FLORIAN RAMPELT · WIBKE MATTHES · KATI HANNKEN-ILLJES · ANNA SANDMEIR · ET AL. FUTURE SKILLS 2030 Ein aktualisiertes Framework für Zukunftskompetenzen.
Seite 1 INHALT I. Executive Summary __________________________________________________________________ 1 II. Future Skills 2030: Warum wir Zukunftskompetenzen brauchen_______________________________ 3 1. Zukunftskompetenzen für eine Welt im Wandel ___________________________________________ 3 2. Zielgruppen & Anwendungsmöglichkeiten _______________________________________________ 4 3. Analyserahmen & Methodik ___________________________________________________________ 5 4. Megatrends bis 2035 ________________________________________________________________ 7 III. Framework „Future Skills 2030“ ________________________________________________________ 8 1. Fünf übergreifende Future-Skills-Kategorien ______________________________________________ 8 2. Die 30 Future Skills __________________________________________________________________ 9 IV. Stakeholder-Perspektiven zur Relevanz der Future Skills ____________________________________ 11 V. Future Skills für einzelne Megatrends ___________________________________________________ 13 VI. Diskussion & Ausblick ________________________________________________________________ 15 VII. Ausgewählte Quellen _______________________________________________________________ 16 Impressum ___________________________________________________________________________ 18 ZUKUNFTSMISSION BILDUNG Mit der Zukunftsmission Bildung möchte der Stifterverband ein Bildungssystem für eine Welt im Wandel gestalten, das schnell mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen ausund weiterbildet. Die Allianz für Future Skills hat in dieser Gemeinschaftsinitiative das Ziel, dass alle Hochschulen Future Skills fest in ihr Bildungsangebot integrieren. zukunftsmission-bildung.de/ future-skills
Future Skills 2030 Seite 1 I. EXECUTIVE SUMMARY • Ob mit Blick auf Künstliche Intelligenz, Klimawandel oder Demokratie: Eine Welt im Wandel erfordert in den kommenden Jahren einen klaren Fokus auf Zukunftskompetenzen in der Bildung, von der Schule, über die Hochschule bis hin zur beruflichen Fortund Weiterbildung. • Zur inhaltlichen und methodischen Weiterentwicklung des Stifterverband-Frameworks aus dem Jahr 2021 wurde eine wissenschaftliche Taskforce „Future Skills 2030“ eingerichtet. Ziel war neben einer Aktualisierung der Kompetenzen auch eine Erweiterung der methodischen Fundierung der Analyse. • Das aktualisierte Future-Skills-Framework 2030 beinhaltet 30 zentrale Zukunftskompetenzen. • Die Future Skills 2030 bauen auf einem stabilen Fundament grundlegender Zukunftskompetenzen auf, entfalten sich in drei breiten Kompetenzbereichen für Transformation, Gemeinschaft und Digitalisierung und entwickeln sich an der Spitze zu Kompetenzen für technologische Exzellenz. • Mehr als 50 Experten haben sich in die Erarbeitung des neuen Frameworks und in die Formulierung von Kompetenzbeschreibungen eingebracht, über 1.000 befragte Akteure aller Stakeholder-Gruppen bestätigen die hohe Relevanz der identifizierten Future Skills für die kommenden fünf Jahre. • Grundlegende Zukunftskompetenzen wie Kritisches Denken oder Kommunikationskompetenz sind wichtige Querschnittskompetenzen und zugleich eine Grundlage für weitere Future Skills. • Die Transformation wird zur Normalität: Transformative Zukunftskompetenzen wie Innovationskompetenz oder Nachhaltigkeitskompetenz bleiben weiter hochrelevant. • Der Megatrend Künstliche Intelligenz erfordert Grundlegende und Digitale Zukunftskompetenzen wie AI Literacy und Data Literacy für alle, aber auch ausgewiesene KI-Fachexpertise in der Spitze. • Der aktive Einsatz für unsere demokratische Kultur wird unerlässlich – und damit auch dafür erforderliche Gemeinschaftskompetenzen wie Dialogkompetenz oder Verantwortungsübernahme. • Bei Technologischen Kompetenzen in der Spitze spielt die Cybersicherheit eine zunehmende Rolle – Organisationen müssen hier auch im Kontext von generativer KI noch mehr Expertise aufbauen. • Je nach Sektor, institutionellem Profil und strategischer Schwerpunktsetzung kann eine individuelle Gewichtung der Future Skills erfolgen. Abbildung 1: Future Skills 2030
