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1 Waldzustandsbericht 2025 NW-FVA Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein
3 Inhaltsverzeichnis Seite Hauptergebnisse4 Forstliches Umweltmonitoring 6 UlrikeTalkner,CarolineKlinckundUwePaar WZE-Ergebnisse für alle Baumarten 8 CarolineKlinckundUwePaar Buche10 Eiche12 Fichte14 Kiefer16 AndereLaub-undNadelbäume 18 Fallbeispiele anderer Laubund Nadelbäume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen 20 CarolineKlinck Witterung und Klima23 JohannesSutmöller Insekten und Pilze28 MartinRohde,RainerHurling,GittaLanger,JohannaBußkamp, PavelPlašilundRobertFritz Atmosphärische Stoffeinträge bis 202432 BirteScheler Naturschutzwerte, Verbreitung und Bewirtschaftung historischer Hutewälder in Schleswig-Holstein 36 DarioWolbeck,MarcusSchmidtundAndreasMölder Weiterentwicklung des Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) 39 MatthiasSchmidtundHansHamkens Hoffnung für die Esche – Erkenntnisse aus der Genressourcenforschung 42 KatharinaBirgitBudde,AndréHardtke,MartinHofmannund AkiMichaelHöltken Humusformen als Spiegel des Waldes: Dynamik, Wandel und Funktion 45 OlivervanStraaten,FelixGrünundJanEvers Impressum 48 Foto: C. Klinck
4 Hauptergebnisse Waldzustandserhebung (WZE) Die Waldzustandserhebung 2025 gibt für alle Baumarten und Alter eine leichte Verbesserung der Vitalität im Vergleich zum Vorjahr aus. Die mittlere Kronenverlichtung liegt mit 22 % ein Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert. Insgesamt 2,9 % der Bäume sind als stark geschädigt einzustufen. Von den insgesamt 3072 angesprochenen Bäumen waren 6 neu abgestorben (0,2 %) und 15 fielen wegen Windwurfs bzw. biotischer Ursachen aus (0,49 %). Die Baumarten im Einzelnen Das WZE -Kollektiv umfasst in Schleswig-Holstein aktuell 31 Baumarten. Mit 26 % hat die Buche den größten Anteil, gefolgt von der Gruppe der sonstigen Laubbäume mit 22 %. Anteile unter 20 % haben die Fichte mit 17 %, die Gruppe der sonstigen Nadelhölzer mit 16 % und Eichen mit 14 %. Kiefern nehmen einen Anteil von 6 % ein. Nach der sehr starken Fruktifikation bei Buche im vergangenen Jahr hatten 2025 nur wenige Buchen starken Fruchtbehang. Durch die geringere Fruktifikation sank wie nach jedem Mastjahr die Kronenverlichtung der Buche wieder ab. Sie liegt 2025 für ältere Buchen mit 26 % 5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Geringere Rückgänge der Kronenverlichtung gab es bei Eiche, anderen Laubhölzern und Kiefer, Anstiege bei anderen Nadelhölzern und Fichte. Der Anteil von als stark geschädigt eingestuften Bäumen erhöht sich bei Fichte und der Gruppe der anderen Laubhölzer, bei allen anderen Baumarten sank er im Vergleich zum Vorjahr. Die Absterberate ist insgesamt weiter sehr niedrig und stieg nur bei den anderen Laubhölzern und Eiche etwas an. Auch die Ausfallrate, also wegen Windwurfs oder biologischer Schädlinge entnommene Bäume, ist noch niedriger als im Vorjahr. Allein bei Fichte erhöhte sie sich leicht. Fallbeispiele anderer Laubund Nadelbäume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, SachsenAnhalt und Hessen – Vitalität von Gemeiner Birke, Bergahorn, Europäischer Lärche und Douglasie In der Waldzustandserhebung werden alle Baumarten außer Buche, Eiche, Fichte und Kiefer in den Gruppen der anderen Laubund der anderen Nadelhölzer zusammengefasst. Ihre waldbauliche Bedeutung nimmt aktuell jedoch immer mehr zu. Die Waldzustandsberichte geben seit Jahren einen Einblick in die Vitalität dieser beiden Baumartengruppen. Auf einzelne Baumarten wurde bisher wegen ihrer geringen Anzahlen in den länderspezifischen Berichten nicht eingegangen. Aus der Idee heraus, die Daten aller vier Trägerländer der NW-FVA zusammen auszuwerten, wird die Vitalität von Gemeiner Birke, Bergahorn, Europäischer Lärche und Douglasie als sehr häufig vorkommende Nebenbaumarten im Vergleich zu den Hauptbaumarten überblicksartig betrachtet. Jüngere Birken haben sowohl im Vergleich zu Bergahorn als auch zu Buche und Eiche eine höhere mittlere Kronenverlichtung. Bei den älteren Birken ist die Verlichtung wie bei Bergahorn niedriger als bei Buche und Eiche. Birke reagierte stärker auf die Trockenheit nach 2018 als Bergahorn. Sowohl die über 60-jährige Europäische Lärche als auch die ältere Douglasie zeigen geringere Kronenverlichtungswerte als die Fichte bzw. im Mittel ähnliche wie die Kiefer im jeweiligen Alter. Auf die Trockenheit nach 2018 reagierten beide Baumarten in allen Altern. Witterung und Klima Im Vegetationsjahr 2024/25 fielen im Flächenmittel von Schleswig-Holstein mit 730 mm Niederschlag rund 50 mm weniger als im langjährigen Mittel. Dabei kam es von Februar bis Anfang Juli zu einer fünfmonatigen Trockenperiode. Mit einer Mitteltemperatur von 10,2 °C war das Vegetationsjahr wiederum eines der wärmsten seit Auswertungsbeginn. Der langfristige Erwärmungstrend setzt sich unvermindert fort. Im Vergleich zur Klimanormalperiode 1961–1990 beträgt die Erwärmung nach der neuen LOESS-Trendlinienberechnung 2,2 K. Das Zusammenspiel von überdurchschnittlich hohen Temperaturen und gleichzeitig geringen Niederschlägen führte dazu, dass im Frühjahr und Frühsommer die Oberböden besonders im Nordosten und Südosten des Landes stark austrockneten. Insekten und Pilze Die Auswertungen des Waldschutzmeldeportals und andere Untersuchungen des Waldschutzes geben ergänzende Einblicke zu biotischen Schädigungen der Wälder in SchleswigHolstein jenseits des Rasters der Waldzustandserhebung. 2025 erhöhte sich die Schadholzmenge durch rindenbrütende Borkenkäfer im Vergleich zum Vorjahr. Bei Kiefer trat das Diplodia-Triebsterben auf. Für Eichen wurden neben überwiegend nur geringem Fraß durch die Eichenfraßgesellschaft spürbare Schäden unter Beteiligung von Eichenprachtkäfern und verschiedenen Bakterienarten dokumentiert. Es wurden keine neuen Fälle von komplexen Buchenerkrankungen registriert. An Douglasien kam es vereinzelt zu Schädigungen, die zumeist auf pilzliche Erreger zurückzuführen waren. Atmosphärische Stoffeinträge bis 2024 Das Kalenderjahr 2024 war niederschlagsreich. Unter dem Kronendach wurden in Bornhöved 115 % des 10-jährigen Mittels (2014–2023) registriert. Der Sulfatschwefeleintrag in den Bestand hat im Zeitraum 2015–2024 trotz des bereits erreichten niedrigen Niveaus noch weiter signifikant abgenommen. 2024 betrug er unter Buche 2,9 kg je Hektar, davon ist knapp die Hälfte meersalzbürtig und damit nicht anthropogen bedingt. Die Gesamtdeposition von anorganischem Stickstoff (Ammonium und Nitrat) betrug 2024 unter Buche 10,8 kg je Hektar. Seit Untersuchungsbeginn (Mittel 1989–1998) hat sie um 66 % abgenommen.
5 Hauptergebnisse Naturschutzwerte, Verbreitung und Bewirtschaftung historischer Hutewälder in Schleswig-Holstein HistorischeHutewäldersindWälder,diebisheuteSpurenfrüherer Waldweidenutzung aufweisen, etwa alte Bäume mit tiefen Kronenansätzen oder durch Viehverbiss entstandene besondere Wuchsformen. Aufgrund der Kombination aus Lichtwaldstrukturen,langlebigenAltbäumen,TotholzundvielfältigenMikrohabitatensindsieHotspotsderBiodiversitätim Wald.EineumfassendeLiteratur-undDatenrecherchediente der Erstellung einer aktuellen Verbreitungsübersicht historischer Hutewälder in Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt undSchleswig-HolsteinsowiederZusammenführungdesverfügbarenWissenszuderenArtenvielfalt,Bewirtschaftungund Geschichte. Trotz ihrer herausragenden naturschutzfachlichen Relevanz sindhistorische Hutewälderund diean siegebundenen Artenakutgefährdet,insbesonderedurchdieAusbreitungvon Schattbaumarten seit Aufgabe der Beweidung. Die Entwicklung tragfähiger Schutz- und Erhaltungskonzepte ist daher dringend notwendig. Daher befasst sich die NW-FVA zurzeit imRahmeneinesForschungsvorhabensmitdernachhaltigen EntwicklunghistorischerHutewälderdurchWaldweide. Weiterentwicklung des Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) Der Klimawandel stellt für die Forstwirtschaft durch die begrenzteAnpassungsfähigkeitunsererBaumarteneinebesondereHerausforderungdar.DiewichtigstewaldbaulicheHandlungsoptionzurRisikovorsorgeistbeiWiederbewaldungvon SchadflächendieWahlstandortsgerechterBaumarten.DasaktuelleSystemderNW-FVAfürdieEntscheidungsunterstützung beiderBaumartenwahl(BaEm)basiertaufderStandortswasserbilanzundderNährstoffversorgungderforstlichenStandorte.DieStandortswasserbilanzisteinedynamischeGrößezur AbschätzungdesbaumartenspezifischenTrockenstressrisikos, die auf der Grundlage von Klimaprojektionen auch ProjektionendeszukünftigenRisikoserlaubt.DasbisherigeSystem derBaumartenempfehlungenschöpftallerdingsdieOptimierungsmöglichkeitenbeiderBaumartenwahlbeiweitemnicht aus.DaherwirdaktuelleinmultikriteriellerBewertungsansatz imRahmendesProjektes„ModellbetriebfürKlimaschutzplus imStaatswalddesHessischenForstamtsBurgwald“(Burgwaldprojekt) erprobt, der zusätzlich zumTrockenstress das Risiko durch Winterstürme und Fichtenborkenkäfer berücksichtigt. AußerdemwerdenWuchsleistungundKohlenstoffsequestrierungexplizitprojiziert,sodassMortalitätsrisikenundZuwachsverlustegetrenntbetrachtetwerdenkönnen.ImRahmendes ProjekteswurdeaucheinAnsatzzurnaturschutzfachlichenBewertungvonWaldentwicklungszielen(WEZ)integriert. Hoffnung für die Esche – Erkenntnisse aus der Genressourcenforschung DieGemeineEscheisteine Baumartvonökologischer,wirtschaftlicherundkulturellerBedeutung,dielangeZeitalseine ArtmithohemAnpassungspotenzialandenKlimawandelgalt, dasieeinbreitesSpektrumanUmweltbedingungentolerieren kann.DasEschentriebsterben,verursachtdurchdenPilz„FalschesWeißesStängelbecherchen“(Hymenoscyphus fraxineus), hatjedochindenletztenzweiJahrzehntenzueinemstarken RückgangderEschenbeständeinDeutschlandgeführt.ExperimentelleAnpflanzungenhabengezeigt,dassdieAnfälligkeit fürdasEschentriebsterbenzumTeilgenetischbedingtist,und dassinvielenBeständeneingeringerAnteilderEschenbereits wenigeranfälliggegenüberdemPathogenist.Diessindgute VoraussetzungenfürdenErhaltdieserBaumartundaktuelleErgebnisselassenvermuten,dassdienatürlichenBeständesich langsamandenErregeranpassen.EinwaldbaulichesManagement,dasgezieltdieNaturverjüngungderGemeinenEsche fördert,kanndenAnpassungsprozessunterstützen. Humusformen als Spiegel des Waldes: Dynamik, Wandel und Funktion Die Beobachtung von Humusformen über lange Zeiträume stellteinnützlichesWerkzeugzurBeurteilungdesZustandes vonWaldbödendar.HumusformengebenAufschlussüberdie Abbauraten von organischem Material und somit über den gesamtenNährstoffkreislaufdesWaldbodens.ImRahmender BodenzustandserhebungimWald(BZE)wurdeuntersucht,wie sichdieHumusformenindenWäldernNordwestdeutschlands in den letzten 30 Jahren entwickelt haben. Die Ergebnisse zeigen,dasssichderAnteilnährstoffarmerRohhumusformen deutlich verringert hat, während nährstoffreichere Humusformen wie Mull häufiger vorkommen. Gründe dafür liegen in der Verbesserung der Streuqualität durch zunehmenden WaldumbauhinzuhöherenLaubwaldanteilen,aberauch in der Verbesserung der Streuabbaubedingungen durch den fortschreitendenTemperaturanstieg,erhöhteatmosphärische StickstoffdepositionundderrückläufigenSäureeinträge. Foto: J. Evers
