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COVID-19-Erkrankungen und Impfungen gegen SARS-CoV-2 bei Personen mit und Personen ohne Migrationserfahrung - Ergebnisse aus der RKI-SOEP-2 Studie

Goßner, Laura,Siegert, Manuel

Abstract

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Full text

Goßner, Laura; Siegert, Manuel Research Report COVID-19-Erkrankungen und Impfungen gegen SARS-CoV-2 bei Personen mit und Personen ohne Migrationserfahrung - Ergebnisse aus der RKI-SOEP-2 Studie IAB-Forschungsbericht, No. 4/2023 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Goßner, Laura; Siegert, Manuel (2023) : COVID-19-Erkrankungen und Impfungen gegen SARS-CoV-2 bei Personen mit und Personen ohne Migrationserfahrung - Ergebnisse aus der RKI-SOEP-2 Studie, IAB-Forschungsbericht, No. 4/2023, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.FB.2304 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/274558 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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Dieser Bericht wurde gemeinsam vom Institut für Arbeitsmarkt - und Berufsforschung (IAB) und dem Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF -FZ) erstellt. Der Bericht erschien unter gleichnamigem Titel auch als BAMF -Forschungsbericht. The IAB Research Reports (IAB -Forschungsberichte) series publishes larger-scale empirical analyses and project reports, often with heavily data - and method-related content. This is a joint report by the Institute for Employment Research (IAB) and the Research Centre of the Federal Office for Migration and Ref ugees (BAMF-FZ). The report was also published under the same title as a BAMF Research Report. In aller Kürze • In diesem IAB-Forschungsbericht werden Personen mit und Personen ohne Migrationserfahrung in Bezug auf COVID-19-Erkrankungen und Impfungen gegen SARS-CoV-2 miteinander verglichen. • Für die Analysen werden die Daten der RKI-SOEP-2 Studie verwendet. Diese beinhalten Beobachtungen von insgesamt 10.225 Personen, die zwischen November 2021 und März 2022 befragt wurden. Berücksichtigt werden von den Befragten berichtete Infektionen und Impfungen, die bis Ende Oktober 2021 stattfanden. • Die deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland war bis Ende Oktober 2021 durch zwei Impfungen oder einer Infektion und mindestens einer Impfung mindestens zweimalmit SARS-CoV-2 bzw. dessen Spikeprotein in Berührung gekommen. Mit rund 82 Prozent war der Anteil derjenigen mit zwei Kontakten unter den Personen mit Migrationserfahrung acht Prozentpunkte geringer als unter den Personen ohne Migrationserfahrung (rund 90 Prozent). • Bereits drei Auseinandersetzungen mit dem Virus – durch drei Impfungen oder eine entsprechende Kombination von Impfungen und Infektion –, und damit einen soliden Schutz zumindest gegen einen schweren Krankheitsverlauf, hatten Ende Oktober 2021 nur wenige Personen, wobei diesbezüglich zwischen Personen mit und Personen ohne Migrationserfahrung kein großer Unterschied bestand. • Bis Ende Oktober 2021 waren rund acht Prozent der Personen mit Migrationserfahrung an COVID-19 erkrankt, bei denjenigen ohne Migrationserfahrung waren es nur rund vier Prozent. • Die höhere Inzidenz bei den zugewanderten Personen lässt sich auf sozio-ökonomische Unterschiede zurückführen. Eine Rolle spielen dabei zum Beispiel Unterschiede in der Wohnsituation sowie in der beruflichen und familiären Situation. Die Analysen zeigen damit, dass nicht die Migrationserfahrung selbst, sondern erst die damit verbundenen Lebensumstände für die Unterschiede beim Infektionsgeschehen relevant sind. • Beide Gruppen hatten bis Ende Oktober 2021 zu einem Großteil eine erste Impfung gegen SARS-CoV-2 erhalten. Mit rund 94 Prozent war der Anteil bei den Personen ohne Migrationserfahrung sieben Prozentpunkte höher als bei den Personen mit Migrationserfahrung (87 Prozent). • Worauf dieser Unterschied zurückzuführen ist, kann an dieser Stelle nicht abschließend geklärt werden. Es deutet sich aber an, dass von den Ungeimpften mit Migrationserfahrung ein größerer Anteil als bei den Ungeimpften ohne Migrationserfahrung zum Befragungszeitpunkt grundsätzlich noch impfbereit war. Insoweit könnte sich der Unterschied seither noch verkleinert haben. Beim Anteil derjenigen, die nach einer Erstimpfung auch eine zweite Impfung erhielten, bestand zwischen den beiden Gruppen kein nennenswerter Unterschied. Inhalt In aller Kürze ............................................................................................................................ 3 Inhalt ........................................................................................................................................ 5 Zusammenfassung ................................................................................................................... 5 Summary .................................................................................................................................. 6 Danksagung .............................................................................................................................. 7 1 Einleitung ........................................................................................................................... 8 2 Kontakte mit SARS-CoV-2 ................................................................................................. 10 3 Infektionsgeschehen ........................................................................................................ 12 3.1 Infektionsrisiko nach Migrationserfahrung ....................................................................... 12 3.2 Sozio-ökonomische Risikofaktoren .................................................................................. 13 3.3 Infektionen im Zeitverlauf ................................................................................................. 15 3.4 Schwere einer Infektion ..................................................................................................... 17 4 Impfgeschehen ................................................................................................................. 18 4.1 Erstund Zweitimpfungen ................................................................................................. 19 4.2 Zeitpunkte der Erstund Zweitimpfung ............................................................................ 20 4.3 Differenzierte Analysen zur ersten Impfung ...................................................................... 22 4.4 Differenzierte Analysen zur zweiten Impfung ................................................................... 24 5 Zusammenfassung und Fazit ............................................................................................ 26 Literatur ................................................................................................................................. 29 Anhang ................................................................................................................................... 