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Künstliche Intelligenz im Alltag von Lehrpersonen in sonderpädagogischen Settings. Wie setzen Lehrpersonen in sonderpädagogischen Settings KI ein und welche Chancen und Hindernisse sehen sie dabei?

Mauchle, Livio

Abstract

Durch die fortschreitende Verbreitung von KI, stellt sich die Frage, wie Lehrpersonen diese technologische Ressource nutzen. Um zu beantworten, wie Heilpädagoginnen KI einsetzen und welche Chancen und Hindernisse sie dabei wahrnehmen, werden qualitative Interviews durchgeführt, welche in vier Kernbereiche eingeteilt wurden: generelle Akzeptanz von KI, Anwendungsbereiche im Schulalltag, Hindernisse, sowie Chancen und Potenziale. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass KI bereits vielerorts zur Anwendung kommt, jedoch vor allem aus pädagogisch-praktischer Intention. Eine Reflexion von Chancen und Risiken findet grösstenteils noch nicht statt. Es zeigt sich, dass sowohl in der Ausbildung von Lehrpersonen, aber auch auf Volksschulebene eine vertiefte Auseinandersetzung notwendig ist, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen und eventuellen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Es lässt sich festhalten, dass Heilpädagoginnen und Heilpädagogen einen sehr verantwortungsvollen Umgang mit KI pflegen.

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-1Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich Studiengang Sonderpädagogik Masterarbeit Künstliche Intelligenz im Alltag von Lehrpersonen in sonderpädagogischen Settings Wie setzen Lehrpersonen in sonderpädagogischen Settings KI ein und welche Chancen und Hindernisse sehen sie dabei? Eingereicht von: Livio Mauchle Begleitung: Ingo Bosse Abgabe: 11. Mai 2025 -2Abstract Durch die fortschreitende Verbreitung von KI, stellt sich die Frage, wie Lehrpersonen diese technologische Ressource nutzen. Um zu beantworten, wie Heilpädagoginnen KI einsetzen und welche Chancen und Hindernisse sie dabei wahrnehmen, werden qualitative Interviews durchgeführt, welche in vier Kernbereiche eingeteilt wurden: generelle Akzeptanz von KI, Anwendungsbereiche im Schulalltag, Hindernisse, sowie Chancen und Potenziale. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass KI bereits vielerorts zur Anwendung kommt, jedoch vor allem aus pädagogisch-praktischer Intention. Eine Reflexion von Chancen und Risiken findet grösstenteils noch nicht statt. Es zeigt sich, dass sowohl in der Ausbildung von Lehrpersonen, aber auch auf Volksschulebene eine vertiefte Auseinandersetzung notwendig ist, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen und eventuellen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Es lässt sich festhalten, dass Heilpädagoginnen und Heilpädagogen einen sehr verantwortungsvollen Umgang mit KI pflegen. -3Inhaltsverzeichnis Abstract ............................................................................................................................................... 2 1. Einleitung .................................................................................................................................... 5 1.1 Ausgangslage ..................................................................................................................... 6 1.1.1 Digitale Technologien......................................................................................................... 6 1.1.2 Pädagogisches Personal ..................................................................................................... 6 1.1.3 Technische Voraussetzungen an der Schule ...................................................................... 6 1.2 Relevanz und Begründung der Themenwahl ..................................................................... 7 1.2.1 Gesellschaftliche Relevanz ................................................................................................. 7 1.2.2 Sonderpädagogische Relevanz .......................................................................................... 7 1.2.3 Persönliche Relevanz ......................................................................................................... 7 1.3 Theoretischer Rahmen ...................................................................................................... 8 2. Künstliche Intelligenz .................................................................................................................. 9 2.1 Definition ........................................................................................................................... 9 2.2 Entstehung KI ................................................................................................................... 11 2.3 Was vermag KI heute zu leisten ....................................................................................... 13 2.3.1 Schwache KI ..................................................................................................................... 13 2.3.2 Starke KI ........................................................................................................................... 14 2.3.3 Schlussfolgerung .............................................................................................................. 16 3. KI und Pädagogik ...................................................................................................................... 16 3.1 Historischer Kontext ........................................................................................................ 16 3.2 KI in Verbindung mit Lerntheorien .................................................................................. 17 3.3 Ethik ................................................................................................................................. 19 3.4 Chancen und Herausforderungen .................................................................................... 22 4. Aktuelle Studien zu KI in der (Sonder-)Pädagogik .................................................................... 25 4.1 Akzeptanz von KI in der Pädagogik .................................................................................. 25 4.2 Einsatzbereiche von KI ..................................................................................................... 26 -44.3 Chancen von KI in der Pädagogik ..................................................................................... 26 4.4 Hindernisse von KI in der Pädagogik ................................................................................ 27 4.5 Fazit .................................................................................................................................. 28 5. Vorgehen .................................................................................................................................. 29 5.1 Interviews ........................................................................................................................ 29 5.2 Analyse der Interviewergebnisse ..................................................................................... 30 5.3 Interpretation und Einordnung ........................................................................................ 30 6. Ergebnisse der Interviewanalyse .............................................................................................. 31 6.1 Akzeptanz von KI in der Sonderpädagogik ...................................................................... 31 6.2 Nutzung ........................................................................................................................... 34 6.3 Chancen ........................................................................................................................... 39 6.4 Hindernisse ...................................................................................................................... 43 6.5 Kompetenzentwicklung ................................................................................................... 48 7. Interpretation und Einordnung der Ergebnisse ........................................................................ 50 8. Schlusswort und Danksagung ................................................................................................... 53 9. Literaturverzeichnis .................................................................................................................. 54 10. Anhang ................................................................................................................................. 59 10.1 Transkripte der Interviews ............................................................................................... 59 -51. Einleitung Künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erfahren und ist aus vielen Bereichen unseres Alltags kaum noch wegzudenken. Ob bei der personalisierten Empfehlung von Inhalten oder der Nutzung intelligenter Navigationssysteme, KI hat sich bereits heute als unverzichtbar etabliert. Auch im Bildungsbereich, und in dieser Arbeit insbesondere in der Sonderpädagogik, eröffnen KI-Anwendungen neue Möglichkeiten, Lernprozesse zu individualisieren und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Der gezielte Einsatz von KI kann dazu beitragen, Unterrichtsmaterialien zu personalisieren und die Förderung von Lernenden zu optimieren. Einer Umfrage des deutschen Branchenverbandes Bitkom zufolge hat etwa jede zweite Lehrperson bereits Künstliche Intelligenz im Unterricht eingesetzt, während fast ein Drittel plant, dies in naher Zukunft zu tun (Bitkom, 2024). Mit der sich rasch voranschreitenden Verbreitung nehmen aber auch Ängste und Bedenken zu. Die durch Filmen geprägte Vorstellung von KI und menschenähnlichem Denken und Verhalten fasziniert Menschen seit Langem, jedoch nicht nur in faszinierender Art und Weise, sondern auch hinsichtlich Ängste und Bedenken. Autonom denkende und entscheidende Maschinen «ADMS - Automated Desicion Making Systems» (Digitale Gesellschaft, 2024) stellen uns vor Herausforderungen, wenn es um ethische Aspekte geht und greifen tief in gesellschaftliche Diskussionen, welche auch auf die Schule Einfluss haben. So geben laut der Umfrage von Bitkom (2024) auch etwa ein Drittel aller Befragten an, dass sie Künstliche Intelligenz in ihrem Unterricht nicht oder nicht mehr einsetzen möchten. Es stellt sich die Frage, wie weit KI-Systeme in der Sonderpädagogik verwendet werden können und wie eine zunehmende Abhängigkeit digitaler Unterstützungsmöglichkeiten das Unterrichten, und somit die Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern, verändern könnten. Eine zunehmende Lernbegleitung und damit auch das Vertrauen auf digital getroffene Entscheidungen in Assistenzsystemen, wirft zudem Fragen hinsichtlich einer Reglementierung oder gar Restriktion je nach Art und Tragweite des Funktionsumfangs verschiedener Software. Einig sind sich Lehrpersonen aber grösstenteils darin, dass Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Künstlicher Intelligenz erlernen sollten. 80 % der Befragten halten dies für wichtig. Obwohl 37% der Lehrpersonen finden, dass KI im Unterricht nicht gebraucht werden soll, stimmen von diesen 79% zu, dass KI-Wissen vermittelt werden soll. -61.1 Ausgangslage 1.1.1 Digitale Technologien Seit Aufkommen und Veröffentlichung von ChatGPT wurde Künstliche Intelligenz für viele Menschen zugänglich. In den letzten Jahren hat sie enorme Fortschritte gemacht und gehört in vielen Alltagsbereichen zu unserem täglichen Leben. KI gestützte Anwendungen haben sich als teilweise unbemerkte Helfer bereits unverzichtbar gemacht, sei es in der Navigation über Google Maps oder der Autotextkorrektur. Auch in der Schule verändern technologische Entwicklungen den Alltag von Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern. In der Sonderpädagogik bieten sich durch den Einbezug von Künstlicher Intelligenz neue Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einer zunehmenden Individualisierung und der besseren Anpassung an die Lernvoraussetzungen der Lernenden. 1.1.2 Pädagogisches Personal Lehrpersonen in der Sonderpädagogik stehen jeden Tag vor der Herausforderung, Schülerinnen und Schüler in ihrer nächsten Zone der Entwicklung zu fördern. Der Einsatz von KI kann dabei eine wertvolle Unterstützung leisten, indem Lehrpersonen bei der Erstellung von auf Lernende angepasste Lernmaterialien, der allgemeinen Anpassung des Unterrichts in Form von Rhythmisierung und als Ideengeber oder später allenfalls sogar bei der Analyse von Lernfortschritten und Lernprozessen unterstützt werden. Für die Einführung und Umsetzung von KI-Konzepten an Schulen sind die Akzeptanz und grundlegende Kompetenzen des Lehrpersonals wichtige Voraussetzungen. Dafür müssen sie ausreichend und fortlaufend geschult werden und auch in der Lage sein, sich bezüglich weiterführender Themen wie Datenschutz und digitalen Spuren auseinandersetzen zu können. «Schule ist demnach in der Pflicht, dieses Thema sowohl im Unterricht als auch als Teil der Professionalisierung von pädagogischem Personal stärker als bisher aufzugreifen» (Aufenanger, Herzig & Schiefner-Rohs, 2023). 1.1.3 Technische Voraussetzungen an der Schule Für eine geeignete Umsetzung von KI-Konzepten an Schulen ist nicht nur die Akzeptanz und die Kompetenz der Lehrpersonen erforderlich, sondern auch eine solide Grundausstattung an technischen und finanziellen Ressourcen. Dazu gehören eine ausreichende Infrastruktur, Zugang und Budgetierung geeigneter Softwarelösungen und technische Unterstützung, z.B. auch in der Ausund Weiterbildung von iScouts und Picts (pädagogischer ICT-Support) in diesem Bereich. Schulen müssen sicherstellen, dass sie über die notwendigen Ressourcen verfügen, um KI sinnvoll nutzen zu können. -7Dies umfasst die Bereitstellung von Hardware, wie Computern und Tablets, sowie die Einrichtung einer stabilen Internetverbindung, auf welche KI angewiesen ist. 1.2 Relevanz und Begründung der Themenwahl Nach einer Weiterbildung, die viele Fragen offenliess, wurde ich neugierig auf die Möglichkeiten adaptiver Lernsysteme. Besonders als Informatikinteressierter und ausgebildeter iScout an der PHTG hat mich beeindruckt, wie Technologien Lernprozesse individuell anpassen können. Diese Möglichkeit so unterschiedliche Förderbedarfe gezielt zu unterstützen, scheint mir ein vielversprechender Ansatz zu sein. Mit dieser Arbeit möchte ich herausfinden, wie solche Systeme anwendbar sind und welche Potenziale und Grenzen sie haben. 