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Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken als Hilfsmittel bei der Evaluation von raumbedeutsamen Instrumenten

Krekeler, Martin,Zimmermann, Thomas

Abstract

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Krekeler, Martin; Zimmermann, Thomas Book Part Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken als Hilfsmittel bei der Evaluation von raumbedeutsamen Instrumenten Provided in Cooperation with: ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Suggested Citation: Krekeler, Martin; Zimmermann, Thomas (2014) : Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken als Hilfsmittel bei der Evaluation von raumbedeutsamen Instrumenten, In: Küpper, Patrick Levin-Keitel, Meike Maus, Friederike Müller, Peter Reimann, Sara Sondermann, Martin Stock, Katja Wiegand, Timm (Ed.): Raumentwicklung 3.0 - Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten, ISBN 978-3-88838-385-4, Verlag der ARL - Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, pp. 74-90, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-3854071 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/102898 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/ Martin Krekeler, Thomas Zimmermann Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken als Hilfsmittel bei der Evaluation von raumbedeutsamen Instrumenten URN: urn:nbn:de:0156-3854071 CC-Lizenz: BY-NC-ND 3.0 Deutschland S. 74 bis 90 Aus: Patrick Küpper, Meike Levin-Keitel, Friederike Maus, Peter Müller, Sara Reimann, Martin Sondermann, Katja Stock, Timm Wiegand (Hrsg.) Raumentwicklung 3.0 – Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten 15. Junges Forum der ARL 6. bis 8. Juni 2012 in Hannover Arbeitsberichte der ARL 8 Hannover 2014 Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 74 Martin Krekeler, Thomas Zimmermann Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken als Hilfsmittel bei der Evaluation von raumbedeutsamen Instrumenten Gliederung 1 Einleitung 2 Herausforderungen bei der Evaluation kommunikativer Planungsprozesse 3 Forschungsrahmen der Policy-Forschung als Werkzeuge für die Prozessbetrachtung 3.1 Akteurzentrierter Institutionalismus 3.2 Institutional Analysis Development Framework 4 Diskussion und Schlussfolgerungen Literatur Kurzfassung Die deutschsprachige Diskussion um Evaluation in der Raumordnung und -entwicklung verweist auf den Nutzen von akteurzentrierten Forschungsrahmen für die Analyse der Wirkungen von raumbedeutsamen Instrumenten. Allerdings werden die Möglichkeiten und Grenzen entsprechender Ansätze bisher nicht thematisiert. Hier setzt der vorliegende Beitrag an, indem er auf dem kommunikativen Planungsverständnis aufbauend Herausforderungen für die Evaluation von kommunikativen Planungsprozessen herausarbeitet. Basierend auf einer sowohl theoretischen Auseinandersetzung mit dem als auch einer forschungspraktischen Annäherung an den Akteurzentrierten Institutionalismus und den Institutional Analysis Development Framework diskutiert das abschließende Fazit die Möglichkeiten und Grenzen akteurzentrierter Forschungsrahmen für die Evaluation raumbedeutsamer Instrumente. Schlüsselwörter Evaluation – raumbedeutsame Instrumente – kommunikative Planung – akteurzentrierte Forschungsrahmen Research Heuristics in Political Science as a Tool for the Evaluation of Spatial Instruments Abstract The German discussion on evaluation in spatial planning and development proposes the use of actor centred research frameworks for analysis of effects of instruments with spatial effects. Opportunities and limits have not been part of the debate yet. The article begins with a description of challenges for evaluation of communicative processes. Sub- Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 75 sequently the article