Untersuchungen über das Volkssparwesen. Dritter Band
Abstract
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Verein für Socialpolitik (Ed.) Book Untersuchungen über das Volkssparwesen. Dritter Band Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 137/II Provided in Cooperation with: Verein für Socialpolitik / German Economic Association Suggested Citation: Verein für Socialpolitik (Ed.) (1913) : Untersuchungen über das Volkssparwesen. Dritter Band, Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 137/II, ISBN 978-3-428-57422-3, Duncker & Humblot, Berlin, https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/286002 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de
Untersuchungen über das Volkssparwesen Dritter Band Herausgegeben vom Verein für Sozialpolitik Duncker & Humblot reprints Verein für Sozialpolitik (Hrsg.) · Untersuchungen über das Volkssparwesen III OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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Schriften des Vereins für Sozialpolitik. 137. Wanö. Iw eite v Weit. LlnLersuchungen über das Volkssparwesen. Dritter Band. Verlag von Duncker 8Äumblot. München und Leipzig 1913. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Untersuchungen über das Volkssparwesen. Äerausgegeben vom Verein für Sozialpolitik. Dritter Band. Verlag von Duncker 8Äumblot. München und Leipzig 1913. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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Inhaltsverzeichnis. Seite 1. Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. Von General sekretär Dr. Grabern in Darmstadt .................................................. 1 — 63 2. Die Genossenschaften, insbesondere die Kreditgenossenschaften nach Schultze-Delitzsch, und das deutsche Bolkssparwesen. Von vr. Karl Lade, Gerichtsassessor, früher Sekretär des Allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbsund Wirtschafts genossenschaften ......................................................................................... 65 — 113 3. Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. Von Amts richter Dr. Ott.o Heil born in Berlin .............................................. 115 — l50 4. Werkpensionskaffen, Knappschaftskaffen und ähnliche Einrichtungen in ihrer Bedeutung für Geldund Kreditwesen. Von vr. Adolf Günther in Berlin ............................................................................................ 151 — 309 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. von Generalsekretär Dr. Grabein in Darmstadt. Schriften 137. 11. 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
8 Di-. Grabein. träge an Spareinlagen der Landbevölkerung anderen Sparanstalten zu fließen. In erster Linie sind es die öffentlichen Sparkassen, welche eine große Anziehungskraft auf die Spareinlagen der Landbevölkerung ausüben. An zweiter Stelle stehen städtische Kreditgenossenschaften (Vorschußvereine), weniger Banken und Bankiers, die übrigen Sparanstalten kommen, von örtlichen Ausnahmen abgesehen, in geringerem Maße in Betracht. Die Gründe für die starke Benutzung der öffentlichen Sparkassen, sowie der städtischen Kreditgenossenschaften als Sparstellen sind mannigfacher Art. Vornehmlich wird der Wunsch, die Größe der Spareinlagen der Kenntnis der Dorfgenossen, sowie der Steuerbehörde zu entziehen, als Beweggrund genannt. Im weiteren ist es die Mündelsicherheit der öffentlichen Spar kassen, welche ihnen auf Grund gesetzlicher Bestimmungen Mündelgelder zuführt und auch auf sonstige Spareinlagen eine lebhafte Anziehung ausübt. Ferner spielt die Anhänglichkeit an die vielfach älteren, öffent lichen Kassen bzw. Vorschußvereine eine oft mitentscheidende Rolle. Bei Dienstboten, Arbeitern und sonstigen Angestellten wirkt die Besorgnis mit, die Arbeitgeber könnten das Vorhandensein von Spareinlagen bei der Lohnbemessung berücksichtigen. Endlich versagt ein etwaig höherer Zinsfuß benachbarter Kassen oder Banken seine verlockende Wirkung nicht. Über die Höhe der Spareinlagen aus ländlichen Kreisen bei den ge nannten Sparanstalten können, wie erwähnt, genaue ziffernmäßige An gaben nicht gemacht werden. Zweifelsohne handelt es sich jedoch dabei um bedeutende, den Spareinlagenbestand bei den ländlichen Sparund Darlehnskassen zurzeit noch erheblich übertreffende Summen. Eine solche Schlußfolgerung ist schon angesichts der gewaltigen Spareinlagen allein bei den öffentlichen Sparkassen gerechtfertigt. Betrug doch Ende 1910 das Guthaben der Einleger bei den öffentlichen Sparkassen nach der zudem nicht erschöpfenden Reichsstatistik 15^2 Milliarden Mk. Wieviel von diesem Milliardenbestand auf Ersparnisse der Landbevölkerung entfallen, entzieht sich genauer Feststellung, da die Statistik der öffentlichen Kassen über die Berufsstellung bzw. den Wohnsitz der Sparer nur vereinzelt Angaben enthält. Lediglich für die öffentlichen Sparkassen in Württem berg, Baden, Sachsen-Meiningen, sowie für einige städtische Kassen liegen Angaben vor. Bei der Württembergischen Sparkasse und den Oberamtskassen entfielen allein auf die Erwerbstätigen in der Land wirtschaft, nämlich auf die selbständigen Landwirte, landwirtschaftlichen Tagelöhner, Knechte, Mägde im Jahre 1899 nicht weniger als 44,27 Millio nen Mk. 19,9 o/v des gesamten Einlagenbestandes in Höhe von OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 9 223,9 Millionen Mk. In Baden kamen von den Ersteinlagen neu hinzugetretener Sparer allein auf Erwerbstätige in der Landwirtschaft im Jahre 1902 : 5 870 601 Mk. — 23,5 o/o der Einlagen „ „ 1906 : 7 332 657 „ — 24,6 o/o „ sowie in Sachsen-Meiningen im Jahre 1900 : 1,16 Millionen Mk. 28,3 o/o der Einlagen „ „ 1906:1,06 „ „ 20,7 o/o „ Diese Ziffern bekunden eine überraschend weitgehende Übereinstimmung, so daß der Schluß naheliegt, sie als einigermaßen typisch für die Verhält nisse im Deutschen Reich zu betrachten. Erachtet man eine solche Ver allgemeinerung als statthaft, zieht man ferner neben den landwirtschaftlichen die anderen Berufen angehörigen Kreise der Landbevölkerung in Betracht, dann dürfte es nicht sehr fehlgegriffen sein, wenn die Spareinlagen der Landbevölkerung bei den öffentlichen Kassen auf etwa * /4 der gesamten Sparguthaben, also auf rund 4 Milliarden Mk. veranschlagt werden. Ermöglicht die Statistik der öffentlichen Sparkassen wenigstens die Vor nahme wenn auch unsicherer Schätzungen, so müssen diese hinsichtlich des Anteils der Landbevölkerung an den Spareinlagen bei den städtischen Kreditgenossenschaften, Großbanken, Privatbankiers sowie bei den sonstigen nicht öffentlichen Privatsparkassen infolge fehlender Anhaltspunkte aus geschlossen erscheinen. Zweifelsohne ist indes der Betrag solcher Spar einlagen namentlich bei den städtischen Kreditgenossenschaften nicht gering. Schon die Tatsache, daß sich unter den Mitgliedern solcher Genossenschaften 170 673 26,61 o/o Landwirte befindens deutet auf das Vorhanden * Reichsarbeiterblatt 1910, S. 130 ff., Sparkaffenstatistik unter besonderer Be rücksichtigung der Berufsstellung der Spareinleger. 2 Jahrbuch des Allgemeinen Verbandes der deutschen Erwerbsund Wirt schaftsgenossenschaften 1911, S. 147. 3 Ebda. S. V. sein reger Geschäftsbeziehungen zur Landbevölkerung hin. So wird dem nach von dem Einlagenbestand städtischer Kreditgenossenschaften in Höhe von ca. 1800 Millionen Mk. sicherlich ein erheblicher Prozentsatz auf die Kreise der ländlichen Sparer entfallen. Relativ geringer dürfte die Be teiligung bäuerlicher Sparer an dem Einlagenbestand der Großbanken und privater Bankiers sein. Immerhin ist die Summe absolut nicht unbedeutend. Noch in jüngster Zeit haben verhängnisvolle Bankzusammenbrüche, wie der Niederdeutschen Bank in Dortmund, der Marienburger Bank in West preußen, privater Bankanstalten in der Altmark, im Rgbz. Hildesheim, im Allgäu usw. bekundet, daß die Vertrauensseligkeit, die Sucht nach hohen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
10 Or. Grabern. Zinsen, eine geschäftige Reklame in beträchtlichem Umfang auch Spareinlagen vom Lande heranzuziehen weiß. Da Ende 1911 allein 203 deutsche Groß banken über Depositen in Höhe von 4829 Millionen, sowie über Guthaben von Kreditoren in Höhe von 6605 Millionen Mk. verfügten so dürfte immerhin der Betrag der Spareinlagen aus ländlichen Kreisen bei Banken und Bankiers eine absolut recht namhafte Summe erreichen. Relativ größer dürfte dieser Betrag bei den nicht öffentlichen, gesetzlich anerkannten Privatsparkassen sein, die Ende 1910 Guthaben der Einlagen im Betrag von 1237 Millionen Mk. aufweisen?; namentlich in Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen-Nassau, Rheinprovinz wird die Landbevölkerung am Einlagenbestand von 577 Millionen Mk. einen nicht unwesentlichen Anteil haben. In welchem Umfang die Landbevölkerung ihre Ersparnisse zur Anlage in Wertpapieren, in Hypotheken oder sonstigen Darlehen an Dorfgenossen oder in der Nachbarschaft, zur Erweiterung des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes, zur Beteiligung an gewerblichen oder anderen Unternehmungen verwendet hat, das entzieht sich jeglicher Schätzung. Ähnliches gilt von der Form der Spartätigkeit, welche sich in dem Ab schluß von Lebens-, Militär-, Aussteuerversicherungen und anderer eine Fürsorge für die Person oder die Familie treffender Versicherungszweige zeigt. Wenn man erwägt, daß allein bei den Lebensversicherungsgesell schaften im Jahre 1910 die Prämieneinnahmen 570 Millionen Mk., die angesammelten Prämienreserven 3720 Millionen Mk. betrugen dann wird man auch bei sehr bescheidener Schätzung der Beteiligung der Land bevölkerung gewiß auf eine absolut nicht unbeträchtliche Summe kommen. Waren doch bei einer einzigen Lebensversicherungsgesellschaft, der Stutt garter Lebensversicherungsgesellschaft A.-G., Ende 1910 13 227 Landwirte mit einer Versicherungssumme von über 104 Millionen Mk. versichert. Diese Ziffern mögen genügen, um eine Vorstellung davon zu geben, welche gewaltigen Summen von Spareinlagen eine beharrliche und intensive Spar tätigkeit auf dem Lande in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen hat. Ist auch eine genaue Ermittlung oder nur Schätzung des Gesamtbetrages der Ersparnisse auf dem Lande nicht möglich, so wird man ihn doch auf Grund der vorgetragenen Ziffern mit 8 — 9 Milliarden Mk. kaum über schätzt haben. In welchem Maße nun die verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Gruppen der Landbevölkerung zur Ansammlung dieser Spareinlagen bei- * Deutscher Ökonomist 1912, S. 520. Die deutschen Banken im Jahre 1911. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1912, S. 295. » Ebda. 1912, S. 374 — 375. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 11 getragen haben, das ist die Frage, welche sich bei einer sozialpolitischen Würdigung zunächst aufdrängt. Die Statistik gibt auch in diesem Punkte keinen allgemeinen Aufschluß. Das gilt in erster Linie für die länd lichen Sparund Darlehnskassen. Die Sammlung und Verarbei tung der Genossenschaftsstatistik ruht in der Hauptsache in den Händen der großen, zentralen Genossenschaftsverbände, und diese haben mit Rück sicht auf die erheblichen Schwierigkeiten und großen Kosten von einer Erhebung über die Berufsstellung der Sparer Abstand nehmen müssen. So wurde denn von dem Verfasser der Versuch gemacht, die von ihm befragten Sparund Darlehnskassen zur Einsendung entsprechender An gaben zu veranlassen. Von den 119 Genossenschaften, die geantwortet haben, teilten 83 verwendbare Ziffern mit, ein Beweis, daß selbst be sonders gut geleiteten Genossenschaften die Beantwortung der gestellten Fragen nicht immer möglich war. Die Ergebnisse dieser Erhebungen sind in der umstehenden Tabelle (s. S. 12) wiedergegeben. Nach dieser Zusammenstellung entfallen auf die Spareinlagen der selbständigen Landwirte ....................... 11 813 002 Mk., landwirtschaftlichen Dienstboten . . . 1191310 „ landwirtschaftlichen Arbeiter .... 2017604 „ gewerblichen Arbeiter ...... 4 607 581 „ Gewerbetreibenden, Beamten usw. . . 8 267 402 „ Kinder ................................... 1 632 203 „ Dem absoluten Betrag nach stehen die Spareinlagen von selbständigen Landwirten mit 11,8 Millionen Mk. oben an, ziemlich nahe kommen ihnen Gewerbetreibende, Beamte usw. mit 8,3 Millionen Mk. Einlagen, es folgen alsdann die gewerblichen Arbeiter mit 4,6 Millionen Mk., die landwirt schaftlichen Arbeiter mit 2,0 Millionen Mk., Kinder mit 1,63 Millionen Mk. und endlich landwirtschaftliche Dienstboten mit 1,19 Millionen Mk. Er sparnissen. Lehrreicher indes als diese absoluten Summen ist der relative Betrag für jeden einzelnen Einleger in den verschiedenen Spar gruppen. Es entfielen durchschnittlich auf jeden Sparer in der Gruppe der selbständigen Landwirte ' . . landwirtschaftlichen Dienstboten . landwirtschaftlichen Arbeiter . . gewerblichen Arbeiter .... Gewerbetreibenden, Beamten usw. Kinder ......................................... 1609 383 641 606 1226 172 Mk. Sparguthaben, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
12 Dr. Grabein. Bezirk Zahl der berichten den Kassen selb stän dige Land wirte Zahl der Spareinleger land- ! landwirtwirtschaftl.I schaftl. industrielle Ar beiter selb ständige ! Ge- > werbe- ! treib., > Beamte usw. ! Kin der Dienst boten i Ar beiter Mk. Mk. Mk. Mk. ! Mk. Mk. Ostpreußen ................................... 6 991 - 274 : 245 79 396 966 Westpreußen .............................. 4 754 ! 124 136 24 207 i 166 Pommern ....................................... 5 170 ! 231 228 60 288 929 Posen ........................................... 2 240 ! 25 ! 77 41 j 58 > 26 Brandenburg .............................. 7 352 243 507 ! 47 j 352 598 Schlesien ....................................... 3 223 ! 200 256 ! 99 - 539 145 Prov. Sachsen .............................. 5 244 69 54 j 52 ! 174 247 Schleswig-Holstein ...................... 6 372 ! 206 73 105 ! 290 563 Westfalen ....................................... 7 873 ! 504 566 2038 1125 1540 Reg.-Bez. Castel .......................... 5 127 j 169 123 101 i 332 > 231 „ Wiesbaden. .... 7 494 ! 137 117 166 295 427 Rheinprovinz ............................... 6 274 213 95 445 127 302 Bayern, rechtsrh .......................... 3 329 471 284 91 92 ! 723 „ linksrh ............................ 9 423 ! 156 158 900 1102 1217 Großherzogtum Hessen .... 8 1480 90 i 231 3355 1364 1398 Gesamtsumme . . . 83 7344 3112 ! 3150 7603 6741 9478 Die Reihenfolge der verschiedenen Sparergruppen ist hierbei etwa die gleiche geblieben; die Landwirte erscheinen mit 1609 Mk. Spargut haben auf jeden Einleger als die stärksten Sparer, recht nahe kommen ihnen die Gewerbetreibenden, Beamten usw. mit 1226 Mk., es folgen in ziemlichem Abstand landwirtschaftliche Arbeiter mit 641 Mk., gewerbliche Arbeiter mit 606 Mk., landwirtschaftliche Dienstboten mit 383 Mk., Kinder mit 172 Mk. Ersparnissen auf jeden Einleger. Ob diese Ziffern als typisch für die Gesamtheit der vorhandenen 17 000 Sparund Darlehns kassen angesehen werden dürfen, muß dahingestellt bleiben. Es ist dabei namentlich in Betracht zu ziehen, daß die in Frage kommenden Kassen besonders gut geleitet sind, eine den Durchschnitt überragende Rührigkeit in der Pflege des Sparsinns entfalten und daher wohl auch über den Durch schnitt hinausgehende Erfolge aufweisen. Es kommt das auch darin zum Ausdruck, daß auf jede der Kassen im Mittel 350 000 Mk. Spareinlagen entfallen, während der Reichsdurchschnitt nur 140 000 Mk. beträgt. Immer hin darf die relative Beteiligung der verschiedenen Berufsund sozialen Gruppen doch als kennzeichnend für deren Sparfähigkeit angesehen werden. Die hier ermittelten Ergebnisse stehen vielfach im Einklang mit den Fest stellungen, wie sie im ersten Band der „Untersuchungen über das VolksOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 13 Betrag der Spareinlagen selbstän dige Land wirte landwirt schaftliche Dienstboten landwirt schaftliche Arbeiter industrielle Arbeiter selbständige ! Gewerbe treibende, Beamte usw. Kinder Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. 582152 60 671 > 79 575 24446 284 636 102 482 1 374 796 ! 23 821 49 044 13 769 588 472 61 013 282 269 ! 38 701 z 59193 16 420 ! 399 484 56 070 309 081 7 336 49 462 30 143 86 878 4 949 322 852 66111 203 347 36 415 264 389 125 770 351 689 34 598 104424 77 732 757 842 12 732 512 550 13 841 9 532 11960 176 349 10 123 955 187 62 637 32 622 57 599 544 222 77 556 1480 074 190 865 802 286 1 668 298 938 707 175 382 195 531 79 308 99 787 75 581 331 227 32 510 475 687 63 090 ! 30 785 54 582 ! 218 078 71 141 510 277 88130 ! 51522 370 220 276 120 144 247 1256 072 344 102 282 974 93 033 > 161 266 341132 1239 491 93 378 100 772 780 409 2132 377 ! 189 420 1 965 294 24 721 62 279 1296 974 1 104 355 227 676 11813 002 1191310 j 2 017 604 4 607 581 8 267 402 1 632 203 sparwesen" enthalten sind. So veröffentlicht z. B. Dr. Poppelreuter auf S. 16 seiner Untersuchung für 17 Sparund Darlehnskassen des Land kreises Bonn die nachstehende Übersicht über die Beteiligung der ver schiedenen Berufsgruppen an der Spartätigkeit. Es wiesen bei den genannten 17 Kassen Sparguthaben auf: Zahl der Sparer Spar guthaben 1 Durch schnitt!, pro Sparer k. Mk. Kleine Beamte ........................................................ 82 98 546 ! 1202 Dienstboten ............................................................. 140 65 071 i 465 Arbeiter, unselbständige Handwerker .... 257 120 806 ! 470 Selbständige Handwerker, Gewerbetreibende . 323 297 637 921 Ackerer ..................................................................... 750 814 652 > 1086 Rentner ..................................................................... 196 488 616 ! 2493 Ländliche Tagelöhner ........................................... Schulpflichtige Kinder, einschl. Schulsparkassen, 91 34 945 ! 384 Mündelgeld ........................................................ 363 i 45 231 124 Unbekannt, ohne Gewerbe, Verschiedene . . . 52 ! 47 251 908 Vereine, Sammlungen usw ................................... 93 i 38 072 409 2347 ! 2 050 827 ! 873 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
14 Dr. Grabein. Die relative Beteiligung der verschiedenen Sparergruppen, wie sie im Durchschnittsbetrag für jeden Sparer zum Ausdruck kommt, deckt sich im ganzen ziemlich mit den Erhebungen für die 83 Kassen im Reich. Wenn bei den Landwirten (Ackerer) der Durchschnittsbetrag hinter den für die 83 Kassen im Reich, sowie namentlich für die 6 Kassen in der Rheinprovinz ermittelten Ziffern zurückbleibt, so wird man die Ursache hierfür in der starken Verbreitung des kleinbäuerlichen Betriebes im Land kreis Bonn erblicken dürfen. In den agrarischen Bezirken des preußischen Ostens tritt die Spartätigkeit der selbständigen Landwirte noch stärker hervor, wie das auch die nachstehenden, von vr. Pawlicki für sechs polnische Genossenschaften mitgeteilten Ziffern zeigen ^. Es betrugen im Jahre 1908 bei sechs Kassen die Sparguthaben der Zahl der Sparer Spar guthaben Durchschnitt!, pro Sparer j Mk. Mt. Grundbesitzer .................................................... 433 537 068 j 1240 Handwerker, Kaufleute ................................... 250 ! 213 690 855 Arbeiter ............................................................. 869 387 916 ! i 446 Sonstige Sparer .............................. .... 453 ' 216 593 I I 479 Sa. 2007 j i 1355 267 , 675 Neben der starken Spartätigkeit der Grundbesitzer, fast ausschließlich kleiner Landwirte, ist hier die Beteiligung der Arbeiter eine bemerkens wert hohe. Sie erklärt sich aus der eifrigen Pflege des Sparens durch die in landwirtschaftlichen oder industriellen Betrieben des Westens tätigen polnischen Wanderarbeiter. Ein weiteres Material über die soziale Gruppierung der ländlichen Spareinleger findet sich für die schon erwähnten öffentlichen Spar kassen in Württemberg, Baden und Sachsen-Meiningen. Bei der Württem bergischen Sparkasse und den dortigen Oberamtssparkassen betrug im Jahre 1899 bei den? * vr. Pawlicki a. a. O. S. 86. Zahl der Sparer Betrag ihrer Spar guthaben Auf jeden Einleger ent fielen Mk. Mk. Selbständigen Landwirten .......................... 45 931 19 579 730 426 Landwirtschaftlichen Tagelöhnern .... 16 390 7 261548 443 „ Knechten ...................... 21 326 9 835 612 461 „ Mägden ...................... 19 548 - 7 602 200 j 391 2 Reichsarbeiterblatt 1910, S. 131. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 15 Diese um 14 Jahre zurückliegenden Ziffern sind für die Gegenwart, wo sich die Höhe der Einlagen bei den Sparkassen in Württemberg mehr als verdoppelt hat, absolut und relativ erheblich zu niedrig. Das erhellt aus einem Vergleich der Ziffern von 1899 mit den für 1905 für die Württembergische Sparkasse, der zentralen Privatsparanstalt Württembergs. Es betrugen bei ihr: Zahl der Sparer 1899 1 1905 Spareinlagen 1899 i 1905 Auf jeden Einleger entfielen 1899 1905 Selbständige Landwirte . . Landwirtschaftl. Tagelöhner „ Knechte . . „ Mägde . . 1 570 8 992 12 330 6 798 7 421 10 880 13 477 5 837 Mk. Mk. 448 774 3 427 760 4 587 816 i 6 887 858 6 224 762 ! 8 795 762 2 619185 3120 555 Mk. Mk. 285 462 510 ! 633 504 ! 652 385 ! 534 Der Betrag der Spareinlagen hat sich in dem kurzen Zeitraum 1899 — 1905 absolut und relativ erheblich gesteigert. Auffällig ist, daß die Gruppe der selbständigen Landwirte den relativ geringsten Einlagen bestand aufweist. Ob sich hierin die Schwierigkeiten widerspiegeln, mit den der kleinbäuerliche, nicht selten Zwergbetrieb Württembergs zu kämpfen hat, oder ob der württembergische Landwirt seine Ersparnisse mehr anderen Sparanstalten, etwa den 1300 dort bestehenden ländlichen Kredit genossenschaften, zuführt, möge dabei unerörtert bleiben. Interessante Einblicke in die Sparkraft und Spartätigkeit der land wirtschaftlichen Berufsgruppen gewährt weiter die Statistik der Ersteinlagen für neu hinzugetretene Spareinleger bei den öffentlichen Sparkassen in Baden und Sachsen-Meiningen. Es belief sich die Zahl der neu hinzutretenden Sparer und der Betrag ihrer Ersteinlagen in Baden. Zahl der Sparer Betrag ihrer Erst einlagen Betrag der Ersteinlagen aufjed.Sparer 1902 1906 1902 1906 1902 ' 1906 Mk. ! Mk. Mk. Mk. a. Selbständige Landwirte 4653 5134 3 341 576 ! 4 144 960 718 807 b. Abhängige ...................... 2546 ! 2467 531 444 594 428 209 241 <?. Angehörige von a . . 4615 6123 1 911 666 2 529 278 414 413 ü. „ „ d . . 319 292 86 415 63 991 274 219 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
16 Or. Grabein. Sachsen-Meiningen. Zahl der Sparer 1900 1906 Betrag ihrer Erst einlagen 1900 i 1906 Betrag der Erfteinlagen aufjed.Sparer 1900 1906 a. Selbständige Landwirte d. Verwaltungspersonal . e. Gehilfen, Arbeiter . . 1714 1620 25 15 451 315 Mk. 1 089 284 13 973 65 306 Mk. 1 010 053 8 714 ! 49 838 Mk. Mk. 636 623 558 581 145 158 Die Ziffern bekunden für diese beiden Staaten im Gegensatz zu Württemberg eine erheblich höhere Spartätigkeit der selbständigen Land wirte gegenüber den Arbeitern. Ähnlich, wie bei den ländlichen Sparund Darlehnskassen, sind hier die Einlagen der Selbständigen mehrfach, etwa 3 — 4 mal so hoch wie die der landwirtschaftlichen Dienstboten und Arbeiter. Ganz besondere Beachtung verdient noch die den genannten Erhebungen zu entnehmende Feststellung, daß im Vergleich zu den übrigen Berufsgruppen die Sparkraft der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung eine bemerkenswert hohe ist. Es bezifferte sich nämlich der Durchschnitts betrag der Ersteinlagen im Jahre 1906 bzw. 1905/06 bei den Sparern der Berufsgruppe: Baden Sachsen-Meiningen Landwirtschaft auf ... . 523 Mk. 548 Mk. der sonstigen Berufe auf . . 415 „ 474 „ Die Erklärung dieser zunächst auffälligen Erscheinung liegt in der Tatsache, daß in der Landwirtschaft der Prozentsatz der Selbständigen erheblich höher ist als in den meisten übrigen Berufen. Da nun die Einlagen der Selbständigen zumeist relativ größer sind als die der Un selbständigen, so muß mithin die Berufsgruppe Landwirtschaft in bezug auf die relative Höhe der Spareinlagen anderen Berufsgruppen voran stehen. Indes auch bei Berücksichtigung dieser sozialen Unterschiede in der Zusammensetzung der verschiedenen Berufsgruppen bleibt die Spar tätigkeit der landwirtschaftlichen Berufsgruppe eine beachtenswert starke. Denn es bezifferte sich der Betrag der Ersteinlagen im Jahre 1906 in Baden auf: u. Bei den ! d. Bei den e. Bei den Angehörigen ! von a ä. Bei den Angehörigen von d Selbständigen Ab hängigen Mk. ! Mk. Mk. Mk. In der Landwirtschaft. . . . 807 241 413 219 In den übrigen Berufen . . 928 235 438 243 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 17 sowie in Sachsen-Meiningen 1905/06 auf: Bei den Bei dem SelbVerwaltungsständigen personal Bei Gehilfen, Arbeitern Mk. Mk. Mk. In der Landwirtschaft .......................... 628 581 158 In den übrigen Berufen ...................... 774 588 224 Erinnert man sich, daß die neuzeitliche wirtschaftliche Entwicklung zweifelsohne die Vermögens-, Einkommensund Lohnverhältnisse in Handel und Gewerbe wesentlich günstiger beeinflußt hat als in der Land wirtschaft, dann liegt in diesen Ziffern ein Zeugnis von dem Vorhanden sein eines ausgeprägten, beharrlichen Sparsinns der Landbevölkerung, namentlich der selbständigen Landwirte. Es entspricht das der gewohnten Vorstellung, wonach mit dem Worte „Bauer" sich zugleich der Begriff der Einfachheit, Genügsamkeit, der Sparsamkeit verbindet als Erbteil sowohl einer oft entbehrungsreichen Vergangenheit, wie auch als Folge noch bestehender, natürlicher, wirtschaftlicher Verhältnisse, tiefeingewurzelter Anschauungen und Sitten. In welcher Weise, mit welchen Mitteln die verschiedenen Berufe und sozialen Klassen der Landbevölkerung die Kunst des Sparens betreiben, wie die Entstehung der heute auf Milliarden sich beziffernden Spareinlagen auf dem Lande sich vollzieht, davon wollen die nachstehenden, auf Beispiele und Erfahrungen der genossenschaftlichen Praxis beruhenden Ausführungen eine Vorstellung vermitteln. II. Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 1. Ersparnisse aus dem regelmäßigen Jahreseinkommen. Wenn man unter „Sparen" den Verzicht auf den Verbrauch an augenblicklich Überflüssigem oder Entbehrlichem zugunsten kommenden Be darfes zu verstehen hat, dann muß die Rücklage aus dem regelmäßigen jährlichen Einkommen als die ursprünglichste und wichtigste Form der Entstehung der Spareinlagen gelten. Denn unregelmäßige Einnah menoder Vermögenszuwachse aus Erbschaft, Heirat namentlich aus Kon junkturgewinnen oder aus sonstigen gelegentlichen Quellen bedeuten für die einfacheren und stetigeren Verhältnisse des Landes doch zumeist eine Schriften 137. ll. 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
24 Dr. Grabein. unter den Beamten ein guter Teil strebsamer Sparer." Die Sparund Darlehnskasse Siedenbollentin (Pommern) berichtet, daß Gewerbe treibende wenig sparen, am schlechtesten sei der kleine Handwerker daran. Im Bezirk der Sparund Darlehnskasse Janowitz (Posen) stecken die Gewerbetreibenden alles ins Geschäft, die Beamten sparen nur wenig, meist dann, wenn sie eine größere Geldsumme auf einmal erhalten. Interessant sind weiter die Mitteilungen der Kasse Schreiberhau (Schlesien): „Wir haben die Erfahrung gemacht, daß die selbständig ge wordenen Handwerker, Gewerbetreibenden usw. meist nicht mehr in der Lage sind so zu sparen, als es ihnen vorher möglich war. Ausgaben resp. Reparaturen für das Besitztum, Einlagen ins Geschäft, Krankheiten in der Familie, größerer Familienzuwachs sind öfter die Ursache, daß früher gemachte Spareinlagen ganz oder teilweise abgehoben werden. Weiter sind dieselben öfter geneigt, in der Form einer größeren Lebens versicherung zu sparen resp, für die Familie zu sorgen." Nach den Be obachtungen der Kasse Emsbüren (Hannover) legen die Landwirte be deutend mehr zurück als die Gewerbetreibenden; im Bezirk der Kasse Kölln (Rheinprovinz) sind die Gewerbetreibenden ganz dem Borgwesen verfallen. Beamte ohne Nebenerwerb oder Vermögen können bei mittlerer Familie keine nennenswerte Ersparnisse machen. Weisenau (Hessen) erklärt: „Beamte zeigen nicht den regen Sparsinn, den man bei Arbeitern antrifft. Ursachen hierfür: Spätere Versorgung durch Pension, Mehr aufwand für Kleidung, Erziehung der Kinder; dann vielfach die hohen Prämien für Lebensversicherungen (speziell bei Privatbeamten)." Nach den Berichten zahlreicher anderer Kassen ist indes die Spartätig keit auch dieser Gruppe eine relativ hohe. So hat nach den Angaben der Kasse Gr.-Sollt: kow (Pommern) ein Mühlenbesitzer, der ein Einkommen von ca. 2000 Mk. versteuert, in den letzten Jahren je 400, 500, 500 Mk. zurückgelegt. Ein Schuhmacher, zugleich kleiner Landwirt, mit 900 Mk. steuerpflichtigem Einkommen, ersparte in den letzten Jahren je 440, 600, 200, 900 Mk. Die Sparund Darlehnskasse Deutsch-Krawarn in Oberschlesien rühmt den Sparsinn der dortigen Hausierer, „von denen einige im Jahre 1910 bis 3000 Mk. zurücklegten. Dasselbe gilt von einigen Kaufleuten. Beamte, die hier Spareinlagen machen, zahlen ungefähr 20 o/o des Einkommens." In Schleswig-Holstein ersparte ein Beamter (Vater von vier Kindern) mit einem jetzigen Jahreseinkommen von 5000 Mk. in den Jahren 1900 — 1907 je 500, 493, 600, 550, 400, 1250, 200, 1342 Mk. Die Sparund Darlehnskasse Ottbergen (Westfalen) berichtet, daß insbesondere die Bahnbeamten und Angestellten sehr fleißig sparen, nament OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen aus dem Lande. 25 lich wenn sie Haus und etwas Land haben. Sie können, wenn die Kinder herangewachsen sind, teilweise bis 50 0/0 des Einkommens zurück legen. In derselben Gemeinde hat ein Gewerbetreibender mit 2000 bis 2400 Mk. Einkommen in den Jahren 1907 — 1910 500, 0, 1000, 1000 Mk. zurückgelegt. Michelstadt (Hessen) bemerkt: „Gewerbetreibende, Beamte und deren Kinder hinterlegen die größten Ersparnisse bei uns, man darf eine Durchschnittsziffer von 15 0/0 der Einnahmen ruhig einstellen." Mommenheim (Hessen) schätzt „die Ersparnisse der Handwerker auf ungefähr */4 — ^/3 ihrer Einkünfte. Die Beamten können bei der herrschenden Teuerung aller Lebensmittel Ersparnisse nicht machen." Erbach berichtet von Beamten, die bei einem Jahreseinkommen von 3000 — 5000 Mk. 1000 — 1500 Mk. ersparen konnten. Die Kasse Limbach (Rheinpfalz) teilt mit, daß 15 Gewerbetreibende mit 1500 — 3000 Mk. Einkommen je 500 — 800 Mk. jährliche Ersparnisse machten. Vier Beamte mit je 3000 Mk. Einkommen sollen für ihre Kinder jährlich je 600 Mk. zurücklegen. Nach den Angaben einer anderen pfälzischen Kasse macht sich besonders in den Beamtenkreisen das Streben geltend, vom Einkommen zu ersparen, in einzelnen Fällen bis 250/0 des Gehalts. Die Sparund Darlehnskasse Herxheim (Pfalz) führt das Beispiel eines unverheirateten Spediteurs an, der bei 2500 Mk. Einkommen im Jahre 1910 nicht weniger als 1700 Mk. zurücklegte. Im Bezirk der Spar-und Darlehnskasse Mutter stadt (Pfalz) machen Metzger, Wirte, Bäcker, Schmiede, Kaufleute und die Putzmacherinnen die meisten Ersparnisse, Beamte nur dann, wenn sie Nebenbezüge haben. e) Ersparnisse der gewerblichen Arbeiter. Eine intensive Spartätigkeit entfaltet auch die dritte Sparergruppe, die der gewerblichen Arbeiter. Die umstehend von 26 Kassen ge machten Angaben bekunden, daß häufig in diesen Kreisen das Bestreben, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse durch fortgesetzte Spartätigkeit zu verbessern, ein außerordentlich reges ist. So wird denn in zahlreichen Fällen eine geradezu bewunderungswürdige Spartätigkeit entfaltet. Die Sparund Darlehnskasse Reh Hof (Ostpreußen) gibt die Ersparnisse industrieller Arbeiter mit 600 — 1200 Mk. Einkommen auf jährlich 100 — 400 Mk. an. Bauhandwerker legten bei einer Pommerschen Kasse vereinzelt bis zu 450 bzw. 500 Mk. und mehr zurück. Die Kasse GroßSo lti ko w (Pommern) berichtet von einem Arbeiter, der bei 700 Mk. Lohn in den letzten Jahren je 150, 40, 280, 100 Mk. zurücklegte. Jugend liche, bei ihren Eltern wohnende Arbeiter ersparen bis zu ^2 und OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
26 Dr. Grabein. Einkommensverhältnisse und Ersparnisse bei gewerblichen Arbeitern. Name und Bezirk der Kasse Jahres einkommen Ersparnisse Bemerkungen Rehhof, Ostpreußen . . 600 — 1200 Mk. 100-400 Mk. ! bis 200 „ __ Hohentirch, Westpreuß. 800-900 „ — Siedenbollentin, Pom mern ...................... über 1000 „ 100-450 „ Bauarbeiter Eggesin, Pommern . . ca. 1500 „ 200 — 300 „ — Cöthen, Brandenburg . 650-1000 „ 50-215 „ — Günterode, Sachsen. . 600 . bis 200 „ — Mückenberg, „ . . 900 — 1350 „ ! 300 — 450 „ — Kötzschau ...................... 1350 „ 100-150 „ Maurer Borghorst, Westfalen . 900 — 1200 „ 400 „ — Hohenwepel, „ 600-800 „ 250-400 „ ledig Hundelshausen, Cassel. 1200 „ 300 „ — Hoheneiche, Wiesbaden 1000-1800 „ 100 — 200 „ — Herschbach, „ 1000-1250 „ 60-360 „ — Kinzenbach, Rheinprov. — — Zigarrenarbeiterinnen Dieringhausen, „ bis 1800 „ bis 500 „ 600 Mk. 50 — 60 Mk. Weismes, „ 900 — 1200 „ 150 — 200 „ jüngere Ziegeleiarbeiter Ellmosen, Bayern . . 900-1200 „ 100-200 „ 750-800 Mk. 60 bis 80 Mk., ältere Ziegelei arbeiter 1000 bis 1200 Mk. 150 bis 200 Mk. Limbach, Rheinpfalz . 1000 — 1500 „ 240-600 „ — Dannstadt, „ 1400-1500 „ 320-400 „ — Hinterweidenthal, Rheinpfalz .... 1200 „ 40-500 „ — Oggersheim, Rheinpfalz 1200-1800 „ 50 — 500 „ — Mutterstadt, „ 1200-1600 „ 200-400 Mk. bzw. wo erwachsene Kinder Freckenfeld „ verschieden 8 — 900 Mk. 400-600 Mk. mitarbeiten Bahnarbeiter Arheilgen, Hessen . . 1200-1500 Mk. bis 200 Mk. und — Seligenstadt, „ . . _ vereinzelt bis 580 Mk. 500 Industrie __ Kl.-Krotzenburg . . . 900 — 1500 „ arbeiter ersparten 1910:27180 Mk. 50 — 150 Mk. — des Lohnes. Aus Schlesien teilt die Sparund Darlehnskasse Henners dorf mit, daß ledige Maurergesellen mit ca. 600 Mk. Einkommen bis zu 200 Mk. und darüber ersparen. In Schreiberhau bewirkt der lebhafte Fremdenverkehr, daß sparsame Dienstmädchen in Gastund Logier häusern mit größerem Fremdenverkehr bis 300 Mk. pro Jahr sparen: Kellner und Kellnerinnen haben schon bis 1000 Mk. pro Jahr gespart. Haushälter in Hotels und Gasthäusern sind mit 400-600 Mk. SparOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 27 einlage pro Jahr vertreten. Dienstboten in Stellen ohne Trinkgeld durch den Fremdenverkehr sparen 50 — 80 Mk. pro Jahr. Sparsame industrielle Arbeiter mit nicht zu großer Familie legen 200 — 300 Mk. pro Jahr ein. Die Kasse Behnsdorf (Provinz Sachsen) teilt folgende Beispiele mit: Berufe Wochen lohn Ersparnisse in Mark Bemerkungen 1906 , 1907 ! 1908 1909 j 1910 1. Maurer .......................... 20 200 I ! 200 150 200 - 120 _ 2. Steinbrucharbeiter . . 24 — 300 500 200 300 Kinder klein 3. Zimmermann .... 20 — 150 150 150 150 4. „ .... 20 240 265 130 390 200 unverheiratet, wohnt bei den Eltern In Hövelhof (Westfalen) liefern die auswärts arbeitenden Ziegler durchschnittlich 500 Mk. ab. Die besten Arbeiter hätten für die Zeit vom 1. April bis November etwa 800 Mk. Ersparnisse übrig; sie lebten in der Fremde außerordentlich sparsam, vermieden alle unnötigen Geld ausgaben und ließen z. B. Fleisch und Butter sich von Hause schicken. Die Sparund Darlehnskasse Buer (Westfalen) berichtet von einem Berg arbeiter mit einem Einkommen von 1600 — 2000 Mk. , welcher in den Jahren 1907 — 1910 je 700, 550, 650, 400 Mk. zurücklegte. In der Rheinprovinz (Kinzenbach) machen junge Zigarrenarbeiterinnen mit einem Verdienst von ca. 600 Mk. relativ geringe Ersparnisse, 50 — 60 Mk.; junge Dampfziegelarbeiter mit 750 — 800 Mk. Einkommen ersparen nur 60 — 80 Mk., ältere Dampfziegelarbeiter mit 1000 — 1200 Mk. Einkommen legen 150 — 200 Mk. zurück. Ein geradezu überraschendes Beispiel von den Erfolgen fortgesetzter Spartätigkeit wird aus Stammbach (Bayern) berichtet. Es handelt sich um eine Arbeiterfamilie mit fünf Kindern; „sie befand sich vor 15 Jahren noch in sehr geringen Verhältnissen. Der Vater besorgt die Landwirtschaft, die Kinder arbeiten in den zwei am Platz befindlichen Fabriken (Weberei bzw. Plüschfabrik). Sie können ihren ganzen Verdienst erübrigen und die Familie hat jetzt 15 000 Mk. bei dem Sparund Darlehnskassenverein stehen." Seligen st adt (Großherzogtum Hessen) berichtet: „Von den uns zusließenden Spareinlagen ersparten 500 Industriearbeiter im Jahre 1910 27 180 Mk. So spart ein Industrie arbeiter, der jetzt 21 Mk. Wochenlohn hat und dessen Ehefrau etwas ver dient, pro Woche regelmäßig 3 Mk. Seine Einlage stieg auf 2500 Mk. ; hierfür und mit einer kleinen Erbschaft kaufte er sich ein Häuschen, und OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