1.2.1 Gesellschaftliche Relevanz Der Einsatz von KI in der Schule bietet die Möglichkeit individuelle Lernprozesse besser zu unterstützen und damit für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Weiter können KI-Tools eine bessere Selbstverwirklichung gewährleisten und somit auch der Behindertenrechtskonvention (BRK) Rechnung getragen werden. Gerade in einer sich rasch verändernden Gesellschaft, welche zunehmend digitalisiert wird, sind unsere Schülerinnen und Schüler auch nach der Schulzeit mit technologischem Fortschritt konfrontiert. Daher ist es wichtig, dass sie im Unterricht die nötigen Kompetenzen erwerben, um sich mit diesen auseinanderzusetzen. Dies gilt aktuell vor allem auch im Bereich KI, welche in allen Branchen immer mehr Einzug hält und somit für viele Bestandteil ihres Berufslebens sein wird. 1.2.2 Sonderpädagogische Relevanz Auch in der Sonderpädagogik zeigen sich relevante Aspekte. So kann KI Heilpädagoginnen und Heilpädagogen dabei unterstützen, den Unterricht und die Lernmaterialien individueller an die Lernenden anzupassen. Die erworbene Kompetenz der Schülerinnen und Schüler KI-Technologien zu nutzen, kann den Alltag mit oder ohne Beeinträchtigung erleichtern oder zu Befähigung (Enablement) führen, welche ohne sie nicht möglich wäre. Zudem könnte KI dabei helfen, frühzeitig Lernund Entwicklungsstörungen zu diagnostizieren und entsprechende Fördermassnahmen einzuleiten, wenn diese Systeme und Tools ausgereift sind. 1.2.3 Persönliche Relevanz Für meine Arbeit als Schulischer Heilpädagoge ist es bedeutend, sich mit neusten Entwicklungen, welche Einfluss auf Lernprozesse haben, auseinanderzusetzen. Diese Arbeit ermöglicht es mir, eine bessere thematische Einschätzung zu machen und den Nutzen für meinen Unterricht zu evaluieren. -8Der Einblick und Austausch mit Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, welche sich ebenfalls bereits mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben, ermöglicht mir eine weitere persönliche Vertiefung und betrachtet neue Aspekte in der Nutzung und hinsichtlich Rahmenbedingungen. 1.3 Theoretischer Rahmen In den Kapiteln 2 bis 4 werden wichtige theoretische Aspekte behandelt, welche als Grundlage für die Planung und spätere Analyse der Interviews dienen werden. Dabei möchte den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Schule aus technischer, pädagogischer, sowie aus ethischen und gesellschaftlichen Betrachtungswinkeln ermöglichen. Um eine inhaltliche Abgrenzung vorzunehmen, möchte ich zunächst eine Definition für Künstliche Intelligenz für meine Arbeit festlegen. Im Folgenden wird die Entstehung von Künstlicher Intelligenz historisch eingeordnet und mit ausgewählten Beispielen die Entwicklung exemplarisch aufgezeigt. Eine Unterscheidung zwischen starker und schwacher KI soll helfen, den aktuellen Entwicklungsstand und das Ausmass der aktuell verwendeten Systeme abzuschätzen, was auch für die pädagogische Nutzung sinnvoll sein kann, insbesondere wenn es in der Sonderpädagogik darum geht, Lernsoftware oder Lernstands-Erfassungen zu verstehen. Ebenfalls werden pädagogische Theorien, wie zum Beispiel der Konstruktivismus und der Behaviorismus, behandelt. Dies kann dabei helfen, das Zusammenspiel von Lernen, Technik und individueller Förderung besser zu verstehen. Ergänzt werden die technischen und pädagogischen Aspekte durch einen ethischen Fokus, in welchem es vor allem um Themen wie Datenschutz, einer möglichen Diskriminierung durch Bias (Verzerrungen), Algorithmizität und die auszuübende Verantwortung von Lehrpersonen beim KIEinsatz handelt. Diese theoretischen Überlegungen sollen dabei helfen, die Aussagen der Interviewpartner und Interviewpartnerinnen in einem grösseren Zusammenhang verstehen und kritisch einordnen zu können. -92. Künstliche Intelligenz 2.1 Definition Was verstehen wir eigentlich unter Künstlicher Intelligenz? Dieses Wort ist heutzutage allgegenwärtig und beinahe jedes moderne Produkt wirbt mit KI, auch wenn diese nicht viel mehr können als Geräte der Vorgängerreihe ohne «KI». Unter Künstlicher Intelligenz wird im Allgemeinen die Nachahmung menschlicher Intelligenz verstanden. Exemplarisch können folgende Definitionsversuche folgende aufgelistet werden („Künstliche Intelligenz“, 2024): «Künstliche Intelligenz ist die Eigenschaft eines IT-Systems, »menschenähnliche«, intelligente Verhaltensweisen zu zeigen» (Bitkom e. V. und Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz). «Die künstliche Intelligenz [...] ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Erforschung von Mechanismen des intelligenten menschlichen Verhaltens befasst [...]» (Spektrum der Wissenschaft, Lexikon der Neurowissenschaften) «Unter künstlicher Intelligenz (KI) verstehen wir Technologien, die menschliche Fähigkeiten im Sehen, Hören, Analysieren, Entscheiden und Handeln ergänzen und stärken» (Microsoft Corp.). «Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren» (Europäisches Parlament). Die «Verordnung (EU) 2024/1689 des europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz» (European Union, 2024) legt in Artikel 3, Abschnitt 1 die Definition von KI wie folgt fest: «KI-System» ein maschinengestütztes System, das für einen in unterschiedlichem Grade autonomen Betrieb ausgelegt ist und das nach seiner Betriebsaufnahme anpassungsfähig sein kann und das aus den erhaltenen Eingaben für explizite oder implizite Ziele ableitet, wie Ausgaben wie etwa Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erstellt werden, die physische oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können; (ebd.) Das Beispiel eines Navigationssystems verdeutlicht, wie man die Nutzung von Künstlicher Intelligenz erkennen kann. Ein einfaches Navigationssystem berechnet den schnellsten oder kürzesten Weg von A nach B anhand festgelegter Muster und Parameter. Gibt es beispielsweise für dieselbe Strecke zu einer bestimmten Zeit, wie Freitagabend im Feierabendverkehr, immer identische Ergebnisse, handelt es sich nicht um KI, sondern um eine rein regelbasierte Berechnung, welche zwar grossen Datensammlung entstand, aber zuvor festgelegt wurde und unveränderbar ist. Ein KI-basiertes Navigationssystem hingegen berücksichtigt variable Bedingungen wie aktuelles Verkehrsaufkommen, Baustellen oder den Ladestand eines Elektrofahrzeugs und passt seine Berechnungen dynamisch und -162.3.3 Schlussfolgerung Die Abgrenzung zwischen starker und schwacher KI ist für das Verständnis aktueller und zukünftiger Entwicklungen in der KI-Forschung wichtig. Während schwache KI bereits vielfältig Anwendung in unserem Alltag findet, bleibt die Realisierung einer starken KI eine langfristige Vision mit erheblichen Herausforderungen, aktuellen Forschungen und offenen technischen und philosophischen Fragen. 3. KI und Pädagogik 3.1 Historischer Kontext 3.1.1 Lernen durch Tutoring und Algorithmen Lernen nach Algorithmen ist in der Bildung kein neues Thema. Um eine Steigerung der Effizienz des Lernens zu ermöglichen (Oelkers, 2004, S. 212), wurden bereits im 19. Jahrhundert Lernmethoden entwickelt, welche auf ein Tutorenprogramm setzten. Damit wurde versucht Kosten zu verringern, Lehrpersonal zu entlasten und damit mit eine grosse Anzahl Schüler zu unterrichten. Belohnt wurden fleissige Schülerinnen und Schüler und gute Mentorinnen und Mentoren, schlechte verloren ihren Rang und wurden öffentlich bestraft. Dieses Modell des «Wechselseitigen Unterrichts» welches von Andrew Bell und Joseph Lancaster unabhängig entwickelt wurde, war aber zum Scheitern verurteilt, da diese Methodik in ihrer Detailliertheit viel zu starr, kaum lernfähig und für anspruchsvollere Lernprozesse ohnehin ungeeignet war (Wollersheim, 2023, S. 7). 3.1.2 Teaching-Machines Auch die sogenannten «Teaching-Machines», welche der Psychologe Burrhus Frederic Skinner 1958 beschreibt, waren bereits im späten 18. Jahrhundert Gegenstand der Optimierung von Lernpfaden, wie sie auch heute noch in Lernsoftware zu finden sind, z.B. der Lernlupe. Dabei wird für eine Fragekategorie und -schwierigkeit das zweimalige richtige Beantworten vorausgesetzt, um mit der nächsten Stufe weiterfahren zu können (Pressey, 1927, zitiert nach Wollersheim, 2023, S. 7). Wollersheim (2023) zieht in der Bildungsdiskussion im Zusammenhang mit «Teaching-Machines» Parallelen zu den heutigen Herausforderungen von KI im Unterricht und zitiert dabei Presseys Anspruch der damaligen Zeit: «There must be an 'industrial revolution' in education, in which educational science and the ingenuity of educational technology combine to modernize the grossly inefficient and clumsy procedures of conventional education» (Pressey, 1933, S. 582 zitiert nach Wollersheim, 2023, S. 8). Genau diese Schwächen des Unterrichts verortete Skinner (1953) nach der Hospitation des Mathematikunterrichts seiner Tochter in zwei zentralen Aspekten: Lernende müssen 24 Stunden auf die Korrektur und damit ihr Feedback zur Lernsteuerung warten und alle müssen im gleichen -17Lerntempo den gleichen Stoff behandeln (Wollersheim, 2023, S. 8). Auch diese Schwächen könnten in aktuellen Bemühungen zur Steigerung von Qualität im Unterricht angesiedelt sein und von Lehrpersonen heutzutage als wichtige Umsetzungspunkte genannt werden. 3.1.3 Entstehung digitaler Lernprogramme Blicken wir zurück auf die Entstehung digitaler Lernprogramme, so kann festgestellt werden, dass diese sich nach Evolutionsstadien (s. a. Schelhowe, 1997, zitiert nach Kerres, Buntins, Buchner, Drachsler & Zawacki-Richter, 2023 S. 110) gliedern lassen, welche zunehmend individualisieren und dynamisieren. Mittels Interaktivität, z.B. in Form von «Hypertexten», entsteht «ein individueller Lernpfad» (Kuhlen, 1991). Die herkömmliche Struktur des festen Lernablaufs wird verlassen und die Lernenden entscheiden selbst, welchen Weg sie einschlagen wollen. Dadurch entsteht eine «nicht lineare Struktur». Durch Adaptivität wurde in der Folge versucht, diese doch weit verzweigten und unübersichtlichen Strukturen besser zu steuern und mittels «intelligenten tutoriellen Systemen» versucht, den Lernstand zu erfassen und den Lernpfad darauf aufzubauen (Anderson, Boyle & Reiser, 1985). Dies geschieht mittels Lösens von Testaufgaben, welche gestützt auf ein empirisches Kompetenzmodell, welches Lernenden eine Kompetenzstufe zuweist (vgl. Kerres et al., 2023). Ansätze, welche Künstliche Intelligenz implementieren, versuchen während der Bearbeitung Verhaltensparameter, wie benötigte Zeit oder Tempo zu erfassen, um später Muster für eine erfolgreiche Bearbeitung identifizieren zu können. Hierfür müssen jedoch enorme Mengen an Daten gesammelt werden, welche im Endeffekt keine Garantie für einen «idealen Lernpfad» eines Einzelnen darstellen und auf andere Bereiche übertragen werden können (vgl. Kerres et al., 2023, S. 112f). 3.2 KI in Verbindung mit Lerntheorien 3.2.1 Konstruktivismus Als wichtige Faktoren für den Erfolg von Bildung in einer digitalisierten Welt nennt Wollersheim (2023), dass Lernassistenzsysteme so ausgearbeitet sind, dass sie die Eigeninitiative und die Reflexion der Lernenden voraussetzen. Ebenfalls müssen sie Freiräume schaffen und den Lernenden die Möglichkeit bieten, eigene Lernwege zu finden und auszuprobieren. Auch Umwege sind ein wertvoller Bestandteil des Lernens und unumgänglich im Lernprozess. Neuartige Lernsysteme sollen Schülerinnen und Schüler in die Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess einbeziehen, statt durch starre Lernvorgaben und Lernwege zu konditionieren. KI kann hier eine wichtige Funktion übernehmen, indem sie den Lernprozess begleiten, die eigene Lerngestaltung der Schülerinnen und Schüler unterstützt und nicht mechanisch ersetzt. In dieser Formulierung sind einige Aspekte des kognitiven Konstruktivismus nach Piaget zu erkennen. Eigeninitiative und Reflexion sind zwei zentrale Elemente. Zudem sollen sich Lernende aktiv mit -18einem Lerngegenstand auseinandersetzen, statt ihn passiv aufzunehmen. Auch die Verantwortung wird an die Schülerinnen und Schüler übertragen. Mit der Schaffung von Freiräumen nennt Wollersheim ein typisches Merkmal des Konstruktivismus, da Lernen individuell und nicht immer linear verläuft. Besonders unter diesem Aspekt betrachtet, kann KI eine Unterstützung des Lernens darstellen. 3.2.2 Behaviorismus In vielen modernen Lernprogrammen, welche mit KI-Komponenten arbeiten, kommen Algorithmen zum Einsatz, die das Verhalten der Schülerinnen und Schüler analysieren und darauf basierend Rückmeldung geben oder Inhalte und Lernverläufe anpassen. Diese Programme nutzen meistens behavioristische Modelle, indem sie durch Belohnungssysteme wie Punkte, Abzeichen oder virtuelle Belohnungen auf extrinsische Motivation setzen, sogenannte Gamifications. Anwender erhalten hierbei für ihre Fortschritte Punkte oder Auszeichnungen. Diese Form der Motivation basiert auf dem Prinzip der positiven Verstärkung, wie es bereits Skinner in seiner Theorie beschrieben hat. Ein grosser Vorteil ist die klare Messbarkeit und Nachvollziehbarkeit des Lernfortschritts in solcher Lernsoftware. Diese können genau erfassen, wie Lernende auf verschiedene Belohnungen reagieren und den Lernprozess daran ausrichten. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern diese Mechanismen die Autonomie und das selbstgesteuerte Lernen der Lernenden beeinträchtigen könnten, insbesondere wenn der Lernprozess zu sehr durch extrinsische Motivation und Vorgaben geprägt wird und somit konstruktivistischen Ansätzen entgegenwirkt. -193.3 Ethik 3.3.1 Diskriminierung Wollersheim (2023) beschreibt die Herausforderungen, die eine Kultur der Digitalität mit sich bringt: Der gesellschaftliche Wissensvorrat wird traditionell durch Auswahl, Veränderung, Verstärkung oder Zurückweisung geformt und für die Weitergabe an die nächste Generation aufbereitet. In der Kultur der Digitalität werden diese Prozesse jedoch durch Filter und Algorithmizität entscheidend verändert. Es entstehen sogenannte «Filter Bubbles» (Pariser, 2011), die unsere Sichtweise auf die Welt einschränken können. Dadurch entstehen neue Ungleichheiten, da Menschen unterschiedlich gut mit digitalen Medien umgehen können. «Next to concerns about the quality of the overall information offer & consumption, maybe a far more pressing concern than filter bubbles is the creation of new digital inequalities as a result of the different ways in which users use, and are used by the internet» (Moeller & Helberger, 2018, S. 26). Der zentrale Auftrag der Bildung besteht also darin, Kompetenzen im Umgang mit Daten, deren Bewertung und Analyse, sogenannte «Data Literacy» (Bundesamt für Statistik, n. d.), zu vermitteln. Künstliche Intelligenz wird hierbei eine zentrale Rolle spielen, da sie nicht nur Bildungsinhalt, sondern zugleich auch ein Medium für den Kompetenzerwerb sein wird. Dies zeigt auch die Aussage zu Beginn meiner Arbeit auf, wonach 80% der befragten Lehrpersonen die Vermittlung von KI-Wissen als wichtig erachten und selbst von Lehrpersonen, welche den Einsatz von KI an der Schule ablehnen, 79% die Vermittlung des Umgangs mit KI befürworten. Hamisch & Kruschel (2021) weisen auf die Gefahr hin, dass vor allem in diagnostischen Prozessen KI Lernende «verobjektivieren» und somit den Weg für systembedingte Diskriminierung ebnen. Daher sind diese Systeme gerade in der Sonderpädagogik problematisch, da es hierbei um individuelle Förderung und Anpassung an Bedürfnisse geht. Aufgrund der Intransparenz des Datenursprungs, können KI-Systeme für Menschen mit Beeinträchtigungen Bias enthalten und eine «strukturelle Diskriminierung» begünstigen (ebd., S. 114). Es benötigt daher eine kritische Auseinandersetzung und Verantwortung von Lehrpersonen, «algorithmische Steuerungen» (ebd., S. 113) nicht über individuelle Bedürfnisse zu stellen, um die Chancengleichheit aufrecht zu erhalten. «Ganz generell stellt sich die Frage nach den Grenzen der