Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und Kompetenzlücken
Abstract
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Full text
Jede, Andreas; Bensberg, Frank; Klein, Tabea Article — Published Version Blockchain-Technologie im Supply Chain Management– Anwendungspotenziale und Kompetenzlücken HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Jede, Andreas; Bensberg, Frank; Klein, Tabea (2024) : Blockchain-Technologie im Supply Chain Management– Anwendungspotenziale und Kompetenzlücken, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISSN 2198-2775, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 61, Iss. 1, pp. 266-283, https://doi.org/10.1365/s40702-023-01029-0 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/315890 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de
SCHWERPUNKT https://doi.org/10.1365/s40702-023-01029-0 HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik (2024) 61:266–283 Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und Kompetenzlücken Andreas Jede · Frank Bensberg · Tabea Klein Eingegangen: 23. August 2023 / Angenommen: 3. Dezember 2023 / Online publiziert: 8. Januar 2024 © The Author(s) 2024 Zusammenfassung Unternehmen und anwendungsorientierte Forschung weisen der Blockchain-Technologie enorme Potenziale in diversen Sektoren zu. Besonders erfolgversprechend erscheint dabei der Einsatz von Blockchain-Technologien im Kontext des Supply Chain-Managements, da hiermit die Effizienz, die Transparenz und das Vertrauen zwischen den unterschiedlichen Akteuren über die gesamte Lieferkette gesteigert werden können. Ein Erfolgsfaktor für die Einführung und den Betrieb produktiver Blockchain-Lösungen bildet dabei ein adäquates Kompetenzmanagement, mit dem sichergestellt wird, dass die Mitarbeiter die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen. Bestehende Kompetenzrahmen umfassen zwar eine Vielzahl digitaler Kompetenzen, jedoch adressieren diese bislang keine dedizierten Kompetenzen zum Einsatz von Blockchain-Technologien. Dieses Defizit wird mit dem vorliegenden Beitrag aufgegriffen, indem aufbauend auf einer kurzen Einführung und Darstellung der Blockchain-Technologie deren Anwendungspotenziale im Supply Chain-Management identifiziert werden. Anschließend wird ein Kompetenzrahmen zum Blockchain-basierten Supply Chain-Management entwickelt. Schließlich werden Kompetenzlücken in der Praxis aufgezeigt, Handlungsempfehlungen für Unternehmen formuliert sowie eine Schlussbetrachtung durchgeführt. Schlüsselwörter Blockchain · Supply Chain-Management · Digitale Kompetenz · Kompetenzrahmen · Anwendungspotenziale Andreas Jede · Frank Bensberg · Tabea Klein Hochschule Osnabrück, Caprivistraße 30a, 49076 Osnabrück, Deutschland E-Mail: [email protected] Frank Bensberg E-Mail: [email protected] Tabea Klein E-Mail: [email protected] K
Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und... 267 Blockchain-Technology in Supply Chain Management—Potentials and Lacks of Compentencies Abstract Companies and application-oriented research have identified enormous potential for blockchain technology in various sectors. The use of blockchain technologies in the context of supply chain management appears particularly promising, as it can increase efficiency, transparency and trust between the various players along the entire supply chain. A success factor for the introduction and operation of productive blockchain solutions is adequate skills management, which ensures that employees have the necessary skills and knowledge. Although existing competence frameworks cover a wide range of digital competencies, they do not yet address any dedicated competencies for the use of blockchain technologies. This article targets this deficit by identifying the potential benefits of blockchain technology in supply chain management based on a brief introduction