Future Skills 2030 Seite 2 Abbildung 2: 30 Zukunftskompetenzen
Future Skills 2030 Seite 3 II. FUTURE SKILLS 2030: WARUM WIR ZUKUNFTSKOMPETENZEN BRAUCHEN 1. Zukunftskompetenzen für eine Welt im Wandel Unsere Welt befindet sich unverkennbar und vielleicht mehr denn je in einem tiefgreifenden Wandel. Gerade die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen hat sich in den vergangenen Jahren signifikant erhöht und Digitalisierung wie auch KI wirken sich auf grundlegende Kompetenzanforderungen in Alltag und Beruf aus (OECD, 2024). Besonders für das Gebiet der Künstlichen Intelligenz ist zuletzt eine Durchdringung über alle Lebensbereiche hinweg zu verzeichnen, aber auch Herausforderungen als Folge des Klimawandels und Bedrohungen unserer Demokratie werden drängender. Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich kontinuierlich mit den durch einen stetigen Wandel entstehenden Kompetenzanforderungen auseinanderzusetzen. Der Stifterverband nimmt mit der vorliegenden Publikation eine notwendige Aktualisierung seines FutureSkills-Frameworks mit einer Perspektive für die nächsten fünf Jahre, also bis 2030 vor. Die Studie greift aktuelle Dynamiken auf, identifiziert zentrale Megatrends und formuliert auf dieser Grundlage zukünftige Kompetenzanforderungen. Zentrale Fragestellung ist dabei, welche Zukunftskompetenzen in den kommenden fünf Jahren besonders wichtig sein werden. Future-Skills-Definition Wir verstehen Future Skills als die Handlungskompetenzen, die in den nächsten fünf Jahren für eine Welt im Wandel besonders wichtig sind. Future Skills in der Breite umfassen übergreifende, auf die Persönlichkeit, die Arbeitswelt und die Gesellschaft bezogene Zukunftskompetenzen, die für alle Menschen relevant sind. Sie werden ergänzt durch Future Skills in der Spitze, die von Unternehmen benötigte, technologische Fachexpertise deutlich machen. Future Skills befähigen Menschen, Gesellschaft und Wirtschaft im Wandel souverän, verantwortungsbewusst und gemeinschaftlich mitzugestalten und stärken damit die Innovationskraft der Gesellschaft. Sie umfassen Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen. Die zentralen Future Skills der kommenden fünf Jahre müssen nicht notwendigerweise neue Kompetenzen sein. Entscheidend ist ihre zukünftige Bedeutung in einem klar eingegrenzten Zeitraum (2026-2030) für das kompetente Handeln im beruflichen und gesellschaftlichen Kontext. Dabei geht das Framework von einer Herausforderung auf zwei Ebenen aus: • In der Breite benötigen alle Menschen Zukunftskompetenzen, um souverän in einer durch unterschiedliche Transformationsprozesse geprägten Welt handeln zu können, im Beruf wie auch im Alltag. • In der Spitze beschreibt es Kompetenzanforderungen für ausgewiesene Expertinnen und Experten, die die deutsche Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren besonders sucht. Ein Fokus liegt dabei auf neuen Schlüsseltechnologien. Die identifizierten Future Skills bieten auf diesen beiden Ebenen einen aktualisierten Orientierungsrahmen, der eine hohe Relevanz, aber keine Allgemeingültigkeit beansprucht. Das Framework stellt einen unter Einbeziehung von Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik entwickelten Ausgangspunkt dar, um Future-Skills-Aktivitäten in Institutionen zu priorisieren, an das eigene Profil anzupassen und sie systemisch und nachhaltig in passenden Inhalten und Formaten zu verankern. Das Framework „Future Skills 2030“ bietet Orientierung für neue Bildungsangebote, angepasste Curricula, innovative Programme und strategische Entwicklungsziele, um Zukunftskompetenzen für eine Welt im Wandel zu stärken. Dabei können alle 30 Future Skills oder auch einzelne Zukunftskompetenzen und Kompetenzkategorien aus dem Framework genutzt werden.
