IMK Inflationsmonitor: Deutliche Inflationsunterschiede zwischen Arm und Reich im Jahr 2022
Abstract
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Full text
Dullien, Sebastian; Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Deutliche Inflationsunterschiede zwischen Arm und Reich im Jahr 2022 IMK Policy Brief, No. 144 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Dullien, Sebastian; Tober, Silke (2023) : IMK Inflationsmonitor: Deutliche Inflationsunterschiede zwischen Arm und Reich im Jahr 2022, IMK Policy Brief, No. 144, HansBöckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/270375 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Deutliche Inflationsunterschiede zwischen Arm und Reich im Jahr 2022 Sebastian Dullien, Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 144 · Januar 2023
Seite 1 von 12 IMK INFLATIONSMONITOR Deutliche Inflationsunterschiede zwischen Arm und Reich im Jahr 2022 Sebastian Dullien und Silke Tober1 Zusammenfassung Im Jahr 2022 betrug die Inflationsrate in Deutschland 7,9 %, und zwar primär als direkte und indirekte Folge der massiven Preissteigerungen für Haushaltsenergie (39,1 %), Kraftstoffe (26,8 %) und Nahrungsmittel (13,4 %). Die haushaltsspezifischen Teuerungsraten hatten dabei eine Spanne von 6,6 % für einkommensstarke Alleinlebende bis 8,8 % für einkommensschwache Familien mit 2 Kindern. Im Dezember 2022 lag die Inflationsrate mit 8,6 % deutlich unter jener im November (10,0 %). Maßgeblich hierfür war die staatliche Übernahme der Abschlagszahlung für Erdgas und Fernwärme im Dezember, aber auch der weitere Rückgang der globalen Rohölpreise. Bei zugleich geringfügig abgeschwächter Teuerung bei Nahrungsmitteln verringerte sich die Spanne der haushaltsspezifischen Inflationsraten von 3,5 Prozentpunkten im November 2022 auf 2,7 Prozentpunkte im Dezember 2022. Die geringste Teuerungsrate verzeichneten – wie durchgängig seit Januar 2022 – einkommensstarke Alleinlebende (7,1 %), die höchste mit 9,8 % – wie auch im Jahr 2022 insgesamt – einkommensschwache Paare mit zwei Kindern. Geringer fiel auch der weiterhin ausgeprägte Unterschied bei der kombinierten Belastung durch die Preise von Nahrungsmitteln und Haushaltsenergie aus. Er betrug 4 Prozentpunkte (November: 5 Prozentpunkte), wobei diese Güterarten bei einkommensschwachen Alleinlebenden einen Inflationsbeitrag von 6,7 Prozentpunkten lieferten, verglichen mit 2,7 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden. Die preislichen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung verringerten die Inflation 2022 insgesamt um 1,0 Prozentpunkte. Dabei fiel die Entlastung für einkommensstarke Alleinlebende und einkommensstarke Familien mit 0,6 Prozentpunkten zwar geringer aus, sie hatten aber dennoch eine merklich geringere Teuerungsrate zu verzeichnen. 1 Prof. Dr. Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor, Sebastian-Dullie[email protected]e Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected]
Seite 2 von 12 Preise für Haushaltsenergie sinken im Monatsvergleich deutlich Die Vorjahresänderungsrate der Energiepreise (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) im deutschen Verbraucherpreisindex, die im September 2022 mit 43,9 % ihren Höhepunkt erreicht hatte, wies im Dezember 2022 mit 24,4 % den geringsten Wert seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 auf. Gegenüber dem Vormonat gingen die Preise für Energie sogar merklich zurück, und zwar um 11,6 %. Dabei fiel der Rückgang der Preise für Erdgas mit 22,4 % besonders stark aus, obwohl das Statistische Bundesamt die staatliche Übernahme der Abschlagszahlung nur für Haushalte mit eigenem Versorgungsvertrag berücksichtigt hat, die die Abschlagszahlung tatsächlich nicht geleistet haben. Die entlastende Wirkung für Haushalte mit Dauerauftrag und jene mit einer Zentralheizung für mehrere Wohnparteien wird damit erst in diesem Jahr im Verbraucherpreisindex berücksichtigt. Aber auch Heizöl wurde gegenüber dem Vormonat billiger (- 7,8 %), während sich der Strompreis etwas verteuerte (0,4 %). Im Jahresdurchschnitt 2022 lagen die