scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Interne und externe Stabilität

Steinmann, Bodo

Abstract

EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.

Full text

Steinmann, Bodo Article Interne und externe Stabilität Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Steinmann, Bodo (1970) : Interne und externe Stabilität, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 3, Iss. 4, pp. 386-407, https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292652 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Interne und externe Stabilität Eine kritische Auseinandersetzung mit Vorschlägen von R. A. Mundell und W. Stützel* Von Bodo Steinmann, Kabul (1) Jedes aktuelle Zielsystem der Wirtschaftspolitik weist eine Reihe von Einzelzielen auf, bei denen der Grad ihrer Realisierung zu Lasten des Erfüllungsgrades anderer Ziele geht. Derartige Konfliktkonstellationen erfordern einen Kompromiß hinsichtlich des Ausmaßes der Verwirklichung einzelner Ziele, der dann als optimal gelten kann, wenn „die Gesamteinbuße aus der teilweisen NichtRealisierung von zwei oder mehreren Zielen am geringsten erscheint"1. Für die Ziele der internen und externen Stabilität wird bei bestimmten gesamtwirtschaftlichen Konstellationen (Zahlungsbilanzdefizit und Rezession bzw. Zahlungsbilanzüberschuß und Inflation) im Rahmen der bestehenden internationalen Währungsordnung (feste Wechselkurse, freie Konvertibilität) ein Konflikt angenommen, der nur durch einen Kompromiß gelöst werden kann2. Das Vorliegen eines solchen Konfliktes — * Erweiterte Fassung des Habilitationsvortrags vor der Fakultät der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Ruhr-Universität Bochum. 1 W. A. Jöhr IH. W. Singer, Die Nationalökonomie im Dienste der Wirtschaftspolitik, Göttingen 19642, S. 154. 2 Vgl. z. B. H. Besters, Staatliche Autonomie und internationale Konjunkturpolitik, in: Festschrift für A. Müller-Ar mack, hrsg. v. F. Greiß und F. W. Meyer, Berlin 1961, S. 244 ff. — Zu dem historischen Hintergrund der Konfliktmöglichkeiten zwischen diesen Zielen vgl. H. Möllery Probleme der Geldund Kreditpolitik bei Währungskonvertierbarkeit, in: Wirtschaftsfragen der freien Welt, Festschrift für Ludwig Erhard, hrsg. v. E. v. Beckerath, F. W. Meyer und A. Müller-Armack, Frankfurt/Main 1957, wiederabgedruckt in: Geldund Bankpolitik, hrsg. v. E. Dürr, Köln/Berlin 1969, S. 407. Die Zielantinomie weist ein anderes Bild auf, wenn unterschiedliche Wachstumsraten des Sozialprodukts eingeführt werden — vgl. hierzu z. B. F.A.Lutz, Das Problem des internationalen wirtschaftlichen Gleichgewichts, Tübingen 1963; /. Klaus, Wachstumsbedingte Konflikte zwischen externem Gleichgewicht und internen Zielsetzungen, Kyklos XIX (1966), S. 642 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 387 und damit die Notwendigkeit, Kompromißlösungen zu suchen — verneinen Mundeil3 und Stützel4 für den Fall, daß die Träger der Wirtschaftspolitik bereit sind, nach bestimmten Kriterien eine Spaltung des wirtschaftspolitischen Instrumentariums vorzunehmen, d. h. einige Instrumente expansiv, andere kontraktiv einzusetzen. Was eine solche nach den Vorschlägen der genannten Autoren durchgeführte Spaltung in bezug auf die Problemlösung zu leisten vermag, ist die Fragestellung der vorliegenden Abhandlung. (2) Die Kurzformel für die in den Vorschlägen von Mundell und Stützel angestrebten Ziele heißt „interne und externe Stabilität". Dabei wird mit interner Stabilität jene gedachte gesamtwirtschaftliche Situation umschrieben, in der die Höhe der Nachfrage zum einen die Vollbeschäftigung aller inländischen Produktionsfaktoren erlaubt und zum anderen in einem solchen Verhältnis zu dem im Inland verfügbaren Güterangebot steht, daß das Preisniveau konstant bleiben kann; m. a. W., die interne Stabilität kennzeichnet eine Situation von Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität. Die externe Stabilität bezieht sich auf den Ausgleich der Zahlungsbilanz, und zwar in seiner Ausprägung als Ausgleich der Bilanz der laufenden Posten sowie der Kapitalverkehrsbilanz5. Ein solcher Ausgleich 3 R. A. Mundell, The Appropriate Use of Monetary and Fiscal Policy for Internal and External Stability, International Monetary Fund, Staff Papers, IX (1962), S. 7Off.; wiederabgedruckt in: /. Lindmer (ed.), Macroeconomic Readings, New York, London 1968, S. 253 ff. und in: International Economics, New York/London 1968, Kap. 11. 