Future Skills 2030 Seite 4 2. Zielgruppen & Anwendungsmöglichkeiten Das aktualisierte Framework ist Ergebnis eines knapp einjährigen Erarbeitungsund Konsultationsprozesses im Rahmen der Allianz für Future Skills. Gemeinsam mit einer für das Jahr 2025 berufenen wissenschaftlichen Taskforce organisierte der Stifterverband mehrere qualitative und quantitative Umfragen sowie Austauschund Feedback-Formate mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Zivilgesellschaft und Politik. Insgesamt konnten mehr als 1.500 Personen aus diesen Bereichen erreicht werden. Wissenschaftliche Taskforce „Future Skills 2030“ in der Allianz für Future Skills Zur fachlichen und methodischen Fundierung der Aktualisierung des Frameworks wurde im Januar 2025 eine Taskforce „Future Skills 2030“ eingerichtet, die den gesamten Prozess bis zur Veröffentlichung des aktualisierten Frameworks maßgeblich gestaltete. Die Taskforce bestand aus drei Vertretern des Stifterverbandes sowie 15 externen Mitgliedern. Diese wurden aufgrund ihrer ausgewiesenen Expertise aus mehr als 500 Mitgliedern der Allianz für Future Skills berufen. Sie haben unterschiedlichen Funktionen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Taskforce veröffentlicht ergänzend zu diesem Kurzbericht einen umfassenden wissenschaftlichen Bericht, der passende fachliche Referenzen, übergreifende methodische Ansätze und einzelne Prozessschritte beschreibt. Das Framework wurde durch seine umfassende StakeholderEinbindung unter Einbeziehung vielfältiger Perspektiven aktualisiert. Es soll Orientierung für Maßnahmen zur Stärkung von notwendigen Kompetenzen bieten. Die Aktualität, Relevanz und Klarheit des Frameworks für unterschiedliche Akteure in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Zivilgesellschaft und Politik sind zentrale Ziele der Veröffentlichung. Das Framework „Future Skills 2030“ bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten: • Hochschulen können das Framework zur inhaltlichen Anreicherung der Lehre, als Impuls für neue Formate, zur strategischen Studiengangsund Hochschulentwicklung sowie zur Profilbildung nutzen. • Unternehmen können neue Inhalte und Formate in die Fortund Weiterbildung integrieren und das Framework zur Personalund Organisationsentwicklung nutzen. • Politik und Verwaltung können das Framework als Orientierungsrahmen für Bildungsund Arbeitsmarktstrategien, Bildungsprogramme sowie die Personalentwicklung im öffentlichen Dienst nutzen. • Zivilgesellschaftliche Akteure können das Framework nutzen, um Bildungsangebote, Engagementformate und Projekte zukunftsorientiert auszurichten und soziale Innovationen anzustoßen. Abbildung 3: Anwendungsmöglichkeiten für Hochschulen und Unternehmen HOCHSCHULEN Hochschule A: Eine Hochschule entwickelt auf Basis des Frameworks neue interdisziplinäre Module zu „Digitalen Zukunftskompetenzen“. Hochschule B: In einer Hochschulentwicklungsplanung werden Future Skills als Leitprinzip für Lehrinnovation und Personalstrategie verankert, um langfristig zukunftsfähige Kompetenzprofile der Absolventen zu sichern. UNTERNEHMEN Unternehmen A: Ein Industrieunternehmen richtet ein internes Weiterbildungsprogramm ein, das Mitarbeitende gezielt in „Transformativen Zukunftskompetenzen“ stärkt. Unternehmen B: Ein mittelständisches Unternehmen nutzt das Framework, um Kompetenzprofile in der Personalgewinnung zukunftsorientiert anzupassen und damit erfolgreich neue Mitarbeitende mit passendem Profil anzusprechen. „Die Integration von Future Skills in die Curricula kann maßgeblich dazu beitragen, Hochschulen zu modernisieren und ihr Profil für Studierende zukunftsfähig zu gestalten.“ Präsidentin, Technische Hochschule
