Open-Access-Policy der Leibniz-Gemeinschaft
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Open-Access-Policy der Leibniz-Gemeinschaft
2 Impressum Herausgeber Die Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft Martina Brockmeier Chausseestraße 111 10115 Berlin [email protected] Lizenzhinweis Alle Texte dieser Publikation sind, ausgenommen Zitate und soweit nicht anders angegeben, unter der Lizenz Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0) veröffentlicht. Den vollständigen Lizenztext finden Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de Redaktion Projektgruppe Open-Access-Policy (Klaus Tochtermann [ZBW], Matthias Beller [LIKAT], Peter Brandt [DIE], Miriam Brandt [IZW], Elke Bubel [INM], Harry Enke [AIP], Marc Herbstritt [LZI], Christina Schrader [ZMT], Olaf Siegert [ZBW]), Anita Eppelin (Leibniz-Geschäftsstelle) Aktualisierung 2025: Sprecherinnenund Sprecherkreis des Arbeitskreis Open Access und Publikationsmanagement (Sarah Dellmann [TIB], Eva Bunge [DM], Agathe Gebert [GESIS], Claudia Hackenberg [LIR], Sandra Hinze [LIKAT], Thomas Jung [DIE], Ulrike Kändler [TIB], Monika Pohlschmidt [IDS], Katrin Quetting [PIK], Stefan Schmeja [TIB], Olaf Siegert [ZBW]), Steuerungsgruppe „Wissenschaftliches Publizieren“ (Andreas Radbruch [DRFZ], Piotr Koc [GESIS], Klaus Lieb [LIR], Henning Lobin [IDS], Katjana Schwab [FLI], Irina Sens [TIB], Olaf Siegert [ZBW], Matthias Steinmetz [AIP], Nicole van Dam [IGZ], Christof Wolf [GESIS]), Lisa Kressin (Leibniz-Geschäftsstelle) Ansprechperson in der Geschäftsstelle Lisa Kressin Chausseestraße 111 10115 Berlin [email protected]
3 Beschlussdatum Beschlossen durch die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft am 22. November 2016. In der vorliegenden Fassung beschlossen durch die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft am 5. Dezember 2025. Webseite https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/open-science/open-access DOI 10.5281/zenodo.17832530 Zitierweise Leibniz-Gemeinschaft. (2025). Open-Access-Policy der Leibniz-Gemeinschaft. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17832530
4 1. Präambel In den vergangenen Jahren hat in vielen Bereichen der Gesellschaft, der Politik, der Bildung und Wissenschaft ein Kulturwandel stattgefunden, der in engem Zusammenhang mit den allgegenwärtig vorhandenen Möglichkeiten zur Nutzung des Internets sowie der damit einhergehenden Digitalisierung zahlreicher Bereiche des gesellschaftlichen Lebens steht. Eine Folge dieses Wandels ist die erhöhte Erwartung von Transparenz und Zugänglichkeit wissenschaftlicher Ergebnisse. Aufgrund dieser veränderten Erwartungshaltung, aber auch aufgrund vielfältiger Vorteile für das eigene Tun, hat die Wissenschaft neue Formen des wissenschaftlichen Handelns und Publizierens entwickelt. Hierzu zählt das Open-Science-Paradigma, das in besonderem Maße qualifiziert ist, bewährte Aspekte guter wissenschaftlicher Praxis mit den Potenzialen der Digitalisierung für die Wissenschaft zu verbinden. Die Leibniz-Gemeinschaft bekennt sich mit ihrem „Leitbild für offene Forschung“ zu Open Science. Neben weiteren Elementen von Open Science (wie Open Data, Open Source, Open Peer Review, Open Research Methodology und Open Educational Resources) stellt der offene Zugang zu qualitätsgesicherten wissenschaftlichen Publikationen im Sinne des Open Access einen wichtigen Baustein zur Gestaltung einer transparenten Wissenschaftskultur dar. Sein hoher Stellenwert spiegelt sich in zahlreichen rahmengebenden Positionen wider, die in jüngster Zeit seitens der EU, des Bundes und der Länder veröffentlicht wurden. Die Leibniz-Gemeinschaft hat sich bereits frühzeitig der Open-Access-Idee verschrieben. Sie gehört zu den Erstunterzeichnenden der Berliner Erklärung 2003, hat schon 2007 eine eigene Open-Access-Leitlinie verabschiedet und engagiert sich zusammen mit den anderen Wissenschaftsorganisationen für die Transformation des wissenschaftlichen Publikationsmarktes hin zu Open Access, z. B. im Kontext des DEAL-Projektes. Da für die Etablierung von Open Science, inklusive Open Access, auch eine Änderung der wissenschaftlichen Reputationsmechanismen notwendig ist, engagiert sich die Leibniz-Gemeinschaft zudem in der