4 W. Stützel, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik. Ein Beitrag zur Geldtheorie, Tübingen 1958, S. 124 ff.; ders., Der internationale Kreditverkehr und die Koordinierung der Konjunkturpolitik, Konjunkturpolitik, 4 (1958), S. 95 ff. 5 Dieses Beurteilungskriterium für eine ausgeglichene Zahlungsbilanz entspricht so lange der heute allgemein akzeptierten Definition vom Zahlungsbilanzausgleich (vgl. z. B. H. Besters, Zahlungsbilanz, in: Staatslexikon, Freiburg 19626, Bd. VII, Sp. 929 ff.; /. E. Meadey The Theory of International Economic Policy, Bd. I, The Balance of Payments, London/New York/Toronto 1951 (1963), S. 9 ff.; K. Rose, Theorie der Außenwirtschaft, Berlin/Frankfurt 19662, S. 18 f.), wie die potentiellen Zahlungen den aktuellen entsprechen und außerhalb der Zentralbank keine zahhingsbilanzinduzierten Transaktionen stattfinden, d. h. so lange die Transaktionen unbehindert von wirtschaftspolitischen Maßnahmen und ohne Rücksicht auf die Zahlungsbilanzsituation das Ergebnis der freien Entscheidung der Wirtschaftssubjekte sind. — Vgl. H. G. Johnson, International Trade and Economic Growth. Studies in Pure Theory, London 1958, S. 155. "The most basic measure of balance-of-payments disequilibrium is the country's surplus or deficit of potential and continuing payments of autonomous trade 25* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 388 Bodo Steinmann bedeutet — von „nicht erfaßten Posten und statistischen Ermittlungsfehlern" abgesehen —, daß auch die Devisenbilanz als Außenbilanz der Zentralbank keinen Saldo aufweist. (3) Die Mittel, die zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden sollen, sind bei beiden Autoren ähnlich. Sie stammen aus dem Arsenal der Geldjund Kreditpolitik sowie der Finanzpolitik. Das geldund kreditpolitische Instrument ist bei Mundeil ein — nicht näher spezifizierter — Zinssatz und bei Stützel die Gesamtheit der Kreditkonditionen (Zinssätze, Laufzeiten der Kredite und Bonitätsanforderungen). Das finanzpolitische Instrument besteht — sowohl bei Mundell als auch bei Stützel — aus einem positiven oder negativen Budgetsaldo, der durch Variation der Steuersätze und/oder der Ausgaben erzielt wird. Bei Stützel tritt ergänzend das Instrument der Sparbeeinflussung (in Form einer Einführung/Abschaffung bzw. Änderung von Sparprämien) hinzu. (4) Aufgrund des Standorts, den die zu (behandelnden Vorschläge im Rahmen der nationalen Konjunkturpolitik einnehmen, lassen sich für die weitere Diskussion die folgenden allgemeinen Prämissen bestimmen: — feste Wechselkurse, — Abwesenheit güterwirtschaftlicher und monetärer Kontrollen im internationalen Handel, — Gleichrangigkeit binnenund außenwirtschaftlicher Ziele, — autonome nationale, d. h. international nicht harmonisierte Wirtschaftspolitik, — gesamtwirtschaftliche Konstellationen von Zahlungsbilanzdefizit und Rezession bzw. Zahlungsbilanzüberschuß und Inflation. I. Darstellung und Arbeitsweise der Modelle von Mundell u. Stützel Die voneinander unabhängig erarbeiteten Vorschläge von Mundell und Stützel, die beide das Ziel verfolgen, durch eine Spaltung des wirtschaftspolitischen Instrumentariums gleichzeitig die interne und die externe Stabilität zu sichern, werden im folgenden in ihren wesentlichen Punkten dargestellt. Dabei muß auf eine integrierte Betrachtung der beiden Modelle wegen ihrer unterschiedlichen speziellen Prämissen verzichtet werden. and transfers" — /. E. Meade, The Theory of International Economic Policy, S. 16. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 389 1. Der Vorschlag von Mundell (1) Neben den allgemeinen Prämissen, in die die untersuchten Vorschläge eingebettet sind, weist das Modell von Mundell eine Reihe weiterer, speziell diesen Vorschlag betreffende Prämissen auf, von denen folgende die wichtigsten sind: — zinsabhängige Investitionen, — vom Zinsgefälle zwischen Inund Ausland induzierte Kapitalübertragungen, — konstante marginale Importneigung und gegebene Höhe der Exporte. (2) Auf der Basis der genannten Prämissen werden die skizzierten Mittel und Ziele in einen Wurkungszusammenhang gebracht und Kurven des externen und internen Gleichgewichts konstruiert. Diese spiegeln die Kombinationen von Zinssätzen und Budgetsalden wider, die entweder einen Zahlungsbilanza/usgleich als Ausgleich der Devisenbilanz oder Vollbeschäftigung bei Preisniveaustabilität bedingen. Diese Konstruktion soll durch eine — von Mundell übernommene8 — Grafik verdeutlicht werden, in der auf der Abszisse Zinssätze (i) und auf der Ordinate Budgetsalden (b) abgetragen sind, und zwar letztere in der Form, daß sich vom O-Punkt weg ein bestehender Budgetüberschuß vergrößert bzw. ein bestehendes Budgetdefizit verringert (oder ein ausgeglichenes Budget von einem Budgetüberschuß abgelöst wird). Die eingezeichneten Stabilitätskurven haben beide eine negative Steigung7: Die Kurve der externen Stabilität (E) verläuft von links oben nach rechts unten, weil eine Erhöhung des Zinssatzes ceteris paribus den Kapitalexport reduziert (bzw. einen Kapitalimport forciert) und über eine Senkung der Investitionen das Einkommen und damit die Importe verringert. Ein erhöhter Zinssatz muß deshalb — soll der Zahlungsbilanzausgleich erhalten bleiben — mit einem geringeren Budgetüberschuß (höheren Budgetdefizit) gekoppelt sein, der das Einkommen und damit über eine konstante marginale Importneigung die Importe -erhöht. Punkte oberhalb und rechts der E-Kurve beschreiben einen Zahlungsbilanzüberschuß, Punkte unterhalb und links ein Zahlungsbilanzdefizit. 