and presentation of blockchain technology. Building on this, a competence framework for blockchain-based supply chain management is developed. Finally, competence gaps in practice are identified, recommendations for action for companies are formulated and final conclusions are drawn. Keywords Blockchain · Supply Chain Management · Digital Competence · Competence Framework · Application Potentials 1 Problemstellung und Zielsetzung Öffentlich verteilte Blockchains (BC) existieren seit mehr als 15 Jahren und besitzen weitreichende Potenziale in unterschiedlichen Sektoren. Dennoch befindet sich die Diffusion von Blockchain-Technologien bis auf einige wenige Ausnahmen (z.B. Kryptowährungen, Smart Contracts) bislang noch in den Kinderschuhen. Gerade im deutschsprachigen Raum kann von einem geringen Adoptionsgrad ausgegangen werden. Dabei verfügen Blockchain-Lösungen insbesondere im Bereich des Supply Chain-Management über ein hohes Potenzial zur Optimierung der Materialund Informationsflüsse entlang der Lieferkette. So stehen Logistikdienstleister beispielsweise vor der strukturellen Herausforderung, die Planungsund Auftragsabwicklungsprozesse überbetrieblich zu koordinieren, sodass intensive horizontale und vertikale Integrationsanforderungen bestehen. Blockchain-Lösungen bieten dabei einen Ansatz, um die Informationstransparenz auf sämtlichen Prozessebenen zu verbessern. Zur Freisetzung dieses Potenzials ist allerdings die hohe Komplexität von Blockchain-Lösungen zu bewältigen, die generell als schwer verständliche Technologiekomplexe angesehen werden (Gentemann 2019). Infolgedessen ist ein adäquates Kompetenzmanagement erforderlich, das gewährleistet, dass die Mitarbeiter über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen. Grundlage für das betriebliche Kompetenzmanagement bilden Kompetenzkataloge, welche die notwendigen fachlichen bzw. überfachlichen Kompetenzen für Planungsund Steuerungszwecke der Personalentwicklung verzeichnen (North et al. 2013). Zur Bewirtschaftung K
268 A. Jede et al. von Kompetenzkatalogen stehen mittlerweile zahlreiche Kompetenzrahmen zur Verfügung, die eine Vielzahl digitaler Kompetenzen erfassen und für unterschiedliche Tätigkeitsfelder aufbereiten. Hierzu ist beispielsweise das EU e-Competence Framework 3.0 zu zählen, welches 2016 als europäische Norm 16234 verabschiedet und 2019 aktualisiert wurde (Hohoff und Gelberg 2019). Ergänzend ist das europäische Kompetenzmodell DigComp 2.2 als Rahmenwerk für digitale Kompetenzen der EUBürger zu nennen (Vuorikari et al. 2022). Weiterhin steht der globale Qualifikationsund Kompetenzrahmen für die digitale Welt SFIA 8 zur Verfügung (SFIA Foundation 2021). Die genannten Kompetenzrahmen verzeichnen allerdings keine dedizierten Kompetenzen für den Einsatz und das Management von Blockchain-Technologien. Ein Grund hierfür besteht darin, dass in der BC keine grundsätzlich neue Kompetenz gesehen wird, sondern es sich vielmehr um die Anwendung einer neuen Technologie handelt, für deren produktiven Einsatz bereits bestehende, interdisziplinäre Kompetenzfelder zu integrieren sind. Für das betriebliche Kompetenzmanagement impliziert dies jedoch die Gefahr, dieses Technologiefeld bei der Personalentwicklung zu vernachlässigen. Im sektoralen Kontext der Logistik wird diese Gefahr noch dadurch verstärkt, dass Blockchain-Anwendungen originär im Finanzsektor verankert sind, und die Blockchain-Entwicklergemeinschaft somit keine ausgeprägte Affinität für Problemstellungen der Logistik aufweist (Gartner 2018). Hiermit geht auch die Hypothese einher, dass Blockchain-Experten bzw. -Spezialisten am externen Arbeitsmarkt nur sehr begrenzt für Tätigkeiten im Logistikbereich mobilisierbar sind, sodass der Kompetenzentwicklung des Personalbestands tendenziell hohe Bedeutung zufällt. Dieser Beitrag adressiert die skizzierte Problematik, indem ein Kompetenzrahmen für das Blockchain-basierte Supply Chain-Management (BC-SCM) entwickelt wird. Hiermit wird die Zielsetzung verfolgt, eine tragfähige Grundlage für das betriebliche Kompetenzmanagement zu generieren. Voraussetzung hierfür ist zunächst eine Einführung in die konzeptionellen Grundlagen der Blockchain-Technologie, die im folgenden Teil des Beitrags erörtert werden. Darauf aufbauend werden die Anwendungspotenziale des BC-SCM identifiziert, die anhand einer qualitativen Literaturanalyse erhoben werden und Unternehmen des Logistiksektors Anknüpfungspunkte für den wirtschaftlichen Einsatz von Blockchain-Technologien liefern. Die Auswahl dieser Forschungsmethode wird durch den Sachverhalt getrieben, dass bereits relativ viele Publikationen die Anwendungspotenziale von Blockchain-Technologien dediziert thematisieren. Die zur Umsetzung dieser Anwendungspotenziale erforderlichen Kompetenzen werden anschließend mithilfe einer quantitativen Literaturanalyse erhoben. Um einen tragfähigen Kompetenzrahmen für das BC-SCM zu generieren, wird ein großvolumiger Dokumentkorpus mit textanalytischen Methoden untersucht. Durch die Auswahl der quantitativen Literaturanalyse als Forschungsmethode erfolgt eine intendierte Abgrenzung gegenüber der Methodik, die üblicherweise zur Ableitung von Kompetenzrahmen zur Anwendung gelangt. Während etablierte Kompetenzrahmen nahezu regelmäßig auf der Durchführung von Expertenbefragungen in ausgewählten Institutionen oder der Analyse vorselektierter Stellenanzeigen basieren (Auth et al. 2021), wird aufgrund der Spezifität und des Reifegrads des Gegenstandsbereichs hier ein Ansatz gewählt, der wissenschaftliche und praxisorientierte K
Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und... 269 Publikationen zum BC-basierten SCM analysiert. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass eine großzahlige empirische Basis erschlossen wird und institutionelle Verzerrungen vermieden werden. Die identifizierten Anwendungspotenziale und der BC-SCM-Kompetenzrahmen werden dann herangezogen, um Kompetenzlücken in der Praxis mithilfe von Experteninterviews zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für das Personalmanagement abzuleiten. Abschließend werden Restriktionen sowie Anknüpfungspunkte für weiterführende Forschungsarbeiten aufgezeigt. 2 Konzeptionelle Grundlagen der Blockchain-Technologie Eine Blockchain ist ein informationstechnisches Konzept, um Daten in einer verteilten Infrastruktur ohne zentrale Instanz manipulationssicher und konsensorientiert zu verwalten. So definiert Drescher (2017) BC wie folgt: „The blockchain is a purely distributed peer-to-peer system of ledgers that utilizes a software unit that consist of an algorithm, which negotiates the informational content of ordered and connected blocks of data together with cryptographic and security technologies in order to achieve and maintain its integrity.“ Wie diese Definition nahelegt, handelt es sich bei einer BC um einen Datenspeicher, der die Daten in Form von Blöcken sichert (Holschbach und Busse 2022; Wittenberg 2020). Die Daten werden unabhängig von ihren Inhalten als Transaktion bezeichnet. Sie sind auf Grund des Einsatzes von Konsensverfahren, kryptografischer Verschlüsselung und Verkettung als integer anzusehen und können im Nachhinein nicht mehr manipuliert werden. Die Blöcke werden durch kryptografische Verfahren chronologisch miteinander verkettet. Neben der bereits erwähnten Unveränderlichkeit kann durch den Einsatz von Kryptografie verhindert werden, dass Unbefugte Zugriff auf die Transaktionen erhalten. Die Softwarearchitektur der BC-Technologie wird dabei als verteiltes Peer-to-Peer-Netzwerk beschrieben. Das bedeutet, dass die einzelnen Rechnerknoten im BC-Netzwerk direkt und ohne zentrale Instanz miteinander verbunden sind und kommunizieren Transaktion Transaktion Transaktion Zeitstempel Block n Konsensmechanismus Hashwert Block n-1 Merkle Root Hashwert Blockkopf Block n Transaktion Transaktion Transaktion Zeitstempel Block n+1 Konsensmechanismus Hashwert Block n Merkle Root Hashwert Blockkopf Block n+1 Transaktion Transaktion Transaktion Zeitstempel Block n+2 Konsensmechanismus Hashwert Block n+1 Merkle Root Hashwert Blockkopf Block n+2 Abb. 1 Funktionsweise einer Blockchain (in Anlehnung an Hinckeldeyn 2019; Wittenberg 2020) K
270 A. Jede et al. können. Im Peer-to-Peer-System sind sämtliche Knoten gleichberechtigt und erfüllen erforderliche Aufgaben für das Netzwerk. Entscheidungen darüber, ob einer BC ein neuer Block hinzugefügt wird, werden über einen festgelegten Konsensmechanismus getroffen. Die BC-Technologie wird auch den Distributed Ledger-Technologien (DLT) zugeordnet, da eine BC dezentral in jedem Knoten gespeichert wird. Folglich hat eine BC keine zentrale Ausfallgröße und gilt somit als hinreichend ausfallsicher. Abb. 1zeigt die schematische Funktionsweise des Konsensmechanismus, der kryptografischen Verschlüsselung sowie der Verkettung der Blöcke. Die Entwicklungsstufen der BC-Technologie werden anhand des Ziels und des Anwendungsbereichs in die Generationen BC 1.0, 2.0 und 3.0 klassifiziert (Holschbach und Busse 2022). BC der Generation 1.0 werden genutzt, um Kryptowährungen zu betreiben (z.B. Bitcoin, Dogecoin). BC der Entwicklungsstufe 2.0 werden in der Wirtschaft, bei Versicherungen oder im Finanzbereich zur Automatisierung mithilfe von Smart Contracts eingesetzt. Smart Contracts basieren auf Wenn-Dann-Regeln und sind dazu fähig, Aktionen automatisch auszulösen, wenn definierte Bedingungen eintreten. Dafür wird ein entsprechender Code programmiert und manipulationssicher in der BC gespeichert. Sowohl die Aktionen als auch die Bedingungen müssen digitalisierbar sein. BC der Entwicklungsstufe 3.0 werden z.B. im SCM und im Gesundheitsbereich genutzt, um Transaktionen zu beschleunigen und Vertrauen zwischen Parteien zu schaffen. BC der Entwicklungsstufen 2.0 und 3.0 werden auch Business Logic-Blockchains oder Enterprise Blockchains genannt, die mit unterschiedlichen Zugangsberechtigungen konzipiert werden können. 3 Anwendungspotenziale der Blockchain im Supply ChainManagement Das SCM steht aufgrund aktueller Entwicklungen vor zahlreichen Herausforderungen, die die Nutzung der BC-Technologie begünstigen. Genannt seien beispielsweise die vermehrte Individualisierung der Produkte, zunehmende Variantenvielfalt, Unterbrechungen der Wertschöpfungsketten, verkürzte Entwicklungszeiten, Wunsch nach kürzeren Lieferzeiten, Kreislaufwirtschaft, höhere rechtliche Anforderungen oder auch die Erhöhung der Transparenz des ökologischen Fußabdrucks. Um die Potenziale der BC-Technologie im SCM zu identifizieren, werden die Ergebnisse einer qualitativen Literaturanalyse vorgestellt. Ausgangspunkt der Literaturanalyse bildet die Forschungsfrage: Welche Anwendungspotenziale hat die BC-Technologie im SCM von materiellen Produkten in Bezug auf den Materialund Informationsfluss? Zur Begrenzung des Literaturvolumens werden deutschsprachige Publikationen fokussiert. Für die Literatursuche werden die Suchmaschinen Google Scholar, WISO und BASE herangezogen. Die Schlüsselbegriffe der Forschungsfrage lauten: Blockchain-Technologie, Supply Chain Management und Anwendungspotenziale. Damit die Begriffe nicht zu spezifisch sind, wird zudem nach Blockchain, Supply Chain und Anwendung gesucht. Für den Begriff Anwendung wird das Synonym Einsatz als Suchbegriff aufgenommen. Die Abfrage lautet somit: Blockchain AND Supply Chain AND Anwendung und Blockchain AND Supply Chain AND Einsatz. Auf den Ausschluss von Wörtern wird K
Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und... 271 Tab. 1 Auswahlund Ausschlusskriterien der qualitativen Literaturanalyse (in Anlehnung an Fink 2020) Typ Auswahlkriterien Erscheinungsjahr 2022 2023 Sprache Deutsch Inhalt/Titel Kombination aus mindestens zwei Suchbegriffen Kombination aus Blockchain und Begriffen, die mit dem Supply Chain in Zusammenhang stehen Mögliche Rückschlüsse auf ein Anwendungspotenzial Mögliche Neuerungen im Supply Chain Management Zugänglichkeit Direkt über die Datenbank Öffentlicher Zugang über eine Internetseite, zu der weitergeleitet wird Bibliothek der Hochschule Osnabrück Quellenart Wissenschaftliche Fachbücher Wissenschaftliche Lehrbücher Fachzeitschriften Forschungsberichte Typ Ausschlusskriterien Inhalt/Titel Fokus auf andere Technologien Fokus auf andere Unternehmensbereiche Fokus auf Dienstleitungen Zugänglichkeit Kauf Quellenart Private Internetseiten Internetseiten von kommerziellen Einrichtungen Abschlussarbeiten Hausarbeiten Seminararbeiten Boulevardzeitschriften verzichtet, um sicherzugehen, dass keine relevanten Literaturquellen ausgeschlossen werden. Ebenso wird auf Wörter wie Informationsfluss, Materialfluss oder materielle Produkte verzichtet, um die Suchergebnisse nicht zu stark zu reduzieren. Das Erscheinungsjahr der Literatur wird auf die Jahre 2022 und jünger eingegrenzt, um möglichst aktuelle Literaturquellen zu erhalten. Die Auswahlund Ausschlusskriterien zeigt Tab. 1. Der Suchprozess lieferte 4954 Fundstellen, die in mehreren Schritten via (1) Prüfung des Titels, (2) Prüfung des Abstracts und (3) Prüfung des gesamten Dokuments auf 28 relevante Dokumente reduziert wurden. Diese Dokumente sind einer Clusteranalyse unterzogen worden, sodass insgesamt 13 Potenziale identifiziert werden konnten. Diese werden zusammenfassend in Abb. 2dargestellt und im Folgenden erörtert. Die Quellen je Cluster sind ebenso der Abb. 2zu entnehmen. Diese dienen als Referenz für die Beschreibung der Potenziale im Folgenden. Der BC-Technologie wird das Potenzial zugeschrieben, in der Zusammenarbeit von Unternehmen Vertrauen zu schaffen. Durch die in Kap. 2 erläuterten kryptografischen Mechanismen können die BC und die darin abgespeicherten Daten als vertrauensvoll und integer angesehen werden. Die BC kann vor der Aufnahme eiK
272 A. Jede et al. Vertrauen schaffen Vermeidung opportunistischen Verhaltens Prozesskoordination gemeinsame Ressourcennutzung Automatisierung durch Smart Contracts Digitalisierung von Werten Offener Informationszugang und -austausch Herkunftsnachweise Compliance Tracking und Zertifikatsmanagement Transparenz entlang der Lieferkette Kreislaufwirtschaft Datenmarktplatz Betrugsund Fälschungserkennung Adam 2022 xx x Alt 2022 xxx x x Arnolds et al. 2022 x Aumüller et al. 2022 xx BA Beschaffung aktuell a 2022 x BABeschaffung aktuell b 2022 xx BA Beschaffung aktuell c 2022 xxxxx Betz und Hein 2022 x Binder et al. 2022 xxx dei - die ernährungsindustrie 2022 xxxx Dietrich et al. 2022 xx x Eberlein und Winkler 2022 xxxx Fleischer und Weber 2022 x Hecht und Hofbauer 2022 xxx Hoffmann 2022 xx Hoffmann et al. 2022 x Holschbach und Buss 2022 xxxxxx xx Keller 2022 xxxxx x Müller 2022 xxxx Orth et al. 2022 x Pohlmann 2022 x Prox 2022 x Reichwald et al. 2022 xx Schnelle und Kersten 2022 xx x x Werner 2022a xx x Werner 2022b xx Wintermeyer 2022 x Yilmaz et al. 2022 xxxxxx Anwendungspotenzial Autor Abb. 2 Ergebnisse der qualitativen Literaturanalyse. (Sämtliche Literaturquellen sind unter dem folgenden URL verfügbar: https://netcase.hs-osnabrueck.de/index.php/s/ oPMrSZ7Ctk2dv21) K
Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und... 273 ner neuen Geschäftsbeziehung genutzt werden, um den potenziellen Lieferanten in Bezug auf seine Eignung und Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Die BC zeigt die Transaktionshistorie des potenziellen Lieferanten transparent auf, wodurch Kriterien wie Liefertreue und Beschwerdeverhalten geprüft werden können. Zudem kann die BC dazu beitragen, opportunistisches Verhalten von Unternehmen zu reduzieren. Je mehr Informationen in der BC gespeichert werden, desto umfassender ist die Reputation, die über ein Unternehmen aufbaut wird. Opportunistisches Verhalten, wie Vertragsbrüche oder die Angabe falsche Informationen, können in der BC gespeichert werden. Wird dies, z.B. im Rahmen einer Lieferantenüberprüfung, offengelegt, kommt es zu einem Reputationsverlust. Entlang der Wertschöpfungskette kann die BC-Technologie genutzt werden, um innerund überbetriebliche Arbeitsabläufe abzubilden und zu koordinieren. Wenn Aufgaben, Rechte und Verantwortlichkeiten sämtlicher Unternehmen eines Wertschöpfungsnetzwerkes in einer BC abgebildet werden, sind der aktuelle Prozessstatus sowie die nächsten Prozessschritte für sämtliche Beteiligten transparent, sodass eine Senkung von Transaktionskosten erzielt werden kann. Des Weiteren kann die BC bei auftretenden Problemen zur Prozesskoordination und Ursachenanalyse herangezogen werden, um beispielsweise zu ermitteln, welches Unternehmen seinen Pflichten nicht nachgekommen ist. Da überbetriebliche Arbeitsabläufe durch den Einsatz einer BC besser koordiniert werden können, werden komplexere und koordinationsintensivere überbetriebliche Prozesse realisierbar. Eine BC kann als Plattform zur Arbeitsteilung zwischen mehreren vorrangig kleinund mittelständischen Unternehmen dienen. Erhält ein Unternehmen einen Auftrag, hat aber nicht die nötigen Kapazitäten, diesen vollständig und zeitnah zu erfüllen, kann es die zusätzlich benötigten Kapazitäten in einem BC-Netzwerk veröffentlichen und darüber einen Teil des Auftrags an ein anderes Unternehmen vergeben. Ähnlich ist dies mit mangelnden Kompetenzen denkbar. Hat ein Unternehmen beispielsweise nicht die nötigen Maschinen oder das notwendige Wissen für eine Auftragskomponente, kann es diesen Teil über eine BC an ein anderes Unternehmen abtreten und sich vollständig auf seine Kompetenzen konzentrieren. Die BC-Technologie kann Unternehmen ein geschütztes Netzwerk zur Zusammenarbeit bieten, das die Grundlage für flexible Wertschöpfungsnetzwerke schafft. In dem Netzwerk kann sich einerseits jedes Unternehmen auf seine Kernkompetenz fokussieren und anderseits Restkapazitäten wirtschaftlich nutzen und fehlende Kapazitäten anderweitig vergeben. BC der Entwicklungsstufen 2.0 und 3.0 ermöglichen den Einsatz von Smart Contracts, die das Potenzial zur Automatisierung von Transaktionen im SCM besitzen. Aus der Automatisierung resultiert ein geringerer Personaleinsatz, wodurch Transaktionskosten gesenkt, Zeit zur Abstimmung gespart und letztendlich die Effizienz entlang der Wertschöpfungskette gesteigert werden kann. Mit Hilfe einer BC können materielle und immaterielle Werte und der Handel mit diesen digital abgebildet werden. Die digitale Darstellung eines materiellen oder immateriellen Wertes wird Tokenisierung genannt. Eindeutig identifizierbare Tokens werden als Non-Fungible Tokens (NFT) bezeichnet und sind durch individuelle Merkmale, wie einen Namen oder eine Dezimalzahl, eindeutig erkennbar. Sie ermöglichen es, die Besitzerhistorie von Werten in einer BC abzuspeichern, K
280 A. Jede et al. parenz entlang der Lieferkette – diskutiert. Selektierte Zitate der einzelnen Experten lauten wie folgt: „Experten müssen Entscheidern Mehrwert der Blockchain vermitteln, z.B. mit Leuchtturm-Projekt“, „Wirtschaftlichkeit muss erwiesen sein“, „Monetäre Einsparung via Use Case nachweisen“, „Klares Bekenntnis seitens des Top Management zur Technologie“, „Unbedingt Knowhow und IT-Strukturen schaffen“, „Stärkeres Involvieren der Lieferanten“, „Höhere Bereitschaft, Daten zu teilen“, und „Prüfen, ob Blockchain Systeme ersetzt.“ Diese Stellungnahmen der Experten deuten darauf hin, dass ein wesentlicher Engpaß im Nachweis der Wirtschaftlichkeit von BC-Lösungen im SCM gesehen wird. In Hinblick auf den in Abschn. 4 eingeführten Kompetenzrahmen zum BC-SCM (Abb. 3) wird damit die Fragestellung nach dem Geschäftsmodell und der strategischen Positionierung aufgeworfen, wobei auch die anreizorientierte Einbindung der externen Lieferanten unter Berücksichtigung der Informationsund Kostenverteilung (Information/Cost-Sharing) relevant ist. Darüber hinaus wird aber auch die Notwendigkeit erkannt, interne Fähigkeiten bezüglich der notwendigen IT-Strukturen aufzubauen, womit insbesondere die Technologiedomäne des Kompetenzrahmens adressiert wird. Zum Abbau dieser Kompetenzlücken sind adäquate Maßnahmen des Personalmanagements erforderlich, dessen zentrales Aufgabenfeld darin besteht, geschäftsnotwendige Kompetenzen zu identifizieren, zu analysieren und durch den Einsatz personalwirtschaftlicher Instrumente wie etwa der Personalbeschaffung oder der Personalentwicklung bereitzustellen (Chen 2016). Folgende Handlungsempfehlungen für die Praxis sind in diesem Aufgabenfeld zu identifizieren: Um eine adäquate Planungsgrundlage für das Kompetenzmanagement im Kontext des BC-SCM zu gewinnen, sind die situativ benötigten Kompetenzen aus dem vorgestellten Kompetenzrahmen (s. Abb. 3) zu identifizieren und weiter zu detaillieren. Zu diesem Zweck sind etwa die Ausprägungsgrade der Kompetenzen (Proficiency Level, z.B. abgestuft in grundlegend, fortgeschritten, Experte)zufixieren und konkrete Stellenprofile (Job-Profile) zu entwickeln, die als Soll-Profile für die Personalbeschaffung oder betriebliche Weiterbildung dienen können. Im Rahmen dieser Stellenprofile sind neben den fachlichen Kompetenzen (z.B. in Bezug auf theoretische Konzepte, Programmiersprachen und konkrete Softwareprodukte) auch die überfachlichen Kompetenzen zu berücksichtigen.SoistderGegenstandsbereich des BC-SCM im Extremfall dadurch gekennzeichnet, dass global verteilte Akteure aus unterschiedlichen fachlichen Domänen in interdisziplinären Projekten kollaborieren müssen, damit eine tragfähige Anwendungsplattform entsteht. In einem solchen Umfeld sind insbesondere auch soziale und kommunikative Kompetenzen bei der Personalbedarfsplanung von Bedeutung. Die Gestaltung dieser Planungsgrundlage sollte sich dabei an der strategischen Positionierung des K
Blockchain-Technologie im Supply Chain Management – Anwendungspotenziale und... 281 Unternehmens ausrichten, sodass eine Abstimmung der Planung im Kontext der Unternehmens-, ITund Personalstrategie erfolgen kann. Die sich an die Personalbedarfsplanung anschließende Personalbeschaffung steht angesichts des voranschreitenden demographischen Wandels und des hiermit einhergehenden Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen. So ist eine verschärfende Problematik darin zu sehen, dass die BC-Technologie noch nicht in nennenswertem Umfang in die bestehenden Curricula der Hochschulen integriert worden ist (Feng et al. 2022), sodass die Absolventen informationstechnischer Studiengänge häufig keine bestehenden Fachkompetenzen zur Entwicklung von BC-Anwendungen aufweisen. Gleichermaßen ist auch davon auszugehen, dass Studierende betriebswirtschaftlicher Studiengänge Wissensdefizite bezüglich der Funktionsweise und der resultierenden Potenziale von Blockchains in Unternehmensprozessen besitzen. Zur Deckung des Kompetenzbedarfs hat das Personalmanagement daher den Fokus auf die Beschaffung von Fachkräften mit einschlägiger Berufserfahrung bzw. die Weiterbildung des Personalbestands zu legen, was allerdings dadurch erschwert wird, dass bislang noch kein generell akzeptiertes Zertifizierungsprogramm für BC-Kompetenzen existiert. Der in diesem Beitrag entwickelte Kompetenzrahmen kann indes als Diskussionsbeitrag zur weiteren Entwicklung der Kompetenzdomäne des BC-SCM gesehen werden. Bei der Attrahierung von BC-Experten am externen Arbeitsmarkt ist weiterhin zu berücksichtigen, dass – aufgrund der starken Verbreitung von BC-Technologien im Finanzsektor – Hintergrundwissen über Logistikprozesse in der BC-Entwicklergemeinde eher gering ausgeprägt sein dürfte, sodass der Incentivierung potenzieller Arbeitskräfte hohe Bedeutung zukommt. Darüber hinaus ist aus Perspektive der Aufbauorganisation zu klären, durch welche Unternehmenseinheiten die Entwicklungsund des Betriebsprozesse von BCSCM-Lösungen durchgeführt werden. Eine singuläre Verankerung im IT-Bereich der Unternehmung erscheint zunächst naheliegend, kann jedoch zu einer einseitig technischen Fokussierung führen. Wie der entwickelte Kompetenzrahmen verdeutlicht, ist zur Realisierung der Anwendungspotenziale von BC-SCM ebenso die Geschäftsdomäne zu berücksichtigen (s. Abb. 3), sodass ggf. neue aufbauorganisatorische Einheiten notwendig werden, in denen fachliche und technische Aufgabenfelder integriert werden. Konstruktive Ansatzpunkte zur aufbauorganisatorischen Verankerung transformativer Informationstechnologien werden beispielsweise im IoT-Kontext diskutiert (Porter und Heppelmann 2015). Die skizzierten Handlungsempfehlungen werden nun um eine Schlussbetrachtung ergänzt, die Restriktionen und Anknüpfungspunkte für weiterführende Forschungsarbeiten aufzeigt. 6Fazit Mit diesem Beitrag konnten zunächst die Anwendungspotenziale von BlockchainTechnologien in der Domäne des Supply Chain-Management erfasst werden. Die qualitative Literaturanalyse hat dabei gezeigt, dass mit dem Einsatz von Blockchains K
282 A. Jede et al. unterschiedliche Nutzeffekte im Kontext von Logistikprozessen verknüpft sind, die von grundsätzlichen Verbesserungspotenzialen bezüglich der Transparenz und der Koordination bis hin zur Einhaltung aktueller rechtlicher Regularien (z.B. Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) reichen. Dabei ist hervorzuheben, dass hiermit lediglich der aktuelle Erkenntnisstand reflektiert wird. Aufgrund der hohen Technologieund Umweltdynamik ist damit zu rechnen, dass sich künftig weitere Anwendungspotenziale für das BC-SCM entwickeln werden. Darüber hinaus hat dieser Beitrag auch die Kompetenzen identifiziert, die zur Umsetzung der Anwendungspotenziale notwendig sind. Mithilfe einer quantitativen Literaturanalyse wurde ein großvolumiger Dokumentkorpus untersucht und ein BC-SCM-Kompetenzrahmen abgeleitet. Der hierbei gewählte frequenzanalytische Ansatz ist methodisch einfach und berücksichtigt ausschließlich die Abstracts der Publikationen. Um die Validität des generierten Kompetenzrahmens zu steigern, bietet sich im Rahmen weiterführender Forschungsarbeiten eine Überprüfung per Expertenbefragung an, um z.B. fehlende Kompetenzfelder zu identifizieren oder Verfeinerungen zur Konstruktion ausdifferenzierter Kompetenzhierarchien vorzunehmen. Als weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung erscheinen auch die Analyse von Volltexten und/oder die Nutzung komplexerer Analysemethoden als geeignet, mit denen semantisch ähnliche Fachbegriffe identifiziert werden können (z.B. Word Embeddings bzw. Large Language Models, LLM). Schließlich konnten im Rahmen des Beitrags mithilfe einer Expertenbefragung relevante Kompetenzlücken und generische Handlungsempfehlungen für die Praxis im Kontext des Personalmanagements generiert werden. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die aktuelle Unternehmenspraxis insbesondere in der Wirtschaftlichkeitsbewertung von BC-SCM-Lösungen einen Engpass sieht. Dieser Befund ist als Motivation zur Gestaltung praxistauglicher Bewertungsmethoden zur Entscheidungsunterstützung des SCM aufzufassen, um strategische Fehlentscheidungen – die im Kontext überambitionierter Digitalisierungsinitiativen typischerweise mit hohen Investitionskosten und niedrigen Erträgen einhergehen – zu vermeiden. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/ licenses/by/4.0/deed.de. K
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