33 Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................ 41 Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 41 IAB-Forschungsbericht 4|2023 5 Zusammenfassung Im Verlauf der COVID-19-Pandemie wurde deutlich, dass verschiedene Personengruppen nicht in gleichem Maße gegen eine Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt werden konnten. So können nicht alle Berufe im Homeoffice ausgeführt werden und ein Leben auf engem Raum beschränkt die Möglichkeit, sich von anderen zu isolieren. Persönliche Lebensumstände können damit das Risiko einer COVID-19-Erkrankung beeinflussen. In diesem Forschungsbericht wird untersucht, welchen Infektionsrisiken Personen mit und ohne Migrationserfahrung jeweils ausgesetzt sind und wie ausgeprägt der Impfschutz innerhalb dieser beiden Gruppen ist. Für die Analysen werden Befragungsdaten der Studie „Corona Monitoring bundesweit (RKISOEP-2)“ verwendet, welche kooperativ durch das Robert Koch-Institut (RKI), das Soziooekonomische Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und das Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) durchgeführt wurde. Die Feldphase der Studie begann im November 2021 und endete im März 2022. Anhand eines kurzen Fragebogens wurden die Teilnehmenden unter anderem zu Infektionen mit SARS-CoV-2, ihrem Impfstatus, ihren Einstellungen und Verhaltensweisen bezüglich der Pandemie sowie zu weiteren Gesundheitsthemen befragt. Die Auswertungen der Daten zeigen, dass eine deutliche Mehrheit bis Ende Oktober 2021 durch Impfungen und Infektion bereits mindestens zweimal mit SARS-CoV-2 in Berührung gekommen ist, wobei der Anteil unter Personen mit Migrationserfahrung etwas niedriger ausfiel als unter solchen ohne Migrationserfahrung. Bis Ende Oktober 2021 hatten anteilig doppelt so viele Personen mit Migrationserfahrung eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht als Personen ohne Migrationserfahrung. Dieses Gefälle lässt sich auf sozio-ökonomische Unterschiede der beiden Gruppen zurückführen. Beispielsweise können Unterschiede in der beruflichen und familiären Situation oder der Wohnsituationen die unterschiedlichen Inzidenzen zu einem gewissen Teil erklären. Die Analysen zeigen damit, dass nicht die Migrationserfahrung selbst, sondern erst die damit verbundenen Lebensumstände für die Unterschiede beim Infektionsgeschehen relevant sind. Der Großteil der Menschen mit und der Menschen ohne Migrationserfahrung war bis Ende Oktober 2021 ein erstes Mal gegen SARS-CoV-2 geimpft. Der Anteil Erstgeimpfter war bei den Personen ohne Migrationserfahrung dabei etwas höher. Von denjenigen, die eine erste Impfung erhalten hatten, waren Ende Oktober 2021 auch fast alle bereits ein zweites Mal geimpft. Hierbei sind keine nennenswerten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen beobachtbar. Insgesamt zeigen die Analysen, dass Personen mit Migrationserfahrung durch ihre Lebensumstände einem erhöhten Risiko ausgesetzt waren, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Hinzukommend waren sie etwas seltener geimpft und dadurch auch seltener vor einer Infektion bzw. einem schweren Krankheitsverlauf geschützt. Die Pandemie als solche und eine Infektion mit SARS-CoV-2 birgt gesundheitliche Risiken für Individuen. Der Schutz aller Personengruppen vor Infektionen mit SARS-CoV-2 hat deshalb hohe Relevanz. Die gefundenen Unterschiede in der Betroffenheit verschiedener Personengruppen nach zugrundeliegenden sozio-ökonomischen Merkmalen zeigen den Bedarf, dass bei der Entwicklung und Implementierung von IAB-Forschungsbericht 4|2023 6 Schutzmaßnahmen die spezifischen Lebensumstände der Personengruppen beachtet werden sollten. Summary During the COVID-19 pandemic, it became clear that protective measures against infection with SARS-CoV-2 cannot be implemented by all individuals to the same extent. For example, not all occupations can be performed in a home office, and living in a confined space limits one's ability to isolate oneself from others. Personal circumstances thus largely determine the risk of COVID19 disease. This research report examines the risks of infection to which persons with and persons without migration experience are exposed, and the extent of vaccination protection attained by each. The analyses use survey data from the "Corona Monitoring nationwide (RKI-SOEP-2)" study, which was conducted cooperatively by the Robert Koch Institute (RKI), the Socio-Economic Panel (SOEP) at the German Institute for Economic Research (DIW Berlin), the Research Center of the Federal Office for Migration and Refugees (BAMF-FZ), and the Institute for Employment Research (IAB). The field phase of the study began in November 2021 and ended in March 2022. In a short questionnaire, participants were asked, among other things, about infections with SARS-CoV-2, their vaccination status, their attitudes and behaviors regarding the pandemic, and other health topics. The results of the analyses show that the clear majority had at least two antigen contacts through a vaccination and an infection or two vaccinations by the end of October 2021. However, this share was somewhat lower among persons with migration experience than among persons without migration experience. By the end of October 2021, twice as many persons with migration experience had undergone COVID-19 disease than persons without migration experience. These disparities can be attributed to socio-economic differences between the two groups. For example, differences in occupational and family situations or housing situations can explain the different incidences to a certain extent. The analyses thus show that it is not the migration experience itself but the associated living conditions that are relevant for the differences in the incidence of infection. The majority of people with and people without migration experience had been vaccinated against SARS-CoV-2 for the first time by the end of October 2021. The proportion of first-time vaccinated was slightly higher among nonimmigrant than immigrant individuals. Of those who had received a first vaccination, almost all had also received a second vaccination by the end of October 2021. There are no notable differences between the two groups here. Overall, the analyses show that individuals with migration experience were at increased risk of contracting SARS-CoV-2 due to their living circumstances. In addition, they were somewhat less likely to have been vaccinated and thus less likely to be protected from infection or severe disease outcome. The pandemic as such and infection with SARS-CoV-2 poses health risks to individuals. The protection of all groups of people from infection with SARS-CoV-2 is therefore highly relevant. The differences found in the affectedness of different groups of people according to underlying socio-economic characteristics show the need to consider the different living IAB-Forschungsbericht 4|2023 7 conditions of different groups of people when developing and implementing protective measures. Danksagung Wir danken allen Beteiligten der RKI-SOEP-2 Study Group für die wertvolle Zusammenarbeit im