6 Forstliches Umweltmonitoring Ulrike Talkner, Caroline Klinck und Uwe Paar https://doi.org/10.5281/zenodo.17524581 Das Forstliche Umweltmonitoring hat eine langjährige GeschichteunderöffnetdamiteinengutenEinblickindieVeränderung der Waldökosysteme. Die Umweltbedingungen habensichindenvergangenenJahrzehntenkontinuierlich verändert, aber das Ausmaß und die Geschwindigkeit der aktuellen Klimaveränderungen sind in der Geschichte des ForstlichenUmweltmonitoringseinmalig.DieWaldschäden zuZeitendessaurenRegenswarendeutlichzusehen,doch übertreffendieaktuellenSchädeninbestimmtenRegionen und für einige Baumarten das damalige Ausmaß. In den 1990erJahrenwurdenerfolgreichpolitischeMaßnahmenergriffen,umdieversauerndenEinträgeindieWälderzuminimieren.NunstelltsichdieFrage,obwiraucherfolgreichin derEindämmungdesKlimawandelsseinwerden.Feststeht, dassdieReduzierungderCO2-Emissionennotwendigist,um den menschengemachten Klimawandel abzumildern und damitdenZustanddesWaldeszustabilisieren. DasForstlicheUmweltmonitoringistausderWaldökosystemforschungentstanden.DieErgebnissederUntersuchungen dienenderErarbeitungvonEntscheidungshilfenfürdieforstlichePraxisundderBeratungderPolitikauffachlicherGrundlage. GrundsätzlichwerdenimForstlichenUmweltmonitoringfolgendeKategorienunterschieden: •Level I: waldflächenrepräsentative Übersichtserhebungen aufeinemsystematischenStichprobenraster(Waldzustands- undBodenzustandserhebung) •LevelII:UntersuchungvonausgewähltenWaldökosystemen miterhöhterMessintensität(IntensivesForstlichesUmweltmonitoring) •Level III: Erforschung der Auswirkungen von WaldbewirtschaftungsmaßnahmenaufdenNährstoff-undWasserhaushaltvonWäldern(Experimentalflächen). DieVerknüpfungundKombinationvonLevelI,IIundIIIeröffnetdieMöglichkeitderÜbertragungvonErgebnissenaus dem Forstlichen Umweltmonitoring aufWaldflächen ohne Beobachtungen (Regionalisierung). Für die Beantwortung vonkomplexenforst-undumweltpolitischenFragenistdie VernetzungallerdreiKategoriendesForstlichenUmweltmonitoringszweckmäßig. DiemethodischenInstrumentedesForstlichenUmweltmonitoringssindeuropaweitnachdenGrundsätzendesICPForests (2020)harmonisiert.DieWaldzustandserhebung(WZE)liefert seit mittlerweile 42 Jahren als Übersichtserhebung Informationen zur Vitalität der Waldbäume unter dem Einfluss sich ändernder Umweltbedingungen. Das Stichprobenraster der Waldzustandserhebungistdaraufausgelegt,diegegenwärtigeSituationdesWaldeslandesweitrepräsentativabzubilden. Das Ergebnis ist das Gesamtbild desWaldzustandes für das Bundesland.DieStichprobederWaldzustandserhebungvermittelteinzahlenmäßigesBildzumEinflussvonWitterungsextremen, Stürmen sowie Insekten- und Pilzbefall. Lokale Befunde,wiesturmgefalleneBäumeodereinextremerBefall einesBestandesdurchPilze,könnenallerdingsvondemlandesweitenErgebnisabweichen.VerschiedeneAuswertungen belegeneinehoheRepräsentativitätdesRasternetzesfürverschiedeneFragestellungen. Waldzustandserhebung – Methodik und Durchführung Aufnahmeumfang DieWaldzustandserhebungerfolgtaufmathematisch-statistischerGrundlage.AufeinemsystematischüberSchlessteinverteiltenRasternetzwerdenseit1984anjedemErhebungspunkt 24Stichprobenbäumebegutachtet.FürdenZeitraum1984– 2012 betrug die Rasterweite des landesweiten Stichprobennetzes 2x2km, 2x4km, 4x2km und 4x4km mit 148 bis 200Erhebungspunkten.AlleStichprobenbäumewurdenmit gleicherGewichtungbeiderBerechnungderEr-gebnisseberücksichtigt. ImVorfeldderErhebung2013wurdeeinlandesweiteinheitlichesErhebungsraster(4x2km)mit129Stichprobenpunkten eingerichtet.2025konnten128ErhebungspunkteindieInventureinbezogenwerden.DieserAufnahmeumfangermöglicht repräsentativeAussagenzumWaldzustandaufLandesebene sowieZeitreihenfürdieBaumartenBuche,Eiche,Fichte,Kiefer unddieGruppendersonstigenLaub-undNadelbäume.Das WZE-Kollektiv umfasst 2025 in Schleswig-Holstein 31 Baumarten.DengrößtenAnteilhatmit26%dieBuche,gefolgtvon derGruppedersonstigenLaubbäume(22%).HiersindBirken, Erlen und Ahorne besonders häufig vertreten, gefolgt von Esche, Hainbuche, Roteiche sowie Pappel undWeidenarten. Anteileunter20%habendieFichte(17%),diesonstigenNadelhölzer(15%),indievorallemLärchen,aberauchSitkafichte, DouglasienundverschiedeneTannenfallen,unddieEichemit 14%.KiefernnehmeneinenAnteilvon6%ein. Die Aufnahmen zurWaldzustandserhebung erfolgten im Juli und August 2025. Sie sind mit qualitätssichernden Maßnahmensorgfältigüberprüft.FürdenParametermittlereKronenverlichtungzeigtdieTabelleaufSeite7denStandardfehlerund die95%-Konfidenzintervalle(Vertrauensbereiche)fürdieBaumartenundAltersgruppenderWZE-Stichprobe2025.Jeweiter WZE-Aufnahmeteams bei der Schulung im Juli 2025 Foto: C. Klinck
7 Forstliches Umweltmonitoring derVertrauensbereich,destounschärfersinddieAussagen.Ab einemStandardfehlervon>5werdendieWerteindenGrafiken nichtmehrdargestellt.DieWeitedesVertrauensbereicheswird imWesentlichenbeeinflusstdurchdieAnzahlderStichprobenpunkteinderjeweiligenAuswerteeinheitunddieStreuungder Kronenverlichtungswerte.FürrelativhomogeneAuswerteeinheiten(z.B.Bucheüber60Jahre)mitrelativgeringstreuenden KronenverlichtungensindengeKonfidenzintervalleauchbei einergeringenStichprobenanzahlsehrvielleichterzuerzielen alsfürheterogeneAuswerteeinheiten(z.B.sonstigesNadelholz bis60Jahre),diesowohlinderAltersstrukturalsauchinden KronenverlichtungswerteneinbreitesSpektrumumfassen. Aufnahmeparameter BeiderWaldzustandserhebungerfolgteinevisuelleBeurteilung desKronenzustandesderWaldbäume,dennBäumereagieren aufUmwelteinflüsseu.a.mitÄnderungeninderBelaubungsdichte und der Verzweigungsstruktur. Wichtigstes Merkmal ist die Kronenverlichtung der Waldbäume, deren Grad in 5%-Stufen für jeden Stichprobenbaum erfasst wird. Die KronenverlichtungwirdunabhängigvondenUrsachenbewertet, lediglichmechanischeSchäden(z.B.dasAbbrechenvonKronenteilendurchWind)gehennichtindieBerechnungderErgebnissederWaldzustandserhebungein. Die Kronenverlichtung ist ein unspezifisches Merkmal, aus demnichtunmittelbaraufdieWirkungvoneinzelnenStressfaktoren geschlossen werden kann. Sie ist daher geeignet, eine allgemeine Belastungssituation der Wälder aufzuzeigen. BeiderBewertungderErgebnissestehennichtdieabsoluten Verlichtungswerte im Vordergrund, sondern die mittel- und langfristigen Trends der Kronenentwicklung. Zusätzlich zur KronenverlichtungwerdenweiteresichtbareMerkmaleanden ProbebäumenwiederVergilbungsgradderNadelnundBlätter, dieaktuelleFruchtbildungsowieInsekten-undPilzbefallerfasst. Mittlere Kronenverlichtung DiemittlereKronenverlichtungistderarithmetischeMittelwertderin5%-StufenerhobenenKronenverlichtungswerte derEinzelbäume. Starke Schäden UnterdenstarkenSchädenwerdenBäumemitKronenverlichtungen über 60% (inkl. abgestorbener Bäume) sowie BäumemittlererVerlichtung(30–60%),diezusätzlichVergilbungenüber25%aufweisen,zusammengefasst. Absterberate DieAbsterberateergibtsichausdenBäumen,diezwischen derErhebungimVorjahrundderaktuellenErhebungabgestorbensindundnochamStichprobenpunktstehen,bezogenaufdieimVorjahrnochlebendenBäume.DurchWindwurfundDurchforstungausgefalleneBäumegehennichtin dieAbsterberate,sondernindieAusfallrateein. Ausfallrate DasInventurverfahrenderWZEistdaraufausgelegt,dieaktuelleSituationderWaldbeständeunterrealen(Bewirtschaftungs-)Bedingungenabzubilden.Daherscheidetinjedem Jahr ein Teil der Stichprobenbäume aus dem Aufnahmekollektiv aus.DerAusfallgrundwirdfürjedenStichprobenbaumdokumentiert.GründefürdenAusfallsindu.a.Durchforstungsmaßnahmen, methodische Gründe (z.B., wenn derStichprobenbaumnichtmehrzudenBaumklassen1–3 gehört),SturmschädenoderaußerplanmäßigeNutzungaufgrundvonInsektenschäden. Dort,woandenWZE-PunktenStichprobenbäumeausfallen, werdennachobjektivenVorgabenErsatzbäumeausgewählt. SindaufgrundgroßflächigenAusfallsderStichprobenbäume keine geeigneten Ersatzbäume vorhanden, ruht der WZEPunkt,biseineWiederbewaldungerfolgtist. Die im Bericht aufgeführte Ausfallrate ergibt sich aus den infolgevonSturmschäden,TrockenheitundInsekten-oder PilzbefallamStichprobenpunktentnommenenBäumen.Die AusfallratewirdseitdemAufnahmejahr1996/97ermittelt. Literatur ICP Forests (2020): Manual on methods and criteria for harmonized sampling,assessment,monitoringandanalysisoftheeffectsof airpollutiononforests.UNECE,ICPForests,Hamburg Baumartengruppe Altersgruppe Anzahl Bäume Anzahl Plots Raster Standardfehler 95%- Konfidenz- intervall Buche alleAlter bis60Jahre über60Jahre 796 184 612 73 27 52 4x2km 4x2km 4x2km 1,8 1,9 1,6 18–25 4–11 23–29 Eiche alleAlter bis60Jahre über60Jahre 445 121 324 66 20 51 4x2km 4x2km 4x2km 1,7 2,2 1,9 21–28 9–18 25–32 Fichte alleAlter bis60Jahre über60Jahre 522 142 380 57 17 44 4x2km 4x2km 4x2km 2,3 4,8 2,3 24–33 10–30 27–36 Kiefer alleAlter bis60Jahre über60Jahre 172 19 153 21 4 18 4x2km 4x2km 4x2km 1,2 3,8 1,3 12–17 1–25 12–17 andere Laubbäume alleAlter bis60Jahre über60Jahre 661 333 328 79 36 54 4x2km 4x2km 4x2km 1,7 1,9 2,1 17–23 10–17 23–31 andere Nadelbäume alleAlter bis60Jahre über60Jahre 476 176 300 54 20 37 4x2km 4x2km 4x2km 1,9 2,5 2,4 15–23 10–20 16–26 alle Baumarten alleAlter bis60Jahre über60Jahre 3072 975 2097 128 56 97 4x2km 4x2km 4x2km 0,9 1,4 1,0 20–24 11–16 24–28 Baumanzahl, Plotanzahl, Raster sowie Standardfehler und 95 %-Konfidenzintervall der Kronenverlichtung für alle Baumartenund Altersgruppen der Waldzustandserhebung 2025 in Schleswig-Holstein. Das 95 %-Konfidenzintervall (=Vertrauensbereich) gibt den Bereich an, in dem der wahre Mittelwert mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % liegt. Das berechnete Konfidenzintervall kann jenseits der logischen Parametergrenzwerte (0 bzw. 100) liegen.
