Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika
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Nachdruck verboten. Ueber setzungsrecht vorbehalten. Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. Von Prof. Dr. Th. Noack in Braunschweig. Hierzu Tafel 18. Durch Herrn Dr. Emin Pascha und durch Herrn Geheimrath Professor Dr. Moebius in Berlin wurde mir die Bearbeitung einer Collection von Säugethieren übertragen, welche ersterer im Jahre 1890 für das Berliner Museum in DeutschOstafrika, und zwar auf der Strecke von der Küste bis nach Tabora gesammelt hat. Die Collection enthält Hyrax 1, Roden tia 9, Insectivora 2, Carnivora 6 und Chiroptera 3 Species. Darunter befinden sich 3 direct an mich gesandte Embryonen von Mus und Georychus, welche ich dem Berliner Museum übergeben habe; hinzu kommt noch ein mir persönlich geschenktes Schurzfell aus dem Balge von Nesotragus moschatus, welches ein weiteres zoologisches Interesse nicht besitzt. Die Specimina sind gut präparirt, sorgfältig gemessen und etiquettirt, und bis auf einige von Negern erworbene Bälge ist allen der Schädel beigefügt. Herr Dr. Emin Pascha hat ferner die Güte gehabt, mir auf meine Bitte nebst mehreren Briefen, welche kurz den Fortgang seiner Reise und seiner Sammlungen melden, zwei ausführlichere Berichte über die von ihm auf der Reise beobachteten Säugethiere zu senden, den ersten von Tabora d. d. 8. VIII. 1890, den andern von Bukoba am Victoria-Nyansa d. d. 25. XI. 1890. Obwohl ich den erstem Bericht schon in der Bearbeitung der von Herrn Dr. Stuhlmann 1888 — 89 für das Hamburger Museum Zool. Jahrb. VII. Abth. f. Syst. 35
524 TH - noack, in Ostafrika gesammelten Säugethiere veröffentlicht habe (in: Hamb. Jahrbuch Wiss. Anst., Bd. 9), so glaube ich doch das Wichtigste daraus hier wiederholen zu müssen, weil sich diese Bemerkungen gerade auf die vorliegende Sammlung beziehen. Nachdem Herr Dr. Emin im Eingang seines Berichts die Schwierigkeiten des Sammeins und Arbeitens erwähnt und sich sehr anerkennend über die Leistungen seines Vorgängers auf diesem Gebiete, des verstorbenen Dr. Richard Böhm, geäussert hat, bespricht er die einzelnen Familien wie folgt: „Schweine, der Beschreibung nach Phacochoerus, sind überall häufig und werden von den Eingeborenen als Yerwüster der Felder gefürchtet. In Mrogorro musste ihrethalben der Anbau der Erdnuss (Arachis hypogaea) aufgegeben werden. Ueberall sieht man ihre Hauer als Schmuck. [Wahrscheinlich findet sich in Deutsch-Ostafrika neben Phacochoerus aeliani auch Ph. pallasii. Eine Zeichnung von Böhm scheint die letztere Art darzustellen. Einen Unterkiefer desselben erhielt kürzlich J. Menges im Somalilande; Prof. Keller hat es im Innern des Somalilandes in Herden gefunden. N.] Potamochoerus geht bis an die Küste. Am Kjaia- (Tschaia-) Sumpfe wurden frische Spuren von Elephanten gesehen, die überhaupt in der Magunda mkali nicht eben selten vorkommen sollen. Sonst selten. Eine sehr grosse Schuppe einer Manis-Art wurde von Wahumba (südl. Massai in Nord-Ugogo) erhalten, auch wurden viele Löcher gefunden. Eine Herde Zebras wurde im offenen Lande um Kirangasa gesehen. Esel sind überal häufig, werden aber bei den westlichen Massai, Wokidi etc. nur der Milch halber gehalten. Von Büffeln wurde nur einmal ein Trupp bemerkt, die am Wasser standen und sofort flohen. Giraffen wurden nur einige Mal erblickt, sind aber ziemlich häufig. Für das Antreffen von Antilopen war die Jahreszeit die ungünstigste, und an Jagdzüge durften wir nicht denken. Nur einmal sah ich von Weitem Gazellen [Aepyceros melampus? N.] mit breitem, braunem Seitenstreif. Gehörne sind überall zu finden. Die Stacheln von Hystrix fanden sich sehr häufig im Buschwalde von Ugogo, in Uniamuese seltener. Das Thier wird gern gegessen. Die gesammelten Species von Mäusen zu bestimmen, ist mir unmöglich. Ratten, überall sehr gemein, werden in den Tembes der Wagogo und Waniamuesi zur Hausplage, und man sucht sich gern Hauskatzen zu ihrer Vertilgung zu verschaffen. Es wurden gesammelt
Neue Beiträge zur Kenntniss der Sätigethier-Fauna von Ostafrika. 525 mehrere Exemplare der gewöhnlichen Hausratte, ein Exemplar des überall verbreiteten Mus minutoides, welcher hier etwas heller gefärbt ist als im Innern, und verschiedene Exemplare eines Meriones, der besonders um Mpuapua häufig war. Leider wurden die letztern Bälge unbrauchbar. In Tabora erhielten wir wieder die Hausratte , Mus minutoides und glauben Mus barbarus [Lemniscomys pulchellus Gray ? N.] gesehen zu haben. Eichhörnchen wurden beobachtet in den hohen Bäumen an der Mkata und auch in Ugogo. Von Viverriden war sehr gemein Herpestes fasciatus , ebenfalls häufig Herpestes badius, der gesammelt wurde. Ein durch einen Stockschlag betäubtes Exemplar von Zorüla albinucha wurde mir gebracht, entfloh aber. Das Thier soll um Tabora nicht gerade selten sein und wird als Hühnerdieb gefürchtet. Ueberall sehr gemein ist Hyaena crocuta. Ich bemerke hierzu, dass Hyaena striata in den früher von mir bereisten Mlgebieten gar nicht vorkommt und von Khartum nur etwa */ 2 ° südlich geht, dafür aber im ganzen Ostflügel des Landes am Rothen Meere hinunter, im Somaliund im Massai-Lande vorkommt. H. striata ist Bewohner der Wüstensteppe, H. crocuta bewohnt Steppenwald und Busch. [Nach J. Menges kommt im Somali -Lande neben Hyaena striata auch H. crocuta und H. brunnea vor. N.] Canis aureus [adustus? N.] war jede Nacht hörbar. Ein jüngeres Exemplar des Löwen wurde an den Teichen von Bibissanda (Dr. Junker schreibt Bibisanda) gesehen ; übrigens ist der Löwe häufig. Sehr häufig erhielten wir die Felle einer Katzenart, ob Felis servalina [? N.], vermag ich nicht zu entscheiden. Bhynchocyon petersi erhielt ich von Mande>a. Ein anscheinend streifiger Bhynchocyon wurde bei Tabora in Gesellschaft von Petrodromus oder Macroscelides gesehen. Chiroptera sind überall häufig und wurden in mehreren Exemplaren gesammelt. Die häufigsten sind Phyllorrhina caffra, Megaderma frons, und ein Tapho0ous [mauritianus? N.]. Cynocephalus babuin ist überall häufig und verwüstet die Felder. Cercopithecus erythrarchus mit tiefem Rostroth am After und blauem Hodensack war am Ngerengereund am Kidete-Bach häufig. Ausser dieser Art wurde noch eine andere, dem C. griseo-viridis ähnliche gesehen." 35*
526 fflNOACK, Der zweite Bericht lautet: „Während man in der Ornis dieser Länder bei fleissigem Sammeln noch immer auf Neuigkeiten rechnen darf, ist es bezüglich der Säuger bedeutend schwieriger, auf solche zu stossen. Abgesehen von den Schwierigkeiten des Sammeins kommt hier noch die verhältnissmässig weitere Verbreitung der einzelnen Formen in Rechnung. Es mag dies zur Entschuldigung dafür dienen, dass die folgenden Zeilen nichts Neues enthalten. Auf dem Wege von Tabora nach Ujui griff am 1, September mitten im wasserlosen Sande ein Hippopotamus Morgens um 9 Uhr die Karawane an, zersprengte die Träger und verwundete einen derselben bedeutend am Schenkel. Das Thier wurde erlegt, erwies sich als $ und mass von der Nasenspitze bis zum Schwänze 3,4 m. Von der eigentlichen Hautfarbe war einer dicken, trockenen Schlammschicht halber nichts zu sehen. Jedenfalls bleibt das Vorkommen des Thieres mitten in der dürren Steppe sehr auffällig und erklärt sich nur durch Verirren beim Weidegange. Das Thier schien brünstig zu sein und wurde möglicher Weise von stärkeren Gefährten verjagt. Sehr häufig sind überall Hasen. Gewöhnlich jedoch erhält man nur jüngere Thiere. Sie liegen sehr fest und lassen sich oft förmlich aufstossen. Alle erhaltenen Exemplare zeigen den rostgelben Nackenfleck sehr entwickelt. Ein ganz erwachsenes Thier war oben hasenfarben, unten rein weiss, beide Farben durch breite rostgelbe Seitenstreifen getrennt. Dieselbe Art [Lepus saxatilis, N.| kommt bis jenseits des Aequators in etwa 4 ° n. Br. vor. Ueberall wird sie als Leckerbissen von den Negern geschätzt. Am Ussanga, wo die Steppe beinahe zur Wüstensteppe wird, waren ebenfalls Hasen, ein Meriones und eine Herpestes - Art häufig. Von allen wurden Exemplare erlangt. Am ManjangoBache erhielt ich am 13. September den ersten Ratelus capensis., $ adult. Die Iris war hellbraun, die Maasse waren : Körper 637, Schwanz 280 = 917 mm. Das Thier heisst auf kisuahili : njegöre, auf kiuniamuösi und kissuküma: ssämbo, auf schefalü und jur: akella (okello), auf kiunyoro: kaki. Es schlich im Buschwalde langsam umher seinem Bau zu und war gar nicht ängstlich. Im Begriff, in eine Höhle einzufahren, wurde es von einem Schuss Vogelschrot getroffen, der ihm aber nichts that, doch konnten wir ihn mit Gewalt am Schwänze herausziehen. Obgleich er wüthend um sich biss und fauchte, wurde er gebunden und ins Lager gebracht. Die Lebensfähigkeit des Thieres ist erstaunlich. Schläge, Zusammen-
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 527 drücken des Thorax, Würgen wirkten gar nichts, und die Wanuamuesi behaupteten, man könne das Thier überhaupt nur durch Schläge auf den Schädel und Zerschmettern desselben tödten, sie wussten, dass es Bienenstöcken nachstelle, aber auch Hühnerhöfen sehr gefährlich werden könne. Ich tödtete es schliesslich durch einen Stich ins Herz. In Unyoro erzählte man, das Thier lege sich in der Nähe der Hühnerhöfe auf den Rücken und stülpe den Mastdarm um ; die Hühner kämen, um zu picken, und würden so erhascht. Ein starker, aber für mich nicht unangenehmer Bisamgeruch haftet noch an der trocknen Haut. Ratelus capensis soll nicht gerade selten sein, wird aber sehr selten erlegt, weil er mehr nächtlich lebt. In Ssambuje, wo wir am 13. und 14. September weilten, kletterten viele Hyrax zwischen den Felsen herum, auch einige Herpestes, wohl H. badius, wurden gesehen. Am Wege befanden sich viele Spuren von Elephanten und Büffeln. Erblickt wurden ferner Zebras, Giraffen, einige Antilopen und Gazellen [? N.] mit breitem, braunem Seitenstreif. Erbeutet wurde ein Petrodromus, anscheinend derselbe, den ich früher bei Ussambiro gesammelt habe, ferner wiederum ein Herpestes. In Bussisi am Creek des Victoria-Nyansa, und gerade gegenüber von Bukumbi gelegen, wurde ein längerer Aufenthalt genommen. Die Ausbeute war jedoch nicht lohnend, weil es nicht gelang, die Eingebornen zum Einbringen kleinerer Formen zu bewegen. Meriones und Mus spec. waren auch hier häufig und wurden bald erlangt. Von seltenern Vorkommnissen erwähne ich einen Oreotragus, der zwischen den Felsengruppen haust und wie eine Ziege meckert. Die Haare sind eigenthümlich strohartig. Ich habe nur zwei Individuen gesehen, von denen eins erlangt wurde, da der Lärm des Lagers alles verscheucht. Das Thier heisst auf kissukiima: ngurgüru, auf kigenda: ndjöga. Ein Hörn sass sehr lose. Auch ein Canis, ich glaube C. mesomelas, wurde hier erlangt. Stimme und Benehmen sind ganz die des gewöhnlichen Schakals. Das Thier schien im Gestein hinter dem Lager zu hausen und kam jeden Abend dicht an die Wachtfeuer heran. In Bananenpflanzungen am Wasserrande des Victoria-Nyansa treiben sich viele Cercopithecus umher, von denen ein 8 juv. gesammelt wurde. Ob es zu C. erythrarchus gehört, vermag ich aus Mangel an Büchern nicht zu bestimmen. Die Haut der Unterseite schimmert durch die dünne Behaarung eigenthümlich hellblau hindurch, der Hodensack ist hellblau, am After stehen einzelne Büschel rothbrauner Haare, die Iris ist lebhaft hellbraun. Er lebt von Bananen, süssen Bataten etc.,
528 TH - noack, und flüchtet sich bei Gefahr sofort in den dichten Gürtel von Schilf und Papyrus am Wasserrande. Der Name ist auf kissuküma : nämbiri, bei den Watusi: kakende, auf kiunyoro: nk6nde. In den Felsen leben zahlreiche Hyrax, auf kissuküma : pimbi. Ich weiss nicht, ob es schon beobachtet worden ist, dass diese Thiere Nachts von den Felsen herunterkommen und hier und da kleine Gruben scharren, in denen sie sich mit Vergnügen wälzen. Sie lassen dabei eine gluckende Stimme hören, ganz verschieden von ihren gewöhnlichen Stimmlauten, entfernt dem Glucken und Kollern eines Truthahns ähnlich. Mit den Hyrax th eilen die Felsen Wohnungen zahlreiche Herpestes, auf kissuküma: kandjöroro, bei den Watusi: kanjamükori, die schon früh auf Beute ausgehen. Ich habe sie genau so rufen hören wie die hier häufigen Ptemistes. Am 19. October verliess ich Bussisi, um quer über den See nach dem W T estufer desselben zu fahren, und war, da das Wetter sehr schlecht wurde, gezwungen, von Insel zu Insel zu gehen. Die Inseln sind nahezu alle verlassen und boten deshalb der Ornis einen freien Tummelplatz. Von Säugern war aber kaum etwas zu sehen , die zahlreichen Hippopotamus abgerechnet, welche hier ihre Weidegänge halten. Häufig soll Aulacodus sein, von dem ich ein Schädelfragment fand und ein Fell sah. Auf einem Ausfluge hinter Vögeln fiel mir ein Nest auf, das nach Art der Webernester an einer Schnur aufgehangen stark schwankte ; es hing etwa 1,5 m über dem Boden. Als ich die nach unten schauende Oeffnung untersuchte, schlüpfte mir zwischen den Händen hindurch eine langschwänzige Maus [Denäromys pumilio! N.], die sofort verschwand. Am nächsten Morgen jedoch zeitig ergriff ich sie in demselben Neste, und einen Tag später erhielt ich ein anderes Exemplar. Wir kamen nun nach Bukoba (1° 24' südl. Br.), wo die neue Station noch im Entstehen ist, und schon am zweiten Tage gelang es mir, Exemplare eines Georychus [Heliophobius? N.] zu erhalten, der wohl neu sein könnte. Ich habe seitdem eine ganze Reihe von Individuen beider Geschlechter, alt und jung, gesammelt, bin aber bis heute noch nicht ganz klar, ob es sich um eine oder, was sehr unwahrscheinlich, um zwei Arten handelt. Die Thiere leben ganz maulwurfsartig, graben lange Röhren in die Erde und werfen ebenso Haufen auf. Ich habe mich hier wieder überzeugt, dass die Georychi nur mit den Vorderfüssen graben, die Hinterfüsse werfen die Erde aus, und die Zähne dienen zum Durchbeissen und Beseitigen von Wurzel werk, welches gerade hier sehr dick ist. Die Röhre wird von den Ein-