Rahmen der RKI-SOEP-2 Studie sowie für ihr konstruktives Feedback zu Analysen dieses Forschungsberichts. Wir danken außerdem Anette Haas, Kerstin Tanis und Jan Eckhard für ihre hilfreichen Kommentare im Rahmen des Mitlesevorgangs. IAB-Forschungsbericht 4|2023 8 1 Einleitung Zu Beginn der COVID-19-Pandemie erklärte der britische Kabinettminister Michael Gove, dass das Virus nicht diskriminiere, das Risiko einer Infektion also für alle gleich sei (Sky News 2020). Da niemand gegen eine Infektion immun sei, bezeichnete auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo das Virus wenig später als einen großen Gleichmacher (Cuomo 2020). Doch im Verlauf der Pandemie wurde deutlich, dass Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion nicht von allen Personen in gleichem Maße umzusetzen sind. So können nicht alle Berufe im Homeoffice ausgeführt werden und ein Leben auf engem Raum beschränkt die Möglichkeit, sich von anderen zu isolieren. Persönliche Lebensumstände bestimmen damit das Risiko einer Infektion mit SARSCoV-2 mit. Bereits für frühere Infektionskrankheiten lässt sich ein Zusammenhang zwischen Ausbreitung und sozio-ökonomischen Ungleichheiten erkennen: Die spanische Grippe forderte 1918/19 in benachteiligten sozialen Klassen signifikant mehr Todesfälle als in besser gestellten (Bengtsson/Dribe/Eriksson 2018; Mamelund 2003). Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status waren 2014 dem Ebola-Erreger stärker ausgesetzt als diejenigen mit höherem sozio-ökonomischem Status (Fallah et al. 2015). Auch die Prävalenz von Mikrozephalie – ausgelöst durch das Zika-Virus – stand 2015 in einem signifikanten Zusammenhang mit schlechten Lebensbedingungen (Souza et al. 2018). Individuelle Lebensumstände bestimmen demnach das Expositionssowie das Übertragungsrisiko von Infektionskrankheiten und Menschen mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Hintergrund sind höheren Risiken einer Infektion ausgesetzt (Bambra 2022). Migrantinnen und Migranten weisen in Deutschland häufiger einen geringeren sozioökonomischen Status auf als Menschen ohne Migrationserfahrung. Die Armutsgefährdungsquote der Personen mit Migrationshintergrund lag 2019 beispielsweise zweieinhalbmal so hoch wie die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (Petschel 2021). Vor dem Hintergrund oben aufgeführter Zusammenhänge bezüglich sozio-ökonomischer Situation und früheren Infektionskrankheiten wird in diesem Bericht die Situation von Menschen mit Migrationserfahrung während der COVID-19-Pandemie untersucht. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Migrantinnen und Migranten überproportional von Infektionen betroffen sind (vgl. Hayward et al. 2021 für einen Literaturüberblick). Beispielsweise zeigen nationale Statistiken in Schweden, dass während der ersten Welle der Pandemie (März bis Mai 2020) etwa 32 Prozent der positiven Fälle auf Eingewanderte entfielen, während diese Gruppe nur 19 Prozent der Bevölkerung ausmachte (Public Health Agency of Sweden 2020). In Dänemark entfielen 31 Prozent der Fälle bis September 2020 auf Migrantinnen und Migranten, die dort 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen (Staten Serum Institut 2020). Erklärungsansätze für erhöhte Inzidenzen verweisen beispielsweise auf die Unterbringung in überfüllten Unterkünften, prekäre Arbeitsverhältnisse oder die häufige Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (Hayward et al. 2021). Geringere Sprachkenntnisse sowie rechtlich-administrative Hindernisse für die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleitungen können außerdem das Bewusstsein für Infektionsrisiken und das Ergreifen von präventiven Maßnahmen einschränken (ebd). Aufgrund ihrer Lebensumstände können Personen mit Migrationserfahrung auch in Deutschland einem erhöhten Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 ausgesetzt sein. Hier zeigen IAB-Forschungsbericht 4|2023 15 der Unterschied in der Wahrscheinlichkeit einer Infektion nach Migrationserfahrung erneut (auf 1,9 Prozentpunkte) und ist nun nicht mehr statistisch signifikant (p-Wert=0,169). In Modell 5 wird schließlich zusätzlich für pandemiebezogene Faktoren kontrolliert. Eine Impfung kann nachweislich die Wahrscheinlichkeit einer Infektion reduzieren (vgl. z.B. Bernal et al. 2021; Dagan et al. 2021). Durch das Risikomanagement der Bundesregierung und die damit einhergehende Gesundheitskommunikation wurde außerdem über weitere mögliche Präventivmaßnahmen informiert. Nicht alle Teile der Bevölkerung werden jedoch in gleichem Maße über bestimmte Kommunikationswege erreicht. Studien zeigen, dass die Art und der Umfang der Nutzung von COVID-19 bezogenen Informationsquellen mit der Durchführung präventiver Schutzmaßnahmen zusammenhängen (Acar/Kıcali 2021) und Fehlinformationen mit weniger präventivem Verhalten verbunden sind (Lee et al. 2020). Modell 5 beinhaltet deshalb zusätzlich Variablen zur Informiertheit während der Pandemie, der Sprache der Informationsbeschaffung und dem Impfstatus (ggf. zum Zeitpunkt einer Infektion). Mit dieser Spezifikation geht der Unterschied in der Wahrscheinlichkeit einer Infektion nach Migrationserfahrung auf 0,6 Prozentpunkte zurück und ist ebenfalls nicht mehr signifikant (pWert=0,574). Die Analysen zeigen damit, dass rein deskriptiv zwar unterschiedliche Infektionsrisiken nach Migrationserfahrung bestehen, diese aber auf demografische und sozio-ökonomische Unterschiede zurückzuführen sind. Unter Konstanthaltung von Faktoren, die die Demographie, die Wohnsituation, die familiäre und berufliche Situation sowie pandemiebezogene Merkmale abbilden, steht die Migrationserfahrung selbst in keinem signifikanten Zusammenhang mit der Infektionswahrscheinlichkeit. 3.3 Infektionen im Zeitverlauf Zur weiteren Analyse wird anhand der Daten der RKI-SOEP-2 Studie die zeitliche Verteilung der Infektionen betrachtet. In Abbildung 4 wird die Verteilung der Infektionen über die Zeit nach Migrationserfahrung gezeigt. Erneut werden an dieser Stelle nur Infektionen bis Ende Oktober 2021 miteinbezogen. Sowohl für Personen mit als auch für Personen ohne Migrationserfahrung sind bis Oktober 2021 verschiedene Wellen von Infektionen ersichtlich. Diese entsprechen den bisher bereits nach offiziellen Meldezahlen bekannten Infektionswellen (Robert Koch-Institut 2023a). Die erste COVID-19 Welle von Anfang März 2020 (KW 10) bis Mitte Mai (KW 20) bildet Phase 1 der Pandemie mit bundesweit gemeldeten Fällen und erstmalig weitreichenden infektionshygienischen Maßnahmen (Schilling et al. 2021). Nach einem sogenannten Sommerplateau in Phase 2 der Pandemie (KW 21 bis 39), folgte ab Ende September 2020 ein sprunghafter Anstieg der Fallzahlen, was zu einer zweiten Infektionswelle und damit zu Phase 3 der Pandemie führte (ebd.). Nach einem Teillockdown im November 2020 und anschließendem vollständigem Lockdown im Dezember 2020 gingen die Fallzahlen zum Jahreswechsel 2020/2021 zurück, bevor sie im zweiten Quartal 2021 erneut anstiegen. Zum Ende des betrachteten Zeitraums ist schließlich der erneute Anstieg der Infektion ab Herbst 2021 