pädagogischen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine und nach der gesellschaftlichen und der persönlichen Akzeptanz der neuen Technik» und «inwieweit KI-Anwendungen Pädagog*innen ergänzen oder gar ersetzen» (Miller-Kipp & Rakhkochkine, 2021, S. 226). -203.3.2 Datenschutz Nach Brandhofer und Tengler (2024) sind starke Bedenken bezüglich Datenschutz und Transparenz der Daten ersichtlich. Mehr als 60% äussern Besorgnis in puncto datenethischer und rechtlicher Aspekte und mehr als zwei Dritteln fehlt Transparenz über erhobene und gespeicherte Daten. Dies zeigt deutlich, dass Datenschutz und ethische Fragen zentrale Herausforderungen für den Einsatz von KI in der Schule darstellen. Um das Vertrauen in solche Systeme zu stärken, sind daher klare Datenschutzrichtlinien und eine stärkere Einbindung der Lehrpersonen in Entscheidungsprozesse wichtig. In der Schweiz bestehen bereits verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen, die den datenschutzkonformen Einsatz von KI im Bildungsbereich regeln. So verfügen die Kantone über das «Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG)», welches für öffentliche Datenbearbeitungen gilt und somit auch für Schulen verbindlich ist. Aus dem Thurgauer Datenschutzgesetz (1987) und übergeordnetem Recht, in diesem Fall dem Bundesgesetz über den Datenschutz, lassen sich für die Nutzung von KI-Anwendungen folgende datenschutzrelevanten Richtlinien für Schulen ableiten: - Datenschutzrichtlinien an der Schule ausarbeiten - Einwilligung für Software mit personenbezogenen Daten einholen - Verträge mit Anbietern prüfen - KI-Einsatz kritisch evaluieren Im Zusammenhang bezüglich Sonderpädagogik und Datenverarbeitung kann aus dem Gesetzesartikel 3, Abs. 2 beispielhaft erwähnt werden: «Besonders schützenswerte Personendaten sind namentlich Angaben über: 1. die religiöse, weltanschauliche oder politische Ansicht oder Betätigung; 2. den persönlichen Geheimbereich; 3. den seelischen, geistigen oder körperlichen Zustand; 4. Massnahmen der sozialen Hilfe oder der fürsorgerischen Betreuung; 5. Straftaten und die dafür verhängten Strafen oder Massnahmen» (Kanton Thurgau, 1987). Das Amt für Volksschule des Kantons Thurgau hat im Mai 2024 ein Faktenblatt für Lehrpersonen entworfen und im August 2024 für Schulleitungen und Schulbehörden erweitert, in welchen wichtigen Grundlagen für den Einsatz von generativen KI-Anwendungen vermerkt sind. Darauf werden auch Rahmenbedingungen hinsichtlich des Datenschutzes erwähnt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Eingabe von personenbezogenen Daten zu vermeiden ist, was im Grunde genommen eine wichtige Voraussetzung für jegliche digitale Korrespondenz darstellt. Auch sollten keine Rückschlüsse auf Personen aus dem Kontext zugelassen werden können. Bei der Anwendung durch Schülerinnen und Schüler muss darauf geachtet werden, dass der Zugang ohne persönliches -21Login erfolgt und die Lehrperson einen anonymen Zugang gewährleisten kann (vgl. Amt für Volksschule Kanton Thurgau, 2024). 3.3.3 Verantwortung Die Verantwortung der Lehrperson auf der Mikroebene besteht nicht nur darin, KI sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, sondern auch sicherzustellen, dass sie den Lernprozess ergänzt, ohne ihn zu bestimmen. Ein Risiko dabei ist, dass Schülerinnen und Schüler im Zuge der Individualisierung durch KI zu viel allein mit digitalen Programmen arbeiten und dadurch der soziale Austausch verloren geht. Lernen sollte nicht nur individuell, sondern auch gemeinsam stattfinden. Nach Hamisch und Kruschel (2021) könnten Systeme wie Hypermind eine von Burow beschriebene „Individualisierungsfalle“ (1999, zitiert nach Hamisch & Kruschel, 2021, S. 111f.) verstärken, wenn sie dazu führen, dass die Lernenden nur noch nebeneinander, aber nicht mehr miteinander lernen. Gerade in der Sonderpädagogik und dem Inklusionsgedanken folgend, ist Lernen aber mehr als das reine Aneignen von Wissen, sondern auch Integration, Austausch und Zusammenarbeit. Aus diesem Grund muss der Einsatz von KI so gestaltet sein, dass er sowohl individuelles als auch gemeinschaftliches Lernen fördert. Die Lehrperson trägt die Verantwortung dafür, dass digitale Programme als unterstützende Werkzeuge genutzt werden, die den Unterricht bereichern, ohne die persönliche Begleitung zu ersetzen. Technologie soll den Lernprozess unterstützen, aber nicht bestimmen. Die Herausforderung besteht hier darin, eine gute Balance zu finden. KI kann helfen, aber die Lernenden bleiben im Mittelpunkt. Lehrpersonen müssen kritisch hinterfragen, welche Programme sie einsetzen, und darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur individuell gefördert werden, sondern auch die Vermittlung von sozialen und persönlichen Kompetenzen stattfinden kann. «Wir sollten im Zusammenhang mit KI-Tools also nicht vergessen, dass es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen individualisiertemund Gruppenlernen geben muss» (Kruschel, Hamisch, Janus & Rossbach, 2023). Auf der Makroebene besteht Verantwortung der Politik in verschiedenen Bereichen, wenn es um die Gestaltung von Rahmenbedingungen geht. Einerseits sind Schulen für eine Implementierung von KI auf technische und somit auch finanzielle Ressourcen angewiesen. Der Staat als solches trägt auf höchster Ebene dazu bei, dass Schulen KI überhaupt nutzen können. Eine wichtige Grundlage wurde schon 2002 durch den kostenlosen Zugang zum Internet für Schulen via Swisscom geschaffen (Swisscom, n. d.). Damit einher geht auch die Sicherstellung von Chancengleichheit, indem vermieden wird, dass finanziell starke Schulen oder nur bestimmte Gruppen von technologischen Fortschritten -22profitieren können. Die Politik muss auch sicherstellen, dass KI als gewinnbringende Unterstützung und nicht als Ersatz für Unterricht oder Personal, auch aus Sicht der Inklusion und Vereinsamung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Bedürfnissen, benutzt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausbildung des pädagogischen Personals an den Hochschulen. Um eine adäquate Nutzung von KI in den Schulen sicherzustellen, ist es wichtig qualifiziertes Lehrpersonal auszubilden, welches genügend Kompetenzen im Umgang mit KI vorweisen kann. An der Pädagogischen Hochschule Thurgau wird ab August 2025 eine Fachstelle Hochschuldidaktik eingerichtet, welche sich ebenfalls mit Fragen rund um die Thematik KI befassen wird. Gem. Evelyne Fankhauser (2025), Leiterin Fachbereich Medien und Informatik PHTG, wird KI bis anhin im Studiengang für die Sekundarstufe im Modul «Informatische Grundbildung» vermittelt. Ebenso wird bei Arbeiten der Einsatz von KI als Hilfsmittel miteinbezogen, jedoch nicht als Lehrplaninhalt vermittelt. Wie sich dies in Zukunft verändern wird, kann heute noch nicht definiert werden. Man ist sich aber im Fachbereich Medien und Informatik einig, dass KI ein fester Bestandteil des akademischen Lernens ist und bleiben wird. 3.4 Chancen und Herausforderungen In diesem Kapitel möchte ich einigen, aus subjektiver Sicht, sehr vielversprechenden Chancen, die sich durch die Implementierung von KI in der Sonderpädagogik ergeben, nachgehen die bereits literarisch, noch nicht aus den Lehrpersoneninterviews, erfasst worden sind. Auch deren Umsetzungsschwierigkeiten oder globale Hindernisse sollen dabei berücksichtigt werden. Einige Aspekte überschneiden sich mit bereits zuvor erwähnten Argumenten und Inhalten. Sie sollen hier jedoch komprimiert zum Ausdruck kommen, um sich einen besseren Überblick verschaffen zu können. 3.4.1 Individualisierung und Inklusion Eine naheliegende und bereits mehrfach erwähnte und praktizierte Nutzungsmöglichkeit von KI zeigt sich in der individuellen Unterstützung der Lernenden. Durch einfache Tools kann während des Unterrichts eine inhaltliche Anpassung oder veränderte Darbietungsform zugunsten eines Kindes stattfinden. «KI-Assistenzsysteme können individualisierte Lernmaterialien bereitstellen, sprachliche oder andere kompensatorische Unterstützung leisten und bieten» (Kruschel et al., 2023). Eine Schwierigkeit zeigt sich dabei, bei der Form der genutzten Unterstützung. Technische Hilfsmittel müssen individuell beschafft, eingerichtet und der Umgang von Schülerinnen und Schülern trainiert werden. Dies bedarf an finanziellen, zeitlichen und personalen Ressourcen. Heutige Regelungen der IV zur Beschaffung von technischen Hilfsmitteln könnten hierfür noch nicht ausreichen, da sich softwaretechnisch diese rasant entwickeln und deren Nutzen zwar auf der Hand liegt, jedoch noch nicht durch wissenschaftliche Studien belegt wurde. Ein finanzieller Aspekt spielt auch bei -23Flüchtlingskindern eine grosse Rolle. Um eine Übersetzung und sprachlich differenziertes Lernmaterial zu generieren, wird eine grössere Anzahl an Geräten wie z.B. iPads benötigt, welche die Schulgemeinden anschaffen müssen. Gelingt dies, so kann mehr Zeit für die Begleitung der Lernenden genutzt werden, anstelle der reinen Vermittlung von Wissen und individuelle Adaption der Darbietungsform. 3.4.2 Unterrichtsvorbereitung Lehrpersonen arbeiten in der Regel allein oder in kleinen Teams an der Planung ihres Unterrichts. Dabei bringen sie ihre individuellen Stärken ein und greifen oft auf bewährte Inhalte und Methoden zurück. Gleichzeitig ist Wissen begrenzt, und es kann herausfordernd sein, stets neue Perspektiven oder Ansätze in den Unterricht einzubringen. Künstliche Intelligenz kann Lehrpersonen in diesem Prozess gezielt unterstützen, sei es bei der Themenfindung, der Auswahl relevanter Aspekte oder der Entwicklung passender Methoden und Inhalte. Als zusätzlicher Ideengeber erweitert KI den Horizont der Lehrperson, indem sie neue Perspektiven auf bekannte Themen eröffnet oder bislang unberücksichtigte Inhalte vorschlägt. Zudem kann KI dabei helfen interaktive und kreative Elemente in die Planung zu integrieren, z.B. für Schülerinnen und Schüler mit ADHS. KI kann somit auch genutzt werden, um den eigenen Unterricht oder vorgegebene Lehrmittel, wie. z.B. das Mathematikbuch, bereits in der Planung an die Bedürfnisse der Lernenden in der Gruppe anzupassen und methodische Aspekte zu berücksichtigen. Wichtig bleibt dabei, dass KI als Ergänzung zum pädagogischen Fachwissen der Lehrperson betrachtet wird und nicht als Ersatz für die kreative und reflektierte Unterrichtsgestaltung. Die Gefahr hierbei besteht darin, dass KI generierte Inhalte unreflektiert übernommen werden oder eine Vereinheitlichung von didaktischen Konzepten und Inhalten die Folge sein könnte. Die Qualität und Verlässlichkeit der Quellen sollte stets überprüft werden und benötigt zeitliche Ressourcen, welche durch die Nutzung von KI allenfalls schon anderweitig vergeben wurde. Weiterhin besteht eine grosse Hürde in der Akzeptanz von KI durch Lehrpersonen, da nach Brandhofer und Tengler (2024) auch mehr als die Hälfte aller befragten Lehrpersonen gewisses Misstrauen bezüglich Ergebnissen der KI hegt. Gerade in der Teamzusammenarbeit könnte dies bei unterschiedlichen Ansichten zu Differenzen in der Unterrichtsgestaltung führen. 3.4.3 Nachbereitung und Übernahme von Verwaltungsaufgaben Viel Zeit kann auch in der Bearbeitung von Schüleraufgaben gewonnen werden. Korrektur und Rückmeldung zu von Schülerinnen und Schülern verfassten Texten können automatisiert werden, damit man als Lehrperson Zeit gewinnt, aber trotzdem den Überblick über die erstellten Arbeiten behält. Tools, die die Rechtschreibung, Grammatik und Stil von Texten beurteilen, können in -24Verbindung mit generativen Anwendungen sehr effizient eingesetzt werden, wenn es darum geht zeitliche Ressourcen zu schonen, welche in anderen Bereichen wie Unterrichtsplanung, -entwicklung oder pädagogischen Aufgaben gewinnbringend eingesetzt werden können. Eine mögliche staatliche Regulierung der KI , die die positiven Aspekte allenfalls minimiert, könnte in Zukunft hinzukommen. 3.4.4 Entscheidungsprozesse begleiten KI kann helfen, Entscheidungen in der Schule auf Basis von Daten zu treffen. Als Beispiel lassen sich Lernfortschritte oder typische Fehler von Schülerinnen und Schüler analysieren, sodass Lehrpersonen gezielter unterstützen können. Damit kann der Unterricht besser angepasst werden und individuelle Stärken oder Förderbedarfe werden schneller erkannt. Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Der Datenschutz muss gewährleistet sein, um sensible Personendaten zu schützen. Zudem besteht die Gefahr, dass KI-gestützte Analysen zu einseitigen Entscheidungen führen, wenn Algorithmen voreingenommene Muster aufweisen oder diese zuvor von Lehrpersonen so trainiert und impliziert wurden. Weiter bilden auch nicht messbare Fähigkeiten wichtige Kriterien in der Schülerbeurteilung und Planung von Fördermassnahmen. Damit datenbasierte Entscheidungsfindung sinnvoll eingesetzt werden kann, braucht es eine reflektierte Anwendung von Lehrpersonen. KI sollte als unterstützendes Werkzeug verstanden werden, das Lehrpersonen hilft, aber nicht die pädagogische Einschätzung grundlegend ersetzt. Hamisch (2023) betont diesbezüglich auch, dass KIs aus Daten und Informationen lernen, die sie von Menschen erhalten. «Menschen können jedoch vorurteilsbehaftet sein und der KI sogenannte Bias, das heisst Vorurteile, antrainieren. So besteht die Gefahr, dass eine KI Einund Ausschlüsse von Schülerinnen und Schülern herbeiführt» (Kruschel et al., 2023). Ebenfalls wirkt eine reflektierte Anwendung in ethischen Aspekten der Verlockung eines transparenten «gläsernen» (ebd.) Lernenden entgegen. -254. Aktuelle Studien zu KI in der (Sonder-)Pädagogik Da sich generative Künstliche Intelligenz, vor allem seit Veröffentlichung und Zugänglichkeit durch ChatGPT, rasant verbreitet und vermehrt eingesetzt wird, stellt sich die Frage nach aktuellen Studien, welche sich mit dem Einsatz von KI durch Lehrpersonen und insbesondere in der Sonderpädagogik damit auseinandersetzen. Dass die Forschung bezüglich Einsatz von KI in der Sonderpädagogik noch ein junges Themenfeld ist, zeigt sich dabei rasch. Es existieren verschiedene Studien auf allgemein pädagogischer Ebene, welche verschiedene Aspekte wie adaptive Lernprogramme, sprachoder gestengesteuerte Assistenzsysteme oder auch ethische Fragen bezüglich Umgang mit datenbasierten Entscheidungen, welche auf die Schule übertragen werden können. In diesem Kapitel möchte ich einen exemplarischen Auszug aus pädagogischen Studien darstellen, welche sich mit den Aspekten der aktuellen Nutzung durch Lehrpersonen, sowie den Chancen und Hindernissen in der Sonderpädagogik auseinandersetzen, da sich meine Arbeit auf diese Bereiche fokussiert. Ebenfalls werden weitere Bereiche herangezogen, welche für ein umfassendere Bild von KI in der Schule bedeutend erscheinen. Die beschriebenen Forschungsergebnisse dienen als Grundlage für ein aktuelles Abbild der Einbettung von KI in den sonderpädagogischen Schulalltag. Die Forschungsergebnisse werden mittels thematischer Schwurpunkte kategorisiert und durch verschiedene Einzelstudien aus unterschiedlichen Betrachtungswinkeln dargestellt. Die Kategorisierung dient dem späteren Verlauf dieser Arbeit und soll eine themenspezifische Analyse ermöglichen. 