describes two actor-centred research frameworks, actor-centred institutionalism and analysis development framework. An application to two research questions follows before the conclusion discusses opportunities and limits of actorcentred research frameworks for evaluation of spatial planning instruments. Keywords Evaluation – spatial planning instruments – communicative planning – actor-centred research frameworks 1 Einleitung Die Wirkung der raumplanerischen Steuerung ist aufgrund von bisher kaum durchgeführten Evaluationen meist unklar (Fürst 2001: 264; Hübler 2002: 13; Wiechmann/Siedentop 2009: 207; Fürst 2010: 170). Seit dem Anfang des Jahrtausends werden die Wirkungen von Regionalplänen jedoch verstärkt analysiert. Sowohl das rheinlandpfälzische als auch das hessische Landesplanungsgesetz enthalten mittlerweile Regelungen, welche zur Kontrolle der eingetretenen Ergebnisse der Regionalpläne verpflichten (Zaspel 2011: 103 f.). Damit gewinnen Evaluationen an Bedeutung. Lichfield und Prat folgend (1998: 287) wird darunter das systematische Beobachten, Analysieren und Bewerten sowohl der erwarteten als auch der eingetretenen Ergebnisse von Plänen und Planprozessen verstanden. Einen Rahmen für die Analyse des Erfolgs von Planung bietet Talen (1997: 574 f.). Sie unterscheidet verschiedene Bausteine, die dazu erforderlich sind. Zunächst sind Planung und ihr Erfolg zu definieren. Darauf aufbauend sind Kriterien und Methoden für das Messen des Erfolgs festzulegen. Als nächster Schritt folgt die Identifikation von erfolgreicher Planung, bevor die Ursachen für den Erfolg von Planung analysiert werden können. Einer solchen systematischen Auseinandersetzung mit den Wirkungen raumbedeutsamer Instrumente werden vielfältige Funktionen zugeschrieben, welche ihre Bedeutung für die Raumplanung herausstellen (Lichfield/Prat 1998: 288 f.; Mönnecke 2008: 605; Oliveira/Pinho 2011: 295):  Vorbereitung von Entscheidungen durch Bewertung von Alternativen  Optimierung und Qualifizierung von Planung durch Analyse von Planungsprozessen und Identifikation von Implementationsdefiziten  Wissens- und Erkenntniszuwachs infolge von Lernprozessen  Legitimation der Planung durch Rechenschaftslegung  Bereitstellung von Informationen zur Unterstützung von Partizipation Verschiedene spezifische Herausforderungen für Evaluationen in der Raumplanung bedingen das Missverhältnis zwischen der hohen Relevanz und der geringen praktischen Bedeutung. Zunächst sind die Voraussetzungen für Evaluationen aufgrund von nicht vorhandenen Datengrundlagen und fehlenden Ressourcen schwierig. Insbesondere für die Evaluationen von Raumordnungsplänen im Sinne eines Soll-Ist-Vergleichs der angestrebten Ziele mit den erreichten Ergebnissen kommen methodische Schwierigkeiten hinzu, da es aufgrund der vielfältigen auf die räumliche Entwicklung einwirkenden Faktoren schwierig ist, sie kausal auf die Raumplanung zurückzuführen. Darüber hinaus resultieren bei der Bildung von Indikatoren und damit bei der Definition von Erfolg aus unpräzise formulierten und hinsichtlich des Zeitraums ihrer Umsetzung offenen Zielen Schwierigkeiten (Talen 1996: 254 ff.; Hübler 2002: 11 ff.; Wiechmann/Beier 2004: 387; Wiech- Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 76 mann/Siedentop 2009: 207; Fürst 2010: 170 f.; Laurian/Crawford/Day et al. 2010: 746 f., Zaspel 2011: 104 f.). Das kommunikative Planungsverständnis betont die hohe Bedeutung von Prozessen für die Wirkung der Raumordnung sowohl in der Phase der Planaufstellung als auch der Planumsetzung. Prozesse verändern Ziele und Verhalten von betroffenen Akteuren, sodass Raumplanung auch durch Lernen und Selbstbindung wirkt (Zimmermann 2003: 33 f.). Die Verwirklichung von Planungen hängt dementsprechend maßgeblich vom Handeln der relevanten Akteure ab. Evaluationen