Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel
Abstract
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Full text
Lanzl, Julia; Schnaak, Feline; Schöttl, Frederik; Gimpel, Henner Article — Published Version Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Lanzl, Julia; Schnaak, Feline; Schöttl, Frederik; Gimpel, Henner (2023) : Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISSN 2198-2775, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 61, Iss. 1, pp. 141-158, https://doi.org/10.1365/s40702-023-01031-6 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/318414 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
SCHWERPUNKT https://doi.org/10.1365/s40702-023-01031-6 HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik (2024) 61:141–158 Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel Julia Lanzl · Feline Schnaak · Frederik Schöttl · Henner Gimpel Eingegangen: 1. September 2023 / Angenommen: 6. Dezember 2023 / Online publiziert: 21. Dezember 2023 © The Author(s) 2023 Zusammenfassung Die voranschreitende Digitalisierung und der technologische Fortschritt haben in der Arbeitswelt Auswirkungen auf die Ausbildung von Fachkräften und insbesondere auf die geforderten Kompetenzen für einen langfristigen Unternehmenserfolg. Neben klassischen Basiskompetenzen, wie beispielsweise kritischem Denken, treten Digitalkompetenzen wie beispielswiese die Verarbeitung von Informationen zunehmend in den Vordergrund. Deshalb bestehen die Fragen: Was sind durch die fortschreitende Digitalisierung relevante Digitalkompetenzen in der Wissensarbeit? Wie präsentieren und vermitteln Unternehmen und Hochschulen diese Digitalkompetenzen und welche Handlungsempfehlungen lassen sich diesbezüglich ableiten? Durch eine Literaturrecherche in praxisnaher und wissenschaftlicher Literatur wurden Digitalkompetenzen gesammelt, definiert und klassifiziert. Zwölf wichtige Digitalkompetenzen werden herausgestellt und es wird beobachtet, ob und wie sie in der Praxis bereits in betriebswirtschaftlichen Studiengängen, unternehmensinternen sowie -externen Off-the-job-Weiterbildungen und im Recruiting Beachtung finden. Dies ermöglicht das Ableiten von Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Unternehmen, sowie deren Zusammenarbeit. Zusätzlich verhelfen die Ergebnisse Weiterbildungen entsprechend an die neuen Gegebenheiten anzupassen und die Wichtigkeit der Digitalkompetenzen für den Berufseinstieg und die berufliche Laufbahn zu verdeutlichen. Julia Lanzl · Feline Schnaak · Frederik Schöttl · Henner Gimpel Institutsteil Wirtschaftsinformatik, Fraunhofer FIT, Alter Postweg 101, 86159 Augsburg, Deutschland E-Mail: feline.[email protected]r.de Julia Lanzl · Frederik Schöttl · Henner Gimpel Lehrstuhl für Digitales Management, Universität Hohenheim, Schloss Hohenheim 1, 70599 Stuttgart, Deutschland Julia Lanzl · Feline Schnaak · Frederik Schöttl · Henner Gimpel FIM Forschungsinstitut für Informationsmanagement, Alter Postweg 101, 86159 Augsburg, Deutschland K
142 J.Lanzletal. Schlüsselwörter Basiskompetenzen · Digitalkompetenzen · Digitalisierung · Kompetenzentwicklung · Kompetenzvermittlung The Impact of Digital Technologies on Knowledge Work: Skills in Transition Abstract Advancing digitalization and technological progress within the world of work are having an impact on the training of skilled workers and, in particular, on the competencies required for long-term corporate success. In addition to classic basic competencies, such as critical thinking, digital competencies, such as information handling, are coming to the fore. Therefore, the questions