4.1 Akzeptanz von KI in der Pädagogik Um den Einsatz von KI in der Sonderpädagogik zu analysieren, ist eine Auseinandersetzung mit der grundlegenden Haltung von Lehrpersonen gegenüber dieser Technologie unumgänglich. Eine von Brandhofer & Tengler (2024) durchgeführte Studie zum Thema Akzeptanz von KI unter 813 Lehramtsstudierenden und Lehrpersonen, wovon ein überwiegender Anteil weiblich ist, stellt dabei «vier Hauptfaktoren zur Akzeptanz von Innovation» nach Venkatesh (zitiert nach Brandhofer & Tengler, 2024) in den Mittelpunkt. Dabei wird das «Modell zur KI-Akzeptanz in der Bildung» berücksichtigt, welches das «KI-Akzeptanzmodel (KIAM)» von Scheuer und die «Unified Theory of Acceptance and Use of Technology (UTAUT)» von Venkatesh et. Al. beinhaltet. Die vier Faktoren «Erwartungen an die Leistung», «Erwartungen an den Aufwand», «soziale Einflüsse» und «unterstützende Rahmenbedingungen» werden dabei in der Studie berücksichtigt. -32Eine befragte Lehrperson schildert, dass sie im Team kaum andere Personen kennt, die mit KI arbeiten: «Also das ist so ein bisschen Herausforderung, […] dass man schon alleine ist oder ich als SHP sowieso, weil die anderen das echt gar nicht nutzen» (LP4, 2024, Z. 159f.). Auch sehen sich Lehrpersonen nicht in der Pflicht, sich diesem Thema anzunehmen: «Ich würde mir wünschen, dass die Lehrpersonen ein bisschen offener dafür wären […] es gibt viele Lehrpersonen, die sagen, ich halte mich einfach an den Lehrplan» (LP2, 2025, Z. 194-202). Diese Aussagen deuten darauf hin, dass die Akzeptanz von KI nicht in der Schule verankert, sondern bislang individuell motiviert ist – oft angetrieben von persönlicher Neugier, Offenheit und Engagement. Zugleich wird klar, dass die grössere Anwendung in Kollegien (noch) nicht selbstverständlich ist. 6.1.2 Positive Grundhaltung Trotz Unsicherheiten überwiegt in allen Interviews eine grundsätzlich positive und offene Haltung gegenüber dem KI-Einsatz. Die befragten Personen sehen oft praktische Vorteile, Entlastung und eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Arbeit, vor allem im Kontext der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf: «[…] ich bin grundsätzlich eine sehr offene, neugierige Person. Neues reizt mich und ich habe überhaupt keine Berührungsängste. Gerade jetzt in Bezug auf KI und ich sehe KI als eine Chance, besonders in unserem Job als SHP, da sie eben viele Chancen mit sich bringt, besonders für Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf oder Förderbedarf […]» (LP4, 2025, Z. 3-7). «Ich arbeite, wenn nicht täglich, sicher ein paar Mal in der Woche mit ChatGPT» (LP2, 2025, Z. 6f.). Mehrere Interviewte betonen, dass KI ihnen ermöglicht, Zeit für eine direktere Unterstützung mit den Schülerinnen und Schülern zu gewinnen, indem bereits auf sie zugeschnittenes oder angepasstes Material vorhanden ist: «[…] dass ich Zeit, wirklich reale Zeit dann im Eins-zu-eins mit dem Schüler und Schülerinnen anwenden kann» (LP4, 2025, Z. 88-90). Diese positive Grundeinstellung wird häufig mit einer pragmatischen Herangehensweise kombiniert: KI wird dort eingesetzt, wo sie effektive Entlastung schafft, so etwa bei der Erstellung von differenzierten Materialien oder der Formulierung von Anträgen: Eine Lehrperson berichtet, dass ihr ChatGPT gute Ideen für die Kleingruppe liefert (sinngemäss, vgl. LP1, 2025, Z. 17-20). -336.1.3 KI-Kompetenzen für Schülerinnen und Schüler Ein weiteres Thema, das sich durch alle Interviews zieht, ist die Frage nach der Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit KI. Während sich die Interviewte aus dem Kindergartenbereich (LP1) eher zurückhaltend äussert und meint: «Nicht meine Schüler, nicht jetzt im Kindergarten» (vgl. LP1, 2025, Z. 38), erachten andere die Vermittlung von KIKompetenzen durch die Schule als wichtige Aufgabe: «Langfristig betrachtet halte ich es durchaus für sinnvoll, dass Schülerinnen und Schüler die Erfahrung im Umgang mit KI machen, sei es jetzt mit Förderbedarf oder ohne» (LP4, 2025, Z. 49-51). Während bei älteren Lernenden der kompetente KI-Einsatz als relevante Zukunftskompetenz angesehen wird, äussern die Interviewpartnerinnen Zweifel an der Nutzbarkeit im Zyklus 1 und betonen eine notwendige Anpassung an die jeweilige Stufe. Es wird oft erwähnt, dass es sich um eine komplexe Fähigkeit handelt, genaue und sinnvolle Prompts einzugeben, um mittels KI an die gewünschten Inhalte zu gelangen. Dies wird sowohl von Lehrpersonen als auch auf der Lernenden Ebene betrachtet. Zudem wird die Kompetenz KIAntworten kritisch zu hinterfragen und zu prüfen vorausgesetzt: Eine Lehrperson betont, dass Schülerinnen und Schüler lernen müssten, wie man KI sinnvoll anwendet, da es „enorm anspruchsvoll“ sei und entsprechendes „Training oder […] Aufklärung“ brauche (vgl. LP4, 2025, Z. 203f.). Diese Aussagen verdeutlichen, dass die Vermittlung von KI-Kompetenz nicht auf technisches Wissen reduziert werden kann, sondern eine reflektierte pädagogische Begleitung erforderlich ist. 6.1.4 Fazit Akzeptanz Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Heilpädagoginnen und Heilpädagogen grundsätzlich offen für den Einsatz von KI im sonderpädagogischen Unterricht sind. Die Akzeptanz ist jedoch nicht bedenkenlos. Sie ist geleitet von pädagogischer Verantwortung und der Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen der Lernenden. Die Vermittlung von KI-Kompetenzen an Schülerinnen und Schüler wird als zwingend notwendig erachtet, jedoch stets in Abhängigkeit vom Alter und vom Entwicklungsstand. -346.2 Nutzung Übereinstimmend wurde von allen Interviewteilnehmern die Nutzung von KI-Tools bestätigt. Dabei zeigten sich viele Facetten der Nutzung von der Unterrichtsvorbereitung über administrative Tätigkeiten bis zur Individualisierung der Lernmaterialien von Schülerinnen und Schülern. KIAnwendungen wie ChatGPT, Gamma oder DeepL werden aktiv genutzt und sind wichtige Assistenten in der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Unterricht, mit dem Ziel, den pädagogischen Alltag effizienter zu gestalten und professioneller agieren zu können. Technische Aspekte stehen dabei kaum im Mittelpunkt sondern pädagogische Überlegungen. Die unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkte werden exemplarisch in den folgenden Kapiteln erläutert. 6.2.1 Inspiration Ein wiederkehrendes Thema in allen vier Interviews ist die inspirierende Funktion von generativen Chatbots wie ChatGPT im schulischen Alltag. Die befragten Lehrpersonen beschreiben die KI nicht nur als reinen Zeitgewinn, sondern als kreative Unterstützung in der Planung, Vorbereitung und Reflexion ihrer Arbeit. Insbesondere bei der Entwicklung von Förderideen oder der Themenfindung und Ausarbeitung wird die KI als wertvolle Unterstützung erlebt. In mehreren Fällen schildern die Befragten, wie sie ChatGPT nutzen, um Ideen für Förderkinder zu generieren – etwa bei Feinmotorik Problemen oder im Bereich Sprachförderung. Dabei liefert die KI Vorschläge für Inhalte, Übungen oder sogar Wochenplanungen, welche dann aber selbst angepasst werden müssen. «Es gibt mir gute Ideen für die Kleingruppe, aber die Ziele muss ich dann selbst überarbeiten» (sinngemäss, vgl. LP1, 2025, Z. 20-26). «Dass ich dort für Inspirationen, so ein bisschen, was könnte man machen, oder auch Aufgabenblätter, Übersichten, ja, so ein bisschen, ja, eben Inspiration oder Ideen» (LP3, 2025, Z. 2224). Im Bereich der Unterrichtsplanung wird KI nicht als automatisierende Instanz, sondern vielmehr als Inspirationsquelle beschrieben. Eine Lehrperson vergleicht ChatGPT mit einer «unendlichen Anzahl von Praktikanten», die zahlreiche Ideen liefern, jedoch keine fertigen Lösungen. Diese Vielzahl an Impulsen müsse gezielt angeleitet werden, um im schulischen Alltag wirklich nutzbar zu sein (vgl. LP3, 2025, Z. 50-54). Die Aussage macht deutlich, dass die Lehrpersonen die KI nicht als eigenständig agierende Lösung betrachten, sondern als ein kreatives Werkzeug, das ähnlich wie ein Pool an Vorschlägen von Assistentinnen einen Input liefert, den es weiterzuentwickeln gilt. Die Inspiration entsteht also nicht -35durch die Übernahme fertiger Inhalte, sondern durch die Auseinandersetzung mit den von der KI gelieferten Ideen. 6.2.2 Organisation und Planung Neben der didaktischen Inspiration schätzen die befragten Lehrpersonen besonders den Beitrag von KI-Tools zur Planung und Organisation ihres Arbeitsalltags. Insbesondere administrative Aufgaben wie das Formulieren von Elternbriefen, das Erstellen von Anträgen oder die Erstellung von Präsentationen für einen Elternabend werden durch ChatGPT, DeepL, Gamma und ähnliche Anwendungen erleichtert. Die Lehrpersonen berichten, dass die KI ihnen nicht nur sprachlich hilft, sondern auch Zeit spart und sie dadurch mehr Kapazitäten für die Unterrichtsplanung an sich gewinnen. So schildert eine Lehrperson, dass sie mit ChatGPT regelmässig Begründungen für schulinterne Anträge an die Schulleitung, den Schulpsychologischen Dienst oder schwierige Elterngespräche vorbereitet: «Ich brauche es für die Unterstützung, Formulierung von sensiblen Texten. Also Elterngespräche habe ich schon vorbereitet mit ChatGPT oder eben Anträge» (LP4, 2025, Z. 26-28). Durch diese Entlastung kann sie die gewonnene Zeit in direkte Beziehungen mit ihren rund 120 Schülerinnen und Schüler investieren, was sie als zentralen Aspekt für ihre heilpädagogische Arbeit versteht (vgl. LP4, 2025, Z. 91-95). Auch in der schriftlichen Kommunikation mit der Schulleitung, etwa bei der Beantragung einer Klassenassistenz, greift eine Lehrperson auf die KI zurück, um Formulierungen zu generieren: «Danach haben wir eine grobe Aufzählung gemacht und dann hat ChatGPT diese für uns ausformuliert und den wichtigsten Punkt herausgehoben» (LP1, 2025, Z. 55-57). Zwar betont sie, dass die Texte anschliessend überarbeitet werden müssen, sie sieht darin aber eine wertvolle Grundlage für den weiteren Prozess. Auffällig ist, dass die Heilpädagoginnen und Heilpädagogen KI nicht als Ersatz für ihre administrativen Tätigkeiten wahrnehmen, sondern als Werkzeug zur Entlastung, das sie mit ihrer Fachkompetenz kritisch und zielführend begleiten. Eine Lehrperson beschreibt dies als „Mix zwischen analog und KI“, der ihren Alltag spürbar vereinfache (vgl. LP2, 2025, Z. 13f.). Insgesamt kann festgehalten werden, dass KI-Systeme im Bereich der Planung und Organisation als hilfreiche Assistenten wahrgenommen werden. Sie entlasten, strukturieren und helfen dabei, -36komplexe Inhalte in eine adressatengerechte Form zu bringen, eine Unterstützung, die im sonderpädagogischen Alltag von hoher Relevanz ist. 6.2.3 Professionelle Beratung Neben ihrer Rolle als Inspirationsquelle oder Unterstützungswerkzeug bei der Planung beschreiben mehrere Lehrpersonen den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT auch als eine Form von professioneller Beratung. In Situationen, in denen ein direkter kollegialer Austausch fehlt, etwa bei technischen Schwierigkeiten oder Unsicherheiten im Umgang mit herausfordernden Schülerinnen und Schülern, greifen sie gezielt auf KI zurück, um Ideen oder Lösungsansätze zu erhalten. Eine Lehrperson beschreibt etwa, wie sie ChatGPT nutzt, um sich im Umgang mit einem schwierigen Schüler beraten zu lassen. Sie schildert, wie sie anonymisierte Beschreibungen eingibt und daraufhin hilfreiche pädagogische Ansätze erhält: «Ich habe wirklich schon beschrieben, immer natürlich anonym, wie ist dieses Kind und hast du mir Ideen? Wie könnte ich da mal reagieren?» (LP4, 2025, Z. 76-78). Die aus dieser Frage resultierenden Handlungsmöglichkeiten werden nicht unreflektiert eingesetzt, sondern erweitern und ergänzen persönliche Instrumente. Dabei versteht sie ChatGPT nicht als Lehrmittel, sondern als eine Art virtueller Kollege, mit dem sie «eine Beziehung aufbauen» müsse, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen (vgl. LP4, 2025, Z. 31-33). Auch im technischen Bereich wird KI als beratende Instanz wahrgenommen. Eine Lehrperson berichtet, wie sie mithilfe von ChatGPT ein Problem mit einem 3D-Drucker lösen konnte. Etwas, das sie ohne die Unterstützung vermutlich viel Zeit und Aufwand gekostet hätte: «Gerade im Bereich 3D-Drucker, wenn da irgendetwas nicht funktioniert hat, konnte ich ChatGPT fragen» (LP3, 2025, Z. 19f.). Hier zeigt sich, dass KI nicht nur im pädagogischen, sondern auch im technischen Bereich als verlässlicher Partner dienen kann. Eine weitere Lehrperson betont, wie sehr sich ihre Arbeitsweise seit der Nutzung von KI verändert habe, insbesondere durch die neu gewonnene Sicherheit im Vorbereiten und Strukturieren von Förderlektionen: «Ich weiss noch, wie viel Zeit ich investiert habe für meine Förderlektionen. Das ist unglaublich. Dank KI, das finde ich super» (LP2, 2025, Z. 107f.). Gemäss ihr übernimmt KI die Rolle eines digitalen Assistenten oder Arbeitskollegen, welcher über das nötige Fachwissen verfügt, um Lektionsplanungen zu gestalten. (vgl. LP2, 2025, Z. 15-17). -37Es lässt sich festhalten, dass die befragten Lehrpersonen KI-Systeme wie ChatGPT nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als interaktive Unterstützung für Problemlösung und Fachberatung verstehen. Besonders in sonderpädagogischen Kontexten, wo häufig als Einzelkämpfer gearbeitet wird, bietet KI eine niedrigschwellige Form der Rückversicherung, die bei der Entscheidungsfindung oder Ideenentwicklung hilfreich sein kann, jedoch wie von allen Beteiligten festgehalten, nicht ohne Vorbehalt übernommen werden kann. 6.2.4 Differenzierung und Individualisierung Ein zentrales Potenzial von Künstlicher Intelligenz im schulischen Kontext liegt laut den befragten Lehrpersonen in ihrer Fähigkeit, Lernmaterialien gezielt an individuelle Lernvoraussetzungen anzupassen. Besonders in sonderpädagogischen Settings ist die Differenzierung zentral, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden und ihnen Teilhabe am Unterricht zu ermöglichen. KI-gestützte Tools wie ChatGPT oder das Lesefortschrittstool von Microsoft werden hierbei eingesetzt, um sowohl sprachliche als auch inhaltliche Hürden abzubauen. Eine Lehrperson berichtet, wie sie mit ChatGPT differenzierte Materialien erstellt, darunter ein Pronomen-Dossier für Migrantenkinder, Listen häufiger Rechtschreibfehler oder angepasste Texte im Fach Deutsch als Zweitsprache. Sie betont dabei den Zeitgewinn und die Anpassung an die jeweiligen Voraussetzungen: «Ich habe Listen der 100 meistgeschriebenen Fehlerwörter erstellt, Lesetandems, differenzierte Texte und Dialoge» (LP4, 2025, Z. 23f.). Durch diese Möglichkeiten könne sie ihre Zeit gezielter für die individuelle Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler einsetzen (vgl. LP4, 2025, Z. 88-90). Auch eine weitere Lehrperson berichtet, wie durch KI-basierte Hilfsmittel wie Vorlesefunktionen, Zusammenfassungen oder das Anpassen des Schwierigkeitsgrads Barrieren reduziert und neue Zugänge zum Lernstoff ermöglicht werden: «Überzeugt hat mich zum Beispiel, dass du dir Text vorlesen lassen kannst» (LP3, 2025, Z. 13f.). Dies sei für Kinder mit Einschränkungen oder Sprachbarrieren hilfreich. Sie sieht darin eine wichtige Chance zur Förderung von Chancengleichheit und zur Umsetzung eines Nachteilsausgleichs (vgl. LP3, 2025, Z. 3f.). Im Zyklus 1, insbesondere im Kindergartenbereich, ist dieser Einsatzbereich weniger stark ausgeprägt. Die Heilpädagogin des Kindergartens nennt keine konkreten Beispiele zur Differenzierung durch KI, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass individualisierte Förderung hier überwiegend über spielerische und analoge Methoden erfolgt, die eine hohe Spontanität und situative Anpassung -38erfordern. Dies zeigt, dass die Anwendbarkeit von KI-gestützter Differenzierung auch stark stufenabhängig ist (vgl. LP1, 2025, Z. 221f.). 