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Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende Ergebnisse und Empfehlungen Philipp Kandler | Sibylle Söring Freie Universität Berlin 2025
2 | Philipp Kandler, Sibylle Söring DIE AUTORINNEN Philipp Kandler 0000-0002-5701-4820 Sibylle Söring 0000-0002-1698-3289 HERAUSGEBER Freie Universität Berlin mit Projektschwerpunkt FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende (AP 5). Diese Publikation wurde im Rahmen des Verbundprojekts „FDLink“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert – Projektnummer: 534 689 364 IMPRESSUM Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende. Ergebnisse und Empfehlungen von Philipp Kandler und Sibylle Söring ist lizensiert unter der Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) ZITATIONSVORSCHLAG Kandler, P., Sibylle, S. (2025). Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende. Ergebnisse und Empfehlungen. https://doi.org/10.5281/zenodo.17811815 DOI https://doi.org/10.5281/zenodo.17811815 FDLink
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 3 Inhalt 1. Einleitung, Zielsetzung und Vorgehensweise...................................................................................... 4 1.1 Projektbeschreibung FDLink .......................................................................................................... 4 1.2 Ziel des Integrationskonzepts ........................................................................................................ 4 1.3 Methodik......................................................................................................................................... 4 2. Ist-Stand und Bedarfe der Stakeholder ............................................................................................... 5 2.1 GWP und FDM in Satzungen und Ordnungen an Universitäten ................................................... 5 2.1.1 Ergebnisse .............................................................................................................................. 5 2.1.2 Diskussion ............................................................................................................................... 6 2.2 Zielgruppen und Stakeholder ......................................................................................................... 7 2.2.1 Zielgruppen ............................................................................................................................. 7 2.2.2 Stakeholder: Entscheidungsträger .......................................................................................... 8 2.2.3 Stakeholder: Promovierende als Adressat*innen von Schulungen ........................................ 8 2.2.4 Diskussion ............................................................................................................................... 9 3. Lösungsansätze und Empfehlungen zur Umsetzung des FDM-Curriculums ..................................... 9 3.1 Kursformate ................................................................................................................................... 9 3.1.1 Option 1: Synchrone Kurse (online oder Präsenz) unterschiedlicher Länge ........................ 10 3.1.2 Option 2: Kurs-Module zur flexiblen Verwendung in GWPund weiteren Kursen ................ 10 3.1.3 Option 3: Modul(e) zur Ergänzung von Selbstlernkursen ..................................................... 11 3.1.4 Empfehlungen zu Kursformaten ............................................................................................ 12 3.2 Inhalte .......................................................................................................................................... 13 4. Fazit ................................................................................................................................................... 14 5. Anhänge ............................................................................................................................................ 14 5.1 Anhang 1: Referenzkurse für das Integrationskonzept ............................................................... 14 5.2 Anhang 2: Vorhandene Materialien zur Nachnutzung ................................................................. 16 5.3 Anhang 3: Ergebnisse des Fachforums ....................................................................................... 17 6. Literaturverzeichnis ........................................................................................................................... 18
4 | Philipp Kandler, Sibylle Söring 1. Einleitung, Zielsetzung und Vorgehensweise 1.1 Projektbeschreibung FDLink Das DFG-geförderte Verbundprojekt „FDLink – Rahmenbedingungen für Kulturwandel und gemeinsame Servicelandschaft stärken“ setzt sich das Ziel, den Ausbau von Verantwortungsstrukturen und Informationskompetenzen und somit eine gezielte Übersetzungsleistung von institutionellen zu überinstitutionellen Serviceleistungen im Forschungsdatenmanagement (FDM) zu fördern. Die FDMKontaktstellen der Hochschulen sollen in die Lage versetzt werden, Bedarfe der Forschenden gezielt, nicht nur vor dem Hintergrund der eigenen, sondern auch der übergreifenden Angebote einzuordnen und ihnen die geeigneten Werkzeuge zu vermitteln. Dabei stehen vor allem Strategien zur vereinfachten Etablierung und Förderung von FDM an den Fakultäten, die organisatorische Verankerung an den Häusern sowie Trainings-, Schulungsund Beratungsprogramme im Vordergrund (Forschungsdaten.org, o. J.). Beteiligt sind sechs Universitäten in Brandenburg und Berlin: Universität Potsdam (UP), Technische Universität Berlin (TU), Humboldt Universität zu Berlin (HU), Europa Universität Viadrina – Frankfurt/Oder (EUV), Freie Universität Berlin (FU) und BrandenburgischeTechnische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU Cottbus-Senftenberg). Das an der FU angesiedelte Arbeitspaket 5 (AP5) entwickelt ein niedrigschwelliges FDMSchulungskonzept, das modular in Kursen für Promovierende zur Guten Wissenschaftlichen Praxis (GWP) eingesetzt werden kann. Ausgangspunkt ist, dass GWP-Kurse zunehmend verpflichtend für Studierende bzw. Promovierende sind. FDM ist ein wichtiger Bestandteil der GWP. Insgesamt haben die Konzepte große Schnittmengen, sind aber nicht deckungsgleich. Der Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG, 2025) sowie die hochschulspezifischen Satzungen zu dessen Umsetzung adressieren zentrale Aspekte des FDM wie Dokumentation, Archivierung und Veröffentlichung daher als wichtige Anforderungen. Die Umsetzung des Kodex in eigene, hochschulspezifische und rechtsverbindliche Satzungen wird dabei von der DFG zur Bedingung gemacht, um Fördermittel erhalten zu können (DFG, 2025, S. 27). Wie in Abschnitt 3.1 und Anhang 1 gezeigt wird, ist FDM in Kursen zu GWP berücksichtigt, wird aber nicht umfassend vermittelt. Hier setzt AP5 mit der Erarbeitung eines FDM-Curriculums an, das von Dozierenden und Trainer*innen in GWP-Kurse integriert werden kann. Eine flächendeckende und systematische Vermittlung von zentralen Aspekten des FDM an Promovierende kann auf diese Weise erreicht werden, ohne dass zusätzliche Verpflichtungen zu FDM-Schulungen mit den damit verbundenen zeitlichen und personellen Ressourcen eingeführt werden müssen. 1.2 Ziel des Integrationskonzepts Das vorliegende Integrationskonzept beschreibt, welche Aspekte bei der Erarbeitung des Curriculums berücksichtigt werden sollen. Es umreißt den Ist-Stand, benennt Herausforderungen und formuliert Handlungsoptionen, die mit der Fachcommunity (FDM-Community, GWP-Trainer*innen, Vertreter*innen von Graduiertenzentren1 und aus dem Bereich Promovierendenausbildung) diskutiert wurden. Das Integrationskonzept formuliert damit die Anforderungen an das FDM-Curriculum und beschreibt eine Struktur für die konkrete Umsetzung der ersten Version des Curriculums, die dann erneut mit der Fachcommunity evaluiert und diskutiert wird. 1.3 Methodik Die Analyse des Ist-Standes basiert auf Recherchen (Abschnitt 2.1: FDM und GWP in Satzungen und Ordnungen) und leitfadengestützten Interviews mit Personen, die Trainings zu FDM und GWP durchführen oder institutionell an Instituten, Graduiertenprogrammen, Graduiertenzentren oder FDMLandesinitiativen zu diesen Themen arbeiten (Abschnitt 2.2: Bedarfe der Stakeholder). Anschließend 1 „Graduiertenzentrum“ bezieht sich auf Einrichtungen, die prinzipiell allen Promovierenden einer Universität offenstehen. Dies umfasst keine Graduiertenschulen, die lediglich verschiedene disziplinäre Graduiertenschulen oder Graduiertenprogramme bündeln.
