swissfuture 02/25: Fragile Zukünfte
Abstract
Unsere Vorstellung von Zukunft ist kein stabiler, berechenbarer Raum mehr. Sie ist fragil, umkämpft und von Verlusten wie auch Hoffnungen zugleich durchzogen. Diese Ausgabe widmet sich den fragilen Zukünften: zum einen jenen Momenten, in denen Gewissheiten bröckeln und sich Ordnungen verschieben, zum anderen wird der Zukunftsbegriff selbst hinterfragt: Was ist Zukunft, fernab des häufig verwendeten Labels für visionäres Denken, eigentlich wirklich? Wie können wir mit Zukunft umgehen, wenn das Grundlegende immer mehr ins Wanken gerät? Und welche neuen Denk- und Handlungsspielräume entstehen gerade daraus?
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swissfuture Magazin für Zukünfte 02 25 Brauchbare Zukunftsbilder stellen neue Fragen, denken in echten Alternativen, sind komplex und reich an Kontextwissen. Wegweisung für belastbare Zukünfte Fragile Zukünfte
Impressum swissfuture Nr. 02/25 Offizielles Organ der swissfuture Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung Organe officiel de la Société suisse pour la recherche prospective 52. Jahrgang Herausgeber swissfuture, Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung Geschäftsstelle swissfuture Brigit Fischer Spinnereistrasse 5 6020 Emmenbrücke +41 (0 )41 440 88 88 [email protected], swissfuture.ch Co-Präsidium Andreas Krafft, Georges T. Roos, Markus Iofcea Magazin Chefredaktion: Larissa Holaschke Mitarbeit: Alexandra Viert Autor:innen: Jules Buchholtz, Samuel Eberenz, Markus Iofcea, Basil Rogger, Ramona Sprenger, Uwe Vormbusch, Susanne Waldow-Meier Lektorat und Korrektorat: Jens Ossadnik Lektorat und Korrektorat (engl.): Katja Klier Konzept, Gestaltung: Barbieri Bucher, Zürich Druck: Engelberger Druck AG, Stans Papier: Nautilus Classic FSC® Recycled 100% Cradle to Cradle zertifiziert Erscheinungsweise: 4 x jährlich Einzelexemplar: CHF 30.– Mitgliedschaft swissfuture (inkl. Abonnement Magazin) Einzelpersonen CHF 150.– Studierende CHF 50.– Kollektivmitgliedschaft (Firmen) CHF 350.– für zwei Personen, jede weitere CHF 100.– Fördermitglied CHF 500.– Anregungen und Kritik [email protected] ISSN 1661-308 DOI: 10.5281/zenodo.17347610 SAGW Unterstützt durch die Schweizerische Akademie der Geistesund Sozialwissenschaften (SAGW), Bern sagw.ch Zielsetzung der Zeitschrift Das Magazin behandelt die transdisziplinäre Zukunftsforschung, die Früherkennung und die prospektiven Sozialwissenschaften. Es macht deren neuen Erkenntnisse der Fachwelt, Entscheidungsträgern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Themensetzungen Der Vorstand definiert die thematischen Schwerpunkte der vier jährlichen Ausgaben und ihm obliegt die inhaltliche und redaktionelle Qualität der Magazine. Die Themenschwerpunkte behandeln jeweils ein bestimmtes zukunftsrelevantes Thema, das aus interdisziplinären – also kulturund sozialwissenschaftlichen, aber auch aus ökonomischen, politologischen, philosophischen, mitunter auch naturwissenschaftlichen und künstlerischen – Perspektiven behandelt wird. Auswahlverfahren der Artikel Die Redaktion ist verantwortlich für die redaktionelle Umsetzung der gesetzten Themen und für die inhaltliche Qualität der Artikel, die in Deutsch, Englisch oder Französisch verfasst sein dürfen und auch in der jeweiligen Sprache publiziert werden. Sie sucht Autor:innen mit der entsprechenden Expertise und beurteilt, ob die eingereichten Artikel die erwünschten inhaltlichen Qualitätsstandards erfüllen. Dabei ist es wichtig, dass eine prospektive Sichtweise eingenommen wird, was szenarisch oder auch spekulativ erfolgen kann. Beiträge, die diesen Anforderungen nicht genügen, werden zurückgewiesen. Abgelehnt werden auch Artikel, die kulturund sozialwissenschaftliche Standards nicht berücksichtigen, die thematisch nicht zur Ausrichtung des Magazins passen, die eine kommerzielle Absicht verfolgen oder die in irgendeiner Weise diskriminierend sind. Alle Beiträge werden sorgfältig redigiert.
1swissfuture 02/25 Inhalt Editorial — 3 Fragile Zukünfte — 5 Uwe Vormbusch Vor den Toren der Zukunft unsere eigenen Monster ... — 7 Susanne Waldow-Meier Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte Vom lernenden Umgang mit Unsicherheit unter Berücksichtigung von zukunftsbezogenen Emotionen — 15 Jules Buchholtz Vom Verlernen der Zukunft Eine Denklogik — 23 Samuel Eberenz «We’re living in yesterday’s future scenarios» — 33 Beilage Wegweisung für belastbare Zukünfte — 41 Ramona Sprenger, Markus Iofcea, Basil Rogger Belastbare Zukünfte gestalten: Ein Leitfaden — 43 Das Zukunftsinterview mit Isabelle Vuong — 53 Studien zur Zukunft der Schweiz — 57 Der besondere Tipp — 64
3swissfuture 02/25 Editorial Wie denken wir über Zukunft nach, wenn Unsicherheit unsere Gegenwart prägt? Liebe Leser:innen Die globale Sicherheitsarchitektur wankt, Demokratien geraten unter Druck. Politische Polarisierung, stagnierende Wirtschaften, wachsende Ungleichheiten und technologische Umbrüche prägen die Gegenwart. Klimawandel und Umweltzerstörung sind längst keine Prognosen mehr, sondern Realität. Auch das grosse Versprechen der Moderne, dass Wissen und Technik Kontrolle und Fortschritt garantieren, verliert an Kraft. Die Folgen unseres Handelns werden sichtbarer, und die Idee von Beherrschbarkeit bricht an ihren eigenen Widersprüchen. Während sich vieles beschleunigt, wächst die Unsicherheit: über Arbeit, Zugehörigkeit und, besonders unter jüngeren Generationen, über die Zukunft selbst. Unsere Vorstellung von Zukunft ist kein stabiler, berechenbarer Raum mehr. Sie ist fragil, umkämpft und von Verlusten wie auch Hoffnungen zugleich durchzogen. Diese Ausgabe widmet sich den fragilen Zukünften: zum einen jenen Momenten, in denen Gewissheiten bröckeln und sich Ordnungen verschieben, zum anderen wird der Zukunftsbegriff selbst hinterfragt: Was ist Zukunft, fernab des häufig verwendeten Labels für visionäres Denken, eigentlich wirklich? Wie können wir mit Zukunft umgehen, wenn das Grundlegende immer mehr ins Wanken gerät? Und welche neuen Denkund Handlungsspielräume entstehen gerade daraus? Uwe Vormbusch, Professor für Soziologische Gegenwartsdiagnosen, eröffnet die Ausgabe mit einer Analyse fragiler Ordnungen. Er zeigt, wie politische Unsicherheiten, technologische Umbrüche und autoritäre Versuchungen ineinandergreifen und warum wir den «Monstern» unserer eigenen Gegenwart ins Auge sehen müssen. Wie wir mit dieser Fragilität umgehen lernen können, fragt Susanne WaldowMeier. Ihr Beitrag verbindet Zukunftsforschung mit Bildungsperspektiven und zeigt, dass emotionale Kompetenz und Ambiguitätstoleranz zu den Schlüsselqualifikationen einer lernenden Gesellschaft gehören.
4Editorial Jules Buchholtz erörtert, dass nicht die Zukunft selbst fragil ist, sondern die Denklogik, mit der wir versuchen, sie zu kontrollieren, und gerade dies ihre Offenheit gefährdet. Der Klimawissenschaftler Samuel Eberenz lenkt den Blick auf die Realität des Wandels. Der Klimawandel, schreibt er, stellt die Zukunft nicht in Frage, sondern gestaltet sie. Er zeigt, warum viele Szenarien die Mühen der Transition ausblenden, und fordert eine Zukunftsforschung, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist. Fragile Zukünfte sind auch Zukünfte, die bereits zu zerbrechen drohen, wenn sie formuliert werden. Was geschieht, wenn der Zukunftsbegriff immer inflationärer gebraucht wird und plötzlich alles «Zukunft» ist? Eine Arbeitsgruppe von swissfuture hat sich dieser Frage angenommen. Entstanden ist die Wegweisung für belastbare Zukünfte, die dieser Ausgabe beiliegt. Es ist ein Werkzeug, das hilft, Szenarien und Zukunftsbilder auf ihre Tragfähigkeit zu prüfen. Im Magazin führen die drei Autor:innen und Vorstandsmitglieder Markus Iofcea, Ramona Sprenger und Basil Rogger darüber ein Gespräch, wie der Leitfaden entstanden ist, und geben einen tieferen Einblick. Im Zukunftsinterview stellen wir unser neues Vorstandsmitglied Isabelle Vuong vor. Sie erklärt, warum Foresight kein Orakel ist, sondern ein Perspektivenwechsel, und weshalb es gerade heute entscheidend ist, mehrere Zukünfte gleichzeitig in den Fokus zu nehmen. Und in der Rubrik Studien zeigen wir Resultate des «E-Bike City»-Projekts der ETH Zürich. Die Untersuchung entwirft eine Plan-B-Vision der urbanen Mobilität: Wie könnten Grossstädte aussehen, wenn mehr Raum für aktive Fortbewegung geschaffen würde und das öffentliche Verkehrsnetz dennoch erhalten bliebe? Unsicherheiten eröffnen auch Möglichkeitsräume. Sie fordern uns heraus, anders zu denken und neu zu handeln. Eine inspirierende Lektüre wünscht Larissa Holaschke
5swissfuture 02/25 Fragile Zukünfte 5
6Uwe Vormbusch Vor den Toren der Zukunft unsere eigenen Monster … Autor Prof. Dr. Uwe Vormbusch ist Professor für Soziologische Gegenwartsdiagnosen an der FernUniversität in Hagen. Schwerpunkte seiner Forschung sind Digitale Kultur, Quantifizierung und Wissen, Arbeit und Subjektivität, Unsicherheit und Kapitalismus. Er leitet die Forschungsgruppe ‹Figurationen von Unsicherheit› an der FernUniversität, in deren Kontext kürzlich das ‹Glossar der Unsicherheit› erschienen ist (Neofelis Verlag 2025). [email protected] Abstract Keywords: uncertainty, interregnum, polycrisis, late modernity, authoritarianism At the Gates of the Future, Our Own Monsters Await … The imagining of social futures has always implied certain ideas of social order and domination. Today, our ability to envision a just, inclusive, and sustainable future for all is under pressure from two sides: on the one hand, from fundamental uncertainties about the political and ecological future of our world and the epistemic foundations of knowledge; on the other, from a growing authoritarianism. It is time to face the «monsters» that Antonio Gramsci once spoke of.