arise: What are relevant digital competencies in knowledge work as a result of ongoing digitization? How do companies and universities present and teach these digital competencies and which recommendations for action can be derived in this regard? Digital competencies were collected, defined, and classified through a literature review of practical and scientific literature. Twelve important digital competencies are highlighted and it is observed whether and how they are already being taken into account in practice in business degree programs, internal and external off-the-job company training, and recruiting. This makes it possible to derive recommendations for action for universities and companies, as well as their cooperation. In addition, the results help to adapt further education to the new conditions and to emphasize the importance of the competencies for career entry and career development. Keywords Basic competencies · Digital competencies · Digitalization · Competence development · Competence transfer 1 Einleitung Um mit dem stetigen Fortschritt durch neue und zukunftsweisende digitale Technologien wie beispielsweise dem Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz (KI) Schritt halten zu können, erhält die erfolgreiche Vermittlung von Digitalkompetenzen gesamtgesellschaftlich einen immer höheren Stellenwert (BMBF 2023). Zwar brachte die COVID-19-Pandemie in der Wissensarbeit die technische Ausstattung für Home Office und New-Work-Methoden voran (Handelsblatt 2021), trotzdem sind deutsche Bürger:innen und auch Unternehmen im Ländervergleich in Bezug auf Digitalkompetenzen abgeschlagen (Gillmann und Stiens 2023). In anderen Ländern hat die Digitalisierung die Bereiche des öffentlichen Lebens verändert – wo mit dem Smartphone Kitaplätze gefunden, Personalausweise beantragt und Patientenakten verwaltet werden, haben Bürger:innen ausgeprägtere Digitalkompetenzen als es in Deutschland der Fall ist (Gillmann und Stiens 2023). Im wirtschaftlichen Kontext werden Digitalkompetenzen darüber entscheiden, welche Unternehmen die Implikationen der Digitalisierung auf ihr Geschäftsmodell aktiv mitgestalten und dadurch langfristig ihren Erfolg sichern können. Die Digitalkompetenzen von Mitarbeitenden eines Unternehmens werden zum Hebel K
Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel 143 des Gelingens digitaler Transformationen (Blanka et al. 2022). Merchel et al. (2021, S. 1) stellen heraus, dass Digitalkompetenzen in den Bereichen Kommunikation und Kollaboration sowie Kreativität wichtiger werden. Sie schließen daraus, dass Unternehmen „Creative Problem-Solvers“ („kreative Problemlöser:innen“) und „Communicative Collaborators“ („kommunikative Zusammenarbeitende“) als Mitarbeitende brauchen. Im Arbeitstrend-Index Jahresbericht der Microsoft Corporation (2023) wird deutlich, wie die zunehmende Nutzung von KI in sämtlichen Bereichen neue Digitalkompetenzen von Mitarbeitenden fordert, um die Vorteile von Mensch-KIZusammenarbeit gewinnbringend nutzen zu können. Die Anforderungen an benötigte Digitalkompetenzen sind entsprechend hoch und bringen Herausforderungen mit sich. Die Dynamik der fortschreitenden Digitalisierung sorgt für eine Verschiebung der Kompetenzanforderungen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass die bestehende Belegschaft kontinuierlich geschult werden muss und gleichzeitig gut ausgebildete Berufseinsteigende mit den benötigten Digitalkompetenzen zu rekrutieren sind. Diese Herausforderung wird durch einen zunehmenden Fachkräftemangel verschärft (BMWK 2023). Die Befähigung der Mitarbeitenden kann auf sehr individueller