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Standortentscheidung

Schöler, Klaus

Abstract

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Schöler, Klaus Book Part Standortentscheidung Provided in Cooperation with: ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Suggested Citation: Schöler, Klaus (2018) : Standortentscheidung, In: ARL – Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Ed.): Handwörterbuch der Stadtund Raumentwicklung, ISBN 978-3-88838-559-9, ARL - Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, pp. 2571-2581, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-55992446 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/225905 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Standortentscheidung Klaus Schöler Gliederung 1 Einleitung 2 Standortentscheidung des Industrieunternehmens 3 Standortentscheidung des Dienstleistungsunternehmens 4 Standortentscheidungen der Industrien Literatur Standortentscheidung 2572 1 Einleitung Standortentscheidungen gehören zu den konstituierenden Entscheidungen einer Firma ebenso wie die Wahl des Geschäftsgegenstandes und der Rechtsform. Solche Entscheidungen bedürfen einer sorgfältigen und fundierten Analyse, die vor dem Hintergrund der von der Theorie angebotenen Lösungen durchgeführt werden sollte. Dabei versteht es sich von selbst, dass eine allgemeine Standorttheorie nicht die singulären Bedingungen einer einzelnen Firma berücksichtigen kann, gleichwohl weist sie aber auch im Einzelfall die Richtung der notwendigen Untersuchung. Die Gründe für oder gegen einen Standort werden als Standortfaktoren bezeichnet, wobei es in der Logik des Begriffs Standortfaktor liegt, dass diese Phänomene nicht überall im ▷ Raum in gleicher Weise in Erscheinung treten, sondern raumdifferenzierende Eigenschaften besitzen. Standortfaktoren variieren also im Raum hinsichtlich ihrer Qualität und Existenz. Zunächst ist zwischen allgemeinen Standortfaktoren, die für jedes Unternehmen in einer Region von Bedeutung sind, und speziellen Standortfaktoren, die für bestimmte Industrien relevant sind, zu unterscheiden. Beispielsweise bezieht sich ein kommunaler Steuerhebesatz auf alle Unternehmen in einer Stadt, während ein Binnenhafen vielleicht nur für die Schwerindustrie einen Standortfaktor darstellt. Ferner kann man die Standortfaktoren nach der Größe des Gebietes unterscheiden. Für die internationale Standortwahl werden alle Phänomene der Unternehmensaußenwelt zu Standortfaktoren, auch diejenigen, die national einheitlich sind, wie Einkommensteuerund Rechtssystem, Wirtschaftsund Bevölkerungswachstum, politische und wirtschaftliche Stabilität, äußere und innere Geldwertstabilität, Wirtschaftsgesinnung und Wirtschaftsverfassung. Für einzelne Länder sind die Standortfaktoren in der wirtschaftsgeographischen Lage im Verhältnis zu anderen Regionen, in dem regionalen Arbeitsangebot bezüglich Quantität und Qualität, in der staatlich zur Verfügung gestellten ▷ Infrastruktur hinsichtlich Verkehr, Bildung, Forschungseinrichtungen etc. zu sehen. Auf der Ebene des einzelnen Ortes stellen verkehrstechnische Zugänglichkeit, lokale Wirtschaftsförderung, Grundstückspreise, Umweltund Lebensqualität, kommunale Gebühren und Steuerhebesätze sowie die Marktund Konkurrenznähe und positive Agglomerationseffekte entscheidende Standortfaktoren dar. Diese Aufzählung verdeutlicht zum einen, dass die Auswahl der als relevant angesehenen Standortfaktoren von der räumlichen Ebene abhängig ist, auf der Standortentscheidungen getroffen werden. Zum anderen wird klar, dass insbesondere im Hinblick auf die speziellen Standortfaktoren die Aufzählung beliebig verlängert werden kann. In der Literatur gibt es weiterhin die Unterscheidung in sogenannte harte und weiche Standortfaktoren (vgl. Grabow 2005). Üblicherweise versteht man unter harten Standortfaktoren solche, die ökonomischer Art sind und unmittelbare ökonomische Wirkungen haben. Beispielsweise entscheiden die Höhe von Transportkosten oder das regionale Lohnniveau direkt über die Vorteilhaftigkeit eines Standorts. Weiche Standortfaktoren sind außerökonomischer Art und haben mittelbare ökonomische Wirkungen. Als Beispiel kann man den Freizeitwert, die landschaftliche und kulturelle Attraktivität einer Region nennen, die als nicht materielles Einkommen der Beschäftigten verstanden einen Teil des monetären Einkommens zu ersetzen in der Lage sind. Letztlich lassen sich alle Standortfaktoren, auch die sogenannten weichen, auf ihre ökonomischen Wirkungen zurückführen. Andernfalls wären sie keine Gründe für ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen, sich für einen bestimmten Standort zu entscheiden. Standortentscheidung 2573 Im Allgemeinen kann die Standorttheorie in einem normativen und in einem positiven Sinne verstanden werden. Zum einen kann danach gefragt werden, an welchem Ort sich bei einer gegebenen Raumstruktur der optimale Standort eines Unternehmens befindet, wobei die Optimalitätsbedingung durch die Zielvorstellung der jeweiligen Organisation definiert wird. Hierbei liegt eine normative Ziel-Mittel-Beziehung vor. Zum anderen kann der Frage nachgegangen werden, warum sich an einem bestimmten Ort im Raum Unternehmen angesiedelt haben. Die Antwort auf die zweite Frage erklärt die Existenz von Standorten in der Realität, wobei in vielen Fällen nicht oder nicht nur theoretisch-systematische Ursachen, sondern auch historisch zufällige und singuläre Gründe für einen Standort bestimmend sind. 2 Standortentscheidung des Industrieunternehmens 2.1 Standortproblem im eindimensionalen Raum Die industrielle Standorttheorie ist in einer Zeit entstanden, als die Schwerindustrie wesentlich zum Wachstum der Volkswirtschaften beitrug. Launhardt (1882) und Weber (1909) fragten nach dem geeigneten Standort einer industriellen Anlage, wenn einige Produktionsfaktoren zu gleichen Preisen überall verfügbar (ubiquitär) sind und andere nur an bestimmten Orten im Raum (z.B. Lagerstätten) vorkommen. Dabei wird angenommen, dass der Ort des Konsums oder der Weiterverarbeitung gegeben ist. Um die Frage nach der optimalen Standortwahl industrieller Anlagen zu beantworten, ist es zweckmäßig, zunächst nur zwei Orte im Raum anzunehmen – entweder zwei Materiallagerstätten (Inputlagerstätten) oder eine Materiallagerstätte und einen Verbrauchsort– und damit das Standortproblem auf einen eindimensionalen Raum zu beschränken. Fall 1: Geht man davon aus, dass das produzierte Gut überall im Raum verkauft werden kann oder keine Transportkosten verursacht, so liegen alle prinzipiell möglichen optimalen Standorte auf der Strecke zwischen den Lagerstätten M1 und M2. Die Entfernungen zwischen Standort und M1 lauten r1 und zwischen Standort und M2 r2; die gesamte Entfernung zwischen M1 und M2 sei L. Für die Inputfaktoren erhöhen sich die Preise am Standort ț*i durch die Transportkosten: ț*i = ț*i + fri (mit i = 1,2), wobei f der Transportkostensatz pro Mengenund Entfernungseinheit ist und ți die Faktorpreise an den Materiallagerorten j darstellen. Fall 2: Nimmt man an, dass das produzierte Gut unter Aufwendung von Transportkosten am Konsumort C verbraucht wird, ein Inputfaktor v2 ein ubiquitärer (überall zu gleichen Preisen verfügbarer) Produktionsfaktor und der andere Inputfaktor v1 nur am Ort M1 verfügbar ist, so reduziert sich der mögliche Standortraum auf die Strecke L zwischen der Lagerstätte M1 und dem Verbrauchsort C. Die Entfernungen zwischen Standort und Verbrauchsort werden durch rC und zwischen Standort und Inputlagerstätte M1 mit r1 verdeutlicht. Der