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Marktwirtschaftliche Innovationspolitik

Herb, Friedhelm

Abstract

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Herb, Friedhelm Book — Digitized Version Marktwirtschaftliche Innovationspolitik Hohenheimer volkswirtschaftliche Schriften, No. 9 Provided in Cooperation with: Peter Lang International Academic Publishers Suggested Citation: Herb, Friedhelm (1988) : Marktwirtschaftliche Innovationspolitik, Hohenheimer volkswirtschaftliche Schriften, No. 9, ISBN 978-3-631-75475-7, Peter Lang International Academic Publishers, Berlin, https://doi.org/10.3726/b13991 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/182913 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Friedhelm Herb wurde 1961 in Heilbronn geboren. Studium der Wirtschaftswissenschaften von 1980-1985 an der Universität Hohenheim. Von 1985-1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Cay Folkers am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft im Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Hohenheim. 1986-1988 Stipendiat nach dem Landesgraduiertenförderungsgesetz Baden-Württemberg. HOHENHEIMER VOLKSWIRTSCHAFTLICHE SCHRIFTEN Friedhelm Herb Marktwirtschaftliche Innovationspolitik Marktwirtschaftliche Innovationspolitik Hohenheimer volkswirtschaftliche Schriften Herausgegeben von Prof Dr cav Folkers, Prof Dr Klaus Herdzlna, Prof Dr Franz Mehler t Prof. Dr Walter Plesch, Prof Dr Ingo Schmidt, Prof. Dr Helmut Walter. Prof. Dr Josua Werner Band9 • Ver1ag Peter Lang Frankfurt am Main · Bern · New York· Paris Friedhelm Herb Marktwirtschaftliche Innovationspolitik • Verlag Peter Lang Frankfurt am Main · Bern · New York· Paris Open Access: The online version of this publication is published on www.peterlang.com and www.econstor.eu under the international Creative Commons License CC-BY 4.0. Learn more on how you can use and share this work: http://creativecommons. org/licenses/by/4.0. This book is available Open Access thanks to the kind support of ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. ISBN 978-3-631-75475-7 (eBook) CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek Herb, Friedhelm: Marktwirtschaftliche Innovationspolitik / Friedhelm Herb. - Frankfurt am Main ; Bern ; New York ; Paris : Lang, 1988 (Hohenheimer volkswirtschaftliche Schriften ; Bd. 9) ISBN 3-631-40752-1 NE:GT Q) =I! D 100 ISSN 0721-3085 ISBN 3-631-40752-1 © Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main 1988 Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Printed in Germany MEIN"EN" ELTERN" When the dragons grow too mighty to slay with pen or sword, I grow weary of the battle and the storm I walk toward. When all around is madness and there's no safe port in view, I long to turn my path homeward to stop awhile with you. (Neil Pert) II. 1. 1.1 1.1.1 1.1.2 1.1. 3 1.2 1.2.1 1.2.2 1.2. 3 1. 3 1.4 2. 2.1 2.2 2.2.1 2.2.2 2.2.3 2.2.4 2.3 2.3.1 2.3.2 3. 3.1 3.1.1 3 .1.2 3.2 4. III. - V - KAPITALBESCHAFFUNG Die steuerliche Behandlung alternativer Finanzierungsformen Die steuerlichen Implikationen der einzelnen Finanzierungsformen Fremdfinanzierung Beteiligungsfinanzierung Selbstfinanzierung Vergleich der Finanzierungsformen Fremdfinanzierung versus Beteiligungsfinanzierung Selbstfinanzierung versus Beteiligungsfinanzierung Selbstfinanzierung versus Fremdfinanzierung Der Einfluß der Finanzierungsbedingungen auf die Investitionsplanung Fazit Die Finanzierung von Innovationsprojekten Problemstellung Fremdfinanzierung Fremdkapitalaufnahme bei Kreditinstituten Fremdfinanzierung mit Schuldscheindarlehen und Industrieobligationen Finanzierung durch Pensionsrückstellungen Zusammenfassung Eigenfinanzierung Eigenfinanzierung und Rechtsform zusammenfassende Gegenüberstellung Die Eigenfinanzierung von Unternehmen über den Kapitalmarkt S. 120 S. 120 s. 120 s. 120 s. 121 s. 123 s. 123 s. 123 s. 126 S. 127 s. 128 S. 129 s. 130 s. 130 S. 131 S. 131 s. 136 s. 137 s. 137 S. 138 S. 138 s. 141 s. 144 Die steuerlichen Folgen der Rechtsformwahl s. 144 Die steuerlichen Folgen des Rechtsformwechsels S. 144 Die Belastungen bei der Aktiengesellschaft Die Bedingungen für die Börsenzulassung Finanzierung durch nicht-gesellschaftsrechtliche Beteiligungstitel ZUSAMMENFASSUNG s. 146 s. 146 s. 147 S. 148 -VI - TEIL 3: MARKTJfIRTSCHAFTLICHE INNOVATIONSPOLITIK: IIOGLICHKEITEN -GRENZEN -KONZEPTE G. MOGLICHKEITBN UND GRENZEN DER INNOVATIONSPOLITIK I. II. 1. 1.1 1.2 1. 3 2. 2.1 2.1.1 2 .1. 2 2.2 III. GEGENSTAND DER INNOVATIONSPOLITIK VORAUSSETZUNGEN FOR EINE INNOVATIONSPOLITIK Notwendige Bedingung Optimalitätsbedingungen Die Informationserfordernisse Spezielle Probleme der Innovationspolitik Hinreichende Bedingung Kapitalisierungseffekte Die Kapitalisierung im Marktprozeß Die Kapitalisierung im politischen Prozeß Die Interventionsakzeleration MÖGLICHKEITEN DER INNOVATIONSPOLITIK IV. GRUNDLAGEN EINER AKKOMMODIERENDEN INNOVATIONSPOLITIK 1. Die Funktionen von Unternehmen und Staat in einer marktwirtschaftlichen Ordnung 2. Grundzüge einer akkommodierenden Innovationspolitik V. ZUSAMMENFASSUNG H. INNOVATIONSPOLITIK IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND I. ZIELE UND GRUNDSATZE II. OKONOMISCHE BEGRONDUNGEN DER FORSCHUNGSUND TECHNOLOGIEPOLITIK IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND 1. Externalitäten S. 151 s. 151 s. 151 s. 152 s. 152 S. 152 s. 155 S. 160 s. 162 s. 162 s. 163 s. 164 s. 166 S. 167 S. 169 s. 169 s. 170 s. 176 s. 177 s. 177 s. 179 s. 179 1.1 1.2 2. 3. 4. - VII - Grundlagenforschung Angewandte Forschung und Entwicklung Unsicherheit Unteilbarkeiten Förderwettbewerb III. INNOVATIONSPOLITIK IN DER BUNDESREPUBLIK S. 179 S. 180 S. 182 s. 184 S. 185 DEUTSCHLAND -EINE KRITISCHE BESTANDSAUFNAHME S. 191 1. 2. 3. 4. IV. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung Die Steuerpolitik Die Kapitalmarktpolitik Die Wettbewerbspolitik FAZIT V. VORSCHLAGE FOR MASSNAHMEN IM RAHMEN 1. 2. 3. 4. J. EINER AKKOMMODIERENDEN INNOVATIONSPOLITIK Maßnahmen im Bereich der Steuerpolitik Maßnahmen im Bereich der Kapitalmarktpolitik Maßnahmen im Bereich der Industriepolitik Implementationsprobleme ZUSAMMENFASSUNG LITERATURVERZEICHNIS s. 191 s. 199 S. 203 s. 206 s. 207 s. 209 s. 210 s. 213 S. 214 s. 215 s. 216 s. 227 - 1 - A. EINLEITUNG I. PROBLEMSTELLUNG Die Sozialproduktsentwicklung ist seit der Mitte der siebziger Jahre auffallenden in den westlichen Industrienationen durch einen Rückgang der Wachstumsraten gekennzeichnet. Zu Beginn der achtziger Jahre setzte zwar eine Stabilisierung der Wachstumsraten ein, jedoch auf niedrigem Niveau 1 >. Die mit dieser Entwicklung einhergehenden gravierenden Beschäftigungsprobleme, verstärkt durch die demographische Entwicklung, ließen den Ruf nach einer "Neuen Industriepolitik" oder auch "Neuen Industrieund Forschungspolitik" laut werden 2 >. Mit einer solchen neuen Strategie sollen zwei Ziele erreicht werden. Zum einen soll der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Ko~kurrenz der Schwellenländer in traditionellen Industriezweigen gestoppt werden. Zum zweiten sollen durch die Förderung "zukunftsträchtiger Industrien" neue Märkte erschlossen werden 3 >. Gegenstand dieser Arbeit sind die zur Erreichung des letztgenannten Zieles durchgeführten und geforderten Maßnahmen. untersucht werden die Voraussetzungen für eine zielgerichtete Innovationspolitik sowie die Möglichkeiten, die den politischen Entscheidungsträgern zur Gestaltung der innovativen Aktivitäten der privaten Wirtschaftssubjekte zur Verfügung stehen. Auffällig ist sich ständig in diesem Bereich der Wirtschaftspolitik die ausweitende Anzahl von Förderund Aktionsprogrammen für immer neue Bereiche mit immer detaillierteren Regelungen. Einschlägige Maßnahmen werden parallel auf supranationaler, Bundes-, Landesund kommunaler Ebene initiiert4' . 1) Vgl. Tabelle B.1 2) Vgl. Schmidt. K.-D. (1985), S. 63 und Issing, 0. (1986), S. 2 3) Vgl. Schmidt, K.-D. (1985), S. 63ff 4) Vgl. Dittes, E. (1987), Bundesminister für Forschung und Technologie (1986) und Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie Baden-Württemberg (1987) - 2 - Die Analyse dieses "technologiepolitischen Aktivismus" 11 erfordert neben der Untersuchung der ökonomischen Grundlagen einer solchen Politik auch die Einbeziehung politisch-ökonomischer Prozesse. Durch diese Erweiterung um eine positive politisch-ökonomische Analyse der Förderaktivitäten ändert sich die für die Operationalität innovationspolitischer Maßnahmen entscheidende Fragestellung. Um den staatlichen Handlungsbedarf im Bereich der Innovationspolitik zu bestimmen, werden nicht aus ökonomischer Sicht ideale Anreizstrukturen den bestehenden, unvollkommenen institutionellen Regelungen gegenübergestellt ("Nirvana Approach" 2> ). Vielmehr werden die Möglichkeiten der Innovationspolitik beurteilt, indem die Effizienz staatlicher Maßnahmen innerhalb des existierenden ökonomischen und politischen Systems analysiert wird. Dementsprechend stellt diese Arbeit auf Verbesserungen innerhalb des gegebenen politisch-ökonomischen Systems ab. Der in dieser Arbeit verwendete Innovationsbegriff geht auf eine von J.A. Schumpeter getroffene Definition zurück. Schumpeter beschreibt die Innovationstätigkeit als "Doing things differently." 3> Eine Innovation ist somit nicht nur die Durchsetzung technischer Neuerungen sondern jede wirtschaftliche Verwertung neuartiger Kombinationen von Angebot und Nachfrage, seien es neue Produkte oder Produktqualitäten, Produktionsverfahren oder Organisationsformen 4 >. Wird in dieser Arbeit von Innovationstätigkeit gesprochen, werden alle für ein Unternehmen neuartigen Kombinationen eingeschlossen. Für den Innovationsbegriff wird also nicht darauf abgestellt, ob es sich um die erste kommerzielle Nutzung einer neuartigen Kombination in der Volkswirtschaft überhaupt handelt, sondern ob sie für das betreffende Unternehmen eine Neuerung darstellt 8 >. Dieser einzelwirtschaftliche Innovationsbegriff erscheint im Rahmen der vorliegenden Arbeit sinn1) Staudt, E. (1985), S. 646 2) Demsetz, H. (1969), S. 1 3) Schumpeter, J.A. (1939), S. dieser Definition: Innovation (1961), s. 91. 4) Vgl.Schumpeter, J.A. (1964), s. 5) Vgl. Mohr, H.-w. (1977), s. 23 84; vgl. dazu die deutsche Obersetzung heißt "Andersmachen"; Schumpeter, J.A. lOOf - 3 - voll, da die Innovationspolitik nicht nur auf aus volkswirtschaftlicher Sicht neuartige Kombinationen abstellt, sondern auf die Neuerungsaktivitäten der einzelnen Unternehmen abzielt. Die Analyse dieser Arbeit hebt auf die Möglichkeiten der Beeinflussung von Innovationsentscheidungen ab. Eine Analyse gesamtwirtschaftlicher Diffusionsprozesse erfolgt nicht. II. GANG DER UNTERSUCHUNG Die vorliegende Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Zunächst werden die grundlegenden gesamtund einzelwirtschaftlichen zusammenhänge der Innovationstätigkeit analysiert. Anschließend erfolgt eine Untersuchung des Einflusses von Steuern und Finanzierungsbedingungen auf die Risikound Innovationsbereitschaft. Im dritten Teil werden dann die Möglichkeiten und Grenzen einer marktwirtschaftlichen Innovationspolitik in der Demokratie diskutiert. Die innovationspolitischen Aktivitäten bauen auf der Hypothese auf, daß es Innovationen sind, die mittelund langfristig wirtschaftliches Wachstum sichern. In Kapitel B wird deshalb die Innovationstätigkeit in ihren gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang gestellt. Zur Oberprüfung der angeführten Hypothese werden die einzelnen Determinanten des Wirtschaftswachstums unterschieden. Anschließend wird die Entwicklung dieser Bestimmungsgrößen unter Heranziehung empirischer Arbeiten analysiert. In den Kapiteln C und D werden die einzelwirtschaftlichen Grundlagen der Innovationstätigkeit und der Innovationspolitik untersucht. Zunächst werden in Kapitel c die Besonderheiten von Innovationsentscheidungen herausgearbeitet, indem einem einfachen neoklassischen Investitionsmodell der idealtypische Verlauf von Innovationsprozessen gegenübergestellt wird. In Kapitel D wird der Kalkül zur Bestimmung des optimalen Innovationszeitpunkts aufgestellt. Anschließend wird der Einfluß der Wettbewerbsbedingungen und der Gewinnerwartungen auf das Innovationsverhalten analysiert. - 4 - Im zweiten Teil der Arbeit wird die Bedeutung der steuerlichen Bedingungen und der Finanzierungsmöglichkeiten für die Risikound Innovationsbereitschaft untersucht. In Kapitel E werden die Wirkungen der Besteuerung auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme diskutiert. Zunächst wird die Risikowirkung der Ertragsbesteuerung in einem Portefeuille-Modell über die Struktur der im Portefeuille gehaltenen Titel bestimmt. Ein anschließend verwendeter neuer Ansatz setzt bei der Bestimmung der Risikowirkungen der Besteuerung direkt an der Marginalbedingung an und stellt auf die Beantwortung der Frage ab, wie die Steuererhebung auf Entscheidungen zwischen zwei Alternativen wirkt, die vor Steuern als gleichwertig erachtet werden und die risikolos bzw. risikobehaftet sind. Mit diesem Ansatz werden dann auch die Auswirkungen von Tarifänderungen auf die Risikobereitschaft sowie die Bedeutung von Verlustausgleichsregelungen bei schwankenden Einkommen für die Risikoübernahme analysiert. Zudem wird in diesem Abschnitt der Einfluß steuerpolitischer Aktivitäten auf das Ausmaß des steuerlichen Risikos diskutiert. Gegenstand von Kapitel F sind die für Innovationsentscheidungen besonders bedeutsamen Finanzierungsbedingungen. Zwei Fragestellungen werden hier angesprochen. Einmal wird die steuerliche Behandlung der Kapitalbildung und der alternativen Wege der Kapitalbeschaffung analysiert. Da diese Untersuchung eine eindeutige Präferenz zugunsten einer bestimmten Finanzierungsform, der Fremdfinanzierung, ergibt, wird anschließend erörtert, ob die kapitalsuchenden, innovationsbereiten Unternehmen diese Präferierung bei der Kapitalbeschaffung berücksichtigen und nutzen können oder ob sie aufgrund von Restriktionen seitens der Kapitalgeber bzw. wegen der institutionellen Struktur der Kapitalmärkte andere Strategien verfolgen müssen. Auf der dritten Basis Teil der der vorangehenden Untersuchungen werden im vorliegenden Arbeit die Möglichkeiten und Grenzen innovationspolitischer Aktivitäten in einer marktwirtschaftlichen Demokratie diskutiert. Zunächst werden in Kapitel G die Voraussetzungen für eine zielgerichtete Innovationspolitik untersucht. Die Ausführungen konzentrieren sich - 5 - auf die