8 WZE-Ergebnisse für alle Baumarten Mittlere Kronenverlichtung in % Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Alter in % Anteil starker Schäden BäumemiteinerKronenverlichtungvonüber60%werden alsstarkgeschädigtbezeichnet.ImVergleichzuBäumenmit vollbelaubtenBaumkronenkommtesbeiBäumenmitgeringererBelaubungzuEinschränkungeninderVersorgungder BäumemitWasserundEnergie.DasVermögenderBäume, sich an wechselnde Bedingungen anzupassen, verringert sichdadurch. Nach den erhöhten Anteilen stark geschädigter Bäume in denJahren2019und2020sankendieWertebis2023kontinuierlich.2024stiegderAnteilwiederdeutlichauf3%,im aktuellenJahrsankerleichtauf2,9%. Caroline Klinck und Uwe Paar https://doi.org/10.5281/zenodo.17524589 Mittlere Kronenverlichtung Die über alle Baumarten und Alter gemittelte Kronenverlichtungbeträgt2025inSchleswig-Holstein22%undliegt damitgeringfügigunterdemVorjahreswert.DerRückgang fandinderGruppederälterenBäumestatt,woderWertum 2Prozentpunktevon28%auf26%sank.Beidenjüngeren Bäumengabesmiterneut14%keineVeränderunggegenüberdemVorjahr. Entscheidend für diese Entwicklung ist der Rückgang der KronenverlichtungbeidenälterenBuchen,dieimvergangenenJahrinfolgedersehrstarkenFruktifikationeinehöhere Kronenverlichtungaufwiesen.DervorübergehendeAnstieg derVerlichtungdurchFruktifikationistnichtalsVitalitätsverlustzuwerten. InsgesamtwurdeeineleichteVerbesserungbeiallenLaubbaumartendokumentiert.BeiallenNadelbäumenbisaufdie ältereKiefererhöhtesichdieKronenverlichtungleicht. Alle Baumarten mittlere Kronenverlichtung in % 40 35 30 25 20 15 10 5 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 alle Altersstufen bis 60 Jahre über 60 Jahre 22 26 14 13 11 9 Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Baumarten, alle Alter in % 5 4 3 2 1 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2,9 Foto: J. Evers Foto: J. Evers
9 WZE-Ergebnisse für alle Baumarten Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Alter in % Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Alter in % Anteil an den Vergilbungsstufen, alle Baumarten, alle Alter in % Absterberate Bäume mit einer erstmaligen Kronenverlichtung von 100% gehenindieAbsterberateein.2025starbeninSchleswig-Holsteininsgesamt6Bäumeneuab,wasbeiderGesamtzahlvon 3072angesprochenenBäumeneinemProzentsatzvon0,2% entspricht. Im Mittel der Beobachtungsjahre liegt die Absterberate für alleBaumartenundAlterbei0,23%aufeinemsehrniedrigen Niveau.GeringfügigeAnstiegegabes2025nurbeiEicheund derGruppederanderenLaubhölzer. Ausfallrate IndieAusfallratezählenalleinfolgevonSturmwurf,Trockenheit,InsektenundPilzbefallamStichprobenpunktentnommenenBäume.InSchleswig-HolsteinsindvorallemStürme Fazit Die mittlere Kronenverlichtung für den Gesamtwald in Schleswig-Holstein verringert sich 2025 leicht gegenüber demVorjahr.Vorallembeidenüber60-jährigenBäumengibt esleichteVerbesserungen.SowohldieAbsterberatealsauch derAnteilderalsSchadholzentnommenenBäume(Ausfallrate)sind2025sehrniedrig. DieVergilbunghat2025einenneuenMinimalwerterreicht. füreinenAnstiegderAusfallrateverantwortlich.Diemit5% höchstenAusfälleversursachtedasSturmtief"Xaver"imOktober2013. 2025 fielen 0,49% der Stichprobenbäume aus, was einen Rückgang von ca. einem halben Prozentpunkt gegenüber demVorjahrdarstellt. Vergilbung Vergilbungen von Nadeln oder Blättern sind in SchleswigHolsteinimBeobachtungszeitrauminsgesamtwenigaufgetreten.DerAnteilvonBäumenmitVergilbungenderNadeln bzw.Blättervonüber10%amGesamtkollektivliegtimMittel bei1,7%undmaximalbei5,9%imJahr2007.Seit2008sind durchgehend niedrige Vergilbungswerte ermittelt worden, dienurindenJahren2008und2019über1%lagen.2025 markiertderWert0,07%einneuesMinimuminderZeitreihe. Foto: J. Evers Foto: J. Evers 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0 Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Baumarten, alle Alter in % 0,2 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25 Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Baumarten, alle Alter in % 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25 6 5 4 3 2 1 0 0,49 Anteil an den Vergilbungsstufen, alle Baumarten, alle Alter in % 7 6 5 4 3 2 1 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 0,07 Stufe 1 (11 - 25 % der Nadel-/Blattmasse) Stufe 2 (26 - 60 % der Nadel-/Blattmasse) Stufe 3 (über 60 % der Nadel-/Blattmasse)
16 Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Alter in % Foto: J. Evers Foto: J. Evers Kiefer Mittlere Kronenverlichtung in % Ältere Kiefer FürdieälterenKiefernwurdenindenAnfangsjahrenderWaldzustandserhebungenbisetwa1996sehrniedrigeKronenverlichtungswertevonunter15%dokumentiert.Danachstiegen dieWertekontinuierlichbiszueinemMaximumvon27%im Jahr2004an.Anschließenderfolgtebis2007eineErholungsphase,inderdieKronenverlichtungderälterenKieferauf15% zurückging.SeitdemliegtderWertmitkleinerenAbweichungenaufdiesemNiveau.2025beträgter15%. Jüngere Kiefer DieKronenverlichtungderjüngerenKiefernfolgtdemVerlauf derGruppederälterenKiefernaufeinemetwasniedrigeren Niveau.ImMittelliegendieUnterschiedebei4Prozentpunkten.Zwischen2015und2022gabesimWZE-Kollektivsehr wenigejungeKiefernmitsostarkstreuendenWerten,dassauf eineAuswertungverzichtetwerdenmusste.Seit2023kann derWertwiederangegebenwerden.Erliegt2025bei13%. DerMittelwertüberalleJahreistmit11%etwasniedriger. Starke Schäden Mit0,9%imMittelderZeitreihe1984–2025sinddiestarken SchädenbeiKiefervergleichsweisegering.DerWertfür2025 lagmit0,6%nochdarunterundauchweitunterdemWert füralleBaumarten(2,3%). Kiefer mittlere Kronenverlichtung in % 40 35 30 25 20 15 10 5 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 15 13 13 4 über 60 Jahre bis 60 Jahre 12 10 8 6 4 2 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Alter in % 0,6 Kiefer alle Baumarten
17 Ausfallrate Die Kiefer hat im Vergleich zu anderen Nadelbäumen in Schleswig-Holstein eine relativ geringe Ausfallrate. Für das WZE-Kollektiv beträgt sie im Mittel über alle Jahre 0,59%. NachdemimVorjahrmit2,4%einneuerHöchstwerterreicht wurde,fielen2025mit0,58%deutlichwenigerKiefernaus. DieserAnteilliegtleichtüberdemWertfürdenGesamtwald. Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Alter in % Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Alter in % Absterberate DieAbsterberateder Kieferliegt imMittelderZeitreihebei 0,23%. Im Erhebungszeitraum schwankt sie zwischen 0% undmaximal0,7%imJahr2011.Nachdem2020und2021 keineKiefernabgestorbenwaren,betrugderWert2022und 20230,6%.WieauchimVorjahrstarb2025keineKieferausder WZE-Stichprobeneuab. Kiefer Foto: J. Evers 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0 0 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 Kiefer alle Baumarten Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Alter in % Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Baumarten, alle Alter in % 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 Kiefer alle Baumarten 0,58 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25
18 Andere Laubund Nadelbäume Die Wälder Schleswig-Holsteins werden von einer Vielzahl vonBaumartengeprägt.ImStichprobenkollektivderWaldzustandserhebung2025wurdeninsgesamt30Baumartenerfasst.NebendenHauptbaumartenBuche,Fichte,Eicheund Kiefer kommen in den Wäldern Schleswig-Holsteins Birke, Lärcheundauchz.B.Sitkafichte,BergahornoderDouglasie vor.JedeBaumartfürsichgenommenistinderStichprobe der Waldzustandserhebung allerdings zahlenmäßig so geringvertreten,dassallenfallsTrendaussagenzurKronenentwicklung möglich sind. Bei der Darstellung der Ergebnisse werdensiedaherindenGruppenandereLaubbäumeund andereNadelbäumezusammengefasst. ZudenanderenLaubbäumengehörennebendenhäufiger vorkommendenBaumartenBirke,ErleundBergahornauch z.B.Esche,Hainbuche,Pappel,RoteicheoderWildkirsche.Bei denanderenNadelbäumenhandeltessichvorwiegendum Sitkafichte,EuropäischeundJapanlärchensowieDouglasie, aberauchz.B.umEdel-,Weiß-,Nordmanns-undKüstentanne. Mittlere Kronenverlichtung Die Gruppe der anderen Laubbäume (alle Alter) reagierte 2019 auf die vorangegangenen Witterungsbedingungen miteinerErhöhungderKronenverlichtungauf24%.Dieser WertstelltdasMaximumderinzwischen42-jährigenZeitreihedar.ZwischenzeitlichsankderWertwiederallmählichund erreichte202217%.NachdemAnstiegauf21%imVorjahr sankderWert2025wiederauf20%.Erliegtdamitdeutlich überdemlangjährigenMittelvon15%. Auch die Gruppe der anderen Nadelbäume (alle Alter) reagierteaufdieTrockenheitab2018miteinemAnstiegder mittlerenKronenverlichtung.2020wurdemit22%derzweithöchsteWertseit1984erreicht.NacheinerErholungsphase stiegderWert2025von17%imVorjahrauf19%.Erliegtdamitca.6ProzentpunkteüberdemlangjährigenMittelwert. Starke Schäden DerAnteilstarkerSchädenliegtfürdieGruppederanderen Laubbäume(alleAlter)imErhebungszeitraumimMittelbei 3,3%.MitAusnahmevon2023wurdedieserDurchschnittswertseit2009fortlaufendüberschritten.Auch2025liegter mit4,8%deutlichdarüber. Für die anderen Nadelbäume (alle Alter) gibt es seit 1984 starkeSchwankungenbeimAnteilstarkerSchäden,imMittel sindes1,8%.MaximalagenindenJahren2008und2020mit 7%bzw.12%.2025wurdenmit2,1%etwaswenigerBäume alsstarkgeschädigteingestuftalsimVorjahr. Mittlere Kronenverlichtung in % Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Alter in % Erle Sitkafichte Foto: J. Evers Foto: T. Friedhoff Andere Laubund Nadelbäume mittlere Kronenverlichtung in % 40 35 30 25 20 15 10 5 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 19 20 12 5 andere Laubbäume, alle Altersstufen andere Nadelbäume, alle Altersstufen Anteil starker Schäden (inkl. abgestorbener Bäume), alle Alter in % 8 6 4 2 0 4,8 andere Laubbäume alle Baumarten 12 10 8 6 4 2 0 199519901985 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2,1 andere Nadelbäume alle Baumarten
19 Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Alter in % Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Alter in % Absterberate DieAbsterberatederanderenLaubbäumeliegtinfastallenErhebungsjahrenüberdemWertallerBaumarten.ImJahr2025 sindmit0,61%doppeltsovieleBäumeabgestorbenwieim langjährigenMittel(0,55%). DieAbsterberatederanderenNadelbäumeliegtimZeitraum 1984–2024imMittelbei0,17%.DasdritteJahrinFolgestarb 2025keinBaumausderGruppederanderenNadelhölzerneu ab. Ausfallrate BeidenanderenLaubbäumenwirdseit2014eineAusfallrate festgestellt,die deutlich über dem langjährigen Mittelvon 1,11%liegt.2023lagderWertmit0,59%erstmaligwieder darunter.2024stiegerallerdingswiederan,undauch2025 liegtermit1,4%darüber. DieGruppederanderenNadelbäumewar2014stärkerals alle anderen Baumartengruppen durch Sturmschäden betroffenunderreichtemit19%einabsolutesMaximumder Ausfallrate.AnschließendbliebdieRatemitunter0,5%niedrig.NacheinemvorübergehendenAnstiegauf1,5%imJahr 2023fiel2025keinBaumneuaus. Esche DieEschespieltinSchleswig-Holstein eine besondere Rolle. Sie kommtmiteinemAnteilvon1,7% am Gesamtkollektiv allerdings nichtsehrhäufigvor;inderGruppe der anderen Laubhölzer steht siemit7,6%anvierterStelle.DahersindErgebnissezurEschestatistischnichtbelastbarundsollen hier nur zur Orientierung aufgeführtwerden.DieVitalitätsentwicklungderEschen(alleAlter)hebtsichdeutlichvondenender anderenBaumartenab.Bis2003warendiemittlerenKronenverlichtungenmit3–16%niedrig.Ab2004erfolgteeinAnstieg,der2019einenHöchstwertvon47%erreichte.Inden letztenJahrengingendieWerteleichtzurück.2025liegensie bei41%,und25%derEschensindstarkgeschädigt. DieVerschlechterungderVitalitätderEschefindetsichauch indenAbsterberatenwieder.Seit2011wurdenvergleichsweisehoheRatenvonbiszu8,7%imJahr2019festgestellt. 2024starben2EschenausdemKollektivneuab,waseiner Ratevon3,7%entspricht.DieAusfallrateistwieimVorjahr erhöhtundbeträgt2025mit11%(siehedazuSeite42). Sitkafichte DieSitkafichteistmiteinem Anteilvon31%diehäufigste BaumartinderGruppederanderenNadelbäumeundistim WZE-Gesamtkollektiv mit einem Anteil von ca. 5% vertreten.WiebeiderEschereichtesauchhierdurchdiegeringe BaumzahlnurfüreinengrobenÜberblickundnichtfüreine statistischgesicherteAussage.2020hattendieSchädenbei derSitkafichte(alleAlter)–auchaufgrundvonBefalldurch dieFichtenröhrenlaus–sehrstarkzugenommen.Diemittlere Kronenverlichtunglagbei50%undübertrafdamitallebisherigenWerteimErhebungszeitraum.Seitdemverbesserte sichdieSituationallmählich.AllerdingsstiegdieKronenverlichtung2025wiederleichtumeinenProzentpunktgegenüberdemVorjahranundliegtnunbei29%.WieimVorjahr wurden6%derangesprochenenSitkafichtenauchimaktuellenJahr2025alsstarkgeschädigteingestuft.DieAbsterberateliegtdasvierteJahrinFolgebei0%.AuchdieAusfallrateliegtbei0%,da2025keineSitkafichteausdemKollektiv außerplanmäßigalsSchadholzentnommenwurde. Foto: C. Klinck Andere Laubund Nadelbäume Jährliche Absterberate (stehende Bäume), alle Alter in % 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0 0,61 andere Laubbäume alle Baumarten 1,5 1,0 0,5 0 0 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 andere Nadelbäume alle Baumarten 1,4 Jährliche Ausfallrate (als Schadholz entnommene Bäume), alle Baumarten, alle Alter in % 10 8 6 4 2 0 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 91-92 92-93 93-94 94-95 95-96 96-97 97-98 98-99 99-00 00-01 01-02 02-03 03-04 04-05 05-06 06-07 07-08 08-09 09-10 10-11 11-12 12-13 13-14 14-15 15-16 16-17 17-18 18-19 19-20 84-85 85-86 86-87 87-88 88-89 89-90 90-91 20-21 21-22 22-23 23-24 24-25 andere Laubbäume alle Baumarten andere Nadelbäume alle Baumarten 0
