Das Pareto-Prinzip: eine allgemein akzeptierbare Grundlage für wohlfahrtstheoretische Untersuchungen?
Abstract
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Full text
Hackmann, Johannes
A icle
Das Pa e o-P inzip: eine allgemein akzep ie ba e
G undlage ü wohl ah s heo e ische Un e suchungen?
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Hackmann, Johannes (1974) : Das Pa e o-P inzip: eine allgemein akzep ie ba e
G undlage ü wohl ah s heo e ische Un e suchungen?, Zei sch i ü Wi scha s- und
Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s- und
Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 94,
Iss. 3, pp. 239-265,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.94.3.239
This Ve sion is a ailable a :
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Das Pa e o-P inzip:
eine allgemein akzep ie ba e G undlage ü
wohl ah s heo e ische Un e suchungen ?
Von Johannes Hackmann
Vo de E ö e ung de F age de allgemeinen Akzep ie ba kei des Pa e o-
P inzips wi d un e such , was un e dem „Pa e o-P inzip" e s anden wi d
und welches Ve s ändnis da on aus den „pa e ianischen We u eilen" olg .
Ob Ve sionen des Pa e o-P inzips als allgemein akzep ie ba e mu e we den
können, zeig ein Ve gleich on Konsequenzen, die nach dem Pa e o-P inzip
gebo en sind, mi solchen, die ande e — ü manche akzep ie ba e — no ma-
i e Posi ionen als gebo en e scheinen lassen.
I. Einlei ung
Die adi ionelle pa e ianische (ode auch „neue") Wohl ah sökono-
mik woll e au de G undlage allgemein akzep ie ba e We o s ellun-
gen zu allgemein e bindlichen E gebnissen gelangen. Von einem sol-
chen Selbs e s ändnis ausgehend, wi d auch im g öß en Teil de jünge-
en wohl ah s heo e isch ausge ich e en Li e a u e such , beispiels-
weise zu U eilen übe die gesellscha liche Wohl ah , die gesellscha -
liche Vo eilha igkei on P ojek en und Maßnahmen und die Möglich-
kei sinn olle kollek i e En scheidungen zu kommen. Logische Aus-
gangspunk diese Übe legungen is dabei zumeis das Pa e o-P inzip
geblieben, wie es auch schon bei äl e en Ve ö en lichungen zu diesen
Themenk eisen häu ig de Fall wa .
We den wohl ah s heo e ische Un e suchungen nich on o nhe -
ein als Spiele ei abge an, so müß e sich übe den ge ade besch iebenen
Sach e hal insbesonde e de jenige wunde n, de die deu schsp achige
Li e a u zu Wohls andsökonomik (kenn . In diesem Sp achbe eich
gil es nämlich schon sei einige Zei als ausgemach , daß das Pa e o-
P inzip abgelehn we den muß, weil es ein „konse a i es Vo u eil"
en häl 1.
1 Vgl. in diesem Zusammenhang die E ö e ungen au de Bad Hombu ge
Tagung des Ve eins ü Socialpoli ik zu den „G undlagen, G enzen und En -
wicklungsmöglichkei en de Wei a e Economics", do besonde s die Bei äge
on Lauschmann (1963) und Jochimsen (1963); siehe e ne Jochimsen und
Webe (1965).
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240 Johannes Hackmann
Wi d wei e be ücksich ig , daß eine solche Einschä zung des Pa e o-
P inzips auch sons e b ei e is 2 und daß ihm sei ku zem noch illibe-
ale Implika ionen zugesch ieben we den3, muß de Eind uck en s ehen,
daß es bezüglich de F age de allgemeinen Akzep ie ba kei des Pa e o-
P inzips ga keinen Zwei el geben kann: Auch wenn noch so iele (soga
namha e) Ökonomen behaup en, das Pa e o-P inzip sei allgemein ak-
zep ie ba 4, sie sind wide leg , wenn auch nu ü wenige eine solche
Akzep ie ba kei nich gil .
Diese Schluß is alle dings an die Bedingimg gebunden, daß die e -
schiedenen Au o en un e dem, was hie mi „Pa e o-P inzip" umsch ie-
ben we den soll, auch Einhei liches e s ehen. Daß dies nich de Fall is ,
könn e schon die Vielzahl de in de Li e a u o indba en Bezeich-
nungen e mu en lassen5. Wie es sich zeigen wi d, is diese Ve mu img
auch ich ig, obwohl de Ve weis au die Vielzahl on Bezeichnungen
ü das hie mi „Pa e o-P inzip" Gemein e da ü kaum eine s ichhal ige
Beg ündung he gib . In ielen Ve ö en lichungen we den nämlich die
un e schiedlichen Bezeichnungen nebeneinande geb auch , ohne daß
zwischen ihnen imme Bedeu ungsun e schiede e kennba wä en, ge-
schweige denn explizi he o gehoben wü den. Dazu komm , daß kaum
ein Au o jemals da au hinweis , daß das, was e un e Pa e o-K i e ium,
-P inzip, -Regel usw. e s ehe, nich mi dem übe eins imme, was dami
in ande en Ve ö en lichungen bezeichne we de.
2 Siehe Peacock und Rowley (1972), S. 479 und S. 482; siehe e ne Na h
(1969), S. 127 und Pes on (1972), S. 345 Fn. — Von eine „konse a i en Ten-
denz" is im angelsächsischen Be eich übliche weise im Zusammenhang eine
Anwendung de Kompensa ionsk i e ien mi zu leis enden Kompensa ions-
zahlungen die Rede
(z.
B. Mishan [1960], S. 112; Sci o sky [1941], S. 48).
3 Siehe Sen (1970a) und Sen (1970b) und Peacock und Rowley (1972). — Fü
ähnliche Vo behal e gegen das Pa e o-P inzip gl. McKean (1968), S. 39.
4 Ode ga : allgemein akzep ie ; siehe da ü z.B. A ow (1963), S. 96:
„... he Pa e o-p inciple is uni e sally accep ed..."; im üb igen siehe e wa
Do man, Samuelson und Solow (1958), S. 409 und Mishan (1960), S. 112; ü
jünge e Ve ö en lichungen gl. e wa Millwa d (1971), S. 12, Pa anaik (1971),
S. 38, Mishan (1971), S. 311, Dasgup a und Pea ce (1972), S. 54, Polinsky (1972),
S. 408. De G und ü die behaup e e allgemeine Akzep ie ba kei wi d da in
gesehen, daß das Pa e o-P inzip „conce ns he pa e n o social p e e ence
when indi idual p e e ences do no con lic " (Pa anaik [1971], S. 35).
5 Geläu ige noch als Pa e o-P inzip (siehe da ü z. B. Peacock und Rowley
[1972], S. 417; Dobb [1969], S. 18; Sen [1970b], S. 24), dü en die Bezeichnungen
Pa e o-K i e ium und Pa e o-Op imali ä sein. Daneben inden sich „Pa e o-
Regel" bzw. Pa e o-„unanimi y" ule
(z.
B. Peacock und Rowley [1972], S. 478,
Sen [1970b], S. 22, Gä gen [1963], S. 422, Dasgup a und Pea ce [1972], S. 54),
Pa e o- ela ion ode Pa e o- ankings (Sen [1970b], S. 24, Dasgup a und Pea ce
[1972], S. 54, gl. auch F isch [1959], S. 41), Pa e o-condi ion (z. B. G aa [1957],
S. 9, F isch [1959], S. 41), Pa e o-e iciency (Bu khead und Mine [1971], S. 113)
u. a. m. Die Bezeichnungen Pa e o's doc ine bzw. Pa e o- heo em, die e wa
on Dobb (1969), S. 13 und S. 22 im Kon ex de E ö e ungen des Pa e o-
P inzips geb auch we den, meinen jedoch den Sach e hal , daß ein Konku -
enzgleichgewich Pa e o-op imal sei. Die (gelegen liche) Ve mischung diese
beiden Aspek e wi d un en noch zu e ö e n sein.
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Das Pa e o-P inzip 241
Au diesem Hin e g und e gib sich somi als eine e s e Au gabe zu
agen, was un e Pa e o-P inzip bzw. un e den Beg i en e s anden
wi d, die in einem gleichen ode ähnlichen Sinne wie Pa e o-P inzip e -
wand we den (siehe dazu un e II). Dabei geh es nich p imä da um,
möglichs alle Ve sionen des Pa e o-P inzips au zuzeigen, besonde s iele
Di e enzie ungen o zunehmen ode eine abschließende Sys ema isie-
ung anzubie en; ielmeh soll diese Teil de Aus üh ungen haup säch-
lich deu lich machen, daß — wo übe , nach den Zeugnissen de Li e a u
zu u eilen, kaum Kla hei bes eh — die G undkonzep ion „Pa e o-
P inzip" mi seh un e schiedlichen Ve s ändnissen bese z is .