Informationsanforderungen, die eine solche Politik stellt, und auf die Bedeutung marktlicher und politisch-ökonomischer Reaktionen für die Wirksamkeit innovationspolitisch motivierter Interventionen. Innovationen sind neuartige wirtschaftliche Kombinationen von Angebot und Nachfrage. Ihre Strukturen sind im vorhinein nicht bekannt. Da aber lenkende staatliche Interventionen Bezugspunkte erfordern, an denen die Maßnahmen anknüpfen, ist eine induzierende Innovationspolitik nicht möglich. Die Möglichkeiten der Innovationspolitik bestehen deshalb in einer akkommodierenden Strategie, die auf den Abbau von Innovationshemmnissen ausgerichtet ist. Kapitel H bietet einen Oberblick über die innovationspolitischen Aktivitäten in der Bundesrepublik Deutschland. Obwohl die Grundsätze der Politik ordnungspolitisch ausgerichtet sind, werden zahlreiche selektive Eingriffe gerechtfertigt. Die Begründungen für die innovationspolitischen Maßnahmen und die Realisierung der Fördermaßnahmen werden kritisch analysiert. Der gegenwärtig praktizierten Politik werden dann Vorschläge für eine akkommodierende Innovationspolitik gegenübergestellt, die aus dem in Kapitel G vorgestellten Konzept für eine solche Strategie und den Ergebnissen dieser Arbeit entwickelt werden. - 6 - 'l'EIL 1: GRUNDLEGENDE GESAJITUND EINZELJIIR'l'SCHAF'l'LICHE ZUSAJIIIBNIIANGE B. WIRTSCHAFTSWACHSTUM UND PRODUKTIVITATSENTWICKLUNG I. KOMPONENTEN DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS In diesem Kapitel soll die Bedeutung der Innovationstätigkeit für die Produktivitätsentwicklung und das Wirtschaftswachstum untersucht werden. Dabei wird die Hypothese überprüft, daß es letztlich Innovationen sind, aus denen langfristig Wirtschaftswachstum resultiert 1 >. Unter· wirtschaftlichem Wachstum wird hier die Zunahme des realen Sozialprodukts, also der Menge der in einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum erzeugten Güter und Dienstleistungen verstanden. Grundsätzlich lassen sich zwei Quellen des Wirtschaftswachstums unterscheiden 2 >. Einerseits kann die Outputsteigerung durch eine Erhöhung der Inputmengen bei gegebener Produktivität erzielt werden. Andererseits kann mit gegebenem Input eine größere Ausbringungsmenge erstellt werden, wenn eine Produktivitätssteigerung realisiert wird. Das Wirtschaftswachstum aufgrund erhöhten Faktoreinsatzes kann seinerseits in zwei Kategorien unterteilt werden. Zum einen kann mit dem zusätzlichen Input die Produktion bereits im Sozialprodukt enthaltener Güter und Dienste erhöht werden. In diesem Fall handelt es sich um einen reinen Mengeneffekt. Zum zweiten kann werden. Zusätzliche eine innovative Komponente unterschieden Inputs können aber auch zur Erstellung von Gütern und Diensten verwendet werden, die bisher nicht im Sozialprodukt enthalten waren. Die Inputsteigerung dient in diesem Fall zur Produktion neuartiger Güter und Dienste. Voraussetzung dieser Art des Wirtschaftswachstums sind Produktinnovationen. Im folgenden werden die Determinanten der Produktivitätsentwicklung im einzelnen analysiert. 11 Vgl. Bundesminister für Forschung und Technologie (1984), s. 10, 34ff 2) Vgl. Sato, R./Suzawa, G.S. (1983), S. 3f - 13 - der tatsächlichen hinter der bei den gegebenen Bedingungen möglichen Produktivitätsentwicklung. Mobilitätshemmnisse können zum Beispiel starke regionale Bindungen der Arbeitskräfte sein, vertragliche und gesetzliche Regelungen, welche die Kosten der Wanderung erhöhen (zum Beispiel der Verlust von Betriebsrenten oder die Grunderwerbsteuer), staatliche Eingriffe, die der Erhaltung veralteter Strukturen dienen (zum Beispiel Subventionen der Eisenund Stahlindustrie, des Bergbaus und der Landwirtschaft oder Investitionsvergünstigungen in bestimmten Regionen bzw. für einzelne Industriezweige). 2.1.2 Faktorpreisentwicklung und Faktorsubstitutionsmöglichkeiten Bei gegebenem Erlös für die hergestellten Erzeugnisse hat eine Erhöhung der Faktorpreise ein Absinken der Produktivität zur Folge: (B.7) dP/dI = - O/I 2 < 0 . Ist ein Unternehmen ohne Einfluß auf die Faktorpreisbildung und bleiben die relativen Faktorpreise unverändert, so kann es die Produktivitätssenkung nicht kompensieren. Verschieben sich die relativen Faktorpreise, dann kann durch verstärkten Einsatz des relativ billiger gewordenen Faktors ein Teil der Produktivitätseinbuße ausgeglichen werden. Grundlage für eine produktivitätserhöhende Substitution von Produktionsfaktoren sind zum einen eine entsprechende Flexibilität der Produktionsstruktur den relativ und zum zweiten die Fähigkeit der Unternehmung, teuereren Faktor auch tatsächlich freisetzen zu können. Je nach Faktorsubstitution Struktur des Produktionsprozesse kann eine überhaupt unmöglich sein (limitationale Faktoreinsatzverhältnisse) oder die Umstellungskosten übersteigen den Preisvorteil des relativ günstigeren Faktors. Auch kann eine Substitution daran scheitern, daß gesetzliche oder vertragliche Regelungen die Freisetzung von Faktoren verhindern (zum Beispiel Arbeit) oder daß keine Faktoren entsprechender Qualität zur Verfügung stehen. - 14 - 2.1.3 Faktorqualität Anderungen in der Qualität der Produktionsfaktoren äußern sich in Anderungen des Outputs bei gegebenem Inputvolumen. Binzelne, die Qualität der Inputs bestimmende Aspekte sollen im folgenden getrennt für die beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital untersucht werden. 2.1.3.1 Bestimmunasarößen der Qualität der Arbeitsleistung Grundlegende Determinanten der Qualität des Produktionsfaktors Arbeit sind das allgemeine Bildungsund das berufsspezifische Ausbildungsniveau. Die Ausbildung beeinflußt entscheidend die Möglichkeiten der Arbeitsplatzwahl und die Fähigkeiten, bestimmte Aufgaben auszuführen. Verbesserte Ausbildung ermöglicht die Obernahme anspruchsvollerer Tätigkeiten und die Erledigung gegebener Aufgaben mit geringerem Aufwand. Außerdem erhöht eine breitere Allgemeinbildung die Aufgeschlossenheit und Obernahmebereitschaft gegenüber neuen Produktionsmethoden. Zudem sind sich besser ausgebildete Arbeitskräfte ihrer Fähigkeiten und Arbeitsmöglichkeiten bewußter und können deshalb leichter die Positionen erreichen, in denen ihr Grenzprodukt am größten ist 1 >. Allerdings ist es zweifelhaft, ob ständige Verlängerungen der Ausbildungszeiten die Faktorqualität auch tatsächlich erhöhen2>. Der Bildungssektor ist hoch subventioniert und Ausbildung wird oft nur als Konsumgut betrachtet. Zudem kann die Ausbildungsqualität nicht als konstant vorausgesetzt werden. Da auch der Markttest für Humankapital sehr problematisch ist, ist es durchaus denkbar, daß die Grenzerträge verlängerter Ausbildungszeiten auf null absinken oder sogar negativ werden können. Bildung und Ausbildung haben ihrerseits Auswirkungen auf den institutionellen Rahmen der Wirtschaftstätigkeit. So ist die Formulierung und Durchsetzung von Gruppeninteressen auch von 1) Vgl. Denison, E.F. (1979), S. 42 2) Vgl. Baily, M.N. (1981), S. lOf - 15 - Bildung und beruflicher Qualifikation ihrer Vertreter abhängig. Neben der Ausbildung verschafft auch Erfahrung die Fähigkeit, gegebene Aufgaben mit geringerem Arbeitseinsatz zu erledigen•>. Verschiebungen in der Altersstruktur der Beschäftigten sind deshalb nicht ohne Bedeutung für die Arbeitsproduktivität. So kann zum Beispiel eine starke Erhöhung des Anteils der neu in das Erwerbsleben eintretenden Beschäftigten zu einem (vorübergehenden) Absinken der Produktivität führen. 2.1.3.2 Bestimmunqsqrößen der Qualität des Sachkapitals Als eine erste wichtige Bestimmungsgröße der Qualität des Sachkapitals ist die Altersstruktur des eingesetzten Kapitalstocks zu nennen 2 >. Mit zunehmendem Alter des eingesetzten Kapitals sinkt der Anteil der mit neuester Technik ausgestatteten Kapitalgüter. Entsprechend bleibt die tatsächliche Entwicklung der Produktivität hinter der zurück, wie sie beim Einsatz modernster Anlagen möglich wäre. Die mit erhöhtem Alter der Kapitalgüter steigenden Ausfallund Reparaturzeiten sind ein Grund dafür, daß die effektive Einsatzzeit der Anlagen absinkt. Eine Verkürzung der Nutzungsdauer der Kapitalgüter führt jedoch nicht zwangsläufig zu positiven Produktivitätseffekten. Durchgreifende Produktivitätswirkungen können oft nur durch den Austausch von langlebigen Wirtschaftsgütern erzielt werden. Anlagen mit kurzer Nutzungsdauer enthalten häufig nur relativ geringfügige Verbesserungen, welche die Produktivität des gesamten Kapitalstocks nur unwesentlich beeinflussen. Für die Altersstruktur und technische Zusammensetzung des Kapitalstocks ist das Investitionsvolumen die entscheidende Größe. Je höher die Ersatzinvestitionen und damit die Erneuerungsrate des Kapitalstocks und je bedeutender das Ausmaß der Erweiterungsinvestitionen, desto schneller wird der Kapitalstock mit technisch verbesserten Anlagen durchsetzt; d.h. 1) Vgl. Baily, K.N. (1981), S. 8f 2) Vgl. Klodt, B. (1984), S. 62 - 16 - d.h. mit höherem Investitionsvolumen wird die Diffusion von Prozeßinnovationen beschleunigt und die Produktivität des eingesetzten Kapitals erhöht. 2.1.4 Leistunasintensität der eingesetzten Faktoren 2.1.4.1 Bestimmunasarößen der Leistunasintensität des Arbeitseinsatzes Bei der Analyse der Leistungsintensität des Arbeitseinsatzes sind zwei Fragestellungen zu unterscheiden 1 >. Zum einen ist zu untersuchen, welche Größen das Verhältnis der bezahlten Arbeitszeit zur effektiven Arbeitszeit bestimmen. Zum zweiten ist zu analysieren, wodurch die Intensität der Arbeitsleistung während der Zeit bestimmt wird, in der sich die Beschäftigten am Arbeitsplatz befinden. Das Verhältnis von bezahlter Zeit zu der Zeit, während der die Arbeitskräfte an ihrem Arbeitplatz zur Verfügung stehen, ist weitgehend durch institutionelle Bedingungen festgelegt. Zunächst führen die gesetzlichen Feiertage zu einer Diskrepanz zwischen bezahlter und verfügbarer Arbeitszeit. Ein zweiter Aspekt ist die Anzahl der {bezahlten) Urlaubstage. Sie wird gesetzlich und in Tarifverhandlungen festgelegt. Ein dritter Punkt sind die vom Unternehmen zu bezahlenden Krankheitstage. Zwar werden die gesetzlichen und vertraglichen Regelungen zur Lohnfortzahlung ohne Mitwirkung des einzelnen Unternehmens festgelegt, der Eintritt des Krankheitsfalles selbst ist aber in gewissem Umfang vom Unternehmen zu beeinflussen. So können zum Beispiel das Auftreten von Berufskrankheiten durch entsprechende Vorkehrungen bzw. Umgestaltungen des Arbeitsprozesses und auch die Ausnutzung von Karenztagen zum "Krankfeiern" durch Verbesserungen der Anreizstruktur reduziert werden. Außerdem sind Fortund Weiterbildungsmaßnahmen zu erwähnen. Sie führen zwar zu Fehlzei1) Vgl. Baily, M.N. (1981), S. 14f - 17 - ten, machen aber Produktivitätsfortschritte durch verbesserte Qualifikation möglich. Werden Nachfrageschwankungen, die zu einer Unterauslastung der Produktionsfaktoren führen, außer acht gelassen, so können zwei Faktorgruppen unterschieden werden, die die Arbeitsintensität während der am Arbeitsplatz verbrachten Zeit bestimmen1>. Zunächst ist auf die Motivation, d.h. die individuellen Arbeitsanreize abzustellen 2 >. Einmal hängt sie davon ab, ob die Fähigkeiten des Beschäftigten den Anforderungen seines Arbeitsplatzes entsprechen. Eine weitere Bestimmungsgröße der Motivation ist die Art der Bezahlung. Ist sie leistungsabhängig, besteht ein monetärer Anreiz zu erhöhten Anstrengungen, die zu Produktivitätssteigerungen führen können. Als weitere Aspekte, welche die Leistungsbereitschaft beeinflussen, sind die mit der Arbeit verbundenen Gefahren, die Arbeitsorganisation und die Arbeitsumgebung sowie die sozialen Leistungen des Unternehmens zu nennen. Ein in der öffentlichen Diskussion häufig auftauchendes Argument betrifft jahrgangsspezifische (cohort-specific) Unterschiede in der Arbeitsfähigkeit und der Arbeitswilligkeit 3 >. Aufgrund schulischer, sozialer und politischer Erfahrungen können die Arbeitsproduktivitäten einzelner Jahrgänge voneinander abweichen. Die Auswirkungen der Motivation auf die Arbeitsproduktivität werden jedoch durch die Kontrollund Sanktionsmöglichkeiten des Arbeitgebers begrenzt. Die Beschäftigten sind um so stärker bemüht, das vom Arbeitgeber erwartete Produktionsniveau zu erreichen, je größer die Kosten des Arbeitsplatzverlustes sind und je höher die Wahrscheinlichkeit ist, daß Arbeitsleistungen, die von den Erwartungen nach unten abweichen, entdeckt und geahndet werden 4 >. 1) Vgl. Weisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983), S. 392ff 2) Vgl. Weisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983), S. 395 3) Vgl. zu diesem Argument das Schlagwort "people don't want to work any more", Denison, E.F. (1979), s. 134; vgl. außerdem Baily, M.N. (1981), S. llff. 4) Vgl. Weisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983), S. 393ff - 18 - 2.1.4.2 BestimmungsgroBen der Leistungsintensitit des eingesetzten Sachkapitals Abgesehen von Nachfrageschwankungen kann eine Reihe von Gründen zu einer suboptimalen Nutzung der vorhandenen Produktionsanlagen führen 1 >. Die tatsächliche Produktivität bleibt dann hinter der technisch möglichen zurück. So hat zum Beispiel die Verteuerung von Rohstoffen zur Folge, daß die Nutzung von Anlagen, die diese Stoffe besonders intensiv verbrauchen, reduziert wird. Wird versucht, die Kostensteigerung durch erhöhten Kapitaleinsatz aufzufangen, so bedeutet dies, daß der Faktoreinsatz bei unverlndertem Output ausgedehnt wird. Die Substitution führt somit zwangsläufig zu einer Senkung der Kapitalproduktivität. Auch haben Anderungen in den Außenhandelsbeziehungen und Verschiebungen der relativen Preise Anpassungsreaktionen zur Folge, in deren Verlauf Kapitalgüter obsoleszent oder nur noch geringfügig genutzt werden. Schließlich führen restriktive Arbeitszeitregelungen und Tarifauseinandersetzungen dazu, daß die Produktionsanlagen während bestimmter Zeiten nicht genutzt werden kennen. 2.2 Institutionelle Determinanten der Produktivitätsentwicklung Gegenstand dieses Abschnitts sind solche staatlich gesetzten Institutionen, welche die Realisierung technisch möglicher Produktivitätsfortschritte verhindern. 