Was macht Menschen in Österreich zufrieden mit ihrem Leben? Erhebliche diskrepanzen des subjektiven Wohlbefindens zwischen Einheimischen und Menschen aus den "neuen" EU-Staaten
Abstract
Citation: Németh, Á. and Sümeghy, D. (2024), Was macht Menschen in Österreich zufrieden mit ihrem Leben? Erhebliche diskrepanzen des subjektiven Wohlbefindens zwischen Einheimischen und Menschen aus den „neuen” EU-Staaten. ISR-Bulletin 5/2024. (DOI 10.1553/isr-bulletin24-05)
Full text
WAS MACHT MENSCHEN IN ÖSTERREICH ZUFRIEDEN MIT IHREM LEBEN? ERHEBLICHE DISKREPANZEN DES SUBJEKTIVEN WOHLBEFINDENS ZWISCHEN EINHEIMISCHEN UND MENSCHEN AUS DEN „NEUEN” EU-STAATEN ÁDÁM NÉMETH & DÁVID SÜMEGHY (ISR) ISR-BULLETIN 5/2024 Das Verständnis der wechselseitigen Kausalbeziehungen zwischen Migration und subjektivem Wohlbefinden ist für die Entwicklung wirksamer und erfolgreicher politischer Maßnahmen zur Förderung von Integration, sozialem Zusammenhalt und allgemeiner Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Während Österreich 2022 die höchste durchschnittliche Lebenszufriedenheit in der EU verzeichnete, existieren innerhalb der österreichischen Gesellschaft bemerkenswerte Ungleichheiten hinsichtlich des subjektiven Wohlbefindens (SWB). Dieses Projekt beleuchtet einige wichtige sozioökonomische Determinanten des SWB und konzentriert sich dabei auf die Kluft hinsichtlich der Lebenszufriedenheit zwischen gebürtigen Österreicher/inne/n und Menschen, die aus den Mitgliedstaaten, die der EU 2004 und später beigetreten sind, nach Österreich gekommen sind. Die repräsentative EU-SILC-Erhebung 2022 und die MIGWELL-Befragung 2024 bei Ungar/inne/n in Österreich bilden die Grundlage für die quantitative Analyse. KEYPOINTS • Die SWB-Lücke zwischen den Einheimischen und den Einwanderern aus den „neuen EU-Ländern” beträgt 0,49 auf einer Skala von 0 bis 10, und bei den Marginaleffekten gibt es einen Unterschied von 0,36. • Gesundheitszustand und Einkommen repräsentieren die wichtigsten Einflussfaktoren der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Der einkommensbedingte Unterschied im SWB ist zwischen finanziell Benachteiligten und Menschen mit mittlerem Einkommen viel größer als zwischen den Wohlhabendsten und Menschen mit mittlerem Einkommen. • Soziale Beziehungen haben einen größeren Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden der Immigrant/inn/en als auf jenes der Einheimischen. Ihre schwächeren sozialen Bindungen sind teilweise für ihr relatives Zufriedenheitsdefizit verantwortlich. • Der regionale Wohnort steht bei unseren Zielgruppen in unterschiedlicher Beziehung zum SWB. So ist beispielsweise das Leben in Wien im Vergleich zu einigen anderen Bundesländern für Einheimische mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden, während dies bei den EU-12-Immigrant/inn/en keinen signifikant negativen Effekt ausübt. © WienTourismus / Peter Rigaud ISR – INSTITUT FÜR STADTUND REGIONALFORSCHUNG WWW.OEAW.AC.AT/ISR
PROBLEMSTELLUNG, HINTERGRUND Hintergrund: Die Erkenntnis, dass eine zu starke Fokussierung auf die wirtschaftlichen Faktoren die wahre Bedeutung von Entwicklung nicht angemessen erfassen kann, hat eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung des Konzepts des Wohlbefindens gespielt. Genauso wie das BIP auf Makroebene reichen Einkommensdaten auf Mikroebene nicht aus, um die Lebensqualität einer Person richtig zu messen. Neben den materiellen Lebensbedingungen spielen auch nicht-materielle Faktoren wie Gesundheit, soziale Beziehungen oder die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eine entscheidende Rolle für das subjektive Wohlbefinden (SWB) einer Person. Die Definition von Wohlbefinden: Die Entwicklung des Konzepts des subjektiven Wohlbefindens hat seit den 1970er Jahren, als erstmals versucht wurde, Glück mit Wohlergehen in Verbindung zu bringen, zu zahlreichen Interpretationen geführt. Heute wird das subjektive Wohlbefinden als Oberbegriff betrachtet, der drei verschiedene Messkonzepte umfasst: Lebenszufriedenheit, die die Gesamtbewertung einer Person über ihr Leben oder bestimmte Aspekte davon widerspiegelt; Affektivität, welche sich auf emotionale Zustände oder Gefühle bezieht, und Eudaimonie, die ein Gefühl von Sinn, Zweck und positiver psychologischer Funktionsweise erfasst (Németh et al. 2023a). Die Relevanz von Studien zum Wohlbefinden: Es wird grundsätzlich angenommen, dass Menschen im Allgemeinen mit der Intention handeln, ihr subjektives Wohlbefinden zu steigern, was auch das Endziel ihrer Entscheidungen und Handlungen ist. Wenn wir also die Entscheidungsmuster und das räumliche Verhalten der Menschen auf der Mikroebene durch das Prisma des SWB besser verstehen, können wir ihre kumulativen Ergebnisse als sozioökonomisches Phänomen auf der Makroebene effektiver erklären. Migrationsbewegungen bilden hier keine Ausnahme. FORSCHUNGSDESIGN DIE WECHSELSEITIGE BEZIEHUNG ZWISCHEN MIGRATION UND SUBJEKTIVEM WOHLBEFINDEN Das Projekt: MIGWELL untersucht die Auswirkungen der Migration auf das subjektive Wohlbefinden ungarischer Immigrant/inn/en in Österreich sowie die Auswirkungen von Unterschieden im subjektiven Wohlbefinden auf Auswanderungsabsichten in Ungarn. Dieses Projekt verfolgt einen innovativen Ansatz, indem es die wechselseitige kausale Beziehung zwischen den beiden Schlüsselkonzepten innerhalb eines Forschungsrahmens untersucht (Németh et al. 2023a, b, c). Methodik: MIGWELL wendet einen Mixed-Methods-Ansatz an, bei dem Sekundärdatenanalysen mit quantitativen und qualitativen Methoden wie Umfragen, Fokusgruppendiskussionen und Tiefeninterviews kombiniert werden. In Österreich wurden 310 Interviews auf der Grundlage einer quotenkontrollierten Schneeballstichprobe durchgeführt, während die ungarische Umfrage mit einer Wahrscheinlichkeitsstichprobe repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung war (N=1378). Unsere Primärdaten wurden in den EU-SILC-Mikrodatensatz integriert, eine wichtige Quelle für international vergleichbare SWB-Daten in Europa. Er umfasst über 30.000 Interviews aus Österreich, in denen die SWB-Indikatoren in den Jahren 2013, 2018 und 2022 erhoben wurden. Ziel dieses Artikels: Dieser Artikel zielt darauf ab, die objektiven Einflussfaktoren des SWB in Österreich zu analysieren, wobei besonderes Augenmerk auf die Unterschiede zwischen der einheimischen Bevölkerung und denjenigen gelegt wird, die aus den Mitgliedstaaten, die der EU seit 2004 beigetreten sind, darunter Ungarn (im Folgenden „EU-12“), zugewandert sind. Es untersucht die allgemeine Lebenszufriedenheit (bewertet auf einer Skala von 0 bis 10) als abhängige Variable, während die unabhängigen Variablen verschiedene sozioökonomische Faktoren abdecken, darunter die finanzielle Situation, den Gesundheitszustand, die sozialen Beziehungen sowie räumliche und migrationsbezogene Variablen. EMPIRISCHE ERGEBNISSE OBJEKTIVE EINFLUSSFAKTOREN DES SUBJEKTIVEN WOHLBEFINDENS IN ÖSTERREICH • Die Bürger/innen der Europäischen Union sind zwischen 2013 und 2018 zufriedener mit ihrem Leben geworden, wobei der Mittelwert von 7,0 auf 7,3 angestiegen ist. Als wahrscheinliche Folge der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und anderer wirtschaftlicher und geopolitischer Sorgen ist dieser Wert bis 2022 leicht auf 7,1 gesunken. • 2022 verzeichnete Österreich mit einem Wert von 7,9 die höchste Lebenszufriedenheit