Mi dem Nachweis e schiedene Ve sionen des Pa e o-P inzips s ell
sich die F age, welche on ihnen sinn olle weise au ih e allgemeine Ak-
zep ie ba kei zu p ü en seien. Es wi d deshalb un e such (siehe dazu
un e III), welche Ve sionen — gemessen an den in de Li e a u so
bezeichne en pa e ianischen We u eilen — die Bezeichnung Pa e o-
P inzip am ehes en e dienen. Im anschließenden Abschni we den
dann diese Ve sionen au ih e allgemeine Akzep ie ba kei gep ü ; da-
bei s ell sich he aus, daß sich du ch eine leich e Modi ika ion diese Ve -
sionen eine als allgemein akzep ie ba zu e mu ende Fassung des Pa-
e o-P inzips gewinnen läß .
Zu de e mu lich ü manche in e essan e en F ages ellung, was ein
e wa exis ie endes allgemein akzep ie ba es Pa e o-P inzip „leis en"
kann und wie ein wohl ah s heo e isches A bei en au de Basis eines
solchen P inzips wei e gehen könn e, kann hie nich S ellung bezogen
we den6. Als Indiz ü die Rele anz de F ages ellung diese A bei 7
muß so de allgemeine Hinweis genügen, daß auch anwendungso ien-
ie e Disziplinen an eine au dem Pa e o-P inzip basie enden Wohl-
ah s heo ie e neu ein In e esse zeigen8.
II. Ve sionen des Pa e o-P inzips
Die e schiedenen Ve sionen des Pa e o-P inzips lassen sich zumeis
aus un e schiedlichen In e p e a ionen übe den Aussagegehal on
Pa e o-Op imali ä he lei en. In Anlehnung an Pa e os De ini ion maxi-
6 Hinsich lich de zwei en F age bes eh eine An wo da in, nach wei e en
allgemein akzep ie ba en No men bzw. e allgemeine ungs ähigen In e essen
zu suchen. Fü einen Ve such in diese Rich ung siehe Hackmann (1972).
7 Fü die Bedeu ung de F ages ellung siehe beispielsweise auch Sen (1970b),
S. 84: "I he Pa e o-p inciple is ejec ed, he consequence o ha o collec-
i e choice in gene al and o wel a e economics in pa icula mus be im-
mense"; gl. auch Peacock und Rowley (1972), S. 489: .. i (i. e. Pa e o-p in-
ciple) has been awa ded such p eeminence in he li e a u e o wel a e econo-
mics" und Dobb (1969), S. 13.
8 Siehe z. B. Millwa d (1971), Mishan (1971), Dasgup a und Pea ce (1972).
16 Zei sch i ü Wi scha s- u. Sozial Wissenscha en 1974/3
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242 Johannes Hackmann
maie Ophelimi ä 9 ü ein Kollek i wi d als Pa e o-op imal ein „Zu-
s and" bezeichne , in dem niemand auße zu Las en ande e besse ge-
s ell we den kann10. M. a. W., in eine Pa e o-op imalen Si ua ion kann
die Wohl ah eines Indi iduums höchs ens noch dadu ch e höh we -
den, daß die Wohl ah ande e Indi iduen eduzie wi d.
(1) Un e dem Aspek , ob das Pa e o-P inzip p imä einen Maßs ab
zu e gleichenden Beu eilung gesellscha liche Zus ände bie e ode
unmi elba eine Handlungsanweisung en häl 11, lassen sich die olgen-
den d ei Ve sionen un e scheiden:
(1 a) Das Pa e o-P inzip b ing nu zum Ausd uck, daß eine Si ua ion
aus gesellscha liche Sich imme besse als eine ande e Si ua ion is ,
9 „Wi wollen sagen, daß sich die Mi gliede eines Kollek i s in eine be-
s imm en Posi ion maximale Ophelimi ä e euen, wenn es unmöglich is ,
eine seh kleine Ände ung diese Posi ion de a o zunehmen, daß sich die
Ophelimi ä en alle Indi iduen, abgesehen on denen, die kons an bleiben,
alle e höhen ode alle e inge n." (Pa e o [1909], Appendice § 89, S. 617/8).
Diese S elle en sp ich auch de Passage in „Economie Ma hema ique", in de
do die maximale kollek i e Ophelimi ä de inie wi d (siehe e wa Pa e o
[1955], S. 87; gl. im üb igen auch Pa e o [1909], Chap. VI, § 33, S. 354). Un e -
s ändlich is es mi alle dings, weshalb es nach Pa e os De ini ion in eine
Si ua ion maximale Ophelimi ä unmöglich sein soll, die Wohl ah alle
Indi iduen zugleich zu e inge n. Diese An o de ung is o ensich lich zu
s eng und wi d bei den üblichen De ini ionen on Pa e o-Ophelimi ä auch
nich be ücksich ig . In e essan is in diesem Zusammenhang die Vo gehens-
weise on Dobb (1969) (siehe S. 10). E e läu e zunächs in eigenen Wo en
den Beg i de maximalen Ophelimi ä in de allgemein bekann en Weise
(also ohne das „ode e inge n"), b ing dann jedoch — ohne einen e läu-
e nden Hinweis — das wö liche Zi a on Pa e o mi diesem Einschub.
F isch ([1959], siehe S. 9), de be on , bei seine Ube se zung nach dem i alieni-
schen O iginal einen in imen Kenne de Denkweise Pa e os zu Ra e gezogen
zu haben, e zich e auch in de Übe se zung au das „ode e inge n" (wö -
lich wah scheinlich nich ge ech e ig ; in eine Neuau lage des i alienischen
O iginals s eh an de S elle, au die F isch sich bezieh : „... massimo di o eli-
mi à quando è impossibile allen ana si pochissimo da quella posizione gio-
ando, o nuocendo, a u i i componen i la colle i i à"; Pa e o [1965], Cap. VI,
§ 33, S. 227). Dies be emde zunächs auch deshalb, weil F isch es selbs als
no wendig und hin eichend ü (unkondi ionale lokale) Pa e o-Op imali ä
bezeichne (siehe S. 46), daß die o alen Di e en iale de P ä e enz unk ionen
de Indi iduen, abgesehen on denen, die Null sind, im Op imum nich alle das
gleiche Vo zeichen au weisen, m. a. W., daß im Op imum nich die Posi ion
alle Indi iduen zugleich e besse ode e schlech e we den kann. Wie
schon ein ache Übe legungen (z. B. anhand de G aphiken on F isch au S. 55)
deu lich machen, kann das nich ich ig sein. Aus de Beweis üh ung on F isch
( gl. S. 47) geh auch he o , daß F isch es als no wendig und hin eichend ü
die Pa e o-Op imali ä in eine Si ua ion bezeichnen woll e, wenn keine kleine
Bewegung in die Umgebung diese Si ua ion mi ausschließlich nich -nega i en
o alen Di e en ialen und wenigs ens eines ungleich Null möglich is . Das
ließe es abe zu, daß sich du ch solche kleinen Bewegungen alle Indi iduen
e schlech e n.
10 Siehe z. B. Jochimsen (1961), S. 48; Dasgup a und Pea ce (1972), S. 54; siehe
auch Sen (1970b), S. 30, De . 2• 6.
11 Fü eine explizi e Un e scheidung ähnliche A siehe Buchanan und Tul-
lock (1962), S.
171
.
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Das Pa e o-P inzip 243
wenn in ih im Ve gleich zu ande en „alle"12 Indi iduen besse ges ell
sind. Das Pa e o-P inzip is zunächs nich s als ein un olls ändige O d-
nungsmaßs ab13, wobei die nach diesem Maßs ab maximalen Elemen e
das P ädika „Pa e o-op imal" e hal en.
(1 b) Nach einem ande en Ve s ändnis wi d mi dem Pa e o-P inzip
zum Ausd uck geb ach , es sei au jeden Fall gu , jemanden besse zu
s ellen, wenn dadu ch niemand schlech e ges ell wi d14.
Danach könn e also eine Handlung emp ohlen we den, wenn sie eine
Pa e o-Ve besse ung bewi k , mi hin also on eine Pa e o-in e io en
zu eine Pa e o-supe io en Si ua ion üh 15.