6 R. A. Mundell, The Appropriate Use of Monetary and Fiscal Policy for Internal and External Stability, S. 255. Grafik siehe S. 380. 7 Bezüglich des genauen Ausmaßes der Steigung (bzw. seiner Änderung) haben die eingezeichneten Geraden keine Aussagekraft. Es ist lediglich beabsichtigt, durch sie die Richtung der Steigung anzuzeigen und die Anschaulichkeit der Ausführungen z-u erhöhen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 390 Bodo Steinmann Die Kurve des internen Gleichgewichts (I) weist deshalb eine gleichgerichtete Steigung auf, weil ein höherer Zinssatz ceteris .paribus über eine Senkung der Investitionen das Einkommen reduziert, so daß ein geringerer Budgetüberschuß (höheres Budgetdefizit) nötig ist, um die Gesamtnachfrage auf dem zur Vollbeschäftigung der inländischen Ressourcen erforderlichen Niveau zu halten. Punkte oberhalb und rechts der I-Kurve kennzeichnen eine Rezession, Punkte unterhalb und links eine inflationäre Uberhitzung. Die negative Steigung der Kurve des externen Gleichgewichts ist aus folgendem Grund stärker als die des internen Gleichgewichts: die I-GeOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 391 rade ist in ihrer Steigung abhängig von der Reaktion der inländischen Nachfrage auf Zinsänderungen und Änderungen des Budigetsaldos. Unter der Annahme, daß keine Kapitalübertragumgen stattfänden, wiese die E-Kurve bei konstanten Exporten infolge der gleichbleibenden Abhängigkeit der Importe vom Volkseinkommen die gleiche Reaktion auf Zinsänderungen und Änderungen des Budgetsaldos auf wie die I-Kurve. Sobald aber zinsabhängiige (bzw. zinsgefälleabhängige) Kapitalübertragungen vorgenommen werden, muß die E-Gerade steiler als die I-Gerade verlaufen, da eine Zinserhöhung nicht nur die Importe in gleichem Ausmaß verändert wie die heimische Nachfrage, sondern gleichzeitig auch den Kapitalexport verringert (Kapitalimport erhöht), so daß eine größere Reduktion des Budgetüberschusses (Erhöhung des Budgetdefizits) zum Zahlungsbilanzausigleich erforderlich ist als zur Aufrechterhaltung der inländischen Nachfrage und vice versa bei einer Zinssenkung. Die Differenz zwischen den Steigungen der beiden Kurven ist um so größer, je größer die Mobilität des Kapitals im Anschluß an Zinsänderungen ist, mit der sich der Zahlungsbilanzsaldo verändert, und je geringer die Importneigung ist, von deren Höhe die Änderung des Budgetüberschusses bzw. -defizits abhängt, die zur Beseitigung der unausgeglichenen Zahlungsbilanz notwendig ist. (3) Entsprechend den allgemeinen Prämissen ist der Vorschlag von Mundeil in seiner Anwendung auf die gesamtwirtschaftlichen Konstellationen von inflationärer Überhitzung mit Zahlungsbilanzüberschüssen sowie Rezessionen mit Zahlungsbilanzdefiziten beschränkt. Die vorgesehenen Instrumente sollen dabei — gemäß dem „Prinzip der effektiven Marktklassifikation"8 — in der Weise eingesetzt werden, daß sie jeweils an dem Ziel (bzw. auf den Markt) ausgerichtet sind, auf das sie den größten Einfluß haben. Da die Relation „Wirkung des Zinssatzes auf interne Stabilität zur Wirkung auf externe Stabilität" kleiner ist als die Relation „Wirkung der Budgetpolitik auf interne Stabilität zur Wirkung auf externe Stabilität", muß der Einsatz der beiden Instrumente in der Weise erfolgen, daß die Budgetpolitik der internen und die Zinssatzpolitik der externen Stabilität dient. Ein Land mit ZahlungsbilanzÜberschuß und Inflation müßte demzufolge die Steuern erhöhen und/oder die Staatsausgaben reduzieren sowie den Zinssatz senken, z. B. indem die 8 Vgl. R. A. Mundelly The Monetary Dynamics of International Adjustment under Fixed and Flexible Exchange Rates, Quarterly Journal of Economics, LXXIV (1960), S. 249 f. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 392 Bodo Steinmann Notenbank Offenmarktpapiere ankauft. Das Umgekehrte gilt für ein Land mit Zahlungsbilanzdefizit und Rezession9. Zur Illustration einer solchen Politik wird in einem Land eine gesamtwirtschaftliche Konstellation unterstellt, wie sie etwa dem Punkt A in der Grafik entspricht. Eine inflationäre Überhitzung ist mit einem Zahlungsbilanzüberschuß gekoppelt. Durch eine Erhöhung des Budgetüberschusses (Verringerung des Budgetdefizits) von bi auf b2 wird — unter der Annahme, daß die dargestellten Geraden die sich aius den Gegebenheiten in einer Volkswirtschaft effektiv resultierenden Steigungsmaße widerspiegeln — das interne Gleichgewicht bei B realisiert, aber der