2.2.1 Regulierung von Ausnahmebereichen In den westlichen Volkswirtschaften werden einzelne Industriezweige dem marktlichen Prozeß entzogen und unter staatliche Kontrolle oder Regie gestellt. Dieser Art der Regulierung unterliegen insbesondere Verkehrsund Versorgungsunternehmen (Energieund Kommunikationsunternehmen). Die Konsti1) Vgl. Baily, K.N. (1981), S. 15ff - 19 - tuierung von Ausnahmebereichen erfolgt mit Verweisen auf Besonderheiten in der Produktionsstruktur (Vorliegen von natürlichen Monopolen 1 >) oder auf die herausragende politische Bedeutung (Versorgungssicherheit, Meinungsvielfalt) dieser Industrien. Auf diese Begründungen soll hier nicht eingegangen werden. Nur die Produktivitätseffekte der staatlichen Leistungen sollen diskutiert werden. Durch Marktzutritts-, Mengenund Preisregulierung versucht der Staat, eine "angemessene" Versorgung der Bev5lkerung sicherzustellen. Um diese Zielsetzung zu realisieren, werden die Preisund Mengenbeschränkungen so gestaltet, da~ den regulierten Unternehmen eine "angemessene" Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals verbleibt 1 >. Die Bindung des Gewinns an das eingesetzte Kapital führt bei gewinnmaximierenden Unternehmen zu einem überh5hten Einsatz von Kapital. Die Unternehmen versuchen, den vorgeschriebenen bzw. nachgefragten Output mit einem Maximum an Kapital zu erzeugen, um dadurch ihren Gewinn zu erh5hen. Sie weichen damit aber von der Minimalkostenkombination ab 3 >. Das zusätzlich eingesetzte Kapital wird weniger produktiv eingesetzt als dies bei unverzerrten Anreizmechanismen m5glich wäre. Ahnliche produktivitätsmindernde Effekte treten auf, wenn die Unternehmen in staatlicher Regie stehen. In diesem Fall lautet die Zielsetzung, die Versorgung der Bev5lkerung kostendeckend sicherzustellen. Da im Kostenbegriff in der Regel die kalkulatorischen Zinsen enthalten sind, resultieren auch hier die oben genannten Verzerrungen. Ohne den vom Markt erzeugten Kostendruck kommt es zudem in anderen Bereichen zu Abweichungen von der Minimalkostenkombination. So werden Kosten verursacht, die zwar den an dem Unternehmen Beteiligten und Interessierten nutzen, für die Leistungserstellung selbst aber nicht erforderlich sind. Auch diese X-Ineffizienzen verringern die Produktivität der Unternehmen 4 >. 1) Vgl. Musgrave, R.A./Musgrave, P.B./Kullmer, L. (1987), s. 261ff 2) Vgl. Müller, J./Vogelsang, I. (1979), s. 49 3) Vgl. Averch, H./Johnson, L.L. (1962), s. 1052ff sowie die Darstellung von Zajac, E.E. (1970), s. 117ff 4) Zum Begriff der X-Ineffizienz vgl. Leibenstein, ff. (1966), s. 392ff - 20 - 2.2.2 Wettbewerbs-, Handelsund Patentpolitik Die Unternehmen sind um so stärker bestrebt, ihre Kosten zu minimieren bzw. ihre Produktivität zu maximieren, je eher sie bei einer Abweichung von der Minimalkostenkombination Gefahr laufen, Marktpositionen zu verlieren und Gewinne einzubüßen. Mit der Wettbewerbsund Handelspolitik stehen dem Staat Instrumente zur Verfügung, die er zur Steuerung des Produktivitätsverhaltens der Unternehmen einsetzen kann. Die Monopolisierung von Märkten durch Kartelle und Fusionen reduziert den Wettbewerbsdruck ebenso wie der Schutz vor ausländischer Konkurrenz durch protektionistische Maßnahmen. Ziel der Wettbewerbsund Handelspolitik muß es deshalb sein, die Märkte offen zu halten und zu verhindern, daß die Zahl der Wettbewerber nicht durch andere Gründe als mangelnde Rentabilität reduziert wird. Eine solche Politik hat allerdings zur Folge, daß jeder Marktteilnehmer neue Informationen und neue Technologiennutzen kann 1 >. In dieser Situation entfällt der Anreiz, neue Produkte und Produktionsverfahren zu entwickeln, da sich der Erfinder den Ertrag seiner Anstrengungen nicht aneignen kann. Eine Alternative besteht für ihn darin, seine Informationen geheimzuhalten. Dadurch wird aber Parallelforschung hervorgerufen und es wird verhindert, daß auf der Grundlage derbereits vorhandenen Informationen weitergeforscht werden kann. Die Patentpolitik hat deshalb eine doppelte Zielsetzung. Zum einen soll, dem Erfinder Produkt oder Zum zweiten ermöglichen, um den Anreiz zu Neuentwicklungen zu erhalten, die alleinige Entscheidungsgewalt über das neue das neue Produktionsverfahren gesichert werden. sollen, um eine effiziente Forschungsarbeit zu die neuen Informationen veröffentlicht werden. Diesen Vorteilen des Patentschutzes stehen seine Kosten gegenüber, die aus der Monopolisierung 1> der Märkte für Neuerungen resultieren. Deshalb ist die Dauer des Patentschutzes zu begrenzen. Das Patent soll theoretisch zu dem Zeitpunkt 1) Zua Folgenden vgl. Kamien, M.I./Tauaan, Y. (1984), S. 93 2) Diese Kosten umfassen nicht nur Produktivitltseinbu~en sondern auch Wohlfahrtsverluste. - 21 - auslaufen, an dem die Grenzkosten der Monopolisierung die Grenznutzen des Erfinderschutzes ausgleichen 1 >. Da aus Gründen der Operationalität die Dauer des Patentschutzes für alle Neuentwicklungen pauschal festgelegt werden muß, führen die Patentgesetze zu Produktivitätseinbußen im Vergleich zum theoretisch ableitbaren Optimum 2 >. 2.2.3 Regulierung intangibler Inputfaktoren Zahlreiche staatliche Programme führen zu Auflagen im Unternehmenssektor. Um diesen Beschränkungen nachzukommen, müssen die Unternehmen Arbeit und Kapital einsetzen. Der Input wird erhöht, das Produktionsergebnis wird aber nicht gesteigert; d.h. die staatlichen Auflagen bewirken Produktivitätseinbußen3>. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang in erster Linie die vielfältigen Auflagen zum Umweltschutz, die Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz, aber auch zum Verbraucherschutz etc. Alle diese Programme führen dazu, daß Produktionsfaktoren zu Aufgaben eingesetzt werden müssen, die den Output nicht erhöhen 4 >. Auch können die Auflagen dazu führen, daß einzelne Projekte aufgrund zeitintensiver Genehmigungsverfahren verzögert oder aufgegeben werdena>. 2.2.4 Besteuerung Besteuerungseinflüsse sind in den bisher aufgeführten Produktivitätsdeterminanten bereits enthalten. So beeinflußt die Besteuerung Faktorwanderungen und Faktorsubstitutionsmöglich1) Vgl. Nordhaus, W.D. (1969), S. 76ff und Schleicher, H. (1984), S. 324ff 2) Vgl. Schleicher, B. (1984), s. 330ff und Kaufer, E. (1985), s. 61ff 3) Vgl. Christiansen, G.B./Haveaan, R.B. (1981), s. 320f 4) Vgl. Myers, J.G./Nakamura, L. (1980), S. 463ff. Hier werden nur die negativen ProduktivitAtswirkungen solcher Maßnahmen dargestellt. Je nach Zielkriterium können sich diese Programme in Kosten-Nutzen-Analysen sehr wohl als sinnvoll erweisen; vgl. Denison, E.F. (1979), S. 69. 5) Vgl. Dicke, H./Bartung, H. (1986), S. 24ff und Röpke, J. (1983), S. llOff - 22 - keiten, Ausmaß, Struktur und Qualität des Faktorangebots sowie Faktorpreise und Entscheidungen über Faktorkombinationen1>. Explizit werden im Rahmen dieser Arbeit nur die Wirkungen der Besteuerung auf Innovationsentscheidungen untersucht. In diesem Abschnitt sollen nur die Bedeutung der Steuerstruktur und der laufenden Steueränderungen für die Unternehmensentscheidungen betont werden 2 >. Die Steuergesetze enthalten ebenso wie die Regulierungsvorgaben zahlreiche Spezialregelungen, mit denen Einzelund Gruppeninteressen verfolgt werden. Diese führen zu Verzerrung~n in der Ressourcenallokation und verhindern, daß die Produktivität beim Einsatz der Produktionsfaktoren maximiert wird 3 >. Häufige Gesetzesänderunqen verursachen zudem Unsicherheit und haben eine Unterversorgung mit langfristigen und riskanten Investitionen zur Folge 4 > . 2.2.5 Dienstleistungen der Unternehmen für den Staat Im Zuge der Erfüllung seiner Aufgaben verpflichtet der Staat die Unternehmen zur Erbringung verschiedenster DienstleistungenD>. So sind die Unternehmen zur Abführung von Quellensteuern und Sozialversicherungsabgaben verpflichtet, obwohl sie nicht deren Schuldner sind. Außerdem sind Daten zu erheben, Statistiken zu erstellen und andere Dienstleistungen zu erbringen. Diese Verpflichtung zur Erfüllung staatlich angeordneter Aufgaben führt zur Bindung von Ressourcen, die ansonsten zur Erstellung der Marktleistung der Unternehmen hätten eingesetzt werden können 6 >. 1) Vgl. Attinson, A.B./Stiglitz, J.A. (1980), insbes. Kapitel 2 und 5 2) Vgl. Denison, E.F. (1979), S. 59f und lJlff sowie Borell, R./Scbemmel, L. (1987), S. llOff J) Vgl. Dicke, H./Bartung, B. (1986), s. 28ff und 41ff 4) Vgl. Dicke, &./Hartung, B. (1986), s. 38ff 5) Vgl. Denison, E.F. (1979), s. 128f 6) Vgl. Dicke, &./Hartung, H. (1986), s. 19ff - 29 - Dieser Verlauf der Produktivitätsentwicklung ergibt sich unabhängig davon, welche Inputund Outputgrößen als Berechnungsgrundlagen gewählt werden 1 >. Erste Untersuchungen für die USA deuten darauf hin, daß sich auch zu Beginn der achtziger Jahre die Produktivitätssteigerungen auf niedrigem Niveau bewegen 2 >, jedoch mit ansteigender Tendenz 3 >. Tabelle B.3: Wachstum des Volkseinkommens und seine Zusammensetzung in den USA 1948-1976 - Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Volkseinkommens in Prozent - - Beitrag der Wachstumskomponenten in Prozentpunkten - Zeitrau1 1 1 1 1 1 1 1 1 1948-1973 1 1948-1953 1 1953-196' 1 1964-1969 1 1969-1973 1 197l-!976 i --------------------+---1 1 Volkseinko11en 3, 65 3, ll 4, 45 2, 91 o, sa J --------------------+---! 1 1 Erhöhung des Inputs 1 1,53 l,18 o,ao l,68 1,21 0 ,54 1 --------------------+---! 1 - dnon: Arbeit 0,8l 1, 31 0, 16 1,88 0,63 o, oa 1 --------------------+---1 1 1 lapital 0,11 o,u 0,64 o,ao o,64 0,46 1 1-----+---1---+----+---+---+---1 1 1 1 Steigerung der 1 1 totalen Faktorl,ll l,46 l,ll 1,11 1,64 0,04 1 1 produktivität 1 1 1 Quelle: Denison, E.F. (1979), s. 104; zu den Anderungen gegenüber den Angaben von Denison vgl. Anmerkung zu Tab. B.2.b. 1) Vgl. auch die Ansitze bei Clark, P.K. (1978); Norsworthy, J.R./Harper, M.J./ Kunze, K. (1979); Baily, M.N. (1981) und (1982), sowie Veisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983) 2) Vgl. Clark, P.K. (1984), S. 133ff 3) Vgl. Baily, M.N. (1984), S. 234f - 30 - 2. Anteile von Inputsteiaerunaen und Produktivitätserhöhunaen am Wachstum des Sozialprodukts Tabelle B.3 enthält eine Aufgliederung des Sozialproduktswachstums. Die Steigerungsraten der Produktivität sind in Prozent angegeben. Der Beitrag der Inputerhöhungen wird in Prozentpunkten angeführt. In dieser Darstellung sind die Folgen der Abnahme des Produktivitätszuwachses deutlich zu erkennen. Tragen die 1948-1973 noch mit 58 so geht ihr Anteil zurück. Steigerungen der Faktorproduktivität Prozent zum Sozialproduktswachstum bei, im Zeitraum von 1973-1976 auf 7 Prozent 3. Komponenten des Wirtschaftswachstums aufgrund erhöhten Faktoreinsatzes Wie oben ausgeführt 1 >, kann zusätzlicher Faktoreinsatz dazu verwendet werden, die Produktion bereits am Markt eingeführter Güter auszuweiten oder um neue Produkte herzustellen. Untersuchungen über die Zusammensetzung der mit zusätzlichem Faktoreinsatz erstellten Produktion liegen nicht vor. Anhaltspunkte für die Bedeutung der Produktinnovationen können aber aus Analysen der Struktur von Unternehmensumsätzen bzw. der Struktur des Umsatzwachstums gewonnen werden. Eine entsprechende Untersuchung ergibt, daß 50 Prozent und mehr des Umsatzes mit Produkten gemacht werden, die in einem Zeitraum von zehn Jahren vor dem Untersuchungszeitpunkt entwickelt oder eingeführt worden sind 2 >. Zum kurzfristigen Unternehmenswachstum tragen nach dieser Analyse die neuentwickelten Produkte zu 46 Prozent bis 100 Prozent bei 3 >. Im Jahre 1985 machten die Produkte, die sich in der Markteinführungsund Wachstumsphase befinden, 38 Prozent des Umsatzes aus 4 >. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist mit Blick auf ihre Bedeutung für das Wachstum des Sozialprodukts zu beachten, 1) Vgl. Abschn. B.I 2) Vgl. Booz/Allen/Hamilton (1964), S. 2 3) Vgl. Booz/Allen/Hamilton (1964), s. 6 4) Vgl. Schmalholz, H./Scholz, L. (1987), S. 21 - 31 - daß bei der Aufgliederung des Sozialprodukts nur solche Neuentwicklungen als Produktinnovationen erfaßt werden, die von Endverbrauchern konsumiert werden. Alle Neuentwicklungen, die von Produzenten erworben werden, gehen als Vorleistungen in den Produktionsprozeß ein und sind deshalb Prozeßinnovationen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, daß Produktinnovationen einen entscheidenden Anteil an dem durch erhöhten Faktoreinsatz getragenen Wachstum des Sozialprodukts haben. 4. Komponenten der Produktivitätsentwicklung Die quantitative Bedeutung der einzelnen Determinanten der Produktivitätsentwicklung kann anhand der umfassenden Arbeit von E.F. Denison: Accounting for Slower Economic Growth 1> dargestellt werden. Liegen zu einzelnen Bestimmungsgrößen der Produktivitätsentwicklung weitere Untersuchungen vor, werden diese ergänzend angeführt. Tabelle B.4 enthält die von Denison herausgearbeiteten Bestimmungsgrößen des Sozialproduktswachstums, die hier als Produktivitätsdeterminanten klassifiziert werden 2 >. Die Arbeitsqualität ist mit einem Beitrag von rund einem Viertel zum gesamten Produktivitätswachstum über den Zeitraum 1948-1973 die bedeutendste der einzeln berechneten Produktivitätsdeterminanten. In den Jahren 1973-1976 übersteigt die Qualitätsverbesserung des Faktors Arbeit den gesamten Produktivitätsfortschritt bei weitem. Da zudem der Beitrag der Arbeitsqualität zum Produktivitätswachstum im betrachteten Zeitraum absolut konstant bleibt, liefert er keine Erklärung 1) Denison, E.F. (1979); vgl. auch die Arbeit von Kendrick, J.W. (1980), der Denisons Methode des Growth Accounting zugrunde liegt. Grundlage dieser Methode sind Zeitreihen über die Entwicklung der einzelnen Outputdeterminanten. Ihren Veränderungen werden die Anderungen des Outputs gegenübergestellt; vgl. zur Vorgehensweise Denison, E.F. (1974). 