Ebene durch On-the-job-Training funktionieren, bei welchem beispielsweise die Führungskraft durch Mentoring Entwicklungspotentiale erkennt und den Mitarbeitenden während der Arbeit Unterstützung anbietet (Lettner et al. 2023). Das zusätzliche Angebot von finanzierten Off-the-job-Weiterbildungsmöglichkeiten kann zwei Ziele gleichzeitig erfüllen: 1) die Befähigung aktueller Mitarbeitender sicherstellen und 2) einen attraktiven Begeisterungsfaktor für Bewerber:innen bieten (Blumenröder 2023). Auch Hochschulen müssen sicherstellen, dass ihre Absolvent:innen zum Berufseinstieg die benötigten Digitalkompetenzen aufweisen und interessant für Unternehmen sind. In der Disziplin der Wirtschaftsinformatik wurde erkannt, dass in Zukunft weniger in angebotenen Modulen, sondern in zu erwerbenden Kompetenzen gedacht werden muss (Leidig und Salmela 2020). Auch Studiengänge wie die Betriebswirtschaftslehre (BWL) müssen ihre Studierenden mit Digitalkompetenzen ausstatten, da diese einen Großteil der zukünftigen Mitarbeitenden in Unternehmen ausmachen. Der Fokus in diesem Beitrag liegt explizit auf Akademiker:innen, da Auszubildende im Gegensatz zu Studierenden in ihren Ausbildungsunternehmen früher in die praktische Anwendung und On-the-job-Training eingebunden sind. Der aktuelle Stand der Forschung zu Digitalkompetenzen sowie der lebhafte Diskurs in praxisnahen Studien und Whitepapern ist Grundlage, Motivation und Ausgangspunkt für diesen Beitrag. Andere Forschende haben sich auf die Messung und Entwicklung von Kompetenzen in breiteren Bevölkerungsgruppen konzentriert, darunter Bürger:innen, Fachleute und Studierende im Hochschulbereich (Jin 2020; Oberländer et al. 2020; Tzafilkou et al. 2022). Wir möchten diese Beobachtungen nutzen, uns mit den für die Wissensarbeit wichtigen Digitalkompetenzen auseinandersetzen und anhand von Praxiseinblicken Schlüsse für die Kompetenzwahrnehmung und -vermittlung in Unternehmen und Hochschulen ziehen. Deshalb verfolgt dieser Beitrag die Beantwortung der Fragen: Was sind durch die fortschreitende Digitalisierung relevante Digitalkompetenzen in der Wissensarbeit? Wie präsentieren und vermitteln Unternehmen und Hochschulen diese Digitalkompetenzen und welche Handlungsempfehlungen lassen sich diesbezüglich ableiten? K
144 J.Lanzletal. Recherche Praxisbeispiele Handlungsempfehlungen PlanungErgebnisse •Recherche in wissenschalicher und praxisnaher Literatur Aufzeigen des Status Quos der Vermilung von Kompetenzen in Recruing, Weiterbildungen und Fachausbildungen •Ableiten von Handlungsempfehlungen für Unternehmen und für die Fachausbildung an Hochschulen Bestägung der vorherrschenden Relevanz Definion von wichger werdenden Digitalkompetenzen Handlungsempfehlungen für Unternehmen und für Hochschulen •Beobachtungen und Analyse von Praxisbeispielen Abb. 1 Vorgehen 2 Beschreibung des Vorgehens Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurde das Vorgehen in drei Phasen gegliedert, welche in Abb. 1illustriert und im Folgenden erläutert werden. Zuerst wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Hierbei lag der Fokus einerseits auf wissenschaftlichen Beiträgen, welche zukunftsgerichtet Digitalkompetenzen untersuchen. Andererseits flossen praxisnahe Veröffentlichungen mit ein, um die Realität in der heutigen Arbeitswelt adäquat abbilden zu können. Insgesamt wurden 31 wissenschaftliche Beiträge und 21 praxisnahe Veröffentlichungen analysiert und im Ergebnis zwölf Digitalkompetenzen herausgestellt, die für (zukünftige) Arbeitskräfte in der Wissensarbeit wichtig sind. Wissensarbeit ist Arbeit, in der „Informationen Rohstoff, Werkzeug