20 Fallbeispiele anderer Laubund Nadelbäume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen Vitalität von Gemeiner Birke, Bergahorn, Europäischer Lärche und Douglasie Caroline Klinck https://doi.org/10.5281/zenodo.17524620 In derWaldzustandserhebung werdendie sogenanntenNebenbaumartenindenGruppenderanderenLaub-undderanderenNadelhölzerzusammengefasst.Immerhäufigerjedoch werdenBaumartendieserbeidenGruppeninWälderneingebracht,umdenAusfallderHauptbaumartenzukompensieren oderumdieBaumartenvielfaltindenBeständenzuerhöhen unddamitdasRisikovonSchädenzuverringern. DieWaldzustandsberichte beschreiben seit Jahren dieVitalitätdieserbeidenBaumartengruppen,ohneausführlicherauf einzelneBaumarteneingehenzukönnen.Hintergrundistdie geringezahlenmäßigeBesetzungindenDatensätzen,sofern dieBundesländereinzelnbetrachtetwerden. ImFolgendenwirdderAnsatzverfolgt,dieDatenderNebenbaumartennachdenbeidenAltersklassengetrenntüberdie vier Trägerländer der NW-FVA Schleswig-Holstein, Niedersachsen,Sachsen-AnhaltundHessenzusammenzufassen,um einenstabilerenDatensatzzuerhalten.FüreinigeBaumarten reichtauchdasnichtaus,umstatistischgesicherteAussagen treffenzukönnen.AußerdemerhöhtsichdurchdasgroßeBezugsgebietdieStandortsvielfalt,dieeinenerheblichenEinfluss aufdieVitalitäthat.DieErgebnissesinddaherstetsvordiesem Hintergrundzubewerten. IndenfolgendenAbbildungensind,getrenntnachdenAltersgruppen ≤60 Jahre und >60 Jahre, die mittleren jährlichen KronenverlichtungenvonBuche,Eiche,BirkeundBergahorn sowie von Kiefer, Fichte, Europäischer Lärche und Douglasie dargestellt.DabeiistjeweilsimunterenDiagrammteildieAnzahl der eingehenden Bäume pro Jahr für die Nebenbaumarten eingefügt und oben die der Hauptbaumarten. VeränderungendieserZahlensindnichtzwingendaufveränderte AnteileimWaldzurückzuführen,sondernkönnenauchdurch ÄnderungenderRasterdichteverursachtsein. FüreineVitalitätsbetrachtung istaußerdemdieAbsterberate vonBedeutung.SiebeziehtsichaufalleAltersstufen. Gemeine Birke Bezogen auf das WZE-Stichprobenraster der vier betrachteten BundesländeristdieGemeineBirke oderSandbirkemiteinemGesamtanteilvon4%aktuelldiehäufigste Baumart neben den vier Hauptbaumarten.DieseltenereMoorbirkewirdhiernichtbetrachtet. DieGemeineBirkekommtinallen betrachteten Bundesländern vor. Als Pionierbaumart erreichen die hieruntersuchtenBirkenseltenAlterüber100Jahre.Vonden jüngerenBirkendesWZE-Kollektivsstehenjeweils35%inNiedersachsen und Schleswig-Holstein, 22% in Sachsen-Anhalt und8%inHessen.BeidenälterenBirkenbefindensich40%in Niedersachsen,28%inSachsen-Anhalt,23%inSchleswig-Holsteinund9%inHessen. DieKronenverlichtungderjüngerenBirkenliegtimMittelbei etwa15%undistdamitimVergleichzudenanderenLaubbaumartenrelativhoch.ImErhebungszeitraumgabesPhasen erhöhterWertewieAnfangder1990erJahre,zwischen2004 und2006sowieab2018,undPhasenmitniedrigenWertenwie 2011–2017.NachdemTrockenjahr2003gabeseinenAnstieg derWerte.2018erhöhtesichdiemittlereKronenverlichtungbereitsimTrockenjahrselbstundindenFolgejahrennochweiter. SieerreichtenimJahr2019einenMaximalwertvonfast40%. ZurBeurteilungderVitalitätmussdaraufhingewiesenwerden, dassdieKronenverlichtungswerteinnerhalbderJahreselten normalverteiltsind.GeradeindenJahrennach2018lagder Median,alsoderWert,dendieHälftederBäumeaufwies,deutlich unter dem Mittelwert. Das bedeutet einerseits, dass die SpannbreitederKronenverlichtungswerteindenJahrensehr großistundesdurchauseinegroßeZahlanBirkengibt,die sehrniedrigeVerlichtungenaufweisen.AndererseitsgibtesgenügendBirkenmithohenundsehrhohenVerlichtungswerten, diedenMittelwertanheben.DieseBirkensindinihrerVitalität geschwächt,wasdurchdierelativhohemittlereAbsterberate bestätigtwird.SostarbenimMittelderBetrachtungsjahremit 0,9% vergleichsweise viele der Birken desWZE-Kollektivs ab (ohneAbb.).EsgabauchinsgesamtnurvierJahre,indenendie Ratebeinulllag.AmhöchstenwarsieimJahr2019,alsfast8% derBirken(49Einzelbäume)abstarben. Bergahorn Die im WZE-Datensatz vorhandenen Bergahorne befinden sich zu ähnlichen Anteilen in allen vier Trägerländern der NW-FVA (unter 60 Jahre: 32% Niedersachsen, 26% Hessen, 24% Schleswig-Holstein, 18% Sachsen-Anhalt; über 60Jahre: jeweils32%Niedersachsenund Sachsen-Anhalt, 30% Schleswig-Holstein, 6% Hessen). Bezüglich der Häufigkeit desVorkommensstehternachBirke,Esche,Erle,undHainbuchean fünfterStelleinderGruppederanderenLaubbäume.Seitetwa 10JahrennimmtderAnteilvonBergahornlangsam,aberkontinuierlichzu.DieHälftederbetrachtetenBergahorneistjünger als50Jahre. Die Altersklasse der jüngeren Bergahorne hat im Mittel sehr niedrigeKronenverlichtungen.Siereagiertenauffälligstarkauf Foto: M. Spielmann Foto: M. Spielmann
21 Fallbeispiele anderer Laubund Nadelbäume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen dieTrockenheit2018,danachsankendieWertejedochwieder bis2021.2022und2023stiegendiemittlerenVerlichtungen wiederaufdasMaximalniveauvon2018. DieälterenBergahorneüber60JahrehabenimMitteldieim VergleichzudenanderenLaubbaumartenniedrigstenVerlichtungswerte.DieWerteschwanktenzwischendenJahrenrelativstarkundstiegen2018deutlichan.Seitdemliegensieauf erhöhtemNiveau. DieAbsterberate(ohneAbbildung)beidenBergahornender WZE-Stichprobe ist gering; sie liegt im Mittel bei 0,1%. Die höchsteAbsterberatewurdeimJahr2023mit1,23%(5Einzelbäume)erreicht.In33der40Betrachtungsjahrestarbenkeine BergahornedesKollektivsab. Europäische Lärche NebenKiefernundFichtensindLärchenimWZE-Kollektivder vierTrägerländerderNW-FVAdiehäufigstenNadelbäume.DabeiistdieEuropäischeLärcheetwashäufigeralsdieJapanische Lärche.InSchleswig-HolsteinüberwiegenJapanischeLärchen, während in Hessen und Niedersachsen mehrheitlich und in Sachsen-AnhaltausschließlichEuropäischeLärchenstehen. DasVorkommenderEuropäischenLärcheninderWZE-Stichprobehateinen SchwerpunktinHessen:50% derjüngeren und48%derälterenEuropäischenLärchenstehenhier.Auf Niedersachsen entfallen 24% der jüngeren und 38% der älteren Lärchen. In SachsenAnhaltstehen22%derjüngerenund8%derälterenBäume undinSchleswig-Holstein4% bzw. 8% der Europäischen LärchenderWZE-Stichprobe. Dieunter60-jährigenEuropäischenLärchenhatteneinemit denanderenNadelbaumarten vergleichbare mittlere jährlicheKronenverlichtung.ErhöhteWertevonetwasüber15% wurdenzuAnfangder1990erJahreundseit2019beobachtet. DiemittlerenJahreswertederKronenverlichtungfürdieälteren EuropäischenLärchenverlaufenaufeinemähnlichenNiveau wiediederKieferunddeutlichunterdemderFichte.Dabei schwankendieWertezwischendenJahrenstärkeralsbeider Kiefer.DaskanneinerseitsaufdendeutlichkleinerenDatensatzzurückzuführenseinoderandererseitsauchdarauf,dass derEinflussdersaisonalenWitterungbeiLärchendurchden jährlichen Nadelabwurf früher und im Folgejahr kaum noch zuerkennenist.SostiegendieWertederKronenverlichtung Foto: T. Friedhoff 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 0 10 20 30 40 50 60 70 Kronenverlichtung bei Buche, Eiche, Bergahorn und Birke (unter 60 Jahre, alle BL) KV [%] o o oo oooo o o ooooooooo ooooo oooooooooo o ooo o o o ooo o o o o o oo oooooooooo oo o oo oo ooooooo o oo ooooo o o Jahresmittelwerte der Kronenverlichtung Bergahorn ≤ 60 Jahre Birke ≤ 60 Jahre Buche ≤ 60 Jahre Eiche ≤ 60 Jahre 103 113 111 47 83 80 131 168 127 141 188 147 158 201 177 177 173 162 161 165 165 167 180 176 175 165 168 178 166 183 194 212 221 218 231 227 254 273 250 246 262 250 790 838 824 338 314 322 736 1054 564 583 1063 581 602 1103 1055 1050 1029 1045 1027 1027 1013 541 522 528 542 513 488 512 465 441 445 431 459 454 438 425 449 464 447 448 445 430 n BAh = n Bi = 1971 2036 2034 746 858 854 1361 2056 903 954 2009 1036 967 2002 1208 1205 1236 1132 1141 1133 1107 1174 1138 1163 1158 989 944 1055 1037 959 961 858 838 865 870 845 844 896 893 895 1095 1062 1002 1062 1047 373 355 399 875 1389 633 642 1395 657 647 1354 957 934 946 892 835 826 798 667 701 672 673 596 607 648 661 654 621 518 517 512 508 499 501 524 526 536 577 582 n Bu = n Ei = o Kronenverlichtung bei Buche, Eiche, Bergahorn und Birke (über 60 Jahre, alle BL) oo oo o oo o o oo o o ooo o o o o o oo o oooo ooo oo o ooooo o oo o oo o o oo o o o ooo oooo o oo ooo o o oo ooooooo o o oo ooo o o o Jahresmittelwerte der Kronenverlichtung Bergahorn > 60 Jahre Birke > 60 Jahre Buche > 60 Jahre Eiche > 60 Jahre 57 67 71 26 26 27 75 89 41 42 85 43 41 95 66 65 71 81 82 82 83 88 87 92 94 84 84 93 115 100 101 107 107 118 117 118 138 136 162 178 186 201 113 148 156 70 79 78 130 199 112 113 202 127 122 258 199 206 230 232 241 249 260 247 255 253 251 246 265 296 326 289 295 302 273 247 254 292 291 285 294 288 299 280 n BAh = n Bi = 6047 6300 6316 3040 3637 2644 3867 6930 3067 3048 7048 3348 3269 7105 4054 4069 5122 4150 4173 4190 4232 4251 4296 4343 4371 4134 4197 4465 4496 4060 4037 4129 4129 4155 4173 4188 4230 4254 4225 4270 4229 4275 2450 2787 2790 1069 1226 841 1731 3131 1200 1204 3189 1439 1411 3336 2421 2433 2627 2482 2525 2551 2562 2617 2622 2655 2663 2518 2542 2721 2756 2230 2251 2284 2227 2215 2179 2292 2337 2315 2325 2374 2406 2412 n Bu = n Ei = 0 10 20 30 40 50 60 70 KV [%] 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Kronenverlichtung bei Birke, Bergahorn, Buche und Eiche für alle Bundesländer unter 60 Jahre über 60 Jahre
22 Fallbeispiele anderer Laubund Nadelbäume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen indenTrockenjahren2018/19starkan,sankenjedochbereits 2020wiederdeutlichabundbliebenseitdemaufeinemleicht erhöhtenNiveau.ImVergleichzuKieferoderDouglasiereagiertendieälterenLärchendamitkurzfristigdeutlichaufdieTrockenjahre,erholtensichaberschnellwieder. DiemittlereAbsterberateüberden40-jährigenBetrachtungszeitraumliegtfürdieEuropäischenLärchenallerAlterbei0,3% (ohneAbb.),wobeiininsgesamt25JahrengarkeinBaumneu abstarb.DiehöchstenWertegabes2019mitknapp7%bzw. 23Einzelbäumen.ZumVergleich:2019lagdieAbsterberatefür FichteüberdievierBundesländermit163Bäumenbei8%. Douglasie Als häufig gewählte Ersatzbaumart für die Fichte spielt die Douglasie innerhalb der Gruppe der anderen Nadelbäume eine bedeutende Rolle. In der WZE-Stichprobe ist sie die zweithäufigste Baumart innerhalb der Gruppe der anderen Nadelbäume.Provenienzenkönnenhiernichtunterschieden werden. Die im WZE-Datensatz vorkommenden jüngeren Douglasien(≤60Jahre)befindensichmit49%zumgrößten TeilinNiedersachsen;30%steheninHessen,18%inSchleswig-Holsteinund3%inSachsen-Anhalt.Vondenüber60-jährigenDouglasienstehen49%inHessen,36%inNiedersachsen,14%Schleswig-Holsteinund1%inSachsen-Anhalt. Die Kronenverlichtungswerte der jüngeren Douglasien sind niedrig und liegen mit Werten um 10% auf dem NiveauderjüngerenFichten und Kiefern. Eindeutige Anstiege sind 2005/2006 und 2018 zu beobachten. Nach 2006 sanken die Werte bis zumJahr2009wiederaufdas Ausgangsniveau, wogegen nach2018bisjetztkeinAbsinkenerkennbarist. DieJahresmittelderKronenverlichtungswertederälterenDouglasienliegen etwa auf dem Niveau dererder Kieferund in einigenJahrenunterdenenvonFichte,KieferundauchEuropäischerLärche.NachdenTrockenjahren2018/19stiegendie Wertelangsam,aberdeutlichbis2021anundsankendanach leichtab.SeitdemliegensieaufleichterhöhtemNiveau,allerdingssehrdeutlichunterdenWertenderFichte. ImMittelderJahreistdieAbsterberatebeiDouglasiemit0,04% sehrgering.ImBetrachtungszeitraumgabesin34Jahrenkeine AbsterbeerscheinungeninnerhalbdesWZE-Kollektivs.Insechs der41JahrestarbniemehralseineDouglasieneuab. Foto: H. J. Arndt Kronenverlichtung bei Douglasie, Europ. Lärche, Fichte und Kiefer (unter 60 Jahre, alle BL) o ooo o o oo oo oo oo ooooooo oooo ooooooooo oooooo o o oo oo oo oo ooooooo ooooooooooooooo ooooo oooo o o o o Jahresmittelwerte der Kronenverlichtung Douglasie ≤ 60 Jahre Eur. Lärche ≤ 60 Jahre Fichte ≤ 60 Jahre Kiefer ≤ 60 Jahre 898 982 965 185 237 232 499 686 232 239 669 238 222 731 430 426 406 403 408 406 414 185 189 191 182 170 170 212 216 185 197 191 200 224 219 221 238 243 