin Foto: Alexander Rentsch/ HTW Berlin 35 FACHBEITRÄGE DNH 6 | 2025 PROF. DR. BARBARA PRAETORIUS Professorin für Nachhaltigkeit, Umweltund Energieökonomie und -politik Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin Treskowallee 8 10318 Berlin [email protected] www.htw-berlin.de Foto: Alexander Rentsch/ HTW Berlin der Software TOP-Energy wurde ein digitales Modell des lokalen Netzes auf Grundlage realer Wärmelastgänge erstellt. Verschiedene Umstellungsszenarien können nun damit simuliert werden. So wurde z. B. das Potenzial einer Flusswasser-Wärmepumpe in Kombination mit einem saisonalen Wärmespeicher analysiert oder auch die potenzielle Einsparung im Gasverbrauch durch die Anbindung von Solarthermie. Eine Absenkung der Netztemperatur ist in TOP-Energy zwar leider nicht modellierbar, sollte aber als mögliche Nebenbedingung theoretisch ins Modell eingepflegt werden, da auch hier signifikante Einsparpotenziale beim Gasverbrauch zu erwarten sind. Solch eine datenbasierte Planung schafft eine fundierte Grundlage für die Priorisierung klimazielorientierter Investitionen und verdeutlicht exemplarisch, wie HAWs ihre wissenschaftliche Expertise zur zukunftsweisenden Gestaltung des eigenen Betriebs einsetzen können. Klimaanpassung sichtbar machen: Der grün-blaue Campus als Lernund Aufenthaltsort Über das zweite Arbeitspaket des WaNdel!4-Projektes wurde ein intensiver Transformationsprozess des Campus Wilhelminenhof hin zu einem klimaresilienten und biodiversen Campus angestoßen, um den negativen Effekten des urbanen Wärmeinseleffekts entgegenzuwirken. Gelegen im Berliner Stadtteil Schöneweide ist der Campus Wilhelminenhof mit seinen historischen Industriegebäuden zwar direkt an der Spree gelegen, jedoch stark durch versiegelte Flächen geprägt, die im Sommer die Hitze speichern und abgeben. Um dem entgegenzuwirken, soll der Campus entsiegelt und nach den Prinzipien der „Schwammstadt“ (Difu 2024) umgestaltet werden, sodass Regenwasser gespeichert und für die Bewässerung der Vegetation genutzt werden kann (Abbildung 1). Dies soll die klimatischen Bedingungen verbessern sowie die Aufenthaltsqualität steigern und zugleich Biodiversität fördern. Bei der Umgestaltung müssen aber auch spezifische Herausforderungen wie der Denkmalschutz (Bellendorf et al. 2023), aber auch der Umgang mit Parkplätzen berücksichtigt werden. Um die Umgestaltung im Sinne eines Whole Institution Approach (Kohl et al. 2022) partizipativ zu entwickeln, konnten die verschiedenen Statusgruppen ihre vielfältigen Bedarfe und Ideen einbringen. Dazu wurden mehrere hochschulweite Workshops veranstaltet, bereichsübergreifende Austauschformate etabliert sowie studentische Lehrprojekte durchgeführt. Die Ergebnisse flossen im Jahr 2024 in einen Fördermittelantrag ein, mit dem die HTW Berlin 2,8 Millionen Euro für das Vorhaben „Grün-blauer Campus Wilhelminenhof“ im Rahmen des Berliner BENE-2Programms akquirieren konnte. Zusammen mit dem notwendigen Eigenanteil von 20 Prozent stehen nun 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, um Maßnahmen zur Entsiegelung, zum Regenwassermanagement, zur Schaffung biodiverser Grünstrukturen sowie zur Einrichtung schattiger Aufenthaltsbereiche umzusetzen. Die Bauarbeiten laufen bis Ende 2028. Der Prozess wird wissenschaftlich begleitet und dokumentiert sowie durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Die HTW Berlin hofft so, als Vorreiter für andere Hochschulen zu fungieren und das Bewusstsein für die Dringlichkeit grün-blauer und biodiverser Campusgestaltung zu schärfen. PROF. DR.