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www.libridergi.org Epigrafi, Çeviri ve Eleştiri Dergisi Journal of Epigraphy, Reviews and Translations Issue XI (2025) Neue Inschriften aus Blaundos Şenkal KİLECİ 0000-0002-0281-7407 The entire contents of this journal, Libri: Journal of Epigraphy, Translation and Review is open to users and it is an ‘open access’ journal. Users are able to read the full texts, to download, to copy, print and distribute without obtaining the permission of the editor and author(s). However, all references to the articles published in the ejournal Libri are to indicate through reference the source of the citation from this journal. Libri, is a peer-reviewed journal and the articles which have had their peer reviewing process completed will be published on the web-site (journal.phaselis.org) in the year of the journal’s issue (e.g. Issue XI: January-December 2025). At the end of December 2025 the year’s issue is completed. Responsibility for the articles published in this journal remains with the authors. This work is licensed under a Creative Commons AttributionNonCommercial-ShareAlike 4.0 International License. Citation Kileci Ş. 2025, “Neue Inschriften aus Blaundos”. Libri XI, 245-266. DOI: 10.5281/zenodo.18038561 Received Date: 05.11.2025 | Acceptance Date: 07.12.2025 Online Publication Date: 23.12.2025 Article Type: Research Article Editing: Phaselis Research Project www.libridergi.org
Received Date: 05.11.2025 | Acceptance Date: 07.12.2025 LIBRI XI (2025) 245-266 Online Publication Date: 23.12.2025 DOI: 10.5281/zenodo.18038561 Article Type: Research Article www.libridergi.org Neue Inschriften aus Blaundos Blaundos’tan Yeni Yazıtlar Şenkal KİLECİ * Zusammenfassung: In diesem Artikel wird eine Gruppe von Inschriften vorgestellt, die in den Jahren 2018 bis 2023 bei Grabungen in Blaundos gefunden wurde. Zu diesen Inschriften gehören Ehreninschriften für die Kaiser Marcus Aurelius, Licinius II., Konstantin den Großen, Fl. Cl. Constantius, Fl. Arcadius und Theodosius II. (Nr. 1-4) sowie Graffiti (Nr. 5-6), ein christliches Symbol auf einem Ambo (Nr. 7), verschiedene griechische (Nr. 8-17) und lateinische (Nr. 19-21) Fragmente und Steinmetzzeichen (Nr. 18). Die Inschrift Nr. 4 wurde zuvor auch schon als Grabinschrift verwendet. Der Großteil der Inschriften wurde während der Ausgrabungen an der Hauptstraße, in der Badeanlage und im Demeter-/Ceresheiligtum freigelegt. Es ist im archäologischen Befund erkennbar, dass vor allem in der Spätzeit Grabsteine und Podiumsblöcke innerhalb des Heiligtums wiederverwendet wurden. Mehrere dieser Blöcke wurden in verschiedenen Bauphasen mehrfach genutzt und zugleich als Inschriftenträger verwendet. Schlüsselwörter: Blaundos, Ehreninschriften, Marcus Aurelius, Licinius II, Konstantin der Große, Fl. Cl. Constantius, Fl. Arcadius, Theodosius II, Graffiti Öz: Bu makalede Blaundos kazılarında 2018-2023 yılları arasında açığa çıkarılan bir grup yazıt tanıtılmaktadır. Söz konusu yazıtlar arasında imparatorlar Marcus Aurelius, II. Licinius, Büyük Constantinus, Fl. Cl. Constantius, Fl. Arcadius, II. Theodosius için onurlandırma metinleri (Nos. 14), grafiti (Nos. 5-6), Hristiyanlık sembolü bir ambon işlemesi (No. 7), Hellence (Nos. 8-17) ve Latince fragmanlar (Nos. 19-21) ve taşçı işaretleri (No. 18) yer almaktadır. 