233 232 267 258 765 781 769 170 143 126 241 859 234 240 843 250 233 798 312 299 298 296 299 300 300 215 218 239 243 237 235 244 245 230 235 230 225 222 186 172 177 180 181 177 225 174 n Dgl = n ELä = 7196 7358 7236 1741 2721 2611 4546 7345 3154 3096 6966 2917 2337 6576 3502 3504 3430 3327 3312 3218 3147 1763 1776 1629 1569 1464 1378 1404 1330 1201 1091 1021 971 954 916 904 694 536 460 446 514 511 5188 5360 5366 1381 1356 1321 4660 7032 3262 3203 6863 3301 3219 6611 6219 6140 5998 5946 5881 5839 5822 3026 2980 2919 2886 2670 2518 2472 2349 1999 1878 831 775 772 749 695 686 679 668 633 668 666 n Fi = n Ki = o 0 10 20 30 40 50 60 70 KV [%] 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Kronenverlichtung bei Douglasie, Europ. Lärche, Fichte und Kiefer (über 60 Jahre, alle BL) o ooooo oooo o oo o o o o oo ooo oo ooooo ooo oo o ooo oooo oo o ooo o o o o oo oo o oo o o oooooo o o o oooo oo o o oo ooo o o o Jahresmittelwerte der Kronenverlichtung Douglasie > 60 Jahre Eur. Lärche > 60 Jahre Fichte > 60 Jahre Kiefer > 60 Jahre 402 407 363 142 21 19 19 31 29 29 54 51 51 64 39 39 54 54 55 55 55 39 39 39 49 47 49 50 50 64 65 65 65 60 71 75 90 93 111 118 129 140 175 197 209 70 118 80 128 262 95 94 303 119 119 372 180 193 195 201 204 203 202 164 164 161 168 154 159 177 179 150 151 153 158 165 196 203 192 202 206 206 243 295 n Dgl = n ELä = 4206 4333 4380 2055 2726 1979 2437 4449 2171 2155 4532 2337 2284 4580 2278 2270 2322 2304 2343 2440 2396 1708 1750 1575 1624 1556 1601 1680 1712 1595 1672 1753 1740 1779 1644 1451 1280 1243 1054 935 946 940 3209 3484 3478 1978 2369 1584 2449 5040 3015 3051 5308 3479 3517 5654 4667 4756 4876 4898 4975 4994 5041 3614 3789 3804 3865 3889 4039 4150 4199 4274 4454 3012 2991 2937 2913 3016 3251 3292 3215 3252 3251 3232 n Fi = n Ki = o 0 10 20 30 40 50 60 70 KV [%] 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Kronenverlichtung bei Douglasie, Europäischer Lärche, Fichte und Kiefer für alle Bundesländer unter 60 Jahre über 60 Jahre
23 Witterung und Klima Johannes Sutmöller https://doi.org/10.5281/zenodo.17524642 Für eine flächenhafte Aussage für das Land Schleswig-HolsteinwerdendieklimatologischenGrößenNiederschlagund Temperatur anhand der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ausgewertet. Die Messwerte werden mit einem kombinierten Regionalisierungsverfahren (Inverse Distance Weighting, Höhenregression) auf ein einheitliches 50-Meter-Rasterinterpoliert.DieMitteltemperaturwirdinGrad Celsius(°C)unddieAbweichunginKelvin(K,entspricht°C) angegeben.ImWaldzustandsberichtwirddieWitterungdes aktuellenVegetationsjahresbeschrieben.DasVegetationsjahr umfasstdieMonateOktoberdesVorjahresbiseinschließlich SeptemberdesaktuellenJahres.Umdenanthropogenverursachten Erwärmungstrend zu verdeutlichen, werden die Monatsmittelwerte des aktuellenVegetationsjahres mit den langjährigenWertenderinternationalgültigenKlimanormalperiode 1961–1990 verglichen. Neben eigenen AuswertungenwerdendieErgebnisseausdenKlimastatusberichtendes DWDberücksichtigt. DasVegetationsjahr2024/25warimLandesmittelvonSchleswig-Holsteinmit10,2°Cum1,9KwärmeralsdasMittelder Klimanormalperiodeundum0,9KimVergleichzuraktuellen Klimareferenzperiode1991–2020(Tabellerechts).DabeiwarenalleMonatewärmeralsimlangjährigenMittelderKlimanormalperiode.DasKalenderjahr2024(JanuarbisDezember) warmitrund10,8°CdasmitAbstandwärmsteJahrseitBeobachtungsbeginn in Schleswig-Holstein. Die Jahresmitteltemperaturlagum0,3KüberdemRekordwertausdenJahren2020und 2014.ImVegetationsjahr2024/25 fielenrund 730mmNiederschlag.Diessindrund50mmwenigerimVergleichzumlangjährigenMittelundfast400mmNiederschlag wenigeralsimvergangenenJahr.DabeiwurdevonFebruar bisJuninuretwasmehrals60%dersonstüblichenNiederschlagsmengegemessenundnurdieMonateNovemberund JuliwieseneinendeutlichenÜberschussauf. Witterungsverlauf von Oktober 2024 bis September 2025 ZuBeginndesVegetationsjahres2024/25setztesichdieunbeständigeWitterungderVormonatefort.DieersteMonatshälfteimOktoberwardurcheineregeTiefdrucktätigkeitmit häufigen Niederschlägen geprägt. Fast im gesamten Land warendie Böden sehrfeucht.DieBodenfeuchtelag inden oberstenBodenschichtenbis60cmhäufigüber100%nutzbarerFeldkapazität(nFK)unddamitdeutlichüberdenlangjährigenMittelwerten.NachMonatsmittesetztesichstabiles HochdruckwetterdurchundesfielkaumnochNiederschlag. Mit 61mm Niederschlag wurde das Monatssoll um knapp 15% unterschritten. Die Monatsmitteltemperatur betrug 11,1°C.DamitwarderOktober2024um1,6Kwärmeralsim MittelderKlimanormalperiode(Tab.undAbb.rechts).Auchzu Novemberbeginndominierteruhiges,durchHochdruckwetterlagengeprägtesHerbstwetter.InderzweitenMonatshälfte lebtedieTiefdrucktätigkeitaufundmehrereSturmtiefsbrachten dem gesamten Land ergiebige Niederschläge. Im Nordseeumfeldfielverbreitetmehrals150%derüblichenNiederschlagsmenge.ImLandesmittelfielen103mmNiederschlag. Diessindrund25%mehralsim30-jährigenMittelderPeriode 1961–1990.ImNovembersetztesichdiemildeWitterungfort. MiteinerMonatsmitteltemperaturvon6,3°CwarderMonat 1,2Kwärmeralsnormal.DieoberstenBodenschichtenwiesen Abweichungen von Niederschlag und Temperatur vom Mittel der Klimareferenzperiode 1961–1990 (durchgezogene schwarze Linie) in SchleswigHolstein, Monatswerte für das Vegetationsjahr 2024/2025 (Oktober 2024– September 2025). Abweichungen von Niederschlag und Temperatur 2024/25 Daten des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach Temperaturmittelwerte und Niederschlagssummen für das Vegetationsjahr 2024/2025 (Oktober 2024–September 2025) sowie die langjährigen Mittelwerte der Referenzperioden 1961–1990 und 1991–2020 zukalt*-5K-3K-1K+1K+3K+5Kzuwarm* zunass*175%150%125%75%50%25%zutrocken* * Abweichung zur Periode 1961-1990 Temperatur (°C) Niederschlag (mm) 2024/25 1961– 1990 1991– 2020 2024/25 1961– 1990 1991– 2020 Oktober 11,1 9,5 9,9 61 73 75 November 6,3 5,1 5,7 103 82 70 Dezember 5,2 1,9 2,9 63 74 77 Januar 2,7 0,3 1,9 69 63 71 Februar 2,1 0,7 2,1 941 55 März 5,7 3,2 4,3 852 53 April 9,8 6,6 8,2 25 48 39 Nichtvegetationszeit 6,1 3,9 5,0 338 433 440 Mai 12,4 11,5 12,2 55 53 54 Juni 16,4 15,0 15,4 71 68 73 Juli 18,3 16,3 17,7 142 80 84 August 17,4 16,2 17,6 53 74 84 September 15,2 13,3 14,2 69 74 72 Vegetationszeit 15,9 14,5 15,4 390 349 367 Vegetationsjahr 10,2 8,3 9,3 728 782 807 5 3 1 -1 250 200 150 100 50 0 Okt. Temperatur (K) Niederschlag (%) Nov. Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep.
24 Witterung und Klima weiterhinhoheBodenfeuchtewertevonüber100%nFKauf. DerDezemberwarsehrmild,trockenundinfolgehäufigerInversionswetterlagenüberwiegendtrüb.DieMitteltemperatur von5,2°Clagum3,3KüberdemlangjährigenMittelwertder Klimanormalperiode.DasNiederschlagssollwurdelandesweit umrund15%unterschritten.DieNiederschlagshöhebetrug 63mm.InfolgedesgeringenVerdunstungsanspruchsderVegetationwarenauchimDezemberdieBödenbis60cmTiefe überdurchschnittlichmitWassergefüllt. DerJanuar2025warnassundmild.Dabeifielindenwestlichen LandesteilenüberdurchschnittlichvielNiederschlag,während imSüdostendaslangjährigeSollregionalnichterreichtwurde. DieNiederschlagsmengevon69mmimLandesmittellagum 10%überdemWertderKlimanormalperiode.MiteinerMonatsmitteltemperaturvon2,7°CwarderJanuarum2,5KwärmeralsimDurchschnittderPeriode1961–1990.ImFebruar stelltesichdieWetterlagenachhaltigum.HäufigerHochdruckeinflussführtedazu,dassmit9mmNiederschlagnurrund20% derüblichenMengegemessenwurde.Besonderstrockenwar esmiteinemNiederschlagsdefizitvonbiszu90%indenmittlerenundsüdlichenLandesteilen(nur3mmNiederschlagin Wedel).ImLaufedesMonatstrocknetendieOberbödenetwas ab,sodassdieBödenleichtunterdurchschnittlicheWassergehalte aufwiesen. Die Monatsmitteltemperatur betrug 2,1°C. SomitwarderFebruar20251,4KwärmeralsimMittelderKlimanormalperiodeundentsprachderMonatsmitteltemperatur deraktuellenReferenzperiode1991–2020.AuchderMärzwar extremtrocken,überdurchschnittlichwarmundsehrsonnenscheinreich.StabileHochdruckwetterlagenführtendazu,dass eszuausgeprägtenTagesgängenbeiderTemperaturkamund derMonatmiteinerMitteltemperaturvon5,7°Cum2,5Kim Landesmittel zu warm war. Die Niederschlagshöhe erreichte mit8mmnurrund15%deslangjährigenKlimamittels.BesondersindenwestlichenundsüdöstlichenLandesteilenwurde aneinigenStationensogutwiekeinNiederschlaggemessen (z.B.3mminOldenburginHolstein).Infolgederzunehmenden Verdunstungsraten und geringen Niederschläge nahm dieBodenfeuchteindenobersten60cmdeutlichabundlag vielfach unter den langjährigenWerten. Die trockeneWitterung setzte sich mit kurzen Unterbrechungen im April fort. Im Gebietsmittel von Schleswig-Holstein fielen 25mm Niederschlag.Diesentsprichtrund50%derlangjährigenNiederschlagssumme.DabeigabesregionalgroßeUnterschiedein derNiederschlagshöhe.WährendimNordwestenundimOstendesLandesteilweisenur10mmNiederschlaggemessen wurde,führtenintensiveNiederschlägeam23./24.Aprildazu, dass im äußersten Süden und Südwesten mit rund 60mm NiederschlagdasMonatssollübertroffenwurde.InweitenTeilendesLandesnahmdieBodenfeuchteimOberbodenweiterabundlagdeutlichunterdendurchschnittlichenWerten. DerAprilwarnichtnurtrocken,sondernauchwarmundsehr sonnig.DieMonatsmitteltemperaturvon9,8°Cbedeuteteine positiveAnomalievon3,2K.AuchderMaipräsentiertesich trocken und sehr sonnenscheinreich. Aufgrund häufiger AnströmungvonkühlenLuftmassenausnördlichenRichtungen warerjedochnurum0,9KwärmeralsimMittelderKlimanormalperiode.DieMonatsmitteltemperaturvon12,4°Centsprach annähernd der langjährigen Temperatur der aktuellen Referenzperiode1991–2020,wobeiesindensüdöstlichenLandesteilenetwaskühlerwaralsnormal.GeringerLuftfrostum-1°C wurdenurnochzuBeginndesMonatsaneinigenStationen beobachtet.DietrockeneWitterungdervergangenenMonate setztesichindenmeistenRegionenfort.ImFlächenmittelvon Schleswig-Holsteinfielen55mmNiederschlag.Diesentspricht demlangjährigenMittelwert.Indenöstlichenundsüdlichen Landesteilen wurde ein Defizit von bis zu 30% beobachtet, währendimNordseeumfeldundTeilenderMittediemittlere Niederschlagshöhedeutlichübertroffenwurde.InfolgederanhaltendenTrockenheitimSüdenundOstenlagendieWassergehalteimOberbodenteilweiseumbiszu30%unterdenfür MaiüblichenWerten.DerJuniwarimSüdostenundNordosten vonSchleswig-HolsteinderfünftezutrockeneMonatinFolge. ImLandesmittelfieljedochmit71mmrund100%derlangjährigenNiederschlagsmenge.TypischfüreinenSommermonat wardieungleicheVerteilungderNiederschlägeimLand.InfolgevonStarkregenereignissenwurdeineinemStreifenvon derNordseebisnachKieldasNiederschlagssolldeutlichübertroffen (106mm, Itzehoe), während im nordwestlichen und südöstlichenSchleswig-HolsteineinNiederschlagsdefizitvon biszu30%gemessenwurde.AuchdieBödenwarenindiesen Foto: C. Klinck
25 1500 1000 500 0 mm Okt. Okt.Nov. Dez. Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Bandbreite (1948-2024), Erläuterung siehe Text rechts über dem Mittel unter dem Mittel Mittel 1961-1990 2025 Witterung und Klima Teilendes Landesdeutlich trockenerals üblich.DieMonatsmitteltemperaturbetrug16,4°C.DerJuniwarimFlächenmittel 1,4K wärmer als im Mittel der Klimanormalperiode.DerJuli starteteheiß.InGrambeckstiegdasThermometeram2.Juli auf 37,6°C. Die Monatsmitteltemperatur mit 18,3°C lag um 2,0KüberdemWertderKlimanormalperiode.Dabeiwardie Temperaturabweichung im Nordwesten von Schleswig-HolsteindeutlichgrößeralsindensüdlichenLandesteilen.ImJuli wurdedasNiederschlagssolllandesweitdeutlichübertroffen. Besondersinden Regionenin derLandesmittefielteilweise mehr als das Doppelte der üblichen Niederschlagsmenge. DieNiederschlagshöhelagimFlächenmittelbei142mm.An derStationWittenbornbeiBadSegebergbetrugdieMonatssumme185mm.WährendinderMittedesLandesdieBodenwasserspeicher in den obersten 60cm überdurchschnittlich gefülltwaren,erreichtedasBodenwasserdefizitindenübrigen Gebietenbiszu30%imVergleichzudenlangjährigenWassergehalten. Der August startete mit einer dreiwöchigenTrockenperiode und erst am Monatsende führte Tiefdruckeinfluss zu einer vermehrten Niederschlagsaktivität. Mit 53mm im Gebietsmittel blieb es um knapp30%trockeneralsüblich.DersonnigeundtrockeneMonatwarmit17,4°Cum 1,2KwärmeralsimlangjährigenMittelder Klimanormalperiode. Um die Monatsmitte tratennochmalsindiesemSommerHöchsttemperaturenvonmehrals30°Cauf.Zum Abschluss des Vegetationsjahres 2024/25 folgteeinwarmerundsonnenscheinreicher September. Die Monatsmitteltemperatur betrug15,2°Cundlagdamitum1,9Küber dem langjährigen Mittel. Im Flächenmittel von Schleswig-Holstein fielen 69mm Niederschlagunddamitetwaswenigeralsdas Niederschlagssoll. InderAbbildunglinksistderaufsummierteNiederschlagander DWD-Klimastation Schleswig für dasVegetationsjahr 2024/25 