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Exportverhalten in West- und Ostdeutschland – Determinanten und Anpassungsprozesse

Engelmann, Sabine,Fuchs, Michaela

Abstract

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Engelmann, Sabine; Fuchs, Michaela Article Exportverhalten in Westund Ostdeutschland – Determinanten und Anpassungsprozesse Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Engelmann, Sabine; Fuchs, Michaela (2012) : Exportverhalten in Westund Ostdeutschland – Determinanten und Anpassungsprozesse, Schmollers Jahrbuch – Journal of Applied Social Science Studies. Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, ISSN 1865-5742, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 132, Iss. 4, pp. 549-580, https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292385 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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The results highlight human and physical capital, innovations, plant size, ownership structure, plant organisation and industry affiliation as major determinants. However, they explain at most 60 per cent of the observed differences. Over time, increasingly other determinants than those under consideration seem to be responsible for the adjustment process between East and West Germany. Zusammenfassung Sowohl die Exportbeteiligung als auch die Exportquote der ostdeutschen Betriebe liegt seit jeher unter derjenigen der westdeutschen Betriebe. Allerdings findet ein kontinuierlicher Anpassungsprozess statt. Der Beitrag untersucht auf Basis des IAB-Betriebspanels von 2001 bis 2010, welche Bestimmungsfaktoren die Exportentscheidung und die Exportquote der Betriebe in Ostund Westdeutschland beeinflussen und worauf sich die immer noch beträchtlichen Unterschiede im Exportverhalten der Betriebe aus beiden Landesteilen begründen. Hierzu unterstellen wir ein Logit-Modell und ein Fractional Logit-Modell und führen eine Dekomposition der Schätzergebnisse durch. Die Ergebnisse zeigen, dass Betriebsmerkmale wie Humanund Sachkapitalausstattung, Innovationsaktivitäten, Betriebsgröße, Eigentümerstatus, Betriebsstruktur und Branchenzugehörigkeit wesentlich das Auslandsengagement der ostund westdeutschen Betriebe beeinflussen. Sie erklären den Unterschied im Exportverhalten jedoch nur zu maximal 60 Prozent. Im Zeitverlauf scheinen zunehmend andere als die unterSchmollers Jahrbuch 132 (2012), 549 –580 Duncker & Humblot, Berlin Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 *Die Autoren danken zwei anonymen Gutachtern, Johannes Ludsteck vom IAB sowie den Teilnehmern am Workshop on Global and Local Firm Linkages am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung im November 2010 für wertvolle Anregungen und Kommentare. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 suchten Merkmale für den Anpassungsprozess zwischen Ostund Westdeutschland entscheidend zu sein. JEL Classification: C25, F14, L25 Received: 21 December 2011 Accepted: 16 August 2012 1. Einleitung Exporte leisten einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Deutschland. Nicht alle Betriebe nutzen jedoch die Chancen, die sich aus einem Auslandsengagement ergeben. Insbesondere unter den ostdeutschen Betrieben sind die Exportaktivitäten trotz eines kontinuierlichen Aufholprozesses immer noch schwächer ausgeprägt als unter den Betrieben in den alten Bundesländern. Die Förderung der Internationalisierung und damit verbunden von Wachstum und Beschäftigung stellt demnach eine Hauptaufgabe für die ostdeutschen Unternehmen wie auch für die Wirtschaftspolitik dar. Die Bestimmung der Faktoren, die auf der einzelbetrieblichen Ebene die Entscheidung zu exportieren als auch das Ausmaß der Exportaktivitäten maßgeblich beeinflussen, war schon Gegenstand mehrerer Studien. Internationale empirische Evidenz stammt z. B. von Roper/Love (2002) für Großbritannien, Bernard/Jensen (1999) für die USA, Sterlacchini (2001) für Italien oder Roper/Love/Hígon (2006) für Irland. Studien, die die Bestimmungsfaktoren des Exportverhaltens der deutschen Betriebe mit Hilfe von einzelbetrieblichen Daten analysieren, wurden von Wagner (1995, 2001, 2011a) sowie von Roper/ Love (2002) und Kirbach/Schmiedeberg (2008) durchgeführt.1Als wichtige Determinanten sind unter anderem die Ausstattung mit Humankapital, die Investitionsund Innovationstätigkeit, die Betriebsgröße wie auch Betriebsstruktur und Eigentümerstatus zu nennen. Den Fokus speziell auf Ostdeutschland legen aktuell Schultz (2010) oder Lejpras (2010). Nur sehr wenige Untersuchungen haben sich bislang jedoch mit der Frage befasst, in welchem Ausmaß die Ausstattung der Betriebe mit diesen betrieblichen Merkmalen die großen Unterschiede zwischen dem Auslandsengagement in Westund Ostdeutschland erklärt (vgl. Wagner, 2008 und Engelmann/Fuchs, 2008). Gerade dieser Aspekt ist aber mit Blick auf die Konzipierung von Maßnahmen der Wirtschaftsund Förderpolitik wichtig zu wissen, denn soweit die Unterschiede in der Exporttätigkeit im Wesentlichen auf Betriebscharakteristika wie Betriebsgröße oder Branchenzugehörigkeit zurückgeführt werden können, sind die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaftspolitik beschränkt. Anders sieht es hingegen aus, wenn hierfür andere Faktoren wie etwa Unterschiede in der Ressourcenausstat550 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 1Für eine ausführliche Übersicht über die Studien zu Deutschland vgl. Wagner (2011b). OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 tung, im Modernitätsgrad der hergestellten Produkte oder in der Innovationstätigkeit verantwortlich zu machen sind. Der vorliegende Beitrag setzt an dieser Forschungslücke an und zeigt in einem ersten Schritt noch einmal die Bestimmungsfaktoren des Auslandsengagements der westund der ostdeutschen Betriebe auf. Für diejenigen Betriebe, die im Ausland aktiv sind, erfolgt daran anschließend die Untersuchung der Frage, welche Bestimmungsgründe für die Höhe der Exportquote relevant sind. Diese Ergebnisse dienen als Basis für den zweiten und