europäischen Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) . Die Leibniz-Gemeinschaft sieht in Open Access keinen reinen Selbstzweck. Sie möchte mit ihrem Engagement die Transformation dahingehend gestalten, langfristig die Unabhängigkeit der Wissenschaft von wissenschaftsexternen Akteuren zu erreichen und einen Beitrag zu globaler (Bildungs-)Gerechtigkeit zu leisten. Die Leibniz-Gemeinschaft erachtet Publikationsmodelle, die auf Article Processing Charges (APC) basieren, als Hemmnis für die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit Autorinnen und Autoren finanzschwacher Institutionen und Regionen. Deshalb setzt sie sich in besonderem Maße für kostenfreie Formen des Open Access ein. Der anhaltenden Dynamik des Themas Open Access trägt die Leibniz-Gemeinschaft mit der hier vorliegenden, 2025 aktualisierten Open-Access-Policy Rechnung. Indem die LeibnizGemeinschaft mit dieser Policy an aktuelle und zukünftige Entwicklungen anschlussfähig bleibt, trägt sie zum Gelingen einer wissenschaftsfreundlichen Publikationskultur bei. 2. Rahmenbedingungen Die hier vorgelegte Open-Access-Policy berücksichtigt insbesondere die folgenden Aspekte, die für die Leibniz-Gemeinschaft von besonderer Bedeutung sind: • die Wissenschaftsfreiheit, • die Evaluierungskriterien der Leibniz-Gemeinschaft, • die Unabhängigkeit der Leibniz-Einrichtungen, • die disziplinären Unterschiede im Publikationsverhalten, • die verschiedenen Karrierestufen der Forschenden und
5 • die finanziellen, rechtlichen (wie z.B. Datenschutz und Urheberrecht) und wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen (insbesondere auf europäischer und nationaler Ebene und im Bereich der Forschungsförderung). 3. Ziele Die Leibniz-Gemeinschaft als öffentlich finanzierte Forschungsorganisation sieht sich in einer besonderen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und bekennt sich zu Wissenschaft als öffentlicher Ressource. Leibniz-Einrichtungen stellen ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung – auch durch Beratung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Verbindung von thematisch breiter, exzellenter Forschung und hochwertigen Forschungsinfrastrukturen ermöglicht es den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, mit Erkenntnissen und Entwicklungen direkt in die Gesellschaft hineinzuwirken. Im Internet frei zugängliche Publikationen bieten eine besondere Chance, forschungsbasiertes Wissen für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Die Leibniz-Gemeinschaft verfolgt hierzu folgende Ziele: • Umfassende Zugänglichkeit von qualitätsgeprüften Forschungsergebnissen Im Open Access veröffentlichte qualitätsgeprüfte Forschungsergebnisse sind über das Internet weltweit, unmittelbar und kostenfrei zugänglich. • Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen Mit der freien Zugänglichkeit von Fachveröffentlichungen wird sichergestellt, dass die Ergebnisse im Sinne eines transparenten Wissenschaftssystems entsprechend der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis nachprüfbar sind. • Beschleunigung von Forschungsinnovationen Der weltweite, unmittelbare und kostenfreie Zugang zu Publikationen steigert die Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen, insbesondere auch im interdisziplinären und internationalen Kontext. Dies trägt zu einer schnelleren Rezeption der Ergebnisse und zu kürzeren Innovationszyklen bei. • Wertschöpfung durch verbesserte Zugänglichkeit Frei zugängliche Open-Access-Publikationen sind offen für innovative Auswertungsverfahren. Durch die vernetzte und digitalisierte Nachnutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen fördert die Leibniz-Gemeinschaft neue Forschungsansätze und Innovationen. Die Verwendung offener Lizenzen sorgt für Rechtssicherheit in der Nachnutzung. Dies erleichtert die Verwendung von Inhalten, z. B. im Bereich der künstlichen Intelligenz. • Kostentransparenz Die Leibniz-Gemeinschaft engagiert sich zusammen mit den anderen Wissenschaftsorganisationen für die Transformation des Publikationssystems vom Subskriptionshin zu einem wissenschaftsfreundlichen Open-Access-Modell. Diese Transformation bietet die Chance auf eine optimierte Kostenstruktur der einzelnen Publikationsleistungen und zugleich eine zunehmende Kostentransparenz.