6.2.5 Fazit Nutzung Die Interviews zeigen, dass Heilpädagoginnen und Heilpädagogen KI bereits gezielt und vielfältig einsetzen: Zur Inspiration, zur Unterstützung bei der Planung und Organisation sowie zur Differenzierung von Lernmaterialien und als niederschwellige Beratungsfunktion. Besonders geschätzt wird die Zeitersparnis im administrativen Bereich und die Möglichkeit, Materialien schnell an individuelle Bedürfnisse anzupassen. KI wird dabei nicht als Ersatz, sondern als unterstützendes Werkzeug verstanden. Gleichzeitig bleibt die pädagogische Verantwortung klar bei den Lehrpersonen: Sie prüfen, bewerten und passen die Inhalte an. -396.3 Chancen 6.3.1 Eigenständigkeit und Befähigung Grosses Potenzial im Einsatz von KI in der Sonderpädagogik erkennen die befragten Heilpädagoginnen und Heilpädagogen in der Förderung der Selbstständigkeit und Befähigung von Schülerinnen und Schülern. Für Kinder mit Förderbedarf bieten sich durch Anwendungen wie ChatGPT neue Möglichkeiten, um Lerninhalte zu verstehen oder schwierigere Aufgaben selbstständig zu bewältigen. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die Mühe haben mit der Sprache, könnten durch den Einsatz von Tools wie ChatGPT besser unterstützt werden, beispielsweise beim Verfassen von Bewerbungsschreiben oder beim Vereinfachen längerer schwieriger Inhalte. Solche Anwendungen können ihre Chancen auf Teilhabe und Erfolg damit wesentlich verbessern. Dies vergleicht sie auch damit, dass andere dies auch tun würden (vgl. LP4, 2025, Z. 57-61). Darüber hinaus betonen einige Lehrpersonen ausdrücklich den Aspekt der Selbstbefähigung: Schülerinnen und Schüler sollen durch den Einsatz von KI in die Lage versetzt werden, gewisse Aufgaben und Lernprozesse eigenständig zu bewältigen, ohne immer auf die Unterstützung von aussen angewiesen zu sein (vgl. LP3, 2025, Z. 63f.). Die Förderung von Selbstverantwortung wird dabei als Ziel angesehen, das durch KI sinnvoll unterstützt werden kann, ohne jedoch konkrete Beispiele zu nennen. Zugleich warnen die Lehrpersonen davor, dass der Einsatz der KI nicht unreflektiert erfolgen dürfe. Eine Lehrkraft berichtet von einem Schüler, der eine ganze Präsentation mithilfe von ChatGPT vorbereitet hatte, jedoch den Text lediglich auswendig gelernt habe, ohne ihn wirklich zu verstehen oder sich sprachlich damit zu identifizieren: «Es war gar nicht seine Sprache» (LP2, 2025, Z. 133). Dies verdeutlicht, dass KI allein nicht zu echter Selbstständigkeit führt, vielmehr braucht es pädagogische Begleitung, um Kompetenzen im Umgang mit KI aufzubauen. 6.3.2 Teilhabe durch Individualisierung Wie bereits eingangs Kapitel erwähnt, liegt eine grosse Chance von KI in sonderpädagogischen Settings in der Möglichkeit, Lernmaterialien individuell an die Bedürfnisse einzelner Schülerinnen und Schüler anzupassen. Die befragten Lehrpersonen berichten, wie durch KI-Unterstützung differenzierte Texte erstellt, sprachliche Hürden gemindert und somit Teilhabe am Unterricht ermöglicht werden kann, etwa durch das Vereinfachen von Aufgabenstellungen oder durch gezielte Textbearbeitungen -40für fremdsprachige oder leseschwache Lernende. Viele Lehrpersonen sehen in diesen Möglichkeiten einen wesentlichen Beitrag zur Chancengleichheit und damit zur Teilhabe am Unterricht. Auch im Bereich Deutsch als Zweitsprache oder bei eingeschränkter Lesekompetenz wird KI als hilfreiches Instrument zur Textvereinfachung oder zur Erstellung angepasster Materialien genannt. So hat eine Heilpädagogin mit Hilfe von ChatGPT Pronomen-Dossiers für fremdsprachige Kinder erstellt (vgl. LP4, 2025, Z. 20f.) und eine andere einen Lesetext direkt an die Voraussetzungen eines Kindes angepasst: «Es ist ein Schüler, so und so alt und das und das ist es passiert» (LP2, 2025, Z. 57f.). Dies unterstreicht das grosse Potenzial der KI für mehr Chancengleichheit, da Schülerinnen und Schüler trotz unterschiedlicher sprachlicher oder kognitiver Voraussetzungen individuell und gezielter gefördert werden können. Dabei wird KI nicht nur als Hilfsmittel zur Arbeitsentlastung, sondern vor allem als didaktisches Werkzeug betrachtet. Auch LP3 nutzt die Möglichkeit, Lernmaterialien an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Sie erwähnt unter anderem die Anpassung des Schwierigkeitsgrads und das Vorlesen von Texten: «Du kannst dir Text vorlesen lassen, den du irgendwo auf einem Blatt hast, dass du auch Text anpassen kannst, je nach Schwierigkeitsgrad» (sinngemäss, vgl. LP3, 2025, Z. 13-15). Eine Lehrperson weist zudem darauf hin, dass in der Kindergartenstufe (LP1) solche Massnahmen aktuell kaum zum Einsatz kommen, was unter anderem am Entwicklungsstand der Kinder liegt. Damit wird deutlich, dass auch das Alter der Kinder eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung individueller Förderung mit Hilfe von KI spielt. Insgesamt sehen die Lehrpersonen in KI einen Mehrwert für Chancengleichheit und Teilhabe: Kinder erhalten durch diese Werkzeuge einen Zugang zu Lerninhalten, der zuvor nur mit grossem Aufwand oder gar nicht möglich war. Sie erwähnen allerdings auch, dass die Begleitung und Generierung der Inhalte weiterhin Aufgabe der Lehrperson, hier der Schulischen Heilpädagogin oder des Heilpädagogen, bleibt. 6.3.3 Zukunftsperspektiven Die befragten Lehrpersonen sehen in der Weiterentwicklung von KI-Technologien ein grosses Potenzial für die Zukunft des Lernens, insbesondere in Bezug auf eine noch gezieltere individuelle Förderung und die Erkennung von Lernwegen. Auch wenn viele dieser Möglichkeiten derzeit noch nicht ausgeschöpft oder wahrgenommen werden, existieren Vorstellungen, wie KI künftig den schulischen Alltag von Lehrpersonen in sonderpädagogischen Settings unterstützen könnte. So wünschen sich mehrere Interviewpartner und -partnerinnen KI-Software, die die Denkweise differenzierter analysieren und automatisch passende Aufgaben vorschlagen kann. Dabei geht es -41nicht nur um die Diagnostik, was ein Kind kann, sondern vielmehr auch darum wie es denkt oder lernt. Eine Lehrperson beschreibt dies wie folgt: «Gewisse haben ein ganz anderes Mathekonstrukt im Kopf. Und wir müssen ja mal herausfinden, was hat sich das Kind dabei überlegt? Und ich glaube, das wäre die KI. Ja, [das] könnte sie da recht gut.» (LP3, 2025, Z. 101-103). Auch die Möglichkeit, durch KI kindgerechte Beispiele aus dem Alltag oder aus persönlichen Interessenbereichen zu nutzen, wird als zukünftige Möglichkeit gesehen: «Wenn man sich das nicht vorstellen kann, dann kann man sagen, du bist vielleicht ein Kletterer, jetzt nimmst du mal das Seil und läufst es mal ab. Wie lang ist denn das Seil überhaupt?» (LP3, 2025, Z. 105-107). Eine andere Lehrperson spricht den Wunsch an, dass KI-Tools künftig stärker für Kinder ausgelegt sein sollten, sowohl in der Sprache als auch in der Handhabung und in rechtlichen Aspekten wie z.B. dem Datenschutz (vgl. LP2, 2025, Z. 127f.). Darüber hinaus wird auch der mögliche Gewinn durch automatisierte, administrative Entlastung betont. Wenn KI künftig in der Lage ist, zu erkennen wie Lernende denken und Arbeitsmaterialien damit noch passender zu erstellen, könnten Lehrpersonen Kinder enger begleiten und eigene Kompetenzlücken kompensiert werden. Diese Offenheit gegenüber zukünftigen Entwicklungen zeigt sich unter anderem in folgender Aussage: «Wenn es spezifische KIs gibt, die auf das zugeschnitten sind, dass ich mich da mal mindestens […] darauf einlasse» (sinngemäss, vgl. LP4, 2025, Z. 127-130). Insgesamt zeigen die Aussagen, dass sich die Lehrpersonen durchaus vorstellen können, dass KI in naher Zukunft eine noch grössere Rolle in der Schule spielen wird, vorausgesetzt, sie ist pädagogisch durchdacht und altersgerecht gestaltet. Erfreulicherweise ist die Perspektive dabei nicht technikorientiert, sondern pädagogisch: KI soll Tools bereitstellen, die Lehrpersonen bei der individuellen Förderung unterstützen, entlasten und damit langfristig für mehr Förderqualität sorgen. 6.3.4 Lernfortschritte erkennen Ein zentrales Potenzial, das die befragten Lehrpersonen in der Nutzung von KI sehen und ich deshalb in einem eigenen Kapitel betrachten möchte, liegt in der Möglichkeit, individuelle Lernstände präziser zu erfassen und so gezielter auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Während einige noch zurückhaltend sind oder keine Vorstellung darüber haben, was die konkrete Umsetzung betrifft, ist man sich grösstenteils einig darüber, dass KI künftig dazu beitragen könnte, fachliche Lücken sichtbarer zu machen und Förderprozesse besser zu steuern. -486.5 Kompetenzentwicklung Aus den geführten Interviews und der Inhaltsanalyse ergaben sich weitere Kategorien, welche induktiv aus dem Datenmaterial heraus entwickelt wurden und die theoretische Sichtweise mit Perspektiven aus der Praxis ergänzen. Diese wiederkehrenden Themen werden in drei Kapiteln zusammengefasst und näher erläutert. 6.5.1 Kompetenzaufbau bei Schülerinnen und Schülern Die befragten Lehrpersonen äussern übereinstimmend, dass der kompetente und reflektierte Umgang mit KI für Schülerinnen und Schüler zunehmend an Bedeutung gewinnt, auch jene mit Förderbedarf. Dabei geht es nicht nur um die technische Nutzung an sich, sondern auch um kritische Urteilsfähigkeit, um Inhalte hinterfragen und KI sinnvoll einsetzen zu können. Einige Lehrpersonen sehen die Chance darin, dass Schülerinnen und Schüler durch KI in ihrer Selbstständigkeit gestärkt werden, etwa beim Verfassen von Texten wie Lebensläufen und Bewerbungsschreiben oder dem Verständnis schwieriger Inhalte. Eine Lehrperson erklärt hierzu, dass es langfristig wichtig sei, «dass Schülerinnen und Schüler die Erfahrung im Umgang mit KI machen, sei es jetzt mit Förderbedarf oder ohne» (LP4, 2025, Z. 50f.). Hierbei geht es auch darum, mit richtigen Prompts arbeiten zu lernen, etwa in Mathematik, was laut LP4 Training brauche (vgl. LP4, 2025, Z. 204). Insgesamt zeigt sich ein klarer Wunsch nach strukturierter Kompetenzentwicklung, die nicht nur Anwenderkompetenzen, sondern auch kritisches Denken in Bezug auf KI-Einsatz vermittelt, abgestimmt auf das Alter und den Förderbedarf der Lernenden. Allerdings sieht eine Lehrperson hierzu Schwierigkeiten, da es nicht Bestandteil vom Lehrplan sei und Lehrpersonen nur das Nötigste in diesem Bereich machen würden (vgl. LP2, 2025, Z. 201f.). 6.5.2 Regulation Der Einsatz von KI in der Schule stellt Lehrpersonen vor die Herausforderung, klare Regeln und Grenzen für deren Nutzung zu formulieren. Aus den Interviews wird deutlich, dass es nicht ausreicht, KI einfach zu nutzen, sondern diese nur in Bezug auf Altersangemessenheit, unter Anleitung und innerhalb eines klar definierten Rahmens zu nutzen. «Ich hafte als Lehrperson, was ich da reingebe, was ich da mache. Ich muss es so machen, dass es gut kommt. Aber was ist gut?» (LP4, 2025, Z. 175-177). Dies zeigt die mit der Nutzung verbundene Unsicherheit, die entsteht, wenn man KI verantwortungsvoll nutzen möchte, aber keine Rahmenbedingungen definiert werden. -496.5.3 Weiterbildung Die Interviews zeigen, dass interne Weiterbildung und Schulung für den Umgang mit KI-Systemen wie ChatGPT an den Schulen zwar teilweise eingeführt wurden, aber keine flächendeckende Auseinandersetzung mit dem Thema stattfindet. Bereits erfolgte Weiterbildungen fanden oft unter dem Aspekt der Anwendungsmöglichkeiten statt und dienten als erste Hinführung zur Thematik, waren inhaltlich gesehen jedoch oft oberflächlich. Der Aufbau von Kompetenzen im Bereich KI erfordert daher nicht nur Angebote, sondern auch eine schulweite Strategie und eine gemeinsame Haltung. Von einer Lehrperson wird der Wunsch geäussert, dass sich die Schulleitung aktiver einbringt: «Ich würde mir wünschen, dass vielleicht von der Schulleitung auch noch eine Info kommt: Hey, bis dann und dann ausprobieren» (LP2, 2025, Z. 194-197). -507. Interpretation und Einordnung der Ergebnisse Die zusammengefassten Ergebnisse der Interviewanalyse werden in diesem Kapitel mit den theoretischen Grundlagen aus Kapitel 2 bis 4 in Verbindung gebracht. Dabei soll zielführend herausgearbeitet werden, welche Gemeinsamkeiten oder unterschiedlichen Haltungen bestehen und Kernaspekte oder Erklärungsansätze formuliert werden. Die Auswertung der Interviews zeigt deutlich, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in sonderpädagogischen Settings bereits grossen Anklang auf verschiedenen Ebenen der Nutzung findet, dies allerdings in unterschiedlichem Ausmass und stark abhängig von der individuellen Motivation der Lehrpersonen. Es existieren zwar bereits Konzepte und Überlegungen zum KI-Einsatz, diese sind jedoch nicht allen Lehrpersonen bekannt und unterscheiden sich bereits auf kantonaler Ebene in ihrem Umfang und der Qualität. Ein Grund für die mangelnde Kenntnis könnte unter anderem in fehlenden Weiterbildungsangeboten liegen. Auch auf Ebene der Schulleitungen wurde das Thema bislang grösstenteils nicht aufgegriffen, was zu einem Wildwuchs bei der Umsetzung und Anwendung von KI in der Schule führt. Der Einsatz von KI unterscheidet sich stark, je nach Alter der Schülerinnen und Schüler. Somit kann eine unterschiedliche Ausprägung der Nutzung nach Stufe festgestellt werden. Während im Kindergarten vorwiegend administrative Tätigkeiten oder Vorbereitungsarbeiten der Lehrperson durch KI unterstützt werden, findet im Zyklus 2 bereits ein direkter Einsatz in der Förderung, Differenzierung und teilweise auch durch die Schülerinnen und Schüler selbst statt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, stufenspezifische Strategien für den KI-Einsatz zu entwickeln. Auch zeigt die Analyse der Interviews, dass es einen nicht insignifikanten Zusammenhang zwischen Alter der Lehrperson und der Nutzung von KI-Tools gibt. Jüngere Lehrpersonen, die oft schon digital aufgewachsen oder während ihrer Ausbildung bereits mit digitalen Tools, auch im Bereich KI, in Berührung gekommen sind, geben sich deutlich offener und kompetenter im Einsatz von Anwendungen wie ChatGPT oder Gamma-App. Sie benutzen KI-gestützte Tools nicht nur für die Unterrichtsvorbereitung, sondern auch zunehmend in die direkte Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern, wie zum Beispiel dem Lesefortschrittstrainer von Microsoft. Hingegen berichten ältere Lehrpersonen zwar ebenfalls von ersten Berührungspunkten mit KI, jedoch eher zurückhaltend und vorgängig im administrativen Bereich. Häufig wird auf bewährte analoge Methoden zurückgegriffen, vor allem in der direkten Arbeit mit den Kindern. Die Unterschiede lassen sich dabei nicht nur auf das Alter, sondern auch auf unterschiedliche pädagogische Ausbildungsepochen zurückführen, was der Frage nach der aktuellen Ausbildungssituation und der Vermittlung