Preis am Standort p* ist für das produzierte Gut p* = p – frC, da die Transportkosten den Verkaufspreis vermindern. Für den Inputfaktor v1 erhöht sich der Preis am Standort durch die Transportkosten: ț*1 = ț*1 + fr1. In beiden Fällen soll gelten: Der Transportkostensatz f soll für Outputund Inputgüter gleich sein. Ferner sei eine limitationale Produktionsfunktion mit den fixen Inputkoeffizienten a1 > 0 und a2 > 0 angenommen: v1 = a1q, v2 = a2q, wobei die Produktionsmenge q der Nachfragemenge entspricht, die als vom Markt gegeben betrachtet wird. Andere Produktionsfunktionen, in denen sich die Faktoren gegenseitig ersetzen (substituieren) können, sind auch denkbar. Standortentscheidung 2574 Fall 1: Unter den genannten Voraussetzungen kann das Unternehmen nur durch die Wahl seines Standortes seinen Gewinn maximieren, da alle Größen, mit Ausnahme der Entfernungen r1, r2, gegeben sind. Damit wandelt sich das Gewinnmaximierungsproblem zu einem speziellen Transportkostenminimierungsproblem. Die hinsichtlich r2 (oder alternativ r1, da L – r2 = r1 ist) zu minimierenden Transportkosten sind, wenn man das Problem auf die Entfernung r2 bezieht: T = a1qf(L – r2) + a2qf(r2), (1) mit L = r2 + r1. Dividiert man diese Gleichung durch f und q, so lautet die physische Transportfunktion je Outputeinheit T* = T / (fq) = a1 (L – r2) + a2 r2, (2) woraus sich unmittelbar die Lösungen ergeben: a1 > a2: Zur Produktion einer Mengeneinheit des Gutes wird eine größere Menge des Faktors v1 als des Faktors v2 benötigt. Die geringsten Transportkosten entstehen, wenn der Standort bei M1 liegt. a1 < a2: Zur Produktion einer Mengeneinheit des Gutes wird eine kleinere Menge des Faktors v1 als des Faktors v2 benötigt. Die geringsten Transportkosten entstehen, wenn der Standort bei M2 liegt. a1 = a2: Zur Produktion einer Mengeneinheit des Gutes werden gleich große Mengen des Faktors v1 und des Faktors v2 benötigt. Der Standort auf der Strecke L ist nicht determiniert, da alle zulässigen Standorte die gleichen Transportkosten entstehen lassen. Fall 2: Nunmehr soll angenommen werden, dass der Inputfaktor v1 an eine Lagerstätte gebunden ist, der andere Faktor v2 ubiquitär ist und das Gut im Ort C verbraucht wird. Auch in diesem Fall kann das Unternehmen nur durch die optimale Wahl seines Standortes seinen Gewinn maximieren, d. h., das Gewinnmaximierungsproblem wandelt sich wiederum zu einem Transportkostenminimierungsproblem. Die hinsichtlich rC zu minimierenden Transportkosten lauten: T = (1 / a1)v1frC + v1f(L – rC), mit L = rC + r1 oder T = q frC + a1qf(L – rC). (3) Dividiert man diese Gleichung durch f und q, so ergibt sich die physische Transportfunktion je Outputeinheit T* = T / (fq) = rC + a1(L – rC ). (4) Als Ergebnis kommen wiederum zwei Randlösungen in Betracht: a1 < 1: Die Inputmenge des Faktors v1, die in eine Mengeneinheit des Gutes eingeht, ist geringer als diese eine Mengeneinheit. Die geringsten Transportkosten entstehen, wenn der Standort bei C liegt. a1 > 1: Die Inputmenge des Faktors v1, die in eine Mengeneinheit des Gutes eingeht, ist größer als diese eine Mengeneinheit. Die geringsten Transportkosten entstehen, wenn der Standort bei M1 liegt. Standortentscheidung 2575 a1 = 1: Die Inputmenge des Faktors v1, die in eine Mengeneinheit des Gutes eingeht, ist gleich dieser Mengeneinheit. Der Standort auf der Strecke L ist nicht determiniert, da alle zulässigen Standorte die gleichen Transportkosten entstehen lassen. So einfach dieses Standortmodell ist – limitationale Produktionsfunktion mit festen Inputkoeffizienten, ein ortsgebundener Produktionsfaktor und ein Konsumort oder zwei ortsgebundene Produktionsfaktoren und ein kostenloser Versand der Fertigprodukte –, so bedeutsam ist das Ergebnis: Die Wahl des industriellen