4 numaralı yazıt önceden aynı zamanda bir mezar yazıtı olarak kullanılmıştır. Bulunan yazıtların çoğu anacadde kazılarında, Hamam ve Demeter/Ceres Temenos’u içerisindeki kazılar sırasında açığa çıkarılmıştır. Özellikle geç antikçağda, arkeolojik bağlamda temenos içerisindeki düzenlemelerde bazı mezar taşlarının ve podyum bloklarının devşirildiği görülmüştür. Buna karşın bu blokların ilk kullanım evrelerinden son kullanım evrelerine kadar birkaç kez devşirildiği ve birer yazıt taşıyıcısı olarak da kullanıldığı gözlemlenmiştir. Anahtar sözcükler: Blaundos, Onurlandırma Yazıtları, Marcus Aurelius, II. Licinius, Büyük Constantinus, Fl. Cl. Constantius, Fl. Arcadius, II. Theodosius, Grafiti In diesem Artikel werden neue Inschriften aus den Blaundos-Ausgrabungen, die zwischen 2018 und 2023 bei den Grabungen in Blaundos gefunden wurden 1 , vorgestellt und analysiert. * Dr., Unabhängiger Wissenschaftler, Eğitim Mah. Aşık Şermi Sok. No: 8, 35330 Balçova, İzmir, Türkei. [email protected] | 0000-0002-0281-7407 Diese Arbeit zeigt die Funde aus Blaundos, die unter der Leitung von Prof. Dr. Birol Can von der Universität Uşak mit Genehmigung des Kulturund Tourismusministeriums entdeckt wurden. Ich danke ihm für die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Für die sprachliche Überarbeitung des Aufsatzes bedanke ich mich herzlich bei meiner Kollegin Berfu Tüzün. 1 Can et al. 2020; 2024; Can 2023.
Şenkal KİLECİ 246 Bei diesen vier Inschriften handelt es sich um Ehreninschriften für Kaiser, namentlich für Marcus Aurelius, Licinius II., Konstantin den Großen und Konstantin II. Anhand der archäologischen Befunde und Inschriften lässt sich erkennen, dass Blaundos seine Blütezeit im 1. Jh. n. Chr., insbesondere in der flavischen Zeit, erlebte 2 . Die Stadt prägte ihre eigenen Münzen während der römischen Kaiserzeit von der Mitte des 1. bis zur Mitte des 4. Jh. n. Chr. Zwar lag die allgemeine architektonische und soziale Blütezeit der Stadt im 1. Jh. n. Chr., doch ist bekannt, dass der Höhepunkt der Prägeaktivität erst zu einem späteren Zeitpunkt, nämlich unter Marcus Aurelius (161-180 n. Chr.), erreicht wurde 3 . Die Inschriften für die anderen Kaiser stellen Neufunde dar; darüber hinaus liegen keine weiteren Belege für ihre Verbindung zur Stadt vor. Auch wenn archäologische Befunde aus dem 2. Jh. n. Chr. vorhanden, stellt besonders das 3. und 4. Jh. n. Chr., trotz der reichsweiten Krisen, eine Phase dar, in der die Nekropolenkultur von Blaundos in ihrer Hochphase war 4 . Abb. 1. Stadtplan von Blaundos; gez. von D. Beşikçi Es ist offensichtlich, dass die Geschichte der Stadt durch fortlaufende wissenschaftliche Ausgrabungen und detaillierte Studien weiter erschlossen werden kann. Neben den für die Stadt erstmals belegten Kaisern, zeigt die vorliegende Arbeit auf, dass Spolien oft erst viel später wiederverwendet wurden und sich die Schriftkultur zwar von der regulären Einmeißelung hin zur Ritztechnik wandelte, aber dennoch im 4. Jahrhundert n. Chr. fortbestand. Im Falle einer Mehrfachverwendung der Inschriftenträger wurden die Inschriften in dieser 2 Filges 2006, 321-350; Can 2017, 77. 3 Filges 2006, 285. Für die Münzen s. Filges 2006, 298 Nr. 52-62. 4 Für die Fresken in der Nekropole s. Can 2025.