und Resultat“ sind (Klotz 2000; North und Güldenberg 2008). Nicht jede Tätigkeit und jede Sekunde der Arbeit von Wissensarbeitenden muss dabei stark auf die Nutzung oder Erstellung von Informationen abzielen, aber bei Wissensarbeitenden ist dies im Kern zentraler Tätigkeiten ihrer Arbeit. Wissensarbeit wird teils als Gegenteil von Routinearbeit gesehen. Beispielhaft werden die folgenden Berufe oft mit Wissensarbeit assoziiert, ohne dass dies eine abschließende Liste darstellt: Rechtsanwältin, Unternehmensberater, Wissenschaftlerin, Journalist, Programmiererin, Lehrer und Grafikerin. Digitalisierung betrifft in vielen Fällen die Entstehung, Verarbeitung, Speicherung, Verbreitung und Nutzung von Informationen mittels digitaler Technologien und Medien. Da dies für Wissensarbeit essenziell ist, sind Wissensarbeitende als Erwerbstätige zu sehen, welche von einer zunehmenden Digitalisierung unmittelbar betroffen sind. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die Digitalkompetenzen in den Berufsfeldern der Wissensarbeitenden von Relevanz sind und vermittelt werden. Das Ziel der zweiten Phase war es, anhand von Praxisbeispielen darzustellen, wie die Befähigung von (zukünftigen) Arbeitskräften zu den zwölf Digitalkompetenzen schon heute gelingt. Nachdem (1) die fachliche Ausbildung in einer Hochschule durchlaufen wurde, befinden sich zukünftige Arbeitskräfte kurz vor dem (2) Berufseinstieg, welcher in die (3) langfristige Integration in den Arbeitsmarkt mündet und gegebenenfalls durch Weiterbildungen ergänzt wird (Matheson et al. 2018). Diese K
Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel 145 drei wichtigen Lebensabschnitte wurden im Rahmen der nachfolgenden Praxisbeispiele näher betrachtet, da dort Kompetenzen gebildet und/oder gefordert werden. Genau betrachtet wurden (1) die Beschreibung der Kompetenzen, die in betriebswirtschaftlichen Studiengängen erlangt werden sollen sowie ein Beispiel der gezielten Integration von Digitalkompetenzen im Lehrbetrieb im Rahmen des von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre geförderten Projekts „DeLLFi – Digitalisierung entlang Lehren, Lernen und Forschen integrieren an der Universität Hohenheim“, (2) das Vorkommen von Digitalkompetenzen in Stellenausschreibungen von Berufen, die in einem digitalen Umfeld in der Wissensarbeit ausgeübt werden können und (3) interne und externe Off-the-job-Weiterbildungsmöglichkeiten für Digitalkompetenzen. Dies führte im Ergebnis zum Status Quo des Umgangs mit den zwölf Digitalkompetenzen anhand von Beispielen in Hochschulbildung, Recruiting und beruflicher Weiterbildung. In der abschließenden Phase wurde das Gelernte aus der Literaturbetrachtung und der Wahrnehmung der zwölf Digitalkompetenzen in Praxisbeispielen für die Beantwortung der Forschungsfragen herangezogen. Hierbei wurde abgeglichen, welchen Stellenwert die zwölf Digitalkompetenzen heutzutage in Fachausbildungen, Recruiting und Weiterbildungen haben. Auf Basis dessen wurden Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Unternehmen gegeben, sodass (zukünftige) Arbeitskräfte bestmöglich auf die Wissensarbeit in einem zunehmend digital gestalteten Umfeld vorbereitet werden. 