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226 und : Kommunikation über Wissen und Wissenschaft zwischen Frankreich, England und Deutschland im 18. Jahrhundert am Beispiel von Mscr.Dresd.k.276.g Ralf Christoph Zusammenfassung: Die französischsprachige Handschrift Mscr.Dresd.k.276.g der Sächsischen Landesbibliothek – Staatsund Universitätsbibliothek Dresden ist ein bisher noch unerforschter Zeuge des 18. Jahrhunderts. Die in ihr behandelten Inhalte von Glaubensfreiheit, der Existenz einer übermenschlichen Kraft und das Erkennen dieser Kraft im Alltag erfuhren im Zuge der Gründung von Akademien wie der , der und der eine neue Wissenschaftlichkeit. Anhand einer philologisch-translatologischen Analyse der Handschrift zeigt sich einerseits, wie diese theologischen, philosophischen und politischen Themen zwischen Großbritannien, Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nicht zuletzt anhand von Übersetzungen zirkulierten. Andererseits wird durch den medialen Austausch mittels Handschriften und Drucken deutlich, dass die Kommunikation über diese Themen auch außerhalb der Akademien standfand. Die vormaligen religiösen, weltlichen, sozialen oder regionalen Grenzen, die der Kommunikation über Wissen und Wissenschaft sowie ihrer Kommunikationsträger gesetzt wurden, verblassten im 18. Jahrhundert. Hiervon legt stellvertretend die Entstehung und Rezeption von Mscr.Dresd.k.276.g Zeugnis ab. Schlagworte: Manuskriptforschung, Wissenschaftsgeschichte, diachrone Linguistik, Translation Abstract: The French manuscript Mscr.Dresd.k.276.g reposited at Sächsische Landesbibliothek – Staatsund Universitätsbibliothek Dresden is a hitherto unexplored witness of the 18th century. It’s content, religious freedom, the question of an existence of a superhuman power and the recognition of this power in everyday life, experienced a new scientific significance after the foundation of academies such as the , the and the . A philological-translatory analysis of the manuscript demonstrates on the one hand, how these theological, philosophical and political topics circulated between Britain, France and the Holy Roman Empire of the German Nation, not least by means of translations. On the other hand, Zitiervorschlag: Christoph, Ralf (2025): „ und : Kommunikation über Wissen und Wissenschaft zwischen Frankreich, England und Deutschland im 18. Jahrhundert am Beispiel von Mscr.Dresd.k.276.g“, in: Johnen, Thomas/ Rink-Neave, Thomas/ Wetzel, Emilia (eds.): . Zwickau: Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation (ZwIKSprache; 8), 226-249. ISBN: 978-3-946409-12-0; DOI: https://doi.org/10.34806/9783946409120-g
227 the medial exchange based on manuscripts and prints, makes it clear that communication on these topics also took place outside the academies. The former religious, secular, social or regional boundaries that were set for communication about knowledge and science, as well as for communicators, faded in the 18th century. The creation and reception of Mscr.Dresd.k.276.g bears witness to this. Keywords: manuscript research, history of science, diachronic linguistics, translation Résumé : Le manuscrit en langue française Mscr.Dresd.k.276.g conservé à la Sächsische Landesbibliothek – Staatsund Universitätsbibliothek Dresden est un témoin encore inexploré du XVIIIesiècle. Les contenus qu'il traite, la liberté de religion, la question de l'existence d'une force surhumaine et la reconnaissance de cette force