imVergleichzudenJahren1947/48(Messbeginn)bis2023/24 dargestellt. In der Zeitreihe wurden teilweise Lücken gefüllt, sodassimgesamtenMesszeitraumnurwenigeJahreaufgrund vonDatenausfallunberücksichtigtblieben.DieBandbreitewird durchdasimBeobachtungszeitraumtrockensteJahr(1995/96) unddasbisherniederschlagreichsteJahr(2023/24)aufgespannt. VonOktober2024bisAnfangFebruar2025schwanktendieaufsummiertenNiederschlägeanderDWD-KlimastationSchleswig um den langjährigen Durchschnitt der Klimanormalperiode 1961–1990.VonFebruarbisEndeJunifielenanderMessstation nur rund 180mm Niederschlag statt der üblichen 300mm. ZumEndederfünfmonatigenTrockenperiodebetrugdasNiederschlagsdefizit mehr als 100mm. Nachfolgend setzten im JulivermehrtNiederschlägeein,sodassdasDefizitnahezuabgebautwurde.DaimAugustundSeptemberwenigerNiederschlaggemessenwurdealsimlangjährigenMittel,erhöhtesich dasNiederschlagsdefizitbiszumEndedesVegetationsjahresauf 85mm. Temperatur und Niederschlag im langjährigen Verlauf ObwohldasaktuelleVegetationsjahr0,5Kkühlerwaralsdas sehrwarmeVegetationsjahr2023/24,setztsichderlangfristige Erwärmungstrend unvermindert fort. Nach dem gleitenden Mittel der letzten 30 Jahre beträgt dieTemperaturzunahme 1,2K(Abb.unten).SeitAprildiesesJahresverwendetderDWD ein neues Verfahren zur Trendlinienberechnung. Das sogenannteLOESS-Verfahren(Locallyestimated/weightedScatterplotSmoothing)bildetdenbeschleunigtenTemperaturanstieg derletztenJahrerealitätsnaherabalsreinlineareBerechnungsmethoden. Dabei werden die Jahresmitteltemperaturen der Abweichungen von Niederschlag und Temperatur 1961–2025 Daten des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach Daten des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach Abweichungen von Niederschlag (oben) und Temperatur (unten) vom Mittel der Klimaperiode 1961–1990 (durchgezogene schwarze Linie) und gleitendes Mittel der letzten 30 Jahre ( gepunktete graue Linie) in Schleswig-Holstein, Jahreswerte für das Vegetationsjahr (Oktober bis September) Akkumulierter Niederschlag im Vegetationsjahr an der Klimastation Schleswig 1200 1100 1000 900 800 700 600 500 11 10 9 8 7 6 Abweichungen von Niederschlag und Temperatur vom Mittel der Klimareferenzperiode 1961–1990 und gleitendes 30-jähriges Mittel in Schleswig-Holstein, Jahreswerte für das Vegetationsjahr (Oktober–September) 1995199019851965 1970 1975 1980 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Daten des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach Mittel der Klimareferenzperiode 1961–1990 gleitendes 30-jähriges Mittel Temperatur (°C) Niederschlag (mm)
32 Atmosphärische Stoffeinträge bis 2024 Birte Scheler https://doi.org/10.5281/zenodo.17524667 Nähr-undSchadstoffewerdensowohlingelösterFormmit demNiederschlagalsauchgas-undpartikelförmiginWälder eingetragen. Aufgrund ihrer großen Kronenoberflächen filternBäumegroßeMengenanSchadstoffenund(Fein-)Stäuben aus der Luft (Immissionsschutzfunktion). Daher ist der atmosphärischeStoffeintraginWäldernhöherals beiallen anderen Landnutzungsformen. Diese Einträge stellen aber fürdasÖkosystemWaldeineBelastungdar,dahoheEinträge vonSäureundStickstoff(Nitratund Ammonium)daschemischeBodenmilieudurchVersauerungundEutrophierung verändern.Seit1989wirdinSchleswig-HolsteinimRahmen desIntensivenForstlichenUmweltmonitoringsderStoffeintragineinenBuchenbestandbeiBornhövederfasst.Zielist einerseitsdieQuantifizierungderatmosphärischenStoffeinträge,insbesonderedervonSchwefel,StickstoffundSäure. Andererseits ermöglicht das umfassende MonitoringprogrammdieUntersuchungderFolgenundRisikenfürWälder, WaldbödenundangrenzendeÖkosysteme,diemiterhöhten Stoffeinträgen,aberauchmitdemKlimawandelverbundenenseinkönnen. Der Bestandesmessfläche (Kronentraufe) ist eine Freifläche (Freilandniederschlag) zugeordnet. Zusätzlich wird zur ErfassungdesgesamtenBestandesniederschlagsderStammablaufgemessenundanalysiert,derinBuchenbeständenim VergleichzuanderenBaumartenquantitativbedeutsamist. Mittels eines Kronenraumbilanzmodells (Ulrich, 1994) werdenausdengemessenenStoffflüssenimBestandundFreilandGesamtdepositionsratenberechnet. Niederschlag Das Kalenderjahr 2024 war niederschlagsreich. Im Freiland fielen891mmundimBestand inkl.Stammablauf697mm Niederschlag.ImVergleichzum10-jährigenMittelderJahre 2014–2023wurdedamitimFreiland115mmundimBestand 91mmmehrNiederschlagregistriert. RelativgesehenfielensowohlimFreilandalsauchimBestand 115%des10-jährigenNiederschlagsmittels(2014–2023). Foto: J. Evers Foto: J. Evers
33 Atmosphärische Stoffeinträge bis 2024 Schwefeleintrag DurchdiekonsequenteUmsetzungvonMaßnahmenzurLuftreinhaltungwieRauchgasentschwefelungsowiedieEinführungschwefelarmerbzw.schwefelfreierKraft-undBrennstoffe wurden die Schwefeldioxidemissionen in den letzten Jahrzehnten wirksam reduziert. Durch dieses Maßnahmenpaket sinddieehemalssehrhohenSchwefeleinträgeindieWaldökosystemenurnochsehrgering.ImFreilandliegtderEintrag seit 2015 mit jährlichen Schwankungen auf einem ähnlich niedrigen Niveau, im Bestand wurde in den letzten 10JahrenweiterhineinsignifikanterRückgangdesSulfatschwefeleintragsbeobachtet. 2024betrugerimFreiland2,3kgundunterBuche2,9kgje Hektar.VonderSchwefelgesamtdepositionunterBuchewarenaufgrundderNähezumMeer1,6kgproHektarbzw.55% seesalzbürtig,d.h.natürlichenUrsprungs. Stickstoffeintrag StickstoffwirdalsNitrat(oxidierteForm:Kfz-Verkehr,Verbrennungsprozesse)undalsAmmonium(reduzierteForm:landwirtschaftliche Quellen) in das Ökosystem eingetragen. Im FreilandlagderAmmoniumanteilamanorganischenStickstoffeitragimMittelderJahre2015–2024bei59%undmit derGesamtdepositionbei56%. DurchdieUmsetzungverschiedenerMaßnahmenzurReduktionderStickstoffemissionenhabendieanorganischenStickstoffeinträgeinBornhövedseitUntersuchungsbeginndeutlichabgenommen.DiesignifikanteAbnahmevonNitrat-und Ammoniumstickstoffhatsichindenvergangenen10Jahren durchgezogene Linie: signifikante Abnahme Sulfatschwefeleintrag (SO4-S inkl. seesalzbürtigem Anteil) im Freiland und im Bestand in kg je Hektar und Jahr Sulfatschwefeleintrag (SO4-S inkl. seesalzbürtigem Anteil) im Freiland und im Bestand in kg je Hektar und Jahr 20001990 1995 2005 2010 2015 2020 Bornhöved, Buche 30 20 10 0 Freiland Gesamtdeposition im Bestand Foto: J. Evers Foto: J. Evers
34 Atmosphärische Stoffeinträge bis 2024 von2015–2024sowohlmitderGesamtdepositionunterBuchenalsauchimFreilandfortgesetzt.2024betrugderNitratstickstoffeintragjeHektarimFreiland2,6kgund5,1kgunter Buche (Gesamtdeposition), der Ammoniumeintrag belief sichauf3,5kgimFreilandund5,7kgunterBuche(Gesamtdeposition). TrotzderbeobachtetenAbnahmesinddieanthropogenbedingten atmosphärischen anorganischen Stickstoffeinträge unter Buche mit 13,0kg je Hektar und Jahr (Mittel 2020– 2024)immernochauferhöhtemNiveau.Siesolltenjedochin einerGrößenordnungliegen,diedurchdieinternenRegulationsmechanismenderÖkosysteme(Pflanzenaufnahmeund Speicherung)kompensiert werdekann.Beieiner langfristigen Überschreitung der Belastungsgrenzen können nach dembisherigenKenntnisstandschädigendeEffektefürdas ÖkosystemWaldundangrenzendeÖkosystemewieOberflächen-undGrundwasserkörpernichtausgeschlossenwerden. Gesamtsäureeintrag DerGesamtsäureeintragberechnetsichalsSummederGesamtdeposition von Nitrat, Ammonium, Sulfat und Chlorid (jeweilsnichtseesalzbürtigeAnteile,Gaugeretal.2002). 2024 betrug er im Freiland 0,5kmolc und unter Buche 0,9kmolcjeHektar. Foto: J. Evers durchgezogene Linie: signifikante Abnahme Stickstoffeintrag (NH4-N + NO3-N) im Freiland und im Bestand in kg je Hektar und Jahr Stickstoffeintrag (NH4-N + NO3-N) im Freiland und im Bestand in kg je Hektar und Jahr 20001990 1995 2005 2010 2015 2020 Bornhöved, Buche 60 40 20 0 Freiland Gesamtdeposition im Bestand
35 EinTeildesSäureeintragswirddurchdieebenfallsmitdem NiederschlageingetragenenBasengepuffert.Berücksichtigt man diese Pufferleistung und zieht die nicht seesalzbürtigenAnteilederBasenCalcium,MagnesiumundKaliumvom Gesamtsäureeintragab,erhältmandenökosystemarbedeutsamenNetto-Gesamtsäureeintrag(Gaugeretal.2002). AufderFlächeBornhövedwurdenimMittelderJahre2020– 202415%derGesamtsäureeinträgedurchnichtseesalzbürtigeeingetrageneBasengepuffert. ObwohldieGesamtsäureeinträgedeutlichzurückgegangen sind (vgl. Abb. unten), zeigen vieleWaldstandorte erhöhte Konzentrationen von basischen und/oder sauren Kationen imSickerwasser.DiesesgiltinsbesonderefürStandorte,diein derVergangenheithohenSchwefeldepositionenausgesetzt waren. Auf entsprechenden Standorten werden nach wie vor standortsangepasste Bodenschutzkalkungen erforderlichsein,umdasNährstoffangebotunddieFilterfunktionder Waldbödenlangfristigzuerhaltenundzustabilisieren. anthropogen: durch menschliche Aktivitäten verursacht Deposition: Ablagerung von Stoffen Eutrophierung: Nährstoffanreicherung kmolc: Kilomol charge, Menge an Ladungsäquivalenten. Sie berechnet sich wie folgt: Elementkonzentration multipliziert mit der Wertigkeit des Moleküls (= Ladungsäquivalente pro Molekül), dividiert durch das Molekulargewicht. Multipliziert mit der Niederschlagsmenge ergibt sich die Fracht an Ladungsäquivalenten in kmolc je Hektar. Literatur Gauger,T.;Anshelm,F.;Schuster,H.;Draaijers,G.P.J.;Bleeker,A.;Erisman, J.W.;Vermeulen,A.T.&Nagel,H.-D.(2002):Kartierungökosystembezogener Langzeittrends atmosphärischer Stoffeinträge und Luftschadstoffkonzentrationen in Deutschland und deren VergleichmitCriticalLoadsundCriticalLevels.Forschungsvorhaben imAuftragdesBMU/UBA,FE-Nr.29942210,InstitutfürNavigation,Univ.Stuttgart.207S. Ulrich,B.(1994):NutrientandAcid-BaseBudgetofCentralEuropeanForestEcosystems.In:Godbold,D.u.Hüttermann,A.:EffectsofAcid RainonForestProcesses.Wiley-Liss.NewYork.S.1-50. Foto: J. Evers Atmosphärische Stoffeinträge bis 2024 Gesamtsäureeintrag im Freiland und im Bestand in kmolc je Hektar und Jahr durchgezogene Linie: signifikante Abnahme Gesamtsäureeintrag im Freiland und im Bestand in kmolc je Hektar und Jahr 20001990 1995 2005 2010 2015 2020 Bornhöved, Buche 6 4 2 0 Freiland Gesamtdeposition im Bestand Level II-Fläche Bornhöved Foto: P. Gawehn
36 Naturschutzwerte, Verbreitung und Bewirtschaftung historischer Hutewälder in Schleswig-Holstein Dario Wolbeck, Marcus Schmidt und Andreas Mölder https://doi.org/10.5281/zenodo.17524693 DiegroßeBedeutunghistorischerWaldnutzungsformenfür denWaldnaturschutzwirdzunehmenderkannt.Nebender Nieder-undMittelwaldwirtschaft(Mölderu.Schmidt2023) zählt insbesondere die Waldweide zu den traditionellen Waldnutzungen, die über Jahrhunderte bis Jahrtausende hinwegdasErscheinungsbilddermitteleuropäischenWaldlandschaften maßgeblich geprägt haben.Waldbereiche, in denen die durch Waldweide entstandenen Strukturen bis heuteerhaltengebliebensind,werdenalshistorischeHutewälderbezeichnet(Wolbecketal.2025).Diesezeichnensich durcheinebesondereVielfaltvonArtenaus,dieaneinenhohenStrukturreichtumlichterWaldstrukturenundeinelange Habitatkontinuität gebunden sind (Kratochwil u. Aßmann 1996,Assmannu.Falke1997,Plieningeretal.2015,L ő rinczet al.2024).HäufigfindensichindiesenBeständenkulturhistorische Relikte der früheren Nutzung, wie etwa Grenzsteine vonHutebezirkenoderBäumemitcharakteristischenSchneitelformen(Jørgensenu.Quelch2014). VondiesereinstinDeutschlandundEuropaweitverbreitetenNutzungsform(Seidensticker1896,Bergmeieretal.2010) sindheutenurnochkleinflächigeResteerhalten(Glaseru. Hauke 2004). Nach unseren Hochrechnungen im Rahmen einesvonderDeutschenBundesstiftungUmweltgefördertenProjekts(Nr.38031/01)beläuftsichderaktuelleBestand historischerHutewälderbundesweitaufetwa10.000Hektar. Dasentsprichtlediglich0,1%derdeutschenWaldfläche.DamitistdieserBiotoptypwesentlichselteneralsanderehistorischeWaldnutzungsformenwieNiederwälder(32.500ha)und Mittelwälder(46.000ha)(Mölderu.Schmidt2023).DieverbliebenenBeständewerdenheuteinderRegelnichtmehr beweidetundeineaufdenErhaltderspezifischenSchutzgüterausgerichtetePflegefindetnurnochinAusnahmefällen statt–unddies,obwohlderBiotoptypHutewaldinderRoten ListederBiotoptypenDeutschlandsals„akutvonvollständigerVernichtungbedroht“eingestuftwird(Fincketal.2017). DennochgibtesguteGründe,optimistischindieZukunftzu blicken. So entstehenvermehrt lokaleBeweidungsprojekte inhistorischenHutewaldbeständen,dieexemplarischaufzeigen, wieWaldweide unter heutigen Rahmenbedingungen erfolgreichzumintegrativenWaldnaturschutzbeiträgt(Sonnenburgu.Gerken2004,Menke2012,Thiery2021,Tielkeset al.2025).ZudembetonenKonzeptevonBundundLändern, wie etwa die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030oderdasNiedersächsischeLandschaftsprogramm,die NotwendigkeitderWiederentwicklungvonWaldweidekonzeptenundeines