Future Skills 2030 Seite 5 3. Analyserahmen & Methodik 3.1. Future Skills 2021 Der Stifterverband veröffentlichte gemeinsam mit McKinsey & Company im Jahr 2018 ein erstes FutureSkills-Framework, das zuletzt 2021 aktualisiert wurde (Süßenbach et al., 2021). Dieses Framework entwickelte sich in den letzten Jahren, unter anderem durch seine klare Struktur zu einem in Hochschulen und Unternehmenswelt vielfach rezipierten und genutzten – aber teils auch kritisch betrachteten – Orientierungsrahmen. Viele Hochschulen, Unternehmen und andere Bildungsakteure leiten Maßnahmen und Programme daraus ab. Das bisherige Framework ist Grundlage der aktualisierten Version. 3.2. Aktuelle Studien & Publikationen Neben dem Stifterverband und seinen Partnern beschäftigen sich viele weitere Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft mit Future Skills und zukunftsorientierten Kompetenzanforderungen in Deutschland und Europa. Daher wurden in einem ersten Schritt zur Aktualisierung relevante Publikationen der letzten Jahre identifiziert und in die einzelnen methodischen Prozessschritte mit einbezogen. Wissenschaft: Im wissenschaftlichen Bereich setzt sich im deutschsprachigen Kontext unter anderem das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit Future Skills unter einem Fokus auf die Arbeitswelt auseinander. Es hat zuletzt eine Metastudie mit Berücksichtigung von 29 Future-Skills-Studien aus dem DACH-Raum veröffentlicht und im Ergebnis daraus 39 Future Skills aggregiert (Dworschak et al., 2025). 1 Auch die Forschungsgruppe NextEducation um Ehlers et al. (u.a. 2020, 2023) hat in den letzten Jahren vielfältige Publikationen zu Future-Skills-Konzepten, Future-Skills-Vergleichen und Future Skills im Kontext von KI veröffentlicht. Gleichzeitig gibt es einen breiten internationalen Diskurs, beispielhaft sichtbar in Kotsiou et al. (2022). Im Rahmen einer systematischen Analyse von 99 Frameworks wurden durch die englischsprachige Studie mehr als 340 Future Skills identifiziert und in neun Kategorien geclustert. Berücksichtigt wurden dabei neben den Future Skills auch Konzepte wie die 21st Century Skills oder das 4K-Modell. Wirtschaft: Future-Skills-Perspektiven mit einem Fokus auf die Wirtschaft sammelt in Deutschland unter anderem die AgenturQ als gemeinsame Einrichtung von Südwestmetall und IG Metall Baden-Württemberg. Diese hat basierend auf einer Clusteranalyse von Online-Stellenanzeigen zuletzt 2024 gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) „erfolgskritische Kompetenzen“ für die Metallund Elektroindustrie identifiziert (AgenturQ, 2024). Mit einem Fokus auf den Megatrend KI hat der Stifterverband mit McKinsey 2025 ein Framework zu „KI-Kompetenzen in deutschen Unternehmen“ (Rampelt et al., 2025) veröffentlicht und auch die Bertelsmann Stiftung hat ein Framework mit Fokus auf KI (in der öffentlichen Verwaltung) publiziert (Fischer, 2025). Der jährliche Technology Trends Outlook von McKinsey & Company (Yee et al., 2025) bietet eine Grundlage für die Diskussion technologischer Zukunftskompetenzen in der Spitze. Politik: Unterschiedliche politische Akteure setzen sich umfassend mit Zukunftskompetenzen auseinander. Global besonders sichtbar ist hier die OECD, unter anderem mit dem Programm zu „Future of Education & Skills 2030/40“ sowie dem damit verbundenen OECD Learning Compass 2030 (2019). Die Europäische Kommission veröffentlichte 2025 ihr aktualisiertes Framework für digitale Kompetenzen, DigComp 3.0 (Cosgrove & Cachia, 2025) sowie gemeinsam mit der OECD den Entwurf eines AI Literacy Frameworks. 2022 wurde GreenComp, ein Europäischer Kompetenzrahmen für Nachhaltigkeit (Bianchi et al., 2022), publiziert. Zivilgesellschaft: Vielfältige zivilgesellschaftliche Akteure leisten in Deutschland immer wieder Beiträge zur Auseinandersetzung mit Kompetenzanforderungen der Zukunft. Diese werden u.a. in Spiegel et al. (2021) sichtbar und engagieren sich deutschlandweit in einer Future Skills Alliance. 1 Seit 2025 bündeln Fraunhofer IAO und Fraunhofer IRB ihre Future-Skills-Forschungsaktivitäten institutionalisiert im gemeinsamen Heilbronner Forschungsund Innovationszentrum für Future Skills: https://www.hnfiz.fraunhofer.de/de/leistungen/fiz-future-skills.html