Zahlungsbilanzüberschuß von AB' auf BB' verstärkt, da die Importe sinken. Es muß deshalb gleichzeitig eine Zinssenkung von ii auf i2 erfolgen, wodurch sich über eine Erhöhung der Importe und der Kapitalexporte (Senkung der Kapitalimporte) ein Zahlungsbilanzausgleich bei C einstellt. Durch weitere Erhöhungen des Budgetüberschusses (Verringerung des Budgetdefizits) und Senkungen des Zinssatzes wird über D-E-F das Vollbeschäftigungsgleichgewicht bei Preisniveaustabilität und Zahlungsbilanzausgleich (G) erreicht. Das entsprechend Umgekehrte gilt für ein Land mit Rezession und Zahlungsbilanzdefizit. (4) Wenn zur Erreichung bestimmter Ziele — wie im vorliegenden Fall der internen und externen Stabilität — eine gleichgroße Anzahl unabhängiger Instrumente (Zinssatz und Budgetsaldo) zur Verfügung steht10 und wenn diese Instrumente in bezug auf die angestrebten Ziele effizient sind und entsprechend dem „Prinzip der effektiven Marktklassifikation" gespalten werden (Budgetsaldo für interne und Zinssatz für externe Stabilität), dann sind die Träger der Wirtschaftspolitik in der Lage, die von ihnen angestrebten Ziele gleichrangig zu behandeln und voll zu realisieren. Magische Zielkonflikte verlieren ihre Schrecken. 2. Der Vorschlag von Stützel (1) Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch Stützel, der die Instrumente Zinssatz (bzw. Kreditkonditionen) und Budgetsaldo in der gleichen Weise einsetzt wie MundelL Allerdings ist der Ablauf des Modells ein anderer, da die speziellen Prämissen weitgehend andere sind. 9 Mundeil weist nach, daß ein der effektiven Marktklassifikation zuwiderlaufender Einsatz der Instrumente die internen und externen Ungleichgewichtssituationen verschärft. 10 Vgl. J. Tinbergen, On the Theory of Economic Policy, Amsterdam 1952. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 393 Neben der mit Mundeil übereinstimmenden Annahme — der vom Zins- (bzw. Kreditkonditionen-) gefalle zwischen Inund Ausland induzierten Kapitalübertragungen sind nach Stützel — die Investitionen überwiegend gewinnabhängig und werden — die Änderungen von Importen und Exporten durch Änderungen der Kreditkonditionen ausgelöst. (2) Auch nach dem Plan von Stützel werden die wirtschaftspolitischen Instrumente so eingesetzt, daß die Finanz- (und Spar-) politik die Sicherung der internen und die Geldpolitik die der externen Stabilität übernimmt. (3) Zur Illustration einer solchen Politik soll — wie im Modell von Mundell — eine mit einem Zahlungsbilanzüberschuß gekoppelte inflationäre Uberhitzung in einem Land als Ausgangskonstellation unterstellt werden. Die Finanzpolitik reduziert das Budget11, und zwar die Ausgaben stärker als die Einnahmen, um einen Haushaltsüberschuß zu erzielen. Damit sich daraus aber nicht eine Versteifung des Geldund Kapitalmarktes ergibt, die dem außenwirtschaftlichen Ziel zuwiderläuft, empfiehlt Stützel, diesen Überschuß direkt am Kapitalmarkt oder bei den Geschäftsbanken anzulegen12. Neben der Finanzpolitik (oder im Rahmen der Finanzpolitik) sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Spartätigkeit der Nichtunternehmer anzuregen. Damit auch von daher keine Beeinträchtigung der Liquidität erfolgt, müssen die erhöhten Ersparnisse ebenfalls vollständig auf den Kapitalmarkt fließen. Eine solche Politik würde trotz Liquiditätsneutralität konjunkturdämpfend wirken, da die durch Finanzund Sparpolitik erzielten Einndimeüberschüsse der staatlichen und privaten Haushalte entsprechend der Keyness&ien Verteilungsgleichung die Gewinne der Unternehmer 11 In einer wachsenden Wirtschaft genügt es, wenn die Staatsausgaben und -einnahmen in einem geringeren Ausmaß steigen als das Sozialprodukt. 12 Damit setzt sich Stützel in Gegensatz zu H. Möller (Probleme der Geldund Kreditpolitik ibei Währungskonvertierbarkeit, S. 412), der in seinem „Vorschlag zur Konfliktmilderung" für einen stärkeren Einsatz der Finanzpolitik plädiert, aber fordert, daß „die entstehenden öffentlichen Kassenüberschüsse nicht im Bankenapparat stehengelassen werden, weil sie sonst dessen Kreditspielraum erweitern würden und zusätzlich private Investitionen ermöglichen könnten." OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 400 Bodo Steinmann der Änderung des Budgetsaldos gelingt, die binnenwirtschaftliche Gesamtnachfraige direkt oder indirekt zu beeinflussen, — dies um so mehr, als auch die Gewinnaussichten der Unternehmer im gewünschten Sinne verändert werden19. Nach Ansicht von Mundell und Stützel ist die Einwirkung mittels Budget- (und Spar-)politik in jedem Falle geeignet und ausreichend, um in einer inflationären Wirtschaft Preisniveaustabilität zu erzielen. Diese Beurteilung erweist sich jedoch als zu wenig differenziert, denn eine Herbeiführung oder Änderung eines Budgetsaldos ist nur dann als eine ursachenadäquate Maßnahme