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Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen

Gerlach, Knut,Kühner, Karl-Friedrich

Abstract

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Gerlach, Knut; Kühner, Karl-Friedrich Article Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Gerlach, Knut; Kühner, Karl-Friedrich (1974) : Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen, Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik, ISSN 0342-1783, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 94, Iss. 2, pp. 167-182, https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/291338 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen* Von Knut Gerlach und Karl-Friedrich Kühner Eine empirische Untersuchung über die konjunkturelle Abhängigkeit des freiwilligen Arbeitsplatzwechsels und der regionalen Mobilität der Arbeitskräfte in den peripheren Regionen Oberpfalz und Niederbayern. I. Problemstellung Die Faktoren, die den freiwilligen Arbeitsplatzwechsel beeinflussen, lassen sich (in Anlehnung an Lee 1966) in vier Gruppen zusammenfassen: 1. Faktoren im Ursprungsbetrieb und -ort; 2. Faktoren im Zielbetrieb und -ort; 3. dazwischenliegende Hindernisse; 4. persönliche Faktoren. Ein Teil der Elemente jeder Gruppe verändert im Konjunkturablauf seine Bedeutung für die Fluktuationsentscheidung der Arbeitnehmer. In diesem Sinne herrscht ein Zusammenhang zwischen dem freiwilligen zwischenbetrieblichen Arbeitsplatzwechsel und der Konjunkturlage, insbesondere der Lage auf den Arbeitsmärkten. Dieser Zusammenhang wurde bereits in einigen Untersuchungen analysiert und erscheint recht plausibel (vgl. insbes. Behrend 1953, Silcock 1954, Hyman 1970, für die BRD Lutz und Weltz 1966, Lutz 1972). Die überwiegende Mehrzahl der Arbeitskräfte gibt ihre bisherige Beschäftigung erst dann auf, wenn sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat. Mit zunehmender Arbeitslosigkeit wird es jedoch für sie schwieriger, alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Weiterhin ist zu vermuten, daß auch ein Teil derjenigen Arbeitskräfte, die gewöhnlich den Arbeitsplatz wechseln, ohne vorher einen neuen gefunden zu haben, bei Unterbeschäftigung vorsichtiger disponieren werden. Aufgrund der Verhaltensweisen dieser beiden Gruppen von * Die Untersuchung wurde dankenswerterweise durch Sachmittel aus dem Schwerpunktprogramm „Regionalforschung und Regionalpolitik" der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 168 Knut Gerlach und Karl-Friedrich Kühner Arbeitskräften ist damit zu rechnen, daß die Zahl der freiwilligen Arbeitsplatzwechsel mit der konjunkturellen Situation, insbesondere der Lage auf den Arbeitsmärkten, schwankt. In der folgenden Untersuchung wird von der Voraussetzung ausgegangen, daß sich der Einfluß der nicht konjunkturellen Determinanten auf den freiwilligen Arbeitsplatzwechsel nicht verändert oder daß sich diese Änderungen gegenseitig aufheben. Wegen der Kürze des Untersuchungszeitraumes ist diese Annahme nicht sehr einschneidend. Nach einer Erläuterung des Untersuchungsprogramms im zweiten Abschnitt werden im dritten Abschnitt anhand der empirischen Ergebnisse folgende Fragen behandelt: — die monatliche Veränderung der relativen Anzahl aller freiwilligen Arbeitsplatzwechsler im Konjunkturzyklus 1965 bis 1969; — Unterschiede im Fluktuationsverhalten zwischen relativ homogen abgrenzbaren Gruppen von Arbeitskräften; — Unterschiede im Fluktuationsverhalten von Arbeitskräften, die in verschiedenen Betriebstypen — selbständigen Betrieben und Zweigbetrieben — beschäftigt sind. Im letzten Abschnitt wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich zwischen den Zeitreihen der freiwilligen Fluktuation in peripheren Gebieten und den konjunkturellen Beschäftigungsschwankungen in Peripherie und/oder Zentren leadoder lag-Beziehungen nachweisen lassen und welchen Einfluß unterschiedliche Intensitäten der konjunkturellen Beschäftigungsschwankungen auf den freiwilligen Arbeitsplatzwechsel ausüben. Hier wird gefragt, ob die Abwanderung aus der Peripherie durch die dort stärkeren konjunkturellen Ausschläge, die früher einsetzenden Konjunkturrückgänge und den verzögerten konjunkturellen Wiederaufstieg begünstigt wird, der Arbeitsmarkt der Rückstandsregion also einem konjunkturell induzierten backwash effect ausgesetzt ist. IL Erläuterung des empirischen Untersuchungsprogramms Die Untersuchung1 ging von einer Durchsicht der Firmenkarteien der Industrieund Handelskammern Regensburg und Passau (damit wurden die ostbayerischen Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern erfaßt) aus und hatte zum Ziel, die Betriebe der elektrotech1 Die Untersuchung ist Teil eines Forschungsprogramms zur Analyse der Industrialisierung und der regionalen Wirtschaftspolitik in peripheren Gebieten. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregdonen 169 nischen Industrie und des Maschinenbaus im Größenintervall 70 bis 450 Beschäftigte (1969) zu erfassen. Daten über den freiwilligen Arbeitsplatzwechsel konnten auf monatlicher Basis für die Zeitspanne von Januar 1965 bis Dezember 1969 in folgenden Betrieben erhoben werden: Tabelle 1 Untersuchte Betriebe nach Branchen und Betriebstyp Branchen Betriebstyp Elektrotechnische Industrie Maschinenbau Insges. Selbständige Unternehmen 4 5 9 Zweigbetriebe 6 2 8 Insgesamt 10 7 17 Von den 17 Betrieben hatten vier Standorte in Niederbayern, dreizehn Standorte in der Oberpfalz. Die Erhebungen wurden von März 1970 bis Februar 1971 durchgeführt. Tabelle 2 zeigt die Veränderung der durchschnittlichen jährlichen Gesamtbeschäftigtenzahl2 in den untersuchten Betrieben. Tabelle 2 Durchschnittliche jährliche Gesamtbeschäftigtenzahl der untersuchten Betriebe Jahr 1965 1966 1967 1968 1969 Beschäftigte 2 681 2 581 2 402 2 536 3191 Als freiwilliger Arbeitsplatzwechsel (Fluktuation) wurden die Fluktuationsfälle definiert, bei denen die Kündigung eindeutig vom Arbeitnehmer ausgesprochen wurde und der Arbeitnehmer nach einer Frist 2 In anderen Untersuchungen konnte bereits nachgewiesen werden, daß ein Teil der freiwilligen Fluktuation auf den sogen. „Zugang-Abgang-Kreislauf" zurückzuführen ist. D. h. die freiwillige Fluktuation nimmt immer dann zu, wenn die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben wächst. Viele Neueingestellte bleiben nur kurzfristig auf ihrem Arbeitsplatz. Diese Determinante konnte bei der hier vorgelegten* Untersuchung nicht kontrolliert werden. Vgl. Bartholomew, 1959, und Lutz, 1972. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 170 Knut Gerlach und Karl-Friedrich Kühner von höchstens 14 Tagen ein neues Arbeitsverhältnis in einem anderen Betrieb eingegangen war. Um den freiwilligen Arbeitsplatzwechsel zu erfassen, wurden Personalstammkarten, Karteien über ausgeschiedene Arbeitskräfte und Abmeldungen bei den gesetzlichen Krankenkassen ausgewertet. Diese Daten wurden, soweit erforderlich, durch mündliche Auskünfte in den Personalabteilungen kontrolliert und ergänzt. Die freiwilligen Arbeitsplatzwechselfälle pro Betrieb wurden auf monatlicher Basis erhoben und auf die durchschnittliche jährliche Beschäftigtenzahl je Betrieb bezogen. Die Erarbeitung von Referenzzyklen war auf der Grundlage der Industriestatistik des Bayerischen Statistischen Landesamtes sowie von Sonderauswertungen der Industriestatistik, die vom Bayerischen Statistischen Landesamt für die Industrieund Handelskammern Regensburg und Passau durchgeführt werden, möglich. Als Vergleichsindikatoren für die konjunkturelle Situation sollten aus theoretischen Gründen Arbeitsmarktzahlen verwendet werden. Dabei wurde den Beschäftigtenzahlen gegenüber Arbeitslosenzahlen der Vorzug gegeben, weil letztere nur ungenauer zu erfassen sind3. In der üblichen Weise wurde die Existenz von vier Einflußgruppen (Trend, Saisonfaktoren, Zufallsschwankungen, konjunkturelle Komponente) zugrundegelegt. Durch Trendausschaltung, Saisonbereinigimg und Glättung wurden die „reinen" Konjunkturschwankungen bei den Fluktuationsund Beschäftigtenzahlen isoliert4. Die so erhaltenen konjunkturellen Komponenten sind untereinander unmittelbar vergleichbar, weil das gewählte Verfahren eine multiplikative Verknüpfung der drei systematischen Einflußfaktoren unterstellt. Hier und in den folgenden Abschnitten werden immer die konjunkturellen Komponenten verglichen5. 