28 Or. Grabein. heute hat er wieder 1200 Mk. Spareinlage." Die Sparund Darlehns kasse Hinterweidenthal in der Rheinpfalz berichtet von einem Industriearbeiter mit 1200 Mk. Einkommen, welcher in den letzten Jahren je 350, 300, 400 Mk. ersparte. Bei der Kasse Mutterstadt (Pfalz) machen industrielle Arbeiter mit 1200 — 1600 Mk. Einkommen bei kleiner Familie oder gar keiner Ersparnisse von 200 — 400 Mk. Dort, wo er wachsene Kinder mitverdienen, steigen die Ersparnisse auf 800 — 900 Mk. Die Sparund Darlehnskasse Freckenfeld (Rheinpfalz) rühmt wiederum die Spartätigkeit der Bahnarbeiter, manche legten 400 — 600 Mk. jährlich ein. Ein Bahnarbeiter hat sich in zehn Jahren über 8000 Mk., ein anderer über 7000 Mk. erspart. Gewiß dürfen diese Fälle nicht als typisch gelten, es fehlt anderseits auch nicht an Beispielen, daß trotz guten Verdienstes wenig oder gar nichts erübrigt wird. So kommt aus Schleswig-Holstein die Klage, daß namentlich jugendliche Arbeiter trotz guten Verdienstes wenig sparen. Im allgemeinen ist indes die Spartätigkeit der industriellen Arbeiter nach den Angaben der Kassen eine oft bewunderungswürdig be harrliche und umfangreiche. ä) Ersparnisse der landwirtschaftlichen Arbeiter. Nicht minder lebhaft ist der Sparsinn bei den landwirtschaft lichen Arbeitern entwickelt. Wie die Angaben von 26 Kassen in der nebenstehenden Tabelle vor Augen führen, sind die Ersparnisse landwirt schaftlicher Arbeiter relativ recht beträchtlich. Sie steigen in einzelnen Fällen bis 50 o/o des Einkommens; bei ihren Eltern wohnende Arbeiter liefern sogar bis zu 2/3 ihres Lohnes ab. Die Sparund Darlehnskasse Siedenbollentin (Pommern) berichtet z. B. von einem landwirtschaft lichen Arbeiter mit kleinem Haus und Landbesitz, der jährlich bis 500 Mk. Ersparnisse abliefert; Frau und Kinder helfen mitverdienen und die drei Kinder geben wöchentlich je 50 Pf. zur Konfirmandensparkasse. Die Sparund Darlehnskasse Groß-Soltikow (Pommern) führt das Bei spiel eines Arbeiters an, der bei 700 Mk. Einkommen in den letzten Jahren je 300, 100, 150, 110, 20 und 100 Mk. zur Kasse gebracht hat. Die Kasse Schildberg (Posen) berichtet, daß die landwirtschaftlichen bzw. industriellen Wanderarbeiter, die bei ihrer Beschäftigung in den westlichen Provinzen Tagelöhne von 3 — 6 Mk. verdienen, vielfach 300 bis 600 Mk. jährlich ersparen. Im Bezirk der Kasse Segeletz (Branden burg) fließen namentlich die Einnahmen aus dem kleinen landwirtschaft lichen Nebenbetriebe, insbesondere aus der Schweinehaltung, der genossenOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 29 Einkommensverhältniffe und Ersparnisse bei landwirtschaftlichen Arbeitern. Name und Bezirk der Kasse Einkommen § Ersparnisse Bemerkungen Bladiau, Ostpreußen . . 706 — 1000 Mk. 100 Mk. durchschnittlich Rehhof, „ . . 700 — 900 „ 100 — 300 Mk. — Aglonen, „ . . ca. 500 „ 125 Mk. — Hohenkirch, Westpreußen Siedenbollentin , Pom700 — 800 „ bis 150 Mk. — mern .............................. 750 — 1000 „ 50 — 200Mk. — Kalkofen, Pommern . . 600 — 1050 „ 100 — 150 „ — Abtshagen, „ . . 750 — 900 „ 40 — 200 „ — Segeletz, Brandenburg . 900 — 1000 „ 80-120 „ etwa die Hälfte sind Sparer Cöthen, „ 375930 Mk. bar 22 — 64 „ — Gennin, „ bis 1500 Mk. und mehr bis 500 und 1000 Mk. Verdienst u. Erspar nisse von Schnitter familien Carzig, led. 300-500 Mk. bar verh. 400-600 „ „ 100 — 150 Mk. 50-160 „ — Landsberg, Schlesien . . 600-900 Mk. ! 120 Mk. — Mückenberg, Sachsen . . 600 Mk. ! 75 „ nur 1 Arbeiter Lunden, Schlesw.-Holst. 450 — 500 Mk., da neben Kost ! 180 „ Durchschnitt von 9 Arbeitern Hövelhof, Westfalen . . 800 Mk. 240 „ — Borghorst, „ . . 900 „ 600-800 Mk. ! 160 , — Hohenwepel, „ . . 250-400 Mk. falls ledig Langenschwarz, Cassel . ca. 80 o/o bei 11000 Mk. Ge samteinkommen 9000 — 10000 Mk. erspart Segelhorst, 650 — 750 Mk. 150 — 200 Mk. — Hoheneiche, Wiesbaden . 180-300 „ 10-60 „ — Oberweis, Rheinprovinz. 600 Mk. bar 70 — 300 „ — Dieringhausen, „ bis 1000 Mk. - bis 200 Mk. — Ellmosen, Bayern . . . 900-1200 „ ' 100-200 „ — Dannstadt, Rheinpfalz . 800-900 Mk. bar ! 200-300 „ — Hinterweidenthal, „ 900 — 1100 Mk 70 — 480 „ — Arheiligen, Heyen . . . 500-700 „ bis 100 „ wenig Sparsinn schaftlichen Dorfbank zu. Die Sparund Darlehnskasse Gennin (Brandenburg) berichtet, daß landwirtschaftliche Arbeiterfamilien (Schnitter) mit einem Familienjahresverdienst von 1500 Mk. in vereinzelten Fällen Ersparnisse bis 500 Mk., Vorschnitter bis zu 1000 Mk. jährlich erübrigen. „Ortsbeschäftigte Deputatfamilien mit einem Durchschnittsverdienst "von 1000 Mk. sind bisher Nichtsparer und bleiben in der Regel nur so lange im landwirtschaftlichen Betriebe, bis die mitgebrachten Schulden getilgt sind". Die Sparund Darlehnskasse Blumenthal (Brandenburg) bemerkt, daß landwirtschaftliche Arbeiter auch vielfach noch namhafte Ein OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
30 Dr. Grabein. lagen auf das Konto ihrer Kinder bei Schul-, Konfirmanden-, Heim sparkassen usw. machen. Die Kasse Behnsdorf (Prov. Sachsen) be richtet von einer landwirtschaftlichen Arbeiterfamilie, die in den Jahren 1901: 200 Mk., 1902: 150, 1903: 250, 1904: 200, 1905: 75, 1906: 300, 1907: 330, 1908: 250, 1909: 60, 1910: 250 Mk. ersparte. Die Sparund Darlehnskasse Hinterweidenthal (Rheinpfalz) weiß von einem Arbeiter mit 1000 Mk. Einkommen zu berichten, der in den letzten Jahren je 245, 320, 480 Mk. erspart hat. Abweichend hiervon bemerkt die Sparund Darlehnskasse Mutterstadt (Rheinpfalz), daß landwirt schaftliche Arbeiter so gut wie gar keine Ersparnisse machen, deren Spar guthaben stammten meist aus früherer Zeit, aus anderer Beschäftigung oder aus Erbschaften her. Die Ursache liegt wohl darin, daß dort die landwirt schaftliche Lohnarbeit wenig Gelegenheit zu auskömmlichem Verdienst bietet und in der Tat wird das Einkommen landwirtschaftlicher Arbeiter dort nur auf 500 — 600 Mk. angegeben. Ähnlich berichtet Mommenheim (Rheinhessen). Im allgemeinen muß indes die Spartätigkeit als rege bezeichnet werden. Wenn das Sparguthaben von 3150 sparenden land wirtschaftlichen Arbeitern durchschnittlich 641 Mk. beträgt und damit den Durchschnittsbetrag für gewerbliche Arbeiter - — 606 Mk. — noch überragt, so deutet diese Ziffer eine recht günstige Entwicklung des Sparsinnes bei den landwirtschaftlichen Arbeitern an. Anknüpfend an die Bemerkung der Sparund Darlehnskasse Blumenthal ist im weiteren noch zu beachten, daß landwirtschaftliche Arbeiter vielfach erhebliche Einlagen auf das Konto ihrer Kinder bewirkt haben, woraus sich auch der relativ hohe Einlagen betrag von 172 Mk. pro Kind erklärt. e) Ersparnisse der landwirtschaftlichen Dienstboten. Relativ am stärksten ist der Sparsinn bei der letzten Gruppe, den landwirtschaftlichen Dienstboten, entwickelt. Aus der nach stehenden Tabelle ist zu entnehmen, daß die Ersparnisse der Dienstboten bei den berichtenden 55 Kassen in zahlreichen Fällen 40 — 50 o/o des Lohnes und mehr ausmachen. Die Angaben der Kassen bestätigen zunächst die allgemein bekannte Tatsache, daß namentlich weibliche Dienstboten zu den fleißigsten Sparern gehören und ihre männlichen Kollegen im Umfang des Sparens bei weitem übertreffen. Im Bezirk der Kasse Reh Hof erübrigen sparsame weibliche Dienstboten jährlich 50 — 100 Mk. Die Kasse Siedenbollentin (Pommern) berichtet von einer Dienst magd, die bei 180 Mk. Lohn in den letzten Jahren je 100, 60, 30, 100 Mk. ersparte. Im Bezirk der Kasse Sag a rd sparen Dienstmägde OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 31 Einkommensverhältniffe und Ersparnisse bei landwirtschaftlichen Dienstboten. Name, Bezirk der Kasse Einkommen bzw. Baarlohn Ersparnisse Bemerkungen Bladiau, Ostpreußen. . 140 — 180 Mk. bar 80 Mk. durchschnittlich Rehhof, „ . . Knechte 500 — 600 Mk. ! einschl. Beköstigung ! Mägde 400 — 500 Mk. ! einschl. Beköstigung 100 — 200 Mk. 50 — 100 „ Aglonen, „ . . 120 — 135 Mk. bar 65 — 80 „ — Hohenkirch, Westpreußen 500 — 600 Mk. einschl. ! bis zu 100 „ — Johannisdorf, Beköstigung Mägde 150 — 200 Mk. Knechte 180-300 Mk. bar Mägde 120 — 180 Mk. bar vereinzelt bis 50 Mk. von Knechten bis her keine Ein lagen gemacht Siedenbollentin, Pomm. s 40 — 80 Mk. durchschnittlich Kalkofen, „ 180 — 300 Mk. ' 50 Mk. — Abtshagen, 150 — 300 Mk. 30 — 180 Mk. — Eggesin, ca. 200 Mk. 20 — 100 „ — Sagard, Mägde ca. 150 Mk. 40-50 „ — Lindenbrück, Posen . . 200-400 Mk. § 100 „ — Janowitz, „ . . 200 — 400 Mk. 100 — 120 „ — Segeletz, Brandenburg . Knechte 300 Mk. 100 „ l fremde DienstMägde 180 — 200 Mk. 90 — 100 „ > boten sparen we1 nig od. gar nicht Bergsdorf, „ Knechte 300 Mk. Mägde 180 Mk. 5070 „ 80 — 120 „ — Cöthen, „ 105 — 360 Mk. 5 — 120 „ — Genuin, Knechte 250 — 300 Mk. Mägde 200 — 250 Mk. ! nichts gespart z. Teil 50 Mk. — Carzig, 100 — 210 Mk. ! 30 — 80 Mk. — Deutsch-Krawarn,Schles. 120 Mk. 40 Mk. durchschnittlich Hennersdorf, „ verschieden 50 o/o, vereinzelt 75 o/o — Günterode, Sachsen . . ungefähr 300 Mk. 50 — 150 Mk. — Mückenberg, „ . . 150 — 300 Mk. 20 — 80 „ — Kötzschau, „ . . männliche 300 Mk. weibliche 185 Mk. 50 — 60 „ 70 — 80 „ — Lunden, Schlesw.-Holst. 240-500 Mk. ! 24 , Durchschnitt von 28 Dienstboten Langballig, „ ca. 300 Mk. 60 — 200 „ — Niedermarsberg,Westfal. männliche 400 — 500 Mk.« weibliche 180 — 210 Mk.! svaren nicht 60 — 180 Mk. — Hövelhof, „ 210 — 360 Mk. ! 180 Mk. durchschnittlich Borghorst, 180 — 300 „ ! 150 „ — Emsbüren, Hannover . 120 — 400 „ ! 50 o/o — 75o/o — - Hohenwepel, Westfalen . Niederklein, R.-B. Cassel 300 „ ! 150 — 180 Mk. — 360 „ bis zu 100 Mk. bei saft allen, bis zu 200 Mk. bei einzelnen — Naboldhausen, „ 300 „ 150 — 200 Mk. - — OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
32 Dr. Grabein. Name, Bezirk der Kasse Einkommen Ersparnisse Bemerkungen Langenschwarz, Reg. Bz. Cassel Welterod, „ Neesbach, Hoheneiche, Wiesbaden . Kloppenheim, „ Oberweis, Nheinprovinz Lutzerath, „ Düringhausen, „ Hamminkeln, „ Burgbrohl, „ Geisenhausen, Bayern . Ellmosen, „ Stammbach, „ Limbach, Rheinpfalz . . Darmstadt, „ . . Hinterweidenthal, Rheinpfalz Odernheim, Rheinpfalz . Oggersheim, „ Mutterstadt, „ Rhodt, „ Arheiligen, Hessen. . . Mommenheim, „ . . . Erbach, „ . . . Weisenau, „ . . . weibliche 150 — 280 Mk. 75 — 90 o/o, vereinzelt 95 o/o männliche 450 Mk. 250 Mk. weibliche 240 „ 100 — 120 Mk. männliche 600 „ 300 — 500 „ weibliche 350 „ 100 — 300 „ männliche 360 — 600 Mk. 50 — 120 „ weibliche 120 — 240 Mk. 20 — 100 „ 240 Mk. 100 „ 450 — 500 Mk. 150 „ weibliche 300 Mk. 50,70,100 Mk. bis zu 300 „ männliche 300 — 400 Mk. bis zu 200 „ weibliche 210 — 240 Mk. bis zu 140-160 Mk. bis 360 Mk. dis zu 120 Mk. männliche 360^50 Mk. 50 — 150 Mk. weibliche 240 — 300 Mk. 50 — 150 Mk. weibliche 200 Mk. bis 100 Mk. fehlt Angabe 100, 150, mit unter 200 Mk. 200 — 250 v k. 150 Mk. fehlt Angabe 100-150 Mk. 200 — 250 Mk. 50 — 80 „ weibliche bis zu 300 Mk. 110 — 170 „ 400 — 450 Mk. 80 — 315 „ weibliche 200 — 250 Mk. 100 — 200 „ „ 180 — 250 „ 60 — 100 „ „ 220 — 240 „ 80 — 100 „ „ 200 — 300 ,, 56 — 160 „ 250-300 Mk. bis 100 „ 200 — 300 Mk. 70 — 150 „ männliche 500 Mk. 100 — 200 „ weibliche 200 Mk. 50 — 80 „ weibliche 400 Mk. 165 „ bei 5000-6000 Mk. Lohn wurden ins gesamt 4000 Mk. gespart ^je 1 Beispiel ^nur je 1 Fall gewöhnlich Durchschnitt 40-50 Dienstboten 5 Dienstboten durchschnittlich i.d. Stadt dienend meistens wenig Sparsinn mit etwa 150 Mk. Jahreslohn jährlich 40 — 50 Mk. Die Kasse Stern in (Pommern) teilt mit, daß vereinzelt Dienstboten ihren ganzen Lohn zurück legen, sofern sie eben von Haus aus noch einige Unterstützung erfahren. In Hennersdorf (Schlesien) hat eine Dienstmagd rm Jahre 1900 von 160 Mk. 123 Mk. erspart. Im Bezirk der Kasse Taarstedt (SchleswigHolstein) legte eine Dienstmagd mit jetzt 300 Mk. Lohn in den Jahren 1903 — 1910 je 10, 25, 75, 80, 70, 25, 175, 120 Mk. zurück. Die Kasse Behnsdorf (Prov. Sachsen) führt nachstehende drei Beispiele an: Es sparten drei Dienstmädchen bei einem Lohne von 150 — 200 Mk., auch zum Teil noch etwas höher: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 33 1905 > 1906 1907 1908 1909 1910 Bemerkungen 1. Einzahlung . . . Mk. 125 Mk. Mk. Mk. 150 75 100 50 100 ! 60 50 100 115 Mk. Mk. 100 60 — 135 > 145 Eltern im Ort Vormund Eltern bezahlen Kleidung mit In Emsbüren (Hannover) sind Mägde mit 1500 Mk. Ersparnissen nicht selten anzutreffen. Die Sparund Darlehnskasse Buer berichtet von einer Dienstmagd, die bei 240 Mk. Lohn in den Jahren 1907 — 1910 je 70, 10, 160, 50 Mk. zurückgelegt hat. In Stammbach (Bayern) pflegen 40 — 50 Dienstboten von ihrem Jahreslohn auf Lichtmeß je 100 bis 150 Mk. zurückzulegen. In Geisenhausen sogar bis 200 Mk. Die Sparund Darlehnskasse Rhodt (Pfalz) berichtet von einem Mädchen, das bei 200 Mk. Lohn in den Jahren 1906 — 1910 157, 132, 95, 56, 85 Mk. ersparte. Infolge der Anschaffung einer Nähmaschine und sonstiger Ratenzahlungen gingen die Ersparnisse in den letzten Jahren zurück. Ein anderes Mädchen aus der gleichen Gemeinde ersparte 1906 — 1909 bei 240 — 260 Mk. Lohn je 66, 104, 105, 160 Mk. Wiederholt wird mit geteilt, daß auch auswärts in der Stadt dienende Mädchen der heimischen Kasse namhafte Sparbeträge senden. Im Bezirk der Kasse NiederMarsberg (Westfalen) senden Mädchen in der Stadt jährlich 100 bis 120 Mk. Der Sparund Darlehnskasse Hinterweidenthal (Pfalz) schicken in der Stadt dienende Mädchen mit 200 — 250 Mk. Lohn jähr lich 100 — 200 Mk. Die Kasse Eckelshausen (Rgbz. Wiesbaden) be richtet von einem in Frankfurt a. M. bediensteten Mädchen, das in den Jahren 1906 — 1910 sogar 1500 Mk. erübrigte. Die männlichen Dienstboten stehen durchschnittlich in der Spartätig keit zurück, und finden sich öfters Klagen über mangelnden Sparsinn. Johannisdorf (Westpreußen) berichtet, daß Knechte trotz hohen Lohnes wenig sparen. Schildberg (Posen) erklärt, daß Dienstboten fast gar nichts ersparen, und ähnliche Äußerungen begegnen bei den Kassen Segeletz (Brandenburg), Behnsdorf (Prov. Sachsen). Segeletz berichtet, daß von auswärts zugezogene Dienstboten wenig oder gar nichts ersparen, auch wenn man ihnen zu Weihnachten ein Sparbuch schenkt. Die Sparund Darlehnskasse Nieder-Marsberg (Westfalen) erklärt, männliche Dienstboten verziehen nach Ablauf ihres Dienstjahres, nehmen ihren Lohn mit, soweit er nicht verpulvert ist." Die Sparund DarSchriften 137. II. 3 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
40 Or. Grabein. Berndroth (Rgbz. Wiesbaden), Dannstadt und Mutterstadt (Rheinpfalz). Hier erfolgen häufig auch seitens industrieller oder landwirtschaft licher Arbeiter Einlagen innerhalb längerer zeitlicher Zwischenräume in runden Summen von 50 oder 100 Mk. Dort wo landwirtschaftliche Dienstboten ihren Lohn .jährlich ausbezahlt erhalten, erfolgen wie z. B. die Sparund Darlehnskassen Karstädt (Brandenburg), Geisenhausen, Schönsee, Ellmosen (rechtsrh. Bayern) Gerichten, seitens der Dienst boten größere jährliche Einlagen von 100 — 150 Mk. Endlich ergibt es sich aus der Eigenart des landwirtschaftlichen Betriebes mit seinen starken zeitlichen Schwankungen in den Einnahmen, daß die Landwirte zumeist größere Einlagen je nach ihren zeitweiligen Einnahmen zu wechselnden Zeiten zur Kasse bringen. Im ganzen betrachtet, hat indes die regel mäßige Einlage kleiner Sparbeträge namentlich bei den Klassen mit regelmäßigem Lohnund Gehaltseinkommen schon eine recht ansehn liche Verbreitung genommen. 2. Ersparnisse aus größeren, gelegentlichen Einnahmequellen. Rücklagen aus dem Lohn und Gehalt, aus den regelmäßigen Ein nahmen des landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebes bilden für die große Mehrheit der Sparer auf dem Lande die häufigste und wichtigste Quelle ihrer Spartätigkeit. Indes fehlt auch auf dem Lande nicht der Eintritt gelegentlicher größerer Einnahmen, welche die Möglichkeit zu ge legentlichen Einlagen in größeren Summen bieten. Sehr häufig scheinen indes derartige Einlagen nach den Berichten der Kassen nicht zu sein. Von 95 Kassen, welche sich hierzu äußern, verneinen 15 das Vorkommen derartiger Einlagen, 37 nennen sie „selten, vereinzelt, nicht häufig", 26 Kassen bejahen die Frage ohne eine Angabe über die Häufigkeit des Vor kommens und nur 14 Kassen — darunter allein sechs aus der Rhein pfalz — bezeichnen solche Einlagen als „nicht selten, häufiger, häufig öfters" vorkommend. Die Gründe für die relativ geringe Häufigkeit solcher Einlagen mögen zum Teil in den stabileren Lebensund Wirtschafts verhältnissen der Landbevölkerung zu suchen sein. Das gilt in erster Linie für Einlagen aus dem Erlös für Grundstücksverkäufe. Wo infolge der herrschenden Wirtschaftsverhältnisse und Vererbungssitten der Besitzwechsel ein geringer ist, da können Spareinlagen aus Grundstücksverkäufen auch keine große Rolle spielen. Umgekehrt ist es erklärlich, daß in Gebieten mit starkem Besitzwechsel, wie z. B. in der Rheinpfalz, nicht weniger als sechs Kassen das Vorkommen derartiger Einlagen als häufig bezeichnen. Aber noch eine andere ausschlaggebende Ursache kommt in Betracht. Aus OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Tie Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 41 den Berichten der Sparund Darlehnskassen ist mehrfach zu entnehmen oder doch zu folgern, daß größere Spareinlagen aus gelegentlichen Ein nahmequellen ihren Weg zu anderen Sparanstalten insbesondere zu den öffentlichen Sparkassen finden. Das gilt in erster Linie für die Erb schaften von Minderjährigen, die nach den bestehenden gesetzlichen Vor schriften zumeist bei den mündelsicheren öffentlichen Sparkassen angelegt werden. Infolge dieser gesetzlichen Bestimmungen wird für namhafte Summen eine Anlage bei den ländlichen Sparund Darlehnskassen un möglich gemacht. Daß bei erreichter Großjährigkeit diese Beträge der heimischen Sparund Darlehnskasse zugeführt werden, scheint nur ver einzelt der Fall zu sein, da lediglich drei Kassen derartige Erfahrungen mitteilen. So berichtet die Sparund Darlehnskasse Dannstadt in der Rheinpfalz: „Es kommt des öftern vor, daß Mündelgelder, wenn sie von dem gerichtlichen Kuratel befreit sind, von der Bezirksverzinsungs kasse abgehoben und unserer Kasse übergeben werden. Dafür kommen sechs Kontis in Betracht mit je 1000 — 2000 Mk. Einlagen." Ähnlich be merkt die Sparund Darlehnskasse Becond in der Rheinprovinz: „Bei Großjährigkeit fließen die Mündelgelder von der Kreissparkasse uns sofort zu. Wäre es nur überall so!" Dieser Wunsch der rheinischen Sparund Darlehnskasse bezeugt, daß ein solcher Rückfluß häufig unterbleibt und damit ein namhafter Betrag an größeren Spareinlagen den ländlichen Kreditgenossenschaften entzogen wird. Neben den Mündelgeldern sind es nicht selten sonstige größere Einlagen, die öffentlichen Sparkassen, Vorschuß vereinen und anderen Sparanstalten zufließen. Größere Landwirte, Gewerbe treibende und andere kapitalkräftige Kreise pflegen aus Tradition und Anhänglichkeit an ältere Institute, namentlich aber aus dem Wunsch, den Besitz größerer Spareinlagen der Kenntnis der Nachbarn zu entziehen, vielfach solche größere Einlagen anderen Sparanstalten, als den heimischen Dorfkassen, zuzuwenden. Auch die Anlage größerer Ersparnisse in Wert papieren ist hierbei zu erwähnen. So bemerkt z. B. die Sparund Darlehnskasse Betziesdorf (Rgbz. Cassel): „Die meisten Besitzer von größeren landwirtschaftlichen Betrieben sind Nichtmitglieder, die auch ihr Geld in Wertpapieren, Obligationen anlegen." Angesichts dieser Ver hältnisse können die Mitteilungen der ländlichen Sparund Darlehns kassen von dem Vorkommen und dem Umfang größerer Spareinlagen aus gelegentlichen Einnahmequellen nur eine unvollständige Vorstellung ver mitteln. Somit sich in den Berichten der Sparund Darlehnskassen An gaben über den Ursprung solcher größeren gelegentlichen Einnahmen finden, werden als Quelle bezeichnet: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
42 Dr. Grabein. Grundstücksverkäufe ............................................... von 31 Kassen Erbschaften .................................................... „18 Holzverkäufe .......................................................... „ 2 Zurückgezahlte Darlehen .................................. „ 2 Heirat, Zuzug, Flurentschädigung bei Manövern von je 1 Kasse. Hiernach sind Grundstücksverkäufe und Erbschaften der häufigste An laß zur Gewinnung größerer Spareinlagen und spielen namentlich in Südund Westdeutschland angesichts des dort herrschenden lebhaften Besitz wechsels Grundstücksverkäufe die erste Rolle. Von den zehn Kassen in der Pfalz äußern sich acht in diesem Sinne. Es berichtet z. B. die Sparund Darlehnskasse im pfälzischen Jndustriedorf Eisenberg: „In den letzten Jahren sind aber die meisten und größten Einzahlungen erfolgt im Januar jedes Jahres herrührend aus Terminen von dem riesigen Besitz wechsel der letzten Jahre. Durch diese Verkäufe wurden oft riesige Preise für früher fast wertlose Länderstriche erzielt (225 — 300 Mk. für die De zimale 34 cim). Aus diesen Erlösen sind viele Gelder unserer Kasse zugeflossen und stehen für die nächste Zeit aus Verkäufen im letzten Jahre noch reichlich in Aussicht." Über Zahl und Höhe solcher Einlagen enthalten die Berichte der Kassen nur spärliche Angaben. Die Kasse Kalkofen (Pommern) be merkt, daß seit ihrer im Jahre 1903 erfolgten Gründung in drei Fällen aus Grundstücksverkäufen, in vier Fällen aus Erbschaften größere Ein lagen erfolgt seien. Abtshagen (Pommern) erwähnt, daß in einzelnen Fällen aus Grundstücksverkäufen oder Erbschaften Beträge von 10 000, 12 500, 18 000 Mk. eingelegt wurden. Bei der Kasse Buer (Westfalen) wurden im Jahre 1910 in 20 Fällen aus Grundstücksverkäufen, in 10 Fällen aus Erbschaften, in 20 — 30 Fällen infolge Zuzugs oder Rückzahlung von privaten Darlehen größere Einlagen festgestellt. Die Kasse Kinzen bach (Rheinprovinz) erwähnt, daß im Jahre 1910 in 45 Fällen größere Einlagen von 300 — 1300 Mk. aus den vorgenannten Einnahmequellen erfolgten und die Kasse Herxheim in der Pfalz bemerkt, daß solche Ein lagen vorkämen bis zum Höchstbetrag von 30 000 Mk. Wie erwähnt sind alle solche Angaben recht lückenhaft. Gerade in diesem Punkte wäre eine Untersuchung der Tätigkeit anderer Sparanstalten, namentlich der öffent lichen Sparkassen geboten. Für eine dahingehende Betrachtung fehlen indes statistische oder sonstige geeignete Unterlagen, so daß auf den Versuch einer Lösung der Frage verzichtet werden muß. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 43 III. Zeitliche Schwankungen in der Höhe der Spareinlagen, Umfang und Ursachen von größeren Abhebungen. Die Spartätigkeit muß notwendigerweise zeitlichen Schwankungen unterliegen, welche mit der wechselnden Sparfähigkeit in ursächlicher Ver bindung stehen. Schon die Statistik der öffentlichen und privaten Spar anstalten, sowie der städtischen Kreditgenossenschaften erbringt dafür be merkenswerte Belege. Es betrugen bei den öffentlichen und privaten Sparanstalten : Neueinlagen u. Zinszuschreibungen Millionen Mk. Abhebungen Millionen Mk. Überschuß Millionen Mk. 1905 3464 2677 787 1906 3641 2907 734 1907 3739 3241 598 1908 3991 3357 634 1909 4651 3530 1121 1910 5053 3946 1107 Die Wirtschaftskrisis der Jahre 1907, 1908 hat demnach ein erheb liches Zurückgehen des Einlagenüberschusses gezeitigt, während umgekehrt das erneute Aufblühen des Wirtschaftslebens seit dem Jahre 1909 einen ge waltigen, bisher unerreichten Zuwachs gebracht hat. Bei Fortlassung der Zinszuschreibungen erscheinen die zeitlichen Schwankungen noch stärker. Danach belief sich der Überschuß der Neueinlagen über die Abhebungen im Jahre 1907 nur auf 91 Millionen Mk., während er 1909 auf 647 Millionen Mk. gestiegen war. Ebenso scharf tritt der Einfluß der Wirtschaftskrisis bei der Spareinlagenbewegung städtischer Kreditgenossen schaften zutage. Es betrug der Zuwachs an Spareinlagen bei den zur Statistik berichtenden städtischen Kreditgenossenschaften im Jahre 1905: 59 Millionen Mk. 1906: 64 1907: 31 1908: 42 1909: 68 1910: 92 Die Krisis des Jahres 1907 verminderte den jährlichen Zuwachs um mehr als 50 Prozent. Weniger stark von den Verhältnissen des all gemeinen Wirtschaftslebens abhängig erscheint die Bewegung der Spar einlagen bei den ländlichen Sparund Darlehnskassen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
44 Dr. Grabein. Es betrug bei den zur Statistik berichtenden Kassen des Reichsverbandes die Zunahme der Sparund Kontokorrenteinlagen: im Jahr 1905 : 92 Millionen Mk. 1906: 133 ,, „ 1907: 103 1908: 166 1909: 149 „ 1910: 220 Die allgemeine Geldund Wirtschaftslage des Krisenjahres 1907 kommt mithin auch hier in einem merklichen Rückgang des SpareinlagenZuflusses zum Ausdruck, immerhin ist dieser doch wesentlich geringer als bei den vorgenannten beiden Gruppen von Sparanstalten. Die Berichte der Sparund Darlehnskassen werfen auf die Ursachen und Begleiterscheinungen solcher Schwankungen im Zufluß der Spareinlagen einige Streiflichter. So weit die Einlagen aus der Landwirtschaft in Betracht kommen, ist dabei der Ausfall der Ernte in quantitativer und qualitativer Hinsicht, der Stand der landwirtschaftlichen Produktenpreise, Viehseuchen, Verbesserung im landwirtschaftlichen Betrieb von wesentlichem Einfluß. Wie die Kasse Siedenbollentin (Pommern) mitteilt, „brachte der wirtschaftliche Auf schwung in der letzten Zeit zunächst erhöhte Spareinlagen und Einlagen im Kontokorrentverkehr, im zweiten Jahre erfolgten größere Abhebungen. Diese wurden benutzt, um wirtschaftliche Verbesserungen und Neu anschaffungen zu machen, welche bei den für die Landwirtschaft schlechten Zeiten zurückgestellt werden mußten, namentlich wurden viele landwirt schaftliche Maschinen angeschafft." Die Sparund Darlehnskasse Groß fahlenwerder (Brandenburg) bemerkt „der Zufluß entsteht durch guten Verdienst der landwirtschaftlichen Arbeiter und durch gute Viehpreise von den kleineren Besitzern. Aus den entgegengesetzten Gründen entsteht der Abfluß." Aus Schleswig-Holstein berichtet die Sparund Darlehns kasse Tornesch: „In den letzten Jahren haben in unserem Kassenbezirk die Schweinemästereien derartig zugenommen, daß viele Spareinlagen zurückgezogen wurden. Das zurückgezogene Geld wurde zur Anlage von Ställen, Anschaffung von Schweinen und für Futter verwandt. Durch die Schweinepest und Klauenseuche ist die Mast jetzt unsicher geworden und meistens aufgegeben, infolge dessen fließen die Gelder zurzeit wieder ein." Aus Westfalen teilt die Sparund Darlehnskasse Hövelhof mit: „Der Zuund Abfluß von Spareinlagen hängt bei uns hauptsächlich * Für 1909 sind die Angaben mit Rücksicht auf die bayerischen Kassen un vollständig. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 45 mit der Konjunktur der Landwirtschaft und soweit es die Ziegler betrifft, mit denjenigen der Industrie zusammen. Wenn die Viehund Fleisch preise hohe sind, wenn die Baulust der Städte rege ist, dann fließen die Spareinlagen reichlicher; im anderen Falle sind die Einlagen merklich dürftiger und die Abhebungen zahlreicher. Außerdem sind seit 5 Jahren die Abholungen größer gewesen, weil man hierselbst allgemein die früher vielfach sehr dürftigen Wohnungen und Stallungen zeitgemäß umgestaltet." Die Kasse Borghorst in Westfalen bemerkt : „Die Lage der Landwirtschaft trägt am meisten dazu bei. Nach den Mißernten von 1890 und 1891 war der Abfluß genau so stark, wie in diesem Jahre." Hundelshausen (Regbz. Cassel) bemerkt: „Ganz besonders wird eine gute Kirschenernte gespürt, weil da eine ganze Reihe Leute Spareinlagen von dem Erlös für verkaufte Kirschen machen." Die pfälzischen Kassen heben mehrfach den Ausfall der Weinernte als bestimmend für die Größe des Spar einlagenzuflusses hervor : „Der Ausfall der Ernte ist der Hauptgrund des verschiedenen Zuflusses und dabei macht sich wieder der Ausfall der Wein ernte besonders bemerkbar", so äußert sich die Kasse Odernheim und ähnlich Freckenfeld und Rhodt. Da die Erwerbsverhältnisse in der Landwirtschaft häufig einen entscheidenden Einfluß auf viele Zweige des ländlichen Gewerbes ausüben, so geht auch der Spareinlagenzufluß aus diesen Kreisen vielfach parallel mit den wechselnden Konjunkturen in der Landwirtschaft. Soweit mit der Landwirtschaft nicht verknüpfte Industrie zweige in Betracht kommen, äußern deren schwankende Konjunkturen eine Rückwirkung auf die Gestaltung des Einlagenzuflusses. Nach den Mit teilungen der Kasse Buer in Westfalen „schwanken in der Hauptsache die Zuflüsse und Abflüsse von Spareinlagen bei unserer Kasse in dem Maße, in welchem die Löhne der Bergleute zuoder abnehmen." Die Sparund Darlehnskasse Kinzenbach in der Nheinprovinz äußert sich ähnlich: „Im Jahre 1908 machte sich der Niedergang besonders der Eisenindustrie und des Baugewerbes dadurch bemerkbar, daß sich die wöchentlichen Ge samtbeträge aus dem Sparkartenverkauf um 20 — 25 Mk. verminderten. Als sich im nächsten Jahre diese Industriezweige wieder hoben, wurde der Ausfall durch die schlechten Lohnverhältnisse in der Tabakindustrie bewirkt. Erst jetzt macht sich ein langsames Aufsteigen wieder bemerkbar." Bei der Kasse Weisenau (Hessen) trat im Jahre 1908 infolge der da mals in vielen Industriezweigen herrschenden Arbeitslosigkeit eine geringe Abnahme der Spareinlagen zutage, auch bei der Kasse Klein-Krotzen burg bewirkte der schlechte Geschäftsgang in der Zigarrenindustrie in den Jahren 1909 und 1910 eine rückläufige Bewegung der Einlagen. Aus OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
46 Dr. Grabein. der Rheinpfalz teilt die Kasse Odernheim mit: „Vor einigen Jahren noch stand die Steinindustrie hier in hoher Blüte und gab vielen Ar beitern Gelegenheit zu reichlichem Verdienst. Seit etwa zwei Jahren befindet sich dieser Industriezweig in einem fortlaufenden Niedergang (er ist bisjetzt nahezu verschwunden), und derselbe macht sich dann auch durch den sehr verminderten Zufluß an Geldern seitens der industriellen Arbeiter fühlbar. Auch der Rückschlag auf die Einlagen der Gewerbetreibenden blieb damit nicht aus." Stärker noch als bei den Ersparnissen aus den regelmäßigen Ein nahmen sind erklärlicherweise die Schwankungen bei den Zuflüssen aus unregelmäßigen Einnahmen, aus Grundstücksverkäufen, Erb schaften, Heirat usw. Wie an anderer Stelle schon ausgeführt, sind indes solche Einlagen bei den ländlichen Sparund Darlehnskassen im allgemeinen nicht sehr häufig und daher auch die Mitteilungen der Kassen über diesen Punkt spärlich. Daß in einzelnen Fällen aber solche Momente eine sehr erhebliche Rolle spielen, geht aus nachstehender Mitteilung der Sparund Darlehnskasse Hinterweidenthal (Rheinpfalz) hervor : „Im Jahre 1910 wurden etwa 40 000 Mk. mehr Spareinlagen einbezahlt, da infolge eines Bahnneubaues ca. 60 000 Mk. für abgetretene Grundstücke in die Ge meinde flossen, wovon der Hauptteil uns zugeführt wurde." Da die genannte Kasse Ende 1910 über 216 784 Mk. Spareinlagen verfügte, war also dieser Zufluß von sehr erheblicher relativer Bedeutung. Unter den Faktoren, welche einen Einfluß auf den Zuund Abfluß von Spareinlagen äußern, sei hier noch der Lage des allgemeinen Geldmarktes und der Zinspolitik besonders gedacht. Es ist be greiflich und wird auch durch die früher genannten Ziffern bewiesen, daß in Zeiten aufsteigender Konjunktur und eines hohen Zinsfußes auf dem allgemeinen Geldmarkt die Spareinlagen der Landbevölkerung die Tendenz zeigen, von den ländlichen Sparund Darlehnskassen und öffentlichen Sparkassen abzufließen und sich höher verzinslichen Anlagen zuzuwenden. Volkswirtschaftlich könnte ein solches Nückgreifen auf die Reservoirs der ländlichen Spareinlagen vorteilhaft insofern erscheinen, als damit der indu strielle und kommerzielle Aufschwung gefördert wird. Indes stehen dem doch auch mancherlei gewichtige Bedenken gegenüber. Wenn man erwägt, daß dadurch nicht selten eine übertriebene, ungesunde Hochkonjunktur unter stützt wird, wenn man erwägt, daß die Früchte mühsamer Arbeit und opferreichen Entsagung oft recht zweifelhaften, unsicheren Anlagen zugeführt werden, wenn man erwägt, daß damit bedeutende Kapitalien einer be fruchtenden Wirkung für das Land entzogen werden, dann erscheint ein OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 47 solcher Abfluß von Spareinlagen in einem ungünstigen Lichte. Es ist daher verständlich, daß die ländlichen Sparund Darlehnskassen, schon aus geschäftlichen Gründen, bemüht sind, den Abfluß von Spareinlagen in Zeiten allgemeiner Geldteuerung zu verhüten. Das wirksamste Mittel zur Erreichung dieses Zwecks ist die Anpassung der Zinssätze an die allgemeinen Geldmarktverhältnisse, vornehmlich aber an diejenigen konkurrierender, benachbarter Sparanstalten und Banken. Von diesem Mittel haben denn auch die ländlichen Sparund Darlehnskassen während der Geldteuerung in den Jahren 1906 — 1908 häufig Gebrauch machen müssen. Indessen nicht überall; die Berichte der Kassen lassen vielmehr erkennen, daß nicht selten infolge der Einsicht und Treue der Mitglieder, sowie fehlender Konkurrenz auch in jenen Jahren eine Zinserhöhung vermieden werden konnte. Eine ganze Reihe Kassen teilten mit, daß sie seit langen Jahren den Zinsfuß ohne Nachteil für die Bewegung der Spareinlagen unver ändert gelassen haben; so beträgt z. B. bei der Sparund Darlehns kasse Seligenstadt (Hessen) der Zinsfuß für Spareinlagen seit dem Jahre 1872 3^2 o/o. In zahlreichen anderen Fällen sahen sich aber die Sparund Darlehnskassen während jener Jahre zu Zinserhöhungen, häufig von 3Vg auf 4 o/o gezwungen, welche Maßnahme dann fast durch weg eine günstige Wirkung zeitigte. So wuchsen z. B. bei der Sparund Darlehnskasse Johannisdorf (Westpreußen) infolge der Erhöhung der Zinssätze auf 4^/2 und 5 o/o die Spareinlagen im Jahre 1908 von 222 000 auf 373 000 Mk., also um fast 70 o/o. Die Sparund Dar lehnskasse Michalkowitz (Schlesien), welche wegen der Konkurrenz be nachbarter Kassen noch im Januar 1910 den Zinsfuß auf 4 bezw. 4^/2 0/0 erhöhte, hat in den letzten 1^/2 Jahren eine Vermehrung der Spareinlagen um 128 000 Mk., von 110 000 auf 238 000 Mk., zu verzeichnen. Bei der Sparund Darlehnskasse Niedermarsberg (Westfalen) brachte die Zinserhöhung von 8^/2 auf 4 0/0 im Jahre 1908 eine Erhöhung der Spareinlagen von 180 789 auf 327 291 Mk. Die von der Sparund Darlehnskasse Ellmosen (rechtsrh. Bayern) wegen örtlicher Konkurrenz verhältnisse im Jahre 1910 bewirkte Zinserhöhung "von 8^/2 auf 4 0/0 hatte zur Folge, daß der Abfluß von Geldern nicht nur aufhörte, sondern auch von auswärts erhebliche Summen zuflossen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich in der Pfalz bei den Kassen Limbach, Oggersheim, Herxheim, Mutterstadt. Kassen, welche nicht rechtzeitig Zinserhöh ungen vornahmen, mußten vielfach einen merklichen Abfluß namentlich von größeren Spareinlagen wahrnehmen. So erlebte die Kasse Reh Hof (Ost preußen) im Jahre 1907, daß „wegen des hohen Reichsbankdiskonts überall OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
