Zum Zusammenhang von Stadion- und Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der Fußball-Weltmeisterschaft 2006
Abstract
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Full text
Maennig, Wolfgang; Büttner, Nicolas Book Part Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der FußballWeltmeisterschaft 2006 Provided in Cooperation with: Hamburg Institute of International Economics (HWWI) Suggested Citation: Maennig, Wolfgang; Büttner, Nicolas (2009) : Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, In: Büch, Martin-Peter Maennig, Wolfgang Schulke, Hans-Jürgen (Ed.): Sportfinanzierung - Spannungen zwischen Markt und Staat, ISBN 979-3-937816-53-1, Hamburg University Press, Hamburg, pp. 51-85, https://doi.org/10.15460/hup.214.1582 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/61498 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/de/
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner aus: Sportfinanzierung – Spannungen zwischen Markt und Staat Herausgegeben von Martin-Peter Büch, Wolfgang Maennig und Hans-Jürgen Schulke S. 51–85
Impressum BibliografischeInformationderDeutschenNationalbibliothek DieDeutscheNationalbibliothekverzeichnetdiesePublikationinderDeutschen Nationalbibliografie;detailliertebibliografischeDatensindimInternetüber http://dnb.d‐nb.deabrufbar. DieOnline‐VersiondieserPublikationistaufdenVerlagswebseitenfreiverfügbar (openaccess).DieDeutscheNationalbibliothekhatdieNetzpublikationarchiviert. DieseistdauerhaftaufdemArchivserverderDeutschenNationalbibliothek verfügbar. OpenaccessüberdiefolgendenWebseiten: HamburgUniversityPress–http://hup.sub.uni‐hamburg.de ArchivserverderDeutschenNationalbibliothek–http://deposit.d‐nb.de ReferenzierbareURLderGesamtausgabe: http://hup.sub.uni‐hamburg.de/purl/HamburgUP_HWWI02_Sportfinanzierung ISBN978‐3‐937816‐53‐1(Printversion) ISSN1865‐7974(Printversion) ©2009HamburgUniversityPress,VerlagderStaats‐undUniversitätsbibliothek HamburgCarlvonOssietzky,Deutschland Produktion:Elbe‐WerkstättenGmbH,Hamburg,Deutschland http://www.ew‐gmbh.de
Inhalt Abbildungen 7 Tabellen 7 Finanzierung von Sport – im Spannungsfeld von Markt und Staat 9 Martin-Peter Büch, Wolfgang Maennig und Hans-Jürgen Schulke Zuwendungen der Kommunen bei Sportgroßveranstaltungen – zwischen Subsidiarität und Subvention 15 Hans-Jürgen Schulke Die Großveranstaltungen des Deutschen Turner-Bundes – Steuertatbestand oder Gemeinnützigkeit 25 Rainer Brechtken Gebührenerlass – verdeckte Subvention oder Selbstverständlichkeit? 35 Horst Milde Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 51 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Public funding of the sport sector – scope and limits? 87 Jan Gerrit Westerhof Die steuerliche Förderung des Sports aus politischer Sicht 99 Gernot Mittler Winning at all cost? Sport tourism financing by United States state and local governments 109 Douglas Michele Turco
Finanzierung internationaler Sportveranstaltungen 121 Göttrik Wewer Abkürzungsverzeichnis 133 (Staats-)Finanzierung im Sport im Spannungsfeld zwischen Steuersystem und Markt 135 Referenten und Referate des 6. Hamburger Workshops „Sport und Ökonomie“ am 28./29. Juli 2006
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen: Der Fall der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Einführung und Problemstellung Die Investitionen für Stadienneu-, -umund -ausbauten anlässlich der FußballWeltmeisterschaft (Fußball-WM) 2006 in Deutschland beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro (vergleiche Tabelle 1), wobei ein erheblicher Teil privat finanziert wurde. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die öffentlichen Hände anlässlich der Fußball-WM 2006 finanziell ohne Lasten blieben. Neben den Kosten beispielsweise für die Sicherheit waren erhebliche Infrastrukturinvestitionen im Zusammenhang mit den Stadionbauten erforderlich.1 Das Bundesministerium des Innern (BMI) stellt dazu in seinem dritten Fortschrittsbericht zur Vorbereitung auf die Fußball-WM 2006 fest:2 „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist einem internationalen Großereignis wie der WM 2006 grundsätzlich gewachsen. [....] Allein in Ausbauund Erweiterungsmaßnahmen für das Bundesfernstraßennetz wurden etwa 3,4 Milliarden Euro investiert, die der Verkehrsabwicklung während der Weltmeisterschaft im Jahre 2006 zugutekommen. Zusätzlich dazu werden weitere Ausbauund Erweiterungsmaßnahmen bis 2006 fertiggestellt.“ 1 Vgl. Martin Lutz (2006). 2 Vgl. BMI (2004, S. 3).