(1 c) Au de Ve sion (1 b) basie end wi d schließlich un e Pa e o-
P inzip das Ve bo e s anden, übe haup jemanden schlech e zu s ellen.
Danach wä e also das Pa e o-P inzip imme schon e le z , wenn du ch
eine „Handlung" nu eine Pe son schlech e ges ell wi d und nich e s ,
wenn dies ü „alle" Pe sonen gil 16.
(2) Un e dem Aspek : was besag das „besse ", e gib sich eine Reihe
on Bedeu ungsmöglichkei en ü das Pa e o-P inzip. Rein de ini o isch
kann zunächs das „nich -meh -besse " in ein „keine-g öße e-indi idu-
elle Wohl ah " um o mulie we den. Un e schiedliche Au assungen
übe das Pa e o-P inzip esul ie en somi aus un e schiedlichen Au as-
sungen übe „indi iduelle Wohl ah ":
12 „Alle" im Sinne on wenigs ens eine besse und niemand schlech e ode
an spä e e S elle auch: wenigs ens eine schlech e und niemand besse .
18 Als O dnungs ela ionen (Pa e o-Rela ionen) we den dann z.B. Pa e o-
P ä e enz und Pa e o-Indi e enz un e schieden, gl. Sen (1970b), De . 2*3;
siehe auch F isch (1959), S. 42 und Mishan (1960), S. 112.
14 Vgl. Baumol (1952), S. 167: „... i we know he ini ial poin and he poin
a e change. Then he change is an imp o emen i i in ol es a mo emen ...
so ha bo h pa ies bene i "; siehe auch G aa (1957), S. 11; Dasgup a und
Pea ce (1972), S. 54. — Diese Fassung dü e o wiegend die Bezeichnung
„Pa e o-K i e ium" o behal en sein ( gl. die Hinweise in diese Anme -
kung). — De Beg i Pa e o-K i e ium wi d abe auch mi Bezug au die
Ve sion
(1
c) geb auch (siehe do ige Anme kung) ode zu Kennzeichnung
de De ini ion on Pa e o-Op imali ä („ he Pa e ian c i e ion o an op imal
alloca ion", siehe Culye [1971], S. 546).
15 Diese Ve sion wi d on Pa e o selbs nahegeleg , indem e in „Manuel"
(Pa e o [1909], App.
§
89, S. 617) e läu e , welche Übe legungen ihn zu seine
De ini ion maximale kollek i e Ophelimi ä bewogen haben: „Wenn als das
E gebnis (sc.: eine seh kleinen Ände ung eine Si ua ion) die Wohl ah alle
Indi iduen de G uppe e höh wi d, is die neue Posi ion o ensich lich ü
jeden on ihnen o eilha e ..., es is o eilha ü die ganze G uppe, die
Ände ung o zunehmen."
16 Pes on (1972) (siehe S. 34 Fn., gl. auch S. 35 Fn.) sp ich bezüglich diese
Ve sion on „ex eme Pa e o op imali y (i. e. nobody should e e be made
wo se o "); ü ein solches Ve s ändnis siehe e ne Boulding (1958), S. 10 und
S. 11/2, Jochimsen (1961), S. 52 und Jochimsen (1963), S. 136, Bohnen (1964),
S. 99/100, Bu khead und Mine (1971), S. 123 und Dick (1973), S. 102 (siehe auch
S. 145).
16*
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244 Johannes Hackmann
(2 a) „Indi iduelle Wohl ah " könn e ein lee o meilha als eine Be-
g i shülse ü das Besse und Schlech e eines Indi iduums au ge aß
we den. Nu in diesem Fall is in de „De ini ion" on indi iduelle
Wohl ah kein no ma i es Elemen en hal en.
(2 b) De u ili a is ischen T adi ion de Wohl ah s heo ie en sp ich
es, wenn indi iduelle Wohl ah (= Nu zen) als indi iduelles Wohlbe-
inden (Glück, Zu iedenhei ) beg i en wi d17.
(2 c) Wenngleich zumeis mi (2 b) iden i izie , muß da on jedoch die
Au assung un e schieden we den, daß indi iduelle Wohl ah das is ,
was das jeweilige Indi iduum als seine eigene Wohl ah ansieh 18.
(2 d) Un e de indi iduellen Wohl ah eine Si ua ion könn e auch
die sei ens des be e enden Indi iduums e olg e Einschä zung de ge-
sellscha lichen Wohl ah diese Si ua ion e s anden we den19.
(2 e) Fe ne mag die indi iduelle Wohl ah in eine Si ua ion dann
g öße sein als in eine ande en, wenn sich das be e ende Indi iduum
bei eine „Wahl" (ausschließlich) zwischen diesen Si ua ionen ü die
e s e e en scheide . Wie Indi iduen „wählen", mag dabei aus de Beob-
ach ung des Ve hal ens on Indi iduen he ausge unden we den20 ode
das E gebnis eine Be agung sein.
Un e diesem Gesich spunk de Wahl wi d das Pa e o-P inzip dann
zu eine Eins immigkei s egel21, wobei es g undsä zlich gleichgül ig is ,
aus welchen Mo i en bzw. aus welche Mischung on Mo i en he aus
das Indi iduum die eine de ande en Si ua ion o zieh : z. B. wegen
g öße e eigene Wohl ah ( gl. [2 c]), wegen g öße e gesellscha liche
Wohl ah ( gl. [2 d]) ode auch aus ak ischen E wägungen (Be ücksich-
igung des „Chancenwe es" eine Si ua ion).
Als Eins immigkei se o de nis in e p e ie , besch änk sich die An-
wendung des Pa e o-P inzips nun nich nu (2 e 1) au einen Ve gleich
bzw. eine Beu eilung on Si ua ionen („E gebnissen"), sonde n be-
17
Siehe dazu Bohnen (1964), insbes. S. 11 - 15.
18 Die no ma i e Implika ion diese De ini ion deck sich nich mi de in de
Wohl ah s heo ie so bekann en Fo de ung, daß die indi iduellen P ä e enzen
zählen sollen; au die indi iduellen „P ä e enzen" komm es auch bei den
Ve sionen (2 d) und (2 e) an.
19 Vgl. Vick ey (1960), S. 531 .; zu diese indi iduellen sozialen Wohl ah s-
unk ion und zu F age de Abg enzung on
(2 b)
und
(2 d)
siehe auch Ha sanyi
(1955), S. 52.
20 „wi h ,be e o 4 and ,wo se o * being de ined in e ms o he indi iduals
as e ealed by beha io ", Buchanan und Tullock (1962), S. 92. Siehe e ne
sons ige Li e a u zu „Theo ie de o enba en P ä e enzen", sowei sie (auch)
wohl ah s heo e isch ausge ich e is ; gl. insbes. das „in a chosen Posi ion"
und das „on a highe beha iou line" bei Li le (1957).
21 Die Gleichse zung des Pa e o-P inzips mi de Eins immigkei s egel is
in jünge e Zei gang und gäbe (siehe insbes. Buchanan und Tullock [1962],
e ne e wa Gä gen [1963] und Dasgup a und Pea ce [1972]).
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Das Pa e o-P inzip 245
zieh sich auch (2 e 2) au die Beu eilung on Maßnahmen22 und (2 e 3)
au die Auswahl on Regeln, an die die Indi iduen in ih en En schei-
dungen gebunden sind bzw. die die P inzipien ü die Beu eilung on
Si ua ionen und Maßnahmen he geben23.
(2 ) Un e dem Aspek , was un e indi iduelle Wohl ah in Hin-
blick au eine gesellscha liche En scheidungs indung zu e s ehen sei,
is an diese S elle auch die Au assung zu e wähnen, daß es bei de Be-
u eilung de gesellscha lichen Wohl ah allein au die aus bes imm en
G ünden esul ie ende Wohl ah ankomme. Zu denken is dabei o
allem an die „ökonomis ische" Ansich , daß gesellscha lich wich ig allein
die aus sog. ökonomischen G ünden ließende (ökonomische) Wohl ah
is (2 1). In Hinblick au die Aus üh ungen am Ende diese A bei sei
de Volls ändigkei halbe hie auch schon die Möglichkei e wähn , daß
bei eine gesellscha lichen En scheidungs indung die Wohl ah on
Indi iduen nu insowei be ücksich ig we den soll, wie sie nich aus
den „eigenen Angelegenhei en" ande e Pe sonen esul ie (2 2).