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 529 gebornen vorsichtig aufgedeckt, in dieselbe eine Schlinge geschoben und in dieser das Thier gefangen. Sie müssen sehr häufig sein, denn man brachte mir bis zu 5 Thieren an einem Tage. Ich will auch versuchen, eine Keine von Skeleten und besonders Foetus davon zu erhalten. Der Name hier zu Lande ist: mfuküsi, wohl verwandt mit fuku, der Sack, auf kisuahili: fuko, also = Georychus. Sehr häufig ist hier ferner Cricetomys gambianus. Ich hatte diesen Riesen früher in Monbuttu, später in Unyoro gesammelt und finde ihn nun hier wieder. Die Hamsterratte ist überall, wo sie vorkommt, ihrer Gefrässigkeit halber berüchtigt und wird, vermuthlich zur Vergeltung, überall gegessen. Sie kommt des Nachts, denn auch sie ist mehr von nächtlicher Lebensart, in die Hütten, wird den Getreideund besonders den Sesam-Vorräthen sehr schädlich und soll, wie mir übereinstimmend berichtet wurde, allerlei ihr auffällige Gegenstände in ihr Lager schleppen. Hier soll sie zwischen Baumwurzeln sich Höhlen graben, aber auch mit Ritzen zwischen Felsblöcken und Gestein sich begnügen. Sie klettert, wie ich selbst sah, sehr gewandt. Uebrigens ist sie durchaus nicht bissig: ich habe in Monbuttu ein Paar längere Zeit lebendig gehalten, welche sich ohne weiteres aufnehmen Messen, ohne je einen Versuch zum Beissen zu machen. Ihr Name scheint überall derselbe zu sein, auf monbuttu : assümba, auf kiunyoro : ssamba, hier: ssomba. Ein gutes Exemplar von Zorilla aTbinucha,) eine Hyaena crocuta (1,28 m von der Nase zum Schwänze), einige Fledermäuse und eine Maus stellen den Rest der Sammlung vor. Herr Dr. Stuhlmann hat mir aus Uganda einige Mäuse, Aulacodus, Herpestes und Fledermäuse gesendet, es sind die ersten Säuger aus Uganda." Ueber das Hausrind am Victoria-Nyansa bemerkt Pater Schynse (in: Peterm. Mittheil., 1891, p. 220), dass in Usukuma nur der Buckelochse vorkommt, während das Rind der Baziba das europäische (?) mit einem Paar ungeheurer Hörner sei. Die von Herrn Dr. Emin auf der Route Tabora — Victoria gesammelten Specimina haben mir nicht vorgelegen, ausgenommen wahrscheinlich die an mich gelangten Embryonen von Heliophobius und Mus. Andrerseits sind bereits öfter von Dr. Emin in Centralund Ostafrika gesammelte Collectionen von Säugern wissenschaftlich bearbeitet worden, so die eine von Prof. Leche (in: Zool. Jahrbücher, Bd. 3, 1887, p. 115—126) aus AequatorialAfrika , von Oldfield Thomas (in: Proc. Lond. Z. S., 1888, p. 1 — 17), welcher die neuen Species Anomdlurus pusillus und Dendrohyrax emini angehören , und von dem-
530 TH - noack, selben diejenige, welche von Dr. Emin bei seiner durch Stanley veranlassten Rückkehr nach Bagamoyo mitgebracht wurde (in: Proc. Lond. Z. S., 1890, p. 443—450). In letzterer findet sich die neue Subspecies Sciurus pyrrhopus anerythrus. Uebrigens übertreffen die beiden letztern im Britischen Museum befindlichen Sammlungen die vorliegende an Umfang. Das von Dr. Emin im Sommer 1890 durchzogene faunistische Gebiet deckt sich auf der Route Bagamoyo — Tabora mit der ersten Hälfte des von Dr. R. Böhm im Jahre 1880 zurückgelegten Weges, während die Strecke Tabora — Victoria-Nyansa, abgesehen von den in den Proc. Lond. Z. S., 1864, p. 98 ff. besprochenen Sammlungen Speke's, faunistisch noch so gut wie terra incognita war. Wenn ich bei der Bearbeitung der BöHM'schen Collection (in: Zool. Jahrb., Bd. 2, p 193 ff.) die natürliche Beschaffenheit der Gegend von Bagamoyo bis Tabora nach Böhm's Angaben kurz charakterisirt habe, wozu noch die später erschienenen Schilderungen Böhm's in seinen Briefen (Von Sansibar zum Tanganjika, herausgegeben von Schalow, Leipzig 1888) kommen, so erscheint es nicht überflüssig, den Zusammenhang der Säugethiere mit der Bodenbeschaffenheit und dem Klima auch hier zu berücksichtigen. Es empfiehlt sich, die vortreffliche, von einer speciellen Karte begleitete Darstellung des leider zu früh verstorbenen Dr. W. Junker in Peteemann's Mittheilungen, 1891, Bd. 8, p. 185 — 191, zu Grunde zu legen, zumal da Dr. Junker diese Route in derselben regenlosen Jahreszeit, nur in entgegengesetzter Richtung, wie vier Jahre später Dr. Emin zurücklegte. Der Weg Dr. Emin's, auf welchen sich seine Sammlungen und Berichte beziehen, führt durch die in der deutschen Interessensphäre liegenden Landschaften Usegüa, Usagära, Ugögo, Ujänsi, Unianiembe und Ussukuma zum Victoria-Nyansa. Wichtig erscheint vor allem, dass hinter Mpuapua, etwa zwischen Ugögo und Ujansi, die durch stagnirende Gewässer charakterisirte Wasserscheide zwischen dem Indischen Ocean und dem Tanganjika liegt, dass Tabora sich bereits im Stromgebiet des Tanganjika befindet und dass der Weg von Tabora zum Victoria-Nyansa wiederum durch die wasserlose Wasserscheide zwischen den beiden grossen Seen führt, wichtig ferner, dass die regenlose Zeit in den Gegenden südlich und südöstlich vom Victoria-See in unsere Sommermonate fällt, wo nördlich vom Ukerewe und vom Aequator gerade anhaltende Regen fallen. Daher kommt es, dass das Gebiet südöstlich vom Victoria-See im Sommer denselben wüstenhaften Steppencharakter zeigt, wie etwa die um 10 Grade nördlich vom
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Pauna von Ostafrika. 531 Aequator liegenden Gebiete des südlichen Sudan. Daher erklärt sich auch die verhältnissmässige Spärlichkeit der Säuge thiere jenseits Usagara und besonders jenseits Tabora, das Wandern der grossen Thierformen, wie der Elephanten, Antilopen, Zebras, das Vorkommen endlich von solchen oder ähnlichen Formen, wie sie sich im südlichen Sudan finden. Allerdings sind wir auch heute noch weit entfernt, ein nur einigermaassen genügendes Bild von dem Bestände und der Verbreitung der Säugethiere in diesem Gebiete zu besitzen, und die mit grosser Sicherheit jüngst von Herrn Matschie vorgetragenen Behauptungen über die geographische Verbreitung vieler Species von Säugethieren in Afrika entsprechen oft nicht dem heutigen Stande unserer Kenntniss. Das wellige Küstengebiet, durch welches der Weg von Bagamoyo über die Zuflüsse des Kingani nach Mrogorro führt, steigt allmählich an. Um Mrogorro wird das Terrain bergig. In Usegiia liegt bis zum Gebirgslande Usagara die MkataEbene mit dem TendigaSumpfe am Mukundokwa, dem obern Laufe des nördlich vom Kingani fliessenden Küstenflusses Uämi. In der Ebene wechselt lichter Laubwald, Steppenwald mit Akazien, Palmen , Sträuchern, Buschwerk , mit sumpfigen, später trockenen Stellen und Savannen. Usagara ist bis über Mpuapua hinaus ein schönes Bergland mit herrlichen Parklandschaften und fruchtbaren Thälern, wo die Flussläufe auch in der regenlosen Zeit Wasser besitzen. Bei Mpuapua und Matamombo erheben sich schroffe Bergmassive. Besonders schön ist das Kidete-Thal mit tropischen und Culturpflanzen. Auch Ugögo behält bis nach Usagara hin, wo das Terrain wieder ebener wird, den bergigen Charakter, aber es fehlt das Wasser in dem mit grossen Schirmakazien und lichtem Hochwalde bestandenen Graslande. In dem Terrassenlande finden sich nur einige Schlammsümpfe mit Ambatsch und Papyrus, sonst wechseln nackte graue Ebenen mit weissem Sande und niedrigem Dorngestrüpp und Felsberge, Felskegel und unregelmässige Bergtrümmer. An der Grenze von Ujansi steigt die Terrasse um 800 Fuss schroff an, und der Weg führt in eine menschenleere Wildniss, bedeckt von dichtem Dorngestrüpp und lichtem Buschwalde, dazwischen kahle, verbrannte Flächen mit Euphorbien und Boabab, sowie vereinzelte, von Nilpferden bewohnte Ambatsch-Sümpfe, Schilfteiche und Löcher mit schlechtem, milchigem Wasser. So bleibt auch der Charakter in dem flachen, die eigentliche Wasserscheide bildenden Unianiembe. Um Tabora wird die Landschaft wieder gebirgig und felsig, der gemischte W^ald hat hochstämmigere Bäume mit dichten Laubkronen, und in den Thälern
538 TH NOACK, Dendröhyrax nur auf Bäumen wohnen, und ob die übrigen nicht auch Bäume besteigen können. Ist doch Hyrax blainvillei von Gray auch unter Dendröhyrax gestellt worden, der nach Böhm's und Emin*s Beobachtungen auf Felsen lebt. Bei der bekannten Fähigkeit der Hyracoidea, sich mit den Sohlenpolstern festzusaugen, wurde die Anpassung an das Baumleben sehr leicht; so kletterte Büttikofer's Hyrax dorsalis an einem Tischbein in die Höhe, und das in Australien verwilderte Kaninchen hat ebenfalls begonnen Bäume zu erklettern, wie etwa das Baumkänguru. Gray theilt (in: Ann. Mag. Nat. Hist., 1868, p. 35—51) die Familie nach der Beschaffenheit des Pelzes, des Rückenflecks und der Lebensweise ein in Hyrax, Euhyrax und Dendröhyrax. Zu Hyrax gehören: mit weichem Pelz und schwarzem Rückenfleck — capensis, Südafrika, mit rauhem Pelz und gelbem Rückenfleck — burtoni, Nordund Westafrika, welwitschi, Angola, mit weichem Pelz und gelbem Fleck — brucei = alpini, Habesch, Ostafrika, und sinaiticus, Sinai. Euhyrax mit straffem Pelz und schwarzem Rückenfleck umfasst nur die Species abyssinicus, Dendröhyrax mit weichem Pelz und gelbem Rückenfleck zerfällt in die Species dorsalis, Westafrika, arboreus, Südafrika, blainvillei, Ostafrika. Vergl. auch Blanford in: Proc. Lond. Z. S., 1869, p. 638, und Zool. of Abyssinia, p. 249 ff. Nach der Aufstellung von Gray's Synopsis sind noch neu beschrieben : Procavia bocagei Gray, ähnlich wie abyssinicus, aber kleiner, Westafrika, von Dr. Emin auch in Centralafrika (Usambiro) gefunden, in : Proc. Lond. Z. S., 1890, p. 449 ; Hyrax nigricans Peters, dunkelbraun, Chinchoxo, Loango, in: B. Ges. Naturf. Fr., 1879, p. 10; vergl. Loango-Exped., Bd. 3, p. 234; Dendröhyrax stampflii Jent., Westafrika, in: Notes Leyd. Mus., 1888, dunkelbraun mit weissgelbem Rückenfleck; Dendröhyrax emini 0. Thomas, in : Proc. Lond. Z. S., 1888, p. 15, sehr flockhaarig, hellgelb, Centralafrika, Tingasi ; Procavia pallida 0. Thomas, in: Ann. Mus. Civ. Genova, 1891, p. 908, kurzhaarig, hell gelb-grau, gesprenkelt, N.-Somaliland; Procavia stuhlmanni Matschie, in: B. Ges. Naturf. Fr., Juli 1892, p. 110; Dendröhyrax validus True, in: Proceed. ü. St. Nat. Mus., vol. 15; American Natur., 1893, p. 56. Kürzlich hat 0. Thomas (Proc. Lond. Z. S., 1892, p. 60 ff.) die Hyracoidea unter dem Gattungsnamen Procavia in folgende Arten geordnet: 1. P. capensis. Dunkelsepiabraun, Rückenfleck schwarz. Capland bis zum Nyassa-See. 2. P. schoana = abyssinica. Haar lang und fein, gesprenkelt olivengrau, Rückenfleck schwarz. Abyssinien, Schoa.
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 539 3. P. syriaca — sinaitica. Trüb orangegelb, Rückenfleck gelb. Syrien, Arabien. 4. P. ruficeps = burtoni = dongolana. Pelz rauh , sand braun mit Schwarz. Rückenfleck klein, braun mit gelben Haarspitzen. Nordost-Afrika. 5. P. abyssinica = alpina = irrorata. Graubraun , Rückenfleck klein, gelb. Abyssinien-Massaua. 6. P. pattida. SomaliLand. 7. P. welwitschi. Sandbraun, Rückenfleck gelb. Angola. 8. P. latastei. Hell braungrau, Rückenfleck gelb. Senegal. 9. P. bocagei. Hellgrau gesprenkelt, Rückenfleck gelb. Angola. 10. P. brucei. Hellgrau, Rückenfleck gelb. Ostafrika. Var. P. brucei somalica. Kleiner. Somali-Land. 11. P. emini. Monbuttu. 12. P. valida. Pelz straff, Ohr kurz, Pelz dunkel braungrau, Kehle gelb, Rückenfleck rothgelb. Kilimandjaro. 13. P. arborea. Röthlich-gelbgrau, Rückenfleck weiss. Ostund Südost-Afrika. 14. P. dorsalis = stampflii. Westafrika. Eine vortreffliche Grundlage giebt ferner die Arbeit von F. Lataste: Sur le Systeme dentaire du genre Daman, in: Ann. Mus. Civ. Genova, Ser. 2, vol. 4, Sept. 1886. Lataste unterscheidet 3 Subgenera, Procavia, Heterohyrax und Dendrohyrax, deren Schädel sich folgendermaassen unterscheiden: Procavia Heterohyrax. Dendrohyrax Bleibendes InterparieDas Interparietale verOrbita vollständig, Intale, Orbita unvollschwindet vor der Entterparietale und M wie ständig, die 3 vorletzwicklung des ersten bei Heterohyrax. ten M nehmen nach wahren M. Orbita unTj^us:Hyrax dorsalis. hinten an Grösse zu. vollständig. Die 3 vorTypus : Hyrax capensis. letzten M sind ziemlich gleich gross. Typus: Hyrax blainvillei. Hiernach lässt sich zunächst jeder Hyrax in das richtige Subgenus einordnen. Lataste führt dann, die Zahnformel wie oben notirend, den evidenten Nachweis, dass Hyrax einen C im Oberkiefer besitzt, welchen Zool. Jahrb. VII. Abth. f. Syst. 36
540 TH noack, schon Pallas und Cuvier gefunden und erkannt hatten. Da letzterer später seine Ansicht änderte und den C für einen P hielt, so haben alle spätem Forscher, wie Blainville, George, Vogt, Claus, das Vorhandensein eines G geleugnet. Lataste bespricht im weitern Verlaufe seiner Abhandlung die Zahnfornien der Hyracoidea. Die bleibenden I stellen sich ein, wenn sich in jedem Kiefer fünf Molaren entwickelt haben. Bei einem Schädel von H blainvillei hat Lataste gleichzeitig 6 untere J, darunter die beiden bleibenden äussern gefunden. Der Canin entwickelt sich vor der Geburt und findet sich nur selten im bleibenden Gebiss. Unter 8 Schädeln von H capensis fand er sich nur einmal an einer Seite, keinmal unter 16 Schädeln von H. abyssinicus, einmal unter 5 Schädeln von H syriacus. Im bleibenden Gebiss von Heterohyrax wurde er nicht, bei Dendrohyrax zweimal an einer Seite gefunden. Auch im Milchgebiss von Heterohyrax ist G rudimentärer als bei den beiden andern Subgenera. Von den 7 Backenzähnen, welche die Regel bilden, sind 4 P und 3 ächte M. Bei Heterohyrax findet der Wechsel der P später statt als bei Procavia, ähnlich wahrscheinlich bei Dendrohyrax. Die Hyracoidea haben die Tendenz, die Zahl ihrer Molaren zu verringern ; besonders schwinden die vordem bei H. capensis und abyssinicus, während die Backenzähne bei Heterohyrax und Dendrohyrax beständiger sind. Ueber die Abstammung und Verwandtschaft der Hyracoidea herrschten bis vor kurzem sehr divergirende Ansichten. Pallas und die altern Forscher hielten Hyrax für eine Art Cavia, also für einen Nager, Cuvier und spätere wegen des von ihm beobachteten obern C und wegen der Aehnlichkeit der Molaren für einen den Nashörnern verwandten Pachydermen, eine Auffassung, welcher auch Lataste beipflichtet. Haeckel hat zuerst richtig gesehen, dass die Hyracoidea den tertiären Toxodontia nahe stehen, auch Cope erkannte ihre Verwandtschaft mit den nordamerikanischen Taeniodonta und Tillodonta, und die glänzenden Funde von Ameghino in den Pampas von Südamerika haben diese Vermuthung zur Gewissheit erhoben. Ameghino , der ebenfalls die von ihm nicht fossil gefundenen Hyracoidea dicht vor die Toxodontia stellt, beschreibt in seinem grossartigen Werke, in: Actas de la Academia Nacional de Ciencias de la Republica Argentina en Cordoba, vol. 6, 1 Bd. folio und Atlas, Buenos Aires 1889, neben zahlreichen Toxodonten eine in vorzüglichen Schädeln erhaltene Gruppe der verwandten Proterotheria , aus deren Studium sich die Gewissheit ergiebt, dass sie die Ahnen der Hyracoidea