6 4. Maßnahmen Diese Open-Access-Policy setzt für die Leibniz-Gemeinschaft folgende inhaltliche Schwerpunkte: a) Anreize setzen b) Beraten und aufklären c) Aktiv umsetzen d) Weiterentwickeln Während das Setzen von Anreizen sowie die Weiterentwicklung primär von der LeibnizGemeinschaft vorangetrieben werden, liegt die Verantwortung für die aktive Umsetzung sowie die Beratungsund Aufklärungsarbeit überwiegend in den Händen der Leibniz-Einrichtungen und ihrer Forschenden unter Berücksichtigung ihrer fachspezifischen Publikationskulturen. a. Anreize setzen Das Publizieren im Open Access wird im Rahmen des Evaluierungsverfahrens der Leibniz-Gemeinschaft gewürdigt. Für Förderungen im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs besteht bereits ein Open-Access-Mandat. Die Leibniz-Gemeinschaft evaluiert dieses kontinuierlich und entwickelt es weiter. Die Leibniz-Einrichtungen verabschieden eigene Open-Access-Policies, die die jeweiligen Besonderheiten der Einrichtung, ihrer Wissenschaftsdisziplin und Publikationskultur widerspiegeln. Die Leibniz-Gemeinschaft stellt hierzu Formulierungshilfen zur Verfügung. Die Leibniz-Einrichtungen setzen institutionelle Anreize für das Publizieren im Open Access. b. Beraten und aufklären Die Leibniz-Gemeinschaft und ihre Mitgliedseinrichtungen bieten Instrumente an, um ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Open Access zu informieren und weiterzubilden. Die Leibniz-Gemeinschaft und ihre Mitgliedseinrichtungen beraten ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer Zweitverwertungsrechte, der Nutzung offener Lizenzen und der Einwerbung von Publikationsgebühren im Rahmen von Drittmittelanträgen. Die Leibniz-Gemeinschaft und ihre Mitgliedseinrichtungen richten Anlaufstellen für Informationsbedarfe zu Open Access ein. c. Aktiv umsetzen Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse vorzugsweise im Open Access mit der freien Lizenz CC BY. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen ihr Zweitverwertungsrecht für bereits erschienene Beiträge wahr. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen die Möglichkeiten zur Einwerbung von Publikationsgebühren im Rahmen von Drittmittelanträgen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler engagieren sich aktiv bei Open-AccessZeitschriften und -Serien, z.B. als Editor oder Reviewer. Das gilt insbesondere für wissenschaftsgeleitete Publikationsmedien. In Redaktionen, Verlagen und Fachgesellschaften, die nicht im Open Access publizieren, setzen sie sich für ein „Flipping“ der Publikationsorgane hin zum Open Access ein.
7 Die Leibniz-Einrichtungen nutzen ihre Spielräume für mehr Open Access bei den von ihnen selbst herausgegebenen Veröffentlichungen (Zeitschriften, Buchreihen, Konferenzbände etc.). Leibniz-Einrichtungen prüfen eine mögliche finanzielle Beteiligung an Diamond-OpenAccess-Modellen oder Diamond-Open-Access-Infrastrukturen. Leibniz-Einrichtungen streben an, 1-2 % ihres Forschungsbudgets1 für Ausgaben, die im Rahmen der Literaturund Informationsversorgung sowie des Open-AccessPublizierens entstehen, in Form eines transparenten Informationsbudgets zu reservieren2. d. Weiterentwickeln Die Leibniz-Gemeinschaft engagiert sich in forschungspolitischen Zusammenschlüssen auf nationaler und internationaler Ebene für die Weiterentwicklung von wissenschaftsfreundlichem Open Access. Die Leibniz-Gemeinschaft beteiligt sich aktiv bei Verhandlungen von Verträgen mit Wissenschaftsverlagen und an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, um die Open-Access-Möglichkeiten ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern und die Transformation vom Subskriptionshin zum Open-Access-Modell zu befördern. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt sich im Kontext der Verhandlung von Transformationsverträgen für intern formulierte Ziele ein (z. B. Kriterien für das „Flipping“ von Zeitschriften, Schutz personenbezogener Daten, wissenschaftsfreundliche Auslegung der Rechte für Textund Data-Mining). Die Leibniz-Gemeinschaft beteiligt sich an Initiativen zur Offenlegung von Zahlungen für Open-Access-Publikationen mit dem Ziel einer zunehmenden Kostentransparenz des wissenschaftlichen Publikationswesens. Die Leibniz-Gemeinschaft erarbeitet eine nachhaltige Lösung zur finanziellen Förderung von Open-Access-Publikationen, die aus Leibniz-Einrichtungen kommen. Die Leibniz-Gemeinschaft wird dafür Sorge tragen, die Umsetzung dieser Open-AccessPolicy regelmäßig zu überprüfen und diese unter Berücksichtigung von Impulsen aus den Leibniz-Einrichtungen und dem Wissenschaftssystem weiterzuentwickeln. 1 Gemeint sind alle für die Forschung relevanten Personalund Sachkosten ohne das nicht-wissenschaftliche Personal. 2 Siehe auch die entsprechende Empfehlung des Wissenschaftsrates (2022): Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access; Köln. https://doi.org/10.57674/fyrc-vb61.