dans la vie quotidienne, ont obtenu un caractère scientifique au cours de la création des académies telles que la , et la . Une analyse philologique-traductologique du manuscrit montre d'un côté comment ces sujets théologiques, philosophiques et politiques ont circulé entre la Grande-Bretagne, la France et le Saint-Empire romain germanique, notamment grâce aux traductions. D'autre côté, l'échange médial basé sur les manuscrits et imprimés montre clairement que la communication sur ces thèmes se déroulait également en dehors des académies. Les anciennes limites religieuses, laïques, sociales ou régionales imposées à la communication sur le savoir et la science ainsi qu'aux communicants s'estompaient au XVIIIe siècle. La création et la réception de Mscr.Dresd.k.276.g en témoignent. Mots-clés : recherche de manuscrits, histoire de la science, linguistique diachronique, traduction Einführung Ein etymologischer Blick auf das englische und französische Lexem für ,Wissenschaft‘ zeigt als erstes eine begriffsgeschichtliche Abhängigkeit: science „knowledge, especially of a technical kind. XIV. [Jahrhundert (Anmerk. d. Verf.)]“ (Hoad 21987: 422) < Middle English < Old French (cf. Klein 1971: 662), ESCIENCE „savoir, intelligence“ (Godefroy 1884: 396) < Latein „SCIENTIA, ,knowledge, science‘“ (Klein 1971 : 662) < Latein „SCIRE, ,to know‘, which prob[ably (Anm. d. Verf.)] meant orig[inally (Anm. d. Verf.)] ,to seperate one thing from another, to distinguish‘“ (Klein 1971: 662). Zweitens wird ersichtlich, dass eine breitere Verwendung dieser
228 Bedeutungen durch Derivate im 17. und 18. Jahrhundert einsetzte,1einer Zeit, in der Wissensgebiete und Wissenschaften in Westeuropa an erstmals gegründeten Akademien eine staatliche und damit offizielle, langfristig ausgerichtete Beschäftigung erfuhren. So zum Beispiel 1660 durch die in London, 1666 die in Paris oder 1700 durch die in Berlin, die mit dem Ziel eingerichtet wurden, zu Ausbreitung der Ehre Gottes, auch zur Erhaltund Fortpflantzung des rechten Glaubens […], ja des gantzen gemeinen Wollwesens […] die Gemühter der Menschen durch gute Wissenschaften und nützliche Studien [zu (Anmerk. d. Verf.)] erleuchte[n (Anmerk. d. Verf.)] (Harnack 1970 b: 103). Bei Betrachtung der wissenschaftlichen Ausrichtung dieser Akademien2 wird drittens deutlich, dass sich nicht in allen aufgeführten Institutionen von Beginn an der gleichen Bandbreite an Wissenschaftsgebieten gewidmet wurde, wie es an der Preußischen Akademie der Fall war: In Anlehnung an die der , und waren dort sowohl Geistesals auch Naturwissenschaften gleichermaßen vertreten.3Gründe dafür, dass in 1„So scientific concerned with science or the sciences XVI; (of proof, etc.) demonstrative XVII ; pertaining to science XVIII.“ (Hoad 21987 : 422). 2Für die englische Institution wurde die Bezeichnung „the Society for promoting Philosophical Knowledge by Experiments“ (De Beer 1950: 172) vergeben. 3Zur ersten Gruppe zählten Astronomie, Mechanik und Chemie, die zweite wurde als solche nicht spezifiziert, während die dritte deutsche Geschichte und Kirchengeschichte vereinte (cf. Harnack 1970b: 107). In diesem Zusammenhang sollte auch auf die geringe personelle Situation der Akademie in London und in Paris kurz nach ihrer Gründung verwiesen werden. So kann für London konstatiert werden: In accordance with this grant ninety-four Fellows were admitted on 20 May 1663 and four more on 22 June 1663; these ninety-eight are known as ‚Original Fellows‘. The Council consisted of twenty members apart from the President (De Beer 1950: 172). Für Paris hält McClellan III (1981: 543) fest:
229 England und Frankreich eine monarchisch initiierte, akademische Beschäftigung mit beispielsweise theologischen Themen als kontrovers galt, können unter anderem in den nachreformatorischen Entwicklungen beider Ländern gesucht werden: Die Regierungszeit der englischen Stuart-Könige Karl II. (1630-1685, reg. seit 1660) und Jakob II. (16331701, reg. 1685-1688), der Vertrag von Dover4sowie in Frankreich das Königliche Edikt zur Ausreise der Reformierten5(1669) und die Dragonaden6(1681-1686) unter König Ludwig XIV. (1638-1715, reg. seit 143) können als verschärfte Reaktionen mit stark restriktiver Wirkung auf reformatorische Bewegungen angesehen werden. Spätestens das Edikt von Fontainebleau (1685) oder die Bill of Rights (1689), welche den reformierten Gläubigen in Frankreich jegliche Rechte absprachen beziehungsweise in England keine Sonderstellung zukommen ließen, bekräftigten diese Entwicklungen. Anders in Brandenburg-Preußen, wo sich die Diskussion theologischer Fragen durch den Erlass des Edikts von Potsdam (1685) erst eröffnete: Berlin als „Hauptstadt des Protestantismus und der religiösen Freiheit im Norden Deutschlands“ (Harnack 1970a: 107) zählte an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert annähernd 5.000 immigrierte Glaubensflüchtlinge aus Frankreich (cf. Harnack 1970a: 107). Between 1666, when it was founded, and 1699, when it received official , the Paris Academy was a small and inward-looking society without much internal organization or external effect. Twenty-two men [...] were initially appointed to the Academy in 1666, and a total of sixty-two members belonged through 1699. 4Cf. Hutton (1986: 308); cf. Howat (1974: 126-132). 5 Eine Reproduktion des Textes befindet sich in Pilatte (1885: 26-29). 6Cf. Bonnemère 21869.
230 Unter ihnen stellten die Gelehrten7die treibende Kraft in der wissenschaftlich-akademischen Auseinandersetzung von nicht nur theologischen Themen dar. Dass in England und Frankreich dennoch oder gerade aufgrund dieser Ausgangssituation der gelehrige Austausch über Fragen den Glauben, die Lehre und die Religion betreffend stattfanden, demonstrieren Richard Baxters (1615-1691) (1656), die Jean Richard (1639-1719) zugeschriebenen (1687) oder John Lockes (16321704) (1690). Ein weiterer, bisher unerforschter Zeuge des Austausches und der Kommunikation über Theologie, Religion und Toleranz stellt die Dresdner Handschrift Mscr.Dresd.k.276.g dar, die mit Gilbert Burnet (1643-1715) und Charles de SaintÉvremond (1613-1703) in Verbindung gebracht wird. Anhand ihrer Provenienz und der in ihr hervortretenden Themen soll die Kommunikation über Wissen und Wissenschaft zwischen England, Frankreich und Deutschland im 18. Jahrhundert zu Ehren der Jubilarin in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Die nachfolgenden Ausführungen sind aus einem philologischen Blickwinkel zunächst der Kodikologie und der Provenienz als methodische Zugänge zur Handschrift gewidmet, bevor eine historische Verortung der mit der Handschrift in Verbindung stehenden Personen vorgenommen wird. Im vierten Kapitel soll die Kommunikation zu den Themen anhand von Textzeugen und Übersetzungen näher dargestellt werden. 7Siehe hierzu die exemplarische Personenaufzählung der sogenannten in Brandenburg-Preußen (cf. Harnack 1970a: 107).