zentralen Schritt, in dem wir mit Hilfe einer Dekomposition der Schätzergebnisse untersuchen, in welchem Ausmaß die Unterschiede zwischen den Betrieben in West und Ost auf diese Determinanten zurückzuführen sind. Des Weiteren gehen wir der Frage nach, inwieweit der Aufholprozess der ostdeutschen Betriebe auf gleichzeitige Änderungen in den Betriebscharakteristika zurückzuführen ist. Der Beitrag ist wie folgt gegliedert. Abschnitt 2 stellt theoretische Überlegungen zu den Einflussfaktoren der Exportaktivitäten der Betriebe vor und gibt einen Überblick über den Stand der empirischen Forschung. Kapitel 3 widmet sich der empirischen Analyse, die in Abschnitt 3.1 mit der Beschreibung des verwendeten Datensatzes und der Variablen beginnt. Deskriptive Ergebnisse werden in Abschnitt 3.2 vorgestellt. Abschnitt 3.3 schließlich beinhaltet die ökonometrische Analyse. In ihm werden die methodische Vorgehensweise und die Schätzergebnisse zu den Determinanten der Exportentscheidung und Exporthöhe ebenso wie die Dekomposition der Ost-West-Unterschiede präsentiert. Abschnitt 4 fasst die Ergebnisse zusammen und zieht Schlussfolgerungen. 2. Theorie und empirische Evidenz zu den Determinanten der Exportaktivitäten Einen ersten Ausgangspunkt für mögliche Bestimmungsgrößen der Exportaktivitäten von Betrieben bieten die Theorien internationalen Handels. Das neoklassische Heckscher-Ohlin Modell führt die Exportaktivitäten eines Sektors auf dessen Faktorintensität und die insgesamt in der Volkswirtschaft zur Verfügung stehenden Faktormengen im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften zurück. Hierbei werden zwar gewinnmaximierende Firmen unterstellt, diese aber als homogen betrachtet. Die jüngere Forschung berücksichtigt dagegen explizit die Heterogenität von Firmen und deren Anpassung an Handelsliberalisierungen (vgl. z. B. Greenaway/Kneller, 2007). So unterstellt die neue Handelstheorie (vgl. Krugman, 1979b) die Existenz von (Dixit-Stiglitz) monopolistischem Wettbewerb und betrachtet explizit Firmen, die aufgrund der Konsumentenpräferenzen nach allen auf dem Markt verfügbaren Produktvarianten das Exportgeschäft aufnehmen. Weiterführend berücksichtigen Clerides/Lach/Tybout (1998) die mit dem EinExportverhalten in Westund Ostdeutschland 551 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 tritt in den Exportmarkt verbundenen versunkenen Kosten, wie z. B. die Marktforschung im Ausland. Sie argumentieren, dass nur jene Firmen exportieren, deren Gewinne die versunkenen Kosten decken und folglich nur die produktivsten Firmen in den Exportmarkt eintreten. Nach Greenaway/Kneller (2007, 135) gilt es als stilisierter Fakt, dass die Produktivität einer Firma ex-ante deren Exportentscheidung bestimmt. Entsprechend Melitz (2003) bestehen, abhängig von der Höhe der mit dem Markteintritt verbundenen versunkenen Kosten und der Firmenproduktivität, die Firmen am Binnenmarkt und treten in den Exportmarkt ein. Gemäß diesen theoretischen Überlegungen sollten folglich für die Analyse der Exportdeterminanten auf einzelbetrieblicher Ebene Erklärungsansätze herangezogen werden, die explizit auf betriebsspezifische Charakteristika abstellen. Zudem sollten sie diejenigen Merkmale berücksichtigen, die entsprechend den Aussagen der theoretischen Literatur zu heterogenen Firmen für die Höhe der Firmenproduktivität und die Höhe der Fixkosten (versunkenen Kosten) entscheidend sind. Es ist zu erwarten, dass die betrieblichen Exportaktivitäten umso ausgeprägter sind, je höher die Produktivität der Betriebe ist und je geringer die mit den Exporten verbundenen Fixkosten ausfallen. Als Determinante der Exportaktivität eines Betriebes ist zum einen das Humankapital des Betriebes zu nennen, da technologischer Fortschritt Hochqualifizierte bevorzugt und somit die Produktivität eines Produzenten positiv korreliert ist mit seiner Humankapitalintensität (vgl. Burstein/Vogel, 2010). Es ist empirisch belegt, dass Exportbetriebe dazu tendieren, humankapitalintensiv zu produzieren (vgl. Bernard/Redding/Schott, 2007, Verhoogen, 2008). Einen positiven Zusammenhang zwischen der Humankapitalausstattung der Betriebe und deren Exporttätigkeit weisen auch z. B. Wagner (2001) und Roper/Love/ Hígon (2006) nach. Für die Höhe der Produktivität eines Produzenten spielt weiterhin die Ausstattung mit Sachkapital eine wesentliche Rolle für das Exportverhalten, da sie eng die Technologieausstattung bestimmt. Die Innovationsaktivitäten eines Betriebes sind ebenfalls eine wesentliche Determinante seiner Exportverflechtungen. Produktivitätszuwächse können mit technischem Fortschritt erklärt werden, welcher unter anderem von den Ergebnissen aus Forschung und Entwicklung abhängig ist. Der Wettbewerb der Märkte treibt die Firmen zu Innovationen (vgl. Vernon, 1966, Krugman, 1979a). Ohne Innovationstätigkeiten würden Produkte von Ländern, in denen Arbeit vergleichsweise billiger ist, imitiert und zu niedrigeren Preisen verkauft. Daher ist zu erwarten, dass innovationsstarke Firmen in geringerem Maße dem Imitationswettbewerb ausgesetzt sind und deswegen tendenziell eine höhere Exportquote aufweisen als andere Firmen.2Wagner (2001), Roper/Love (2002) 552 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 2Der kausale Zusammenhang zwischen Innovationen und Exporten besteht a priori in beide Richtungen. So kann der härtere Wettbewerb, der auf internationalen Märkten herrscht, die Betriebe zur Hervorbringung von neuen Produkten und VerfahrenstechniOPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 und Kirchbach/Schmiedeberg (2008) zeigen für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland einen positiven Zusammenhang zwischen Produktinnovationen und Exportaktivitäten. Die Betriebsgröße ist als weitere Determinante zu nennen, denn die mit den Exportaktivitäten eines Betriebes verbundenen Fixkosten fallen unabhängig vom Ausmaß der Außenhandelsaktivitäten an (vgl. Clerides/Lach/Tybout, 1998, Melitz, 2003). Da die Fixkosten bei größeren Produktionsmengen nicht so stark ins Gewicht fallen, ist anzunehmen, dass größere