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 541 sind, ja dass wir in den Hyracoidea relativ wenig veränderte Nachkommen einer längst untergegangenen Familie besitzen , aus der sich wahrscheinlich noch sehr weit entfernte Ordnungen, wie Suina, Nasicornia und einzelne Familien der Nager herauskrystallisirt haben. Die Ordnung der Toxodontoidea beginnt mit dem untern Eocän, die Ahnen der Toxodontia, die Proterotheria, reichen bis ins untere Pliocän, die eigentlichen Toxodontia durchs Oligocän und Miocän. Der Schädel zeigt bei allen einen entschieden Hyraxähnlichen Habitus, der Unterkiefer besitzt bei allen die starke Ausbiegung des Eckfortsatzes, welche erst später, z. B. bei dem gewaltigen Toxodon plataensis, schwächer wird. Der Jochbogen ist kräftig, stark nach aussen und nach unten gezogen, die Schädelkapsel klein, hinten mit zusammenlaufender Scheitelnaht, das Gebiss Anfangs geschlossen, dann in den P und C lückenhaft, I denen von Hyrax ähnlich , Hand und Fuss fünfzehig , aber 1 und 5 viel schwächer , die letzte Phalanx gespalten , später verwachsend , das Skele't der Toxodonten nagerähnlich. Die Grösse entwickelt sich von Hyrax bis zum Nashorn. Die ältesten Formen, Hegotherium und Icochilus, haben ein geschlossenes Gebiss, Protoxodon hat J§ C\ Pf M%-> Toxodon I§ C% Pf J/f, Pachyrucos l\ G% P\ Jf|, Typotherium 1^ C§ PfifeffDie Molaren der ältesten Genera und Species bestehen aus zwei verbundenen, im Querschnitt eckigen Prismen, später wird der Querschnitt viereckig, bei den grössern, Jüngern Formen immer länger und an der Seite gefaltet mit flacher, gerandeter Kaufläche. Es haben sich also hier die Molaren aus einer einfachen prismatischen Form zur gefalteten allmählich entwickelt. Die obern I sind bei den altern Formen wie bei Hegotherium und Protypotherium im Querschnitt gebogen, die untern immer denen der Hyracoidea ähnlich, aber nicht gelappt, vielfach spitz verlaufend, wie bei den MacropusArten. Die Orbita ist bei den altern Formen hinten offen, später geschlossen, das Tympanum vielfach wie bei Castor fiber stark in die Höhe gezogen, daher waren diese Thiere wohl Wasserund Sumpfbewohner, vielleicht wie Hippopotamus sich nährend. Die Nasenpartie ist im Verhältniss zur Schädelkapsel immer länger als bei Hyrax, die Nasenbeine bei Pachyrucos hinten zweizipflig, wie bei Hyrax und Lepus, später im Bogen abgerundet. Eigen thümlich ist, dass der schwindende G sich zuletzt unten und nicht wie bei Hyrax oben erhalten hat. Wenn es sehr wahrscheinlich ist (vergl. Neumaye, Erdgeschichte, Bd. 2, p. 389, 473, 547), dass im altern Eocän noch eine weite Land36*
542 TH NOACK, Verbindung zwischen Südamerika und Afrika existirte, so ist damit auch die Bedingung für die Ausbreitung dieser Formen über Afrika und bei dem damaligen Nichtvorhandensein des Rothen Meeres (Neumate, ibid., p. 550) nach Vorderasien gegeben. Natürlich wird erst die Erschliessung alttertiärer Horizonte in Afrika die Gewissheit geben, ob sich die Proterotheria früher in Afrika oder in Südamerika entwickelt haben. Die Weiterentwicklung bei Hyrax, welcher in der Beschaffenheit des Skelets wie in der Grösse den ältesten Typen nahe steht, sich also auch schon deshalb als eine sehr alte Form erweist, erstreckt sich weniger auf die allgemeine Configuration als auf das Verhältniss der Gesichtspartie zur Hirnpartie des Schädels, weniger auf die Zahl als auf die Beschaffenheit der Zähne, besonders der Molaren, welche sich stark gefaltet haben, endlich auf die Vereinfachung des Handund Fusskelets, wo l und 5 bis auf den Hallux geschwunden sind; die letztere Abänderung ist durch die veränderte Lebensweise wohl begreiflich. Vielleicht hängt auch das Baumleben mancher Hyrax-krtm mit einstigen Lebensgewohnheiten mancher Ahnen zusammen. Die Spaltung der letzten Phalanx findet sich noch heute bei sehr alten Typen, wie bei Chrysochloris und Myodes. Ueber die neuesten Funde Ameghino's, besonders einen Affen mit altweltlichem Gebiss und Vorfahren von Thylacinus vergl. Amer. Naturalist, 1891, p. 1000; 1893, p. 439 fl. Rodentia. 2. Lepus saxatilis Cuv. „Ein jüngeres Exemplar, % mit Schädel, Tabora, 6. VIII. 90. Iris hellbraun, Haut dünn, an der Küste selten, im Innern gemein, liegt sehr fest. Der Hase wird oft von den Trägern gefangen und als grosser Leckerbissen von den Negern verzehrt. Alle Thiere zeigen den rostgelben Nackenfleck, jung und alt, gerade wie in den Aequatorialländern. Bei dem völlig erwachsenen Thiere wird das Hasengrau des Rückens von dem reinen Weiss der Unterseite durch einen breiten, rostig-isabellfarbenen Streif getrennt." E. (Schädel, Taf. 18, Fig. 3, 4.) Das Ohr ist unter der schwarzen Spitze gelblich, sonst hinten braun-gelb, innen grau-gelb behaart, die Basis und ein Büschel am innern Ohrrande rein weiss, der äussere Ohrrand unten dunkelbraun. Der obere Augenrand ist gelblich, ein weisslicher Streifen zieht sich von demselben nach dem Ohre hin, vorn unter dem Auge befindet sich
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 543 ein schwarzer Fleck, das Haar vor demselben ist weisslich. Die Stirn zeigt einen kleinen weissen Fleck, die Wangen sind braun-grau, hinten weisslich. Hinter der weiss-grauen Oberlippe ist die Färbung schmutzigweiss, wie an der Unterlippe. Die obern Schnurren zeigen eine schwarze Basis und lange, weisse Spitzen, die untern sind rein weiss, wie die Kehle. Die Brust ist bis zu den Vorderbeinen gelbgrau, dann wie der Bauch und die Innenseite der Hinterschenkel rein weiss. Schwanz oben rauchschwarz, unten rein weiss, Vorderbeine rostiggraugelb, Unterseite der Pfoten, auch der hintern, rein weiss ; Hinterschenkel und Vorderseite des Tarsus rostgelb, die Hinterseite des letztern gelblichgrau. Die Färbung im Nacken ist rostgelb, auf der Oberseite wie bei Lepus vulgaris, ein hellerer Seitenstreifen ist noch nicht erkennbar. Körper ca. 34 cm; Ohr ca. 5,5; Schwanz ca. 5,5; Hinterfuss 8,5. Die Färbung stimmt mit den Angaben Böhm's in: Zool. Jahrb., Bd. 2, p. 221, der diesen Hasen westlich vom Tanganjika nicht mehr getroffen hat. Nach Peters, der ihn auch in Mosambique fand, ist er identisch mit L. rufinucJia Smith und longicaudatus Gray. In Gondokoro wurde früher von Dr. Emin Lepus microtis beobachtet, vergl. in: Zool. Jahrb., Bd. 3, p. 125. Schädel. Die geringen Dimensionen des Schädels, der, von einem etwa halberwachsenen Exemplar herrührend, nur um 1,5 cm länger ist als der eines acht Tage alten Lepus vulgaris, beweisen, dass auch der erwachsene Lepus saxatilis erheblich kleiner ist als Lepus vulgaris. Die Unterschiede des Schädels von dem des Lepus vulgaris sind nur unbedeutend. Die hintern Spitzen der Nasenbeine verlaufen wie bei Lepus vulgaris, dagegen springen die Stirnbeine hinten in die Scheitelbeine mit je einem spitzen Zacken ein, welcher bei L. vulgaris viel kürzer ist, folglich biegt sich die hintere Kante der Scheitelbeine bei L. saxatilis viel stärker ein. Der Supraorbital - flügel, dessen vordere Einkerbung bei L. netscheri von Sumatra (vergl. Jentink, Cat. osteol., tab. 9) ganz fehlt, ist verhältnissmässig schwach. Die obere Kaute des Jochbogens entbehrt des Zackens, wie bei Lepus netscheri, während derselbe schon bei dem jugendlichen Schädel von L. vulgaris wohl angedeutet ist. Der hintere Zacken an der Brücke des knöchernen Gaumens ist schwächer als bei dem gleichaltrigen Schädel des europäischen Hasen. Der vordere Zacken desselben erreicht noch nicht Fl, während er bei L. v. erheblich darüber hinausreicht. Ueberhaupt ist die Knochenbrücke kürzer. Am Unterkiefer ist der Eckfortsatz schmaler, der untere Rand weniger ausgebogen
544 TH - noack, und der hintere Zacken kürzer. Da das Hinterhaupt an dem vorliegenden Schädel zerstört ist, waren weitere Vergleiche nicht möglich. M a a s s e. Scheitellänge ca. 54 mm ; grösste Scheitelbreite 26 ; vor den Orbitalflügeln 13 ; zwischen den Jochbogen hinten 31, vorn 26 ; knöcherner Gaumen bis zum Ende der Brücke 20 ; Breite der letztern seitlich von den Zacken 4; I — M 14,5; Zahnreihe 12,5; Gaumenweite zwischen M = 8,5. Unterkiefer bis zum Condylus 40 ; Höhe des horizontalen Astes 9 ; aufsteigender Ast unter dem Condylus schräg gemessen bis zum vordem Ansatz des Eckfortsatzes 23,5; Breite des aufsteigenden Astes von der Mitte des untern Randes schräg nach vorn gemessen 13. Gebiss. 1 oben und unten im basalen Theil schmutziggrau, an der Spitze weiss. Die Furchung der obern 1 ist schärfer als bei L. vulgaris, ebenso der äussere Rand der innern Leiste, welche höher liegt als die äussere. Dies tritt besonders im Querschnitt gegenüber von L. vulgaris deutlich hervor. Die untern I besitzen an der hintern Seite eine deutliche Furche, die bei L. vulgaris schwächer ist und sich erst im erwachsenen Zustande entwickelt. Die hintern obern Nagezähne sind doppelt, mit gemeinsamer, flach-conischer Spitze. Die des hintern Zahns ist etwas höher, der vordere Zahn legt sich mit etwas eingebogener Fläche eng an den hintern. Auch der eine von Leche 1. c. besprochene Schädel von Lepus microtis besass vier hintere obere Nagezähne. Die gleiche, auch sonst besonders bei Kaninchen beobachtete Erscheinung habe ich an einem Exemplar von Lepus variabilis vom Ussuri nach Oeffnung der Alveole genauer untersucht und constatirt, dass diese Verdoppelung der hintern obern Nagezähne nichts mit Zahnwechsel und Milchgebiss zu thun hat, wie bisher angenommen wurde. Das Exemplar war vollständig erwachsen, der Querschnitt der Zähne flach abgeschnitten, halbkreisförmig, so dass die Zähne mit der flachen Seite gegeneinander lagen. Sie steckten in einer gemeinsamen Alveole und hatten beide eine Wurzelöffnung, müssen also auch als Nageund nicht als Schneidezähne aufgefasst werden, übrigens waren sie absolut gleichartig in Form und Beschaffenheit. Wenn ich die Nagezähne hier und im Folgenden kurz mit I bezeichne, so thue ich das nur der Abkürzung halber. Von den 6 obern Backenzähnen ist 6 sehr klein , mit conischer Spitze, die bei L. vulgaris mehr abgeschnitten ist. 5 — 2 besitzen auch an der Innenseite eine starke verticale Furche, 3 und 2 an der Aussenseite noch einen kleinen Zwischenhöcker, sind also, wie der Vergleich mit Embryonen von Lepus vulgaris beweist, noch in der
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 545 Entwicklung zurück. Bei 1 befinden sich 2 Falten, auf der Krone ein Haupthöcker und aussen zwei kleinere; der Zahn lässt noch die Entstehung aus einem trituberculareu Zahn, der sich in einen gefalteten umgebildet hat, erkennen. Der hintere Backenzahn unten, der bei L. vulgaris einen rundlichdreieckigen Querschnitt mit seichter Aussenund Innenfurche zeigt, besteht bei dem jugendlichen Schädel von L. saxaülis aus zwei hinter einander liegenden, scheinbar getrennten, jedenfalls nur lose verbundenen Stiften, von denen es zweifelhaft erscheint, ob sie sich je zu einem compacten Zahn vereinigen werden. Jedenfalls ist im Unterkiefer von L. saxatilis noch die Tendenz zu 6 Backenzähnen vorhanden. Auch bei 4 und 3 sind die beiden hinter einander liegenden Platten, die bei L. vulgaris auf der Krone durch eine Brücke verbunden sind, bis nach oben hin gesondert. Die Molaren 2 und 1 zeigen in der Bildung der vordem Platte noch die mehrhöckerige Bildung. Die vordere Platte von 2 besitzt 5 undeutliche Höcker, eine tiefe verticale Furche vorn und je eine seichte, flachere an den beiden Seiten. Bei 1, welcher bei L. vulgaris aus drei hinter einander liegenden Platten besteht, liegen vor der hintern Platte 4 conisch endende, mit einander verbundene und durch verticale Furchen getrennte Seh melzcy linder. In der Mitte befindet sich noch ein kleiner fünfter Höcker. Der hintere innere Höcker ist am kräftigsten entwickelt. Diese Bildung erinnert entschieden an die der Molaren bei den Känguruhs und Wombats und macht wahrscheinlich, dass die Ahnen der Lagomorpha Beutelthiere waren, welche etwa in der Mitte standen zwischen Phascolomys und Lagorchestes. Vor dem ersten Backenzahn im Oberkiefer von L. saxatilis bebefindet sich eine auffallende Grube, welche sich als der Rest eines verschwundenen P charakterisirt. Diese Thatsache, ferner das Vorkommen von 4 obern hintern Schneidezähnen und die eigenthümliche Beschaffenheit der Symphyse des Unterkiefers von Lepus saxaülis, welcher in der Symphysenfläche jedes Astes drei deutliche, hinten rundlich endende, schräg unter einander liegende Alveolen zeigt, haben mich veranlasst, diese Erscheinungen bei den einzelnen Gattungen der Lagomorpha auch im embryonalen Zustande, sowie bei andern Nagern genauer zu untersuchen. Schon Hensel hat kurz vor seinem Tode diese Wahrnehmungen gemacht, dieselben aber nicht weiter verfolgen können. Ich habe der Untersuchung die Schädel von Lepus vulgaris und
546 TH - noack, Cuniculus ferus im erwachsenen, jugendlichen und embryonalen Zustande, sowie denjenigen von Lagoniys hy perbor aeus zu Grunde gelegt, Cuniculus domesticus, dessen Embryonen viel leichter zu beschaffen sind, habe ich absichtlich nicht berücksichtigt. Verglichen wurden ferner die Schädel und Gebisse mehrerer Murimorpha, Sciurus, Hystrix, Castor fiber, Coelogenys paca, Cavia cobaya, also Vertreter der übrigen Nagergruppen. Natürlich war die Zahl eine sehr beschränkte, da ich hauptsächlich auf meine eignen Sammlungen angewiesen war. Vielleicht tragen die Resultate meiner Untersuchungen dazu bei, dass auch andere Forscher, denen das Material grosser Museen unbeschränkt zur Verfügung steht, dieser Sache, welche für die Descendenzlehre von grosser Wichtigkeit ist, ihre Aufmerksamkeit widmen. Die nach Abfassung meiner Arbeit über diesen Gegenstand erschienenen Arbeiten von Woodward u. a. (vergl. in: Proc. Lond. Z. S., 1892, p. 38 ff.) habe ich leider nicht mehr berücksichtigen können. Am Schädel des erwachsenen L. vulgaris habe ich die Verdopplung der obern hintern Nagezähne nie bemerkt, wohl aber befindet sich hinter denselben im Kiefer beiderseits eine Grube, welche auf ein paar verloren gegangene Incisiven hindeutet, so dass bei Lepus die Spuren von einstigen 6 I im Oberkiefer unverkennbar sind. In jedem Unterkieferaste sind 3 Alveolen sehr deutlich. Sie liegen bei meinen Exemplaren in der Längenaxe des horizontalen Astes, sind grubig vertieft, durch deutliche Knochenleisten getrennt und enden hinten rundlich. Die obere Alveole ist undeutlicher und kürzer als die beiden darunter liegenden ; die obere ist 3 , die mittlere 7 , die untere 6 mm lang. Bei dem vorliegenden Schädel von L. saxatilis liegen die drei Alveolen schräg zur Axe des horizontalen Astes, die obere ist länger, flacher und schmaler als bei L. vulgaris, Länge 2,5 ; 3,5; 2,5 mm. Auch bei Lepus berberanus v. Heugl. fand ich die gleiche Erscheinung. Ohne Trennung der Unterkieferäste, die bei Lepus leicht ist, weil die Symphyse nicht verwächst, lässt sich von diesen Erscheinungen absolut nichts bemerken. Die Spuren eines Canin im Oberkiefer, die wir unten bei Cuniculus ferus finden werden, sind bei L. vulgaris ad. kaum bemerkbar, da die Grenze zwischen Kiefer und Zwischen kief er , wie auch bei L. saxatilis, nur eine minimale Verdickung zeigt, die sich mehr fühlen als sehen lässt. Auch die bei L. saxatilis sehr deutliche Grube vor Pl verschwindet bei L. vulgaris adult. und lässt sich nur in einer scharfen Knochenleiste an der Innenseite dieser Stelle erkennen. Am Unterkiefer ist überhaupt eine Grube vor Pl nicht wahrzunehmen.