48 Or. Grabein. Es wurden abgehoben Name der Kasse Grundstücks kauf Hauskäufe, Umbauten, Neubauten Verheiratung Mk. Mk. Mk. Laukischken ....................................... 9 905 4 000 3 800 Hohenkirch ....................................... 12 000 — 10 000 Tornesch ............................................ 8 000 25 000 24 000 Taarstedt ........................................... 4 400 10100 13 300 Langenschwarz .............................. 5 — 6 000 3 — 4 000 15-20 000 Kinzenbach ....................................... 10 740 1 125 -Dieringhausen .............................. 12 000 ! ---- 4 000 Ellmosen ........................................... 10 420 3 935 Herxheim ............................................ 40 636 ! 54 756 — Summe 91 941-92 941 96 856 — 97 856 ! 75 160 — 80 160 21 160 — Darlehen gekündigt, Kredite geschmälert wurden und die Folge war, daß vielfache Abhebungen von Spareinlagen stattfanden, um bedrängten Freun den und Bekannten zu helfen". Bei der Kasse Behnsdorf (Sachsen) fielen infolge der Zinsherabsetzung von 8^/2 auf 3^4 0/0 die Spareinlagen von 51993 Mk. auf 41999 Mk. in den Jahren 1903 — 1905; sie erhöhten sich von 63 526 Mk. im Jahre 1908 auf 95798 Mk. im Jahre 1909 infolge der Zinserhöhung von 8^/2 auf 40/0. Die Kasse bemerkt hierzu, daß „infolge der Herabsetzung des Zinsfußes die größeren Posten abgehoben wurden. Nach der Heraufsetzung des Zinsfußes auf 4 o/y bleiben die größeren Posten, wenn sie nicht in der eigenen Wirtschaft gebraucht werden, für gewöhnlich stehen. Die Verzinsung mit 4 o/y hat aber auch viele neue Sparer herangezogen". Je stärker die Spareinlagen bei den länd lichen Sparund Darlehnskassen anwachsen, je mehr der Wettbewerb be nachbarter Sparanstalten sich fühlbar macht, je mehr durch die fortschreitende Dezentralisation des Netzes der Sparkassen und Großbanken, sowie durch die Verbesserung aller Verkehrsmittel auch die Landbevölkerung in immer innigere Berührung mit dem allgemeinen Geldmarkt tritt, eine desto größere Aufmerksamkeit werden in Zukunft die ländlichen Sparund Darlehns kassen einer zweckentsprechenden Zinspolitik zuwenden müssen, allerdings ohne in den Fehler zu weitgehender Zinstreiberei zu verfallen. Diese im geschäftlichen Interesse gebotene Forderung liegt ebensosehr im Interesse der ländlichen Sparer, um ihnen eine sichere Anlage zu gewährleisten, wie schließlich im Interesse der Volkswirtschaft, um eine gesunde Verwendung der Spareinlagen sicherzustellen. Sieht man von den durch besondere Verhältnisse bedingten, zeitlichen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen aus dem Lande. 49 zu folgenden Erbschaft Zwecken Wegzug i Schulden- ! tilgung Gewährung von Darlehen > für Sonstiges Mk. Mk. j Mk. i Mk. Mk. — ! — --- ! — — 5 000 1 . — - — 3 200 — — — — i 4 500 14 992 21 500 13 985' — i 1 — 2 000 ! -- — - — — 2 425 — — 900 — ! 18 000 — — — 12 366 4 600 2 615 6 300 16 482» 37 742 21 054 2 000 ! 4 000 j 15004 50 108 59 779 — 60 779 19 607 j 81800 ! 32 867 Schwankungen von Zufluß und Abfluß der Spareinlagen ab, so erscheinen als Ursachen für die Abhebungen größerer Beträge in normalen Jahren : Grundstückskäufe, Hauskäufe, Umbauten, Neubauten, Anschaffung von Wirtschaftsinventar, Verheiratung, Erbschaft, Selbständigmachung in der Landwirtschaft, im Gewerbe oder Handel, Zins-Terminzahlungen, Rück zahlungen von Hypotheken und sonstigen Schulden, Wegzug, Anlage in Wertpapieren oder Gewährung von Darlehen an Private, Unglücksfälle in der Wirtschaft oder in der Familie. Wenn auch allgemeine ziffern mäßige Angaben nicht vorliegen, so lassen doch die erläuternden Mit teilungen der Kassen und eine Reihe von ihnen angeführter Ziffern darauf schließen, daß in der Hauptsache die Abhebung größerer Einlagenbeträge zu produktiven Zwecken erfolgt. Soweit die Kassen ziffernmäßige Angaben gemacht haben, sind sie in der obenstehenden Tabelle zusammengestellt. Man ersieht hieraus, daß die Ab hebungen vornehmlich zu Landund Hausankäufen, Umbzw. Neubauten, zwecks Verheiratung, Wegzug, Erbschaft, zur Anschaffung von Maschinen, Vieh usw. erfolgen, also in der Hauptsache zu produktiven Zwecken. Die Spar tätigkeit erreicht in solchen Fällen ihren erstrebten und wünschenswerten Zweck, Stufen zu bilden für das wirtschaftliche und soziale Emporsteigen der Sparer. * Für Weiterbildung 800 Mk., für Kurkosten 200 Mk., für Erweiterung des Geschäftes 1700 Mk., für Hinterlegung einer Kaution 1500 Mk., für häusliche Aus gaben 3500 Mk., für anderweitige Spareinlagen 6285 Mk. 2 Zum Viehankauf. 3 Zum Ankauf von Maschinen und dergl. * Zur Anschaffung einer Maschine. Schriften 137. II. 4 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
56 Dr. Grabein. gesundheitlicher Hinsicht von großem Vorteil. Die Leute sind durch ihre ersparten Groschen wirtschaftlich viel besser gestellt. Wollen sie sich ein Stück Vieh kaufen, so haben sie Geld auf Lager. Sie sind also vom Handels mann nicht mehr abhängig." Die Sparund Darlehnskasse Eckelhausen (Wiesbadenberichtet: „Durch größere Darlehen gegen Sicherheitshypotheken hat es unsere Kasse einer großen Anzahl von Arbeitern ermöglicht, ein eigenes Haus zu bauen und die Tilgung der Schulden in monatlichen oder mehrwöchentlichen Be trägen zu bewirken. Es leuchtet ein, daß diese Einrichtung ebensosehr zur Weckung des Sparsinns wie zur Erleichterung der Schuldentilgung dient. Einer unserer Schuldner bekam so in 10 Jahren sein Haus schuldenfrei und konnte dabei noch den Kredit zum Ankauf eines Ackers benutzen. Andere, die ein altes baufälliges und für die gewachsene Familie durchaus unzureichendes Haus niederreißen und durch einen kostspieligen Neubau ersetzen mußten, bekennen dankbar, daß dies ohne Hilfe unserer Genossenschaft nicht möglich gewesen sei. Auch hier tritt die wirtschaft liche, sittliche und soziale Bedeutung unserer Arbeit einleuchtend zutage." Besonders bemerkenswert und eingehend sind die Mitteilungen aus der bayerischen Rheinpfalz. Der Sparund Darlehnskassenverein Dannstadt teilt eine Reihe typischer Beispiele erfolgreichen Sparens mit: „Seit meiner beinahe 18 jährigen Tätigkeit als Sparkassenrechner bin ich mit allerhand Sparern zusammengeraten. Im allgemeinen darf ich wohl behaupten, daß die gänzlich Besitzlosen am schwersten zum Sparen zu bringen sind. Sie begnügen sich mit der Lazzaronimoral: Wir bringen doch kein Schiff aufs Meer oder wir werden doch keine Millionäre, und damit schlagen sie alle Arten Ermahnungen in den Wind. Wenn ich die Spareinleger — Erwachsene sowohl als Kinder — mir näher ansehe, so kann ich die Wahrnehmung machen, daß sie aus Kreisen stammen, die neben Fleiß an Einfachheit und Sparsamkeit von Haus aus gewöhnt sind. Ein typisches Beispiel unter vielen : Eine arme Witwe mit zwei kleinen Mädchen sieht sich ihres Ernährers beraubt und muß nun ihr Dasein als Wäscherin fristen und nebenbei auch noch als Näherin etwas verdienen. Im Jahre 1896 machte sie ihre erste Einzahlung von 480, — Mk., welche Summe sie sich nach und nach erspart und zu Hause verwahrt hatte. Alle Jahre brachte sie nun 200 — 300 Mk. in kleineren Teilzahlungen, die Zinsen wurden regelmäßig beigeschrieben, Abhebungen erfolgten nicht, so daß dieselbe Ende 1910 über ein Kapital von 4319,16 Mk. verfügen konnte. Ihre beiden Töchter brachten im Jahre 1901 ihre ersten Ersparnisse, die eine 100, — Mk., OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 57 die andere 90, — Mk. Auch diese beiden Kontis wurden durch regelmäßige jährliche Ersparnisse, sowie Beischreibung der jährlichen Zinsen auf rund 1800 Mk. bzw. 1600 Mk. Ende 1910 gebracht. Zum Beweise meiner Behauptungen' möchte ich nun auch die Sparverhältnisse der Großeltern anführen. Selbige haben im Jahre 1895 ihre ersten Ersparnisse von 300 Mk. gebracht. Im Jahre 1902 konnten sie einem Sohne 600 Mk. Heiratsgut mitgeben und beim Tode des Großvaters verblieben der über lebenden Witwe noch rund 600 Mk. für Altersversorgung. Ähnliche Bei spiele haben wir bei unserer Kasse noch etliche zwanzig zu verzeichnen. Es fehlt aber auch nicht die Kehrseite der Medaille. Wir haben größere Vermögen von 40, 60 und 80 000 Mk. im Laufe unserer Amtszeit zerrinnen gesehen." Der Sparund Darlehnskassenverein Herxheim „übte auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Bezirkes den größten Einfluß aus. Durch die Erleichterung der Abzahlung auf Schuld (von 1, — Mk. an) auf Zinsen und Kapital wurde es ermöglicht, daß auch der Ärmste von Schuld frei werden kann. Vielen wurde es möglich, durch Ansammeln geringer Beträge ein ansehnliches Sümmchen zur Erwerbung eines eigenen Heims auf eigenem Boden oder zur Erwerbung eines Stück „Gutes" zusammenzubringen. Durch die Übernahme von Zessionen, Kaufschillingen und Güterzielen kamen die Leute aus den Händen derer, welche nebst dem Nachlaß (Provision) höhere Zinsen forderten (6 o/o und 7 o/o). Unsere Mitglieder bekennen offen, daß sie ihre gehobene Lage zum großen Teil — nebst deren außergewöhnlichem Fleiß — der Mithilfe unseres Vereins verdanken. Die Verhältnisse unserer Fabrikbevölkerung haben sich be deutend gehoben. Junge Mädchen ersparten sich bis zu ihrer Verheiratung mitunter bis zu 3000 Mk. Unternehmende Fabrikarbeiter er richten gutgehende kleine Zigarrenfabrikbetriebe einer mit 8 — 12, ja sogar einer mit 40 Arbeitern. Bauern, die früher zwei oder drei Familien zusammenwohnten, wurde durch Gewährung von Dar lehen ermöglicht, sich selbst ein Anwesen zu erwerben oder zu erbauen. Vor zehn Jahren zählte unsere Ortschaft 700 Häuser, jetzt etwa 830. Diese, sowohl in landwirtschaftlicher als industrieller Beziehung, sehr rege Tätigkeit war nicht ohne Einfluß auf die soziale Hebung der ganzen Be völkerung. Die Ernährungsweise, Kleidung, Wohnungsverhältnisse wurden bedeutend verbessert und verfeinert, gestaltete sich mitunter luxuriös. Die sittlichen Verhältnisse, besonders durch bessere Wohnungsverhältnisse sind unverkennbar besser geworden. Die Leute fühlen heute durch ihren Verein ihre finanzielle Unabhängigkeit von anderen." OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
58 Dr. Grabein. Der Sparund Darlehnskassenverein Mutterstadt schildert das Emporsteigen der Jndustriebevölkerung: „Junge Leute, Söhne von Ar beitern oder von Kleinbauern, die in der Industrie beschäftigt sind und welche sich nicht zu frühe, erst mit 26 oder 27 Jahren oerheiraten, er sparen sich bis dahin meistens 2000 — 2500 Mk. Diese Summe findet dann zum Ankauf eines Wohnhauses oder zur Errichtung eines Neubaues Verwendung. Solche Arbeiter erbauen Wohnungen, die 5000 — 6000 Mk. kosten ; den benötigten Rest empfangen sie von unserer Kasse gegen Kredit und Bürgschaft oder auf Kredithypothek. Kräftige Impulse zum Sparen empfangen Arbeiter in den Anfangsjahren der Ehe dadurch, daß sie den Mut haben, Schulden zu machen, insofern sie ein Grundstück oder ein eigenes Haus erwerben. Ihre Ersparnisse werden alsdann zu Zinsund Terminszahlungen verwendet. Es sind uns Fälle bekannt, wo der Spar eifer den jungen Ehemann veranlaßt, kein Wirtshaus zu besuchen." Ähn liche Äußerungen begegnen seitens der Sparund Darlehnskassen in Hessen. Michelstadt stellt fest, daß durch die Sparund Darlehnskasse eine Menge kleiner Leute aus den Händen der Wucherer gerettet seien. „Die Leute bekennen offen, daß sie sich glücklich preisen, endlich einmal durch wöchentliches Sparen in den Stand gesetzt worden zu sein, die sogenannten Halsabschneider abschütteln zu können." Die Kasse Seligenstadt berichtet: „Wenn in Seligenstadt jährlich etwa 15 neue Wohnhäuser gebaut werden, so steht es fest, daß für 12 davon das Kapital in unserer Kasse angesammelt wurde. In den meisten Fällen sind es Arbeiter, die von ihrem Wochenlohn allsonntäglich einige Mark auflegen und so den Grundstock zum Arbeiterwohnhaus im Werte von ca. 5000 Mk. sammeln. Die Kasse gewährt oft auch die Hypotheken und zwecks Aufbringung der nötigen Hypothekzinsen werden wieder Spar karten gesammelt. Weiter gewährt die Kasse Darlehen auf Schuldscheine und entreißt so die in Not geratenen Mitglieder und Einwohner aus den Händen von Wucherern. Leicht und sicher wirkt dann wieder der Spar kartenverkauf, der nicht genug empfohlen werden kann." Die Kasse Weisenau macht namentlich über die Förderung des Haus baues nähere ziffernmäßige Angaben : Sie bemerkt, daß durch das wöchentliche Abholen von Spareinlagen „das Zusummenbringen von Geldern für Miete, Winterkartoffeln, Kohlen, Konfirmationsanschaffungen, Ausstattungen, Ackerfeld, Bauplätze und Arbeiterwohnhäuser erleichtert wird. Bei An schaffung eines eigenen Heims konnte unsere Kasse schon manchem Arbeiter, der ihr als guter Sparer bekannt war, durch Übernahme von Kaufschillings geldern unter die Arme greifen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 59 Wir lassen hierzu ein paar Beispiele folgen. Erworben wurden die Häuser in den Jahren von 1902 bis 1910 mit einer Anzahlung von 1000 — 3000 Mk. Die Aufstellung gibt an den Beruf des Eigentümers, Anschaffungs wert, erste Hypothek, Anzahlung, Kaufschilling und den Restbetrag des Kaufschillings am 1. Oktober 1911. Name und Berus Kauf preis An- ! Zahlung I. Hypo thek Kauf schilling Resides Kaufschillings am 1. Okt. 1911 Mk. Mk. Mk. i Mk. i Mk. I. D., Küfer ................. 12 000 1000 8000 ! 3000 2000 P. K., Maurerpolier . . 9 000 1000 5500 2500 ! 1000 E. K., Schreiner .... 3 500 --- ! — 3500 2600 I. D., Bahnwärter. . . 8 000 1000 4500 I 2500 1500 A. K., Vorarbeiter . . . 8 000 1000 4500 2500 ! — I. B., Tagelöhner . . . 8 000 1000 4500 2500 1 1500 G. P., Vorarbeiter . . . 8 000 i 1000 4500 2500 — H. B., Former ................. 5 500 — — 5500 5000 P. K., Maurer .... 12 000 3800 7000 1200 ! 600 F. E., Aufseher .... 12 700 1500 ! 8500 2700 ! 700 K. G., Aufseher .... 12 000 1000 8500 2500 1500 T. G., Maurer .... 8 000 ! 1500 4000 2500 ! 1600 D. S., Zigarrenmacher . 11000 1300 8000 i 1700 - 1300 M. E., Buchhalter . . . 12 500 1000 8500 3000 500 Summe — — — 38100 19800 Die Kaufschillinge sind mithin schon fast zur Hälfte getilgt. Auch bei den von uns gewährten I. und II. Hypotheken zeigt sich, indem wir Rückzahlungen schon von 10, — Mk. an entgegennehmen, eine starke Tilgung. Manchem Arbeiter gelingt es mit der Zeit, sich auf diese Weise ein schuldenfreies Anwesen zu schaffen." V. Kritik der Ergebnisse. Die vorstehenden Ausführungen vermögen, wenigstens von der Größe der Ersparnisse aus dem regelmäßigen Jahreseinkommen, eine gewisse Vor stellung zu vermitteln. Es ist aus ihnen zu entnehmen, daß weite Kreise der Landbevölkerung oft eine erstaunliche, man darf sagen, geradezu be wunderungswürdige Spartätigkeit entwickeln. Von einem meist nur bescheidenen Einkommen werden vielfach 10 — 15 o/o, nicht selten 20 — 30 o/o, bisweilen 50 o/o und mehr erübrigt. Daß diese Angaben nicht ohne Ein schränkung verallgemeinert werden dürfen, daß aus den schwankenden An OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
60 Dr. Grabein. gaben der Kassen keine bestimmten Durchschnittsziffern gezogen werden können, ist wiederholt betont worden. Immerhin wird sich die Frage aufwerfen, inwieweit die Mitteilungen der Kassen mit anderen Be obachtungen und Feststellungen in Einklang zu bringen sind. An einwand freien Zeugnissen über das Verhältnis der Ersparnisse zum Einkommen fehlt es nun allerdings fast gänzlich. Wie schwierig fast unmöglich zu verlässige allgemeine statistische Feststellungen sind, war schon einleitend bemerkt, aber auch monographische Untersuchungen über diese Frage sind in ihren Ergebnissen zweifelhaft. Das gilt auch von der um fassendsten und sorgfältigsten Arbeit auf diesem Gebiete der vom Kaiser lichen Statistischen Amt im Jahre 1909 herausgegebenen „Erhebung von Wirtschaftsrechnungen minderbemittelter Familien im Deutschen Reich." In dieser mit weitgehendster Sorgfalt durchgeführten Erhebung, welche sich auf eingehende Jahreshaushaltsrechnungen von 826 Familien erstreckt, finden sich unter den Ausgabeposten auch Angaben über die gemachten Ersparnisse. Danach betrugen die Ersparnisse durchschnittlich bei 826 Haus haltungen mit 2192 Mk. Durchschnittseinkommen: 25,68 Mk. und zwar betrugen die durchschnittlichen Ersparnisse: bei 522 Arbeitern mit 1835 Mk. Durchschn.-Eink. : 17,57 Mk. „ 36 Privatangestellten „ 2442 „ „ 71,10 „ „ 79 Lehrern „ 3294 „ „ 33,48 „ . 139 mittl. Beamten „ 2862 „ „ 44,62 „ „ 67 Unterbeamten „ 2084 „ „ 17,94 „ Im Durchschnitt der 826 Familien beziffern sich die Ersparnisse auf etwa 1,2 o/o des Einkommens, sie steigen selbst bei der stärksten Sparergruppe, den 36 Privatangestellten, auf noch nicht ganz 30/0. Im Verhältnis zum Einkommen bemessen sich die Ersparnisse bei einem Einkommen: bis zu 2000 Mk. auf 11,58 Mk. — 0,7 0/0 von 2000 — 3000 „ „ 28,91 „ 1,2 0/0 über 3000 „ „ 60,79 „ — 1,6 0/0 Wie die Erhebung indes mehrfach ausdrücklich betont, sind die Angaben über die Höhe der Ersparnisse unvollständig und daher zu niedrig. Ein mal ist aus mannigfachen psychologischen und sonstigen Gründen das Einkommen, insbesondere der Bezug von Nebeneinkünften zu gering an gegeben, so daß sich bei zahlreichen Haushaltungen Fehlbeträge bzw. nur geringfügige Überschüsse ergeben Im weiteren zeigt sich auch hier * Eb a. S. 18. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 61 jene naheliegende Scheu, den Umfang der Ersparnisse bekanntzugeben. Aus all diesen Gründen bleiben die Angaben der Er hebung sehr weit hinter der Wirklichkeit zurück. Die Be rechtigung dieses Schlusses ergibt sich aus folgender Überlegung. Nach ungefähren Schätzungen beträgt das gesamte Einkommen der Personen mit weniger als 3000 Mk. etwa 22 Milliarden Mk. so daß sich nach den Durchschnittsziffern der Erhebung die jährlichen Ersparnisse dieser Volksschichten auf nur etwa 240 Millionen Mk. beziffern würden. An gesichts der Tatsache, daß im Jahre 1910 allein die Ersparnisse bei den öffentlichen und privaten Sparkassen um jährlich 1107 Millionen Mk. und bei den Kreditgenossenschaften um 350 Millionen Mk., in Summa 1457 Millionen Mk., wuchsen, und von diesen 1457 Millionen Mk. Erspar nisse zweifelsohne ein sehr großer, ja der größte Teil auf Spareinleger mit weniger als 3000 Mk. Einkommen entfällt, ist der Anteil der Ersparnisse mit nur 1,2 o/o vom Einkommen ganz sicher mehrfach unterschätzt. So bietet also die erwähnte Erhebung keinerlei Anhaltspunkte, um das Verhältnis zwischen Einkommen und Ersparnissen abzuschätzen. Man bleibt daher auf jene allerdings unsicheren allgemeinen Schätzungen angewiesen, deren Ergebnisse indes in diesem Falle zutreffender sind als anscheinend genaue Einzelerhebungen. Versuche, den Umfang der jährlichen Ersparnisse bzw. den jährlichen Zuwachs des Volksvermögens festzustellen, sind verschiedentlich unternommen worden. Schon für das Jahr 1886 hat Becker die jähr liche Vermehrung des Volksvermögens in Deutschland durch reale Erspar nisse auf rund 2,5 Milliarden geschätztSchmöller erscheint diese Schätzung zu niedrig, er erhöht sie auf 1^2 — 2 o/o des von ihm auf rund 200 Milliarden berechneten Volksvermögens d. h. auf 3 — 4 Milliarden Mk. Heiligen st adt weist darauf hin, daß in den drei Jahren 1902 — 1905 nach der Preußischen Steuerstatistik das Vermögen der Zensiten mit mehr als 3000 Mk. Einkommen durchschnittlich um jährlich 1854 Millionen gestiegen sei. Er schätzt daher den jährlichen Vermögenszuwachs für Preußen auf 2V2 Milliarden Mk., für ganz Deutschland auf rund * Reichstagsdrucksachen 1907/1909, Nr. 1043, S. 112. Hier wird für Preußen das steuerpflichtige Einkommen in den Steuerstufen von 900 — 3000 Mk. auf 6591 Millionen Mk. für 1907 angegeben, das steuerfreie Einkommen unter 900 Mk. auf 6243 Millionen Mk. geschätzt. Es ergibt sich hiernach für die Einkommen bis zu 3000 Mk. ein Gesamtbetrag von 12834 Millionen Mk. für Preußen bzw. von 21,3 Milliarden Mk. für das Deutsche Reich. Da seit dieser Schätzung einige Jahre verflossen sind, wird die oben angenommene Ziffer von 22 Milliarden Mk. für die Gegenwart nicht zu hoch gegriffen sein. 2 Schmöllers Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre. Teil 11, S. 184. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
62 Or. Grabein. 38/4 Milliarden Mk?. Andere Schätzungen gehen auf 4 — 5 Milliarden Mk. hinauf. Rechnet man für die Gegenwart mit letzteren Ziffern, dann er scheint im Vergleich zum Volkseinkommen der jährliche Vermögenszuwachs recht erheblich, er beziffert sich auf 11,5 — 16,6 Prozent des auf 30 — 35 Milliarden berechneten Volkseinkommens. Es ist dies eine Ziffer, welche sich den Mitteilungen der ländlichen Sparund Darlehnskassen über die relative durchschnittliche Höhe der jährlichen Ersparnisse der Landbevölkerung ziemlich nähert. Da es sich jedoch bei den Angaben der Kassen vornehmlich um die Spartätigkeit der minderbemittelten Volksschichten handelt, so ist allerdings ein Vergleich mit dem gesamten Vermögenszuwachs noch nicht beweiskräftig. Den Ver mögenszuwachs bei den Einkommen unter 3000 Mk. schätzt Heiligenstadt nun auf rund 1 Milliarde Mk. Für die Gegenwart dürfte indes diese Ziffer zu niedrig sein. Da allein bei den öffentlichen Sparkassen und Kreditgenossenschaften im Jahre 1910 ein Anwachsen der Spareinlagen um etwa 1457 Millionen Mk. festzustellen ist, so wird man den jährlichen Vermögenszuwachs für die Zensiten mit weniger als 3000 Mk. Ein kommen auf gewiß 1^2 Milliarden veranschlagen dürfen. Man geht auch kaum fehl mit der Annahme, daß dieser Vermögenszuwachs zum geringsten Teil aus Wertzuwachs, sondern in der Hauptsache aus Ersparnissen von Einkommen herstammt. Da das Einkommen der Zensiten mit weniger als 3000 Mk. Einkommen sich auf etwa 22 Milliarden berechnet, so be ziffern sich danach die Ersparnisse dieser Kreise auf etwa 70/0 vom Einkommen. Welche absolute Summe und welcher Prozentsatz dabei auf die Ersparnisse der minderbemittelten Kreise der Landbevölkerung entfällt, das kann mit irgendwelchem Anspruch auf annähernde Sicher heit weder berechnet, noch geschätzt werden. Wohl aber ist die Annahme gerechtfertigt, daß die Quote der Ersparnisse sich relativ höher stellt als in den entsprechenden Schichten der Gesamtbevölkerung. Die billigeren Lebensverhältnisse, die seltenere Gelegenheit zu entbehrlichen oder über flüssigen Geldausgaben, der einfachere Zuschnitt des häuslichen und ge selligen Lebens eröffnen auf dem Lande die Möglichkeit zu relativ größeren Ersparnissen, als in der Stadt. Diese allgemeinen, wenn auch unsicheren Schätzungen, legen damit den Schluß nahe, daß die Angaben der Kassen, wonach sich häufig die Ersparnisse auf 10 — 15 0/0 des Einkommens berechnen, sehr wohl eine typische, allgemeine Bedeutung beanspruchen dürfen. Jns- * Heiligenstadt, Der deutsche Geldmarkt. Schmöllers Jahrbücher für Gesetz gebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. 1907. S. 1546/47. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Entstehung der Spareinlagen auf dem Lande. 63 besondere werden sie vielfach für solche Bezirke zutreffen, wo infolge inten siver Tätigkeit der ländlichen Sparund Darlehnskassen der Sparsinn nachhaltig entwickelt ist. Wo Nebeneinkünfte namentlich aus eigenem landwirtschaftlichen Betriebe vorhanden sind, da ist es verständlich, daß die Überschüsse auf 20, 30, selbst 50 o/o des Lohnes oder Gehaltes an wachsen und nicht minder erscheint die sehr umfangreiche Spartätigkeit der Dienstboten wirtschaftlich begründet. Nach alledem darf den Mit teilungen der berichtenden Sparund Darlehnskassen doch wohl eine allgemeine Bedeutung beigelegt werden, wenn auch aus ihren zahlen mäßigen Feststellungen keine genauen Durchschnittsziffern gezogen werden können. Zugleich bekunden die Ziffern, welche außerordentlich hohe Bedeutung für die Erweckung und die Pflege des Sparsinns unter der Landbevölkerung den ländlichen Kreditgenossenschaften beizumessen ist. Wider spruchslos wird man feststellen dürfen, daß diese von der Landbevölkerung selbst geschaffenen und selbst verwalteten Sparanstalten dank ihrer engen räumlichen und persönlichen Berührung mit den Sparern, ihrer bequemen, vorteilhaften Einrichtungen namentlich für das Kleinsparwesen, dank ihrer opferwilligen, von idealen Zielen mitbeherrschten Verwaltung, am um fassendsten und nachhaltigsten das Sparen zu fördern vermögen. Wer in der Förderung des Sparens der minderbemittelten Kreise der Land bevölkerung eine notwendige Voraussetzung ihres wirtschaftlichen und sozialen Emporsteigens, ein Mittel zur Seßhaftmachung der Landbevölkerung, zur Förderung innerer Kolonisation, einen Hebel für die Ausbreitung tech nischer Fortschritte in der Landwirtschaft erblickt, der wird eine weitere Zunahme und mehr noch innere Erstarkung der vorhandenen 17000 länd lichen Sparund Darlehnskassen nur willkommen heißen. Nicht minder lebhaft aber wird er wünschen, daß alle fehlerhaften Maßnahmen oder Unterlassungen, welche das Vertrauen zu den genossenschaftlichen Spar anstalten etwa vermindern könnten, durch das rechtzeitige und nachdrückliche Eingreifen der berufenen Organisationen nach Möglichkeit verhütet werden. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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Oie Genossenschaften, insbesondere die Kredit genossenschaften nach Schulze-Delitzsch und das deutsche volkssparwesen. von Dr. ttarl Lade, Gerichtsassessor, früher Sekretär des Allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbsund Mrtschaftsgenossenschaften. Schriften 187. II. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
72 Di. Karl Lade. II. Kreditgenossenschaften. Geschäftsguthaben. Schon eingangs ist die innere Verwandtschaft der Geschäftsguthaben mit Spareinlagen des betreffenden Genossen gestreift worden, die hier noch etwas näher begründet werden soll. Auszugehen ist von dem Begriffe des Geschäftsanteils, worunter das Genossenschaftsgesetz den statutarisch bestimmten Betrag versteht, bis zu dem sich ein Genossenschaftsmitglied mit Einlagen bei der Genossenschaft beteiligen kann. Dieser Kapitalbetrag braucht nicht sofort bei dem Eintritt in eine Genossenschaft eingezahlt zu werden, sondern es ist statthaft und üblich, den Geschäftsanteil durch all mähliche Einzahlungen und Zuschrift von Dividenden zu seiner vollen Höhe aufzufüllen. Die so auf den Geschäftsanteil geleisteten oder gut geschriebenen Beträge nennt man das Geschäftsguthaben des betreffenden Genossen. Die Geschäftsguthaben gehören zu dem Vermögen der Genossen schaft. Insofern unterscheiden sie sich in nichts von dem Aktienkapital einer A. G. oder dem Stammkapital einer G. m. b. H., solange keine Mitglieder aus der Genossenschaft ausscheiden. Sobald aber ein Genosse seine Mitgliedschaft kündigt, entsteht für die Genossenschaft gleichzeitig die Verpflichtung, dem betreffenden Mitglied sein Geschäftsguthaben heraus zuzahlen. Diese einzigartige Bestimmung verleiht, von der Genossen seite aus betrachtet, den Geschäftsguthaben, obwohl sie Genossenschafts vermögen werden, den Charakter einer mit Einlagezwang versehenen An sammlung von eigenem Kapital, das während der Mitgliedschaft des Genossen unkündbar ist, bei seinem Ausscheiden aber fällig wird. Das Geschäftsguthaben ähnelt demnach sehr einer Spareinlage mit besonders gestalteter Kündigungsfrist, eine Ähnlichkeit, die noch dadurch erhöht wird, daß die Guthaben den alleinigen oder wenigstens teilweisen Maßstab für die Dividendengewähr aus dem Jahresgewinn bilden, also auch eine spar zinsartige Leistung vorhanden ist. Es ist daher gerechtfertigt, die Ge schäftsguthaben wirtschaftlich Spareinlagen gleichzustellen. Tatsächlich gibt es auch Gegenden in Deutschland, wo die Bevölkerung ihr Geld nicht etwa einem Sparkonto zuführt, sondern wo oft sämtliche Glieder einer Familie Mitglied einer Genossenschaft nur zu dem Zwecke werden, ihr Geld als Geschäftsguthaben anlegen und den Dividendengewinn dafür ein streichen zu können. Tabelle I gibt die Gesamtsummen der Geschäftsguthaben an den OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 73 jeweiligen Jahresenden des Berichtszeitraumes wieder. Die Zahlen zeigen für alle Landesteile ein ziemlich gleichmäßiges Anwachsen der Guthaben, die mit 108 Millionen Mk. bei 361 Kreditgenossenschaften Ende 1910 eine ansehnliche Höhe erreicht haben. Ende 1911 betrug die Geschäftsguthabensumme bei 952 berichtenden Kreditgenossenschaften des Allgemeinen Verbandes mit insgesamt 620 Tausend Mitgliedern 226 Millionen Mk. Besonders bemerkenswert ist, daß auch in den Krisenjahren die Zu nahme der Geschäftsguthaben keine Verminderung erlitten hat. Es liegt dies neben der fortdauernden Dividendenzuschrift bis zur Auffüllung des Geschäftsanteiles wohl daran, daß die Einzahlungen zu den statutarisch festgesetzten Zeiten erfolgen müssen, Krisenzeilen also anders wie bei Spareinlagen den Zufluß nicht hemmen können, und daß gleichzeitig die Einzelbeiträge so niedig gehalten sind, daß sie auch bei schwierigeren Wirt schaftsverhältnissen erübrigt werden können. Die dadurch bewirkte Auf sparung von kleinen und kleinsten Beträgen ist eine der größten Segnungen der Gulhabenansammlung, da diese sonst größtenteils wegen ihrer Klein heit nicht zurückgelegt, sondern anderweit verbraucht würden. Das alles zeigt deutlich, daß schon allein der Geschäftsguthabenverkehr den Kredit genossenschaften eine bedeutsame Stellung im deutschen Sparwesen zuweist. Die Frage, welchen Bevölkerungsschichten die Guthabengelder ent stammen, ist leicht zu beantworten, wenn wir die Zusammensetzung der Genossenschaftsmitglieder kennen, da ja nur solche Geschäftsguthaben ein zahlen können. Nun verteilten sich Anfang 1912 die 641 429 Mitglieder von 1005 Kreditgenossenschaften Schulze-Delitzschscher Richtung prozentual auf folgende Erwerbskreise: Selbständige Landwirte, Gärtner, Förster, Fischer. . . . 26,61 o/o Gehilfen und Arbeiter bei der Land-, Forstwirtschaft, Gärtnerei und Fischfang .............................................................. 2,42 o/o Fabrikanten, Bergwerksbesitzer und Bauunternehmer . . 3,90 o/o Selbständige Handwerker ......................................................... 22,80 o/o Fabrikarbeiter, Bergarbeiter, Handwerksgesellen .................. 7,00 o/o Selbständige Kaufleute und Händler ...................................... 10,32 o/o Handlungskommis und sonstige kaufmännische Gehilfen . 1,52 o/o Fuhrherren, Schiffseigentümer, Gastund Schankwirte . 4,78 o/o Briefträger, untere Eisenbahn-, Telegraphenover Post beamte, Eisenbahnarbeiter, unselbständige Schiffer, Kellner ............................................................................................ 3,51 o/o Dienstmänner, Dienstboten ............................................... 0,79 o/o Ärzte, Apotheker, Lehrer, Künstler, Schriftsteller, Kirchen-, Staatsund Gemeindebeamte ................................................. 7,57 o/o Rentiers, Pensionäre u. andere Personen ohne Berufsübung 8,78 o/o OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
74 Dr. Karl Lade. Den verhältnismäßig größten Anteil am Gesamtbestande haben also die selbständigen Landwirte, denen in geringem Abstande die selbständigen Handwerker folgen. Diese beiden Berufsgruppen machen zusammen mit den selbständigen Kaufleuten und Händlern mehr als die Hälfte des Mit gliederstandes aus, so daß man wohl sagen kann, daß die Guthabengelder von den breiteren Schichten des Mittelstandes, dem ja auch noch ein großer Teil der übrigen Mitgliederklassen angehört, aufgespart werden. Örtlich entstammen die Gelder dem Sitze der Kreditgenossenschaft und ihrer näheren Umgebung, da die Rechtsform und der wirtschaftliche Zweck der Genossenschaften auswärtiger Mitgliedschaft entgegensteht. Den Gewinn, welchen die Geschäftsguthaben ähnlich wie Sparzinsen den Genossen in Form der Dividende abwerfen, läßt nachstehende Aufstellung über die Dividendenhöhe bei 906 Kreditgenossenschaften des Allgemeinen Verbandes für das Geschäftsjahr 1911 erkennen. Es zahlten an Dividenden : Prozente der Guthaben 2 2Vs! 3 3V2 4 4^2 4-/3 4^ 5 5^2 52/3 Anzahl der Genossenschaften (906) . . ! 2 1 10 1 56 12 1 1 213 39 - 1 6 Prozente der Guthaben ^6'/, «»/»> 7 8 8'/,! 9 E 10 :18 > 25 Anzahl der Genossenschaften (906) . . 359 20 3 118 6 43 1 3 ! 14 1 ! 1 Die Geschäftsguthaben verzinsen sich durchschnittlich also besser, als wenn die betreffenden Geldbeträge als Spargelder selbst mit langer Kündigungs frist angelegt würden. Man darf hierbei aber nicht vergessen, daß die Verzinsung oft keine gleichbleibende ist, sondern je nach der Höhe des jährlichen Reingewinnes schwankt. Die Zwecke, zu denen die Geschäftsguthaben verwendet werden, sowie die Kreise, denen sie von den Genossenschaften aus zufließen, sind die gleichen wie bei der Weiterverwendung der von den Kreditgenossenschaften angesammelten Sparund Depositengelder. Dieser Punkt soll daher ein heitlich weiter unten behandelt werden. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 75 Spareinlagen und Depositen. Zum Verständnis der in nachfolgender Untersuchung durchgeführten Trennung von Spareinlagen und Depositen ist von dem bankmäßigen Sprachgebrauch auszugehen, wonach unter Spargeldern solche Rücklagen zu verstehen sind, welche der Einleger aus seinen Anlageund Betriebs mitteln zum Zwecke der Kapitalbildung ausscheidet; die Depositen bleiben dagegen Bestandteil des umlaufenden dauernd genutzten Betriebskapitals des Einlegers und stellen somit einen zeitweiligen Betriebsüberschuß dar, der in Geldform verwandelt nur vorübergehend einer Bankanstalt an vertraut wird, um bald wieder abgehoben und im Wirtschaftsbetriebe des Einlegers verwandt zu werden. Daraus folgt, daß Spareinlagen ruhigere, oft auch langfristigere Gelder sind, wogegen die Depositenkonten größere Bewegung zeigen, vielfach auch der Verfügung im Scheckund Über weisungsverkehr unterliegen, was bei reinen Sparkonten nicht der Fall zu sein pflegt. Bei der Kontenbenennung der Kreditgenossenschaften ist diese Unterscheidung allerdings nicht streng durchgeführt. So verwenden viele Genossenschaften überhaupt nur die Bezeichnung „Sparkonto", während andere, z. B. eine große Zahl der Genossenschaften von Ober-, Mittelund Unterfranken nur „Depositen" kennen, in beiden Fällen ohne Rücksicht auf die Art der Geldeinlagen. Wo aber beide Konten neben einander vorkommen, gelten die eben angeführten Unterscheidungsmerkmale in der Regel auch für die Genossenschaften. Eine Reihe von Genossenschaften führt nach Kündigungsfristen getrennt mehrere Sparund Depositenkonten. Leider haben aber nur ganz wenige diesen Umstand bei Beantwortung der Rundfrage berücksichtigt, die meisten haben vielmehr nur das Gesamt ergebnis aller ihrer verschiedenen Sparkonten mitgeteilt. Dadurch, wie wegen der Tatsache, daß manche Genossenschaften die Kündigungsfrist nach der Höhe des jeweils abzuhebenden Betrages abgestuft haben, war es un möglich, die Ergebnisse der Erhebung nach der Fälligkeit der Konten zu gruppieren. Dagegen ist die Trennung von Sparund Depositengeldern durchgeführt worden, schon mit Rücksicht auf die Genossenschaften, welche beide aufgeführt haben. Maßgebend für diese Unterscheidung konnte mangels anderer genauer Anhaltspunkte natürlich nur die von den Genossen schaften selbstgewählte Bezeichnung sein, wenn dadurch auch manches Konto, das seinem Wesen nach nur Spargelder umfaßt, unter die Depositen ge raten ist und umgekehrt. Daß die Depositen trotzdem überwiegend echte Depositengelder betreffen, geht aus dem Vergleich der Anzahl der EinOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