Betriebe ein stärkeres Auslandsengagement aufweisen als kleine Betriebe. Allerdings dürfte sich dieser positive Effekt mit zunehmender Betriebsgröße abschwächen, da mit ihr gleichzeitig auch die Koordinationskosten zunehmen. Wagner (2001) zeigt, dass die Exportaktivitäten eines Betriebs mit der Betriebsgröße ansteigen. Ab der optimalen Größe wirkt aber eine weitere Expansion unprofitabel, was wiederum zu einem sinkenden Auslandsengagement führt. Das Auslandsengagement kann auch von der betrieblichen Organisationsstruktur beeinflusst werden. So zeigen Roper/Love/Hígon (2006), dass Betriebe in ausländischem Eigentum ein signifikant höheres Exportverhalten aufweisen als Betriebe in inländischem Eigentum. Sie führen dies darauf zurück, dass Vorteile der Betriebe in ausländischem Eigentum bei der Markenbildung, dem Marketing oder auch dem Vertrieb der Produkte im Ausland bestehen. Auf einen insbesondere für Ostdeutschland relevanten Zusammenhang zwischen der überregionalen Absatzstruktur und dem Eigentümerstatus der Betriebe gehen Loose/Ludwig (2002) ein. Gleichfalls stellt die Betriebsstruktur eine Determinante des Auslandsengagements dar, da die Einbindung eines Betriebes in einem größeren Unternehmen potenzielle Vorteile mit sich bringt (vgl. Roper/Love/Hígon, 2006). So kann ein Verbundbetrieb einerseits von Größenvorteilen profitieren und andererseits auf die Ergebnisse der Forschung und Entwicklung im Unternehmenssitz zurückgreifen (vgl. Loose/Ludwig, 2002). Da er des Weiteren die Exportabteilung des Mutterunternehmens nutzen kann, sind seine mit den Exporten verbundenen Fixkosten entsprechend geringer. Andererseits ist es aber auch denkbar, dass ein Verbundbetrieb innerhalb der unternehmensinternen Arbeitsteilung hoch spezialisierte Funktionen erfüllt, die mit eigenständigen Exportaktivitäten nicht oder nur in beschränktem Ausmaß kompatibel sind (vgl. Leber, 2002).3A priori lässt sich ein eindeutiger Wirkungszusammenhang folglich nicht postulieren. Exportverhalten in Westund Ostdeutschland 553 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 ken antreiben, damit sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten können. Lachenmaier/Wössmann (2006) kommen in ihrer Untersuchung für Deutschland jedoch zu dem Ergebnis, dass die Kausalität von Innovationen zu Exporten verläuft. 3Dieser Aspekt ist besonders für Ostdeutschland relevant. So merken Loose/Ludwig (2002) an, dass in der Privatisierungsphase Anfang der 90er Jahre viele westdeutsche und ausländische Unternehmen in Ostdeutschland Betriebe gekauft haben, die Zulieferfunktionen im Konzernverbund übernommen haben. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Nicht zuletzt hängt das Auslandsengagement eines Betriebes von dessen Branchenzugehörigkeit ab. Die einzelnen Branchen sind durch Strukturunterschiede gekennzeichnet, die für die Exporterfolge der jeweiligen Betriebe von Bedeutung sein können. Ebenso differieren die Höhe der Transportkosten und der Grad der Handelsbeschränkungen zwischen den Branchen. Es ist zu erwarten, dass die Exportaktivitäten umso stärker ausfallen, je geringer diese Kosten und Beschränkungen sind. Einige wenige der Untersuchungen, die sich mit Deutschland befassen, gehen explizit auf die Unterschiede im Exportverhalten der westund der ostdeutschen Betriebe ein. So dokumentieren Kirbach/Schmiedeberg (2008) beträchtliche Unterschiede zwischen den westund ostdeutschen Betrieben, die aber mit der Zeit abgenommen haben. Ausgehend von separaten Schätzungen für die beiden Landesteile betonen sie außerdem die größere Relevanz von Innovationsaktivitäten für die ostdeutschen Betriebe. Zwei Studien gehen zusätzlich mittels einer Dekompositionsanalyse der Frage nach, inwieweit sich die Unterschiede zwischen den Regionen anhand der in den Analysen berücksichtigten Variablen erklären lassen. Engelmann/Fuchs (2008) führen eine Dekompositionsanalyse für die betriebliche Exportentscheidung in Ostund Westdeutschland für das Jahr 2004 durch. Wagner (2008) analysiert ebenfalls Ostund Westdeutschland auf Basis des Jahres 2004, berücksichtigt aber nur Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten und vergleichsweise wenig erklärende Variablen. In diesem Beitrag setzen wir an den beiden letztgenannten Studien an, erweitern aber diese in wesentlichen Punkten. Erstens können wir aufgrund der Betrachtung mehrerer Jahre Aussagen zur Entwicklung über die Zeit treffen. Folglich untersuchen wir mittels der Dekompositionsanalyse für verschiedene Zeitpunkte, ob sich im Zuge des Anpassungsprozesses Ostund Westdeutschlands die Unterschiede zwischen den Landesteilen aufgrund von Veränderungen in bestimmten Betriebscharakteristika verringert haben. Zweitens führen wir die Dekomposition sowohl für die Unterschiede in der Exportentscheidung ostund westdeutscher Betriebe als auch für die Unterschiede in deren Exportquote durch. Die Ausgangsbasis hierfür bieten multivariate Schätzungen zu den Determinanten des Auslandsengagements. Drittens ermöglicht unsere Datenbasis sowohl die Einbeziehung von Betrieben mit mindestens einem Beschäftigten als auch eine detaillierte branchenspezifische Analyse. 3. Empirische Analyse 3.1 Datengrundlage und Variablen Datengrundlage unserer Analyse bildet das IAB-Betriebspanel. Es stellt eine jährlich wiederholte freiwillige Betriebsbefragung mit in der Regel mündlichen Interviews dar, welche seit 1993 in Westdeutschland und seit 1996 auch in Ost554 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 deutschland durchgeführt werden.4Grundgesamtheit der Stichprobe sind alle Betriebe in Deutschland mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (vgl. Fischer u. a., 2009). Das IAB-Betriebspanel bietet neben allgemeinen Angaben zum Betrieb unter anderem Informationen zu Geschäftspolitik und -entwicklung, Beschäftigungsentwicklung, Personalstruktur, Investitionen und Innovationen. Neben einem von Jahr zu Jahr gleich bleibenden Fragenblock kommen in jeder Welle Sonderfragen zu einem thematischen Schwerpunkt hinzu. Die Analyse beruht auf Angaben der Betriebe des verarbeitenden Gewerbes für die Jahre 2001 bis 2009. Da nicht alle der im Weiteren vorgestellten Variablen jedes Jahr erfasst werden, beschränken wir uns auf die Analyse der Jahre 2001, 2004, 2007, 2008 und 2009.5Insgesamt können damit die Exportaktivitäten von 7.942 Betrieben in Westdeutschland und von 7.961 Betrieben in Ostdeutschland analysiert werden. Unter dem Fragenkomplex zur Geschäftspolitik und Geschäftsentwicklung befindet sich unter anderem die Frage nach der regionalen Verteilung des Umsatzes. Zur Beantwortung der Frage „Wie viel Prozent Ihres Umsatzes im Jahr xxxx entfielen auf die einzelnen Regionen dieser Liste?