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Proveana – Forschung sichtbar machen: Zwischen wissenschaftlichem Bericht und strukturierter Datenbank

Kraske, Juliane

Abstract

Die Forschungsdatenbank Proveana dokumentiert die Ergebnisse von Provenienzforschungsprojekten, die vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert werden. Ziel ist es, historische Forschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, kriegsbedingt verlagertem Kulturgut, Kulturgutentziehungen in SBZ/DDR sowie Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten zugänglich, nachvollziehbar und anschlussfähig zu machen. Proveana verfolgt dabei einen spezifischen Ansatz: Im Zentrum steht nicht die Objektbeschreibung, sondern die Kontextualisierung historischer Ereignisse, Akteure und Netzwerke. Die Basis bilden die wissenschaftlichen Abschlussberichte, deren Inhalte entlang redaktioneller Standards analysiert, normiert und in strukturierte Datensätze überführt werden. Dieser redaktionelle Prozess steht exemplarisch für den Umgang mit heterogenen, textbasierten Forschungsquellen im digitalen Raum. Das Poster zeigt, wie Proveana auch ohne ausgereifte technische Infrastrukturen wie Schnittstellen oder Linked Open Data als verlässliche, zitierfähige Quelle genutzt werden kann. Es beleuchtet die strukturellen und methodischen Voraussetzungen dafür und diskutiert zugleich die Herausforderungen und Potenziale digitaler Repräsentation qualitativer Forschung: Wie lässt sich Forschungswissen auffindbar und nutzbar machen, ohne seine historische Komplexität zu reduzieren? Welche Bedeutung haben Normdaten, persistente Identifikatoren und offene Datenzugänge – selbst wenn umfassende digitale Schnittstellen noch in Planung sind? Nicht zuletzt versteht sich Proveana als Plattform, die nicht abschließt, sondern anstößt: Forschung als Prozess sichtbar zu machen, ist auch im digitalen Raum ein fortlaufender Aushandlungsprozess zwischen Repräsentation, Quelle und Verantwortung. Dieses Poster ist für die Tagung "Digital Turn. Sammlungen – Provenienzen – Märkte", die am 27. und 28. November 2025 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand, entstanden.

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Redaktionelle Grundprinzipien • Jede Information basiert auf überprüfbaren Quellen • Transparenz und Nachvollziehbarkeit für je Eintrag • Widersprüchliche Informationen werden dargestellt • Offen für neue Erkenntnisse Vom Bericht zum Datensatz: Redaktionelle Standards transformieren heterogene Quellen in strukturierte, zitierfähige Daten. Struktur & Qualität Acht Entitätstypen: Personen & Körperschaften, Ereignisse, Sammlungen, Provenienzmerkmale, Archivmaterialien, Literatur & digitale Angebote, Forschungsprojekte & Berichte, Materielle Gegenstände. Qualitätssicherung: Quellenpflicht & Datumsangaben, kontrollierte Vokabulare, Vier-Augen-Prinzip, Versionierung & Zitierfähigkeit (PURLs). Forschungskontexte NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut Kunstwerke, Bücher, Kunstgewerbe oder andere Kulturgüter, die ihren Eigentümern zwischen 1933 und 1945 aufgrund nationalsozialistischer Verfolgung entzogen wurden („NS-Raubgut“). Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut Kulturgut, das während und infolge des Zweiten Weltkriegs entzogen bzw. verbracht oder verlagert wurde („Kriegsverluste“). Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR Enteignungen und Entziehungen von Kulturgütern zwischen 1945 und 1989 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Kulturund Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten Kulturund Sammlungsgut, das im Zuge der kolonialen Expansion geplündert oder den Herkunftsgesellschaften auf ethisch fragwürdige Weise entzogen wurde. Chancen & Herausforderungen • Heterogene Quellen → strukturierte Datensätze • Qualitativ ↔ Quantitativ → kombinierbar via Normdaten & PIDs • Zitierfähig auch ohne Schnittstellen • Skalierbarkeit → APIs & LOD als nächster Schritt Hintergrund und Ziel Proveana ist die Forschungsdatenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. In ihr werden Ergebnisse der Provenienzforschung erfasst, vernetzt und als zitierfähige Datensätze bereitgestellt. Ziel ist, historische Kontexte von Kulturgutentziehungen sichtbar zu machen und Forschungsergebnisse dauerhaft zu sichern. Leitprinzip: Kontext statt Objekt – im Mittelpunkt stehen Akteure, Institutionen, Ereignisse und Netzwerke, die Provenienzwege im historischen Zusammenhang erschließen. Kontakt: [email protected] proveana.de FAIR: Stand & Roadmap • Findable: Persistente URLs (PURLs), Normdaten, facettierte Suche • Accessible: Webportal, OCR-Volltext; API geplant • Interoperable (Ziel): Schnittstellen, Linked Open Data , Normdaten-Links • Reusable (Ziel): Maschinenlesbare Formate, offene Lizenzen, Barrierefreiheit Proveana – Forschung sichtbar machen: Zwischen wissenschaftlichem Bericht und strukturierter Datenbank Abbildung 2: Netzwerkdarstellung von Akteuren und Ereignissen: Beispiel Auktion Hans W. Lange (18.-19.11.1938) – verdeutlicht Kontext statt Objekt. Ausblick • API & Linked Open Data • Maschinenlesbare Formate & offene Lizenzen • nationale und internationale Datenkooperationen Abbildung 3: Workflow vom Bericht zum Datensatz: Standards für Strukturierung, Qualitätssicherung und Integration in Proveana. Nutzen und Zielgruppe • Forschung: Tiefenrecherche, projektübergreifende Analysen • Praxis: Normdatenkompatibilität, verlässliche Referenzen • Betroffene: Transparenz, Zugang • Öffentlichkeit: Sichtbarmachung historischer Zusammenhänge Abbildung 1: Visualisierung historischer Ereignisse: Beispiel Überfall auf Hornkranz (1893) – zeigt georeferenzierte Daten für Kontextanalyse. Warum relevant? • Digital Turn: Heterogene, textbasierte Forschung maschinenlesbar machen – ohne historische Komplexität zu verlieren. • FAIR als Brücke: Zwischen qualitativer Forschung und datengetriebener Nachnutzung. • Zukunftsfähigkeit: Normdaten & PIDs heute, Schnittstellen & LOD morgen.