76 vr. Karl Lade. und Rückzahlungsposten auf Sparund Depositenkonto (Tab. VIII, IX) hervor. Die größere Beweglichkeit, nach dem eben Gesagten ein Merkmal der Depositen, findet sich tatsächlich auf dem Depositenkonto. Nicht ent halten sind unter den Depositen Kontokorrentund besondere Scheckgelder, da diesen nicht der Charakter von Sparguthaben zukommt; wenigstens war in den Fragebogen ausdrücklich die Berücksichtigung derartiger Konten ausgeschlossen. Wo solche trotzdem erkennbare Aufnahme gefunden hatten, wurden die Zahlen nicht für die Tabellen verwandt. Über Bestand, Abund Zunahme der Sparund Depositen konten nach Stückzahl und Höhe innerhalb der Jahre 1900 — 1910 geben die Tabellen II — VII ein so eingehendes Bild, daß besondere Darlegungen hier entbehrlich sind. Wenn die einzelnen Summen wegen der schwankenden Anzahl der berichtenden Genossenschaften leider auch nicht direkt mit einander verglichen werden können, so ist die stetige Fortentwicklung des Depositenund Sparverkehrs doch deutlich zu erkennen. Die Stückzahlen (Tab. IV, VII) sind, wenn man die einzelnen Landesteile betrachtet, all gemein in einer gesunden Aufwärtsbewegung begriffen und dementsprechend hat auch die Eröffnung neuer Konten ständig zugenommen. Daß sich daneben auch die Zahl der Löschungen von Konten vermehrt hat, findet seine Erklärung in der wirtschaftlichen Lage der Einzahler, welche, wie noch gezeigt wird, vorwiegend den Kreisen des kleinen Mitteloder Arbeiterstandes angehören, die bei Selbständigmachung , Geschäftserweiterung, Ausstattung der Kinder usw. oft ihre ganzen Spareinlagen abzuheben gezwungen sind. Ein ähnliches Bild wie die Stückzahlen bieten die Nachweisungen über die Höhe des Bestandes und der Bewegung der Einlagen (Tab. II, III, V, VI). Erst diese Summen geben einen rechten Begriff von der außerordentlichen Bedeutung der Kreditgenossenschaften als Sparanstalten. Die 601 Millionen Mk. Spargelder, über welche nach Tabelle die 363 berichtenden Kreditgenossenschaften Ende 1910 zum mindesten verfügten (in Wirklichkeit ist die Summe bedeutend höher, da besonders für die früheren Jahre die Zunahmeziffern sehr vieler Genossen schaften fehlen), bedeuten, daß sich der Einlagebestand dieser Genossenschaften in einem Jahrzehnt mehr als verdreifacht hat. Diese Entwicklung — des gleichen übrigens die Vermehrung der Kontenzahl — ist also weit günstiger wie bei den öffentlichen Sparkassen, deren Einlagen nach dem statistischen Jahrbuche für das Deutsche Reich in dem gleichen Zeitraume von 8,8 Milliarden nur auf 15,5 Milliarden gestiegen sind. Bedauerlicher weise fehlt noch immer eine Statistik, aus welcher der gesamte Spargeld bestand einer größeren Reihe von Kreditgenossenschaften zu erkennen wäre. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 7 7 Die bestehenden Nachweisungen fassen alle die Spareinlagen teils mit Scheckgeldern und teils mit Anleihen zusammen, welche in der Form von Namensschuldverschreibungen oder ähnlichen Anteilscheinen aufgebracht werden und daher nicht in dem üblichen Sinne Spargelder darstellen. Immerhin mag eine solche Zusammenstellung für 952 Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes hier folgen, da sie wenigstens ahnen läßt, um welche Beträge es sich hier handelt. (Hypothekenschulden sind in dieser Aufstellung nicht enthalten.) Bei Genossenschaften Ende 1911 waren an fremden Ge mit mehr als , Sofort rückzahlbar dreimonatlicher (Scheck-SparkassenKündigungsfrist j gelber) ldern angelegt Sonstige fremde Gelder 952 Mk. 546 424 690 Mk. 472 798 022 Mk. 46 695 771 Die Fortentwicklung des Sparund Depositenverkehrs bei den Kredit genossenschaften in dem Berichtsjahrzehnt ist natürlich keine gleichmäßige gewesen. Insbesondere haben die Wirtschaftskrisen von 1900/01 und 1907/08, wie zu erwarten, ihren merkbaren Einfluß ausgeübt, indem fast durchgängig in diesen Jahren die Abnahme und Löschungen von Konten größer, die Zunahme und Neueröffnungen geringer geworden sind. Viel fach erstreckt sich diese Wirkung sogar auf die Jahre 1902 und 1909, was eine gewisse langsame Fortpflanzung allgemeiner Wirtschaftskrisen auf die Kreise der genossenschaftlichen Sparer als Grund vermuten läßt. Über den Zinsfuß der Kreditgenossenschaften für Sparund Depositengelder erbrachte die Rundfrage nur teilweise verwertbare An gaben. Dies liegt daran, daß, wie schon erwähnt, viele Genossenschaften ihre Konten mit verschiedener Kündigungsfrist bei Beantwortung der Fragebogen zu einem einheitlichen Konto zusammengezogen haben und dem gemäß auch entweder nur die verschiedenen Zinssätze oder sogar nur die Zinsspannung angegeben haben, ohne zu bemerken, für welche Einlagen die verschiedenen Sätze gelten. Andere Genossenschaften wieder ändern ihren Zinsfuß im Laufe des Jahres den Schwankungen des Reichsbankdiskontes entsprechend oder gewähren Mitgliedern höhere Zinsen als Nicht mitgliedern. Alle diese Angaben waren nicht zu verwerten, wenn man genaue Ergebnisse erhalten wollte. Allerdings haben auch eine Anzahl Genossenschaften ihre Konten genau geschieden und für jedes die Ver zinsungsart angegeben. Doch reicht die Zahl dieser Genossenschaften OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
vr. Karl Lade. nicht als Unterlage zu einer allgemeingültigen Aufstellung für die be treffenden Gebietsteile aus. Immerhin war es wenigstens für einige Landesteile möglich, auf breiterer Grundlage für das Geschäftsjahr 1910 eine Darstellung der Zinssätze solcher Kreditgenossenschaften zu geben, welche nur ein einheitliches Sparkonto haben. Darüber gibt nachstehende Zusammenstellung Auskunft. Der Zinsfuß für Sparguthaben in Prozent betrug im Jahre 1910 bei nachstehender Anzahl von Genossenschaften: Landesteile 2'/2; 3 31/4.31/8 31/2 33/5 33/4! 4 41/4 41/2 5 Berich tende Ge nossen schaften Prov. Ostpreußen . . . . Groß-Berlin .......................... Prov. Pommern ................. „ Schlesien ................. „ Sachsen ...................... „ Schleswig-Holstein . Reg.-Bez. Wiesbaden . . . „ Ober-, Mittel-, Unterfranken ...................... Großhzgt. Baden .................. „ Hessen .................. Thüringische Staaten. . . - 1> — 16-1 3 --------- — - 1 --------- 2 -------------- 5 - 1 1 _ 1 --------- 6 — 1 4 -------------------- - 8 3 — z24>- 2! 4! — ^ --------- - 2 3 — 9 — 2! 5!-^-!- - -------------------2 — 1 11 1 -------------- 1 — 2^ — ; 7! 2 — — — 1 27 1 1 >22> 9! 3>88! 9! 11161! 2> 1, 1 12 10 12 41 21 15 12 8 33 11 33 208 Ergänzend sei hierzu bemerkt, daß die Zinssätze auch der Genossenschaften, welche sie nur summarisch angegeben haben, sich vorwiegend auf der gleichen Höhe halten, die sich aus der Tabelle für die Genossenschaften gleicher Gebiete als vorherrschend ergibt. Das ist ein Zeichen dafür, daß die Tabelle auf typische Bedeutung Anspruch machen darf. Aus ihr geht hervor, daß in den verschiedenen Teilen des Reiches recht verschiedene Zinssätze bevorzugt werden. Es hängt dies mit der Zins Politik der Genossenschaften zu sammen. Diese sollten, um ihren Mitgliedern möglichst billigen Kredit zu verschaffen, an sich niedrige Sparzinsen bevorzugen. Dem wirkt aber der Zwang entgegen, durch einen hohen Zinsfuß möglichst viel Spargelder anlocken zu müssen. Der tatsächliche Zinsfuß ergibt sich daher aus dem Ausgleich dieser widerstreitenden Umstände. Natürlich sind auch die all gemeinen, besonders aber die örtlichen Geldmarktverhältnisse für die Zins bemessung von Einfluß. So zwingt oft die Konkurrenz der städtischen oder Kreissparkassen die Genossenschaften zur Änderung ihres Zinsfußes. Eine verhältnismäßig große Freiheit in ihrer Zinspolitik wird den Kredit genossenschaften nach Schulze-Delitzsch hauptsächlich dadurch gesichert, daß OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 79 diese zwar in der Genossenschaftsabteilung der Dresdner Bank eine Art Geldausgleichstelle haben, aber in ihrer überwiegenden Mehrzahl weder Zentralkassen angehören noch auf Grund der Ausschließlichkeitserklärung mit der Zentralgenossenschaftskasse (Preußenkasse) arbeiten, daher sich auch nicht von diesen Anstalten den Zinsfuß diktieren zu lassen brauchen. Die Herkunft der Sparund Depositengelder. Die Herkunft der Geschäftsguthaben konnten wir leicht aus der beruf lichen Zusammensetzung der Genossenschaftsmitglieder feststellen, bei den Sparund Depositengeldern versagt dieses Mittel, da ja auch die Gelder von NichtmitgLiedern in weitem Umfange von den Genossenschaften herangezogen werden. Hier geben aber die Tabellen VUI, IX über die Größe der Konten und die Höhe der Einzahlungsposten wertvolle Fingerzeige. Danach bestanden bei 390 Genossenschaften im Geschäftsjahre 1910 385 993 Sparkonten. Von diesen Konten waren mehr als ein Viertel nicht höher als 60 Mk., rund ein Sechstel belief sich auf 600 — 1500 Mk., die Mehrzahl der übrigen lag zwischen den Grenzzahlen 60 und 1500 Mk., so daß beinahe fünf Sechstel der Konten 1500 Mk. nicht überschritten. Von sämtlichen Einzahlungsposten blieben, wenn man berücksichtigt, daß von 370 Genossenschaften nur 358 die Einzahlungen unter 20 Mk. ge sondert aufgeführt haben, fast ein Viertel hinter 20 Mk. zurück. Bei den Depositen liegen die Verhältnisse etwas anders, doch übersteigen auch bei ihnen zwei Drittel sämtlicher Konten nicht 1500 Mk. Diese Zahlen erlauben wohl den Schluß, daß die Mehrzahl der Spareinleger den minderbemittelten Kreisen des Arbeiterund kleinen Mittelstandes an gehören, ein Ergebnis, welches den für die Geschäftsguthaben ermittelten Verhältnissen entspricht. Örtlich rühren die Sparund Depositengelder vom Sitz der Genossenschaft und seiner näheren Umgebung her. Für die Einlagen der Mitglieder ergibt sich das schon aus dem S. 74 Aus geführten, gilt aber auch für andere Einleger, da die Anlage der Gelder bei einer Kreditgenossenschaft in erster Linie ein gewisses Maß von Ver trauen auf die Sicherheit der Genossenschaft und ihrer haftenden Mitglieder sowie auf die geschäftliche Tüchtigkeit ihrer Leiter voraussetzt. Allzu große räumliche Trennung steht aber in der Regel solchem Vertrauen entgegen. Auch wäre es bei dem dichten Netz von Sparanstalten, das Deutschland überzieht, nicht recht verständlich, wenn eine beträchtliche Anzahl Sparer unter Umgehung der heimischen Spargelegenheit seine Gelder einer ent fernten Kreditgenossenschaft zuführen würde. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
80 Dr. Karl Lade. Die Verwendung der Guthaben-, Sparund Depositengelder und der aus ihnen erzielten Gewinne. Die Verwendung, welche die Sparund Depositengelder finden, er gibt sich aus der Zweckbestimmung der Kreditgenossenschaften, das Kredit bedürfnis ihrer Mitglieder zu fördern, sowie aus der Vorschrift des H 8 Genoss.-Ges., daß, abgesehen von der Anlage müßiger Bestände, Dar lehen nur an Genossenschaftsmitglieder gegeben werden dürfen. Berück sichtigt man weiter, daß nach den meisten bundesstaatlichen Steuergesetzen die Kreditgenossenschaften durch einen Geschäftsverkehr mit Nichtmitgliedern einkommensteuerpflichtig werden, und daß die Spargeldannahme von Nicht genossen als Geschäftsverkehr mit Nichtmitgliedern angesehen wird, sobald diese Spargeldannahme das zur Befriedigung des Kreditbedürfnisses der Genossenschaftsmitglieder erforderliche Maß überschreitet, so kommt man zu dem Schluß, daß schon zur Vermeidung der Einkommensteuerpflicht die Sparund Depositengelder von den Genossenschaften zur Darlehnsgewähr an ihre Mitglieder verwandt werden. Damit ist denn auch bekannt, welchen Bevölkerungsschichten die Sparund Depositengelder zufließen, da wir bereits oben (S. 73) einen zahlenmäßigen Nachweis über die Berufsgliederung der Genossenschaftsmitglieder gegeben haben. Die Gelder kommen also vornehmlich den selbständigen Landwirten, Handwerkern und Kaufleuten, kurz dem kleinen Mittelstände, und zwar des Ortes zugute, an dem die Kreditgenossenschaft ihren Sitz hat, da ihm, beziehungsweise seiner Umgebung die darlehnsbedürftigen Mitglieder entstammen. Die Zwecke nun, zu welchen die Kreditgenossenschaften ihr Geld aus leihen , sind verschieden. Das eigentliche Betätigungsfeld der Kredit genossenschaften bildet die Gewähr von Personalkredit. Zu seiner Be friedigung sind sie ursprünglich entstanden und für ihn eignen sie sich ihrer ganzen Verfassung nach am besten. Zur Einräumung von Realkredit fehlt den Genossenschaften die erforderliche sichere, kapitalistische Grund lage. Hinsichtlich ihres eigenen Vermögens liegt das an dem gesetzlichen Zwang, ausscheidenden Mitgliedern ihr Guthaben herauszuzahlen. Die Genossenschaften sind also mit dem Hauptteil ihres eigenen Vermögens abhängig von dem jeweiligen Mitgliederstande, dessen Wechsel zu erheb lichen Schwankungen im Vereinsvermögen führen kann. Die fremden Gelder der Genossenschaften setzen sich vornehmlich aus kleinen Spareinlagen zusammen, sind daher jederzeit der Kündigung innerhalb kurzer Fristen ausgesetzt. Da nun ein gewissenhafter Schuldner keine längeren Kredite gewähren soll als ihm selbst von seinen Gläubigern zugestanden werden, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 81 so müssen sich die Genossenschaften in ihren Geldbeziehungen dem leicht kündbaren Charakter der zu ihrer Verfügung stehenden Mittel anpassen. Sie können daher wohl auf kürzere Fristen Betriebskapitalien ausleihen, die sich bei den Schuldnern bestimmungsgemäß bald wieder in Geld um wandeln, nicht aber Hypothekengelder, die zur Abzahlung von Kaufschulden oder Meliorationen dienen und deren Herausziehung aus dem Grundstück niemals sofort, sondern nur durch langsame Amortisation möglich ist. Dennoch hat die fortschreitende Verteuerung der Hypotheken auf dem Geld markt dazu geführt, daß die Kreditgenossenschaften sich in steigendem Maße dem Hypothekengeschäft zuwenden. Davon zeugt auch die nachstehende Tabelle über die verschiedenen Formen genossenschaftlicher Darlehnsgewähr in den letzten 30 Jahren. Hierbei ist allerdings zu beachten, daß in den hypothekarischen Darlehen auch die Kaufschillings-, Steiggelderund Güter zielergeschäfte sowie der Protokollhandel enthalten sind, also Geschäfts zweige, die nicht als reine Realkreditgewähr anzusprechen sind, sondern zwischen dieser und dem Personalkredit die Mitte halten. Auch Konto korrentkredite gegen hypothekarische Sicherstellung mögen teilweise den Hypothekenkrediten zugerechnet sein. Die in der Tabelle verzeichneten Be träge entstammen natürlich nicht ausschließlich Sparund Depositengeldern, sondern in ihnen sind auch die ausgeliehenen Geschäftsguthaben und Reserven sowie sonstige Betriebsmittel der Genossenschaften enthalten, da alle diese Gelder unterschiedslos das genossenschaftliche Betriebskapital ausmachen. Das macht jedoch für die vorliegende Frage keinen Unterschied. (Siehe Tabelle auf Seite 83.) Trotz Anwachsens der Hypothekenkredite überwiegt aber das Personalkredit geschäft auch heute noch bei weitem. Auch sind nicht alle Genossenschaften in gleicher Weise an den in der letzten Tabelle genannten Geschäftszweigen beteiligt, wie aus nachfolgender Aufstellung über die dem Allgemeinen Verbände angehörenden Genossenschaften hervorgeht : Es wurden tatsächlich gewährt: 1. Kredite gegen Vorschußwechsel in 1911 von 620 Genossenschaften, in 1910 620 in 1909 616 in 1908 622 in 1907 624 in 1906 547 in 1905 622 in 1904 624 Schriften 137. II. 6 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
88 Dr. Karl Lade. 1. die Kredite o h n e besondere Sicher st el lung betrugen 3,32 o/o (1910: 2,89 o/o; 1909: 1,89 O/o; 1908 : 3,69 o/o ; 1907: 3,44 o/o; 1906: 2,76 o/o; 1905: 2,87 o/o; 1904: 2,75 o/o; 1903: 2,42 o/o ; 1902: 5,20 o/o; 1901: 2,90 o/o), 2. die Kredite gegen Bürgschaft betrugen 76,390/o (1910: 77,240/0; 1909: 78,760/0; 1908: 74,72«/o; 1907: 74,50O/o; 1906: 75,22"/«; 1905: 76, 87O/o; 1904: 77,2io/o; 1903: 76,65O/o; 1902: 77,60O/o; 1901: 79,90 O/o), 3. die Kredite gegen Fau stpfand betrugen 16,410/0 (1910:16,430/0; 1909: 13,96O/o; 1908: 21,590/o; 1907: 22,06O/o; 1906: 22,02O/o; 1905: 20,25O/o; 1904: 20,04O/o; 1903: 20,93O/o; 1902: 17,200/o; t901: 17,20O/o), 4. die Kredite gegen hypothekarische Sicher st ellung betrugen 3,88 0/0 (1910: 3,44 0/0). Das Deckungsverhältnis bei den gewährten Krediten auf festes Ziel war hiernach unter Anfügung der entsprechenden Verhältnissätze in den Vorjahren das folgende: Gedeckte Ungedeckte Kredite im Jahre 1911 96,68 «Vo 3,32 0/0 ,, 1910 97,11 „ 2,89 „ ,, 1909 98,11 „ 1,89 „ ,, 1908 96,31 „ 3,69 „ ,, ,, 1907 96,56 „ 3,44 „ ,, 1906 97,24 „ 2,76,, 1905 97,12 „ 2,87 „ ,, 1904 97,25 „ 2,75 „ 1903 97,58 „ 2,42 „ ,, ,, 1902 94,80 „ 5,20 „ 1901 97,10 „ 2,90 „ Die ungedeckten Kredite haben also zwar in den beiden letzten Jahren eine kleine Zunahme erfahren, bilden trotzdem aber nur einen verschwindend kleinen Teil der Gesamtdarlehen. Also auch in dieser Richtung befriedigt die Zuverlässigkeit genossenschaftlicher Geschäftsführung. Die Sicherheit der den Genossenschaften anvertrauten Spargelder scheint demnach gegeben. Ob das gleiche auch von der jederzeitigen Abhebbarkeit gilt, d. h. ob die Genossenschaften liquide sind, muß die Gegen überstellung der fremden und der verfügungsbereiten Genossenschaftsmittel überhaupt, insbesondere aber der Vergleich der kurzfristigen Verbindlichkeiten mit den zahlungsbereiten Genossenschaftsanlagen ergeben. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 89 Die verfügungsbereiten Mittel betrugen bei 952 Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes im Jahre 1911: Kassenbestände ............................................ 25 646 641 Mt. Eigene Wertpapiere ......................................... 101 671 477 „ Primadiskonte ..................................................... 20 365 044 „ Lombarddarlehen ............................................... 52 534 248 „ Guthaben bei Banken und Vereinen ... 64 988 687 „ Geschäftswechsel der Mitglieder (zum halben Betrag) .......................................................... 107 274030 „ 372 480 127 Mk. Die Geschäftswechsel sind nur zu ihrem halben Betrage eingesetzt nach dem Vorgänge von Meltzer in seiner beachtenswerten Schrift „Das Depositenwesen in Deutschland" *. Ob diese Schätzung nicht etwas zu vorsichtig ist und ob die Geschäftswechsel der Genossenschaften nicht doch in weiterem Umfange jederzeit zu den üblichen Sätzen diskontierbar sind, ist schwer zu sagen, da zahlenmäßige Unterlagen von allgemeiner Bedeu tung nach der Natur der Sache nicht zu beschaffen sind. Immerhin mag hier Meltzer gefolgt werden, da bei seiner Berechnung in Rücksicht auf die überwiegend bankmäßige Entwicklung der Genossenschaften des All gemeinen Verbandes eine Überschätzung der Liquidität jedenfalls vermieden und ein Ausgleich für etwaige unter die Lombarddarlehen und Vereins guthaben aufgenommenen Beträge geschaffen wird, die tatsächlich nicht als verfügungsbereite anzusprechen sind. Entwicklung des Giroverbandes. Jahr Ges.-Zahl d. Girou. In kasso-Plätze ! Ges.-Stückzahl der eingegange nen Wechsel Gesamtsumme ! der Wechsel Gesamtumsatz auf Girokonto Mk. ! Mk. 1900 1093 476 853 149 644 156 259 667 458 1901 1132 502 708 158 551 207 280 462185 1902 1126 520 024 152 934 787 277 534 409 1903 1222 516 434 156 632 512 383 198 347 1904 1360 549 256 191 491 008 326 811 782 1905 1627 615 275 221392 000 414 880 000 1906 1700 641 131 247 702 000 512 256 453 1907 1787 688 580 269 590 000 650 091000 1908 1803 761 175 287 227 000 > 711 132 000 1909 1863 827 311 285 800 000 729 737 000 1910 1903 792 916 297 503 000 748 138 000 1911 1952 > 773 636 I 302 653 000 ! 790 736 000 i Verlag Gustav Fischer, Jena 1912. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
90 Dr. Karl Lade. Einen gewissen Rückschluß auf Güte und Kurzfristigkeit der genossen schaftlichen Wechselanlage gestatten übrigens die Zahlen über die Ent wicklung des Giroverbandes der Dresdner Bank, dem 617 Kreditgenossen schaften des Allgemeinen Verbandes und 62 andere Kreditgenossenschaften angehören und der den Zweck hat, neben dem Geldausgleich das Inkasso von auf die Niederlassungsorte der Mitglieder gezogenen Wechseln zu ver einfachen und zu verbilligen. Die übrigen Betriebskapitalsanlagen der vorerwähnten 952 Genossen schaften verteilten sich auf: Geschäftswechsel der Mitglieder (zum halben Betrag) ...................................................... 107 274 030 Mk. Kontokorrentdebitoren .............................. 490 910 510 „ Vorschußwechsel und Schuldscheine a) ohne besondere Sicherstellung .... 8 456 332 „ d) gegen Bürgschaft ............................... 386 673 968 „ Hypotheken, Kaufschillinge, Güterzieler u. ä. . 131 794 969 „ Zur Deckung von Forderungen erworbene Immobilien ..................................... 27 462 307 „ Einnahmereste und durchlaufende Posten . . 11 983 814 „ insgesamt 1 164 555 930 Mk. Demgegenüber betrugen die fremden Mittel der gleichen Genossen schaften : 1. Anlehen a) mit länger als dreimonatlicher Kündigungsfrist ............ 546 424 690 Mk. d) sofort rückzahlbar (Scheckgelder) 472 798 022 „ e) sonstige fremde Gelder . . . 46 695 771 „ 2. Kontokorrentkreditoren ....................... 129 396 860 „ 3. Akzeptverbindlichkeiten ....................... 9 383 938 „ 4. Hypothekenschulden ................................. - 8 380 168 „ insgesamt 1 213 079 449 Mk. Die als verfügungsbereit bezeichneten Genossenschaftsmittel betragen demnach 30,7 o/o sämtlicher fremden Verbindlichkeiten. Vergleicht man die Höhe der kurzfristigen Schuldkonten, von deren Begleichungsmöglichkeit die Liquidität der Genossenschaften im engeren Sinne abhängt d. h. also die Summe der Posten 1d und e, 2, 3 (658 274 591 Mk.) mit den leicht greifbaren Anlagen der Genossenschaften, welche dazu um die Lombarddarlehen vermindert werden müssen, da die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 91 Weilerlombardierung von deren Unterlagen nicht immer erlaubt ist, so er gibt sich, daß die flüssigen Mittel der Genossenschaften 48,6 o/o ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen. Hält man diesen Satz zusammen mit der Tatsache, daß auch die nicht als zahlungsbereit bezeichneten An lagen der Genossenschaften zum großen Teil nicht allzu schwer zu realisieren sind, sowie daß die Genossenschaften durch die Genossenschaftsabteilung der Dresdner Bank in steter Verbindung mit dem offenen Geldmarkt stehen, so kann man wohl die Liquidität der Kreditgenossenschaften des Allgemeinen Verbandes als eine vorzügliche bezeichnen. Sicherheit und Liquidität entsprechen demnach allen billigerweise zu stellenden Anforderungen. Förderung der Spartätigkeit. Mannigfaltige Maßnahmen sind von den Kreditgenossenschaften getroffen, durch welche diese die Spartätigkeit der Bevölkerung anzuregen und zu heben suchen. Hierbei ist stets im Auge zu behalten, daß die Kredit genossenschaften den Sparverkehr nicht um des Sparens willen pflegen, sondern in erster Linie, um sich die zur Befriedigung des Kreditbedarfes ihrer Mitglieder nötigen Mittel zu beschaffen. Darüber hinaus können die Genossenschaften überhaupt nicht für die Dauer Spargelder annehmen, weil das Genossenschaftsgesetz den Kreditgenossenschaften die Darlehnsgewähr an Nichtmitglieder anders als zur vorübergehenden Anlegung von Geldbeständen oder zur Unterbringung müßiger Mittel verbietet. Innerhalb dieses Rahmens suchen natürlich die Genossenschaften auch aus allgemeinen erzieherischen Gründen den Spartrieb der Bevölkerung zu wecken, eine Auf gabe, auf die sie, wie erwähnt, ja schon Schulze-Delitzsch hingewiesen hat. Unter den Genossenschaften, welche die Frage nach Einrichtungen zur Förderung der Spartätigkeit beantwortet haben, sind nur wenige, die auf -alle Mittel verzichten können, weil ihnen die Gelder, wie eine Genossen schaft schreibt, ohnehin in reichem Maße zuströmen. Die meisten suchen vielmehr auf diese oder jene Weise den Zufluß der Spareinlagen zu ver mehren. Zu diesem Zweck ist man in erster Linie auf eine möglichst günstige Ausgestaltung der Sparbedingungen bedacht durch Ein führung täglicher Verzinsung (5) oder eines Zinsfußes, der den am Orte üblichen übersteigt (4). Weiter gehören hierher die Annahme auch kleinster Beträge (6), teilweise von 20 Pf. ab, die Errichtung von Pfennigsparkassen (7), die Nichteinhaltung der Kündigungsfrist * Die eingeklammerten Ziffern bedeuten die Anzahl der Genossenschaften, welche über die betreffende Einrichtung berichtet haben. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
92 vr. Karl Lade. in ruhigen Zeiten (3), bei Einzahlungen auf das Postscheckkonto der Ge nossenschaft die Nichtberechnung eines Gebührenanteils für den Einleger (1) sowie die Prämien gewähr an die eifrigsten Sparer des Jahres. Um der erwerbstätigen Bevölkerung die Einzahlung ihrer Ersparnisse zu erleichtern, wird bei der Bestimmung der Kassen st unden auf die Lohn tage und die Freizeit der Sparer Rücksicht genommen, indem die Schalter auch abends (1) oder Samstag nachmittags (2) offen gehalten werden, wofür dann teilweise an einem anderen Nachmittag der Woche die Kasse geschlossen bleibt (1). Zur weiteren Bequemlichkeit der Einleger diente die Einrichtung von besonderen Geldannahmestellen (3) und von Verkaufsstellen für Sparkarten oder Sparmarken. Letztere lauten auf ganz kleine Beträge (20, 50 Pf. bis 2 Mk.), welche die Genossenschaft als Spareinlagen nicht annimmt (4). Die Ausgabe von Spar marken erleichtert es da dem Sparer, auch diese kleinen Beträge zurückzulegen und sie, wenn er eine genügende Anzahl Marken zusammen hat, seinem Sparkonto gutschreiben zu lassen. Einige Genossenschaften haben den Spar markenvertrieb mit dem Abholverfahren vereinigt. Bei letzterem geht der Kassenbote wöchentlich oder monatlich entweder bei allen Genossen oder nur bei solchen, die sich dem Abholverfahren angeschlossen haben, herum und kassiert etwaige Ersparnisse ein (16) oder verkauft Spar marken (1). Wo die fälligen Geschäftsguthaben bei den Mitgliedern selbst einkassiert werden, geschieht die Abholung von Spargeldern gleichzeitig damit (1). Schulsparkassen sind von sieben Genossenschaften eingerichtet, während die Verteilung von Haussparkassen 83 Genossenschaften erwähnen, von denen 58 Ende 1910 13 905 Sparbüchsen ausgeliehen hatten. Betreffen die bisher geschilderten Maßnahmen nur die günstige Aus gestaltung des Sparkassenverkehrs als solchen, so entfalten viele Genossen schaften auch darüber hinaus eine besondere Werbetätigkeit. Durch Anschläge im Kassenlokal (1), auffallende Firmenschilder (1), Flugblätter (1), Anzeigen in Tagesblättern (25), monatliche Bilanzveröffentlichung und Besprechungen in Zeitungen sucht man die Sparer heranzuziehen und den Sinn für das Sparen zu wecken. In gleicher Richtung bewegen sich mitunter die persönlichen Bemühungen der Genossenschaftsmitglieder, be sonders von Vorstand und Aufsichtsrat (1). Rein erzieherische Zwecke verfolgen wohl die kostenlose Ausgabe von Sparbüchern an Kinder unter 14 Jahren (1), die Stiftung für eine Schülerbücherei in der Hoffnung auf Empfehlung durch die Lehrer (1), das Abholverfahren nur für Schulkinder (1) sowie die Gewährung eines höheren Zinsfußes für Dienstlöhne. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 93 Mit dem Erfolg der genannten Mittel scheinen die Genossenschaften im allgemeinen zufrieden zu sein. Nur bezüglich der Heimfparkassen äußern sich einige Genossenschaften im entgegengesetzten Sinn, indem sie jeden Nutzen verneinen. Die weit überwiegende Anzahl hält aber gerade die Haussparkassen für ein außerordentlich wertvolles Mittel zur Heran ziehung von Spareinlagen. So sind in Gumbinnen im Jahre 1910 408 Sparbüchsen 40 000 Mk. entnommen worden, in Landsberg a. W. ergaben 132 Büchsen innerhalb 9 Monaten 5400 Mk. II. Konsumgenossenschaften. Auch die Bedeutung der Konsumvereine für das deutsche Sparwesen spiegelt sich in den beiden Konten, Guthaben und Spargelder, wider. An sich hat der Sparverkehr allerdings nichts mit dem Wesen und der Zweckbestimmung der Konsumvereine zu tun und seine Pflege lediglich zur Heranziehung von Mitteln zum Geschäftsbetrieb erscheint nicht einwand frei. Denn als Anlagekapital können die Spareinlagen wegen ihrer Kurz fristigkeit nicht in Betracht kommen, als Betriebskapital werden die Gelder bei einer nach genossenschaftlichen Grundsätzen geregelten Geschäftsführung, insbesondere bei grundsätzlicher Durchführung der Barzahlung, infolge des Anwachsens der Guthaben und Reserven schon bald nicht mehr nötig sein. Manchen Vereinen sind daher erfahrungsgemäß die Spargelder wegen der Schwierigkeit, die Zinsen Herauszuwirtschaften, recht lästig geworden. Wo trotzdem der Sparverkehr eingeführt worden ist, haben dem teilweise soziale Absichten zugrunde gelegen. So nehmen einzelne Vereine über haupt keine Spareinlagen durch Barzahlung an, sondern beschränken sich daraus, die stehengebliebenen, den Geschäftsanteil übersteigenden Dividendenund Rabattbeträge den Mitgliedern als Spareinlage gutzuschreiben. Andere Vereine, die den Grundsatz der Barzahlung nicht durchführen zu können glauben, nehmen Spareinlagen an, um dann in deren Höhe Warenkredite zu gewähren und sich so vor Ausfällen zu sichern. Auch die Annahme von Spargeldern zwecks nachheriger Verrechnung auf fällige Guthaben einzahlungen kommt vor. Immerhin pflegt eine Reihe von Genossen schaften den Sparverkehr ohne diese Einschränkungen, sei es, weil am Orte der Genossenschaft andere Spargelegenheiten fehlen oder sei es, um ihre Betriebsmittel zu vermehren. Die Höhe der Guthaben und Spareinlagen der dem All gemeinen Verbände angehörigen Konsumvereine ergibt sich ebenso wie OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
94 vr. Karl Lade. weitere hier interessierende Geschäftsverhältnisse aus nachstehender Zu sammenstellung : MitGeFremde Gelder Unter d. fremden Geldern waren Rein gewinn - , schäfts- (seit 1909 6 (Anlegen, § d gliederzahl guthaben der Mit fonds Spareinla gen, Hypo thekenschul Spargelder mit KündiLgungsfrist ohne die Nabatts; R glieder den, Haus anteile) bis zu L — 4 Wochen rückgewähr) Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. 1903 251 248 004 4 162 290 2 644 878 3 500 979 33 1 035 779 5 730 858 1904 252 255 916 4 245 738 2 868 760 3 078 418 31 967 415 5 976 881 1905 260 238 097 4 306 785 2 881 805 3 662 776 31 1 042 206 6 231 170 1906 265 246 945 4443 690 3 057 779 4 043 431 30 1 000 994 6 475 886 1907 271 252 618 4 657 051 3 227 097 4 437 197 31 935 036 6 975 216 1908 266 257 082 4 665 081 3 217 880 4 184 920 26 910 869 7 100 989 1909 265 262 522 4 692 506 3 411442 4 443118 30 727 989 7 273 356 1910 271 270 437 4 861641 3 759 266 4 720 160 32 668 453 6 902 963 1911 273 276 645 4 938 941 3 905 203 4 963 549 29 680 282 7 018 491 Auf das einzelne Mitglied entfielen also 1911 im Durchschnitt 17,85 Mk. Geschäftsguthaben. Die Grundlage der Guthaben, die statutarisch fest gesetzte Höhe des Geschäftsanteils, betrug bei 228 von den 273 Verbands genossenschaften 15 — 30 Mk. im Jahre 1911, einen geringeren Anteil hatten 26, einen höheren 19 Genossenschaften. Die Spareinlagen sind in einem langsamen Rückgang begriffen. Da trotzdem die fremden Gelder zugenommen haben, so scheinen die Konsumvereine sich neuerdings ihre Betriebsmittel mehr auf andere Weise zu beschaffen. Während wir die Frage nach der Herkunft der Sparund Guthaben gelder bei den Kreditgenossenschaften getrennt behandeln mußten, ist dies bei den Konsumvereinen nicht nötig. Wo die Spareinlagen, wie oben ge schildert, nur aus Dividendengutschriften bestehen, versteht sich das von selbst. Aber auch bei Vereinen, die bare Einlagen annehmen, dürfte der Hauptteil der Sparer unter den Mitgliedern zu suchen sein. Denn bei den zahlreichen andersartigen Spargelegenheiten dürften nur wenig Nichtgenossen ihre Ersparnisse einem Konsumverein bringen, der von Haus aus ganz anderen als Sparzwecken dient und daher ein Ver trauen vom Spargläubiger fordert, das in der Regel nur dem Boden eines Mitgliedschaftsverhältnisses entwachsen kann. Die Spareinleger dürften sich also in der Hauptsache mit dem Mitgliederkreis decken. Dieser setzte sich bei 264 Verbandsgenossenschaften mit 273 253 Mitgliedern zu sammen aus: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 95 Anfang 1912 Anfang 1911 I. Selbständige Landwirte, Gärtner, Förster, Fischer .............................................. 3,99 0/0 4,08 0/0 II. Gehilfen und Arbeiter bei der Land-, Forst wirtschaft, Gärtnerei und Fischerei .... 3,86 o/y 4,20 0/0 111. Fabrikanten, Bergwerksbesitzer und Bau unternehmer ............................ 1,90o/o 1,98 0/0 IV. Selbständige Handwerker .............................. 10,59 0/0 10,80 0/0 V. Fabrikarbeiter, Bergarbeiter, Handwerks gesellen ......................................................... 29,96 0/0 29,600/0 VI. Selbständige Kaufleute und Händler . . . 6,02 0/0 6,19 0/0 VII. Handlungskommis und sonstige kaufmän nische Gehilfen ...................... 2,02 0/0 1,98 0/0 VIII. Fuhrherren, Schiffseigentümer, Gastund Schankwirte ...................................... 3,17 0/0 3,20 0/0 IX. Briefträger, untere Eisenbahn-, Telegraphen oder Postbeamte, Eisenbahnarbeiter, unselb ständige Schiffer, Kellner ................................... 16,16 0/0 16,74 0/0 X. Dienstmänner, Dienstboten .......................... 1,52 0/0 1,50 0/0 XI. Ärzte, Apotheker, Lehrer, Künstler, Schrift steller, Staatsund Gemeindebeamte . . . 10,96 0/0 10,84 0/0 XII. Rentiers, Pensionäre und andere Personen ohne Berufsübung ................................ 9,850/0 8,89 0/0 Der Anteil der Arbeitergruppen II, V, IX und X beträgt also 52,04 0/0 des Mitgliederbestandes, dem erst in weitem Abstande die anderen Berufs klassen, insbesondere die selbständigen Handwerker und die Angehörigen der Gruppe XI folgen. Da von letzteren kaum anzunehmen ist, daß sie ihre Ersparnisse in größerem Umfange den Konsumvereinen zur Verfügung stellen, wenigstens nicht als kurzfristige Spareinlagen, sondern höchstens in der Form von Hausanteilscheinen, so ist wohl die Arbeiterklasse als Hauptspargläubigerin der Konsumvereine anzusehen, während für die Gut haben natürlich auch die anderen Berufsklassen anteilig als Einzahler in Betracht kommen. Als sicher ist anzunehmen, daß sowohl die Sparwie die Guthabengläubiger vom Orte des Konsumvereinssitzes stammen, da Wesen und Zweck der Konsumvereine auswärtige Mitgliedschaft noch mehr wie bei anderen Genossenschaftsarten ausgeschlossen erscheinen lassen. Das gilt wenigstens von den Konsumvereinen des Allgemeinen Verbandes, die sich bis jetzt von der Zentralisationsbewegung ferngehalten haben, welche von einzelnen Bezirkskonsumvereinen aus die Gegend mit einem Netz von Verkaufsstellen überziehen will. Die Verwendung der Spargelder und Guthaben erfolgt regel mäßig im Geschäftsbetrieb der Konsumvereine. Vereinzelt betreiben die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