3 Allerdings ist im Auige zu behalten, daß Beschäftigtenzahlen meist der allgemeinen wirtschaftlichen Aktivität mit einem leichten lag folgen. Vgl. z. B. Mintz 1969 S. 56 (Schaubild). Eine Erklärung dafür liegt beispielsweise in dem Verhalten der Unternehmungen, Arbeitskräfte bei leichteren Konjunfctureinbrüchen zu horten. Vom ersten beobachteten Nachfragerückgang bis zur Diagnose der Konjunktursituation vergeht aber eine gewisse Zeitspanne. Zum Problem des Hortens von Arbeitskräften vgl. Blankart 1973. 4 Das verwendete Computerprogramm wurde freundlicherweise von W. Oberhofer, Lehrstuhl für Ökonometrie an der Universität Kegensburg, zur Verfügung gestellt. 5 Von Interesse ist vielleicht noch die ermittelte Saisonfigur bei den freiwilligen Arbeitsplatzwechseln. Sie zeigt — bei leichten Unterschieden zwischen den Branchen und den Beschäftigten — einen ersten Höhepunkt im März, einen wohl urlaobsbedingten Tiefpunkt im Juni bzw. Juli und einen zweiten Höhepunkt im August bzw. September. Vgl. hierzu die ähnlichen Saisonfiguren für die amerikanische Fertigungsindiustrie in Stegemann 1965 S. 312. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen 171 III. Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel und konjunkturelle Beschäftigungsschwankungen Ein erster Vergleich der konjunkturellen Komponenten der Zeitreihen des freiwilligen Arbeitsplatzwechsels aller Beschäftigten in den Betrieben bei den untersuchten Branchen der Oberpfalz und Niederbayerns mit den Industriebeschäftigten in Bayern bestätigt den in der Einleitung genannten Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzwechsel und Konjunkturverlauf. In der Phase der hohen Beschäftigung 1965 und 1966 liegen die Raten des freiwilligen Arbeitsplatzwechsels hoch. Der Beschäftigungsrückgang in der Rezession 1967 und Anfang 1968 bringt niedrige Fluktuationsraten, die aber nicht völlig verschwinden. Mit der 1968 einsetzenden Beschäftigungszunahme wachsen auch die Raten des freiwilligen Arbeitsplatzwechsels wieder (Schaubild 1). Wenn auch generell der freiwillige Arbeitsplatzwechsel durch konjunkturabhängige Faktoren mit ausgelöst wird, so lassen sich doch zwischen relativ homogen abgrenzbaren Gruppen von Arbeitskräften Unterschiede im Fluktuationsverhalten nachweisen. (1) Von den Beschäftigten der im Maschinenbau untersuchten Betriebe zählen etwa 78 v.H. zur Gruppe der ungelernten, angelernten und gelernten männlichen gewerblichen Arbeitskräfte und nur knapp 10 v.H. zur entsprechenden Gruppe der weiblichen gewerblichen Arbeitskräfte. In der elektrotechnischen Industrie umfaßt die erste Gruppe etwa 10 v.H., die zweite 68 v.H. der Beschäftigten. Schaubild 2 zeigt nun, daß insbesondere das freiwillige Fluktuationsverhalten der männlichen gewerblichen Arbeitskräfte im Maschinenbau ausgesprochen konjunkturreagibel ist6. Für diese Gruppe der männlichen gewerblichen Arbeitskräfte sind Veränderungen der Beschäftigungssituation als Determinante des Fluktuationsverhaltens wichtiger — und zwar bei günstigen und ungünstigen Konjunktursituationen — als für die übrigen Arbeitskräfte. Bemerkenswert ist der unterschiedliche konjunkturelle Verlauf der Fluktuationsraten bei den männlichen Arbeitern im Maschinenbau und in der Elektrotechnik (Schaubild 2). Vor dem starken konjunkturellen Einbruch 1966/1967 schwanken die Fluktuationsraten in der Elektrotechnik stärker, in der Rezession schwächer als im Maschinenbau. Im anschließenden Aufschwung scheint sich der Verlauf wiederum umzu6 Die Tatsache, daß die Konjunkturreagibilität der Gesamtbeschäftigten im Maschinenbau größer ist als in der elektrotechnischen Industrie, ist auf den hohen relativen Besatz der Gruppe der männlichen gewerblichen Arbeitskräfte im Maschinenbau und ihre hohe Konjunkturreagibilität zurückzuführen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 172 Knut Gerlach und Karl-Friedrich Kühner kehren. Eine Erklärung dafür könnte in den stärkeren Beschäftigungsschwankungen des Maschinenbaus liegen (Schaubild 1). Schaubild 1 Konjunkturelle Komponente, von: Industriebeschäftigte in Bayern Fluktuationsrate d. Gesamtbesch, im Masch-Bau: Fluktuation5rate d. Gesamtbesch, in d. Elektrotechnik: 1.0 0,5 0 0,5 -1.0 f k / 1 { f \ r \ \ Y 1 I ! 1 ' . • • . > .. .. 