in der EU, während Ungarn mit 6,9 im untersten Quartil lag. Betrachtet man alle Nachbarländer in der EU, so ist die SWB-Lücke zwischen Ungarn und Österreich immer noch eine der größten. • Es bestehen erhebliche SWB-Ungleichheiten innerhalb der österreichischen Gesellschaft (siehe Abbildung 1). So sind beispielsweise Einheimische im Vergleich zu den in den „neuen EU-Ländern” geborenen Menschen (7,49) zufriedener mit ihrem Leben (gewichteter Mittelwert von 8). Dieser starke Zusammenhang zeigt sich im großen standardisierten Koeffizienten und dem Unterschied von 0,36 Punkten bei den Marginaleffekten.1 Laut der MIGWELL-Umfrage ist die durchschnittliche allgemeine Lebenszufriedenheit unter der in Ungarn geborenen Bevölkerung sogar noch niedriger (7,36). (Betrachtet man die verfügbaren Kategorien, so gaben nur in der Türkei geborene Personen mit einem Durchschnittswert von 6,51 eine geringere allgemeine Lebenszufriedenheit in Österreich an.) 1 Der Marginaleffekt bezieht sich auf die durchschnittliche Änderung des vorhergesagten Werts der abhängigen Variablen, die sich aus einem kontrafaktischen Vergleich ergibt (d. h. alle in der Stichprobe waren Einheimische oder alle waren EU-12-Immigrant/inn/en), wobei alle anderen Variablen konstant gehalten werden. DOI 10.1553/isr-bulletin24-05 2ÖAW ISR-BULLETIN 5/2024
Abbildung 1: Durchschnittliche Lebenszufriedenheit nach gruppierten Geburtsstaaten in Österreich (2022) (Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von Eurostat-Mikrodaten) • In der österreichischen Gesellschaft lässt sich eine wellenförmige Beziehung zwischen Alter und SWB beobachten. Die Zufriedenheitswerte nehmen bis zum Alter von etwa 55 bis 57 Jahren allmählich ab. Menschen in ihren 60ern sind zufriedener mit ihrem Leben und die Mittelwerte beginnen ab einem Alter von etwa 70 Jahren wieder zu sinken. • In Österreich ist das SWB von Frauen deutlich höher als das von Männern, obwohl nur ein Anstieg des SWB um 0,124 mit der Geschlechtsvariablen in Verbindung gebracht wird. Bei EU-12-Immigrant/inn/en haben wir auch einen SWB-Überhang bei den Frauen festgestellt, was im Gegensatz zu früheren Erkenntnissen in der Fachliteratur steht. Die Rolle der Frau als mitausreisende Migrantin (die ihrem Ehemann folgt), die höheren Quoten der Überqualifizierung und die transnationale Mutterschaft verringern häufig das SWB. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, sind weitere Analysen erforderlich. • Während bei den gebürtigen Österreicher/inne/n ein klarer positiver Zusammenhang zwischen dem Haushaltseinkommen und der Lebenszufriedenheit besteht (r=0,15, Marginaleffekt=0,145), fällt dieser Konnex bei den EU-12-Immigrant/inn/en komplexer aus. Gemäß dem neoklassischen Modell können die finanziellen Gewinne der Migration deren negative „Nebenwirkungen” überwiegen, da Arbeitsmigrant/inn/en dazu neigen, in anderen Lebensbereichen Opfer zu bringen, um ihre finanziellen Möglichkeiten so schnell wie möglich zu verbessern. Mehrere Studien haben jedoch gezeigt, dass Zuwanderer trotz steigender Löhne möglicherweise ein geringeres subjektives Wohlbefinden empfinden, sodass „Spitzenverdiener/innen” zu „frustrierten Leistungsträger/inne/n” werden können. Unser Modell weist ebenfalls auf dieses Phänomen hin, mit einem abnehmenden Marginaleffekt (–0,193) für EU-12-Einwanderer mit höheren objektiven Einkommen. Dies kann auf hohe Erwartungen vor der Migration, ungünstige Vergleiche mit Einheimischen als neue Referenzgruppe oder finanzielle Belastungen wie Kreditrückzahlungen und Überweisungen zurückzuführen sein. • Das Bildungsniveau ist für das SWB bei Einheimischen ein wichtigerer Faktor als bei