Unternehmensfinanzierung in Holland
Abstract
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Full text
Scheffer, Cornelis F. Article Unternehmensfinanzierung in Holland Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Scheffer, Cornelis F. (1970) : Unternehmensfinanzierung in Holland, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 3, Iss. 3, pp. 318-333, https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292650 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Berichte Unternehmensfinanzierung in Holland Es ist nicht die Absicht dieses Beitrags, jede mögliche Finanzierungsart zu erörtern. Vielmehr soll untersucht werden, was unter den niederländischen Bedingungen in Zukunft von den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten erwartet werden kann. Dabei stehen die sogenannten internen Finanzierungsmittel am Anfang, deren Quelle der cash-flow ist. Er erscheint als die einfachste Art, um über Finanzierungsmittel zu verfügen. Was „intern", d. h. im Unternehmen, vorhanden ist, braucht nicht mehr durch oft langwierige Verhandlungen von draußen herangeschafft zu werden. Man täusche sich jedoch nicht: Ohne Ertrag, ohne Absatz, ohne Verkauf, ohne zumindest kostendedcende Produktion gibt es auch keinen cash flow. Die Sicherheit des Absatzes mit guten Gewinnspannen ist eine erste Voraussetzung, um über sogenannte interne Mittel verfügen zu können. Für viele Unternehmen bilden sie fast die einzige Finanzierungsquelle, die zur Verfügung steht. Es ist daher selbstverständlich, daß immer auf einen ausreichenden Absatz geachtet werden muß; und zwar nicht nur aus absatzpolitischen, sondern auch aus Finanzierungsüberlegungen. Aus den gleichen Gründen ist auf eine ausreichende Rentabilität zu achten. Die über den Gewinn verdienten Abschreibungen sind, sofern sie nicht für die Tilgung von Krediten benötigt werden, eine besonders naheliegende Quelle für die Finanzierung des betrieblichen Wachstums. Die aus Abschreibungen finanzierte Vergrößerung des Anlagenbestandes führt ihrerseits wieder zu erhöhten Abschreibungen, und so scheint es, als ob sich das weitere Wachstum selbst finanziert, bis zwischen freiwerdenden Abschreibungen und Investitionen ein Periodengleichgewicht zustande kommt. Das ist eine Situation, die deshalb so erstrebenswert erscheint, weil sie die Sorge, die Abschreibungsbeträge auf dem Ersatzniveau zu halten, merklich vermindert. Dies wird noch um so angenehmer empfunden, weil sich die wirtschaftliche Lebensdauer vieler Produktionsmittel verringert. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
Berichte 319 Nicht jedes Unternehmen kann aber diesen Gleichgewichtspunkt erreichen, weil oft die Zusammensetzung des Produktionsapparates nicht differenziert genug ist. Darum muß auf Finanzierungsschwierigkeiten als Motiv für die Fusion von Unternehmen hingewiesen werden. Was das Einzelunternehmen an Diversifikation als Finanzierungsgrundlage nicht erreichen kann, ist bei einem Zusammenschluß eher möglich. Gerade dieser Finanzierungsaspekt einer Fusion wird jedoch allzu sehr vernachlässigt. Die Finanzierung aus der Gewinnquote des cash flow ist nicht weniger wichtig. Es ist jedoch zu bedenken, daß die Einbehaltung des Gewinnanteils als Finanzierungsmittel mit der Gewinnausschüttung konkurriert und deshalb als alternative Verwendung des Gewinnes angesehen werden muß. Damit sind dann einige Aspekte verbunden, an denen man nicht vorbeigehen darf. 1. Es muß der Überlegung Rechnung getragen werden, daß man die bisherigen Eigentümer des risikotragenden Vermögens auch in Zukunft wohl nötig haben dürfte. Darum sollte man für eine angemessene Rendite sorgen; nicht im Hinblick auf ein nichtssagendes nominales Beteiligungskapital, sondern im Hinblick auf das gesamte, von den Teilhabern zur Verfügung gestellte reale Vermögen. Angemessen ist eine Rendite des realen Eigenkapitals, wenn sie mindestens dem allgemein geltenden Zins gleich ist, plus einem Zuschlag, der von den Risiken des Unternehmens abhängt. Diese Mindestverzinsung wird wahrscheinlich kaum unter 10 °/o liegen. 