231 Ein Zeuge der Kommunikation über Wissen(schaft): Mscr.Dresd.k.276.g Die bisher einzige Erwähnung der vorliegenden Handschrift lässt sich im (21983: 149) finden. Durch Untersuchungen am Objekt konnte der einsehbare Katalogeintrag nachfolgend erweitert werden: Verwahrende Sächsische Landesbibliothek – Staatsund Institution: Universitätsbibliothek Dresden Signatur: Mscr.Dresd.k.276.g (nach 1885) Oels Rep. I. 6 no 293, mit Bleistift 273 hinzugefügt (vor 1885) Einheitssachtitel: Vorliegende . Titelvariante: . A Londres. Chez G. Cook 1745 (in 12), fol. 1r. . A Trevoux aux depens des Peres de la Societé Jesu 1745, fol. 2r. Bestandteile: , fol. 1r.-60v. vier unbeschriebene Blätter [Freiraum (Anmerk. d. Verf.)] , fol. 1r.-48v. Schreibsprache: Es kann das Französische in seiner normgebenden Form beobachtet werden. Zeittypische Phänomene lassen sich in der taucht als stellungsbezogener Allograph von <s> auf, die Diakritika , und wurden nur vereinzelt und auch nicht einheitlich gesetzt. Okkurrenzen wie das
232 Vorkommen der Morphemkonstellation <oi> als Grundlage der Suffixe im Imparfait und Conditionnel Présent oder das Auslassen von <t> in Suffixen von Adjektiven ( ) verweisen darauf, dass sich das phonologische Inventar des Neufranzösischen noch nicht vollständig etabliert hat. Beispiele für etymologische Schreibungen stellen < plus + part oder < Lat. anstatt SAPERE dar. Datierung: 18. Jahrhundert Format: Oktav (8°) Maße: 15,3 x 10, 2 cm (Einband) 14,7 x 9,7 cm (Blätter) Umfang: VI + 60f. + 4f. + 48f. + VI, Foliierung Beschreibstoff: Papier Lagenstruktur: (IV-2)6+ IV14 + IV22 + IV30 + IV38 + IV46 + IV54+ IV62 + IV70 + IV78 + IV86 + IV94 + IV102 + IV110 + IV118 + (IV-2)124 Einband: Kartoneinband Tinte: braun bis dunkelbraun erscheinende Eisengallustinte, die kristalline Ablagerungen an Stellen, an denen die Tinte auseinandergelaufen ist (fol. 38v./39r., fol. 42v.-63r.), aufweist (Abb. 1) Schriftspiegel: unregelmäßig fol. 1r.-60v.: 13 x 8,3 cm; fol. 1r.-48v.: 12,8 x 7,5 cm Exlibris: Das Wappen (Abb. 2) führt in zwei Miniaturen ein weißes springendes Einhorn und einen Adler mit gespreizten Flügeln vor einem federgeschmückten Helm. Über den Miniaturen befindet sich ein Fürstenhut. Der Hintergrund wird von einem Hermelinmantel ausgeschmückt. Darunter steht auf einem Banner „Friedr. August H.z.B. O“. Verweise: Schmidt, Ludwig (1923): Leipzig: Teubner, S. 149.
233 Abb. 1: Kristalline Ablagerungen der Eisengallustinte in der Oberund Unterlänge von , und bei . Eigene Aufnahme
234 Abb. 2: Exlibris von Mscr.Dresd.k.276.g. Eigene Aufnahme Wie aus der Schilderung zu den Bestandteilen deutlich wird, handelt es sich bei dem vorliegenden Manuskript um eine Sammelhandschrift, wobei aus Gründen der Themenstellung auf den ersten Bestandteil (fol. 1r.-60v.) Bezug genommen wird. Augenscheinlich liegt die Abschrift eines Druckes vor, der vor 1745 in London bei G. Cook erschien. Dieser Druck selbst muss eine weitere Auflage der französischen Übersetzung mit dem Titel eines noch unbekannten englischsprachigen Ausgangswerkes darstellen, die wohl