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 547 Die zahlreichen Embryonen von L. vulgaris meiner Sammlung sind im September gesammelt und repräsentiren 3 Typen, die ich mit a, b, c bezeichnen will. Zum Typus a gehören Individuen, welche lebend aus dem Uterus der geschossenen Häsin geschnitten und noch 8 — 14 Tage lebend erhalten wurden. (Es ist mir übrigens ein Fall bekannt, dass ein solches Exemplar wirklich gross gezogen wurde und sich zu einem kräftigen Hasen entwickelte.) Der Typus b repräsentirt sehr ähnliche reife Embryonen, welche jedenfalls kurz vor der Geburt der getödteten Häsin entnommen wurden und nicht mehr gelebt haben ; zu c gehören halbreife Embryonen ohne Haar, welche ungefähr so weit entwickelt sind wie der reife Embryo von Cuniculus ferus. Ich bemerke noch, dass der Schädel der am Leben erhaltenen Jungen, obwohl ich ihn bei der Fräparation auffallend stark mit Blut gefüllt fand, jedenfalls in Folge ungenügender Ernährung, nur eine geringe Weiterentwicklung zeigte, mit Ausnahme der Nagezähne, welche die conische Spitze verloren hatten und den spätem mehr ähnlich waren. Es ist also ziemlich gleichgültig, ob ich den Typus a oder b für die Besprechung des reifen Embryos von L. vulgaris zu Grunde lege. Typus a, b. Keifer Embryo, der Schädel misst 42 cm, bei Lepus vulgaris ad. 100 cm. Die Nasenpartie ist sehr verkürzt, doch ist bei a der hintere Flügel der Nasenbeine etwas länger als bei b und die rhombisch gestaltete Fontanelle zwischen Stirnund Scheitelbeinen kleiner. Das Interparietale besteht bei b aus zwei kleinen, halbkreisförmigen Knochen, die bei a vereinigt, rundlich mit mittlem Zacken in die Scheitelbeine einspringen, wie auch die Squama occipitalis mit rundlicher Schuppe in die hintere Fläche derselben hineinreicht. Bei adult. verschwindet das Interparietale, welches sich bei Cuniculus ferus erhält. Die netzartige Durchbrechung der Seitenwände des Oberkiefers, die in ihrer grubigen und adrigen Beschaffenheit an die Bildung der Nasenbeine, Scheitelbeine und des Jochbogens bei Coelogenys paca erinnert, ist noch wenig entwickelt, bei b weniger als bei a, sie ist also ein erst später erworbener, auf unvollständiger Verknöcherung beruhender Zustand, dessen Bedeutung noch unklar ist. Die Stirnbeine zeigen zwischen den Supraorbitalflügeln zwei eingeschaltete länglichrunde Knochenplatten, wie bei den Muriden; diese und ihre Umgebung sind zu zwei rundlichen Erhöhungen aufgetrieben, die entschieden an die Bildung von Stirnzapfen bei den Wiederkäuern erinnern. Uebrigens ist die Erhöhung der Profillinie über den Stirnbeinen bei b stärker als bei a. Im spätem Alter ist von dieser Bildung nichts mehr wahrzunehmen. Die Supraorbitalflügel sind schmal,
554 TH - n0a c k » Schneidezähne hinten beinahe bis zum untern Rande des Kiefers hinzieht. G e b i s s. An den obern vordem Nagezähnen ist die innere Leiste schmal, die äussere breit, die Spitze zweizackig, die hintern Nagezähne sind seitlich zusammengedrückt, die untern schmal, murinisch, mit gewölbter und schräg gestellter vorderer Fläche. Die Backenzähne zeigen oben erheblich grössere Aehnlichkeit mit Lepus als unten, doch fehlt oben der sechste Zahn. Oben ist l sehr schmal, bei den übrigen sind die Platten viel tiefer durch seitliche Furchen getrennt, die Eänder der Kaufläche schärfer. Die erste Platte von 2 trägt in der Mitte einen bei Lepus fehlenden Höcker, 5 zeigt an der Innenseite den Ansatz zu einer dritten Platte. Unten sind die Platten der 3 mittlem Zähne nur in der Mitte verbunden, seitlich durch so tiefe Rillen getrennt, dass das Gebiss fast dem von Arvicola ähnlich wird. Der erste Zahn hat einen dreieckigen, bei Lepus viereckigen Querschnitt, beim letzten ist die vordere Platte verkümmert. Die untern Zähne von Lagomys sind denen von Pithanotomys ähnlich, welche Ameghino 1. c. auf tab. 7 abbildet. Es erschien geboten , auch die andern Gruppen der Nager auf Spuren verschwundener Zähne hin zu prüfen. Natürlich konnten nur einige wenige Vertreter der Hystricomorpha, Sciuromorpha und Myomorpha untersucht werden. Hystricomorpha. Hystrix africae-australis. Hinter den obern Nagezähnen verbreitert sich die schmale Gaumenleiste beiderseits zu einer dreieckigen Platte, auf jeder ist sehr deutlich eine längliche, vertiefte Narbe sichtbar. An der Grenze des Zwischenkiefers verdickt sich der zahnlose Gaumenabschnitt ausserordentlich. Die vordem Foramina palatina liegen am zugespitzten Ende des knöchernen Gaumens, hinter denselben und zwar ziemlich dicht hinter dem Zwischenkiefer liegen beiderseits zwei durch eine Rille verbundene Foramina dicht am Rande des Kiefers, von denen es mindestens fraglich ist, ob sie nur in Beziehung zum Nervus nasopalatinus zu setzen sind. Vor Ml ist die Fläche des Kiefers verdickt mit undeutlicher Narbe. Hinter M4 ist die Alveolarfläche dreieckig mit Narbe, die auf einer Seite deutlich sichtbar ist. Am Unterkiefer sieht die entsprechende Stelle ähnlich aus. Die kleinen Vertiefungen in der Symphyse des Unterkiefers, welcher vorn verwächst, lassen sich nicht sicher als Alveolen deuten. Dagegen
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 555 finden sich zwei Vertiefungen wie oben hinter den Nagezähnen. Jetziges Gebiss l\ M f , früheres Gebiss 1% Gjj M f. Coelogenys paca. Im Oberkiefer befinden sich hinter den Nagezähnen zwei dreieckige, in der Mitte nicht verwachsene Platten, am Rande, dicht hinter den Nagezähnen aussen sind die Spuren einer Alveole sichtbar, die auf der einen Seite ein sehr deutliches rundes Foramen, auf der andern einen verwachsenen Spalt bilden. Oberhalb von dem Alveolarrande des Zwischenkiefers befindet sich an jeder Seite des letztern eine tiefe, grubige Depression. Der Zwischenkiefer ist vor der Symphyse des Kiefers seitlich ausgebogen. Im Alveolarrande des Kiefers befinden sich, miteinander correspondirend, je 2 kleine Foramina. Vor M 1 befindet sich, besonders deutlich auf einer Seite, neben kleinern Foramina je eine Alveole, hinter M4 keine Spur eines verschwundenen Zahns. Nachweisbar sind also 2 verschwundene weitere Nagezähne und 3 Prämolaren. In der nicht verwachsenen Symphyse des Unterkiefers zeigt sich eine kleine rundliche Alveole, vor ilfi keine Spur, hinter M 4 eine solche wie bei Hystrix. Jetziges Gebiss I\ M%, früheres Gebiss I§ Cjj JfJ. Der vorliegende Schädel besitzt noch eine andere interessante Eigenthümlichkeit. Ungefähr in der Mitte des rechten Jochbogens liegt flach eingebettet in einer besonders tiefen Grube ein kleines flaches, an der Aussenseite weiss emallirtes Knochenstück von 2 mm Länge und 1,5 mm Breite, welches sich bei der Präparation loslösen Hess und die Gestalt der abgebrochenen Spitze eines sehr flachen Zahnes zeigt. Um die dickere, gelblich gefärbte Spitze herum liegt ein durch eine feine Furche abgesetzter schmaler Rand. Die Unterseite zeigt eine dürfe ebene Fläche ohne Email. Ich vermag dasselbe nur als eine parasitäre Zahnbildung zu deuten. Bekanntlich sind auch sonst am Pacaschädel pathologische Deformationen beobachtet worden. Vergl. die Abhandlung von Ernstin: Zool. Jahrb., Bd. 2. Cavia aperea. Der Alveolarrand des Oberkiefers verdickt sich seichte, dicht hinter den Nagezähnen beiderseits zu einem runden Wulst, über welchem eine den Nagezähnen parallel laufende, aber deutliche Rinne im Zwischenkiefer liegt. An der Innenseite des Wulstes liegt je eine kleine grubige Narbe. In der Mitte des Zwischenkiefers befindet sich im Alveolarrande correspondirend je eine unter der Lupe wohl sichtbare spaltenförmige Alveole. Die Symphyse des Zwischenkiefers ist etwas verdickt. Vor Ml beiderseits eine grosse tiefe Grube mit erkennbarer Alveole. Im Alveolarrande hinter M4 sind die Alveolen von 2 Backenzähnen sogar in den Vertiefungen für die Zool. Jahrb. VII. Abth. f. Syst. 37
556 TH - ^ t oack, Wurzeln vorhanden. Die Symphyse des Unterkiefers ist stark verwachsen, daher lässt sich mit Sicherheit keine Alveole nachweisen. Vor Ml unten eine deutliche Grube mit Alveole, hinter M4 die Spur eines Zahns. Jetziges Gebiss l\ M%, früheres Gebiss Jy C\ M\. Cavia ist ein sehr altertümlicher Typus, von welchem Ameghino zahlreiche Ahnen und Verwandte in den Pampas gefunden hat. Gastor fiber, den ich mit Schlosser den Hystricomorpha und nicht mit Cope und Trouessart den Sciuromorpha beizähle. Die Platten hinter I oben sind seitlich verwachsen und zeigen zwar keine erkennbare Alveole, aber eine ziemlich grosse Anzahl von Foramina für Blutgefässe, welche beweisen, dass hier früher 2 Zähne ernährt wurden. Die Symphyse des Zwischenkiefers ist verdickt, hinter derselben an einer Seite ein schmaler Spalt. Vor Ml keine Grube, hinter M4 eine deutliche kleine, rundliche Vertiefung. In der Symphyse des Unterkiefers eine lange, schmale, flache Alveole, hinter M 4 eine undeutliche Vertiefung in der Alveolarfläche, welche beweist, dass dieser Zahn früher als oben verschwunden ist. Jetziges Gebiss l\ M%+ früheres Gebiss I§ Cjj M%. Sciuromorpha. Sciurus vulgaris. Hinter I oben keine Spur eines Zahns, Symphyse des Zwischenkiefers nicht verdickt, der vielen Sciuriden eigenthümliche Processus maxillaris vor Ml markirt die Stelle, wo ein früherer Prämolar gesessen hat. Der 5. Backenzahn fehlt, ist aber durch eine deutliche runde Alveole bezeichnet. In der Symphyse des Unterkiefers vorn die grubige Spur einer Alveole, aber undeutlicher als bei den Hystricomorpha, hinter M4 eine deutliche verwachsene Alveole. Jetziges Gebiss I\ -Mf , bei einigen Arten M\\ früheres Gebiss l\> C% M%. Die untere Kante des Eckfortsatzes ist wie bei den herbivoren Beutelthieren ziemlich stark einwärts gebogen. Sciurus bicolor, Malacca. Ueber der Symphyse des Unterkiefers hinter den untern Nagezähnen steht beiderseits, jedoch stärker auf der rechten Seite entwickelt, ein fast 1 mm hoher Knochenzacken. SpermopMlus eversmanni , Sibirien. Oben hinter I tiefe Grube, runde, seichte Grube in dem Proc. maxillaris vor Pl, hinter M 5 keine Spur, keine von (7, in der Symphyse des Unterkiefers keine Alveole, hinter M IV Grube mit verwachsenem Spalt. Eckfortsatz des Unterkiefers viel stärker als bei Sciurus einwärts gebogen. Jetziges Gebiss l|, Jff, frühere Zahnformel 1 f , C%, M%-
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 557 Eliomys murinus , Ostafrika. Oben keine Spur hinterer Nagezähne, vor Ml eine undeutliche Grube, hinter M4 keine Alveole; unten die Spur einer Alveole in der Symphyse des Unterkiefers und eines fünften Backenzahns. Myomorpha. HeliophoUus emini, Ostafrika. Hinter I oben undeutliche Narben, hinter der Symphyse des Zwischenkiefers neben dem Ansatz des Jochbogens eine Grube, rechts hinter Mö eine flache, runde Alveole, in welcher aber kein Zahn gesessen hat; unten in der Symphyse liegt eine flache, rundliche Grube, hinter den untern I ein kräftiger Längenwulst, rechts ein kleiner Backenzahn hinter 5. GerUUus boehmi, Ostafrika. Oben kleine Foramina hinter I und vor M l, die nicht als Nervenlöcher betrachtet werden können, da sie sich nur bei einzelnen Muriden finden. Unten vorn keine Alveole in der Symphyse, hinter M 3 eine grubige Alveole. Dipus jaculus , Kentei-Gebirge, S. - Sibirien. Oben tiefe Grube vor Ml wie bei Heliophobius, unten schwache Spur einer Alveole in der vordem Symphyse, hinten keine Spur eines Zahns hinter M 3. Cricetus frumentarius, Deutschland. Oben flache Grube hinter I, hinter dem Zwischenkiefer schwacher Spalt, schwache Grube vor Ml und daneben aussen ein runder Höcker, der dem Processus maxillaris der Sciuriden entspricht. Unten in der vordem Symphyse deutliche länglich-runde Alveolen, hinter M3 eine deutliche Grube. Cricetus frumentarius zeigt unter allen von mir untersuchten Muriden die auffallendsten Spuren der geschwundenen Zähne. Mus decunianus, Europa. Oben schwache Narbe hinter 2, kleines Foramen vor Ml, unten flache Grube hinter M3. Mus decumanus, Ost-Sibirien. Oben flacher, länglicher Spalt vor Ml und flache Grube hinter I, unten hinter M3 seitwärts vom Alveolarrande eine tiefe Grube. Mus rattus, Ostafrika. Die Spuren geschwundener Zähne sind viel deutlicher als bei Mus decumanus. Oben bildet die Alveole vor Ml auf der einen Seite einen länglichen Spalt, auf der andern eine kleine Oeffnung, in der vordem Symphyse unten die Spur einer Alveole, hinter M 3 oben und unten die Spur eines geschwundenen Zahnes. Mus microdon, Ostafrika. Oben kleine Narbe hinter J, unten seitlich hinter M 3 eine tiefe Grube. Isomus aoyssinicus, Ostafrika. Keine Spuren geschwundener 37*
558 TH noack, Zähne, nur die Symphyse des Zwischenkiefers etwas verdickt, die vordere auffallend stark verwachsen. Calomys flavescens, Yukatan. Erhebliche Verdickung in der Symphyse des Zwischenkiefers, unten hinter M 3 eine Spur der Alveole eines vierten Backenzahns. Arvicola amphibius, Ostsibirien. Oben hinter I in der Mitte eine gemeinsame Grube für beide Kieferäste, vor Ml deutlicher länglicher Spalt für einen geschwundenen Prämolar , unten hinter M 3 deutliche Grube. Microtus, zwei noch unbeschriebene Species aus Australien, von Gerard Krefft kurz vor seinem Tode gesammelt. Oben hinter I die Grube, wie bei Arvicola amphibius, in der Symphyse des Unterkiefers eine schwache Längenfurche. Bei einer Species unten hinter M3 eine Zahn spur, bei der andern nicht. Auch bei fossilen Nagern zeigen sich bereits, wie das Werk von Ameghino beweist, die Spuren geschwundener Zähne. So findet sich bei Callodontomys (tab. 9, fig. 27) eine tiefe Grube vor M 1, Bicoelophorus hat an dieser Stelle noch einen Prämolar, bei dem fossilen Lagostomus incisus und cavifrons ist die dreieckige Grube vor M 1 oben tiefer und schärfer als bei dem recenten Lagostomus trichodactylus. Eine flache Grube vor Ml findet sich bei der fossilen DolicJioüs platycephala. Eine tiefe Furche in der Symphyse des Unterkiefers erscheint in den Abbildungen nur bei dem zu den Megatheriden gehörigen Neoracanthus brackenbuschianus. Gleichfalls besitzen manche Wiederkäuer Spuren geschwundener Zähne. In einem Oberkiefer von Litocranius walleri aus dem SomaliLande, welchen ich Herrn Menges verdanke, finde ich beiderseits die Alveolen von 2 J, C und einem P. Alle Foramina nehmen von vorn nach hinten an Deutlichkeit zu, sind durch Lücken getrennt und sitzen an denselben Stellen wie die entsprechenden Zähne bei Camelus, Procamelus, Homo camelus, beweisen also für die einstige Aehnlichkeit des Antilopen-Gebisses mit dem der Cameliden. An einem Jüngern $ Schädel von Neotragus saltianus aus dem Somali-Lande finde ich die deutliche Spur eines Canin mit Nucleus. Küppell hat sie eben so bei Cephalolophus madoqua gefunden. Vergl. v. Heuglin in : Nov. Act. Acad. Carolin., 30, p. 10. Bei Manis hessi habe ich undeutliche Spuren von Zähnen in: Zool. Jahrb., Bd. 4, p. 103 nachgewiesen. Das Resultat der vorliegenden Untersuchung, welche natürlich noch sehr der Erweiterung bedarf und auf alle Ordnungen und Familien mit lückenhaftem Gebiss ausgedehnt werden müsste, ist folgendes: 1) Bei sämmtlichen vier Gruppen der Nager finden sich die Spuren
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 559 geschwundener Zähne, am deutlichsten bei den Lagomorpha, am wenigsten deutlich bei den Myomorpha. 2) Die Spuren sind um so deutlicher, je mehr Zähne die Gruppe besitzt, also je alterthümlicher sie ist. 3) Die Spuren eines C lassen sich mit Sicherheit nur noch im Embryo von Cunicülus ferus nachweisen. 4) Die hintern obern Schneidezähne der Lagomorpha, welche doppelt vorkommen, sind ächte Nagezähne und nicht dem Zahnwechsel unterworfen, so wenig wie die Nagezähne überhaupt ; nur im Embryo von Cunicülus ferus findet sich möglicher Weise die Spur eines hintern obern Milch-Nagezahns. 5) Der Schwund der Zähne muss sich schon in den altern Perioden der Tertiärzeit vollzogen haben, die Spuren derselben aber reichen bis in die Gegenwart. 6) Wahrscheinlich lassen sich die Spuren geschwundener Zähne auch bei den übrigen Ordnungen mit lückenhaftem Gebiss nachweisen. Ich finde z. B. bei Erinaceus europaeus im Oberwie im Unterkiefer hinter dem letzten Molar die Spur eines geschwundenen Zahnes , die sich unten noch als Spalt charakterisirt. 3. Heliophobius emini n, sp. Schädel und Gebiss, Taf. 18, Fig. 5 — 9. „Ein Exemplar mit Schädel, <J, Simba Muenne, 13. V. 1890. Iride fusca, Körper 245, Schwanz 5 mm. Dasselbe [Emin sagt Georychus spec.~] unterscheidet sich von solchen aus den Aequatorialländern durch bedeutendere Grösse, rostigem Ton des Grau und rudimentäre untere Zunge. Skelet eingesandt." E. Schon die rudimentäre untere Zunge , welche bekanntlich sonst die Galagos besitzen , muss diesen Heliophobius als eine sehr auffallende Erscheinung kennzeichnen. Derselbe weicht auch sonst, besonders im Schädelbau, sehr von H ar genteoeiner eus, sowie von der von mir beschriebenenen Varietät aus Marungu ab. Heliophobius emini ist ungefähr so gross wie Georychus capensis, gehört also zu den grössten Formen der Erdgräber, der Körper ist plump walzenförmig, die kleine Ohrmuschel im Pelze versteckt, von den Fingern der zweite und dritte gleich lang, von den Zehen die dritte etwas länger als die zweite, der Nagel an dem abgesetzten Daumen hinten ziemlich lang und spitz, vorn kurz, stumpf. Uebrigens ist die Länge der Zehen ein ziemlich werthloses Unterscheidungsmittel. Das Scrotum ist äusserlich nicht sichtbar , der kurze Penis 4 cm vom After entfernt.