-ING. REGINA ZEITNER Professorin für Grundlagen Bauwirtschaft und Facility Management [email protected] www.htw-berlin.de alle: Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin Wilhelminenhofstr. 75A Foto: Alexander Rentsch/ HTW Berlin Abbildung 1: Aktueller Zustand (links) und Simulation (rechts) nach der Umgestaltung des Campus Wilhelminenhof, HTW Berlin Foto: Therme Group 36 FACHBEITRÄGE DNH 6 | 2025 Räume neu denken: Suffiziente Ansätze für eine nachhaltige Büroflächennutzung Innenräume bieten oft erhebliches Potenzial für suffizienzorientierte und nachhaltige Verbesserungen, denn Fläche ist knapp und ihre Bewirtschaftung ist kostenintensiv (Peyinghaus, Zeitner 2025), und gerade an Hochschulen sollten keine öffentlichen Mittel verschwendet werden. Um die Potenziale an der HTW Berlin zu identifizieren, wurde im Jahr 2024 im dritten Arbeitspaket des WaNdel!4-Projektes eine Befragung unter den Mitarbeitenden der HTW Berlin mit 291 Teilnehmenden durchgeführt. Diese ergab, dass 97 Prozent der Befragten über einen festen Arbeitsplatz verfügen, jedoch während des Semesters im Durchschnitt nur 2,9 Tage/Woche und in der vorlesungsfreien Zeit nur 2,1 Tage/Woche an ihrem Büroarbeitsplatz an der HTW arbeiten. Aber auch an den HTW-Arbeitstagen werden Arbeitsplätze häufig nicht durchgängig genutzt, beispielsweise aufgrund von Lehrverpflichtungen oder dienstlichen Außenterminen. Gleichzeitig wird Desk-Sharing bislang kaum praktiziert, was auf einen erheblichen Leerstand in der hochschulweiten Büronutzung hindeutet. Gefragt nach ihrer Bereitschaft, freiwillig auf einen festen Arbeitsplatz zu verzichten, signalisierten 66 Prozent eine grundsätzliche Offenheit für flexible Arbeitsplatzmodelle (Abbildung 2). Eine Differenzierung der Ergebnisse nach Statusgruppen bestätigt die These, dass erhebliche Unterschiede bestehen, da die Arbeitstätigkeiten mit unterschiedlichen Flächenbedarfen und Anforderungen an die Arbeitsumgebung verbunden sind. Ermutigt durch diese Ergebnisse wurde ein Workshop mit 20 am Thema interessierten Mitarbeitenden durchgeführt, um neue bedarfsorientierte und flächeneffiziente Nutzungskonzepte an der HTW Berlin zu entwi - ckeln. Es wurden Good-Practice-Beispiele anderer Hochschulen diskutiert, eigene Ansätze und Ideen gesammelt und bestehende Bottom-up-Initiativen sichtbar gemacht. Dazu zählen u. a. Abteilungen, die bereits eigenständig Modelle des Desk-Sharing bzw. Hot-Desking (van der Voordt 2003) sowie des aktivitätsbasierten Arbeitens (van Meel 2020) erproben. Bei Letzterem wird der Arbeitsort flexibel nach den jeweiligen Aufgaben ausgewählt und durch eine geeignete Arbeitsumgebung unterstützt. Auch Herausforderungen wie das Management der Veränderungsprozesse und Widerstände wurden thematisiert, um Veränderungen als gemeinschaftliche Chance und nicht als Top-down-Anweisung zu erleben. Entscheidend für die Akzeptanz neuer Arbeitsplatzmodelle ist die Freiwilligkeit – Mitarbeitende, die an einem festen Arbeitsplatz festhalten möchten, sollen ihn weiterhin behalten dürfen. Wer an flexiblen Modellen interessiert ist, kann aktiv an deren Gestaltung mitwirken. Mit einem solchen freiwilligen Ansatz wird der Sorge vorgebeugt, die neuen Arbeitsplatzmodelle könnten zur Verschlechterung des eigenen Status führen. Diese Verbindung evidenzbasierter Analysen mit partizipativen Gestaltungsprozessen bietet eine fundierte Grundlage, um die ressourcenschonende Raumnutzung weiterzuentwickeln. Um hieraus tragfähige Konzepte für eine suffiziente und adaptive Organisation von Büroflächen zu entwickeln, steht im Anschlussprojekt „FlächenWaNdel“ die Evaluation sowie der Transfer der Erkenntnisse im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit strukturell verankern: Partizipation, Engagement und Governance verknüpfen Eine wirksame Verankerung von Nachhaltigkeit an Hochschulen setzt das Zusammenspiel von institutioneller Steuerung und individueller Beteiligung voraus. Im WaNdel!4-Projekt wurden dazu im vierten Arbeitspaket die Umsetzungsbedingungen und Governance-Strukturen untersucht. Unterstützt wird dies durch eine formative Evaluation sowie Moderationscoaching durch den Praxispartner e-fect dialog evaluation consulting eG. Parallel startete im Jahr 2024 ein hochschulweiter Prozess zur Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzepts, dessen Ausarbeitung der Berliner Senat in den Hochschulverträgen mit der HTW Berlin vereinbart hatte. Dieser Prozess wird durch die Nachhaltigkeitsmanagerin der Hochschule gesteuert und durch das vierte Arbeitspaket des WaNdel!4-Projektes begleitet. Das Nachhaltigkeitskonzept der HTW Berlin kann sich auf eine Vielzahl bestehender Aktivitäten stützen (Praetorius, Schwarzkopf 2018). Im Rahmen der Konzeptentwicklung werden diese systematisch erfasst und strategisch im Sinne des Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen (DNK-HS) weiterentwickelt (Rat für nachhaltige Entwicklung 2018). Der Abbildung 2: Bereitschaft von HTW-Mitarbeitenden zur Nutzung flexibler Arbeitsplätze Quelle: Umfrage im Rahmen des WaNdel!4-Projektes (2024) 37 FACHBEITRÄGE DNH 6 | 2025 DNK-HS gibt Hochschulen strukturierende Orientierung durch Zielbilder, Kriterien und Indikatoren zur Steuerung und Erfolgskontrolle. Als zentrales Erfolgselement des hochschulweiten Prozesses hat sich eine bereichsübergreifende Arbeitsgruppe (AG) Nachhaltigkeit erwiesen, die von nachhaltigkeitsorientierten Mitarbeitenden aus Wissenschaft, Verwaltung und Service gegründet wurde. Die AG demonstriert in ihren regelmäßigen Sitzungen, wie bereichernd der interdisziplinäre Austausch ist. Gemeinsame Perspektiven entstehen, inhaltliche Schnittstellen werden identifiziert und konkrete Beiträge zur strategischen Ausrichtung des Nachhaltigkeitskonzeptes entwickelt. Die AG fungiert dabei nicht nur als Diskussionsforum, sondern als aktiver Raum kollektiver Gestaltung. Aber auch andere Mitarbeitende und Studierende wirken aktiv am Nachhaltigkeitsprozess mit, z. B. durch ihre Teilnahme an den beschriebenen Workshops. Die verpflichtende Einbindung von Nachhaltigkeit in die Lehre (5 ECTS in jedem Studiengang – seit 2024 in die Rahmenstudienund -prüfungsordnung aufgenommen) sorgt künftig dafür, dass sich sowohl Lehrende als auch Studierende mit der Thematik beschäftigen und sie ganz selbstverständlich in den jeweiligen disziplinären Perspektiven mitgedacht wird. Denn um Nachhaltigkeit an einer Hochschule erfolgreich zu etablieren, sollte sie nicht als „zusätzliches Projekt“ behandelt, sondern als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen der Institution verstanden werden – also in Lehre, Forschung, Campusbetrieb, Verwaltung und insgesamt in der Hochschulkultur. Fazit und Ausblick: Nachhaltigkeit als gemeinsame Gestaltungsaufgabe Das Beispiel der HTW Berlin zeigt, dass Nachhaltigkeit im Hochschulkontext als systemischer Transformationsprozess verstanden und institutionell verankert werden muss. Die institutionelle Verankerung erfordert ein Leitbild sowie messbare Ziele und vor allem ein klares Bekenntnis der Führungsebene zu den Nachhaltigkeitszielen. Die kulturelle Verankerung setzt eine partizipative Entwicklung des Konzepts voraus, denn die Einbindung aller Fachbereiche und Statusgruppen trägt wesentlich zu einer hohen institutionellen Anschlussfähigkeit und kollektiven Identifikation bei. Auf dieser Basis