3 Ausgangssituation in Literatur und Praxis In diesem Kapitel stehen die Ausführungen zu wichtigen Digitalkompetenzen in der Literatur im Vordergrund. Definitorisch sind Kompetenzen allgemein im Gegensatz zu Fähigkeiten nicht einer Aufgabe zugeordnet, sondern repräsentieren die Möglichkeit, Wissen über verschiedene Aufgaben hinweg zu nutzen (Taylor und Lee 2008). Eine Spezifizierung von Kompetenzen sind Basiskompetenzen oder auch Schlüsselkompetenzen. Diese stellen multifunktionale und kontextunabhängige Kompetenzen dar, welche für die Umsetzung gesellschaftlicher Ziele in einem normativen Rahmen als wichtig angesehen werden (Rieckmann 2012). Ergänzend dazu gibt es Digitalkompetenzen. Diese sind umfangreich aufgestellt und bezeichnen die Bewältigung von neuen digitalen Situationen (Calvani et al. 2008). Beispielsweise gehören die Analyse, die Auswahl und die Bewertung von Informationen sowie das Aufbauen von kollektivem Wissen zu den Digitalkompetenzen (Calvani et al. 2008). Anhand der Definitionen lässt sich erkennen, dass Basiskompetenzen mit Bezug auf Digitalisierung nah an Digitalkompetenzen sind. Analog dazu hat die Europäische Kommission und der Rat bereits 2006 Digitale Kompetenzen als Teil der Basiskompetenzen definiert (European Parliament und Council of European Union 2006), woran der Rat 2018 festhält und weiterarbeitet (Council of the European Union 2018). Aufgrund der Wichtigkeit sowie stetigen Präsenz von Digitalisierung und der damit verbundenen Gleichstellung von Basiskompetenzen mit Bezug auf Digitalisierung und Digitalkompetenzen für den Kontext des Beitrags wird im Nachfolgenden auf die Unterscheidung verzichtet und nur von Digitalkompetenzen gesprochen. K
146 J.Lanzletal. Technologie Datenarbeit Digitale Kommunikaon und Kollaboraon Kompetenz Informaonsmanagement Bewusstsein für Zukunstechnologien Digitale Verantwortung Informaonsverarbeitung Kreavität und Originalität Digitales Lernen und Lernbereitscha Soziale Fähigkeiten und kulturelles Bewusstsein Selbstreflexion und -regulierung Problemlösungsfähigkeit Krisches Denken und Bewerten Agiles Arbeiten Neue Herangehensweisen Prozesse, Menschen und Kultur Definion Beispiel Interakon, Austausch und Zusammenarbeit durch digitale Technologien Nutzung und Verwaltung von Informaonen durch die effekve Anwendung von digitalen Technologien Aneignung von Wissen über Zukunstechnologien zur möglichen Nutzung innerhalb eines Unternehmens Maßnahmenergreifung um physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden bei der Nutzung digitaler Technologien zu gewährleisten Schnelle Bewertung, Ordnung, Nutzung und Kommunikaon von größeren Mengen an Daten Kreaves Denken und Zusammenarbeiten für die Umsetzung von Innovaonen Auauen von validem Wissen zu ausgewählten Themengebieten durch eine Vielzahl digitaler Informaonen Verständnis von zwischenmenschlichen Anforderungen und Kulturen bei der Nutzung von Informaonsund Kommunikaonstechnologien (IKT) Fähigkeit eigene Ziele zu setzen und Fortschri bei der Erreichung der Ziele zu steuern, um eigenen Fortschri bei der Nutzung von IKT zu bewerten Kreave Nutzung von digitalen Technologien zur Bewälgung technischer Probleme Krische Bewertung und Evaluaon von Medieninhalten und Medienfunkonen Nutzerorienerte, selbstverantwortliche & interakve Zusammenarbeit in Teams unter Nutzung agiler Arbeitsmethoden Nutzung von Microso Teams als Kommunikaonskanal und hybrides Arbeiten mithilfe des Programms Verwaltung von Personalinformaonen in einer verschlüsselten Umgebung mit eingeschränktem Zugang Bewusstsein im Unternehmen zu generaver KI - z.B. ChatGPT - vorantreiben und stege Veränderungen dieser beobachten Richtlinien für die Nutzung von digitalen Technologien setzen und somit Technologiestress vermeiden Bearbeitung von größeren Datenmengen mithilfe von Programmen wie Excel und Interpretaon der Informaonen Durch die Nutzung von kreaven digitalen Räumen, beispielsweise in Microso Teams oder durch Mural-Boards die Kreavität stärken Wissensgenerierung mithilfe von Informaonsplaormen, wie