Neue Inschriften aus Blaundos 247 Arbeit nach ihrem letzten Verwendungszweck oder der am besten lesbaren Seite sowie nach ihrer Sprache (lateinisch oder griechisch) klassifiziert. Aus diesem Grund können unter der Rubrik „Kaiserehreninschriften“ beispielsweise auch Grabsteine oder lateinische Inschriften vorzufinden sein: Kaiserehreninschriften Nr. 1. Statuenbasis aus Marmor mit Inschriften auf drei Seiten (Abb. 2-7). Auf der rechten Seite (C) befindet sich eine vollständige fünfzeilige griechische Inschrift. Diese ist im Vergleich zur Vorderseite (A) und linken Seite (B) in umgekehrter Richtung geschrieben. Die Vorderseite des Marmorsockels trägt eine elfzeilige Inschrift, die linke Seite eine sechszeilige. Der Aufsatz wurde bei den Ausgrabungen in diesem Gebiet freigelegt und aufgesetzt. Er ist oben 87 cm, unten 59 cm breit und 39 cm hoch. Sie ist mit einem Kyma und Leistenprofil verziert und weist auf der oberen Fläche zwischen vier Akroteren eine quadratische Erhöhung von 70 × 70 cm auf. Auf dieser Fläche befinden sich zwei Fußabdrücke, die an der engsten Stelle 17 cm voneinander entfernt sind. Der Abdruck auf der linken Seite misst 38 cm in der Länge, 14 cm in der Breite an der breitesten Stelle und 6 cm in der Tiefe. Die rechte Spur ist 44 cm lang und wird nach vorn hin breiter; sie misst am hinteren Teil 20 cm, am vorderen 12 cm in der Breite und an der tiefsten Stelle 10 cm. Abb. 2. Vorderseite (A) Abb. 3. Linke Seite (B) Abb. 4. Rechte Seite (C) Fundort: Demeter-/Ceresheiligtum, im Raster 870-450 (Abb. 1 Nr. 10). Maße: H.: 0,92 m; B.: 0,55 m; T.: 0,535 m; Bh.: A) 0,021 m; B) 0,03–0,043 m; C) 0,035–0,045 m.
Şenkal KİLECİ 248 Datierung: A) 169–177 n. Chr. (Marcus Aurelius); B) 317-324 n. Chr. (Licinius II.); C) nicht feststellbar. A. Αὐτοκράτορα Kαίσαρα vv. Mᾶρκον Aὐρήλιον Ἀντωνῖνον Σεβαστὸν θεοῦ Ἀντωνίνου υ˹ἱ˺όν, θεοῦ Ἁδριανοῦ 5 υἱωνόν, θεοῦ Tραϊανοῦ ἔκγονον, θεοῦ Nέρουα ἀπόγονον, πατέρα πατρί v. δος vvv. ἀρχιερέα μέγιστον, δημαρχικῆς ἐξουσίας τὸ vv. ὕπατον 10 ἡ βουλὴ καὶ ὁ δῆμος Bλαυνδέων Mακεδόνων Ğ Abb. 5. Inschrift im Detail, Vorderseite (A) Den Kaiser Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus, Sohn des vergöttlichten Antoninus, Enkel des vergöttlichten Hadrian, Urenkel des vergöttlichten Traian und Nachkomme des vergöttlichten Nerva, den Vater des Vaterlandes, Pontifex Maximus, Inhaber der tribunizischen Gewalt zum ?-Mal, (ehrten) der Rat und das Volk des makedonischen Blaundos. Seite A: Z. 1-2 : Aus der ersten Zeile und der ersten Hälfte der zweiten Zeile geht der Versuch hervor, die Inschrift Buchstabe für Buchstabe zu tilgen und dass das Vorhaben jedoch aufgegeben wurde. Z. 5: YON lapis. Z. 9: Die Zahl zur tribunizischen Gewalt wurde nicht angegeben; der entsprechende Bereich blieb leer. Da der Kaiser in der Inschrift weder mit Lucius Verus noch mit Commodus genannt wird, wird sie in die Jahre 169-177 n. Chr. datiert. Bei den Ausgrabungen in der Stadt und den vorangegangenen Untersuchungen beschränken sich die Belege für Kaiser Marcus Aurelius lediglich auf Münzen. A. Filges stellt dazu fest: „erst unter Antoninus Pius scheint der Bedarf an Münzgeld größer geworden zu sein, und unter Marcus Aurelius ist der größte Ausstoß an Münzen des 2. Jhs. n. Chr. zu konstatieren“ 5 . Z. 10: Die Stadt wurde unter den Seleukiden als Kleruchensiedlung für makedonische Soldaten genutzt. Ihr Name erscheint seit der hellenistischen Zeit als „Bλαυνδέων Mακεδόνων“ 6 . Auch die Bezeichnung ἡ Bλανδέων πόλις wurde neu dokumentiert; siehe unten Nr. 3 und 4. 5 Filges 2006, 285. Für die Münzen s. Filges 2006, 298 Nr. 52-62. 6 Allgemein zum Namen der Stadt Blaundos s. auch Filges 2006, 17-19, 26-29; 333-34, Nr. 22; Can 2017, 74; Kileci & Can 2020, 298. Zu den Variationen des Namens der Stadt in der Frühzeit sowie in der Spätantike s. in diesem Beitrag Nr. 4 Kommentar Z. 7, und Anm. 9 und 10.