anzusehen, wenn die zu bereinigende Situation durch eine — im Verhältnis zum Güterangebot zu herrschenden Preisen — zu hohe monetäre Nachfrage entstanden ist und wenn den eingetretenen Preissteigerungen keine Kostenerhöhungen in gleichem Umfang gefolgt sind, wenn es sich also m. a. W. um eine reine Nachfrageinflation handelt. Liegt jedoch dieser Inflationstyp nicht vor, so ist das Mittel der Budgetsaldovariation ungeeignet, das angestrebte Ziel der internen Stabilität zu verwirklichen. In diesem Fall läßt sich die Realität nicht exakt durch eine Stabilitätsgerade (I) in die Bereiche Unterbeschäftigung bei Preisniveaustabilität und Überbeschäftigung bei Inflation einteilen, sondern diese beiden Bereiche überlappen sich. Das hat zur Folge, daß eine Senkung der Nachfrage nicht die interne Stabilität — gekennzeichnet durch Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität — sondern die Konstellation „Inflation bei Unterbeschäftigung" 'herbeiführen kann20. Am Mundell-, aber auch am StützelVorschlag ist deshalb zu bemängeln, daß die empfohlenen Maßnahmen — zumindest soweit es das Ziel der internen Stabilität betrifft — auf einer zu »globalen Ursachenanalyse beruhen, als daß sie in der aufgezeigten Ausgangslage in jedem Fall Erfolg bringen könnten. Es hätte eine Differenzierung der Maßnahmen entsprechend der hinter der vorgefundenen Preisentwicklung liegenden Ursachen erfolgen müssen. 19 Allerdings ist hier — soweit ein Anstieg des Budgetsaldos auf Steuererhöhungen beruht — auf das Problem der Steuerüberwälzung aufmerksam zu machen, durch die die Realisierung des angestrebten Ziels "beeinträchtigt werden kann. 20 K. Rose (Möglichkeiten und Grenzen einer übernationalen Konjunkturpolitik, Wirtschaftsdienst, 47 (1967), S. 363 f.) sieht aufgrund solcher Überlegungen eine Einigung über einen Kompromiß zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität als notwendige Voraussetzung für den Erfolg einer übernationalen Konjunkturpolitik an. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 401 (2) Hinsichtlich der Eignung der Zinsänderungen zur Erreichung der externen Stabilität sind ebenfalls einige Einschränkungen angezeigt. Wie bereits dargelegt, muß der Ausgleich der Devisenbilanz in erster Linie durch Kapitalübertragungen infolge Herstellung oder Änderung eines Zinsigefälles zum Ausland erfolgen. Selbst wenn es gelingt, ein zielkonformes Zinsgefälle zum Ausland zu schaffen — ausländische Notenbanken könnten ihm durch Swapsatzpolitik entgegenarbeiten —, ist zu bedenken, daß die Kapitalströme auch von anderen Faktoren abhängen, die unter Umständen den Anreiz, einen hohen Zins verdienen zu können, überkompensieren. Jeder Kreditgeber muß bei einem Auslandstransfer nicht nur auf die Rentabilität seiner Anlage und die Bonität des Schuldners achten, sondern auch darauf, ob dieser in der Lage ist, Zinsen und Tilgungsbeträge nicht nur in Inlandswährung, sondern auch in Devisen aufzubringen20*. In vielen Ländern, in denen zum Ausgleich eines Defizits in der Leistungsbilanz hohe Zinsen Auslandsgelder hereinholen sollen, ist die Steigerung der Exportkraft im Vergleich zum Importbedarf so gering, daß eine Rückzahlung in Devisen nicht zu erwarten steht und das Zinsund Konditionengefälle zum Ausland nicht (oder nicht voll) zur Wirkung kommt. Daneben ist auf die Vielzahl von Motiven aufmerksam zu machen, die — neben Zinsdifferenzen auf Geldund Kapitalmärkten zwischen Inund Ausland — internationale Kapitalbewegungen bedingen können21. Eine effiziente Einflußnahme auf internationale Kapitalbewegungen muß an diesen unterschiedlichen Motiven ansetzen. Diese lassen sich aus der Zahlungsbilanz eines Landes, die nur nach Anlageformen in kurzund langfristige Transaktionen »differenziert, nicht ablesen. (3) Sieht man einmal von dieser Qualifikation ab, so ist es bei Zahlungslbilanzungleichgewichten größereren Ausmaßes fraglich, ob die Manipulation der Zinssätze (Kreditkonditionen) ausreicht, die Zahlungsbilanz auszugleichen. 20a Hierauf verweist auch Stützet (Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, Seite 159 ff.) in einem einschränkenden Absatz seiner Analyse. 21 Vgl. z. B. A. Stobbe (Kapitalbewegungen als Störungsfaktor im herrschenden Währungssystem, Schriften des Vereins für Socialpolitik, Berlin 1965, Bd. 35), der folgende Motive für Kapitalbewegungen unterscheidet: (1) Entwicklungshilfe, (2) Schuldentilgung (Reparationen), (3) Wechselkursspekulation, (4) Unterschiede im Inflationsgrad (m. E. allerdings nur in Verbindung mit (3) oder mit Verausgabung im Ausland), (5) Unterschiede in der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals (Direktinvestitionen), (6) Unterschiede in der Einkommensteuer (einschließlich Unterschiede in der Erhebungstechnik), (7) Rahmenrisikodifferenzen und (8) Aufbau und Sicherung der Exportmärkte. 