(2 g) Mi den Ve sionen un e (2 ) soll e alle dings nich die Ansich
e wechsel we den, daß de Aussagebe eich des Pa e o-P inzips in dem
Sinne beispielsweise au ökonomische Wohl ah beg enz is , daß jen-
sei s diese G enze keine Gül igkei des Pa e o-P inzips beansp uch
wi d, und zwa ohne dami gleichzei ig zu implizie en, daß es ü eine
gesellscha liche En scheidungs indung nu au die ökonomische Wohl-
ah ankomme24.
Diese in de Wohl ah s heo ie iel ach übliche Beg enzung de Be-
ach ung au die aus ökonomischen G ünden ließende Wohl ah dü e
zumeis dami mo i ie sein, daß ein Übe sch ei en diese G enze als
eine Übe sch ei ung de Kompe enzen eine Wohl ah sökonomie ange-
sehen wi d.
(3) Zu Au assungsun e schieden kann es wei e un e dem Aspek
de „no ma i en Reichwei e" des Pa e o-P inzips bzw. de F age de
Be ücksich igung wei e e No men bei eine Beu eilung on Si ua io-
nen, Maßnahmen u. a. m. kommen:
22 In diese A bei is mi Beu eilung on Maßnahmen (in Abg enzung zu
„Handlungen") de Fall gemein , daß es auch zum Beu eilungs e ah en ge-
hö he auszu inden, on welche Si ua ion zu welche Si ua ion eine Maß-
nahme üh . Im Un e schied dazu seien bei Handlungen die Ausgangs- und
E gebnissi ua ionen on Handlungen — de ini ionsgemäß — bekann .
28 Fü eine Diskussion de Anwendung des Pa e o-P inzips au solch un e -
schiedlichen Ebenen siehe e wa Buchanan (1962) und Luce und Rai a (1957),
S. 364 . und Blaine (1973).
24 Im Zusammenhang mi den Ve sionen (2 ) und (2 g) siehe auch die olgen-
den Un e scheidungen nach de „no ma i en Reichwei e" und nach den „nich -
no ma i en Annahmen",
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246 Johannes Hackmann
(3 a) Das Pa e o-P inzip is die einzige (ode die „obe s e") no ma i e
Basis ü den we enden Ve gleich gesellscha liche Zus ände bzw. Maß-
nahmen. Eine beliebige Pa e o-op imale Si ua ion is also gesellscha -
lich imme besse als eine beliebige Si ua ion, die nich Pa e o-op imal
is 25. In eine ex emen Au assung könn e diese Posi ion schließlich ga
dazu üh en, alle Pa e o-op imalen Si ua ionen als aus gesellscha liche
Pe spek i e indi e en anzusehen.
(3 b) Fü das Pa e o-P inzip gil kein no ma i e Ausschließlichkei s-
ansp uch. Ihm komm kein p inzipiell höhe e Rang zu als e waigen an-
de en No men, die ü die Beu eilung gesellscha liche Zus ände ge-
eigne sind. Ve schiedene Pa e o-op imale Zus ände sind dann — dem
Wo sinne nach — nich indi e en , sonde n nu im Pa e o-Sinne un-
e gleichba 26.
(3 c) Das Pa e o-P inzip inde nu un e de Res ik ion „ akul a-
i e Bedingungen" Anwendung27. Die akul a i en Bedingungen e-
p äsen ie en dabei ande e No men als die, die im Pa e o-P inzip en -
hal en sind; zu ihnen echnen insbesonde e auch die Ve assungsVo -
sch i en. Diese Besch änkung de Anwendung des Pa e o-P inzips be-
deu e im G unde, daß die im Pa e o-P inzip im Ve gleich zu den in den
akul a i en Bedingungen en hal enen No men als zwei angig angese-
hen we den.
(4) Un e Bezug au die De ini ion on Pa e o-Op imali ä können
sich schließlich noch Au assungsun e schiede übe das Pa e o-P inzip
e geben, weil un e „Si ua ion" un e schiedliches e s anden wi d und
weil un e schiedliche Meinungen da übe exis ie en, was das „kann"
bedeu e , wenn niemand auße zu Las en ande e besse ges ell we den
kann. Sys ema isch läß sich dies un e dem Aspek behandeln, on
welchen nich -no ma i en Annahmen beim Ve s ändnis des Pa e o-
P inzips ausgegangen wi d.
(4 a) Zunächs äll au , daß iel ach eine Gleichse zung des Pa e o-
P inzips mi den sog. Pa e o-Op imali ä sbedingungen e olg . M. a. W.,
Pa e o-Op imali ä wi d mi einem Gleichgewich bei ollkommene
Konku enz bzw. eie Tauschwi scha iden i izie . So komm es, daß
ein G oß eil de Vo behal e gegen das Pa e o-P inzip nich s ande es als
25 Siehe zu eine solchen Au assung e wa Ta ascio (1969), S. 6.
26 Fü eine exak e De ini ion siehe F isch, S. 43; Sen (1970b) (siehe S. 28),
sp ich in solchen Fällen alle dings on „Pa e o-Indi e enz".
27 Das gil zumindes ü Buchanan (1962), de (siehe S. 345 und S. 354) den
üblichen Geb auch des Pa e o-P inzips als un e dem „cons i u ional con-
s ain " e olgend in e p e ie , obgleich e die Kons i u ionen selbs eine
P ü ung du ch das Pa e o-P inzip (=Eins immigkei spos ula ) un e we en
will (dazu siehe auch wei e un en).
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Das Pa e o-P inzip 253
Eine nähe e Be ach ung de Aussagemöglichkei en eine ko ek en
Anwendung des Pa e o-P inzips zeig nun ein beme kenswe es E geb-
nis. Eine nich p ä judizie ende und wide sp uchs eie Anwendung des
po en iellen Pa e o-K i e iums bzw. de Kompensa ionsk i e ien (Kal-
do /Hicks-, Sci o sky-, Samueison-K i e ium) und zwa so, wie sie on
ih en Ve e e n in endie wa , üh zum gleichen Resul a , zu dem
auch eine ko ek e Anwendung des Pa e o-P inzips gelang 43. Pa e o-
P inzip und po en ielles Pa e o-K i e ium s immen also mi einande
übe ein44. Auch bei eine Anwendung de Kompensa ions es s geh es
zunächs um die F age, ob in eine bes imm en Si ua ion du ch eine be-
s imm e Maßnahme „alle" besse ges ell we den können (Kaldo -Hicks-
K i e ium). Is dies de Fall, ha sich die be e ende Si ua ion als nich -
op imal e wiesen; ob dami die un e such e Maßnahme auch auszu-
üh en sei, kann ko ek e weise noch nich gesag we den. E s wenn
es s eh , daß die du ch die zu beu eilende Maßnahme begüns ig en
Pe sonen du ch ein (gedankliches) Rückgängigmachen diese Maßnahme
übe en sp echende Kompensa ionszahlungen nich wiede um „alle"
besse ges ell we den können (Sci o sky-K i e ium) und dieses ü alle
möglichen Ve eilungen gil (Samueison-K i e ium), kann die Maßnahme
emp ohlen we den. Auch diese Emp ehlung kann, will sie nich gegen
i gend jemanden p ä judizie en, in alle Regel nu „beding " Gül igkei
beansp uchen45.
4. Mi de Ablehnung de Au assung, das Pa e o-P inzip sei eine
Handlungsanweisung, die gene ell den Ube gang on eine Pa e o-in-
e io en zu eine Pa e o-supe io en Si ua ion emp ehle, wu de p ak isch
auch die Ve sion (2 e 2) e wo en, de zu olge das Pa e o-P inzip besage,
eins immig gebillig e Maßnahmen könn en du chge üh we den. Denn:
Die Emp ehlung des Ube gangs on eine zu eine ande en Si ua ion is
nich s ande es als die Emp ehlung eine Maßnahme, die einen solchen
Ube gang bewi k .
Diese Schluß olge ung wi d ielleich als übe eil emp unden we den,
da es doch un e schiedlich zu we en is , ob eine Maßnahme selbs zu
Abs immung s eh ode ob aus einem eins immig bewe e en Ve gleich
zweie Si ua ionen (unzulässige) Konsequenzen ü eine Maßnahmebe-
u eilung gezogen we den. Ein Auseinande allen diese beiden Aspek e
43 Vgl. auch Buchanan und Tullock (1962), S. 91: "The unanimi y es is, in
ac , iden ical o he compensa ion es , ..
44 In diese Sich zeig sich also besonde s deu lich, daß die Logik de Kom-
pensa ions es s nich beg i en wu de, wenn on manchen de Rezipien en
de Kompensa ions es s auch a sächliche Kompensa ionsleis ungen ge o de
we den.