erkennbar. Die Darstellung der zeitlichen Verteilung zeigt zunächst keine auffälligen Unterschiede nach Migrationserfahrung. Sowohl Personen mit als auch ohne Migrationserfahrung sind von den IAB-Forschungsbericht 4|2023 16 jeweils bekannten Infektionswellen betroffen. Die Infektionswellen scheinen für Personen mit Migrationserfahrung jedoch leicht zeitlich versetzt. Anstiege der Infektionen von Personen mit Migrationserfahrung beginnen in den einzelnen Wellen etwas später und erreichen auch etwas später ihren Höhepunkt als die der Personen ohne Migrationserfahrung. Die Welle im Winter 2020 erreichte für Personen ohne Migrationserfahrung beispielsweise im November und für Personen mit Migrationserfahrung im Dezember ihren Höhepunkt. Abbildung 4: Zeitliche Verteilung der Infektionen Anteile der Personen mit einer Infektion im jeweiligen Monat nach Migrationshintergrund, in Prozent 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 Feb 20 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20 Okt 20 Nov 20 Dez 20 Jan 21 Feb 21 Mrz 21 Apr 21 Mai 21 Jun 21 Jul 21 Aug 21 Sep 21 Okt 21 Ohne Migrationserfahrung Mit Migrationserfahrung Anmerkungen: Anteile beziehen sich auf die jeweilige Verteilung innerhalb der Gruppen nach Migrationserfahrung. Betrachtet werden nur Infektionen bis einschließlich Oktober 2021. Informationen basieren auf den Selbstangaben der Teilnehmenden im Fragebogen. Beobachtungen = 518. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF Die vorliegenden Daten erlauben keine genaueren Aussagen über die spezifischen Hintergründe dieser Beobachtung, da Ansteckungswege und damit verbundene Infektionsketten nicht genauer erhoben wurden. Schilling et al. (2021) stellen für die verschiedenen Phasen der Pandemie bereits geographische und demographische Unterschiede in den Ausbreitungsverläufen dar: So waren beispielsweise in Phase 1 der Pandemie (Frühjahr 2020) insbesondere Landkreise im südlichen Bayern und Baden-Württemberg betroffen. Phase 1 und 3 (ab Herbst 2020) war von hohen Inzidenzen in der Altersgruppe der Personen ab 80 Jahren geprägt, während in Phase 2 (Sommer 2020) die Altersgruppe der 15bis 34-Jährigen häufiger betroffen war. Ebenso ist das Ausbruchsgeschehen je nach Pandemiephase verschiedenen Infektionsbereichen zuzuordnen. In Phase 2 spiegeln sich so beispielsweise Ausbrüche im Freizeitbereich und durch Reiseaktivitäten wider, während in Phase 3 Ausbrüche in stationären Einrichtungen im Fokus standen (Schilling et al. 2021). Unterschiede dieser Art könnten gegebenenfalls auch zu zeitlichen Unterschieden im Infektionsgeschehen nach Migrationserfahrung beitragen. Zu untersuchen wäre des Weiteren, ob Unterschiede im Testzugang oder -verhalten Erklärungsansätze liefern, da auch die Teststrategie zeitliche Unterschiede aufweist (ebd.). Die in Abbildung 4 dargestellte zeitliche Verteilung des Infektionsgeschehens nach Migrationserfahrung basiert ausschließlich auf Selbstangaben der IAB-Forschungsbericht 4|2023 17 Teilnehmenden und damit wissentlichen Infektionen. Sollte es Unterschiede im Testzugang – insbesondere in den jeweiligen Anfängen der Infektionswellen – gegeben haben, könnte sich dies in der Verteilung widerspiegeln. Weiterführende Analysen – für welche die vorliegenden Daten allerdings nicht ausreichen – sind an dieser Stelle deshalb nötig, um das zeitlich leicht versetzte Infektionsgeschehen von Personen mit Migrationserfahrung aufzuklären. 3.4 Schwere einer Infektion In Medienberichten wurde bereits zu Anfang der Pandemie über einen hohen Anteil an mit COVID-19 schwer erkrankten Migrantinnen und Migranten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser diskutiert (z.B. ZDF 2021). Da in Deutschland keine Informationen zur Herkunft der betroffenen Personen erhoben wurden, gab es für entsprechende Vermutungen allerdings keine belastbaren Daten. Studien aus anderen Ländern legen nahe, dass ethnische Minderheiten im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung ein erhöhtes Sterberisiko aufweisen (vgl. für eine Übersicht Hayward et al. 2021). Beispielsweise zeigen amtliche Statistiken in England, dass Schwarze Männer 4,2-mal so häufig in Folge einer Corona-Infektion verstorben sind als weiße Männer des gleichen Alters und Schwarze Frauen 4,3-mal so häufig wie weiße Frauen (Office for National Statistics 2020). In Schweden lebende Migranten wiesen eine dreimal (Migrantinnen: zweimal) höhere Sterblichkeitsrate durch COVID-19 auf als in Schweden geborene Personen (Drefahl et al. 2020). Zu den Hintergründen, die hierfür in der Literatur diskutiert werden, gehören zum Beispiel Zugangsbarrieren zur Gesundheitsversorgung – unter anderem durch unzureichende Informationen, Sprachbarrieren, administrativ eingeschränkte Ansprüche oder ethnische Diskriminierung – sowie eine höhere Prävalenz von Risikofaktoren, die mit schweren COVID-19 Verläufen assoziiert werden (Hayward et al. 2021; Drefahl et al. 2020). Gesundheitliche Ungleichheiten zwischen Personen mit und ohne Migrationserfahrung können somit auf strukturelle Barrieren und individuelle Gesundheitsfaktoren zurückgehen. Im Rahmen der RKI-SOEP-2 Studie wurden Personen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgestanden hatten, nach einer möglichen Behandlung im Krankenhaus befragt. Von den im Ausland geborenen Personen, die eine Infektion durchgestanden hatten, gaben 10,6 Prozent [95 %-KI: 0,77-20,46] an, im Krankenhaus behandelt worden zu sein (siehe Abbildung 5). Unter den Personen ohne Migrationserfahrung betrug dieser Anteil 2,0 Prozent [95 %-KI: 0,92-2,97]. Der rein deskriptiv sichtbare Unterschied in den Anteilen ist allerdings mit hoher statistischer Unsicherheit verbunden (p-Wert=0,086). Unter den Personen mit Migrationserfahrung machten insgesamt 145 Angaben zu einer möglichen Krankenhausbehandlung in Folge einer Infektion (siehe Abbildung 5). Diese Fallzahl ist nicht ausreichend, um verlässliche Analysen bezüglich des Vorkommens von Krankenhausbehandlungen machen zu können. Zusätzlich zur fehlenden statistischen Signifikanz der vorgestellten Auswertung sollte beachtet werden, dass in der Studie lediglich die Behandlung im Krankenhaus abgefragt wurde. Hiervon kann nur mit Vorsicht die Schwere einer Infektion abgeleitet werden, da es sich sowohl um eine ambulante als auch stationäre Behandlung handeln kann. Gleichzeitig können durch Befragungsdaten erhobene Hospitalisierungsraten grundsätzlich unterschätzt werden, da COVID-19-Todesfälle nicht erfasst werden. Für ein klareres Bild bezüglich möglicher Unterschiede in der Schwere von COVID-19-Verläufen und Mortalitätsraten nach Migrationserfahrung sind aus diesen Gründen für Deutschland weitere IAB-Forschungsbericht 4|2023 18 Studien nötig. Dies wird auch durch die aufgeführten Studien aus anderen Ländern unterstrichen. Mit der Zielsetzung, die möglicherweise verstärkten Gesundheitsrisiken für Personen mit Migrationserfahrung zu reduzieren, liegt der Fokus insbesondere darauf, Mechanismen hinter gesundheitlichen Ungleichheiten zu verstehen. Abbildung 5: Behandlung im Krankenhaus in Folge einer Coronavirus-Infektion Anteile an allen Personen mit Coronavirus-Infektion, in Prozent 2,0 10,6 0 5 10 15 20 25 Ohne Migrationserfahrung (N=697) Mit Migrationserfahrung (N=145) Anmerkung: Betrachtet werden nur Personen, die im Fragebogen angaben, eine Coronavirus-Infektion durchgestanden zu haben und weitere Angaben zu einem möglichen Krankenhausaufenthalt machten. 