z.B. YouTube oder LinkedIn-Learning Förderung von informellem Austausch, z.B. Nutzung von Ice-Breakern, in internaonalen Teams für ein besseres Verständnis der Arbeitsweisen Digital Ziele mithilfe von Programmen wie Microso To-Do setzen und die Zielerreichung dieser reflekeren und entsprechend anpassen Bei Tonproblemen bei Videotelefonaten auf die Einstellungen der einzelnen Programme achten und dementsprechend korrigieren Krisches Lesen von News, um Fake-News zu enarnen Projektarbeit wenn möglich in Sprints organisieren und Dailys zum Besprechen des Fortschris nutzen # I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII Abb. 2 Zwölf wichtige Digitalkompetenzen in der Wissensarbeit mit Definitionen und Beispielen K
Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel 147 Nach Chamorro-Premuzic (2021) gestaltet sich die digitale Transformation in vier wesentlichen Handlungsbereichen: Technologie, Datenarbeit, Prozesse, Menschen und Kultur und zuletzt Neue Herangehensweisen. Diese eignen sich auch für die Einteilung der für die digitale Transformation notwendigen Digitalkompetenzen aus der Literatur. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags haben wir uns bewusst auf zwölf wichtige Digitalkompetenzen begrenzt, welche sinnvoll in Praxisbeispielen untersucht werden können. Viele weitere Digitalkompetenzen wurden seltener oder in eher älterer Literatur erwähnt, weshalb sie nicht in der Liste vorkommen. Eine vollständige Auflistung aller in der Literaturrecherche vorgekommenen Digitalkompetenzen findet sich in der Konzeptmatrix in Tab. 1im Anhang dieses Beitrags. In Abb. 2sind die zwölf Digitalkompetenzen einem Handlungsbereich nach Chamorro-Premuzic (2021) zugeordnet, mit römischen Ziffern nummeriert, jeweils kurz definiert und für das Verständnis mit einem Beispiel erläutert. Es finden sich die Digitalkompetenzen (I) Digitale Kommunikation und Kollaboration, (II) Informationsmanagement und (III) Bewusstsein für Zukunftstechnologien in dem Handlungsbereich Technologie wieder. Zu dem Handlungsbereich Datenverarbeitung zählen (IV) Digitale Verantwortung und (V) Informationsverarbeitung.ZuProzesse, Menschen und Kultur sind die meisten Digitalkompetenzen zugeordnet: (VI) Kreativität und Originalität, (VII) Digitales Lernen und Lernbereitschaft, (VIII) Soziale Fähigkeiten und kulturelles Bewusstsein und zuletzt (IX) Selbstreflexion und -regulierung. Dem Handlungsbereich Neue Herangehensweisen gehören die Digitalkompetenzen (X) Problemlösungsfähigkeit, (XI) Kritisches Denken und Bewerten und (XII) Agiles Arbeiten an. Die Zuordnung zu den Handlungsbereichen erfolgte aufgrund der für diesen Beitrag gewählten Definitionen der einzelnen Digitalkompetenzen. Dieses Vorgehen wurde angewandt, um Mehrfachzuordnungen zu vermeiden. 4 Praxisbeispiele Unternehmen sollten für langfristigen Erfolg das Ziel verfolgen, eine Belegschaft aus Mitarbeitenden aufzubauen, welche in diesen zwölf Digitalkompetenzen ausgebildet ist. In diesem Kapitel wird der Status Quo von Digitalkompetenzen im Hochschulkontext, im Einstellungsprozess sowie in Weiterbildungen betrachtet. 4.1 Digitalkompetenzen in BWL-Studiengängen Im Hochschulkontext findet der Kompetenzerwerb in unterschiedlicher Form Erwähnung. Auch innerhalb des Studiengangs der BWL auf Bachelorniveau haben Hochschulen bislang verschiedene Vorstellungen und Interpretationen, welche Kompetenzen für zukünftige Wissensarbeitende von Relevanz sind und entsprechend gelehrt werden sollten. Im Rahmen einer Analyse von zehn renommierten Universitäten für BWL in Deutschland (Joinrs SRL 2021) wurden deren BWL-BachelorStudiengänge untersucht. Es wurden die in den Studiengängen vermittelten Kompetenzen analysiert und innerhalb dessen besonders die definierten Digitalkompetenzen untersucht. Dabei ist zu erkennen, dass sowohl unterschiedliche Kompetenzen als relevant angesehen werden, als auch unterschiedliche Definitionen für ähnliche K