Future Skills 2030 Seite 6 3.3. Methodische Vorgehensweise Methodische Schritte zur Erarbeitung des aktualisierten Frameworks 1. Desk Research (ab Januar 2025) Taskforce 2. Megatrends-Befragung (April 2025) 525 online befragte Personen 3. Experten-Workshops (Mai/Juni 2025) Fraunhofer IAO & 27 Experten 4. Experten-Interviews (August/September 2025) Stifterverband & 12 Unternehmen 5. Entwurf Future-Skills-Framework 2030 (September 2025) Taskforce 6. Future-Skills-Befragung (September/Oktober 2025) 1.004 online befragte Personen 7. Finalisierung Future-Skills-Framework 2030 (November 2025) Taskforce Um der Vielfalt der relevanten Perspektiven auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformationsdynamiken gerecht zu werden, wurden verschiedene Stakeholdergruppen einbezogen und ein Mixed-MethodsAnsatz zur Annäherung an in der Breite sowie in der Spitze relevante Future Skills gewählt. In einem ersten Schritt wurden ab Januar 2025 der aktuelle Forschungsstand umfassend erschlossen sowie Vorund Nachteile verschiedener Ansätze diskutiert. Auf dieser Grundlage wurden inhaltliche Schwerpunkte und methodische Vorgehensweisen sowie das oben dargestellte Vorgehen abgestimmt. Neben der inhaltlichen Analyse vorhandener Studien und Frameworks wurde eine Megatrends-Befragung mit mehr als 500 Befragten durchgeführt, die mit einer Perspektive bis 2035 übergreifende soziale, ökonomische, politische und technologische Veränderungen priorisieren sollte. Auf dieser Grundlage beauftragte der Stifterverband das Fraunhofer CeRRI, eine Forschungseinrichtung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, gemeinsam mit der Taskforce und ausgewählten Experten Kompetenzanforderungen aus den identifizierten Megatrends abzuleiten. Knapp 500 Einzeläußerungen wurden im Rahmen von Experten-Workshops gesammelt, durch die Taskforce in Kompetenzkategorien geclustert und – sofern möglich – zu bereits vorhandenen Future Skills in Relation gesetzt. Darauf aufbauend führte der Stifterverband Interviews mit Führungspersonen aus Unternehmen durch, um die bereits identifizierten Future Skills in der Breite zu diskutieren sowie zentrale Future Skills in der Spitze mit einem Fokus auf technologischem Wandel zu identifizieren. Insgesamt wurden zwölf Personen mit Führungsverantwortung in halb-standardisierten Experten-Interviews zu den technologischen Zukunftskompetenzen befragt. Die interviewten Expertinnen und Experten kamen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Technologie und Automatisierung, Telekommunikation und IT, Industrie und Engineering, Konsumgüter und Handel, Pharma, Versicherungsund Beratungsdienstleistungen sowie die Weiterbildungsbranche. Im Herbst 2025 wurde über eine umfassende Online-Befragung mit mehr als 1.000 Teilnehmenden die Relevanz der vorgeschlagenen Future Skills in der Breite abgefragt. 2 Diese wurde sowohl allgemein als auch in Bezug auf die einzelnen Megatrends priorisiert. Ergänzend dazu konnten die Umfrageteilnehmenden inhaltliche Rückmeldungen zu den Kompetenzen geben sowie weitere Future Skills für das Framework vorschlagen. Eine ausführliche Darstellung der methodischen Vorgehensweise wird in einem dieses Framework ergänzenden wissenschaftlichen Bericht vorgenommen. 2 Von insgesamt knapp 1.300 Umfrageteilnahmen wurden 1.004 für die Auswertung berücksichtigt, die mindestens die Fragen zur Einschätzung zur allgemeinen Relevanz der vorgestellten Future Skills beantwortet hatten. Berücksichtigt wurden damit die Antworten von 737 Personen aus Bildung und Wissenschaft, 144 Personen aus der Wirtschaft, 81 Personen aus der Zivilgesellschaft und 41 Personen aus Politik und Verwaltung. 545 Umfrageteilnehmende gaben an Personalverantwortung zu haben, 41 Teilnehmende hatten Personalverantwortung für mehr als 250 Beschäftigte.