2. In wachsendem Maße gewinnen andere als die bisherigen Teilhaber Interesse, in Zukunft am Gewinn der Unternehmen zu partizipieren. Dadurch kann sogar oft die genannte Forderung nach angemessener Verzinsung konterkariert, das Heranziehen von neuem risikotragendem Kapital ernsthaft behindert und obendrein auch die eigentliche interne Finanzierung gestört werden. Wenn man diese These durch die Feststellung entkräften will, daß die neuen Teilhaber bereit sind, dem Unternehmen unter mehr oder minder günstigen Bedingungen Finanzierungsmittel zur Verfügung zu stellen, dann muß auf die ernsthaften Komplikationen hingewiesen werden, die dies bei der Finanzierung heraufbeschwören kann. Denn das Heranziehen langfristigen oder risikotragenden Kapitals aufgrund eines Automatismus, der auf Vertrag beruht, ist keine vernünftige Finanzierungsbasis. Die Wahl der Finanzierungsform, die damit verbundenen Kosten und deren Liquiditätswirkung sind auf diese Weise vorgeschrieben, wohingegen die jeweils optimale Finanzierung aufgrund freier Entscheidung zustande kommen sollte. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
320 Berichte Nach Berichten über das Wachstum und die Struktur unserer Wirtschaft hat während der vergangenen Jahre die Selbstfinanzierung der Betriebe relativ abgenommen. Es ist nicht undenkbar, daß sich in Zukunft die Möglichkeiten der Selbstfinanzierung wegen sinkender Gewinnspannen und wegen der Beteiligung anderer Kapitaleigner am Gewinn noch weiter verschlechtern werden, während gerade die Investitionen in Verbindung mit kapitalintensiven Produktionstechniken, die Unternehmen finanziell weniger flexibel machen wird. Sie werden mühsamer zu manövrieren sein, wodurch eher ein zunehmendes Bedürfnis nach risikotragendem Kapital entstehen wird. Bei mittelgroßen und kleinen Unternehmen bieten jedoch die einbehaltenen Gewinne in vielen Fällen die einzige Lösung. Die Aussichten für die Finanzierung aus dem Gewinn sind zukünftig vor allem für die zuletzt bezeichneten Unternehmen düster. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, vor allem das Klima für und die Möglichkeit zur Einbringung risikotragenden Kapitals von außen her zu verbessern. Dies ist um so schwieriger, wenn man bedenkt, daß auch die Beschaffung von Fremdmitteln immer von einer ausreichenden Grundlage des risikotragenden Eigenkapitals abhängig ist. Wenn man über interne Finanzierung spricht, sollte man die Möglichkeit nicht vergessen, Kapital durch einen rationelleren Einsatz der Betriebsmittel zu mobilisieren. Für viele Unternehmen, die das bisher zu wenig beachtet haben, bestehen hier gewisse Chancen. Die Einführung einer rationellen Verwaltung der Lagerbestände, der Debitoren und — nicht zu vergessen — auch der Liquidität, eine sorgsame Planung des Bedarfs und das Streben nach einem optimalen Volumen der Betriebsmittel kann bei vielen Unternehmen zu relativ bedeutenden Einsparungen von Finanzierungsmitteln führen. Das genaue Planen und Kontrollieren von Umsatzgeschwindigkeit, Warenbeständen, Debitoren usw. und eine genaue Analyse der Faktoren, die für den Bedarf an Finanzierungsmitteln von Einfluß sind, kurzum, ein genaues finanzielles Management, ist daher dringend erforderlich. Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen kranken daran, daß die wirtschaftliche Verwaltung der verfügbaren Mittel oft unzureichend ist. Ich komme nun zur externen Finanzierung und zuerst zur Hereinnahme von Mitteln durch die Aufnahme von Geld auf kurze, mittlere oder lange Frist. Es ist klar, daß der cash flow hierbei erneut eine bedeutende Rolle spielt. Alle Mittel, die durch Anleihen auf dem Geldoder Kapitalmarkt beschafft werden, müssen aus intern fließenden Mitteln zurückgezahlt werden, so daß in der Tat die Inanspruchnahme des Kapitalmarkts in OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