96 Dr. Karl Lade. Vereine wohl auch Darlehnsgeschäfte in engen Grenzen oder legen die Spargelder, wenn sie genügend Betriebskapital haben, bei Banken oder in Wertpapieren an. In der Hauptsache arbeiten die genannten Gelder aber im Geschäft mit. Wie sie dort verwandt werden, ob als Anlagekapital zur Einführung der Eigenproduktion, zum Erwerb eines eigenen Geschäfts hauses oder als Betriebskapital zur Beschaffung von Warenvorräten, das ließe sich nur im Einzelfalle sagen, wo man weiß, zu welchem Zwecke der Spargeldverkehr eingeführt ist. Die Guthaben dienen selbstverständlich alle den erwähnten Geschäftserfordernissen. In jedem Falle kommen aber die Gelder den Mitgliedern und den mit diesen sich deckenden Spareinlegern zugute. Denn da die Konsumgenossenschaften kein von den Interessen ihrer Mitglieder verschiedenes Erwerbsunternehmen sind, so fördern alle im Geschäft arbeitenden Gelder wenigstens mittelbar die Wirtschaft der Genossen. Der Reingewinn aus den Geschäftsguthaben und Spargeldern läßt sich nicht von dem Gesamtreingewinn trennen, zu dem auch die Reserven und sonstige fremde Gelder beitragen. Dieser Unterscheidung bedarf es hier aber ebensowenig wie bei den Kreditgenossenschaften, zumal der überwiegende Teil des Gewinnes den Mitgliedern als Guthabenund Einkaufsdividende oder in Form der Rabattrückgewähr zufließt. So wurden von dem Reingewinn des Geschäftsjahres 1911 (vgl. Tabelle am Anfang) 166 574 Mk. als Kapitaldividende und 6 437 350 Mk. als Einkaufs dividende, zusammen also 6 603 942 Mk. an die Mitglieder verteilt. Auf die Guthaben bezogen entspricht das einer Jahresdividende von 133,71 o/o. Daneben sind noch von 58 Vereinen 1 171 751 Mk. Rabatte zurückgewährt worden. Es handelt sich also um ganz beträchtliche Summen, welche durch die Konsumvereine gerade den am wenigst bemittelten Bevölkerungsschichten auf diese Weise zufließen. Von dem Neste des Gewinnes führten 166 Genossenschaften 108138 Mk. den Reserven und 123 Genossenschaften 75 549 Mk. Volksbildungsund gemeinnützigen Zwecken zu. Für die Feststellung der Zinsen, welche die Konsumvereine auf Spareinlagen gewähren, fehlen leider die Unterlagen und ebensowenig können hier für die Vereine, welche den Sparverkehr pflegen, getrennt die Sicherheitsund Liquiditätsverhältnisse festgestellt werden. Es interessieren aber auch die entsprechenden Zahlen von sämtlichen be richtenden Genossenschaften schon wegen der Guthaben wie wegen des Rückschlusses auf die in die Zahlen eingeschlossenen Vereine mit Sparverkehr. Die oben für Ende 1911 nachgewiesenen fremden Konsumvereins gelder setzten sich zusammen aus: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 97 530 931 Mk. Anlehen (1910: 504 822 Mk.) bei 35 Genossen schaften, 680 282 „ Spareinlagen (1910: 668 453 Mk.) bei 29 Ge nossenschaften, 3 046 219 „ Hypothekenschulden (1910: 2 921 743 Mk.) bei 88 Genossenschaften, 706 117 „ Hausanteile, Hausobligationen (1910: 625142 Mk.) bei 39 Genossenschaften. 4 963 549 Mk. Dem standen an eigenem Vermögen (Geschäftsguthaben und Reserven) 8 844144 Mk. gegenüber. Das gesamte Betriebskapital der 273 Konsum vereine bestand also aus 64,05 0/0 eigenem Vermögen und 35,95 0/0 fremden Geldern. Die bereiten Mittel der 273 Genossenschaften (Kasse, Wert papiere, kurzbefristete Bankguthaben) beliefen sich Ende 1911 auf 5 493 866 Mk. Die kurzbefristeten Verbindlichkeiten (Geschäftsguthaben ausscheidender Mitglieder, Spareinlagen, Barkautionen, Warenschulden, auszuzahlende Rabatte, Dividenden, Tantiemen usw.) betrugen zusammen 9 541 071 Mk. 57,58 o/o der letztgenannten Verbindlichkeiten waren dem nach durch flüssige Mittel gedeckt. Im allgemeinen sind also Sicherheit und Liquidität der Konsumvereine als gut zu bezeichnen und das erlaubt wohl den Rückschluß, daß eine gesonderte Betrachtung der Vereine mit Spar einlagen zu ähnlichen Ergebnissen führen würde. So bilden die Konsumvereine eine bedeutungsvolle Spargelegenheit besonders für die Arbeiterbevölkerung ihrer Niederlassung. Die Ver wendung der Einlagen und Gewinne kommt den Gläubigern fast restlos zugute, die Sicherheit und stete Rückzahlbarkeit der Guthaben und Spar gelder scheint gewahrt. IV. Baugenossenschaften. Spareinlagen sind auch bei den Baugenossenschaften neben den Geschäftsguthaben für unsere Untersuchung zu berücksichtigen, obwohl die Pflege des Spargeldverkehrs gerade bei Baugenossenschaften den größten Bedenken begegnet. Denn diese nehmen Spareinlagen nur an, um ihre Anlageund Betriebsmittel zu stärken. Da die genannten Mittel ent sprechend Zweck und Tätigkeitsgebiet der Bauvereine in Grundstücken und Häusern angelegt werden, ja werden müssen, da eine andere Anlage völlig zwecklos wäre, so folgt daraus, daß die kurzfristigen Spargelder sich bei den Schriften 137. II. 7 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
104 Dr.- Karl Lade. Gewerbliche Produktivgenoffenschaften. Jahr Zahl Aktiva Geschäfts guthaben der Mitglieder Reserve fonds An geliehene fremde Gelder ! AL <2 ! Mk. Mk. Mk. Mk. 1901 303 15 2 093 2 905 146 466 321 328 045 1 588 158 1902 323 I 11 ! 763 2 125 702 528 509 168 133 1 013 709 1903 345 ! 21 j 3141 3 956 220 629 103 404 374 2 371 258 1904 368 24 4124 4 366 046 690 405 397 228 2 417 175 1905 210 30 3 917 4 719 250 709 214 565 832 2 804 504 1906 230 36 5 199 5 415 088 845 189 558 175 3 382 837 1907 275 , 44 7 100 6 401 136 962 972 762 152 3 748 359 1908 290 60 9 464 8 873 151 1 561 681 785 415 4 792 056 1909 329 64 11 147 10 098 832 1 974 694 702 911 5 405 029 1910 415 68 11892 13 439 339 2 720 681 885 377 7 421 578 1911 454 73 14 688 17 195 673 3 694 979 1 567 269 10 464 729 1911 davon 13 568 3 819 620 1 158 963 209 538 1 995 078 dem Allgemeinen Verbände angehörend. Gewerbliche Werkgenoffenschaften. Zahl Aktiva Geschäfts guthaben der Mitglieder Reserve fonds An geliehene fremde Gelder der be stehenden Genossen schaften der be richtenden Genossen schaften der M it glieder 1905 206 ! z 25 § 3325 Mk. 6 018 919 Mk. 509 364 Mk. 156 181 Mk. 1 749 841 1906 341 48 j 3833 7 533 771 592 767 356 657 3 581 962 1907 390 43 3736 5 251 511 603 807 363 055 3 378 914 1908 447 50 3463 5 039 495 524 702 398 151 3 553 524 1909 673 66 ! 3974 6 093 038 743 835 762 258 3 868 216 1910 766 60 ! 3906 5 221 794 585 474 818 148 3 430 803 1911 944 56 > 3993 6 076 653 701 708 1 554 840 4 089 429 1911 davon j 11 2192 2 254 617 289 575 652 118 1 145 520 dem Allgemeinen Verbände angehörend. Die Guthabensummen steigen also fortgesetzt und betrugen bei sämt lichen angeführten gewerblichen Genossenschaften Ende 1911 schon über 11 Millionen Mk. Desgleichen sind auch die fremden Gelder in fort gesetzter Steigerung begriffen. Ob und wieviel von diesen Geldern auf Spareinlagen entfallen, läßt sich mit voller Bestimmtheit nicht sagen. Für die Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes ist allerdings eine weitere Zerlegung der fremden Gelder möglich. Diese setzten sich zu sammen aus: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 105 Ende des Geschäfts jahres 1911 Rohstoff genossen schaften Werk genossen schaften Magazin- ! genossenz schäften ! Produktiv genossen schaften Anleihen u. Spareinlagen Hypotheken ...................... Hausanteile ...................... Mk. 290 799 bei 18 Genossen schaften 108 636 bei 8 Genossen schaften 6 000 bei 1 Genossen schaft Mk. 936 238 bei 9 Genossen schaften 209 282 bei 6 Genossen schaften Mk. 128 170 bei 5 Genossen schaften 290 026 bei 2 Genossen schaften 51 900 bei 1 Genossen schaft ! Mk. 1 058 603 bei 11 Genossen schaften 936 475 bei 8 Genossen schaften Gesamtsumme der fremden Mittel .............................. 405 435 ! 1145 520 I 470 096 ! 1 995 078 Welcher Betrag von den unter „Anlehen und Spareinlagen" an geführten Geldern auf die reinen Spareinlagen entfällt, war leider nicht zu ermitteln. Es darf aber vermutet werden, daß diese Summen nicht ganz gering sind. Denn früher war es bei vielen gewerblichen, insbesondere bei Rohstoffgenossenschaften üblich, die Mitglieder außer zu den Zahlungen auf den Geschäftsanteil statutarisch auch zur Leistung von sogenannten unkündbaren Einlagen zu verpflichten, die ganz wie Spareinlagen ver zinst wurden und sich von solchen nur durch den Zahlungszwang und die Unkündbarkeit während der Mitgliedschaftsdauer unterschieden. Nach der neueren Rechtsprechung ist eine derartige Statutenverpflichtung unzulässig. Dadurch wurden die Genossenschaften, soweit sie nicht aus Unkenntnis die alte Bestimmung unverändert ließen, gezwungen, die unkündbaren Ein lagen in Sparkonten umzuwandeln, um die eingezahlten Gelder nicht entbehren zu müssen bzw. um auch fernerhin sich die nötigen Mittel be schaffen zu können. Aus letzterem Grunde pflegen auch die Genossen schaften den Sparverkehr, welche ihn unmittelbar bei sich eingeführt haben. Wieviele überhaupt sich seiner bedienen, ist bedauerlicherweise ebenfalls nicht festzustellen. Eine eingehendere Darstellung der Geschäftsverhältnisse wie bei den vorher behandelten Genossenschaftsarten erübrigt sich also hier, weil mangels zahlenmäßiger Erfassung des Spargeldverkehrs ja doch jede Beziehungsmöglichkeit fehlt. Es sei daher in Rücksicht auf die Geschäfts guthaben nur noch kurz erwähnt, daß unter den Verbandsgenossenschaften an Kapitaldividende in Prozenten der Geschäftsguthaben von dem Rein gewinn aus 1911 durchschnittlich ausgeschüttet haben: Werkgenossen schaften 6,43 o/o ; Magazingenosienschaften 2,62 o/o ; Produktivgenossen schaften 7,27o/o. Bei den Rohstoffgenossenschaften schwankt bei 17 die Kapitaldividende zwischen 4 0/0 und 6 0/0 der Geschäftsguthaben , eine verteilte 50 0/0, eine 75 0/0. Daneben fließen den Genossen noch weitere OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
106 Dr. Karl Lade. Gewinnteile zu, für deren Bemessung andere Maßstäbe als die Guthaben entscheidend sind. Die Geschäftsguthaben und die Spargelder, soweit solche vorkommen, entstammen bei den gewerblichen Genossenschaften natürlich dem Gewerbestand, welchem die Mitglieder der betreffenden Genossenschaft angehören. Den gleichen Personen kommen auch diese Gelder samt dem Gewinn daraus wieder zugute, da sie lediglich zu Genossenschaftszwecken Verwendung finden. VI. Schlußwort. Ein Rückblick auf die gesamten Untersuchungsergebnisse zeigt, daß ein sehr beträchtlicher Teil der deutschen Sparkapitalien in Form von Geschäfts guthaben, Sparoder Depositengeldern bei den Schulze-Delitzschschen Ge nossenschaften angelegt und von diesen verwaltet wird. Diese Spargelder entstammen vorwiegend der Arbeiterklasse oder dem erwerbstätigen Mittel stände der Gegend, in welcher die Genossenschaft ihren Sitz hat. Den gleichen Berufskreisen, vielfach sogar denselben Personen kommt die Ver wendung der Spareinlagen und der aus ihnen erzielten Gewinne in Gestalt von Betriebsdarlehen oder Konsum-, Wohnund Produktions erleichterungen wieder zugute. Sicherheit und Liquidität der Genossen schaften geben, soweit darüber Sicheres festzustellen war, allgemein betrachtet zu Ausstellungen keinen Anlaß. Alles das gilt, wie schon eingangs erwähnt und hier nochmals besonders betont werden soll, nur für die im Allgemeinen Verbände zusammengeschlossenen Genossenschaften, soweit das Gegenteil nicht besonders hervorgehoben ist oder sich aus den eingefügten Tabellen von selbst ergibt. Inwieweit die Ergebnisse auf die zahlreichen Genossenschaften nach SchulzeDelitzsch übertragen werden können, die außerhalb des Allgemeinen Ver bandes stehen, dafür fehlt heute noch der zahlenmäßige Maßstab. Von den Schulze-Delitzschschen Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes darf aber gerade im Hinblick auf ihre Rolle im deutschen Volks sparwesen gesagt werden, daß sie über ihre engere Zweckbestimmung hinaus der sozialen genossenschaftlichen Gesamtausgabe gerecht werden, mitzuwirken an dem Ausgleich des Klassenkampfes, an der Versöhnung zwischen Kapital und Arbeit. Eben damit sind sie, wie Schmöller einmal gesagt hat, „einer der großen Dämme geworden, welcher, in den Strom unserer sozialen Entwick lung hineingebaut, mit dazu beigetragen hat, und noch ferner dazu beitragen wird, die Auflösung unserer Gesellschaft in Proletariat einerseits, Kapitalisten und Großunternehmer anderseits zu hemmen, den Mittelstand zu erhalten." OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Tabellen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
108 Or. Karl Lade. Tabelle I. Staaten und Landesteile Summe der Ges chäftsguthaben 1900 1901 1902 1903 Preußen: 16 17 17 17 Prov. Ostund Westpreußen . . 4 305 480 4 516 163 4 671 456 4 844 017 „ Brandenburg (ohne Groß24 25 27 27 Berlin) .............................. 6 053 877 6 331 282 6 586 968 6 797 052 16 16 16 16 Groß-Berlin ...................... 4 490 900 5 038 259 5 614 219 6 353 698 14 14 14 14 „ Pommern .......................... 2 301 607 2 417 031 2 517 832 2 626 285 8 8 8 ! 8 „ Posen ................................... 1 855 695 2 027 313 2 153 694 2 281 650 54 54 54 53 „ Schlesien .......................... 6 932 007 7 139 065 7 364 508 7 440 010 19 20 20 21 „ Sachsen ............................... 2 277 005 2 339 792 2 383 726 2 430 773 „ Schleswig-Holstein einschl. 18 ! 18 18 19 Oldenburg u. Hansestädten 3 396 747 > 3 410 619 3 378 519 3 371 839 Prov. Hannover, Westfalen und 6 6 6 ! 6 Rheinland ................................... 1 365 088 1444 845 1 560 217 i 1 653 702 Prov. Hessen-Nassau, Reg.-Bez. 5 5 55 Cassel ............................................ 571 766 575 920 666 793 739 598 Prov. Hessen-Nassau, Reg.-Bez. 14 15 15 15 Wiesbaden ................................... 4 695 835 4 921418 5 162 368 5 373 274 Bayern: 22 22 22 22 Reg.-Bez. Rheinpfalz ................. 6 254 701 6 423 124 6 466 601 6 596 849> „ Ober-, Mittel-, Unter 15 15 15 ! 15 franken ........................... 1 280 637 1 317 199 1 381196 1427 690 „ Ober-, Niederbayern u. 6 ! 6 6 I 7 Schwaben ...................... 3 412 821 3 598 805 3 589 115 3 527 612 4 4 4 4 Sachsen ............................................ 442 660 488 821 513 804 547 088 37 38 39 39 Baden ................................................ 7 987 512 8 499 501 8 923 264 9 221 345 15 15 15 15 Hessen ................................................ 4 499 363 4 762 052 5 014 862 5 252 694 Mecklenburg-Schwerin und 777 7 -Strelitz ....................................... 2 278 662 2 344 489 2 306 923 2 296 472 333 3 Braunschweig ............................... 90 594 94 294 95 607 96 861 30 30 30 30 Thüringische Staaten . . . 2 662 434 2 764 339 2 873 867 2 961 510 Insgesamt bei berichtenden ( 67 155 3S1 70 454 331 73 225 539 75 840 034 Vereinen ............................ 1 333 338 341 343 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Die Genossenschaften, insbes. die Kreditgenossenschaften nach Schulze-Delitzsch usw. 109 an den Jahresenden in Mark 1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 19 19 19 19 19 19 19 6158499 6 400 564 6 792 781 7 221 449 7 528 582 7 846 709 8 258 747 27 28 28 28 28 28 28 7 016 128 7 492 959 7 675 067 7 948 060 8 554 840 9 014 761 9 500 513 16 16 16 16 16 16 16 7 002 552 8 195 984 9 516 261 10 502 018 11 267 685 11503 751 11 899 805 14 14 14 14 14 14 14 2 769 828 2 920 514 3 012 583 3 146 586 3 230 639 3 400 434 3 646 538 88 8 8 8 88 2 281 703 2 437 694 2 538 621 2 650 144 3 011 240 3 103064 3 293 299 54 54 54 54 55 56 57 7 661 878 7 855 782 8192 871 8 565 904 9 123 642 9 730 946 10 385 187 22 22 23 23 23 23 23 2 533 045 2 642 536 2 754129 3 030 386 3 273 000 3 474 687 3 711815 19 19 20 20 20 20 20 3 552 937 3 695 040 3 984 103 4 513 794 4 927 240 5 224 560 5 726 375 66 7 7 7 7 7 1 827 144 2 042 362 2 676 921 2 840 937 3 070 045 3 274 242 3 441 607 5 5 5 555 5 859 553 1016 416 1 279 410 1 292 183 1 425 835 1 533 921 1 639 108 15 15 15 15 15 15 15 5 673 621 5 933243 6 167 899 6 355 037 6 582 224 6 858 667 7 007 789 22 22 22 22 22 22 22 6 728 464 6 920 229 7 039 658 7 123 029 7 189 727 7 352 969 7 576 246 15 15 15 16 16 16 16 1 484 180 1 537 044 1 576 143 1 683 797 1 672 746 1 760 944 1830 208 7 8 ! 8 8 8 8 8 3410 279 3 440 189 3422 815 3 379 929 3 348 860 3 342 769 3 371481 444 4 4 4 4 603 402 636 008 672 324 736 423 825 240 1 005 156 1 157 612 39 39 40 41 41 41 41 9 532 200 10 028 663 10 495 818 11031 978 11512 929 11 839 807 12 250 065 15 15 15 15 15 15 15 5 487 207 5 650 000 ! 5 834 977 6 289 600 - 6 473 784 6 658 135 6 835 299 7 7 7 7 77 7 2 339 586 2 363824^ 2 456 350 2 474 974 2 560 972 2 624 721 2 729 225 3 3 j 3 33 33 95 560 96 452 96 537 101 268 106 498 111139 118 166 31 31 31 31 32 33 33 3 060 464 ! 3 180 355 3 342 013 3 592 216 3 787 957 4 059 049 3 732 545 80078 230! 84485 858 89 527 281 94 479 712 99 479 685 103 720 431 108 111630 348 350 354 356 358 360 361 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
110 vr. Karl Lade. Tabelle VII1. Die am Schluß des RechStaaten und Landesteile kon ten zerüber 60 Ge bis 60 Mk. nossen bis schaften 150 Mk. Preußen: Provinz Ostund Westpreußen .............................. 22 5144 3 825 „ Brandenburg (ohne Groß-Berlin). . . . 33 10 299 5 410 Groß-Berlin ........................................... 14 3 619 1498 „ Pommern ........................................................ 18 4 445 1939 „ Posen ................................................................. 9 1958 1 781 „ Schlesien ......................................................... 62 20 044 11190 „ Sachsen ............................................................ „ Schleswig-Holstein (einschl. Großherzogtum 82 j 5 863 3 681 Oldenburg und Hansestädte) .... 19 4 034 1944 „ Hannover, Westfalen und Rheinland . . 8 4 958 2 150 „ Hessen-Nassau: Reg.-Bez. Cassel .... 5 2 480 1143 „ „ „ Wiesbaden . . 14 5 061 2 034 ! Bayern: Reg.-Bez. Rheinpfalz .................................................... 22 2 587 1935 „ Ober-, Mittel-, Unterfranken ................. 14 920 621 „ Ober-, Niederbayern und Schwaben . . 6 705 444 Sachsen .............................................................................. 3 685 408 Baden .................................................................................. 42 6 517 4 535 Hessen .................................................................................. 17 6156 3 344 Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz .... 6 2 416 1549 Braunschweig ................................................................. 6 1022 445 Thüringische Staaten. ........................................... 38 11026 4 798 Insgesamt bei berichtenden Vereinen ( 390 100139 54 674 ! OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. von Amtsrichter Dr. Otto Heilborn-Verlin. 8* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Inhalt. Seite Einleitung ........................................................................................................................... 117 Berufsvereine der Arbeiter ................................................................................... 118 Spareinrichtungen und Sparkassen .................................................................. 118 Vermögensbestände ................................................................................................ 119 I. Sparkassen und Spareinrichtungen im engeren Sinne ......................................... 121 Christliche Gewerkschaften ........................................................................................ 122 Freie Gewerkschaften ................................................................................................ 122 Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine .......................................................................... 122 Katholische Arbeitervereine (Sitz Berlin) ......................................................... 123 Union Ganymed .......................................................................................... . 124 Werkoereine .............................................................................................................. 124 Katholische Gesellenvereine ................................................................................... 125 Katholische Jugendvereine ....................................................................................... 126 Süddeutsche katholische Arbeitervereine .............................................................. 126 Evangelische Arbeitervereine ............................................................................... 127 Eisenbahnbedienstete ................................................................................................ 128 Konsum-, Bauund Sparverein Produktion ................................................. 129 Ergebnis ...................................................................................................................... 129 II. Produktivgenossenschaften .......................................................................................... 130 III. Baugenossenschaften ........................................................................................................ 132 IV. Konsumvereine ................................................................................................................ 134 V. Vermögensanlagen ........................................................................................................ 138 Bei Banken ............................................................................................................. 139 Bei Genossenschaften.................................................................................................140 Bei Konsumvereinen ................................................................................................ 141 Bei Baugenossenschaften ....................................................................................... 141 Bei Gewerkschaftshäusern .................................................... . ............................... 142 In Staatspapieren ................................................................................................ 143 In Kommunalpapieren ............................................................................................ 144 In Wertpapieren .................................................................................................... 145 In Hypotheken ........................................................ . ............................... 146 Auf Scheckkonto ...................................................................................... 147 Bei Sparkassen ......................................................................................................... 147 Als Kassenbestände .......................................................................................... 149 Schluß ................................................... 149 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Einleitung. Als ich die Bearbeitung dieses Unterabschnitts übernahm, ging ich von denselben Erwägungen aus, welchen Dr. Heinz Potthoff in einem Aufsatze über „Spareinrichtungen der Arbeitnehmerverbände" Ausdruck gegeben hat*: Ich sagte mir, daß infolge der vereinfachten Form und leichten Möglichkeit, „Sparkassen" oder „Spareinrichtungen im weiteren Sinne" zu errichten, gerade die Berufsvereine der Arbeiter sich diesen Weg, die wirtschaftliche Kraft ihrer Mitglieder zu stärken und sie dadurch im Leben im allgemeinen wie im Arbeitskampfe im besonderen widerstands fähiger zu machen, nicht entgehen lassen würden. Diese Erwägungen waren für mich bei der Arbeit zielgebend und, als nach langen, mühevollen Vorbereitungen das Material stoßweise ein ging, glaubte ich, der mir gestellten Aufgabe Genüge tun zu können: Je mehr ich aber bei der Sichtung des eingegangenen Stoffes vorschritt, je länger ich Verwertbares von Unbrauchbarem sonderte, um so mehr minderten sich meine Hoffnungen und Erwartungen und ich stand schließlich vor einem Ergebnis, daß ich mit Potthoff (a. a. O.) mich fragte, ob sich eine be sondere Darstellung des Sparwesens dieser Vereine lohnte. Wenn ich trotzdem zu einer Bejahung gelangte, so bestimmte mich einmal der Umstand, daß auch geringfügiges und lückenhaftes Material ein — vielleicht zum Teil negatives — Bild der Lage zu geben vermag, sowie ferner der Wunsch, durch die Lücken der Darstellung den Weg zu weisen, auf welchem künftighin — es mag dahingestellt bleiben, ob mit mehr Erfolg — weiter gearbeitet werden kann. Die für diese Abhandlung grundlegende und den Umfang bestimmende Frage war die Bestimmung der Begriffe „Berufsvereine der Arbeiter" und „Spareinrichtungen" : i Soziale Praxis Nr. 41 vom 14. Juli 1910. - Hunderte von Briefen und Fragebogen wurden abgesandt, auf welche nur teilweise — siehe weiter unten — Antworten eingingen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
118 Dr. Otto Heilborn. Berufsvereine der Arbeiter. „Berufsvereine der Arbeiter" im engen Sinne sind solche Organisationen, welche durch Zusammenfassung von Angehörigen desselben Berufs oder verwandter Berufe die wirtschaftliche und soziale Hebung ihrer Mitglieder erstreben und dieses Ziel mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln, im Notfälle auch mit der Waffe des Streiks, zu erreichen suchen: Hierher gehören die „freien" Gewerkschaften, die „christlichen" Gewerk schaften und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Für die vorliegende Untersuchung wird der Begriff weiter auszudehnen und es werden auch solche Vereine einzubeziehen sein, welche sich aus Arbeitern zusammensetzen, Arbeiterinteressen zu fördern suchen, aber das Gebiet des Arbeitskampfes mit mehr oder minder Vorsicht betreten oder ganz ausschalten: Hierher gehören Staatsarbeiterverbände, evangelische und katholische Arbeiterverbände, katholische Fachabteilungen, Werkvereine und sonstige neutrale Organisationen. Ganz auszuscheiden waren nur solche Vereine, bei welchen Arbeiter und Beamte ununterschiedlich vereint sind und das Beamtenelement das Gepräge gibt, und ferner Organisationen, bei welchen die Mitgliedschaft von der Genehmigung der Arbeitgeber abhängt, es sich also lediglich um Unterstützungseinrichtungen der Arbeitgeber handelt: Beide Kategorien können nicht mehr als „Berufsvereine der Arbeiter" gelten, selbst wenn man den Begriff sehr weit faßt. Spareinrichtungen und Sparkassen. „Spareinrichtungen" im allgemeinen und „Sparkassen" im engeren sind Institute, welche dem Einleger Gelder zu einem Satze verzinsen, ihm auch die Rückzahlung zu jeder Zeit oder nach bestimmter Kündigungsfrist gestatten, während die Sparkasse selbst über die ein gezahlten Gelder innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen frei verfügen kann. Die Einlage von Geldern in Sparkassen seitens des einzelnen ist das Ergebnis einer Handlungsweise, welche man „Sparen" nennt: Der Sparer nimmt den oder einen Teil der ihm zur Verfügung stehenden Mittel, welchen er nicht zum alsbaldigen Verbrauch benötigt, und legt ihn an, um ihn nach Bedarf wieder für sich abzuheben. * „Berufsverbände", neuerdings teilweise zu „Jndustrieverbänden" zusammen gefaßt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 119 Diese Anlage wirkt in doppelter Beziehung kapitalbildend: Einmal schafft sich der Einleger allmählich eine Summe, welche er als Kapital für seine besonderen Zwecke verwenden kann, anderseits entsteht bei den Sparkassen eine Anhäufung von Einlagen, welche als Kapital Anlage finden sollen und finden: Diese Geldmengen werden dann den verschiedenen Zweigen der Produktion zugeführt und wirken dadurch weiter produktions steigernd und kapitalbildend. Geht man von dieser produktionssteigernden und kapitalbildenden Funktion der „Spareinlagen" aus, so kommt man zu dem Schluß und der Möglichkeit, auch noch andere Einrichtungen wirtschaftlicher Natur der Kategorie des „Sparens" und der „Spareinrichtungen im weiteren Sinne" einzureihen: Wenn „Berufsvereine det Arbeiter" oder ihre Mitglieder sich an Genossenschaften beteiligen, so verwenden sie einen Teil ihrer Einnahmen zur baldigen oder späteren Befriedigung ihrer Bedürfnisse, sei es, daß sie sich billigeren Einkauf sichern (Konsumvereine), sei es, daß sie den Bauund Wohnungsmarkt zu beeinflussen suchen (Baugenossenschaften) ^, oder sei es schließlich, daß sie — bisher allerdings noch in geringem Um fange — durch „Produktivgenossenschaften" ganz unmittelbar in die Pro duktion eingreifen; in allen drei Fällen sparen sie: Sie geben Geld hin, um dafür in näherer (Konsumvereine) oder späterer (Bauvereine, Produktiv genossenschaften) Zukunft ein Äquivalent zu erhalten. Sie wirken in allen Fällen kapitalbildend, indem sie auf die Produktion Einfluß gewinnen oder zu gewinnen suchen durch Schaffung und Unter stützung von Unternehmungen. Aus den vorstehend angeführten Gründen ist die Beteiligung der „Berufsvereine der Arbeiter" und ihrer Mitglieder an den drei genannten wirtschaftlichen Organisationsformen im Rahmen des auch hier nicht sehr ergiebigen Materials für die Betrachtung herangezogen worden. Schließlich sind der Untersuchung auch eingefügt worden die „Ver mögensbestände" der Berufsvereine. Verwiigensbestiinde. Diese „Vermögensbestände" setzen sich fast ausnahmslos ? aus den Beiträgen zusammen, welche die Mitglieder den Vereinen entrichten: Die * Sehr oft findet sich die Verbindung verschiedener Zwecke in „Sparund Bau-" oder in „Spar-, Bauund Konsumvereinen". 2 Verhältnismäßig geringfügig sind die Erträge aus Zeitungen und Druck schriften. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
120 Dr. Otto Heilborn. Beiträge sind „Spargelder im weiteren Sinne", denn sie gelangen wieder an sie, die Arbeiter — wenn auch nicht immer in gleichem Maße, wie eingelegt — in der Form von Unterstützungen jeglicher Art zurück * ; der Unterschied von den „Spargeldern im engeren Sinne" besteht darin, daß sie nicht jederzeit und in der eingelegten Höhe zurückerstattet werden, sondern daß die Rückgabe nach Maßgabe der statutarischen Bestimmungen erfolgt 2. * Die Summen, welche für Agitation und Verwaltung verwendet werden, dienen indirekt demselben Zweck, kommen auch der Höhe nach gegenüber den anderen Ausgaben nicht wesentlich in Betracht. 2 Auch wo die Leistung von Unterstützungen „freiwillig" ist, liegt derselbe materielle Endeffekt vor. 3 Die von den Berufsvereinen für die Unterstützungseinrichtungen angesammelten Bestände finden übrigens auch in den in der Arbeit behandelten „Vermögensbeständen" ihren Ausdruck. 4 Leider war unter anderen von den großen Verbänden der Bauarbeiter und der Zimmerer Auskunft nicht zu erlangen, von den Transportarbeitern nur in ge ringem Umfange. Die Art und Weise, in welcher die „Vermögensbestände" der Ver bände und Vereine angelegt sind, gibt aber weiter auch einen Anhalt da für, in welcher Weise diese „Spargelder der Arbeiter" den verschiedensten Zweigen der Produktion zugeführt werden. Der ursprüngliche Plan des Verfassers war, auch die einzelnen Unterstützungszweige zu behandeln; von dieser Absicht ist jedoch aus ver schiedenen Gründen Abstand genommen worden: Einmal war eine er schöpfende Behandlung des Gebiets nicht möglich, ohne den zur Verfügung stehenden Raum um das Vielfache zu überschreiten, ferner wäre die Arbeit zu sehr aus dem Rahmen der Enquete herausgetreten und schließ lich ist das eingegangene oder sonst zur Verfügung stehende Material nicht so lückenlos gewesen, daß eine abgekürzte und trotzdem vollständige Dar stellung möglich gewesen wäre^. Diese Untersuchung umfaßt nach dem Angeführten eine Darstellung der „Spareinrichtungen im engeren Sinne" und der „Vermögensanlagen" der Berufsvereine sowie ferner ihre Beteiligung an „Konsum-, Bauund Produktivgenossenschaften". Zum Schluß der einleitenden Worte mögen noch einige Angaben darüber Platz finden, in welcher Weise die einzelnen Berufsvereine Material zur Verfügung gestellt haben: Am reichhaltigsten waren die Eingänge seitens der „freien^ Ge werkschaften, der „christlichen" Gewerkschaften, der Hirsch-Dunckerschen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 121 Gewerkvereine, der katholischen Arbeitervereine (Sitz Berlin), der süd deutschen katholischen Arbeitervereine, der katholischen Gesellenvereine, der Arbeitervereine vom „Werk Augsburg" und von den „Siemens-Werken" und der „Union Ganymed". Spärlicher liefen Angaben von anderen „Werkvereinen", „wirtschafts friedlichen" Verbänden, Eisenbahnvereinen sowie seitens der evangelischen Arbeitervereine ein, bei letzteren trotz liebenswürdigen Entgegenkommens des Herrn Pfarrer lle. Weber-München-Gladbach. Keine Angaben machten trotz vorheriger Zusage die „vaterländischen Arbeitervereine", während der Werkverein Krupp-Essen auf eine höfliche Anfrage überhaupt nicht antwortete. I. Sparkassen nnd Spareinrichtungen im engeren Sinne. Nur vereinzelt finden sich „Spareinrichtungen" bei den Berufsvereinen der Arbeiter im „engeren" Sinne, d. h. bei den „freien" und den „christ lichen" Gewerkschaften sowie bei den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen, während die konfessionellen Arbeitervereine und die sonstigen genannten Organisationen eine größere — absolut genommen aber auch noch gering zu nennende — Zahl von Sparkassen aufweisen. Die Gründe für das beinahe gänzliche Fehlen von Spareinrichtungen bei den Berufsvereinen im engeren Sinne sind darin zu erblicken, daß sie in erster Reihe ihre Aufmerksamkeit dem Arbeitsmarkte, den Arbeitskämpfen zuwenden : In der Hauptsache dient die Aufbringung der Mittel der direkten Stärkung der Organisationen; man will stark sein, um dem anderen Partner — den Arbeitgebern — gegenüber friedlich oder im Kampfe Vorteile für die Verbandsangehörigen abgewinnen oder Nachteile von letzteren abwehren zu können. Das Ganze tritt in den Vordergrund und man vernachlässigt dem gegenüber die wirtschaftliche Stärkung des einzelnen, wie sie durch das „Sparen" erfolgt. Da sich allmählich die Arbeitgeberverbände immer mehr im Verhältnis zu den Arbeiterorganisationen stärker entwickelt haben, ist keine Änderung im Verhältnis der Berufsvereine der Arbeiter im „engeren" Sinne zu den „Spareinrichtungen" zu erwarten. Einrichtungen von „Sparkassen" innerhalb der Verbände mit der Ermächtigung, im Notfälle, d. h. im Arbeitskampfe die Mittel der SparOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