Future Skills 2030 Seite 7 4. Megatrends bis 2035 Future Skills setzen sich als Konzept mit Kompetenzanforderungen für mehr oder weniger unsichere Zukünfte auseinander. Eine besondere Herausforderung liegt darin, vorherzusagen, welche Dynamiken diese Zukunft im Kern prägen. Im Rahmen der Aktualisierung wurde daher das Konzept der Megatrends neu in die grundlegenden Erarbeitungsschritte mit aufgenommen. Sie dienen als wichtiger Orientierungsrahmen für die Überarbeitung des Future-Skills-Frameworks und nehmen die kommenden zehn Jahre in den Blick. Megatrends werden als tiefgreifende soziale, ökonomische, politische und technologische Veränderungen verstanden, die sich langsam entwickeln, aber über längere Zeiträume – meist sieben bis zehn Jahre oder länger – wirksam bleiben (Naisbitt & Aburdene, 1990). Auf Basis umfassender Literaturrecherchen wurden 17 Megatrends extrahiert, die wiederholt als besonders bedeutsam beschrieben wurden (unter anderem Zukunftsinstitut, BMFTR). Deren Relevanz wurde über eine Onlineumfrage mit 525 Teilnehmenden im April 2025 abgefragt. Als Ergebnis wurden fünf zentrale Megatrends identifiziert, deren Relevanz am höchsten eingeschätzt wurde: 1. Klimawandel 2. Künstliche Intelligenz 3. Digitalisierung 4. Demokratische Kultur 5. Desinformation Hinzu kommt Lebenslanges Lernen als Megatrend im Querschnitt, der im Rahmen der Erhebung im April 2025 als besonders bedeutsam von Seiten der Wirtschaft eingeschätzt wurde. Abbildung 4: Zentrale Megatrends bis 2035 Diese Megatrends lieferten für den weiteren Überarbeitungsprozess die Grundlage, aus der zukünftige Kompetenzanforderungen abgeleitet wurden. Die identifizierten Future Skills werden im Vergleich zu den Megatrends auf einen kürzeren Zeitraum bezogen, um der starken Dynamik auch innerhalb einzelner Trends gerecht zu werden. Einen geeigneten methodischen Rahmen zur weiteren Diskussion und Ableitung von Kompetenzanforderungen auf Grundlage der Megatrends stellte das Fraunhofer IAO – Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) im Rahmen einer Kooperation zur Verfügung. 3 Die durchgeführten Expertenworkshops erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Taskforce. 3 Auf Grundlage der „Futures-Wheel“-Methode wurden in co-kreativen Settings für die vorgegebenen Zukunftsszenarien, die sich aus den durch die vorherige Umfrage identifizierten Megatrends ableiteten, schrittweise konkrete Kompetenzanforderungen abgeleitet.