EU-12-Einwanderern. Bei Migrant/inn/en, die in den neuen Mitgliedstaaten geboren wurden, hat die Sekundarbildung einen geringeren (wenn auch nicht signifikanten) Marginaleffekt als die Primarbildung. Im Gegensatz dazu zeigen Einheimische aus Österreich einen signifikanten Anstieg des Marginaleffekts mit höheren Bildungsniveaus (Sekundarstufe 0,129, Tertiärstufe 0,137). • Unsere Untersuchung unterstreicht die negativen Auswirkungen der aktuellen Arbeitslosigkeit auf das SWB, die auch in anderen Fällen häufig zu beobachten sind. • Soziale Beziehungen wirken sich in der Regel positiv auf das SWB aus. Faktoren wie Heirat, regelmäßige Freizeitgestaltung, Treffen mit Freund/inn/en und Vertrauen in andere Menschen fördern auch in Österreich die allgemeine Lebenszufriedenheit. Das allgemeine Vertrauen ist jedoch bei Ungar/inne/n (Mittelwert 5,06) und EU12-Immigrant/inn/en (Mittelwert 5,69) auffallend niedrig. Der Mangel an Vertrauen verhindert die Anbahnung sozialer Kontakte und erschwert die Integration, was indirekt für den Rückgang des SWB verantwortlich ist. • Gesundheit ist ein weiterer nichtmaterieller Faktor, der sich eindeutig auf das subjektive Wohlbefinden in Österreich auswirkt. Während der Gesundheitszustand der EU-12-Einwanderer im Durchschnitt etwas schlechter ist als bei den Einheimischen (was zum Teil auf den höheren Anteil an belastender körperlicher Arbeit zurückzuführen ist, die verrichtet werden muss, um finanzielle Überweisungen zu ermöglichen), weist die MIGWELLUmfrage einen besseren Gesundheitszustand für die in Ungarn geborene Gruppe nach. • Es konnten auch regionale kontextbezogene Faktoren beobachtet werden, die mit dem SWB von Einzelpersonen zusammenhängen. Für gebürtige Österreicher/innen bedeutet eine Wiener Adresse die niedrigste Bewertung der durchschnittlichen Lebenszufriedenheit, basierend auf unserem Modell, d. h., die Vorteile des Lebens in der Hauptstadt sind nicht mit einer verbesserten Lebenszufriedenheit verbunden. Im Vergleich zu Wien ist das Leben in Kärnten, Tirol oder Salzburg (der Marginaleffekt beträgt 0,229) für Österreicher/innen mit einem deutlich höheren Anstieg des SWB verbunden (siehe Abbildung 2). Im Gegensatz dazu zeigt sich bei EU-12-Einwanderern, dass das Leben in Wien einen positiveren Effekt auf das SWB ausübt. Diese Diskrepanz lässt sich möglicherweise durch unterschiedliche Präferenzen erklären: Für neu ankommende (und in der Regel junge) Menschen sind verfügbare Arbeitsplätze und Netzwerke von Migrant/ inn/en besonders wichtig, während für gebürtige Österreicher/innen (mit höherem Durchschnittsalter) die Umweltbedingungen auf dem Land attraktiver sein können. DOI 10.1553/isr-bulletin24-05 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Einheimisch EU15, EFTA EU12 Ungarn TürkeiEhemaliges Jugoslawien ohne Slowenien Andere Geburtsstaaten gruppiert Allgemeine Lebenszufriedenheit 3ÖAW ISR-BULLETIN 5/2024
Abbildung 2: Durchschnittliche Lebenszufriedenheit und durchschnittlich prognostizierte Lebenszufriedenheit in den österreichischen Bundesländern. Die vorhergesagten Werte basieren auf einem kontrafaktischen Raster, d. h., wenn alle in der Stichprobe im Bundesland XY leben würden (nach Geburtsort/EU-12). (Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von Eurostat-Mikrodaten) FAZIT DIE URSACHEN FÜR DIE SWB-LÜCKE Wie lässt sich schließlich die SWB-Lücke in Österreich zwischen den gebürtigen Österreicher/inne/n und den Menschen, die aus den neuen Mitgliedstaaten, zugewandert sind, erklären? Mithilfe eines Faktorenzerlegungsverfahrens wurde die SWB-Lücke von 0,49 zwischen den beiden Gruppen in einen erklärbaren Teil von 0,17 und einen unerklärbaren Teil von 0,32 