26 Kredit und Kapital 4/1970 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 402 Bodo Steinmann Stützet selbst ist pessimistisch für den Fall einer stark passiven Zahlungsbilanz eines Landes, verbunden mit Löhnen, die im Vergleich zu denen der Handelspartner zu (hoch liegen und bei denen sich eine Senkung ihres „internen Nominalwerts" politisch nicht durchsetzen läßt. „Diese geringe Flexibilität der Löhne nach unten ist der einzige Grund, weshalb Situationen eintreten können, in denen die Herstellung eines angemessenen Gefälles der Kreditkonditionen nicht ausreicht, den Ausgleich der Zahlungsbilanz zu sichern22." Falls feste Wechselkurse beibehalten werden sollen und sich die Produktivität einer Volkswirtschaft nicht beliebig steigern läßt, muß eine Anpassung der Löhne hinzukommen. Damit ist aber die Konfliktsituation zwischen 'binnenund außenwirtschaftlichen Zielen nicht mehr ohne eine Unterordnung der nationalen Wirtschaftspolitik unter die Zahlungsbilanzerfordernisse zu lösen. (4) Die Erwartung eines Zahlungsbilanzausgleichs durch Kapitalströme beinhaltet darüber hinaus eine unzulässige Isolierung der Kapitalbilanz von der Leistungsbilanz. Wie aus der Transfertheorie — von A. Hahn pointiert als Bumerangthese vorgetragen23 — bekannt ist, werden Kapitalexporte nicht per se zu einer die Leistungsbilanz ausgleichenden Kraft. Hier muß eine differenzierte Analyse über Aufbringung und Verwendung des Kapitals erfolgen, bei der sich als ein durchaus denkbares Ergebnis herausstellen kann, daß es für einen ständigen Ausgleich der Devisenbilanz kumulativer Kapitalexporte bedarf, wie es Hahn — allerdings in generalisierender Weise — dargelegt hat. 3. Probleme erreichter Zielrealisierung (1) Wird unterstellt, daß trotz der im Zusammenhang mit den eingesetzten Mitteln gemachten Modifikation eine gleichzeitige Realisierung der angestrebten Ziele möglich ist und daß ferner die in den Vorschlägen nicht beachteten Nebenwirkungen auf Drittziele (wie z. B. hinsichtlich der Befriedigung von Kollektivbedürfnissen, des Wachstums und der Einkommensverteilung) vernachlässigt werden können24, so ist noch ein Einwand gegen die Analysen von Mundell und Stützet zu erheben, der 22 W. Stützet, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, a.a.O., S. 205. 23 Vgl. A. Hahn, Kapitalausfuhr: Illusion und Wirklichkeit, in: Die Zeit, Nr. 3, 15.6.1958, wiederabgedruckt in: Geld und Kredit, Frankfurt a. M., S. 28 ff. sowie weitere Aufsätze in diesem Sammelband. 24 In Wirklichkeit ist die Nichtbeachtung von Wirkungen auf Drittziele ein weiterer ernstzunehmender Mangel dieser Vorschläge. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 403 bedeutend schwerer wiegt als die bisher gemachten und der die grundsätzlich positive Beurteilung der Vorschläge nicht nur modifiziert, sondern — zumindest für eine gesamtwirtschaftliche Konstellation — in Frage stellt. Es läßt sich verdeutlichen, wie ein zu enger theoretischer Ansatz aufgrund einer unzulässigen ceteris-paribus-Betrachtung unzureichende Ergebnisse -bzw. — sofern er als Basis wirtschaftspolitischer Aktionen zur Überwindung von Zielkonflikten benutzt wird — Scheinlösungen produziert. (2) Obwohl beide Autoren als eine relevante gesamtwirtschaftliche Konstellation den Fall der inflationären Uberhitzung bei Zahlungsbilanzüberschüssen untersuchen, basieren sie ihre Vorschläge implicite auf einen Ansatz, der — entweder auf der Keynesschen Beschäftigungstheorie aufbauend (Mundeil) oder aus der mikroökonomischen Absorptionstheorie stammend (Stützel) — die Konstanz aller Preise beinhaltet, bzw. der Veränderung der Preise keine Bedeutung für die Analyse 'beimißt. (3) Daß ein solch enger Ansatz von den beiden Autoren gewählt worden sein muß, geht daraus hervor, daß entweder die Importe zu den Gesamtausgaben des Inlands in eine feste Beziehung gesetzt und die Exporte als konstant angesehen (Mundeil) oder aber die Änderungen von Exund Importen als von Änderungen der Kreditkonditionen abhängig betrachtet werden (Stützel). Diese Annahmen wären nur berechtigt, wenn die binnenländischen Gesamtausgaben oder die Kreditkonditionen die einzigen Prozeßvariablen wären, die auf die Importe Einfluß nähmen, bzw. wenn es — außer den Kieditkonditionen bei Stützel — keine Prozeßvariablen gäbe, die für die Bestimmung der Exporte Bedeutung hätten. Das ist aber nicht der Fall. Selbst wenn aufgrund der Annahme eines im Verhältnis zur übrigen Welt geringen Außenhandelsvolumens die Auswirkungen von Änderungen inländischer Variablen auf die entsprechenden Größen des Auslands vernachlässigt werden können, so wird sich im Anschluß an die durchgeführten wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Preisentwicklung im Inland ändern, wodurch Exportund Importwerte nicht unbeeinflußt bleiben. Die Bedeutung der Preise für -diese Größen wird auch von beiden Autoren in anderen Untersuchungen — entweder als Geldmengenpreismechanismus (Mundell) oder als direkter internationaler Preiszusammenhang (Stützel) — voll anerkannt25. 