560 TH - noack, Die Gegend um den After ist in breitem Kreise nackt, ein sich nach dem Penis hinziehender Streifen schwach falb behaart. Das lange, weiche und dichte Haar ist auf der Oberseite und besonders hinten an den Schenkeln verlängert, deckt aber auch die Unterseite vollständig. Die Aussenseite der Hand, mehr noch des Fusses und der Schwanz tragen straffe, borstenartige Haare. Die spärlichen falben Schnurren sind von ungleicher Länge. Die Färbung ist röthlich-braun, an der Unterseite nicht heller, aber etwas weniger lebhaft, die Haarbasis falb-grau. Vor der Stirn sitzt ein kleiner, länglicher, vorn zugespitzter weisslicher Fleck, unter dem eine Hautfalte, wahrscheinlich mit Drüsen, zu liegen scheint, ähnlich wie bei dem Rückenfleck von Hyrax. Stirn und Wangen zeigen mehr einen gelblich-braunen Ton, die Unterlippe ist schmutzig - gelbgrau , Lippenrand und Kehle falb weisslich, Muffel, Hände, Füsse und Nägel sind roth. Schädel. Derselbe weicht erheblich von dem des Heliophöbius einer eo-argenteus, sowie von demjenigen der Georychiden ab. Die obere Profillinie ist flach, der Processus supraorbitalis ist viel kräftiger entwickelt als bei Heliophöbius und zieht sich viel weiter nach hinten. Die Nasenbeine enden hinten mit einer Spitze, welche wie bei Heliophob. die hintere Spitze des Zwischenkiefers überragt (vergl. Leche, in : Zool. Jahrb., Bd. 3, p. 122). Die Stirnbeine sind hinter dem Processus supraorb. sehr stark eingeschnürt. Die Scheitelbeine bilden einen Knochen von Kleeblatt -Gestalt, dessen vorderer, mit einem stumpfen Zacken in die zweispitzig endenden Stirnbeine einspringender Theil als Interparietale anzusehen ist. Hinten divergiren die Scheitelbeine etwas und sind von einem wulstigen Rande begrenzt. Die Squama occipitalis ist allerdings grössten Theils so wie die Bullae aud. zerstört, doch zeigt der erhaltene Theil der erstem , dass auch das Hinterhaupt von demjenigen des Heliophöbius einer eo-argenteus sehr abweicht. Es bildet eine in der Mitte in die Scheitelbeine vorspringende Platte mit vorn stark erhöhtem Rande, die mit Georychus ochraceoeiner eus am meisten Aehnlichkeit hat. Die seitlichen Zacken desselben sind stark quer gezogen. Von einer Bulla aud. ist wenigstens der basale Theil erhalten. Daraus ergiebt sich, dass dieselbe besonders vorn viel schmaler ist als bei Hei. arg.- ein. Weiter fällt auf der untern Fläche des Schädels die enorme Verlängerung des hintern Theils der obern Nagezähne und die starke Verschmälerung des Gaumens auf. Die obern Nagezähne reichen wulstig markirt durch die Augenwandung bis hinter die letzten Backenzähne, und die Pulpalöffnung, welche nicht durch einen länglich-runden Knochendeckel,
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 561 wie bei H. a.-c, sondern im frischen Zustande jedenfalls nur durch Knorpel geschlossen ist, ragt noch 3 mm über die Backenzähne herab, lieber dem Alveolarwulst der Nagezähne liegt unter dem Processus supraorbitalis, welcher nach unten mit zwei Zacken endet, der tiefe, nach hinten geöffnete Thränencanal. Das Foramen infraorb. ist nicht abweichend. Ein knöcherner Gaumen ist so gut wie nicht vorhanden und nur zwischen den beiden hintern Backenzähnen durch eine ganz schmale Knochenleiste markirt ; übrigens stossen die Kanten der beiden Alveolenreihen eng an einander, so dass die beiden Zahnreihen in der Mitte innen, vorn und hinten nur 2 mm von einander entfernt sind. Am Unterkiefer ist der Proc. coron. viel niedriger als bei den übrigen Arten, übrigens, wie auch sonst mehrfach, Schädel und Gebiss asymmetrisch, links bildet der Proc. cor. einen 3 mm hohen, an der Basis 3 mm breiten, hinten ausgeschweiften Zacken, rechts ist er 4 mm hoch, oben breit abgeschnitten (nicht abgebrochen), mit vorderer kräftiger Leiste, die auf der andern Seite fehlt. Der hintere Flügel ist sehr breit, die untere Kante verhältnissmässig gerade, die hintere Kante unter dem Condylus wenig ausgebogen. Von unten gesehen erscheint die untere Kante des Flügels hinten nicht ausgebogen, sondern der hintere Theil des Flügels biegt sich nach innen, auch bildet der untere Rand eine flache und nicht eine runde Leiste. Die Alveole der untern Nagezähne reicht bis dicht unter den Condylus. Maasse. Scheitellänge 45 mm, Breite an der Squama occipitalis 24, Scheitelbreite hinten 20, Einschnürung hinter dem Proc. supraorb. 9, zwischen den Supraorbitalleisten 14, vor denselben 12, Nasenbreite 9,5, grösste Breite zwischen den Jochbogen aussen 37, Länge der Nasenbeine, Mitte, 18,5, Stirnbeine, Mitte, 18,5, vorderer Theil der Stirnbeine 6,5 lang und breit, Breite des Interparietale 6, Breite der Scheitelbeine 12, Bulla aud. 9 mm lang, in der Mitte 5, vorn 3 mm breit. Zahnreihe 9 mm. Unterkiefer ICondylus 35, Höhe des horizontalen Astes zwischen I und Ml 6, Länge des hintern Flügels 20, Höhe hinter dem Proc. cor. 14, I — Ml 10, Zahnreihe 9 mm. Gebiss. Nagezähne weiss, glatt, die vordere Fläche rauh , die obern sehr lang, mit flachdreieckigem Querschnitt, die schräg liegende hintere Kante seicht gefurcht, an den untern ist die Spitze abgebrochen, der Querschnitt länglich-dreieckig. Oben 5, unten 5, an einer Seite 6 Backenzähne. Die obern sind stark nach aussen, die untern nach innen umgebogen; übrigens ist das Gebiss sehr asymmetrisch, die Zähne sind an der Krone stärker als in der Mitte. Kaufläche
562 TH - noack, von Ml unregelmässig, rundlich, kleiner als von M2, an einer Seite ist dieser Zahn ein kleines abgenutztes "Rudiment , welches aussieht wie ein zurückgehaltener Milchzahn. M2 rundlich - dreieckig , M3 quer-herzförmig mit leichtem Einschnitt an der Aussenund stärkerm an der Innenkante , M 4 kleiner, querherzförmig mit verticaler Rinne des Zahns an der Innenseite; M 5 herzförmig, doch die Spitze der Figur nach vorn gerichtet, der Einschnitt mit tiefer Verticalfurche des Zahns hinten. Rechts hinter M 5 noch eine kleine, flache, runde Alveole ohne Zahn. Unten Ml wie oben mit länglich-runder Kaufläche, rechts wie oben ein kleines, abgerundetes Rudiment, M2 rechts rundlich-viereckig, links mit flachem Einschnitt an der Innenseite; M3 aussen und innen mit Einschnitt, so dass die Kaufläche vorn eine grössere und hinten eine kleinere Ausbuchtung zeigt. Bei 4 sind die Einschnitte tiefer, die hintere Ausbuchtung kleiner, links ist der Zahn viel kleiner und bildet einen flachrundlichen Stift. Mö mit flach-rundlicher, in der Mitte etwas eingekerbter Kaufläche; M6 ein kleiner, noch in der Alveole steckender Stift, links ist M 5 klein, flach-rundlich, von 6 nur eine kleine Alveole ohne Zahn vorhanden. In den bisher bearbeiteten Collectionen Dr. Emin's fand Leche Georychus damarensis und ochraceoeiner eus (in: Zool. Jahrb., Bd. 3, p. 120 ff.), Oldfield Thomas ebenfalls G. ochraceoeiner eus (in : Proc. Lond» Z. S., 1888, p. 14) und Heliophobius argenteo-cinereus, sowie G. albifrons (in: Proc. Lond. Z. S., 1890, p. 448); doch erscheint 0. Thomas die Bestimmung unsicher. Klarheit über die unsichern Verhältnisse von Georychus und Heliophobius kann nur die genaue Besprechung jedes eingelieferten Exemplars und das genaue Studium des Schädels, besonders des Interparietale und Gebisses bringen. Farbe und Länge der Zähne sind sehr zweifelhafte Merkmale. 4. Georychus spec. Embryo, £, ohne weitere Angaben mit einer Etiquette von Dr. Emin's Hand aus Sansibar erhalten. (Schädel Taf. 18, Fig. 10, 11). Der vorliegende Embryo von Georychus ist der erste, welcher wissenschaftlich untersucht werden konnte, und stammt wahrscheinlich aus der Gegend des Victoria-Nyansa. Derselbe weicht von Embryonen anderer Nager erheblich ab. Die Lage ist stark kuglig zusammengerollt, das Hintertheil gegen die Nase vorgebogen, eine Hand an der Schläfe, die andere über den Schwanz geschlagen. Die Placenta fehlte, von einer Nabelschnur ist keine Spur vorhanden , jedenfalls ist sie
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 563 sehr schwach gewesen, da sich am Nabel nur eine sehr kleine undeutliche Schnittfläche zeigt. Der Embryo macht also einen sehr ähnlichen Eindruck wie der eines Beutelthieres , z. B. von Macropus, welchen ich in 3 Exemplaren vergleichen konnte. Die sehr faltige und schlottrige Haut zeigt viele tiefe Längenund Querfurchen, als ob der Embryo erst in die Haut hineinwachsen sollte. Die stumpfabgerundete, unten gespaltene Nasenkuppe ragt nicht wie sonst bei den Embryonen von Nagern über den Unterkiefer hinaus. Der Kopf ist lang und dick, die Mundpartie ebenso stark wie der Schädel. Die Muffel ist schwach warzig, links mit einigen schwachen Furchen, an den Wangen hinter der Mundspalte sitzt eine Warze. Auge und Öhr sind auffallend asymmetrisch gebildet. An der rechten Seite sind die beiden Lider der 0,5 mm langen, unter starken Falten verborgenen Augenspalte deutlich markirt, links ist absolut nichts von einem Augenspalt zu entdecken. Das kleine Auge liegt sehr flach unter der Haut. Die Ohrmuschel ist 1,5 mm lang und bildet rechts ein kleines lanzettförmiges Läppchen, vorn unten mit Ausbuchtung, hinten mit etwas erhöhtem Eande, welcher an einer Hautfalte festgewachsen ist; links ist das Ohr eine rundliche, hinten angewachsene Klappe. Von einer Ohröffnung ist auf beiden Seiten nichts zu entdecken. Die sehr kurzen 5 Finger sind nicht getrennt, sondern bis zur letzten Phalanx von einer Haut umschlossen, nur die kurzen, dickconischen Nägel ragen hervor. Die Hand macht durchaus den Eindruck, als ob sich Georychus aus einem im Wasser lebenden Säugethier entwickelt hat. Vor dem Daumen mit sehr kurzem, conischem Nagel, welcher einwärts und bis zur Basis von II aufgerückt ist , sitzt ein stärkerer Ballen, drei kleinere, von denen derjenige vor II der kleinste ist, sitzen vor II— IV. Neben der Basis des fünften Fingers sitzt eine Warze, welche sich als das Rudiment eines sechsten Fingers charakterisirt Von den Fingern ist III etwas länger als II und IV, V etwas kürzer als IV. Die Bildung der Hände und Füsse zeigt keine Asymmetrie. Die Zehen sind wie die Finger von einer Haut eingeschlossen, eine Warze neben V fehlt, Daumen und fünfter Finger sind vor die Basis von II und IV gerückt, vor II — IV sitzen drei kleine Ballen, in der Mitte der Sohle eine kleine Warze; das Längen verhältniss der Zehen ist wie bei den Fingern. Der 9 mm lange Schwanz, der bei adult. höchstens 5mm l|ang wird, besitzt mit Ausnahme der Wurzel keine Wirbel, schwindet jedenfalls später und beweist, dass die Ahnen von Georychus einen längern Schwanz besessen haben. Er ist flach-conisch mit rundlicher Spitze. Die Haut der Oberseite bildet auf jeder Seite
570 TH - noack, sammengekugelt. Körper des S 30 mm, Schwanz 10, Unterarm und Hand 7, Unterschenkel 6, Fuss 5 mm. Das ? etwas kleiner. Der noch sehr weiche, 10 mm lange, 5 breite Schädel zeigt ein grosses, hinten abgerundetes doppeltes Interparietale. Vor den 6 Gaumenfalten sitzt ein Wulst ; die beiden ersen sind ungebrochen , in der Mitte nach hinten eingebogen, 3 in der Mitte geknickt, 4—6 sind durch eine Furche getrennte, nach hinten wie bei Dendromys und Mus minutus, aber nicht so stark umgebogene Querwülste. Bei der Präparation fand sich," das s die Gaumen falten auf der einen Seite als deutlich markirte Querwülste auch im knöchernen Gaumenlagen. Diese merkwürdige Erscheinung macht fast zur Gewissheit, dass die Gaumenfalten, wie nach Schlosser die Zähne der Säugethiere, sich aus Pflasterzähnen entwickelt haben, wie wir sie bei den Acrodonten, Placodonten etc. fossil finden. Auch der Alveolarrand des Unterkiefers zeigt dieselbe merkwürdige Bildung wie bei dem Fötus von Georychus. Derselbe bildet eine schmale, scharfe Leiste ohne jede Furche, hinten zeigt er eine kleine bohnenförmige Erhöhung, die ich nur mit der Knochenplatte von Ornithorhynchus vergleichen kann. An der Innenseite ist der Kieferrand durch eine Membran wie bei Georychus geschlossen , Zahnkeime waren in der Höhlung nicht wahrnehmbar. Die schmalen, ziemlich stark gebogenen obern I sind stark nach innen gerichtet. Im Diastema zwischen I und M findet sich eine seichte Grube. Die untern I sind an der etwas umgebogenen Spitze bräunlich gefärbt, wie bei Sorex, sonst hell - gelblich. Die Alveole des Oberkiefers ist eine oben offene Furche, in welcher Zahnkeime noch nicht erkennbar sind, in der Symphyse des Unterkiefers findet sich die Spur einer Alveole. Die Anklänge dieser Embryonen von Nagern an die Placodonten, Monotremen und Insectivoren dürften ein Beweis sein, dass die Embryologie für die Descendenzlehre nicht, wie Carl Vogt in der Revue Scientifique meint, eine werthlose Sache sei, sondern dass sie noch sehr wichtige weitere Aufschlüsse gewähren wird. Nach meiner Ansicht wird Vogt sehr treffend von E. Cope in : Amer. Natur., 1891, p. 558, widerlegt. Man muss berücksichtigen, dass der Schädel eines Embryos jedesmal eine doppelte Reihe von Merkmalen bietet, atavistische und progressive oder, wie Haeckel sagt, palingenetische und cänogenetische. Wenn der Schädeltheil eines Embryos gegenüber dem Kiefertheil stark entwickelt ist, weil die Natur den wichtigsten Kopftheil zuerst entwickelt, so wäre es natürlich verkehrt, dieses progressive Merkmal als ein atavistisches zu deuten und zu folgern, dass die