zerlegt. Der erklärbare Teil ist auf die unterschiedlichen Merkmale der beiden Gruppen zurückzuführen. Am auffälligsten ist, dass EU-12-Einwanderer schwächere soziale Beziehungen pflegen und weniger Vertrauen Abbildung 3: Einige Schlüsselfaktoren des SWB in Österreich. Marginalisierte Prognoseunterschiede in ausgewählten Vergleichsgleichspaaren. Beispiel: Das Modell schätzt eine um 0,36 Punkte höhere Lebenszufriedenheit für gebürtige Österreicher/innen als für EU-12-Migrant/inn/en auf der Grundlage eines kontrafaktischen Rasters, wobei alle anderen unabhängigen Variablen konstant gehalten wurden. (Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von Eurostat-Mikrodaten) aufweisen. Sie sind anfälliger für Entbehrungen und leben häufiger in urbanen Gebieten. Der Fachliteratur gemäß könnten Phänomene wie Diskriminierung, überzogene Erwartungen, kulturelle Faktoren oder transnationales Verhalten für den unerklärten Teil verantwortlich sein. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Persönlichkeitsmerkmale, die hauptsächlich von Sozialpsycholog/inn/en untersucht werden, ebenfalls einen erheblichen Teil der Varianz im individuellen SWB-Niveau determinieren. Diese Aspekte werden von EU-SILC nicht erfasst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Geburtsland (Österreich oder EU-12) eine erheblichen Kluft hinsichtlich der Lebenszufriedenheit determiniert (siehe Abbildung 3). Dieser Unterschied ist vergleichbar mit der Rolle des Vermögens im Vergleich zwischen dem reichsten und dem durchschnittlichen Vermögen, bleibt aber deutlich hinter der Wirkung der Gesundheitsvariable und dem mittleren Vorhersageunterschied zwischen dem durchschnittlichen Vermögen und dem niedrigsten Vermögen zurück. Die Abbildung zeigt auch, um wie viel wichtiger die Rolle sozialer Bindungen für das Wohlbefinden von EU-12-Immigrant/inn/en ist als für in Österreich geborene Inländer/innen. ECKDATEN Projekt: MIGWELL – Well-being and Migration: the Hungary – Austria Migration Nexus. MIGWELL ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt von FWF und NKFIH (I 5616). ZUM WEITERLESEN Németh, Á., Göncz, B., Kohlbacher, J., Lengyel, Gy., Melegh, A., Németh, Zs., Reeger, U. and Tóth, L. (2023a): Theoretical framework for the study of the twoway relationship between migration and subjective well-being. Demografia, 66 (5), English Edition, 19-69. Németh, Á., Göncz, B., Kohlbacher, J., Lengyel, Gy., Melegh, A., Németh, Zs., Reeger, U., and Tóth, L. (2023b): International migration patterns in and between Hungary and Austria. MIGWELL Working Papers, No. 2. 46 p. Németh, Á., Göncz, B., Kohlbacher, J., Lengyel, Gy., Németh, Zs., Sümeghy, D., Tóth, L. and Zöldi, L. (2023c):Subjective well-being inequalities in and between Austria and Hungary. MIGWELL Working Papers, No. 3. 168 p. KONTAKT Dr. Ádám Németh, PhD T: +43 1 51581-3534 [email protected] Impressum: Medieninhaber: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien. Herausgeber: Institut für Stadtund Regionalforschung, Bäckerstraße 13, 1010 Wien | Erscheinungsweise: halbjährlich | Satz: Mag. Florian Partl, Grafik, Design: ÖAW, ISR Verwendbarkeit/Copyright: ISR DOI 10.1553/isr-bulletin24-05 0.00 0.25 0.50 0.75 1.00 1.25 1.50 Geburtsland: Österreich - EU-12 Gesundheit: Gut - Schlecht Einkommen (Log) Höchste - Q50 Einkommen (Log) Q50 - am niedrigsten Freunde treffen (EU-12): Ja - Nein Freunde treffen (Inländer/innen ): Ja - Nein Vergleich Marginalisierte Vorhersageabweichung Einheimisch EU12 Durchschnittliche Lebenszufriedenheit 7,25 7,50 7,75 8,00 8,25 Einheimisch EU12 Prognostizierte durchschnittliche Lebenszufriedenheit 7,25 7,50 7,75 8,00 8,25 4ÖAW ISR-BULLETIN 5/2024