122 DrOtto Heilborn. kassen angreifen zu können, würden dem Wesen der „Spareinrichtungen" im eigentlichen Sinne widersprechen, da das Typische der „Spargelder" darin besteht, daß sie als Ganzes unangreifbar sind, jeder Zeit Deckung haben müssen und dem Einleger sofort oder nach kurzen Fristen zur freien Verfügung stehen. Christliche Gewerkschaften. Bei den „christlichen Gewerkschaften" nimmt nur der „Ge werkverein der Heimarbeiterinnen" Beträge von zehn Pfennigen beginnend an, welche er mit 3 o/o verzinst Der „Bayrische Eisenbahnerverband" hat 1909 seine „Sparund Darlehnskasse" wegen Unrentabilität liquidieren müssen. Freie Gewerkschaften. Bei den „freien Gewerkschaften" haben vier Verbände Spar einrichtungen 2. Bei den „Gemeindearbeitern" haben zwei Filialen Sparkassen für Urlaubsgelder 8, während bei den „Kupferschmieden" Filialkassen mit ins gesamt 36 623 Mk. Spargeldern vorhanden und bei den Bezirksverbänden noch 2600 Mk. Spargelder angelegt sind. Die „Brauereiund Mühlenarbeiter" haben bei verschiedenen Zahl stellen Sparkassen und ferner bei der Gesellschaftsbrauerei Augsburg 320 000 Mk. Spareinlagen. Der „Buchbinderverband" berichtet, daß in manchen Betrieben vom Personal verwaltete und eingerichtete Sparkassen bestehen, in welche Be träge bis zu einer Mark pro Woche eingezahlt werden, deren Auszahlung meistens zu Weihnachten stattfindet. Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine. Von den „Hirsch -Duncker sch en Gewerkvereinen" machen drei Organisationen Mitteilungen^: * Soweit nichts anderes angegeben ist, gelten alle aufgeführten Zahlen für das Jahr 1910. Angaben über die großen Verbände der Bauarbeiter, Zimmerer und Trans portarbeiter fehlen, wie schon ausgeführt ist. 3 Zahlen fehlen. 4 In verschiedenen Satzungen (8 46 bei den Bergarbeitern, H 44 bei den Fabrikund Handarbeitern, § 45 bei graphischen Berufen usw.) sind Bestimmungen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 123 Die „Textilarbeiter" haben Spareinrichtungen bei den Lokalkassen; Gesamthöhe wie Einzelbeträge der Spargelder sind unbekannt. Bei den „Holzarbeitern" wurden im Verbände 75 454 Mk., in den Verwaltungsstellen 26 207 Mk. gespart. Bei den „Töpfern" werden die Zahlen mit 35 415 Mk. und 137 Mk. angegeben: hier zahlt jedes Mitglied in den örtlichen Verwaltungsstellen 5 — 10 Pfennig pro Woche, welche im Gegensatz zu den regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen sein Eigentum bleiben. Katholische Arbeitervereine (Sitz Berlin). Eingehendere Angaben machen die „Katholischen Arbeiter vereine (Sitz Berlin)": In Tangermünde gibt es eine sogenannte „Zigarrensparkasse": Jedes Mitglied zahlt dem Boten, welcher Zigarren bringt, 50 Pfennige wöchentlich zur Sparkasse. Es werden jährlich 12 000 Mk. gespart, welche bei der „Magdeburger Privatbank" deponiert sind: die Verzinsung der Spareinlagen beträgt im ersten Jahre 3 Vs, später 40/0. In Heiligenstadt ist eine Mietssparkasse eingerichtet, welcher 34 Mit glieder angehören; sie bezweckt eine Erleichterung bei der Aufbringung von Mietund Pachtzins. In Fürstenberg a. O. sind Erwachsene wie Kinder beteiligt; es finden Einzahlungen bis zu 3 Mk. pro Woche statt. Guthaben von 100 bis 200, ja bis 1200 Mk. sind vorhanden. In Elbing ist Anschluß an den Kreissparverein genommen: 1910 sparten 35 Mitglieder; sie hatten zusammen 1710 Mk. gespart. Ver losungen von Prämien in Höhe von 3, 10, 20, 30 und 100 Mk. fanden statt. Im Bezirk Reichenbach a. d. Eule hatten zehn Vereine 10217,88 Mk. Ersparnisse; diese Ersparnisse waren angelegt mit 274,20 Mk. auf der Bank, „ 6400 Mk. in Wertpapieren, „ 1548,67 Mk. bei Raiffeisenkassen, „ 692,70 Mk. bei städtischen Sparkassen', „ 1300 Mk. bei Darlehnskassen. gegeben, welche auf die Förderung des Genossenschaftswesens unter den Gewerk vereinsmitgliedern Hinzielen; wenn auch in erster Reihe „Produktivgenossenschaften" und „Konsumvereine" gemeint sind, so gehören doch auch „Sparvereine" hierher. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
130 Dr. Otto Heilborn. Angaben über das „private Sparen der Mitglieder" werden auch dann noch lückenhaft und unerheblich sein: denn alle Anfragen, welche auf Vorhandensein von Spargeldern gerichtet sind, werden mit dem un überwindlichen Mißtrauen zu kämpfen haben, welches in Arbeiterkreisen dagegen herrscht, daß diese Angaben Steuerzwecken dienstbar gemacht werden könnten, ein Mißtrauen, welches zugenommen hat, seitdem durch die Einkommensteuernovelle die Auskaufspflicht der Arbeitgeber statuiert worden ist. II. Produktivgenossenschaften. Da „Produktivgenossenschaften" überhaupt in Deutschland bisher nur schwache Verbreitung gefunden haben, so ist es begreiflich, daß auch die in Berufsvereinen organisierte Arbeiterschaft auf diesem Gebiete nur un bedeutende Anfänge aufzuweisen hat. Vereinzelt finden sich Angaben, daß „Mitglieder" der Berufsvereine angeschlossen sind * . Beteiligungen seitens der „Verbände" finden wir bei den christlichen Gewerkschaften bei „Holzarbeitern" ? und „Textil arbeitern", während bei den „freien Gewerkschaften" „Brauereiund Mühlenarbeiter" o, „Buchbinder"^, „Buchdruckereihilfsarbeiter" „Glas arbeiter" und „Schneider"? anzuführen sind; hier sind auch örtliche Verwaltungsstellen interessiert, so bei „Fabrikarbeitern"^ und „Kupfer schmieden" * Bei den „christlichen Gewerkschaften" sind „Bergarbeiter" und „Textilarbeiter" sowie „Holzarbeiter" (35 — 40 Mitglieder mit 20 — 25000 Mk.), bei den „HirschDunckerschen Gewerkvereinen" „Textilarbeiter" und „Holzarbeiter", bei den „freien Gewerkschaften" die „Bäcker und Konditoren" (mit 150 Mitgliedern) zu nennen. Die „katholischen Arbeitervereine (Sitz Berlin)" geben Mitglieder an für Görlitz (4 mit je 500 Mk. Beteiligung), für Glaesa (Herstellung von Kartoffelflocken) und Heidau (bei einer Genossenschaftsmolkerei). 2 21000 Mk. 3 331000 Mk. bei der Gesellschaftsbrauerei Augsburg. 4 25000 Mk. 5 20000 Mk. 6 2000 Mk. 4000 Mk. s 6600 Mk. s 1000 Mk. Insgesamt wird die Höhe der Beteiligungen bei den „freien GewerkOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 1Z1 schäften" auf 399 600 Mk. für 1910 angegeben, wovon auf örtliche Ver waltungsstellen nur 7600 Mk. entfallen Aus diesen Ansätzen läßt sich erkennen, daß Anfänger für Be teiligungen an genossenschaftlicher Produktion am ehesten dort Aussicht auf Weiterentwicklung haben, wo es sich um Herstellung von Wohnungs und Genußmitteln (Backwaren, Fleisch, Bier, Zigarren) handelt, bei welchen der genossenschaftliche Absatz infolge des begrenzteren Kunden kreises und der mit Wahrscheinlichkeit abzuschätzenden Abnehmerzahl an nähernd zu berechnen ist. Daneben und manchmal auch überwiegend mag der Gedanke zur Verwirklichung beitragen, auf solche Weise durch Streik oder Aussperrung arbeitslos gewordene Berufsgenossen unterzubringen (z. B. bei Brauern, Schneidern, Textilund Holzarbeitern) Von wesentlicher Bedeutung für die Produktion, für Kapitalanlagen, sind diese Anfänge nicht gewesen ; eine Ausnahmestellung nehmen in dieser Hinsicht nur die von den „Konsumvereinen" geschaffenen Produktions stätten ein^: Da der „Zentralverband deutscher Konsumvereine" und sein Hauptorgan „die Großeinkaufsgesellschaft zu Hamburg" ihre Mitglieder zum größten Teil aus den Kreisen der „freien Gewerkschaften" rekrutieren^, so seien Hilfs weise einige Zahlen aus den Betrieben des Konsum vereins „Produktion" und der „Großeinkaufsgesellschaft" angeführt: Bei der „Produktion" betrug 1910 der Jahresumsatz: a) der Schlächterei: 3 865 404 Mk., 6) der Bäckerei und Konditorei: 1 536 656 Mk., * Zu berücksichtigen ist allerdings, daß für die „Verwaltungsstellen" nur wenige Angaben vorliegen. 2 So fordern die Statute der „Gewerkvereine der Bergarbeiter" (Z 46), der „Fabrikund Handarbeiter" (8 44) und der „Graphischen Berufe, Maler und Lackierer" (Z 45) zur Förderung der Gründung von Genossenschaften auf; der letzt genannte 8 "15 lautet: „Die letzteren — Produktivgenossenschaften — sollen ins besondere bei beträchtlichen Aussperrungen und Arbeitseinstellungen zur Beschäftigung der arbeitslosen Mitglieder benutzt werden." 3 Die von den Konsumvereinen errichteten Betriebe dienen der genossenschaft lichen Produktion ebenso wie die von „Produktivgenossenschaften" geschaffenen An lagen: daher die obenstehenden Ausführungen. 4 Die „christlichen Gewerkschaften" haben auf ihrer Tagung zu Dresden im Oktober 1912 beschlossen, ihren Mitgliedern die Beteiligung an dem ihnen nahe stehenden „Verbände westdeutscher Konsumvereine" zu empfehlen. — Die „HirschDunckerschen Gewerkvereine" sind wohl hauptsächlich bei dem „Verbände deutscher Erwerbsund Wirtschaftsgenossenschaften" interessiert. 9* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
132 Dr. Otto Heilborn. e) der Kaffeerösterei: 465 433 Pfund Kaffee, ä) des Kohlengeschäfts: 202 700 Mk., e) der Mineralwasserfabrikation : 200000 Flaschen und 2818 Syphons mit 14567,23 Mk. Jahreserlös. Bei der „Großeinkaufsgesellschaft" hatten 1910 einen Umsatz: a) die Seifenfabrik in Gröba von 2 900 106^/4 im Werte von 1 367 834,17 Mk. ; d) die Zigarrenfabriken in Frankenberg, Hamburg und Hickerhain?: an Zigarren 30113 000 für 1 477 389 Mk., an Tabakfabrikaten von 668180 Mk. Das sind, wenn man von Bäckerei und Schlächterei absieht, besonders auf dem Gebiete der Kaffeerösterei und Seifenfabrikation nicht zu ver achtende Ansätze zur genossenschaftlichen Produktion. Wenn den „Konsum vereinen" und „freien Gewerkschaften" durch die geplante Volksversicherungs gesellschaft „Volksfürsorge" nur große Mittel aus Arbeiterkreisen im Be trage von vielen Millionen zufließen werden, so ist mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten, daß ein Teil dieser Kapitalien direkt oder indirekt durch Beteiligung oder hypothekarische Beleihung der „Produktion auf genossen schaftlicher Grundlage" ein weiteres Feld der Betätigung eröffnen wird. III. Baugenossenschaften. Es ist verständlich, wenn die beruflich organisierte Arbeiterschaft ver sucht, auf den Baumarkt einen gewissen Einfluß zu erlangen: Sie hat auf diese Weise die Möglichkeit, für geräumigere und billigere Wohnungen zu sorgen, als sie ihnen, durch Terrainspekulation und hohe Grundstücks preise beeinflußt, das Großkapital und die von diesem mehr oder minder abhängigen, außerdem unter der ungünstigen Lage des Hypothekenmarktes leidenden Hausbesitzer zu gewähren imstande sind. So finden wir öfters Beteiligung der Verbände wie der Verbands mitglieder an Baugenossenschaften, wenn auch hier wieder genauere An gaben fehlen. Bei den „freien Gewerkschaften" sind zu nennen die „Brauereiund Mühlenarbeiter" und „Gastwirtsgehilfen" bei den ' Aus 569109 Pfund geröstet. 2 In diesen Fabriken waren 1910 565 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, b 4000 Mk. r 75000 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 133 „Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen" „Textilarbeiter" * und „Holzarbeiter" bei den „christlichen Gewerkschaften" „Holzarbeiter" „Bauarbeiter" o und „Textilarbeiter" o, während bei den „Katholischen Arbeitervereinen (Sitz Berlin) die Vereine zu Trier, Königshütte und Waldenburg durch Mit glieder beteiligt sind. * Höhe unbekannt. 2 80 — 100 Mitglieder mit 8 — 10000 Mk. 3 Höhe unbekannt. 4 In Königshütte drei Mitglieder mit je 500 Mk. Einlage, im WaldenburgerBezirk 76 Mitglieder mit 16 600 Mk. Beteiligung. 5 So im Pommerschen Provinzialverband; im Schleswig-Holsteinischen Pro vinzialverband 5500 Mitglieder. — Im Posener Verband Beteiligung am deutschen Arbeiterwohnungsverein zu Bromberg. — Zu erwähnen sind ferner noch die Ver eine zu St. Hallenberg (Kurhessen), Freiburg i. Br. § Im Eisenbahndirektionsbezirk Elberfeld werden von den Eisenbahnvereinen Darlehen bis zur Höhe von 1000 Mk. zur Erbauung von Wohnhäusern gegen hypothekarische Sicherstellung gewährt. Das gleiche gilt von den Vereinen im Eisenbahndirektionsbezirk Bromberg, bei denen bis zur Höhe von 10000 Mk. ge gangen werden kann. — Es sei an dieser Stelle auch der zu den „christlichen Ge werkschaften" gehörige „Bayrische Eisenbahnerverband" genannt: Er gründete, ohne unmittelbar beteiligt zu sein, sämtliche 40 Baugenossenschaften des Eisenbahn personals, welche 300 Häuser mit 2500 Wohnungen gebaut haben (Geschäftsanteil: 100 Mk.; Einzahlung: mindestens 2 Mk. monatlich). " So ist z. B. der „Evangelische Arbeiterverein zu Chemnitz" am „Sparund Bauverein" beteiligt, ebenso der „Evangelische Arbeiterverein zu Altona" am „Altonaer Sparund Bauverein". Der schon mehrfach zitierte „Spar-, Konsumund Bauverein Produktion" zu Hamburg hat besondere Wohnungsfonds: Die daraus eingezahlten Beträge werden wie Spargelder verzinst und gewähren dem Besitzer Vorzugsrechte bei Vermietung von Genossenschaftswohnungen (1910 gab es 1083 Konteninhaber; der Hausbesitz hatte 1909 einen Wert von 997141 Mk.). Häufiger begegnet man einer Beteiligung an Baugenossenschaften bei solchen Verbänden, welche weniger gewerkschaftlichen Zwecken als der reinen Wohlfahrt ihrer Mitglieder zu dienen bestrebt sind d. h. welche die Beein flussung des Arbeitsmarktes aus ihrem Tätigkeitsgebiet mehr oder minder ausschließen, um sich hauptsächlich der Verbesserung der sonstigen wirtschaft lichen Verhältnisse ihrer Mitglieder zu widmen: Hierher gehören u. a. die „evangelischen Arbeitervereine" und die Arbeiter staatlicher Ein richtungen Wie schon oben ausgeführt, findet man oft die Zwecke, zu sparen und für billige Wohnungen zu sorgen, vereint, wie sich das auch äußer lich in der Bezeichnung „Sparund Bauverein" prägt?. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
134 Dr. Otto Heilborn. Die Bewegung ist noch in der Entwicklung begriffen, wird sich aber unter dem Druck der schlechten Wohnungsverhältnisse, welche besonders für die Arbeiterschaft bestehen, noch weiter auswachsen: Auch hier sei, wie schon bei den „Produktivgenossenschaften", darauf hingewiesen, daß ver mutlich die „Volksfürsorge" imstande sein wird, reichere Mittel in Gestalt von Hypotheken der in den „freien Gewerkschaften" organisierten Arbeiter schaft zu Bauzwecken zur Verfügung zu stellen. IV. Konsumvereine. Konsumvereine erfüllen auf doppelte Weise den Zweck, den Spartrieb der Mitglieder zu fördern : Sie ermöglichen ihnen einmal durch den gemein samen Großbezug von Waren billigere Einkaufsmöglichkeiten und lassen ihnen dadurch einen Teil ihres Einkommens für Sparzwecke frei ; auf der anderen Seite beteiligen sie die Mitglieder durch Dividenden usw. am Reingewinn und führen ihnen auf diese Weise ersparte Bargelder zu. Aber nicht nur auf den Sparsinn der Mitglieder wirken die Konsum vereine fördernd ein, sie dienen demselben Zweck auch in der Volkswirt schaft: Durch den Bargeldverkehr führen sie ihren Unternehmungen jeder zeit flüssige Geldmittel zu, welche sie dank der Möglichkeit der Verwirk lichung des Grundsatzes „großer Umsatz, kleiner Verdienst" gewinnbringend anzulegen vermögen. Es läßt sich allerdings schwer feststellen, inwieweit Berufsvereine der Arbeiter oder ihre Mitglieder an Konsumvereinen beteiligt sind, weil eine genaue Schichtung der Konsumvereinsmitglieder nach dem Beruf und damit die Höhe der Beteiligung der Arbeiter noch nicht gegeben ist. In Betracht kommen werden in erster Reihe direkte Beteiligungs ziffern der Verbände und ihrer Mitglieder an Konsumvereinen und er gänzend Zahlen aus den Konsumvereinsverbänden, deren ganz über wiegende Mehrheit den Arbeiterkreisen angehört: Das sind einmal der „Verband westdeutscher Konsumvereine", welcher den „christlichen Gewerk schaften" nahesteht, und ferner der „Zentralverband deutscher Konsum vereine", verkörpert durch die „Großeinkaufsgesellschaft zu Hamburg", welcher zu den „freien Gewerkschaften" enge Fühlung hat. Zunächst sei kurz angegeben , von feiten welcher Verbände positive Angaben gemacht werden konnten: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 135 Bei den „christlichen Gewerkschaften'^ antworteten Bayrische Eisenbahner, Holzarbeiter und Bergarbeiter, bei den „freien Gewerk schaften" ? Bäcker und Konditoren, Buchdruckereihilfsarbeiter, Dach decker, Fabrikarbeiter, Maschinisten, Schneider, Steinsetzer, Transport arbeiter, bei den „Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen" Textil arbeiter, Holzarbeiter und Töpfer, von den „Werkvereinen" Siemens und „Werk Augsburg" 4 und schließlich die „Katholischen Arbeiter vereine (Sitz Berlin)" 5 und einige evangelische Arbeitervereine. Die Berichte, welche eingegangen, sind zum großen Teil ungenau: Sie gewähren weder über die Gesamthöhe der Beteiligung noch über die Anteile der einzelnen Arbeiter genügende Aufklärung, sie trennen nur selten zwischen Guthaben der Mitglieder, der Verbände und der örtlichen Verwaltungsstellen. In manchen Vereinen sind besondere Kohlenkassen für gemeinsamen * „Holzarbeiter": 1000 — 1200 Mitglieder, Anteile meistens 2550 Mk. Die „Bergarbeiter" rechnen mit 10000 Mitgliedern, welche an Konsumvereinen beteiligt sind. Der „Bayrische Eisenbahnerverband" führt Konsumvereinsmitglieder für München und Nürnberg auf. 2 „Bäcker und Konditoren": 5000 Mitglieder mit 2090 Mk. — „Buchbinder": Im Verbände 50000 Mk. , in den örtlichen Verwaltungsstellen 5860 Mk. Be teiligung. — „Buchdruckereihilfsarbeiter": 35000 Mk. im Verbände. — „Dach decker": 10000 Mk., „Maschinisten": 250000 Mk., „Brauerei-und Mühlenarbeiter": 6000 Mk. im Verbände. — „Schneider": 150600 Mk. im Verbände und 20000 Mk. in örtlichen Verwaltungsstellen. — „Steinsetzer": 8225 Mk. im Verbände und 7652 Mk. in örtlichen Verwaltungsstellen. — Genauere Einzelheiten geben die „Transportarbeiter" an: Bei ihnen gehörten im Oktober 1910 von 77 770 ant wortenden männlichen Mitgliedern: 19362, von 3079 antwortenden weiblichen Mit gliedern: 1373 Konsumvereinen an. Die Gesamtbeteiligung an Konsumvereinen be trägt für die „freien Gewerkschaften" — natürlich nur nach der vorliegenden, zweifellos große Lücken aufweisenden Zahlen — bei den Verbänden 284225 Mk., bei den örtlichen Verwaltungsstellen 42601 Mk. s Bei den „Siemens-Werken" hat jedes Werk seinen eigenen Konsumverein (Trennung der Einnahmen aus Mittagsportionen und Warenverkehr). 4 Der Arbeiterverein vom Werk Augsburg gab 1908/09 7 o/o, 1909/10 9O/o Dividende. 5 Im ganzen Angaben über 4 Vereine und 3 Bezirke: So in Görlitz: 100 Mitglieder mit Einlagen von je 30 Mk., Fürstenberg a. O.: 6 — 8 Mitglieder, Gleiwitz (Zahl unbekannt), Bezirk Heiligenstadt: 4 Orte, Bezirk Waldenburg: 40 Mitglieder mit 1200 Mk. o Bei den „evangelischen Arbeitervereinen" werden Kohlenkassen zu Frank furt a. M., Griesheim und Höchst a. M. gemeldet. Die „christlichen" bayrischen Eisenbahner haben Kohlenkassen in den meisten Vereinen: 1910 700 Waggon Kohlen und 200 Waggon Kohlen Umsatz mit 10 — 30 Pfennigen Gewinn pro Zentner. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
136 vr. Otto Heilborn. Bezug eingerichtet, in andern wieder findet gemeinsamer Einkauf von Kohle, Kaffee oder Tee statt * ; teilweise sind Mitglieder an Rabatt vereinen ? beteiligt. Vereinzelt finden sich besondere Konsumvereins abteilungen 3. * „Evangelische Arbeitervereine": Lahr und Waldheim: Kaffee und Kohle, Gleiwitz: Kaffee und Tee, Treysa: Kohle. 2 So z. B. „Bayrischer Eisenbahnerverband" (christlich): 10 — 30 Mk. Jahres gewinn; „Kathol. Arbeiterverein Neiße". — Die „Evangel. Arbeiterinnenvereine" zu Döhren, Hannover und Linden sind an der Kohlenkasse des Gauverbandes, sechs katholische Arbeitervereine im Bezirl Lissa an Einkaufsgenossenschaften beteiligt. s So die „Evangelischen Arbeitervereine" zu Lörrach, Malsburg, Pforzheim, Säckingen und Wehr. 4 In den einzelnen Vereinen erreicht der Umsatz eine Höhe von 9416,32 Mk. bis 4265 709,04 Mk. 5 Die Rückvergütungen hatten eine Höhe von 2 — 11 o/o; als Höchstsatz wurden 8 o/o empfohlen. o Die „Grobeinkaufsgesellschaft" vermittelt und versinnbildlicht am besten den Umsatz des „Zentralverbandes deutscher Konsumvereine". ? 1909: 633; 1908: 560; 1907: 499. s 1909: 74915813 Mk.; 1908: 65778277 Mk.; 1907: 59886220 Mk. o Am 1. Januar 1910 übernahm die „Großeinkaufsgesellschaft" die Tabakarbeitergenossenschaft, am 1. Juli 1910 eröffnete sie die Seifenfabrik zu Gröba. ro'l909: 852681 Mk.; 1908: 544785 Mk.; 1907: 504109 Mk. Die angeführten Zahlen und Tatsachen lassen keinen sichern Schluß zu, in welcher auch nur annähernden Höhe die Berufsvereine und ihre Mitglieder an Konsumvereinen beteiligt sind; es seien daher zum Schluß noch, wie schon eingangs angedeutet, einige Angaben über die großen, der organisierten Arbeiterschaft nahestehenden Verbände gemacht, über den „Verband westdeutscherKonsumvereine" und über die „Groß einkaufsgesellschaft des Zentralverbands deutscher Kon sumvereine". Der erstere hatte 1909, wie schon sein Name sagt, in Westdeutsch land, hauptsächlich im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, 39 377 Mit glieder in 70 Vereinen und erzielte bei einem Umsatz" * von 12 460 497,37 Mk. einen Überschuß einschließlich der statutengemäßen Rückvergütungen von 952 839,98 Mk.^. Von der „Großeinkaufsgesellschaft" erscheinen folgende An gaben erheblich: Bei einer Zahl von 675 Gesellschaftern' * im Jahre 1910 betrug der Warenumsatz 88 649 649 Mk?9, der Reingewinn 1 015 757 Mk?o. Besonderer Erwähnung wert sind folgende Zahlen aus dem GeschäftsOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 137 betriebe der „Bankabteilung" * der Gesellschaft, welche am 2. Januar 1909 begründet wurde: Der Gesamtumsatz betrug 1910: 347 520 929 Mk. der Umsatz auf Girokonto im Debet: 62 410 598 Mk. , „ auf Girokonto im Kredit: 63 329 534 Mk.^, „ „ auf Postscheckkonto: 54 593 749 Mk. „ „ auf Wechselkonto : 27 974 522 Mk. «, „ „ auf Effektenkonto : 2 821 853 Mk. ?, „ „ auf das Bankeinlagenkonto: 9 212 931 Mk. 8. Diese Zahlen der „Bankabteilung", welche einen Teil der Summen darstellen, die von den Konsumvereinsmitgliedern d. h. also hauptsächlich Angehörigen der Berufsvereine gespart werden, werden eine bedeutende Steigerung erfahren, sobald die „Volksfürsorge" in Tätigkeit getreten sein wird, denn diese schon mehrfach erwähnte Aktiengesellschaft, deren Aktienkapital von einer Million Mark je zur Hälfte von dem „Zentral verband deutscher Konsumvereine" und „den der Generalkommission der Gewerkschaften, angeschlossenen Verbänden" übernommen ist, — auch hier zeigt sich der äußerst nahe Zusammenhang zwischen diesen Konsumvereinen und den „freien Gewerkschaften" — , wird bei ihrem Geschäftsbetriebe sich als Bank der Unterstützung der „Bankabteilung der Großeinkaufsgesell schaft" bedienen und dadurch der „Großeinkaufsgesellschaft" eine starke Vermehrung ihrer Mittel und damit ihrer den Konsumvereinen dienenden Tätigkeit gestattend i Sie übernahm zunächst die Bankeinlagen und Darlehenskonten der Waren abteilung nebst einigen Hypothekenkonten und Anlagen von Scheckkonten für zunächst 85 Vereine. 2 1909: 243267551 Mk. - 1909: 33131614 Mk. 4 1909: 33164424 Mk. " 1909: 33194619 Mk. e 1909: 5 786240 Mk. ? 1909: 5786240 Mk. (Bestand des Effektenkontos : 1909: 206823 Mk., 1910: 1371912 Mk.). 8 1900: 5541877 Mk. 2 Ergänzend und hilssweise seien einige Zahlen aus dem „Konsum-, Bauund Sparverein Produktion" zu Hamburg angeführt: Dev Reingewinn betrug 1910: 181547 Mk. (1909: 172555 Mk.). Von 49312 (41875) Mitgliedern waren 29795 (25459) gelernte, 11273 (9713) ungelernte Arbeiter und 4150 (3201) Ehefrauen und Witwen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
138 Dr. Otto Heilborn. V. Bermögensanlagen. Die „Vermögensbestände", welche die „Berufsvereine der Arbeiter" angesammelt haben, stellen, wenn man den Begriff etwas weit auslegt, „Spareinlagen im weiteren Sinne" dar: Wie schon an anderer Stelle * ausgeführt ist, setzt sich das Vermögen dieser Organisationen fast ganz aus den Geldern zusammen, welche ihnen durch Beiträge und Eintritts gelder ihrer Mitglieder zufließen. Die Mitglieder „sparen" diese Beiträge, um sie bei den verschiedensten Gelegenheiten in irgendeiner Unterstützungs form zurückzuerhalten 2 oder um durch Ausbau der Organisation im Arbeitskampfe bessere Bedingungen zu erhalten und dadurch ihre Lebens stellung zu verbessern oder sie wenigstens vor Verschlechterungen zu be wahren, auch im letzteren Falle „sparen" sie. * In der Einleitung: Eine teilweise Wiederholung der Ausführungen ließ sich nicht vermeiden. 2 1910 gaben für Unterstützungen aller Art (Reise-, Umzug-, Arbeitslosen-, Kranken-, Invaliden-, Sterbefall-, Notfall-, Streikund Gemaßregeltenunterstützung) und Rechtsschutz aus: „Freie Gewerkschaften": 39117 666 Mk.; „Christliche Gewerk schaften": 1639206 Mk.: „Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine": 2393775 Mk. 3 Als Beispiel sei angegeben, daß bei den „Freien Gewerkschaften" zehn Ver bände mit einem Vermögen von 7205856 Mk. nicht berichtet, bezüglich der Orts kassen nur „Buchbinder" und „Holzarbeiter" Angaben gemacht haben. 4 So bei den „Evangelischen Arbeitervereinen" und bei einem Teile der „Katholischen Arbeitervereine (Sitz Berlin)". Manchmal fehlt sogar die Angabe der Art der Anlage, so bei dem „Evangelischen Arbeiterbund (Bochum)". 6 So z. B. bei einer Anzahl der sonst sehr gut berichtenden „Freien Gewerk schaften". Die Anlage der Vermögensmassen gibt in mannigfacher Weise einen Fingerzeig, in welcher Form die Art von Spargeldern den verschiedensten Zweigen der volkswirtschaftlichen Produktion zugeführt, zugänglich ge macht werden. Eine systematische Darstellung soll versucht werden, wenn auch, wie sich bei den einzelnen Abschnitten zeigen wird, manche Lücken in Erscheinung treten und Schlußfolgerungen infolgedessen erschweren werden. So fehlen oft Zahlenangaben, es wird nur über die Art der Anlagen berichtet; an anderer Stelle sind die Bestände von Verbänden und Unterstützungs kassen nicht getrennt, dritte geben einen Teil ihrer Vermögensanlagen unter „Sonstiges" 5 an; Bankeinlagenkonto sind teilweise nicht getrennt OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Spareinrichtungen der Berufsvereine der Arbeiter. 139 aufgeführt schließlich finden sich fast nirgends Angaben über die Ver zinsung des Kapitals?. Im folgenden soll in zwölf Abschnitten eine Trennung der Ver mögensbestände nach der Verschiedenheit ihrer Anlage versucht werden: Bei Banken, Genossenschaften, Konsumvereinen, Baugenossenschaften, Gewerkschaftshäusern, in Staatspapieren, in Kommunalpapieren, in sonstigen Wertpapieren, bei Sparkassen, auf Scheckkonto und als Kassen bestände. Bei Banken. Die Angabe „bei Banken angelegt" muß verschieden aufgefaßt werden: Soweit es sich um geringe Betrüge bei großen Verbandsvermögen handelt, werden vermutlich Gelder gemeint sein, welche jederzeit abgerufen werden können und zur Deckung der laufenden Geldbedürfnisse dienen sollen, während bei größeren Summen die Annahme gerechtfertigt ist, daß es sich um Wertpapiere handelt, welche bei Banken hinterlegt sind. Eine Zusammenstellung der Beträge der berichtenden Verbände ergibt folgendes : a) „Freie Gewerkschaften" .... 5832891 Mk. d) „Christliche Gewerkschaften" § . . . 1493 050 „ Übertrag . . 7 325 941 Mk. * So bei dem „Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein der Holzarbeiter". 2 In einzelnen Fällen läßt sich die Höhe der Verzinsung erkennen, wenn die Art der Wertpapiere genau angegeben ist (Staatspapiere, Pfandbriefe). 3 So z. B. bei der „Union Ganymed". 4 So bei den „freien" wie bei den „christlichen" Gewerkschaften, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß beide bei der großen Zahl ihrer Mitglieder größerer Beträge, die jederzeit flüssig gemacht werden können, bedürfen. 6 Ziffern aus den einzelnen Verbänden: „Bäckerund Konditoren": 70000 Mk.; „Bergarbeiter": 230000 Mk.; „Bildhauer": 6463 Mk.; „Brauereiund Mühlenarbeiter": 235866 Mk.; „Blumenarbeiter": 4500 Mk.; „Buchbinder": 88476 Mk.; „Bureauangestellte": 35000 Mk.; „Fabrikarbeiter": 884014 Mk.: „Gärtner": 7000 Mk. ; „Gemeindearbeiter": 138 Mk.; „Glasarbeiter": 100000 Mk.; „Kürschner": 80000 Mk.; „Lithographen": 204964 Mk.; „Maler": 137000 Mk.; „Metallarbeiter": 2247760 Mk.; „Porzellanarbeiter": 36518 Mk.; „Schneider": 3427 Mk.; „Schuhmacher": 491500 Mk.: „Steinarbeiter": 172209 Mk.: „Buchdruckereihilfsarbeiter": 15 000 Mk.; „Dachdecker": 110000 Mk.; „Gastwirts gehilfen": 11000 Mk.; „Glaser": 60000 Mk.: „Holzarbeiter": 22500 Mk.; „Hut macher": 45000 Mk. ; „Kupferschmiede": 87000 Mk. ; „Lederarbeiter": 28983 Mk.; „Schneider": 16600 Mk.; „Steinmetzen": 95000 Mk. ; „Textilarbeiter": 260000 Mk.; „Töpfer": 131273 Mk. 6 Einzelziffern: „Bayrische Eisenbahner": 50600 Mk.; „Holzarbeiter": 13000 Mk. ; „Bauarbeiter": 303757 Mk. (größtenteils bei Banken); „Textil arbeiter": 313499 Mk.; „Metallarbeiter": 812204 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
242 Or. A. Günther. Einsiedelsche r Pensionsverein. Gesamtausgaben: Verwaltungskosten (gelegentlich einschl. Gerichtskosten, Bankspesen usw.) 1904 157 296,06 Mk. 4 994,44 Mk. 1905 166 866,56 „ 3 858,85 „ ' 1906 179 330,21 „ 4179,40 „ 1907 198 096,88 „ 3 968,48 „ 1908 239 161,83 „ (4 206,90 „ 43174,35 „ 2 1909 240 507,74 „ 5 066,31 „ Kasse der Angestellten der Allg. Berliner Omnibusgesellschaft. Gesamtausgaben: Verwaltungsausgaben : 1906 18 211,35 Mk. 2 000,90 Mk. 1907 58 616,42 „ 1542,10 , 1908 57 638,37 „ 1334,96 „ 1909 88428,44 „ 498,54 „ Pensionskasse des Werks Augsburg. 1906: 550 Mk. Ausgaben für versicherungstechnische Gutachten, 1907: 360 „ r während die Kosten der schriftlichen Arbeiten 1908: 30 „ 1 vom Werk getragen werden. Pensionskasse der Beamten der Bad. Anilinund Sodafabrik. 1909 wurden 2160 Mk. für ein finanztechnisches Gut achten ausgegeben. Im übrigen dürfte ähnliches wie vorher zutreffen, doch erwachsen Bankspesen in folgender Höhe: 1905: 265,60 Mk. bei 59 488,46 Mk. Gesamtausgaben 1906: 1158,75 „ „ 74 741,82 „ 1907: 1170,55 „ „ 66 931,58 „ 1908: 1270,15 „ „ 77 864,08 „ 1909: 1152,05 „ , 74 809,05 „ Arbeiterpensionsstistung der Bad. Anilinund Sodaf a b r i k. Unkosten 1909 und zwar: s Steuern . . . 10 000, — Mk> < Prozeßkosten . 628,05 „ 1 Bankspesen . . 122,10 „ bei insgesamt 23 001,65 Mk. Gesamtausgaben. 1908 waren Unkosten nicht entstanden. * Bei den 5 Kassen der A.-G. Lauchhammer erwuchsen 1903 bei 482019,16 Mk. Gesamtausgaben 10097,96 Mk. Verwaltungskosten. 2 Verschiedenes, versicherungstechnische Gutachten. 8 Depotgebühren, Stempel, Porti. 4 Schenkungssteuer; gegen die Steuerpflichtigkeit war Einspruch erhoben worden, der im Berichtsjahr von zwei Instanzen abgelehnt worden war und beim Reichs gericht schwebte. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskaffen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 243 Kasse der Eisenbahnbedarfs-Aktiengesellschaft * . 1905: 1829,52 Mk. „Sonstige Ausgaben"? 1906: 4429,30 1907: 2070,07 1908: 3622,79 1909: 2167,02 Tiele-Wincklersche In Gesamt validenkasse. Verwaltungs Daneben ausgabe kosten „Sonstige Ausgaben" 1906: 44 526,75 Mk. 61,25 Mk. 161,25 Mk. 1907: 45 685,35 „ 1038,75 „ 205,90 „ 1908: 44 812,30 „ 426,85 „ 272,70 „ 1909: 46 659,76 „ 109,85 „ 1424,60 „ * Die Gesamtausgaben sind nicht vergleichbar, da sie auch die Ausgabe für Effekten enthalten. 2 Jedenfalls wenigstens teilweise Unkosten. 3 Die „Sonstigen Ausgaben" sind angeführt, da es immerhin nicht aus geschlossen ist, daß, bei der auffallend niedrigen Höhe der als Verwaltungskosten gebuchten Ausgaben in einzelnen Jahren, einige Unkostenposten unter „Sonstigen Ausgaben" erscheinen. Eine textliche Darstellung fehlt im Geschäftsbericht. 4 In diesem Jahre auch für versicherungstechnisches Gutachten. 16* Voithsche Kasse. Der Bericht für 1909 verzeichnet für Un kosten (Steuern, Stempel usw.) 1861,25 Mk. Ausgabe. Kasse von Villeroy L Boch. Unkosten (als solche für „DruckGesamtausgabe fachen usw." oder „sächliche Un kosten" bezeichnet) 1907: 82 327,62 Mk. 109,60 Mk. 1908: 81 503,93 „ 158,70 „ 1909: 94 280,63 „ 220,10 „ Pensionskasse der Ver. Königsund Laurahütte. Der nur für 1902 vorliegende Bericht verzeichnet bei 138 336,91 Mk. Gesamt ausgabe 2742,43 Mk. Verwaltungskosten. Kasse von Schäffer L Budenberg. 1904: Gesamtausgabe 12 074,53 Mk. Unkosten (Bankierprovisionen, Stempel gebühren beim Kauf von Effekten, Hinterlegungsgebühr) 367,85 Mk. 1905: 13 340,06 „ 992,- „ ' 1906: 24 851,67 „ 419,45 „ 1907: 32 337,60 . 468,75 „ 1908: 15 020,33 „ 420,- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
244 Dr. A. Günther. Röchlingsche Kasse. Die älteren Berichte verzeichnen lediglich Posten unter „Verschiedenes": 1900/01 62,20 Mk., 1901/02 56 Mk., 1902/03 747,10 Mk., 1903/04 181,32 Mk. Im zweiten Halbjahr 1904 finden sich Ausgaben für Unkosten, Provisionen und dergleichen bei Effektenumsätzen von 90,80 Mk. , 1905 166,85 Mk., 1906 720,70 Mk., 1909 79,40 Mk., zu denen aber Unkosten beim Ankauf von Wertpapieren in Höhe von 415,55 Mk. stoßen. Im folgenden sollen Verwaltungskosten und Unkosten zusammen hängend gewürdigt werden: Die hier zusammengefaßten Posten sind sehr ungleich und geben kein klares Bild. Trotzdem konnte auf ihre Wiedergabe nicht verzichtet werden, da sie in mehreren Fällen zur Verdeutlichung der finanziellen Lage und des Geschäftsgebarens der Kassen dienen. Verwaltungskosten im engeren Sinne, vor allem solche persönlicher Natur (Gehälter, Provisionen), erwachsen anscheinend, wenn überhaupt, nur in ganz geringem Maße. Meistens stellt die dotierende Firma ihr Buchführungspersonal in die Dienste der Kassen, deren Umfang oft ja nicht so beträchtlich ist, daß eigene Beamte gehalten werden könnten. Natürlich ist dies nur in Zusammenhalt mit starker ehrenamtlicher In anspruchnahme von Angestellten und Arbeitern als Kassenorganen möglich. Viel häufiger sind Beträge eingesetzt, die sich aus dem finanziellen Verkehr der Kassen mit Banken usw. erklären (solche für versicherungstechnische Berechnungen mögen hier, da sie meist nur einmaliger Natur sind, ganz ausscheiden). Für Bankgebühren, Stempel, Unkosten bei An kauf und Veräußerung von Wertpapieren sind oft ganz beträchtliche Summen eingesetzt, die im einzelnen aus der Zusammenstellung dieses Paragraphen ersichtlich sind. In einem Falle erwuchs auch eine bedeutende Schenkungssteuer und auch sonst spielen steuerliche Ausgaben, deren Natur nicht näher auszuweisen ist, eine Rolle. Allgemeingültiges läßt sich auf Grund der sehr zerstreuten Nach richten insbesondere über das Verhältnis von Gesamtausgabe und Un kosten nicht sagen. Hier fällt erschwerend ins Gewicht, daß die Bilanzen sehr verschiedenartig aufgemacht sind; angekaufte Wertpapiere sind in einzelnen Fällen unter Ausgaben eingesetzt, in anderen aber nicht. Der Prozentsatz der Unkosten läßt sich allenfalls unter Zugrundelegung der Unterstützungsausgaben berechnen, aber auch diese sind, je nach dem Be stand an berechtigten Mitgliedern, ihrem Altersaufbau usw., sehr ungleich und geben keine sichere Vergleichsbasis ab. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 245 II. Pensionskaffen der Gemeindeverwaltungen. 8 18. 1. Allgemeines. Die deutschen Stadtgemeinden haben die Sicherstellung ihrer Arbeiter und Angestellten seit längerer Zeit ins Auge gefaßt. Hierüber ist heute eine ziemlich umfangreiche Literatur vorhanden, die freilich durchwegs andere Fragen als die hier zu erörternden behandelt. Insbesondere hat das Problem, wie die Kasse auf die Freizügigkeit ihrer Mitglieder einwirkt, sich auch auf die städtischen Einrichtungen erstreckt, hier aber im allgemeinen günstige Verhältnisse angetroffen. Nicht so steht es mit der Frage der Rechtsnatur des Anspruchs auf Rente, der, da es sich sehr oft um einseitig von der Stadt dotierte Kassen handelt, meist fehlt, was allerdings gegenüber der Mehrzahl der privaten Kasseneinrichtungen einen Rückstand bedeutet. Frei lich besteht bei den städtischen Verwaltungseinrichtungen und dem Einfluß der städtischen Vertretungen zumeist kein Bedenken in sozialer Hinsicht. Diese Fragen treten hier, wie auch bei den privaten Kassen, gegen über jenen, die sich mit der Stellung der Kasse in Geldund Kredit verkehr befassen, zurück. Aber auch diese letzteren Fragen können nicht in der Breite wie oben bei den privaten Kassen erörtert werden. Denn eben die mangelnde finanzielle Selbständigkeit der meisten Kassen und die ein seitige Dotierung durch die Städte erschweren ein selbständiges Finanz gebaren, das für Kreditund Geldverkehr wichtig werden kann. Anschließend sei eine Aufzählung der Einrichtungen, über die Material an Satzungen, Bestimmungen und (selten) Geschäftsberichten vorlag, vor genommen; es handelt sich um die Städte*: * Die Sammlung verdankt ihr Entstehen der Münchener Universitätsbibliothek. Nur ihre Bestände wurden hier verwendet, auf die meist länger zurückliegende Literatur (Mombert, Lindemann u. a.) wurde nicht eingegangen. Magdeburg, Mainz, Forst (Lausitz), Düsseldorf, Dresden, Elberfeld, Essen, Erlangen, Aachen, Fürth, Hagen, Breslau, Wiesbaden, Hildesheim, Cassel, Ludwigshafen, Höchst, Charlottenburg, Straßburg, Eßlingen, Chemnitz, Stuttgart, Frankfurt a. M., Regensburg, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