Future Skills 2030 Seite 14 Abbildung 8: Heatmap zur Relevanz der Future Skills nach Megatrend
Future Skills 2030 Seite 15 VI. DISKUSSION & AUSBLICK Das Framework „Future Skills 2030“ nimmt eine notwendige Aktualisierung und Erweiterung des bestehenden Frameworks vor. Dies erfolgt auf einer robusten methodischen Grundlage und unter Mitwirkung zahlreicher ausgewiesener Expertinnen und Experten sowie Personalverantwortlicher aus verschiedenen Sektoren, Fachbereichen und Branchen. Neu ist die Orientierung an übergreifenden, längerfristigen Megatrends, Diese machen die Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften deutlich konkreter. Mit dem aktualisierten Framework wurden die Stärken des bisherigen Ansatzes beibehalten und notwendige Anpassungen bei Kategorien und Kompetenzen dort vorgenommen, wo die hoch dynamischen Entwicklungen der letzten fünf Jahre dies als notwendig erscheinen ließen. Was bleibt, ist, dass der Rahmen in seiner Klarheit durch fünf übergreifende Kategorien und 30 Future Skills einen schnell greifbaren und stakeholderübergreifend anschlussfähigen Einstieg in die Auseinandersetzung mit notwendigen Future Skills bietet. Gleichzeitig ist auch klar, dass das Framework besonders dann nachhaltig Wirkung entfaltet, wenn es an institutionelle Profile, Schwerpunktsetzungen und auch Herausforderungen angepasst wird. Diese Schwerpunktsetzung kann durch fachliche Profile, regionale Besonderheiten oder auch übergreifende strategische Ziele beeinflusst sein. Erst aus ihr heraus konkretisiert sich die Frage, welche der 30 Future Skills für welche Bildungsprogramme priorisiert werden sollen. Auch die Megatrends stehen für solche mögliche Schwerpunkte, die in der Anwendung des Frameworks gesetzt werden können. Institutionen, die sich auf den Megatrend KI fokussieren, werden andere Future Skills in ihren Programmen und Curricula priorisieren als Institutionen, deren Fokus der Megatrend Klimawandel ist. Diese Flexibilität und Adaptionsfähigkeit des Frameworks ist entscheidend für eine wirksame Integration in Bildungsprogramme und auch für die empfundene Relevanz der Future Skills bei denen, die durch sie gestärkt werden sollen: Menschen, die Kompetenzen für eine Welt im Wandel benötigen. Einen besonderen Fokus legt der Stifterverband im Rahmen seiner Programmarbeit dabei auf die Rolle von Hochschulen. Als zentrale Bildungsinstitutionen sollten sie schneller als bisher zum proaktiven Mitgestalter einer Welt im Wandel werden und mit Bildung und Wissenschaft eine resiliente, souveräne und innovationsfähige Gesellschaft stärken. Das neue Framework wird eine entsprechende Grundlage für künftige Programmaktivitäten im Stifterverband sein. Gleichzeitig will der Stifterverband mit dem Framework auch den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Unternehmen und Hochschulen weiter stärken. Auf Grundlage des Frameworks sollen u.a. im Forum Future Skills für die Arbeitswelt weitere Möglichkeiten für Dialog und Austausch geschaffen werden. Dieser Austausch wird weiter durch Monitoringund Forschungsaktivitäten zu begleiten sein. Die identifizierten 30 Future Skills können in einem nächsten Schritt etwa in Bezug auf ihre Relevanz für einzelne Fachbereiche oder Wirtschaftszweige weiter ausdifferenziert werden. Auch werden der Stifterverband und die am Framework beteiligten Akteure einen Beitrag dazu leisten – wo notwendig – einzelne Future-Skills-Bereiche auch durch gezielte, themenspezifische Frameworks und Lernzielformulierungen zu ergänzen bzw. Bildungsakteure dabei zu unterstützen, für sie passende Adaptionen und Präzisierungen vorzunehmen. Gebündelt werden diese Aktivitäten in der Allianz für Future Skills im Rahmen der Zukunftsmission Bildung, mit einer neuen Grundlage, die das Framework „Future Skills 2030“ für eine produktive Auseinandersetzung mit zukunftsorientierten Kompetenzanforderungen in den kommenden fünf Jahre geschaffen hat.