Berichte 321 Erwartung auf einen künftigen cash flow des Unternehmens vor sich geht; es sei denn, es handelt sich um risikotragendes Kapital, das aufgenommen wird. Die Verwendung von Kreditmitteln legt dem Unternehmen natürlich zusätzliche Lasten auf. Wenn bisher die Kapazität zur Bezahlung von Verpflichtungen aus Krediten vollständig ausgenutzt wurde, müssen die zusätzlichen Belastungen mit der Aufbringungskapazität der Investitionen und den sich daraus ergebenden zusätzlichen Geldströmen in Gleichgewicht gehalten werden. Im Unterschied zur Finanzierung durch den schon bestehenden cash flow erfordert dies lange Vorbereitungen — z. B. Verhandlungen über Bedingungen — wobei besonders auch an die zu stellenden Sicherheiten gedacht werden muß, was das Unternehmen in seiner Bewegungsfreiheit einschränken kann. Gebundene Aktiva und/oder Verpflichtungen können für die künftige Finanzpolitik den Zugang zu neuen Finanzierungsquellen ernsthaft behindern, wenn nicht sogar blockieren. Die Kreditfinanzierung ist in Verbindung mit der Hebelwirkung, die jeder Unternehmer gut kennt, ganz besonders für die Eigenkapitalverstärkung nützlich. Er weiß, daß es vorteilhaft ist, mit fremden Mitteln zu finanzieren, wenn die Zinszahlungen niedriger liegen als das Kapitalaufkommen in seinem Unternehmen. Es ist nur schwer, das rechte Maß zwischen dem Hebeleffekt und den Risiken zu finden, die bei zunehmender Finanzierung mit Fremdkapital immer größer werden. Es ist nicht verwunderlich, daß die Kreditfinanzierung in Zeiten starker Expansion — und besonders auch bei inflationärer Entwicklung — stark zunimmt. Ob dadurch das finanzielle Gleichgewicht zu sehr unterminiert wurde, zeigt sich oft schon bei dem folgenden konjunkturellen Umschlag. Daß ein Land wie Japan mit der stärksten wirtschaftlichen Expansion die relativ höchste Fremdkapitalfinanzierung aufweist, ist nicht zufällig. Daß in einer weniger expansiven Wirtschaft wie England die Fremdfinanzierungsquote in der Finanzierungsstruktur der Unternehmen sehr gering ist, bildet das Gegenbeispiel. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über Fremdfinanzierung will ich nun die Frage stellen, ob die bekannten Finanzierungsformen erweitert werden können. Beginnen wir mit der bekannten Form, dem Bankkredit. Holländische Banken haben bisher ihre Aufgaben immer noch gut gelöst; sie sind über die traditionelle Finanzierung der Betriebsmittel hinausgegangen und 21 Kredit und Kapital 3/1970 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
322 Berichte haben auch -die Erwartung künftiger Gewinne zur Beurteilung herangezogen. Dabei gelten neben der Forderung von speziellen Sicherheiten die Solvenz und die Rentabilität als vornehmste Beurteilungsbasis, wobei die beiden letzten von den Banken individuell beurteilt wurden. Die Banken werden auch in Zukunft ihre Funktion innerhalb des Rahmens der durch die Behörden gezogenen Grenzen erfüllen. Ich möchte nicht behaupten, daß die Banken für die künftige industrielle Entwicklung eine ¡größere Kreditbereitschaft zeigen müssen, indem sie im Hinblick auf die Sicherheit und Solvenz flexiblere Anforderungen stellen. Die einzige Frage, die hier vorsichtig zu stellen ist, ob nicht vielleicht in solchen Fällen, wo die Kreditgewährung wegen des Fehlens von bankmäßigen Sicherheiten bei sonst gesunden Betrieben unterbleiben muß, vielleicht