Erdgaspreise für die privaten Haushalte trotz der Mehrwertsteuersenkung im Oktober 2022 und dem Sondereffekt im Dezember 2022 um 47 % über dem Niveau von 2021 bzw. um 53,5 % über dem Vorpandemieund Vorkrisenniveau im Jahr 2019. Die Preise für Heizöl stiegen im selben Zeitraum um 74,1 % bzw. 65,1 %.2 Allerdings wirkt sich der aktuelle CO2-Preis in Höhe von 30 Euro je Tonne CO2 stärker auf den Heizölpreis aus als auf den Erdgaspreis und begründet damit für sich genommen einen höheren Preisanstieg bei Heizöl. Im Jahresdurchschnitt 2023 dürfte der Erdgaspreis trotz der Gaspreisbremse abermals merklich steigen, während beim Heizölpreis ein leichter Rückgang zu erwarten ist. Abbildung 1: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat, in %, Januar 2014 – Dezember 2022 Quellen: EZB; FAO, Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. 2 Ohne Berücksichtigung der Umlagen für den Betrieb von Zentralheizungen war der Preis für Erdgas im Jahr 2022 um 64,8 % teurer als im Jahr 2021 und um 73,1 % als im Jahr 2019, verglichen mit 87,0 % bzw. 96,7 % im Fall von Heizöl. -100 0 100 200 300 400 500 600 700 800 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Erdgas (NCGI, EUR) Rohöl (Brent, EUR) Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD)
Seite 3 von 12 Wegen der längerfristigen Verträge vieler Haushalte überträgt sich der im vergangenen Jahr massiv gestiegene Börsen-Erdgaspreis erst nach und nach auf den Verbraucherpreisindex. Im Dezember 2022 übertraf der Börsenpreis für Erdgas (NCGI) sein Vorkrisenniveau von 2019 um 759 % und war um 27 % höher als ein Jahr zuvor (Abbildung 1). Demgegenüber lag der Europreis von Rohöl der Sorte Brent lediglich um 33 % höher als im Jahr 2019 bzw. um 16 % verglichen mit Dezember 2021. Energiepreisschocks treiben auch Kerninflation Trotz der Beruhigung an den globalen Märkten für Energierohstoffe und der wirtschaftspolitischen Entlastungsmaßnahmen trugen die Energiepreise (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) im Dezember 2022 noch 2,3 Prozentpunkte zum Anstieg der Verbraucherpreise bei (4,2 Prozentpunkte im November 2022). Dabei schlug sich das gegenüber dem Vorjahresmonat um 40,8 % teurere Erdgas mit einem rund doppelt so hohen Gewicht im Verbraucherpreisindex nieder wie das um 50,8 % im Preis gestiegene Heizöl. Der durch die Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 gedämpfte Anstieg der Strompreise fiel erneut am geringsten aus (27,2 %). Abbildung 2: Inflation und Kerninflation in Deutschland, Januar 1999 – Dezember 2022 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat in % Quelle: Statistisches Bundesamt. Insgesamt betrug die Inflationsrate 8,6 % im Dezember 2022, nach 10,0 % im November 2022. Damit ergab sich eine Jahresinflationsrate 2022 in Höhe von 7,9 %. Ohne Energie und Nahrungsmittel stieg die Inflation im Dezember leicht auf 5,2 % und brachte den Jahresdurchschnitt 2022 auf 4,0 %. Bei dieser Kernrate ist zu berücksichtigen, dass die massiven Energiepreisschocks seit Mitte 2021 die Produktionsund Transportkosten nahezu aller Güter und Dienstleistungen merklich erhöhen. Das gilt insbesondere, aber eben nicht nur, für besonders energieintensive Güter wie Pauschalreisen (Dezember 2022: 6,9 %, 2022: 11,1 %), Inlandsflüge (Dezember 2022: 10,9 %, 2022: 8,3 %) und Auslandsflüge (Dezember 2022: 13,7 %, 2022: 11,3 %), Übernachtungen (Dezember 2022: 7,1 %, 2022: 7,4 %), Papierprodukte wie Druckerpapier (Dezember 2022: 35 %, 2022: 8,6 2,0 5,2 6,8 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Verbraucherpreisindex (VPI) Inflationsziel der EZB VPI ohne Energie und Nahrungsmittel VPI ohne Energie