45 Vgl. S ee en (1963), insbes. S. 170 . und Samuelson (1947), S. 250 . —
seine „' we e be e s a emen s" en sp echen den obigen „beding en Emp eh-
lungen".
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254 Johannes Hackmann
is nun nich zu bes ei en. Alle dings s ellen sich dami zugleich auch
die F agen, wo in sich eine unmi elba e Beu eilung eine Maßnahme
im einzelnen un e scheide on eine e gleichenden Beu eilung on
Si ua ionen, aus de sich eine Beu eilung on Maßnahmen güns igs en-
alls beiläu ig e geben kann — und, ob es nach den pa e ianischen We -
u eilen (und ü die Quali ä on U eilen) keinen Un e schied mach ,
wenn es um den Ve gleich on Si ua ionen ode um eine S ellungnahme
zu Maßnahmen geh .
Ve se z man sich in die Lage eines Indi iduums, das o de Au gabe
s eh , nach Gesich spunk en seine eigenen Wohl ah eine Maßnahme
zu beu eilen ode zwei Si ua ionen zu e gleichen, so is es o ensich -
lich, daß die An o de ungen an die „U eils ähigkei " des Indi iduums
in beiden Fällen e heblich di e ie en. Wäh end das Indi iduum bei
einem Si ua ions e gleich „nu " die Si ua ionen kompa a i einschä zen
muß, ha es bei eine Maßnahmebeu eilung zusä zlich noch da übe
Vo s ellungen zu gewinnen, on welche Si ua ion zu welche Si ua ion
die on ihm zu beu eilende Maßnahme üh en wi d, welche Risiken mi
seine Einschä zung (hinsich lich des Ein e ens beide Si ua ionen) e -
bunden sind, welche Konku enz- ode Komplemen a i ä sbeziehungen
zwischen de zu beu eilenden und ande en („ echnisch") möglichen Maß-
nahmen bes ehen und ielleich auch noch, wie es um die poli ischen
E olgsaussich en de e schiedenen möglichen Maßnahmen bes ell is .
Da den pa e ianischen We u eilen gemäß nun abe eine Zus ändig-
kei de Indi iduen nu ü die Beu eilung de indi iduellen Wohl ah
on in ih en physischen E gebnissen siche en Si ua ionen beansp uch
wi d, läß sich au diese no ma i en Basis allein eine Zus ändigkei de
Indi iduen ü alle sich bei eine Maßnahmebeu eilung zeigenden P o-
bleme (noch) nich beg ünden. Eine einhellige (eins immige) Beu eilung
eine Maßnahme muß demnach noch nich eine E üllung eines an den
pa e ianischen We u eilen gemessenen Pa e o-P inzips bedeu en. Im
üb igen dü e das, was hie ge ade ü die Beu eilung on Maßnahmen
ausge üh wu de, s ä ke noch ü die Beu eilung kons i u ionelle
Regeln (siehe Ve sion [2 e 3]) gel en, da sie in ih e Bedeu ung und in
ih en Auswi kungen noch schwe e als Maßnahmen zu übe schauen
sind46.
IV. Zu F age de allgemeinen Akzep ie ba kei des Pa e o-P inzips
1. Die allgemeine Akzep ie ba kei des Pa e o-P inzips muß o allem
da an übe p ü we den, ob die sich aus dem Pa e o-P inzip e gebenden
46 Vgl. auch Buchanan (1962), S. 347: „. .. he igno ance abou he wo king
o social ules is clea ly a mo e pe asi e phenomenon han ha conce ning
he a ailabili y o indi idually a ainable al e na i es".
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Das Pa e o-P inzip 255
Konsequenzen eine allgemeine Billigung inden. Dies läß sich da an
p ü en, ob die „E gebnisse", die das Pa e o-P inzip bei bes imm en a -
sächlichen Gegebenhei en o de , zu solchen E gebnissen im (un e ein-
ba en) Wide sp uch s ehen, die au g und ande e no ma i e Posi ionen
gebo en sind. Lassen sich solche no ma i en Vo s ellungen inden und
sind diese No men auch ü einzelne akzep ie ba , kann das Pa e o-
P inzip nich als allgemein akzep ie ba gel en.
Wie be ei s einlei end e wähn , wi d als eine Konsequenz des Pa e o-
P inzips bei einigen auch als eine seine no ma i en Implika ionen die
Begüns igung des s a us quo („ein konse a i es Vo u eil") behaup e .
T ä e diese Behaup ung zu, könn e also das Pa e o-P inzip nich als all-
gemein akzep ie ba angesehen we den.
Un e eine Begüns igung des s a us quo kann zum einen eine A
Immobilismus e s anden we den: Es bedeu e eine Tendenz zum Be-
ha en in de jeweils gegebenen Si ua ion47; zum ande en läß sie an
den Sach e hal denken, daß die in bes imm en gegebenen Ve häl nissen
begüns ig en Pe sonen auch wei e hin begüns ig we den bzw. begün-
s ig bleiben48.
Nach den o ausgegangenen Aus üh ungen, denen zu olge das Pa e o-
P inzip g undsä zlich als ein K i ium ü Nich -Op imali ä und nich
als eine Handlungsanweisung au zu assen is , dü e es be ei s kla sein,
daß die Behaup ung eine s a us quo Begüns igung du ch das Pa e o-
P inzip in welche de beiden Fo men auch imme nich beg ünde we -
den kann. Abgesehen on de F age de Zulässigkei , das Pa e o-P inzip
als eine Handlungsanweisung au zu assen, wü de eine s a us quo Be-
güns igung es noch zusä zlich e o de n, daß das Pa e o-P inzip die
s a us quo Si ua ion o allen ande en Si ua ionen auszeichne49 und daß
das Pa e o-P inzip es e bie e, jemanden übe haup jemals schlech e zu
s ellen (als im s a us quo, siehe die Ve sion [1 c]). Das Pa e o-P inzip
wä e dann ein „libe um e o" (Jochimsen 1961) und wü de jede Pe son
eine „powe o blocking ac ion" zuges ehen.
47 In diesem Sinne Gä gen (1963), S. 423, Jochimsen (1961), S. 56: „...das
Pa e o-K i e ium ein beinahe jede p ak ische Wi scha spoli ik e hinde n-
de Maßs ab ü wi scha liche Reo ganisa ion..
48 „... die Ve eilung... im Ausgangspunk ... (wi d) geschü z und dami
ü , ich ig', »akzep abel* und
,gu *
gehal en", Jochimsen (1961), S. 56
49 Diese Auszeichnung bes ünde in „ he con adic ion ha he exis ing si ua-
ion is jus i ied acco ding o a di e en c i e ion han all o he si ua ions. One
o e is equi ed o main ain he si ua ion unanimi y... o change i ", Pes on
(1972), S. 35; somi hal en sich also auch Buchanan und Tullock (1962) nich an
ih e eigene An o de ung („we do no p opose o go beyond wel a e judgmen s
deducible om a igo ous applica ion o he unanimi y ule", siehe S. 14),
wenn sie am s a us quo de Ve assung g undsä zlich solange es gehal en
wissen möch en, wie sich keine Eins immigkei ü einen Ve assungsände-
ungs o schlag e gib : "The one hing which a decision-making ule canno
be used o decide is wha he decision making ule should be" (Winch [1969],
S.
494).
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256 Johannes Hackmann
Nun en hal en die pa e ianischen We u eile wede eine solche Aus-
zeichnung eine Ausgangssi ua ion50, noch e bie en sie es, jemanden
schlech e zu s ellen51. Wi d on den Fällen abgesehen, in denen o de
Anwendung des Pa e o-P inzips die Exis enz eine idealen Ausgangs-
e eilung (nich gleichzuse zen mi de Ve eilung eines jeweiligen
s a us quo) ge o de wi d, gib es m. W. niemanden, de diese ex eme
Ve sion (1 c) des Pa e o-P inzips explizi e i 52.
Im Zusammenhang mi de Begüns igung des s a us quo de Ve ei-
lung is ein wei e e Einwand gegen das Pa e o-P inzip zu sehen. Da-
nach könne das Pa e o-P inzip aus dem G unde nich als allgemein ak-
zep ie ba gel en, weil on ihm eine lange Reihe on Maßnahmen ge-
dulde we de, die nu die Reichen begüns igen und die A men in ih e
ungüns igen Posi ion ¡belassen (Na h 1969, S. 152; Jochimsen 1961, S. 52).