Neue Inschriften aus Blaundos 249 Seite B: Die Inschrift auf dieser Seite wurde nicht eingemeißelt, sondern eingeritzt. B. Ἀγαθῇ τύχῃ Oὐαλέριον Kωνσταντεῖνον Λικίνιον 5 ἐπιφανέστατον Kαίσαρα. Dem guten Glück! (N.N. ehrte) Valerius Constantinus Licinius, den erlauchtesten Caesar. Z. 2-6: Bei Valerius Constantinus Licinius handelt es sich wahrscheinlich um Licinius Iunior, der vom 1. März 317 bis 324 n. Chr. Caesar war. 7 Dies ist der erste Beleg aus Blaundos für Licinius II. Seite C: C. 1 Ἀγαθῇ vacat τύχῃ vacat ⟦ΓAΛ . O . . . . ⟧ vacat ⟦BΛ – – – – – – N⟧ vv. ⟦– – – – – – – – AΣ⟧ v. 5 ⟦TO – – ca. 9 – – A⟧ vv. Abb. 7. Inschrift im Detail, rechte Seite (C) Dem guten Glück! … Z. 2-5: Dieser Teil der Inschrift ist getilgt und steht im Vergleich zur Vorderseite (A) und der anderen Seite (B) in umgekehrter Richtung. Da die Vorderseite glatter und ebenmäßiger erscheint, während die rechte Seite feiner, jedoch insgesamt gröber gearbeitet ist, handelt es sich bei diesem Abschnitt vermutlich um eine sekundäre Nutzung. Durch die Tilgung aus unbekannten Gründen verlor dieser Inschriftenteil jedoch seine Funktion. Bei der dritten Zeile könnte es sich um die Formulierung „Bλαυνδέων“ handeln. Nr. 2. Fragmentarische Basis aus Marmor mit Inschriften in sechs Teilen (Abb. 8-9). Fragment A umfasst drei Teile, B und C jeweils zwei. Die linke Seite des Fragments A sowie 7 RE XIII,1 231 Nr. 31b; DNP 7, 175; Kienast et al. 2017, 284. Abb. 6. Inschrift im Detail, linke Seite (B)
Şenkal KİLECİ 250 die rechte Seite des Fragments C wurden glatt geschnitten. Die Buchstaben in der ersten Zeile sind deutlich größer und breiter als in den übrigen, wo sie teils eng, teils breit geschrieben sind. Fundort: Demeter-/Ceresheiligtum, im Raster 860-450 (Abb. 1 Nr. 10). Maße: a) H.: 0,41 m, W.: 0,15 m, B.: 0,05 m. Bh.: 0,04-0,05 m; b) H.: 0,18 m, W.: 0,27, B.: 0,085 m; c) H.: 0,28 m, W.: 0,16 m, B.: 0,14 m. Datierung: 25. Juli 306 – 22. Mai 337 n. Chr. (Konstantin I.) Abb. 8. Die Fragmente der Inschrift Abb. 9. Die Zeichnung der Inschrift (gez. vom Autor) Ἀγαθῇ τύχῃ 2 Φλά(υιον)[Oὐ]αλήρ[ι]ον Kω[νσταντ]εῖνον 4 ἀήτ[τητον σ]εβ{β}(αστόν) vacat Dem guten Glück! ( N.N. ehrte) Flavius Valerius Constantinus, den unbesiegten Kaiser. Z. 4: Σεβαστός wurde in der Form σ]εββ abgekürzt. Während man bei dieser Abkürzung eigentlich die Auflösung σ]εββ(αστῶν) erwarten würde, scheint hier jedoch die Ehrung eines einzelnen Kaisers vorzuliegen. Zwar könnte man diese Passage als „den Unbesiegten unter den Kaisern“ ἀήτ[τητον σ]εββ(αστῶν) auffassen, doch lässt sich dafür keine Parallele finden. Stattdessen ist unter Verweis auf das Beispiel ἀήττητον Σεβ(αστόν) für denselben Kaiser aus Philadelphia davon auszugehen, dass der Steinmetz hier einen Buchstaben überflüssig eingemeißelt hat. Dies ist der erste Beleg aus Blaundos für Konstantin den Großen. Für den Kaiser s. Kienast