“können die Betriebe unter den alten und den neuen Bundesländern einschließlich Berlin sowie dem Ausland wählen.6Wir messen die Exportbeteiligung eines Betriebs daran, ob ein Betrieb ins Ausland exportiert oder nicht. Die Exportquote, die als zweite abhängige Variable in die ökonometrischen Schätzungen eingeht, wird als Anteil des Auslandsumsatzes am gesamten Umsatz berechnet. Da sich die Frage nach der regionalen Verteilung der Umsätze auf das Vorjahr bezieht, wird diese Information aus den Befragungswellen der jeweiligen Folgejahre 2002 bis 2010 ergänzt. Dabei verbleiben nur die Betriebe im Datensatz, die in beiden der zueinander gehörenden Jahre an der Befragung teilgenommen als auch tatsächlich Angaben zur regionalen Verteilung ihres Umsatzes gemacht haben. Die erste erklärende Variable misst die Ausstattung eines Betriebes mit Humankapital und wird durch den Anteil der Beschäftigten für qualifizierte Tätigkeiten an allen Beschäftigten approximiert. Unter qualifizierte Tätigkeiten fallen solche, die eine abgeschlossene Lehre oder vergleichbare BerufsausbilExportverhalten in Westund Ostdeutschland 555 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 4Die Originaldaten aller Wellen können über Datenfernverarbeitung und im Rahmen von Gastaufenthalten beim Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit im IAB genutzt werden. Forschende in wissenschaftlichen Einrichtungen können zudem auf die faktisch anonymisierten voll synthetischen Daten der Welle 2007 in Form eines Scientific Use File zurückgreifen. Genauere Informationen sind erhältlich unter http:// fdz.iab.de/de/FDZ_Establishment_Data/IAB_Establishment_Panel.aspx. 5Dazu zählen unter anderem die Angaben zum betrieblichen Innovationsverhalten, die ein zentrales Betriebsmerkmal darstellen. 6Bis 2003 konnten die Betriebe zusätzlich ihren Auslandsumsatz in den Ländern der Europäischen Währungsunion angeben, 2004 bis 2007 noch dazu in den neuen EU-Ländern. Die Angaben für die entsprechenden Jahre haben wir zu einem einzigen Anteil addiert. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 dung oder -erfahrung oder einen (Fach-)Hochschulabschluss erfordern. Abgeleitet aus den in Abschnitt 2 angestellten theoretischen Überlegungen sollten die Exportaktivitäten eines Betriebes mit zunehmender Humankapitalausstattung steigen. Die Ausstattung der Betriebe mit Sachkapital wird durch Angaben zur Investitionstätigkeit in EDV und Informationsund Kommunikations (IuK)-Technik sowie zu Investitionen in Produktionsanlagen beschrieben. Wir fassen diese beiden Angaben zusammen, da für unsere Analyse nur relevant ist, ob ein Betrieb mindestens eine der beiden Möglichkeiten nutzte. Es ist zu erwarten, dass die Ausstattung mit Sachkapital ebenfalls in einem positiven Zusammenhang mit den zu erklärenden Variablen steht. Die Innovationsaktivitäten der Betriebe werden darüber erfasst, ob diese in den letzten zwei Jahren vor dem Befragungszeitpunkt ein Produkt verbessert oder weiterentwickelt haben und ob sie ein Produkt neu ins Angebot aufgenommen haben, das bereits auf dem Markt bzw. noch nicht auf dem Markt war. Auch hier fassen wir die drei verschiedenen Angaben in einer Variablen zusammen (vgl. auch Loose/Ludwig, 2002). Ausgehend von den theoretischen Überlegungen ist ein positiver Zusammenhang zwischen dem Auslandsengagement und den Innovationsaktivitäten zu erwarten. Die Bestimmung der Betriebsgröße erfolgt anhand der Gesamtzahl der Beschäftigten im Betrieb zum 30. 6. des jeweiligen Jahres. Die Auslandsaktivitäten sollten gemäß den theoretischen Überlegungen mit der Größe des Betriebs zunehmen. Zur Überprüfung einer Degression dieses Betriebsgrößeneffekts wird die Beschäftigtenzahl zusätzlich auch in quadrierter Form in die Schätzung aufgenommen. Der Eigentümerstatus gibt Aufschluss darüber, ob sich ein Betrieb in inländischem oder ausländischem Eigentum befindet. Darüber hinaus wird anhand der Betriebsstruktur erfasst, ob die Betriebe als unabhängige, eigenständige Unternehmen oder aber als Verbundbetriebe organisiert sind. Das IAB-Betriebspanel enthält keine weiterführenden Informationen über die Zugehörigkeit der Betriebe zu Mehr-Betriebs-Unternehmen und ihrer Rolle im Betriebsverbund. Daher versuchen wir mit der Variable diese grundsätzliche Problematik bei der Verwendung von Betriebsdaten zu berücksichtigen. Schließlich unterscheiden wir 15 verschiedene Branchen innerhalb des verarbeitenden Gewerbes. Tabelle 1 fasst die Variablen, die wir zur Überprüfung der verschiedenen Erklärungsansätze verwenden, zusammen. 556 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 teil der unerklärten Komponente in den Differenzen der Exportquoten bestimmt werden. 