52 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Tabelle 1: Neuund Umbaukosten sowie Kapazitäten der WM-Stadien
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 53 Aufgabe dieser Untersuchung ist die Prüfung, ob zwischen der Art beziehungsweise Höhe der Stadioninvestitionen einerseits und der Höhe der Investitionen in die jeweilige Infrastruktur andererseits systematische Zusammenhänge bestehen.3 Insbesondere wird überprüft, ob sich die relativen Infrastrukturkosten im Fall von „Stadienneubauten“ systematisch von denen im Fall von „Stadienumoder -ausbauten“ unterscheiden. Sollte eine Trennung dieser beiden Gruppen möglich sein, könnten daraus unter Umständen Erfahrungswerte für zukünftige Sportgroßveranstaltungen abgeleitet werden, mit denen – ausgehend von den notwendigen Investitionen in Sportstätten – vereinfachte Prognosen über das zu erwartende Volumen der benötigten Infrastrukturmaßnahmen möglich wären. Im nachfolgenden Abschnitt erfolgt eine zusammenfassende Beschreibung der deutschen Infrastrukturund Stadioninvestitionen zur Fußball-WM 2006. In Abschnitt drei wird mittels einer Clusterund einer Diskriminanzanalyse versucht, die Infrastrukturinvestitionen in Bezug auf die Stadioninvestitionen zu systematisieren. Der letzte Abschnitt schließt kritisch ab. Infrastrukturund Stadionkosten für die Fußball-WM 2006 Tabelle A1 im Anhang stellt sämtliche bundesdeutschen Infrastrukturmaßnahmen anlässlich der Fußball-WM 2006 in zehn der zwölf Austragungsorte dar. Grundlage der Zusammenstellung ist die Liste des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) „WM-Verkehrsprojekte des Bundes, der Länder, der Austragungsorte und der DB AG“.4 Tabelle A1 modifiziert diese Liste, indem WM-unabhängige (beziehungsweise nicht-WM-bedingte) und WM-bedingte Projekte unterschieden werden. Diese Unterscheidung basiert auf dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP) von 2003 und dessen entsprechenden Landes-Anhängen. Der BVWP 2003 gliedert den „Vordringlichen Bedarf“ in „laufende und fest disponierte Vorhaben“ sowie in „neue Vorhaben“. Im Bereich „laufende und fest disponierte Vorhaben“ sind Projekte gelistet, die bereits im BVWP 1991 eingeplant waren und sich derzeit in der Umsetzung befinden beziehungsweise deren Umsetzung kurz bevorsteht. Die entsprechenden Projekte sind, da die Durchführungsund Finanzierungsentscheidung bereits vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 im Jahr 2000 an 3 In der vorliegenden Arbeit werden Daten für zehn der zwölf WM-Austragungsorte aufgearbeitet. Für die Austragungsorte Dortmund und Frankfurt standen keine entsprechenden Quellen zur Verfügung. 4 BMVBS (2005 a).