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 5 werden auf Grundlage der Ergebnisse Optionen für Kursformate des Curriculums und Empfehlungen zu deren Umsetzung aufgezeigt (Abschnitt 3.1) und dann zentrale Inhalte aus dem Bereich FDM identifiziert (Abschnitt 3.2). Die Abschnitte 2.2 und 3 beziehen dabei auch Erkenntnisse aus dem Fachforum mit Expert*innen aus den Bereichen FDM, GWP und Kompetenzvermittlung (s. Anhang 3) ein. 2. Ist-Stand und Bedarfe der Stakeholder 2.1 GWP und FDM in Satzungen und Ordnungen an Universitäten Dieser Abschnitt identifiziert und analysiert Leitlinien (Satzungen zu GWP und Promotionsordnungen) an Universitäten in Deutschland, bezüglich Regelungen zu Verpflichtungen zur Weiterbildung oder zur Implementierung konkreter Maßnahmen zu GWP und FDM für Promovierende, die über die ohnehin durch die GWP-Satzungen bestehende Pflicht zur Einhaltung der GWP hinausgehen. Grundlage der Analyse sind öffentlich zugängliche Bestimmungen zu GWP und FDM für Promovierende an 113 Universitäten und gleichgestellten Hochschulen mit Promotionsrecht in Deutschland. Deutschlandweit wurden dabei nur universitätsweite Regelungen berücksichtigt, wozu neben den GWPSatzungen auch universitätsweite oder Rahmenpromotionsordnungen zählen, die allerdings nicht an allen Einrichtungen bestehen.2 Bei der Analyse der sechs am Projekt FDLink beteiligten Universitäten (UP, TU, HU, EUV, FU, BTU Cottbus-Senftenberg) wurden die Regelungen bis zur Ebene der einzelnen Fakultäten und Promotionsprogramme berücksichtigt. 2.1.1 Ergebnisse Regelungen zur verpflichtenden Beschäftigung mit oder zur Implementierung konkreter Maßnahmen zur Gewährleistung von FDM und GWP, auf die für die flächendeckende Vermittlung grundlegenden FDMs Bezug genommen werden kann, sind zum jetzigen Zeitpunkt an deutschen Universitäten selten. Nur in zwei GWP-Satzungen (Charité–Universitätsmedizin Berlin (2024, §3 Abs. 4), TU Dresden (2022, §3 Abs. 3)) und vier universitätsweiten Promotionsordnungen3 in Deutschland findet sich eine Verpflichtung für Promovierende, Kurse zu GWP zu besuchen. In FDLink finden sich Verpflichtungen zu Kursen in den Promotionsordnungen einzelner Fakultäten, zum Beispiel an vier Fachbereichen (Fakultäten) der FU Berlin (Veterinärmedizin (2020b, §7 Abs. 7; 2024a, §7 Abs. 7), Geowissenschaften (2024b, §3 Abs. 5), Politikund Sozialwissenschaften (2024c, §4 Abs. 5), Philosophieund Geisteswissenschaften (2023, §7 Abs. 7)). Separate Verpflichtungserklärungen, GWP zu befolgen (fünf universitätsweite Regelungen4) und die ausdrückliche Verankerung von GWP in Betreuungsvereinbarungen (eine universitätsweite Regelung5) stärken zwar die Sichtbarkeit des Themas, schaffen aber rechtlich keine zusätzlichen Verpflichtungen, da die Einhaltung der GWP bereits durch die übergreifenden hauseigenen Satzungen festgeschrieben und für alle Hochschulangehörigen verbindlich ist. Regelungen zu FDM in Promotionsordnungen betreffen vor allem die Archivierung, die durch eine verpflichtende Einreichung der Primärdaten gemeinsam mit der Dissertationsschrift sichergestellt werden soll (z. B. Promotionsordnung der Universität Stuttgart (2019, §13 Abs. 6), Promotionsordnungen der drei Fakultäten der EUV (2016a, §21; 2016b, §20; 2020, §21)). An der FU müssen Promovierende und Betreuende an vier Fachbereichen eine Erklärung unterschreiben, dass Forschungsdaten für 10 Jahre im Arbeitsbereich aufbewahrt werden (Veterinärmedizin (2020b, §15 2 45 von 113 untersuchten Universitäten haben eine universitätsweit gültige oder eine Rahmenpromotionsordnung. 3 Universität Konstanz (2025, §6 Abs. 2), Technische Universität Nürnberg (2023, §8 Abs. 2), WHU Otto Beisheim School of Management (2021, §10 Abs. 5), Zeppelin Universität (2022, §9 Abs. 1). 4 Universität Leipzig (2025, §1 Abs. 3), Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg (2022, §5 Abs. 2), Justus-Liebig-Universität Gießen (2024, §2), Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (2022, §11 Abs. 3b), Zeppelin Universität (2022, §1 Abs. 3). 5 Constructor University (2024, §3 Abs. 2).