3.3.2 Determinanten der Exportentscheidung Die Ergebnisse zu den Determinanten der Exportentscheidung für alle Betriebe sowie für die westund ostdeutschen Betriebe separat sind in Tabelle 2 wiedergegeben. Ausgewiesen werden die marginalen Effekte, die sich auf Grundlage der zeitlich gepoolten Logit-Schätzung von Gleichung (1) ergeben.11 Insgesamt üben die berücksichtigten Variablen in Übereinstimmung mit den in Abschnitt 2 diskutierten Ergebnissen einen größtenteils statistisch hoch signifikanten Einfluss auf die Exportentscheidung eines Betriebes aus. Der Anteil qualifizierter Beschäftigter hat einen positiven Einfluss auf die Entscheidung eines Betriebs, ins Exportgeschäft einzusteigen. Die separate Betrachtung der beiden Landesteile macht jedoch deutlich, dass dies nur für Ostdeutschland statistisch abgesichert ist. Dies gilt auch für die einzelnen Jahre. Sind Investitionen in das Sachkapital getätigt worden, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zu exportieren stark. Hat zudem der Betrieb in den letzten Jahren Produktverbesserungen vorgenommen, so erhöht das die Wahrscheinlichkeit zu exportieren sogar um insgesamt 24,3%. Dieser starke Zusammenhang zwischen Innovationen und Exportverhalten wird ebenfalls von Kirbach/Schmiedeberg (2008) und Lejpras (2010) betont. Beide Merkmale haben bei den Betrieben in Ostdeutschland einen teils größeren Effekt als bei denjenigen in den alten Bundesländern. Der in vielen anderen Untersuchungen gefundene positive Zusammenhang zwischen der Betriebsgröße und der Wahrscheinlichkeit zu exportieren (vgl. z. B. Wagner, 2008 oder Kirbach/Schmiedeberg, 2008) lässt sich auch hier beobachten. Die quadrierte Zahl der Beschäftigten ist negativ, was in einem degressiven Anstieg der Exportaktivitäten mit der Betriebsgröße resultiert: die Wahrscheinlichkeit, auf den Auslandsmärkten aktiv zu werden nimmt zwar mit der Betriebsgröße zu, allerdings mit einer abnehmenden Rate.12 Der Eigentümerstatus stellt ebenfalls einen wichtigen Einflussfaktor dar. Ist ein Betrieb in inländischem Eigentum, verringert das seine Exportwahrscheinlichkeit um insgesamt 16,0%. In Ostdeutschland ist dieser negative Zusammenhang dabei wesentlich stärker ausgeprägt als in den alten Bundesländern, nimmt aber von 2001 bis 2009 ab. Der starke Einfluss könnte auf die in AbExportverhalten in Westund Ostdeutschland 563 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 11 Die jeweiligen Schätzergebnisse für die einzelnen Jahre sind bei den Autoren erhältlich. 12 Die kritische Betriebsgröße, bei der der positive Effekt auf die Exportaktivitäten wieder abnimmt, liegt in Westdeutschland bei 25.328 Beschäftigten und in Ostdeutschland bei 3.787 Beschäftigten. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Tabelle 2 Determinanten der Exportentscheidung (marginale Effekte 1 ) Deutschland West Ost Anteil qualifizierte Beschäftigte 1,13e-3*** 1,70e-4 1,89e-3*** (0,000) (0,000) (0,000) Investitionen (1=ja) 0,202*** 0,163*** 0,188*** (0,013) (0,019) (0,017) Innovationen (1=ja) 0,243*** 0,222*** 0,224*** (0,012) (0,018) (0,015) Beschäftigtenzahl 5,65e-4*** 4,06e-4*** 1,12e-3*** (0,000) (0,000) (0,000) quadrierte Beschäftigtenzahl –1,12e-8*** –8,01e-9*** –1,48e-7*** (0,000) (0,000) (0,000) Eigentümerstatus (1=inländisch) –0,160*** –0,098*** –0,194*** (0,020) (0,023) (0,031) Betriebsstruktur (1=unabhängig) –0,084*** –0,071*** –0,083*** (0,019) (0,023) (0,027) Branchen (Referenz: Nahrungsund Genussmittel) Textil und Bekleidung 0,145*** 0,120*** 0,157*** (0,026) (0,025) (0,049) Papier und Druck 0,174*** 0,122*** 0,243*** (0,030) (0,030) (0,062) Holzgewerbe 0,156*** 0,102*** 0,219*** (0,030) (0,037) (0,048) Chemie 0,347*** 0,236*** 0,456*** (0,022) (0,028) (0,038) Gummi und Kunststoff 0,373*** 0,301*** 0,428*** (0,020) (0,022) (0,039) Glas, Keramik, usw. 0,146*** 0,054 0,221*** (0,033) (0,043) (0,051) Metallerzeugung/-verarb. 0,305*** 0,269*** 0,301*** (0,021) (0,021) (0,043) H.v. Metallerz., Metallbau 0,230*** 0,206*** 0,228*** (0,020) (0,020) (0,038) Maschinenbau 0,338*** 0,296*** 0,352*** (0,018) (0,020) (0,038) Kraftwagen 0,287*** 0,252*** 0,302*** (0,022) (0,024) (0,049) 564 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Sonstiger Fahrzeugbau 0,208*** 0,118** 0,276*** (0,038) (0,060) (0,052) Elektrotechnik 0,243*** 0,199*** 0,274*** (0,022) (0,023) (0,042) Feinmechanik und Optik 0,067** 0,031 0,112** (0,033) (0,041) (0,050) Möbel, Schmuck, usw. 0,090*** 0,099*** 0,059 (0,032) (0,031) (0,059) Ostdeutschland (1=ja) –0,130*** (0,016) Jahre (Referenz: 2001) 2004 0,070*** 0,028* 0,109*** (0,012) (0,015) (0,018) 2007 0,034*** –0,020 0,085*** (0,013) (0,018) (0,018) 2008 0,067*** 0,019 0,109*** (0,013) (0,017) (0,019) 2009 0,046*** –0,026 0,119*** (0,014) (0,019) (0,020) Fallzahl 15.903 7.942 7.961 Log Pseudolikelihood –8.330,34 –4.147,27 –4.057,20 Pseudo R 2 0,24 0,23 0,24 1 Marginale Effekte auf den Mittelwert; im Fall von Dummies für eine diskrete Änderung von 0 auf 1. Anmerkung: Cluster-robuste Standardfehler in Klammern. Signifikanz der Koeffizienten auf dem *10%-, **5%- und ***1%-Niveau. Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. schnitt 2 diskutierte stärkere internationale Einbindung derjenigen Betriebe zurückzuführen sein, die sich in ausländischem Besitz befinden. Schließlich bestimmt auch die Betriebsstruktur die Entscheidung, in den Exportmarkt einzusteigen. Dieser Einfluss ist in Ostdeutschland stärker als in Westdeutschland, hat allerdings über die betrachteten Jahre in den alten Bundesländern zugenommen. Ein unabhängiger Betrieb weist im Vergleich zur Niederlassung eines Unternehmens oder einer Unternehmenszentrale mit Niederlassungen eine geringere Exportwahrscheinlichkeit auf (vgl. auch Leber, 2002). Zum Einfluss der Branchenzugehörigkeit ist festzustellen, dass im Vergleich zur Referenzbranche der Nahrungsund Genussmittel die Wahrscheinlichkeit für die Betriebe anderer Branchen zu exportieren teils deutlich höher ausfällt. Exportverhalten in Westund Ostdeutschland 565 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 In Westdeutschland ist dies insbesondere der Fall für den Maschinenbau und die Gummiund Kunststoffindustrie. In Ostdeutschland wird die Exportwahrscheinlichkeit in diesen beiden Branchen noch durch die Chemische Industrie übertroffen. Der in der Schätzung für Deutschland enthaltene Dummy für Ostdeutschland ist negativ und hoch signifikant. Demzufolge reduziert der Standort eines Betriebes in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland unter Berücksichtigung der aufgeführten Betriebscharakteristika die Wahrscheinlichkeit zu exportieren um 13,0%. Im Zeitverlauf nimmt dieser Nachteil allerdings ab.13 Auch schon für die Jahre zwischen 1993 und 2003 weisen Kirbach/Schmiedeberg (2008) in einer Vergleichsstudie negative und kleiner werdende Koeffizienten für den Standort in Ostdeutschland aus. Diese Ergebnisse unterstreichen den kontinuierlichen Aufholprozess der ostdeutschen Betriebe im Exportgeschäft. Auch der Einfluss der Zeit differiert zwischen den beiden Landesteilen. Die Jahresdummies sind nur in Ostdeutschland hoch signifikant und positiv, was impliziert, dass die Wahrscheinlichkeit zu exportieren mit den Jahren und unabhängig von Veränderungen in den anderen berücksichtigten Variablen zugenommen hat.14 Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass die ostdeutschen Betriebe ihre Nachteile gegenüber den westdeutschen Betrieben mit der Zeit immer weiter abgebaut haben. 