die Kreditversicherung (wie das bei Landwirtschaftskrediten der Fall ist) auf der Basis der sogenannten sekundären Sicherheiten doch noch Möglichkeiten eröffnen kann. Das würde sich dann wieder in besonderen Prämien niederschlagen, aus denen ein Fonds gebildet werden könnte, der eventuelle Verluste auffangen kann. Sehen wir uns die langfristigen Kredite an. Bei der Hypothek kann ich mich kurz fassen; sie wird auch in der Industrie angewandt. Die Verwertungsmöglichkeiten des Pfandes sind für diese Kreditform bestimmend. Auch hier könnte Kreditversicherung Möglichkeiten eröffnen, um weiter zu gehen als bis zu den gebräuchlichen Beleihungsgrenzen. Eine nähere Untersuchung wäre sicher der Mühe wert. Die Industrie-Obligation ist bei dem anlagesuchenden Publikum nicht sehr beliebt. Es sind in der Tat nur die finanziell starken Unternehmen, die mit der Emission von Obligationen von sich reden machten. Daß die Obligation in der Form der Wandelobligation attraktiver geworden ist, gilt meiner Ansicht nach nur dort, wo die Umwandlung bald erfolgen kann. In diesen Fällen ist die Obligation jedoch nicht mehr als eine Ubergangsform der Finanzierung, gewissermaßen eine Art Zwischenfinanzierung, die für das Unternehmen übrigens sehr ¡günstig sein kann. Ich meine aber, daß die Finanzierungsmöglichkeiten durch Obligationen auch in Zukunft immer beschränkt bleiben werden. Als einer der Gründe, warum die normale Industrieobligation meiner Meinung nach als Finanzierungsmittel wenig Aussichten hat, ist vielleicht auch das Nichtvorhandensein direkter Kontakte zwischen dem Geldgeber und den Geldnehmern zu nennen. Deswegen kann von einer eigentlichen Beurteilung des Kreditbedarfs durch die Kreditgeber nicht die Rede sein und ist eine Anpassung an den konkreten Kapitalbedarf des Unternehmens nur schwer zu verwirklichen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
Berichte 323 Dagegen hat sich der Direktkredit in den Niederlanden — auch im Vergleich mit anderen Ländern — stark entwickelt, wobei die institutionellen Anleger als Geldgeber auftreten. Ich betrachte dies als eine außerordentlich wichtige Kapitalquelle, durch die ein Zugang zu den Kollektivgeldvermögen erschlossen wird, die in unserer Gesellschaft von so großer Bedeutung sind. Es scheint mir, daß hier in Zukunft noch größere Möglichkeiten liegen als dies heute der Fall ist. Ich habe jedoch den Eindruck, daß die institutionellen Anleger den Direktkredit noch viel zu sehr als eine Art Hypothekarkredit ansehen. Das will nicht heißen, daß etwa bei den meisten Anleihen eine Hypothek eingetragen wird. Aber man hat doch den Eindruck, daß die Bewertung der unbeweglichen Güter das wichtigste Kriterium für die Gewährung derartiger Kredite ist und nicht die finanzielle Analyse der potentiellen Schuldner. Das ist schade, denn solche Analysen könnten vielleicht die Finanzierungsmöglichkeiten aus Kollektiversparnissen erweitern. Nicht alle institutionellen Anleger können Kreditwürdigkeitsprüfungen durchführen; man kann jedoch auch die Frage stellen, ob die Verwaltung von Kollektiversparnissen in unserer Gesellschaft nicht impliziert, daß — wenn irgend möglich — solche Einrichtungen aufgebaut werden. Sollte es nicht auch in den Niederlanden möglich sein, die institutionellen Anleger zur Finanzierung der Industrialisierung durch die Entwicklung von „Anreizmitteln" zu veranlassen, wie wir dies aus den Vereinigten Staaten kennen. Um den institutionellen Anlegern über die Scheu bei der Finanzierung von Investitionen hinwegzuhelfen, könnten beispielsweise Anreize in der Form von Optionsrechten, Umwandlungsrechten, Gewinnanteilen und dergleichen gewährt werden. Alles das wird in den Niederlanden nur sehr sporadisch angewandt. Daß dies nur erste Schritte auf dem Wege