Neue Inschriften aus Blaundos 251 et al. 2017, 286ff. Nr. 3. Podiumsblock aus Marmor (Abb. 10-12). Die Inschrift ist im oberen Teil des Blocks angebracht. In der dritten Zeile wurde die Inschrift nach dem achten Buchstaben ausgemeißelt und an derselben Stelle erneut eingemeißelt. Auf der Oberfläche befindet sich ein tiefer, langer und geschwungener Riss. Beim Anbringen der Inschrift ist aus den Positionen der Buchstaben ersichtlich, dass dieser Riss bereits vor der Bearbeitung vorhanden war. Der Block wurde in der Spätzeit in den Werkstattmauern innerhalb des Heiligtums wiederverwendet (Abb. 10-11). Fundort: Demeter-/Ceresheiligtum, in der spätantiken Ladenmauer über dem Ostportikus, im Raster 880-450 (Abb. 1 Nr. 10). Maße: H.: 0,77 m, W.: 0,52 m, B.: 0,48 m. Bh.: 0,02-0,04 m. Datierung: 9. September 337 – Anfang April 340 (wegen des Herrschernamens 8 ). Abb. 10. Der Podiumsblock Abb. 11. Vorderseite des Podiumsblocks mit der Inschrift 8 S. Kienast et al . 2017, 226.
Şenkal KİLECİ 252 Ἀγαθῇ τύχῃ τὸν ˹γ˺ῆς καὶ θαλάσσης δεσποτὴν vv. Φλ. v. Kλ. Kωνστάντιον ἀνεικη5 τὸν ˹εὐσεβῆ˺ εὐτυχῆ σεβ(αστὸν) ἡ Bλανδέ vv. ων πόλις. Dem guten Glück! Die Stadt der Blaundener (ehrte) den Herrn von Land und Meer, den unbesiegten Fl(avius) Cl(audius) Constantinus Pius Felix Augustus. Z. 2: Das Wort „ΓHC“ ist auf dem Stein als „IHC“ eingemeißelt. Die obere Linie des Buchstabens Γ ist dabei offenbar vergessen worden. Z. 3-4: Diese Zeilen scheinen gelöscht worden zu sein und wurden anschließend erneut verwendet, um den Namen des Fl. Cl. Constantinus einzugravieren. Dies ist der erste Beleg aus Blaundos für Konstantin II. Z. 5: Das Adjektiv εὐσεβῆ ist als „CYCEKN” eingemeißelt. Z. 7: Die Namensform Blados für die Stadt Blaundos ist epigraphisch bislang nicht belegt. Während der Name der Stadt und dessen Variationen in früheren Perioden bekannt sind 9 , treten in Bezug auf die Spätantike in den Konzilsakten und Bischofslisten die Versionen Blandos (gen. Bλάνδου), Balandos (Bαλάνδου) und Blados (gen. Bλαδέων) auf 10 . Außer dieser Inschrift s. für die Variation Bλαυνδέων in der byzantinischen Periode unten Nr. 4. Nr. 4. Marmorbasis mit zwei Inschriften, die ursprünglich als Grabstein diente und in späterer Zeit als Statuenbasis wiederverwendet wurde (Abb. 13-15). Auf der einen Seite (A) befindet sich eine sechszeilige lateinische Grabinschrift, von der zwei Zeilen gelöscht wurden. Auf der anderen Seite (B) befindet sich eine siebenzeilige griechische Ehreninschrift. Die Basis wurde im oberen und unteren Teil auf allen Seiten profiliert und ist mit Akroteren verziert. Unter dem Sockel gibt es eine Vertiefung mit einem Durchmesser von 4 cm und einer Tiefe von 3 cm. 9 Für die antiken Quellen s. Bλαῦδα: Diod. Sic. 13. 104. 6 vgl. Filges 2006, 17; Bλαῦδος: Strab. 12. 5. 2; Steph. Byz. Eth., s.v. ; Bλέανδρος: Ptol. Geog. 5. 2. 25. Zur epigraphischen Literatur: Mλαυνδέων: SEG 39, 1142; Bλαυνδέων Mακεδόνων: Filges 2006, 333-334; zu diesem Namen s. auch Nr. 1 in diesem Beitrag. S. auch Anm. 6. Zum orthographischen Wechsel zwischen Bλαund Mλαs. Arkwright 1918, 56 Nr. 80; le Rider 1990, 697-698. 10 Ramsay 1890, 134. Filges 2006, 26. Abb. 12. Detailfoto der Inschrift
Neue Inschriften aus Blaundos 259 Nr. 10. Ein Grabsteinfragment aus Marmor in runder Form ist mit einer zweizeiligen Inschrift überliefert, deren zweite Zeile lediglich Reste von Buchstaben erkennen lässt (Abb. 26). Fundort: In der nordöstlichen Nekropole 22 (Abb. 1 Nr. 3). Maße: H.: 0,10 m, Dm.: 0,37 m, Bh.: 0,025 m. Datierung: Hellenistisch, aufgrund des Omegas (?). 00 [ – – – – – – – – ] vac . ? HPΩI vac . 2 [ – – ]MAΣ[ – – ] [ – – – – – – – – ] Die erste Zeile könnte entweder als ἥρωι (dem Heroe) oder als Dativendung eines Personennamens verstanden werden. Nr. 11. Ein Fragment einer Basis aus Marmor (Abb. 27). Fundort: In der Zisterne vor dem Ceresheiligtum, im Raster 860-460, Locus 3 (Abb. 1 Nr. 10). Datierung: Kaiserzeit. [ – ]MHNOΓ[ – ] Es handelt sich wahrscheinlich um einen Personennamen wie beispielsweise Menogenes (Mηνογένης), Menogenis (Mηνογενίς), Menogeneia (Mηνογένεια), Menogenianos (Mηνογενιανός) oder Menogas (Mηνογᾶς). Keiner dieser Namen ist bisher in Blaundos belegt. Nr. 12. Tontafel (Abb. 28). An allen vier Seiten gebrochen und unvollständig. Die Rückseite ist geglättet. Spuren einer mindestens dreizeiligen Inschrift sind erkennbar. Das aus zwei Fragmenten bestehende Stück wurde durch Restaurierung zusammengefügt. Fundort: In der Hauptstraße, im Raster 870-440 (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H.: 0,10 m, W.: 0,066 m, B.: 0,023, Bh.: 0,018-0,025 m. Datierung: Kaiserzeit. 22 Für die Nekropolen und neuen Studien dafür s. Filges 2006, 222-261; Can 2025, 55-174; Can & Can 2025. Abb. 26
Şenkal KİLECİ 260 [– – – – – – – – – – – –] 2 [– – – –]EYTΥ[– – – –] [– – – –]μετὰ τῶ[ν – – ] 4 [– – – – – – – – – – – –] Nr. 13. An allen vier Seiten gebrochenes Fragment aus Marmor, mit einer dreizeiligen Inschrift (Abb. 29). Fundort: Vor dem Cerestempel, im Raster 860-460/870-460 (Abb. 1 Nr. 10). Maße: H.: 0,12, W.: 0,16 m, B.: 0,20 m, Bh.: 0,03 m. Datierung: Kaiserzeit. 00 [ – – – – – – – – ] [ – –] ΩΛΩ [ – –] [ – ἐπ]οίησ[εν – ] 3 [ – ] OY [ – ] [ – – – – – – – – ] Nn. hat (dies) gemacht. Nr. 14. Ein Fragment eines Marmorblocks (Abb. 30). Unter der Inschrift ist eine Profillinie vorhanden. Während die Oberseite glatt bearbeitet ist, wurden die übrigen Flächen, d.h. die rechte und linke Seite sowie die Unterseite, roh belassen. In der Mitte der aus einem Wort bestehenden Inschrift befindet sich ein quadratisches Kästchen mit einem Kreuz. Fundort: In einer Struktur im südöstlichen Teil der Hauptstraße (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H.: 0,36 m, W.: 0,84 m, B.: 0,31 m, Bh: 0,03-0,035 m. Datierung: Kaiserzeit. 00 [ – – – – – – – – – – ] Eὐμε v. v. × v. λίου … des Eumelios … Für den Namen Eumelios s. LGPN 5a, s.v. Abb. 27 Abb. 28 Abb. 29