von KI-Kompetenzen an Studierende erneut einen grossen -51Stellenwert zukommen lässt. Zudem betonen die Ergebnisse die Wichtigkeit von gezielten Ausbildungen für Lehrpersonen, da von allen geäussert wird, dass Schülerinnen und Schüler, gerade ab Zyklus 2, KI einsetzen oder werden und eine gezielte didaktische Heranführung unerlässlich sein wird. Dies lässt sich durch die Studie von Brandhofer & Tengler bei Lehramtsstudierenden ebenfalls beobachten, in welcher 55% ihre eigene Kompetenz als genügend einschätzen, wobei viele Umfrageteilnehmer sowie auch alle Befragten den Umgang mit Prompts als schwierig empfinden. Hier zeigt sich die Verbindung zur gesellschaftlichen Relevanz meiner Arbeit, in welcher betont wird, dass der Ausbildung des pädagogischen Personals eine nicht zu vernachlässigende Rolle zukommen sollte. Die Aussagen von mehreren Befragten lassen auch erkennen, dass die Ausbildung an den pädagogischen Hochschulen auch auf Schulleiterund Picts-Ebene stattfinden sollte, um bereits ausgebildetes Personal gezielt in Sachen KI weiterzubilden. Es ist auffällig, dass sich die befragten Lehrpersonen den Umgang mit KI grösstenteils autodidaktisch erlernt haben. Es existieren keine einheitlichen Meinungen, vielmehr wird nach dem Prinzip gehandelt: «Ich mache es so, wie es für mich stimmt». Diese Unterschiedlichkeit des Zugangs zeigt sowohl eine hohe Eigenverantwortung als auch den Mangel an konzeptioneller Begleitung. Besonders deutlich wird dies bei der Anwendung von KI. Anwenderkompetenzen sowie das Thema Datenschutz wurden wiederholt als zentrale Hindernisse genannt. Technische Detailkenntnisse oder tiefergehende ethische Fragestellungen, wie etwa die Problematik eines «gläsernen Ichs», spielten in den Interviews hingegen weniger eine Rolle. Auch in Bezug auf ethische Aspekte wie verzerrte Algorithmen (Bias) oder diskriminierende Strukturen wurde kaum ein Problembewusstsein sichtbar. Dies deckt sich mit den Studien, in welchen Bias ebenfalls kein Thema waren. Vielmehr liegt der Fokus der Lehrpersonen auf der praktischen Nutzung von KI. Sie erachten KI primär als eine Chance zur Unterstützung und Erweiterung ihres pädagogischen Handelns. Positiv hervorzuheben ist, dass die Interviewten in ihren Aussagen vor allem pädagogische Motive erwähnen, etwa die gezielte Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler oder die Möglichkeit, differenzierter und individueller zu arbeiten. Dies wurde im Einklang zu den Studien als ein zentraler Aspekt der Nutzung auch durch alle Interviewpartnerinnen und -partner hervorgehoben. Generative KI spielt hierbei ein grosser Faktor und erfreut sich bei vielen Nutzern grosser Beliebtheit und bildet einen sanften Einstig in die Unterrichtsvorbereitung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Es ist anzunehmen, dass sich diese Form der Integration von KI noch weiter verbreiten wird und wirft die Frage nach einer speziell auf Pädagogik zugeschnittenen Software auf, welche, auch hinsichtlich Datenschutz, durch vertraglich gebundene Softwarepartner für Schulen reglementiert nutzbar wäre. -52Auch hinsichtlich der Chancengleichheit wird der Schule eine zentrale Rolle zukommen, um alle Schülerinnen und Schüler in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz zu begleiten und damit die nicht ohnehin schon vorherrschende Ungleichheit weiter zu verstärken. Dies wurde durch eine Heilpädagogin passenderweise mit bildungsnahen und bildungsfernen Familien mit ihren unterschiedlichen Möglichkeiten beschrieben und eine weitere sieht eine Benachteiligung durch die Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler, wenn dies nicht in der Schule, sondern nur zu Hause erlernt wird. Im sonderpädagogischen Bereich stellt sich eine grosse Herausforderung bezüglich Nutzung von KI-Tools durch Kinder mit Beeinträchtigungen. Für Kinder mit zum Beispiel sprachlichen Defiziten ist die Nutzung von generativer Künstlicher Intelligenz bereits mit einer Eintrittshürde verbunden. Die von Hamisch & Kruschel (2021) beschriebe Gefahr einer potenziellen Vereinsamung durch KI in sonderpädagogischen Settings wird von den Lehrpersonen mehrheitlich nicht wahrgenommen. Vielmehr überwiegt ein positiver Blick auf die individualisierenden Möglichkeiten, wobei mehrheitlich betont wird, dass technische Hilfsmittel den pädagogischen Auftrag nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen können. Der Verantwortung der Lehrperson für das gemeinschaftliche Lernen bildet somit auch in Weiterbildungen oder auf konzeptueller Ebene einen wichtigen Aspekt für die Implementierung von Künstlicher Intelligenz im Unterricht, gerade auch hinsichtlich der Inklusion. Als nicht übereinstimmend können Aussagen und Erkenntnisse betreffend der genügenden Ausstattung an technischer Grundausrüstung interpretiert werden. Dies könnte daran liegen, dass in den Studien Lehrpersonen des gesamten Lehrkörpers befragt wurden, in den Interviews aber Heilpädagoginnen und Heilpädagogen im Speziellen, welche nicht immer über ein ausreichendes Inventar an technischen Hilfsmitteln und Arbeitsgeräten verfügen. Dies lässt darauf schliessen, dass die Sonderpädagogik in Zukunft, gerade im Hinblick auf die durch KI mögliche Individualisierung und Differenzierung, ebenfalls in Informatikkonzepte von Schulen miteinzubeziehen sind und nicht als Randerscheinung gelten dürfen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die befragten Heilpädagoginnen und Heilpädagogen einen reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang mit KI pflegen. Sie setzen KI nicht übermässig ein, sondern wägen Nutzen, Risiken und Grenzen ab und setzen sich thematisch damit auseinander. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine bessere institutionelle Unterstützung, fundierte Weiterbildung und klare Richtlinien notwendig sind, um das Potenzial von KI sinnvoll, chancengerecht und nachhaltig im sonderpädagogischen Kontext zu nutzen. -538. Schlusswort und Danksagung Ein herzlicher Dank gilt allen Interviewteilnehmerinnen, welche ihre Expertise in dieser neuen Technologie offenlegten und einen Einblick in ihren Schulalltag gewährten, aber auch ihre über Sorgen und Ängste berichteten. Meinem Betreuer Prof. Dr. Ingo Bosse von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik danke ich herzlich für seine Unterstützung durch wertvolle Anregungen und Feedback zur Gestaltung der Arbeit, sowie den Austausch über fachliche Aspekte und Fragen rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Ebenfalls möchte ich mich bei Frau Evelyne Fankhauser, Leitern des Fachbereichs Medien und Informatik an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, für ihre Ausführungen zur Ausbildung von Lehrpersonen im Kanton Thurgau hinsichtlich Kompetenzaufbau in Künstlicher Intelligenz bedanken. Zuletzt gilt ein grosser Dank meiner Familie, vor allem meiner Frau, welche mich in der intensiven Phase der Masterarbeit immer wieder unterstützt und mir den Rücken freigehalten hat, sowie meiner Schwester für die inhaltliche Redaktion und Überprüfung der Arbeit. -549. Literaturverzeichnis Abdel-Aty, M. & Ding, S. (2024). A matched case-control analysis of autonomous vs human-driven vehicle accidents. Nature Communications, 15(1), 4931. Nature Publishing Group. https://doi.org/10.1038/s41467-024-48526-4 Amt für Volksschule Kanton Thurgau. (2024, Juni 11). Unterstützungsangebot künstliche Intelligenz. 11 Newsletter Schule und Digitalität. Zugriff am 21.2.2025. Verfügbar unter: https://av.tg.ch/news/newsletter-archiv/newsletter-detail.html/3959/transmission/1241 Anderson, J. R., Boyle, C. F. & Reiser, B. J. (1985). Intelligent Tutoring Systems. Science, 228(4698), 456–462. https://doi.org/10.1126/science.228.4698.456 Aufenanger, S., Herzig, B. & Schiefner-Rohs, M. (2023). 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Wo 163 siehst du Hindernisse, wenn man KI in der Schule einsetzt oder damit man es 164 überhaupt einsetzt? Wo siehst du Herausforderungen oder Risiken? Jetzt gerade 165 auch für den Sonderpädagogischen Bereich? 166 LP1 Also mein Hindernis war bis jetzt vor allem, dass ich viel zu wenig Kenntnis 167 habe. Zum guten Glück habe ich meine Kinder. Ich kann sagen, ich muss das und 168 das machen und dann helfen mir meine Kinder (.) Mama, da musst du das 169 Snipping-Tool nehmen. Ich habe wirklich keine Ahnung. Aber ich denke, das 170 grösste Hindernis ist schon der Datenschutz. Also die grösste Gefahr. Uns ist da 171 mal ein Fehler unterlaufen und das möchte ich dir wirklich gerne erzählen. Wir 172 hatten eine anonymisierte Förderplanung. Die Namen (.) hat man nicht mehr gesehen, 173 die waren weiss. Jetzt wurde das vermutlich mit Snippingtool mit weiss 174 unkenntlich gemacht und zwar nicht ausgedruckt und mit TippEx überschrieben und 175 wieder eingescannt, sondern digital übermalt. Eingegeben wurde der ganze Text (.) 176 und dann bin ich sehr, sehr erschrocken, als wir unten alles mit Namen erkennen 177 konnten. Das Tool konnte dies im Hintergrund erkennen, er hat das gecheckt. Und 178 dann kam die Zusammenfassung, ich weiss nicht mehr, was es war, die Auswertung 179 mit Vorund Nachnamen. Und da sind wir wirklich erschrocken. Weil wir hatten 180 das Gefühl, wir nutzen anonymisierte (.) Unterlagen. Und so haben wir es eben 181 gelernt. Ausdrucken, TippEx, wirklich von Hand, wie in der alten Schule, und 182 dann wieder einscannen und dann geht es. 183 I Wo habt ihr diesen eingegeben? 184 LP1 Auch in ChatGPT. Ja, da läuft es. Dumm gelaufen. -65185 I Also, ja. Vor allem ein grosses Hindernis im Bereich Datenschutz. Ja. Du hast 186 vorhin mal erwähnt, die Gemeinde und so, bittet euch es zu nutzen (.)Computer und 187 so weiter. Inwiefern wäre es zum Beispiel noch von der Schulleitung oder der 188 Schulbehörde oder vom Amt für Volksschulen189 LP1 Ja, wir haben viele. Wir haben immer wieder so Workshops. Jetzt fand gerade der 190 zweite statt. Letzten Mittwochnachmittag hatten wir den ganzen Nachmittag 191 digitale Medien. Und dann haben wir ja auch Medienpioniere. Jeder Medienpionier, 192 [.] ich glaube, etwa 10 Personen, jeder hat etwas vorgestellt. Also ein paar 193 Medienpioniere plus noch ein paar Freiwillige haben irgendetwas vorgestellt. Und 194 jetzt müssen wir bis zum 26. Mai etwas davon umsetzen. Also ich habe jetzt 195 gelernt, digitale Bilderbücher zu machen und muss jetzt auch mal mit der Klasse 196 etwas umsetzen. Und, ah ja, nochmal etwas habe ich kennengelernt. Ich weiss 197 schon wieder nicht, wie das heisst (.) zum QR-Codes machen, bei denen man dann Text 198 eingeben kann und Aufnahmen mit den Stimmen von den Kindern. Wie hiess das schon 199 wieder? Ich weiss es schon wieder nicht mehr. Aber ich habe dann einen Flyer 200 mitnehmen können. 201 I Also so Aufnahmen von den Kindern abspielen. 202 LP1 Audio, ja. Und dann kannst du zum Beispiel auf eine Zeichnung oder auf eine 203 Bildergeschichte den QR-Code kleben. Und dann erzählt das Kind dann die 204 Geschichte. Das möchte ich mal noch umsetzen. Und (.) sie hat mir noch auf Canva 205 etwas gezeigt, wo du so Filme machen kannst. Zum Beispiel (.) eine grosse Schachtel 206 hinstellst und dann geht immer wieder ein Kind rein. Und dann hast du am Schluss 207 das Gefühl, die ganze Klasse ist in der Schachtel. Da haben wir auch Lust. Ich 208 muss ja immer suchen, was ist für die Kindergartenstufe spannend. In Winterthur, 209 wo ich gearbeitet habe, hatten wir noch so eine Kamera, die in alle Winkel 210 aufnehmen konnte. Das war auch mega toll. 211 I Ja, genau. Gibt es von der Schulleitung irgendetwas also vor allem im Bereich KI? Hat 212 sie oder er schon mal etwas mit euch besprochen oder festgelegt oder gibt 213 es irgendwelche214 LP1 Ich bin ein bisschen gespannt, wie es weitergeht. Wir haben seit Sommer eine 215 neue Schulleiterin. Und sie hat einen CAS für digitale (...) ich weiss nicht 216 mehr genau. Und ich denke, ich vermute, dass sie die Stelle darum bekommen hat, 217 also dass sie sie darum ausgewählt haben, weil das momentan Trend ist. Aber KI -66218 im Speziellen ist nicht so hervorgehoben worden. 219 I Ja, genau. Würdest du dir etwas wünschen in dem Bereich, das sie jetzt anpacken 220 würde? Fehlt dir etwas für den Unterricht im Moment? Oder in Zukunft vielleicht? 221 LP1 (.) Ehrlich gesagt glaube ich es nicht. Wenn ich jetzt auf die Primarstufe umsteigen 222 würde, dann wäre es vielleicht schon etwas aktueller. Aber im Kindergarten habe 223 ich das Gefühl, dass ich gut versorgt bin. Und wenn ich das Gefühl habe, dass 224 ich @etwas brauche@, frage ich meistens meine Kinder oder nehme einen 225 Apprendo-Kurs. Zu Zyklus 1 da habe ich gerade etwas gemacht. Das war aber nicht 226 zu KI. 227 I Ja, klar. Weniger denn ja. 228 LP1 Aber ja, so Apps und so, das ist schon cool, wenn man sich ein bisschen auskennt. 229 Genau. 230 I Die Kinder brauchen ja noch die Handlungskompetenzen? 231 LP1 Ja, und wir haben dann noch (.) gelernt dies analog zu machen. Also zum Beispiel 232 eine Reihenfolge, die immer wieder kommt. Dass sie dies eben analog lernen und 233 dass das nachher für den Computer etwas nützt. Im Kindergarten arbeitet man ganz 234 oft so. 235 I Das ist gut. Von mir aus wäre es das so bezüglich der Fragen. -6710.1.2 Interview mit LP02 1 I Wie stehst du persönlich zum Einsatz von künstlicher Intelligenz für die Schüler, 2 die jetzt bei dir im Unterricht sind oder in der Klasse? 3 LP2 Also meinst du denn zum Beispiel, wenn ich zu einem ganz bestimmten Thema auch 4 bei der Vorbereitung künstliche Intelligenz nutze, gehört das auch dazu? 5 I Zum Beispiel, ja, genau. Also 6 LP2 Ja, definitiv. Also für mich ist einfach, ich arbeite, wenn nicht täglich, sicher 7 ein paar Mal in der Woche mit Chat-GPT, bei Präsentationen mit Gamma-App. Das 8 benutze ich schon. Fobizz nutze ich zu wenig, obwohl in Goldach benutzen sie es 9 noch recht viel. Ich habe jetzt zur Leseförderung mit Viertklässler, habe ich 10 zum Beispiel fest mit Chat-GPT gearbeitet, ich zahle auch dafür. Und (.) Also 11 meine Erfahrungen sind halt sehr gut. 12 I Ja, genau (.) 13 LP2 Ich benutze und ich weiss, dass ich wie ein Mix mache zwischen analog und 14 künstlicher Intelligenz. Und das stimmt einfach für mich so. Das erspart mir 15 auch viel, viel Zeit. Vor allem, wenn ich so lange gebraucht habe, wenn ich zum 16 Beispiel Einleitungen oder Einführungen machen möchte, da hilft mir zum Beispiel 17 ChatGPT sehr. Genau, genau. Cool. 18 I Wir sind schon in den Einsatzbereich. Du hast verschiedene Tools in 19 verschiedenen Bereichen. Wo ist zum Beispiel, wenn es um Akzeptanz geht, eine 20 Grenze, wo du sagst, du würdest es nicht mehr einsetzen? 21 LP2 Ähm (2) das muss ich gerade überlegen. (.) Also, ich weiss (.) arbeitest du nur in der 22 Förderung? 23 I Nein, ich habe auch noch Team-Teaching und Job-Sharing und so. 24 LP2 Okay, gut. Also, nein, ich glaube, das ist gar nicht so relevant, ob es in der 25 Förderung oder im Klassenzimmer ist, als Klassenlehrperson. Aber ich denke, ich 26 würde nicht einfach Kinder ohne Vorwissen, ohne gar nichts einfach dort 27 rumstöbern lassen. Das würde ich jetzt zum Beispiel nicht. Ich kenne aber jetzt 28 nicht eine App, obwohl ChatGPT ginge ja auch, die nur für Kinder gedacht wäre, 29 die kenne ich jetzt noch nicht. Aber einfach so rumstöbern lassen und sie 30 einfach machen lassen, würde ich jetzt nicht. Es braucht einfach viel, viel 31 Anleitung. Und einfach, wo sind denn die Grenzen? 