von Raumordnungsplänen im Sinne des bereits oben angesprochenen Soll-Ist-Vergleichs bilden die Komplexität der raumordnerischen Steuerung somit nur unzureichend ab (Fürst 2010: 170 f.). Um die Wirkung der raumplanerischen Steuerung umfassend zu evaluieren, sollten Soll-Ist-Vergleiche daher um die Mikroanalyse von ausgewählten Entscheidungsprozessen ergänzt werden (Faludi 2000: 316 f.; Herrmann/Lang 2001: 29 ff.). Zimmermann (2003: 33 f.) und Diller (2012: 13) verweisen dazu auf akteurzentrierte Ansätze aus der Politikfeldforschung, wie den akteurzentrierten Institutionalismus (Mayntz/Scharpf 1995; Scharpf 2000). Für die Bewertung dieser Entscheidungsprozesse bietet es sich an, Healeys Prämissen einer kommunikativen Planung zu berücksichtigen. Sie beschreibt die Inklusion aller relevanten Stakeholder, den Aufbau gemeinsamen Wissens und Problembewusstseins in sozialen Lernprozessen und die bewusste Gestaltung von Arenen, in denen die kommunikativen Prozesse stattfinden, als wesentliche Merkmale von kommunikativen Prozessen (Healey 1992: 154 ff.). Deren Qualität bemisst sich dann daran, inwieweit die raumgestaltenden Akteure mit ihren Steuerungsressourcen mobilisiert werden (Fassbinder 1996: 147). Fragen, die bei einer solchen prozessbezogenen Betrachtungsweise in den Vordergrund rücken, sind die nach den Foren und Arenen, in denen raumbezogene Strategien entstehen, und wer zu diesen Arenen Zugang erhält. Wie entstehen politische Diskurse, welche Themen und Probleme werden identifiziert und weiterbehandelt? Wie werden Vereinbarungen getroffen und wie wird deren Umsetzung überwacht (vgl. Healey 1996: 225 ff.)? Der Beitrag diskutiert Möglichkeiten und Grenzen von auf das Akteurshandeln ausgerichteten politikwissenschaftlichen Ansätzen für die Evaluation sowohl erwarteter (Exante) als auch eingetretener (Ex-post) Ergebnisse raumbedeutsamer Instrumente. Aufbauend auf den einleitenden Ausführungen zum kommunikativen Planungsverständnis und der daraus folgenden Notwendigkeit zur Beobachtung, Analyse und Bewertung von Prozessen thematisiert das folgende Kapitel die Schwierigkeiten der Prozessbeobachtung und -analyse und arbeitet damit spezifische Herausforderungen für die Evaluation heraus. Das anschließende Kapitel beschreibt zwei akteurzentrierte Ansätze aus der Politikfeldforschung und diskutiert ihre Anwendbarkeit auf spezifische Fragestellungen. Im Anschluss werden darauf aufbauend die Möglichkeiten und Grenzen von akteurzentrierten Ansätzen für die Evaluation raumbedeutsamer Instrumente diskutiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen. Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 77 2 Herausforderungen bei der Evaluation kommunikativer Planungsprozesse Als Prozess wird eine Folge logisch zusammenhängender Aktivitäten verstanden, die der Herstellung oder Veränderung der Raumstruktur dienen. Ein definierter Anfangs- und Endpunkt begrenzt ihn (vgl. Mittelstraß 1995). Für den Bereich der Environmental Governance benennen Newig und Voß (2010: 243 ff.) die auf raumplanerische Prozesse übertragbare Vielfalt von Akteuren als charakteristisches Merkmal. Folgt man der oben genannten Definition von Evaluation nach Lichfield und Prat (1998: 287) mit ihren Elementen systematisches „Beobachten“, „Analysieren“ und „Bewerten“, ergeben sich für die Evaluation von Prozessen eine Reihe von zu bewältigenden Aufgaben. Die systematische Beobachtung besteht aus der Aufarbeitung der Akteurszusammenhänge und dem Nachzeichnen von Interaktionsbeziehungen. Die Analyse bezieht sich auf die Identifikation von kausalen Wirkungszusammenhängen und die Bewertung erfordert die Anwendung bestimmter Evaluationskriterien. Aus den Eigenschaften von Prozessen folgt für das systematische Beobachten, dass Akteurszusammenhänge sorgfältig zu strukturieren sind (Mahoney 2010: 