3.3.3 Determinanten der Exporthöhe Die Schätzergebnisse zu den Determinanten der Exporthöhe sind in Tabelle 3 zusammengefasst und analog zu denen für die Exportentscheidung aufgebaut.15 Sie stimmen im Wesentlichen mit den Logit-Ergebnissen überein. Wie ein Vergleich der Höhe der marginalen Effekte jedoch zeigt, ist der Einfluss der erklärenden Variablen auf die Exporthöhe geringer als auf die Exportentscheidung. Die Ausstattung mit Humankapital besitzt für das Ausmaß der Exporte eine etwas geringere Relevanz als für die Exportentscheidung, was sich auch über die einzelnen Jahre hinweg durchzieht. Ein durchgehend positiver aber dennoch geringerer Einfluss auf die Exporthöhe im Vergleich zur Exportentscheidung zeigt sich bei den betrieblichen Investitionsund Innovationsaktivitäten. Die marginalen Effekte sind dabei für die Betriebe in den alten Bundesländern höher als in den neuen Bundesländern (vgl. auch Wagner, 2001 und Wagner, 2011a). 566 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 13 2001 betrug der entsprechende marginale Effekt –19,8%, 2004 lag er bei –14,6%, 2007 bei –11,9%, 2008 bei –13,5% und 2009 bei –8,4%. 14 Der Test auf Gleichheit der Koeffizienten für die Betriebe Ostdeutschlands zeigt, dass sich die marginalen Effekte der betrachteten Jahre unter Beachtung der Schätzfehler signifikant unterscheiden. 15 Die jeweiligen Schätzergebnisse für die einzelnen Jahre sind bei den Autoren erhältlich. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Tabelle 3 Determinanten der Exporthöhe (marginale Effekte 1 ) Deutschland West Ost Anteil qualifizierte Beschäftigte 6,32e-4*** 6,71e-4*** 5,50e-4*** (0,000) (0,000) (0,000) Investitionen (1=ja) 0,058*** 0,064*** 0,044*** (0,005) (0,009) (0,005) Innovationen (1=ja) 0,081*** 0,103*** 0,056*** (0,005) (0,008) (0,005) Beschäftigtenzahl 2,63e-5*** 3,22e-5*** 1,03e-4*** (0,000) (0,000) (0,000) quadrierte Beschäftigtenzahl –5,34e-10*** –6,42e-10*** –1,18e-8*** (0,000) (0,000) (0,000) Eigentümerstatus (1=inländisch) –0,093*** –0,082*** –0,096*** (0,009) (0,011) (0,013) Betriebsstruktur (1=unabhängig) –0,037*** –0,049*** –0,025*** (0,006) (0,009) (0,008) Branchen (Referenz: Nahrungsund Genussmittel) Textil und Bekleidung 0,072*** 0,091*** 0,056** (0,018) (0,024) (0,025) Papier und Druck 0,037** 0,040* 0,038* (0,015) (0,023) (0,023) Holzgewerbe 0,039** 0,018 0,051** (0,017) (0,026) (0,022) Chemie 0,244*** 0,270*** 0,205*** (0,025) (0,034) (0,038) Gummi und Kunststoff 0,163*** 0,214*** 0,122*** (0,020) (0,027) (0,031) Glas, Keramik, usw. 0,060*** 0,080** 0,041* (0,020) (0,035) (0,021) Metallerzeugung/-verarb. 0,129*** 0,190*** 0,068*** (0,018) (0,026) (0,022) H.v. Metallerz., Metallbau 0,098*** 0,145*** 0,055*** (0,013) (0,020) (0,018) Maschinenbau 0,232*** 0,333*** 0,116*** (0,018) (0,023) (0,024) Kraftwagen 0,158*** 0,232*** 0,084*** (0,018) (0,026) (0,023) Fortsetzung nächste Seite Exportverhalten in Westund Ostdeutschland 567 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Fortsetzung Tabelle 3 Deutschland West Ost Sonstiger Fahrzeugbau 0,087*** 0,086** 0,064** (0,024) (0,039) (0,027) Elektrotechnik 0,114*** 0,163*** 0,074*** (0,016) (0,023) (0,021) Feinmechanik und Optik 0,091*** 0,112*** 0,070*** (0,021) (0,033) (0,026) Möbel, Schmuck, usw. 0,016 0,033 0,001 (0,015) (0,025) (0,019) Ostdeutschland (1=ja) –0,064*** (0,005) Jahre (Referenz: 2001) 2004 0,029*** 0,036*** 0,024*** (0,004) (0,007) (0,005) 2007 0,015*** 0,007 0,024*** (0,004) (0,007) (0,006) 2008 0,023*** 0,019** 0,027*** (0,005) (0,007) (0,006) 2009 0,023*** 0,015* 0,033*** (0,005) (0,008) (0,007) Fallzahl 15.903 7.942 7.961 Log Likelihood –4.873,30 –2.850,28 –1.971,40 1 : Marginale Effekte auf den Mittelwert; im Fall von Dummies für eine diskrete Änderung von 0 auf 1. Anmerkung: Cluster-robuste Standardfehler in Klammern. Signifikanz der Koeffizienten auf dem *10%-, **5%- und ***1%-Niveau. Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. Wie schon bei der Entscheidung zu exportieren wird auch bei der Exporthöhe der Stellenwert der Betriebsgröße sichtbar, der aber bei Erreichen einer bestimmten kritischen Größe wieder abnimmt.16 Der Einfluss des Eigentümerstatus auf die Exporthöhe unterscheidet sich ebenfalls zwar im Ausmaß, aber nicht in der Richtung gegenüber dem Einfluss auf die Exportentscheidung. Befindet sich ein Betrieb in inländischem Eigentum, so verringert dies seine Exportquote um 9,3%. Für westund ostdeutsche 568 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 16 Auf Grundlage der Koeffizienten der gepoolten Fractional Logit-Schätzungen liegt die kritische Betriebsgröße für die Exporthöhe in Westdeutschland bei 25.056 und für Ostdeutschland bei 4.354 Beschäftigten. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Betriebe bestehen hierbei ebenso wie bei der Entscheidung, in die Auslandsmärkte einzusteigen, geringfügige Unterschiede. Auch in Bezug auf die Betriebsstruktur wird das geringere Exportengagement der unabhängigen Betriebe deutlich. Die Variable nimmt für die westdeutschen Betriebe über die Zeit durchgehend hoch signifikante Ergebnisse an. Offenbar besitzt dieses Merkmal einen höheren Stellenwert, wenn die Betriebe einmal ins Auslandsgeschäft eingestiegen sind. Die Branchenzugehörigkeit scheint insgesamt für die Entscheidung zu exportieren eine größere Relevanz zu besitzen als für die Entscheidung, wie viel exportiert wird. Im Vergleich zur Nahrungsund Genussmittelbranche lassen sich in Westdeutschland besonders starke Effekte bei der Zugehörigkeit zum Maschinenbau und zur Chemischen Industrie erkennen. In Ostdeutschland zeigt die Zugehörigkeit zur Chemischen Industrie den stärksten Effekt, gefolgt von der Gummiund Kunststoffbranche und dem Maschinenbau. Der Standort Ostdeutschland prägt die Exporthöhe zwar nicht so stark wie die Exportentscheidung, ist aber trotzdem negativ und auf dem 1%-Niveau signifikant. Ein kontinuierlicher Aufholprozess zwischen Ost und West ist für die Exporthöhe im Gegensatz zur Exportentscheidung allerdings nicht eindeutig festzustellen.17 Jahresspezifische Einflüsse werden schließlich bei der Exporthöhe auch für die westdeutschen Betriebe sichtbar, allerdings nicht so stark wie für die ostdeutschen Betriebe. Auch für die Exporthöhe lässt sich damit Evidenz für einen gewissen Konvergenzprozess zwischen den ostund den westdeutschen Betrieben ableiten.18 3.3.4 Dekomposition der Ost-West-Unterschiede Die ökonometrische Analyse hat bislang gezeigt, dass die berücksichtigten Merkmale gleichermaßen das Auslandsengagement der ostund westdeutschen Betriebe beeinflussen, allerdings in einem unterschiedlichen Ausmaß. Im Folgenden soll nun mit Hilfe einer Dekomposition die Frage beantwortet werden, in welchem Ausmaß die Unterschiede zwischen den Betrieben in Ost und West sowie das Aufholen der ostdeutschen Betriebe durch die exogenen Variablen erklärt werden können. Die Ergebnisse der Dekomposition für die Exportentscheidung mit den ostdeutschen Betrieben als Referenzgruppe sind in Tabelle 4 ausgewiesen. Sie Exportverhalten in Westund Ostdeutschland 569 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 17 Die marginalen Effekte für den Ostdeutschland-Dummy liegen in den jahresweisen Schätzungen für Gesamtdeutschland bei –6,7% für 2001, –7,4% für 2004, –6,4% für 2007, –6,7% für 2008 und bei –4,3% für 2009. 18 Auch hier zeigt der Test auf Gleichheit der Koeffizienten für die Betriebe Ostdeutschlands, dass sich die marginalen Effekte der betrachteten Jahre unter Beachtung der Schätzfehler signifikant unterscheiden. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 führen an der Ost-West-Differenz in der Exportbeteiligung in Höhe von 19,0 Prozentpunkten 11,2 Prozentpunkte auf den erklärten Anteil zurück. Folglich erklärt der Merkmalseffekt 59,2% der geringeren Exportentscheidung der ostdeutschen Betriebe. Die restlichen 40,8% der Differenz können hingegen nicht durch Unterschiede in der Ausstattung erklärt werden. Anders formuliert bedeutet dies, dass der Ost-West-Unterschied um etwa 11,2 Prozentpunkte geringer wäre, wenn die ostdeutschen Betriebe dieselben Merkmalsausprägungen aufweisen würden wie die westdeutschen Betriebe. Dennoch bliebe auch dann noch ein Unterschied von etwa 8,2 Prozentpunkten bestehen. Tabelle 4 Ergebnisse der Dekomposition für die Exportentscheidung (Referenz: Ost) Gepoolt 2001 2004 2007 2008 2009 Anteil Exportbetriebe Ost (in%) 38,8 34,3 39,2 40,4 40,9 39,2 Anteil Exportbetriebe West (in%) 57,8 61,3 59,5 57,6 59,4 51,9 Differenz (in Prozentpunkten) –19,0 –26,9 –20,3 –17,3 –18,6 –12,7 erklärter Anteil (in Prozentpunkten) –11,2 –13,5 –12,4 –10,1 –10,1 –7,9 Merkmalseffekt (in%) 59,2 50,2 60,8 58,5 54,4 62,2 Resteffekt (in%) 40,8 49,8 39,2 41,5 45,6 37,8 Detaillierte Dekomposition des Merkmalseffekts Anteil qualifizierte Beschäftigte 0,012*** 0,011** 0,007* 0,013*** 0,014*** 0,010*** Investitionen –0,018*** –0,010*** –0,027*** –0,016*** –0,020*** –0,014*** Innovationen –0,020*** –0,019*** –0,019*** –0,020*** –0,013*** –0,021*** Beschäftigtenzahl –0,090*** –0,145*** –0,097*** –0,095*** –0,084*** –0,062*** quadrierte Beschäftigtenzahl 0,018*** 0,050*** 0,019*** 0,019*** 0,017*** 0,011*** Eigentümerstatus –0,007*** –0,009*** –0,008*** –0,006*** –0,006*** –0,004*** Betriebsstruktur –0,007*** 0,001 –0,004 –0,002 –0,012*** –0,010*** Branchen –0,003 –0,015*** 0,005 0,005 –0,001 0,010*** Anmerkungen: Die Jahresdummies sind in den gepoolten Berechnungen enthalten, aber nicht ausgewiesen. Signifikanz der Koeffizienten auf dem *10%-, **5%- und ***1%-Niveau. Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. Wie auch schon in Abbildung 1 deutlich wurde, hat sich die Differenz in der Exportbeteiligung zwischen den Betrieben in den beiden Landesteilen im betrachteten Zeitraum verringert. Die Dekomposition nach einzelnen Jahren weist in den Jahren 2004 bis 2008 eine eindeutige Entwicklung auf. Hier verringert 570 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 sich der Merkmalseffekt. Dies verdeutlicht, dass ein immer geringerer Anteil der Differenz in der Exportbeteiligung auf Unterschiede in der Betriebsausstattung zurückzuführen ist. Der steigende Resteffekt in diesem Zeitraum verweist darauf, dass zunehmend andere Einflussgrößen als die in dieser Analyse berücksichtigten an Bedeutung gewonnen haben. Über den gesamten Betrachtungszeitraum jedoch nimmt der Merkmalseffekt zu und der Resteffekt ab. Die detaillierte Dekomposition des Merkmalseffekts gibt Rückschlüsse auf die Beiträge der einzelnen Determinanten. Die Nachteile der ostdeutschen Betriebe werden verringert durch ihren vergleichsweise hohen Anteil an qualifizierten Beschäftigten. Dieser positive Beitrag wird aber durch die ungleich größeren Nachteile bei der Investitionsund Innovationstätigkeit überdeckt. Das größte Handicap der ostdeutschen Betriebe liegt jedoch in ihrer geringeren Betriebsgröße; 80% des Merkmalseffekts lassen sich darauf zurückführen. Über die Einzeljahre hinweg betrachtet weisen die Ergebnisse allerdings darauf hin, dass die Betriebsgröße als Exporthemmnis an Bedeutung verloren hat. Der Eigentümerstatus und die Betriebsstruktur spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Branchenzugehörigkeit schließlich leistet nur in zwei Jahren einen statistisch signifikanten Beitrag zur Erklärung der Ost-West-Differenz. Die Ergebnisse der Dekomposition mit den westdeutschen Betrieben als Referenzgruppe sind in Tabelle A.3 im Anhang