2) Abweichungen zu der Aufteilung von Denison bestehen vor allem beim Faktor Arbeit. Denison weist Strukturund Qualitätsänderungen als inputsteigernde Faktoren aus, während sie hier als Produktivitätsdeterminanten klassifiziert werden; wie hier auch Kendrick, J.W. (1980), S. Jf. - 32 - Tabelle B.4: Bestimmungsgrößen der Produktivitätsentwicklung in den USA 1948-1976 - Durchschnittliche jährliche Steigerungsraten des Volkseinkommens und der Faktorproduktivität in Prozent - - Beitrag der Produktivitätsdeterminanten in Prozentpunkten - Zei trau1 1 1 1 1 1 1 1 I 190-1973 I 1941-1953 1 1953-1964 1 196H969 1 1969-1973 I 1973-1976 1 ----~----+----+-----+-----+----+---1 1 Volkseinkouen 3,65 4, 64 3,12 4,45 2, 91 0' 58 1 ----~----+----+-----+-----+----+---1 Totale FaHorproduHivi tä t 2,12 2,46 2, 32 1, 77 1, 64 1 1 0' 04 1 ----~-------+-----+-----+----+---1 1 lrbeitsqualität 1 davon: - Ausbildung 1 1 1 1 - Struktur der 1 Arbeitskräfte 1 nach llter und 1 Geschlecht 1 - Produktivitäts1 effekte verkürzter Arbeitszeiten - Sonstige 0,51 0, 86 0,U 0, 36 -0, 11 0 ,06 0,07 0, 10 0, 17 0, 34 0,55 0,29 0,40 0,37 -0,08 -0,29 0,00 0,11 0,23 0,10 0,47 0,50 -0,33 0,12 0 ,18 1 0,60 1 1 1 0,67 1 1 1 -0' 19 1 1 1 1 0' 12 1 1 1 0' 09 1 -------------+----+----+----+---1 Reallokation des Faktors Arbeit 0,31 0,51 0, 35 0,46 0, 15 1 1 -0,01 1 ------+----+---f----+---+----+----1 - 33 - Fortsetzung Tabelle B.4 1 1 1 1 1 1 1 1 Zeitrau1 ) 19'8-1973 ) 19U-195l 1 1953-1964 ) 196H969 ) 1969-1973 ) 1973-1976 ) 1 1 1 Gesetzliches und 1 1 gesellschaftliches 1 -0,0, 0,00 -0,01 -0,05 -0,13 -0,3' 1 Unternehlensu1feld 1 1 davon: 1 - Auflagen zu1 1 U11elt und Gesund- -0,03 0,00 0,00 -0,02 -0,12 -0,27 beitsscbutz 1 - losten von 1 Irilinalität -0,01 0,00 -0,01 -0,03 -0,01 -0,07 1 1 1 1 !conoaies of Scale 1 0,32 0,36 0,2, 0,'3 0,32 0,19 1 1 1 1 Belegung in der 1 1 1 lohnuugs •irtscbaft 1 -0,01 -0,02 -0,01 0,01 1 0,00 0,02 1 1 1 1 1 UmgellUige Bin1 1 1 flüsse lletter in 1 1 1 der Landlirtscbdt, 1 0,00 o, 00 -0, 01 0, 00 1 0, 02 -0,02 1 Streiks) 1 1 1 1 1 1 1 Gesaatlirtscbaft1 1 1 liebe lacbfrage -0,U -0,29 0,U -0,39 1 -0,U I 0,09 1 1 1 lesid1algrö,,: 1 Technischer Fort1 schritt und l,i0 1,0, 1,07 1, 02 1,22 -0, 58 1 sonstige Faktoren 1 Quelle: Denison, E.F. (1979), s. 104; zu den Anderungen gegenüber den Angaben von Denison vgl. Anmerkung zu Tab. B.2.b. - 34 - für die Produktivitätsschwäche und es muß nach Faktoren gesucht werden, welche die Produktivitätsentwicklung negativ beeinflussen. Die mit Abstand wichtigste Komponente der Qualitätssteigerung ist die Verbesserung des Ausbildungsniveaus; sie trägt über 80 Prozent zur Erhöhung der Faktorqualität bei. Ein insgesamt negativer Effekt geht von Anderungen in der des sowie Zusammensetzung der Beschäftigten aus. Er ist die Folge Eintretens vieler junger und unerfahrener Arbeitskräfte einer Erhöhung des Anteils der Frauen an den Beschäftigten. Ein positiver Produktivitätsbeitrag wird durch die Verkürzung der Wochenarbeitszeit erreicht. Durch die Verminderung der zu leistenden Arbeitsstunden wird der Output pro Zeiteinheit erhöht. Die Rubrik "Sonstige" enthält Produktivitätseffekte, die bei Arbeitskräften auftreten, welche keine Marktleistungen erstellen. Es sind vor allem Produktivitätssteigerungen aufgrund verbesserter Ausbildung von Beschäftigten im öffentlichen Dienst und bei Privathaushalten. Auch sind Produktivitätseffekte aufgrund von Umschichtungen innerhalb dieser Bereiche sowie zwischen ihnen und der Privatwirtschaft enthaltenl>. Die Untersuchungsergebnisse von Denison zur produktivitätssenkenden Anderung der Arbeitskräftestruktur werden in Arbeiten von Baily, stätigt 2 >. Die Clark, Darby und Norsworthy/Harper/Kunze beUntersuchungen zu den Produktivitätseffekten von Veränderungen der Arbeitsqualität basieren auf der Annahme, daß die Produktivitätsunterschiede von Arbeitskräften in den relativen Löhnen widergespiegelt werden, die Beschäftigten also nach ihrem Grenzwertprodukt bezahlt werden. Diese Unterstellung ist nicht unproblematisch. Zahlreiche institutionelle und gesellschaftliche Faktoren führen dazu, daß gleiche Arbeiten ungleich entlohnt werden. Wenn zum Beispiel Frauen und Farbige geringe Löhne erhalten, dann bedeutet dies nicht unbedingt, daß sie weniger produktiv sind 3 >. Ihre Produktivität kann allerdings deshalb niedriger sein, weil sie 1) Vgl. Denison, E.F. (1979), s. 106f und FN 4 2) Vgl. Baily, M.N. (1981), S. Sff, Clark, P.K. (1978), S. 968ff, Darby, M.R. (1984), S. 302ff und Norsworthy, J.R./Harper, M.J./Kunze, K. (1979), s. 405ff 3) Vgl. Baily, M.N. (1981), S. 8ff - 35 - bei steigendem Arbeitsangebot in weniger produktive Beschäftigungen abgedrängt werden. Auch ist es fraglich, ob zusätzliche Ausbildung die Produktivität im Ausmaß der Lohnsteigerung erhöht. Es ist somit nicht auszuschließen, daß die Wirkungen zusätzlicher Ausbildung bei Denison zu hoch ausgewiesen sindl>. Zwei weitere Determinanten der Produktivitätsentwicklung, die sich auf den Produktionsfaktor Arbeit beziehen, werden von Weisskopf/Bowles/Gordon und Medoff untersucht 2 >. Weisskopf/ Bowles/Gordon beziehen in ihre Analyse der Produktivitätsentwicklung auch die motivationsabhängige Leistungsintensität der Arbeitskräfte ein. In ihrem Modell trägt sie entscheidend zur Erklärung der Produktivitätsschwäche bei 3 >. In den beiden untersuchten Zeiträumen wird der Rückgang des Produktivitätszuwachses zu rund 80 bzw. 30 Prozent erklärt. Allerdings ist in ihrer Untersuchung die Wahl der Indikatoren der Arbeitsintensität sehr problematisch, da eine Korrelation zwischen Indikatoren und Produktivitätsentwicklung nicht ausgeschlossen werden kann 4 >. Medoff stellt in seiner Untersuchung fest, daß die Arbeitgeber seit 1973 trotz steigender Arbeitslosigkeit deutlich größere Anstrengungen unternehmen, Arbeitskräfte anzuwerben, die ihre Anforderungen erfüllen. Das demnach bestehende Ungleichgewicht zwischen dem Arbeitsangebot und der Struktur der Arbeitsnachfrage erhöht die Aufwendungen für den Inputfaktor Arbeit und reduziert seine Produktivität~>. Aus der Reallokation des Faktors Arbeit resultiert ungefähr ein Fünftel des Produktivitätsfortschritts im Zeitraum von 1948 bis 1973. Seit dem Ende der sechziger Jahre ist jedoch ein starker Rückgang des Beitrags der Reallokationen zur Produktivitätssteigerung festzustellen. Im Zeitraum von 1973 bis 1) Vgl. Baily, M.N. (1981), S. lOf 2) Veisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983), s. 381ff; Medoff, J.L. (1983), s. 87ff 3) Veisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M. (1983), S. 421f 4) Vgl. Kommentare und Diskussion zu der Arbeit von Veisskopf, T.E./Bowles, S./Gordon, D.M., in: Brookings Papers on Economic Activity 2:1983, s. 442-450 5) Medoff, J.L. (1983), S. 115ff - 36 - 1976 wirkten die Faktorwanderungen produktivitätsmindernd. Die Produktivitätssteigerungen aus der Reallokation des Faktors Arbeit ergeben sich dadurch, daß Arbeitskräfte in eine Beschäftigung wandern, in der sie ein höheres Grenzprodukt erzielen als zuvor. Denison erfaßt in seiner Arbeit zwei Wanderungsbewegungen1>. Zwei Drittel trägt der Abzug von Beschäftigten aus der Landwirtschaft in den sekundären oder tertiären Sektor zum Produktivitätsfortschritt bei. Das dritte Drittel steuert die Wanderung von Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen in eine abhängige Beschäftigung in der privaten Wirtschaft bei. Die Möglichkeiten, durch eine Behebung von Fehlallokationen des Faktors Arbeit Produktivitätsfortschritte zu erzielen, lassen jedoch seit dem Ende der sechziger Jahre stark nach und im Zeitraum von 1973 bis 1976 ist die Reallokation des Faktors Arbeit aus Verwendungen in der Landwirtschaft und als Selbständige keine Quelle des Produktivitätsfortschritts mehr. Kendrick 2> bezieht in seine Untersuchung auch die Produktivitätseffekte der Reallokation des Faktors Kapital ein. Betrug der Produktivitätsbeitrag der Reallokation von Kapital im Zeitraum von 1948 bis 1973 noch über 0,4 Prozentpunkte, so ging er im Zeitraum von 1973 bis 1978 auf 0,2 Prozentpunkte zurück. Klodt 3> vergleicht für die Bundesrepublik Deutschland die partiellen Produktivitätseffekte des Strukturwandels in den Zeiträumen von 1960 bis 1970 und von 1970 bis 1980. Es zeigen sich die gleichen Produktivitätsdifferenzen zwischen dem Agrarbereich und der übrigen Wirtschaft wie in den USA. Der Strukturwandel zugunsten des tertiären und zu Lasten des primären Sektors bei relativer Konstanz des sekundären Sektors hat eine positive, jedoch abnehmende Steigerungsrate der Arbeitsproduktivität zur Folge. Dagegen fällt die Steigerungsrate der Kapitalproduktivität stark. Während sie sich von 1960 bis 1970 infolge des Strukturwandels um 1,8 Prozent erhöht, fällt sie von 1970 bis 1980 um 0,6 Prozent. 1) Vgl. Denison, E.F. (1979), S. 64ff 2) Kendrick, J.W. (1980), S. 3 und 13f 3) Klodt, R. (1984), S. 24ff - 37 - Einen stark wachsenden Einfluß auf die Produktivitätsentwicklung gewinnen Faktoren aus dem Umfeld der Unternehmen. Staatliche Auflagen engen die Aktionsfreiheit der Unternehmen ein und binden Mittel, die ansonsten zur Outputerstellung hätten eingesetzt werden können. Das Ausmaß derartiger Regulierungen nimmt stark zu und entsprechend steigt ihr negativer Einfluß auf die Produktivitätsentwicklung. Die von Denison erfaßten Regulierungen im Bereich des Umweltschutzes, der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes erklären rund zwölf Prozent des Produktivitätsrückgangs von 1969-1973 zu 1973-1976. Zwei Drittel davon sind durch Umweltschutzmaßnahmen verursacht. In verschiedenen anderen Untersuchungen wurden produktivitätsmindernde Effekte der Regulierung in etwa gleicher Größenordnung ermittelt 1 >. Die zweite hier erfaßte Komponente von Faktoren aus dem Umfeld der Unternehmen, die Ressourcen in nicht produktiver Verwendung binden, sind die Folgen der Kriminalität. Die Aufwendungen der Unternehmen zum Schutz gegen Verbrechen und zur Beseitigung ihrer Folgen haben insbesondere im letzten hier betrachteten Zeitraum einen deutlich produktivitätsmindernden Effekt. Anderungen in der Belegungsrate der Wohnungen haben ebenso wie klimatischen Einflüsse und Streiks nur geringfügige bzw. keine Produktivitätswirkungen und können den Produktivitätsrückgang nicht erklären. Sowohl die Belegung des Wohnungsbestandes als auch Tarifauseinandersetzungen haben sich im Betrachtungszeitraum spürbaren Einfluß hätten. nicht so verändert, als daß sie einen auf die Produktivitätsentwicklung gehabt Economies of Scale tragen nach den Berechnungen Denisons von 1948 bis 1973 ca. 15 Prozent zum Produktivitätsfortschritt bei. Im Zeitraum von 1973 bis 1976 geht ihr absoluter prozentualer Zuwachs deutlich zurück, ihr Produktivitätsbeitrag ist 1) Vgl. den Oberblick bei Christiansen, G.8./Havemann, R.H. (1981), s. 320ff und Haveman, R./Norsworthy, J.R. (1987) sowie die Arbeit von Link, A.N. (1982), S. 548ff. -38 - aber immer noch größer als der Fortschritt der gesamten Faktorproduktivität. A.nderungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage beeinflussen die Produktivitätsentwicklung über ihre Effekte auf die Auslastung der gegebenen Produktionsmöglichkeiten. Der negative Beitrag der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage auf die Produktivitätsentwicklung über den Zeitraum von 1948 bis 1973 zeigt, daß das Produktionspotential 1948 stärker als 1973 ausgelastet war. Dagegen ist die Auslastung von 1973 bis 1976 leicht angestiegen. Der geringe Produktivitätsanstieg von 1973 bis 1976 wird also in diesem Ansatz nicht durch eine geringere Nachfrageintensität erklärt. Denisons Berechnungen basieren auf dem langfristigen Trend der Auslastung des Produktionspotentials. Dieser ist seit 1948 fallend. Trotz der stärkeren Nachfrage von 1976 im Vergleich zu 1973 ist absolut gesehen die Kapazitätsauslastung in 1976 geringer als im Trend der Vorjahre 1 >. Wird nun der konjunkturelle Einfluß auf die Produktivitätsentwicklung nicht aufgrund des Trends sondern am absoluten Auslastungsgrad gemessen, so trägt die konjunkturelle Entwicklung deutlich zum Produktivitätsrückgang bei. Baily führt beispielsweise über zehn Prozent des Produktivitätsrückgangs nach 1973 auf eine abgeschwächte Nachfrage zurück 2 >. Der Beitrag des technischen Fortschritts zum Produktivitätswachstum wird bei Denison als Restgröße ermittelt. Diese blieb von 1948 bis 1973 nahezu konstant und war mit einem Beitrag von rund 1,1 Prozentpunkten die bedeutendste Quelle von Produktivitätssteigerungen. Nach 1973 nahm diese Komponente des Produktivitätsfortschritts jedoch drastisch ab und wurde negativ. Da es jedoch keine Anzeichen dafür gibt, daß der Beitrag der Forschungsund Entwicklungsaktivitäten zum Produktivitätswachstum abgenommen hat 3 >, ist zu untersuchen, ob seit 1973 Entwicklungen eingetreten sind, die in der Residualgröße enthalten sind und einen Teil der Produktivitätsschwäche erklären. 1) Vgl. Denison, E.F. (1979), s. 65 2) Baily, K.N. (1982), S. 428ff 3) Vgl. Griliches, Z. (1986), S. 144ff -45 - Werden die Gleichungen (C.3) und (C.4) in Gleichung (C.l) eingesetzt, ergibt sich mit At = qKt: (C.5) nt = pF(Kt, Lt) -wLt - q(r+d)Kt Die Zielvorschrift für das Unternehmensverhalten lautet somit: - (C.6) V= I (l+r)- 1 • [pF(Kt, Lt) - wLt - q(r+d)Kt] ==> Max! t=l mit V: Barwert der Zahlungsüberschüsse Da in diesem Modell keine (Inter-) Dependenzen zwischen den Perioden bestehen, wird der Barwert der Gewinne optimiert, indem die Zahlungsüberschüsse in jeder einzelnen Periode maximiert werden. Die Optimierungsbedingungen für Arbeit und Kapital lauten somit: (C.7) dm dFL 0 für t 1, = p•- -W = , = ... ,- , dLt dLt (C.8) dm dF1 0 für 1, = p•- - q(r+d) = , t = ... ,- . dKt dKt Gleichung (C.7) besagt, daß im Optimum das Grenzwertprodukt des Einsatzes einer zusätzlichen Einheit des Faktors Arbeit gleich dem Lohnsatz zu sein hat. Gleichung (C.8) gibt die Grenzproduktivitätsbedingung für den Einsatz von Kapitalgütern an. Das Grenzwertprodukt des Kapitaleinsatzes muß gleich seinen Opportunitätskosten sein. Diese setzen sich zusammen aus der Verzinsung einer Kapitaleinheit und den Abschreibungen. Der Ausdruck (C. 9) c = q(r+d) gibt somit die Kapitalkosten an. - 46 - Aus Gleichung {C.8) kann auch der Kalkül eines Investors zum Kauf einer zusätzlichen Kapitaleinheit abgeleitet werden 1 >. Wird das Grenzwertprodukt als "Capital Services" interpretiert, lautet die kritische Bedingung für die Investitionsentscheidung: {C.10) - q I (l+t)-t • c • (l+d)-t t=1 =c•(r+d)- 12 > D.h. der Barwert der Kapitalerträge bereinigt um die Abschreibungen hat dem Kapitalgüterpreis zu entsprechen. 2. Die Wirkungen der Besteuerung im neoklassischen Investitionsmodell Nach Einführung einer proportionalen Gewinnsteuer mit dem Steuersatz, verändert sich die Bedingung (C.10) zu: (C.11) mit D: q = I (l+r)-t •c• (1-,) (l+d)-t + ,qD , t=t c(l-,) = --- + ,qD , r+d Barwert der steuerlich anerkannten Absetzungen pro Kapitaleinheit. Nach Umformung ergibt sich: (C.12) (r+d) (1-,D) C = q•------ 1-, Die Wirkung der Besteuerung auf die Kapitalkosten und damit auf die Innovationsbereitschaft läßt sich durch Differentiation von Gleichung (C.12) nach dem Steuersatz aufzeigen: 1) Vgl. Ball, R.E./Jorgenson, D.W. (1967), S. 392f 2) Für genügend kleine Werte von t geht r•d gegen null. (C.13) de d-c - 47 - 1-D = q(r+d) •--- (1--c) a Die Gewinnbesteuerung hat nur dann keinen Einfluß auf die Innovationsentscheidungen, wenn dc/d-c = 0, also D = 1 ist. Eine Erhöhung der Kapitalkosten und damit eine Reduzierung der Innovationsbereitschaft ergibt sich dann, wenn der Barwert der steuerlich zulässigen Absetzungen pro Kapitaleinheit D < 1 ist. Zwei Ausgestaltungen der Absetzungsvorschriften führen dazu, daß die Besteuerung keine Verzerrungen verursacht. Zum einen ist der Barwert der Absetzungen D = 1, wenn die Kapitalgüter sofort abgeschrieben werden und die Zinsen nicht abzugsfähig sind. Zum zweiten ist die Gewinnbesteuerung dann neutral, wenn die Ertragswertabschreibung und die Zinsen auf den Kapitalbestand abgesetzt werden. (C.14) D = I (l+r)-t • (r+dl • (l+d)-t t=l r+d r+d 1 . Weichen die steuerlich zulässigen Abschreibungen von der ökonomischen Kapitalentwertung 1> ab und/oder können nicht die Opportunitätskosten des gesamten Kapitalbestands abgesetzt werden, so werden Investitionsentscheidungen durch die Einführung einer Gewinnsteuer verzerrt. Parameter der steuerlichen Beeinflussung von Investitionsentscheidungen sind der Steuersatz sowie die steuerrechtlichen Quoten für die Absetzung von Abschreibungen und Zinsen. 