6 | Philipp Kandler, Sibylle Söring Abs. 3; 2024a, §15 Abs. 3), Philosophie und Geisteswissenschaften (2023, §14 Abs. 6), Biologie/Chemie/Pharmazie (BCP) (2018, §15 Abs. 4)) bzw. für 10 Jahre der Forschungscommunity zugänglich sind (Mathematik und Informatik (2021, §7 Abs. 7)). Am Fachbereich Geowissenschaften der FU (2024b, §7 Abs. 3b) nennt die Promotionsordnung für kumulative Promotionen die Veröffentlichung der Daten in einem öffentlich zugänglichen digitalen Datenarchiv als Alternative zur andernfalls vorgeschriebenen Einreichung eines Datenanhangs. Diese Maßnahmen konkretisieren die in den GWP-Satzungen enthaltenen allgemeinen Vorschriften im Bereich FDM und machen Vorgaben zur konkreten Umsetzung. An den an FDLink beteiligten Universitäten finden sich die genannten zusätzlichen Regelungen zu FDM und GWP nicht in GWP-Satzungen, sondern in Promotionsordnungen von 23 der 40 Fakultäten. Verpflichtungen zu GWP-Kursen finden sich auch in Curricula strukturierter Promotionsprogramme (an den an FDLink beteiligten Universitäten in 22 Curricula), die allerdings nur für die dort immatrikulierten Studierenden gültig sind. Sie haben damit eine begrenzte Reichweite, da die Individualpromotion in Deutschland die häufigere Promotionsform ist.6 Insgesamt sind verpflichtende Regelungen zu GWP-Kursen für Promovierende bisher eine Ausnahme. Bei der Umsetzung gibt es eine große Bandbreite: Vom strukturierten Kursangebot der Technischen Universität Dresden (o. J.) mit synchronen und asynchronen Bestandteilen über verpflichtende Selbstlerneinheiten beispielsweise an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (o. J.) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin (o. J.), Verpflichtungen in GWP-Satzungen ohne zentralen Kurs an der Universität Konstanz, Technischen Universität Nürnberg und weiteren Hochschulen, Empfehlungen zur Absolvierung eines Selbstlernangebots (z. B. Kurs der Goethe Graduate Academy (GRADE, o. J.)) oder eines synchronen Kurses bis hin zu Verpflichtungen in einzelnen Promotionsordnungen und -programmen, die zum Teil eigene Angebote machen, zum Teil auf zentrale Angebote der Graduiertenzentren verweisen. 2.1.2 Diskussion Bestehende Verpflichtungen zu GWP und FDM für Promovierende an der eigenen Universität sind ein Ausgangspunkt zur Etablierung von (obligatorischen) Kursen in diesen Bereichen. Das Projekt FDLink arbeitet dabei nicht direkt an der Umsetzung entsprechender Verpflichtungen an spezifischen Häusern. Die Übersicht und aufgeführten Beispiele können FDM-Stellen und weiteren Akteuren, die an der Vermittlung von FDM und GWP an Promovierende beteiligt sind, aber dabei unterstützen gegenüber Entscheidungsträger*innen an der Hochschule für die Einführung entsprechender Regelungen zu argumentieren. Eine Bestandsaufnahme an der eigenen Institution kann Aufschluss darüber geben, an welchen Instituten / in welchen Programmen bereits konkrete Regelungen zur Umsetzung von GWP und FDM bestehen und wo es noch Lücken gibt. Zu beachten ist dabei erstens die unterschiedliche Reichweite der Regelungen: Für alle Promovierenden einer Universität (z. B. in GWP-Satzungen oder universitätsweiten bzw. Rahmenpromotionsordnungen), für alle Promovierenden einer Fakultät (fakultätsweite Promotionsordnung) oder für Promovierende eines strukturierten Programms (z. B. Promotionsstudienordnung, Curriculum; keine Gültigkeit für Individualpromovierende). Zweitens stammen insbesondere die Regelungen zu verpflichtenden GWP-Kursen zum großen Teil aus den letzten fünf Jahren,7 sodass weitere Änderungen zu erwarten sind. Daraus folgt drittens, dass die Rahmenbedingungen sich auch innerhalb einer Einrichtung je nach Fakultät und Programm unterscheiden. Für das FDM-Curriculum bedeutet letzteres, dass die Vermittlung von GWP auch von den institutionellen Rahmenbedingungen abhängig ist und daher variiert. Das FDM-Curriculum sollte daher 6 Laut Statistischem Bundesamt nahmen 2024 von rund 212.000 Studierenden in Deutschland 47.000 an strukturierten Promotionsprogrammen teil (22 %), der Rest waren Individualpromovierende (Statistisches Bundesamt, 2025, Tabellenblatt 21352-13: „Promovierende 2024 nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen der Promotion sowie nach Art der Promotion, Immatrikulationsstatus und strukturiertem Promotionsprogramm“). 7 Die erste Verpflichtung in den für diese Übersicht untersuchten Satzungen und Ordnungen findet sich in der Promotionsordnung des Fachbereichs Veterinärmedizin der FU Berlin von 2019 (Freie Universität Berlin, 2020b, §7 Abs. 7).