125 ff.). Aus den unterschiedlichen zu beobachtenden Bestandteilen von Prozessen, d. h. Reflektionen, Diskussionen, Debatten und Dialogen (vgl. McNamara 1998), ergibt sich ein hoher Aufwand. Das Nachzeichnen (Ex-post-Evaluation) oder Abschätzen (Ex-ante-Evaluation) von interpretationsbedürftigen (Kommunikations-)Beziehungen zwischen den Akteuren lässt sich oft nicht mit der gleichen Eindeutigkeit bewerkstelligen wie die Evaluation eines gedruckten Planwerks. Dies gilt auch für die Auswertung von Planungsprozessen im Zusammenhang mit formellen Instrumenten, z. B. der Evaluation der Erstellung oder Umsetzung eines Regionalplans. Auch hier gilt es, kommunikative, informelle Prozesse und Methoden zu beleuchten, über die Diller (2008: 273 ff.) schreibt, sie seien höchstens teilstandardisiert und ließen große Spielräume (in Ausgestaltung und Interpretation, Anmerkung der Autoren) zu: Sie „eint, dass ein mehr oder minder großer Kreis von Akteuren aus den Planungsprozessen integraler Bestandteil der Methoden ist; es geht vor allem um die Ausgestaltung der Kommunikationsbeziehungen zwischen den Akteuren. Quantitative Elemente spielen hier eine vergleichsweise geringere Rolle“ (Diller 2008: 278). Evaluation von kommunikativen Planungsprozessen hat darüber hinaus auch die Existenz und Richtung kausaler Wirkungszusammenhänge zu bestimmen: Wurde Phänomen X durch Y ausgelöst oder umgekehrt? Oder hat eine dritte Variable beide Phänomene verursacht (vgl. Bennett 2010)? Grundsätzlich stehen Evaluationen hier vor dem Problem der nicht gegebenen Laborsituation. Quasi experimentelle Untersuchungsdesigns mit einer Kontrollgruppe sind bei der Evaluation von raumplanerischen Instrumenten nicht möglich (Zaspel 2011: 113 f.). Allgemeiner beschreibt Danielson (2007: 386) das Kernproblem von Policy-Evaluationen, indem sie die Generalisierbarkeit der erzielten Ergebnisse infrage stellt. Grundsätzlich gelten Erkenntnisse aus sozialen Experimenten nur für die Untersuchung selber. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe wird beispielsweise die Frage beantwortet, was geschehen wäre, wenn Programm X nicht eingeführt wird. Gesucht wird gerade in der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse nach gesetzmäßigen Wirkungen der Art „Wann immer X angewendet wird, führt dies zu Y“ (Danielson 2007: 386). Daher muss spekuliert werden, wie ähnlich andere Situationen sein müssen, damit das Beobachtete auch in diesen anderen Situationen eintritt. Das Bewerten eines Prozesses erfordert ein Verständnis über die Art und Weise der Wirkungen eines Instruments. Die Ausformulierung dessen wird als „program theory“ Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 78 bezeichnet (vgl. Rossi/Lipsey/Freeman 2004: 133 ff.). An diese program theory können in einem späteren Schritt dann die Evaluationskriterien angelegt werden. Oft existiert allerdings nur eine vage Vorstellung über die Wirkungsweise eines Instruments. Die „nachträgliche Konstruktion“ der program theory birgt dann auch immer die Gefahr einer Missinterpretation. Dies kann dazu führen, dass die Grundlage der Bewertung den Fokus des Evaluierenden in eine falsche Richtung lenkt (AID-EE 2006: 9 ff.). 3 Forschungsrahmen der Policy-Forschung als Werkzeuge für die Prozessbetrachtung Die auf der Mikro- und Mesoebene angesiedelten Forschungsrahmen der Policy- Forschung wie der Akteurzentrierte Institutionalismus und der Institutional Analysis Development Framework von Ostrom (Schneider/Janning 2006: 79) werden im Folgenden als Werkzeuge betrachtet, mit denen den im vorangegangenen Abschnitt herausgearbeiteten Problemen bei der Analyse von Planungsprozessen begegnet werden kann. Beide Forschungsrahmen gehen davon aus, dass strukturelle, systemische und institutionelle Faktoren, Akteur- und Interessenkonstellationen