1) Zur Ertragswertabschreibung vgl. Wagner, r.W./Dirrigl, H. (1980), s. 36ff und s. 64ff - 48 - 3. Grenzen des neoklassischen Investitionsmodells Das neoklassische Investitionsmodell baut auf sehr restriktiven Annahmen auf. Diese sind auf die Analyse von Innovationsentscheidungen hin näher zu erörtern 1 >. Im dargestellten Modell erfolgen die Investitionsentscheidungen unter Sicherheit. Die Preise der Produktionsfaktoren und der Güter sind dem Unternehmen bekannt und werden durch seine Entscheidungen nicht beeinflußt. Zudem ist das Modell in seinen Grundzügen statisch. Die Produktionsbedingungen sind bekannt und bleiben während des Betrachtungszeitraums konstant. Auch bestehen zwischen den Perioden keine (Inter-} Dependenzen. Tatsächlich erfolgen jedoch Investitionsund insbesondere Innovationsentscheidungen unter Unsicherheit. Diese besteht bezüglich der Absatzpreise und Absatzmengen sowie auch bezüglich des technischen Erfolgs der Innovationsbemühungen. Ein Teil der im Modell als Gewinn ausgewiesenen Größe stellt deshalb in Wirklichkeit eine Risikoprämie dar. Wird sie besteuert, so wird auch die Bereitschaft, risikobehaftete Kapitalinvestitionen zu tätigen, beeinflußt. Auch bei Sofortabschreibung bzw. bei Absetzung der gesamten Opportunitätskosten des Kapitalbestandes wirkt die Besteuerung unter diesen Bedingungen nicht neutral. Die Existenz von Unsicherheit hat zudem Auswirkungen auf Kosten und Struktur der Kapitalbeschaffung der Unternehmen. Zum einen werden die Kosten des Fremdkapitals mit wachsendem Fremdkapitalbestand zunehmen. Je höher dieser ist, desto größer sind auch die fixen Zinszahlungsverpflichtungen. Mit steigendem Fremdkapitalbestand erhöht sich somit die Gefahr der Illiquidität und eines anschließenden Konkurses auch von Unternehmen mit hohem Ertragswert. Deshalb erhöhen die Gläubiger ihre Risikoprämien mit steigendem Kapitalbestand und reduzieren dadurch die Investitionsmöglichkeiten. Die bisherige Diskussion der Investitionsentscheidungen erfolgte unter der Annahme vollständiger Fremdfinanzierung der Unternehmenstätigkeit. Um den hohen Finanzierungskosten und den damit verbundenen Beschränkungen der Investitionsmöglich1) Zur Kritik vgl. Boadway, R.C. (1979), S. 274ff - 49 - keiten zu entgehen, sehen sich die Unternehmen gezwungen, einen Teil ihrer Aktivitäten mit Eigenkapital zu finanzieren. Da die Opportunitätskosten des Einsatzes von Eigenkapital steuerlich nicht abgesetzt werden dürfen, verursacht die Besteuerung außer im Fall der Sofortabschreibung weitere Verzerrungen1>. Außerdem werden kalkulatorische Kosten wie zum Beispiel der Unternehmerlohn oder die Verzinsung des Eigenkapitals steuerlich nicht anerkannt und deshalb als Gewinnbestandteil mitbesteuert. Im hier besprochenen Modell wird das Optimum durch die Maximierung der periodischen Zahlungsüberschüsse erreicht. In der Realität bestehen jedoch (Inter-) Dependenzen zwischen den Investitionsentscheidungen der einzelnen Perioden. Insbesondere bei Innovationen stehen hohen Anfangsinvestitionen und langen Entwicklungszeiten erst in späteren Perioden entsprechende Einzahlungen gegenüber. Um die Zielgröße zu maximieren, sind deshalb zwischenzeitliche Verluste zu finanzieren. Dadurch werden die bereits angesprochenen Kapitalbeschaffungsprobleme weiter verschärft. Ein zusätzlicher, bisher vernachlässigter Problembereich ergibt sich aus den Interdependenzen, die zwischen der Investitionsentscheidung und der Privatsphäre der Wirtschaftssubjekte bestehen. So führt zum Beispiel die Besteuerung von Zinsen dazu, daß die Kapitalgeber, die sich am Nettoertrag ihres Konsumverzichts orientieren, höhere Zinsen als vor der Besteuerung fordern werden. Dadurch werden die Kapitalkosten erhöht und die Anzahl lohnender Investitionsobjekte wird reduziert. 1) Vgl. Sandmo, A. (1974), S. 295f II. - 50 - DER INNOVATIONSPROZESS 1. Technology-push und Demand-pull Im einleitenden wirtschaftliche wurde ihrerseits und Bedürfnissen einer Innovation Kapitel wurde eine Innovation als die erste Verwertung einer Neuerung definiert. Diese als neuartige Kombination von Technologie charakterisiert. Der entscheidende Aspekt ist folglich die Synthese von (technischem) Wissen und Bedürfnissen 1 >. Eine Innovation besteht somit nicht nur in der Erzeugung und wirtschaftlichen Verwertung neuen (technischen) Wissens, sondern in der neuartigen Verbindung von bekanntem oder neuem technischen Wissen mit den Bedürfnissen der Nachfrager. In der Literatur werden zwei Hypothesen darüber diskutiert, wie innovative Aktivitäten stimuliert werden 2 >. Nach der Techology-push-Hypothes~ sind Wissenschaftler bzw. Forschungsabteilungen der Unternehmen die Initiatoren vv~ Innovationen. Ein im Bereich der Grundlagenforschung erreichL~r Erkenntnisfortschritt führt zusammen mit bereits bekannten Wissenselementen zu Neuerungen. Diese werden dann von den Unternehmen bzw. deren kaufmännischen Abteilungen kommerzialisiert. Demgegenüber sind nach der Demand-pull-Hypothese die Marktforschungsund Produktionsabteilungen die Initiatoren von Produktund Prozeßinnovationen. Diese Abteilungen erkennen das Bedürfnis nach einer bestimmten Neuerung und fordern deshalb entsprechende Lösungsvorschläge von Wissenschaftlern und Forschungsabteilungen. Zu beiden Hypothesen über die Stimulierung von Innovationsaktivitäten werden Beispiele angeführt. Die Laser-Technik wurde in den fünfziger Jahren entdeckt und entwickelt. Verwendungsmöglichkeiten für diese Technik waren damals nicht bekannt. Erst später wurden Anwendungsmöglichkeiten gefunden - von der Chirurgie bis zum Krieg der Sterne 3 >. 1) Vgl. Utterback, J.K. (1979a), S. 46 2) Vgl. Schmockler, J. (1966), s. 87ff und Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1982), S. 33ff 3) Vgl. Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1982), S. 34 - 51 - Auf der anderen Seite wurde nach industriellen Produktionsverfahren für Cortison erst geforscht, nachdem die Wirksamkeit dieses Medikaments bei der Behandlung von Arthritis bekannt war1>. Werden die beiden Hypothesen kritisch betrachtet, so ist es zweifelhaft, ob sie als konkurrierende Ansätze zur Erklärung von Innovationsaktivitäten herangezogen werden können. Jede unternehmerische Aktivität ist auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Produktionstätigkeit setzt stets die Existenz von (latenter) Nachfrage voraus, die vom Unternehmer erkannt wird. Nur wenn ein Unternehmer solche bisher unbefriedigt gebliebenen Bedürfnisse erkennt, wird er sich in angewandter Forschung engagieren. Sie ist definiert als die Forschungstätigkeit, die in Erwartung von Pay-offs in bestimmten Bereichen unternommen wird 1 >. Die angewandte Forschung greift jedoch ihrerseits auf die Ergebnisse der Grundlagenforschung zurück. Technology-push und Demand-pull sind somit Teileeines einzigen Prozesses. Sie sind keine konkurrierenden Erklärungsansätze für die Stimulierung innovativer Aktivitäten 3 >. Bei entsprechender Ausdehnung des Betrachtungszeitraums kann jedes Ergebnis angewandter Forschung auf einen Erkenntnisfortschritt im Bereich der Grundlagenforschung zurückgeführt werden. Wird die hier skizzierte Betrachtungsweise auf die oben angeführten Beispiele übertragen, so läßt sich in beiden Fällen die gleiche Struktur des Innovationsprozesses erkennen. Am Beginn beider Innovationsprozesse stehen Ergebnisse der Grundlagenforschung: zum einen die Entdeckung des Laserstrahls, zum anderen die Entwicklung des Wirkstoffes Cortison. Die innovative Leistung besteht in der Kombination bisher unbefriedigter Nachfrage mit den neuen technologischen Möglichkeiten. Die angewandte Forschung mit anschließender Kommerzialisierung die Marktchancen sind. setzt in beiden Fällen erst ein, nachdem für die technischen Möglichkeiten bekannt 1) Vgl. Kamien, M.I./Schwartz, N.L. (1982), s. 35 2) Vgl. Rosegger, G. (1980), Kap. 1 3) Ahnlich Freeman, C. (1979), S. 213f - 52 - Im folgenden Abschnitt wird der idealtypische Verlauf von Innovationsprozessen auf einem neu erschlossenen Markt dargestellt. Im Anschluß daran werden die besonderen Dimensionen von Innovationen unter Bezug auf das neoklassische Investitionsmodell herausgearbeitet. 2. Der Ablauf von Innovationsprozessen Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen sind Aktivitäten, Verhalten und Umgebung einer "Productive Unit". Sie wird verstanden als eine Unternehmenseinheit, die eine homogene Produktlinie herstellt und anbietet. Eine "Productive Unit" oder Unternehmenseinheit kann somit ein Ein-Produkt-Unternehmen oder ein Produktbereich eines Mehr-Produkt-Unternehmens sein 1 > . Auslöser der Tätigkeit einer Unternehmenseinheit ist eine Innovation2>, verstanden als eine neuartige Kombination von Bedürfnissen mit Gütern und/oder Dienstleistungen, die deren Befriedigung dienen sollen. Diese erste Phase der unternehmerischen Aktivität ist mit großen Unsicherheiten verbunden 3 >. Unsicherheit besteht bezüglich des technischen und des marktlichen Erfolgs. Fraglich ist zum einen, ob die Produkteigenschaften so ausgestaltet werden können, daß sie dem Anforderungsprofil entsprechen, welches das Unternehmen aufgrund der erkannten Bedürfnisse entwickelt hat. Zum zweiten besteht Unsicherheit darüber, ob die vermuteten bzw. ermittelten Bedürfnisstrukturen in kaufkräftige Nachfrage umgesetzt werden, wenn die entsprechenden Güter am Markt angeboten werden. Dominierend in der Anlaufphase der Unternehmenstätigkeit ist das Bestreben, die Funktionalität der Produkte zu verbessern. Auch Spezialanfertigungen nach Kundenwünschen werden gemacht, um zunächst in Marktnischen Fuß zu fassen. Sind erste Marktsegmente durch diese grundlegenden (major, radical) Produktinnovationen erschlossen, versucht die Unter1) Vgl. Utterback, J.K. (1979b), S. 136f 2) Zum Folgenden vgl. Utterback, J.K. (1979b), s. 137ff und derselbe (1977), S. 12ff 3) Vgl. Freeman, C. (1979), S. 213 - 53 - nehmenseinheit, ihr Produktionsvolumen durch die Anpassung ihres erfolgreichen Produkts an die Ansprüche zusätzlicher Abnehmergruppen auszudehnen. Dazu werden kleinere {minor, incremental) Produktinnovationen in Funktionalität und Design vorgenommen. Da zu diesem Zeitpunkt die Märkte bereits relativ gut erschlossen sind, sind die Unsicherheiten bezüglich des Markterfolgs vergleichsweise gering. Eine ähnliche Verlagerung der Bemühungen von grundlegenden zu inkrementalen Innovationen ist auch auf der Produktionsseite festzustellen. Zu Beginn der Aktivitäten ist der Produktionsprozeß flexibel organisiert. Der Einsatz qualifizierter Arbeitskräfte und vielseitig einsetzbarer Anlagen ermöglicht schnelle und wenig kostenaufwendige Umstellungen. Mit der Ausdehnung des Produktionsvolumens ändert sich auch die Struktur der Produktionstätigkeit. Durch eine Verlagerung der Innovationsaktivitäten auf den Produktionsprozeß können beträchtliche Kosteneinsparungen erreicht werden. Sie resultieren aus einer Erhöhung der Arbeitsteilung und einer Intensivierung des Kapitaleinsatzes. Dadurch wird jedoch die Produktionsstruktur inflexibler und mit hohen Fixkosten belastet, sodaß diese Unternehmen ihrerseits wieder verwundbar durch kleine, stark marktorientierte Unternehmen werden, die zunächst in Marktlücken drängen 1 >. Gleichzeitig wird versucht, eine Standardisierung der Produkte zu erreichen. Diese Bestrebungen führen zu einer Reduzierung des Sortiments auf eines oder wenige Grundmodelle und verschiedene Produktvarianten. Die weitere Innovationstätigkeit beschränkt sich auf wenige inkrementale, vorwiegend kostenorientierte Innovationen, in die auch neu erkannte technische Möglichkeiten eingehen. Sie erfordern in der Regel eine Anpassung von Produkt und Produktionsverfahren. 1) Vgl. Abernathy, W.J./Utterback, J.K. (1982), S. 100 - 54 - 3. Der Innovationsablauf unter Berücksichtigung von Konkurrenzbeziehunaen In der bisherigen Analyse werden Konkurrenzbeziehungen nicht berücksichtigt. Der Innovationsablauf entspricht dem Falleiner Unternehmenseinheit, die sich durch ihre Produktinnovation eine Monopolstellung geschaffen hat und keine potentielle Konkurrenz befürchten muß. Ist die Innovation ertragreich, dann ist eine solche Unternehmenssituation allerdings nur kurzfristig denkbar. Tatsächlich müssen die Unternehmen bei ihren Entscheidungen immer den Markteintritt weiterer Unternehmen sowie das Verhalten potentieller Konkurrenten beachten. Bei der Einbeziehung von Konkurrenzverhältnissen in die Analyse müssen zwei Konstellationen unterschieden werden. Die innovative Unternehmenseinheit kann zum einen mit einem Substitutionsgut in einen bereits erschlossenen Markt drängen. Zum zweiten kann das Unternehmen durch seine Innovationsanstrengungen einen neuen Markt erschließen. Bei entsprechenden Gewinnmöglichkeiten muß es jedoch mit nachstoßendem Wettbewerb anderer Unternehmen rechnen. Die Existenz (potentieller) Konkurrenz führt eine weitere Unsicherheitskomponente in die Innovationsentscheidung ein. Zusätzlich zu den Unsicherheiten über den technischen und den marktlichen Erfolg beeinflußt die Unsicherheit über die Reaktionen der Konkurrenten das Innovationsverhalten. Tritt die innovative Unternehmenseinheit mit einem Substitutionsprodukt auf den Markt, so besteht für die etablierten Unternehmen die Gefahr von Marktanteilsverlusten, die zu ihrem Ausscheiden aus dem Markt führen können 1 >. Sie werden deshalb versuchen, ihre Produkte durch erhöhte Anstrengungen zu verbessern. Gelingt es dem innovativen Unternehmen trotz der Abwehrreaktionen der etablierten Anbieter, aufgrund der neuartigen Struktur seines Produkts auf Teilmärkten Fuß zu fassen oder zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten zu erschließen, so steht ihm durch inkrementale Innovationen ein wesentlich größeres Potential zur Verbesserung der Produktqualität und zu Kostensenkungen zur Verfügung. 1) Zum Folgenden vgl. Utterback, J.M. (1979a), s. SSff - 61 - Ist der Unternehmer in seinen Entscheidungen von Konkurrenten unabhängig, weil er beispielsweise in einem regulierten Markt mit eintrittsverhindernden Schranken aktiv ist, reduziert sich sein Kalkül darauf, den Ertragswert seiner Gewinne zu maximieren. Mit (D.4) R(t) = V(t) - C(t) => Max! sind die Bedingungen erster und zweiter Ordnung: (D.5) und R' (t) 0 R"(t) < 0 zu erfüllen; d.h. (D. 6) und (D. 7) -e- < r - 9 > T Po = C' ( T) (r-g)e-<r-g>TPo - C"(T) < 0 Die Bedingung erster Ordnung besagt, daß im Optimum der Anstieg des Barwerts der Erträge bei einer Verkürzung des Innovationszeitraums um eine Zeiteinheit gleich dem Kostenanstieg aufgrund der Zeitverkürzung sein muß. Aus der Marginalbedingung ist auch zu entnehmen, daß das Innovationsprojekt um so stärker forciert wird, je höher die erwartete Quasi-Rente und die Wachstumsrate sind und je geringer der Diskontierungssatz ist. Da eine Verkürzung der Entwicklungszeit nur zu überproportional steigenden Kosten möglich ist, ist auch die Bedingung zweiter Ordnung in der Regel erfüllt, je eher, um so stärker der Markt wächst. Dieser Kalkül zur Bestimmung des optimalen Innovationszeitpunkts kann nach der Vornahme einiger Ergänzungen auch eingesetzt werden, um das Innovationsverhalten auf Konkurrenzmärkten zu analysieren. Bevor die Untersuchung unter diesem Aspekt fortgesetzt wird, soll anhand der graphischen Darstellung des Innovationskalküls auf einen Punkt eingegangen werden, der für die Interpretation der nachfolgenden Untersuchungen wichtig ist. - 62 - Abbildung D.1: Innovationskalkül GE 0 t• T t, t In Abbildung D.1 sind die Grenzerlösund die Grenzkostenkurve für ein Innovationsprojekt dargestellt. Der optimale Innovationszeitpunkt T wird durch den Schnittpunkt der beiden Kurven bestimmt. Im Zeitpunkt T wird der maximale Innovationsgewinn realisiert. Die schraffierte Fläche zwischen den beiden Kurven rechts von T stellt den Kapitalwert des Projekts dar. Links von T sind die Kosten der Innovation pro Zeiteinheit höher als die Erträge. Wird die Innovation trotzdem früher als in T durchgeführt, reduziert sich ihr Kapitalwert. Für den Innovator ist das Projekt solange noch attraktiver als die durch die Diskontierungsrate repräsentierte Alternativanlage, als die Fläche zwischen den beiden Kurven links von T nicht größer wird als die Fläche rechts von T1 >. Gesamtwirtschaftlich ist das Vorziehen des Innovationszeitpunkts suboptimal. Solange allerdings das Projekt für den Innovator profitabel gesamtwirtschaftlich bleibt, bewirkt seine Realisierung auch eine Wohlfahrtssteigerung. Sie weicht vom sozialen Optimum im Ausmaß der Fläche links von Tab. 1) Vgl. Barzel, Y. (1968), s. 351 - 63 - Staatliche Interventionen, die eine Erhöhung der Innovationsgewinne bewirken, führen im einzelwirtschaftlichen Kalkül zu einer Beschleunigung der Innovationsanstrengungen, die aber gesamtwirtschaftlich eine Wohlfahrtsminderung bedeutet. II. DIE INNOVATIONS ENTSCHEIDUNG UNTER WETTBEWERBSBEDINGUNGEN 1. Der entscheidungstheoretische Ansatz 1.1 Das Modell Der im vorangehenden Abschnitt aufgestellte Kalkül zur Bestimmung des optimalen Innovationszeitpunkts soll hier durch die Berücksichtigung von Konkurrenzbeziehungen ergänzt werden1 >. Bezieht das innovationsbereite Unternehmen die Aktivitäten seiner (potentiellen) Konkurrenten in seine Planungen ein, so kann das Unternehmen nicht mehr davon ausgehen, daß es bei erfolgreicher Realisierung des Innovationsprojekts die gesamte Quasi-Rente aus der Innovationstätigkeit abschöpfen kann. Zum einen muß das Unternehmen damit rechnen, daß ihm ein Konkurrent zuvorkommt und es selbst nur noch Imitationsgewinne erzielen kann. Zum zweiten hat das Unternehmen zu berücksichtigen, daß, auch wenn es vor der Konkurrenz mit seiner Innovation auf den Markt kommt, sein Innovationsgewinn durch das Auftreten von Imitationswettbewerb reduziert wird. Folgende Annahmen werden über die Höhe der erwarteten Gewinne getroffen: (D. 8) e- < r - g > t • Po für TSt<v V(t) = e- < r - g > t • P1 für T<vst e- < r - g > t • P2 für v<TST und 0SP1 SPo ; 0SP2 SPo ; > P1 < P2, 1) Zum folgenden Modell vgl. Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1972), (1974) und (1976), sowieBarzel, Y. (1968). - 64 - mit T: Geplanter Innovationszeitpunkt des Unternehmens, t: Betrachtungszeitpunkt, v: Zeitpunkt des Markteintritt eines Konkurrenten. Der Gewinn beträgt Po, wenn das Unternehmen einziger Anbieter auf dem Markt, also Monopolist ist. Er geht auf P1 zurück, wenn das Unternehmen zwar Innovator ist, Konkurrenten jedoch Imitationswettbewerb betreiben. Der Gewinn sinkt schließlich auf P2, wenn dem Unternehmen ein Konkurrent mit der Innovation zuvorkommt und es nur noch als Imitator auftreten kann. Ober die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Konkurrenten bildet sich das Unternehmen folgende subjektive Verteilungsfunktion: für 0sv<T (D.9) F(v) l 1 - eb • , = 1 - e(k-b)T-kv, für vl!:T Der erste Fall gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, daß dem Unternehmen ein Konkurrent mit der Innovation zuvorkommt und im zweiten Fall wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Imitatoren, nachdem das Unternehmen innoviert hat, ausgedrückt. Durch die Parameter h und k wird die Wettbewerbsintensität bestimmt. Je höher diese beiden Werte sind, desto größer ist der Wert der kumulierten Wahrscheinlichkeitsfunktion F(v) für das Auftreten eines Konkurrenten als Innovator bzw. Imitator. Die Erwartungswerte für das Auftreten eines Konkurrenten betragen: für 0sv<T (D.10) f 1/h E{v) = T + 1/k, für vl!:T 1> D.h. ist bisher kein Konkurrent aufgetreten, beträgt die Wahrscheinlichkeit, daß dies im nächsten Moment ~t geschieht, 1) 1-F(v) Mit E(v) = --- F' (v) - 65 - h bzw. bei Imitation im Zeitpunkt (T+~t) k. Diese Eintrittswahrscheinlichkeiten sind also über den gesamten Betrachtungszeitraum konstant 1 >. Im Zeitraum vor dem Betrachtungszeitpunkt liegende Ereignisse und Prozesse gehen nicht in die Eintrittswahrscheinlichkeit ein, die Wahrscheinlichkeitsverteilung ist "memoryless". Tatsächlich dürfte sich aber die Wahrscheinlichkeit des Markteintritts eines Konkurrenten mit zunehmendem Zeitablauf erhöhen 2 >. Auch wird diese Wahrscheinlichkeit nicht unabhängig von der Anzahl der im Wettbewerb aktiven Unternehmen sein 3 >. Im folgenden wird trotz dieser Mängel die analytisch leichter handhabbare Exponentialverteilung unterstellt, da die resultierenden Ergebnisse auch bei der Verwendung einer erweiterten Verteilungsfunktion gültig sind 4 >. Mit diesen Ergänzungen, den Erträgen bei verschiedenen Marktkonstellationen und deren jeweiligen Wahrscheinlichkeiten, ist es möglich, den kapitalwertmaximierenden Innovationszeitpunkt in einem Marktmodell zu bestimmen. Die erwarteten Erträge aus dem Innovationsprojekt belaufen sich auf: (D.11) V(T) f e-<r-g)t • (Po [1-F(t)] t=T - P1 [F(t)-F(T)] + P2 •F(T) )dt . Dabei ist [1-F(t)] die Wahrscheinlichkeit dafür, daß das Unternehmen bis zum Zeitpunkt t Monopolist ist, [F(t)-F(T)] die Wahrscheinlichkeit dafür, daß das Unternehmen zwar Innovator ist, jedoch bis zum Zeitpunkt t Innovatoren aufgetreten sind und F(T) ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß dem Unternehmen ein Konkurrent mit der Innovation zuvorkommt und es nur noch Imitationsgewinne erzielen kann. Einsetzen von Gleichung (D.10) in (D.11) und Umformen ergibt: 1) Vgl. Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1972), s. 46f 2) Vgl. Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1980), S. 245 3) Vgl. Fethke, G.C./Birch, J.J. (1982), S. 276ff 4) Vgl. Kamien, K.I./Schwartz, N.L. (1980), S. 247f und Fethke, G.C./Birch, J.J. (1982), S. 276ff -66 - - (D.12) V(T) = / [ e-<r-11+k)t+(k-h>T.(Po - Pi) t=T + e- < r - " > t - h T • ( P1 - P2 ) + e- < r - " > t • P2 ] d t . Nach Vornahme der Integration ergibt sich die Erlösfunktion in Abhängigkeit vom Innovationszeitpunkt: (D.13) V(T) Po -P1 P1 = e-hT •e-<r-11>'•[--- + ---] r-g+k r-g P2 + (l-e-h')•e-<r-11>T • __ _ r-g Der erste Summand gibt den erwarteten Barwert der Erträge als Innovator, der zweite den erwarteten Barwert als Imitator an. Die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten betragen e-h, bzw. ( 1-eh T ) • Das Optimierungsproblem für die Wahl des Innovationszeitpunkts lautet: (D.14) R(T) = V(T) -C(T) => Max! Durch Differentiation nach T ergeben sich die Bedingungen erster und zweiter Ordnung: (D.15) V' (T) Po -Pi P1 -P2 ] -(r-g+h)e-<r-11+h>T •[--- + r-g+k r-g - e- < r - " > T • P2 - C' ( T) = 0 und (D.16) Po -Pi Pi -P2 ] V"(T) = (r-g+h)2e-<r-11+h)T. [--- + r-g+k r-g + (r-g)e-<r-11>T •P2 - C"(T) < 0 . Besteht keine Konkurrenz, also h=k=O, sind Po=Pi und P2=0. Nach Einsetzen dieser Werte in die Bedingung erster Ordnung ergibt sich als Spezialfall dieses erweiterten Modells die im vorigen Abschnitt abgeleitete Marginalbedingung für die Wahl - 67 - des optimalen Innovationszeitpunkts 1 >. Ein Beispiel für diese Konstellation ist der Fall der Kartellbildung mit gleichzeitiger Errichtung von Marktschranken bei gemeinsamer Durchführung des Innovationsprojekts durch die Kartellmitglieder. Die durch das Konkurrentenverhalten ausgelösten Unsicherheiten sind eliminiert und die Innovationsanstrengungen werden nur einmal unternommen 2 >. Der Einfluß des Wettbewerbsdrucks auf die Wahl des Innovationszeitpunkts läßt sich durch partielle Differentiation der Bedingung erster Ordnung nach h ermitteln: (D.17) sign[dT*/dh] = sign[T* (r-g+h) - 1] d.h. dT* > 0 • dh < wenn > T* = (r-g+h)-1 < Eine Intensivierung des Wettbewerbs kann also sowohl zu einer Beschleunigung als auch zu einer Verzögerung der Innovationsaktivitäten führen. Eine Erklärung für diesen Vorzeichenwechsel ergibt sich aus folgender Oberlegung 3 >. Besteht keine Konkurrenz, erreicht die Unternehmung ihren optimalen Innovationszeitpunkt, wenn sich die Grenznutzen und die Grenzkosten der Verschiebung des Innovationszeitpunkts ausgleichen 4 >. Treten Konkurrenten auf den Plan, läuft das Unternehmen Gefahr, daß ihm andere mit der Innovation zuvorkommen und die Innovatorenrente abschöpfen. Der einsetzende Wettbewerb wird deshalb zu einer Vorverlagerung des geplanten Innovationszeitpunkts führen, also dT/dh < 0. steigt die Wettbewerbsintensität weiter an, vergrößern sich sowohl die Wahrscheinlichkeit, daß ein Konkurrent vorzeitig innoviert, als auch die Kosten der Beschleunigung der eigenen Innovationsaktivitäten. Erreicht die Wahrscheinlichkeit der Innovati1) Das gleiche Ergebnis resultiert auch für h=(Po-P1)=0. Hier ist zwar Imitation möglich, sie bringt jedoch keinen Ertrag (Pz=O). 2) Vgl. Kamien, M.I./Schwartz, N.L. (1972), S. S2f 3) Vgl. Kamien, M.I./Schwartz, N.L. (1976), S. 2S4f 4) Vgl. Abschnitt I.2 dieses Kapitels - 68 - on durch einen Konkurrenten trotz forcierter eigener Entwicklungsaktivitäten einen kritischen Wert, ist es für das Unternehmen rational, den eigenen Innovationszeitpunkt zu verzögern und dadurch zwar auf die Quasi-Rente als Innovator zu verzichten, jedoch die Innovationskosten überproportional zu reduzieren. Der Extremfall ist dann erreicht, wenn jeder Vorstoß des Unternehmens durch Konkurrentenreaktionen umgehend neutralisiert wird. Im vorliegenden Modell lautet die Marginalbedingung für h = 0, d.h. alle Konkurrenten agieren als Imitatoren: (D.18) (r-g)Po + kP1 r - g + k = -C' (T) • e- < r - v > T Sofortige Konkurrentenreaktion bedeutet, daß k unendlich groß wird mit der Konsequenz, daß die Quasi-Rente bei Imitation P1 gegen null geht; die linke Seite von Gleichung (D.18) geht somit gegen null. Damit die Marginalbedingung erfüllt wird, muß auch die rechte Seite der Gleichung (D.18) null werden. Dies ist bei der unterstellten Kostenfunktion dann der Fall, wenn T gegen unendlich geht. Damit ergibt sich das bekannte Ergebnis, daß bei vollkommenem Wettbewerb Innovationsanstrengungen unterbleiben, da Gewinne sofort wegkonkurriert werden1 >. An dieser Stelle soll kurz auf das in Abschnitt I.2 diese Kapitels bereits angesprochene Argument von Barzel 2> eingegangen werden, daß Wettbewerb zu einer vorzeitigen Realisierung von Innovationsprojekten führt, was zwar nicht zu privaten, wohl aber zu gesellschaftlichen Verlusten führt. Barzel argumentiert in einem Modell, in dem nur der Innovator einen Gewinn erzielen kann. Zudem erfordert die Innovation fixe Kosten in Höhe von Co. Somit lautet der Kalkül: (D.19) R(T) = e-<r-g+b)T •Po/(r-g) - e-rT •Co => Max! 1) Vgl. Kamien, M.I./Schwartz, N.L. (1972), S.56 2) Vgl. Barzel, Y. (1968), s. 351f - 69 - für die Bedingung erster Ordnung ergibt sich: (D.20) -(r-g+h)e-<r-g+b)T •Po/(r-g) = -re-rT •Co und somit (D.21) T = (g-h)- 1 •ln[rCo (r-g)/Po (r-g+h)] . Für die Bedingung zweiter Ordnung muß gelten: (D.22) (r-g+h)Ze-<r-g+b)T 0Po/(r-g) - r 2 •e-rTco < 0 bzw. nach Einsetzen von Gleichung (D.20): (D.23) (r-g+h)re-rT •Co < r2 e-rT •Co und somit (D.24) g > h . Der optimale Innovationszeitpunkt soll nun verglichen werden mit dem Einführungszeitpunkt t0, in dem die Innovation keinen Gewinn erbringt; also (D.25) e- < r - '+ b > t • • Po / ( r-g) = er t • • Co somit (D.26) t0 = (g-h)- 1 •ln[Co (r-g)/Po] . Wegen Gleichung (D.24) zusammen mit (D.21) und (D.26) gilt immer: (D.27) T > t0, d.h. der Wettbewerb führt nicht zu einer so frühzeitigen Realisierung des Innovationsprojekts, daß die Gewinne völlig verschwinden 1 >. 1) Dabei liegt Tim Vergleich zu t0 um so später, je stärker der Kostenanstieg bei einer Vorziehung des Innovationszeitpunkts ist. -70 - Der Einfluß der weiteren Modellvariablen auf den Innovationszeitpunkt läßt sich ebenfalls durch partielle Differentiation der Marginalbedingung ermitteln 1 >. Die Differentiation nach Po und P1 ergibt, daß eine Erhöhung der Innovationsgewinne eindeutig innovationsbeschleunigend wirkt: (D.28) dR' (Tl = _ r-g+h • ec r _ 11 • b >, < 0 dPo r-g+k und (D.291 dR' (Tl r-g+h r-g+h = [--- - ---]•e-<r-r,+b)T < 0 dP1 r-g+k r-g Eine Anderung der Imitationsgewinne fuhrt nicht zu eindeutigen Wirkungen auf den Innovationszeitpunkt: (D.301 dR' (T) = r-g+h. e-<r-r,+b)T _ e-<r-r,)T dPz je nachdem ob r-g+k (D.311 T < ln [Po-P1] . > r-g+k > = 0 , < Je nach Marktstruktur fuhrt eine Erhöhung der Imitationsgewinne zu einer Verzögerung oder einer Beschleunigung des geplanten Markteintritts. Eine Verschärfung des Imitationswettbewerbs fuhrt immer zu einer Verschiebung des geplanten Markteintritts in die Zukunft: (D.321 dR' (Tl Po -Pi = (r-g+hl•e-<r-r,+b>T •---- > 0 • dk (r-g+kl z In dem vorgestellten Modell wird ein erwartungswertmaximierender Innovationszeitplan aufgestellt. An ihm wird unbeeinflußt von den tatsächlichen Ausprägungen des Konkurrentenverll Vgl. Kamien, M.I./Schwartz, N.L. (19721, S. 56f - 77 - D.h. mit wachsender Anzahl von Unternehmen steigt das Ausmaß der Innovationsanstrengungen auf dem Markt. Mit Hilfe dieses Ergebnisses läßt sich jetzt des erwarteten Innovationszeitpunkts von Marktteilnehmer bestimmen. die Abhängigkeit der Anzahl der Der Innovationszeitpunkt auf dem Markt sei definiert durch: (D.52) T(n) = min T(~1) ; ostsa der im Gleichgewicht erwartete Wert von T(n) beträgt dann: (D. 53) T(n) = (n•h(x))-1 . Eine Erhöhung der Anzahl der Marktteilnehmer führt zu einer Verkürzung des Innovationszeitraums auf dem betreffenden Markt, wenn gilt: (D.54) dET(n) < O b zw. dn (D.55) d[l/ET(n)]> 0 • dn Diese Bedingung ist erfüllt, da (D.56) d[l/ET(n)] dn d~ = h(~(n)) + nh' (~(n)) •- > 0 dn wegen n, h(x), h' (x) und d~/dn > O. Somit führt der Markteintritt zusätzlicher potentieller Innovatoren und zu tritt also zu einer Beschleunigung der Innovationsanstrengungen einer Verkürzung der Innovationsdauer. Der Marktzuhält so lange an, wie Gewinne erzielt werden können, ER> 0 bzw. aus Gleichungen (D.40) und (D.41): (D.57) h' (~) (V - F) > 1 • Der Marktzutritt weiterer Wettbewerber endet um so früher, je höher die fixen Kosten F, je geringer die Patentrente V und - 78 - um so höher das optimale Ausgabenniveau ~1> bzw. wegen d~/dn > 0 je größer die Anzahl der bereits im Markt vertretenen Unternehmen ist. Wie im entscheidungstheoretischen Modell sind auch hier die Gewinnmöglichkeiten die wichtigste Determinante der Innovationsbereitschaft. Zusätzlich wird deutlich, daß fixe Kosten ceteribus paribus innovationshemmend wirken. 2.2 Zusammenfassung In dem dargestellten spieltheoretischen Modell wird die optimale Strategie eines potentiellen Innovators durch ein Cournot-Nash-Gleichgewicht bestimmt. Für die Innovationsausgaben wird unterstellt, daß zu Beginn der Aktivitäten fixe Kosten anfallen und in jeder Periode so lange weiter investiert wird, bis eines der konkurrierenden Unternehmen als Innovator auf den Markt tritt. Je höher der Wettbewerbsdruck auf die potentiellen Innovatoren ist, desto stärker werden sie ihre Innovationsanstrengungen intensivieren. Entsprechend steigen mit der Anzahl der Konkurrenten auch die gesamten auf dem Markt getätigten Innovationsausgaben. Da der Innovationserfolg um so wahrscheinlicher ist, je höher die Innovationsanstrengungen sind, sinkt mit steigender Anzahl der Konkurrenten der Erwartungswert des Innovationszeitpunkts, d.h. der erwartete Innovationserfolg liegt zeitlich um so früher, je höher die Anzahl der Wettbewerber ist. Die Bestimmung der optimalen Innovationsstrategien erfolgt unter Einbeziehung der optimalen Konkurrentenreaktionen auf das eigene Handeln. In diesem Sinn ist das Modell dynamisch. Allerdings wird hier nicht wie im entscheidungstheoretischen Ansatz ein optimaler Ausgabenplan ermittelt. Unter diesem Aspekt ist das spieltheoretische Modell statisch, d.h. die geplanten Ausgaben sind in allen Perioden gleich 2 >. 1) Bei abnehmenden Grenzerträgen ist dann h' (x) um so kleiner. 2) Vgl. Reinganum, J.F. (1981), s. 22 - 79 - 3. Ergänzungen Die beiden vorgestellten Ansätze sind in mehreren Richtungen unvollständig. Da die für die Innovationspolitik bedeutsamen, grundsätzlichen Ergebnisse bestehen bleiben, wird über die verschiedenen Modellerweiterungen nur ein Oberblick gegeben. Während im entscheidungstheoretischen Ansatz das Konkurrentenverhalten als gegeben unterstellt wurde, wurde für das spieltheoretische Modell eine konstante R&D-Investition pro Periode angenommen und damit der Aspekt der optimalen Ausgabenplanung vernachlässigt. Durch Integration der beiden Ansätze in einem kontrolltheoretischen Modell können diese Mängel beseitigt werden. Dabei wird das Ergebnis des spieltheoretischen Ansatzes bestätigt, wonach bei wirksamem Patentschutz eine Erhöhung der Anzahl der Konkurrenten zu einer Beschleunigung der Innovationstätigkeit führt 1 >. Je unvollkommener jedoch der Patentschutz und je intensiver der Imitationswettbewerb, d.h. je stärker die Innovatorenrente im Imitationswettbewerb aufgezehrt wird, desto eher wird eine Position des Abwartens lohnend. Bei vollkommenem Wettbewerb kommt dann die Innovationstätigkeit zum Erliegen 2 >. Die bisherige Analyse bezieht sich isoliert auf ein bestimmtes Innovationsprojekt. Der Innovationsprozeß im Sinne Schumpeters ist jedoch mehrstufig. Jedes abgeschlossene Innovationsprojekt ist nur eine Zwischenstufe im Innovationswettbewerb3>. In einem solchen sequentiellen Prozeß ist der bisher betrachtete Innovationswettbewerb jeweils eine Stufe des gesamten Spiels. Zwei Arten von Konkurrenten sind zu unterscheiden. Zum einen Unternehmen, die aufgrund einer Innovation ein Patent besitzen und auf dem Markt etabliert sind. Zum anderen Herausforderer, die in einem Prozeß schöpferischer Zerstörung die Etablierten durch Verbesserungsinnovationen verdrängen wollen. Wie im einstufigen Modell steigen mit der Anzahl der Wettbewerber und der Höhe der Innovationserträge die Innovationsan1) Vgl. Reinganum, J.F. (1982), S. 684 2) Vgl. Reinganum, J.F. (1982), S. 685ff; vgl. auch die Ergebnisse im entscheidungstheoretischen Ansatz. 3) Zu diesen Modellansätzen vgl. Friedman, J.W. (1986), s. 71ff -80 - strengungen 1 >. Die Strategie der Herausforderer und des jeweils etablierten Unternehmens weichen allerdings voneinander ab. Der Etablierte investiert auf jeder Stufe des Prozesses weniger in neue Projekte als seine Herausforderer 2 >. Der Grund dafür ist, daß er zwar durch die Investitionen die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen kann, daß er auf der nächsten Stufe wieder das Patent erhält, er dadurch aber gleichzeitig die erwartete Nutzungszeit seines laufenden Patents verkürzt. Je attraktiver seine aktuelle Position desto geringer werden seine Innovationsbemühungen sein 3 >. Analog sind auf der jeweiligen Stufe die Innovationsanstrengungen um so geringer, je günstiger die zukünftigen Innovationsmöglichkeiten eingeschätzt werden 4 >. III. WOHLFAHRTSWIRKUNGEN Bei der Beurteilung der Wohlfahrtseffekte des Innovationswettbewerbs sind zwei gegenläufige Wirkungsrichtungen zu beachten. Die im Innovationsprozeß aktiven Unternehmen beziehen in ihren Kalkül auch die Aktivitäten der Konkurrenten mit ein. Allerdings beschränkt sich diese Einbeziehung der Konkurrenzbeziehungen auf die Wahrscheinlichkeit des Konkurrenteneintritts bei der Bildung des Erwartungswerts der Quasi-Rente, die im Falle einer erfolgreichen Innovation abgeschöpft werden kann. Was die Unternehmen nicht berücksichtigen, ist der Verlust an erwartetem Ertrag, der auftritt, wenn der Innovationsprozeß durch die erfolgreiche Innovation eines Unternehmens beendet wird. Durch den Innovationserfolg entstehen bei den unterlegenen Unternehmen externe Kosten, die bei der Bestimmung der Innovationsstrategie nicht berücksichtigt wurden~>. Dies führt zu einem Innovationstempo, welches über das 1) Vgl. Reinganum, J.F. (1985), S. 93 2) Vgl. Reinganum, J.F. (1985), S. 89; ähnlich auch Katz, M.L./Shapiro, C. (1987), S. 406ff 3) Vgl. Reinganum, J.F. (1983), s. 745f 4) Vgl. Reinganum, J.F. (1985), s. 94f 5) Mit diesem Argument wird unterstellt, da~ die unterlegenen Unternehmen aus den bis zum Innovationszeitpunkt des Konkurenten gemachten Investitionen keine Erträge erzielen können. -81 - soziale Optimum hinausgeht 1 >. Dieser überoptimalen Innovationstätigkeit steht aber entgegen, daß sich die Unternehmen die Erträge ihrer Innovationsanstrengungen nur teilweise aneignen können, d.h. daß die Forschungsund Entwicklungsergebnisse zumindest partiell die Eigenschaft öffentlicher Güter besitzen. Kann sich das Unternehmen jedoch nur Teile seiner Innovationserträge aneignen, reduziert sich sein erwarteter Gewinn. Das Unternehmen wird deshalb seine Innovationsanstrengungen im Vergleich zum gesellschaftlichen Optimum reduzieren. Theoretisch könnten die mangelnden privaten Anreize durch Subventionen korrigiert werden 2 >. Praktisch scheitert dieser Vorschlag an den für seine Realisierung erforderlichen Informationserfordernissen. Auch können die mit einer solchen Strategie der Internalisierung externer Effekte verbundenen administrativen Kosten zu negativen Anreizen für die Innovationstätigkeit der Unternehmen führen3>. Gleichzeitig ist zu beachten, daß die Forschungsergebnisse, die den Charakter eines öffentlichen Gutes haben, von den Konkurrenten verwertet werden können. Soweit dies möglich ist, können sie dann auf Parallelforschung verzichten 4 >. Je höher der öffentliche-Guts-Anteil an der Forschungsund Entwicklungstätigkeit ist, um so stärker werden die eigenen Innovationsanstrengungen reduziert. Der Gesamteffekt in bezug auf das Pareto-Optirnum ist für jede einzelne Innovation von der Ertragsstruktur, der Stärke der Externalitäten und ihrer Verwendbarkeit bei Dritten abhängig,>. Aus diesen Ausführungen ergibt sich, daß ein Pareto-Optimum aufgrund der Externalitäten und ihrer nur teilweisen Kompensation durch das Patentsystem nur zufällig erreicht werden kann. Die Richtung der Abweichung ist nicht eindeutig und nur für den Einzelfall bestimmbar. Läßt sich auch die Richtung der Abweichung vorn Pareto-Optirnurn nicht generell bestimmen, 1) Vgl. Mortensen, D.T. (1981), s. 969ff; Loury, G.C. (1979), S. 405f; Lee, T./Wilde, L.L. (1980), S. 434f 2) Vgl. Spence, A.M. (1984), S. 103ff 3) Vgl. Capitelli, R./Müller, H.H. (1986), S.547ff 4) Vgl. Spence, A.M. (1984), S. 107 5) Vgl. Reinganum, J.F. (1981), S. 36ff - 82 - so kann doch eine Aussage zum Wohlfahrtseffekt der Innovationstätigkeit gemacht werden. Wird durch eine Innovation ein neuer Markt erschlossen, so wirkt eine Innovation immer wohlfahrtssteigernd. Da die Unternehmen in ihre Innovationsplanung die Konkurrentenaktivitäten einbeziehen, werden die geplanten Kosten den erwarteten Innovationsgewinn nicht übersteigen. Zusätzlich erhalten die Konsumenten einen Rentenzuwachst>. IV. ZUSAMMENFASSUNG In diesem Kapitel wurde untersucht, wie der von einem Unternehmen geplante Innovationszeitpunkt durch Konkurrenzbeziehungen beeinflußt wird. Während im spieltheoretischen Modell und seinen Erweiterungen eine Intensivierung des Wettbewerbs, d.h. eine Erhöhung der Anzahl der innovationsaktiven Unternehmen, immer eine Beschleunigung des Innovationsprozesses bewirkt, führt im entscheidungstheoretischen Ansatz verstärkter Wettbewerb zwar zunächst auch zu einer Erhöhung des Innovationstempos. Obersteigt die Wettbewerbsintensität jedoch einen kritischen Grad, so wird der Innovationszeitpunkt verzögert, da aufgrund der Imitationsgewinne eine abwartende Position lohnend wird. Oberlegungen zu den Wohlfahrtseffekten der Innovationstätigkeit ergeben, daß zwar durch ein generell gültiges Patentsystem die in jedem Einzelfall verschiedenen Externalitäten nur unvollkommen kompensiert werden können und deshalb ein Pareto-Optimum nur zufällig erreicht werden wird, daß aber die Realisierung von Innovationen immer wohlfahrtssteigernd ist. Im folgenden Teil der Arbeit werden die Wirkungen von Steuern und Finanzierungsbedingungen auf die Risikound Innovationsbereitschaft untersucht. 1) Vgl. Usher, D. (1964), S. 282f sowie Scherer, F.M. (1967), S. 392f. Führt die Innovation zu einer Umverteilung der Nachfrage auf einem Markt mit konstantem Volumen, kann kein eindeutiger Wohlfahrtseffekt abgeleitet werden. Obersteigen die zusätzlich möglichen Gewinne durch Kostensenkungen und erhöhten Konsumentenrente die Innovationskosten, dann ist auch hier ein positiver Wohlfahrtseffekt festzustellen; vgl. Scherer, F.M. (1967), S. 293. - 83 - TEIL 3: DER EINFLUSS VON STEUERN UND FINANZIERUNGSBEDINGUNGEN BEDINGUNGEN AUF DIE RISIKOUND INNOVATIONSBEREITBEREITSCHAFT E. DER EINFLUSS DER BESTEUERUNG AUF DIE BEREITSCHAFT ZUR RISIKOOBERNAHME Wie in Kapitel C herausgearbeitet wurde, ist für Innovationen ein im Vergleich zu anderen Arten von Investitionen erhöhtes Risiko typisch. Im folgenden sollen die Wirkungen der Besteuerung auf die Risikobereitschaft untersucht werden. Diese Problemstellung wird zunächst innerhalb eines Modells der Portefeuille-Bildung analysiert. untersucht wird, wie sich die Besteuerung auf die Struktur der im Portefeuille gehaltenen Titel auswirkt. Anschließend wird die Analyse erweitert und gefragt, wie die Besteuerung oder die Anderung steuerlicher Institutionen auf die Entscheidung über Investitionsobjekte wirkt, die vor der Besteuerung als gleichwertig erachtet werden. Während im Portefeuille-Modell die Wirkungen der Besteuerung auf die Bereitschaft zur Obernahme von Risiken aus der Sicht des Kapitalanlegers diskutiert werden, entspricht der zweite Ansatz dem Entscheidungsproblem eines (potentiellen) Innovators, der dem erwarteten Nutzen aus einem risikobehafteten Innovationsvorhaben die Nutzen gegenüberstellt, die er aus einem alternativen, risikolosen Engagement ziehen kann. Aufbauend auf diesen Ansätzen werden dann einzelne steuerliche Regelungen, welche die Investitionsund insbesondere die Innovationsbereitschaft betreffen, untersucht. - 84 - I. DAS PORTEFEUILLE-MODELL 1. Die Modellgrundlagen In diesem Modell soll die Frage beantwortet werden, wie ein gegebenes Anfangsvermögen auf risikobehaftete und sichere Anlageformen aufzuteilen ist, damit der erwartete Nutzen aus der Vermögensanlage des Entscheidungsträgers maximiert wird. Das verwendete Erwartungsnutzenkonzept 1> läßt allgemeinere Schlußfolgerungen zu als der in der früheren Literatur übliche Mittelwert-Varianz-Ansatz 2 >, da die unterstellte Nutzenfunktion keinen Beschränkungen unterliegt. Die Zielfunktion des Individuums für den Erwartungsnutzen des Endvermögens W lautet 3 >: (E .1) E[U(W}] => Max! Das Anfangsvermögen Wo wird auf die riskante Anlage mit der Ertragsrate X und die sichere Anlageform mit der Verzinsung r aufgeteilt. Der Anteil der riskanten Anlage im Portefeuille beträgt a. Das Endvermögen (W} beträgt: (E. 2) W = [l+r+a (X-r}] •Wo Sein Nutzenmaximum erreicht der Investor dann, wenn er für seine Grenzinvestition die folgende (Marginal-}Bedingung erfüllt: 1) Dieses Konzept