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 7 flexibel sein, um für unterschiedliche Formate und institutionelle Kontexte nutzbar zu sein, möglichst sowohl als Ganzes als auch in Teilen. Fakultäten und Promotionsprogramme mit existierenden Regelungen können als Partner für Pilotierungen dienen. 2.2 Zielgruppen und Stakeholder Dieser Abschnitt beschreibt, welche Akteure an der Verankerung von GWP in Schulungen und an der Vermittlung für Promovierende an Universitäten beteiligt sind und reflektiert ihre Einstellung gegenüber dem Vorhaben in AP5 zur Entwicklung eines FDM-Curriculums. Grundlage des Abschnitts sind leitfadengestützte Interviews mit Vertreter*innen der unterschiedlichen Stakeholdergruppen. Die Aussagen wurden zusammengeführt und wenn möglich generalisiert. Es muss beachtet werden, dass die beteiligten Stakeholder je nach Institution unterschiedlich und ihre Interessen vom institutionellen Kontext und ihren Aufgaben abhängig sind. Die Aussagen in den Interviews spiegeln daher die Meinung und Position der Interviewpartner*innen wider. Es handelt sich nicht um eine repräsentative Studie, sondern um eine stichprobenartige Bestandsaufnahme zur Exploration des Feldes. Diese generische Beschreibung der Stakeholder ist daher in erster Linie als Denkanstoß zu betrachten. Der Begriff Zielgruppe bezieht sich im Rahmen dieses Integrationskonzepts auf alle Akteure, die als potentielle Anwender*innen des Curriculums unmittelbar von AP5 adressiert werden und mit denen bei der Erarbeitung und Pilotierung des Curriculums ein enger und systematischer Austausch stattfindet. Die Gruppe der Stakeholder umfasst neben den Zielgruppen alle Akteure, die von den Projektergebnissen profitieren bzw. die auf die Rahmenbedingungen Einfluss nehmen können. Entscheidungsträger an den Fakultäten oder Hochschulen können Empfehlungen oder Verpflichtungen zu FDM und GWP für Promovierende verankern. Ihnen bietet das Integrationskonzept Vorschläge zur Umsetzung. Promovierende sind die Adressat*innen der GWP-Trainings und damit des FDMCurriculums. 2.2.1 Zielgruppen Die Zielgruppen sind Personen, die verantwortlich für die Vermittlung von GWP und FDM sind oder die Vermittlung organisieren: • GWP-Trainer*innen (intern und extern) • Koordinationen von Graduiertenzentren und Promotionsprogrammen • Betreuende von Promotionsvorhaben und Qualifikationsarbeiten • FDM-Stellen, die Feedback bei der Entwicklung des Curriculums geben und als Multiplikator*innen wirken. Sie sind somit potentielle Anwender*innen des FDM-Curriculums und können dieses pilotieren, in ihre Kurse integrieren, als Multiplikator*innen weiterempfehlen oder in Beratungen auf Begleitmaterialien verweisen. Sie leisten durch ihre Expertise und ihr Feedback außerdem einen wichtigen Beitrag bei der Entwicklung des Curriculums. Ein FDM-Curriculum unterstützt die Zielgruppen dabei, Promovierenden einen systematischen Überblick zum und grundlegende Kenntnisse des FDM zu vermitteln und erhöht dabei das Bewusstsein für das Thema. Durch die Verwendung des Curriculums müssen FDM-Inhalte nicht selbst von Grund auf entwickelt werden. In den leitfadengestützten Interviews zeigte sich allerdings, dass bei den Zielgruppen Vorbehalte gegen ein FDM-Curriculum bestehen könnten, weil vorhandene, selbst erarbeitete Inhalte durch das FDMCurriculum gedoppelt werden oder eine ausführlichere Berücksichtigung von FDM andere Inhalte verdrängt. Die Einpassung des FDM-Curriculums in eigene Angebote kann dabei schwierig und zeitaufwändig sein. In den Interviews und dem Fachforum wurde deutlich, dass die Zielgruppen sich daher ein gebrauchsfertiges Curriculum wünschen, das sich flexibel in eigene Kurse integrieren und an verschiedene Disziplinen sowie Zielgruppen anpassen lässt und zudem Raum bietet, auf einrichtungsspezifische Angebote und Ansprechpersonen zu verweisen. Außerdem besteht der Bedarf
8 | Philipp Kandler, Sibylle Söring an aktuellen, kuratierten Begleitmaterialien, die auf weiterführende allgemeine wie auch fachspezifische Ressourcen, Leitlinien und Tools hinweisen. 2.2.2 Stakeholder: Entscheidungsträger Zu den Entscheidungsträgern zählen Hochschulleitungen, akademische Senate und Fakultätsräte. Sie können Verpflichtungen zu GWP und FDM in Satzungen und Promotionsordnungen verankern. Eine aktive Ansprache ist im Rahmen von AP5 nicht geplant. Wenn sich die Möglichkeit zu einem Austausch ergibt, können die in Abschnitt 1 vorgestellten Rechercheergebnisse als Argumentationsgrundlage und als Beispiel für die Umsetzung entsprechender Regelungen dienen. Soll eine flächendeckende Vermittlung von GWP und FDM erreicht werden, ist es wichtig, dass die Angebote skalierbar sind, da aktuell für dieses Szenario weder ausreichende personelle (Trainer*innen) noch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. 2.2.3 Stakeholder: Promovierende als Adressat*innen von Schulungen Promovierende sind die Adressat*innen von GWP-Kursen und somit zentrale Stakeholder des FDMCurriculums. Das Curriculum soll dazu beitragen, dass sich diese Gruppe systematisch mit FDM beschäftigt und ein Bewusstsein sowie grundlegende Kenntnisse zu zentralen Aspekten erwirbt. Zum Erreichen des Ziels sind spezifische Merkmale der Gruppe zu beachten. So ist zum Beispiel die Arbeit an einer Promotion durch eine hohe fachliche Spezialisierung, häufig verbunden mit einem hohen Zeitdruck und einer hohen Belastung durch zusätzliche Aufgaben, gekennzeichnet. Dies kann dazu führen, dass weitere Anforderungen (z. B. verpflichtende Kurse zu GWP oder Schulungen zu FDM) in erster Linie als zusätzliche Belastung gesehen und daher abgelehnt werden. In den leitfadengestützten Interviews wurde daher argumentiert, dass Promovierende praktische Hinweise oder Inhalte wünschen, die einen unmittelbaren Bezug zum eigenen Forschungsthema haben. Gleichzeitig ist die Gruppe der Promovierenden einer (Voll-)Universität in der Regel sehr heterogen. Vier Aspekte, von denen die ersten beiden einen engen FDM-Bezug