7swissfuture 02/25 Thema Keywords: Ungewissheit, Interregnum, Polykrise, Spätmoderne, Autoritarismus Vor den Toren der Zukunft unsere eigenen Monster … Uwe Vormbusch Die Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Zukünfte beinhaltete immer schon bestimmte Vorstellungen gesellschaftlicher Ordnung und Herrschaft. Unsere Fähigkeit, eine gerechte, inklusive und nachhaltige Zukunft für alle zu vergegenwärtigen, gerät heute von zwei Seiten unter Druck: zum einen durch fundamentale Verunsicherungen über die politische und ökologische Zukunft unserer Welt sowie die epistemischen Grundlagen des Wissens, zum anderen durch einen erstarkenden Autoritarismus. Es ist Zeit, sich den ‹Monstern›, von denen schon Antonio Gramsci sprach, zu stellen. Wir leben in einer Zeit grossflächiger gesellschaftlicher Umbrüche. Existenzielle Bedrohungen, die das herrschende Wirtschaftsund Gesellschaftssystem insgesamt infrage stellen, sind nicht länger zu leugnen. Hierzu gehören so unterschiedliche Phänomene wie der anthropogene Klimawandel, der Aufstieg des Rechtsextremismus sowie die Verunsicherung des Wissens und des Selbstverständnisses des Menschen durch ein expandierendes, in seinen Mechanismen und Bewertungskriterien intransparentes Maschinensystem mit ‹Künstlicher Intelligenz›. Damit stehen wir an der Schwelle zu einer Zeit fundamentaler Verunsicherungen: über die politische und ökologische Zukunft unserer Welt ebenso wie über die epistemischen Grundlagen und die anthropologischen Begrenzungen unseres In-der-Welt-Seins. Gleichwohl verweisen diese multiplen Erschütterungen auf frühere Epochen des Umbruchs. So bezeichnet der Begriff des Interregnums eine im kollektiven Gedächtnis nur mehr vage präsente Periode im Heiligen Römischen Reich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts: eine langanhaltende, friedlose und unsichere Periode, in der
14Susanne Waldow-Meier Autorin Susanne Waldow-Meier ist Alumna des Masterstudienganges Zukunftsforschung der Freien Universität Berlin. Sie interessiert sich besonders dafür, welchen Einfluss Emotionen auf Zukunftsdenken und die Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Krisen nehmen können. Am Institut Futur im Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung der FU Berlin war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektkoordinatorin: «Emotionand Problem-Focused Coping with Dilemmas, Trade-Offs and Risks in Schools». [email protected] Abstract Keywords: fragility, futures research, transformation conflicts, coping with uncertainty, education, competence development, constructive visions of the future Frail Certainties & Fragile Futures Learning to Navigate Uncertainty While Taking Into Account Future-Related Emotions Contemporary sociological analyses reveal conflicting interests that considerably strain negotiations about possible futures. A team at Freie Universität Berlin explored how a productive approach to dealing with conflicts and uncertainties can be established. This article outlines the theoretical foundations of the project «Emotionand ProblemFocused Coping with Dilemmas, Trade-Offs and Risks in Schools» and encourages a discussion on the transferability of this approach to various fields of futures research. Foto: Ines Grabner Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte
15 swissfuture 02/25 Thema Keywords: Fragilität, Zukunftsforschung, Transformationskonflikte, Lernender Umgang mit Unsicherheit, Bildung, Kompetenzentwicklung, konstruktive Zukunftsbilder Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte Vom lernenden Umgang mit Unsicherheit unter Berücksichtigung von zukunftsbezogenen Emotionen Susanne Waldow-Meier Soziologische Gegenwartsanalysen zeichnen ein Bild von Interessengegensätzen, welche die Aushandlung von Zukunftsgestaltungen erheblich strapazieren. Ein Team der Freien Universität Berlin ging der Frage nach, wie ein produktiver Umgang mit Konfliktlinien und Unsicherheiten etabliert werden kann. Im folgenden Beitrag wird der theoretische Hintergrund des Projektes «Emotionand Problem-Focused Coping with Dilemmas, TradeOffs and Risks in Schools» erläutert und die Diskussion zur Übertragbarkeit der Projektidee auf verschiedene Anwendungsfelder der Zukunftsforschung eröffnet. Zukunft ist offen, kontingent und durch gegenwärtige Entscheidungen und Handlungsformen gestaltbar. Diese zentrale ontologische Annahme der Zukunftsforschung kann zu Gestaltungswillen und Zukunftsvorfreude motivieren. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisenlage lässt sich jedoch eine gegenläufige Tendenz beobachten: Soziologische Gegenwartsanalysen zeichnen ein Bild von Mentalitätsund Interessengegensätzen, welche «Konfliktarenen» deutlich werden lassen (Mau
16Susanne Waldow-Meier Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte et al. 2024). Diese strapazieren die Aushandlung von Zukunftsgestaltungen erheblich. Es zeichnet sich ein «liminal space» (Mälkki/Green 2014) ab: ein Übergangsraum zwischen bisherigen «Normalitäten», Gewissheiten und Gewohnheiten, die zunehmend fragwürdig erscheinen, und der notwendigen Anpassung von Strategien zur Zukunftsgestaltung. Die Herausforderung dabei besteht in der ausgewogenen Berücksichtigung von wirtschaftlicher Tragfähigkeit, sozialem Ausgleich und der Einhaltung planetarer Grenzen (Martens/Küppers 2016). In dieser Übergangsphase entfalten sich Transformationskonflikte (Brendler et al. 2024; Eversberg et al. 2025; Kumkar 2025), in denen etablierte Strategien zur Absorption von Unsicherheit sowie Institutionen, die Orientierungswissen generieren, zunehmend unter Druck geraten. Es herrscht der Eindruck vor, dass reaktionäre, antidemokratische Kräfte das Geschehen zunehmend zu dominieren suchen. Laut dem UN-Human Development Report (2022) ist ein «neuer Unsicherheitskomplex» erkennbar, der sich aus der Wechselwirkung von «gefährlichem planetarischem Wandel im Anthropozän, dem Streben nach weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen, einer weitverbreiteten, immer stärker werdenden Polarisierung und der tagtäglichen Ungewissheit, mit der Menschen schon immer konfrontiert waren», ergibt. Dieser Unsicherheitskomplex zeichnet sich demnach durch eng miteinander verbundene Krisen aus. Die Gleichzeitigkeit von Krisen führt aus sozialphilosophischer Perspektive zu einem «Königreich der Angst» (Nussbaum 2019): «Viele [Menschen] fühlen sich machtlos. Sie haben das Gefühl, dass sie die Kontrolle über ihr Leben verloren haben … diese Gefühle haben ihre Grundlage in realen Problemen … Probleme, … deren Lösung lange, anstrengende Untersuchungen und Zusammenarbeit in Richtung einer ungewissen Zukunft erfordert» (S. 19, 20). Vor dem Hintergrund dieser Gegenwartsbeschreibungen und des um sich greifenden «Generalgefühls der Überforderung» (Leggewie 2024) stellt sich die Frage, wie ein produktiver Umgang mit Unsicherheit, Fragilität und Konfliktlinien in den derzeitigen politischen Entwicklungen etabliert werden kann. Welche Kompetenzen sind hierfür notwendig? Welche Rolle kann Zukunftsforschung in diesen Prozessen einnehmen? Ein Team des Instituts Futur der Freien Universität Berlin ging diesen Fragen nach und entwickelte das Projekt «Emotionand Problem-Focused Coping with Dilemmas, Trade-Offs and Risks in Schools». 1 Was ursprünglich als formales Bildungsprojekt angedacht war, fand schnell auch Anklang in der non-formalen zivilgesellschaftlichen Bildungsarbeit und Zukunftsgestaltung. Im Folgenden wird zunächst der konzeptionsleitende theoretische Hintergrund des Projekts erläutert, 1 Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen der Sonderausschreibung «Education for Sustainable Development: Die grosse Transformation – Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten» gefördert. Projektlaufzeit 2021–2024. (https://www.dbu.de/projektdatenbank/35601-68/)
17 swissfuture 02/25 um anschliessend die Diskussion über die Übertragbarkeit der Projektidee auf verschiedene Anwendungsfelder der Zukunftsforschung zu eröffnen. Ausgangspunkt des Projekts war der empirische Befund, dass viele junge Menschen sich angesichts gegenwärtiger globaler Entwicklungen von Dilemmata, Zielkonflikten und nicht bewältigbaren Risiken (kurz: Unsicherheiten) umgeben sehen. Je mehr Einsichten diese Altersgruppe in die vielfältigen Problemlagen erlangt, desto eher neigt sie zu Hoffnungslosigkeit und verliert ihre Handlungsmotivation (Grund/Brock 2019; Hickmann et al. 2021; Sanson et al. 2019). Ziel des Projekts war es, ein Konzept zu entwickeln, das die Fähigkeiten der Teilnehmenden (ursprünglich für die Altersgruppe der 12–16-Jährigen konzipiert) fördert, mit Unsicherheiten so umzugehen, dass sie diese individuell und gemeinschaftlich konstruktiv bewältigen lernen. Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Auseinandersetzung mit Zielkonflikten und Dilemmata in Bezug auf die (nicht) nachhaltige Entwicklung im Biodiversitätskontext. In einem 4-schrittigen Projektzyklus nähern sich die Teilnehmenden eingangs über Zukunftsbilder und spezifische Akteursperspektiven gegenwärtigen Zielkonflikten nicht nachhaltiger Entwicklung. In weiteren Schritten folgt deren inhaltliche Fundierung sowie ihre Aushandlung in demokratischem Diskurs. Dabei werden kontinuierlich Elemente der Reflexion von Emotionen und Wertvorstellungen auch zu wünschenswerter Zukunft integriert. Den Abschluss des Projektes bildet ein handlungsorientierter Block, der die vorangegangenen Abwägungen und Debatten in mögliche, konkrete Umsetzungsansätze überführt.2 Innerhalb des gesamten Projektzyklus wurden wichtige Aspekte der Gestaltungskompetenz (de Haan 2008) aufgegriffen: 1. «Kompetenz zum Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen: Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können.» 2. «Kompetenz zur Bewältigung individueller Entscheidungsdilemmata: Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können.» 3. «Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden.» (de Haan 2008: 238) In die Konfrontation mit Überkomplexität und Zielkonflikten wurde neben der rational-kognitiven auch eine emotional-reflexive Auseinandersetzung mit Unsicherheit integriert. Neueste Theorieentwicklungen aus dem Forschungsfeld des transformativen Lernens legen nahe, dass durch die Erweiterung emotionaler Reflexionsfähigkeiten rationale Kompetenzen im Umgang mit Unsicherheiten 2 Umfassendere Einblicke in das Projekt siehe: https://bne-umgang-mit-unsicherheitlernen.de/.