246 Dr. A. Günther. Crefeld, Plauen, Stettin, Dortmund, München, Ulm, Naumburg a. S., Potsdam, Neu-Kölln, Nürnberg, Leipzig, Mannheim, Oberhausen, Gotha, Schöneberg, Offenbach, Worms, Spandau, Posen, Zwickau, Trier. Es wird hernach festzustellen sein, bei welchen dieser Einrichtungen eine (wenn auch noch so geringe) finanzielle Selbständigkeit vorliegt; diese haben dann als Material der Untersuchung vorwiegend zu dienen. Als teilweise Vorfrage hierfür ist jene nach der Rechtsnatur der Kasse — d. h., ob Rechtsanspruch auf ihre Leistungen gewährt wird oder nicht — zu stellen. 8 19. 2. Die Frage des Rechtsanspruches. In einzelnen Fällen ist die Frage zweifelhaft, in anderen im Statut offengelassen. Im allgemeinen wird hier kein Rechtsanspruch vorliegen. Keinen Rechtsanspruch gewähren die Einrichtungen der Städte Spandau, Potsdam, Elberfeld, Schöneberg, Plauen, Forst (Lausitz), Neu-Kölln, Posen, Frankfurt a. M., Ulm, Offenbach, Höchst a. M., Leipzig, Oberhausen, Hildesheim Stettin, Dortmund 2, Hagen, Zwickau, Chemnitz, Mainz, Worms, Charlottenburg, Stuttgart, Gotha r, Cassel, Wiesbaden, Essen, Fürth, Magdeburg, Düsseldorf, Breslau, Trier Rechtsanspruch indessen gewähren: Karlsruhe, Nürnberg, Straßburg, Mannheim, Erlangen, Ludwigshafen, München, Dresden, Regensburg. * Hier ist zwischen klagbarem Recht und Anwartschaft, welch letztere vor handen ist, unterschieden. 2 Hier handelt es sich ferner um Fortgewährung des Lohnes bei Verhinderung an der Dienstleistung. 3 Berufung an das Stadtverordnetenkollegium zulässig. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 247 Zumeist ist die Frage des Rechtsanspruches eng mit der der Beitrags leistung seitens der städtischen Angestellten und Arbeiter verquickt. Die letztere gab häufig insofern den Ausschlag, als man der schwierigen Ver waltung — insbesondere auch den Verpflichtungen bei Ausscheiden aus Dienst und Kasse — aus dem Wege gehen wollte und deshalb die einseitige Dotierung der Kasse durch die Stadt, die dann einseitige Verwaltung durch letztere und mangelnde finanzielle Selbständigkeit zur Folge hat, beschloß. Gerade der letztere Punkt ist für das hier behandelte Thema be sonders wichtig. 8 20. 3. Einiges über das finanzielle Gebaren der Kassen. Die hier mitzuteilenden Materialien sind sehr ungleichartig und können ein sicheres Bild der einschlägigen Verhältnisse in keiner Weise gewähr leisten. Immerhin bieten sie einige nicht unwichtige Einblicke. Gemeinsam ist ihnen im allgemeinen die relative Geringfügigkeit der für Versorgungs zwecke zur Verfügung stehenden Summe. Es ist eben zu erwägen, daß meist laufende Mittel der allgemein städtischen Verwaltung herangezogen werden, eine Kapitalansammlung, die zu selbständiger Anlage Anlaß geben würde, zumeist völlig entfällt. Nur Kassen wie die vornehmlich mehrerer bayrischer Städte (München, Nürnberg, Regensburg), die auf versicherungs technischer Grundlage beruhen und auch von den Arbeitern Beiträge ver langen, machen hierin eine Ausnahme. Mit diesem Vorbehalten sei das durch die Umfrage erlangte Material bekanntgegeben. Regensburg. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Einrichtungen handelt es sich hier um eine versicherungstechnisch fundierte Kasse mit ein gehenden Bilanzen seit 1901. Von 1901 — 1909 ergibt sich folgendes: * Bemerkenswert ist die Zinsminderung infolge Verschiebung des Zinstermins durch Darleh nsgewährung. Jahr Vermögen in Mitte des Jahr« >s Zinsen Stiftungs zinsen Gesamteinnahme pro Jahr 1901: 559 327 Mk. — Mk. 779,50 Mk. 40 295,87 Mk. 1902: 613 600 „ 22 294,03 „ 1240,- „ 130 882,80 „ 1903: 701 655 „ 22 352,54 „ 1222,81 „ 126 715,40 „ 1904: 788 200 „ 29 146,53 „ 1240, — „ 127 764,75 „ 1905: 872 800 „ 38185,25 „ 1240,- „ 141 247,49 , 1906: 954 000 „ 37 352,86 „ 1240,- „ 152 393,09 „ 1907: 1035 300 „ 35109,58' „ 1240, — „ 176 593,50 „ 1908: 1 246 148 „ 45 542,46 „ 1240,- „ 218 736,13 „ 1909: 1 287 038 „ 49 073,77 „ 1240,- „ 198 528,43 „ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
248 vr. A. Günther. Die Bilanz der Kasse vom 31. Dezember 1907 schließt bei Aktiven und Passiven in Höhe von je 6 504 500 Mk. mit einem rechnungsmäßigen Fehlbetrag von 1 039 480 Mk. ab, für dessen Verzinsung und Tilgung in 20 Jahren bei Annahme eines Diskontsatzes von 8^/2 o/o jährlich 89 772,20 Mk. erforderlich sind. Hinzu kommt dann die Beitragsleistung der Gemeinde mit je ca. 200 000 Mk. in den Jahren 1908 und 1909. Nürnberg. Ende 1908 betragen die Einnahmen .............................................. 115 261,26 Mk. Hierunter: Erträgnisse des Vermögens ............... 16 696,17 „ Etatmäßiger Zuschuß der Stadtkasse . 20 000, — „ Mitgliederbeiträge ................................... 75 504,26 „ Betriebsüberschuß . . . 80 573,50 Mk. Worms. Aufwendungen insgesamt: 1898/99: 50,97 Mk. 1904: 1857,21 Mk. 1899/00: 120,33 „ 1905: 2169,61 „ 1900/01: 613,22 „ 1906: 2347,65 „ 1901/02: 783,08 „ 1907: 3467.30 „ 1902/03: 1355,47 „ 1908: 4719,11 , 1903/04: 1685,68 „ 1909: 1910 (Voranschlag): 5600,39 5480,32 „ Mk. Plauen. Der Fonds beträgt Ende 1908 16500 Mk. Offenbach. Aufwendungen für die Versorgung der städtischen Be diensteten und Arbeiter nach den Grundsätzen vom 9. Juni 1899: 1899: 302 — Mk. 1905: 7 187,38 Mk. 1900: 1 128, — „ 1901: 2192,- ,, 1902: 3113,20 „ 1903: 4 572,- „ 1904: 6174,43 „ Leipzig. ^abr Bestand ^nde des Jahres) 1906: 8 718,09 „ 1907: 10 916,49 „ 1908: 12 951,01 „ 1 909: 14 884,90 „ Zusammen : 72 139,50 Mk. Beiträge der VerZinsen von waltungsabteilungen Wertpapieren 1904: 44 357,77 Mk. 73 377,69 Mk. — Mk. 1905: 79 339,61 „ 72 938,41 „ 1103,95 „ 1906: 138 332,66^ „ 99126,08 „ 2178,25 „ 1907: 194 872,53 „ 99 797,22 „ 3842,50 „ 1908: 257717,96 „ 112 067,30 „ 6178,252 , 1909: 329 729,94 „ 122 339,96 „ 8544,25 , * 1906 waren 50 Mk. Buße aus einer Beleidigungssache eingenommen worden. 2 Einschließlich Kursgewinn. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 249 Eßlingen. Vermögen am 31. März 1909 27 635 Mk. Davon ab Mehrausgaben für 1908/09 662,87 Mk. Haupteinnahmequellen * : * Daneben stehen kleine Einnahmen (Geldstrafen, Ersparnisse während Stellen erledigungen). 2 Einiges sei immerhin hier mitgeteilt: Magdeburg: „Die Berechnung er scheint . . entbehrlich, weil es sich bei den Arbeiterrenten zu einem sehr wesentlichen Teil um Beträge handelt, die nur anders zu buchen sind, statt in der Armen verwaltung in der Allgemeinen Verwaltung." — Worms erwartet „keine nennens werten Ausgaben für die Stadt". Vgl. hierzu aber die obige, beträchtliche Zahlen Eintrittsgelder von den Mitgliedern Jahresbeiträge von den Mitgliedern Beiträge der beteiligten Verwaltung« Kapitalzinsen ....................................... Rechn. Ergebnis Voranschlag Voranschlag 1908 1909 1910 . 298,24 Mk. 200 Mk. 200 Mk. . 3383,56 „ 3400 „ 3400 „ i 3383,56 „ 3400 „ 3400 , . 1102,87 „ 1000 „ 850 „ Bemerkenswert hierüber dürfte der Rückgang des Kapitalzinses sein. München. Bemerkenswert ist das umfangreiche statistische Material, welches die Denkschrift zur Errichtung einer Versorgungskasse für niedere Bedienstete und ständige Arbeiter enthält (bearbeitet von dem damaligen Sekretär des statistischen Amtes Dr. Singer). Die meist für den Stand von 1900 angegebenen Daten sind selbstverständlich veraltet und auch für vorliegende Zwecke kaum verwendbar. Dagegen liegt der Voranschlag für 1909 und 1910 nebst der Rechnung für 1908 vor. Ihnen ist zu entnehmen, daß das Vermögen Ende Juni 1909 1259 000 Mk. war, wozu dann bis Ende 1909 Zuschüsse der Ge meinde in Höhe von 253 371 Mk. treten. Vom Vermögen der Pensions kasse für das Straßenbahnpersonal wurden 1 150 000 Mk. überwiesen, so daß der Gesamtbetrag 2 662 371 Mk. ist, dessen Zinsertrag mit 100 000 Mk. für 1910 angesetzt wird, während 1908 45 549 Mk. erzielt wurden und im Voranschlag 1909 46 400 Mk. vorgesehen waren. Neben Posten, die hier nicht weiter interessieren, finden sich Ausgaben für Kursverluste, Stückzinsen usw., 1908 in Höhe von 788,54 Mk., 1909 3000 Mk., 1910 3000 Mk. (Voranschläge.) Gotha. Auch hier enthält eine Denkschrift über das einzuführende, nicht auf Rechtsanspruch beruhende Institut mannigfache allgemeingültige Ausführungen über die finanzielle Seite der Versorgung, wobei die An schauungen und Erfahrungen anderer Städte wiedergegeben werden (auf Grund einer Oktober 1901 vorgenommenen, hinsichtlich der Einzelheiten also veralteten Erhebung)^ — Für Gotha wird ein jährlicher Aufwand von 6000 Mk. errechnet. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
250 Dr. A. Günther. Hier liegen ferner Nachweisungen fü lr die seit Inkrafttreten der Versorgung geleisteten Zahlungen vor. Sie bclaufen sich folgendermaßen: nach Z 40 bis 44 nach den Grundsätzen, betr. die In Jahr der Arbeitsordnung validenund Hinterbl.- Versorgung 1904/05: 783,81 Mk. 278,60 Mk. 1905/06: 942,84 557,20 1906/07: 946,41 276,29 1907/08: 1316,22 434,53 1908/09: 1582,93 519,33 1909/10: 1556,70 529,46 Hier mag eine Übersicht über die finanziellen Leistungen der Stadt Düsseldorf angefügt werden Jahr Zahl Zahl d. empfangsberechtigten Höhe der bewilligten Renten über JvalidenWitwenWaisender Fälle In validen Witwen Waisen uverhaupt Mk. Gelder Mk. Mk. haupt Mk. 19022: 3 2 1 — 3 1031,25 392, — — 1423,25 1903: 11 6 5 6 17 2664,85 1146,14 350,82 4161,81 1904: 18 11 7 13 31 5 606,35 1596,14 773,82 7976,31 1905: 27 18 9 12 39 9 504,80 1896,14 728,82 12129,76 1906: 43 26 17 13 56 12 741,23 4067,75 880,39 17689,37 1907: 54 31 22 16 69 14425,73 5371,50 931,43 20728,66 1908: 66 33 31 21 85 15974,23 7485,11 1293,38 24752,72 1909: 71 33 36 23 92 15 788,10 8865,36 1357,89 26011,35 In Karlsruhe sind auf Grund des Arbeiterstatuts 1907 79196 Mk., 1908 84 898 Mk. an Ruhegehalt usw. aufgewendet worden. Es ist naturgemäß durchaus unmöglich, auf dieses höchst ungleiche und lückenhafte Material, das freilich den Charakter der Einrichtungen ganz gut zum Ausdruck bringt, Untersuchungen, gleich den über die privaten Kassen vorgenommenen, über Anlage, Zinsfuß und dergleichen aufzubauen. Für den Kreditund Geldverkehr kommen die städtischen Einrichtungen, das kann als negatives Ergebnis gelten, kaum in Betracht. Immerhin ist es wahrscheinlich, daß ein Teil der Bestände, soweit sie überhaupt selb ständig verwaltet werden und nicht — der Regelfall! — nur jährliche Zuwendungen ohne Kapitalisierung stattsinden, in den städtischen Sparkassen angelegt wird, gelegentlich vielleicht auch örtlichem Immobiliarkredit dient. umfassende Aufstellung. — Ähnlich Breslau. — Stuttgart: Der Jahresaufwand wird auf höchstens 28000 Mk. geschätzt. — Mannheim: Jahresaufwand 20000 Mk. — Freiburg: 24000 Mk. jährlich. — Karlsruhe: 20000 bis 25000 Mk. jährlich. * Das nur 1909 in drei Fällen in Kraft getretene Gnadenvierteljahr ist ebenso wenig wie die Beträge nach Z 7 der Grundsätze berücksichtigt. Stets am 1. April. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionökassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 251 III. Knappschaftskassen. 8 21. 1. Allgemeines. Dr. Jüngst hat für die Erhebung über Versicherungswesen das Kapitel Knappschaftskassen geschrieben. Da Verfasser dieses Abschnitts durch Vermittlung der Universitätsbibliothek München ein besonders reichhaltiges Material gerade über die — in vielen Punkten den Werkpensionskassen verwandten — Knappschaftskassen zur Verfügung gestellt erhalten konnte, ersuchte er den Herrn Herausgeber, insoweit auch auf dies Gebiet über greifen zu dürfen, als es von seinem eigentlichen Bearbeiter nicht bereits erschöpft war. Die freundlichst zur Einsicht übersandten Druckbogen der Arbeit des Herrn Dr. Jüngst enthalten nun neben den rechtlich-tatsächlichen Unterlagen der Knappschaftskassen alle zusammenfassenden Zahlen über Einnahmen, Ausgaben und Vermögen der deutschen und preußischen Knapp schaftsvereine. Was hingegen den für die vorliegende Abhandlung wohl bedeutungsvollsten Punkt, die Vermögensanlage und angrenzende Fragen, betrifft, so beschränkt sich die Jüngstsche Darstellung auf fünf große Vereine, ohne auch hier auf Einzelheiten einzugehen: endlich ist 1. Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum, 2. Saarbrücker Knappschaftsverein, 3. Oberschlesischer Knappschaftsverein, 4. Niederschlesischer Knappschaftsverein, 5. Hauptknappschaftsverein Klausthal, 6. die Rückversicherungsanstalt einbezogen. Ausdrücklich heißt es bei Jüngst, daß „für die Gesamtheit der Knappschaftsvereine keine Auskunft" gegeben werden konnte; von diesem Gesichtspunkte aus kann eine Ergänzung jener Feststellungen nur erwünscht erscheinen. Aber auch innerhalb des engeren Themas der Werkpensionskassen könnte an einzelnen Knappschaftsvereinen nicht vorbeigegangen werden; an jenen nämlich, die Hüttenarbeiter von Firmen, für deren übrige Betriebe Werkpensionskassen errichtet sind, umfassen. Als Beispiel sei der Knappschaftsverein der Firma Lauchhammer erwähnt, über deren Pensions kasse oben abgehandelt ist. Ganz allgemein ist die Bezeichnung Knapp schaftsverein nach der historischen Entwicklung nicht auf den Bergbau beOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
258 Or. A. Günther. 17. Rüdersdorfer Knappschaftskasse. Vermögen Ende 1901: 103 575,14 Mk. 1902: 94 241,56 1903: 94 859,28 1904: 106 424,16 ,, 1905: 118 219,59 ,, 1906: 139 719,26 1907: 162 495,11 ,, 1908: _ i 18. Krankenkasse der Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb. Vermögen 1905: 75 837,87 Mk. 19. Plessischer Knappschaftsverein. Gesamtvermögen Ende 1906: 1907: 1908: 1909: Krankenkasse — Mk. 15 000,- „ 27 671,83 „ 50 974,17 „ Pensionskasse 313 600, — Mk. 355 300 — „ s 441 694,62 „ 559 838,61 „ 20. Unterharzer Knappschaftsverein Vermögen Ende 1904: 794 435,23 Mk. 1905: 802 556,08 1906: 795 101,03 1907: 774 161,90 ,, 1908: 815 042,66 -e 1909: 846 706,33 ,/ 21. Georgs-Marien-Hütte n-Knappschaftsverein. Vermögen Ende 1903: 887 959,82 Mk. 1904: 904 912,35 ,, 1905: 888 057,61 1906: 881 112,61 1907: 873 930,11 1908: 1 033 540,46 1909: 1 130 592,69 * Nach Pensionsund Krankenkasse geschieden. Vermögen aus dem Geschäfts bericht nicht zu ersehen. 2 S. auch 8 25. s Es findet sich auch die Angabe: 398 241,82 Mk. 4 Nennwert. — Über Kurswert s. unter 8 25. 6 An dem schlechten Abschluß mehrerer Jahre hatte wohl die Aufnahme des alten Piesberger Vereins schuld. Die Abschlüsse 1908/09 gelten nur für die Pen sionskasse. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 259 22. Eschweiler Knappschaftsverein. Pensionskasse Vermögen Anfang 1904: 397 332,66 Mk. „ Ende 1904: 434 748,15 „ ,, „ 1905: 458126,05 „ 1906: 483 999,60 „ 1907: 517 525,98 „ 1908: 516 201,77 „ Die Krankenkasse schließt erst 1908 mit einem Vermögen von 37 887,94 Mk. ab. 23. Knappschaft von Eschweiler-Pümpchen. Krankenkasse Pensionskasse Vermögen Ende 1905: 99 082,60 Mk. — Mk. — Mk. „ „ 1906: 101 052,94 „ --- „ — „ „ „ 1907: 102 112,61 „ — „ - — „ 1908: - 22 927,75 81978,74 I „ 1909: - 27 703,55 „ 84 702,89 „ 24. Siegener Knappschaftsverein. Pensionskasse Krankenkasse Vermögen Ende 1904: 337 929,24 Mk. — Mk. — Mk. „ „ 1905: 361 252,53 „ — „ „ „ 1906: 435 543,09 „ — „ — „ „ 1907: 480479,58 „ — „ „ 1908: - 665 003,14 „ — ,, „ „ 1909: „ 845 610,84 , 45 432,76 „ 25. Mansfelder Knappschaftsverein. Vermögen Ende 1903: 4 376 748,64 Mk. „ „ 1904: 4 631 790,34 „ „ 1905: 4 913 432,32 „ „ 1906: 5100 508,11 „ , 1907: 5 187 817,28 s 603 142,87 Mk. "14 584 674,41 „ Krankenkasse Pensionskasse „ „ 1908: 5 885 838,06 s 575 859,06 „ "15309979,- „ Krankenkasse Pensionskasse 26 . Minden-Ravensberger Knappschaftsverein. Die Nachweise reichen bis 1899 zurück. Vermöger r Ende 1899: 120 083,26 Mk. 1900: 121 904,57 1901: 120 134,31 1902: 117 484,57 1903: 120 013,24 1904: 123 725,77 17* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
260 I)r. A. Günther. Vermögen Ende 1905: 126 868,41 Mk. „ „ 1906: 126 594,62 „ „ „ 1907: 129 918,40 „ „ „ 1908: 131 920,64 s 109 406,29 „ Pensionskasse " " V 27 932,70 „ Krankenkasse 27 . Rheinische Knappschaftskasse und mit ihr in Ver bindung stehende Kassen. Es handelt sich hierbei um folgende Kassen : 1. Knappschaftspensionskasse zu Beuel, 2. Knappschaftskrankenkasse „ „ 3. Krankenkassen der Wissener Bergwerke und Hütten-Vereinigung, Wisserhütte-Heinrichshütte, Hohegrethe-Petersbach, St. Andreas, 4. Fried. Kruppsche Krankenkassen Bendorf, Sapn-Mühlhofen, Horhausen, Neuwied, Ründeroth, Kirchen. , Keine der Kassen mit Ausnahme der beiden zu Beuel verfügt über ein größeres Vermögen (nur eine über mehr als 60000 Mk.), sie können hier, da auch nichts Näheres über Kapitalsanlage mitgeteilt ist, über gangen werden, so daß sich die Darstellung auf die Kassen von Beuel beschränken kann. KnappschaftsKnappschafts pensionskasse Beuel krankenkasse Beuel * Nach dem Anschaffungswert. Über Anschaffungsund Kurswert der Vermögen Ende 1904 1905: 1906: 1907: 1908: 1909: 696 359,01 Mk. 726 397,46 „ 768 567,44 „ 815 383,82 „ 877 145,32 „ 927 411,96 „ 82 607,41 78 914,02 85 661,52 90 421,62 90 522,62 81 417,86 Mk. 28. Deutzer Knappschaftsverein. Krankenkasse Pensionskasse Vermögen Ende 1905: 53 756,25 Mk. 183 071,95 Mk. 1906: 54 269,89 „ 192 174,78 1907: 56 993,76 „ 198 075,54 1908: 51 965,33 „ 216 627,32 1909: 53 186,70 „ 250 496,09 Staatspapiere usw. s. unten Z 25. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 261 29. Briloner Knappschaftsverein. Krankenkasse Pensionskasse Vermögen Ende 1904: 105 949,75 Mk. — Mk. — Mk. 1905: 116116,13 —— 1906: 119 830,81 — — 1907: — 113 772,03 — ,, 1908: — 150 280,44 — 1909: — 182 104,79 // 10 024,32 30. Olper Knappschaftsverein. Vermögen Ende 1904: 37 529,86 Mk. „ „ 1905: 38 036,93 „ „ „ 1906: 40 212,03 „ „ , 1907: 46 268,94 „ „ „ 1908: 63 180,96 „ , davon 54 049,43 Mk. Pensionskasse „ „ 1909: 78 822,71 „ , „ 60 957,44 „ 31. Wurm-Knappschaftsverein. Das Vermögen läßt sich bis 1867 zurückverfolgen, betrug in diesem Jahre 225 425,30 Mk. , 1882 309 313,98 Mk., 1892 403 628,22 Mk., 1895 508 642,38 Mk., 1898 603 645,16 Mk., 1900 715 844,23 Mk. ; ferner: 1901: 829 839,97 Mk. 1905: 1 051018,67 Mk. 1902: 943 768,52 „ 1906: 1097 329,86 „ 1903: 1073 558,81 „ 1907: 1 152 463,95 „ 1904: 1 047 888,80 „ 1908: 1 601384,27 „ > 32. Moselknappschaft. Vermögen (der allgemeinen Vereins kasse mit den vier Bezirken zusammen): Ende 1904: 49 019,56 Mk. Ende 1907: 43 378,51 Mk. „ 1905: 47 487,14 „ „ 1908: 41 580,29 „ „ 1906: 45 676,14 „ 33. Allg. Knappschaftsverein Nassau. (37 Krankenkassen, 1 Pensionskasse.) Gesamtvermögen aller Krankenkassen Pensionskasse Anfang 1907: 286 321,47 Mk. 1 017 972,91 Mk. Ende 1907: 305 737,01 „ 1 044 432,26 „ 1908: 314 551,54 „ 1 101 399,45 „ 1909: 318 242,01 „ 1 207 557,73 „ 34. Stolberger Knappschaftsverein. Die Denkschrift zur 50 jährigen Feier des Vereins führt die Vermögensübersicht bis 1859 zurück. In diesem Jahr war in der Pensionskasse und den Krankenkassen zusammen 29 405,03 Mk. vorhanden, 1868 103 232,50 Mk., 1895 wurden die beiden Kassen verselbständigt, 1898 (nach langer Stagnation und teil weisem Rückgang) zählte man 230 305,01 Mk., 1900 397 033,69 Mk., 1901 475 610,63 Mk., 1902 555 920,10 Mk. Seit 1903 ist die Ent wicklung der Pensionskasse die folgende (bis 1908): Pensionskasse: 1560 814,99 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
262 Dr. A. Günther. 1903: 637194,52 Mk. 1906: 842 025,10 Mk. 1904: 686 689,32 „ 1907: 957 914,34 „ 1905: 751550,62 „ 1908: 1024 283,87 „ Die Krankenkassen Hatten 1895: 11697,36 Mk., 1899: 110811, 62Mk., 1906: 223 457,55 Mk., 1907: 238 914,86 Mk., 1908: 242 701,05 Mk. 35. Niederschlesischer Knappschaftsverein; Pensionskasse. Mobiles Vermögen * Gesamtvermögen Der angelegte Bestand ist Ende 1904: 2 517 578,68 Mk. 2 818 395,86 Mk. Der „ „ 1905: 2 587 668,21 , 2 888 485,21 „ ff ff ff 1906: 2 496 629,38 „ 2 922 446,38 „ ff ff ff ,, 1907: 2 596 096,10 „ 2 929 913,10 „ „ ff ff 1908: 2195156,66 „ 3 649 448,66 „ * Der Verein hat ein beträchtliches Darlehen (1908: 450000 Mk.) vom Ober schlesischen Verein ausgenommen. 2 1907 sind dem Vermögen der Pensionskasse Wertpapiere im Nennwerte von 8 331500 Mk. entnommen worden. Sie dienen als Vermögen der neugegründeten Jnvalidenversicherungskass e. Die Krankenkasse hat 1908 einen Bestand von 254646,85 Mk. Als Rücklage zumReservefonds sind 150 000 Mk. 3^/2 o/o Preuß. Konsols bestimmt. 36. Oberschlesischer Knappschaftsverein. Vermögen Anfang 1904: 27 791 706,29 Mk. Ende 1904: 30 222 673,52 ff ff 1905: 32 316 862,75 ff 1906: 34 634 032,36 ff 1907: 36 463 696,88 / 39221852,23 1908s 1427 150,53 „ in der Pensionskasse „ „ „ Krankenkasse. . Hauptknappschaftsverein zu Clausthal. Krankenkasse Pensionskasse Vermögen Ende 1903: 3 688 679,59 Mk. — Mk. 1904: 3 822 849,20 „ — ,, 1905: 4 010 568,23 „ — „ 1906: 4 242 846,86 „ 996 192,57 „ 1907: 4 537 410,27 „ 1075 760,83 „ 1908: 6 078 365,19 „ 1 109 975,37 „ 38. Saarbrücker Knappschaftsverein. Pensionskasse Jnvalidenversicherungskasse Vermögen Ende 1903: 15 395 062,30 Mk. — Mk. ,, „ 1904: 17 070118,76 „ — „ ,, „ 1905: 18 855 108,15 „ — „ „ 1906: 20 962 083,52 „ — „ „ 1907 : 15 241591, - „ 8 735 287,76 „ , 1908: 17 308 107,10 , 9 157 281,74 „ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 263 Die Krankenkasse hat Ende 1907 341544,18 Mk. , Ende 1908 60 994,35 Mk. reines Vermögen. 39. Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum. Gesamtvermögen aller Kassen (Rücklage)' Ende 1901: 57 413 422,29 Mk. ,, . „ 1902: 63 825 215,68 . „ 1903: 70 824 172,09 „ „ 1904: 77 599 506,90 „ 1905: 84 482 781,19 . „ 1906: 94 252 775,74 „ „ 1907: 105 985 752,67 „ „ 1908: 130 786 640,21 8 24. 4. Vermögensanlage. 1. Hallescher Knappschaftsverein, a) Neupreußischer Knappschaftsverein. Ende 1904 bzw. 1905 wird die Anlage wie folgt nachgewiesen: 1904 1905 1906 Mk. Mk. Mk. Hypotheken ........................................... 522 350,- 505 050, — 470 050, — Effekten : 3V2O/0 Prioritätsobligat, der BergischMärkischen Eisenbahn-Gesellschaft . 5 100, — 5 100, — 5 100, — Anleihescheine des Provinz-Verbandes der Provinz Sachsen ...................... 20 000,- 20 000, — 20 000, — 3'/2 0/0 Landschaftliche Zentral-Pfandbrieie .................................................... 150 000, — 150 000, — 150 000 — 3V20/0 Konsol. Staatsanleihe, in das Staatsschuldbuch eingetragen. . . 996 350, — 1 186 350, — 1459 350, — 3 o/o desgl ................................................. 103 000, — 103 000, — 103 000, — Sparkasseneinlagen .............................. 4 537,36 4 537,36 — Bankguthaben ....................................... — — 198 363,73 Bar u. Reichsbank-Girotontoguthaben 128 105,39 146 943,36 7 877,65 3V2 0/0 Erfurter Stadtanleihe. . . . — — 20 000, — 1 929 442,75 - 2 120 980,72 » 2 433 741,38» Das Vermögen der Haftpflichtkasse ist 1904 zu 37 050 Mk. , 1905 zu 36 750 Mk., 1906 zu 33 750 Mk. in 3^/2 o/o konsol. Preuß. Anleihe festgelegt, sonst in bar vorhanden. ' Abzüglich 3 Millionen für Betriebsmittel. 2 Hierzu das Verwaltungsgebäude mit 62 000 Mk. sowie kleine Einnahmereste. 3 Ähnlich wie Note 2. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
264 Or. A. Günther. d) Saalkreiser Knappschaftsverein. Anlage Ende 1906: Hypotheken ....................................................................................... 57 950 — Mk. Z'/sO/y Preußische Anleihe ........................................................ 936 500- „ 3*/2<Vv Bera.-Märkische Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen 15 600, — „ * Hierzu Jmmobiliarund Mobiliarwerte. ? Die Staatspapiere sind in die Staatsschuldbücher eingetragen, die übrigen Wertpapiere beim Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere niedergelegt. Z^o/o Zentrallandschaftliche Pfandbriefe .............................. 12 000, — „ 40/0 Schuldverschreibung des Provinzial-Verbandes der Provinz Westfalen von 1906 ................................................ 30 000, — „ 40/0 Crefelder Stadtanleihe von 1906 ................................... 50 000, — „ Bankguthaben .............................................................................. 54 017,82 „ 1 156 067,82 Mk. e) Hallescher Knappschaftsverein. Anlage Ende 1907: Hypotheken .................................................................................. 565 000, — Mk. Städtische Schuldscheindarlehen ........................................... 500 000, — „ Wertpapiere: 30/y Preußische Staatsanleihe ........................................... 103 000, — „ 3^o/o „ „ ............................................ 2 479 600- „ 3V2 0/0 Erfurter Siadtanleihe ............................................ 20 000, — „ 3V2 0/0 Anleihe des Prov.-Verbandes der Prov. Sachsen 20 000, — „ 40/0 „ „ „ der Provinz Westfalen 30 000, — „ 40/0 Crefelder Stadtanleihe ................................................ 50 000, — „ 3V2 0/0 Berg.-Märkische Eisenbahn-Prior.-Obligationen 20 700, — , 3^/2 0/0 Zentrallandschaftliche Pfandbriefe ...................... 162 000, — „ Bankguthaben und bar ........................................................ 199 482,42 „ 4149 782,42 Mk.' 1908 ist ein detaillierter Vermögensnachweis nicht mehr gegeben. Es ist nur bekannt, daß (neben geringem Barbestand) das Bankguthaben 237 539,43 Mk., das zinsbar angelegte Vermögen 5 013 462,50 Mk. be trägt, und zwar waren 2 913 500, — Mk. in Wertpapieren?, 1544 062,50 „ in Schuldscheindarlehen für Gemeinden und 555 900, — „ in Hypotheken angelegt. Darnach ist jedenfalls der Hypothekenstand gewahrt. Beträchtlich haben sich die Schuldscheindarlehen an Gemeinden gemehrt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschastskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 265 ä) Hallescher Salinen-Knappschaftsverein. 1905 1906 1907 Hypotheken .......................... 164 000, — Mk. 164000, — Mk. Spareinlagen ...................... 528,37 952,26 Fast genau gleich, Wert des Grundeigentums 14 881,67 ' 2100, — 14 881,67 2 100, — nur sind die Kuxe auf 22 770, — Mk. Kuxe der Pfännerschaft . 9 900, — ,, 9 900, — gestiegen. Erbzinsen usw. * .... 116,80 116,80 ,, * Ferner Rückstände. 2 Abgesehen von kleinen, wahrscheinlich bar vorhandenen Einnahmeresten und dem nicht hohen Jmmobilienwert. » Dieser Posten ist nicht klar ersichtlich. 2. Heller Knappschaftsverein. VermögensEnde 1904 1905 1906 1907 1908 1909 an läge»: Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Hypotheken . . 45770 — 54006 — 75486 — 110586, — 122136, — 157386, — Staatsschuld scheine . . . 476000 — 476000, — .546000, — 581000,- 581000,- 581000, — Guthaben bei der Volksbank in Kirchen . . . 57076,25 79871,72 118990,56» 26552,15 38657,56 24620,35 Geschätzte Reser ven beid. Rückversich.-Anstalt — — — — 102912,67 230634,68 3. Halber st ädter Knappschaftskasse. Fast die gesamte An lage geschieht 1904 — 1906 in Wertpapieren. Über die Differenzen von Nominalund Kurswert berichtet H 25. 1904 1905 1906 Anlage in Wertpapieren: Pensions- , kaffe 1 Mk. Haftsflichtkasse Mk. kaffe Mk. Mk. Pensions- , kaffe ' Mk. Haft- »flichtkasse Mk. Wertpapiere ...................... Davon im Preußi schen Staatsschuldbuch 4751900 93500 5181900 93500 5 736900 93500 eingetragen ...................... Im Reichsschuldbuch 4488000 Mk. 4918000 Mk. 5473000 Mk. eingetragen ...................... Bei der Kgl. Seehandlung 30000 30000 „ 30000 eingetragen ...................... Bei der Reichsbankfiliale 287400 287400 „ 287400 hinterlegt ..................... 40000 40000 „ 40000 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
266 Or. A. Günther. (Fortsetzung.) Wertpapiere .......................................................................... Davon im Preußischen Staatsschuldbuch . . . „ „ Reichsschuldbuch ....................................... Bei der Kgl. Seehandlung ................................................ Bei der Neichsbankfiliale ................................................ ___________ 1907 ___________ Pensionskasse Haftpslichtkasse 5 908 400 Mk. 93 500 Mk. 5-573000^! 30 000 „ 358 900 „ 40 000 „ In den Jahren 1904 — 1907 finden sich gleichzeitig folgende Beträge für ausstehende Kapitalien: 697 492,25 Mk. 688 342,25 Mk. 712 742,25 „ 1097 121,25 „ Man wird annehmen müssen, daß es sich (vgl. hernach Abschluß für 1908/09) um Darlehen und Hypotheken handelt. 1908 und 1909 werden diese Nachweise nicht mehr gegeben. Da gegen enthält der Vermögensnachweis — man kann sich auf die Pensions kasse, die nun selbständig erscheint, beschränken — folgende Aufstellung: Ende 1908 * * 1908 wurden für 750457,50 Mk. Kapitalien ausgeliehen und Wertpapiere angekauft. 1909 für 886500, — Mk. 2 Ferner gleichbleibender Anteil von 15000 Mk. am Senftenberger Kranken haus und kleine Bestände. 3 Kleinerer Mobilienbesitz kommt ferner hinzu. 4 31/20/0. „ 1909 Wertpapiere zum Nennwert 5 908400 — Mk. 5 908 400, — „ Hypotheken und Darlehen 1 807 337,25 Mk. 2 641 287,25 „ Bar, Bankguthaben und Vorschüsse 301040,91 Mk. 252 471,24 „ Anscheinend ist die Darlehnsum die es sich auch bei dem Posten Abschlüssen für 1905 — 1907 handeln wachsen. und Hypothekenbegebung, „Ausstehende Kapitalien" in den muß, bedeutend an Umfang ge4. Brandenburger Knappschaftsverein. Vermögens anlage: Bar und in Vor schüssen ? . . . . Hypotheken . . . . Eintragungen in das Staatsschuldbuch Preuß, konsolidierte Staatsanleihe . . Jmmobilienbesitzs . Ende 1904 1905 1906 1907 1908 Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. 78166,91 85327,88 120762,29 156021,95 89238,22 1224530,18 1246025,18 1440215,18 1562505,18 1210280,18 1283200, — 1283200, — 1323200, — 1323200, — 1323200, — 50000, — — — 10000,-4 10000,-4 156737,29 142265,29 127793,29 113321,29 100244,29 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 267 Ende 1904 1905 1906 1907 1908 Kuru.Neumärkis che Mk. Kommun.-SchuldMk. Mk. Mk. Mk. verschreibung . . — Kommunaloblig. der Hessischen Landes120000, — — — — Hypotheken-Bank — Städteanleihen(nicht 40000, — 60000, — 50000, — 50000, — näher spezifiziert) —— — — 1015680, — Bemerkenswert sind unter den Einnahmeposten Amortisationsbeträge von Hypotheken: 1904 1600 Mk., 1905 2405 Mk., 1906 2710 Mk., 1907 4310 Mk., 1908 1680 Mk. Ferner zurückbezahlte Hypotheken: 1904 181000 Mk. , 1905 109100 Mk.', 1906 149 929,55 Mk.', 1907 44 460 Mk. , 1908 - Mk. 5. Knappschaftsverein Lauchhammer: Pensionskasse. Anlage des 1905 1906 1907 1908 1909 Vermögens Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Sparkasseneinlagen . . 166 200,34 176 744,34 80 951,11 83 649,47 86 955,92 12 Hypotheken 3 . . . Schuldscheindarlehen 83 250,- 83 250, — 83 250, — 45 250, — 44 050, — der Stadt Ems . . Guthaben bei der knapp- — — 100 000, — 100 000, — 100 000, — schaftlichenRückoers.- Anst. Charlottenburg — — — 72 682,15 137 602,53 6 . Holzappeler Knappschaftsverein. VermögensEnde 1904 1905 1906 1907 1908 1909 an läge: Mk. Mk. Mk? Mk. Mk. Mk. Hypotheken. . . 38 722,37 35 572,88 34 038, — 35 372,96 34 919,96 34 443,02 31/2 o/o Konsols . — 37 592, — 37 592, — 34 780, — 35 035 — 34 854, — Kontokorrent guthaben 4 . . — 40 561,60 40 517,90 35 524,83 36 922,16 40 697,57 Beteiligung bei der Rückver sicherung. . . — — — — 10981,07 28 610,48 * In dieser Summe sind auch verkaufte Wertpapiere enthalten. 2 Der Barbestand ist nicht unbeträchtlich. Zum Vermögen gehört ein Krankenhaus. Die Krankenkasse verfügt über Bargeld, Sparkasseneinlage und ein Krankenhaus. 3 Anscheinend alle in der Nähe begeben. 4 Bei der Rhein.-Nass. Gesellschaft. Ferner Immobilienund Mobilienbesitz und Zinsrückstände. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
274 Dr. A. Günther. (Fortsetzung.) 1904 Mk. 40/0 Preuß. Kon-1 sols .................... / 30/0 Preuß. Kon1 115000, — 1 sols .................... /103385 — 40/oBayr.Staats1 355 000, — 1 anleihe . . . ./366 360, — 31/2 0/0 Leipziger 1 40 000, — * Stadtanleihe. . / 40200, — * Siehe Anm. 3 vorige Seite. 2 Der Fonds wird mit einer Spende von 1906 zusammen bis auf weiteres als Forderung des Vereins unter den Passiven der Mansfeldschen Gewerkschaft nach gewiesen und dem Knappschaftsverein mit 40/0 verzinst. Er diente der Erbauung eines Krankenhauses. 3 Ferner kleine Einnahmenreste. 3^2 0/0 Landschaft!. 1 / Zentr.-Pfandbr.. / 1 L. Fonds zum Bau eines Verwal tungsgebäudes. 3V2O/0 Preußisches 25000, — 1 Konsols . . . / 25437,50 Immobilien . . . 337 092,63 Mobilien .... 47660,15 1905 Mk. 1906 Mk. 1907 Mk. Pensionskaffe 1908 Mk. s 110000 — 1 112860, — 115000, — 1 102235, — 115000,-1 100280, — 115000,-1 95105, — — 355000,-1 359 260, — 355000,-1 361035, — 355000,-1 356775, — 355000 — 1 361745, — 40000,-1 39900, — 40000,-1 38800, — 40000,-1 36880, — 40000,-1 37 800 — 150000,-1 149250,-1 280000,-1 270900, — 280000,-1 259000, — 280000,771 261520,- 25000, — * — Aonds? — 25225, — — 155865,34 — 381946,07 440611,31 452803,87 121605,- 56791,36 71074,21 85811,68 16934,20 Geschätzte Reserven bei der Knappsch. Nückvers.-Anstalt ...................... 759763,47 Das Vermögen der Krankenkasse des Vereins besteht 1908 in 8000 Mk. Eislebener Stadtobligationen, in dem Grundstock für das Krankenhaus, in Immobilien und Mobilien. 22. Minden-Ravensbergischer Knappschaftsverein. 1908 war ein Guthaben von 4244 Mk. bei der knappschaftlichen Rück versicherungsanstalt zu Berlin vorhanden. Der nun verselbständigten Krankenkasse wurden neben 4200 Mk. bar 26 800 Mk. Hypotheken über geben. Das oben genannte Guthaben ist 1909 auf 8342,36 Mk. ge stiegen. Im übrigen ist die Vermögensanlage nur 1908 genau aus gewiesen, doch ist bei der großen Konstanz des Vermögens nicht anzunehmen, daß große Änderungen unterlaufen sind. Pensionskasse Krankenkasse 1908 1908 Bar 3 ................................... 1218,35 Mk. Bar ................ 700,44 Mk. Hypotheken ...................... 94110, — „ Hypotheken ... 24 800, — „ 40/0 Westfäl. Prov.-Anl. 4 500, — „ 40/0 Westfäl. Prov.-Anl. 2 000, — „ Bankguthaben ................. 127,27 „ Guthaben bei d. Deutschen Guthaben (s. 0.) . . . . 4 212,60 „ Nationalbank .... 28,46 „ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 275 23. Rheinischer Knappschaftsverein. Beuelsche Pen sionsund Krankenkasse. Pensionskasse Krankenkasse Effekten nach dem Effekten nach dem Anschaffungswert Kurswert Anschaffungswert Kurswert 1905 709 884,90 Mk. 718 933,75 Mk. 73 181,35 Mk. 71 040, — Mk. 1906 750409,05 „ 738 473,50 „ 73181,35 „ 69 360, — „ 1907 788 440,25 „ 745 310, — „ 78 065,80 „ 71 020, — „ 1908 847 701,38 „ 812 350,- , 82 750,25 „ 78 470, — „ 1909 897 277,17 „ 862 087,92 „77 865,80 „ 71710, — „ Krankenkasse 24. Dentzer Knappschaftsverein. Hypotheken ...................... Staatsschuldscheine . . Sparkassenguthaben . . Bar ................................... 1905 Mk. 16 600 — 30 990, — 1 981,38 4 184,87 1906 Mk. 17 600, — 30 306, — 147,43 6 216,46 1907 Mk. 21 300, — 29 140, — 187,04 6 366,72 1908 Mk. 21 300, — 29 353193,27 1119,06 1909 Mk. 21 700, — 29 202, — 200,03 2 084,67 1905 P e 1906 nsionsk 1907 ässe 1908 1909 Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Hypotheken ...................... 90 475,- 135 225, — 141 225, — 125 525, — 114 725, — Staatsschuldscheine . . 59 844,30 54 761, — 52 622, — 52 993, — 52 728, — Sparkassenguthaben . . 23237,76 122,06 383,09 1 395,86 1 497,21 Bar .................................. 9 514,89 2 066,72 3 845,45 2 723,97 2 440,06 Geschätzte Reserven bei der Knappschaftlichen Rückvers.-Anstalt . . __ __ __ 33 989,49 79 105,82 25. Briloner Knappschaftsverein. Vermögen: Ende 1905 Mk. Pensionskasse 1909 Mk. 19062 Mk. 1908 Mk. Kapitalien * ........................................... — — — — Staatspapiere (Kurswert) . . . . 6 054, — 5 892, — 5 682, — 5 652, — Eisenbahn-Prioritäten (Kurswert). 34 278, — 32 849,10 31 473,75 31104, — Sparkassenbücher .................................. 44 873,86 52 489,95 4 654,11 — Deckungskapital bei der Knappschaft lichen, Rückversicherungs-Anstalt . . — — 70 351,21 129 487,29 * Gemeint ist wohl Hypotheken usw. 2 1907 kein Beleg vorhanden 18* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