148 J.Lanzletal. Kompetenzbereiche gegeben werden. Selbst die Sichtbarkeit – Erwähnung auf der Studiengangwebseite, in Modulhandbüchern, in der Prüfungsordnung oder in dem allgemeinen Zielbild – und somit der Fokus auf Kompetenzen variiert je nach Hochschule stark. Sich über die zu erwerbenden Kompetenzen in den Studiengängen zu informieren, fällt für Außenstehende somit schwer. Insgesamt definieren die Hochschulen teilweise ähnliche Kompetenzen als Ziele und erwähnen andere wichtige Digitalkompetenzen nur selten. Unter den am meisten erwähnten Lernzielen findet sich die klassische Kommunikationsfähigkeit (Digitalkompetenz I), kritisches Denken (Digitalkompetenz XI) oder auch Problemlösung mithilfe von analytischer Denkweise (Digitalkompetenz X). Dabei ist kein expliziter Verweis auf Digitalität zu finden, weshalb die Kriterien nicht exakt mit denen der zwölf Digitalkompetenzen übereinstimmen. Weiterhin kann festgestellt werden, dass in Summe alle zwölf Digitalkompetenzen – teilweise jedoch ohne den Bezug auf Digitalisierung – von mindestens einer Universität genannt werden. Daran ist zu erkennen, dass die Hochschuleinrichtungen bereits die Themen erkannt haben, jedoch diese noch allgemein formuliert und nicht gesamtheitlich in ihren Lernzielen aufzeigen. Themen, die selten erwähnt wurden sind beispielsweise das Bewusstsein für Zukunftstechnologien (Digitalkompetenz III), Agiles Arbeiten (Digitalkompetenz XII) oder Kreativität und Originalität (Digitalkompetenz VI). Ein Fallbeispiel für die vermehrte Berücksichtigung von Digitalkompetenzen ist das Projekt „DeLLFi – Digitalisierung entlang Lehren, Lernen und Forschen integrieren“ der Universität Hohenheim. Ein Teilziel dieses durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre geförderten Projektes ist es, an der Fakultät für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften das Lehren von Digitalkompetenzen in angebotenen Veranstaltungen einzubringen. Lehrende werden dabei unterstützt, in ihren bestehenden Lehrveranstaltungen den Erwerb neuer Digitalkompetenzen einzubauen oder vollständig neue Lehrkonzepte zu diesem Zweck zu entwickeln (Universität Hohenheim 2023b). So werden zum Beispiel in einer Veranstaltung Studierende mithilfe einer App zur (digitalen) Stressbewältigung zur Selbstreflexion ihres Umgangs mit digitalen Technologien geschult (Digitalkompetenz IX). Projekte dieser Art helfen, den strategischen Fokus in öffentlichen Bildungseinrichtungen wie Hochschulen auf den digitalen Wandel auszurichten und Möglichkeiten zu schaffen, die gezielte Vermittlung von Digitalkompetenzen in den Hochschulalltag von Studierenden zu integrieren. 4.2 Digitalkompetenzen in Stellenausschreibungen Im Recruiting ist in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach „digitalen Talenten“ gestiegen. Diese sind nach Gilch und Sieweke (2021) vermehrt Zielgruppe im Recruiting, da viele Unternehmen Mitarbeitende mit Digitalkompetenzen brauchen, die die digitale Transformation treiben, und die Nachfrage das Angebot im Bewerber:innenmarkt übersteigt. Anhand der Informationen des IS Jobindex 2019 (Mandviwalla et al. 2019), der Gesellschaft für Informatik e.V. (Jung 2017), den Europäischen IKT-Berufsprofilen (Leidig und Salmela 2020) und zwei Digital-Business-Management-Studiengängen an der Universität Hohenheim (Universität Hohenheim 2023a) und an der DHBW K