1 . . . ' V N r . » 1965 1966 1967 196Ö 1969 Quelle: siehe Text Das Fluktuationsverhalten der weiblichen gewerblichen Arbeitskräfte erscheint in Konjunkturabschwüngen ebenso rückläufig und damit sicherheitsorientiert und defensiv wie das ihrer männlichen Kollegen (s. Schaubild 2). In Zeiten günstiger Arbeitsmarktsituation wechseln die weiblichen gewerblichen Arbeitskräfte ihre Arbeitsplätze zwar auch schneller, doch bleibt die Fluktuationshäufigkeit etwas hinter der der männlichen gewerblichen Arbeitskräfte zurück. Diese Aussage gilt uneingeschränkt für 1965, jedoch nur bedingt für 1969. Eine eindeutige Erklärung des auch in günstigen Konjunktursituationen etwas defenOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Rückstandsregionen 173 Schaubild 2 Konjunkturelle Komponente der Fluktuationsraten mannt. Arbeiter im Maschinenbau ; männl. Arbeiter in d. Elektrotechnik: weibl. Arbeiter in d. Elektrotechnik : in Oberpfalz u.Nrederbayern 1.0 0,5 -0,5 -1,0 1965 1966 1967 1968 1969 Quelle• siehe Text siveren Fluktuationsverhaltens der weiblichen gewerblichen Arbeitskräfte (verglichen mit den männlichen) bietet sich nicht an. Entweder verbessern sich ihre alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten nicht in derselben Weise wie für die männlichen gewerblichen Arbeitskräfte, oder sie sind nicht willens bzw. nicht in der Lage, auf die verbesserte Arbeitsmarktsituation mit einem Arbeitsplatzwechsel zu reagieren, da hierzu u. U. ein Wohnortwechsel erforderlich wäre. (2) Auch das Fluktuationsverhalten der Angestellten erwies sich als konjunkturreagibel, wenngleich hier die Abhängigkeit von der jeweiligen Arbeitsmarktlage besonders im Falle des Maschinenbaus weniger ausgeprägt als bei den gewerblichen männlichen Arbeitskräften ist. Die von Lutz (1972, S. 254 ff.) für einen großstädtischen Arbeitsmarkt herOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 174 Knut Gerlach und Karl-Friedrich Kühner ausgearbeiteten Ergebnisse, daß bei Angestellten Momente des Lebenszyklus und der langfristigen beruflichen Lebensplanung das Fluktuationsverhalten stärker determinieren als konjunkturelle Arbeitsmarktlagen, trifft somit für periphere Regionen nur sehr abgeschwächt zu. Zumindest werden Entscheidungen über den Wechsel des Arbeitsplatzes, die aufgrund der beruflichen Lebensplanung der Angestellten gefällt werden, in peripheren Regionen zeitlich weitaus genauer an die allgemeine oder branchenspezifische Arbeitsmarktlage angepaßt. (3) Ein Vergleich des freiwilligen Fluktuationsverhaltens der Arbeitskräfte in Zweigbetrieben und selbständigen Unternehmen zeigt, daß die Häufigkeit des Arbeitsplatzwechsels in Zweigbetrieben weitaus stärker von der konjunkturellen Arbeitsmarktlage abhängt als in selbständigen Unternehmen (Schaubild 3). ßchaubild 3 Konjunkturelle Komponente der F/ukiuationsraten bei selbständigen Unternehmen: bei Zweigbetrieben: in Oberpfalz und Niederbayern / \ \ ( < r VI I I h * \ y > I J \ \ / s J I \ s \ f S f > s \ y \ s s / \ S > 1965 Î966 1967 1968 7969 Quelle : siehe Text OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.94.2.167 | Generated on 2023-04-04 11:51:08 Freiwilliger Arbeitsplatzwechsel in Eückstandsregionen 181 It is based on an empirical investigation of the monthly voluntary change of employment within firms of machine building and electrical engineering industries in two Eastern Bavarian regions between 1965 and 1969. The voluntary fluctuations turned out to be dependent on the business cycle and their intensity exceeded that of the fluctuations in employment considerably. In addition, there is a differential behaviour with respect to voluntary change of employment of various groups of employees and types of firms. One surprising result is that the voluntary change of employment is not reflected in interregional mobility. Literatur Albrecht, G., Soziologie der geographischen Mobilität, zugleich ein Beitrag zur Soziologie des sozialen Wandels, Stuttgart 1972. Bartholomew, D. J., Note on the Measurement and Prediction of Labour Turnover, Journal of the Royal Statistical Society 122 (1959), S. 232 ff. Behrend, H., Absence and Labour Turnover in a Changing Economic Climate, Occupational Psychology 27 (1953), S. 69 ff. Behring, K., und B. Lutz, Betriebsstruktur als Bestimmungsgröße der Nachfrage auf regionalen Arbeitsmärkten, in: Mitteilungen aus der Arbeitsund Berufsforschung 3./1970, S. 30 ff. 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