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 571 Säugethiere von Formen mit stark entwickeltem Gehirn abzuleiten seien, während es doch gerade umgekehrt war. Im vorliegenden Falle schwinden gewiss später alle die oben an den Embryonen von Georychus und Mus beschriebenen altertümlichen Rudimente; dass sich aber selbst am erwachsenen Schädel noch immer genug alterthümliche Merkmale erhalten, dafür ist das Interparietale, das Rudiment eines dritten Auges, dafür sind die Rudimente verschwundener Zähne, die ich oben bei Nagern, Insectenfressern und Antilopen nachgewiesen habe, und die sich bei systematischem Suchen noch viel zahlreicher finden werden, ein deutlicher Beweis. 9. Mus abyssinicus Rüpp. „Sieben Exemplare von Tabora, 4 <J, 3 ?, 31. VII. — 14. VIII. 1890. Iris dunkelbraun, bei den hinten rostroth gefärbten Exemplaren fuscoumbrina. In HäuserD, sehr gemein. Körper 3 144 — 185 mm, Schwanz 106, Kopf 40— 41, Ohr 19—21,5 mm; Körper ? 133—153 mm, Schwanz 91—107; Kopf 39,5—41, Ohr 16,5-17." E. Die Färbung ist nach Alter und Geschlecht ziemlich schwankend. In der Jugend ist die Oberseite mehr grau-braun, indem die gelblichen, an den Schultern mehr weisslichen Haarspitzen wenig hervortreten, der Hinterrücken ist dunkler, die Unterseite weiss-grau, der Bauch fast kahl. Zwei alte 3 sind am Hinterrücken intensiv rostroth gesprenkelt, auch die sonst falb-gelbe Unterseite des Schwanzes ist hier länger rostgelb behaart. Der Bauch ist grau mit straffern Haaren, aber nicht so dicht wie die Brust behaart. Bei alten $ findet sich am Hinterrücken nur ein schwacher Anflug von rostrothen Haarspitzen, am Vorderleibe sind die Haarspitzen gelblich. Da die Färbung der alten 3 im Wesentlichen mit derjenigen des von mir in den Zool. Jahrbüchern, Bd. 2, p. 235 als neu beschriebenen Pelomys reichardi übereinstimmt, da ferner zwei von den durch Dr. Emin gesammelten Schädeln dieselbe seichte Furchung der obern Nagezähne wie Pelomys reichardi besitzen und auch die oben besprochenen Exemplare von Eliomys murinus eine solche Furchung zeigen, die sich sonst nicht findet, so muss man annehmen, dass die 1. c. angegebenen Merkmale nicht für die Aufstellung einer neuen Art genügen. Ich ziehe deshalb die Species Pelomys (Isomys) reichardi ein und vereinige dieselbe mit Mus (Isomys) abyssinicus. Schädelmaasse des grössten Exemplars: Scheitellänge 33,5 mm, Scheitelbreite 16, Einschnürung 6, hinten zwischen den Jochbogen 19, Zool. Jahrb, VII. Abth. f. Syst. 3g
572 TH - noack, I—M = 10,5, obere Zahnreihe 7,5, Unterkiefer bis zum Eckfortsatz 19, Höhe unter M = 6,5, Höhe des aufsteigenden Astes unter dem Proc. cor. 11, Breite des aufsteigenden Astes 8 mm. G e b i s s. Die obern Nagezähne sind bei einem Pullus und einem erwachsenen & seicht gefurcht, bei den übrigen nicht. Die Farbe wird im Alter dunkler gelb. In jüngerm Alter besitzt Ml oben 3 schräge Lamellen mit 3 Höckern, M2 hat 2 Lamellen, von denen die erste zweihöckrig, die zweite glatt ist. Die vordere der beiden Lamellen von M 3 besitzt zwei Höcker und einen innern Nebenhöcker, die hintere eine Grube auf der Krone, wie sie auch die übrigen Höcker zeigen. Die beiden Höckerreihen der untern M sind durch eine Längenfurche getrennt. Von den sechs Höckern von M 1 ist der erste äussere schwächer, 2 wie sonst mit vier Höckern, bei 3 ist die vordere Lamelle zweihöckrig, die hintere glatt. Wenn sich im Alter die Höcker abnutzen, sind die Lamellen gefaltet und in der Mitte vertieft. Der kleine innere Nebenhöcker bei 2 und 3 oben trennt sich erst im Alter von der Lamelle. Auch auf den untern M schwinden die Höcker im Alter vollständig, die Molaren zeigen also dann ein von der ursprünglichen Beschaffenheit sehr abweichendes Aussehen, welches denjenigen, der nur ein einzelnes Exemplar untersuchen kann , leicht irre führt. 10. Mus rattus L. „Fünf Exemplare, 4 <J, 1 ?, Mrogorro, Simba Muenne, Mkigwa in Uniamuesi, Tabora, 16. V. — 14. VIII. 1890. Iris dunkelbraun. Körper 152—185, Schwanz 148 — 191 mm, Schwanz von Körperlänge, kürzer oder länger als der Körper. Gewöhnlichste Art, lebt in Hütten und auf Feldern/ 4 E. Bei alten S sind die Haarspitzen der Oberseite mehr röthlich, bei Jüngern Thieren ist die Färbung mehr schwarz-braun, die Färbung der Unterseite ist olivengelb-grau, bei ? etwas dunkler, bei den Pulli mehr olivengrau, sieht also etwas anders aus als bei europäischen Exemplaren. Mus rattus scheint von der Küste nur bis Tabora zu reichen und lebt dort mit Mus dbyssinicus zusammen, welche von Tabora bis zum Victoria-Nyansa allein gefunden wurde. Der Schädel eines alten 8 zeigt auffallende Abweichungen. Die Nagezähne sind heller und schmaler als sonst, unten sehr hellgelb und glasartig durchscheinend, oben schmutzig-gelb und an der Hinterseite wie an der vordem gefärbt, während sonst die Hinterseite weiss
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 573 bleibt. Auch die Backenzähne dieses Exemplars waren schmaler als bei den übrigen. Insectirora. 11. Petrodromus tetradactylus Pet. „Ein Exemplar, d, Mkigwa, Unianiembe, 26. VII. 1890. Körper von den Nasenlöchern bis zur Schwanzwurzel 200 mm, Schwanz 178, Kopf 65, Ohrhöhe 37, Tibia 50, Metatarsus 75 mm, Iride umbrina. Es fand sich ein ganzer Bau dieser Thiere in einem verlassenen Termitenhaufen; die Thiere verbargen sich theilweise im dichten Dorngestrüpp, theilweise schlüpften sie in die Löcher. Sie leben gesellschaftlich und springen sehr gewandt. Ihre Stimme ist zirpend. Auch bei Tabora gesehen." E. Dr. Emin schrieb mir ferner, dass das vorliegende Exemplar nicht zu Petrodromus tetradactylus gehöre. In der That weicht es in vielen Beziehungen von einem $ in Spiritus, welches Dr. Stuhlmann in Ostafrika sammelte und welches ich in: Hamb. Jahrb., Bd. 9, p. 42 besprochen habe, ab. Das von E. gesammelte Thier ist erheblich grösser und heller gefärbt als das STUHLMANN'sche. Der schwarze Fleck hinter dem Ohr fehlt dem letztern, das Ohr ist hinten bei E. fahlgelb, bei St. rostroth, der Unterarm weiss-gelb, bei St. roth-gelb, die Oberseite falb-rostroth mit Schwarz gemischt, die Seiten falb-gelb, der Bauch rein weiss, die hintern Nägel sind bei E. schwarz, bei St. gelb-braun. Der Schwanz ist bei E. viel dichter behaart, so dass die Schuppenringe nicht durchscheinen, die Unterseite weiss-grau, bei St. rostgelb behaart, der nackte basale Theil röthlich, bei St. weisslich. Wenn man indessen die Beschreibung von Peters vergleicht, der ausdrücklich bemerkt, dass das $ dunkler gefärbt ist, so sind die Abweichungen in der Färbung nicht ausreichend, um eine neue Species oder auch nur Varietät zu begründen. Die Abweichungen des Schädels sind solche, die sich hauptsächlich durch das höhere Alter erklären lassen. Nasentheil und Hinterhaupt sind mehr verlängert, letzteres weniger gerundet, die Schädelkapsel relativ kleiner, der runde Zacken des Thränenbeins ist grösser und sitzt tiefer. Am Unterkiefer ist der hintere Theil des horizontalen Astes unten weniger ausgebogen. Bei Stuhlmann's Exemplar waren die Zähne im feuchten Zustande wie bei manchen Soriciden bräunlich-violett gefärbt, doch schwindet, wie bei Emin's Exemplar, die Färbung beim Trocknen. Die Zähne im Oberkiefer zeigen kaum 38*
574 TH - noack, Differenzen. Dagegen sind die untern I" schmaler und die innern mit der vordem Kante weniger umgebogen. Die Prämolaren sind hinten an der Basis weniger ausgezogen, der dritte viel kürzer als bei St. Diese Differenzen scheinen jedoch mehr eine Folge der Abnutzung zu sein, da auch die Falten der hintern Molaren bei Emin's Exemplar weniger stark hervortreten. Maas s e. Scheitellänge 56,5 mm, Basallänge 50, Scheitelbreite 22, zwischen den Jochbogen 30, zwischen den Augen 9,5, Nasenbreite vorn 7, Breite des Nasenrückens 4, Zahnreihe 29, Unterkiefer bis zum Eckfortsatz 43, Höhe unter dem Proc. cor. 16, Breite des aufsteigenden Astes 8 mm. 12. JErinaceus albiventris Wagn. „Pullus $, Tabora, 5. VIII. 1890. Ganze Länge 103 mm, Iris dunkel. Soll in der Regenzeit häufig sein; im Innern Afrikas sehr häufig." E. Der Igel ist nicht, wie Dr. Emin meinte, E. frontalis, sondern albiventris, welcher hinten nur vier Zehen hat. Der Körper ist breit gerundet, die Beine kurz. Der Spalt der Nasenkuppe setzt sich auf der Unterseite als Furche fort, die grossen Nasenlöcher sind seitlich geöffnet, das massig grosse Ohr hinten fast nackt. Der Metacarpus ist breiter als der Metatarsus, die Finger und Zehen nehmen von 1 — 4 an Grösse ab, der Daumen mit kurzem Kuppennagel ist aufwärts gerückt, vom Daumen findet sich keine Spur. Uebrigens hat Dobson nachgewiesen, dass bei einigen Exemplaren von E. albiventris sich noch beiderseits ein kleiner Hallux, bei andern auf einer Seite noch der Metatarsus findet, die Reduction also noch im Werden begriffen ist; vergl. in: Proc. Lond. Z. S., 1884. Die Nägel der Hand sind weisslich, die des Fusses hell hornfarben. Der höchstens 5 mm lange Schwanz ist weisslich behaart. Das straffe, fast borstige und ziemlich lange Haar liegt glatt am Körper an. An den lang behaarten Wangen sitzen noch einzelne längere weisse und braune Borsten. Das Gesicht ist bis hinter die Augen umbrabraun, so dass die letztern noch dunkel umrandet sind. Der dunkle Streifen unter den Wangen spitzt sich bis gegen die Wangen hin zu, welche hinten weiss sind. Vor der Stirn steht zwischen dem braunen Gesicht und den bald hinter den Augen beginnenden Stacheln ein Kranz weisser Haare, der sich bis zu dem Ohre hinzieht. Letzteres ist innen umbrabraun mit einzelnen weissen Haaren, die sich auch an der Oberlippe finden. Hand und
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 575 Fuss sind umbrabraun, letzterer mit einzelnen weissen Haaren. Die Unterseite ist rein weiss, dicht behaart. Das Stachelkleid ist dicht und kurz, der einzelne Stachel 12 mm lang, 0,5 dick, im Querschnitt rund, tief und fein gefurcht. Nach oben hin, wo die Furchung fast verschwindet, ist der Stachel mit einem sehr feinen Zellennetz bedeckt. Ueber der hellbraunen Basis folgt ein schmaler weisser und ein breiter schwarz-brauner Ring, die Spitze ist weiss mit hellbraunem Ende. In dem weisslichen Mark ist der Canal sehr eng. Maasse. Körper 103 mm, Auge — Nase 14, Schwanz 5, Ohr ca. 12, Metacarpus und Hand 12, Metatarsus 14, bis zur Spitze des Nagels der ersten Zehe 17. Der noch sehr weiche und mehrfach defecte Schädel Hess schwer die Eigenart der Species erkennen. Er ist am Hinterhaupt breiter als bei Erinaceus europaeus, die bei letzterm fast parallelen hintern Foramina palatina convergiren nach vorn, das doppelte Tympanum ist grösser, die innere Kapsel durch eine Membran geschlossen. Am Unterkiefer ist der Eckfortsatzt schwach, der aufsteigende Ast steht steiler als bei Erinaceus europaeus. Maasse. Scheitellänge 26 mm, Scheitelbreite über dem Tympanum 17, basale Länge 22, Länge des knöchernen Gaumens 16, Breite 6, Kieferbreite zwischen dem vorletzten Backenzahn 14, horizontaler Ast des Unterkiefers bis zum Eckfortsatz 22, Höhe 2, aufsteigender Ast, schräg gemessen, 10 hoch, 4 breit. Gebiss. Mir scheint, dass Schlosser, Affen etc., Bd. 1, p. 85 die Zahnformel für Erinaceus richtiger J § CyPfiff angiebt als Dobson 1 § C j P f M § , da der von letzterm als oberer C angesehene Zahn, der ziemlich weit hinter der Symphyse von Kiefer und Zwischenkiefer sitzt, nur als Pl definirt werden kann. Im vorliegenden Schädel sind vorhanden oben 2 I mit zwei dahinter sitzenden sehr kleinen Milch -I; 12 und PI sind durch eine Lücke getrennt, dann folgen 3 P und 2 M . Pl und 2 sind sehr klein, wohl schon gewechselt, jedenfalls P3. Letzterer und die Molaren weichen in der Form nicht von Erinaceus europaeus ab, 12 ist ebenso lang, aber breiter als J^, beide viel grösser als bei Er. europ. Von M3 findet sich noch keine Spur. Unten ist die reguläre Zahl von 2 1 1 G 2 P 3 M entwickelt, doch steckt MS noch im Kiefer. Il ist spitz-conisch , nach innen gerichtet, 12 mit runder Spitze, bei C die letztere nach hinten umgebogen, P drei-
576 TH - noack, spitzig, der hintere Aussenzacken am höchsten, der vordere bei PI schwach, Ml und // wie bei Er. europ. fünfzackig. Nach Dobson (Monogr. of Insectivora) leben in Afrika : Erinaceus fallaxIS.; desertus, Algier; algiricus, Algier; libycus, NO; diadematus, Senaar; platyotis, Senaar; Jcrugi, W.; albiventris, trop. Afrika; frontalis, S. Carnivora. 13. Felis serval t Schreb. t Verstümmelter Balg ohne weitere Angaben. Grundton hell röthlich-gelb, die Flecken bilden längs des Halses und der Schultern ununterbrochene Reihen. 14. Felis ealigata Temm. „Ein Exemplar, juv. ?, Tabora, Unianiembe, 16. VIII. 1890. Körper 280, Schwanz 140 mm; heisst im Kiuniamuesi: Kimburu." E. Felis ealigata ist offenbar, wie der Suahili-Name beweist, mit der von Böhm in Gonda gefundenen und auch sonst beobachteten Katze No. 19 in: Zool. Jahrb., Bd. 2, p. 259 identisch. Das vorliegende, etwa halb erwachsene Exemplar zeigt noch eine lebhafte, im Alter mehr schwindende Zeichnung. Die Gesichtszeichnung ist ähnlich wie bei den verwandten Gruppen, also die Nase rostroth, zwischen den Augen heller, vor den Augen ein grosser weisser Fleck mit 7 weissen Borsten darüber, Stirn dunkel-gelbbraun, Nacken schwarz, Ohrspitze ohne Haarbüschel, doch die Endhaare etwas verlängert, Aussenseite des Ohrs röthlich-schwarzbraun , nach der Spitze dunkler, innen gelb-grau mit rostgelbem Rande. Der schwarze Streif von den Augen zur Nase, ein gelb-brauner Strich unter den Augen und die beiden dunkelbraunen Wangenstreifen wohl markirt. Kehle mit mattbraunem Halsbande und die Brust bis zu den Beinen gelbgrau, dunkler gebändert. Die Bänderung liegt schon in der Grundwolle, die Grannen zeigen einen breiten gelben Ring mit schwarzer Spitze. Zwischen den Vorderbeinen ist die Brust ungebändert, nachher mit stärkern schwarzen Bändern, der Bauch gelb-grau. Die Zeichnung der Oberseite besteht aus schwarzfleckigen Querbändern auf gelb-grauem Grunde, Rücken dunkler mit verschwindender Zeichnung, Unterarm deutlich und dunkler als der Körper gebändert, Hinterschenkel wie die Seiten. Metacarpus und Fuss rostgelb, Metatarsus etwas mehr mit Grau gemischt, Handgelenk hinten mit schwarzem Fleck, am Fuss hinten ein grösserer