18Susanne Waldow-Meier gestärkt werden können (Förster et al. 2019; Mälkki/Green 2018). Zeitgenössische Veröffentlichungen aus dem Feld der relationalen Soziologie und Sozialphilosophie weisen darauf hin, dass die Berücksichtigung von Affekten und Emotionen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, die wahrgenommene Situiertheit und Relation von Akteur:innen, beispielsweise in Konfliktfeldern, gezielter zu untersuchen (vgl. Ambrasat 2022; Slaby 2017; von Scheve 2024). Im Rahmen des Projektes wurde ein mehrstufiger lernender Umgang mit Unsicherheit etabliert. Es wurden Lernräume angeregt, die es ermöglichen, Überkomplexität zu erkennen, konfligierende Ausgangslagen zu tolerieren und abzuwägen sowie sich in dialogisch-reflexive Auseinandersetzungen mit den eigenen Vorstellungen und Prämissen zu begeben (Mezirow 2000; Siegel 2010). Derartige Reflexionen können von unangenehmen Emotionen begleitet sein, beispielsweise wenn die Anfechtung eigener Wertvorstellungen abzusehen ist (Yu 2022). Um hierbei nicht in heftige, unreflektierte Reaktionsweisen zu verfallen, die einen lösungsorientierten Kooperationsmodus unterminieren (vgl. Mau et al. 2024), ist die Entwicklung von Ambiguitätstoleranz, emotionaler Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit von besonderer Bedeutung (Waldow-Meier 2022). Diese Kompetenzen können nicht vorausgesetzt werden, sondern zeugen von gelingenden Bildungsprozessen, die Gestaltungsund Transformationskompetenzen zum Ziel haben.3 Die anhaltend positive Resonanz auf das Projekt zeigt, dass diese Art der Kompetenzentwicklung als Grundlage für eine konstruktive Zukunftsgestaltung auf besonderes Interesse stösst. Es gilt, dem Eindruck der Überwältigung durch komplexe Krisen und Fatalismus durch eine Unterstützung bei der Entwicklung von Zukunftsbildern wünschenswerter Entwicklungspfade zu begegnen. So fragen Akteur:innen auch weit über den schulischen Kontext hinaus eine Einführung in die Konzeption an, darunter Akteur:innen der politischen Bildung und Beratung sowie Akteur:innen, die sich für Transformation interessieren, aus Zivilgesellschaft, Lokalpolitik und Verwaltung. In Einführungsseminaren und qualitativen Evaluationsinterviews berichteten Akteur:innen aus verschiedenen Handlungsfeldern von Transformationsmüdigkeit und grundlegender Erschöpfung in 3 Siehe auch OECD-Lernkompass: https://www.oecd.org/education/2030-project/contact/OECD_Lernkompass_2030.pdf. Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte
19 swissfuture 02/25 ihren Arbeitsfeldern. Die vielfältigen Krisen seien omnipräsent, ebenso wie die Hürden und Hemmnisse ihrer Bewältigung. Konstruktive Zukunftsbilder seien in der medialen Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar. In den eigenen Tätigkeitsfeldern und Organisationen komme visionären Prozessen häufig zu wenig Raum zu, da die Ressourcen allseits knapp seien und bei laufendem Betrieb keine Zeit und Kraft für Visionen bliebe. Zusammenfassend lässt sich ein Mangel an konstruktiven Zukunftsperspektiven sowie eine Transformationsmüdigkeit konstatieren (vgl. Rheingold 2023). Diese wirken besorgniserregend, können aber gleichzeitig als Einladung und Inspiration dienen, mögliche Beiträge der Zukunftsforschung zur gegenwärtigen Krisenfülle zu identifizieren. Es gilt, dem Eindruck der Überwältigung durch komplexe Krisen und Fatalismus durch eine Unterstützung bei der Entwicklung von Zukunftsbildern wünschenswerter Entwicklungspfade zu begegnen. Die Anerkennung von Emotionen gegenüber Zukünften kann einen wertvollen Beitrag zur Gegenwartsanalyse bieten (Waldow-Meier 2022): Unangenehme Emotionen können beispielsweise als Indikatoren für unerfüllte Bedürfnisse oder eine wahrgenommene Bedrohung der eigenen Wertvorstellungen interpretiert werden (Lazarus/Lazarus 1994; Yu 2022). Über den Einbezug von Emotionsreflexionen lässt sich somit eine Brücke zu wünschenswerten, konstruktiven Zukunftsbildern schlagen. Die mit diesen Bildern verbundenen angenehmen Emotionen können kreatives Denken und Inspiration freisetzen (Fredrickson/Branigan 2005). Sie bilden eine effektive Ausgangslage, um mögliche Schritte der Realisierung in den eigenen Handlungsspielräumen konkret zu denken (Polze et al. 2024). Auf diese Weise kann ein Auftakt zur Verwirklichung «realer Utopien» (Wright 2022) gestaltet werden. Wright versteht darunter «Institutionen, Verhältnisse und Praktiken, die in der Welt, wie sie gegenwärtig beschaffen ist, entwickelt werden können, die aber die Welt, wie sie sein könnte, vorwegnehmen und dazu beitragen, dass wir uns in diese Richtung bewegen.» (ebd.: 11) Die aktuelle Krisenfülle birgt immense Herausforderungen, die gleichzeitig ein historisches Momentum für Zukunftsforschung darstellen. Die Zukunftsforschung bietet vielfältige Methoden und Ansätze, die eine kritisch-lernende Auseinandersetzung mit denkbaren, zu vermeidenden und wünschenswerten Zukünften ermöglichen. Sie kann dabei eine intermediäre, dialograumschaffende und prozessmoderierende Rolle einnehmen. Zukunftsforschung hat das Potenzial, den reflexiven Dialog als Modus einer emanzipatorischen Zukunftsgestaltung mit Leben zu füllen. So kann sie – im Sinne der «Tragweite von Wissenschaft» (von Weizsäcker 2006) – ihre Expertise einbringen, um Zukünfte innerhalb der planetaren Grenzen auf demokratischem Wege wirksam zu entfalten.
20Susanne Waldow-Meier Zerbrechliche Gewissheiten & Fragile Zukünfte Kumkar, N. C. (2025): Ohne ein Mindestmass an Polarisierung würde eine Demokratie vermutlich gar nicht funktionieren, in: philosophie Magazin. https://www.philomag. de/artikel/nils-c-kumkar-ohne-ein-mindestmass-polarisierung-wuerde-eine-demokratie-vermutlich-gar Lazarus, R. S. und B. N. Lazarus (1994): Passion and reason: Making sense of our emotions. Oxford University Press. Leggewie, C. (2024): Vom Generalgefühl der Überforderung: Rezension zu «Triggerpunkte: Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft» von Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser. Soziopolis: Gesellschaft beobachten. Mälkki, K. (2019): Coming to grips with edgeemotions: The gateway to critical reflection and transformative learning (59–73), in: Ted Fleming, Alexis Kokkos, Fergal Finnegan (eds.): European perspectives on transformation theory. Palgrave Macmillan, Cham. http://dx.doi.org/10.1007/978-3-030-191597_5 Mälkki, K. und L. Green (2014): Navigational aids: The phenomenology of transformative learning, in: Journal of transformative education, 12(1), 5–24. Martens, J. und B. Küppers (2016): Die 2030-Agenda. Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung. https:// www.2030agenda.de/sites/default/files/ Agenda_2030_online_2016.pdf Mau, S., T. Lux und L. Westheuser (2022): Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartgesellschaft. Suhrkamp. Mezirow, J. (2000): Learning to think like an adult. Core concepts of transformation theory, in: J. Mezirow and Associates: Learning as transformation. Critical perspectives on a theory in progress. San Francisco: Jossey-Bass, 3–33. Nussbaum, M. C. (2019): The monarchy of fear: A philosopher looks at our political crisis. Simon & Schuster. OECD_Deutsche Arbeitsgruppe im internationalen OECD-Projekt Future of Education and Skills 2030 (2020): OECD Lernkompass 2030, Rahmenkonzept des Lernens. https://www.oecd.org/ education/2030-project/contact/OECD_Lernkompass_2030.pdf Referenzen Ambrasat, J. und C. von Scheve (2022): Affective meanings and social relations: identities and positions in the social space, in: Emotions and Society, 4(2), 161–180. Brendler, V., N. Deitelhoff, F. Rasem und E. Ruffing (2024): Gesellschaftliche Transformationskonflikte austragen. Wann und wie Öffentlichkeitsbeteiligung zu einer produktiven und nachhaltigen Konfliktbearbeitung vor Ort beitragen kann. Policy Paper. Hannover/ Frankfurt: Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. De Haan, G. (2008): Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Operationalisierung, Messung, Rahmenbedingungen, Befunde (23–43), in: Inka Bormann, Gerhard de Haan (Hrsg.): Gestaltungskompetenz als Kompetenzkonzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Eversberg, D., M. Fritz, L. von Faber und M. Schmelzer (2024): Der neue sozial-ökologische Klassenkonflikt: Mentalitätsund Interessengegensätze im Streit um Transformation. Campus Verlag. Förster, R., A. B. Zimmermann und C. Mader (2019): Transformative teaching in Higher Education for Sustainable Development: facing the challenges, in: GAIAEcological Perspectives for Science http:// dx.doi.org/10.14512/gaia.28.3.18 and Society, 28(3), 324–326. Fredrickson, B. L. und C. Branigan (2005): Positive emotions broaden the scope of attention and thought-action repertoires, in: Cognition. http://dx.doi. org/10.1080/02699930441000238 Grund, J. und A. Brock (2019): Why we should empty Pandora’s box to create a sustainable future: Hope, sustainability and its implications for education, in: Sustainability, 11(3), 893. Hickman, C., E. Marks, P. Pihkala, S. Clayton, R. E. Lewandowski, E. E. Mayall, [...] und L. van Susteren (2021): Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: a global survey, in: The Lancet Planetary Health, 5(12), e863–e873.
21 swissfuture 02/25 Polze, H., M. Nieberg, S. Waldow-Meier, G. de Haan, I. Böttger und S. Grüssel (2023): Kompetenzen im Umgang mit Unsicherheit erlangen: Lehrund Lernmaterialien zum Thema Fake News (Hrsg.: G. de Haan). Institut Futur, Freie Universität Berlin. Rheingold Institut (2023): Deutschland auf der Flucht vor der Wirklichkeit. https://www. rheingold-marktforschung.de/gesellschaft/ deutschland-auf-der-flucht-vor-der-wirklichkeit Sanson, A. V., J. van Hoorn und S. E. Burke (2019): Responding to the impacts of the climate crisis on children and youth, in: Child Development Perspectives, 13(4), 201–207. Scheve, C. von (2024): Putting emotions into affective polarisation, in: Cognition and Emotion, 38(4), 437–441. Siegel, D. J. (2010): Mindsight: The new science of personal transformation. New York: Bantam Books. Slaby, J. (2017): More than a feeling: Affect as radical situatedness. Midwest Studies in Philosophy. United Nations (2022): Human Development Report. Uncertain Times, unsettled Lives: shaping our future in a transforming world. https://digitallibrary.un.org/record/3986309/files/hdr2021-22pdf_1.pdf Waldow-Meier, S. (2022): Zwischen Zukunftsangst und Zukunftsmut: Zur Rolle von Emotionen in der Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Krisen und antizipierter Unsicherheit von Zukunft, in: G. de Haan (Hrsg.): iF-Schriftenreihe. Sozialwissenschaftliche Zukunftsforschung. Institut Futur, Freie Universität Berlin. Weizsäcker, C. F. von (2006): Die Tragweite der Wissenschaft. S. Hirzel Verlag. Wright, E. O. (2017): Reale Utopien: Wege aus dem Kapitalismus. Suhrkamp Verlag. Yu, L. (2022): Vulnerable minds: The neuropolitics of divided societies. Columbia University Press.