zu einer mehr risikotragenden Finanzierung in der Form einer Beteiligung am Gesellschaftskapital sind, ist zuzugeben. Allerdings sind die institutionellen Anleger zum Teil an Einrichtungen wie die Nationale Investierungsbank und die Nederlandsche Participatie Maatschappij beteiligt, und tragen deshalb auf indirekte Weise mehr zur Finanzierung privater Investitionen bei als durch Bereitstellung von Direktkrediten. Vielleicht ist auch diese abgestufte Finanzierungsart noch einer Ausweitung fähig. Es bleibt noch anzumerken, daß die Direktkredite der institutionellen Anleger langfristig sein können, oft jedoch auch eine mittelfristige Laufzeit besitzen. Der mittelfristige Kredit hat sich zum Teil erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Die Nationale Investeringbank ist zuerst auf diesem Gebiet tätig gewesen und hat sich hierin stark spezialisiert. Diese Bemer21* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
324 Berichte kung erscheint notwendig, weil es nicht richtig wäre, diese Bank lediglich als Institution zu sehen, die vornehmlich Kredite gewährt, die von den Behörden auf verschiedene Weise, z. B. durch die Übernahme von Bürgschaften, gefördert werden. Der mittelfristige Kredit, der auch von Tochtergesellschaften der Großbanken gewährt wird, hat bei der Förderung der Industrialisierung eine wichtige Rolle gespielt und scheint besonders für Unternehmen geeignet zu sein, die ein starkes Wachstum aufweisen. Er ist eine Finanzierungsart, die eine fortlaufende Anpassung des Produktionsapparats ermöglicht, wie sie durch die heute viel kürzere wirtschaftliche Lebensdauer von Kapitalgütern als in der Vergangenheit erforderlich geworden ist. Er eignet sich besonders zur Finanzierung von Rationalisierungsinvestitionen mit einer kurzen „Rückflußzeit". Bei stark wachsenden Unternehmen kann der mittelfristige Kredit wegen der zu erwartenden Gewinne eine nützliche Funktion erfüllen. Er dürfte deshalb auch «in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Bei rückläufiger Rentabilität im Wirtschaftsleben würden allerdings die Chancen für den Einsatz dieser Kreditart geringer werden. Leasing und Factoring haben ebenfalls Eingang in unser Land gefunden. Das ist schon deshalb erfreulich, weil damit die Palette der Finanzierungsmittel vergrößert und ihre Anpassung an die Art des Bedarfs erleichtert wird. Was kann in Zukunft von diesen Finanzierungsformen erwartet werden? Es wäre eine Illusion zu glauben, daß durch das Leasing zusätzliche Finanzierungsmittel für die Unternehmen bereitgestellt werden. Leasing muß meines Erachtens als eine alternative Form der Kreditaufnahme angesehen werden. Das Urteil über die Kreditwürdigkeit der Unternehmen bestimmt den Umfang der Verpflichtungen, den der Kreditgeber jeweils als vertretbar betrachtet; es ist kaum denkbar, daß die Kreditwürdigkeit anders beurteilt wird, wenn der Abschluß eines Mietvertrages erwogen wird als dies bei anderen Kreditformen der Fall ist. Im übrigen gehört es in das Reich der Fabel, daß Leasing-Verträge keinen Einfluß auf die Solvenz haben, weil sie nicht in der Bilanz erscheinen. Im Unterschied zum Leasing liefert das Factoring — das in den Niederlanden aller Wahrscheinlichkeit nach nur in sehr beschränktem Umfang angewandt wird — zusätzliche Finanzierungsmittel. Wer seine Forderungen in dem Moment verkauft, in dem sie entstehen, hat einfach keine Debitoren mehr und kann die bisher in den Debitoren gebundenen Mittel zu anderen Zwecken verwenden. Wie bereits gesagt, hängt sowohl die interne wie die externe Finanzierung vom cash-flow, d. h. vom bereits realisierten oder vom erwarteten OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