95 %-Konfidenzintervalle ausgewiesen. Beobachtungen = 842) Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF 4 Impfgeschehen Am 27. Dezember 2020 starteten in Deutschland die Impfungen gegen das Coronavirus. Da die Menge an Impfstoff anfänglich noch sehr knapp war, wurde zunächst eine verbindliche Impfreihenfolge festgelegt. Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19-Erkrankung, etwa aufgrund hohen Alters oder bestimmter Vorerkrankungen, wurden bei den Impfungen prioritär behandelt. Auch Personengruppen, die beruflich entweder besonders exponiert oder enge Kontaktpersonen von vulnerablen Personengruppen waren – zum Beispiel medizinisches Personal oder Pflegekräfte, wurden priorisiert. Mit der Neufassung der Coronavirus-Impfverordnung wurde die Priorisierung zum 7. Juni 2021 aufgehoben, da die meisten Menschen in den Priorisierungsgruppen in der Zwischenzeit ein Impfangebot erhalten hatten (Bundesministerium für Gesundheit 2022). Bis zum 31. Oktober 2021 waren insgesamt 58,7 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal geimpft, 55,4 Millionen auch ein zweites Mal (Bundesministerium für Gesundheit 2023). Eine dritte Impfung hatten bis zu diesem Zeitpunkt nur wenige Menschen erhalten (2,3 Millionen). Dabei war die Dynamik bei den Erstimpfungen zwischen März und Mitte Juli 2021 und bei den Zweitimpfungen zwischen Anfang Mai und Ende August 2021 besonders hoch, doch noch bis Februar 2022 konnten in beiden Fällen nennenswerte Zuwächse beobachtet werden. Die Zahl IAB-Forschungsbericht 4|2023 19 der Drittimpfungen stieg ab Mitte November 2021 stark an und ab Mitte Februar 2022 flachte auch hier der Zuwachs deutlich ab. Zum Stand des 1. Februar 2023 zeigt sich, dass die Impfquoten nach Alter und Bundesland variieren: In den Altersgruppen ab 60 Jahren sind die Impfquoten am höchsten sowie in den Bundesländern Bremen und Hamburg. In Sachsen und Brandenburg sind die Impfquoten dagegen am niedrigsten (Bundesministerium für Gesundheit 2023). Informationen zur Impfhäufigkeit nach Migrationserfahrung liegen bisher noch nicht vor. 4.1 Erstund Zweitimpfungen Analog zu den offiziellen Zahlen lässt sich auch anhand der Daten der RKI-SOEP-2-Studie erkennen, dass die deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland Ende Oktober 2021 bereits mindestens einmal gegen SARS-CoV-2 geimpft war (Abbildung 6 – siehe auch RKI/DIW 2022). Personen ohne Migrationserfahrung waren dabei etwas häufiger mindestens einmal geimpft als Personen mit Migrationserfahrung (93,5 % gegenüber 87,3 %; p = 0,000). Von denjenigen, die eine erste Impfung erhalten hatten, wurden fast alle auch ein zweites Mal geimpft. Auch in diesem Fall war der Anteil bei den Personen ohne Migrationserfahrung etwas höher als der Anteil bei den Personen mit Migrationserfahrung, wobei der Unterschied mit rund drei Prozentpunkten vergleichsweise gering und auch nahezu nur halb so groß wie bei der Erstimpfung war (93,4 % gegenüber 90,2 %: p = 0,023). Abbildung 6: Relative Häufigkeit einer ersten und zweiten Impfung nach Migrationserfahrung Anteile in Prozent 93,5 87,3 93,4 90,2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 ohne Migrationserfahrung mit Migrationserfahrung ohne Migrationserfahrung mit Migrationserfahrung erste Impfung zweite Impfung (nur Personen, die eine erste Impfung erhalten haben) Anmerkung: Berücksichtigt werden nur von den Teilnehmenden im Fragebogen angegebene Impfungen, die bis einschließlich Oktober 2021 stattfanden. 95 %-Konfidenzintervalle ausgewiesen. Beobachtungen: Erstimpfung = 10.207; Zweitimpfung: 9.408. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF IAB-Forschungsbericht 4|2023 20 4.2 Zeitpunkte der Erstund Zweitimpfung Fast die Hälfte (46,1 %) der geimpften Personen ohne Migrationserfahrung hatte ihre erste Impfdosis bis einschließlich April 2021 erhalten (Abbildung 7). Bis Ende August waren es nahezu alle (97,9 %). Die meisten Personen (27,7 %) ließen sich im April impfen. Die geimpften Personen mit Migrationserfahrung wurden dagegen im Mittel etwas später und etwas häufiger auch noch bis zum Ende des Beobachtungszeitraums geimpft: Etwas mehr als die Hälfte (53,6 %) erhielt die erste Impfdosis bis Ende Mai und bis Ende August waren es rund 93 Prozent. In den Monaten September und Oktober 2021 ließen sich rund vier und rund drei Prozent der Personen mit Migrationserfahrung impfen – anteilig deutlich mehr als von den Personen ohne Migrationserfahrung, von denen in diesen Monaten jeweils nur noch rund ein Prozent geimpft wurde. Abbildung 7: Zeitpunkt der ersten Impfung nach Migrationserfahrung Anteile der Personen, die ihre erste Impfung im jeweiligen Monat erhalten haben, in Prozent 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Dez 20 Jan 21 Feb 21 Mrz 21 Apr 21 Mai 21 Jun 21 Jul 21 Aug 21 Sep 21 Okt 21 ohne Migrationserfahrung mit Migrationserfahrung Anmerkung: Berücksichtigt werden nur von den Teilnehmenden im Fragebogen angegebene Impfungen, die bis einschließlich Oktober 2021 stattfanden. Beobachtungen: 9.356. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF Da empfohlen wurde, die Zweitimpfung frühestens drei bis vier Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen (Koch et al. 2022), kann angenommen werden, dass die Personen mit Migrationserfahrung durch die etwas später erhaltene Erstimpfung im Mittel auch etwas später als die Personen ohne Migrationserfahrung die zweite Impfung erhalten haben. Auch der etwas geringere Anteil derjenigen, die ein zweites Mal geimpft wurden (Abbildung 6) könnte daraus resultieren, dass bis zum Ende des Beobachtungszeitraums ein etwas kleinerer Anteil als bei den Personen ohne Migrationserfahrung bereits für die Zweitimpfung infrage kam. IAB-Forschungsbericht 4|2023 21 Tatsächlich waren die Personen ohne Migrationserfahrung auch bei der zweiten Impfung etwas früher dran als die Personen mit Migrationserfahrung (Abbildung 8). Ende Juni 2021 hatten rund 61 Prozent der Personen ohne Migrationserfahrung, die bis Ende Oktober eine zweite Impfung erhalten hatten, diese bekommen. Bereits Ende August waren es mit rund 97 Prozent dann fast alle. Bei den Personen mit Migrationserfahrung, die bis zum Ende des Beobachtungszeitraums eine zweite Impfung erhalten hatten, waren bis Ende Juni rund 47 Prozent, und damit rund 14 Prozentpunkte weniger als bei den Geimpften ohne Migrationserfahrung, ein zweites Mal geimpft. Bis Ende August hatte sich der Unterschied zwischen den beiden Gruppen aber auf rund sieben Prozentpunkte halbiert (Anteil bei den Zweitgeimpften mit Migrationserfahrung: 90,2 %). Abbildung 8: Zeitpunkt der zweiten Impfung nach Migrationserfahrung Anteile der Personen, die ihre zweite Impfung im jeweiligen Monat erhalten haben, in Prozent 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Dez 20 Jan 21 Feb 21 Mrz 21 Apr 21 Mai 21 Jun 21 Jul 21 Aug 21 Sep 21 Okt 21 ohne Migrationserfahrung mit Migrationserfahrung Anmerkung: Berücksichtigt werden nur von den Teilnehmenden im Fragebogen angegebene Impfungen, die bis einschließlich Oktober 2021 stattfanden. Beobachtungen = 8.779. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF Somit lässt sich festhalten, dass die Personen mit Migrationserfahrung ihre Erstund ihre Zweitimpfung etwas später erhalten haben als die Personen ohne Migrationserfahrung. Worauf dieser Unterschied zurückzuführen ist, lässt sich an dieser Stelle nicht klären. Es bietet sich jedoch an, dieser Frage an anderer Stelle nachzugehen. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass von den Geimpften mit Migrationserfahrung ein etwas höherer Anteil als bei den Personen ohne Migrationserfahrung, die Impfung zum Ende des Beobachtungszeitraums erhalten hat. Da, wie bereits geschrieben, noch bis Februar 2022 nennenswerte Zuwächse bei den Erstund Zweitimpfungen stattfanden, besteht die Möglichkeit, dass die hier gezeigten Unterschiede bei den Impfquoten sich bis Ende Februar 2022 weiter verkleinert haben, wenn Personen mit Migrationserfahrung ihre Erstund Zweitimpfung häufiger IAB-Forschungsbericht 4|2023 22 noch nachgeholt haben als in Deutschland geborene Ungeimpfte. Mit den vorliegenden Daten lässt sich diese Vermutung aber leider nicht prüfen. 4.3 Differenzierte Analysen zur ersten Impfung Da sich die Personen ohne und die Personen mit Migrationserfahrung hinsichtlich soziodemografischer Merkmale, die mit dem Zugang zum Impfen und der Impfbereitschaft korrelieren, wie Alter und Bildung (RKI/DIW 2022) sowie auch Wohnort (s. o.), unterscheiden, ist ein einfacher Vergleich dieser beiden Gruppen nur eingeschränkt aussagekräftig. Daher werden im Folgenden multivariate Analysen durchgeführt, bei denen die soziodemografischen Unterschiede berücksichtigt werden können. Neben der Gruppenzugehörigkeit werden folgende Aspekte mit in die Analysen aufgenommen: Geschlecht, Alter (in Jahren, klassiert), Bildung (nach ISCED-2011-Klassifizierung), klassiertes monatliches Haushaltsnettoeinkommen (in Euro), Bundesland, Gemeindegröße (kreisfreie Großstadt, städtischer Kreis, ländlicher Kreis, dünn besiedelter ländlicher Kreis), Infektionszeitraum (2020; Januar 2021 bis einschl. Juni 2021; Juli 2021 bis einschl. Oktober 2021; keine Infektion durchgemacht) und inwieweit es zutrifft, dass sich die Personen gut über die Impfungen gegen das Corona-Virus informiert fühlen (1 „trifft gar nicht zu bis 5 „trifft voll und ganz zu“). Die Verteilung der Variablen kann im Anhang Tabelle A1 entnommen werden. IAB-Forschungsbericht 4|2023 23 Abbildung 9: Hintergründe zum Erhalt der ersten Impfung Durchschnittliche marginale Effekte der Migrationserfahrung auf die Wahrscheinlichkeit einer Erstimpfung Migrationserfahrung (1= ja) -10 -9 -8 -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 Mod. 1: ohne Kontrollen Mod. 2: + Sozio-Demografie Mod. 3: + Bundesland u. Gemeindegröße Mod. 4: + Infektionszeitraum Mod. 5: + Informiertheit Die durchschnittlichen marginalen Effekte der Migrationserfahrung wurden im Anschluss an logistische Regressionen berechnet. Abhängige Variable in allen Modellen bildet das Vorliegen einer ersten Impfung gegen SARS-CoV-2 bis einschließlich Oktober 2021. Modell 1: keine weiteren Kontrollvariablen. Modell 2: Kontrolle für Geschlecht, Alter (in Jahren), Bildung und Haushaltsnettoeinkommen. Modell 3: zusätzliche Kontrolle für Bundesland, und Gemeindegröße. Modell 4: zusätzliche Kontrolle für Zeitraum, in dem eine Infektion vorlag. Modell 5: zusätzliche Kontrolle für die Informiertheit zur Corona-Impfung. In allen Modellen wurden die Daten gewichtet und enthalten Dummies, die für fehlende Werte korrigieren. Standardfehler werden auf Haushaltsebene geclustert. 95 %-Konfidenzintervalle ausgewiesen. Die vollständigen Ergebnisse sind im Anhang A.3 zu finden. Beobachtungen = 10.207. Lesebeispiel, Modell 1: Die Wahrscheinlichkeit einer Erstimpfung gegen SARS-CoV-2 ist für Personen mit Migrationserfahrung um 6,2 Prozentpunkte geringer als für Personen ohne Migrationserfahrung. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie. © IAB/BAMF Werden in einem ersten Schritt keine weiteren Aspekte außer der Gruppenzugehörigkeit berücksichtigt, zeigt sich zwischen den Personen mit und den Personen ohne Migrationserfahrung der schon in Abbildung 6 gezeigte Unterschied (Abbildung 9, Modell 1). Sobald die sozio-demografischen Merkmale Alter, Geschlecht, Haushaltseinkommen und Bildung berücksichtigt werden (Modell 2), verringert sich der Unterschied von 6,2 auf 5,1 Prozentpunkte (p = 0,000), insbesondere, weil der Anteil der Älteren (60 Jahre und älter), denen eine Impfung früher als den anderen Altersgruppen und auch besonders eindringlich empfohlen wurde, bei den Personen ohne Migrationserfahrung größer ist als bei den im Ausland Geborenen. Werden das Bundesland und die Gemeindegröße berücksichtigt, nimmt der Unterschied dagegen wieder auf 6,2 Prozentpunkte (p = 0,000) zu (Modell 3). Dies war zu erwarten, da die im Ausland geborenen Personen seltener in Bundesländern mit vergleichsweise geringer Impfquote (insbesondere Brandenburg und Sachsen) und seltener im ländlichen Raum wohnen als in Deutschland geborene Personen. Wird der Zeitraum aufgenommen, in dem eine COVID-19Erkrankung durchgemacht wurde (Modell 4), verringert sich der Unterschied wie erwartet wieder, bleibt aber bei rund sechs Prozentpunkten (5,8 Prozentpunkte; p = 0,000) statistisch signifikant. IAB-Forschungsbericht 4|2023 24 Wird schließlich das Ausmaß der gefühlten Informiertheit über die Impfungen berücksichtigt, nimmt der Unterschied nochmals etwas auf nun 5,4 Prozentpunkte (p = 0,000) ab, bleibt aber weiterhin statistisch signifikant. Somit lässt sich an dieser Stelle nicht abschließend klären, warum die zugewanderten Personen Ende Oktober 2021 etwas seltener geimpft waren als die in Deutschland Geborenen. Wie bereits andiskutiert, besteht aber die Möglichkeit, dass sich die Anteile der Geimpften bis Ende 2021 und darüber hinaus weiter angeglichen haben. Einen Hinweis in diese Richtung liefern auch die Angaben zur Impfbereitschaft derjenigen, die im Erhebungszeitraum noch keine Erstimpfung erhalten hatten. Bei den im Ausland geborenen Ungeimpften war der Anteil derjenigen, die angaben, sich noch impfen lassen zu wollen (eher bis auf jeden Fall), fast doppelt so hoch wie bei den in Deutschland geborenen Ungeimpften (24,0 % gegenüber 12,7 % - Abbildung 10). Auch war der Anteil derjenigen, die eine Impfung nicht anstrebten (eher nicht bis auf keinen Fall) deutlich kleiner (50,2 % gegenüber 61,9 %). Abbildung 10: Impfbereitschaft der zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht geimpften Personen nach Anteile der Personen mit jeweiliger Impfeinstellung, in Prozent 12,7 24,0 25,4 25,8 61,9 50,2 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Ohne Migrationserfahrung Mit Migrationserfahrung impfbereit unentschlossen nicht impfbereit Anmerkung: Berücksichtigt werden nur Angaben von Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht geimpft waren. Beobachtungen = 592. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF Hierbei ist jedoch zu beachten, dass im Datensatz die Zahl der im Ausland geborenen Ungeimpften mit nur 99 sehr klein ist. Entsprechend sind die Ergebnisse mit einer hohen Unsicherheit behaftet, wodurch die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen statistisch auch nicht abgesichert werden können. 4.4 Differenzierte Analysen zur zweiten Impfung Der Unterschied zwischen in Deutschland und im Ausland geborenen Personen war bei der zweiten Impfung kleiner als bei der ersten (Abbildung 6). Dieser anfängliche Unterschied, bei dem neben den Gruppenzugehörigkeiten noch keine weiteren Aspekte berücksichtigt werden, Migrationserfahrung IAB-Forschungsbericht 4|2023 31 COVID-19-Impfempfehlung der STIKO für Personen mit durchgemachter SARS-CoV-2Infektion und bisher unvollständiger Immunisierung. In: Epid Bull 2022 (21), S. 44-51. 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IAB-Forschungsbericht 4|2023 33 Anhang Tabelle A1: Deskriptive Statistik – Verteilungen nach Migrationserfahrung Ohne Migrationserfahrung Mit Migrationserfahrung t-Test VARIABLE N (ungewichtet) % (gewichtet) N (ungewichtet) % (gewichtet) Gesamt 9.169 84,3 1.056 15,7 - Mind. 2 Antigenkontakte 9.088 89,5 1.019 81,8 *** Drei Antigenkontakte 9.088 5,9 1.019 6,8 Infektion durchgestanden 87 4,1 431 8,1 *** Erste Impfung erhalten 9.158 93,5 1.049 87,3 *** Impfstoff erste Impfung BionTech/Pfizer – Comirnaty 5.438 64,0 649 68,0 Moderna – Spikevax 796 10,0 76 7,0 * AstraZeneca (Vaxzevria) 1.979 21,0 137 18,4 Johnson & Johnson (Janssen) 365 5,0 63 6,7 Anderer Impfstoff 3 0,1 0 0,0 Zweite Impfung erhalten (wenn Erstimpfung) 8.572 93,4 909 90,2 *** Männlich 4.176 48,7 509 49,6 Alter Unter 30 Jahre 1.179 17,5 91 7,5 *** 30 bis 49 Jahre 2.486 27,6 508 46,9 *** 50 bis 69 Jahre 3.927 35,4 347 32,3 ** 70 Jahre und älter 1.577 19,6 110 13,7 *** Bundesland Westdeutschland 6.823 79,1 921 87,0 *** Ostdeutschland 1.904 16,0 74 6,3 *** Berlin 442 4,8 61 6,7 *** Gemeindegröße Kreisfreie Großstädte 2.638 31,3 383 37,2 Städtische Kreise 3.297 37,6 440 38,6 Ländliche Kreise 1.660 17,3 131 13,5 Dünn besiedelte ländl. Kreise 1.492 13,8 96 10,6 Bildung (ISCED-2011) ISCED-Level 0-2 743 9,5 176 14,5 *** ISCED-Level 3-5 4.904 60,1 440 47,5 *** ISCED-Level 6-8 3.173 30,5 398 38,0 *** Monatl. Haushaltsnettoeinkommen 0 bis 1000 EUR 253 5,5 66 6,8 ** 1001 bis 2500 EUR 1.935 30,1 309 30,3 2501 bis 4000 EUR 2.522 30,3 318 35,9 *** 4001 bis 5500 EUR 1.863 18,9 170 16,4 ** 5501 bis 7000 EUR 1.010 8,8 85 6,5 *** über 7000 EUR 957 6,4 50 4,0 *** Erwerbstätig 5.638 62,2 646 65,5 ** Arbeit im Homeoffice 2.686 46,6 227 34,0 *** Anzahl Personen im Haushalt 1 Person 1.469 28,8 138 18,9 *** 2 Personen 3.840 34,9 345 33,3 3 Personen 1.373 15,8 176 20,0 *** IAB-Forschungsbericht 4|2023 34 Ohne Migrationserfahrung Mit Migrationserfahrung t-Test VARIABLE N (ungewichtet) % (gewichtet) N (ungewichtet) % (gewichtet) 4 Personen 1.554 14,8 216 19,3 *** 5 oder mehr Personen 933 5,8 181 8,6 *** Alter des jüngsten Kindes keine Kinder im Haushalt 6.416 78,3 554 60,7 *** 0 bis 3 Jahre 354 4,4 85 9,1 *** 4 bis 12 Jahre 1.029 9,8 247 19,0 *** 13 bis 16 Jahre 1.054 7,6 146 11,2 *** Wohnfläche, qm pro Person bis 15qm 62 0,9 51 2,3 *** 15 bis 25qm 790 8,6 266 21,5 *** 25 bis 35qm 1.879 19,6 239 28,0 *** 35 bis 45qm 1.791 19,3 165 15,4 *** 45 bis 60qm 1.981 22,8 155 13,5 *** 60 bis 80qm 1.454 16,3 104 13,3 *** über 80qm 1.078 12,6 60 6,2 *** Sprachkenntnisse deutsch gar nicht + 0,1 + 0,0 eher schlecht + 0,0 + 4,4 *** es geht + 0,6 173 15,3 *** gut 827 11,0 340 34,1 *** sehr gut 7.799 88,4 443 46,2 *** Informiertheit zum Coronavirus 1= sehr gut 3.018 31,2 303 29,3 2 3.702 40,5 376 36,1 *** 3 1.756 20,4 254 26,9 *** 4 483 5,9 71 5,7 5= sehr schlecht 162 2,0 + 2,0 Sprache Information Coronavirus Deutsch/Englisch 8.783 99,7 608 81,9 *** Andere Sprache + 0,0 138 17,7 *** Ich informiere mich nicht + 0,3 + 0,4 Informiertheit zur Corona-Impfung 1 = sehr schlecht 179 2,2 + 2,1 2 456 5,5 64 5,9 3 1.679 19,7 217 23,2 4 3.547 39,6 376 34,9 5 = sehr gut 3.230 33,0 345 33,9 Anmerkungen: *** p<0.01, ** p<0.05, * p<0.1. +Werte unter 50 nicht ausgewiesen. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF IAB-Forschungsbericht 4|2023 35 Tabelle A2: Sozio-ökonomische Hintergründe zum Infektionsgeschehen Marginale Effekte für die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, Ergebnisse einer logistischen Regression (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Migrationserfahrung (1=ja) 0,040*** (0,015) 0,039** (0,016) 0,034** (0,015) 0,019 (0,014) 0,006 (0,011) Männlich 0,007 (0,005) 0,006 (0,006) 0,004 (0,006) 0,001 (0,005) Alter (Ref: unter 30 Jahre) 30 bis 49 Jahre -0,001 (0,010) 0,003 (0,012) 0,003 (0,012) -0,008 (0,012) 50 bis 69 Jahre -0,020* (0,010) -0,010 (0,011) -0,011 (0,010) -0,002 (0,010) 70 Jahre und älter -0,037*** (0,013) -0,022** (0,011) -0,019 (0,011) 0,001 (0,013) Bundesland (Ref: Osten) Westen -0,026*** (0,008) -0,025** (0,010) -0,023** (0,010) 0,007 (0,010) Berlin 0,002 (0,014) 0,008 (0,020) 0,017 (0,021) 0,022 (0,023) Anzahl Personen im Haushalt 0,008** (0,004) 0,008* (0,005) 0,005 (0,004) Alter jüngstes Kind (Ref: keine Kinder) 0 bis 3 Jahre -0,018 (0,014) -0,016 (0,015) -0,014 (0,014) 4 bis 12 Jahre -0,012 (0,013) -0,015 (0,012) -0,018* (0,011) 13 bis 16 Jahre -0,002 (0,015) -0,003 (0,015) -0,011 (0,012) Wohnfläche, qm pro Person -0,005 (0,003) -0,004 (0,003) -0,001 (0,003) Bildung nach ISCED-2011 (Ref: Level 3) ISCED-Level 0 0,008 (0,038) 0,060* (0,032) ISCED-Level 1 0,021 (0,022) -0,001 (0,015) ISCED-Level 2 -0,007 (0,012) -0,010 (0,012) ISCED-Level 4 0,004 (0,012) 0,001 (0,009) ISCED-Level 5 0,002 (0,014) -0,005 (0,010) ISCED-Level 6 0,019* (0,011) 0,011 (0,008) ISCED-Level 7 -0,002 (0,012) 0,008 (0,011) ISCED-Level 8 -0,027* (0,016) 0,006 (0,025) Erwerbstätig (1=ja) -0,056 (0,078) -0,012 (0,037) Monatl. Haushaltsnettoeinkommen (Ref: 2501 bis 4000 EUR) 0 bis 1000 EUR -0,014 (0,016) -0,014 (0,013) 1001 bis 2500 EUR -0,003 (0,011) -0,008 (0,008) 4001 bis 5500 EUR -0,006 (0,010) 0,007 (0,010) IAB-Forschungsbericht 4|2023 36 (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 5501 bis 7000 EUR -0,006 (0,012) 0,000 (0,011) über 7000 EUR 0,006 (0,017) 0,009 (0,014) Arbeit im Homeoffice (1=ja) -0,021** (0,009) -0,006 (0,007) Sprachkenntnisse deutsch (Skala 1 „überhaupt nicht“-5 „sehr gut“) -0,011 (0,007) -0,008 (0,006) Informiertheit zum Coronavirus (Skala 1 „sehr gut“ -5 „sehr schlecht“) -0,006** (0,003) Sprache der Informationen zum Coronavirus (Ref: Deutsch/ Englisch) Muttersprache/Andere Sprache 0,010 (0,017) Ich informiere mich nicht -0,117*** (0,003) Impfung vor Infektion (1=ja) -0,416*** (0,028) Beobachtungen 10.225 10.225 10.225 10.225 10.225 Anmerkungen: Die durchschnittlichen marginalen Effekte der Migrationserfahrung wurden im Anschluss an eine logistische Regression berechnet. Abhängige Variable in allen Modellen bildet das Vorliegen einer Infektion bis einschließlich Oktober 2021. In allen Modellen wird durch Dummies für fehlende Werte der Variablen kontrolliert. Die Modelle sind gewichtet und Standardfehler werden auf Haushaltsebene geclustert. Standardfehler in Klammern. *** p<0.01, ** p<0.05, * p<0.1. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF IAB-Forschungsbericht 4|2023 37 Tabelle A3: Sozio-ökonomische Hintergründe zur ersten Impfung Marginale Effekte für die Wahrscheinlichkeit einer ersten Impfung, Ergebnisse einer logistischen Regression (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Migrationserfahrung (1=ja) -0,062*** (0,017) -0,051*** (0,015) -0,062*** (0,016) -0,058*** (0,015) -0,054*** (0,015) Männlich -0,001 (0,007) -0,001 (0,007) -0,000 (0,007) -0,000 (0,007) Alter (Ref: 46 - 59 Jahre) 18 bis 45 Jahre -0,048*** (0,011) -0,048*** (0,012) -0,047*** (0,012) -0,033*** (0,011) 60 Jahre und älter 0,037*** (0,009) 0,039*** (0,009) 0,038*** (0,009) 0,033*** (0,009) Bildung nach ISCED-2011 (Ref: Level 0-2) ISCED-Level 3-5 0,025 (0,016) 0,031* (0,016) 0,030* (0,016) 0,021 (0,015) ISCED-Level 6-8 0,053*** (0,017) 0,056*** (0,018) 0,055*** (0,017) 0,036** (0,017) Monatl. Haushaltsnettoeinkommen (Ref: 0 bis 2300 EUR) 2301 bis 3500 EUR 0,014 (0,014) 0,013 (0,013) 0,014 (0,013) 0,014 (0,012) 3501 bis 4500 EUR 0,019 (0,015) 0,020 (0,015) 0.022 (0,015) 0,017 (0,014) 4501 bis 6500 EUR 0,060*** (0,012) 0,056*** (0,012) 0,057*** (0,012) 0,051*** (0,011) über 6500 EUR 0,058*** (0,020) 0,056*** (0,020) 0,057*** (0,020) 0,044** (0,021) Bundesland (Ref.: Schleswig-Holstein) Hamburg -0,045 (0,041) -0,046 (0,042) -0,039 (0,037) Niedersachsen 0,006 (0,021) 0,007 (0,021) 0,010 (0,022) Bremen -0,072 (0,069) -0,075 (0,070) -0,029 (0,059) Nordrhein-Westfalen 0,009 (0,019) 0,011 (0,019) 0,016 (0,020) Hessen 0,014 (0,021) 0,016 (0,024) 0,021 (0,022) Rheinland-Pfalz -0,009 (0,026) -0,008 (0,027) 0,003 (0,025) Baden-Württemberg -0,023 (0,023) -0,022 (0,024) -0,016 (0,024) Bayern -0,017 (0,020) -0,017 (0,021) -0,009 (0,021) Saarland -0,031 (0,043) -0,030 (0,045) -0,015 (0,039) Berlin -0,039 (0,033) -0,036 (0,033) -0,031 (0,033) Brandenburg -0,109*** (0,034) -0,105*** (0,034) -0,083*** (0,032) Mecklenburg-Vorpommern -0,038 (0,038) -0,037 (0,038) -0,025 (0,038) Sachsen -0,127*** (0,031) -0,119*** (0,032) -0,099*** (0,030) Sachsen-Anhalt -0,042 (0,033) -0,042 (0,033) -0,024 (0,030) IAB-Forschungsbericht 4|2023 38 (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Thüringen -0,053* (0,029) -0,055* (0,030) -0,043 (0,028) Gemeindegröße (Ref.: Kreisfreie Großstädte) städtische Kreise -0,022* (0,013) -0,020 (0,013) -0,016 (0,013) ländliche Kreise -0,010 (0,012) -0,006 (0,013) -0,000 (0,012) dünn besiedelte ländliche Kreise -0,045*** (0,016) -0,043*** (0,016) -0,037** (0,016) Infektionszeitpunkt (Ref: nicht infiziert) in 2020 -0,051* (0,031) -0,044* (0,026) Januar bis Juni 2021 -0,059* (0,032) -0,063** (0,031) Juli bis Oktober 2021 -0,122** (0,061) -0,114* (0,061) Informiertheit zur Corona-Impfung (1 = „sehr schlecht“ – 5 =“sehr gut“) 0,038*** (0,004) Beobachtungen 10.207 10.207 10.207 10.207 10.207 Anmerkungen: Die durchschnittlichen marginalen Effekte der Migrationserfahrung wurden im Anschluss an eine logistische Regression berechnet. Abhängige Variable in allen Modellen bildet das Vorliegen einer ersten Impfung gegen SARS-CoV-2 bis einschließlich Oktober 2021. In allen Modellen wird durch Dummies für fehlende Werte der Variablen kontrolliert. Die Modelle sind gewichtet und Standardfehler werden auf Haushaltsebene geclustert. Standardfehler in Klammern. *** p<0.01, ** p<0.05, * p<0.1. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF IAB-Forschungsbericht 4|2023 39 Tabelle A4: Sozio-ökonomische Hintergründe zur zweiten Impfung Marginale Effekte für die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, Ergebnisse einer logistischen Regression (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Migrationserfahrung (1=ja) -0,032** (0,016) -0,027* (0,015) -0,019 (0,013) -0,014 (0,010) 0,005 (0,009) Männlich -0,032*** (0,008) -0,020*** (0,007) -0,005 (0,005) -0,006 (0,005) Alter (Ref: 46 - 59 Jahre) 18 bis 45 Jahre -0,020* (0,012) -0,012 (0,010) -0,005 (0,007) 0,003 (0,007) 60 Jahre und älter 0,054*** (0,010) 0,029*** (0,008) 0,009 (0,007) 0,000 (0,008) Bildung nach ISCED-2011 (Ref: Level 0-2) ISCED-Level 3-5 0,028* (0,017) 0,024* (0,014) 0,027*** (0,010) 0.018** (0,009) ISCED-Level 6-8 0,034* (0,017) 0,028* (0,015) 0,031*** (0,012) 0,019 (0,011) Monatl. Haushaltsnettoeinkommen (Ref: 0 bis 2300 EUR) 2301 bis 3500 EUR 0,018 (0,014) 0,013 (0,011) -0,005 (0,009) -0,011 (0,009) 3501 bis 4500 EUR 0,017 (0,014) 0,016 (0,012) 0.001 (0,008) -0,007 (0,007) 4501 bis 6500 EUR 0,021 (0,014) 0,015 (0,013) -0,001 (0,010) 0,011 (0,009) über 6500 EUR 0,039** (0,016) 0,025* (0,014) 0,002 (0,013) 0.012 (0,015) Bundesland (Ref.: Schleswig-Holstein) Hamburg -0,027 (0,031) -0,015 (0,020) -0,017 (0,016) Niedersachsen 0,013 (0,015) 0,002 (0,011) -0,006 (0,008) Bremen -0,134 (0,097) -0,030 (0,029 -0,048 (0,041) Nordrhein-Westfalen 0,022 (0,015) -0,011 (0,012) -0,022** (0,009) Hessen -0,030* (0,017) -0,019 (0,015) -0,029** (0,013) Rheinland-Pfalz -0,024 (0,026) -0,020 (0,018) -0,030* (0,016) Baden-Württemberg -0,009 (0,014) -0,004 (0,011) -0,019* (0,010) Bayern -0,003 (0,012) -0,005 (0,010) -0,015** (0,008) Saarland -0,055 (0,045) -0,007 (0,020) -0,030 (0,022) Berlin -0,035 (0,025) -0,027 (0,025) -0,042* (0,023) Brandenburg -0,030 (0,023) -0,013 (0,018) -0,022 (0,016) Mecklenburg-Vorpommern 0,010 (0,014) 0,014 (0,012) 0,010 (0,097) Sachsen -0,045** (0,022) -0,058*** (0,021) -0,062*** (0,021) Sachsen-Anhalt -0,018 (0,020) -0,006 (0,014) -0,011 (0,011) IAB-Forschungsbericht 4|2023 40 (1) (2) (3) (4) (5) VARIABLEN Modell 1 Modell 2 Modell 3 Modell 4 Modell 5 Thüringen -0,002 (0,017) 0,001 (0,014) -0,000 (0,013) Gemeindegröße (Ref.: Kreisfreie Großstädte) städtische Kreise -0,011 (0,010) -0,003 (0,008) 0,000 (0,008) ländliche Kreise -0,024* (0,014) -0,017 (0,010) -0,018* (0,010) dünn besiedelte ländliche Kreise -0,007* (0,012) -0,007 (0,010) -0,008 (0,010) Impfstoff erste Impfung (Ref.: BionTech/Pfizer – Comirnaty) Moderna (Spikevax) 0,001 (0,007) -0,002 (0,007) AstraZeneca (Vaxzevria) 0,015*** (0,004) 0,007 (0,006) Johnson & Johnson (Janssen) -0,457*** (0,039) -0,454*** (0,038) Anderer Impfstoff -0,633* (0,324) -0,312 (0,206) Zeitraum erste Impfung (Ref: bis Juni 2021) ab Juli 2021 -0,096*** (0,015) Beobachtungen 9.481 9.481 9.481 9.481 9.481 Anmerkungen: Die durchschnittlichen marginalen Effekte der Migrationserfahrung wurden im Anschluss an eine logistische Regression berechnet. Abhängige Variable in allen Modellen bildet das Vorliegen einer zweiten Impfung gegen SARS-CoV-2 bis einschließlich Oktober 2021. In allen Modellen wird durch Dummies für fehlende Werte der Variablen kontrolliert. Die Modelle sind gewichtet und Standardfehler werden auf Haushaltsebene geclustert. Standardfehler in Klammern. *** p<0.01, ** p<0.05, * p<0.1. Quelle: Eigene Auswertungen basierend auf Daten der RKI-SOEP-2 Studie, gewichtet. © IAB/BAMF