können konkrete Maßnahmen in den Bereichen der Lehre, der Forschung, des Betriebs und des Campusmanagements entwickelt und über messbare Ziele (KPI) im Rahmen eines Monitorings überprüft werden. Eine solche transparente, strukturierte und partizipative Vorgehensweise bildet die Basis für die erfolgreiche Weiterentwicklung und Verstetigung eines Nachhaltigkeitskonzepts. Im Zentrum der verbleibenden WaNdel!4-Projektlaufzeit steht die Entwicklung einer institutionellen Blaupause. Diese zeigt zentrale Gelingensbedingungen und übertragbare Prinzipien, um die an der HTW Berlin gewonnenen Erfahrungen systematisch für andere HAW zugänglich zu machen. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Replikation einzelner Maßnahmen, sondern auf der Übertragung strategischer, struktureller und prozessualer Ansätze in kontextangepasste Lösungen. Ein zentraler Ermöglichungsfaktor für die an der HTW angestoßenen Entwicklungen ist die gezielte Förderung von Projekten wie WaNdel!⁴ und Grün-blauer Campus im Rahmen des BMBF und BENE 2. Das Beispiel der HTW Berlin zeigt, dass auf diese Weise praxisnahe Ansätze und Formate erprobt oder sogar etabliert werden können, in denen nachhaltige Entwicklung unter realen Bedingungen erprobt, wissenschaftlich begleitet und institutionell verankert wird. Um dauerhafte und zukunftsfähige Strukturen zu etablieren, ist es nun erforderlich, dass Nachhaltigkeit auch fördermittelunabhängig als zentrales Kriterium in der Haushaltsplanung etabliert wird. Die Erfahrungen an der HTW Berlin zeigen konkrete Lösungsansätze für die Entwicklung einer nachhaltigen und klimaangepassten Infrastruktur, Raumnutzung und Governance auf, die zum Nachahmen auffordern. Denn sie zeigen: Hochschulen können durch partizipative Prozesse, strategische Zielsetzungen und organisationales Lernen notwendige Transformationen in der alltäglichen Praxis anstoßen und etablieren. Bellendorf, Paul; Mager, Tino; Press, Franziska (Hrsg.) (2023): Anpassungsstrategien für Denkmale im Klimawandel. Tagungsband. https:// www.icomos.de/data/pdf/icomos-anpassungsstrategien-1105-1526-11.pdf Deutsches Institut für Urbanistik Difu (2024): Was ist eigentlich … Schwammstadt? Difu. difu.de/18644 Kohl, Katrin; Hopkins, Charles; Barth, Matthias; Michelsen, Gerd; Dlouhá, Jana; Abdul, Razak Dzulkifli; Sanusi, Zainal Abidin Bin; Toman, Isabel (2022): A whole-institution approach towards sustainability: a crucial aspect of higher education’s individual and collective engagement with the SDGs and beyond. International Journal of Sustainability in Higher Education, 23 (2), 218–236. https://doi.org/10.1108/ IJSHE-10-2020-0398 Peyinghaus, Marion; Zeitner, Regina (2025): Process Management Real Estate (PMRE) Monitor 2025. Frugal Real Estate: Mit weniger mehr! HTW Berlin, CCTM. https://ccpmre.de/wp-content/uploads/PMRE-Monitor-2025.pdf Praetorius, Barbara; Schwarzkopf, Julia (2018): Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Energie: Ein Schwerpunkt der Lehre und Forschungsagenda der HTW Berlin. In: Die Neue Hochschule DNH 3/2018, 12–15. Rat für Nachhaltige Entwicklung RNE (2018): Der hochschulspezifische Nachhaltigkeitskodex. RNE, Berlin. https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de/media/nampl4zr/2018-05-15-hs-dnk.pdf – Abruf am 20.10.2025. Van der Voordt, Theo Johannes Maria (2003): Costs and benefits of innovative workplace design. Delft: Center for people and building. https:// www.researchgate.net/publication/236000592_Costs_and_benefits_of_innovative_workplace_design – Abruf am 20.10.2025. Van Meel, Juriaan (2020). The activity-based working practice guide. Second Edition. ICOP.