54 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Deutschland erging, nicht-WM-bedingt. Eine darüber hinausgehende Zuordnung von Maßnahmen aus dem Bereich „neue Vorhaben“ (also Maßnahmen, die zwischen 1991 und 2003 neu in den „Vordringlichen Bedarf“ des BVWP aufgenommen wurden) zu den nicht-WM-bedingten Maßnahmen erfolgte ferner, wenn sie durch den jeweiligen Ansprechpartner des entsprechenden Austragungsortes begründeter Weise als nicht-WM-bedingtes Projekt klassifiziert werden konnten.5 Die Gesamtinvestitionssumme für die Infrastruktur in den zehn untersuchten Städten beläuft sich auf gut 7 Milliarden Euro und macht damit fast das Doppelte der Angaben vom BMVBS aus, welches auf 3,7 Milliarden Euro kommt.6 Hintergrund der Abweichungen sind beispielsweise die vierte Elbtunnelröhre in Hamburg (874,3 Millionen Euro), der Lehrter Bahnhof (700 Millionen Euro) sowie der neue Nord-Süd-Tunnel in Berlin (500 Millionen Euro), welche in BMVBS (2005 b) nicht mitberücksichtigt sein dürften. Zwischen den Infrastrukturkosten der einzelnen Austragungsorte ergibt sich eine große Spannweite, die von circa 62 Millionen Euro in Nürnberg bis zu fast 3 Milliarden Euro in Berlin reicht (vergleiche Tabelle A1).7 Das Beispiel Berlins verdeutlicht jedoch auch die Notwendigkeit, in WM-bedingte und nicht-WM-bedingte Investitionen zu unterscheiden, besonders deutlich. So sind in den Berliner Gesamtinvestitionen Infrastrukturprojekte wie der neue Hauptbahnhof und der Nord-Süd-Tunnel enthalten, die hauptstadtbedingt, nicht jedoch WM-bedingt sind. Ähnliches gilt für Hamburg im Bezug auf die vierte Elbtunnelröhre und für Köln im Bezug auf zahlreiche WM-unabhängige Autobahnprojekte. Bei Beschränkung auf die WM-bedingten Vorhaben verringert sich die absolute Spannweite auf 22,7 Millionen Euro in Hamburg bis 654,4 Millionen Euro in Berlin, ohne dass die relative Varianz allerdings signifikant abnimmt.8 Zudem machen die Infrastrukturinvestitionen nun mit knapp 1,6 Milliarden Euro nur noch etwa ein Viertel der oben genannten Summe aus. 5 Hierbei kommt es zu kleineren Unschärfen, da unter den „laufenden und fest disponierten Vorhaben“ des BVWP 2003 einige Projekte enthalten sind, deren Realisierung in Folge der WM-Vergabe an Deutschland vorgezogen wurde. Vgl. telefonische Auskunft Herr Joop, Referat S 10 des BMVBS vom 16.1.2006. Die Namen der Ansprechpartner aus den einzelnen Austragungsorten sind unter dem jeweiligen Teil der Tabelle A1 im Anhang genannt. 6 BMVBS (2005 b). Die vom BMVBS benannten 3,7 Milliarden Euro an Investitionsvolumen wurden von der großen Mehrzahl der Medien in Deutschland übernommen und verbreitet. Allerdings ist den Autoren weder die Berechnungsgrundlage noch die Zusammensetzung der benannten 3,7 Milliarden Euro bekannt. 7 Der Varianzkoeffizient der gesamten Infrastrukturkosten beträgt 1,2. 8 Der Varianzkoeffizient der WM-bedingten Infrastrukturkosten beträgt 1,19.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 61 Infrastrukturinvestionen treffen zu können. Dies ist letztlich auch auf die wesentlich höhere Varianz innerhalb der Infrastrukturinvestitionen zurückzuführen, da deren Variationskoeffizient mit 1,19 erheblich über dem der Sportstätteninvestitionen (0,68) lag. Abb. 9: Clusteranalyse (Single-Linkage-Verfahren) Quelle: Eigene Darstellung mit Hilfe des Statistikpakets SPSS. Die Ergebnisse der Clusteranalysen wurden mit einer Zwei-Gruppen-Diskriminanzanalyse überprüft, bei welcher wie zuvor die fünf unabhängigen Variablen Höhe der