angepasstenSchutzeshistorischer Hutewälder,umdereneinzigartigeBiodiversitätundkulturhistorischeBedeutungzubewahren(z.B.BMUV2024,MU2021, WBWu.WBBGR2020). Biodiversität HutewäldervereinenStrukturenhalboffenerundbewaldeter LebensräumeundbesitzendaherdasArteninventarbeider Habitate,ergänztumSpezialistenlichtreicherWaldstandorte (Vosselu.Assmann1995,Assmannu.Falke1997,L ő rinczet al.2024).CharakteristischfürhistorischeHutewäldersindinsbesondereeinhoherAnteilanAlt-undTotholzsowieeine außergewöhnliche Vielfalt an Baummikrohabitaten (Ranius u.Jansson2000,Broughtonetal.2022).DavieledieserWäldernachweislichseitderfrühenNeuzeitbestehen,sindihre Habitatstrukturen seit mehreren Jahrhunderten kontinuierlichvorhanden.DieselangfristigeHabitatkontinuitätistvon großer Bedeutung für spezialisierte, häufig ausbreitungsschwacheArten–insbesondereHolzkäfer,PilzeundFlechten –undgiltalskaumodergarnichtregenerierbar(Jørgensen u.Quelch2014). AuchohneWeidenutzunghabenvielehistorischeHutewälderdurchBeweidungentstandeneHabitatmerkmale,StrukturenundArtenbisheute bewahrt. Diese sind jedochzunehmenddurchdienatürlicheSukzessionschattentoleranter Baumarten,insbesonderederRotbucheundderHainbuche, gefährdet. Die damit einhergehendeVereinheitlichung der LichtverhältnisseundzunehmendeBeschattungführeninsbesondere zum Verlust lichtbedürftiger Arten, die auf besonnteHabitatstrukturenangewiesensind(Heinecke2000, Schaffrath2001,Kaiser2008).InderKrautschichtverschwindenzunächstkonkurrenzschwache,späterlichtliebendeArten(Toppetal.2018). Nur durch eine fortgesetzte oder wiederaufgenommene BeweidunglässtsichdieHabitatkontinuitäthistorischerHutewälder nachhaltig bewahren. Darüber hinaus schafft das WeideviehzusätzlichewertvolleStrukturenwieRohbodenstellen,dieetwafürWildbienenbedeutendsind,oderliefert Dung, der spezialisierten Käferarten als Lebensgrundlage dient(Jedicke2015,Buseetal.2022).AuchMikrohabitatean BäumenentstehenunterdemEinflussderWeidetiereinverstärktemMaße. Frühlingsaspekt im mit Rindern beweideten historischen Hutewald Lange Bahn im Bramwald, Südniedersachsen Foto: D. Wolbeck
37 Naturschutzwerte, Verbreitung und Bewirtschaftung historischer Hutewälder in Schleswig-Holstein Hutewaldwirtschaft historisch WaldweideundWaldmastzählenzudenältestenWaldnutzungsformen Mitteleuropas. Seit der Sesshaftwerdung des Menschen und der EntwicklungderViehhaltungin Mitteleuropavoretwa6000JahrenwurdederWaldalsWeidefläche genutzt(Bergmeieretal.2010,Ptákováetal.2021).DieWaldweidewarfestindenjahreszeitlichenZyklusderViehhaltung integriertundspielteeinezentraleRollefürdieSicherungder LebensgrundlagenderBevölkerung.Wiesenwarenbiszum Endedes19.JahrhundertsfastausschließlichfürdieHeugewinnungzurWinterfütterungreserviert(Berthold2023),währenddasViehindenSommermonatenzurWeideindenWald getriebenwurde(Burckhardt1864,Vowinkel1998,Frankeet al.2002). DerErhaltderWaldbeständewardabeivongroßerBedeutung,dasienebenGrünfutterauchzahlreicheweitereRessourcenzurVerfügungstellten.DazugehörtenetwaEicheln undBucheneckernfürdieSchweinemast,Brenn-undBauholz, Gerberrinde, Heilpflanzen und Früchte (Burckhardt 1879,Oppermann 2014).DieWaldweidestelltedamit eine differenzierte Wirtschaftsform dar, die spätestens seit dem MittelalterunterzunehmenderstaatlicherKontrollestand.In HutereglementswurdedieNutzungformalgeregelt,umdie nachhaltigeBewirtschaftungdesWaldesunddieSicherung seinervielfältigenErträgezugewährleisten(Grebe1861,Hesmeru.Schroeder1963). Mancherortskamesabdem17.Jahrhundertinsbesondere aufgrund von Bevölkerungswachstum zu einer ÜberbeanspruchungderWälderauchdurchdieViehweide,derenAblösung die moderne Forstwirtschaft ab dem ausgehenden 18.Jahrhundertanstrebte(Mölderu.Schmidt2024).Darüber hinausmachtenFortschritteinderLandwirtschaftdieHutewaldwirtschaft im 19. Jahrhundert zunehmend unattraktiv, undderwirtschaftlicheFokusimWaldverlagertesichinsgesamtaufBauholzalsHauptnutzung(Burckhardt1879,Huss etal.2017).DieseEntwicklungenführtenimspäten19.und frühen20.JahrhundertzurweitgehendenAufgabederWaldweide und letztlich zum Verlust wertvoller Lebensräume (Meyeretal.2018). Merkmale historischer Hutewälder EinereglementierteWaldweideführtzurEntwicklungeines heterogenen, lichtenWaldbestandes mit einer dichten, artenreichen Krautschicht mit zahlreichen Elementen der Magerrasen und Heiden (Hüppe 1997). Markante Baumformen rühren vom Einfluss großerWeidetiere her (Pott u. Hüppe1991)undlassensichinvielenaufgegebenenfrüherenWaldweidennochheuteerkennen.BeiWaldbeweidung überlebt durch selektiven Verbiss nur ein Teil der Gehölzverjüngung.DiezurückbleibendenBäumewachsenkrumm aufundentwickelnbereitsinjungenJahrenMikrohabitate (Raniusu.Jansson2000).BesondersdieEicheprofitiertvom VerbissschattentoleranterKonkurrenzarten–historischwar sie zudem von zentraler Bedeutung für die Schweinemast (Burckhardt 1879, Seidensticker 1896). Infolgedessen sind vielehistorischeHutewälderbisheutedurchmarkante,dickstämmigeundkrummeEichenmittiefansetzenden,ausladendenKronengeprägt.Dieseentstandenentwederdurch ihrerelativeSolitärstellungimlichtenBestandodergezieltes KappenzurErhöhungdesMastertrages(Wolbecketal.2025). AuchwurdenEichenplanmäßignachgepflanztoderEichenPflanzwälderimsystematischenRastervonca.10x10Meter angelegt,dieWaldweide,MastundHolzwirtschaftvereinten (Burckhardt1864,Seidensticker1896). NebenEichenfindensichinhistorischenHutewäldernhäufig Kopfbäume,meistHainbuchen,diein2–3mHöhe–oberhalb derMäulerdesViehs–regelmäßiggeschneiteltwurden,etwa zurGewinnungvonLaubheu,FlechtmaterialoderBrennholz (Burrichter u. Pott 1983, Pott u. Hüppe 1991). Die Strauchschicht wird häufig von dornenreichen Arten geprägt, die vomWeideviehgemiedenwerden,etwaWeiß-undSchwarzdorn,WildrosenoderWacholder(Seidensticker1896).Diese Gehölzebegünstigendiesogenannte„Käfigverjüngung“,indemsiejungenBäumenSchutzvorVerbissbieten(Pottu. Alte Hutewaldeiche beim Gut Salzau in Holstein. Lithographie, abgebildet in Mielck (1863).
38 Naturschutzwerte, Verbreitung und Bewirtschaftung historischer Hutewälder in Schleswig-Holstein Hüppe1991).AuchWildapfelundWildbirnezählenzuden dornenbewehrtenArten,derenFrüchtehistorischzurViehmastgenutztwurden(Michelu.Mahn1998). Situation der Hutewälder in Schleswig-Holstein DurchAbfragenunddieAuswertungvonGeodatensowie einschlägigerLiteraturquellenkonnteninSchleswig-Holstein insgesamt etwa 87 Hektar historischer Hutewälder identifiziert werden,verteiltauf15Einzelflächen. Dies entspricht lediglichrund0,05%dergesamtenWaldflächedesBundeslandes. Die Verbreitungsschwerpunkte dieser historischen WaldnutzungsformliegeninderOberenTreenelandschaftim KreisSchleswig-FlensburgsowieimRaumBad Segeberg. Historisch wurde schon im frühen 19.Jahrhundert die Ablösung der Waldweide konsequent vorangetrieben. Die wirtschaftlich produktivstenWaldstückewurdenalserstesvon allerBeweidungfreigestelltundfortanals„geschlosseneGehege“nachforstlichenGesichtspunktenbewirtschaftet.DieseGehegewurden mitdichtenKnicks(Wallhecken)umgeben,um das Eindringen von Weidevieh zu verhindern (Mölderetal.2014). Neben den klassischen Hutewäldern kommen inSchleswig-HolsteinvielerortsKrattwäldervor. DieseNiederwälder,meistausHainbucheoder Eiche bestehend, entstanden infolge historischerBrennholznutzungundsindinTeilendurch bäuerlicheWaldweidebeeinflusst(Koppitzetal. 2025). Aufgrund der fehlenden Dominanz der WaldweidealsHauptnutzungsformwurdensie jedochimRahmenderErhebungdurchdieNordwestdeutscheForstlicheVersuchsanstalt(NW-FVA)nichterfasst. Von den in Schleswig-Holstein erfassten Hutewaldflächen liegenachtzumindestens10%innerhalbvonFauna-FloraHabitat-(FFH-)Gebieten und sieben zu mindestens 10% in Naturschutzgebieten. Auf sieben Flächen findet zumindest teilweiseBeweidungstatt. DiegrößtedokumentierteFlächemiterkennbaremEinfluss historischerWaldweidestellteinetwa23HektargroßerKopfhainbuchenbestandbeiSchieren(KreisSegeberg)dar.Weitere bedeutende Relikte sind imTönsheiderWald im Kreis Rendsburg-Eckernförde erhalten, wo rund 21Hektar zusammenhängenderHutewaldbisheuteexistieren.Darüber hinausbefindetsichimSachsenwaldeinhistorischerEichenpflanzwald, der zur kombinierten Nutzung für Waldweide, SchweinemastundHolzproduktionangelegtwurdeunddamitauchkulturhistorischeBedeutungbesitzt. DieStrategiezumErhaltderbiologischenVielfaltinSchleswig-Holstein benennt als Maßnahme die Entwicklung und UmsetzungeinesPflegeprogrammsunterBerücksichtigung historischerWaldnutzungsformen (MELUND 2021). Im HinblickaufdenEinsatzderWaldweideistdabeisicherzustellen, dass Zielkonflikte zwischen den Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes sorgfältig vermieden werden. DieWaldweidesollteinausgewähltenbewaldetenTeilenvon Schutzgebieten rechtlich zu einer dem Schutzzweck oder einerdenErhaltungszielendienlichenPflegemaßnahmewerden.Insbesonderesolltesiedazudienen,dielandestypische undhistorischeVielfaltdesWaldeszuerhaltenundzuentwickeln(Koppitzetal.2025). Literatur DownloaddesLiteraturverzeichnissesunter: https://doi.org/10.5281/zenodo.17529332 Verbreitung historischer Hutewaldrelikte im Land Schleswig-Holstein auf Basis der TK25-Messtischblatt-Quadranten (Quellen: Hutewaldflächen: Kartierung NW-FVA, Stand: 01.2025; Grenzen Bundesländer & TK25-Quadranten: © GeoBasis-DE / BKG (2025)) Strukturen historischer Waldweidenutzung im Geschendorfer Moor zwischen Geschendorf und Strukdorf Foto: C. Koppitz mitNachweis ohneNachweis historischerHutewald Messtischblattquadranten
39 Datengrundlagen des multikriteriellen Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl. Die abstrahierten Baumartenmischungen (rechts) stehen stellvertretend für die länderspezifischen Listen an möglichen Baumartenkombinationen. Weiterentwicklung des Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) Matthias Schmidt und Hans Hamkens https://doi.org/10.5281/zenodo.17524699 DerKlimawandelstelltfürdieForstwirtschafteinebesondere Herausforderungdar,daabzusehenist,dassdieAnpassungsfähigkeit der heimischen Baumarten auf vielen Standorten nichtausreichenwird,umleistungsfähige,multifunktionale Wälder zu erhalten. Die extremenWitterungsbedingungen der letzten Jahre haben dabei deutlich gemacht, dass die Widerstandsfähigkeitder Baumartengegenüber klimawandelbedingtenRisikofaktorensehrunterschiedlichist.Sowohl dieinsgesamtgestiegenen Mortalitätsratenalsauchderen große baumartenspezifische Unterschiede lassen sich für dieHauptbaumartenanhandderWaldzustandserhebungen statistisch nachweisen (https://www.nw-fva.de/veroeffentlichen/waldzustandsberichte). Die Widerstandsfähigkeit von Baumarten kann in unterschiedlichem Ausmaß durch waldbauliche Maßnahmen bspw.zurFörderungderEinzelbaumvitalitäterhöhtwerden. AuchdieVerkürzungderProduktionszeiträumeüberabgesenkteZielstärkenkanndieVulnerabilitätvonEinzelbäumen undBeständenreduzieren.DiemitAbstandwichtigstewaldbauliche Handlungsoption zur Risikovorsorge aber ist die Wahl standortsgerechter Baumarten und ihrer Mischung. Fehler bei der Baumartenwahl sind besonders schwerwiegend,dasieaufgrundderlangenProduktionszeiträumekurzfristig kaum oder nur mit kostenintensiven waldbaulichen Maßnahmenkorrigiertwerdenkönnen.EinSchwerpunktder KlimafolgenforschunganderNW-FVAliegtdaherinderstetigenmethodischenWeiterentwicklungdesEntscheidungsunterstützungssystems der Baumartenwahl (BaEm: https:// www.nw-fva.de/unterstuetzen/software/baem). Dasaktuelle Systemder NW-FVAfürdie Entscheidungsunterstützung bei der Baumartenwahl basiert auf der Standortswasserbilanz und Nährstoffversorgung der forstlichen Standorte. Die Standortswasserbilanz ist eine dynamische Größe zur Abschätzung des baumartenspezifischen Trockenstressrisikos,dieaufderGrundlagevonKlimaszenarien auchProjektionendeszukünftigenRisikoserlaubt.DasSystem der Baumartenempfehlungen hat sich seit seiner Einführunggrundsätzlichbewährt.AllerdingsschöpftderAnsatz die Anpassungsmöglichkeiten bei der Baumartenwahl bei weitem nicht aus.Vor diesem Hintergrund wird aktuell ein multikriterieller BewertungsansatzimRahmendesProjektes Modellbetrieb für Klimaschutz-plus im Staatswald des Hessischen Forstamts Burgwald(Burgwaldprojekt)erprobt.DerAnsatzberücksichtigtzusätzlichzurTrockenstressgefährdungdasRisiko durchWinterstürmeundFichtenborkenkäferundermöglicht somiteinesehrvieldifferenziertereAnalysederStandortsgerechtigkeiteinerBaumart.AlsweitereIndikatorenwerdendie WuchsleistungunddieKohlenstoffspeicherungstandortssensitiv projiziert (Abb. links). Damit wird eine Unterscheidung zwischen dem Mortalitätsrisiko und demRisikovonZuwachsverlusten möglich. Alle Indikatoren werden für den Zeitraum bis 2100 projiziert, wobeidieBedingungenverschiedenerKlimaläufeunterstelltunddie zugehörigen Klimaparameter in der Modellanwendung verwendetwerden. Die Verwendung eines Klimaensembles,d.h.mehrererKlimaprojektionen, dient der BerücksichtigungdergroßenUnsicherheitvon Klimaszenarien. Die verschiedenenIndikatorenbasierendabeiin stärkerem Maße auf empirischen, d. h. datenbasierten Modellen als das aktuelle Expertensystem der Baumartenempfehlungen.Die Indikatoren sind überwiegend sensitiv gegenüber kleinräumigen, topographisch-bedingten Standortsunterschieden. Daher werden die Indikatoren in einer räumBaumartenmischungsempfehlung Trockenstressrisiko Sturmschadensrisiko Borkenkäferrisiko Bodenparameter Wuchsleistung Kohlenstoffspeicherung
40 Weiterentwicklung des Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) lichenAuflösungvon50x50m projiziert und erst anschließend fürStandortspolygonegemittelt. Auf diese Weise können bspw. dieUnterschiedezwischenNord- undSüdhängenbzgl.derRisiken durch Winterstürme, Fichtenborkenkäfer und Trockenstress berücksichtigt werden. Wie im aktuellenSystemderBaumartenempfehlung werden ergänzend Setzungen auf der Grundlage von Erfahrungswissen wie der Ausschluss von Fichte auf Kalk- und wechselfeuchten Standortenverwendet.DermultikriterielleBewertungsansatzistmodular aufgebaut und kann prinzipiell füreinenochumfassendereBewertung der Waldfunktionen um zusätzliche Indikatoren erweitertwerden.Sosindz.B.IndikatorenfürdieGrundwasserneubildungunddieNährstoffnachhaltigkeitdenkbar.Das umfassend erweiterte, multikriterielle EntscheidungsunterstützungssystemderklimaangepasstenBaumartenwahlwird derzeitintensivevaluiert.DabeiwerdendieErgebnisseder BaumartenempfehlungeninZusammenarbeitmitdenLandesforstbetrieben der Trägerländer der NW-FVA analysiert undbewertet.DarüberhinauswerdendieDatengrundlagen, die verwendeten Methoden und die grundsätzliche Konzeption detailliert dokumentiert. Erste Ergebnisse aus dem Burgwaldprojekt zeigen bereits die deutlich verbesserten Planungsmöglichkeitenauf,diedasmultikriterielleEntscheidungsunterstützungssystembietet. Das multikriterielle Entscheidungsunterstützungssystem der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) als Grundlage für die strategische Waldbauplanung im Staatswald des Hessischen Forstamtes Burgwald Diestandortssensitive,multikriterielleBewertungvonBaumartenmischungen(Abb.Seite39)istaucheinehervorragende Grundlage für die strategische Waldbauplanung unter zusätzlicher Berücksichtigung von Nebenbedingungen, wiesieausSchutzgebietsauflagen,Zertifizierungsvorgaben, betrieblichen Zielen und übergeordneten forstpolitischen VorgabenresultierensowiederwaldbaulichenAusgangssituation,dieimRahmenderForsteinrichtungerfasstwird.Die strategische Waldbauplanung gleicht somit die PotenzialbetrachtungderBewertungvonBaumartenmischungenin Abhängigkeit von baumarten- und standortssensitiven RisikenmitdenspezifischenNebenbedingungenundZielen einesForstbetriebesab. Spezifischer Wertbaum, der im Rahmen des Burgwaldprojektes entwickelt wurde. Der Gesamtwert (blau) einer Baumartenmischung (WEZ/WET/BZT) für einen spezifischen Bestand wird aus den unterschiedlichen Kriterien (grün; Subkriterien: gelb) berechnet, welche wiederum aus den Indikatoren (grau) abgeleitet werden. Die roten Kreise beschreiben die Gewichte der jeweiligen Kriterien/Indikatoren. Der Wertbaum teilt sich in standortssensitive Kriterien und den Abgleich mit dem Ist-Zustand, d. h. der waldbaulichen Ausgangssituation, auf. ZentralesInstrumentdermultikriteriellenBewertungsowohl in der Potenzialbetrachtung als auch unter zusätzlicher Berücksichtigung von Nebenbedingungen im EntscheidungsunterstützungssystemderNW-FVAisteinWertbaum.DerspezifischeWertbaum,derimRahmendesBurgwaldprojektesmit VertreternvonHessenForstunddemHessischesMinisterium fürLandwirtschaftundUmwelt,Weinbau,Forsten,Jagdund Heimat(HMLU)entwickeltundabgestimmtwurde,beinhaltet verschiedeneKriterien(Abb.oben).ZumeinensinddiesKriterien,diesichausstandortssensitivenIndikatoren(Abb.Seite 39)ableitenundsomitdiePotenzialeohneBerücksichtigung der waldbaulichen Ausgangssituation abbilden. Zum anderensinddiesKriterienaufBasisvonIndikatorenzumAbgleich mitderwaldbaulichenAusgangssituation.Diewaldbauliche AusgangssituationwirdüberDatenderForsteinrichtungzum HauptbestandundNachwuchserfasst.AlleIndikatorenwerden mit Hilfe vonWertfunktionen auf einen vergleichbaren Wertebereich im Intervall [0,1] transformiert und dann gewichtet zu einem Gesamtwert je Handlungsalternative und Planungseinheit (Bestand) aufsummiert. Die Gewichte spiegelndie Zielsetzungen des Forstbetriebeswider.DieHandlungsalternativen sind definierte Baumartenmischungen. DieseBaumartenmischungenwerdeninHessenalsWaldentwicklungsziele (WEZ), in Niedersachsen und Schleswig-HolsteinalsWaldentwicklungstypen(WET)undinSachsen-Anhalt als Betriebszieltypen (BZT) bezeichnet. Mit Bezug zum BurgwaldprojektwirdhierdieAbkürzungWEZverwendet.Die DefinitionderWEZbeinhaltetnebendenBaumartenanteilen einezusätzlicheEinordnungbzgl.derWaldfunktionen.Sowerdenu.a.auchProduktionszieleinFormvonZielstärkendefiniert.DieseAspektespielenfürdieBewertungallerdingsnur eineuntergeordneteRolle. Gesamtwert Standortsgerechtigkeit Abgleich der WEZ mit dem lst-Zustand (ein Wert je WEZ) Standortssensitive Potenziale (ReKlieEs-De Ensemble / 7 Projektionen) Trockenstress Risiko Wuchsleistung Borkenkäfer Sturm Site-lndex Kohlenstoffsequestrierung Relative Vorteilhaftigkeit Naturschutzfachliche Bewertung Abweichung Hauptbestand Abweichung Nachwuchs Naturnähe Waldbauliche Umsetzbarkeit 40 25 10 25 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1
41 Weiterentwicklung des Entscheidungsunterstützungssystems der klimaangepassten Baumartenwahl (BaEm) Vergleich der WEZ-Auswahl aus der Forsteinrichtung (FE) und der optimierten Lösung des ILP (Optim). WEZ sind gruppiert nach der führenden Baumart. WEZ-Gruppen mit sehr geringen Anteilen sind unbeschriftet (hellgrün = Edellaubbäume; dunkelgrün = Weichlaubbäume; rot = Lärche). Die spezifische Gewichtung der verschiedenen Indikatoren undKriterienim Burgwaldprojektwar ErgebnisderAbstimmung mit dem Forstbetrieb HessenForst und dem HMLU. Nebenbedingungenresultiertenu.a.ausdenWassereinzugsgebietenderWaldmoore.AufdiesenFlächenwurdenBaumartenmischungen mit Nadelbäumen in Abhängigkeit einer Prioritätsstufe teilweise oder ganz ausgeschlossen, um die Grundwasserneubildungzuerhöhen.AuchdieVorgabenbezüglichLebensraumtypenderFFH-Richtliniewurdeninden entsprechendenBeständenberücksichtigt.Einschränkungen aufgrund von Zertifizierungen wurden dagegen nicht vorgenommen. Anhand der über den Wertbaum bestimmten GesamtwerteresultierteineRangfolgederWEZfürjedenBestand.DasWEZmitdemhöchstenWertistsomittheoretisch diebesteWahlfürdiesenBestand.Allerdingsgibtesgesamtbetrieblich betrachtet – d.h. im Burgwaldprojekt auf den StaatswaldimForstamtBurgwaldbezogen–weitereNebenbedingungen,diebeiderWahleinesWEZzuberücksichtigen sind.IndiesemFallwurdederDouglasienanteilaufmaximal 15% und der Lärchenanteil auf mindestens 5% festgelegt. DieBerücksichtigungderartigerNebenbedingungenistdeutlichkomplexer,alslediglichdieListedermöglichenWEZin bestimmtenBeständen einzuschränken. Zur Problemlösung wurdehierdieMethodikderGanzzahligenLinearenOptimierung (ILP; Integer Linear Programming) verwendet, welche sehrrecheneffizientdiebestmögliche–undsomitoptimale – Lösung unter Berücksichtigung aller Nebenbedingungenermittelt. Ein Vergleich der Flächenanteile der WEZ, die über die klassische Forsteinrichtung geplant wurden, mit der hier beschriebenen modellgestützten Optimierung wird in Form eines“Wählerwanderdiagramms“ dargestellt (Abb. rechts). Die Flächenanteile für Buche, KieferundEichesindähnlich,während dieOptimierungbeiFichtezudeutlich geringeren,beiDouglasieaberzudeutlichhöherenFlächenanteilenführt.Betrachtetman,ausgehendvonderklassischen Forsteinrichtungsplanung, für welche Bestände die gleiche Baumart geplantwird,soweisenhierDouglasie undBuchediegeringsten“Baumartenwanderungen“auf.FürKiefer,Eicheund FichtezeigtsicheinabweichendesBild. Obwohl die Gesamtfläche von Kiefer undEicheinbeidenPlanungenähnlich ist,tretenbeiderZuweisungderBaumart zu den einzelnen Beständen deutliche (Kiefer) bzw. sehr starke (Eiche) Unterschiedeauf.SogibtesbeiEicheso gutwiekeineÜbereinstimmungaufder EbenederBestände.BeiderFichteresultiertdergeringeAnteilanübereinstimmendenEinzelbestandsplanungenausder starken Reduktion der Gesamtfläche. Eine vertiefte Analyse, inwieweit bspw. die Berücksichtigung zusätzlicher IndikatoreninderOptimierungodereineabweichendeGewichtung derwaldbaulichenAusgangssituationindenbeidenPlanungenzudenunterschiedlichenErgebnissengeführthat,steht nochaus.AndieserStellemussallerdingsdaraufhingewiesen werden,dassdieForsteinrichtungnochunteranderenRahmenbedingungen stattgefunden hat. Beispielsweise wurde dieDouglasiewegendernochgeltendenFSC-Zertifizierung deutlich restriktiver behandelt. Um eine größere Praxisnähe in der nächsten Planungsperiode zu gewährleisten, wurde die Optimierung nach Wegfall der FSC-Zertifizierung ohne dieentsprechendenEinschränkungendurchgeführt.Diehier dargestelltenErgebnissesinddahernurbegrenztfürVergleichegeeignet.AußerdemkönnendieModellgrundlagennoch nicht die komplette Baumartenpalette abdecken, weshalb bspw. keine Edellaubholz-WEZ berücksichtigt werden können.EingrundsätzlicherVorteil der modellgestütztenWaldbauplanungbestehtdarin,dassverschiedensteVariantenwie z.B.mitundohneBerücksichtigungvonZertifizierungsauflagenberechnetundanalysiertwerdenkönnen.Auchkönnen nichtnureinzelneForstämter,sondernganzeWaldbauregionenoderauchganzeLandesforstbetriebesehrrecheneffizient optmiertwerden. Ki Dgl Fi Bu Ei Ki Dgl Fi Bu Ei 0 25 50 75 100 FE Optim Grundlage Flächenanteil [in %]
TorbenWahler Außenaufnahmen,Kontrollen BirteScheler Stoffeinträge JohannesSutmöller WitterungundKlima Redaktion:KlinckC,PaarU, GawehnP,SpielmannMundTalknerU Titelfoto:EversJ Layout:StarickE Herstellung:Nordwestdeutsche ForstlicheVersuchsanstalt Druck:KlartextGmbHGöttingen Zitiervorschlag NordwestdeutscheForstlicheVersuchsanstalt, MinisteriumfürLandwirtschaft,ländlicheRäume,EuropaundVerbraucherschutzdesLandes Schleswig-Holstein(Hrsg.)(2025):Waldzustandsbericht2025fürSchleswig-Holstein,48S https://doi.org/10.5281/zenodo.17524571 ZitatederEinzelbeiträgebittenach folgendemSchema: KlinckC,PaarU(2025):WZE-Ergebnisse füralleBaumarten.In:NordwestdeutscheForstlicheVersuchsanstalt,MinisteriumfürLandwirtschaft,ländlicheRäume,EuropaundVerbraucherschutzdesLandesSchleswig-Holstein (Hrsg.):Waldzustandsbericht2025fürSchleswigHolstein .S8-19. https://doi.org/10.5281/zenodo.17524589 DiesesWerkistlizensiertuntereinerCreative CommonsNamensnennung4.0International Lizenz . (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0) DerWaldzustandsbericht2025 istabrufbarunter https://www.nw-fva.deund https://www.schleswig-holstein.de/ Landesregierung Impressum: NordwestdeutscheForstlicheVersuchsanstalt AbteilungUmweltkontrolle SachgebietWald-undBodenzustand Grätzelstraße2,37079Göttingen Tel.:0551/69401-0 Zen[email protected] www.nw-fva.de HauptverantwortlichefürdieWaldzustandserhebunginHessen, Niedersachsen,Sachsen-AnhaltundSchleswig-Holstein: Dr.UlrikeTalkner Abteilungsleiterin Umweltkontrolle Dr.UwePaar SachgebietsleiterWald-und Bodenzustand,Redaktion Dr.JanEvers Bodenzustandserhebung Dr.CarolineKlinck LeiterinderAußenaufnahmen, Auswertung,Redaktion AndreasHafner Datenmanagement Dr.UweKlinck Datenmanagement PeterGawehn Außenaufnahmen,Kontrollen MichaelSpielmann Außenaufnahmen,Kontrollen DieseDruckschriftwirdimRahmenderÖffentlichkeitsarbeitderSchleswig-HolsteinischenLandesregierungherausgegeben.SiedarfwedervonParteiennochvon WahlwerberinnenundWahlwerbern,WahlhelferinnenundWahlhelfernwährendeinesWahlkampfeszumZweckederWahlwerbungverwendetwerden.Diesgiltfür Europa-,Bundestags-,Landtags-undKommunalwahlen. MissbräuchlichistinsbesonderedieVerteilungaufWahlveranstaltungen,anInformationsständenderParteiensowiedasEinlegen,AufdruckenoderAufklebenparteipolitischerInformationenoderWerbemittel.UntersagtistgleichfallsdieWeitergabeanDrittezumZweckederWahlwerbung.AuchohnezeitlichenBezugzueiner bevorstehendenWahldarfdieDruckschriftnichtineinerWeiseverwendetwerden,diealsParteinahmederLandesregierungzugunsteneinzelnerpolitischerGruppen verstandenwerdenkönnte.DieBeschränkungengeltenunabhängigdavon,wann,aufwelchemWegundinwelcherAnzahldieseDruckschriftdemEmpfängerzugegangenist.DenParteienistjedochgestattet,dieDruckschriftzurUnterrichtungihrereigenenMitgliederzuverwenden.