Zwa i es zu, daß das Pa e o-P inzip eine Ke e solche Maßnahmen
nich un e sag , wie ühe e Aus üh ungen abe gezeig haben, kann
im Regel all au g und on Emp ehlungen nach dem Pa e o-P inzip
allein eine solche Maßnahmenke e dennoch nich Zus andekommen.
50 Bei nich -s a ische Be ach ungsweise komm noch die Schwie igkei
hinzu, übe haup zu de inie en, was de s a us quo is bzw. wodu ch eine „Si-
ua ion" cha ak e isie is : „ he c ucial p oblem is o decide in condi ions o
dynamic unce ain y wha is a change and wha is he s a us quo", Pes on
(1972), S. 34 Fn.; zu diesem P oblem siehe auch Na h (1969), S. 37 und Hack-
mann (1972), S.
23
.
51 Vgl. auch A ow (1969), S. 149: „. .. he e is no eason o con ining he
änge o possible ac ions o hose which will inju e no one as compa ed wi h
he ini ial Si ua ion, unless he s a us quo is o be sanc i ied on e hical g ounds"
—
und zwa ande en als sie im Pa e o-P inzip en hal en sind.
52 Wenngleich on eine s a us quo Begüns igung eines ko ek angewand-
en und mi den pa e ianischen We u eilen e einba en Pa e o-P inzips
keine Rede sein kann, so bleib doch die F age, ob sich eine solche Begüns i-
gung nich aus ande en („sachlichen") Gesich spunk en unabhängig on eine
Akzep ie ung des Pa e o-P inzips e gib . Jede , de aus In o ma ionsg ünden
und Vo sich eine s ändige Rückkoppelung nach dem Schema: „mißliebige E -
ah ungen, Maßnahmen zu ih e Besei igung, neue E ah ungen, neue Maß-
nahmen" als e o de lich ansieh und sich so ü eine ink emen ale („piece-
meal") Poli ik (de Re o men) aussp ich , is zunächs einmal an den s a us
quo gebunden. Dabei e gib sich eine solche Bindung meh ode wenige un-
abhängig da on, wie de be e ende den s a us quo selbs we e . Von solchen
sachlichen Beg ündungen ü eine s a us quo Begüns igung s eng zm ennen
sind die „Beg ündungen", die sich aus de Mo i a ion on Wissenscha le n
e geben, p ak isch e we ba e E kenn nisse o zuweisen. Weil den Poli ike n
und de Ö en lichkei möglichs unbeding e Emp ehlungen gegeben we den
und diese Emp ehlungen das Gewich allgemeine Gül igkei haben sollen
(„die Ö en lichkei ha ja solche E wa ungen an die Wissenscha "), g ei
man zum kon o e se eien Pa e o-P inzip. Da sich mi ihm allein kaum
jemals eine konk e e Maßnahme ablehnen und schon ga nich ech e igen
lassen dü e, wi d ak isch als zusä zliche No m einge üh , daß niemand
(bzw. keine gesellscha lich ele an e G uppe) schlech e ges ell we den da ,
als e es bishe wa . Ein solches Vo gehen dü e auch bei den Poli ike n leich
au Zus immung e en, da ihnen au diese Weise eine Poli ik ange a en wi d,
die scheinba niemandem weh u bzw. die In e essen alle gleichzei ig wah -
nimm und so
—
zumindes ku z is ig
—
die poli ische S abili ä ö de .
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Das Pa e o-P inzip 257
E s in dem denkmöglichen, a sächlich abe i ealen Fall, daß die Ke e
on Maßnahmen zu jeweils eindeu igen Pa e o-Op ima üh , kann sich
die behaup e e Tendenz bei eine ko ek en Anwendung des Pa e o-
P inzips übe haup e geben. Soll e eine solche Tendenz un e diesen
speziellen denkmöglichen Ums änden nich akzep ie ba sein, ä e
das alle dings die Akzep ie ba kei de hie sog. Pa e o-No m, dem no -
ma i en Ke n des Pa e o-P inzips: Die soziale Wohl ah wü de nich
mono on mi de indi iduellen Wohl ah wachsen53. Konk e wü de
dies das Folgende bedeu en: In eine Si ua ion, in de es eine Pe son
besse gehen könn e als in eine ande en, soll eine mögliche Besse s ellung
diese Pe son soga dann un e bleiben, wenn niemand da on p o i ie en
kann, daß diese Pe son nich besse ges ell wi d.
2. In jüngs e Zei wu de nun gegen das Pa e o-P inzip, das wegen
seine Ve quickung mi eie Tauschwi scha und eie Konku enz
ehe als ypische Ausd uck libe ale We o s ellungen gal 54, einge-
wand , daß es mi minimalen An o de ungen an Libe ali ä un e einba
sei (Sen 1970 a, S. 152 .) bzw. wenige s eng, daß „ hose wi h libe al
alues may ha e o eschew adhe ence o Pa e o-op imali y"55.
Peacock und Rowley (1972) bie en ü ih e Au assung meh e e Be-
g ündungen an. Zum einen sei das Pa e o-P inzip mi eine „libe alis i-
schen Philosophie" deswegen un e einba , weil das Pa e o-P inzip im
Gegensa z zu einem libe alen Denken an den s a us quo gebunden sei
(S. 482). Nachdem sich die Au assung eine s a us quo Begüns igung
du ch das Pa e o-P inzip be ei s zu o als unbeg ünde e wiesen ha ,
e üb ig sich eine wei e e Beschä igung mi diese Posi ion.
Zum ande en üh e eine konsequen e Anwendung des Pa e o-P inzips
zu S aa sin e en ionen und Ze s ö ungen eie Mä k e und begüns ige
im üb igen eale T ans e leis ungen ( edis ibu ion in kind) im Un e -
schied zu mone ä en T ans e zahlungen (Peacock und Rowley (1972), S.
481/483 und 485 .). Da solche Tendenzen im Gegensa z zu libe alen
Posi ionen s ünden, e gäbe sich keine Ve äglichkei on pa e ianischen
und libe alen We u eilen.
Eine nähe e Un e suchung diese libe alis ischen Posi ion läß e ken-
nen, daß sie das Resul a eine Mischung e schiedene no ma i e und
posi i e Ansich en is . So mag de Libe ale einen e g öße en S aa s-
ein luß deshalb ablehnen, weil e e wa au g und his o ische (posi i e )
E ah ung einen Mißb auch de Mach des S aa es ü eine Reduzie ung
53 Vgl. ü eine solche ansa zweise Übe legung Na h (1969), S. 112.
54 "In a ee socie y ( he only socie y o which Pa e o cons uc ion seems
a all ele an )...",
Buchanan
(1962), S. 342.
55 Peacock und Rowley (1972), S. 489; gl. auch S. 477, wo sie ih e Aussagen
noch schwäche in e p e ie en: " he a ini y be ween... (libe alism and he
Pa e ian app oach)... is mo e appa en han eal."
17 Zei sch i ü Wi scha s- u. Sozialwissenscha en 1974/3
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258 Johannes Hackmann
indi iduelle F eihei s äume und eine Ve geudung on Ressou cen ge-
ne ell als seh wah scheinlich ansieh 56. Seine Ablehnung kann abe
auch no ma i in eine Risikoscheu mo i ie sein: E möch e soga seh
ge inge Wah scheinlichkei en eines s aa lichen Mach mißb auchs e -
mieden wissen.
Ganz gleich, aus welche Mo i a ion diese libe alis ische Posi ion e-
sul ie , in Hinblick au ih e Ve einba kei mi dem Pa e o-P inzip kann
gesag we den, daß in ihm keine Aussage übe ein Ve hal en angesich s
on unsiche en E wa ungen en hal en is . Wenn es un e s a ischen Be-
dingungen eine s aa liche Ak i i ä beim Vo liegen on ex e nen E ek-
en (ö en lichen Gü e n) bzw. on Nu zenin e dependenzen nahe zu le-
gen schein , so is dami noch nich ausgeschlossen, daß eine zusä zliche
Be ücksich igung on Risiken und P ä e enzen übe Risiken nich doch
zum gegen eiligen E gebnis üh : Die au de Theo ie de ö en lichen
Gü e (und dem Pa e o-P inzip) basie ende Theo ie om Ma k e sagen
is bes en alls ein e s e Sch i zu eine no ma i en Beg ündung (Theo-
ie) on S aa s ä igkei {Vgl. K ause-Junck (1972), S. 131 .).
