Künstliche Intelligenz und koloniale Provenienz. Pilotprojekt zur Erprobung KI-gestützter Transkription, Übersetzung und Visualisierung von Provenienzdaten aus kolonialen Kriegszügen in Deutsch-Neuguinea
Abstract
Kolonialisierung, das Aneignen von Objekten und der Aufbau von ethnologischen Sammlungen in Berlin waren auf das Engste miteinander verknüpft. Bis heute befindet sich eine Vielzahl an Gegenständen, die im Kontext kolonialer Kriegszüge nach Berlin gelangten im Ethnologischen Museum. Die gewaltvolle Geschichte dieser Erwerbungen zu ergründen und offenzulegen ist das zentrale Anliegen der Provenienzforschung. Viele historische Dokumente, die für die Erforschung kolonialer Museumsbestände zentral sind, sind nur schwer zugänglich. Sie sind in altdeutscher Handschrift verfasst, schwer lesbar und ausschließlich auf Deutsch vorhanden. Das erschwert die Forschung und die internationale Zusammenarbeit. Das Pilotprojekt zur Erprobung KI-gestützter Transkription, Übersetzung und Visualisierung von Provenienzdaten aus kolonialen Kriegszügen in Deutsch-Neuguinea setzt sich damit auseinander, wie diese Barrieren überwunden werden können. Das Projekt erprobt KI-gestützte Methoden zur Unterstützung der Provenienzforschung. Aufbauend auf dem von der DFG geförderten Projekt zur Digitalisierung des historischen Archivs im Ethnologischen Museum soll nun sondiert werden, wie eine Transkription und anschließende Übersetzung dieser Dokumente in mehrere Sprachen umgesetzt werden kann. Gleichzeitig wird die Visualisierung der dabei erhobenen Daten getestet, um die Provenienzforschung in diesem Bereich inhaltlich zu unterstützen und Erkenntnisse für zukünftige Projekte zu gewinnen. Die ausgewählten Akten beziehen sich auf Aktivitäten der Marine in der Kolonie Deutsch-Neuguinea und bieten Kontextinformationen zu kolonialen Kriegszügen und den aus diesem Kontext stammenden Objekten. Das Projekt ist ein erster Testlauf: Welche Technologien sind für die Provenienzforschung tatsächlich nutzbar? Wie viel menschliche Arbeitszeit wird benötigt, um mit gegenwärtig verfügbaren KI-basierten Technologien verwertbare Ergebnisse zu erzielen? Wo liegen die Grenzen automatisierter Verfahren? Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, digitale Methoden für die Erforschung kolonialer Sammlungen weiterzuentwickeln. Dieses Poster ist für die Tagung "Digital Turn. Sammlungen – Provenienzen – Märkte", die am 27. und 28. November 2025 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand, entstanden.