25 Vgl. R. A. Mundell, International Economics, Kap. 10 und W. Stützel, Ist die schleichende Inflation durch monetäre Maßnahmen zu beeinflussen? Beihefte zur Konjunkturpolitik, Heft 7, Berlin 1960, S. 10 ff. 26* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 404 Bodo Steinmann (4) Zur Illustration dieses Problems eignet sich besonders die Analyse \on Mundell, und zwar wird der Fall eines „inflation surplus" (Punkt A in der Grafik) noch einmal aufgegriffen: Das Vollbeschäftigungsgleichgewicht bei Preisniveaustabilität und Zahlungsbilanzausgleich sollte letztlich dadurch erreicht werden, daß ein Rückgang der Gesamtausgaben im Inland das interne Gleichgewicht verwirklicht, während vor allem durch Kapitalexport die vergrößerte Export-Importlücke geschlossen würde. Dieses Ergebnis läßt sich jedoch — setzt man voraus, daß die wirtschaftspolitischen Maßnahmen die gewünschten Wirkungen haben — nur erreichen, wenn sich durch den Einsatz der Instrumente die Kurven des internen und externen Gleichgewichts nicht verschieben. In dem Ausmaß aber, in dem es gelingt, eine inflationäre Überhitzung in Richtung auf das interne Gleichgewicht zurückzuführen (A->G), entsteht —unter der Annahme, daß sich durch diese Maßnahme an der Preisentwicklung des Auslands nichts ändert — ein Preisniveaugefälle zugunsten des Inlands (bzw. ein bestehendes positives Preisniveaugefälle verstärkt sich oder ein negatives schwächt sich ab). Daraus resultiert zum einen — normale Reaktion der Zahlungsbilanz vorausgesetzt — ein Leistungsbilanzüberschuß. Punkt G wird in bezug auf das externe Gleichgewicht ein Punkt des Zahlungsbilanzüberschusses, d. h. die E-Gerade verschiebt sich nach links. Zum anderen ergibt sich — direkt über den internationalen Preiszusammenhang (in Verbindung mit einem Zufluß zusätzlicher Liquidität) und indirekt über den Geldmengenpreisund Einkommensmechanismus — ceteris paribus eine Beeinträchtigung des internen Gleichgewichts. Punkt G liegt in bezug auf das interne Gleichgewicht im Bereich inflationärer Überhitzung, d. h. die I-Kurve verschiebt sich nach rechts. (5) Damit aber bleiben der Zielkonflikt, der durch die Spaltung des Instrumentariums beseitigt werden sollte, und die Notwendigkeit zum Kompromiß bestehen. Es gelingt lediglich eine Scheinlösung: Nur durch Vernachlässigung von Preisänderungen, die in Verbindung mit den wirtschaftspolitischen Maßnahmen auftreten, resultiert aus der Spaltung der inländischen Wirtschaftspolitik ein stabiles internes und externes Gleichgewicht. Werden hingegen die Preisänderungen einbezogen, so wird die Instabilität des Gleichgewichts offenkundig. Mit der Spaltung des Instrumentariums kann die Wirtschaftspolitik das Dilemma, in das sie durch die Konstellation von Inflation und Zahlungsbilanzüberschuß gerät, nicht beseitigen. Sie bleibt „self-defeating", d. h. je besser es ihr gelingt, das Ziel OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 405 der internen Stabilität zu erreichen, desto gefährdeter ist das Ziel der externen Stabilität, und je weniger das Ziel der externen Stabilität realisiert wird, .desto massiver wiederum müssen die Maßnahmen zur Erreichung des internen Ziels sein, und so fort. III. Abschließende Bemerkungen (1) Die Problematik der untersuchten Vorschläge in den angesprochenen Bereichen des Mitteleinsatzes und der Mittelwirksamkeit, der Eignung der eingesetzten Mittel sowie der erreichten Zielrealisierung läßt sich wie folgt resümieren: Erstens: Die für die Ziele der internen und externen Stabilität eingeteilten wirtschaftspolitischen Mittel lassen sich nicht — wie bei Mundell im Gegensatz zu Stützet beabsichtigt — in ihrem Einsatz völlig voneinander isolieren. Das hat zur Folge, daß ihre Dosierung erhöht werden muß, um die gleiche Zielwirksamkeit wie bei voneinander unabhängigen Mitteln zu erreichen. Auch in ihrer Wirkung sind die Mittel gegenseitig nicht voneinander abzukapseln, wodurch sich die Basis für die Beurteilung erfolgreicher Zielrealisierung verändert: Die interne Stabilität ist leichter, die externe Stabilität schwerer zu realisieren. Zweitens: Unter Berücksichtigung der durchgeführten Modifikationen legt die Beurteilung der Eignung der eingesetzten Mittel zur Erreichung der angestrebten Ziele die Vermutung nahe, daß die beabsichtigte Spaltung des Instrumentariums nur bei bestimmten gesamtwirtschaftlichen Konstellationen von Preisund Zahlungsbilanzentwicklungen (reine Nachfrageinflation und leichte Zahlungsbilanzungleichgewichte mit geringen Bumerangeffekten) erfolgreich sein kann. Drittens: Bei der gesamtwirtschaftlichen Konstellation