276 Or. A. Günther. Unter Ausgaben und Einnahmen finden sich 1905 je 3 861,90 Mk. ausgeliehene bzw. zurückbezahlte Kapitalien, -«° ! "L- : SSW 1908' ( 67M,'75 "urllckbezch"^ Kapitalien, 1909 ( 11254,'14 '' zurückbEahlte) Kapitalien. 26. Olper Knappschaftsverein. 1908 und 1909 kleinere Deckungskapitalien bei der Rückversicherungsanstalt. Zinstragend angelegt wurden: 1905 35 774,21 Mk. 1908 10 062,81 Mk. 1906 4 798,18 „ 1909 4 893,90 „ 1907 6 920,66 „ 27. Wurm-Knappschaftsverein. Vermögensanlage: Ende 1903 1904 1905 Immobilien ................................... 289 658,11 Mk. 466 122,22 Mk. s 34139,99 Mk. (373 608,01 „ Mobilien ....................................... Staatspapiere .............................. Kapitaldarlehen: 7 500, — „ /100 000, — 1 97 850,15 „3/ 63 962,76 „ 136 540,70 „ an Private zu 4 — 4V2^/o . . 401300, — „ 314 700, — „ 259 700 — „ „ Knappschaftsmitglieder . . 172 500,11 „ 164 537,99 „ 146 507,02 , „ Verein d. Steinkohlenbauw. 17 600, — „ 89 600, — „ 107 600, — „ Sparkasseneinlage .......................... 41000, — „ 61,46 „ 3 295,15 „ Bar (rechnungsmäßig) * .... 50150,44 „ (Fortsetzung.) Ende 1906 21835,14 „ 1907 56 840,80 „ 19085 * 1907 kein Beleg vorhanden. 2 Nominell. 3 Anschaffungswert. Es bestehen Passiven 1903, 1904, 1905 und 1906 je 4000, — Mk. Kaution, 1904 68 930,67 Mk. Guthaben der Vereinigungsgesellschaft, 1905 ein solches von 63 213, — Mk.; 1906 ist der Betrag zurückgezahlt; ebenso die Kaution 1907. 5 Nur Pensionskasse. Immobilien ................................... s 36 826,49 Mk. 36 826,49 Mk. 36 826,49 Mk. (371636,35 „ 369120,95 „ 361 797,55 Mobilien ....................................... Staatspapiere .............................. Kapitaldarlehen : 130 205,14 „ 117 105,14 „ 19 870, — „ 112 343,88 an Private zu 4 — -O/sO/o . . 243 700, — „ 252 700, — „ 247 000, — „ Knappschaftsmitglieder . . 133 189,62 „ 143 449,12 „ 163 436,69 „ Verein d. Steinkohlenbauw. 107 600, — „ 107 600, — „ 107 600, — Sparkasseneinlage .......................... 16 714,59 „ 33 032,72 „ 1 000, — Bar (rechnungsmäßig) 4 .... 61457,67 „ 72 759,53 „ 679,81 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 277 Ausweis der Effekten: Ende 1903 Mk. 40/0 Reichsschatzanweisungen. . . — 40/0 Preußische Bodenkredit-Kom1 __ munal-Obligationen . . . / 40/0 Preußische Bodenkredit-Kom1 __ munal-Obligationen . . . / 40/0 Anleihescheine d. Rheinprovinz — Guthaben beim Eschweiler Berg werksverein ...................... — Guthaben bei den Vereinswerken — 1906 1907 Mk. Mk. — ( 10 000' 1 9 9502 — (10 000' 1 9 9202 1908 Mk. 10 MO, — * 9 950,-2 10 000, — ' 9 920,-2 20 000, — ' 19 840, — 2 30 000, — ' 29 700,-2 — — — — 371 951,87 — — — — 58 768,70 Die Krankenkasse besitzt 1908 40/0 Preuß. Schatzanweisungen zu 20 000 Mk. (19 980 Mk.), ein Guthaben bei den Vereinswerken von 40 597,33 Mk., Sparkasseneinlage von 9595,88 Mk. und 396,07 Mk. bar. Über die Bewegung der ausgeliehenen Kapitalien ist folgendes be merkenswert : 1. Darlehen an Mitglieder. 1905 1906 1907 1908 Mk. Mk. Mk. Mk. Bestand am Schluffe des Vorjahres 164537,99 146 507,02 133 189,62 143 449,12 Zurückgezahlt im Berichtsjahr. . 18 030,97 13 317,40 10 590,50 12 322,43 Neu ausgeliehen im Berichtsjahr Bestand am Schluffe des Berichts — — 20 850, — 32 310, — jahres ....................................... 146 507,02 133 189,62 143 449,12 163 436,69 2. Darlehen an Private. 1905 1906 1907 1908 Mk. Mk. Mk. Mk. Bestand am Schluffe des Vorjahres 314 700, — 259 700, — 243 700, — 252 700,- Zurückbezahlt im Berichtsjahr . . 55 000, — 83 000, — — 34 700,- Neu ausgeliehen im Berichtsjahr Bestand am Schluffe des Berichts — 67 000, — 9 000, — 29 000, — jahres ....................................... 259 700, — 243 700, — 252 700, — 247 000, — 3. Darlehen an den Verein der Steinkohlenwerke. 1905 1906 1907 1908 Mk. Mk. Mk. Mk. Bestand am Schluffe des Vorjahres 89 600,- 107 600, — 107 600, — 107 600, — Zurückbezahlt im Berichtsjahr. . — — — — Neu ausgeliehen im Berichtsjahr Bestand am Schluffe des Berichts 18 000, — —— — jahres ....................................... 107 600, — 107 600, — 107 600, — 107 600, — ' Nominell. 2 Anschaffungswert. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
278 Dr. A. Günther. 28. Mosel-Knappschaft. Die Anlage der in den verschiedenen Kassen (s. o. § 23) vorhandenen Gelder erfolgt: 1. in 3^2 o/o Preuß, kons. Staatsanleihe (etwa 30 000 Mk.), 2. in den Sparkassen (städtische und Kreissparkasse). 29. Allgemeiner Knappschaftsverein Nassau. Über die Anlage ist nur hinsichtlich der Pensionskasse und nur für die Jahre 1908 und 1909 berichtet: 199g Hypotheken .................................................................. 602,27 Mk. Eingetraqen in den Reichsund Staatsschuld- / 927 900, - büchern ............................................................ 1 922 122,54 „ - Immobilien ................................................................. 28 380, — „ Mobilien ...................................................................... 1 577,07 „ Guthaben bei der Knappschafts-Rückversicherungs anstalt (geschützte Reserve) ...................... 71 165,23 „ Bankguthaben ............................................................. 73 744,40 „ Barbestand .................................................................... 3 807,94 „ 1909 576,10 Mk. 927 900, — 922122,54 28 380, — „ 1 500,- , 176105,80 „ 75 631,65 „ 3 241,64 „ 30. Niederschlesischer Knappschaftsverein. Pensionskasse. Ende 1904 Anlage: Mk. 1905 1906 Mk. Mk. 1907 Mk. 19085 Mk. Bar und Vorschüsse. 347 726,36 500 523,21 508 669,38 695 821,10 — 3«/» Schles. Pfand-/ 640 000, — ' 640 000, — 560 000, — 560 000, — 560 000, — briefe ........................ / 563 840,-2 558 080, — 486 640, — 469 840, — 476 560, — In das Staatsschuld- / 935 000, — ' 935 000, — 935 000, — 935 000, — 785 000, — buch eingetragen . s 951 362,50 ? 943 415, — 918170, — 879 835, — 743 395, — Hypotheken ° . . . . 654 600, — ' 585 600, — 583100, — 550 600, — 521 600, — Grundstücke .... 300817,-2 300 817, — 425 817, — 333 817,-4 1454 292, — Restkaufforderung. . — — — — 50 000,- Deckungskapital bei der Rückvers.-Anstalt .............................. 479 732,87 31. Oberschlesischer Knappschaftsverein. Immobilien u. Materialien 4 Effekten ...................................... 11 Hypotheken ............................... 5 Darlehnsverträge ................. 5 Guthaben bei Banken. . . Betriebsmittel der Knapp schaftskasse ......... Anfang 1904« Ende 1904 756 579,51 Mk. 5 852 284,30 Mk. 304 406,60 „ 11 290 058,60 „ 996 107,57 „ 5 865 642,34 „ 616 846, — „ 6130 283,86 „ — 806 043,45 „ 249 442, — „ 277 654,56 , Ende 1905 6 483 098,34 Mk. 10 753 029,60 „ 6 290 059,55 „ 8 095 122,76 „ 357 393,21 „ 333 805,85 „ * Nominell. 2 Kursbzw. Anschasfungswert. 3 Ferner 1 Anteilschein der Abfuhrgenossenschaft. 4 Vom Wert in Höhe von 483 817 Mk. kommt die Hypothek der Landes versicherungsanstalt Schlesien in Höhe von 150 000 Mk. in Abzug. b In Abzug kommt ein Darlehen des Oberschlesischen Knappschaftsvereins in Höhe von 450 000, — Mk. 6 Zuzüglich Einnahmereste, abzüglich Bankschulden von 133 356,63 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 279 (Fortsetzung.) Ende 1906 Ende 1907 Ende 1908 (Pens.-Kasse) Immobilien u. Materialien 7 273 307,88 Mk. 8 130 758,13 Mk. 9 179 934,62 Mk. Effekten .................................. 10 662 829,60 „ 9 932 812, — „ 10 019 454,60 „ Hypotheken .......................... 5 672 632,32 „ 5 833 657,31 „ 6191 262,65 „ Darlehnsverträge .... 9443862,78 „ 10856019,01 „ 12670669,93 „ Guthaben bei Banken. . . 1221 160,01 „ 1 160 466,55 „ 830 807,89 „ Betriebsmittel der Knapp schaftskasse ................. 351 036,70 „ 549 292,94 „ 328 497,41 „ Bei den Darlehen handelt es sich ausschließlich oder meistens um auf Schuldschein gegebene Kreisund Gemeindedarlehen, die als mündel sicher gelten. Vgl. Vorwort zum Jahresbericht 1907. — Die Krankenkasse besitzt 1908 132 699,08 Mk. Immobilien und Materialien, 507 000 Mk. Effekten, 562 155,31 Mk. Bankguthaben und 225 296,14 Mk. Betriebs mittel. 32. Hauptknappschaftsverein Clausthal. Anlage: Ende 1904 1905 1906 Barer Bestand r ......................... 193 265,59 Mk. 205 574,79 Mk. 171 223,47 Mk. Wertpapiere (Nennwert) . . 2 273 000, — „ 2 412 000, — „ 2 731000, — „ Ausstehende Kapitalien . . . 1319 790,72 „ 1 355 635,72 „ 1302 660,72 „ Jmmobiliar und Mobiliar . . 36 000, — „ 36 000, — , 36 000, — „ Deckungskapital bei der Knapp schafts-Rückversicherung . . — — — (Fortsetzung.) Ende 1907 1908 Barer Bestand ........................................................ 179 553,31 Mk. 280 148,36 Mk. Wertpapiere (Nennwert) ........................................... 3 041 100, — „ 3 561 000, — „ Ausstehende Kapitalien ........................................... 1279 691,82 „ 1302 501,40 „ Jmmobiliar und Mobiliar ....................................... 36 000, — „ 36 000, — „ Deckungskapital bei der Knappschafts-Rückver sicherung ............................................................. — 893 676,25 „ 1907 findet sich die Nachricht, daß 3 Millionen Mark in das Kgl. Preußische Staatsschuldbuch eingetragen sind, während 41000 Mk. auf sonstige Wertpapiere entfallen; 1908 sind 3 520 000 Mk. im Staats schuldbuch eingetragen. Vom Krankenkassenvermögen ist 1907 56 524,47 Mk. Barbestand einschl. Bankguthaben, 1003 791,01 Mk. zinsbar angelegt, der Rest hauptsäch lich Jmmobiliarund Mobiliarbesitz. 1908 hat sich nicht viel hierin geändert. Hierzu kleine Einnahmeund Ausgaberückstände. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
280 vr. A. Günther. 33. Saarbrücker Knappschaftsverein. Ende 1903 1904 1905 1906 Mk. Mk. Mk. Mk. Barbestand ...................... 15 608,76 '18499,57 69 233,27 42 754,08 Ausgeliehene Kapitalien . 2 220 963,73 3 409 954,07 4 644 483,99 6,018 241,01 Staatsusw.-Papiere . . 11417 200, — 11875 200, — 12 347 200, — 13 042 200, — Ländereien * ...................... 230 924,49 230 642,85 230 642,85 187 875,10 Gebäude .......................... . 1385 990,31 1 400 807,33 1 406 157,14 1 507 647,53 Mobiliar .............................. 85 390,47 95 401,80 108 448,99 115 730,14 (Fortsetzung.) 1907 1908 Pensionskasse Jnvalidenkasse Pensionstasse Jnvalidenkasse Mk. Mk. Mk. Mk. Barbestand ...................... 727 871,56 98 858,24 1 263 546,18 159 643,59 Ausgeliehene Kapitalien . 7 476 679,58 8 735 287,76 5 056 759,61 8 997 638,15 Staatsusw.-Papiere . . . 4 907 700, — — 4 904 700, — — Ländereien * ...................... 117 875,10 — 149 419,60 — Gebäude .......................... . 1 823181,76 — 2 446 141,76 — Mobiliar .............................. 138 135,31 — 153 742,34 — Geschätztes Guthaben bei der Knappsch.-Rückversicherung 3 296 962,48 — * Ohne „Kolonieländereien". Ferner Einnahmereste. Die Anlage wird in den „Kapitalwirtschaft" überschriebenen Ab schnitten der Jahresberichte näher nachgewiesen. Es handelt sich hiernach bei der Hypothekenbegebung nur um erste Hypotheken. Über Kom munaldarlehen (diese sind neben den Hypotheken unter „aus geliehenen Kapitalien" vorwiegend verstanden) wird gleichmäßig berichtet. Hiernach ist die Bewegung der Hypotheken und der Kommunaldarlehen die folgende: Ende 1903 1904 1905 Hypotheken .......................... 1 660 619,31 Mk. 1 702 215,87 Mk. 1 750 456,26 Mk. Kommunaldarlehen .... 560 344,42 „ 1 707 738,20 „ 2 894 027,73 „ 1906 1907 1908 Hypotheken .......................... 1862487,18 Mk. 2 013 600,21 Mk. 2 296 392,23 Mk. Kommunaldarlehen. . . . 4155 753,83 „ 5 463 079,37 „ 2 760 367,38 „ Die Zahl der an Einzelpersonen gegebenen Hypothekendarlehen ist für die drei letzten Jahre bekannt: 1906: 1412 1907: 1480 1908: 1601. Ebenso findet sich für diese drei Jahre eine genaue Nachweisung der Kommunaldarlehen, die hier — bei ihrer Wichtigkeit für die Bewertung der Kassen als Institute für Lokalkredit — folgen soll: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 281 Ursprüngl. Darlehnsbetrag Schuld ! Schuld Schuld Ende 1906 Ende 1907 Ende 1908 o/o 0/0 Mk. Mk. ! Mk. Mk. Gemeinde Spiesen . 4 2 87 000, — 75 458,63 73 256,98 70 967,26 „ Neunkirchen 4 2 30 000, — 26 750,20 26 020,21 25 261,02 „ Neunkirchen 3'/2 3 500 000, — 469 475, — 453 406,63 436 775,86 Stadt Saarbrücken . 3,6 2, 2,5 u. 10 1 484 000,- 1 448 720,- 1 412 121,92 1 374169,11 Gem. Völkingen . . 3»/4 Z 725 000, — 710 000, — 784 687,50 — Stadt Malstatt1 Burbach. . . . / 3»/i 5 300 000, — 294 250, — 288 284,38 89 879,81 Stadt St. Johanni a. d. Saar . / 3^/4 1V4 u. 3V4 270 000, — 256 500, — 242 493,75 — Gem. Dudweiler . . 4 10 u. 5 130 000, — 130 000, — 124 000, — 114 260 — „ Sulzbach. . . 33/4 1,50 370 000, — 370 000,- 530 000, —— „ Guichenbach . 33/4 1,50 325 000, — 325 000, — 842 500, —— , Püttlingen . . 4 2 49 600, — 49 600, — 48 608 — 47 576,32 Stadt Saarbrücken . 3,8 2 500 000, — — 500 000, — — Kath. Kirchengem. 1 St. Johann a.d.S./ 3,75 1,25 80 000, — — 80 000, — — Kath.Pfarrgemeindei Ottweiler / 4 7 13 000 —— 13 000 — 12 090, — Gemeinde Kohlhof . Schulverband Neun-^ 4 2 15 000, — — 14 700, — 14 388, — kirchen-Münch- - weiter .................. ) 4 2 30 000, — — 30 000, — — Gem. Guichenbach . Gesamtschulverband ' 4 2 500 000, — — — 493 000, — NeunkirchenMünchweilerLimbach .... 4 2 50 000, — — — 49 000, — Evang. Kirchengem. ' 33 000, — Herrnsohr-Jägersfreude .... 4 1 33 000, — — — 34. Allgemeiner Knappschaftsverein zu Bochum. Zusammenfassung des Vermögens der drei Kassen (Rücklage): Ende 1904 Mk. 1905 Mk. Wertpapiere (Nennwert) ...................... Eintragungen in das Reichsoder Staatsschuldbuch .......................... Hypotheken ............................................... Bankguthaben ....................................... Kassen bestand 2 ....................................... Einnahmereste ....................................... Grundund Mobiliarvermögen . . . 34 630 036,30 17 647116,70 15 035 668,49 1 335 676,13 2 820 229,16 1 784 851,27) 4 277 637,41 40 962 617,12 15 846 800, — 15 720 376,13 6 370 644,47 5 582 343,47 1906 Mk. 48 584 624,43 16 846 800, — 16 295 808,69 6 686 558,28 6 542 984,34 * Zuzüglich ersparter Zinsen jährlich. ? Einschl. Bestände der Zweigbureaus, bei denen aber Barbestand und Bankguthaben nicht ausgeschieden sind. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
282 Or. A. Günther. Die Hauptzahlen können weiter zurückverfolgt werden. 1902 1903 Wertpapiere ................................... Eintragungen ins Schuldbuch . Hypotheken ................................... Grundund Mobiliarvermögen 27 912 628,47 Mk. 15 322 116,70 „ 13 867 553,21 „ 1 577 337,93 „ 30 107 788,98 Mk. 17 647 116,70 „ 15 079 644 — „ 2 870 398,88 „ Nach dem Bericht für 1903, auf den 1904 verwiesen wird, findet eine Anlegung der verfügbaren Mittel in Hypothekenkapitalien nicht mehr statt. Die nähere Vermögensaufstellung erfolgt gemeinsam für die Kassen abteilungen (Krankenkasse) und ö (Pensionskasse), während 0 (Jnvalidenund Alterskasse) selbständig verrechnet wird. 2. Spezifikation der Darlehen: 1. Spezifikation der Wertpapiere: 30/0 Lübecker Staatsanleihe .......................... Nennwert 500 000, — Mk. Bilanzwert Ende 1904 438 500, — Mk. 30/0 „ Stadtanleihe ............................... 176 000, — „ 159 280, — 30/0 Ostpreußische Landschaftliche ZentralPfandbriefe .................................................... 500 000, — „ 440 500, — 3V2O/0 Altonaer Staatsanleihe ...................... 89 500 — „ 88 157,50 3V2O/0 Barmer Stadtanleihe .......................... 412 000, — „ 405 408,- 3V2O/0 Bochumer „ .......................... 22 100, — „ 21 724,30 31/2 0/0 Casseler „ .......................... 66 200, — „ 65 273,20 31/2 0/0 Dortmunder „ .......................... . 1431 000 — „ 1 410 966, — 3V2 0/0 Duisburger „ .......................... 89 000, — „ 86 775 — 3V2 o/y Düsseldorfer „ .......................... 340 000, — „ 332 520, — 3V2 o/o Hannoversche „ .......................... 179 000, — „ 178 284, — 3V2 0/0 Herner „ .......................... 485 500, — „ 476 275,50 3V20/0 Mainzer „ ........................... 4 700, — „ 4 620,10 31/20/0 Ostpreußische Provinzial-Anleihe . . 284 000,„ 279 456, — 31/20/0 Rheinprovinzanleihe ............................... . 1 616 000, — „ 1 591 984, — 31/2 0/0 Wiesbadener Stadlanleihe ................. 776 400 — „ 769 412,40 31/2 0/0 Württembergische Staatsanleihe . . 263 000,- „ 262 342,50 40/0 Preußische Pfandbriefe .......................... 8 000, — „ 8 000, — Ende 1904 31/2 o/o Darlehen der Gemeinde Annen ................................................ 188186,71 Mk. 31/2 0/0 „ „ „ Bommern ........................................... 187 800,83 , 3'/2 0/0 „ „ Stadt Dortmund ................................................ 3 000 000, — „ 3V2 0/0 , „ „ Essen (Altendorf) .................................... 948 848,11 „ 3^2 0/0 „ „ „ Iserlohn ..................................................... 300 000, — „ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 283 2. Spezifikation der Darlehen: (Fortsetzung.) 3^2 o/o Darlehen der Gemeinde Langendreer ................................... 3^2 o/o „ des Amtes Wanne ..................................................... 3^2 o/o „ der Stadt Wattenscheid ........................................... 3^2 o/o „ des Amtes Werne .................................................... Ende 1904 332 837,91 Mk. 191000,- „ 560 699,08 „ 287 355,17 „ 3. Sparkassen einlagen bei der Stadt Wat ten scheid. . . 300000 Mk. 4. Eintragungen': a) im preußischen Staatsschuldbuch 3o/o. . d) „ „ „ 3'/2o/o. e) „ Reichsschuld buch 312 O/o ...................... Nennwert Bilanzwert 1904 1 300 316,70 Mk.' 6 904100,- „ < 1 597 700, — „ 9 847165,50 Mk. 5. Hypotheken-Darlehen zu 4 und 4^o/o .......................... 12 136463,79 Mk. Kasse 0: Nennwert Bilanzwert 1904 Eintragungen im Reichsund Staatsschuldbuch 7 845 000, — Mk. 7 873 753,97 Mk. Wertpapiere: 30/0 Bremer Stadlanleihe .............................. 30/0 Landschaftliche Zentral-Pfandbriefe . . 500 000, — 18 000, — 437 500, — 15 966, — 30/0 Ostpreußische Pfandbriefe ...................... 152 000, — 133 912, — 30/0 Rheinprovinz-Anleihe ............................... 300 000, — f, 267 000, — 30/0 Sächsische Landschaftliche Pfandbriefe . 130 000, — ff U5 830, — 3^0/0 Dessauer Stadtanleihe ...................... 470 900, — f, 469 016,40 3V2O/O Hammer „ ...................... . 1000 000, — 982 500, — 3^2 0/0 Herner „ ...................... 604 000, — ff 592 524, — 8^0/0 Hildesheimer „ ...................... 839 100, — 828 611,25 3^o/o Mühlheimer „ ...................... 975 000, — 958 425, — 3^2 0/0 Rheinprovinz-Anleihe .......................... . 1248 000, — f, 1 241 760, — 31/2 0/0 Saarbrücker Stadtanleihe .................. . 1000 000, — 990 000, — 40/0 Mühlheimer „ .................. . 1 000 000 — 1 000 000, — 8 237 000 - Mk. 8 033 044,65 Mk. Eine besonders genaue Aufmachung, die — was sonst zumeist fehlt — Nennwert, Anschaffungswert, Kurs und Kurswert der Papiere zusammenstellt und damit einen lückenlosen Überblick in die Kurs bewegung gestattet, soll auf Grund der Verwaltungsberichte für die Jahre 1906, 1907, 1908 gegeben werden. Da von verschiedenen Anleihen Teile zurückbezahlt worden sind und somit die Nominalbeträge schwanken, so gestaltete sich diese Übersicht immerhin" etwas verwickelt. Immerhin konnten auch so nicht alle Papiere ausgenommen werden. * Über Kurswert siehe unter H 29. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
290 Or. A. Günther. Saarbrücker Verein: Anlehen der Gemeinden Spiesen, Neunkirchen, Saarbrücken, Völklingen, Malstadt-Burbach, St. Johann a. d. Saar, Dudweiler, Sulzbach, Guichenbach, Püttlingen, Kohlhof, ferner der kath. Pfarrund Kirchengemeinden St. Johann, Ottweiler, mehrerer Schul verbände und einer evangelischen Kirchengemeinde. Hier ist das deutlichste Beispiel einer systematischen Unterstützung des Lokalkredits, bedingt zweifel los durch die hohen Anforderungen, die die gewerblichen Betriebe in bezug auf Kultus, Schule usw. an die Gemeinden stellen. Nicht in gleichem Maße kommt dieser Gesichtspunkt beim Allgemeinen Verein — der ja auch weniger örtlich konzentriert ist wie der Saar brücker — zum Durchbruch. Doch finden wir neben der Bremer, Dessauer, Hannoverscher, Hildesheimer, Lübecker, Altonaer, Casseler, Wiesbadener, Mainzer Anleihe u. a. solche von Mühlheim, Barmen, Bochum, Dort mund, Düsseldorf, Duisburg, Herne, Hamm und anderen Städten, die sämtlich im oder nahe am Ruhrrevier liegen. Handelte es sich hierbei um Wertpapiere, so ist die Sachlage bei der Darlehnsgewährung gegen Schuldschein noch vwl klurer: Solche erhielten die Gemeinden Annen, Bommern, Dortmund, Essen, Iserlohn, Langendreer, Wanne, Watten scheid, Werne und andere mehr. Dieser Lokalkredit wird aber nicht nur Städten und Landgemeinden, sondern auch in ziemlich großem Umfange weiteren Kommunalund Pro vinzialverbänden eingeräumt. Insbesondere die letzteren interessieren hier. 5. Provinzialanleihen. Der eben genannte Bochumer Verein hat Bestände von 3^/2 o/o Ostpreußischen und Z^o/o Rheinprovinz-Anleihe, letztere im Betrage von etwa 3 Millionen Mark (1908). Diese findet sich auch beim Wurm-Knappschaftsverein und beim Hostenbacher Verein. Der Minden-Ravensbergische Verein besitzt 4 o/o Westfälische Provinzial anleihe, ebenso die Pensionsund Krankenkasse des Jlseder Vereins und die Krankenkasse der Peiner Walzwerke. Der Hallesche Verein übernahm Papiere der Provinz Sachsen (3^2 o/o), der Provinz Westfalen (40/0). Kurund Neumärkische Kommunalschuldverschreibungen besitzt der Branden burger Verein. Jedenfalls handelt es sich hierbei um wesentlich größere Summen als etwa bei den Anleihen außerpreußischer Bundesstaaten oder des Reichs. Aber erst die Berücksichtigung der auf Bodenkredit im weitesten Sinne bezüglichen Objekte ergibt ein abgeschlossenes Bild von der Be deutung des Lokalkredits (auch dieses Wort in einem weiteren Sinne ge nommen). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschaftskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 291 6. Pfandbriefe und Bodenkreditobligationen. 3^/2 o/o Landschaftliche Zentral-Pfandbriefe: Hallescher Verein, Hostenbacher Verein, Mansfelder Verein. Kommunalobligationen der Hessischen Landeshypothekenbank: Branden burger Verein. 3^20/0 Pfandbriefe der Berliner Hypothekenbank: Hostenbacher Verein. 40/0 Hannoversche Landeskreditobligationen: Jlseder Verein. 40/0 Preußische Bodenkredit-Kommunalobligationen: Wurm-Knappschafts verein. 30/0 Schlesische Pfandbriefe: Niederschlesischer Verein. 30/0 Ostpreußische Zentral-Pfandbriefe: Allg. Knappschaftsverein. 40/0 Preußische Pfandbriefe: Allg. Knappschaftsverein. 30/0 Sächsische Landsch. Pfandbriefe: Allg. Knappschaftsverein. 31/2 0/0 Schuldverschreibungen des Ritterschaftl. Kreditvereins Braunschweig: Unterharzer Verein. 7. Sonstige Papiere. Hier seien Eisenbahnpapiere genannt: Prioritäsobligationen der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft (Halle scher Verein, vor ihm der Neupreußische Verein, Mansfelder Verein); Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn-Stammobligationen (Mansfelder Ver ein); Eisenbahnprioritäten (Briloner Verein). Ferner Kuxe (Hallescher Salinenverein). Es braucht hier nicht noch auf jene Vereine hingewiesen zu werden, bei denen keine nähere Ausscheidung der Effekten vorliegt. Das Bild erscheint auch so genügend konturenreich. Als Ergebnis sei die Reihen folge festgestellt, in der die Vereine dem Kreditbedürfnis entgegenkamen: Preußische Konsols, Städtische Anleihen und Schuldscheindarlehen, Pfandbriefe, Provinziale Anleihen, Reichsanleihen, Anleihen nichtpreußischer Bundesstaaten, Sonstige Papiere. 2. Hypotheken. Ähnlich wie bei den Preußischen Konsols soll versucht werden, einen Gesamtüberblick über die hypothekarische Beleihung zu geben, wobei die Jahre 1907, 1908 oder 1909 (meist 1908) in Frage kommen: 19" OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
292 Dr. A. Günther. Hypotheken im Betrag von: 555 900Mk. 164 000 — „ 157 386,- „ . 2 641287,25 „ . 1210 280,18 „ 44 050, — „ 34 443,02 „ 76 711,97 „ 65 860,- „ / 473 725,23 „ 1 25 000, — „ 82 619,22 „ 308 800, — „ 104 643,- „ 246,63 " 118 910 — „ / 21 700, — „ 1 114 725,- „ 576,10 „ 521 600,^ „ . 6 191 262,65 „ . 2 296 392,23 „ . 16 846 800, — Hallescher Verein ............................... Hallescher Salinenverein ................. Heller Verein ....................................... Halberstädter Verein .......................... Brandenburger Verein ...................... Lauchhammerscher Verein ................. Holzappeler Verein .......................... Hostenbacher Verein ...................... Müsener Verein ................................... Brühler Verein ................................... Rüdersdorfer Verein .......................... Plessischer Verein .............................. Unterharzer Verein .......................... Mansfelder Verein .......................... Minden-Ravensb. Verein ................. Deutzer Verein ................................... Verein Nassau ................................... Niederschlesischer Verein .................. Oberschlesischer Verein ...................... Saarbrücker Verein .......................... Allgemeiner Knappschaftsverein . . 32 057 918,48 Mk. In sehr vielen Fällen ist von ausgeliehenen Kapitalien die Rede, daß die hypothekarische Deckung ausdrücklich erwähnt wird. Ein dieser Darlehen wird dennoch Hypotheken sein. Rechnet man aus nicht spezifizierten Kapitalbeständen einen Teil hierher, so wird nicht unter 40 — 50 Millionen Hypothekarkredit bleiben. Daß es ohne Teil den wohl sich nur um rohe Annäherungswerte handeln kann, geht schon daraus hervor, daß in obiger Zusammenstellung nicht immer gleiche Jahre ein gehalten sind. Allerdings ist der hypothekarische Bestand ein ziemlich kon stanter, so daß allzu große Abweichungen von Jahr zu Jahr seltener sein mögen. In der genannten Aufstellung ist manches überraschend. So fehlen größere Vereine, über deren Vermögensanlage wir unterrichtet sind, und andere, wie der Mansfelder und Nassauer Verein, verzeichnen Beträge von wenigen hundert Mark. Im ganzen nimmt der Bestand in den Be obachtungsjahren eher ab als zu. Der Allgemeine Verein zu Bochum schreibt 1903/04 ausdrücklich, daß neue Hypotheken nicht mehr ausgeliehen wurden. Zu dieser Haltung steht jene der privaten Werkpensionskassen ' 1906. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschastskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 293 in scharfem Widerspruch; hier ging man vielfach von Wertpapieren zu Hypotheken über und machte hiermit (vgl. z. B. Münchener Rückversicherung) gute Geschäfte. Über die Art der Hypothekenbegebung ist nicht besonders viel be kannt. Der Zinsfuß ist meist 40/0, auch 4 * /i, 41/2 und 50/0, selten ge ringer. Näheres über die Amortisation ist u. a. beim Brandenburger Knappschaftsverein mitgeteilt. Die Beleihung von Arbeiterwohnhäusern kommt z. B. vor im Plessischen Verein, der 283 000 Mk. 1909 hierfür be stimmte und mit 41/20/0 verzinst erhielt. Um Lokalkredit scheint es sich zumeist zu handeln, speziell läßt sich dies beim Verein Lauchhammer feststellen. * Daneben ist die Krankenkasse Schuldnerin der Pensionskasse. Dieses Ver hältnis ist häufig; es handelt sich meist nur um kurzfristige Vorschüsse. 3. Personalkredit und Darlehen (insbesondere an Firmen und Mitglieder). Ein solcher scheint in recht großem Umfange zu unterlaufen. Aller dings drücken sich die Berichte nicht selten unklar genug aus; oben ist schon auf Zweifel aufmerksam gemacht worden, die darüber bestehen, ob ein Hypothekardarlehen oder ein gewöhnliches, wie es hier zu betrachten ist, vorliegt. Noch weniger klar ist, inwieweit es sich um Konsumtiv oder Produktivdarlehen handelt. Hier ist der nicht seltene Fall einschlägig, daß Firmen, die zum Knappschaftsverein gehören, dessen Schuldner sind, was meist in der Form auftritt, daß der Verein ein Guthaben (etwa ge stundete Beiträge) bei der Firma hat. Doch ist selbstverständlich bei den auf öffentlich rechtlicher Basis ruhenden Vereinen der Fall, daß das ganze Vermögen oder ein großer Teil im Betriebe der Firma mitarbeitet und von dieser nur die Zinsen zur Verfügung gestellt werden, kaum vorhanden. Es kann deshalb von einer selbständigen Besprechung solcher Art von Vermögensanlagen abgesehen werden, angrenzende Fälle gehören in diesen Abschnitt. Ob der Besitz des Halleschen Salinen-Knappschaftsvereins an Kuxen der Pfännerschaft (s. auch 0.) hierher gehört, ist beim Mangel an Unter lagen im Verwaltungsbericht zweifelhaft. Klar ist, wenn die Knappschafts kasse der Peiner Walzwerke ein Guthaben (1909 über 40 000 Mk.) bei der Firma feststellt. Unter den Debitoren des Georgs-Marien-HüttenKnappschaftsvereins (Summe 1907 fast 600 000 Mk.) befindet sich auch die Hütte, wohl mit beträchtlicher Schuld Der Jlseder Verein verzeichnet hohe Posten als „ausstehende Forde rungen", über die nichts Näheres mitgeteilt wird. Hier findet sich wieder um ein Guthaben bei der Firma, der Jlseder Hütte (gegen 9000 Mk.) — OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
294 I)r. A. Günther. Ein Baudarlehen gab mit 78 000 Mk. 1908 der Hostenbacher Knapp schaftsverein; er hat 1909 bei der Gewerkschaft Hostenbach ein Guthaben von über 60 000 Mk. Ausgeliehene Kapitalien verzeichnet die Knappschaft von EschweilerPümpchen. Besonderen Charakter hat ein Fonds zum Bau eines Ver waltungsgebäudes, den die Mansfelder Gewerkschaft dem Vereine überwies, der aber zunächst nicht ausbezahlt, sondern mit 4 o/o verzinst wurde. Der Wurm-Knappschaftsverein hat ein Guthaben an den Eschweiler Berg werksverein (1908 fast 372 000 Mk.), ferner Guthaben bei den Vereins werken (fast 60 000 Mk. im gleichen Jahre). Sehr hohe Darlehnsbeträge (5 bis über 12 Millionen) verzeichnet der Oberschlesische Knappschaftsverein. Daß es sich um hypothekarisch ge sicherte Darlehen handelt, ist nicht anzunehmen, da Hypotheken besonders ausgewiesen werden. Vielmehr sind es die Schuldscheindarlehen an Ge meinden, von denen oben die Rede war, ferner ein großes Darlehen an den Niederschlesischen Knappschaftsverein. Sie können ebensogut hierher gerechnet werden. Gleiches gilt für den Saarbrücker Verein. Die Form des Schuldscheindarlehens an (wohl nur im Bereich des Knappschafts sprengels gelegene) Gemeinden fand sich auch bei den privaten Werk pensionskassen. Ausführlich ist oben des umfangreichen Darlehenverkehrs des WurmKnappschaftsvereins gedacht worden. Darlehen werden an Mitglieder gegeben — also wohl reiner Konsumtivkredit, der sich etwa um 150 000 Mk. jährlich bewegt; an Fremde, wobei der Zweck des Darlehens nicht ge nannt ist; endlich an den Verein der Steinkohlenwerke (d. h. die dotierende Firma) in Höhe von etwa 100 000 Mk. 4. Sparkaffenund Bankeinlagen. Sparkasseneinlagen spielen bei den meist größeren Kapitalien in den Knappschaftsvereinen eine geringere Rolle wie in den Werkpensionskassen. Dagegen ist der Verkehr mit den Banken ein sehr reger ; neben den großen Zentralinstituten, unter denen besonders dio Seehandlung erscheint, ziehen auch kleine örtliche Banken ihren Nutzen hieraus. Ein umfangreiches Zusammenarbeiten mit Banken läßt sich nach der Höhe der Bankguthaben vermuten u. a. beim Halleschen, Heller, Halber städter Verein (der im besonderen bei der Seehandlung und der Reichs bank hinterlegt), in geringerem Maße: Jlseder Hütte, in höherem wieder: Brühler Verein. Der Plessische Verein hat sein großes Bankguthaben von 1908 im Jahre 1909 fast ganz zurückgezogen. Der Verein Nassau hat OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
Werkpensionskassen, Knappschastskassen und ähnliche Einrichtungen usw. 295 gleichmäßig 1908 und 1909 beträchtliche Bankguthaben; der Oberschlesische Verein solche von mehrmals über 1 Million. Endlich arbeitet der All gemeine Knappschaftsverein naturgemäß vielfach mit Bankguthaben. Spar kasseneinlagen finden sich beim Neupreußischen Verein (nicht mehr bei dessen Rechtsnachfolger, dem Halleschen Verein), beim Halleschen Salinen verein; die in den ersten Beobachtungsjahren sehr beträchtlichen (über 175 000 Mk.) Einlagen beim Verein Lauchhammer erscheinen in der Folge stark reduziert. Das Vermögen der Krankenkasse Ibbenbüren ist fast ganz bei der Kreissparkasse hinterlegt, z. T. jenes der Krankenkasse der Kattowitzer Aktiengesellschaft. Stark aufwärts, bis fast 150 000 Mk. , bewegt sich die Einlage des Georgs-Marien-Hütten-Knappschaftsvereins. Mittlere Einlagen haben der Deutzer Verein, der Briloner Verein, der WurmKnappschaftsverein, die Moselknappschaft. 5. Immobilien und Mobilien. In viel höherem Maße als bei den Pensionskassen des ersten Teils finden sich in den Bilanzen der Knappschaftsvereine Jmmobiliarund Mobiliarwerte. Das Nähere ist der Übersicht des ß 25 zu entnehmen, auf die hier nicht mehr eingegangen werden kann. Für die Fragen des Kredits ist der Besitz an Immobilien usw. höchstens insofern wichtig, als durch sie Gelder festgelegt werden. Die Abschreibungen sind meist durch die Satzung und die Aufsichtsbehörden geregelt und bieten gleichfalls kein besonderes Interesse. 6. Rücklagen bei der Knappschaftlichen Rückversicherungsanstalt zu Charlottenburg. Meist 1907 und 1908 erscheinen in den Abschlüssen Rücklagen bei der Nückversicherungsanstalt. Sie hängen derart rege mit dem versicherungs technischen Bestand der Kassen zusammen, daß sie ohne Eingehen auf hier fern liegende Fragen nicht besprochen werden können. Nur, um ein Bild von dem Geldverkehr mit der Rückversicherung, der 1907 — 1909 noch ziemlich in den Anfängen war, zu ermöglichen, sei folgende Übersicht gegeben : Ein Konto in meist geschätzter Höhe (Deckungsreserve) bei der Rück versicherungsanstalt hatten : Heller Knappschaftsverein . . 1909 rund 230 000 Mk. Verein Lauchhammer .... 1909 „ 138 000 „ Holzappeler Verein .......... 1909 „ 29 000 „ Jlseder Verein ..................... 1909 „ 201000 „ Brühler Verein .............. 1908 „ 56 000 „ Unterharzer Verein .......... 1909 „ 146 000 „ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57422-3 | Generated on 2023-01-16 13:25:53
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