enthalten. Der Merkmalseffekt fällt in dieser Darstellungsweise mit durchschnittlich 49,3% kleiner aus.19 Wie auch schon bei der Dekomposition mit der Referenzgruppe der ostdeutschen Betriebe nimmt der Merkmalseffekt über den Betrachtungszeitraum insgesamt zu und der Resteffekt ab, aber in geringeren Ausmaßen. Tabelle 5 präsentiert die Ergebnisse der Dekomposition für die Exporthöhe mit Referenzgruppe der ostdeutschen Betriebe. Für die gepoolten Daten ergibt sich, dass 21,1% der Ost-West-Differenz in der Exporthöhe durch Unterschiede in den betrachteten Betriebscharakteristika erklärt werden können. Dies entspricht einem erklärten Anteil von 2,3 Prozentpunkten an der Differenz der Exportquote von 10,7 Prozentpunkten. Hingegen können 78,9% der Differenz nicht durch Ausstattungsunterschiede erklärt werden. Würden ostdeutsche Betriebe die Ausstattung westdeutscher Betriebe aufweisen, so wäre der Unterschied in der Exportquote Ostund Westdeutschlands um 2,3 Prozentpunkte niedriger. Der Unterschied in der Exportquote zwischen den beiden Landesteilen läge dann noch bei 8,4 Prozentpunkten. Wie die Ergebnisse in Tabelle 5 weiterhin zeigen, hat sich die Differenz in der Exporthöhe insgesamt im Zeitverlauf verringert. Im Vergleich zur Exportentscheidung nimmt der Merkmalseffekt aber kontinuierlich ab. Dies legt nahe, dass von Jahr zu Jahr ein immer geringerer Anteil dieser Differenz auf UnterExportverhalten in Westund Ostdeutschland 571 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 19 Auch Wagner (2008) findet einen höheren Merkmalseffekt, wenn die ostdeutschen Betriebe als Referenzgruppe genommen werden. OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 schiede in der Betriebsausstattung zurückzuführen ist. Vielmehr scheinen zunehmend andere Einflussgrößen als die in dieser Analyse berücksichtigen an Bedeutung gewonnen zu haben. Tabelle 5 Ergebnisse der Dekomposition für die Exporthöhe (Referenz: Ost) Gepoolt 2001 2004 2007 2008 2009 Exportquote Ost (in%) 10,8 9,3 11,1 12,1 11,9 11,6 Exportquote West (in%) 21,5 21,2 23,7 22,0 22,3 19,0 Differenz (in Prozentpunkten) –10,7 –11,9 –12,6 –9,9 –10,4 –7,4 erklärter Anteil (in Prozentpunkten) –2,3 –3,6 –2,5 –1,4 –1,4 –0,8 Merkmalseffekt (in%) 21,1 30,1 19,9 14,5 13,5 10,3 Resteffekt (in%) 78,9 69,9 80,1 85,5 86,5 89,7 Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. Tabelle A.4 im Anhang dieses Beitrags präsentiert die Ergebnisse der Dekomposition mit der Referenzgruppe der westdeutschen Betriebe. Für die gepoolten Daten zeigt sich, dass der Merkmalseffekt mit 14,0% kleiner ausfällt als im Falle der Referenz ostdeutscher Betriebe. Im Zeitverlauf zeigt sich kein einheitlicher Trend, doch scheint der insgesamt abnehmende Merkmalseffekt auch bei dieser Analyse auf abnehmende Ausstattungsunterschiede zwischen ostund westdeutschen Betrieben zu deuten und der zunehmende Anteil des Resteffekts auf die steigende Relevanz anderer als hier verwendeter Einflussfaktoren hinzuweisen. 4. Fazit Der Beitrag hat die Bestimmungsfaktoren der Exportaktivitäten westund ostdeutscher Betriebe untersucht und aufgezeigt, in welchem Ausmaß diese zur Erklärung der immer noch existierenden Unterschiede zwischen den beiden Regionen beitragen. Die Daten auf der Grundlage des IAB-Betriebspanels für die Jahre 2001, 2004, 2007, 2008 und 2009 belegen gleichzeitig jedoch eine stetige Erhöhung der Exportaktivitäten der ostdeutschen Betriebe. Dies trifft vor allem auf die Beteiligung am Exportgeschäft zu. Die Ergebnisse der ökonometrischen Analysen heben die Innovationsund Investitionsaktivitäten, den Eigentümerstatus, die Betriebsstruktur und die Betriebsgröße als zentrale Determinanten des betrieblichen Exportverhaltens hervor. Diese Merkmale üben sowohl auf die Betriebe in den alten als auch in den neuen Bundesländern einen signifikanten Einfluss aus, allerdings in leicht unterschiedlichem Ausmaß. Demgegenüber stellt die Humankapitalausstattung eher in Ostdeutschland einen statistisch gesicherten Bestimmungsfaktor dar. 572 Sabine Engelmann und Michaela Fuchs Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44 Tabelle A.3 Ergebnisse der Dekomposition für die Exportentscheidung (Referenz: West) Gepoolt 2001 2004 2007 2008 2009 Anteil Exportbetriebe West (in%) 57,8 61,3 59,5 57,6 59,4 51,9 Anteil Exportbetriebe Ost (in%) 38,8 34,3 39,2 40,4 40,9 39,3 Differenz (in Prozentpunkten) 19,0 26,9 20,3 17,3 18,6 12,7 erklärter Anteil (in Prozentpunkten) 9,3 12,6 9,9 9,4 8,8 6,7 Merkmalseffekt (in%) 49,3 46,8 48,5 54,4 47,4 52,6 Resteffekt (in%) 50,7 53,2 51,5 45,6 52,6 47,4 Detaillierte Dekomposition des Merkmalseffekts Anteil qualifizierte Beschäftigte –0,001 0,004 –0,002 –0,010** –0,002 0,005 Investitionen 0,017*** 0,020*** 0,016*** 0,022*** 0,018*** 0,010*** Innovationen 0,022*** 0,025*** 0,024*** 0,023*** 0,016*** 0,016*** Beschäftigtenzahl 0,039*** 0,046*** 0,045*** 0,042*** 0,039** 0,035*** quadrierte Beschäftigtenzahl –0,003*** –0,002*** –0,006*** –0,003*** –0,003*** –0,002*** Eigentümerstatus 0,004*** 0,004* 0,007*** 0,003** 0,004*** –0,001 Betriebsstruktur 0,006*** 0,008*** 0,005 0,005* 0,004 0,009*** Branchen 0,009*** 0,021*** 0,010** 0,010** 0,012** –0,006* Anmerkung: Die Jahre sind in den Berechnungen enthalten, aber nicht ausgewiesen. Signifikanz der Koeffizienten auf dem *10%-, **+5%-, ***1%-Niveau. Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. Tabelle A.4 Ergebnisse der Dekomposition für die Exporthöhe (Referenz: West) Gepoolt 2001 2004 2007 2008 2009 Exportquote West (in%) 21,5 21,2 23,7 22,0 22,3 19,0 Exportquote Ost (in%) 10,8 9,3 11,1 12,1 11,9 11,6 Differenz (in Prozentpunkten) 10,7 11,9 12,6 9,9 10,4 7,4 erklärter Anteil (in Prozentpunkten) 1,5 2,4 3,1 0,8 1,0 0,4 Merkmalseffekt (in%) 14,0 20,2 24,9 7,6 9,7 5,5 Resteffekt (in%) 86,0 79,8 75,1 92,4 90,3 94,5 Quelle: IAB-Betriebspanel; eigene Schätzungen. Exportverhalten in Westund Ostdeutschland 579 Schmollers Jahrbuch 132 (2012) 4 OPEN ACCESS | Licensed under | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.132.4.549 | Generated on 2023-01-16 13:36:44