Neue Inschriften aus Blaundos 261 Nr. 15. Ein Marmorblock, der als Parapet benutzt wurde. Die untere Seite ist profiliert, die Rückseite und die anderen Seiten sind grob bearbeitet. Der Block trägt eine zweizeilige Inschrift, von der nur die erste Zeile erkennbar ist (Abb. 31-32). Fundort: Hauptstraße (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H.: 0,95 m, W.: 1,525 m, B.: 0,24 m, Bh.: 0,03 m. Datierung: Kaiserzeit. Abb. 30 Abb. 31 00 [ – – – – – – – – – ] vacat YIO [– – –] 2 vacat Y[– – –] L. 1: Wahrscheinlich υἱός oder eine andere Kasusform dieses Wortes. Nr. 16. Ein Travertinblock, auf dem nur zwei Buchstaben eingraviert sind (Abb. 33). Fundort: Demeter-/Ceresheiligtum, im Raster 860-450 (Abb. 1 Nr. 10). Maße: H.: 0,18 m, W.: 0,68 m, B.: 0,47 m, Bh.: 0,11 m. Datierung: Kaiserzeit. [ – – – ] ME [ – – – ] Nr. 17. Ein Fragment aus Marmor, das eine neunzeilige Inschrift trägt (Abb. 34). Fundort: Hauptstraße (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H.: 0,325 m, W.: 0,10 m, B.: 0,07 m, Bh.: 0,02 m. Datierung: Kaiserzeit. Abb. 32
Şenkal KİLECİ 262 [– – – – – – – – – –] [– – – –]MöE[– – – ] 3 [– – – – –]Y[– – – ] [– – –]AΛΛ[ – – – ] [– – –]ONöTA[ – –] 6 [– – –]TAΣΗ[ – – ] [– – –]EΣΩ[– – – ] [– – – ]ΣΘA[– – –] 9 [– – – –]EK[– – – ] [– – – – –]Ο[– – – ] [– – – – – – – – – –] Abb. 33 Steinmetzzeichen Nr. 18. Die Zeichen wurden auf zwei verschiedenen architektonischen Elementen festgestellt (Abb. 35-38). Das erste dieser Elemente ist ein ionisches Kapitell aus Marmor. Von seinen Voluten ist die linke erhalten, während die rechte fehlt. Das andere Stück ist eine vollständig erhaltene viereckige Säulenbasis. Diese wurde im südwestlichen Teil der Apsis(?) in der spätantiken Badeanlage, im rechteckigen Raum am Südende des Komplexes, wiederverwendet. Fundort: a) Hauptstraße, im Raster 880-440. b) Badeanlage (Abb. 1 Nr. 11 und 8). Maße: a) H.: 0,22 m, W.: 0,58 m, B.: 0,40 m, Bh.: 0,04-0,05 m. b) H.: 0,31 m, W.: 0,56 m, B.: 0,57 m, Bh.: 0,035-0,04 m. Datierung: Kaiserzeit. Beide architektonischen Elemente tragen AC als Inschrift (Abb. 36 und 38). Auf dem Kapitell befindet sich die Inschrift auf dem oberen Teil, während das andere Element sie auf dem unteren Profil der Basis trägt. Diese Buchstaben wurden früher auf einer viereckigen Säulenbasis in alt Sülümenli belegt und als Montageinschrift gedeutet. Da es im Katalog kein Foto gibt, kann man nur sagen, dass sie einander ähnlich sind. Der Katalog gibt die Inschrift als AΣ wieder, während hier AC erscheint 23 . 23 Filges 2006, 345 Nr. 42.