Jules Buchholtz 22 Autorin Dr. Jules Buchholtz studierte Philosophie in Heidelberg, Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen (Dipl., Dr. phil.) , Fine Arts in Dartington sowie Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg (M.A.). Sie ist Verfasserin zahlreicher Publikationen zum Thema Zukunft und Szenario, Herausgeberin zweier Sammelbände und arbeitet transdisziplinär und künstlerisch. Sie lehrt in den Feldern Medienphilosophie und Performancetheorie mit Arbeitsschwerpunkten in der Kritischen Theorie, Simulationen des Politischen, Ästhetik politischer Zukunftsszenarien, Reales und Hyperrealität, Sicherheitsregime und Präventionskulturen. [email protected] Abstract Keywords: unlearning the future, new lo g ic of thought, state of aggregation, ownership, rules of engagement, narrative, scenario Unlearning the Future A Logic of Thought Is the future fragile? Can something that does not exist actually break? What, exactly, would be damaged in the event of harm to a nonexistent entity – and what conclusions can we draw from the very idea of fragile nonexistence? In what follows, I will suggest that it may not be the future itself that is fragile, but rather the way we have learned to perceive, design, secure and claim it. Not the future itself, but the way we conceive of it, might constitute the fragile element within the very notion of a fragile future. This essay is devoted to fundamental work on a logic of thought. It turns away from the future as form and, at the same time, towards its material nature: instead of striving for completion or formal realisation, this future approaches an aggregate state – a kind of proximity attainable only by relinquishing the distance required by a panoptic view of what is yet to come. To be clear, unlearning the future does not mean ceasing to care about what lies ahead. On the contrary, it aims to show that the controlling predefinition of time-to-come constitutes the very foundation of a hegmonic and appropriating – indeed, at times, future-destroying – logic of thought. Vom Verlernen der Zukunft
23 swissfuture 02/25 Keywords: Unlearning the Future, Denklogiken, Aggregatszustände, Okkupieren, Rules of Engagement, Narrative, Szenario Vom Verlernen der Zukunft Jules Buchholtz Ist Zukunft fragil? Kann etwas, das (noch) nicht ist, zerbrechen? Was ginge bei einem Schaden an etwas Nichtexistentem kaputt, und welche Schlüsse können wir aus der Denkfigur eines zerbrechlichen Nichtexistenten ziehen? Im Folgenden will ich aufzeigen, dass evt. nicht die Zukunft selbst zerbrechlich ist, sondern das Konstrukt, das wir erschaffen, wenn wir versuchen, Zukunft zu kontrollieren und sie vorgreifend in Besitz zu nehmen. Nicht die Zukunft, sondern unsere Art, sie zu konzipieren, könnte das zerbrechliche Element der Denkfigur einer fragilen Zukunft sein. Der Beitrag wendet sich von der Zukunft und ihrer Form ab und im selben Zug einem Material zu: Statt in Bezug auf Zukunft Formvollendung zu avisieren, wird ein Aggregatzustand aufgesucht und damit eine Nähe, in die nur gelangt, wer die Distanz aufgibt, die einzunehmen eine panoptische Allsicht auf Zukünftiges zwingend verlangt. Vorausgeschickt sei, dass mit einem Verlernen der Zukunft an keiner Stelle nahegelegt wird, sich um Zukünftiges nicht mehr zu kümmern. Mit der Zukunft fertig werden. Sehen vs. Hantieren Fragilität sagt etwas über Zukunft aus bzw. darüber, wie die Zukunft nicht beschaffen ist: Sollte Zukunft zerbrechlich sein, so wäre sie weder flüssig, noch gasförmig, auch nicht zäh, rieselfähig oder dehnbar, sondern unnachgiebig und porös. So porös, dass sie bei unsachgemässer Handhabung zerbräche. So über kommende Zeit zu
30Jules BuchholtzVom Verlernen der Zukunft «Part of our current crisis is the indifferent acceptance of the now banalized notion that our future is being invented by a small number of powerful corporations. Decisions about what product lines will sustain profits and growth have effectively made these companies into the official futurologists of our time, the regulators of our expectations (Crary 2022: 101)» Wie Crary bezieht sich auch der vorgenannte Critchley mit seiner Aufforderung, sich der Zukunft zu widersetzen, nicht auf alles Künftige, sondern auf die Idee, die Denklogik der Zukunft, die unser Reflektieren und Handeln prägt: Zukunft haben zu wollen, ist nachvollziehbar, sei es, weil ein Morgen zu haben, erlaubt, abends etwas liegen zu lassen, das in der Dämmerung ohnehin an Kontur verliert. Dass es ein Morgen gibt, ist jedoch etwas anderes, als bestimmen zu wollen, wie es auszusehen habe. Dass etwas kommen wird oder zu bestimmen, was es sein wird, sind zwei Fragen, die der o. g. Steuerungsaspekt unterscheidet: Mit einem Material (z. B. Kuchenteig) zu arbeiten, geht mit einem Aggregatzustand um. Eine Zielvorstellung umzusetzen hingegen, setzt bereits einen zerbrechlichen Keks voraus, von dem zum Zeitpunkt seiner durchaus lukrativen Herstellung ungewiss ist, ob es ihn je geben wird. Insofern muss sich ein authentisches Interesse am Zukünftigen neben den zu erreichenden künftigen Zielen vor allem auf die Mittel zu deren Durchsetzung konzentrieren. Der Vorschlag, der sich aus der Unterscheidung Ziele/Mittel ableitet, lautet: Rules of Engagement statt Goals of Achievement. Steuerung von Erwartung. Die Totalität des Zukünftigen Im Gegensatz zu vollumfänglicher Sicherheit, die ja nie wirklich Geborgenheit erwirkt, ist es allein die Unsicherheit von Zukünftigem – dass wir es nicht kennen können –, das hoffen lässt, es könnte vielleicht doch anders kommen, als wir fürchten. Warum Zukunft also vorausberechnen, okkupieren, kolonisieren und Zukunftskuchen versprechen? Käse statt Kuchen setzend wissen wir (ohne zu modellieren), dass Hüttenkäse, in Form seiner kleinen Agglutinierungen gestockter Milch (ob von Tier oder Pflanze bleibt unbestimmt, da beides auf verträglichere oder weniger verträgliche Weise gewonnen werden kann), bereits viel – möglicherweise hinreichend viel – Zukünftiges enthält. Wird künftige Zeit nicht entlang einer Idee von Form und Formvollendung als fertiger Käse vorgestellt, sondern stattdessen gemäss einer Idee von Aggregatzustand, kommt das Material des Zukünftigen in den Blick, dessen Prozedurales und eine andere Denklogik, die mit der Volatilität, der Ungewissheit des Zukünftigen zu operieren versteht. Es ist der Steuerungsaspekt, der die völlig menschliche und legitime wwk-Frage durch einen unauffälligen typographischen Zusatz zu einer hochgradig manipulativen und konfliktanfälligen macht: Nun lautend auf: wie wollen wir leben (wwwl), gerät die Frage nach dem Zukünftigen zu einer zutiefst politischen und einer, die
31 swissfuture 02/25 sich kaum noch gerecht beantworten lässt. Die Erwartung einer Zukunft wird eingetauscht gegen ihre Bestimmung und die Idee, sie produzieren zu können (und auch zu dürfen bzw. zu müssen und zu sollen), und zwar bestimmten Vorstellungen gemäss, welche gleichsam das Benzin für jeden Wettbewerb um Vorrangigkeit und jeden gewaltsamen Aneignungskampf ist. Denn die Zukunft ist eines der mächtigsten Instrumente zur Generalisierung von Entscheidungsleistung, eine «Trumpfkarte» (Critchley 2011). Ihre Macht besteht in der Totalität all dessen, was zu befürchten oder zu erhoffen ist, und darin, dass die Zukunft ihre unhintergehbare Vorrangigkeit artikuliert: die Vorrangigkeit drängender Zeit. Denn ein Partikularinteresse an der Zukunft, das zeitkritisch ist, stellt jeden generellen Handlungsansatz, jeden gegenwärtigen Belang in den Schatten, lässt diese möglicherweise sogar veränderungsmüde oder regressiv erscheinen. Hingegen lässt sich gegen die Sicherung künftiger Chancen oder das Abwenden drohender Zukünfte kaum etwas einwenden. Die Zukunft wird zum Ausdruck «jede(r) Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht» (Weber 1922: 28). Weil gegen die Zukunft das Gegenwärtige immer schon halb vorbei, angefressen, beschädigt, defizitär und überholungspflichtig wirkt, lässt sich mit der Zukunft ein zweites Kunststück vollbringen: allen alles versprechen und es nie einlösen müssen. Referenzen Assmann, Aleida (2013): Ist die Zeit aus den Fugen? Aufstieg und Fall des Zeitregimes der Moderne. München: Hanser. Buchholtz, Jules (2025): «The Waiver of Cheese» [recte], in: Dies. (Hrsg.): The most ubiquitous Buzzword of all Times. Taucha: Marian Arnd. Buchholtz, Jules (2019): Wem gehört die Zukunft? Wissen und Wahrheit im Szenario. Berlin: neofelis. Crary, Jonathan (2022): Scorched Earth. Beyond the Digital Age to a Post-Capitalist World. London / New York: Verso. Critchley, Simon (2011): «Is Utopianism dead?», in: The Anarchist Library (2011). https:// theanarchistlibrary.org/library/simon-critchley-is-utopianism-dead (Zugriff am 20.09.2025). Haraway, Donna (2016): Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene. Durham & London: Duke University Press. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1989) [1832–1845]: Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse, in: Eva Moldenhauer / Karl Markus Michel (Hrsg.): Werke in 20 Bänden (Bd. 7). Frankfurt am Main: Suhrkamp. Le Guin, Ursula K. (1986): «The Carrier Bag Theory of Fiction», in: The Anarchist Library. https://theanarchistlibrary.org/mirror/u/uk/ ursula-k-le-guin-the-carrier-bag-theory-offiction.pdf (Zugriff am 20.09.2025). Luhmann, Niklas (2010): Politische Soziologie, in: André Kieserling (Hrsg.): Politische Soziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Plessen, Marie-Louise von (1993): Der gebannte Augenblick. Die Abbildung von Realität im Panorama des 19. Jahrhunderts [recte], in: Marie-Louise von Plessen (Hrsg.): Sehsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung im 19. Jahrhundert. Bonn: Stroemfeld / Roter Stern. Stetter, Bitten und Francis Müller (2025): Lebensund Wohnwelten im Alter gestalten (31–44), in: swissfuture 01/25 («Take Care!»). Weber, Max (1922): Grundriss der Sozialökonomik. Abt. III Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), S. 28.