32 I Genau. Also da wäre zum Beispiel auch so eine Chance, Zukunftsmusik so quasi, -6833 dass es da eine kindergerechte Version von solchen Apps gäbe. 34 LP2 Definitiv, definitiv. Ja, also inwiefern halten Sie es für wichtig, dass auch 35 Ihre Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Ihnen lernen? Definitiv. Also so 36 wichtig. Ich habe ja jetzt auch im Schulhaus Bachfeld, bin ich, jeder 37 Medienpädagoge hat in jeder Gemeinde, also wir sind Goldach, in jedem Schulhaus 38 hat es einen Medienpionier. Wir arbeiten sozusagen für ihn, oder? Und ich bin 39 zum Beispiel zuständig für das Schulhaus Bachfeld. Ja. Und ich habe schon mit 40 vielen Lehrpersonen darüber gesprochen, dass es sehr wichtig wäre, zum Beispiel 41 im Zyklus 2, den Umgang mit KI irgendwie zu lehren und nicht einfach so zu 42 arbeiten, wie sie meinen, man sollte einfach frei arbeiten damit. Und sie sagen, 43 das geht ja nicht, das bräuchte eine Grenze und Anleitungen. 44 I Genau. Also in dem Sinne, das Lernen vom Umgang findest du auch sehr wichtig, 45 dass die Schüler das auch machen. 46 LP2 Ja, das finde ich. 47 I Wir haben auch schon ein bisschen drüber gesprochen. Im Sinne des 48 Einsatzbereichs. Brauchst du KI auch zum Beispiel für eine Anpassung von 49 Lernmaterialien. Machst du das auch? 50 LP2 (2) Jetzt muss ich kurz überlegen, weil ich habe schon so viel damit gemacht (.) Von 51 Lernmaterialien zum Beispiel, habe ich mal einen Text, und ich weiss nicht, 52 inwiefern ich das @darf@, aber gut, es ist ein Text, der @mehrsprachig@ ist, und das 53 Deutsch hat so seine Schwierigkeiten, und es ist um einen Text gegangen, und der 54 Text ist einfach wirklich, auch wenn ich das Gefühl hatte, okay, es ist schon 55 recht einfach, das Kind hätte nochmal eine vereinfachtere Version gebraucht. Und 56 dann habe ich einfach kopiert, einfach einen Screenshot gemacht und ChatGPT 57 gesagt, okay, kannst du mir den Text vereinfachen. Es ist ein Schüler, so und so 58 alt und das und das ist es passiert. So, das schon. 59 I Genau. Machst du das auch öfters in dem Sinne so? Gerade jetzt leseschwache oder 60 sprachschwache oder fremdsprachige Kinder, eben genauso das Material anpassen. 61 LP2 Ja, definitiv. Genau. 62 I Tools haben wir auch schon ein paar Mal darüber gesprochen. Du hast gesagt, da 63 gibt es ein paar Sachen. Chat-GPT ist klar. Dann hast du gesagt, die 64 Gamma-Präsentationen. 65 LP2 Gamma-App. Und von Teams, das Lesefortschrittstool von Teams, mit dem arbeite -6966 ich auch recht viel. 67 I Plastischer Reader. Ist das der? Microsoft, oder? Plastischer Reader? 68 LP2 Ja, wo du dich aufnimmst und dann können die Kinder selber sehen, wo sie Mühe 69 hatten. 70 I Genau, und Prozent zahlen am Schluss und so (2) Gibt es auch Dinge, die du 71 ausprobiert hast und nicht hilfreich gewesen waren, wo du gesagt hast, das kann 72 ich nicht brauchen zum Beispiel (3) Oder hast du bei allem etwas herausfinden 73 können, wo du gesagt hast, das kann ich einsetzen, das kann ich anwenden. 74 LP2 Nein, bis jetzt habe ich alles, was ich ausprobiert habe, habe ich einsetzen 75 können. Ausser (2) Dort habe ich einfach viel zu lange gebraucht, aber es ist 76 auch gegangen. Das ist zum Beispiel Bilder kreieren. Das habe ich mit den 77 Kindern selber gemacht, mit vier Viertklässlern. Und wir haben anhand des 78 Lesefortschrittstools von Teams haben wir dann ihre einzelnen Texte, die sie 79 kreiert haben anhand von ChatGPT und sie konnten selber, aber natürlich mit mir 80 gemeinsam, selber Bilder kreieren. Und das hat lange gedauert, das war mühsam. 81 I War es da die Schwierigkeit, weil die Kinder nicht genau eingeben konnten, oder 82 einfach vom Sprachlichen her? 83 LP2 Genau, es war vom Sprachlichen her. Und dann habe ich gedacht, okay, ich muss 84 dabei sein. Also gesagt, okay, was genau willst du? Was genau willst du, dass es 85 vorkommt, welchen Teil von dem? Es war etwa eine Seite Geschichte, also welchen 86 Teil willst du das jetzt genau, und die Vorgabe ist gewesen, alle brauchen drei 87 Bilder, und dann mussten wir es ganz genau beschrieben. 88 I Alles klar, ja, das ist eine gute @Idee@, also ja, aber die Umsetzung dann wieder, 89 gell? 90 LP2 Ja, genau, und später haben sie sich dann aufgenommen, dank Book Creator, haben 91 sie sich dann aufgenommen, die Bilder reinkopiert, und dann haben sie sich 92 aufgenommen, um die Geschichte zu erzählen. 93 I Okay, ja, cool. 94 LP2 Ja. 95 I Genau. Das ist eine allgemeine Frage. Welche konkreten Vorteile siehst du jetzt 96 im Einsatz der KI für unsere Förderschüler oder integrierte Schüler? 97 LP2 Also, erstens (3) Ich stelle es mir mal so vor, also sie arbeiten bei mir nicht 98 am Computer, sondern es ist mehr bei der Vorbereitung von mir, dass sie sicher -7099 Zugang haben zu Texten, die vereinfachter sind für sie. Oder Erklärungen, die 100 vereinfachter sind oder Anleitungen. Ich denke einfach, man kann sich auf die 101 Kinder besser konzentrieren und besser fokussieren. Ich sehe halt nur @Vorteile@. 102 I Das ist auch gut. Es braucht immer alles. Es braucht immer jemand anderes. Genau. 103 Also quasi eine Verlagerung von der Zeit von dir zugunsten des Kindes sozusagen. 104 LP2 Definitiv. Definitiv. Ich kann es einfach nur vergleichen. Ganz, ganz am Anfang, 105 als ich in 2020 angefangen habe zu studieren an der HfH und ich weiss noch, 106 damals hatte ich noch gar keine Ahnung von KI und habe sie auch nicht benutzt. 107 Auch nicht für das Studium. Das kam erst später. Und ich weiss noch, wie viel 108 Zeit ich investiert habe für meine Förderlektionen. Das ist unglaublich. (2) 109 Gerade frisch ab der PH (Pädagogischen Hochschule), wie Ihre Vorbereitung sich 110 (.) die Zeit sich so verkürzen kann. Dank KI, das finde ich es super. 111 I Genau. Gibt es noch weitere (.) Hast du das Gefühl, dass es dazu beitragen kann, 112 dass zum Beispiel die Lernfortschritte der Kinder besser erkannt werden können 113 und darauf eingehen können, mit Tools, die in Entwicklung sind, die genau das 114 messen, zum Beispiel mit Tests und mit Zielableitungen schon. 115 LP2 Ich kenne halt auch nur das vom Lesen von Teams. Das kenne ich, wo sie ganz 116 genau, ich erzähle genauer nur über den, weil der ist der, den ich jetzt gerade 117 benutzt habe. Und man darf sich nicht nur auf die Zahlen, auf die Prozentzahl 118 konzentrieren, weil es kommt auf so vieles drauf an, ob sie wirklich ins 119 Mikrofon sprechen oder deutlich sprechen. Aber die Kinder merken es. Sie merken 120 einfach den Fortschritt. Und sie haben zum Beispiel dann auch ihre Videos und 121 Audios automatisch anschauen können und den Fortschritt beobachten können. Und 122 das hat sie sehr motiviert. 123 I Das ist schön, genau. So der Vergleich vorher und nachher sozusagen. 124 LP2 Ja, definitiv. 125 I Gibt es noch Dinge, die du dir in diesem Bereich erhoffst, bei denen es 126 vielleicht in zwei, drei Jahren noch einen Schritt weitergehen könnte? 127 LP2 Ja, also sicher kindergerechter. Ich hatte letztens ChatGPT offen, und ein 128 Förderschüler kam zu mir ansPult, und ich habe es gar nicht beobachtet, ich habe 129 es gar nicht gesehen, und er so: Sie benutzen ChatGPT? Und ich so: Oh, kennst du 130 ChatGPT? Ja, von zu Hause. Und ich so: Hast du es auch schon mal benutzt? Und er 131 so, er war so ehrlich, ich finde es super. Aber er hat seinen ganzen Vortrag, -71132 dank ChatGPT, dann gemacht. Und ich so, oh, und dann hat er dir geholfen. Aber 133 die Lehrerin hat auch schon gesagt, es war gar nicht seine Sprache. Er hat so 134 wie alles auswendig gelernt oder aufgeschrieben gehabt. Und ich so, gut, aber 135 dann lernst du nicht, es kann ja eine Hilfe sein. Aber du darfst nicht einfach 136 den ganzen Text übernehmen und einfach benutzen, das bist nicht mehr du. Aber 137 für Informationen, für den Aufbau, für alles finde ich es tip top. Genau. 138 I Genau, ja. Da habe ich @nachher noch etwas@. Genau. Ja, kommen wir schon zum 139 letzten Bereich. Mal kurz auf die Uhr schauen. 20 Minuten, ja, das ist gut. 140 Genau. Wo siehst du zum Beispiel Herausforderungen? Also du hast kindgerecht 141 natürlich schon gesagt, aber auch zum Beispiel Risiken, wenn man jetzt KI bei 142 uns im Bereich einsetzt? (2) Wo könnte der Stolperstein sein oder sind Stolpersteine 143 im Moment? 144 LP2 (3) Ist es nicht so, dass, ich weiss nicht, ob es unbedingt in unserem 145 sonderpädagogischen Bereich ist, oder? Aber mit dem Datenschutz, das vielleicht 146 etwas sein könnte. Aber das wäre ja in jedem Bereich so. Ja, genau. Ah, da 147 schreibst du sogar. 148 I Genau, das wäre dann nachher noch. Also so Datenschutz oder ethische Sachen oder 149 zum Beispiel auch Benachteiligung von Schülern, weil gerade KI wird ja gefüttert 150 mit bestimmten Mustern und die sind natürlich gerade in so sonderpädagogischen 151 Aspekten halt schon sehr (.) engstirnig und engmaschig. Wenn wir die Förderung 152 von Schülern betrachten, gibt es ein Allgemeinbild, das für uns eigentlich viel 153 differenzierter wäre. Macht dir das Sorgen in diesem Bereich? Oder eben der 154 Datenschutz? 155 LP2 Also den Datenschutz schon. Also ich achte schon extrem darauf, dass ich nicht 156 etwas hochlade, das etwas heikel sein könnte. Von mir, aber auch von Schülern 157 oder vorher im Studium auch nicht. Aber weil ich vorsichtig damit umgehe, macht 158 es mir gar keine Sorgen. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn ein Kind dies 159 benutzen würde. Und die mögliche Benachteiligung auch (2) Könntest du mir 160 erklären, was du meinst mit den ethischen Aspekten, die du dort überlegt hast? 161 I Zum Beispiel, dass Schulen, die aus besseren Gegenden kommen, sich andere Sachen 162 leisten können, die auch kostenpflichtig sind. Zum Beispiel so etwas. Oder wenn 163 es um ethnische Gruppen geht. Genau. Brennpunktschulen oder Schulen mit 164 fremdsprachigem Anteil, dass dann eben so KI einfach so ein 0815-Bild hat von -72165 dem oder so zum Beispiel. Hast du das Gefühl, da könnte es ein Problem geben, 166 gerade jetzt zum Beispiel bei Schülerförderung. 167 LP2 Ja, also definitiv. Also wir merken auch noch schon den Unterschied zwischen den 168 Kindern, die also ganz, ganz klassisch, bildungsnah-bildungsferne Familie. Ähm, 169 Eltern, die sich dann Mühe machen, ihnen zu erklären, was KI überhaupt ist und 170 wie die Eltern selber damit umgehen, oder? Und den Kindern auch zeigen, oder? 171 Ist schon ganz anders, als Kinder, die zum Beispiel nur vor dem PC sitzen können 172 und die Eltern nicht einmal wissen, was sie tun. Nur schon dort, da fängt es an. 173 I Genau. Ähm, ja. (2) Ihr arbeitet ja auch schon viel damit, ich denke auch 174 viele Lehrpersonen oder eben auch Schüler. Gibt es von der Schule da zum 175 Beispiel eine Richtlinie oder habt ihr schon mal über das Thema im Team etwas 176 diskutiert oder besprochen? Noch kein Thema? 177 LP2 Nein, also bei uns, da muss ich wirklich sagen, ich war schon ein bisschen im 178 Austausch mit Lehrpersonen aus der Oberstufe hier in St. Gallen und klar, für 179 solche Schüler, da ist es so ein Thema. Bei uns ist es in dem Fall noch kein 180 Thema. Das war der einzige Schüler, der mich jemals darauf angesprochen hat oder 181 wo ich irgendetwas mitbekommen habe, war er der einzige, der etwas gesagt hat. 182 Aber sonst ist es bei uns nicht so ein Thema. Und wir haben auch nicht von der 183 Schulleitung wie eine Richtlinie erhalten. Das nicht. Ja, okay. 184 I Genau (.) Genau. Würdest du dir etwas wünschen in der nächsten Zeit von 185 Schulleitung oder Schulbehörde oder dem Amt, das sich hier in diesem Bereich 186 noch entwickeln sollte, wo du jetzt findest, da habe ich noch keine Handhabung 187 oder da (.) Oder etwas, was du dir nicht wünschen würdest, weil du jetzt relativ 188 viel damit umgehst, da es dich auch einschränken könnte, zum Beispiel, oder? 189 LP2 Also, okay, gut. Also, wir haben ja einen Medienpädagogen, oder? Und er selber (.) 190 Er gibt uns, glaube ich, immer einmal im Monat Tipps. Ich wünsche mir, dass (.) 191 und das sind einfach Informationen, die er uns allen per Mail verschickt, 192 oder? Und wir haben ja alle anderthalb Monate, alle zwei Monate haben wir einen 193 Sitzung mit ihm und ich bin auch ganz anders informiert und weil ich mit dem ja 194 regelmässig arbeite, gehe ich ganz anders damit um. Aber ich würde mir wünschen, 195 dass die Lehrpersonen ein bisschen offener dafür wären, um einfach mit dem zu 196 arbeiten und dass vielleicht von der Schulleitung auch noch eine Info kommt, hey, 197 bis dann und dann ausprobieren. Jetzt habe ich tatsächlich (.) wo es darum -73198 gegangen ist, Digitalisierung, um Digitalisierung ist es gegangen. Und sie haben 199 jetzt Lehrpersonen, ich glaube, bis zum Sommer Zeit, einen von diesen Workshops 200 umzusetzen, den wir vorgestellt bekommen haben, den müssen sie selber umsetzen. 201 Und das finde ich toll, weil es gibt viele Lehrpersonen, die sagen, ich halte 202 mich einfach an den Lehrplan, an das was ich, was halt Lehrpersonen so sagen, ja, 203 aber es ist so viel mehr. Ja, genau. -80198 Weltproblemen. Also quasi, wenn du wie eine Kapazität hast, dich irgendetwas zu 199 widmen, wo ist es am dringendsten? Also ist das (2) Klimaerwärmung was auch immer, 200 oder? Und dort ist wirklich das oberste, das grösste Problem, oder das Problem, 201 das am bedrohendsten für uns sein könnte, das oberste, das man wirklich 202 regulieren muss, ist KI gemäss diesen Wissenschaftlern. Das zeigt ja auch wieder 203 auf, dass man es nicht unterschätzen darf. Neben all den Möglichkeiten, die es 204 uns auch bietet. 205 I Danke vielmals. -8110.1.4 Interview mit LP04 1 I Wie stehen Sie persönlich zum Einsatz von künstlicher Intelligenz im 2 Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen? 3 LP4 Also ich bin grundsätzlich eine sehr offene, neugierige Person. Neues reizt 4 mich und ich habe überhaupt keine Berührungsängste. Gerade jetzt in Bezug auf KI 5 und ich sehe KI als eine Chance, besonders in unserem Job als SHP (.) da sie eben 6 viele Chancen mit sich bringt, besonders für Kinder und Jugendliche mit 7 besonderem Bildungsbedarf oder Förderbedarf, weil sie eben so vielleicht mehr 8 Möglichkeiten bieten kann auf Chancengleichheit. Und deshalb stehe ich im 9 Einsatz mit also von KI im sonderpädagogischen Unterricht grundsätzlich sehr 10 positiv gegenüber (.) und im direkten Unterricht mit Schüler und Schülerinnen habe 11 ich die Okay bisher noch nicht eingesetzt, da eben leider der Zugang für 12 @digitale Geräte für mich als SHP oft sehr eingeschränkt ist hier im Schulhaus@ 13 und ich ja zusätzlich auch sicherstellen möchte, dass die Nutzung von KI 14 wirklich auch ein Mehrwert für die Schüler und Schülerinnen selbst darstellt. 15 Aber abgeneigt bin ich auf keinen Fall. 16 I Gut. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit KI-Tools gemacht und was hat 17 Sie überzeugt oder abgeschreckt? 