241 der vorliegenden Handschrift mit seinem Besuch in London in Verbindung steht, wodurch eine Übereinstimmung mit der erwähnten Zirkulation von frühaufklärerischen Ideen bezüglich der Glaubensfreiheit im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts gegeben wäre. In dem vorliegenden Exemplar wurde lediglich der Inhalt ohne Angabe eines Ortes, Druckers oder einer Jahreszahl übernommen. Diesbezüglich folgt der Druck mit insgesamt 155 Seiten in Duodez der Handschrift Mscr.Dresd.k.276.g mit Ausnahme der Jahreszahl: Auf dem Titelblatt wurde das Jahr 1761 angegeben. Die im vorherigen Kapitel vorgestellten Personen Gilbert Burnet und Charles de Saint-Évremond als jeweils zugeschriebener Übersetzer respektive Urheber finden in der gleichen Form Erwähnung. Abweichend vom Dresdner Manuskript führt der Druck ein Vorwort „Preface de l‘éditeur“ (cf. BnF, Gallica, FRBNF30745551: p. I-IX) sowie einen Hinweis für den Leser „Avertissement“ (cf. BnF, Gallica, FRBNF30745551: p. IX-X), beide unterzeichnet mit J.C.P.D. In den (weiteren) Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zeigt sich die Auseinandersetzung mit dem Werk einerseits in der Anfertigung einer deutschen Übersetzung sowie andererseits in seinem Erwerb. Unter dem Titel erschien 1747 in Frankfurt am Main und Leipzig anonym eine kommentierte Übersetzung (cf. BSB, MDZ, P.o.angl. 507 p#Beibd.1). Im Anschluss an die wird auf p. 1 der französische Titel von fol. 2r. von Mscr.Dresd.k.276.g wiedergegeben mit . Zur Wahl dieser Übersetzung ausgehend von (BSB, MDZ, P.o.angl. 507 p#Beibd.1: p. 2) erklärte der Übersetzer,
242 So viel sich aus dem ganzen Zusammenhange dieses Werks ergiebet, so verstehet der Autor hierdurch die Untersuchung der Deutlichkeit oder Evidenz solcher Beweisgründe [...]. Ich finde also nichts zusammenhangendes, wenn man die Redensart de bonne foi, die hier so oft vorkomt, für Aufrichtigkeit, wie sie sonst die Bedeutung hat überall erklären wollte (BSB, MDZ, P.o.angl. 507 p#Beibd.1: p. 2). Über den Autor wurden keine Angaben gemacht und auch ein Verweis auf Burnet oder Saint-Évremond blieb aus. Der Aufbau dieser Übersetzung orientiert sich jedoch streng an dem französischen Werk. Die Kapitel und die darin befindliche interne Strukturierung durch Abschnitte wurde vollständig übernommen, einschließlich der Interrogationen in den Kapitelüberschriften: - p. 1: Erstes Kapitel. (9 Abschnitte) - p. 28: Zweites Kapitel. (12 Abschnitte) - p. 70: Drittes Kapitel. . (17 Abschnitte) - p. 96: Viertes Kapitel. . (12 Abschnitte) - p. 126: Fünftes Kapitel. . (10 Abschnitte) - p. 144: Sechstes Kapitel. . (5 Abschnitte) - p. 150: Siebendes Kapitel. . (11 Abschnitte) - p. 172: Achtes Kapitel. . (11 Abschnitte)
243 - p. 223: Neuntes Kapitel. . (9 Abschnitte) - p. 256: Zehentes Kapitel. . (1 Abschnitt) - p. 271: Eilftes Kapitel. . (1 Abschnitt) Eine personelle Auseinandersetzung mit diesen Inhalten kann anhand des bekanntesten Besitzers der Dresdner Handschrift, Friedrich August, Herzog von Braunschweig-Oels, nachvollzogen werden. Er wuchs in einem intellektuellen Umfeld am Hof von Wolfenbüttel auf: Sein Onkel war Friedrich II., der Große (1712-1786, reg. Seit 1740), mit dem er seit spätestens 1753 in Briefkontakt, auch über Fragen der Freimaurerei stand.13 Seine ein Jahr ältere Schwester Anna Amalia von BraunschweigWolfenbüttel (1739-1807) wirkte seit ihrer Regentschaft 1759 als Literatin, Kunstund Kulturförderin in Weimar. Der Bezug zu den Fragen des (reformierten) Glaubens kann im Zuge seines Amtes als Domherr in Lübeck hergestellt werden, das er 1749 erhielt und bis 1774 ausübte (cf. Prange 2014: 412). Nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn zog er sich ab 1793 in das ihm übertragene Herzogtum Oels zurück. Auf dem 13 Siehe hierzu die von Johann D. E. Preuss herausgegebenen Tome XXVII. Seconde Partie. V. Correspondance de Frédéric avec le Prince Frédéric-Auguste de Brunswic. Zum Thema der Freimaurer siehe den Brief von Friedrich August an seinen Onkel vom 29. Januar 1777 (cf. Preuss 1856: 53-54).