Standortes hängt von der verwendeten Produktionstechnologie ab, die sich in den Inputkoeffizienten manifestiert. Die Wahl des industriellen Standortes hängt unter den genannten Annahmen nicht von der Outputmenge q, dem Verkaufspreis p, dem Transportkostensatz f und den Nettofaktorkosten ț1, ț2 ab. Hinzugefügt werden muss, dass zwei Annahmen, die implizit in das dargestellte Modell eingehen, ebenfalls den optimalen Standort bestimmen. Da ist zum einen die Verhaltensannahme der Gewinnmaximierung, die bei gegebenen Erlösen die Kostenminimierung bestimmt. Zum anderen wird die Annahme getroffen, dass das betrachtete Unternehmen sich auf allen Güterund Faktormärkten einer polypolistischen Konkurrenz gegenübersieht. 2.2 Standortproblem im zweidimensionalen Raum Erweitert man das Standortproblem auf zwei ortsgebundene Inputfaktoren und einen Verbrauchsort, so entsteht das Webersche Standortdreieck (s. Abb. 1) mit den Orten für die räumlich gebundenen Inputfaktoren M1, M2, dem Verbrauchsort C und den Entfernungen ri für i = C,1,2. Der Standort P muss innerhalb des Dreiecks liegen, da alle Standorte außerhalb des Dreiecks – unabhängig von Transportkosten und Mengen – in jedem Fall suboptimal sind. Abbildung 1: Webersches Standortdreieck C M1M 2 P r1r2 rc Quelle: Eigene Darstellung nach Weber 1909: 228 Standortentscheidung 2576 Man kann zunächst von festen Inputfaktoren v1 = a1q, v2 = a2q ausgehen. Sind alle Größen, mit Ausnahme der Entfernungen r1, r2 und rC gegeben, so reduziert sich die Gewinnfunktion wiederum auf eine zu minimierende Transportkostenfunktion T = q frC + a1qf r1 + a2qf r2 (5) oder auf eine zu minimierende physische Transportfunktion je Outputeinheit T* = T / (qf) = rC + a1 r1+ a2 r2. (6) Für die Lösung dieses Standortproblems gibt es verschiedene Methoden, auf deren Darstellung hier jedoch verzichtet wird (vgl. Schöler 2005: 35 ff.). Insbesondere unter Verwendung substitutionaler Produktionsfunktionen wird deutlich, dass das Webersche Standortproblem kein technisches Problem der Transportminimierung ist, sondern ein spezieller – nämlich räumlicher – Fall eines allgemeinen Allokationsproblems. Bei einer substitutionalen Produktionsfunktion, einer gegebenen Entfernung zum Verbrauchsort und zwei ortsgebundenen Produktionsfaktoren zeigt sich, dass unter diesen Annahmen die optimale Standortentscheidung von der Bedingung „Grenzrate der technischen Substitution“ gleich „Faktorpreisverhältnis“ abhängt, wobei die für das Unternehmen entscheidenden Faktorpreise, die sich am Standort ergeben, Verwendung finden ț*i = ți + fri mit i = 1,2 (Moses 1958). Über diesen Weg findet der Raum Eingang in die Bedingung einer optimalen, d. h. kostenminimalen Produktion. Die Frage nach dem optimalen Standort ist Teil der umfassenderen Frage nach der optimalen Verwendung der Inputfaktoren. Im räumlichen Modell der Firma tritt zur Erlangung des Produktionsoptimums (Minimalkostenkombination) – neben den optimalen Inputmengen vi – die Variation der Preise p* und wi* (am Standort) durch die Wahl des Standortes hinzu. Dieses geschieht bei gegebenen Preisen am Verbrauchsort p und an den Lagerstätten der Inputfaktoren wi sowie bei gegebenen Transportkostensätzen f über die Variation der Transportentfernungen ri und rC (wobei rC grundsätzlich variabel sein kann). Sind in diesem Sinne die kostenminimalen (nicht transportminimalen) Entfernungen bestimmt, so ist der optimale Standort des Industrieunternehmens festgelegt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die industrielle Standorttheorie vom Launhardt-Weber-Typ kann als Bestandteil eines allgemeinen Allokationsproblems verstanden werden. In der raumlosen Wirtschaft gibt die Minimalkostenkombination der Produktionsfaktoren bei gegebenen Faktorpreisen das Produktionsoptimum