haben, die letzten beiden allgemein für Promovierende gelten, werden im Folgenden beschrieben. Der erste Punkt ist die Disziplinspezifität und betrifft zum einen Unterschiede bezüglich vorherrschender Datentypen und Methoden in den Fächern, aus denen bestimmte Herausforderungen resultieren. Zum anderen werden Forschungsdaten je nach Fachkultur unterschiedlich definiert und in ihrer Bedeutung bewertet. Beides hat Auswirkungen auf das Vorwissen der Promovierenden und darauf, als wie relevant FDM für die eigene Arbeit – auch am Fachbereich oder in der Forschungsgruppe – eingeschätzt wird. Die Disziplinspezifität muss bei der Ausarbeitung der Inhalte berücksichtigt werden. Zweitens variiert das Vorwissen. Dies ist zum Teil verknüpft mit der Disziplinspezifität, aus der sich verschiedene praktische Anforderungen im Umgang mit Forschungsdaten ergeben und Vorwissen – wie etwa in verschiedenen naturund lebenswissenschaftlichen Fächern – dementsprechend zum Teil bereits im Grundstudium erworben wird. Die Unterschiede sind aber auch individuell und resultieren aus persönlichen Interessen oder dem Zuschnitt des Forschungsprojekts. Das FDM-Curriculum muss dies berücksichtigen, indem es an unterschiedliche Erfahrungsstufen angepasst werden kann. Drittens gibt es unterschiedliche Promotionsarten. Eine Promotion kann als Individualpromotion oder in einem strukturierten Programm erfolgen. Erstere ist mit ca. 78 % in Deutschland die vorherrschende Form der Promotion.8 In strukturierten Promotionsprogrammen absolvieren die Promovierenden zusätzlich zum Verfassen der Dissertation ein Kursprogramm. Je nach Promotionsart sind Promovierende daher unterschiedlich gut für Angebote – zum Beispiel über E-Mail-Verteiler von Promotionsprogrammen – zu erreichen. Das stellt eine Herausforderung für eine flächendeckende Vermittlung dar. Das FDM-Curriculum sollte an die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Promovierenden angepasst werden können. 8 Statistisches Bundesamt, 2025, Tabellenblatt 21352-13: „Promovierende 2024 nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen der Promotion sowie nach Art der Promotion, Immatrikulationsstatus und strukturiertem Promotionsprogramm.“
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 9 Ein vierter Punkt ist die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Internationalität von Studierenden und Promovierenden an deutschen Universitäten. 2024 hatten ca. ein Drittel der Promovierenden in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit.9 Zwar lässt sich davon nicht unmittelbar auf deutsche Sprachkenntnisse schließen, dennoch ist davon auszugehen, dass eine größere Zahl von Promovierenden vorwiegend auf Englisch arbeitet und kommuniziert. Hinzu kommen weitere Aspekte, die nicht spezifisch für Promovierende sind, z. B. unterschiedliche Lerntypen, zeitliche Ressourcen oder zeitliche Flexibilität bei der Wahrnehmung von Kursangeboten. Diese Dimensionen betreffen in erster Linie die Art der Vermittlung (Kursformate). Im FDM-Feld ist Heterogenität nicht auf die Gruppe der Promovierenden beschränkt, sondern betrifft alle Statusgruppen und Disziplinen. 2.2.4 Diskussion Zielgruppe von AP5 sind Personen, die GWP und FDM an Promovierende vermitteln oder die Vermittlung organisieren. Neben Materialien, die in den Kursen direkt eingesetzt werden können, gibt es bei diesen Zielgruppen ein großes Interesse an Begleitmaterialien, die einen kompakten und aktuellen Überblick zu weiterführenden Angeboten, Tools und Leitlinien an der Institution und darüber hinaus bieten und auf die die Promovierenden hingewiesen werden können. Für die Einbeziehung der Zielgruppen ist eine gezielte Ansprache erforderlich, um ihnen den Mehrwert des Curriculums für ihre Angebote darzustellen. Sie werden zudem an Feedbackschleifen beteiligt und können so Einfluss auf Inhalte und Struktur des Curriculums nehmen. Dies geschieht über die Fachforen, den Inund Outputworkshop von FDLink,10 die Präsentation des Projekts auf Konferenzen sowie über regelmäßige Informationen zum Projektfortschritt und direkte Gespräche. Um den Akteuren eine ressourcenschonende und komfortable Umsetzung zu ermöglichen, werden Curriculum, Begleitmaterialien und Integrationskonzept auf Zenodo veröffentlicht und sind somit direkt nachnutzbar. In der Pilotierungsphase besteht die Möglichkeit, Personen, die GWP vermitteln, bei der Integration des FDM-Curriculums in eigene Kurse zu unterstützen. Für Promovierende gibt es, wie in Abschnitt 1 zu sehen war, bislang nur punktuell Verpflichtungen Kurse zu GWP oder FDM zu belegen. Die Beschäftigung erfolgt daher häufig freiwillig, was erfordert, dass die Relevanz der Inhalte deutlich gemacht wird. Betreuende spielen eine wichtige Rolle als Multiplikator*innen, da sie das Wahrnehmen entsprechender Angebote ermutigen oder FDMund GWPInhalte selbst in Beratungsgesprächen vermitteln können. Insgesamt sollte ein Curriculum daher Kursund weiterführende Materialien umfassen, die von den verschiedenen Personen der Zielgruppe in unterschiedlichen Szenarien flexibel eingesetzt werden können. Welche Struktur und welche Inhalte dafür geeignet sind, wird im nächsten Abschnitt beschrieben. 3. Lösungsansätze und Empfehlungen zur Umsetzung des FDM-Curriculums 3.1 Kursformate Dieser Abschnitt entwickelt – aufbauend auf den vorangegangenen Analysen – Strukturvorschläge für das Curriculum sowie Formate zur Integration in GWP-Kurse und gibt Empfehlungen für die Umsetzung. 9 Statistisches Bundesamt, 2025, Tabellenblatt 21352-01: „21352-01: Deutsche und ausländische Promovierende und Promotionsanfängerinnen und -anfänger (Erstregistrierung) 2024 nach Ländern und Immatrikulationsstatus.“ 10 Im Projekt FDLink sind Veranstaltungen mit Stakeholdern und Expert*innen geplant, um Konzepte und erste Ergebnisse (Inputworkshop) sowie die finale Projektergebnisse (Outputworkshop) zu diskutieren. Der Inputworkshop findet am 3.3.2026 statt, für den Outputworkshop gibt es noch keinen Termin.