3. Mi diesen Übe legungen sind die Beziehungen on Libe alismus
und Pa e o-P inzip gewiß nich es los geklä . Dies soll auch im olgen-
den nich e such we den, da dazu eingehende als hie möglich e ö e
we den müß e, welche Me kmale den Libe alismus kennzeichnen. Auch
ohne eine solche E ö e ung wi d alle dings da on ausgegangen we den
können, daß es zum Ke n libe ale We o s ellungen gehö , daß de
F eihei s- und En scheidungs aum eines jeden einzelnen möglichs g oß
sein soll. Au jeden Fall soll jedes Indi iduum, solange es ande e Indi i-
duen nich beein äch ig , die F eihei haben, so zu handeln, wie es ihm
ge äll (P inzip de F eihei )57. Diese Fo de ung weis nun s a ke Übe -
eins immung mi dem aus, was an ühe e S elle als subjek i is ische
No m gekennzeichne wu de. In de Ta , auch die subjek i is ische No m
ziel da au , daß die En scheidungen on Indi iduen g undsä zlich zu
espek ie en sind und daß die jeweiligen Vo s ellungen (P ä e enzen)
56 Die libe alis ische Posi ion wä e in diesem Fall also keine Basisno m, da
ü sie nich un e allen denkba en empi ischen Gegebenhei en Gel ung be-
ansp uch wü de. Fü Hinweise zu de Un e scheidung zwischen Basis- und
Nich -Basiswe u eilen siehe Sen (1970 b), S. 59 .
57 Von My dal (1929, siehe S. 121 .) wi d gegen dieses on J. S Mill e -
e ene P inzip de F eihei eingewand , daß es wegen allgemeine In e de-
pendenz in de Ökonomie nich s gebe, on dem jemand nu pe sönlich be o -
en sei. My dal a gumen ie so, als sei es im Zusammenhang mi de De ini-
ion des P inzips de F eihei eine ein empi ische F age, ob jemand du ch
das Handeln ande e in seine F eihei beein äch ig we de. Dies i nu
beding zu. Nu ü einen U ili a is en e s eh es sich nämlich on selbs , daß,
wenn sich jemand beispielsweise du ch das Ve hal en ande e ges ö ühl ,
dies auch schon als Beein äch igung seine F eihei au zu assen is . Ein om
Be o enen als nega i emp undene , ak isch es s ellba e Ein luß ande e
is no ma i noch nich no wendig eine Ve le zung seines F eihei s aumes.
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Das Pa e o-P inzip 259
de Indi iduen zählen sollen. Im Pa e o-P inzip, so will es demzu olge
scheinen, is mi de isubjek i is ischen No m auch das P inzip de F ei-
hei en hal en.
Zu Ube p ü ung eine solchen These kann au Übe legungen on Sen
(1970 a und 1970 b, Ch. 6) zu ückgeg i en we den. Auch e e meide ,
wie üb igens auch My dal (1963, S. 101), eine p äzise De ini ion dessen,
was Libe alismus is . Wohl zu Rech geh e jedoch da on aus, daß zu
jedem Ve s ändnis on Libe alismus die indi iduelle F eihei jede Pe -
son gehö , wenigs ens die En scheidung zwischen zwei Si ua ionen (Mög-
lichkei en) so bes immen zu können, wie es ih ge äll . Ohne eine E -
üllung diese Bedingung kann on eine Beach ung libe ale P inzi-
pien keine Rede sein.
Un e de Bedingung, daß ü jedes Indi iduum alle logisch möglichen
O dnungen (P ä e enzen) de zu Wahl s ehenden Al e na i en zuge-
lassen und ü die gesellscha liche En scheidungs indung gegebenen-
alls auch be ücksich ig we den sollen („Un es ic ed Domain"; Sen
1970
b,
S. 41) läß sich nun beispielha ü den Fall on zwei Pe sonen
(k, j) und on ie zu Auswahl s ehenden Möglichkei en (x, y, w, z) zei-
gen, daß das Pa e o-P inzip mi solchen minimalen libe alen An o de-
ungen, wie sie eben e läu e wu den, nich imme e einba is . Bei-
spielsweise we de da on ausgegangen, daß de Pe son k (mi Ve bind-
lichkei ü die Gesellscha ) die En scheidungs eihei da übe zus ehe,
ob die Si ua ion x ode ob die Si ua ion y ealisie we den soll. En -
sp echend sei die Pe son j ü die Al e na i e z ode w zus ändig. Um
dieses En scheidungsp oblem plas ische zu machen und zugleich den Be-
g i „gesellscha liche Si ua ion" zu e läu e n, möge man sich o s ellen,
daß sich x und y in allem olls ändig gleichen bis da au , daß die Pe son
k in x au dem Bauch und in y au dem Rücken schlä . Ähnlich mögen
sich e wa w und z nu dadu ch un e scheiden, daß die Küche on j in w
osa und in z weiß ges ichen is 58.
O dne je z das Indi iduum k die ie Möglichkei en nach de on
ihm eingeschä z en Vo zugswü digkei in de Reihen olge w, x, y, z und
gil ü j die Reihen olge y, z, w, x, dann e gib sich nach dem Pa e o-
P inzip, daß aus gesellscha liche Sich i besse als x und y besse als z
is (wäh end w und x au de einen mi y und z au de ande en Sei e
nich mi einande e glichen we den können). Wi d nun be ücksich ig ,
daß bei de Wahl zwischen x und y die P ä e enz de Pe son k den Aus-
schlag geben soll, is w,x,y,z die Reihen olge de gesellscha lichen O d-
nung. Wü de an diese S elle mi dem kollek i en En scheidungskalkül
au gehö , hä e die Gesellscha also einen osa Ans ich (die Möglichkei
w) ü die Küche de Pe son j bes imm , obwohl j selbs liebe in eine
58 Zu den Beispielen siehe Sen (1970a) und (1970b).
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260 Johannes Hackmann
weißen Küche (die Möglichkei z) wohnen möch e. Wi d alle dings noch
die En scheidungsbe ugnis des j ü die Auswahl zwischen w und z be-
ücksich ig , e gib sich eine in ansi i e gesellscha liche O dnung ü
die zu Auswahl ans ehenden Al e na i en (mi de Rango dnung...
z, w, x, y, z...): Die e bindliche En scheidungsbe ugnis des j ü z ge-
gen w und des k ü x gegen y läß sich nich dami e einba en, daß
Al e na i en, in denen alle besse ges ell sind (y im Ve gleich zu z und
w im Ve gleich zu x) gesellscha lich de Vo zug e dienen. Das Pa e o-
P inzip kann also zu den besch iebenen minimalen F eihei s o de ungen
im Wide sp uch s ehen (und u es auch, wenn die Ve häl nisse danach
sind, d. h., wenn en sp echende indi iduelle P ä e enzs uk u en o -
liegen).
Daß diese Un e einba kei o z de im Pa e o-P inzip en hal enen
subjek i is ischen No m möglich is , ha seinen G und da in, daß die
subjek i is ische No m ausschließlich au die Wei ung de Ein lußmög-
lichkei en eines jeden Indi iduums angeleg is , ohne jedoch zugleich
einen Schu z des einzelnen o den „Zug i en" ande e zu en hal en.
Au g und de subjek i is ischen No m bes imm nämlich bekann lich
jedes Indi iduum selbs , was seine Wohl ah is , und zwa unabhängig
da on, ob sich seine P ä e enzen au die P i a angelegenhei en ande e
Pe sonen beziehen ode nich 59. Einen Schu z o solchen Zug i en bie e
e s das P inzip de F eihei .
Diese Beme kungen üh en nun wiede zu ück zu ühe en Übe le-
gungen. Ob das Pa e o-P inzip zu Illibe ali ä üh en kann ode nich ,
is nämlich im G unde eine F age danach, was un e „indi iduelle Wohl-
ah " zu e s ehen is ( gl. die oben un e [2] au ge üh en Ve sionen
des Pa e o-P inzips). Wenngleich an ühe e S elle nich eindeu ig ge-
klä we den konn e, was ein pa e ianisches Ve s ändnis on indi i-
duelle Wohl ah is , so en hal en doch ge ade die ele an en Fassungen
die Möglichkei zu Illibe ali ä . Solange nämlich im Sinne de subjek i-
is ischen No m ein Indi iduum selbs zu bes immen ha , was „indi i-
duelle Wohl ah " is — sei es im Sinne seine eigenen Wohl ah (Ve -
sion [2 c]), ode gesellscha liche Wohl ah (Ve sion [2 d]) ode eine
„Mischung" da aus (siehe Ve sion [2 e 1]) —, solange kann eine illibe ale
so «you may hink his is in ole an o me, bu i may be none heless pa
o my p e e ence (u ili y) unc ion", McKean (1968), S. 39. — Diese Kon lik
zwischen subjek i is ische No m und dem P inzip de F eihei en sp ich dem
geis esgeschidi lich nie ausge agenen Kon lik zwischen U ili a ismus au de
einen und na u ech liche Posi ion au de ande en Sei e: Wie läß sich Ge-
ech igkei im Sinne eines Zus ehens bes imm e Rech e (au En al ung de
eigenen Pe sönlichkei , F eihei , Eigen um) e einba en mi Ge ech igkei
im Sinne on — i gendwie zu bes immende ma e ielle — Gleichhei ? (Hin-
sich lich dieses al en abe imme noch ak uellen Dilemmas gl. My dal [1929],
siehe insbes. S. 106 und S. 121 und Samuelson [1969], S. 100 .).