Sportstätteninvestitionskosten, Höhe der WM-bedingten Infrastrukturinvestitionskosten, Einwohnerzahl der Stadt, Veränderung der Stadienkapazität und Distanz zur Vorgänger-Sportstätte sowie eine Konstante herangezogen wurden. Die Variablen wurden zwecks Verbesserung der Aussagekraft der Diskriminanzkoeffizienten standardisiert. Die Diskriminanzkoeffizienten wurden ferner normiert, weil der Eigenvektor der Diskriminanzkoeffizienten nur bis auf einen willkürlichen Faktor bestimmbar ist. Die Normierung erfolgte derart, dass die gepoolte Varianz der Diskriminanzwerte gleich eins wird:
62 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner (3-1) () 1 2 ! pool d s = Die Werte der standardisierten Diskriminanzkoeffizienten in Tabelle 3 zeigen, dass die Sportstätteninvestitionen den größten Einfluss darauf haben, welchem der beiden Cluster ein WM-Spielort zugeordnet wird. Zur Überprüfung, ob und inwiefern die in Tabelle 2 berichteten Korrelationen zu Verzerrungen der standardisierten Diskriminanzkoeffizienten führen, werden in Tabelle 3 ferner die entsprechenden Strukturkoeffizienten berichtet.17 Sie verdeutlichen, dass der Einfluss der Höhe der Stadioninvestitionskosten auf die Trennkraft der Diskriminanzvariablen tendenziell unterschätzt, die Höhe der Infrastrukturinvestitionskosten und der Einwohnerzahl überschätzt werden. Insgesamt spielen die Höhe der Stadienund die Infrastrukturinvestitionskosten die größte Rolle bei der Trennung der beiden Gruppen. Die Variablen Einwohnerzahl, Veränderung der Kapazität und Entfernung zur Vorgänger-Sportstätte weisen jedoch einen isolierten Einfluss von jeweils mindestens 11 Prozent auf. Tabelle 3: Standardisierte Diskriminanzkoeffizienten und Strukturkoeffizienten Quelle: Eigene Berechnungen. Der Eigenwert des Diskriminanzkriteriums beläuft sich auf 30,00, der kanonische Korrelationskoeffizient auf 0,984, die Testgröße Wilks’ Lambda auf 0,032, 17 Strukturkoeffizienten können auch als Diskriminanzladungen auf die Diskriminanzvariable bezeichnet werden (Wolf-Dieter Erb (1990, S. 46)).
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 63 was eine angemessene Güte der Diskriminanzfunktion indiziert. Auch die ChiQuadrat verteilte Testgröße nach Bartlett liegt mit 18,887 jenseits des kritischen Werts von 11,1 für )95,0;5( 2 χ . Die Nullhypothese, dass die Diskriminanzfunktion ungeeignet zur Trennung der beiden Gruppen ist, ist also mit weniger als 1 Prozent Irrtumswahrscheinlichkeit zu verwerfen. Insgesamt bestätigt die Diskriminanzanalyse die Clusteranalysen nach der Wardund Single-Linkage-Methode, was die Güte der Trennung zwischen der beiden Gruppen (Hannover, Nürnberg, Kaiserslautern, Stuttgart, Köln und Hamburg einerseits sowie Gelsenkirchen, München, Berlin und Leipzig andererseits) betrifft. Die Diskriminanzanalyse verdeutlicht zusätzlich, dass die Trennung vornehmlich auf die Variablen der Höhe der Stadiensowie der Infrastrukturkostenhöhe und nur nachrangig auf die Hilfsvariablen der Einwohnerzahl, der Veränderung der Kapazität sowie der Entfernung zur Vorgänger-Sportstätte zurückzuführen ist. Die angestrebte Trennung der beiden Gruppen in Austragungsorte mit Sportstättenumund -ausbauten einerseits und in Austragungsorte mit Sportstättenneubauten andererseits ist jedoch offensichtlich auch unter Zuhilfenahme von Clusterund Diskriminanzanalyse sowie einiger schlüssiger Hilfsvariablen nicht erreichbar. Zusammenfassung Die Kosten der zwölf Stadien für die Fußball-WM 2006 belaufen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Die