Berichte 325 cash-flow ab. Nennen wir diesen cash-flow, d. h. den Nettogewinn vor Abschreibungen, den Bruttoertrag des Unternehmens, dann kann als Ertragskraft des Unternehmens das Maß bezeichnet werden, in dem es in der Lage ist, einen Bruttoertrag abzuwerfen. Die Ertragskraft in diesem Sinn bildet die Hauptgrundlage der Finanzierung. Wer sich ex post aus dem cash-flow finanzieren will, muß zuerst den Umfang der Bruttoerträge kennen. Auch wer fremde Mittel an sich ziehen will und aus den Bruttoerträgen noch RückZahlungsverpflichtungen nachkommen bzw. aus dem Nettogewinn Dividende zahlen muß, sollte zuerst einmal überprüfen, welche Bruttoerträge in Zukunft erwartet werden können. Das gleiche gilt für den, der dem Unternehmen Finanzierungsmittel in Form von Krediten oder Darlehen zur Verfügung stellt; er muß sich ebenfalls mit den künftigen Bruttoerträgen oder der „Ertragsfähigkeit" des Unternehmens vertraut machen. Nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft ist für die Frage der Kreditwürdigkeit bestimmend. Die in der Vergangenheit erreichten Erträge können hierzu sicherlich einen Anhaltspunkt bieten; wenn jedoch günstige Zahlen aus der Vergangenheit mit ungünstigen Zukunftsaussichten zusammentreffen, so soll und muß das den Finanzierenden zur Vorsicht mahnen. Für den Kreditgeber gibt es noch ein anderes Kriterium neben der Ertragskraft des Unternehmens: das ist die Deckung, auf die zurückgegriffen werden kann, wenn die Gewinne des Unternehmens nicht den Ertragserwartungen entsprechen, vielleicht sogar negative Ergebnisse auftreten. Diese Deckung kann im Eigenkapital des Unternehmens oder auch in speziellen Sicherheiten gefunden werden. Es sind Fälle denkbar, in denen zwar die Aussichten günstig sind und steigende Bruttoerträge erwartet werden können, die Leitung des Unternehmens ebenfalls Vertrauen erweckt und trotzdem keine Kreditmittel oder Darlehen in der Hoffnung auf künftige Erträge gegeben werden können, weil keine annehmbaren Sicherheiten vorhanden sind oder die Finanzstruktur bei relativ geringem Umfang des Eigenkapitals schlecht ist. Wenn in derartigen Situationen auch die Beschaffung von neuem, risikotragendem Kapital unmöglich ist, dann bleibt nur noch eine Kreditgewährung gegen öffentliche Bürgschaften übrig. Hierzu waren die öffentlichen Stellen in der Vergangenheit vielfach bereit. An erster Stelle sind hier die Kreditregelungen für Mittelund Kleinbetriebe zu nennen. Der Umstand, daß bei vielen Unternehmen in diesem Sektor die Voraussetzungen für die Gewährung von Bankkrediten nicht zu erfüllen sind, hat dazu geführt, ein ganzes System von Kreditprogrammen ins Leben zu rufen, wobei die BeOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
332 Berichte Planung des Absatzes, der Produktionskapazitäten und damit des Kapitalbedarfs beziehen sollen, der zur Ausführung der Pläne erforderlich ist. Sowohl bei der Planung auf kurze als auch auf lange Sicht nimmt die Schätzung des Absatzes und des dazugehörigen Umsatzes eine zentrale Stellung ein (auf der Basis der Vqrkaufsplanung kann ein Plan für die Produktion, für den Einkauf von Grundund Hilfsstoffen sowie für die jeweils benötigte Produktionskapazität und den Arbeitskräftebedarf erarbeitet werden). Um zu wissen, was aus dem künftigen cash-flow für Finanzierungszwecke und voraussichtliche Zahlungen zur Verfügung steht, sind Vorstellungen über die künftige Gewinnausschüttungspolitik unentbehrlich. Das schließt wieder ein, daß die Gewinnplanung im Unternehmen Vorrang hat. Tatsächlich muß jede Entscheidung, die getroffen wird, mit Hinsicht auf ihre Wirkungen auf den Gewinn und den cash-flow betrachtet werden. Man kann in mittelgroßen Unternehmen sagen hören, daß es nicht möglich sei, etwas vorauszusehen, daß Schätzungen wenig Sinn haben, weil die Wirklichkeit doch immer von ihnen