Der Einfluss von digitalen Technologien auf Wissensarbeit: Kompetenzen im Wandel 155 7 Anhang Tab. 1 Konzeptmatrix # Kategorie Genannte Kompetenzen Anzahl Nennungen Technologie I Digitale Kommunikation und Kollaboration Digitale Kommunikation 19 Digitale Zusammenarbeit & Kollaboration 17 Digitale Interaktion 8 Arbeiten mit digitalen Umgebungen 2 Präsentationsfähigkeit 1 II Informationsmanagement Informationssuche & -bewertung 19 Informationsmanagement 7 Definieren von Informationsbedürfnissen 1 Strategie- & Planungsfähigkeiten 1 Etablierung von Datenkultur 1 III Bewusstsein für Zukunftstechnologien KI-Awareness 1 Programmierfähigkeiten 5 Softwarekenntnisse 6 Systemanalyse & -entwicklung 2 Konzeptionelle Modellierung 1 Datenverarbeitung IV Digitale Verantwortung Datenschutz & -sicherheit 15 Digitale & Daten-Literacy 9 Digitale Verantwortung 3 Verantwortungsvolle Nutzung 2 Digitale Gesundheit 2 Governance, Risiko, Compliance 1 Geistiges Eigentumsrecht 5 V Informationsverarbeitung Informationsverarbeitung 18 Datenverwaltung & -verarbeitung 4 Datenorganisation 4 Digitale Fachkompetenz 4 Tabellenkalkulation & Textverarbeitung 1 Prozesse, Menschen und Kultur VI Kreativität und Originalität Erstellen digitaler Inhalte 17 Kreativität & Originalität 15 Change Management 1 Flüssigkeit von Ideen 1 Digitales Marketing 1 VII Digitales Lernen und Lernbereitschaft Digitales Lernen & Lernbereitschaft 9 Wissensgenerierung & -vermittlung 2 Lehren & schulen anderer 6 VIII Soziale Fähigkeiten und kulturelles Bewusstsein Digitale Ethik & ethisches Bewusstsein 11 Netiquette & soziale Fähigkeiten 6 Kulturelles Bewusstsein 4 Beteiligung an digitaler Kultur/Gesellschaft 2 IX Selbstreflexion und -regulierung Selbstreflexion & -regulierung 3 K
156 J.Lanzletal. Tab. 1 (Fortsetzung) # Kategorie Genannte Kompetenzen Anzahl Nennungen Neue Herangehensweisen X Problemlösungsfähigkeit Problemlösungsfähigkeit 16 Entscheidungsfähigkeit 2 XI Kritisches Denken und Bewerten Kritisches Denken & Bewerten 13 Handeln ableiten & schlussfolgern 2 Neugierde 1 Urteilsvermögen 1 Rollenverständnis von Medien 1 Verzweigungskompetenz 1 XII Agiles Arbeiten Agiles Arbeiten 3 Flexibilität 2 Echtzeit-Denkfähigkeit 1 Multitaskingfähigkeit 1 Die vollständige Konzeptmatrix inkl. Quellenverzeichnis kann von dem Autor:innenteam auf Anfrage gerne ausgehändigt werden Danksagung Dieser Artikel wurde durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Rahmen des Projekts „DeLLFi – Digitalisierung entlang Lehren, Lernen und Forschen integrieren (FBM2020-EA1670-01800)“ gefördert. Wir danken an dieser Stelle für die Unterstützung. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/ licenses/by/4.0/deed.de. Literatur Blanka C, Krumay B, Rueckel D (2022) The interplay of digital transformation and employee competency: a design science approach. Technol Forecast Soc Change 178:1–15. https://doi.org/10.1016/j.techfor e.2022.121575 Blumenröder S (2023) Weiterbildungsangebot entscheidet über Arbeitgeberwahl. CIO.de (Hrsg). https:// www.cio.de/a/weiterbildungsangebot-entscheidet-ueber-arbeitgeberwahl,3614733. Zugegriffen: 14. Aug. 2023 BMBF (2023) Alle Informationen zum digitalen Lehren und Lernen. https://www.bmbf.de/bmbf/de/bild ung/digitalisierung-und-mint-bildung/digitalisierung-und-mint-bildung_node.html. Zugegriffen: 14. Aug. 2023 BMWK (2023) Fachkräfte für Deutschland. https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/fachkraeftesich erung.html. Zugegriffen: 22. Aug. 2023 K
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