Höhe der WM-bedingten Infrastrukturinvestitionen der hier untersuchten zehn WM-Standorte belaufen sich auf rund 1,57 Milliarden Euro. Neben dem Erkenntnisgewinn aus der Sammlung und Systematisierung der Daten war es das Ziel dieser Untersuchung, im Hinblick auf die Planung zukünftiger Sportgroßveranstaltungen mögliche Zusammenhänge zwischen der Art der Sportstätteninvestition und der Höhe der erforderlichen jeweiligen Infrastrukturinvestitionen aufzudecken. Die Ableitung derartiger Regelsätze ist jedoch mit Schwierigkeiten verbunden. Im Fall der Fußball-WM 2006 liegt die Varianz der Infrastrukturinvestitionskosten mit 1,19 deutlich über derjenigen der Sportstätteninvestitionen (0,68). Eine Trennung beziehungsweise Clusterbildung in Stadienneubauten einerseits und Stadienumoder -ausbauten andererseits gelang nicht. Dies mag im Fall der Fußball-WM 2006 an einigen Besonderheiten liegen. So ist in Leipzig der eigentlich zentrale, bereits zuvor genutzte Standort der Sportstätte über die bestehenden Verkehrswege historisch bedingt nur unzureichend erreichbar. In Hannover profitiert ein relativ auf-
64 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner wendiger Quasi-Neubau der Sportstätte, der jedoch offiziell als Umbau firmiert, von einer zeitlich vorangegangenen Großveranstaltung (EXPO 2000). Eine Übertragung der Ergebnisse zu den Infrastrukturkosten der FußballWM 2006 auf andere Großsportveranstaltungen und/oder auf andere Nationen ist aufgrund derartiger Besonderheiten grundsätzlich nicht direkt möglich, zumal viele andere Großveranstaltungen im Gegensatz zu einer FußballWM im Wesentlichen an nur einem Austragungsort stattfinden. Ein Versuch, die Höhe der Infrastrukturkosten zu systematisieren, dürfte sich somit auch für andere Veranstaltungen und in anderen Ländern anbieten. Es verbleibt die Erkenntnis für ökonomische Analysen, dass die Infrastrukturkosten – für die hier gewählten WM-bedingten Investitionen – in der Regel deutlich höher liegen als die reinen Sportstättenkosten. Bei künftigen Planungen für Großsportstätten und Großsportveranstaltungen sollten die Infrastrukturkosten im Vergleich zu den Sportstätteninvestitionen stärker beachtet werden.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 65 Anhang Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte
66 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Quelle: Vgl. BVWP (2003 a, S. 97), Guntram Doelfs (2005, S. 1), Ulrich Stockmann (2005, S. 4), Techdata (2005 a, S. 1), Techdata (2005 b, S. 1), Techdata (2005 c, S. 1), E-Mail-Mitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe, Frau Rubbel, vom 11.8.2005 sowie telefonische Auskunft vom Referat S 10 des BMVBS, Herr Joop, vom 12.8.2005. Nach telefonischer Auskunft von DB Netz & Betrieb, Herr Zimmermann, vom 26.9.2005 sind die zusammengetragenen Kostendaten zu den ÖV-Projekten der DB AG zu niedrig angesetzt. Eigene Kostenschätzungen zu den Projekten konnte die DB AG für Berlin jedoch nicht abgeben.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 67 Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 1) Quelle: Vgl. BVWP (2003 b, S. 123–125). Telefonische Information der Stadt Gelsenkirchen, Herr Konnietzka, vom 30.4.2005.
68 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 2)
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 69 Quelle: Vgl. Mitteilung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) Hamburg, Herr Welschinger, vom 26.7.2005 sowie BMVBS (2005 a, S. 123–125).