abweicht. Vorausschätzungen sind natürlich keine einfache Angelegenheit, und es muß dabei die größte Vorsicht angewandt werden. Selbst eine erste Annäherung an die für das Unternehmensgeschehen relevanten Größen ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Man kann jedoch auf vielleicht unzureichender Grundlage damit beginnen, regelmäßig Zahlen zusammenzustellen und nachträglich zu kontrollieren, um auf diese Weise Erfahrungen im Prognostizieren zu sammeln, die dann wieder der Ausgangspunkt für die Planung und Vorausschätzungen sein können. Es ist meine feste Überzeugung, daß das Maß an Genauigkeit in der Ubereinstimmung von geschätzten und erreichten Zahlen ein guter Maßstab für die Beurteilung der Qualität der Geschäftsführung sein kann. Abweichungen zwischen Erwartungen und Ergebnissen können selbstverständlich auch zufälligen Umständen zugeschrieben werden. Die vergleichende Analyse erwarteter und eingetroffener Ergebnisse ist jedoch auch ein wichtiges Mittel, um den zufälligen oder grundlegenden Charakter von Störungen zu erkennen. Planung, Schätzung, Etataufstellung, Kontrolle — alles dies sind Mittel zur Bestimmung des künftigen Bedarfs an Finanzierungsmitteln und zur Ermittlung des zu erwartenden cash-flows. Sie sind vor allem auch zur besseren Nutzung der eigenen Finanzierungsmittel erforderlich: für die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
Berichte 333 Intensivierung der Kapitalverwendung, d. h. dadurch, daß man nicht mehr an Warenbeständen hält als für eine optimale Betriebsführung notwendig ist, daß man Debitorenposten auf ein Minimum beschränkt, insbesondere durch Erhöhung der Umsatzgeschwindigkeit, können zusätzliche Finanzierungsmittel gewonnen werden. Empirische Untersuchungen haben ergeben, daß die Überlebenschancen bei gut geplanten und rationell geführten Unternehmen größer sind als derjenigen Unternehmen, in denen nicht geplant wird. Cornelius F. Scheffer, Tilburg Summary Financing Business in Holland The article deals first with the possibilities of "internal" financing from the cash-flow: residual depreciation allowances, rational use of working funds, self-financing. In the following remarks on external financing of firms by way of credit, etc., the institutional situation and organizational arrangements in the Netherlands are thoroughly ventilated. The main emphasis in this presentation is placed on direct credits and government aid for the financing of small and medium-sized firms. In connection with financing by equity capital, the activity of investment and other finance companies is dealt with. Strong emphasis is placed on the assessment of the expected liquidity situation and future profit chances, which provide a good basis for examining the creditability of a firm. Résumé Le financement des entreprises aux Pays-Bas L'auteur traite d'abord des possibilités de financement „interne" offertes par le „cash-flow": soldes d'amortissements, exploitation rationnelle des moyens de l'entreprise, auto-financement. Se préoccupant ensuite du financement externe de l'entreprise par le crédit, etc..., l'auteur détaille les relations institutionnelles et les règles d'organisation qui ont cours aux Pays-Bas. L'article souligne principalement le crédit direct et l'aide des pouvoirs publics pour le financement des petites et moyennes entreprises. A propos du financement par participation, l'auteur décrit l'activité des sociétés de participation et d'autres établissements de financement. L'accent est mis sur l'appréciation des perspectives de liquidités et des chances futures de bénéfices, qui constituent une base sérieuse d'examen des capacités d'emprunt d'une entreprise. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.3.3.318 | Generated on 2023-01-16 13:08:32