16 | Philipp Kandler, Sibylle Söring müssten für das FDM-Curriculum Themen gestrichen bzw. komprimiert werden. Gleichzeitig ist eine Ergänzung um einige GWP-bezogene Aspekte notwendig. 5.2 Anhang 2: Vorhandene Materialien zur Nachnutzung Daneben gibt es eine Reihe von Materialsammlungen und Kataloge mit Trainingsmaterialien für FDM und GWP. Diese wurden für das Integrationskonzept nicht im Einzelnen evaluiert. Für das FDMCurriculum wird im Laufe des Projekts auf sie zurückgegriffen, sobald seine inhaltliche und konzeptionelle Struktur festgelegt ist. Wenn immer möglich, sollen bestehende Materialien nachgenutzt werden, um Ressourcen zu sparen und Doppelarbeit zu vermeiden. Das Projekt DALIA verzeichnet und kuratiert vorhandene Schulungsmaterialien und -angebote aus dem NFDI-Kontext und darüber hinaus (https://dalia.education/de). Da auf der Plattform noch nicht alle Funktionen verfügbar sind, ist bislang nur eine Filterung nach Zielgruppe, Materialtyp, Typ des Lernmaterials und Sprache möglich. Die Nutzungslizenz ist für alle Materialien angegeben. Durch die Zuordnung zu den NFDI-Konsortien ist auch eine Eingrenzung nach Disziplinen möglich. Für die historisch arbeitenden Geisteswissenschaften baut NFDI4Memory einen Katalog für Schulungsmaterialien auf (https://histocat.uni-trier.de/#/). Weitere NFDI-Konsortien bieten Listen zu disziplinspezifischen Schulungsmaterialien (Stand Juni 2025): • Konsort SWD (https://www.konsortswd.de/themen/best-practiceforschungsethik/forschungsethik-lehre/): Übersicht zu Trainingsmaterialien; Schwerpunkt ist FDM in Verbindung mit GWP • NFDI4Culture (https://nfdi4culture.de/services/details/educational-resource-finder.html): Verzeichnis von Trainingsmaterialien • NFDI4Objects (https://www.nfdi4objects.net/portal/services/commons-inkubator/): Commons Incubator, Grundlage für späteres Verzeichnis von Trainingsmaterialien, noch unveröffentlicht, im Aufbau • Text+ (https://text-plus.org/themen-dokumentation/training/): Liste mit Trainingsmaterialien, Filter noch nicht verfügbar • NFDI4Energy (https://liascript.github.io/course/?https://raw.githubusercontent.com/NFDI4Energy/EFZN_rdm/ main/README.md#1): Selbstlernkurs • NFDI-MatWerk (https://nfdi-matwerk.de/teaching): eigene Trainingsmaterialien • FAIRagro (https://fairagro.net/wo-finde-ich-lern-und-lehrmaterialien-zum-thema-fdm/): eigene Trainingsmaterialien • GHGA (https://www.ghga.de/resources/training): eigene Trainingsmaterialien • NFDI4Biodiversity (https://www.nfdi4biodiversity.org/de/training/lehr-und-lernmaterialien/): eigene Trainingsmaterialien • NFDI4Bioimage (https://nfdi4bioimage.github.io/training/readme.html): Übersicht zu Trainingsmaterialien, Verzeichnis im Aufbau • NFDI4Health (https://www.nfdi4health.de/service/fair-training/nfdi4healthschulungsressourcen.html): Übersicht zu Trainingsmaterialien • NFDI4Earth (https://onestop4all.nfdi4earth.de/search?resourcetype=Learning+Resource&sort=): kuratierte Übersicht eigener und externer Trainingsmaterialien Daneben pflegt eine Reihe von Initiativen Listen mit Schulungsmaterialien. Eine davon findet sich auf Forschungsdaten.info (https://forschungsdaten.info/praxis-kompakt/fdm-einfuehrungsmaterialien/). Die UAG Schulungen/Fortbildungen der DINI/nestor AG Forschungsdaten stellt ebenfalls eine Materialsammlung zusammen (https://rs.cms.hu-berlin.de/uag_fdm/pages/home.php). Weitere Materialien finden sich in der Zenodo-Community „Research data management (RDM) open training materials“ (https://zenodo.org/communities/dcc-rdm-trainingmaterials/records?q=&l=list&p=1&s=10&sort=newest).
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 17 Für die GWP hat das Ombudsgremium für die wissenschaftliche Integrität in Deutschland eine Liste von Schulungsmaterialien zusammengestellt (https://ombudsgremium.de/2895/lehrmaterialien-zur-gwp/). Interessant im Kontext von FDLink sind außerdem Fallstudien und Materialien, die folgende Organisationen bieten: • Office of Research Integrity (https://ori.hhs.gov/rcr-casebook-stories-about-researchers-worthdiscussing): Fiktive Fallstudien als Diskussionsgrundlage, verschiedene Themen und Disziplinen, Themenindex vorhanden • The Embassy of Good Science (https://embassy.science/wiki/Special:BrowseData/Resource?_search_Resource_Type%5B0% 5D=Cases&title=Special%3ABrowseData%2FResource&_search_Important_For%5B0%5D=): reale Fallstudien mit Links zu Materialien (Artikel in der Presse), Filter für Zielgruppe und Disziplin • Dilemma Game (Erasmus University Rotterdam; https://www.eur.nl/en/about-university/policyand-regulations/integrity/research-integrity/dilemma-game): fiktive Dilemmata mit vorgeschlagenen Handlungsoptionen als Grundlage für eine Diskussion, Themenindex vorhanden, verfügbar als Kartenspiel oder App Diese Materialien sind nicht unter einer offenen Lizenz veröffentlicht, aber für den Einsatz in Workshops gedacht. Für das FDM-Curriculum werden, wenn immer möglich, vorhandene Materialien nachgenutzt. Die Entwicklung eigener Materialien erfolgt nur, wenn es keine vorhandenen Materialien gibt, die sich anpassen lassen. 5.3 Anhang 3: Ergebnisse des Fachforums Am 16. Oktober 2025 führten wir im Projektkontext ein zweistündiges Fachforum mit Expert*innen aus den Bereichen FDM, GWP und Kompetenzvermittlung für Promovierende durch. Es nahmen 17 Personen aus 7 Institutionen teil. Diskutiert wurden schwerpunktmäßig mögliche Inhalte des FDMCurriculums, zu erarbeitende Kursformate und -materialien, Promovierende als Zielgruppe sowie Erfahrungen bei der Vermittlung von FDM und GWP. Die Beiträge der Teilnehmenden sind in einem Q&A-Sheet dokumentiert. Das Q&A-Sheet und die Präsentation werden gemeinsam mit diesem Integrationskonzept veröffentlicht. Das Fachforum bestätigte die bisherige Planung in wesentlichen Punkten, besonders hinsichtlich der vorgesehenen Inhalte und des modularisierten Aufbaus des Curriculums, in dem zentrale Aspekte des FDM in unabhängigen Einheiten abgedeckt werden. Daneben gab es eine Reihe von Empfehlungen, die bei der Entwicklung des Curriculums berücksichtigt werden sollen: Themen, Inhalte und zusätzliche Zielgruppen • Schwerpunkt der Vermittlung sollte die Stärkung des Bewusstseins für FDM im Rahmen der GWP sein. • Die Vermittlung von FDM im Rahmen von GWP-Kursen sollte zentrale Aspekte enthalten, allerdings nicht in die Tiefe gehen. Sie kann daher nur ein „Teaser” sein. Dies sollte deutlich gemacht und gleichzeitig auf vertiefende Angebote an der Institution verwiesen werden. • Aus Sicht der GWP sind Datennutzung und Verantwortlichkeiten beim Wechsel zwischen Institutionen (Governance) zentrale Konfliktfelder mit unmittelbarem FDM-Bezug für Promovierende. Sie könnten daher als Ansatzpunkt für die Vermittlung der Relevanz der Thematik dienen. • Als hilfreiche Materialien wurden folgende genannt: o Verweis auf institutionseigene Regelungen, wenn (zeitlich) möglich ins Detail gehen bzw. in den Lehrmaterialien (Foliensatz, Lehrdrehbuch etc.) vermerken, dass nach Leitlinien, Satzungen, Policies etc. der Universität, Fakultät, ggf. auch der Disziplin/Zielgruppe recherchiert und auf sie verwiesen werden sollte