32 Autor Samuel Eberenz studierte Geophysik, Ozeanographie, Meteorologie und Klimawissenschaften in Kiel und Zürich und promovierte an der ETH Zürich zur computergestützten Modellierung von Wetterund Klimarisiken. Nach dem Studium sammelte er bei einer grossen schweizerischen NGO Erfahrungen im Bereich der Wirkungsmessung und Organisationsentwicklung und absolvierte im Vorfeld seiner Promotion ein Praktikum als Data Scientist bei einem Zürcher Start-up. Samuel ist Redakteur für Wissenschafts-Lyrik bei Consilience Journal und Mitgründer des Labors mit Utopieverdacht. Seit 2021 ist er Projektleiter bei Risiko-Dialog. Dort arbeitet er unter anderem zu Carbon Dioxide Removal, sozialer Innovation, Klimakommunikation und zum gesellschaftlichen Umgang mit der Klimakrise. [email protected] Abstract Keywords: climate crisis, future scenarios, transition, net zero, responsibility, climate communication «We’re living in yesterday’s future scenarios» Climate change vividly and urgently illustrates the truism that change is a matter of how, not whether. When it comes to the climate, there is no shortage of ideas and narratives about possible futures. Yet whether these take the form of optimised net-zero economies, postmaterialist degrowth utopias or visions of collapse, the crucial question of how we get there – the transition from now to tomorrow – often remains underexplored or only superficially addressed. At the same time, in today’s polycrisis, we are already living in the climate future imagined decades ago. This essay reflects on the role of climate science as a science of the future and offers several thoughts on what futures research might further illuminate from a climate perspective. Samuel Eberenz«We’re living in yesterday’s future scenarios»
33 swissfuture 02/25 Thema Keywords: Klimakrise, Zukunftsszenarien, Transition, Netto-Null, Verantwortung, Klimakommunikation 1 https://www.myscience.ch/en/news/wire/we_re_living_in_yesterday_s_future_scenarios-2023-ethz 2 https://future.w.uib.no/ «We’re living in yesterday’s future scenarios» Samuel Eberenz Der Klimawandel ist eine anschauliche und dringliche Manifestation der Binsenweisheit, dass Veränderung eine Frage des «Wie» und nicht des «Ob» ist. Wenn es ums Klima geht, gibt es entsprechend viele Ideen und Erzählungen denkbarer Zukünfte. Doch egal, ob es sich dabei um durchoptimierte Netto-Null-Ökonomien, postmaterialistische Degrowth-Utopien oder Kollapsvisionen handelt – spannend und oft kaum oder nur unbefriedigend in den Blick genommen wird die Frage nach dem Weg dorthin, der Transition von jetzt ins Morgen. Zugleich leben wir schon in der heutigen Multikrise in der Klimazukunft von gestern. In diesem Text reflektiere ich die Rolle der Klimawissenschaften als Zukunftswissenschaft und versuche mich an ein paar Vorschlägen, was die Zukunftsforschung aus Klimasicht noch stärker beleuchten könnte. «The Future is Now» «We’re living in yesterday’s future scenarios», sagt ETH-Professorin und VizeVorsitzende der Arbeitsgruppe I des Weltklimarates.1 «The Future is Now» ist der Titel eines kulturwissenschaftlichen Forschungsprojekts der Universität Bergen, welches die Temporalität im Klimadiskurs untersucht.2 Prägend für diese Perspektive sind aus meiner Sicht insbesondere zwei Feststellungen: Zum einen bewegen
34 sich die globalen Durchschnittstemperaturen in den letzten Jahrzehnten – durch menschengemachte Treibhausgasemissionen massiv beschleunigt – ziemlich genau im postulierten Korridor (nach oben), den die Klimawissenschaften anhand von Klimamodellen errechnet haben. Zum anderen werden Extremwetterereignisse aufgrund der Klimaerhitzung immer intensiver und häufiger. Diese Entwicklungen werden ausserhalb verschwörungstheoretisch geprägter Diskurse kaum mehr in Frage gestellt. Dazu dürften unter anderem die Klimabewegung, aber auch ein subjektives Erleben der Veränderungen, die Berichterstattung über die immer neuen Temperaturrekorde und die massgeblich von Prof. Frederike Ott geprägte Methode der «Climate Attribution» entscheidend beigetragen haben. Als Zukunftsforschung haben die Klimawissenschaften also bereits gestern mit Blick auf heute recht behalten. Die Zukunft vorhersagen können sie deshalb bekanntlich trotzdem nicht. Die wissenschaftlichen Kernaussagen für die klimatische Entwicklung der Zukunft sind aber etabliert. Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen ist weitestgehend determiniert durch die Entwicklung der Treibhausgasemissionen, welche wiederum grösstenteils von fossiler Kohlenstoffintensität und Volumen der Energieerzeugung abhängt. Zugang zu den verschiedenen möglichen Klimazukünften sucht man über Szenarien, die sich wiederum aus Annahmen über die sozioökonomische und -technologische Entwicklung der Menschheit zusammenbauen lassen. Die vieldiskutierten (und noch mehr verdrängten) Kipppunkte im Klimasystem, komplexe Feedback-Schlaufen zwischen den verschiedenen Teilsystemen fügen der linearen Beziehung aus Treibhausgaskonzentration und Temperatur etwas Unsicherheit hinzu. Sie setzen insbesondere Grenzen für das Imaginieren eines Zurücks, Stichwort Reversibilität und Overshoot-Szenarien. Auch Carbon Dioxide Removal ermöglicht keine Zeitreise und keine Schleife in der Raumzeit, nur ein mühseliges Anschaufeln gegen die Gigatonnen-schweren Ströme heissen Kohlenstoffdioxids aus den Schornsteinen und Auspuffen. Es gibt kein Zurück. Als Zukunftsforschung haben die Klimawissenschaften also bereits gestern mit Blick auf heute recht behalten. Dass wir jetzt, ein Viertel ins 21. Jahrhundert hinein, in der Zukunft von gestern leben, heisst auch, dass wir bereits mitten in der Klimakrise stecken, beziehungsweise von Jahr zu Jahr vorwärts trudeln – oder eben wirbeln. Ein Aspekt, der die Krisenhaftigkeit ausmacht, ist, dass Umstände sich drastisch verändern. Von konservativer Seite wird jedoch eine grosse Lüge erzählt: dass Veränderung vermeidbar sei. Im besten Falle ist sie gestaltbar – oder sie bricht sich ungestaltet Bahn. Ein Samuel Eberenz«We’re living in yesterday’s future scenarios»
35 swissfuture 02/25 Festhalten an «Business-As-Usual» ist also eine Entscheidung nicht gegen Veränderung, sondern für ein mögliches Bündel von Veränderungen – mit Folgen für die Lebensgrundlagen, und damit auch für das Business, das weitergehen soll wie immer. Dass wir in der Zukunft von gestern leben, verstehe ich auch unter der Einsicht, dass die Ära von fossil getriebenem Wirtschaftswachstum, welche unser Heute prägt, gestrig ist. Sie ist nicht zukunftsfähig, zumindest in ihren zerstörerischen und ungerecht verteilten Konsequenzen nicht ethisch vertretbar. Damit kommt die Moral ins Spiel – und zwar mit Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und alles, was da kommen mag, beziehungsweise was bewusst herbeigeführt wird. Unter diesem Gesichtspunkt stehen die Begriffe Verantwortung und Handlungswirksamkeit häufig im Zentrum klimakommunikativer Bemühungen: Was braucht welche Zielgruppe, um Verantwortung annehmen zu können, im Heute fürs Morgen (aber auch für die Emissionen von gestern)? Aber eben auch, um Ohnmacht zu überwinden und sich handlungsfähig zu erleben? Die psychologischen Gegenspieler im Team Verdrängen und Verzögern sind Verantwortungsdiffusion, Dringlichkeitsleugnung und Ohnmacht. «The future is now» lese ich aber auch so: Wir haben es mit trägen Systemen zu tun. Das Klimasystem im Wechselspiel von Atmosphäre, Ozeanen, Eismassen, Biosphäre einerseits – und die sozioökonomischen Systeme mit ihren fossilen Infrastrukturen und Industrien, aber auch Wertelandschaften und politischen Prozessen. Durch diese Trägheit ist ein gewisser Grad an kommender globaler Erhitzung bereits heute durch die Emissionen und «Investments» der letzten Jahrzehnte determiniert: 2050 wird heisser sein als 2025, selbst wenn die Weltgemeinschaft ab sofort alles daransetzen würde, die Treibhausgasemissionen so schnell wie technisch möglich auf Null zu senken. Das ist natürlich nur die mittelfristige Perspektive. Für den Zustand des Klimasystems in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts und alle folgenden würde konsequente Emissionsreduktion im Heute einen gewaltigen Unterschied machen. Wer denkt und redet wie und in welchen Klimazukünften? Die Schweiz hat ein direkt demokratisch abgesegnetes und gesetzlich verankertes Netto-Null-Ziel. Netto-Null-Treibhausgasemissionen bedeutet, dass die Menge an menschengemachten Treibhausgasemissionen genau jenem Anteil entspricht, den der Mensch durch das Reduzieren von CO 2 wieder aus der Atmosphäre entfernt. Auch die Stadt Zürich hat ein solches Ziel und viele Pläne zur Umsetzung. Stolz präsentieren sich online die Visionen «Stadtraum Hauptbahnhof 2050».3 Die pro3 https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/ gebiete-areale/stadtraum-hb.html
36«We’re living in yesterday’s future scenarios» Samuel Eberenz fessionellen Visualisierungen zeigen das Bahnhofsumfeld verkehrsberuhigt und lebensfroh. In Zukunftsbild 2/9 ist ein lang ersehnter Fussweg vom Platzspitz direkt zum ShopVille im Hauptbahnhof zu sehen – und eine geschlossene Schneedecke auf der Wiese und am Ufer des Flusses. Auch auf Zukunftsbild 4/9 sind die Bäume weiss gepudert, den auf dem eiskalten Asphalt liegen bleibenden Schnee durchziehen frische Reifenspuren. Die prognostizierten Trends4 in puncto Schneesicherheit (sinkend) und Nullgradgrenze (aufsteigend) im Hinterkopf drängt sich die Frage auf: Wieso ist in zwei von neun Zukunftsbildern ein für Mitte des Jahrhunderts absoluter Ausnahmewinter abgebildet? Im Übrigen zeigt keines der weiteren sieben Zukunftsbilder Passant:innen, die sich vor der Sonnenglut und in den kühlen Schatten retten oder sonstige Verhaltensweisen oder Massnahmen – abgesehen von ein paar zusätzlichen Bäumen –, die einem durchschnittlichen Sommernachmittag in den 2050ern gerecht würden. Dafür aber nach wie vor reichlich grau versiegelte Fläche. Der Klimaunrealismus der Zürcher Zukunftsbilder ist nur eine Anekdote, aber dennoch bezeichnend für die Frage, wer wie in welchen Klimazukünften denkt und kommuniziert – und in welchen nicht. Der Klimaunrealismus der Zürcher Zukunftsbilder ist nur eine Anekdote, aber dennoch bezeichnend für die Frage, wer wie in welchen Klimazukünften denkt und kommuniziert – und in welchen nicht. Im Beispiel wird zwar ein klimaschützendes, aber kein den zukünftig zu erwartenden Klimarealitäten ausgesetztes Zukunftszürich präsentiert. Es gibt auch in der Schweiz Pläne und Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Aber auf das Ausmass möglicher Veränderungen, die alleine lokal in der Schweiz mit hoher Eintretenswahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten als Auswirkung der Klimakrise auf uns zukommen, bereiten wir uns bisher nicht vor. Von den globalen und globalisierten Folgen möchte ich, ohne diese unsichtbar zu machen, an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Vielleicht weil es schlicht überfordernd ist? Sind die kommenden Veränderungen so drastisch und komplex, dass wir sie verdrängen? Das vermutet die Umweltpsychologie. In der Klimakommunikation wird von einem zu vehementen Pochen auf die drastischen Folgen der Klimakrise abgeraten. Denn viel Forschung legt nahe, dass Angstmache und Katastrophismus die Menschen lähmt. Im schlimmsten Fall könne dies zu Fa4 https://www.slf.ch/de/schnee/schnee-und-klimawandel/