Seite 4 von 12 22,4 %) sowie Alufolie und Ähnliches (Dezember 2022: 37,5 %, 2022: 26,5 %). Bei Gaststättendienstleistungen schlagen sowohl die Nahrungsmittelals auch die Energiepreise durch und trugen zu der Preissteigerungsrate von 10,2 % im Dezember 2022 bei (2022: 7,4 %). Fahrzeuge mit einem Preisanstieg von 9,1 % im Dezember bzw. 8,7 % 2022 sind ein Beispiel für die noch bestehenden Lieferkettenprobleme. Da die globalen Nahrungsmittelpreise seit dem Frühjahr 2022 rückläufig sind (Abbildung 1), dürften die Energiekosten auch maßgeblich für das weitere Anziehen der Nahrungsmittelpreise im Verbraucherpreisindex verantwortlich sein, aber auch die Mindestlohnsteigerungen im Jahr 2022 haben die Kosten etwas erhöht. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke lieferten einen Inflationsbeitrag von 2,0 Prozentpunkten im Dezember 2022 und von 1,3 Prozentpunkten im Jahresdurchschnitt 2022. Haushaltsenergieund Nahrungsmittelpreise dominierten 2022 die haushaltsspezifischen Inflationsunterschiede Im monatlichen IMK Inflationsmonitor wird seit Anfang 2022 anhand von haushaltsspezifischen Inflationsraten untersucht, wie sich die anhaltend hohen Preisschocks auf unterschiedliche Haushaltsgruppen auswirken (Tober 2022a,b; Dullien/Tober 2022a-i, Endres/Tober 2022). Diese werden wie die Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes als Veränderung der gewichteten Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat gemessen. Im Dezember 2022 waren erneut die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe sowie für Nahrungsmittel und Getränke entscheidend für die unterschiedliche Inflationsbelastung verschiedener Haushaltsgruppen. Dabei sank der Inflationsbeitrag zur Verbraucherpreisinflation der Ausgabenkategorie Haushaltsenergie insgesamt zwar von 3,6 Prozentpunkten im November 2022 auf 2,3 Prozentpunkte im Dezember 2022, war damit aber noch um 2,2 Prozentpunkte höher als es bei einer Preissteigerung um 2 % der Fall wäre. Der Inflationsbeitrag der Ausgabenkategorie „Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren“ lag unverändert bei 2,3 Prozentpunkten und damit um 2 Prozentpunkte höher, als wenn die entsprechenden Preise in Einklang mit dem Inflationsziel der EZB um 2 % gestiegen wären. Abbildung 3 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge von 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen zur jeweiligen Inflationsrate der neun repräsentativen Haushaltsgruppen sowie für die Verbraucherpreisinflation insgesamt.3 3 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb und einer aktuell unauffälligen Preisentwicklung der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen.
Seite 5 von 12 Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Dezember 20221 in % bzw. Prozentpunkten 1 Mehrere Angaben der „Paare mit 2 Kindern (2.000-2.600 €)“ sind laut Statistischem Bundesamt wegen einer geringen Zahl von Haushalten, die Angaben gemacht haben, sehr unsicher. Eine Darstellung der Methodik findet sich in Tober (2022a). Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Die höchste Teuerungsrate von 9,8 % verzeichneten im Dezember 2022 den zehnten Monat in Folge Familien mit geringem Nettoeinkommen (2.000-2.600 Euro). Die niedrigste Teuerungsrate hatten wie bereits seit Anfang des Jahres Ein-Personen-Haushalte mit einem Nettoeinkommen von mehr als 5.000 Euro (7,1 %). Die Inflationsrate für Alleinlebende mit einem Nettoeinkommen von unter 900 Euro betrug 9,5 %. Für Alleinerziehende mit einem Kind lag die Inflationsrate bei 9,1 %, während sie bei Familien mit höherem Einkommen 8,5 % betrug. Wie bereits durchgängig seit März 2022 waren damit einkommensschwache Haushalte am stärksten betroffen. Insgesamt ist die Spanne der Teuerungsraten mit 2,7 Prozentpunkten zwar erheblich, aber deutlich niedriger als im November 2022 (3,5 Prozentpunkte). Betrachtet man nur die Teuerung der Ausgabenkategorien „Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren“ und „Haushaltsenergie“, zeigen sich noch deutlichere Belastungsunterschiede zwischen den Haushaltsgruppen. Einkommensschwache Alleinlebende verzeichneten im Dezember einen zusammengefassten Inflationsbeitrag von 6,7 Prozentpunkten, verglichen mit 2,7 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden; einkommensschwache Paare mit zwei 0,7 0,6 0,7 0,7 0,7 0,6 0,8 0,8 0,8 0,7 2,3 2,5 1,7 1,3 1,7 2,2 3,1 2,2 2,0 1,3 2,3 3,9 3,0 2,4 2,4 2,9 3,6 2,6 2,3 1,4 0,3 0,4 0,4 0,4 0,4 0,4 0,2 0,3 0,3 0,3 0,7 0,6 0,8 1,0 0,9 0,3 0,3 0,6 0,7 0,6 0,7 0,6 0,7 0,8 0,8 0,7 0,7 0,7 0,8 0,5 0,4 0,5 0,7 0,7 0,5 0,4 0,5 0,6 0,8 8,6 9,8 9,0 8,5 8,7 9,1 9,5 8,6 8,4 7,1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Verbraucherpreisindex Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate
Seite 6 von 12 Kindern einen Beitrag von 6,3 Prozentpunkten verglichen mit 4,7 Prozentpunkten im Fall der Familie im mittleren Einkommensbereich (Tabelle 1).4 Tabelle 1: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Dezember 2022 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 3,9 3,0 3,6 1,4 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,7 0,8 0,7 Haushaltsenergie 2,5 1,7 3,1 1,3 Kraftund Schmierstoffe 0,4 0,4 0,1 0,3 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,6 0,8 0,3 0,6 Freizeit und Kultur 0,6 0,7 0,4 0,8 Gastgewerbe 0,4 0,5 0,4 0,8 Übrige Konsumausgaben 1,0 1,1 0,7 1,2 Inflationsrate in % 9,8 9,0 9,5 7,1 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Auch im Jahr 2022 insgesamt waren es Familien mit geringem Nettoeinkommen, die die höchste Teuerungsrate verzeichneten (8,8 %), während einkommensstarke Alleinlebende mit der niedrigsten Teuerungsrate konfrontiert waren (6,6 %). Die Inflationsrate für Alleinlebende mit einem Nettoeinkommen von unter 900 Euro betrug 8,1 %. Für Alleinerziehende mit einem Kind lag die Inflationsrate bei 8,2 %, während sie bei Familien mit höherem Einkommen 7,6 % betrug. Insgesamt betrug die Spanne der Teuerungsraten im Jahr 2022 2,2 Prozentpunkte (Abbildung 4). Die Belastungsunterschiede waren dabei auch im Gesamtjahr 2022 deutlich höher, wenn nur die Ausgabenkategorien „Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren“ und „Haushaltsenergie“ betrachtet werden. Wie auch im Dezember 2022 und den Monaten zuvor verzeichneten einkommensschwache Alleinlebende mit 5,9 Prozentpunkten den höchsten zusammengefassten Inflationsbeitrag verglichen mit 2,4 Prozentpunkten im Falle von einkommensstarken Alleinlebenden; einkommensschwache Paare mit zwei Kindern verzeichneten einen Beitrag von 5,3 Prozentpunkten verglichen mit 3,9 Prozentpunkten im Fall der Familie im mittleren Einkommensbereich (Tabelle 2). 4 Der Warenkorb, der dem Verbraucherpreisindex zugrunde liegt, repräsentiert den Durchschnitt aller privaten Haushalte in Deutschland. Die Gewichte einzelner Güter am Warenkorb unterscheiden sich allerdings erheblich zwischen den Haushalten, beispielsweise zwischen einem Ein-Personen-Haushalt und einem Paarhaushalt mit Kindern sowie zwischen Menschen mit mittlerem oder hohem Einkommen und solchen mit geringem Einkommen. Zur Berechnung der Warenkorbanteile für ausgewählte Haushaltsgruppen wurde die Einkommensund Verbrauchsstichprobe verwendet, die auch die Grundlage für den Verbraucherpreisindex bildet (Tober 2022a).
Seite 7 von 12 Abbildung 4: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Jahr 2022 in % bzw. Prozentpunkten 1 Mehrere Angaben der „Paare mit 2 Kindern (2.000-2.600 €)“ sind laut Statistischem Bundesamt wegen einer geringen Zahl von Haushalten, die Angaben gemacht haben, sehr unsicher. Eine Darstellung der Methodik findet sich in Tober (2022a). Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Tabelle 2: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Jahr 2022 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 2,5 2,0 2,4 0,9 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,5 0,6 0,7 0,6 Haushaltsenergie 2,8 2,0 3,6 1,5 Kraftund Schmierstoffe 1,3 1,3 0,4 0,9 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,3 0,6 -0,1 0,4 Freizeit und Kultur 0,4 0,6 0,3 0,8 Gastgewerbe 0,3 0,4 0,3 0,6 Übrige Konsumausgaben 0,6 0,7 0,5 0,8 Inflationsrate in % 8,8 8,1 8,1 6,6 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. 0,6 0,5 0,6 0,6 0,6 0,5 0,7 0,6 0,6 0,6 2,6 2,8 2,0 1,5 2,0 2,6 3,6 2,5 2,2 1,5 1,5 2,5 2,0 1,6 1,6 1,9 2,4 1,7 1,5 0,9 1,0 1,3 1,3 1,0 1,1 1,2 0,4 0,9 0,9 0,9 0,5 0,3 0,6 0,9 0,7 0,1 0,4 0,5 0,4 0,6 0,4 0,6 0,7 0,8 0,7 0,6 0,7 0,8 0,4 0,3 0,4 0,6 0,5 0,4 0,3 0,4 0,5 0,6 7,9 8,8 8,1 7,6 8,0 8,2 8,1 7,8 7,6 6,6 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Verbraucherpreisindex Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate