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Rasche, aber unvollständige Erholung nach historischem Einbruch: Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021

Dullien, Sebastian,Herzog-Stein, Alexander,Hohlfeld, Peter,Rietzler, Katja,Stephan, Sabine,Theobald, Thomas,Tober, Silke,Watzka, Sebastian

Abstract

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Full text

Dullien, Sebastian et al. Research Report Rasche, aber unvollständige Erholung nach historischem Einbruch: Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021 IMK Report, No. 161 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Dullien, Sebastian et al. (2020) : Rasche, aber unvollständige Erholung nach historischem Einbruch: Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021, IMK Report, No. 161, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/237597 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Im Jahresdurchschnitt 2020 wird das BIP um 5,2 % sinken; 2021 steigt es um 4,9 %. – Die Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigung sind relativ gering. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt aufgrund der Kurzarbeit nur leicht, während die Zahl der Erwerbstätigen infolge des Rückgangs bei den Selbstständigen und den Mini-Jobbern stärker abnimmt. In beiden Jahren wird die Arbeitslosenquote 5,9 % betragen (2019: 5,0 %). Die Inflationsrate bleibt mit 0,5 % und 1,3 % deutlich unter der Zielinflationsrate der EZB. – Die Weltwirtschaft ist aufgrund der Covid19-Pandemie in eine tiefe Rezession gestürzt. Im ersten Halbjahr 2020 ist der Welthandel drama tisch eingebrochen. Die globale Wirtschaftsaktivität wird in diesem Jahr um 3,9 % stark schrumpfen. Im Prognosezeitraum dürfte die weltwirtschaftliche Produktion mit Unterstützung der Geldund Fiskalpolitik wieder spürbar, um 6,1 %, ausgeweitet werden. – Die deutsche Wirtschaft erlitt im zweiten Quartal 2020 den stärksten Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion seit dem zweiten Weltkrieg; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 9,7 %. Die schnelle Reaktion der wirtschaftspolitischen Akteure mit zahlreichen Stützungsmaßnahmen verhinderte einen noch viel stärkeren Rückgang. Im Prognosezeitraum wird das BIPWachstum nach einer anfänglich hohen Dynamik im nächsten Jahr eine verhaltene Gangart RASCHE, ABER UNVOLLSTÄNDIGE ERHOLUNG NACH HISTORISCHEM EINBRUCH Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021 Sebastian Dullien, Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Thomas Theobald, Silke Tober, Sebastian Watzka 161, September 2020 -7,6 4,9 -5,2 2020 2021 2020 2021 2020 2021 5,0 -4,2 3,1 Deutschland Euroraum USA BIP-Wachstum in % INHALT Aufwärtsentwicklung getragen von anziehenden Exporten und stabilisierender Wirtschaftspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Verhaltene Gangart nach anfänglichem V-Verlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Geldund Fiskalpolitik ziehen an einem Strang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Investitionsschwäche prägt das Konjunkturbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Weltwirtschaft: Uneinheitliche Erholung folgt auf tiefen Einbruch . . . . . . . . . . . . 5 USA: Erholung des Arbeitsmarkts braucht Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 China: Nach rascher Erholung verhaltener Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Japan: Neue Regierung startet unter schwierigen Bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . 7 Euroraum: Moderate Erholung nach historischem Wirtschaftseinbruch . . . . . . . 8 Frankreich, Italien und Spanien schwer von Pandemie getroffen . . . . . . . . . . . . . . . 8 Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Außenhandel: Wenig Dynamik nach kräftigem Auftakt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Zögerliche Erholung der Investitionen in Ausrüstungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Infobox 1 : Beitrag der einzelnen Branchen zum Wirtschaftseinbruch . . . . . . . . . . 13 Baukonjunktur auf verhaltenem Expansionskurs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14 Privater Konsum vorübergehend von starken Nachholeffekten geprägt . . . . . . . . . .14 Fiskalpolitik: Schuldenanstieg bleibt moderat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .15 Arbeitsmarktentwicklung stark von Corona-Krise geprägt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16 Datenanhang.........................................................19 AUTOREN PD Dr. Sebastian Watzka Referatsleiter Europäische Konjunkturanalyse [email protected] Prof. Alexander Herzog-Stein, PhD Referatsleiter Arbeitsmarktökonomik [email protected] Prof. Dr. Sebastian Dullien Wissenschaftlicher Direktor [email protected] Peter Hohlfeld Referatsleiter Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung [email protected] Dr. Katja Rietzler Referatsleiterin Steuerund Finanzpolitik [email protected] Dr. Sabine Stephan Referatsleiterin Ökonometrie [email protected] Dr. Thomas Theobald Referatsleiter Finanzmärkte und Konjunktur [email protected] Dr. Silke Tober Referatsleiterin Geldpolitik [email protected] IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 3 AUFWÄRTSENTWICKLUNG GETRAGEN VON ANZIEHENDEN EXPORTEN UND STABILISIERENDER WIRTSCHAFTSPOLITIK Verhaltene Gangart nach anfänglichem V-Verlauf Auf den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 2 % im ersten Quartal 2020 folgte im zweiten Quartal ein Einbruch um 9,7 %, der nahezu alle Wirtschaftsbereiche erfasste. Die um 20,3 % geringeren Exporte und die um 19,6 % niedrigeren Ausrüstungsinvestitionen trafen das Verarbeitende Gewerbe besonders hart – die Produktion schrumpfte um 20,8 %. Die Bruttowertschöpfung der Unternehmensdienstleister brach um 16,9 % ein und der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe verzeichnete einen Rückgang um 12,9 %. Dabei war das Gastgewerbe besonders stark von den Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie betroffen. Hier brach der Umsatz im März und April um 44 % bzw. 55 % ein und lag trotz einer steilen Erholung in den Folgemonaten im Juni 2020 noch um 42 % unter dem Niveau von Februar. Das dritte Quartal ist durch hohe Steigerungsraten bei allen Aggregaten gekennzeichnet. So lagen die Exporte, die sich seit Mai erholen, zwar im Juli saisonund kalenderbereinigt noch um 12,1 % unter dem Niveau von Februar 2020, dürften aber bei deutlich anziehender Wirtschaftsaktivität in den übrigen EU-Ländern und in den Vereinigten Staaten im dritten Quartal insgesamt einen merklichen Sprung nach oben machen (13,0 %). Auch der private Konsum wird deutlich ausgeweitet und selbst die Ausrüstungsinvestitionen nehmen von niedrigem Niveau aus spürbar zu (7 %). Im Jahr 2021 wird die Dynamik dann wieder deutlich nachlassen. Grund dafür sind ein dann nachlassendes Wachstum von Exporten und privatem Konsum sowie insbesondere die Schwäche der Ausrüstungsinvestitionen, die der Prognose zufolge im vierten Quartal 2021 das Niveau von Ende 2019 noch um reichlich 10 % unterschreiten werden. Obwohl die deutsche Wirtschaft den Tiefpunkt der Krise bereits im Mai 2020 durchschritten haben dürfte, wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erst im vierten Quartal 2021 das Niveau von Ende 2019 erreichen. Allerdings wird auch dann das Niveau des deutschen BIP noch gut 3 % unter jenem Niveau liegen, das bei einem krisenfreien Konjunkturverlauf zu erwarten gewesen wäre. Geldund Fiskalpolitik ziehen an einem Strang Auf den historischen Produktionseinbruch haben die Zentralbanken und die Regierungen weltweit zügig mit Liquiditätshilfen und Nachfragestimuli reagiert und so die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Abwärtsbewegung durch Angstsparen und Investitionszurückhaltung gebannt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mittlerweile unter anderem ihr bereits im März neu aufgelegtes PandemieNotfall-Kaufprogramm PEPP auf 1350 Mrd. Euro erhöht und damit verhindert, dass es zu einem verstärkten Auseinanderklaffen der Risikoprämien auf Staatsanleihen kommt. Bund und Länder haben ebenfalls sehr zeitnah Unterstützungsprogramme in Form von Bürgschaften, Krediten und Beteiligungen mit einem Rahmen von über 1000 Mrd. Euro aufgelegt, das Instrument der Kurzarbeit attraktiver gestaltet und Anfang Juni ein Konjunkturund Zukunftsprogramm in Höhe von insgesamt 169 Mrd. Euro auf den Weg gebracht, das zumindest ansatzweise versucht, durch die konjunkturstützenden Maßnahmen auch den erforderlichen Strukturwandel in Richtung Klimaneutralität voranzubringen. Auch auf EU-Ebene wurden zahlreiche Hilfspakete verabschiedet, unter denen besonders der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene und vom Europäischen Rat angenommene Aufbauplan mit einem Volumen von 750 Mrd. Euro und einer gemeinsamen Kreditaufnahme der EU-Länder heraussticht, da er wichtige und neue fiskalische Elemente für eine Stabilisierung aller EU-Länder und den anstehenden Transformationsprozess beinhaltet (Europäische Kommission 2020). Für den Prognosezeitraum ist davon auszugehen, dass die Geldpolitik unverändert stark expansiv wirkt, was sehr günstige Finanzierungsbedingungen auch für den deutschen Staat zur Folge hat. Tabelle 1 Rahmendaten der Prognose Jahresdurchschnittswerte 1 Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Österreich, Finnland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und Griechenland; BIP-gewichtet. 2 Sinkende Werte des Indikators bedeuten eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Quellen: Deutsche Bundesbank; Europäische Zentralbank; EIA; Federal Reserve; Statistisches Bundesamt; ab 2020 Prognose des IMK. Tab 3 Rahmendaten 2019 2020 2021 Dreimonats-Euribor (%) -0,4 -0,4 -0,4 Rendite zehnjähriger Staatsanleihen (Euroraum) (%) 10,4 0,2 0,2 Rendite zehnjähriger Staatsanleihen (USA) (%) 2,1 0,9 1,1 Wechselkurs (USD/EUR) 1,12 1,14 1,18 Realer effektiver Wechselkurs des Euro (gegenüber 42 Ländern) 292,4 94,1 96,2 Indikator der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands (gegenüber 60 Ländern)289,5 90,4 91,5 Tarifindex (Destatis, je Stunde) (% gg. Vorjahr) 3,2 2,1 2,1 Ölpreis (Brent, USD) 64 43 47 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 4 Anstatt Zinsen zahlen zu müssen, erhält er aktuell für einen zehnjährigen Wertpapierkredit Zinsen in Höhe von 0,5 %. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte bleiben günstig, obwohl die Banken die Kreditstandards im ersten Halbjahr deutlich angezogen haben. Demgegenüber dämpft die Aufwertung des Euro die Wirtschaftsentwicklung, da sie Exporte verteuert und zugleich Importe verbilligt (Tabelle 1). Die Aufwertung gegenüber dem US-Dollar ist dabei teilweise darauf zurückzuführen, dass die US-amerikanische Federal Reserve ihren Expansionsgrad durch die Ankündigung ihrer geänderten geldpolitischen Strategie erhöht hat: Als Reaktion auf die Krise und hohe Unsicherheiten bei der Messung der gleichgewichtigen (inflationsstabilen) Arbeitslosenquote (Tober 2020) hat die Zentralbank erklärt, sie würde ein Überschießen ihres Inflationsziels vorübergehend hinnehmen und zugleich zwar auf eine steigende Arbeitslosenquote, nicht aber auf eine sinkende geldpolitisch reagieren (Powell 2020). Investitionsschwäche prägt das Konjunkturbild Gestützt durch fiskalpolitische Maßnahmen dürfte der private Konsum in der zweiten Jahreshälfte deutlich ausgeweitet werden: Nicht nur wird der aufgestaute Konsum teilweise nachgeholt, sondern die temporäre Mehrwertsteuersenkung erzeugt Vorzieheffekte und die verfügbaren Einkommen steigen im Zuge des Rückgangs der Kurzarbeit und der mit der Bezugsdauer steigenden Höhe des Kurzarbeitergeldes. Dämpfend wirken allerdings die Einkommensverluste und die im Vergleich zu 2019 noch erhöhte Sparquote. Im ersten Quartal 2021 dämpft dann der Vorzieheffekt aus der zweiten Jahreshälfte 2020, der nur zum Teil durch die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags, das zweite Familienentlastungsgesetz 1 und die Einführung einer Grundrente abgefedert wird. Insgesamt nimmt der private Konsum 2021 um 5,0 % zu, nach einem Rückgang um 5,4 % 2020. Auch die Exporte erholen sich relativ zügig. Nach einem Einbruch um 11,1 % in diesem Jahr nehmen sie im kommenden Jahr um 9,9 % zu. Die Bauinvestitionen bleiben robust und trotz verschärfter Kreditstandards deutet sich keine Verlangsamung bei den Wohnungsbaukrediten an, die zuletzt mit einer Rate von 7,9 % (private Haushalte, Juli) ausgeweitet wurden. Demgegenüber bleiben die Ausrüstungsinvestitionen schwach: Nach einem Rückgang um 18,5 % 2020 nehmen sie 2021 lediglich um 6,6 % zu (Tabelle 2). Das Risiko einer zweiten massiven Infektions1 Anhebung von Kindergeld und Kinderfreibetrag im Jahr 2021 sowie Anhebung des Grundfreibetrags und Verschiebung der Tarifeckwerte bei der Einkommensteuer in den Jahren 2021 und 2022. Tabelle 2 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland Veränderung gegenüber dem Vorjahr in % 1 Preisbereinigt. 2 Private Haushalte inklusive privater Organisationen ohne Erwerbszweck. 3 Unternehmensund Vermögenseinkommen. 4 In der Abgrenzung der International Labour Organization (ILO). 5 In % der inländischen Erwerbspersonen. 6 In der Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit. 7 In % aller zivilen Erwerbspersonen. Quellen: Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IMK, ab 2020 Prognose des IMK. 2018 2019 2020 2021 Verwendung 1 Private Konsumausgaben 21,5 1,6 -5,4 5,0 Staatskonsum 1,2 2,7 3,1 2,6 Ausrüstungsinvestitionen 4,4 0,5 -18,5 6,6 Bauinvestitionen 2,6 3,8 3,7 2,2 Sonstige Anlageinvestitionen 4,5 2,7 -2,1 3,2 Exporte 2,3 1,0 -11,1 9,9 Importe 3,6 2,6 -8,2 7,9 Bruttoinlandsprodukt 1,3 0,6 -5,2 4,9 Preise Bruttoinlandsprodukt 1,7 2,2 2,0 1,5 Konsumausgaben21,5 1,3 0,5 1,0 Importe 1,9 -0,1 -2,8 0,3 Nachrichtlich: Verbraucherpreise (VPI) 1,8 1,4 0,5 1,3 Einkommensverteilung Arbeitnehmerentgelte 4,5 4,2 -1,8 4,6 Gewinne 3-0,5 -2,7 -13,1 8,5 Volkseinkommen 3,0 2,2 -5,1 5,7 Nachrichtlich: Tariflöhne (Stundenbasis) 2,9 3,2 2,1 2,1 Effektivverdienste (Stundenbasis) 3,1 3,1 4,1 1,0 Lohndrift 0,2 0,0 2,0 -1,1 Bruttolöhne und -gehälter 4,8 4,1 -2,6 4,9 Bruttolöhne und -gehälter je Beschäftigten 3,2 2,9 -2,0 4,5 Entstehung Erwerbstätige 1,4 0,9 -0,8 0,2 Arbeitszeit je Erwerbstätigen -0,2 -0,3 -5,5 3,6 Arbeitsvolumen 1,2 0,6 -6,3 3,8 Produktivität (je Stunde) 0,0 0,0 1,1 1,0 Bruttoinlandsprodukt 11,3 0,6 -5,2 4,9 Nachrichtlich: Erwerbslose 4 , in 1000 1.468 1.374 1.825 1.778 Erwerbslosenquote 5 , in % 3,2 3,0 3,9 3,8 Arbeitslose6, in 1000 2.340 2.267 2.715 2.691 Arbeitslosenquote 7 , in % 5,2 5,0 5,9 5,9 Lohnstückkosten (je Stunde) 2,8 3,2 3,0 -0,4 Budgetsaldo, in % des BIP 1,8 1,5 -4,9 -2,6 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 5 welle in Deutschland und den Haupthandelspartnerländern lähmt die Investitionsbereitschaft dabei ebenso wie die durch die Krise belasteten Unternehmensbilanzen, der nach wie vor ungeklärte Brexit, die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA und Unsicherheiten über die sich ändernden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Zuge des Strukturwandels hin zur Klimaneutralität. Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme, dass Corona-Ausbrüche lokal begrenzt werden können, ist mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 5,2 % in diesem Jahr und einem Anstieg um 4,9 % im kommenden Jahr zu rechnen (Tabellen 2 und 3). Infolge der weitreichenden Stützungsmaßnahmen und insbesondere der des ausgeweiteten Instruments der Kurzarbeit sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt relativ gering. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt trotz des starken Einbruchs nur leicht, während die Zahl der Erwerbstätigen infolge des Rückgangs bei den Selbstständigen und den MiniJobbern in beiden Jahren etwas stärker abnimmt. Die Arbeitslosenquote erreichte bereits im Juni dieses Jahres mit 6,4 % ihren Höhepunkt und wird in beiden Prognosejahren bei durchschnittlich 5,9 % liegen (2019: 5,0 %). Die Inflationsrate bleibt mit 0,5 % und 1,3 % in beiden Jahren deutlich unter der Zielinflationsrate der EZB, obwohl die Rohstoffpreise im Jahr 2021 leicht anziehen, die Mehrwertsteuer wieder erhöht und eine CO2-Bepreisung von 25 Euro pro Tonne im Bereich Verkehr und Gebäude eingeführt wird. Die Prognose unterliegt erheblichen Risiken, die überwiegend nach unten gerichtet sind. So ist das Risiko von Insolvenzen bedeutend. 2 Zudem besteht insbesondere angesichts der wieder rasant zunehmenden Covid-19-Infektionen, der labilen politischen Situation in den USA und dem Brexit die Gefahr einer nennenswert schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung. Die Folge wären eine verhaltene Exporttätigkeit und ein noch stärker ausgeprägter Investitionsattentismus. Beides hätte negative Auswirkungen auf den privaten Konsum sowie den Arbeitsmarkt und würde Risiken für die Finanzmarktstabilität bergen. Aus diesem Grund sollte die Bundesregierung bereits zum jetzigen Zeitpunkt weitere Maßnahmen planen, mit denen sie gegebenenfalls zügig nachfragesteigernd wirken kann. Zur Begrenzung des Klimawandels sind immense private und staatliche Investitionen erforderlich. Je schneller diese begonnen werden, desto stabiler wird die Erholung ausfallen und desto wahrscheinlicher ist es, dass die deutsche Industrie auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Produkti2 Derzeit ist die Insolvenzantragspflicht bis zum Ende des Jahres ausgesetzt. on inno vativer Produkte spielt (Bach et al. 2020). Für die Regierung empfiehlt es sich zudem, ihren Klima zielen durch eine nachhaltige öffentliche Beschaffung Nachdruck zu verleihen, da die dadurch verbesserten Absatzerwartungen Investitionen in nachhaltige Produktionsprozesse und Produkte fördern und die Planungssicherheit erhöhen würde. Insbesondere sind große Anstrengungen notwendig, damit neue zukunftsfähige und gute Arbeitsplätze entstehen, um dem im Zuge des Strukturwandels wahrscheinlichen Wegfall bestehender hochwertiger Arbeitsplätze zu begegnen. Zudem müssen Beschäftigte und Betriebe durch die Förderung von Ausund Weiterbildung bei der Anpassung an die Veränderungen in der Arbeitswelt durch E-Mobilität und Digitalisierung unterstützt werden (Dullien et al. 2020a). Völlig verfehlt wäre es, angesichts der anhaltend hohen Risiken und der über den Prognosehorizont weiter absehbaren gesamtwirtschaftlichen Unterauslastung der Kapazitäten, in eine fiskalpolitische Konsolidierung einzuschwenken bevor ein kräftiger, selbsttragender Aufschwung eingesetzt hat. WELTWIRTSCHAFT: UNEINHEITLICHE ERHOLUNG FOLGT AUF TIEFEN EINBRUCH Im zweiten Quartal 2020 ist die Weltwirtschaft aufgrund der Covid-19-Pandemie und der eingeführten Eindämmungsmaßnahmen deutlich geschrumpft. Vielerorts wurden privater Verbrauch, Handel und Reisen eingeschränkt. Die Unsicherheit über den Tabelle 3 Statistische Komponenten des BIP-Wachstums in % bzw. Prozentpunkten 1 Saisonund arbeitstäglich bereinigter Indexstand im vierten Quartal des Vorjahres in Relation zum arbeitstäglich bereinigten Durchschnitt aller Quartale des Vorjahres. 2 Jahresveränderungsrate im vierten Quartal, arbeitstäglich bereinigt. 3 In % des BIP. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK, ab 2020 Prognose des IMK. 2019 2020 2021 Statistischer Überhang am Ende des Vorjahres10,2 0,0 3,0 Jahresverlaufsrate20,4 -2,8 3,2 Jahresdurchschnittliche Wachstumsrate, arbeitstäglich bereinigt 0,6 -5,6 4,9 Kalendereffekt30,0 0,4 0,0 Jahresdurchschnittliche Wachstumsrate 0,6 -5,2 4,9 in % bzw. Prozentpunkten Statistische Komponenten des BIP-Wachstums 1 Saisonund arbeitstäglich bereinigter Indexstand im vierten Quartal des Vorjahres in Relation zum arbeitstäglich bereinigten Durchschnitt aller Quartale des Vorjahres. 2 Jahresveränderungsrate im vierten Quartal, arbeitstäglich bereinigt. 3 In % des BIP. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK, ab 2020 Prognose des IMK. IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 6 weiteren Verlauf der Pandemie und ihre Auswirkungen belastet die Investitionen. Der Welthandel ist eingebrochen; der Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal liegt bei knapp -19 %, nachdem schon im ersten Quartal eine Abnahme von -3 % zu verzeichnen war (WTO 2020). Besonders ausgeprägt sind die Produktionsausfälle dort, wo Regelungen zum Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens nur zögerlich (Vereinigtes Königreich) oder abrupt eingeführt wurden (Indien). 3 Zudem sind Volkswirtschaften besonders betroffen, die einen hohen Wertschöp3 Indiens schnelle Abriegelung des öffentlichen Lebens hat enorme wirtschaftliche Kosten verursacht. Im April und Mai vermeldete die Arbeitsmarktstatistik über 120 Millionen zusätzliche Arbeitslose. Die überraschende Ankündigung von Maßnahmen – begleitet von der Einstellung des Zugund Busverkehrs im ganzen Land – ließ zwischenzeitlich Millionen von Wanderarbeitern stranden. fungsanteil von personennahen Dienstleistungen im Gastronomie-, Hotelund Reiseverkehrsgewerbe aufweisen (Italien, Spanien). Eine Ausnahme von der globalen Entwicklung bildet China, das schon im ersten Quartal von dem Virusausbruch betroffen war. Hier konnte nach erfolgreicher Eindämmung der Corona-Infektionen schon im zweiten Quartal wieder ein deutlicher Produktionszuwachs erzielt werden. Im Verlauf des Sommers hat sich das Infektionsgeschehen auch in anderen Regionen der Welt verlangsamt. Die vorliegende Prognose geht davon aus, dass, ähnlich wie in China, Anstiege der Neuinfektionen lokal begrenzt bleiben und somit Lockdown-Maßnahmen vom Umfang der ersten Jahreshälfte vermieden werden können. Die globale Wirtschaftstätigkeit wird in diesem Jahr den stärksten Rückgang seit Einführung des international harmonisierten Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahr 1953 erleiden (-3,9 %). Im nächsten Jahr dürfte das WeltBIP dann um 6,1 % zunehmen (Tabelle 4, ►Abbildung A-D ab Seite 19 ff.). Diese Prognose unterliegt aber hohen Abwärtsrisiken; dazu zählen ein Wiederanstieg des Infektionsgeschehens, eine weitere Verschärfung von Handelskonflikten nach der Präsidentschaftswahl in den USA sowie das Scheitern eines Abkommens über die Neuregelung der Handelsbeziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union. USA: Erholung des Arbeitsmarkts braucht Zeit Die gesamtwirtschaftliche Produktion ist in den USA im zweiten Quartal infolge der Covid-19-Pandemie um 9,1 % eingebrochen. Der private Konsum trug gut zwei Drittel des Wachstumsrückgangs bei. Die Konsumverringerung war dabei nicht auf die Entwicklung der verfügbaren Einkommen zurückzuführen, da diese dank großzügiger staatlicher Transfers im Rahmen des „CARES-Act“ ausgeweitet werden konnten. Ursächlich für den Rückgang war vielmehr – ähnlich wie auch in Deutschland – ein starker Anstieg der Sparquote. Diese lag im zweiten Quartal mit 26 % außergewöhnlich hoch. Auch die Investitionen des Privatsektors und ein merklicher Lagerabbau trugen zum gesamtwirtschaftlichen Rückgang bei. Zwar schrumpften auch die Importe deutlich, aber der Rückgang der Exporte war mit über 20 % ausgeprägter. Aufgrund des größeren Gewichts der Importe lieferte der Außenhandel per saldo einen positiven Wachstumsbeitrag. Einhergehend mit dem Einbruch der Wirtschaftsleistung stieg die Arbeitslosenquote von 3,5 % im Januar 2020 auf 14,7 % im April. Nach Lockerung der Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen hat sie sich bis zum August auf 8,4 % verringert, aber die gleichzeitig vermeldeten verhalteneren Zuwächse der Beschäftigung deuten auf einen reduzierten Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung im Tabelle 4 Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts und der Konsumentenpreise wichtiger globaler Handelspartner Veränderung gegenüber Vorjahr in % 1 Anteil an den gesamten deutschen Warenexporten 2019 in %. 2 Harmonisierter Verbraucherpreisindex für EU und Mitgliedsländer, ansonsten Konsumdeflator. 3 Wachstum bezieht sich auf US-Dollar-Größe. Umrechnung mit Kaufkraftparitäten (2011). Quellen: Macrobond, NiGEM, Berechnungen des IMK; ab 2020 Prognose des IMK unter Verwendung von NiGEM. Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts und der Konsumentenpreise wichtiger globaler Handelspartner Veränderung gegenüber Vorjahr in % 2019 2020 2021 2019 2020 2021 Europa EU 58,6 1,5 -7,6 5,5 1,5 0,7 1,3 Euroraum 37,1 1,3 -7,6 5,0 1,2 0,3 1,0 UK 6,0 1,5 -10,3 6,7 1,3 0,7 1,8 Schweiz 4,3 1,0 -6,4 5,4 0,1 0,3 1,3 Russland 2,0 1,3 -4,7 4,2 4,5 3,9 4,3 Türkei 1,5 0,9 -4,9 3,0 15,2 10,6 11,4 Asien China 7,2 6,2 2,2 8,2 2,9 2,9 2,5 Japan 1,6 0,7 -5,2 2,6 0,3 0,1 0,0 Südkorea 1,3 2,1 -0,2 4,4 0,4 0,4 1,1 Indien 0,9 4,9 -4,2 8,1 3,7 3,7 6,4 Amerika USA 9,0 2,2 -4,2 3,1 1,4 0,8 1,3 Kanada 0,9 1,7 -5,4 4,1 1,6 0,7 1,8 Mexiko 1,0 -0,3 -6,8 4,0 3,6 3,0 5,1 Brasilien 0,8 1,1 -8,3 3,9 3,7 3,2 4,8 Summe 88,8 Welthandel Welt BIP3 2,1 -8,0 9,0 2,9 -3,9 6,1 Fussnote 1: Anteil an den gesamten deutschen Warenexporten 2019 in %. Fussnote 2: Harmonisierter Verbraucherpreisindex für EU und Mitgliedsländer, ansonsten Konsumdeflator. Fussnote 3: Wachstum bezieht sich auf US-Dollar-Größe. Umrechnung mit Kaufkraftparitäten (2011). Quellen: Macrobond, NiGEM, Berechnungen des IMK; ab 2020 Prognose des IMK unter Verwendung von NiGEM. Exportanteil1 Bruttoinlandsprodukt Konsumentenpreise 2 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 7 erwerbsfähigen Alter hin. Dies unterstreicht, dass die Beschäftigung in den USA noch weit von ihrem Vorkrisenniveau entfernt ist. Entscheidend für die Schnelligkeit der wirtschaftlichen Erholung in den USA dürfte die Entwicklung des privaten Verbrauchs, dem traditionell stärksten Wachstumstreiber, sein. Zwar wird die Sparquote sich im Verlauf des Prognosezeitraums normalisieren und bei abgeschwächter Virusausbreitung auch die Arbeitslosigkeit weiter graduell zurückgehen. Aber angesichts der Ende Juli weitgehend ausgelaufenen staatlichen Stützungsmaßnahmen kommt zusätzlichen wirtschaftspolitischen Impulsen, die die mit Arbeitslosigkeit verbundenen Einkommenseinbußen der Haushalte ausgleichen, eine konjunkturelle Schlüsselrolle zu. 4 Die bis Mitte September beschlossenen Maßnahmen des Staates bedeuten, dass die Fiskalpolitik im nächsten Jahr nicht mehr expansiv ausgerichtet wäre. Insofern scheint die aktuelle Projektion der Haushaltsbehörde des US-Kongresses unrealistisch, derzufolge das gesamtstaatliche Defizit von gut 16 % des BIP auf knapp 9 % sinken würde. Dagegen hat die US-Notenbank Fed eine längerfristig expansive Ausrichtung der Geldpolitik bekanntgegeben. Zukünftig sollen nach Phasen mit Preissteigerungen unterhalb des Inflationsziels von 2 % – der Preisauftrieb im Juli lag bei 1,3 % – ein vorübergehendes Überschießen der Inflation solange toleriert werden, bis sich der Arbeitsmarkt wieder dem Vollbeschäftigungsniveau nähert. Das US-BIP dürfte 2020 um 4,2 % zurückgehen und 2021 um 3,1 % zunehmen, ohne dabei das Vorkrisen niveau zu erreichen (Tabelle 4, ►Abbildung A auf Seite 19 ). China: Nach rascher Erholung verhaltener Ausblick Die chinesische Wirtschaft hat sich vom Schock der Corona-Pandemie überraschend schnell erholt. Nachdem die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Quartal 2020 um 10 % gesunken war, nahm die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder um 11,5 % zu und übertraf somit leicht das Vorkrisenniveau. Die Dynamik in den einzelnen Wirtschaftssektoren fällt allerdings unterschiedlich aus. Während die konjunkturelle Erholung von der Entwicklung des Produzierenden Gewerbes getragen wird, liegen die Aktivitäten in weiten Teilen des Dienstleistungssektors noch deutlich unter Vorkrisenniveau. Auf Seiten der Verwendungsaggregate trugen die Investitionen aufgrund von staatlichen Impulsen und die Exporte aufgrund 4 Ein Dekret des US-Präsidenten soll zwar die Bundesstaaten zu einer zusätzlichen wöchentlichen Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 300 US-Dollar bis Ende des Jahres ermutigen. Dabei bleibt aber unklar, in welchem Umfang Bundesmittel zur Finanzierung herangezogen werden können. einer pandemiebedingt hohen Auslandsnachfrage nach medizinischer Schutzausrüstung und nach IT-Produkten dynamisch zum Quartalswachstum bei. Von März bis Juli belief sich so beispielsweise der durchschnittliche Wert der deutschen Textilimporte aus China auf das 6-fache des üblichen Monatsdurchschnitts. Trotz der bemerkenswerten gesamtwirtschaftlichen Erholung im zweiten Quartal ist auch die chinesische Wirtschaft noch deutlich von einem Normalzustand entfernt. So lieferte der private Verbrauch auch im zweiten Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag und die Einzelhandelsumsätze in realer Rechnung lagen im August noch unterhalb ihres Vorjahresniveaus. Ursächlich hierfür sind Einkommensausfälle der privaten Haushalte. Arbeitslosenunterstützung beziehen in China fast ausschließlich Stadtbewohner (Hukou-System). 5 Verfügbare städtische Arbeitslosenquoten zeigen zudem eine nur langsame Reduzierung der bis April gestiegenen Arbeitslosigkeit. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich im Prognoseverlauf allmählich aufhellen und der private Verbrauch vorerst nur wenig schwungvoll zunehmen. Hinzu kommt, dass sich das investitions seitige Wachstum aufgrund auslaufender staatlicher Impulse nach und nach verlangsamt (Belabed und Theobald 2020). Alles in allem wird das chinesische BIP im Jahresdurchschnitt 2020 um 2,2 % und 2021 um 8,2 % zunehmen. Japan: Neue Regierung startet unter schwierigen Bedingungen Das japanische Bruttoinlandsprodukt brach im Zuge der Covid-19-Pandemie im zweiten Quartal 2020 um knapp 8 % ein. Mehr als ein Drittel des Wachstumsrückgangs ist auf die durch den schwachen Welthandel belasteten Exporte zurückzuführen, während die Importe nur moderat sanken. Japans konjunkturelle Dynamik war schon in den Vorquartalen durch die Mehrwertsteuererhöhung von 8 % auf 10 %, starke Unwetter und rückläufige Ausrüstungsinvestitionen geschwächt. Diese Gemengelage hat auch zu einer hohen Verunsicherung der Konsumenten beigetragen. Entsprechend ging der private Konsum im zweiten Quartal trotz im internationalen Vergleich geringer Covid-19-Infektionszahlen und nur moderater Eindämmungsmaßnahmen stark zurück. Der zwischenzeitliche Anstieg der Neuinfektionen, wie auch die Ent5 Hukou bezeichnet das System der ständigen Wohnsitzkontrolle in China. Offizielle Wohnsitzänderungen sind nur schwer möglich. Das führt dazu, dass fast 200 Millionen Chinesen als Wanderarbeiter in Städten leben, obwohl sie offiziell nicht als Bürger der Städte gemeldet sind. Diese Zugezogenen haben aufgrund ihres Meldestatus nur einen eingeschränkten Zugang zu den städtischen Sozialleistungen. IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 8 wicklung überwiegend industriebasierter Frühindikatoren lassen nur eine zögerliche Erholung der Wirtschaftsaktivität in diesem Jahr erwarten. Im weiteren Verlauf des Prognosezeitraums zieht die Konjunktur dann an, unterstützt durch die auch unter der neuen japanischen Regierung expansiv ausgerichteten Finanzund Geldpolitik (Tabelle 4, ►Abbildung B auf Seite 20 ). Alles in allem wird das japanische BIP im Jahresdurchschnitt 2020 um 5,2 % schrumpfen und 2021 um 2,6 % zunehmen. EURORAUM: MODERATE ERHOLUNG NACH HISTORISCHEM WIRTSCHAFTSEINBRUCH Die Corona-Krise hat den Euroraum in eine schwere Rezession gestürzt. Im zweiten Quartal dieses Jahres ging das BIP um 11,8 % zurück, der bisher größte wirtschaftliche Einbruch in der Geschichte der Währungsunion, nachdem es bereits im Vorquartal um 3,7 % gefallen war. Besonders stark zum Rückgang im zweiten Quartal beigetragen hat der private Konsum (-6,6 Prozentpunkte), der insbesondere durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eingebrochen war. Auch von den Exporten in Regionen außerhalb des Euroraums kamen stark negative Wachstumsbeiträge. 6 Für das dritte Quartal wird eine starke, aber unvollkommene Erholung mit einem BIP-Wachstum von 9,3 % erwartet; dafür sprechen auch die Frühindikatoren. Insgesamt wird das BIP im Euroraum in diesem Jahr um 7,6 % zurückgehen und damit fast doppelt so stark wie in der Finanzkrise 2008/9. Die Arbeitslosenquote beträgt nach den letzten verfügbaren Daten (Juli) noch 7,9 %, dürfte aber im dritten Quartal weiter ansteigen und im Jahresdurchschnitt 8,8 % betragen. Im nächsten Jahr wird das BIP im Euroraum dann bei anhaltend moderater wirtschaftlicher Erholung – gestützt auf einen weiter steigenden privaten Konsum, eine globale wirtschaftliche Erholung sowie weiterhin expansive fiskalische und monetäre Maßnahmen – um 5,0 % wachsen und die Arbeitslosenquote auf 8,2 % sinken. Zum Ende des Prognosezeitraums wird das Euroraum-BIP sein Vorkrisenniveau allerdings noch nicht erreicht haben. So wird es Ende 2021 noch knapp 2 % unter dem Niveau von Ende 2019 liegen; verglichen mit dem in der Dezemberprognose 2019 vom IMK angelegten Wachstumspfad sogar um fast 5 % niedriger. Die Inflationsentwicklung im 6 Berechnungen anhand von Daten der Extrahandelsstatistik ergeben einen Wachstumsbeitrag der (nominalen) Warenexporte am (nominalen) BIP von -4,5 Prozentpunkten. Demgegenüber steht ein positiver Wachstumsbeitrag der (nominalen) Warenimporte von 2,9 Prozentpunkten. Euroraum bleibt im Prognosezeitraum schwach. In diesem Jahr werden die Verbraucherpreise nur um 0,3 % steigen, 2021 dann etwas stärker um 1,0 % (Tabelle 5). Frankreich, Italien und Spanien schwer von Pandemie getroffen Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum ist neben Deutschland vor allem durch die großen Volkswirtschaften Frankreich, Italien und Spanien geprägt, deren BIP im ersten Halbjahr regelrecht abgestürzt ist. Der Rückgang des französischen BIP betrug im zweiten Quartal 13,8 %, nachdem es bereits im ersten Quartal um 5,9 % zurückgegangen war. Im zweiten Quartal haben vor allem die Exporte (-7,9 Prozentpunkte) und der private Konsum (-6,4 Prozentpunkte) stark negative Wachstumsbeiträge geliefert. Im dritten Quartal wird trotz zuletzt wieder deutlich steigender NeuinfektionsTabelle 5 Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts und der Konsumentenpreise wichtiger europäischer Handelspartner Veränderung gegenüber Vorjahr in % 1 Saisonund kalenderbereinigt. 2 Harmonisierter Verbraucherpreisindex. 3 In % des BIP. Quellen: Macrobond, NiGEM, Berechnungen des IMK; ab 2020 Prognose des IMK unter Verwendung von NiGEM. Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts und der Konsumentenpreise wichtiger europäischer Handelspartner Veränderung gegenüber Vorjahr in % 2019 2020 2021 2019 2020 2021 Deutschland 0,6 -5,6 4,9 1,4 0,4 1,3 Frankreich 1,5 -8,6 6,5 1,3 0,6 0,8 Italien 0,3 -9,5 5,0 0,6 -0,1 0,8 Spanien 2,0 -10,9 7,2 0,8 -0,3 0,8 Niederlande 1,6 -3,5 3,2 2,7 1,0 0,9 Belgien 1,4 -7,1 6,6 1,3 0,3 0,7 Österreich 1,5 -6,5 4,7 1,5 1,5 1,5 Irland 5,9 -1,8 5,5 0,9 0,1 1,2 Finnland 1,1 -3,1 2,4 1,1 0,1 0,8 Portugal 2,2 -8,6 6,0 0,3 0,0 0,7 Griechenland 1,9 -7,4 4,4 0,5 -0,6 0,4 Euroraum 1,3 -7,6 5,0 1,2 0,3 1,0 Dänemark 2,3 -5,7 3,2 0,7 0,2 1,2 Polen 4,2 -3,2 3,8 2,1 4,4 2,7 Rumänien 4,1 -3,4 4,8 3,9 1,7 2,8 Schweden 1,3 -5,1 3,0 1,7 0,4 1,5 Tschechien 2,3 -5,2 3,8 2,6 3,2 2,5 Ungarn 4,9 -5,4 4,8 3,4 3,3 2,6 EU 1,5 -7,6 5,5 1,5 0,7 1,3 Euroraum 7,5 8,8 8,2 2,7 2,5 4,3 EU 6,7 8,2 7,7 Fussnote 1: Saisonund kalenderbereinigt. Fussnote 2: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Fussnote 3: In % des BIP. Quellen: Macrobond, NiGEM, Berechnungen des IMK; ab 2020 Prognose des IMK unter Verwendung von NiGEM. Bruttoinlandsprodukt 1 Konsumentenpreise 2 Arbeitslosenquote Leistungsbilanzsaldo3 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 15 der geringeren Lohnsteuer etwas weniger (-2 %). Die monetären Sozialleistungen steigen mit 7 % außerordentlich stark. Die Entnahmen aus den Gewinnund Vermögenseinkommen dürften sogar drastisch sinken (-9 %). Im nächsten Jahr wird der Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter sowohl aufgrund eines leichten Beschäftigungsaufbaus als auch aufgrund der erholungsbedingten Ausweitung der geleisteten Arbeitsstunden positiv ausfallen (4,9 %). Die Nettolöhne werden wieder spürbar steigen (6,3 %), begünstigt unter anderem durch den weitgehenden Wegfall des Solidaritätszuschlags und das Zweite Familienentlastungsgesetz. Die Entnahmen werden leicht zunehmen. Alles in allem sinken die nominalen verfügbaren Einkommen in diesem Jahr um 1,9 %. Bei einem Anstieg des Konsumdeflators von 0,5 % sinken sie real um 2,4 %. Im nächsten Jahr nehmen sie nominal um 4,2 % zu; real, bei einer leichten Zunahme der Inflation, um 3 %. Die Sparquote wird im Verlauf des Prognosezeitraums deutlich sinken und Ende 2021 das Vorkrisenniveau erreichen. Dabei liegt sie im Jahresdurchschnitt 2020 mit 13,6 % 2,7 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Im kommenden Jahr sinkt sie dann um 2 Prozentpunkte auf 11,6 %. Alles in allem schrumpfen die realen privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Jahres durchschnitt drastisch um 5,4 %, während sie im kommenden Jahr wieder deutlich ausgeweitet werden, im Jahres durchschnitt um 5 % (Abbildung 2, Tabelle 2). Zum Jahres ende wird das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein. Nachdem die privaten Konsumausgaben seit vielen Jahren maßgeblich zum BIP-Wachstum beitragen haben, wird ihr Beitrag in diesem Jahr erstmals seit der Finanzkrise negativ ausfallen (-2,9 Prozentpunkte); im Jahr 2021 wird er dann wieder positiv sein (2,6 Prozentpunkte) (Tabelle 6). Fiskalpolitik: Schuldenanstieg bleibt moderat Die Fiskalpolitik war bereits vor der Corona-Krise deutlich expansiv ausgerichtet (Dullien et al. 2020b). Bund und Länder haben zudem schnell und in erheblichem Umfang auf die Corona-Krise reagiert und bereits im März erste Nachtragshaushalte auf den Weg gebracht, wobei die Länder im Wesentlichen die unmittelbaren Budgetwirkungen der Krise abfangen. Mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds werden zudem zusätzliche Kredite an Unternehmen und Beteiligungen bis zu 600 Mrd. Euro ermöglicht. Im Juni legte der Bund ein Konjunkturpaket nach, dessen Umfang für dieses und nächstes Jahr auf 130 Mrd. Euro beziffert wurde und das zusätzlich für die kommenden Jahre ein milliardenschweres Zukunftspaket vorsieht. Im Wesentlichen wurde das Konjunkturpaket mit dem zweiten Corona-Steuerhilfegesetz, dessen wichtigste Maßnahmen in der temporären Senkung der Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020 und der Zahlung eines Kinderbonus von insgesamt 300 Euro pro Kind bestehen, und mit dem zweiten Nachtrag zum Bundeshaushaltsplan für 2020 umgesetzt. Dabei wurden umfangreiche Umbuchungen aus dem mit 156 Mrd. Euro veranschlagten ersten Nachtragshaushalt vorgenommen. Die gesamte Kreditermächtigung für 2020 erhöhte sich damit für den Bund auf knapp 218 Mrd. Euro. Die tatsächlich in diesem Jahr wirksamen Maßnahmen des Bundes dürften deutlich geringer ausfallen (Tabelle 7). 8 So werden zur Finanzierung des Zukunftspakets z. B. 24 Mrd. Euro der Rücklage des Energieund Klimafonds zugeführt. Von den aus dem ersten Nachtragshaushalt umgebuchten Überbrückungshilfen im Umfang von knapp 25 Mrd. Euro waren bis zum 20. August nur 709 Mio. Euro beantragt und 248 Mio. Euro bewilligt worden (Deutscher Bundestag 2020). Im September hat die Regierung daher beschlossen, die Überbrückungshilfen bis Dezember zu verlängern, den Zugang zu erleichtern, Höchstgrenzen für kleine Unternehmen abzuschaffen und auch die Fördersätze anzuheben. Dennoch dürften die Mittel nicht ausgeschöpft werden. Eine zentrale Rolle für die Stabilisierung der Einkommen spielte wie bereits in der Finanzkrise die Ausweitung der konjunkturellen Kurzarbeit. Hier 8 Die coronabedingten diskretionären Maßnahmen des Bundes werden hier ohne Zuweisungen und Darlehen an andere staatliche Teilsektoren mit 96 Mrd. Euro in diesem Jahr und 32 Mrd. Euro im kommenden Jahr veranschlagt. Tabelle 7 Im Prognosezeitraum wirksame fiskalische Impulse (Mrd. Euro gegenüber 20191) 1 Anders als in Dullien et al. (2020b), Tabelle 7, werden die Maßnahmen gegenüber 2019 und nicht gegenüber dem Vorjahr angegeben. Angesichts der großen Unsicherheit über die zeitliche Verteilung der Impulse erscheint eine Betrachtung relativ zum Vorjahr weniger sinnvoll. 2 vgl. Dullien et al. (2020b), Tabelle 7 aktualisiert. Quellen: BMF, Bundestag, Nachtragshaushalte und andere Gesetze und Gesetzesentwürfe der Bundesländer, Berechnungen, Schätzungen und Annahmen des IMK. 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm Schrift in der Ecke oben links ggf. auf Arial Narrow 8 anpassen. Für die Gesamtbreite an den roten Linien orientieren. (Mrd. Euro gg. 20191) 2020 2021 Nicht durch die Corona-Krise bedingte finanzpolitische Maßnahmen2) 22 48 Sofortmaßnahmen im Rahmen des ersten Nachtragshaushalts des Bundes 29 0 Zusätzliche Maßnahmen der Länder 20 5 Veränderte Regelungen bei Kurzarbeit (bereits bei 10% Betroffenen, Übernahme der Sozialbeiträge, Aufstockung) und ALG I (Verlängerung der Bezugszeit, Regelung für 2021) 11 2 Erhöhte Zahlungen an Krankenhäuser (Bund und Krankenkassen) 16 2 Konjunkturpaket (umgesetzt über 2. Nachtragshaushalt des Bundes und 2. Corona-Steuerhilfegesetz) 56 32 Summe 154 88 Summe in % des BIP 4,6 2,5 Quellen: BMF, Bundestag, Nachtragshaushalte und andere Gesetze und Gesetzesentwürfe der Bundesländer, Berechnungen, Schätzungen und Annahmen des IMK. 1) Anders als in Dullien et al. (2020), Tabelle 7, werden die Maßnahmen gegenüber 2019 und nicht gegenüber dem Vorjahr angegeben. Angesichts der großen Unsicherheit über die zeitliche Verteilung der Impulse erscheint eine Betrachtung relativ zum Vorjahr weniger sinnvoll. 2) vgl. Dullien et al. (2020), Tabelle 7 -ergänzt um neuere Entwicklungen, insb. Zweites Familienentlastungsgesetz Überschrift Im Prognosezeitraum wirksame fiskalische Impulse IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 16 wurden bereits im Frühjahr die Zugangsvoraussetzungen erleichtert und die Bezugsdauer verlängert. Für Betroffene, deren Arbeitsumfang um mehr als 50 % vermindert ist, erhöht sich das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat und nochmals ab dem siebten Monat der Kurzarbeit. Die Sozialbeiträge werden aktuell vollständig von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Bis einschließlich August verausgabte die Bundesagentur 8,1 Mrd. Euro für Leistungen im Rahmen der konjunkturellen Kurzarbeit und 6,2 Mrd. Euro für die Erstattung von Sozial beiträgen. Im gesamten Kalenderjahr dürften die Gesamtausgaben für die Kurzarbeit in der Größen ordnung von 20 Mrd. Euro liegen. Die corona bedingten Sonderregelungen wurden jüngst bis Ende 2021 verlängert, wobei die volle Erstattung der Sozialbeiträge bis Ende Juni kommenden Jahres gilt, danach werden die Sozialbeiträge zur Hälfte erstattet, wenn die Kurzarbeit bis zum 30. Juni 2021 begonnen wurde. Insgesamt veranschlagt das IMK für das Jahr 2020 zusätzliche diskretionäre Impulse gegenüber 2019 im Umfang von 154 Mrd. Euro (4,6 % des BIP) und im kommenden Jahr noch 88 Mrd. Euro (2,5 % des BIP). Während von den Maßnahmen, die nicht durch die Corona-Pandemie bedingt sind, im kommenden Jahr zusätzliche Impulse ausgehen, werden die Maßnahmen zur Krisenbekämpfung deutlich zurückgefahren (Tabelle 7). Angesichts eines günstigeren Pandemieverlaufs und einer erfolgreichen Stabilisierung der Wirtschaft werden die öffentlichen Haushalte deutlich weniger belastet als noch im Juni erwartet (Dullien et al. 2020c). In diesem Jahr sinken die Einnahmen um 4,5 %, maßgeblich beeinflusst durch den Rückgang der Steuereinnahmen um über 9 %, während die Sozialbeiträge noch geringfügig zunehmen. Im kommenden Jahr steigen die Einnahmen um 5,7 %, wozu die Erholung der Steuereinnahmen und das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung sowie wieder deutlich zunehmende Sozialbeiträge beitragen. Die Ausgaben legen in diesem Jahr um 9,2 % zu, wobei sich die umfangreichen Stützungsmaßnahmen insbesondere bei den monetären Sozialleistungen (Kurzarbeitergeld) und bei den Subven tionen niederschlagen. Im kommenden Jahr stagnieren die Ausgaben mit einem Zuwachs um 0,9 % annähernd. Deutliche Zuwächse ergeben sich bei den Arbeitnehmerentgelten und bei den Investitionen, während die Subventionen und die Vorleistungen rückläufig sind. Die Zinsausgaben sinken – wie in jedem Jahr seit 2012 – deutlich. Der Finanzierungssaldo dürfte damit in diesem Jahr -4,9 % des BIP und im kommenden Jahr -2,6 % des BIP betragen. Somit dürfte die Schuldenstandsquote in diesem Jahr unter der Marke von 70 % des BIP bleiben und im kommenden Jahr leicht sinken. Arbeitsmarktentwicklung stark von CoronaKrise geprägt Die Wirtschaftskrise infolge der Covid-19-Pandemie traf den deutschen Arbeitsmarkt erwartungsgemäß hart. Derzeit sieht es aber so aus, dass es Deutschland besser als anderen Volkswirtschaften gelingt, die enormen beschäftigungspolitischen Herausforderungen infolge der Corona-Krise zu meistern und eine Beschäftigungskrise abzuwenden. Die großen beschäftigungspolitischen Anstrengungen sowie eine antizyklische Fiskalpolitik bewähren sich offen sichtlich. Gegenwärtig deutet einiges darauf hin, dass sich die Arbeitsmarktentwicklung im dritten Quartal zunächst stabilisiert und zum Besseren gewendet hat. Im weiteren Prognosezeitraum dürfte der Arbeitsmarkt merklich von der wirtschaftlichen Erholung profitieren. Aber große Herausforderungen und erhebliche Unsicherheiten bleiben. Eine erneute großflächige Infektionswelle in Deutschland selbst, Europa oder einem anderen wichtigen Wirtschaftsraum, die eine erhebliche Störung des Wirtschaftslebens zur Folge hätte, könnte erhebliche negative Arbeitsmarktfolgen mit sich bringen. Zudem hängen eine nachhaltige Erholung und Belebung des Arbeitsmarkts in Deutschland nicht zuletzt von einem Ende der Rezession in den stark exportabhängigen Industriebereichen und hier insbesondere der Automobilindustrie ab, was eng mit einer erfolgreichen Bewältigung der Herausforderungen infolge der Transformation hin zu E-Mobilität und Klimaneutralität verbunden ist. Die Corona-Krise führte ab der zweiten Märzhälfte zu einem erheblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem merklichen Rückgang der Erwerbstätigkeit in Deutschland. Bis Juni stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen gegenüber Februar 2020 saisonbereinigt um 677000 Personen. Die Erwerbstätigkeit ging im selben Zeitraum sogar um 730 000 Personen zurück, wobei sowohl die Zahl der Arbeitnehmer als auch die der Selbständigen abnahm. Nach aktuellen Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit war die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten (Minijobs) infolge der Corona-Krise relativ stärker rückläufig als die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, was nicht zuletzt auf die Sicherung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse durch die Kurzarbeit zurückzuführen sein dürfte. Trotz eines historisch noch nicht beobachteten Einbruch des BIP um saisonund kalenderbereinigt 9,7 % im zweiten Quartal 2020 ging die Zahl der Erwerbstätigen lediglich um 1,3 % zurück und die Arbeitslosenquote stieg nur um 1,2 Prozentpunkte (Abbildung 4). Dies dürfte zu einem erheblichen Umfang der entschlossenen Krisenpolitik der Großen Koalition zuzuschreiben sein. Die Entscheidung, den Zugang zum Kurzarbeitergeld zu erleichtern und dessen Nutzung durch die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge für die durch Kurzar- IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 17 Abbildung 4 Arbeitsmarkt in Deutschland Saisonbereinigte Verläufe. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/Abbildung3/index.html Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IMK. Arbeitsmarkt in Deutschland Saisonbereinigte Verläufe. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IMK. Erwerbstätige (Inland) Veränderung Erwerbstätige in Millionen gegenüber dem Vorquartal (rechte Skala) Erwerbstätige in Millionen (linke Skala) Prognose 42.0 42.5 43.0 43.5 44.0 44.5 45.0 45.5 46.0 46.5 47.0 -0.6 -0.4 -0.2 -0.0 0.2 0.4 0.6 0.8 1.0 42.4 2013 42.7 2014 43.1 2015 43.7 2016 44.3 2017 44.9 2018 45.3 2019 44.9 2020 45.0 2021 Arbeitslose Veränderung der Arbeitslosen in Millionen gegenüber dem Vorquartal (rechte Skala) Arbeitslose in Millionen (linke Skala) Prognose 2.4 2.6 2.8 3.0 3.2 3.4 3.6 3.8 4.0 0.0 0.2 0.4 0.6 0.8 1.0 2.9 2013 2.9 2014 2.8 2015 2.7 2016 2.5 2017 2.3 2018 2.3 2019 2.7 2020 2.7 2021 Erwerbstätige und Arbeitsvolumen Geleistete Arbeitsstunden im Inland (2015=100) Erwerbstätige im Inland (2015=100) Prognose 90 92 94 96 98 100 102 104 106 108 110 0.0 0.8 2013 1.2 0.9 2014 1.0 0.9 2015 0.9 1.2 2016 0.9 1.4 2017 1.2 1.4 2018 0.6 0.9 2019 -6.3 -0.8 2020 3.8 0.2 2021 Arbeitslosenund Erwerbslosenquote Arbeitslosenquote in Prozent (BA-Konzept) Erwerbslosenquote in Prozent (ILO-Konzept) Prognose 2 3 4 5 6 7 8 9 4.9 6.9 2013 4.7 6.7 2014 4.3 6.4 2015 3.9 6.1 2016 3.5 5.7 2017 3.2 5.2 2018 3.0 5.0 2019 3.9 5.9 2020 3.8 5.9 2021 Arbeitnehmer (Inland) Veränderungen Arbeitnehmer in Millionen gegenüber dem Vorquartal (rechte Skala). Arbeitnehmer in Millionen (linke Skala) Prognose 37 38 39 40 41 42 43 -0.4 -0.2 0.0 0.2 0.4 0.6 0.8 1.0 37.9 2013 38.3 2014 38.7 2015 39.3 2016 40.0 2017 40.6 2018 41.1 2019 40.9 2020 41.0 2021 Bruttolöhne und -gehälter Veränderungen in % gegenüber dem Vorjahresquartal (rechte Skala). Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitsstunde (2015=100) (linke Skala) Prognose 90 95 100 105 110 115 120 125 -2 -1 0 1 2 3 4 2.9 2013 2.4 2014 2.7 2015 2.7 2016 2.8 2017 3.1 2018 3.1 2019 2020 2021 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 18 beit ausgefallenen Arbeitsstunden attraktiver zu machen, 9 dürfte mit ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Kurzarbeit in nie dagewesenem Umfang genutzt und Beschäftigung gesichert wurde. Nach ersten Berechnungen der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) waren im zweiten Quartal 2020 insgesamt gut 5,5 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit mit einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von rund 45 %. Alles in allem reduzierte der großflächige Einsatz von Kurzarbeit im zweiten Quartal 2020 die durchschnittliche Arbeitszeit je abhängig Beschäftigten um etwas mehr als 19 Arbeitsstunden. Weitere Instrumente der internen Flexibilität leisteten ebenfalls einen erheblichen Beitrag zur temporären Verkürzung der Arbeitszeit. Durch den Abbau von Zeitguthaben auf den Arbeitszeitkonten wurde im Vergleich zum Vorjahr im zweiten Quartal im Durchschnitt 4,6 Arbeitsstunden je Beschäftigten weniger gearbeitet und durch weniger (bezahlte und unbezahlte) Überstunden reduzierte sich die 9 Siehe hierzu beispielsweise Herzog-Stein et al. (2020, Infobox 1) Arbeitszeit je Beschäftigten um durchschnittlich weitere 1,9 Stunden im Vorjahresvergleich. Saisonund kalenderbereinigt ging die Arbeitszeit je erwerbstätige Person im zweiten Quartal 2020 um 6,8 % gegenüber dem Vorquartal zurück. Zusammen mit der krisenbedingten prozyklischen Verlangsamung des Produktivitätsfortschritts um 1,6 % je Arbeitsstunde zeigt dies das enorme Ausmaß der Beschäftigungssicherungsanstrengungen in Deutschland während der Corona-Krise. Seit dem Beginn des dritten Quartals scheint der Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Stillstand gekommen zu sein und die Arbeitslosigkeit war zuletzt saisonbereinigt leicht rückläufig; auch die Erwerbstätigkeit schrumpfte nicht mehr. Jedoch werden die Krisenfolgen weit länger zu spüren sein und bis Ende 2021 wird das Vorkrisenniveau bei Arbeitslosigkeit und Beschäftigung noch nicht wieder erreicht. Die Kurzarbeit wird auch bis in die erste Hälfte 2021 noch in einem erheblichen Umfang von den Betrieben genutzt werden. Die Zahl der Erwerbstätigen wird im Jahr 2020 um jahresdurchschnittlich 0,8 % zurückgehen; im kommenden Jahr dann im Jahresdurchschnitt wieder um 0,2 % zunehmen (Tabelle 8). Dabei unterzeichnen die durchschnittlichen Zuwachsraten durch den sehr starken Einbruch im ersten Quartal 2020 den positiveren Verlauf. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen wird 2020 im Jahresdurchschnitt um knapp 450 000 Personen ansteigen. Infolge der weiteren schrittweisen Verbesserung der Arbeitsmarktsituation seit den Sommermonaten wird der jahresdurchschnittliche Anstieg damit insgesamt geringer sein als der krisenbedingte Anstieg im ersten Halbjahr 2020. Im nächsten Jahr fällt die Arbeitslosigkeit dann im Jahresdurchschnitt um 24 000 Personen niedriger aus, wobei die Entwicklung im Jahresverlauf besser ist als dies der Jahres durchschnitt suggeriert. Die Arbeitslosenquote wird 2020 um 0,9 Prozentpunkte auf 5,9 % ansteigen und im nächsten Jahr noch auf diesem Niveau verharren. Die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung wird im Prognosezeitraum stark von den Auswirkungen der Corona-Krise geprägt sein. Infolge der erfolgreichen Beschäftigungssicherung durch die zeitweilige starke Reduktion der Arbeitszeit je Beschäftigten werden die Bruttostundenverdienste 2020 merklich um 4,1 % zulegen, während sie auf Monatsbasis um 1,8 % zurückgehen werden. Im kommenden Jahr werden die Bruttostundenverdienste dann um 1,0 % steigen, während sie auf Monatsbasis infolge des Anstiegs der Arbeitszeit je Erwerbstätigen im Zuge der wirtschaftlichen Erholung sogar um 4,6 % zunehmen werden. Tabelle 8 Arbeitsmarktbilanz Jahresdurchschnitt in 1000 Personen 1 In der Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit. 2 In % aller zivilen Erwerbspersonen. 3 In der Abgrenzung der International Labour Organization (ILO). 4 In % der inländischen Erwerbspersonen. Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IMK, ab 2020 Prognose des IMK. Arbeitsmarktbilanz Jahresdurchschnitt in 1000 Personen 2017 2018 2019 2020 2021 Erwerbstätige Inländer 44 141 44 727 45 123 44 796 44 892 Pendlersaldo 121 141 146 89 89 Erwerbstätige Inland 44 262 44 868 45 269 44 885 44 981 Arbeitnehmer 39 989 40 645 41 117 40 859 41 011 sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 32 234 32 964 33 518 33 523 33 567 Minijobs 4 742 4 671 4 579 4 328 4 427 Selbständige 4 273 4 223 4 152 4 026 3 970 Arbeitslose1 2 533 2 340 2 267 2 715 2 691 Arbeitslosenquote BA2 5,7 5,2 5,0 5,9 5,9 Erwerbslose3 1 621 1 468 1 374 1 825 1 778 Erwerbslosenquote4 3,5 3,2 3,0 3,9 3,8 Konjunkturelle Kurzarbeit 25 24 57 3 355 677 1 In der Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit. 2 In % aller zivilen Erwerbspersonen. 3 In der Abgrenzung der International Labour Organization (ILO). 4 In % der inländischen Erwerbspersonen. Quellen: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IMK, ab 2020 Prognose des IMK. IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 19 DATENANHANG Abbildung A Konjunktur in den USA Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Das US-BIP schrumpfte im zweiten Quartal 2020 um 9,1 %; die Inlandsnachfrage brach infolge der Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen ein. Der außenwirtschaftliche Sektor stabilisierte die Wachstumsrate. Im dritten Quartal wird sich die Wirtschaftsaktivität deutlich erholen, da die Eindämmungsmaßnahmen seit Mai insgesamt gelockert wurden. Die Wiedereröffnung in den einzelnen Bundesstaaten verlief aufgrund der ungleichmäßigen Verteilung neuer Covid-19-Fälle aber sehr unterschiedlich. Im August ging die Arbeitslosenquote überraschend stark auf 8,4 % zurück; gleichzeitig lässt das Wachstum der Beschäftigung um nur 1,4 Mio. Erwerbstätige auf eine derzeit niedrige Partizipationsrate schließen. Insgesamt wird die USProduktion 2020 um 4,2 % zurückgehen und 2021 um 3,1 % zunehmen, sodass das Vorkrisenniveau des BIP im Prognosezeitraum noch nicht erreicht wird. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungA/index.html Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Konjunktur in den USA Mittelwert 2010=100 (linke Skala) Prognose Veränderungen gegenüber dem Vorquartal in % (rechte Skala) Jahresdurchschnittsrate Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Das US-BIP schrumpfte im zweiten Quartal 2020 um 9,1 %; die Inlandsnachfrage brach infolge der Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen ein. Der außenwirtschaftliche Sektor stabilisierte die Wachstumsrate, weil der Rückgang der Importe stärker als der der Exporte ausfiel. Im dritten Quartal wird sich die Wirtschaftsaktivität deutlich erholen, da die Eindämmungsmaßnahmen seit Mai insgesamt gelockert wurden. Die Wiedereröffnung in den einzelnen Bundesstaaten verlief aufgrund der ungleichmäßigen Verteilung neuer Covid-19-Fälle sehr unterschiedlich. Im August ging die Arbeitslosenquote überraschend stark auf 8,4 % zurück; gleichzeitig lässt das Wachstum der Beschäftigung um nur 1,4 Mio. Erwerbstätige auf eine derzeit niedrige Partizipationsrate schließen. Insgesamt wird die US-Produktion 2020 um 4,2 % zurückgehen und 2020 um 3,1 % zunehmen, sodass das Vorkrisenniveau des BIP im Prognosezeitraum noch nicht erreicht wird. Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Bruttoinlandsprodukt 105 110 115 120 125 -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 1.8 2013 2.5 2014 3.1 2015 1.7 2016 2.3 2017 3.0 2018 2.2 2019 -4.2 2020 3.1 2021 Arbeitslosenquote 2 4 6 8 10 12 14 -4 -2 0 2 4 6 8 10 7.4 2013 6.2 2014 5.3 2015 4.9 2016 4.4 2017 3.9 2018 3.7 2019 8.9 2020 6.0 2021 Private Konsumausgaben 100 105 110 115 120 125 130 -10 -5 0 5 10 1.5 2013 3.0 2014 3.8 2015 2.8 2016 2.6 2017 2.7 2018 2.4 2019 -3.8 2020 3.7 2021 Bruttoanlageinvestitionen 115 120 125 130 135 140 145 150 155 160 165 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 5.5 2013 6.6 2014 3.7 2015 1.7 2016 3.8 2017 5.4 2018 2.0 2019 -7.5 2020 3.7 2021 Exporte von Gütern und Dienstleistungen 100 105 110 115 120 125 130 135 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 3.6 2013 4.2 2014 0.4 2015 0.3 2016 3.9 2017 3.0 2018 -0.1 2019 -9.2 2020 8.1 2021 Importe von Gütern und Dienstleistungen 100 105 110 115 120 125 130 135 140 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 1.5 2013 5.0 2014 5.2 2015 1.7 2016 4.7 2017 4.1 2018 1.1 2019 -10.9 2020 11.1 2021 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 20 DATENANHANG Abbildung B Konjunktur in Asien NiGEM bietet weder eine Trennung zwischen Konsum und Investitionen für Indien, noch eine explizite Arbeitsmarktmodellierung. Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Nach der kräftigen Erholung im zweiten Quartal 2020 in China bleibt der Wachstumsverlauf im Prognosezeitraum intakt. Chinas Exporte profitieren von einer dynamischen Nachfrage nach medizinischer Schutzausrüstung. Die Warenexporte beschleunigten sich im Juli merklich, und das Wachstum der Industrieproduktion stabilisierte sich trotz Überschwemmungen entlang des Jangtse-Flusses. Auch die Binnenwirtschaft gewinnt aufgrund staatlicher Impulse an Schwung, aber die Haushaltsausgaben bleiben vorerst schwach. Die Einzelhandelsumsätze lagen im Juli noch unter Vorjahresniveau. Die japanische Wirtschaft ist von April bis Juni um fast 8 % geschrumpft; die Covid-19-Pandemie zog sowohl den Exportsektor als auch die Binnennachfrage in Mitleidenschaft. In besonderem Maße gilt das für den schon zuvor durch die Mehrwertsteuererhöhung belasteten privaten Verbrauch; die Einzelhandelsumsätze sanken im zweiten Quartal um fast 10%. Trotz umfangreicher staatlicher Maßnahmen wird sich der private Verbrauch im Prognoseverlauf nur allmählich erholen. Auch die indische Wirtschaft ist durch die Covid-19-Pandemie hart getroffen. Die Einkaufsmanagerindezes sowohl des Verarbeitenden Gewerbes als auch des Dienstleistungssektors waren noch im Juli unterhalb der Schwelle, die ein Wachstum der Wirtschaft anzeigt. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungB/index.html Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Konjunktur in Asien Japan (Mittelwert 2010=100) Indien (Mittelwert 2010=100) China (Mittelwert 2010=100) Prognose NiGEM bietet weder eine Trennung zwischen Konsum und Investitionen für Indien, noch eine explizite Arbeitsmarktmodellierung. Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Nach der kräftigen Erholung im zweiten Quartal 2020 in China bleibt der Wachstumsverlauf im Prognosezeitraum intakt. Chinas Exporte profitieren von einer Wiederbelebung der Weltwirtschaft und einer robusten Nachfrage nach Gesundheitsprodukten. Die Warenexporte beschleunigten sich im Juli merklich, und das Wachstum der Industrieproduktion stabilisierte sich trotz Überschwemmungen entlang des Jangtse-Flusses. Auch die Binnenwirtschaft gewinnt aufgrund staatlicher Impulse an Schwung, aber die Haushaltsausgaben bleiben vorerst schwach. Die Einzelhandelsumsätze lagen im Juli noch unter Vorjahresniveau. Die japanische Wirtschaft ist von April bis Juni um fast 8 % geschrumpft; die Covid-19-Pandemie zog sowohl den Exportsektor als auch die Binnennachfrage in Mitleidenschaft. In besonderem Maße gilt das für den schon zuvor durch die Mehrwertsteuererhöhung belasteten privaten Verbrauch; die Einzelhandelsumsätze sanken im zweiten Quartal um fast 10%. Trotz umfangreicher staatlicher Maßnahmen wird sich der private Verbrauch im Prognoseverlauf nur allmählich erholen. Auch die indische Wirtschaft ist durch die Covid-19-Pandemie hart getroffen. Die Einkaufsmanagerindezes sowohl des Verarbeitenden Gewerbes als auch des Dienstleistungssektors waren noch im Juli unterhalb der Schwelle, die ein Wachstum der Wirtschaft anzeigt. Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Bruttoinlandsprodukt 80 100 120 140 160 180 200 220 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Arbeitslosenquote 2 3 4 5 6 7 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Private Konsumausgaben 60 80 100 120 140 160 180 200 220 240 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Bruttoanlageinvestitionen 100 120 140 160 180 200 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Exporte von Gütern und Dienstleistungen 80 100 120 140 160 180 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Importe von Gütern und Dienstleistungen 80 100 120 140 160 180 200 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 21 DATENANHANG Abbildung C Konjunktur in Europa außerhalb des Euroraums NiGEM bietet weder eine Trennung zwischen Konsum und Investitionen für Russland, noch eine explizite Arbeitsmarktmodellierung. Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Die britische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal aufgrund dramatischer Einbrüche des privaten Verbrauchs und der Investitionen in Folge der anhaltenden Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen um 20 %. Zwar deuten Monatsindikatoren auf eine spürbare Erholung im dritten Quartal, anders als in anderen Wirtschaftsräumen sind die Abwärtsrisiken aber nicht nur geprägt von der Wiedereinführung restriktiver Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Es drohen vielmehr ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit, wenn das Lohnsubventionsprogramm des Furlough Schemes, wie derzeit von der Regierung geplant, ausläuft und zusätzliche Belastungen für die Unternehmen durch ein nicht geregeltes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Auch für Polen und Russland weisen monatliche Indikatoren nach dem Einbruch im zweiten Quartal auf eine konjunkturelle Erholung. Die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze erholen sich nur allmählich; sie lagen unterhalb der Vorjahresniveaus. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungC/index.html Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Konjunktur in Europa außerhalb des Euroraums Vereinigtes Königreich (Mittelwert 2010 = 100) Russland (Mittelwert 2010=100) Polen (Mittelwert 2010 = 100) Prognose NiGEM bietet weder eine Trennung zwischen Konsum und Investitionen für Russland, noch eine explizite Arbeitsmarktmodellierung. Saisonbereinigte Verläufe. Arbeitslosenquote (Abb. oben rechts) in % der inländischen Erwerbspersonen. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Die britische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal aufgrund dramatischer Einbrüche des privaten Verbrauchs und der Investitionen in Folge der anhaltenden Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen mit einer Rekordrate von 20 %. Zwar deuten Monatsindikatoren auf eine spürbare Erholung im dritten Quartal. Anders als in anderen Wirtschaftsräumen sind die Abwärtsrisiken aber nicht nur geprägt von der Wiedereinführung restriktiver Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Es drohen vielmehr ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit, wenn das Lohnsubventionsprogramm des Furlough Schemes, wie derzeit von der Regierung geplant, ausläuft und zusätzliche Belastungen für die Unternehmen durch ein nicht geregeltes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Auch für Polen und Russland weisen monatliche Indikatoren nach dem Einbruch im zweiten Quartal auf eine konjunkturelle Erholung. Die Industrieproduktion erholt sich aber jeweils nur allmählich, während der Einkaufmanagerindex des Dienstleistungssektors und die Einzelhandelsumsätze schneller an Zugkraft gewinnen. Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Bruttoinlandsprodukt 80 90 100 110 120 130 140 150 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Arbeitslosenquote 2 4 6 8 10 12 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Private Konsumausgaben 80 90 100 110 120 130 140 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Bruttoanlageinvestitionen 80 100 120 140 160 180 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Exporte von Gütern und Dienstleistungen 60 80 100 120 140 160 180 200 220 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Importe von Gütern und Dienstleistungen 60 80 100 120 140 160 180 200 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 22 DATENANHANG Abbildung D Konjunktur im Euroraum Saisonbereinigte Verläufe. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Die Corona-Krise wirkte sich im zweiten Quartal massiv auf die Volkswirtschaften des Euroraums aus. Das BIP im Euroraum ist um 11,8 % regelrecht abgestürzt. Im Prognosezeitraum wird eine moderate Erholung stattfinden, mit besonders starken Aufholeffekten von fast 10 % im dritten Quartal. Insgesamt wird das BIP im Euroraum dieses Jahr um 7,6 % zurückgehen, nächstes Jahr dann um 5 % wachsen. Frankreich, Italien und Spanien sind besonders stark vom Covid-19-Virus betroffen, das BIP aller drei Länder wird dieses Jahr voraussichtlich zwischen 9 % und 11 % einbrechen. Von der wirtschaftlichen Erholung im nächsten Jahr wird Spanien mit einem BIP-Wachstum von 7,2 % am meisten profitieren können. Das französische BIP wird dann um 6,5 %, das italienische BIP um 5,0 % wachsen. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungD/index.html Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Konjunktur im Euroraum Euroraum (Mittelwert 2010 = 100) Frankreich (Mittelwert 2010 = 100) Spanien (Mittelwert 2010 = 100) Italien (Mittelwert 2010 = 100) Prognose Saisonbereinigte Verläufe. Ab 3. Quartal 2020 Prognose des IMK. Die Corona-Krise wirkte sich im zweiten Quartal massiv auf die Volkswirtschaften des Euroraums aus. Das BIP im Euroraum ist um 11,8 % regelrecht abgestürzt. Im Prognosezeitraum wird eine moderate Erholung stattfinden, mit besonders starken Aufholeffekten von fast 10 % im dritten Quartal. Insgesamt wird das BIP im Euroraum dieses Jahr um 7,6 % zurückgehen, nächstes Jahr dann um 5 % wachsen. Frankreich, Italien und Spanien sind besonders stark vom Covid-19-Virus betroffen, das BIP aller drei Länder wird dieses Jahr voraussichtlich um zwischen 9 % und 11 % einbrechen. Von der wirtschaftlichen Erholung im nächsten Jahr wird Spanien mit einem BIP-Wachstum von 7,2 % am meisten profitieren können. Das französische BIP wird dann um 6,5 %, das italienische BIP um 5,0 % wachsen. Quellen: NiGEM; Berechnungen des IMK. Bruttoinlandsprodukt 80 85 90 95 100 105 110 115 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Arbeitslosenquote 10 15 20 25 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Private Konsumausgaben 75 80 85 90 95 100 105 110 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Bruttoanlageinvestitionen 70 80 90 100 110 120 130 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Exporte von Gütern und Dienstleistungen 80 90 100 110 120 130 140 150 160 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Importe von Gütern und Dienstleistungen 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 23 DATENANHANG Abbildung E Makround Finanzstabilität 1. Quartal 2012 - 3. Quartal 2020. Veränderungen der Leistungsbilanzungleichgewichte werden sich nach der Corona-Rezession, wenn überhaupt, nur langsam ergeben. Der Ölpreis erholt sich angesichts nur allmählich steigender globaler Nachfrage infolge der Corona-Rezession nur langsam. Die Verschuldungsrate des Unternehmenssektors (in % des BIP) stieg schon im ersten Quartal 2020 aufgrund benötigter Liquidität in allen Wirtschaftsräumen. Ungeachtet des Wirtschaftseinbruchs blieben die Immobilienpreise in China während der Corona-Krise aufwärtsgerichtet. Vorläufige Daten lassen eine ähnliche robuste Entwicklung für andere Wirtschaftsräume erwarten. Die Entwicklung an den Aktienmärkten bis einschließlich August spiegelt in den meisten Wirtschaftsräumen nicht nur die Erwartung wider, dass die Zinsen lange niedrig bleiben, sondern auch, dass das Konjunkturbild einer nahezu V-förmigen Wachstumserholung folgt. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungE/index.html Quellen: Macrobond; NiGEM; BIZ; OECD. Macround Finanzstabilität 1. Quartal 2012 - 3. Quartal 2020. Veränderungen der Leistungsbilanzungleichgewichte werden sich nach der Corona-Rezession, wenn überhaupt, nur langsam ergeben. Zwar sind für Deutschland im Prognosezeitraum rückläufige Nettoexporte zu erwarten; andere Komponenten der Leistungsbilanz verändern sich aber kaum. Das betrifft etwa die Primäreinkommen aus dem Rest der Welt, die sich aus den Erträgen des hohen deutschen Nettoauslandsvermögens bilden (60 % des BIP in 2019). Der Ölpreis erholt sich angesichts nur allmählich steigender globaler Nachfrage infolge der Corona-Rezession nur langsam. Die Verschuldungsrate des Unternehmenssektors (in % des BIP) stieg schon im ersten Quartal 2020 aufgrund notwendiger Liquiditätsmaßnahmen in allen Wirtschaftsräumen. Ungeachtet des Wirtschaftseinbruchs blieben die Immobilienpreise in China im zweiten Quartal 2020 aufwärtsgerichtet. Vorläufige Daten lassen eine ähnliche robuste Entwicklung für andere Wirtschaftsräume erwarten. Die Entwicklung an den Aktienmärkten bis einschließlich August spiegelt in den meisten Wirtschaftsräumen nicht nur die Erwartung wider, dass die Zinsen lange niedrig bleiben, sondern auch, dass das Konjunkturbild einer glatten V-förmigen Wachstumserholung folgt. Die hohen Abwärtsrisiken aufgrund eines möglichen Wiederansteigens der Infektionsfälle und bisher nur unvollständig erfasster Unternehmensinsolvenzen nach den tiefen Wirtschaftseinbrüchen des Frühjahrs werden derzeit äußerst niedrig bepreist. Quellen: Macrobond; NiGEM; BIZ; OECD. Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP) Euroraum Deutschland USA China -4 -2 0 2 4 6 8 10 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Rohstoffpreise Ölpreis pro Barrel (in USD, linke Skala) Globaler Nahrungsmittelpreisindex (2011=100, rechte Skala) Metallpreise (2011=100, rechte Skala) 30 40 50 60 70 80 90 100 110 75 80 85 90 95 100 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Verschuldung der Unternehmen (in % des BIP) Euroraum, Bruttoverschuldung nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Deutschland, Bruttoverschuldung nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften USA, Bruttoverschuldung nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften China, Bruttoverschuldung nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften 60 80 100 120 140 160 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Verschuldung der Haushalte (in % des BIP) Euroraum, Bruttoverschuldung Haushalte und NPISHs Deutschland, Bruttoverschuldung Haushalte und NPISHs USA, Bruttoverschuldung Haushalte und NPISHs China, Bruttoverschuldung Haushalte und NPISHs 30 40 50 60 70 80 90 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Häuserpreise Euroraum, reale Häuserpreise (OECD Index, 2015=100) Deutschland, reale Häuserpreise (OECD Index, 2015=100) USA, reale Häuserpreise (OECD Index, 2015=100) China, reale Häuserpreise (OECD Index, 2015=100) 90 100 110 120 130 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Aktienkurse Euroraum, EURO STOXX (2015=100) Deutschland, CDAX (2015=100) USA, NYSE Composite (2015=100) China, Shanghai Composite (2015=100) 50 60 70 80 90 100 110 120 130 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 IMK Report Nr. 161, September 2020 Seite 24 DATENANHANG Abbildung F Auftragseingänge deutscher Unternehmen Volumen, kalenderund saisonbereinigt. Januar 2012 - Juli 2020. Eine interaktive detailliertere Ansicht finden Sie auf unserer Homepage: https://www.boeckler.de/pdf/imk-prgn_wip/AbbildungF/index.html Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Auftragseingänge deutscher Unternehmen Volumen, kalenderund saisonbereinigt. Januar 2012 - Juli 2020. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Industrie Gesamt (2015=100) aus dem Inland (2015=100) aus dem Ausland (2015=100) 60 70 80 90 100 110 120 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Auslandsaufträge Ausland Gesamt (2015=100) aus der Nicht-EWU (2015=100) aus der EWU (2015=100) 60 70 80 90 100 110 120 130 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Vorleistungsgüter Gesamt (2015=100) 75 80 85 90 95 100 105 110 115 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Investitionsgüter Gesamt (2015=100) 50 60 70 80 90 100 110 120 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Konsumgüter Gesamt (2015=100) 90 95 100 105 110 115 120 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Geund Verbrauchsgüter Gebrauchsgüter (2015=100) Verbrauchsgüter (2015=100) 85 90 95 100 105 110 115 120 125 130 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020