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Das Pa e o-P inzip 261
Tendenz des Pa e o-P inzips logisch nich ausgeschlossen we den. Sie is
imme dann o handen, wenn ein Indi iduum ü Zwecke de Anwen-
dung des Pa e o-P inzips angib , seine Wohl ah sei du ch Angelegen-
hei en beein luß , die zu P i a sphä e ande e Pe sonen gehö en60. E s
wenn ü eine Anwendung des Pa e o-P inzips die indi iduelle Wohl-
ah nu insowei be ücksich ig wi d, wie sie nich aus P i a angelegen-
hei en ande e esul ie , ließen sich solche illibe alen Tendenzen e mei-
den. Dami e wiese sich also ein mi de subjek i is ischen No m nich
e einba es Ve s ändnis des Pa e o-P inzips, nach dem sein Anwen-
dungsbe eich au die aus bes imm en G ünden esul ie ende Wohl ah
zu besch änken sei (die Ve sion [2 1]), als mi libe alen G undan o de-
ungen e einba 61.
V. Schluß olge ungen
Es wu de gezeig , daß die aus den pa e ianischen We u eilen he -
lei ba en — die pa e ianisch zulässigen — Ve sionen des Pa e o-P in-
zips allgemein nich akzep ie we den können, weil die in ihnen en hal-
ene „subjek i is ische No m" un e bes imm en Ums änden illibe ale
E gebnisse pos ulie . Wich ige als dies is jedoch das kons uk i e
Resul a , daß sich auch eine Ve sion des Pa e o-P inzips en wickeln läß ,
die ü g undlegende libe ale We o s ellungen o en is und die somi
nach den bishe igen Übe p ü ungen (noch) als allgemein akzep ie ba
e mu e we den kann. Die En wicklung eines solchen — als allgemein
akzep ie ba zu e mu enden — Pa e o-P inzips mach konzep ionell
keine Schwie igkei en: Die Angelegenhei en, die zu P i a sphä e ande-
e Pe sonen zählen, müssen nu dem „Zug i " de „subjek i is ischen
No m" en zogen we den; ansons en kann es bei einem pa e ianisch zu-
lässigen Ve s ändnis om Pa e o-P inzip bleiben. Es dü e auch ange-
messen bzw. be ech ig sein, eine solche — s enggenommen nich meh
pa e ianische — Ve sion als Pa e o-P inzip zu bezeichnen, da diese Ve -
sion unmodi izie das no ma i e Elemen de pa e ianischen We u eile
en häl , das o nehmlich die A ak i i ä des Pa e o-P inzips ausmach :
Eine E höhung de Wohl ah eines Indi iduums üh ce e is pa ibus zu
60 Eine illibe ale Tendenz e gib sich in ähnliche Weise bei einem au dem
u ili a is ischen Wohl ah sbeg i basie enden Pa e o-P inzips (Ve sion [2 b]),
wenn das Wohlbe inden on Pe sonen du ch P i a angelegenhei en ande e
angie wi d. — Im üb igen dü e einiges da ü sp echen, daß die illibe alen
Tendenzen bei den genann en Ve sionen am ge ings en noch bei eine Gleich-
se zung on „indi iduelle Wohl ah " mi „eigene Wohl ah " (Ve sion [2 c])
sind.
61 Im Beispiel wü de dies bedeu en, daß die „Ansich " (P ä e enz) des Indi-
iduums k bei de Wahl zwischen den Al e na i en w und z ( osa ode weiße
Küche ü j) ga nich zu be ücksich igen sei — wie auch nich die Ansich de
Pe son j da übe , ob x ode ob y den Vo zug e diene. Die Meinung beide
Pe sonen wä e dann nu ü eine Wahl zwischen x und y au de einen und w
und z au de ande en Sei e ge ag .
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262 Johannes Hackmann
eine E höhung de gesellscha lichen Wohl ah (die hie so bezeichne e
Pa e o-No m).
Fü ein konk e es A bei en ha ein so e s andenes Pa e o-P inzip
alle dings zwei unbequeme Konsequenzen.
Zum einen deshalb, weil kein allgemeine Konsens da übe bes ehen
dü e, was im einzelnen zu de eigenen Angelegenhei eine Pe son zu
echnen is ; zum ande en, weil es g undsä zlich nu schwe zu e mi eln
sein wi d, wie eine Pe son eine Si ua ion einschä z , wenn bei diese Ein-
schä zung eine e wa bes ehende „Meinung" (P ä e enz) diese Pe son
übe die eigenen Angelegenhei en ande e Pe sonen unbe ücksich ig
bleiben soll62.
Bes eh nun aus „p ak ischen"63 ode aus g undsä zlichen64 E wägun-
gen die Ansich , bei eine gesellscha lichen En scheidungs indung seien
nu (indi iduelle) O dnungen übe Si ua ionen (und nich auch P ä e-
enzin ensi ä en) zu be ücksich igen65, we den die beiden ge ade genann-
en Aspek e e mu lich eine allgemein akzep ie ba e Anwendung des
Pa e o-P inzips nich une heblich beein äch igen.
Ande s dü e es dagegen sein, wenn auch die In ensi ä en de P ä e-
enzen on Indi iduen be ücksich ig we den (können), wie es beispiels-
weise de Fall is , wenn im Rahmen on Nu zen-Kos en Analysen die
Zahlungswilligkei en on Pe sonen ü eine Si ua ion im Ve gleich zu
eine ande en e mi el we den66. Zwa wi d es sich in diesem Fall nich
62 Im Ve hal en de Pe sonen „o enba e P ä e enzen" kommen dabei o -
ensich lich nich in F age — dies gil alle dings bis au (2 e) ü alle Ve sionen
des Pa e o-P inzips, wie sie un e (2) au ge üh wu den; beispielsweise also
auch, wenn es bei de „indi iduellen Wohl ah " de Indi iduen au de en
eigene Wohl ah ankomm .
63 Bei dem gegebenen S and des Wissens is es nich möglich, in e pe sonell
e gleichba e ka dinale indi iduelle Wohl ah smaße zu e mi eln.
64 Es gib keinen Konsens da übe bzw. keine Ins anz da ü , wie e wa doch
e mi el e in e pe sonell e gleichba e Einhei en indi iduelle Wohl ah ge-
sellscha lich zu bewe en sind.
85 Bekann lich is dies die „selbs e s ändliche" Ausgangsposi ion de a-
di ionellen (pa e ianischen) Wohl ah s heo ie, in de eine soziale Wohl ah s-
unk ion on o nhe ein als eine Vo sch i de inie wi d, die aus indi iduel-
len O dnungen kollek i e O dnungen he lei e . Diese Ausgangsposi ion gil
gleiche maßen ü Samuelson (1947), S. 173 wie ü A ow (1951, S. 23 und
S. 27, die Bedingung [3]). Auch de Nachweis de Unmöglichkei eines pa e-
ianischen Libe alen du ch Sen (1970b) basie , wie de übe wiegende Teil
seine Monog aphie „Collec i e Choice" au diesem Ansa z. (Un e diesem
Aspek siehe auch seine De ini ion eine „collec i e choice ule" und eine
„social decision unc ion", ebenda S. 28 und S. 52.)
66 Im Sinne ühe e Aus üh ungen da dies zunächs nu als Tes da au
e s anden we den, welche de beiden Si ua ionen nich op imal is . — Un e
en sp echenden Gegebenhei en (insbes. hinsich lich des sog. Einkommens-
e ek es, wie es ü Nu zen-Kos en Analysen zumeis un e s ell wi d; gl.
auch Mishan [1971]) kann diese Tes allein, wenn obend ein aus p agma i-
schen G ünden eine Vo en scheidung ü eine sukzessi e (S ückwe k-)Pla-
nung ge allen is , auch zu beding en Handlungsanweisungen ( gl. dazu oben)
üh en.
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