Future Skills 2030 Seite 16 VII. AUSGEWÄHLTE QUELLEN AgenturQ (Hrsg.) (2024). Future Skills 2030. Welche Kompetenzen für den Standort Baden-Württemberg heute und in Zukunft erfolgskritisch sind. https://www.agenturq.de/wp-content/uploads/2025/08/agenturq_20240712_FutureSkills2030.pdf Allianz für Future Skills (2024). Future-Skills-Charta. Stifterverband. https://www.zukunftsmission-bildung.de/futureskills/charta Bianchi, G., Pisiotis, U., & Cabrera Giraldez, M. (2022). GreenComp. Der Europäische Kompetenzrahmen für Nachhaltigkeit. Publications Office of the European Union. https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/bc83061d-74ec-11ec-9136-01aa75ed71a1/language-de Blum, S. & Köhler, M. (2024): Green Skills und Kompetenzen für die Nachhaltigkeitstransformation. Die eigene Organisation für die Zukunft stärken. Fraunhofer IRB. https://doi.org/10.24406/w-34193 Cosgrove, J. & Cachia, R. (2025). DigComp 3.0: European Digital Competence Framework. Publications Office of the European Union. https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC144121 Dworschak, B., Karapidis, A., Schnalzer, K., & Zaiser, H. (2025). Future Skills 2025. Zukunftskompetenzen für Unternehmen im Überblick. Fraunhofer HNFIZ. http://dx.doi.org/10.24406/publica-4967 Ehlers, U.-D. (2020). Future Skills. Lernen der Zukunft - Hochschule der Zukunft. Springer VS. doi: https://doi.org/10.1007/978-3-658-29297-3 Ehlers, U. & Lindner, M. (2023). AIComp: Kompetenzbedarfe der baden-württembergischen Wirtschaft für die KITransformation. https://next-education.org/downloads/2024-12-09-_AIComp_3_-_Teilstudie_Duale_Partner_FINALxx.pdf Ehlers, U. D., Eigbrecht, L., Horstmann, N., Matthes, W., Piesk, D., & Rampelt, F. (2024). Future Skills für Hochschulen: Eine kritische Bestandsaufnahme. Future Skills lehren und lernen. Schlaglichter aus Hochschule, Schule und Weiterbildung (S. 348–374). Stifterverband. https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-fuer-hochschulen Eigbrecht, L. (2025). Future Skills für gestaltbare Zukünfte. Erarbeitung eines Analyserasters zur Skizzierung eines Typus von transformativen Future-Skills-Ansätzen. In J. Blank, E. Niederhafner & A. Bleicher (Hrsg.), Transformation in Bildung und Hochschule. Ansätze zur Gestaltung von Unterricht, Lehre und Forschung (S. 29-42). Budrich. Fischer, Sarah (2025). Orientierung im Kompetenzdschungel 2.0: Wer welche Kompetenzen im Umgang mit KI in der Verwaltung braucht. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/orientierung-im-kompetenzdschungel-20 Fletcher, D., & Sarkar, M. (2013). Psychological resilience: A review and critique of definitions, concepts, and theory. European psychologist. Gehrs, V., Horstmann, N., Kunz, A. M., Eigbrecht, L., Benick, M., Matthes, W., Hannken-Illjes, K., Johannsen, T., Blum, S., Dippelhofer, S., Frank, S., Sutter, C., Hildermeier, L., Sandmeir, A., Koch, H., Rampelt, F. (2025). Future Skills 2030. Wissenschaftlicher Bericht zum aktualisierten Framework für Zukunftskompetenzen. Stifterverband. Berlin. https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-2030-wissenschaftlicher-bericht Gehrs, V., Mayer, F., Zaczynska, A. (2025). Handlungsrahmen Future Skills. https://www.hs-osnabrueck.de/fileadmin/HSOS/Homepages/Future_Skills_Applied/Handlungsrahmen_Future_Skills_2025-10-07_mit_Vorwort.pdf Horstmann, N. (2023). Bildung für die Zukunft? Förderung von Future Skills in der Hochschullehre. CHE Impulse Nr. 13. https://www.che.de/download/future-skills2023/?wpdmdl=29465& Johannsen, T. (2025): Die Zukunft akademischer Berufe. Innovation durch Transferkompetenz in der Hochschulbildung. Bielefeld: transcript. https://doi.org/10.14361/9783839408759 Kienbaum & StepStone (Hrsg.). (2021). Future Skills – Future Learning. https://www.kienbaum.com/publikationen/future-skills-future-learning/ Kotsiou, A., Fajardo-Tovar, D. D., Cowhitt, T., Major, L., & Wegerif, R. (2022). A scoping review of Future Skills frameworks. Irish Educational Studies, 41(1), 171–186. https://doi.org/10.1080/03323315.2021.2022522.
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Future Skills 2030 Seite 18 IMPRESSUM Berlin, Dezember 2025 DOI: 10.5281/zenodo.17910748 Version: 1.0 Lizenzhinweis Die Texte, Tabellen und Abbildungen in dieser Publikation sind unter einer Creative-Commons Lizenz vom Typ „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International“ zugänglich (CC BY-SA 4.0). Um eine Kopie dieser Lizenz einzusehen, konsultieren Sie https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de. Herausgeber Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. Baedekerstraße 1 . 45128 Essen T 0201 8401-0 .
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