18 | Philipp Kandler, Sibylle Söring o Verweis auf weiterführende FDM-spezifische Angebote für die jeweiligen Einrichtungen o Aufnahme von FDM-Aspekten in Onboarding-Dokumente • Betreuende sind zentrale Akteure, da sie früh und kontinuierlich in Kontakt mit den Promovierenden kommen. Sie können Promovierenden daher wichtige Hinweise geben, sie zur Beschäftigung mit FDM und GWP auffordern sowie Vorbild für die Umsetzung von GWP und FDM sein. Die Materialien des Curriculums sollten sich daher auch an Betreuungspersonen richten und in verschiedenen Betreuungsund Beratungssituationen (Onboarding, Jahresgespräche etc.) genutzt werden können. Materialien Bezüglich der zu entwickelnden Materialien äußerte das Fachforum eine Reihe von Vorschlägen. Im Rahmen der Entwicklung des Curriculums wird geprüft, ob diese zeitlich und inhaltlich umsetzbar sind: • Hinweise zu Leitlinien an der Institution, Ansprechpartner und Angebote an der Institution • Aktuelle Übersicht und Linkliste zu (fachspezifischen) Leitlinien, Veröffentlichungen und Empfehlungen • (reale) Fallbeispiele • Vorlagen/Best-Practice-Beispiele, z. B. für Datennutzungsvereinbarungen, Übergabeprotokolle (On-/Offboarding), Datenmanagementpläne • Handreichungen mit Einführungen zu Modulthemen und Verweis auf relevante Dokumente (übergeordnet und an eigener Einrichtung) • Checklisten mit Tipps zum FDM, physisch und digital 6. Literaturverzeichnis Apicella, E. W., Clauss, D., Decker, S., Hirsch-Weber, A., Kwaśnicki, A., Scherer, S., Somogyi, S., & Tangen, D. (2020). Onlinekurs: Gute wissenschaftliche Praxis [Webseite]. https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000176235 Ariza, A., Asef, E., Jacob, J., Mühlichen, A., Peters-von Gehlen, K., Schranzhofer, H., & TrautweinBruns, U. (2023). Train-the-Trainer-Konzept zum Thema Forschungsdatenmanagement: Erweiterungsmodul Nachnutzung von Forschungsdaten. Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10160865 Augsten, M. T., Woywod, K., & Börner, C. (2023). Train-the-Trainer-Angebot zum Thema Forschungsdatenmanagement im Blended-Learning-Format—Handlungsleitfaden zur Umsetzung, Moodle-Kurs-Datei und Arbeitsmaterialien (Version 2.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10201486 Berlin University Alliance. (o. J.). E-Learning Module “Good Research Practice for Doctoral Researchers” [Webseite]. Abgerufen am 9. Juli 2025 von https://www.berlin-universityalliance.de/en/commitments/promoting-talent/projekte/gwp/index.html Biernacka, K., Dockhorn, R., Engelhardt, C., Helbig, K., Jacob, J., Kalová, T., Karsten, A., Meier, K., Mühlichen, A., Neumann, J., Petersen, B., Slowig, B., Trautwein-Bruns, U., Wilbrandt, J., & Wiljes, C. (2023). Train-the-Trainer-Konzept zum Thema Forschungsdatenmanagement (Version 5). Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10122153 Biernacka, K., Engelhardt, C., & Heister, E. C. (2023). Train-the-Trainer-Konzept zum Thema Forschungsdatenmanagement: Erweiterungsmodul FAIR-Prinzipien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10197079 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. (2022). Ordnung über die Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Amtliche Mitteilungen, 41(64). https://uol.de/uni/amtliche_mitteilungen/datei/?file=AM2022-064_Ordnung_gutewissenschaftliche_Praxis.pdf&ts=1752012000 Charité – Universitätsmedizin Berlin. (2024). Satzung der Medizinischen Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin zur Sicherung Guter Wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit
Integrationskonzept für ein FDM-spezifisches Curriculum für Promovierende | 19 Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens (GWP-Satzung Fakultät). Amtliches Mitteilungsblatt, 314, 2412–2423. https://habilitation.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/sonstige/habilitation/downloads/Satzun g_GWP_12-2024.pdf Charité – Universitätsmedizin Berlin. (o. J.). Online-Vorlesung [Webseite]. Abgerufen am 18. September 2025 von https://www.charite.de/forschung/service_fuer_forschende/geschaeftsstelle_gute_wissenschaftliche_p raxis/veranstaltungen Constructor University. (2024). Richtlinie zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Constructor University. https://constructor.university/sites/default/files/202407/Statutes%20for%20Safeguarding%20good%20research%20practice_Constructor%20University_D E_official_signed.pdf Dahlem Research School. (o. J.). Getting Organized. Modern Knowledge Management for Researchers [Webseite]. Freie Universität Berlin. Abgerufen am 21. Juli 2025 von https://www.drs.fuberlin.de/en/node/102265 Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2025). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex. https://doi.org/10.5281/ZENODO.14281892 Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). (2016a). Promotionsordnung der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Amtliche Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), 22(4), 5–16. https://www.europauni.de/de/universitaet/einrichtungen/stabsstellen/justiziariat/amtlichebekanntmachungen/_dateien/ambek-2016-04.pdf Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). (2016b). Promotionsordnung für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Amtliche Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), 22(3), 3–14. https://www.europauni.de/de/universitaet/einrichtungen/stabsstellen/justiziariat/amtlichebekanntmachungen/_dateien/ambek-2016-03.pdf Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). (2020). Promotionsordnung für die Kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) vom 05.06.2019 (Neufassung). Amtliche Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), 26(1), 71–97. https://www.europa-uni.de/de/universitaet/einrichtungen/stabsstellen/justiziariat/amtlichebekanntmachungen/_dateien/ambek-2020-01.pdf Forschungsdaten.org. (o. J.). FDNext [Webseite]. Abgerufen am 21. Juli 2025 von https://www.forschungsdaten.org/index.php/FDNext Freie Universität Berlin. (2018). Promotionsordnung des Fachbereichs Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 21, 436–446. https://www.bcp.fu-berlin.de/graduiertenzentrum/ordnung-formulare/_Ressourcen/ab212018.pdf Freie Universität Berlin. (2020a). Ordnung für das Promotionsstudium „Literaturwissenschaftliche Studien – Literary Studies“ an der Dahlem Research School der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 11, 125–137. https://www.geisteswissenschaften.fuberlin.de/friedrichschlegel/curriculum/ordnungen/2020-03-02-Ordnung-fuer-dasPromotionsstudium.pdf Freie Universität Berlin. (2020b). Promotionsordnung des Fachbereichs Veterinärmedizin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 24, 504–511. https://www.fuberlin.de/service/zuvdocs/amtsblatt/2019/ab242019.pdf Freie Universität Berlin. (2021). Promotionsordnung des Fachbereichs Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 25, 454–464. https://www.imp.fu-berlin.de/fbv/prom-habil/Promotionsordnungen/Promotionsordnung-Mathematikund-Informatik-01_12_2021---deutsch.pdf Freie Universität Berlin. (2023). Erste Ordnung zur Änderung der Promotionsordnung des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 36. https://www.geisteswissenschaften.fuberlin.de/studium/downloadbereich/Promotion-mit-AeO/Aeo.pdf
20 | Philipp Kandler, Sibylle Söring Freie Universität Berlin. (2024a). Promotionsordnung des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin für die Verleihung des Grades Doktor der Naturwissenschaften (Dr. Rer. Nat.). Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 8, 392–399. https://www.vetmed.fuberlin.de/service/fachbereichsverwaltung/promotionshabilitationsbuero/_promotionsbuero_downloads/rer_nat/1-Promotionsordnung-Dr-rer-nat.pdf Freie Universität Berlin. (2024b). Promotionsordnung des Fachbereichs Geowissenschaften der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 13, 549–558. https://www.fu-berlin.de/service/zuvdocs/amtsblatt/2024/ab132024.pdf Freie Universität Berlin. (2024c). Promotionsordnung zum Dr. Rer. Pol./Ph.D. des Fachbereichs Politikund Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin. Mitteilungen. Amtsblatt der Freien Universität Berlin, 17, 678–687. https://www.polsoz.fuberlin.de/nachwuchsfoerderung/downloads/promo_rerpol_2024.pdf Goethe Graduate Academy (GRADE). (o. J.). „Gute Wissenschaftliche Praxis in der Promotion“ [Webseite]. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Abgerufen am 9. Juli 2025 von https://www.grade.uni-frankfurt.de/53981968/Gute_Wissenschaftliche_Praxis_in_der_Promotion? Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. (o. J.). Research Data Management Training [Onlinekurs]. Abgerufen am 21. Juli 2025 von https://bloch.ub.uni-duesseldorf.de/lernmodule/research-datamanagement-training/index.html#/ Heister, E. C., & Dąbrowska, P. (2023). Train-the-Trainer-Konzept zum Thema Forschungsdatenmanagement: Erweiterungsmodul CARE-Prinzipien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.10197070 Justus-Liebig-Universität Gießen. (2024). Satzung der Justus-Liebig-Universität Gießen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Mitteilungen der Justus-Liebig-Universität Gießen, 1–15. https://www.uni-giessen.de/de/mug/5/pdf/forschung/5_00_10_1_1ae_2023 Kaiser, K., & Rathmann, T. (2024). Grundwissen. Datenmanagement in Studium & wissenschaftlicher Praxis. twillo. https://doi.org/10.57961/2617-cs23 Krähwinkel, E., Langner, P., Lipp, R., & Pietsch, A. M. (2022). HeFDI Data OER. Forschungsdatenmanagement – eine Online-Einführung (Version 1.0). Zenodo. https://zenodo.org/doi/10.5281/zenodo.6373596 Krathwohl, D. R. (2002). A Revision of Bloom’s Taxonomy: An Overview. Theory Into Practice, 41(4), 212–218. https://doi.org/10.1207/s15430421tip4104_2 Mertzen, D., Neuroth, H., Schneemann, C., Haase, C., Jacob, B., Mittelbach, J., Straka, J., Weise, K., & Zeunert, M. (2024). Zertifikatskurs „Forschungsdatenmanagement für Studierende“: Spring School 2024 der Landesinitiative für Forschungsdatenmanagement in Brandenburg (Version 2024). Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.11564808 Paßmann, S., & Söring, S. (2023). Forschungsdatenmanagement in der Psychologie: Fachspezifisches Train-the-Trainer-Konzept (Version 2). Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.8113417 Petersen, B., Altemeier, F., Boße, S., Dalby, M., Düvel, N., Engelhardt, C., Fichtner, M., Hastik, C., Haugwitz, J.-M., Jacob, J., Koch, K., Kuntz, A., Manske, A., Mühlichen, A., Murcia Serra, J., Ortmeyer, J., Richter, M., Schranzhofer, H., Slowig, B., … Zollitsch, L. (2025). Lernzielmatrix zum Themenbereich Forschungsdatenmanagement (FDM). https://doi.org/10.5281/ZENODO.15025246 Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. (o. J.). Wissenschaftliche Integrität [Webseite]. Abgerufen am 9. Juli 2025 von https://www.rwth-aachen.de/go/id/efbfc Sponholz, G. (2019). Curriculum für Lehrveranstaltungen zur guten wissenschaftlichen Praxis. Erweiterte und überarbeitete Fassung. Ombudsman für die Wissenschaft. https://ombudsman-fuer-diewissenschaft.de/wp-content/uploads/2023/06/2019-Curriculum-fuer-Lehrveranstaltungen-zur-GWP.pdf Statistisches Bundesamt. (2025). Statistik der Promovierenden 2024 [Statistischer Bericht]. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-ForschungKultur/Hochschulen/Publikationen/_publikationen-innen-hochschulen-promovierende.html Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. (2022). Ordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und Verfahren bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten. Verkündungsblatt, 306, 1–11. https://www.tiho-hannover.de/fileadmin/01_Verwaltung/Forschung/VKB_306_2022.pdf
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