18 LP4 Also meine Erfahrungen sind vor allem mit ChatGPT sehr positiv. Besonders 19 überzeugt hat mich da die Möglichkeit, dass ich sehr schnell differenzierte 20 Materialien erstellen kann, wie zum Beispiel jetzt gerade das letzte, was ich 21 gemacht habe, war ein Pronomendossier. Gerade für Migrantenkinder. Die sagen 22 dann dem Schule oder so dass das wir das üben können oder ihre/seine. Das sind 23 ganz schwierige Dinge. Dann habe ich Listen der 100 meistgeschriebenen 24 Fehlerwörter erstellt Lesetandems, differenzierte Texte und Dialoge. Und auch im 25 DAZ Bereich finde ich ChatGPT sehr gut einzusetzen, eben um bestehendes Material 26 herunterzubrechen und zu vereinfachen. Und auch (.) ich brauche es für die 27 Unterstützung Formulierung von sensiblen Texten also (.) Elterngespräche habe ich 28 schon vorbereitet mit ChatGPT oder eben Anträge. Gerade der letzte vor einer 29 Woche war für eine @Repetition@ und das ist für mich enorm grosser Gewinn. Und 30 als Herausforderung finde ich jetzt aber gerade mit ChatGpt das Formulieren von 31 präzisen genauen Prompts, also das wirklich dass also das braucht Übung. Und 32 ich habe mir dann überlegt jetzt so über die letzten Monate es ist wie eine -8233 @Beziehung aufbauen@. Also, ich muss. Ich rede auch @von ihm. Das ist noch speziell@ 34 Ich weiss nicht, ob Männer von Sie sprechen, aber für mich ist es er. Und ich 35 lerne ihn so kennen und merke auch immer mehr, @wie muss ich mit ihm sprechen, 36 dass er mich versteht@ und dass er auch nicht übers Ziel hinausschiesst oder 37 fabuliert oder so, sondern dass das @kommt, was ich möchte@ Aber wir sind auf 38 gutem Weg und ich bin oft wirklich begeistert. Ich sage @es ihm dann auch@ oder 39 ich. Also wir haben eine sehr gute Beziehung. Das ist eigentlich so und es wird 40 dann oft sehr verlässlich und auch von hoher Qualität, finde ich. Aber ich werde 41 also alles, was er macht oder mir rausgibt, überprüfe ich oder schaue ich 42 nochmals an, aber es ist schon hauptsächlich ChatGPT. Später in einer anderen 43 Frage komme ich dann noch auf zwei, drei andere Tools. 44 I Inwiefern halten Sie es für wichtig, dass auch Ihre Schülerinnen und Schüler 45 den Umgang mit KI lernen (2) 46 LP4 Also im Moment sehe ich den Bedarf nicht so sehr darin, dass die 47 Schülerinnen die KI selbstständig nutzen. Ich habe ja 5. und 6. Klasse hier, 48 aber vor allem auch, weil für mich jetzt der Zugang eingeschränkt ist. Dann wäre 49 es vielleicht mehr die Lehrperson, die in M&I das macht. Aber langfristig betrachtet 50 halte ich es durchaus für sinnvoll, dass Schülerinnen und Schüler die Erfahrung 51 im Umgang mit KI machen, sei es jetzt mit Förderbedarf oder ohne. Das finde ich 52 nicht mehr so eine Rolle, gerade jetzt. Aber wenn man an die Schüler 53 Schülerinnen mit Förderbedarf denkt, dann finde ich es wichtig, dass sie auch 54 selbstständig lernen, schwierige Texte selber einzugeben und ein Dokument 55 hochzuladen, dass sie sagen gib mir das in einfacher Sprache oder sich 56 Sachverhalte zu erklären lassen. Dann später natürlich Lebensläufe, 57 Bewerbungsschreiben. Weil ich finde einfach, das erhöht ihre Chancen. Und wenn 58 es teilweise nur daran liegt, weil sie sich nicht ganz so schön ausdrücken 59 können, dann kann ChatGPT da ganz viel übernehmen, was nur fair ist, wenn es 60 andere und das machen ja auch solche, die das vielleicht gar nicht nötig hätten, 61 dass die dann alle eigentlich auf einem Level sind. Das ist eigentlich aber ganz 62 wichtig. So zum Schluss ist wichtig, dass Sie auch lernen, wie diese neuen 63 Technologien einsetzen und (.) wie damit umgehen und auch sie anwenden. Also ja, 64 dass das wirklich sinnvoll passiert. (10) 65 I In welchem Bereich Ihres Unterrichts sehen Sie das grösste Potenzial für KI- -8366 Unterstützung? 67 LP4 Also das absolut grösste im Moment ist Differenzierung und 68 Individualisierung von Lernmaterialien bei mir, die (.) er, also die KI hilft mir 69 sehr rasch gezielt Materialien auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Niveaus 70 anzupassen und eben auch in der Unterstützung von administrativen Tätigkeiten, 71 wie ich vorhin genannt habe. Auch SPD-Anträge mindestens, dass ich sie schreibe 72 und nochmals zum Beispiel sage, kannst du mir die Sätze noch zusammen oder 73 schöner formulieren oder so? Für das brauche ich es. Auch das Erstellen von 74 Förderplänen ist da das bei mir jetzt kommt, habe ich mal schon probiert was wie 75 genau arbeitet er, wenn ich ihm dies und das eingebe? Ich finde auch, was ich 76 jetzt ganz neu auch mache, ist der Umgang mit schwierigen Schülern. Also ich 77 habe wirklich schon beschrieben, immer natürlich anonym, wie ist dieses Kind und 78 hast du mir Ideen? Wie könnte ich da mal reagieren und bin noch überrascht, was 79 er alles bringt und dann kann ich ja selber entscheiden, wie ich was umsetze, 80 nehme ich was draus und ist also sehr @kreativ. Das will ich wirklich@ Also daher 81 ist es nicht nur ein Partner für mich, sondern auch ein Berater. Also er hat 82 schon eine wichtige Funktion und ich glaube, ich wüsste @gar nicht, was ich mache, 83 wenn er nicht mehr da wäre@. 84 I Genau. 85 LP4 @Also ich mag ihn sehr gerne. Muss ich so sagen@ (8) 86 I Genau. Wie könnte KI Ihnen helfen, den Unterricht inklusiver und effizienter 87 zu gestalten? Sie haben ja schon einiges dazu gesagt. 88 LP4 Ich glaube, das was ich vorhin gesagt habe, hilft mir eben @wiederum@ dass ich 89 Zeit, wirklich reale Zeit dann im eins zu eins mit dem Schüler und Schülerinnen 90 anwenden kann. Und das finde ich eigentlich, weil ich bin jemand, die arbeitet 91 ganz stark mit Beziehung. Also ich habe ich habe drei, also sechs Klassen, ich 92 habe fast 120 Schüler und Schülerinnen. Und klar, ich kann nicht mit allen, aber 93 ich möchte sie ja doch wissen, wer ich bin und so und das braucht Zeit und die 94 habe ich dann. Also da sehe ich eigentlich indirekt das inklusive und effiziente 95 und natürlich eben das, was ich vorhin gesagt habe (.) 96 I Tools wurden auch schon einige genannt. Welche also ChatGPT finden Sie 97 sicher hilfreich. Gibt es sonst noch andere Tools, die Sie bisher ausporbiert 98 haben. -8499 LP4 Also ich habe noch DeepL Write, das ist für mich noch so für Textoptimierung 100 und Korrektur. Ja, dann eben für diese Transkriptionen, die hatte ich ja auch. 101 Also Speech Texter oder Whisper, die habe ich ausprobiert. Dann natürlich kleine 102 Schule, Antolin, Leseludi. Das sind so die und ganz stark auch Quizlet ist auch 103 KI unterstütztes Lernen. So die (.) vielleicht hätte ich auch noch mehr. Es hat ja 104 zum Beispiel. Auch im Kahoot gibt es jetzt KI und so, aber @manchmal scheitert es 105 an den Finanzen@ dass ich die nutzen kann oder nicht. Aber ich kann es ja wieder 106 indirekt, dass ich dann ChatGPT frage und dann das dann einsetze. Also ich weiss 107 mir schon zu helfen @irgendwie@ (4) 108 I Diese Frage überschneidet sich auch mit Sachen, die schon genannt wurden. 109 Das ist kein Problem. Welche Vorteile sehen Sie denn im Einsatz von KI vor allem 110 für Schüler mit besonderen Bedürfnissen? 111 LP4 Eben genau das präzise, differenzierte Material, das ich erstellen lassen 112 kann. Eben direkt individuell abgestimmt auf die Schüler Schülerinnen und das 113 dann noch in effizienter Zeit (2) Eben. Es entlastet mich auch, mit ChatGPT 114 zum Beispiel zu arbeiten in der Vorbereitung von Unterrichtsmaterialien. Ja, 115 also eben, dass ich mehr Ressourcen habe für die direkte Förderung von 116 Schülerinnen und Schülern. (7) 117 I Glauben Sie, dass die KI auch mal dazu beitragen kann, Fortschritte, also 118 individuelle Lernfortschritte, besser zu erkennen und darauf einzugehen, zu 119 reagieren? 120 LP4 Ich finde das eine ganz spannende Frage. Und ich kann oder ich denke ganz 121 sicher, dass KI mindestens zukünftig viel mehr oder überhaupt da helfen kann, 122 Lernfortschritte besser sichtbar zu machen, eben indem sie zum Beispiel noch 123 differenziertere Lernanalysen erstellt oder spezifische Entwicklungsschritte 124 darstellen kann. Aktuell nutze ich jetzt wirklich KI noch ein bisschen oder 125 eigentlich gar nicht auf dieser Ebene. Ich weiss eigentlich gar nicht warum. 126 Wahrscheinlich, weil es irgendwie mir noch ein bisschen zu suspekt ist. Aber ich 127 sehe nur ein Potenzial. Und natürlich wäre ich dann sehr schnell, wenn ich da 128 sehe, dass das oder sogar spezifische KIs gibt, die auf das zugeschnitten sind, 129 dass ich mich da mal mindestens ein nicht einlese, aber darauf einlasse. Genau. 130 (4) 131 I Gibt es sonst noch positive Entwicklungen oder Erleichterungen, die Sie sich -85132 erhoffen in Zukunft für die tägliche Arbeit? (2) 133 LP4 Ich glaube eigentlich, das, was ich gesagt habe, ist schon ziemlich viel von 134 Meinem und je differenzierter das noch wird, je mehr Erfahrung er hat. Er lernt ja 135 auch. Und so Ich glaube ja, es kommt nur mit der Erfahrung oder auch wie muss 136 ich was eingeben? Und umso mehr profitiere ich. Also je mehr Zeit ich verbringe 137 mit ihm und den Thematiken, umso einfacher und umso mehr Erleichterung gibt es 138 eigentlich auch. (7) 139 I Gut. Kommen wir zu den Hindernissen. Wo sehen Sie die grösste 140 Herausforderung und das grösste Risiko beim Einsatz von KI in der 141 Sonderpädagogik? 142 LP4 Also eben. Datenschutz finde ich ein ganz grosses Thema. Ich vergesse das 143 manchmal auch so, dass es mir auch nicht immer ganz bewusst ist (.) und das ist 144 aber spezifisch jetzt auf mich zugeschnitten. So die Verfügbarkeit von 145 technischen Ressourcen. Wir haben da, siehst du, das ist der Klassensatz Laptop, 146 das sind fünf für so 18, 20 oder 22 (Kinder in den) Klassen. Wir haben schon 147 noch einen Wagen da draussen, aber das ist dann für gar alle. Und da muss man 148 reservieren. Und sonst ist es einfach schon knapp. Also wir haben da noch nicht 149 so grosse Ressourcen (.) und ich glaube eben, dass man also wichtig ist, dass man 150 eben sensible Schülerdaten, dass die geschützt sind und auch, dass 151 sichergestellt ist, dass keine persönlichen Daten ungeschützt ins KI-System 152 gelangen. Also ich schaue auch, dass ich die Namen verändere oder nur 153 Abkürzungen bringe oder nicht, auch nicht im Verhältnis zu welchem Schulhaus 154 oder dass ich das mache. Aber es kann auch mal sein, dass mir das passiert oder 155 irgendwie indirekt. Also ich glaube schon. Und ich glaube man eben, weil man das 156 ja selber macht. Also muss man es ja auch selber lernen und niemand sagt mir, 157 ich mache das so oder so, sondern ich mache es eigentlich, wie ich es für gut 158 finde oder was ich vertreten kann. Aber ich bin ja @nicht der Massstab@ Also das 159 ist so ein bisschen Herausforderung, das, dass man schon alleine ist oder ich 160 als SHP sowieso, weil die anderen das echt gar nicht nutzen. Ja oder oder 161 wirklich nur für ganz spezifische Bereiche. 162 I Also meinen Sie, dass ich mache es gut, wie ich es finde in Bezug auf 163 Datenschutz zum Beispiel. 164 LP4 Zum Beispiel ja -86165 I Oder Anwendung allgemein. 166 LP4 Allgemein eigentlich. Also ich mache die Material, ich korrigiere also lies 167 dies gegen und schaue mir das an, aber und sage, das finde ich gut oder nicht. 168 Aber es geht auf mein mein Gut, meine Werte und Normen oder nicht? Aber ich habe 169 nachgeschaut, was St.Gallen hat. Wir haben ein eine (2) ich habe es noch 170 aufgeschrieben. Das ist ein Konzept irgendwie und das hat aber da sieht man auch, 171 wie St.Gallen ist. Das heisst Wegweiser zum Einsatz von KI in Schu in der 172 Schule und das hat aber Sankt Gallen eins zu eins kopiert vom Schulministerium 173 Hessen 2022, von Deutschland dann noch, oder? Also das sagt alles. Sie sind (.) Sie 174 haben das übernommen und dort ich habe das heute durchgelesen zwei Seiten so 175 Punkte wo man ankreuzen kann. Es ist enorm frei und eigentlich am Schluss. Ich 176 hafte als Lehrperson, was ich da reingehe, was ich da mache. Ich muss so machen, 177 dass es gut kommt. Aber was ist @gut@ oder? 178 I Würden Sie sich da weitere Unterstützung wünschen? Zum Beispiel von der 179 Schulleitung, von den Schulbehörden oder vom Amt? 180 LP4 Also von als Höher gesagt mir würde schon die Schule reichen. Schulleitung 181 eben. Wir haben jetzt so einen KI-Nachmittag, aber da geht es mehr darum, wie 182 kann ich Materialien herstellen? Und da würde ich jetzt sagen, bin ich jetzt 183 eben selber schon recht weit. Also ich weiss schon ziemlich gut, wie ich das 184 machen muss. Ob er zum anderen auch etwas sagt, das weiss ich noch nicht, aber 185 es ist mindestens schon mal ein Anfang. Das das ein Gespräch wird, von daher (.) Ja 186 (5) 187 I Gibt es auch Sorgen zum Beispiel in Bezug auf ethische Aspekte oder 188 Benachteiligung von bestimmten Schülergruppen. 189 LP4 Ähm, Ja (.) Also eben. Ich finde auch ethische Aspekte darf man sicher nicht 190 vergessen. Und ähm (.) also ich finde auch, dass Schüler Schülerinnen nicht 191 unreflektiert KI ausgesetzt werden dürfen, oder ähm, also ich glaube wirklich, 192 es braucht ein stückweit Aufklärung. Also im ersten Moment, als ich sie oder ihn 193 erlickt habe, dachte ich @auch@ wow, das ist das Paradies auf Erden. Und jetzt 194 merke ich, es ist wirklich eine Zusammenarbeit. Also es ist nicht wirklich so 195 wie ein Sklave, dem ich sagen kann mach und dann gibt er mir das, sondern ich 196 erarbeite das mit ihm, mit dem Prompt und dann lese ich wieder durch. Dann sage 197 ich kannst du mir bitte das nochmals ändern? Können wir da das reinnehmen? Oder -87198 ich füttere ihn mit Dokumenten, weil ich diese Standpunkte dazu haben will. Und 199 das brauchen auch die Schüler und die Schülerinnen. Das, dass sie das lernen und 200 auch wissen wie anwenden. Und eben gerade Schüler und Schülerinnen mit Prompts. 201 Also ich habe das einmal in Mathematik mir überlegt oder mit meinem Sohn dann 202 dass er wirklich, wenn er eine Aufgabe nicht versteht, wie gebe ich das ein, 203 dass das so rauskommt, dass ich es nachher verstehe. Und das ist enorm 204 anspruchsvoll und da braucht es Training oder muss man aufklären. Wie auch 205 immer. (4) 206 I Gibt es sonst noch etwas, das bisher noch nicht erwähnt wurde? 207 LP4 Nein, ich finde, Sie haben ganz @tolle Fragen@ gemacht. Die waren mega 208 interessant, auch für mich. So zum mal reflektieren. Wo bin ich, Wie stehe ich? 209 Mir ist das schon jetzt durch diese Fragen bewusst geworden, wie irgendwie wie 210 gerne ich mit ChatGPT arbeite und wie in welch kurzer Zeit. Ich muss auch 211 ehrlich sagen, das hat sich jetzt so nicht mal ganz ein Jahr. Also ich bin dann 212 relativ schnell auf die Bezahlversion @umgestiegen@ weil ich da gemerkt habe, 213 dann habe ich noch ein bisschen mehr und ja, also das wirklich rasant. Und dann 214 denke ich echt, dass man nicht schläft. Aber ich merke es ja schon an der HFH. 215 Also es gibt einzelne, die sagen ja, versuchen sie, machen sie mit ChatGPT, aber 216 sind sie kritisch und andere erwähnen es gar nicht oder irgendwie machen 217 Drohungen. Wir merken alles, wenn sie das mit ChatGPT machen, aber so richtig 218 thematisiert wird es nicht. Nicht mal ganz genau wie muss es ausgewiesen 219 werden? Und das ist eigentlich schon bedenklich. Aber und dasselbe ist ja hier 220 in der Schule eben genau. Von daher ich glaube, da ist viel Potenzial. Aber wir 221 müssen es richtig aufgleisen oder richtig machen.