an; in der räumlichen Wirtschaft sind zwar die Faktorpreise am Ort des Faktorvorkommens gegeben, die Faktorpreise einschließlich der Transportkosten am Standort der Produktion variieren jedoch mit der geographischen Lage des Standortes; die industrielle Standortwahl ist das Ergebnis der Realisation der firmenindividuellen Minimalkostenkombination. Standortentscheidung 2577 3 Standortentscheidung des Dienstleistungsunternehmens 3.1 Unterschiede zur Standortwahl bei Industrieunternehmen Wenn man sich verdeutlicht, dass Dienstleistungsunternehmen (▷ Dienstleistungen) mit der Produktion immaterieller Güter beschäftigt sind, wie Banken mit der Vermittlung von Geldkapital, Versicherungen mit der Zusammenfassung von Risiken, der Handel mit der Zusammenstellung von Sortimenten, Detekteien mit der Beschaffung von Informationen und Rechtsanwälte mit der interessengeleiteten Anwendung des bestehenden Rechts, so wird unmittelbar klar, dass Transportkosten auf der Inputseite aus zwei naheliegenden Gründen keine Rolle bei der Standortbestimmung dieser Unternehmen spielen. Zum einen sind die Inputfaktoren (Arbeitskräfte, Informationen, Büroarbeitsmittel) überall im Raum in gleicher Weise verfügbar (ubiquitär). Zum anderen können die Transportkosten für Informationen und Geldtransaktionen so gering sein, dass sie bei der Frage der Standortwahl unbedeutend sind. Im Handel kann der Gütertransport zwischen Hersteller und nachgelagerter Marktstufe von ökonomischer Bedeutung sein. Wenn die Güterhersteller und Händler gleichmäßig räumlich gestreut sind, haben alle Händler die etwa gleichen Transportkosten; sind die Hersteller konzentriert, so steigen zwar die Transportkosten mit zunehmender Entfernung, aber dieses gilt für alle Händler, die ihren Standort in einer bestimmten Entfernung vom Produktionszentrum gewählt haben, um die Nachfrage an diesen Orten zu befriedigen. Aus den genannten Gründen ist die Standortwahl von Dienstleistungsunternehmen nachfrageorientiert. Die Nachfrager haben in allen Fällen Transportkosten aufzuwenden, um die Dienstleistungen in Empfang nehmen zu können. Sie müssen die Entfernung zwischen Wohnort und Dienstleistungsstandort zurücklegen, um beispielsweise ihre Bank aufzusuchen, den Rechtsanwalt zu konsultieren oder in einem Handelszentrum Güter zu erwerben. Allgemein gesagt: Die Standortwahl der Dienstleistungsunternehmen orientiert sich an der Transportoder Fahrtkostenminimierung der potenziellen Nachfrager. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, dass sich mit dem Aufkommen des Internets in vielen Fällen die hohen entfernungsabhängigen Fahrtkosten der Nachfrager in geringe entfernungsunabhängige (aber zeitabhängige) Kosten der Informationsbeschaffung gewandelt haben und damit für die Standortwahl bedeutungslos geworden sind. Zur Beurteilung dieser neueren informationstechnischen Entwicklung müssen jedoch drei Gesichtspunkte beachtet werden: (1) Viele Dienstleistungen sind nicht standardisiert und/oder erfordern den persönlichen Kontakt beider Marktseiten (Rechtsanwalt, Arzt etc.). (2) Viele nicht standardisierte Güter im Handel bedürfen der Inspektion durch den Käufer. (3) Auch vor Einführung des Internets hat es Distanzhandel (Versandhäuser) gegeben, ohne dass dadurch der ortsgebundene Handel verdrängt worden wäre. Es ist nicht zu erwarten, dass die Internetangebote die ortsgebundenen Dienstleistungsunternehmen vollständig verdrängen werden, auch wenn der Distanzhandel durch Internetkäufe zunehmen wird. Für Dienstleistungsunternehmen, die im Internet anbieten, gilt, ebenso wie bisher schon für Versandhäuser, dass sie sich bei ihrer Standortwahl an nachrangigen Kriterien wie regionalen Preisunterschieden bei Boden und Arbeit, regionalen Abgaben oder Agglomerationseffekten orientieren.