70 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 3) Quelle: Vgl. BVWP (2003 c, S. 115–116), Beschlussdrucksache 2655/2003 der Landeshauptstadt Hannover (2003, S. 1–2), Umsteigeanlage Hannover – Linden/Ricklingen (2005, S. 2), die Mitteilung der Abteilung „Koordination und Bürgerservice“ der Stadt Hannover, Herr Sonnenberg, vom 30.4.2005 sowie eine telefonische Auskunft vom 11.8.2005 beziehungsweise 12.8.2005 des Referats S 10 des BMVBS, Herr Joop.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 77 Quelle: Vgl. BVWP (2003 e, S. 138–139), Mitteilung des Baudezernats der Stadt Leipzig über die WM-Verkehrsprojekte im Verantwortungsbereich der Stadt Leipzig vom 24.06.2005 sowie eine telefonische Auskunft vom 11.8.2005 beziehungsweise 12.8.2005 des Referats S 10 des BMVBS, Herr Joop. Da die Stadt Leipzig keine Angaben zu Maßnahmen im Verantwortungsbereich der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) machen konnte, sind bei der oben genannten Aufstellung 13 ÖV-Maßnahmen, die bei BMVBS (2005 a, S. 15) gelistet sind, nicht mitberücksichtigt. Dies führt dazu, dass die Investitionssumme für Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen (inklusive WM-unabhängiger Projekte) für den Spielort Leipzig tendenziell zu niedrig angesetzt ist.
78 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 7) Quelle: Vgl. BVWP (2003 f, S. 87–88), Verkehrspolitik/S-Bahn München (2005) sowie eine Mitteilung des Kreisverwaltungsreferats der LHS München, Herr Dr. Reif, über die WM-Verkehrsprojekte im Verantwortungsbereich der Stadt München vom 24.5.2005.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 79 Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 8)
80 Wolfgang Maennig und Nicolas Büttner Quelle: Vgl. Mitteilung des Wirtschaftsreferates über die WM-Verkehrsprojekte im Verantwortungsbereich der Stadt Nürnberg, Herr Jülich, vom 25.7.2005 und vom 17.1.2006. Die Kosten für die zwei ergänzten Infrastrukturmaßnahmen im ÖV-Bereich, welche beide im Verantwortungsbereich der Nürnberger Verkehrsgesellschaft VAG liegen, wurden vom Wirtschaftsreferat der Stadt Nürnberg zur Verfügung gestellt. Nach den Angaben der Stadt Nürnberg vom 17.1.2006 handelt es sich um WM-bedingte Projekte. Außerdem wurden von der Stadt Nürnberg abweichend zu BMVBS (2005 a, S. 18) 16 statt acht Infrastrukturmaßnahmen im IV-Bereich gelistet. Von den 16 angegebenen IV-Projekten wurden jedoch neun unter Nr. 2 der WM-bedingten und zwei unter Nr. 1 der nicht-WM-bedingten Projekte in Tabelle 2 zusammengefasst, so dass die Gesamtzahl von acht Infrastrukturmaßnahmen im IV-Bereich nach BMVBS (2005 a, S. 18) erhalten bleibt.
Zum Zusammenhang von Stadionund Infrastrukturinvestitionen 81 Tabelle A1: Infrastrukturkosten der einzelnen WM-Austragungsorte (Fortsetzung 9) Quelle: Vgl. BVWP (2003 g, S. 79–80) sowie eine Mitteilung des Wirtschaftsreferates über die WM-Verkehrsprojekte im Verantwortungsbereich der LHS Stuttgart, Frau Delarue, vom 15.7.2005. Für Stuttgart wurden ebenfalls drei zusätzliche Projekte ergänzt (vgl. Nürnberg). Die Kosten für diese drei Infrastrukturmaßnahmen im IV-Bereich, die allesamt im Verantwortungsbereich der LHS Stuttgart liegen, wurden vom Amt für Öffentliche Ordnung der LHS Stuttgart zur Verfügung gestellt. Nach den Angaben der LHS Stuttgart handelt es sich um WM-bedingte Projekte.
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