sowie die Interaktionen zwischen den unterschiedlichen Akteuren öffentliche Politiken erklären. Als entscheidend sehen sie die Akteursinteraktionen und institutionellen Kontexte an (Schneider/Janning 2006: 76 ff.). In den diesem Beitrag zugrunde liegenden Forschungsvorhaben werden die beiden Forschungsheuristiken in unterschiedlichen Planungsphasen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten verwendet. Um sie hier näher einzuordnen, wird auf das von Diller (2012: 6) beschriebene logische Wirkungsmodell der Regionalplanung zurückgegriffen, welches die Phasen der Planerstellung und des Planvollzugs systematisch unterscheidet. Die Unterteilung entspricht dem in den Phasenmodellen der Politikfeldanalyse verwendeten Begriffen Politikformulierung und Implementierung (vgl. Blum/Schubert 2009: 102). Darüber hinaus beinhaltet das logische Wirkmodell der Regionalplanung die Bestandteile Input, Throughput, Output und Outcome. In der Phase der Planerstellung/ Politikformulierung gelten vor allem die institutionellen Rahmenbedingungen der Regionalplanung als Input für die als Throughput bezeichneten Verhandlungsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren. Als Output wird das unmittelbare Ergebnis des Abstimmungsprozesses bezeichnet. Dabei kann es sich z. B. um einen Regionalplan oder um andere Regelungsformen handeln, welche das Handeln zwischen den involvierten Akteuren koordinieren. Diese Regelungsformen bilden in der Phase der Planumsetzung/Implementation den Input für die Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen. Am Beispiel der formellen Regionalplanung entspräche das dem Vollzug des Regionalplans. Die entsprechenden Verhandlungsverfahren werden wiederum als Throughput bezeichnet. Der Output in der Phase der Planumsetzung/Implementation besteht wiederum aus den Ergebnissen des Abstimmungsprozesses. In der formellen Regionalplanung wären das die verabschiedeten kommunalen Bauleitpläne. Der Outcome ist die reale Raumentwicklung. Hierbei werden unterschiedliche Reichweiten differenziert, wie realisierte Bauvorhaben sowie der Umfang und das gesamte Muster der Siedlungsentwicklung. Eine ähnliche Unterscheidung zwischen Output und Outcome verwenden Hermans/Haarmann/Dagevos (2011: 808), die für die Bewertung der Effektivität von Beteiligungsprozessen deren Ergebnisse (Output) und Wirkungen (Outcome) unterscheiden (vgl. auch Abb. 1). Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 79 Abb. 1: Ansatzpunkt und Blickrichtung der beiden Evaluationsvorhaben AZI = Akteurzentrierter Institutionalismus IAD = Institutional Analysis Development Framework Im Falle der Anwendung des Akteurzentrierten Institutionalismus wird eine Ex-ante- Perspektive gewählt. Es werden verschiedene raumwirksame Instrumente hinsichtlich ihres potenziellen Beitrags zu einer Steigerung der institutionellen Anpassungskapazität untersucht. Die betrachteten Instrumente wurden also noch nicht in der Praxis angewendet bzw. nicht als Instrument zur Regelung von Klimaanpassung eingesetzt. Aus der ex-ante-Perspektive bilden sie jedoch einen möglichen Bestandteil des institutionellen Rahmens für anschließende Aushandlungsprozesse. Sie sind damit Teil des Inputs in der Phase der Politikformulierung. Mithilfe des Akteurzentrierten Institutionalismus wird nun versucht, den Throughput und seine Ergebnisse, d. h. den Output der Phase der Politikformulierung abzuschätzen. Der Prozess wird dann im darauffolgenden Schritt anhand bestimmter Kriterien normativ eingeordnet. Im Falle der Untersuchung, die auf den Institutional Analysis Development Framework zurückgreift, ist bereits der Output eines vorherigen Planungsprozesses vorhanden, z. B. ein verabschiedeter Regionalplan mit Festlegungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz. Er dient als Input für die folgende Phase der Planumsetzung. Untersucht werden hier die Wirkungen auf den Output anhand der kommunalen Bauleitplanung. Die Fragestellung lautet dabei: Welche Wirkungen haben die regionalplanerischen Festlegungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz auf die kommunale Bauleitplanung? 