37 swissfuture 02/25 talismus führen und so Rechtspopulismus und Faschismus Zulauf generieren, mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen (nichts tun ausser Aufrüsten und die eigenen Privilegien verteidigen). Die Vermeidung eines Fokus auf die katastrophalen Folgen zugunsten aktivierender und Handlungsoptionen aufzeigender Ansätze ergibt für viele spezifische klimakommunikative Herausforderungen und Strategien Sinn. Die Verbannung der Katastrophe aus der Klimakommunikation ist aber bei weitem nicht unumstritten.5 Im Sinne eines dem Vorsorgeprinzip verschriebenen gesellschaftlichen Risiko-Managements müssen wir mit den Szenarien starker Klimaerwärmung mit zunehmend katastrophalen Folgen rechnen und uns darauf vorbereiten – oder zumindest der Frage stellen, ob und in welchem Rahmen eine Vorbereitung bzw. Anpassung zu welchem Preis möglich wäre. Ein Netto-Null-Ziel zu haben ist wichtig und entspricht den Verpflichtungen im Rahmen des Paris-Abkommens ebenso wie der moralischen Verantwortung als wohlhabendes, industrialisiertes Land mit den Kapazitäten und Mitteln zur Dekarbonisierung. Dass die Schweiz ein Netto-Null-Ziel hat, heisst aber noch nicht, dass sie es erreicht – und bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass man sich nur auf optimistische Szenarien einer Zukunft vorbereiten sollte, in der global bis 2050 Netto-Null erreicht wird. Ziel (begrenzter Klimawandel) und realistisches Gefährdungsszenario (ungebremster Klimawandel) schliessen sich nicht gegenseitig aus – ambitionierte Klimaschutzziele und ambitionierte Anpassungsmassnahmen müssen nicht in einem einzigen konsistenten Zukunftsszenario spielen. Im Gegenteil. Dies anzuerkennen führt aber nicht zwangsläufig zu einer progressiven Antwort. Und auch darin liegt ein Problem. Das vollkommen plausible Szenario, dass die Schweiz sich 2050 Netto-Null annähert und dennoch die volle Wucht des Klimawandels abbekommt, wird gerne von rechten und wirtschaftsprotektionistischen Positionen genutzt, um die Rolle der Schweiz im Klimaschutz zu relativieren. Dadurch wird dieses Szenario in progressiven Kreisen gerne umgangen, was wiederum zu totgeschwiegenen Untiefen in der Szenarienlandschaft führt. Innerhalb dieser sind gewisse Inseln sehr gut besucht und prägen, wie Klimaschutzgesetze, CO 2 -Märkte und technologische Innovationen gestaltet werden. Bezeichnend für diese Inseln ist häufig die Isolation des Themas Klima in Zukunftsszenarien und -erzählungen. Aus Gründen der Komplexitätsreduktion kann es sich zwar zielführend anfühlen, den Fokus bei der Zukunftsarbeit nur auf die globale Erwärmung zu legen – oder noch besser auf die quantifizierbaren Treibhausgase, so dass die Klimakrise scheinbar zum Einvariablenproblem wird (Zukunft = CO2-Äquivalent). Diese Rationalisierung ist nicht neutral, sondern reproduziert eine ökonomische und systemstabilisierende Haltung. Im CO2-Business geht schnell vergessen, 5 https://www.klimakollaps.org/ueber-uns/haeufige-fragen-faq/antworten-faq/fuhrtdie-vorstellung-eines-gesellschaftlichen-zusammenbruchs-nicht-zwangslaufig-zufatalismus-egoismus-und-hoffnungslosigkeit
38Samuel Eberenz«We’re living in yesterday’s future scenarios» dass Netto-Null-Treibhausgasemissionen kein Selbstzweck sind, sondern ein Mittel zum Erreichen wünschenswerter Zukünfte beziehungsweise zur Vermeidung dystopischer Szenarien. Es ist nicht schwer, sich eine Zukunft auszumalen, in der die Treibhausgasemissionen zwar auf Netto-Null gesenkt, andere planetare Grenzen jedoch gesprengt und die globalen Lebensgrundlagen mit den katastrophalsten Folgen für das Leben auf der Erde zerstört wurden. Ein Fokus auf CO2 kann im Einzelfall legitim und zielführend sein, sollte aber bewusst und transparent als Haltung beziehungsweise Annahme mitkommuniziert werden. Es ist nicht schwer, sich eine Zukunft auszumalen, in der die Treibhausgasemissionen zwar auf Netto-Null gesenkt, andere planetare Grenzen jedoch gesprengt und die globalen Lebensgrundlagen mit den katastrophalsten Folgen für das Leben auf der Erde zerstört wurden. Vielleicht kann es eine Aufgabe der Zukunftsforschung und Futuring-Community sein, auch die Minenfelder der Zukunftsszenarien zu erkunden – und nach neuen und vielfältigen Erzählungen zu suchen, die quer zu den festgefahrenen Inselerzählungen die Szenarienlandschaft mit Möglichkeiten füllen. Wenn es gelingt, «Klima» als eine reale, ernstzunehmende Dimension in alles Nachdenken über und Planen für Zukünfte zu integrieren, anstatt in Klimaerzählungen und Klimastrategien zu isolieren, ist vielleicht schon viel gewonnen. Abb. 1: Zukunftsbild 2/9 von Stadtraum Hauptbahnhof 2050: Platzspitz und Zollbrücke: Vom Platzspitz führt ein direkter Zugang zu den Tiefbahnhofen und zum ShopVille. Ein reibungsloses Nebeneinander von Fussund Veloverkehr mit der neuen Haltestelle auf der Zollbrücke. Visualisierung: Atelier Brunecky, Zürich, https://www.stadt-zuerich.ch/de/ planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/gebiete-areale/stadtraum-hb.html Abb. 2: Wie stellen wir uns einen englischen Sommer vor? Verdorrte Grasflächen im Greenwich Park, London, England, während einer Hitzewelle im August 2022. Foto: Alisdare Hickso, Licence: CC BY-SA 2.0, https://www.climatevisuals.org/asset/9218/
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46Belastbare Zukünfte gestalten: Ein Leitfaden nehmend als gestaltbarer Raum verstanden wird. Sie lädt ein zu einem pluralistischen, partizipativen und bewusst mehrdeutigen Denken über Zukünfte. Gerade heute ist dies entscheidend: Globale Vernetzung, technologische Umbrüche, geopolitische Spannungen und ökologische Krisen beschleunigen den Wandel und erhöhen die Unsicherheit. In diesem Umfeld reichen einfache Aussagen und lineare Projektionen nicht mehr aus. Eine Wegweisung dieser Art ist wertvoll, weil sie unser Verständnis möglicher Entwicklungswege vertieft und die grundlegenden Spannungsfelder im Umgang mit Zukünften sichtbar macht. Sie ermutigt, Vielfalt und Widerspruch nicht als Schwäche, sondern als Grundlage belastbarer Entscheidungen zu begreifen. Wie seid ihr beim Entwickeln der Wegweisung vorgegangen? BR: Einer der Ursprünge unseres Projekts war ein Unbehagen: Das Unwohlsein darüber, wie viele Dummheiten im Feld der Prognostik von sich gegeben werden – und wie begeistert solche Dummheiten jeweils aufgenommen und weiterverbreitet werden. Man denke zum Beispiel an die nicht auszurottende Geschichte des intelligenten Kühlschranks, der sich selbst wieder befüllt, oder an das papierlose Büro. Einer der Ersten, der sich darüber – zu Recht – ereifert hatte, war Carl Sagan in seinem berühmten «Baloney Detection Kit», ein anderer war Harry G. Frankfurt mit «Bullshit». Bei beiden hat uns die Respektlosigkeit in Kombination mit der Ernsthaftigkeit sehr inspiriert. Unsere «Wegweisung» ist jetzt vielleicht etwas trockener und anwendungsorientierter geworden, aber das erschien uns eben dringlich. RS: Neben unseren eigenen Ansprüchen an die Zukunft sind auch viele andere eingeflossen: wissenschaftliche, gesellschaftliche, praktische. Mit der Wegweisung haben wir versucht, diesem Spektrum möglichst breit gerecht zu werden. Er ist deshalb kein abgeschlossenes Werk, sondern ein Werkzeug, das sich weiterentwickeln soll. Wichtig war uns dabei, bestimmte Leitsätze im Prozess nie aus dem Blick zu verlieren: Zukunft ist ergebnisoffen, sie ist nicht gegeben, sondern wird hergestellt. Das erfordert einen Aushandlungsprozess und dieser wiederum verlangt Partizipation und Inklusion. Zukunft ist ein globales Projekt und darf nicht nur aus einer westeuropäisch-nordamerikanischen Perspektive gedacht werden. Deshalb begreifen wir Zukunft im Plural, akzeptieren ihre Nicht-Vorhersehbarkeit und verstehen sie vor allem als gestaltbar. MI: Die in der Wegweisung beschriebenen sieben Dimensionen lassen sich mit den Schichten einer archäologischen Ausgrabung vergleichen. Jede Schicht trägt dazu bei, die Denkweisen über die Zukunft ein Stück weiter zu entschlüsseln. Uns war es wichtig, dieses Werkzeug so zugänglich wie möglich zu machen, damit es von möglichst allen genutzt werden kann, mit dem Ziel, nicht jede Aussage über die Zukunft für bare Münze zu nehmen und darauf die eigene Zukunft zu verwetten. Ramona Sprenger, Markus Iofcea, Basil Rogger
47 swissfuture 02/25 Von welchen Dimensionen sprechen wir und warum sind sie relevant? Plausibilität BR: Plausibilität bildet die erste Ebene. Zukunftsbilder sollten in sich widerspruchsfrei und inhaltlich konsistent sein. Es geht hier nicht um Wünschbarkeit, sondern um die theoretisch denkbare Möglichkeit eines Zukunftsbildes, auch wenn es den eigenen Vorlieben widerspricht. RS: Diese Dimension finde ich am schwierigsten einzuschätzen. Hier lauert die Gefahr des Status-quo-Bias: Zukunftsbilder werden vorschnell verworfen, weil sie nicht in die heutige Realität passen. Dabei geht es bei Plausibilität nicht um Wahrscheinlichkeit, sondern um innere Konsistenz und Vereinbarkeit mit grundlegenden Naturgesetzen. Methodische Transparenz MI: Methodische Transparenz steht für mich ganz oben. Die nachvollziehbare Dokumentation des Zukunftsprozesses ist wichtig. Es muss klar unterschieden werden zwischen Fiktion, Annahmen sowie Spekulation und wissenschaftsbasierten Erkenntnissen. Fiktion und Realität spielen bei meiner Arbeit eine grosse Rolle, aber nur wenn Quellen, Methoden und Annahmen klar benannt sind, lassen sich die Entstehung und Validität eines Zukunftsbildes beurteilen. Sonst gleichen wir im Umgang mit der Zukunft wie Schatzsuchende ohne Karte. Klar benennen, was nicht betrachtet wurde, um ein ehrliches Bild zu wahren. RS:: Ich finde es gut, dass wir nicht-wissenschaftsbasierte Methoden nicht ausschliessen. Wichtig ist, offen zu zeigen, wie man zu diesem Bild kommt. Ein belastbares Zukunftsbild muss nicht statistisch wahrscheinlich sein, sonst würden wir immer nur eine Extrapolation der Gegenwart betreiben. Transparenz heisst, Annahmen sichtbar zu machen und den Prozess nachvollziehbar zu halten. BR: Etymologisch betrachtet heisst Methode «einen Weg entlanggehen», «einem Weg folgen». Transparenz bedeutet, dass ich als Autor eines Zukunftsbildes Rechenschaft darüber ablegen kann, welchen Weg ich gegangen bin, im Wissen darum, dass es auch andere Wege gäbe. Aber auch und wichtiger: dass ich nichts verberge oder nichts in mein Zukunftsbild hineinpacke, was nicht dem methodischen Vorgehen (Weg) entspricht, den ich eingeschlagen habe. Partizipation RS: Für mich steht Partizipation ganz oben. Zukünfte dürfen nicht im Elfenbeinturm entworfen werden, sondern müssen alle relevanten Akteur:innen einbeziehen. Auch diejenigen, die sonst nicht gehört werden oder sich nicht selbst äussern können. Belastbare Zukunftsbilder werden folglich nicht ausschliesslich von Expert:innen entwickelt, sondern von allen, die vom Zukunftsbild betroffen sind.