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 577 schwarzer Fleck aussen und ein kleinerer etwas hellerer hinter dem Ballen. Handund Fussballen wie sonst bei kleinern Katzen. Schwanz in der proximalen Partie oben rostgelb, mit Schwarz gemischt, unten heller gelblich, in der distalen Partie mehr weiss-grau mit ein paar schwarzen Ringen und schwarzer Spitze. Ohr fast 4 cm, Metacarpus und Hand 5, Metatarsus und Fuss 7 cm. Schädel. Derselbe ist dem der Hauskatze ähnlich, doch sind charakteristische Abweichungen vorhanden. Bei beiden springen die Stirnbeine mit je zwei seitlichen Zacken in die Scheitelbeine ein, aber bei Felis domestica ist der Rand der Stirnbeine gerade, bei caligata bogig eingebogen und der innere Zacken grösser, umgekehrt bei der erstem. Bei caligata springt der hintere Flügel des Oberkieferbeins über die Nasenbeine hinaus, während bei dorn, beide gleich lang sind oder die Nasenbeine den hintern Flügel des Oberkiefers etwas überragen. Das proximale Ende des Zwischenkiefers ist bei F. dorn, viel spitzer als bei caligata. Am Unterkiefer der letztern ist der Proc. cor. oben erheblich breiter umgebogen als bei der Hauskatze, bei welcher allerdings die obere Breite auch etwas schwankt. Die Bullae aud. sind am vorliegenden Schädel noch theilweise nicht verknöchert und durch eine Membran geschlossen, in welcher das Tympano-hyale eingebettet liegt. An der Bulla des Schädels von Canis chama fand ich es angewachsen. M a a s s e. Scheitellänge — , Schädelbreite 40, hinter den Orbitalzacken 32, Einschnürung 14, zwischen den Jochbogen hinten 46, Länge des knöchernen Gaumens 22, Unterkiefer bis zum Condylus 42, Höhe des horizontalen Astes 6, unter dem Proc. coron. 16, obere Breite des Proc. cor. 6 mm. Milchgebiss. I wie bei Felis domestica. Oben der hakig gekrümmte C mit schwachem Basalzacken. PI ist ein sehr kleiner Kornzahn, der schon bei manchen Katzen verschwunden ist, z. B. bei F. lynx\ P2 dem bleibenden P3 ähnlich, jedoch stehen statt eines Nebenzackens zwei kleinere vor dem Hauptzacken. Der Talon liegt weiter zurück und ist schräger nach hinten gerichtet. Auch bei P2 liegt der hintere Aussenzacken und der Talon schräg nach hinten. Von Ml ist erst ein kleiner Zahnkeim in der Alveole sichtbar. Unten zeigt C einen scharfen vordem und einen schwächern hintern Nebenzacken. Pl mit einem vordem und zwei hintern Nebenzacken ist dem spätem Pl ähnlich, ebenso P2 dem spätem PS. Von dem folgenden Zahn erst eine Spur sichtbar. Felis caligata ist von Felis chaus durchaus zu trennen und wird
578 TH - NOACK, von O. Thomas immer als selbständige Art citirt , von Trouessart dagegen wohl ohne genügenden Grund unter F. caffra mit maniculata, caffra, libyca und andern, allerdings nicht berechtigten Arten vereinigt. Auch Blanford (Abyssinia, p. 228) ist geneigt, mit Gray alle diese afrikanischen Formen zu vereinigen, da sich bei der Vergleichung zahlreicher Exemplare mannigfache Uebergänge fänden, jedoch besitzt Felis maniculata einen viel falberen Grundton und schwächere Zeichnung, Felis caffra eine viel stärkere und dunklere Bänderung des Unterarms und Unterschenkels. Wenn F. caffra und maniculata identisch wären, Hesse sich schwer verstehen , dass beide , wie zwei Exemplare des Berliner Museums beweisen, neben einander in Natal vorkommen. Die Ansicht, dass nur F. maniculata die Stammutter von Fdomestica sei, steht auf sehr schwachen Füssen und wird gemeinhin von einem dem andern ohne Prüfung nachgeschrieben. Blanford (Fauna of Brit. India, vol. 1, p. 85 u. 86) nimmt wohl mit Recht an, dass von asiatischen Katzen auch F. ornata und torguata betheiligt sei, erwähnt auch, was freilich noch kein Beweis für die directe Abstammung ist, dass F. rubiginosa und chaus sich mit Hauskatzen paaren. Jedenfalls ist Felis domestica wie Canis domesticus polyphyletisch, und erledigt kann die Frage nicht werden durch blosse Vergleichung der Schädel von F. maniculata und domestica, sondern durch Prüfung und Sichtung des ganzen Materials. Für die Verwandtschaft der Hauskatze mit wilden Species sind besonders maassgebend die Form des Ohrs, des Processus coronoideus und der hintern Partie der Nasenbeine, bezüglich des Gebisses die Form der obern Prämolaren. Indessen glaube ich, dass bei den Feliden im Gebiss die am wenigsten zuverlässige Beweiskraft liegt. Den obern Ohrrand finde ich bei siamesischen wie bei einer stummelschwänzigen japanischen Hauskatze des hamburgischen Zoologischen Gartens nicht abweichend von unserer Hauskatze. Die Wildkatzen mit runder Ohrspitze werden, falls nicht bei aussereuropäischen Hauskatzen die runde Ohrspitze nachgewiesen wird, worüber sich Blanford nicht weiter äussert , nur mit Bedenken als Ahnen der Hauskatze angesprochen werden dürfen, zumal da wenigstens bei den kleinen asiatischen Katzen mit runder Ohrspitze jedesmal auch die Form des Processus coronoideus sehr abweicht. Diese schwankt bei den von mir untersuchten Exemplaren unserer Hauskatze innerhalb massig weiter Grenzen. Entweder biegt er sich mit convexer vorderer Kante und breiter, abgerundeter Spitze nach
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 579 hinten um, oder die vordere Kante ist fast gerade, die Spitze schmaler und der Zacken fehlt. Bei F. catus ferus liegt die Form in der Mitte zwischen den beiden Extremen der Hauskatze, und ich finde im Schädel der Wildkatze überhaupt keinen Gegenbeweis gegen die Verwandtschaft der europäischen Wildund Hauskatze. Blasius (Säugethiere, p. 163 und 167) giebt z. B. an, dass bei der Wildkatze das hintere Ende der Nasenbeine über die Oberkieferbeine hinausragt, bei der Hauskatze nicht ; ich besitze den Schädel einer Hauskatze, bei welchem die Nasenbeine über die Oberkieferbeine hinausragen. Den Unterschied in der Form der Schläfenbeine finde ich allerdings auch mit Blasius bestätigt. Bei den kleinern asiatischen Katzen, wie F. temminchi, bengalensis, microtis ist der Proc. coron. immer oben breit abgerundet, mehr der ältesten Form bei den Creodonten ähnlich, auffallend breit bei F. viverrina, und in der basalen Partie noch mehr verbreitert bei Cryptoprocta ferox. Bei F. chaus bildet die Form kein Hinderniss der möglichen Abstammung, nur ist die vordere Kante in der untern, und die hintere in der obern Hälfte mehr ausgebogen. Schädel von F. ornata und torquata standen mir nicht zu Gebote. Bei F. caffra und verwandten Arten ist die Form des Proc. coron. der der Hauskatze sehr ähnlich. F. caracal und ozelot zeichnen sich durch einen auffallend hohen, oben abgerundeten, nicht umgebogenen Proc. coron. aus. F. rutila von Westafrika biegt denselben mit kräftigem Zacken nach hinten um, weniger F. serval, wo die hintere Kante fast gerade ist. Von südamerikanischen Katzen hat F. eira einen wenig gebogenen Proc. coron. mit oben breiterer Kante, yaguarundi einen mit einem Zacken nach hinten umgebogenen. Unter den grossen Katzen repräsentirt der Tiger in der Form des Proc. coron. den altern Typus mit runderer Oberkante ohne Zacken, der Löwe die recentere, oben verschmälerte mit hinterm Zacken. Auch Panther und Jaguar zeigen einen alterthümlicheren Proc. coron. mit breit umgebogener Spitze ohne Zacken ; ich finde den Proc. cor. beim afrikanischen Panther breiter als beim asiatischen, am breitesten beim Jaguar. Bei Cynaelurus ist die obere Kante schmaler (in der Jugend breiter) und spitz umgebogen. Die Nasenbeine sind hinten schmal abgerundet bei F. catus, ebenso, aber viel breiter bei serval, caracal, rutila, ozelot, minuta , lanzettförmig bei chaus, viverrina, temmincki , sehr breit abgerundet mit lanzettförmiger Spitze bei Cryptoprocta ferox, bei F. chaus ragen sie weit über den Zwischenkiefer hinaus, bei caracal und Cryptopr. ferox ist der Zwischenkiefer langer, etc.
586 TH. NOACK, Am Schädel verlaufen die Nasenbeine vorn zweizackig, bei jüügern Thieren findet sich nicht die hier vorhandene Ausbuchtung seitlich am vordem Orbitalrande, auch ist der spitze Zacken oben am Jochbogen noch nicht verknöchert. Die Bulla aud. zeigt sich nach Lostrennung des Knochenringes deutlich schneckenförmig gewunden. Der Knochenring, dessen Mitte durch eine Membran geschlossen ist, legt sich mit umgebogenem Rande um die innere Kuppe der Gehörblase. Maasse wie sonst. Im Gebiss fehlen die obern I. 20. JPhyllorhina rubra n. sp. „Ein Exemplar mit Schädel, #, Lugerrunjere-Fluss, 20. V. 1890." E. (Schädel Taf. 18, Fig. 14 und 15.) Diagnose: Kleine Phyllorhina von prächtig gelbrother, unten wenig hellerer Farbe (bright rufous), breitem, oben kurz zugespitztem Ohr, braunen Flughäuten, ohne Schwanz. Beschreibung. Phyllorhina rubra weicht in der Bildung des Nasenblattes, des Ohrs, des Schwanzes und der Färbung erheblich von den bisher bekannten afrikanischen Phyllorhinen ab und nähert sich mehr der asiatischen Phyllorhina bicolor, var. fulva, zeigt auch Anklänge an die australische Rhinonycteris aurantia, sie beweist also wie Megaloglossus woermanni für einen frühern Zusammenhang Afrikas mit Südasien und Australien. Nasenblatt und Ohr sind am meisten denjenigen von Phyllorhina fulva ähnlich. Die obere Kante des Aufsatzes verläuft ziemlich gerade mit abgerundeten Ecken ; an der Seite hat das Nasenblatt drei Falten, wie bei den afrikanischen Phyllorhinen, während die Seiten bei Phyllorhina bicolor und ihren Varietäten glatt sind. Der vordere Theil des Nasenblattes ist viel schmaler als bei Ph. bicolor, an beiden Seiten und an dem die Nasenlöcher seitlich begrenzenden Wulst sitzen kleine, zipflige Anhängsel, wie bei Rhinonycteris aurantia, deren oberer Aufsatz aber gänzlich von dem der Phyllorhina rubra verschieden ist. Die Augen stehen, wie bei Ph. bicolor, dicht neben der Basis des obern Aufsatzes. Das Ohr ist breit und verhältnissmässig kurz, der innere Rand convex, der äussere unterhalb der Spitze etwas eingebogen, der untere Rand mit rundem, nach oben gebogenem Antitragus vorgezogen. Aussen ist der Ohrrand unbehaart, innen das Ohr am innern und obern Rande dünn roth behaart. Die rundliche ungespaltene Oberlippe ist braun-röthlich behaart, einzelne längere Haare hängen bartartig herab und besetzen die Seiten des Nasenblattes. Uebrigens ist das Gesicht dicht und zottig wie der Körper behaart. Vom Daumen
Neue Beiträge zur Kenntniss der SäugethierFauna von Ostafrika. 587 ist die letzte Phalanx frei, die braune Flughaut unbehaart, die Seitenflughaut im Fersengelenk angeheftet. Die, Schwanzflughaut biegt sich nach hinten mit zwei runden, durch einen Einschnitt getrennten Lappen aus, die beiden Seiten der Flughaut sind statt des Schwanzes durch ein schmales, sehniges, sich bis zum Einschnitt erstreckendes Band getrennt, in welchem jede Spur von Schwanzwirbeln fehlt. Phyll. bicolor besitzt Schwanzwirbel, von denen das letzte Drittel des letzten frei ist. Auch der Sporn von Phyll rubra ist sehnig und nur im Ansatz verknöchert. Die zweigliedrigen Zehen des Fusses sind lang und schmal, die Nägel hell-hornfarben , auf der Oberseite mit röthlichem Anflug. Die Behaarung ist lang, dicht und flockig, oben gelb-roth mit bräunlichem Anflug, unten ohne denselben, also ein wenig heller. Die Haarfärbung ist gleichmässig , doch ist das Haar der Unterseite im basalen Theile etwas dunkler. M a a s s e. Körper 50 mm , Ohr 15 lang und breit, Unterarm 52, 111=39 + 18 + 18 = 75, 7=34 + 14 + 10=58, Fuss 12, Metatarsus 2 breit; mittlere Sehne der Schwanzflughaut 12 lang, Sporn 7 mm. Schädel. Die Stirn stark rundlich hervortretend, auch der Scheitel gerundet, zwischen beiden etwas eingesenkt; auch die Einschnürung im Profil deprimirt, Crista schwach. Die gerundeten Nasenbeine sind vorn halbkreisförmig eingebogen und hinten seitwärts rundlich aufgetrieben. Der sehr dünne Jochbogen verläuft fast horizontal. Bulla aud. klein, flach-rundlich, die vordere Partie von der hintern durch eine seichte Furche getrennt ; Knochenring ziemlich gross. Von den 10 Gaumenfalten sind die vordem durch eine weite Lücke getrennt und leicht nach hinten umgebogen, die mittlem in der Mitte nach hinten eingeknickt, die hintern schmal und fast gerade, die zehnte in der Mitte nach hinten ausgebogen. Der knöcherne Gaumen endet kurz hinter M3 mit flacher Einbuchtung. Flügelbeine schmal mit ziemlich langem, nach hinten gerichtetem Zacken. Am Unterkiefer ist der horizontale Ast niedrig, unter der Symphyse etwas verstärkt, die vordere Partie bis M 2 gerade, die hintere etwas in die Höhe gebogen. Eckfortsatz mit stark nach aussen gerichtetem Zacken, Proc. coron. sehr niedrig mit schmaler, bis zum Condylus verlängerter Leiste, Massetergrube tief. Maasse. Scheitellänge von der Basis der I bis zum Anfang des (defecten) Hinterhauptes 18 mm (annähernd), grösste Scheitelbreite 10, Einschnürung 3, hinten zwischen den Jochbogen 11, Schädelkapsel bis Zool. Jahrb. VII. Abth. f. Syst. 39
588 TH - noack, zur Einschnürung 11, Nasenbreite 5,5; Kieferbreite zwischen M3 1, knöcherner Gaunlen 6,5 , Bulla aud. 2 mm. Unterkiefer bis zum Condylus 12, Höhe des horizontalen Astes 1, unter dem Proc. coron. 2,5; Eckfortsatz 1,5; Zahnreihe 8 mm. Gebiss. I 1 ^- CJEy P p§ M |=| < I oben durch eine Lücke getrennt, nach innen gerichtet, klein, rundlich mit undeutlicher Spitze und schmalerer Basis. C im basalen, nach vorn gerichteten Theile sehr stark, die wenig schräg gerichtete Spitze schlank, vorn mit Zacken, die vordere, gerade Kante gefurcht, die hintere und innere Seite concav, die Basis aussen hinten verdickt mit scharfem Zacken. PI sehr klein, rundlich, eng zwischen G und P2 aussen gedrängt. P2 = 1 / 3 (7, die vordere Kante gerade, der Basal - wulst hinten nach unten gezogen, die Innenseite concav, vorn mit Nebenzacken, M mit niedrigen Zacken, Ml und 2 identisch, der Talon vorn hoch, abgerundet, bei M3 der hintere WZacken verkümmert, der Rand des Talons gerade, hinten nicht hochgezogen. I unten dreilappig, die mittlem schmaler und mehr nach vorn gerichtet. C schlank, wenig gebogen, etwas nach rückwärts gerichtet, hinten innen mit rundem Basalzacken. Pl = V 3 (7, breiter als P21 letzterer == 1 / 2 C, schlank, vorn innen mit rundem Basalzacken, innen stark concav. Bei M der vordere Aussenzacken so hoch wie P2, der hintere niedriger, Ml und 2 identisch. Bei M3 der vordere Aussenzacken etwas niedriger als bei Ml und 2, der hintere Innenzacken länger und mehr nach hinten gerichtet. Zwischen M fanden sich fein zerkaute Reste von sehr kleinen Insecten. 21. Hhinolophus capensis Blas. (Schädel Taf. 18, Fig. 16 u. 17). Dobson, Cat. Chir., p. 121, tab. 7, fig. 11. „Ein Exemplar mit Schädel, $, an demselben Tage mit Phyllorhina rubra am Lugerrunjere-Fluss gefunden." E. Rhinolophus capensis steht in der Bildung des Ohres und des Hufeisens dem europäischen Rhin. ferrum-equinum und dem afrikanischen Rhin. aethiops resp. hüdebrandti nahe. Das Ohr ist scharf zugespitzt, doch die Spitze kürzer als bei Rh. ferrum-equinum , die innere Kante convex, die äussere unter der Spitze concav, an der äussern Seite zahlreiche undeutliche Querfalten, der Antitragus durch einen Spalt vom Ohr abgesetzt, die Ohrbasis, der innere Rand und der Antitragus behaart, ebenso der Rand der Lanzette. Am Hufeisen