Neue Inschriften aus Blaundos 263 Abb. 34. Das Kapitell (a) Abb. 35. Die Inschrift, oberhalb des Kapitells (a) Abb. 36. Die Säulenbasis (b) Abb. 37. Die Inschrift auf dem Profil (b) Lateinische Fragmente Nr. 19. Ein Marmorfragment aus sechs Teilen, die jeweils paarweise von dem Restaurierungsteam zusammengefügt wurden (Abb. 39-42). Auf dem profilierten Teil ist die erste Zeile auf Griechisch eingemeißelt. Das Profil wurde wie ein Rahmen gestaltet. Im Rahmen ist eine lateinische Inschrift mit mindestens sechs Zeilen zu erkennen. Spuren roter Farbe sind in den Buchstaben erhalten. Fundort: Hauptstraße, im Raster 880-440 (Abb. 1 Nr. 11). Maße: a) H. 0,345 m, W.: 0,342 m, B.: 0,076 m; b) H. 0,17 m, W.: 0,22 m, B.: 0,061 m; c) H. 0,19 m, W.: 0,22 m, B.: 0,061 m, Bh.: 0,02-0,025 m. Datierung: Nach dem 4. Februar 211 wegen des Cognomens Severus 24 . 24 S. Kienast et al. 2017, 156.
Şenkal KİLECİ 264 Abb. 38 Abb. 39. Teile A Abb. 40. Teile B Abb. 41. Teile C Ἀγαθῇ vacat Tύχ[ῃ·] Imp(erator) Caesar M[(arcus) Au]reliu[s S]eve[r]us An[t]o[ninus] P[ius Feli]x Aug(ustus) Fulvio Faus[tino – – – – – – – – – – – ] corrigenda[– – – – – – – – – – – – – – ] 5 DEVERIDER [ – – – – – – – – – – – –] tutum [ – – – – – – – – – – – – – – – –] OV[– – – – – – – – – – – – – – – – – –] [– – – – – – – – – – – – – – – – – – – –] Kaiser Caesar Marcus Aurelius Severus Antoninus Pius Felix Augustus … zum? Fulvius Faust[inus …]. Die Inschrift dürfte Fragmente eines Schreibens oder einer Entscheidung des Kaisers Caracalla an einen Mann namens Fulvius Faustinus enthalten. Fulvius Faustinus ist bereits von einem in Cirta von seiner Familie errichteten Statuenpostament bekannt, auf dem er als
Neue Inschriften aus Blaundos 265 vir praetorius bezeichnet wird 25 . Die von E. Groag geäußerte Annahme, dass er zu Beginn des 3. Jh. n. Chr. lebte, stimmt mit dem hier vorliegenden Text überein 26 . Aus dem Wort corrigenda in der dritten Zeile lässt sich schließen, dass eine Entscheidung über bestimmte administrative Regelungen getroffen worden sein könnte. In der fünften Zeile lässt sich entweder constitutum oder restitutum ergänzen. Nr. 20. Ein fragmentarischer Marmorblock mit lateinischer Inschrift. Der Block ist an allen Seiten gebrochen (Abb. 43). Fundort: Hauptstraße (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H. 0,235 m, W.: 0,375 m, B.: 0,12 m, Bh.: 0,06 m. Datierung: Kaiserzeit. [ – – – – – – – – – – – – – ] [ – – – – – – – ] COR[ – – ] 3 [ – – ]S f(ilius) Quir[ina – – ] Z. 3: Die Römer, die in Blaundos lebten, gehörten verschiedenen Tribus an. Neben Quirina sind auch Menenia, Cornelia, Claudia und Collina belegt 27 . Nr. 21. Ein fragmentarischer Marmorblock mit einzeiliger lateinischer Inschrift. Die Oberseite ist profiliert, und der Block an allen Seiten gebrochen (Abb. 44). Fundort: Hauptstraße (Abb. 1 Nr. 11). Maße: H. 0,23 m, W.: 0,32 m, B.: 0,165 m, Bh.: 0,06 m. Datierung: Kaiserzeit. [ – – ] M ›‹ SAN[ – – ] Es könnte sich um eine Abkürzung für M(arcus) oder M(arcia) handeln, bei Sanhingegen könnte ein Gentilicium vorliegen. Zu Gentilizien auf Sans. Solin & Salomies 1994, 162. 25 Für die Inschriften s. CIL VIII 7054-7056. S. auch RE VII,1 238 Nr. 49; PIR III F 538. 26 S. Anm. 25. 27 Filges 2006, 22. Siehe auch den Katalog: Filges 2006, 323 Nr. 3 (Cornelia und Quirina), 330 Nr. 16 (Claudia), 331 Nr. 2 (Collina), 336 Nr. 28 (Menenia). Abb. 42 Abb. 43
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