48Belastbare Zukünfte gestalten: Ein Leitfaden MI: Die Dimension Partizipation hinterfragt, wer am Gestaltungsprozess beteiligt wurde und wer nicht. Hierzu gehört auch der Einbezug nicht-menschlicher Akteure wie anderer Lebewesen, Umwelt oder Technologie, um ein vernetztes, systemisches Verständnis zu fördern. Mehr Beteiligte bringen mehr Blickwinkel und Wissen ein, wodurch blinde Flecken reduziert werden, und wer am Prozess beteiligt ist, trägt die Ergebnisse eher mit und setzt sie in Handlung um. Ganzheitlichkeit MI: Mit Partizipation verbunden ist das Gebot ganzheitlichen Denkens. Zukunftsbilder sollten alle relevanten Aspekte berücksichtigen und Perspektiven verschiedener Herkünfte und Disziplinen integrieren. Ich arbeite viel mit Zukunftsartefakten, aus bisher noch nicht eingetretenen Zeiten. Es reicht nicht, nur die glänzenden Artefakte zu sichern. Der Einbezug verschiedenster Disziplinen, Wissensformen und Erfahrungen ist wichtig, um kein relevantes Detail auszulassen. Das Erkennen, wie scheinbar unabhängige Aspekte (ökologisch, technologisch, sozial, kulturell) sich gegenseitig beeinflussen – und Konsequenzen mitdenken. RS: An diese Dimension versuchten wir uns auch im Erarbeitungsprozess zu halten, indem wir Zukunftsgestalter:innen und -forscher:innen mit unterschiedlichen Hintergründen miteinbezogen haben. Pluralität RS: Zukünfte als Mehrzahl anstatt die eine festgeschriebene Zukunft! MI: Die Aufforderung, Zukunft in den Plural zu setzen, verdeutlicht, dass «die Zukunft» nicht feststeht. Sie ist das Ergebnis fortlaufender Aushandlungsprozesse, geprägt von unseren Werten, Zielen und Handlungen. BR: Wer Eindeutigkeit verspricht, hat nicht verstanden, was Zukunft ist, und noch viel weniger, was Zukünfte sind. Zukünfte sind – auch wenn sie sich immer nur in einer Gegenwart realisieren – mehrdeutig, widersprüchlich, ambivalent. Das müssen wir aushalten und wertschätzen lernen. Ermächtigung MI: Die Befähigung von Menschen, ihre Rolle als aktive Gestalter:innen zu erkennen, ist wichtig, um Handlungsoptionen im Hier und Jetzt aufzuzeigen und zu selbstbestimmtem Handeln zu ermutigen. So können wir vom passiven in den aktiven Modus wechseln. Ermächtigung bedeutet dabei nicht nur, Wissen und Werkzeuge in die Hand zu geben, sondern auch das Vertrauen in die eigene Urteilskraft zu stärken. So wird Zukunftsgestaltung vom exklusiven Expert:innenprojekt zu einem kollektiven Unterfangen, in dem viele Stimmen die Erzählung mitprägen. RS: Für mich ist diese Dimension zentral, weil Zukunft oft auch dazu genutzt wird, Versprechen in einen Raum zu verschieben, in dem sie nie eingelöst werden Ramona Sprenger, Markus Iofcea, Basil Rogger
49 swissfuture 02/25 müssen. So bleibt Veränderung im Jetzt aus. Belastbare Zukünfte funktionieren anders: Sie ermutigen und befähigen uns, in der Gegenwart (selbst)ermächtigt zu denken und handeln. Der eigentliche Nutzen von Zukunft liegt darin, was wir heute daraus ableiten. BR: In der Dimension der Ermächtigung ist für mich implizit enthalten, dass Zukunftsgestaltung immer ein gemeinschaftliches Projekt sein muss, in dem reflektiert und politisch-sozial-kulturell sensibel mit Machtverhältnissen umgegangen wird. Nicht jeder Zukunftsgestaltungsprozess ist demokratisch organisierbar – muss er auch nicht. Aber wir müssen ständig im Auge behalten, wen oder was wir potenziell von unseren Zukunftsgestaltungsprozessen ausschliessen und wen nicht. Und zwar in globaler, vielleicht sogar universaler Perspektive. Neuartigkeit MI: Zu guter Letzt fordert die Wegweisung, auch nach der «Neuheit» in den Zukunftsbildern zu suchen. Die Dimension Neuartigkeit regt dazu an, bewusst über das Bestehende hinauszudenken. Zukünfte sind selten nur lineare Fortschreibungen der Gegenwart. Sie erfordern das Einbringen neuer Ideen, Perspektiven und Annahmen. Alles, was heute so ist, wie es ist, kann auch anders gedacht werden. Dieses Prinzip hilft, aus gewohnten Denkmustern auszubrechen und radikal andere Zukunftsbilder zu entwickeln. Für einen Zukunftsarchäologen ist Neuartigkeit der Beweis, dass der Boden der Gegenwart Risse hat, durch die frische Perspektiven hindurchscheinen. Worin liegt der grössere gesellschaftliche Nutzen dieser Wegweisung? MI: In einer Zeit multipler Krisen (vom Klimawandel über technologische Disruption bis hin zur sozialen Fragmentierung) reicht es nicht mehr aus, lediglich auf Trends zu reagieren. Immer wieder zeigt sich, dass Gesellschaften, die ihre eigenen Zukunftsbilder nicht reflektieren, Gefahr laufen, in Sackgassen zu geraten und Handlungsmöglichkeiten verlieren. Der gesellschaftliche Nutzen einer solchen Wegweisung liegt vor allem darin, in Zeiten von Ungewissheit als Prüfwerkzeug verlässliche Orientierung zu bieten. Sie formuliert Prinzipien, die helfen, systematisch zu prüfen, ob Zukunftsbilder tragfähig genug sind, um als Grundlage für Entscheidungen zu dienen, oder ob sie bei genauerer Betrachtung bröckeln. Zusammenfassend ist sie ein Instrument, um sicherzustellen, dass wir uns nicht von rhetorisch glänzenden, aber inhaltlich leeren Visionen leiten lassen. RS: Die «Wegweisung für belastbare Zukünfte» von swissfuture fordert daher dazu auf, Zukunft als kollektives Projekt zu begreifen, das weit über Vorhersagen hinausreicht und stattdessen aktives Verhandeln und Gestalten erfordert. BR: Die in unserer «Wegweisung» vorgeschlagenen sieben Dimensionen dienen hierbei wie Werkzeuge, mit denen eine tragfähige und sinnvolle Zukunft
Belastbare Zukünfte gestalten: Ein Leitfaden erarbeitet werden kann (oder wie bereits bestehende Zukunftsbilder beurteilt werden können). Sie helfen, zwischen reiner Fantasie und fundierten Zukunftsbildern zu unterscheiden, und bieten Orientierung in einer immer komplexeren Welt. Die Wegweisung ist deshalb kein starres Regelwerk, sondern ein dynamischer Kompass für all jene, die Zukunft nicht konsumieren, sondern aktiv mitgestalten wollen. Wie wird die Wegweisung angewendet, was kann sie und was kann sie nicht? RS: Was sie kann: Sie gibt einen strukturierten Rahmen, um einzuschätzen, wie belastbar ein Zukunftsbild ist. Was sie nicht kann: garantieren, dass ein Szenario eintritt, oder die Zukunft exakt vorhersagen. Es ist ein Reflexionsund Diskussionswerkzeug, nicht die Glaskugel. BR: Wie alle gute Zukunftsforschung soll uns die «Wegweisung» das Denken nicht abnehmen, sondern es ermöglichen – auf eine verantwortungsvolle, nachhaltige und zukunftsträchtige Weise. Ramona Sprenger, Markus Iofcea, Basil Rogger
51 swissfuture 02/25 Das Zukunftsinterview Das Zukunftsinterview
52Isabelle VuongZukunftsinterview Autorin Isabelle Vuong is the founder of open futures, a foresight consultancy in Switzerland and Germany. Following a Master’s in Futures Studies at the Freie Universität in Berlin, she has conducted foresight processes and workshops in the (non-)governmental and private sectors. Having worked with banks, international organisations, cantons and academic and cultural institutions, among others, she brings specific expertise in the fields of sustainability, cash and payments, cities and democracy, arts and culture. She is a member of the board of swissfuture. [email protected]
53 swissfuture 02/25 Zukunftsinterview Foresight is not an oracle, it is a change of perspective When it comes to issues such as the climate crisis, geopolitical upheavals and digital transformation, Isabelle Vuong advocates adopting a balanced yet inquisitive approach to what lies ahead. In this interview, the new swissfuture board member discusses the role of foresight in uncertain times, the power of pessimistic and optimistic visions of the future, and the importance of considering multiple perspectives simultaneously. We are delighted that she is bringing her expertise to the board, with a particular focus on the Frenchspeaking part of Switzerland. What future-related topics are you currently working on? First, I would like to say that I’m witnessing with pleasure a growing interest in foresight in Switzerland. I think of the Premier forum romand des futurs in Geneva last May, the recently reconceptualised HES-SO Business Administration Master’s degree with a Major in Foresight, plus two new tentative CAS programmes in Foresight in Fribourg and Lucerne, along with other new training offerings. These are encouraging signs of foresight gaining more ground in Switzerland. Partly in response to this, I’m currently developing a training programme in strategic foresight and scenarios for small and medium-sized enterprises and organisations. Scenario is a great method for bringing together and building upon expert and sectoral knowledge, and I am thrilled to build upon participants’ knowledge so that together we can identify plausible futures for Switzerland’s economy by 2030, as well as strategic responses to them. I’m also planning to offer a session in Futures Literacy Labs, a methodology devised by UNESCO. Additionally, I’m developing scenarios
54Isabelle Vuong for the future of arts and cultural management in order to review and rethink futures skills for a Master’s programme in cultural management. Finally, as part of expanding swissfuture’s network in French-speaking Switzerland, I’m initiating foresight activities with authorities, the Geneva Graduate Institute (IHEID) at University of Geneva and the International Geneva network on behalf of swissfuture. How would you describe the state of the world today in three words? At the moment, somewhat like Paul Klee’s Angelus Novus, a figure that steps backwards with their face turned towards the past and their back towards the future. In three words: denying, disruptive, unlearning. But things move quickly nowadays so this shouldn’t be viewed as pessimistic. It’s all about the process, and who knows, we may soon be on the verge of real change again. Are you optimistic or pessimistic about the future? Why? To me, the debate between optimistic and pessimistic futures – focusing on that distinction, that dichotomy – isn’t as relevant as one might think. First, if we acknowledge that positive futures mean different things to each of us, we also need to recognise we’ll have to make compromises that may not always be fully optimal for us but will work for most. In fact, there are many futures that aren’t totally optimistic, yet they’re worth living – just as the present is worth living despite its many troubles. So while we all rightly focus on the physical climate, maybe we should also examine our psychological climate. Managing our expectations of the future and broadening our perspectives beyond our own viewpoints is part of the answer to navigating complexity and change. Second, many calls to imagine positive futures are motivated by the belief they will inspire people to act on them. But people have different attitudes to the future – some in particular are motivated by avoiding negative developments. Think, for instance, of Greta Thunberg describing our planet as a «House on Fire»: the motivational power of pessimistic futures is real. So to me, (strategic) foresight is precisely about including both optimistic and pessimistic viewpoints. We need to look honestly at the challenges ahead, big and small, while remaining open to alternative paths and opportunities that might emerge. Foresight isn’t about choosing one truth – i.e. predicting – but including what cannot be reasonably eliminated, therefore working with multiple scenarios. This represents a shift in the knowledge paradigm. We need to hold multiple, counter-intuitive and contradictory views of possible futures simultaneously. This is perhaps one of the most challenging – and rewarding – aspects of good foresight work: cultivating both curiosity and critical thinking. Zukunftsinterview
55 swissfuture 02/25 Which innovations would you like to see? One existing socio-digital innovation I would be thrilled to see expand on a large scale is data commons – self-managed by communities or entities working in the public interest. Imagine if, in a few years, quantum-powered data commons could leverage unprecedented data for the common good and societal wellbeing. Benefits could emerge in areas like scientific research, public health, environmental monitoring, urban mobility and traffic solutions, social and cultural initiatives, and so on. What sustainable solutions would we see emerge if data became established as a commons rather than a private commodity? How will our society be different in 30 years? Pierre Wack pioneered scenario planning at Shell and famously anticipated the 1973 oil crisis, allowing Shell to adjust its contracts months before it occurred. In his 1985 Harvard Business Review1 article about that process, he emphasised that effective foresight requires identifying the main driving forces behind major changes. So if we look at the past 30 years, after the bipolar era of the Cold War, the major driving force has been a Western-led order powering the global governance, security and technology systems our economy depends on. Switzerland has benefited from these arrangements designed broadly according to our values and interests. For the most part, the West under US leadership projected strength, and conflicts remained in peripheral regions. But this period appears to be increasingly giving way to a multipolar world, or at least regionalisation efforts which, combined with more extreme climate events and various other developments, could mean both new opportunities and challenges for Switzerland. Moves towards regionalisation could bring Switzerland new opportunities or increased dependency on the EU, or possibly different balances of both. A context of geopolitical coercion, technological decoupling and fragmented regulations could create economic, resources and security pressures as well as political dilemmas around neutrality. Switzerland may then face increasingly stark choices between deeper regional integration and preserving its neutrality. Surely 30 years is a long way and these dynamics may well give way to some transformed global constellations by 2055. I think we haven’t yet fully grasped what a potentially declining Western influence and shifting power constellations might mean for Switzerland and Europe in the meantime. For instance, in terms of financial and 1 Wack, Pierre (1985): Scenarios: Uncharted Waters Ahead, in: Harvard Business Review 63(5), https://hbr.org/1985/09/scenarios-uncharted-waters-ahead (September 22, 2025).