3.1 Akteurzentrierter Institutionalismus Die bereits im vorhergehenden Abschnitt angerissene „Doppelperspektive auf Akteure und Institutionen“ (Mayntz/Scharpf 1995: 46) des Akteurzentrierten Institutionalismus stellt Abbildung 2 dar. Auf der Mikroebene der beteiligten Akteure stehen individuelle Perspektiven und Interessen (von Mitgliedern, Funktionsträgern oder Repräsentanten) im Mittelpunkt. Die Mesoebene bilden die Beziehungen und Transaktionen zwischen Organisationen (korporativen Akteuren). Die Makroebene beinhaltet durch den institutionellen Kontext geschaffene Regelungen, Handlungsanlässe und Arenen, die Aufgaben zuweisen und Akteure zueinander in definierte Beziehungen setzen (Mayntz/Scharpf 1995: 45 ff.; Schneider/Janning 2006: 92). Im Anschluss werden die wichtigsten Elemente des Akteurzentrierten Institutionalismus vorgestellt. Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 80 Abb. 2: Das analytische Modell des Akteurzentrierten Institutionalismus Quelle: Scharpf (2000: 83) Der institutionelle Kontext strukturiert die Akteursinteraktion gleich in mehrfacher Hinsicht: „Der institutionelle Rahmen, der die Regeln definiert, deren Einhaltung man von anderen erwarten kann und sich selbst zumuten lassen muss, konstituiert Akteure und Akteurskonstellationen, strukturiert ihre Verfügung über Handlungsressourcen, beeinflusst ihre Handlungsorientierungen und prägt wichtige Aspekte der jeweiligen Handlungssituation, mit der der einzelne Akteur sich konfrontiert sieht“ (Mayntz/Scharpf 1995: 49). Unter Institutionen werden in diesem Zusammenhang folglich Regelsysteme für soziale Interaktionen verstanden (Schneider/Janning 2006: 92). Diese Definition umfasst allerdings nicht nur formale rechtliche Regeln, sondern auch soziale Normen, deren Verletzung sanktioniert werden kann (Scharpf 2000: 77). Folglich gilt der institutionelle Kontext als Sammelbegriff „zur Beschreibung der wichtigsten Einflüsse auf jene Faktoren, die unsere Erklärungen eigentlich bestimmen – nämlich Akteure mit ihren Handlungsorientierungen und Fähigkeiten, Akteurskonstellationen und Interaktionsformen“ (Scharpf 2000: 78). Scharpf und Mayntz gehen von komplexen Akteuren – also Ansammlungen von Individuen – aus. Bei dem hier verwendeten Verständnis bedeutet der Begriff des komplexen Akteurs, dass „eine Fähigkeit zu intentionalem Handeln oberhalb der beteiligten Individuen vorhanden sein muss“ (Scharpf 2000: 97). Bezüglich der betrachteten Akteure liegt das von Simon ausgearbeitete Konzept der „bounded rationality“ (Simon 1976) zugrunde (Scharpf 2000: 47 ff.). Hier verfügen Akteure weder über die vollständigen und relevanten Informationen der Handlungssituation, noch können sie alle zu beachtenden Handlungsbedingungen und deren Wechselwirkungen antizipieren oder verarbeiten (Schimank 2007: 168). Akteure handeln also nicht vollständig rational, bezüglich ihrer subjektiven Wahrnehmung und der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen aber dennoch intentional (Scharpf 2000: 48). Politikwissenschaftliche Forschungsheuristiken 87 elle Herausforderungen der Klimaanpassung oder des vorbeugenden Hochwasserschutzes nicht. Eine abschließende Bewertung der in Planungsprozessen erzielten Ergebnisse ist allein auf ihrer Grundlage nicht möglich. Ihr Nutzen für ein normatives Vorhaben, wie z. B. eine Evaluation von Planungsprozessen, hängt also davon ab, inwieweit bereits Vorstellungen, Maßstäbe, präzise Definitionen und operationalisierbare Kriterien für entsprechende Einschätzungen