244 dortigen Schloss und auf Schloss Sibyllenort wirkte er, auch unter Einbeziehung seiner Kenntnisse der französischen und italienischen Sprache als Übersetzer und Schriftsteller. Zudem war er als Herausgeber des tätig (cf. Spehr 1878: 507). Im Zuge der 1885 durchgeführten Eingliederung der Oelser Schlossbibliothek in die Königlich Öffentliche Bibliothek der Wettiner wurde die Handschrift nach Dresden überführt. Zusammenfassung und Ausblick Das Vorhandensein einer übermenschlichen Kraft, das Erkennen dieser Macht im Alltag und der Umgang mit Andersdenkenden darüber: Diese Themen zeugen von einem „religiösen Umbruch im ausgehenden 18. Jahrhundert“ (Pollack 2016: 145), der nicht mehr ,nur‘ klerikaler Natur war, sondern theologische, philosophische und politische Dimensionen vereinte. Im Zuge der Spezialisierung von Wissensgebieten an den gegründeten Akademien in London, Paris und Berlin kam diesen Themen eine neue Wissenschaftlichkeit zu. Anhand der Kommunikation über / zeigt sich zudem, dass wissenschaftliche Auseinandersetzungen keine, ausschließlich den Akademien vorbehaltene Praxis darstellten. Jegliche Personengruppen, die sich durch ihre Gelehrigkeit auszeichneten, vermochten es, zeitgenössische Diskurse zu rezipieren, wodurch die bis dahin vorhandenen religiösen, weltlichen und sozialen Grenzen derer, die sich
245 an so deklarierten akademisch-wissenschaftlichen Themen beteiligten, bereits in der Frühaufklärung aufgeweicht wurden: By doing so we may also learn more precisely what the "enlightenment" of the eighteenth century was. It was not simply the war cry of a party or an issue that divided men into two camps; it was a readjustment of ideas that affected all educated persons, including those who remained faithful to the church (Palmer 1939: 44) Vor diesem Hintergrund muss die Übereinkunft der religiös geprägten Grundsätze von Charles de Saint-Évremond mit den toleranten Ansichten von Gilbert Burnet für das Erstellen von / neu bewertet und kontextualisiert werden. Gleichzeit wird ersichtlich, dass die Kommunikation über Ideen auf Grundlage der Zirkulation von Wissen in den medialen Darbietungsformen der Handschriften, Drucke oder Zeitschriften erfolgte. Somit wurden regionale Grenzen, die bislang mit der Kommunikation einhergingen, verworfen, wie sich am vorliegenden Beispiel für die eruierten Pfade zwischen London, Trévoux, Paris, Frankfurt am Main, Leipzig, Oels und Dresden nachvollziehen lässt (Abb. 3).
246 Abb. 3: Die Kommunikation über / im 18. Jahrhundert in Europa (Google 2025) Mit diesem Fokussieren der Kommunikation über Wissen und Wissenschaft anhand medialer Erscheinungsformen bleibt gleichzeitig festzuhalten, dass personelle Aspekte als Desiderate zurückweichen. Neben der Urheberfrage des Ausgangstextes schließt dieser Gedanke die Frage nach der Identität des Schreibers der Dresdner Handschrift, nach J.C.P.D. oder dem Übersetzer von ein, wodurch das in Abb. 3 aufgezeigte Kommunikationsnetzwerk Erweiterung finden würde.
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Zwickauer Forum Interkulturelle Kommunikation und Sprache: Nr. 8 Theoretische und praktische Zugänge zur Wissenschaftsund Fachkommunikation und innovative Ansätze zur Fremdsprachendidaktik Festschrift für Ines-Andrea Busch-Lauer zum 65. Geburtstag Thomas Johnen Thomas Rink-Neave Emilia Wetzel (eds.) Zwickau Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation 2025 ISBN: 978-3-946409-12-0 DOI: 10.34806/9783946409120