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 589 ist der obere Rand etwas eingebuchtet und von der Lanzette getrennt, der untere eingeschnitten mit zwei runden Lappen, der Sattel oben etwas behaart, unten mit kurzem, schrägstehendem Zacken. Bei dem grösseren Bh. hüdebrandti , welcher nach Dobson nur eine Varietät von Bh. aethiops bildet, ist der obere Rand des Sattels weniger hoch gezogen und der untere Zacken mehr nach unten gerichtet, bei aethiops fehlt der Zacken, bei ferrum-equinum ist derselbe weniger scharf. Der Schwanz ist kürzer als bei aethiops und ferrum-equinum. Die Flughaut ist dunkelbraun, die lange und weiche Behaarung ist oben umbrabraun mit hellerer Haarbasis, unten etwas heller, röthlich-graubraun. Die 5 von Bh. ferrum-equinum sind unten dunkler. Maasse. Körper 62, Schwanz 25, Ohr 25, Vorderarm 54, III = 33 + 19 4-28 = 80, JF=65, F=68, Unterschenkel 24, Fuss 17 mm. Schädel. Demjenigen von Phyllorhina rubra ähnlich, aber erheblich grösser, die Ausbuchtung an der hintern Seite der Nasenpartie viel schwächer, übrigens auch am Ende der Nasenbeine zwei rundliche Auftreibungen. Der kräftigere Jochbogen ist in der Mitte in die Höhe gezogen. Die Gaumenfalten sind weniger zahlreich als bei Phyll. rubra und weiter von einander entfernt, die mittlem nach hinten eingeknickt. Am Unterkiefer ist der Proc. coron. oben breiter, die Verbindung mit dem Condylus mehr eingesenkt, der Eckfortsatz länger und kräftiger. Maasse. Scheitellänge 22, grösste Schädelbreite 11,5, hinten zwischen den Jochbogen 13, Breite des Oberkiefers 7,5, Einschnürung 3, Unterkiefer bis zum Condylus 16, unter dem Proc. coron. 4,5, Proc. coron. — Condylus 4, Eckfortsatz 2. Gebiss von Bhinolophus I 2=3 C |=* P §E§ M §E§, bei Bhin. capensis P iE"«» ^ei einzelnen Arten P iE«* I oben denen vonPhyll. rubra ähnlich , aber weniger schräg gestellt und hinten mit starkem Basalzacken. C kurz, ohne hintern Basalzacken. PI verschwindend klein, ganz nach aussen und eng an P2 gedrängt. P2= l / 2 C, die hintere Kante verlängert. Bei M ist der hintere Rand des Talons ebenso hoch wie der vordere, bei M 3 der hintere WZacken verkürzt. Unten I dreilappig, denen von Phyll. rubra ähnlich, G schlank, mit etwas nach hinten umgebogener Spitze. PI klein, kaum 1 / 8 C, dicht an C und P 2 gedrängt, P2= 3 / i C. Bei M der hintere Aussenzacken 2 / 3 des vordem, der Innenzacken verkürzt, der hintere niedriger. Die Gattung Bhinolophus wird in Afrika nach Dobson vertreten 39*
590 TH - noack, a) in der mediterranen nördlichen Region durch Rh. euryale, blasii, hipposideros, b) in der äthiopischen Region durch Rh. landeri W., ferrum-eguinum ganz Afrika, capensis O. und S., aethiops W., aethiops var. hüdebrandti 0. Die Forschungen Ameghino's haben keinen Aufschluss über die Ahnen der Chiroptera gebracht. Im Anschluss an die vorliegende Sammlung Dr. Emin's bin ich genöthigt, ausführlicher auf eine Reihe von Arbeiten des Herrn P. Matschie in Berlin einzugehen, welche derselbe in den S.-B. Ges. Naturf. Fr. Berlin veröffentlicht hat und in welchen er theils früher von mir bearbeitete Collectionen der Herren Dr. Böhm und Stuhlmann bespricht, theils eine Anzahl von neuen Arten aufstellt. Wenn Herr Matschie in diesen Arbeiten mehrfach anderer Ansicht ist als ich, so bedauere ich, seinen Bemerkungen und Aufstellungen vielfach nicht beipflichten zu können. Besonders ist derselbe in der Aufstellung neuer Arten zu rasch bei der Hand und lässt sich auf Grund von unzureichendem Material zu sehr von Farbendifferenzen leiten. So ist seine Aufstellung der Antilope soemmeringi berberana (1. c. 21. II. 1893, p. 65) mindestens fraglich. Wenn 0. Thomas diese Antilope als neue Unterart hätte beschreiben wollen, so hätte er längst Gelegenheit dazu gehabt. Was Herr Matschie über den dunklen Nasenund Stirnstreifen sagt, ist irrthümlich: bei der jungen SöMMERiNG-Antilope ist nur ein schwarzer Nasenfleck vorhanden, ähnlich wie bei Gazella arabica^ die Nase ist braun, mit dem Alter steigt die schwarze Färbung zur Stirn empor, der Unterschied zwischen rauchschwärzlich und rein schwarz ist also hinfällig. Ebenso scheint mir der angegebene Unterschied in der Färbung wenig beweisend ; ich erinnere daran, dass v. Höhnel bezüglich der Gazella granti bemerkt, ihre Färbung im Winter sei von der des Sommers so verschieden, dass er gezweifelt habe, ob er dasselbe Thier vor sich hatte. Auch die Hörner der SömmeringAntilope des Somali-Landes sind im Princip nicht von der des Sudan verschieden, sondern der Unterschied beruht, wie im Körperbau, nur in der bedeutend stärkern Entwicklung. Ebenso kann ich es nicht billigen, dass Herr Matschie (1. c. 19. VII. 1892) eine neue Caracal-Art, C. berberorum M., aufstellt und und die Species Caracal in drei Arten auflöst. Ich habe schon viele Caracal-
. Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Pauna von Ostafrika. 591 Bälge der verschiedensten Färbung unter Händen gehabt , aber nie artliche Differenzen entdecken können. Ich besitze zwei fast vollständig gefleckte, sehr dunkle Bälge von Mayumba (Congo francais), deren Maasse besonders für Ohr und Schwanz genau mit einem sehr hellen Exemplar des Somali-Landes übereinstimmen. Herr Matschie hat sich ferner veranlasst gesehen (1. c. 18. X. 92, p. 130 — 140), auf Grund der mir wohl bekannten, an und für sich vortrefflichen, aber doch skizzenhaften Aquarelle des verstorbenen Dr. Rud. Böhm ein neues Zebra und drei neue Antilopen aufzustellen. Dabei verfährt er mehrfach incorrect, indem er mir die Bestimmung der von Böhm angeführten Arten beilegt, so Equus zebra p. 131; auch soll ich p. 134 die beiden von Böhm gesammelten KobusArten unter K. sing-sing vereinigt haben, während ich nur die BöHM'schen Bemerkungen wiedergegeben habe und mir kein Specimen, weder von K. defassa noch unctuosus, vorlag. Ganz entschieden muss ich gegen die bisher neue Methode des Herrn Matschie protestiren, wonach er auf Grund von Farbenskizzen neue Arten aufstellt. Dieser Versuch würde zu den schlimmsten Unzuträglichkeiten führen, und aus meiner Bearbeitung der BöHM'schen Tagebücher ergiebt sich, wie ängstlich ich bemüht gewesen bin, alles, was ungewiss bleiben musste, auch als solches zu belassen. Matschie's Equus boehmi ist gänzlich hinfällig und nicht, wie Böhm meinte, mit Equus zebra, sondern mit Equus chapmani identisch. Ich habe jüngst Gelegenheit gehabt, das grossartigste Material von Equus chapmani, welches je nach Europa gekommen ist, zu studiren. Herr C. Reiche in Alfeld erhielt im März d. J. aus dem Norden der Transvaal-Republik und des Limpopo 35 Equus chapmani, von denen ich noch 20 Exemplare in Alfeld untersuchen und mehrfach zeichnen konnte, und unter denen Herr Matschie verschiedene Equus boehmi gefunden haben würde. Equus chapmani variirt nach Alter und Geschlecht ausserordentlich. In der Jugend ist das lange, dichte Wollhaar rein weiss und schwarz gestreift, später im kurzen Haare wird das Weiss gewöhnlich gelblich und das Schwarz bräunlich, doch bleibt auch die schwarz-weisse Färbung. Von zwei erwachsenen Exemplaren im hamburgischen Garten ist die Stute schwarz - weiss , der Hengst gelb-braun gebändert. Die Bänderung der Füsse ist sehr schwankend, mehr oder weniger ausgeprägt, in der Jugend die Gegend über den Hufen mehrfach rostgelb, mit weissem oder schwarzem Ring, oder ohne alle Bänderung über den Hufen. Ebenso schwankend ist die Zahl und Breite der dunklen Bänder und der schmalen matten Zwischen-
592 TH - noack, bänder am Körper. Die matten Zwischenbänder finden sich entweder nur an den Schenkeln, oder sie reichen über die Seiten bis zu den Schultern, der schwarze Rückenstreif ist schmaler oder breiter, die Bänder theilen sich oben oder unten oder bleiben ungetheilt, ebenso ist die Zahl und Form der Wangenstreifen sehr verschieden, auch die Färbung des Maules, die entweder schwärzlich oder rostbräunlich ist. Die Mähne ist länger oder kürzer, kurz, wer auf die Färbung hin hier ZebraArten unterscheiden wollte, hätte die allerbeste Gelegenheit. Ueberein stimmend sind nur folgende Merkmale: Der nur am Ende lang und schwärzlich behaarte Schwanz ist bis zur Quaste weiss mit dunklem Mittelstreif und mehr oder weniger deutlicher Bänderung an den Seiten. Das mittellange Ohr hat immer eine weisse Spitze und darunter eine breite schwarze Binde, während die Bänderung des Basaltheils variirt. Der Körperbau ändert sich mit dem Alter und wohl auch in der Gefangenschaft. Die frisch eingefangenen Thiere stehen alle sehr hoch und steil gefesselt, bei länger gefangen gehaltenen Wildpferden ist die Fesselung meist weich. Die Körperform in der Jugend ist hochbeinig, elegant und schlank, das erwachsene Thier ist viel robuster, besonders wenn ihm bei längerer Gefangenschaft die nöthige Bewegung fehlt. An diesen meinen Angaben, die sich nicht bloss auf die Sammlung des Herrn Reiche, sondern auf Jahre langes Studium und zahlreiche Zeichnungen und Photographien von Equus chapmani gründen, mag nun ein Jeder Matschie's Equus boehmi und seine Methode, neue Arten zu schaffen, prüfen. Auch hinsichtlich der Verbreitung von Equus zebra irrt Matschie: v. Höhnel hat mit grosser Wahrscheinlichkeit (vergl. v. Höhnel, Zum Rudolfund StephanieSee, p. 564) das echte Equus zebra südlich vom Rudolf-See gefunden. Matschie's Bubalis leucoprymnus ist hinfällig und mit JB. lichtensteint identisch, wie schon der einheimische Name Konzi beweist , den das Thier auch in Südost -Afrika trägt; vergl. Selous: A hunters wanderings in Africa, p. 224, der kein Bedenken trägt, die Antilope, welche der dunklen Rückenfärbung entbehrt und deren Kopf er abbildet, als A. lichtensteini anzusprechen. Die Färbung der ÄlcelaphusArten variirt ebenso sehr wie die Form der Hörner , und ein behutsamer Forscher ist heute noch nicht entfernt im Stande, zu sagen, was Matschie (Ueber einige Säugethiere von Kamerun, p. 5, und 1. c. 1892, p. 138) thut, wie weit; sich das Gebiet der einzelnen, zum Theil wie lelwel und cokei noch sehr fraglichen Arten in Afrika erstreckt. Als sichere Arten lassen sich heute nur Älcelaphus lunatus,
Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. 593 caama, lichtensteini und swayni erkennen, und ihre Verbreitung wird erst in der Zukunft festgestellt werden können bis auf lunatus, welcher bis jetzt nur in Südafrika gefunden worden ist. Fischer (Reise ins Massai-Land) führt ausdrücklich A. caama auf. Strepsiceros suara M. und Damalis jimela M. können bis auf weiteres nicht anerkannt werden, obwohl beide möglichen Falls neu sind, wenigstens die erstere. Damalis jimela weicht wesentlich nur durch die lebhafter rothbraune Färbung von D. senegalensis ab und ist vielleicht identisch mit v. Heüglin's Damalis Hang; vergl. in: Act. Leopold, Vol. 30, p. 22, tab. 1, fig. 1. Richtig ist, dass Böhm den Kobus (nicht Eleotragus) vardoni abgebildet hat. Die Antilope ist, wie schon die Schwanzbildung zeigt, ferner auch das Gehörn, kein Eleotragus, sondern ein Kobus. Hätte Matschie das oben citirte Buch von Selous verglichen, würde , er sich überzeugt haben, dass Kobus vardoni auch in Südafrika vorkommt. Ich besitze ein Gehörn aus dem Gebiet des Limpopo. Wenn das von mir als Sciurus cepapi, welches stark variirt, angesprochene Eichhorn gut mit Sciurus mutabilis, mit welchem ich es natürlich verglichen habe, gestimmt hätte, würde ich es so bezeichnet naben. Wie Matschie dazu kommt, die Verbreitung von Canis aureus auf Vorderindien und Ceylon zu beschränken, ist mir unerfindlich. Blanfoed (Mammalia of British India, vol. 1, p. 141) sagt: westlich von Indien erstreckt er sich durch den Südwesten von Asien bis zum Kaukasus und findet sich in Südost-Europa in Griechenland und der Türkei bis nach Dalmatien, auch durch Nordafrika, während er in der äthiopischen Region durch nahe verwandte Arten ersetzt wird. PechuelLoesche (in: Brehm, Thierleben, 3. Aufl., Bd. 2, p. 41) bemerkt: Wie weit sich sein Verbreitungsgebiet in Afrika erstreckt, ob ausschliesslich auf den Norden, ist noch nicht festgestellt. Mivart ( A Monograph of the Canidae , p. 41) trennt den nordafrikanischen Schakal nur vorläufig und mit Bedenken vom indischen. Bei Viverra civetta orientalis adoptirt Matschie meinen Ausdruck der Verwunderung über das Vorkommen von Viverra megaspila in Sansibar. Dass meine Viverra megaspila nicht mit der Abbildung in den Proceedings stimmt, muss ich entschieden bestreiten, ausserdem liegt ja meine Abbildung des Schädels vor. Ueber seine V. c. orientalis enthalte ich mich so lange des Urtheils , bis ich sie gesehen habe. Bei Scoiophilus schlieffeni (1. c. 1893, p. 26) verschweigt
594 TH. NOACK, Neue Beiträge zur Kenntniss der Säugethier-Fauna von Ostafrika. Matschie, dass nicht Peters das Thier in das Genus Scötophilus gestellt hat, sondern ich, wie O. Thomas, 1. c, anerkennt. Ich schliesse mit dem Wunsche, dass Herr Matschie, bevor er in seinen ersten Arbeiten über Säugethiere stark polemisch auftritt, sich dasjenige Maass der Akribie und Vorsicht aneignen möge, um welches ich mich seit geraumer Zeit bemühe. Erklärung der Abbildungen. Tafel 18. Mg. 1 — 2. Schädel von Hyrax brucei, natürliche Grösse. Fig. 3 — 4. Schädel von Lepus saxatilis, natürliche Grösse. Eig. 5 — 7. Schädel von Heliophobius emini, natürliche Grösse. Kg. 8 — 9. Gaumen und Gebiss von Heliophobius emini, vergrössert. Eig. 10 — 11. Schädel eines Embryo von Georychus spec. Eig. 12. Schädel von Helogale undulata parvula, verkleinert. Eig. 13. Zähne von Proteles lalandi, vergrössert. Eig. 14 — 15. Schädel von Phyllorhina rubra, natürliche Grösse. Eig 16 — 17. Schädel von Rhinolophus capensis, natürl. Grösse.
Zoolog. MubüchenBd 7. Abth.f Syst. Taf18. . n GustavföschtT in Jen« Lith.AnsLvK.Vftssfltfma