62Zukunftsstudien Heimat neu erzählen – Narrative der Schweiz im Wandel Institution: Universität Zürich Autor:innen: Raphael Bret, Pavlos Frouzakis, Silvana Grunder, Aurora Palanza, Lorenzo Zambelli Auftraggeber: Pro Futuris Publikationsjahr: 2025 Kontakt: Andreas Müller, [email protected] Nationale Narrative prägen, wie wir unser Land sehen und wie wir darüber sprechen. Doch viele dieser Erzählungen stammen aus einer anderen Zeit. Es stellt sich die Frage, verändert sich das Selbstbild der Schweiz? Erzählen wir uns noch die gleichen Geschichten oder brauchen wir neue Narrative? Im Auftrag von Pro Futuris, dem Think + Do Tank der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, haben fünf Masterstudierende des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich untersucht, wie sich nationale Narrative anpassen, erweitern oder neu erzählen lassen. Ausgehend von historischen Narrativen wurden mittels Reden von Politiker:innen, Ergebnissen aus Bevölkerungsumfragen, wissenschaftlicher Literatur und weiteren relevanten Dokumenten fünf zukunftsgerichtete Narrative entwickelt und anschliessend deren Akzeptanz in der Schweizer Bevölkerung getestet. Access: https://heimatneuerzaehlen.ch/ Dienstleistungssektor wächst in den nächsten Jahrzehnten weiter Institution: Ecoplan AG Autoren: Laurent Cretegny, André Müller Auftraggeber: Office fédéral du développement territorial ARE, Office fédéral de l’énergie BFE Publikationsjahr: 2025 Kontakt: Laurent Cretegny, [email protected] Die Zahl der Vollzeitstellen im Schweizer Dienstleistungssektor dürfte bis 2060 von 3,1 auf fast 3,5 Millionen steigen. In der Landund Forstwirtschaft sowie in der Industrie werden hingegen Arbeitsplätze verschwinden. Zu diesem Schluss kommen die aktualisierten Branchenszenarien der Bundesämter für Raumentwicklung ARE und Energie BFE. Die Branchenszenarien zeigen die mögliche Entwicklung der Wirtschaftsstruktur der Schweiz bis 2060 aufgefächert nach Branchen und Regionen. Sie sind eine Grundlage für die Verkehrsperspektiven des UVEK und die Energieperspektiven des BFE. Eingeflossen sind in die Aktualisierung unter anderem die neuesten Szenarien des Bundesamts für Statistik zur Bevölkerung und Szenarien zur Entwicklung des BIP, die für dieses Projekt vom Staatssekretariat für Wirtschaft berechnet wurden. Access Bericht (auf Französisch): Access Faktenblatt:
63 swissfuture 02/25 Can We Get Through the Demographic Crunch? Institution: OECD Herausgeber: Andrea Bassanini Publikationsjahr: 2025 Kontakt: Andrea Bassanini, andrea.bassanin[email protected]g Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: «Damit die Wirtschaft wachsen kann, braucht es Arbeitskräfte, welche die nötige Wertschöpfung erbringen.» So banal die Erkenntnis auch ist: Die Länderorganisation OECD setzt sie ins Zentrum ihres neuen Beschäftigungsreports. Statt eines Mangels an Jobs wie früher erlebe die westliche Welt zunehmend einen Mangel an Arbeitskräften, hält die OECD fest – und warnt vor den tiefgreifenden Folgen dieses Wandels. Das wirtschaftliche Wachstum droht in den westlichen Ländern um 40 % zurückzugehen. In der Schweiz und in Deutschland könnte die Demografie zu einem noch stärkeren Rückgang führen. (NZZ) Access: https://www.oecd.org/content/dam/ oecd/en/publications/reports/2025/07/ oecd-employment-outlook2025_5345f034/194a947b-en.pdf
64Der besondere Tipp Veranstaltungen Jahreskonferenz Future of Work 25 11. November 2025 Frankfurt School of Finance & Management, Frankfurt am Main www.forum.frankfurt-school.de/konferenzen/ future-of-work/ 57. Innovationstagung Die Schweiz 2050 19. November 2025, 18.15–20.30 Uhr OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil-Jona www.ost.ch/de/event/57-innovationstagungdie-schweiz-2050 Ausstellungen Was wäre wenn? Vom Spekulieren und Handeln für die Zukunft 28. November 2025 bis 1. Februar 2026 Kornhausforum, Bern www.kornhausforum.ch ● Science Fiction Design: Vom Space Age zum Metaverse Bis 10. Mai 2026 Vitra Design Museum, Weil am Rhein www.design-museum.de Der besondere Tipp Thema Weiterbildung Orientierung in Zeiten der Unsicherheit 11. November 2025 Staatslabor, Bern www.staatslabor.ch Buchtipps Jürg Müller, Christoph Eisenring, Patrick, Leisibach (2025): Antifragile Schweiz 17 Strategien für eine Welt der Unordnung Zürich: Versus Verlag. Uwe Vormbusch, Michael Niehaus, Fabian Fechner, Peter Risthaus, Eryk Noji (2025): Glossar der Unsicherheit Berlin: Neofelis Verlag. Vito Tanzi (2022): Fragile Futures The Uncertain Economics of Disasters, Pandemics, and Climate Change Cambridge: Cambridge University Press. Isabella Hermann (2025): Zukunft ohne Angst Wie Anti-Dystopien neue Perspektiven eröffnen. München: Oekom Verlag.
Gendergerechte Sprache Das swissfuture-Magazin bemüht sich um eine gendersensible Sprache, die alle Menschen in ihrer Vielfalt anspricht und abbildet. Wo neutrale, Dudenkonforme Lösungen nicht möglich sind, wird der Gender-Doppelpunkt eingesetzt. Open Access Policy Das swissfuture-Magazin befolgt die Vereinbarungen für Gold Open Access und bietet damit einen sofortigen freien Zugang zu den Inhalten ab dem Erscheinen der Ausgabe. Autor:innen dürfen ihre Artikel unter einer CC-BY 4.0-Lizenz jederzeit publizieren und sie behalten umfänglich die Verwertungsrechte, wobei die Erstpublikation angegeben werden muss. Sie tragen keine Kosten. Zitierweise Zitate im Text Für eine Literaturangabe ist in Klammern der Nachname des:der Autor:in, das Publikationsjahr sowie (im Fall von direkten Zitaten in Anführungszeichen) die Seitenzahl anzugeben. Wird der Name des Autors bereits im Text genannt, wird nur das Publikationsjahr (und die Seitenzahl) in Klammern angegeben. Beispiele: …Goffman (1974: 274–275)… Literaturverzeichnis Im Literaturverzeichnis werden alle zitierten Werke aufgeführt. Es ist alphabetisch nach den Nachnamen der Autor:innen zu ordnen, deren volle Namen angegeben werden sollten. Zwei oder mehr Werke derselben Autor:in sollten chronologisch nach Publikationsjahr geordnet werden. Beispiele: Monographie – ein:e Autor:in Goffman, Erving (1974): Rahmen-Analyse. Ein Versuch über die Organisation von Alltagserfahrung. Frankfurt: Suhrkamp. Monographie – zwei oder mehr Autor:innen Berger, Peter L. und Thomas Luckmann (1966): The social construction of reality: A treatise in the Sociology of Knowledge. Garden City, NY: Anchor. Sammelband Maso, Ilja (2001): Phenomenology and Ethnography (136–174), in: Paul Atkinson, Amanda Coffey, Sara Delamont, John Lofland und Lyn Lofland: Handbook of Ethnography. London: Sage. Zeitschriftenartikel – ein:e Autor:in Albert, Ernest (2011): Über Backlash, Neukonstellationen und einige Schweizer Wertentwicklungen, in: swissfuture 01/11: 4–7. Zeitschriftenartikel – zwei oder mehr Autor:innen Jensen, Carl J. und Bernhard H. Lewin: The World of 2020: Demographic Shifts, Cultural Change and Social Challenge, in: swissfuture 01/09: 36–37. Zeitungsartikel Wehrli, Christoph (22. Juli 2011): Vielfalt und Gleichheit im Einwanderungsland (S. 11). Zürich: Neue Zürcher Zeitung. Artikel in elektr. Form – Zeitschrift Schnettler, Bernd (2002): Review Essay – Social Constructivism, Hermeneutics, and the Sociology of Knowledge, in: Forum Qualitative Sozialforschung 3(4), http://www.qualitativeresearch.net/index.php/fqs/article/view/785 (27. Juli 2011). Artikel in elektr. Form – Zeitung Dätwyler, Tommy (27. März 2008): Neues Leben auf alten Inkapfaden, in: Neue Zürcher Zeitung, http://www.nzz.ch/magazin/reisen/neues_ leben_auf_alten_inkapfaden_1.695490.html (27. Juli 2011). Informationen auf Website veröffentlicht Bundesamt für Statistik (2010): Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz 2010–2060. Neuenburg: BFS. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/ news/publikationen.html?publicationID=3989 (27. Juli 2011).
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