Inflation/Zahlungsbilanzüberschuß erfolgt die gleichzeitige Realisierung beider Ziele nur aufgrund eines zu engen theoretischen Ansatzes (Ausschaltung der Preiskomponente). Diese Scheinlösung klammert einen Großteil der dabei auftretenden Problematik aus, die nicht nur darin besteht, daß sich die Mittel in ihrem Einsatz und in ihrer Wirksamkeit bei der Realisierung der angestrebten Ziele behindern, sondern auch, daß von dem Grad der Zielrealisierung seinerseits wiederum Kräfte ausgehen, die den Konflikt verstärken. (2) Die Spaltung des wirtschaftspolitischen Instrumentariums zur Erreichung interner und externer Stabilität kann — im Gegensatz zu den diskutierten Vorschlägen — höchstens bewirken, über UrsachenOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 406 Bodo Steinmann adäquate, effiziente und entsprechend dem „Prinzip der effektiven Marktklassifikation" eingesetzte Mittel Konflikte beim Mitteleinsatz und bei der Mittelwirksamkeit auszuräumen, nicht aber Konflikte, die mit dem Grad der Zielrealisierung zusammenhängen. Die diskutierten Vorschläge können vor allem deshalb keine befriedigende Lösung des Konflikts zwischen interner und externer Stabilität anbieten, weil sie — mit mehr oder weniger großem Erfolg — nur auf zwei der drei Bereiche des Zielkonflikts abheben. Summary Internal and External Stability A critical appraisal of proposals by R. A. Mundell and W. Stützel This article ventilates proposals by Mundell and Stiitzel who recommend that, in overall economic situations in which objectives of internal and external stability conflict with each other within the framework of the prevailing international economic system, the instruments of economic policy should be split up. Fiscal policy should be expansive (contractive) to attain full employment coupled with monetary stability, while monetary policy — simultaneously contractive (expansive) — should serve to square the balance of payments. It proves, however, that the investigated proposals cannot — as intended — solve the dilemma with which many countries are faced in trying to achieve internal and external economic goals simultaneously without sacrificing the priority of one of the goals or having to veer off the course of the existing international monetary system. A consideration of the three levels on which the means applied may conflict with each other in achieving objectives (mutual impairment in application, in effectiveness and, finally, in consequence of the degree of attainment of goals) shows that the splitting up of economic policy instruments can constitute a solution — though to different extents according to the two authors — at best for the first two. Experience will show that if economic policy achieves one of the conflicting objectives, it will render attainment of the other more difficult, despite the splitting up of economic policy instruments. Résumé Stabilité interne et externe Une analyse critique des suggestions de MM. R. A. Mundell et W. Stützel L'article analyse les propositions de MM. Mundell et Stützel qui recommandent à la politique économique de diversifier ses instruments face aux constelOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40 Interne und externe Stabilität 407 lations économiques globales dans lesquelles les objectifs de la stabilité interne et externe entrent en conflit dans le cadre de l'ordre économique international actuel. La politique financière devrait intervenir expansivement (contractivement) pour réaliser le plein emploi dans la stabilité monétaire, tandis que la politique monétaire — simultanément contractive (expansive) — devrait veiller à l'équilibre de la balance des paiements. Il s'avère toutefois que les propositions examinées ne parviennent pas à éliminer, ce qu'elles recherchent cependant, le dilemme dans lequel s'enferment de nombreux pays qui tentent de réaliser simultanément leurs objectifs économiques internes et externes sans abandonner la priorité d'un de ces objectifs ou sans devoir s'écarter de l'ordre monétaire international existant. Pour les trois étapes, a«u moment desquelles les moyens de réalisation des objectifs peuvent entrer en conflit (gêne réciproque lors de leur mise en oeuvre, dans leur efficacité et enfin dans le degré de réalisation des objectifs) ou au moins pour les deux premières, les auteurs prensent avoir trouvé la solution, encore que dans des mesures différentes chez chacun d'eux, dans la diversification des instruments de la politique économique. Il ne fait aucun doute que malgré cette diversification, la politique économique, dès qu'elle parvient à l'un des objectifs générateurs de conflits, se heurtera toujours aux pires difficultés pour réaliser l'autre. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.4.386 | Generated on 2023-01-16 13:08:40