bestehen. Für die Entwicklung von Bewertungskriterien für die Evaluation von Entscheidungsprozessen bietet es sich daher an, auf das kommunikative Planungsverständnis zurückzugreifen. Einen Ansatz bietet damit die Diskussion um Performance, die für die Phase der Planumsetzung herausstellt, dass planerische Aussagen erfolgreich sind, wenn die Adressaten sie in Entscheidungssituationen berücksichtigen und sie ihr Verhalten beeinflussen. Dies setzt voraus, dass die Planadressaten mit ihnen vertraut sind und sie als einen ihre Entscheidungen beeinflussenden Rahmen anerkennen (Mastop/Faludi 1997: 824 f.; Faludi 2000: 308 f.). Daneben können auch spezifische Kriterien, die aus den Herausforderungen einzelner Politikfelder abgeleitet sind, einen Ausgangspunkt für die Entwicklung von Bewertungskriterien darstellen. Im Kontext der Klimaanpassung entwickelten Knieling/Fröhlich/Schaerffer (2011: 31 ff.) mit sektoren- und ebenenübergreifenden Aufgaben, langfristiger Ausrichtung, Überschreitung von administrativen Grenzen, dem Umgang mit Unsicherheiten sowie der Berücksichtigung der Interessen vielfältiger Akteure Kriterien, die für die Bewertung von partizipativen Prozessen modifiziert werden können. Inwieweit aus den normativen Vorstellungen der befragten Akteure entsprechende Kriterien entwickelt werden können, ist zu diskutieren. Insgesamt können die politikwissenschaftlichen Forschungsheuristiken damit Evaluationen von raumwirksamen Instrumenten unterstützen, indem sie für die Analyse von den Outputs bzw. Outcomes zugrunde liegenden Entscheidungsprozessen einen Rahmen bieten. Zurückkommend auf den eingangs erwähnten Analyserahmen für den Erfolg von Planung bilden sie somit den letzten Bestandteil einer umfangreichen Evaluation. Sinnvoll erscheint ihr Einsatz nämlich erst, wenn die Ursachen für Erfolg bzw. Misserfolg von Planung identifiziert werden sollen. Auch für Ex-ante-Evaluationen von kommunikativen Prozessen sind sie hilfreich, da mit ihrer Hilfe Handlungssituationen entwickelt werden können, auf die neue Regelungsformen einwirken. Eine entsprechende „program theory“ ermöglicht fundierte Aussagen darüber, wie Veränderungen des institutionellen Rahmens wirken. Literatur AID-EE – Active Implementation of the European Directive on Energy Efficiency (2006): Guidelines for the monitoring, evaluation and design of energy efficiency policies. Online unter: http://www.aid-ee.org/documents/000Guidelinesforthemonitoringevaluationanddesign. PDF (letzter Zugriff am 22.10.2012). Bennett, A. (2010): Process Tracing and Causal Inference. In: Brady, H.; Collier, D. (Hrsg.): Rethinking Social Inquiry: diverse tools, shared standards. Lanham, 207-220. Blum, S.; Schubert, K. (2009): Politikfeldanalyse. Wiesbaden. 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Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstipendiat am Fachgebiet Stadtplanung und Regionalentwicklung der HafenCity Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die lokale und regionale Governance der Klimaanpassung in der Metropolregion Hamburg sowie die Begleitung und Bewertung partizipativer Instrumente einer klimaangepassten Raumentwicklung. Seine Dissertation befasst sich mit der Abschätzung der Wirkungen informeller und organisationaler Regelungsformen zur Klimaanpassung auf das lokale Akteurshandeln. Dipl.-Ing. Thomas Zimmermann (*1977) studierte Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Stadtplanung und Regionalentwicklung der HafenCity Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Instrumenten einer nachhaltigen Siedlungs- und Raumentwicklung und ihrer Evaluation, partizipativen Verfahrensformen sowie im Bereich Klimawandel und Raumentwicklung. Er promoviert zum Thema „Wirkungsanalyse regionalplanerischer Steuerung am Beispiel des vorbeugenden Hochwasserschutzes“.