wurde zuerst verwendet von Stiglitz, J.E. (1969), S. 263ff und Mossin, J. (1968), S. 74ff; vgl. auch Ahsan, S.M. (1974), s. 318ft; Haegert, L./Kramm, R. (1975), s. 69ff; Sandmo, A. (1985), S. 293ff; Cansier, D. (1985), s. 403ff und Swoboda, P./Zechner, J. (1985), s. 403ff. 2) Vgl. Tobin, J. (1958), S. 65ff; Richter, M.K. (1960), S. 152ff; Penner, R.G. (1964), S. 83ff sowie mit einem Erwartungswert-Verlust-Ansatz Domar, E.D./Musgrave, R.A. (1944), s. 388ff; ein Oberblick über die verschiedenen Ansätze findet sich bei Allingham, M.G. (1972), s. 205ff. 3) Zur Vorgehensweise vgl. Atkinson, A.B./Stiglitz, J.E. (1980), S. 104ff - 85 - (E. 3) E[U' (W} • (X-r}] = 0 bzw. E[U' (W} •X] = U' (W} •r . D.h. für ein Nutzenmaximum hat der Investor sein Vermögen so aufzuteilen, daß sich die Grenznutzen aus den verschiedenen Anlageformen ausgleichen. Bei Einführung einer proportionalen Ertragsteuer mit dem Steuersatz t (0<t<l) 1> ändern sich die Gleichungen (E.2} und (E. 3) ZU (E.4} mit W,: und (E.5} W, = [1+(1-t} lr+a(X-r}l]•Wo Vermögensendwert nach Steuern, (1-t}E[U' (W,} (X-r}] = 0 Da (1-,)~0, kann Gleichung (E.5} durch diesen Ausdruck dividiert werden: (E.6} E[U' (W,) (X-r)] = 0 • Bei unterschiedsloser Besteuerung der Erträge verschiedener Kapitalanlagen ändert sich die Optimalbedingung offensichtlich nicht. Um die Steuerwirkungen auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme festzustellen, ist abzuleiten, wie sich der Anteil der risikobehafteten Investitionen im Portefeuille mit der Besteuerung verändert. Implizite Differentiation von Gleichung (E.6} ergibt: (E. 7) da E(U"(W,) (X-r) [r+a(X-r)] I dt (1-t}E(U"(W,)(X-r)2} a r E{U"(W,)(X-r)I =-- •--• 1-t 1-t E(U" (W,) (X-r) 2J 1) Die Ertragsraten rund X unterliegen keinen Restriktionen. Es wird ein sofortiger Verlustausgleich mit dem Steuersatz t unterstellt. -86 - Zusätzlich wird Gleichung (E.6) implizit differenziert, mit A = a •Wo : (E. 8) dA l+r(l-,:) = - dWo 1-,: E(U" (W,) (X-r) I EIU" (W,) (X-r) 2) und in (E.7) eingesetzt: (E.9) da a 1-,: r l+r (1-,:) dA dWo Wird der zweite Term auf der rechten Seite von Gleichung (E.9) mit Wo erweitert und die Gleichung entsprechend umgestellt, resultieren die Steuerwirkungen auf die Aufteilung des Portefeuilles in Abhängigkeit von der Vermögenselastizität der Nachfrage nach riskanten Titeln (dA/A: dWo/Wo): (E.10) 2. da d,: a 1-,: • [1 - r(l-,:) l+r(l-,:) (dA A dWo)] Wo Die sichere Anlageform erbringt keinen Ertrag (r=0) Erbringt der risikolose Titel keinen Ertrag, beispielsweise bei Anlage in flüssigen Mitteln im Falle von Preisniveaustabilität, dann reduziert sich Gleichung (E.10) zu: (E.11) da a d,: 1-,: Die Wirkung der Erhebung einer proportionalen Einkommensteuer auf die Risikobereitschaft ist eindeutig. Der riskant investierte Vermögensanteil wird auf das 1/(1-,:)-fache erhöht. Dieses Investorenverhalten kann mit folgender Oberlegung erklärt werden 1 >. Vor Steuern ist der Erwartungsnutzen dann maximal, wenn der Vermögensanteil a riskant angelegt wird. Da die Grenznutzen der Geldanlage annahmegemäß nicht negativ sind, sinkt bei Besteuerung der Erwartungsnutzen auf: 1) Zum Folgenden vgl. Mossin, J. (1968), S. 75ff - 93 - Drei Partialeffekte müssen unterschieden werden, wenn die Besteuerungswirkungen auf vor Steuern gleichwertige Alternativen bestimmt werden sollen 1 >. Der Jensen-Effekt bzw. die Proportionale Ungleichheitsaversion (E.24) R" (Y) T" (Y) a(Y,Tl • - Y•--- = Y•---- R' (Yl 1-T' (Yl mit R(Y) = Y - T(Y) . Der Jensen-Effekt wird gemessen durch die Einkommenselastizität des marginalen Residualeinkommens. Er wird dadurch ausgelöst, daß bei nicht-proportionaler Besteuerung konstante und schwankende Einkommen ungleich behandelt werden. Bei Steuertarifen mit monoton schwankende Einkommen stante Einkommen: steigenden Grenzsteuersätzen werden steuerlich stärker belastet als kon- (E.25) ET (Yl ~ T [E (Yl] (Jensens Ungleichung 2> l. Steigt a(Y, Tl, so bedeutet dies eine Verschärfung der Progression. Die Folge ist eine verstärkte steuerliche Belastung unsicherer, Effekt wird d.h. schwankender Einkünfte. Ein höherer Jensendeshalb einen negativen Einfluß auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme haben. Der Risikoreduzierende Effekt bzw. die Residuale Einkommensprogression (E.261 (y Tl _ y R'(Y) _ 1-T'(Yl p , - ·--- - R (Y) 1-t (Y) mit t(Y) = T(Y) y 1) Diese drei Partialeffekte werden bereits von Fellingham, J.C./Wolfson, M.A. (1978), s. 342 unterschieden, jedoch erst kürzlich von Bamberg, G./Richter, w.r. (1985), s. 4ff formalisiert. 2) Zu dieser Ungleichung vgl. Kotz, S./Johnson, N.L. (1983), s. 297 - 94 - Als Maß für den risikoreduzierenden Effekt wird die Einkommenselastizität des Residualeinkommens verwendet. Je höher der Durchschnittsteuersatz ist, desto geringer wird die Streuung des Einkommens nach Steuern 1> bzw. die Progression des Residualeinkommens. Entsprechend vermindert sich das Einkommensrisiko2>. Je kleiner p(Y, T) desto stärker wird der risikoreduzierende Effekt; die Risikoübernahmebereitschaft wird gefördert. - Der Einkommenseffekt bzw. die Relative Risikoaversion (E.27) a.(Y,U) U" (Y) Y•-- U' (Y) Als Maßgröße für den Einkommenseffekt wird die Einkommenselastizität der Grenznutzen verwendet. Durch die Besteuerung wird das Einkommensniveau des Individuums und damit die lokale Risikoaversion verändert. Die Richtung dieses Effektes wird durch die einkommensniveauabhängige Risikoeinstellung bestimmta > . Diese drei Teileffekte ermöglichen die folgende Aussage 4 >: Theorem 1: Die Besteuerung erhöht die Risikoübernahmebereitschaft, wenn gilt: (E. 28) a.(Y,U) ~ a.(R(Y) ,U) •p(Y,T) + a.(Y,T) (und für mindestens ein Y im betrachteten Intervall gilt das Ungleichheitszeichen streng~>); d.h. ( E. 29) U[R(Yv)] s EU[R(Y)] . 1) Vgl. Kakwani, N.C. (1977), S. 723; siehe auch die Analyse von Richter, W.F./Hampe, J.F. (1984), S. 391f. 2) N.B. Auch hier wird voller Verlustausgleich unterstellt. 3) Vgl. Arrow, K.J. (1971b), S. 94ff und Pratt, J.W. (1964), s. 122f 4) Vgl. Bamberg, G./Richter, W.F. (1985), S. 6 5) Dieser Zusatz gilt auch für die weiteren Ungleichungen. - 95 - Beweis: Es sei (E.30) V(Y) =U[R(Y)] Somit ist zu beweisen: (E. 31) V(Yu) S EV(Y) , wobei (E.32) EV(Y) = V(Yv) • Yv ist das Sicherheitsäquivalent nach Steuern. Somit kann Gleichung (E.29) umgeformt werden zu: (E.33) Yu S Yv • Nach einem Theorem von Pratt 1> ist (E.33) äquivalent zu: (E.34) ci(Y,U) ~ ci(Y,V) Somit bleibt zu beweisen: (E. 35) ci(Y,V) = ci(R(Y),U)•p(Y,T) + ci(Y,T) <=> V" (Y) U" [R (Y)] R' (Y) R" (Y) - Y·-- = - R(Y) ·----•Y•-- - Y•-- V' (Y) U'[R(Y)] R(Y) R'(Y) <=> V"(Y) = U"[R(Y)]•R'(Y) + R"(Y) V' (Y) U' [R (Y)] R' (Y) Mit (E.36) V' (Y) = R' (Y) •U" [R(Y)] und 1) Pratt, J.11. (1964), S. 128 (E. 37) gilt: (E.38) q.e.d. V" (Y) V" (Y) V' (Y) - 96 - R' (Y) 3 •U"[R(Y)] + R"(Y) •U" [R(Y)] R'(YP•U"[R(Y)] + R"(Y)•U"[R(Y)] R' (Y) •U" [R(Y)] R' (Y) •U" [R(Y)] + R" (Y) U'[R(Y)] R'(Y) Das hiermit bewiesene Theorem 1 soll nun verwendet werden, um die Wirkung alternativer steuerlicher Institutionen auf vor der Besteuerung als gleichwertig erachtete Handlungsmöglichkeiten zu bestimmen. 2. Proportionale Besteuerung Bei proportionaler Besteuerung ist der Jensen-Effekt a(Y, T) wegen der Konstanz des Grenzsteuersatzes gleich null. Ein risikoreduzierender Effekt tritt wegen der Gleichheit von Grenzund Durchschnittsteuersatz nicht auf, also p(Y, T)= 1. Damit reduziert sich Gleichung (E.28) für eine risikofördernde Wirkung der proportionalen Besteuerung auf: (E.39) a(Y,U) ~ a(R(Y) ,U) (E. 39') <=> a(Y,U) ~ a([l-,] •Y,U) Bei positivem Einkommenseffekt, d.h. steigender relativer Risikoaversion sowie auch bei konstanter relativer Risikoaversion wirkt eine proportionale Besteuerung eindeutig positiv auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme. Bei abnehmender relativer Risikoabneigung ist keine eindeutige Aussage möglich1 > • 1) Vgl. dazu das Beispiel bei Feldstein, M.S. (1969b), s. 761ff - 97 - Die hier abgeleiteten Bedingungen stimmen mit den im Portefeuille-Modell erhaltenen Schlußfolgerungen trotz der abweichenden Fragestellungen voll überein. Wie im folgenden gezeigt wird, können mit dem direkten Ansatz jedoch zusätzliche Fragestellungen untersucht werden, die mit dem PortefeuilleModell nicht analysiert werden können. 3. Progressive Besteuerung Ist ein Progressionstarif dadurch definiert, daß der Durchschnittsteuersatz mit wachsendem Einkommen steigt, so sind zahlreiche Tarife denkbar, die diese Bedingung erfüllen. Aus der Vielzahl möglicher Konstellationen sollen zwei Fälle ausgewählt werden. Die Ausführungen zur proportionalen Besteuerung können nicht unmittelbar auf indirekt progressive Tarife vom Typ (E.40) T(Y) = ,.y -a übertragen werden. Grund dafür ist die Tatsache, daß für YS(a/,) die Steuerzahlungen negativ, d.h. zu positiven Transfers werden. Wird deshalb der betrachtete Einkommensbereich auf Einkommen mit Y ~(a/,) beschränkt, so daß R(Y)SY, gelten für eine indirekt progressive Steuer die gleichen Aussagen wie für proportionale Steuern. Für Y~(a/,) erhöht eine indirekt progressive Steuer die Risikobereitschaft bei konstanter oder steigender relativer Risikoaversion. Ist Y<(a/,), so ergibt sich auch bei steigender relativer Risikoaversion kein eindeutiges Ergebnis. Für eine konstante relative Risikoaversion gilt in Gleichung (E.39') nur das Gleichheitszeichen. Somit werden risikobehaftete Investitionen weder gefördert noch diskriminiert. Bei Risikoneutralität ist wegen U"(Y) = 0 auch der Einkommenseffekt a(Y, U) = O. Damit ist für die Risikowirkung nur noch der Jensen-Effekt entscheidend. Dieser ist positiv für alle konvex-progressiven Tarife. Somit wird bei risikoneutralem Verhalten die Risikoübernahmebereitschaft durch die Einführung eines konvex-progressiven Tarifs gedämpft. - 98 - 4. Die Wirkungen von Tarifreformen auf die Risikobereitschaft Der in den vorangegangenen Abschnitten vorgestellte direkte Ansatz kann auch zur Beurteilung des Einflusses alternativer Steuertarife auf die Risikobereitschaft eingesetzt werden 1 >. Theorem 2: Der Tarif Ta erhöht die Risikoübernahmebereitschaft im Vergleich zum bisher geltenden Tarif T1, wenn gilt: (E.41) a. ( R1 ( Y) , U) • p ( Y, T1 ) + a. ( Y, T1 ) ;e a. ( R2 ( Y) , U) • p ( Y, T2 ) + a. ( Y , T2 ) 2 > Da Steuertarife regelmäßig aus verschiedenen Tarifstufen zusammengesetzt sind, können generelle Ergebnisse normalerweise nicht abgeleitet werden. Die Wirkung einer in der steuerpolitischen Praxis häufig anzutreffenden Tarifänderung soll hier für einen indirekt progressiven Tarif kurz analysiert werden 3 >. (E.42) T2 (Y) = T1 (Y) - a, mit a > O. Die Tarifreform hat also eine Erhöhung des Grundfreibetrags zum Gegenstand. Da T"(Y) = 0, ist auch der Jensen-Effekt gleich null. Somit erhöht die Tarifreform die Risikobereitschaft, wenn gilt: (E.43) Mit (E.44) a.(R1 (Y) ,U) ·p(Y,T1) ~ a.(R2 (Y) ,U) •p(Y,Ta) • a. (R1 (Y), U) = - Y• U" [Ri (Y)] U' [R1 (Y)] 1) Vgl. Bamberg, G./Richter, W.F. (1985), S. lJff und dieselben (1986), S. lff sowie Richter, W.F. (1985), S. 1070 2) Der Beweis erfolgt analog zu dem von Theorem 1; vgl. auch Bamberg, G./Richter, W.F. (1986), S. Jff. 3) Vgl. die Tarifreformen 1975/1978 und 1978/1979 in der Bundesrepublik Deutschland. und (E.45) - 99 - p (Y,T1) = y,R't (Y) R1 (Y) muß gelten: (E.46) y.U"[R1 (Y)] .y.R'1 (Y) ~ _ y.U"[Rz (Y)] .y.R'z (Y) U' [R1 (Y)] R1 (Y) U' [Rz (Y)] Rz (Y) Wegen (E.47) T1 ' (Y) = Tz ' (Y) gilt: (E.48) R1 ' (Y) = Rz ' (Y) außerdem ist: (E.49) Rz (Y) = R1 (Y) + a (E.49') <=> R1 {Y) < Rz (Y) . Somit gilt Gleichung (E.41) immer dann, wenn: (E.50) U" [R1 {Y)] U" [Rz (Y)] - ----- ~ - ----- ' U ' [ R1 ( Y l J U ' [ Rz ( Y l J d.h. die absolute Risikoabneigung monoton abnimmt 1 >. Die Erhöhung des Grundfreibetrags fördert die Risikoübernahme im Falle eines indirekt progressiven Tarifs, wenn die Bereitschaft der steuerpflichtigen, ein bestimmtes Risiko zu übernehmen, mit steigendem Einkommen zunimmt. 1) Dieses Ergebnis leitet Ahsan, S.K. (1974), S. 325 in einem Portefeuille-Modell ab. - 100 - III. UNVOLLSTANDIGER VERLUSTAUSGLEICH Die bisherigen Ableitungen erfolgten unter der Annahme eines sofortigen und vollständigen Verlustausgleichs. In der Realität sehen die Einkommensteuertarife jedoch regelmäßig nur einen partiellen Verlustausgleich vor. Beispielsweise ist nach § 10d EStG nur bis zu einem bestimmten Einkommen VoS0 ein sofortiger Verlustausgleich möglich. Somit gilt für das Steueraufkommen bei partiellem Verlustausgleich1 > : (E. 51) { 't(Y) •Y TP (Y) = 't (Vo) •Vo für Y .!! Vo für Y < Vo , während bei vollständigem Verlustausgleich gilt: (E.52) Tv (Y) = 't (Y) • Y . Somit ist (E.53) Tv (Y) S TP (Y) und (E.54) Rv (Y) l!: RP (Y) . Analog zur Analyse der Wirkungen einer Tarifreform auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme mit Hilfe von Theorem 2 kann auch ein Steuertarif mit vollständigem Verlustausgleich einem Tarif mit nur partiellem Verlustausgleich gegenübergestellt werden. Partieller Verlustausgleich senkt gegenüber vollständigem Verlustausgleich die Risikobereitschaft, wenn gilt: (E.55) a(Rv(Y),U)•P(Y,Tv) + a(Y,Tv) .!! a(Rp (Y) ,U) •P(Y,Tr) + a(Y,Tr) 1) Vgl. Bamberg, G./Richter, w.r. (1984), s. 94 - 101 - Aus den Gleichungen (E.51) - (E.54) wird deutlich, daß bei Verlusten, die über Vo hinausgehen, die Streuung der Ergebnisse durch die Besteuerung nicht reduziert wird. Somit ist die Streuung der Einkommen nach Steuern bei partiellem Verlustausgleich größer als bei vollständigem•>. Also sind die proportionale Ungleichheitsaversion (Jensen-Effekt) a(Y, T) und die residuale Einkommensprogression p(Y, T) bei partiellem Verlustausgleich größer als bei vollständigem. Somit kann unter Berücksichtigung von Gleichung (E.54) folgende Aussage gemacht werden. Bei konstanter und abnehmender relativer Risikoaversion, d.h. dRa/dY ~ 0 und mit Gleichung (E.54): a(Rv,U) :s; a(Rp,U) , vermindert ein partieller gegenüber einem vollständigen Verlustausgleich die Bereitschaft zur Risikoübernahme. Für den Fall steigender relativer Risikoabneigung ist keine eindeutige Aussage möglich 2 >. Da für Innovationen Anlaufverluste typisch sind, sind die steuerlichen Verlustausgleichsregelungen von zentraler Bedeutung für die Innovationsbereitschaft. Sie wirken über die Beeinflussung der Streuung der Periodenergebnisse nicht nur auf die Bereitschaft zu Risikoübernahme, sondern bestimmen über ihre Liquiditätswirkungen auch die Möglichkeiten der Innovationsfinanzierung. IV. DIE BEHANDLUNG SCHWANKENDER EINKOMMEN In der bisherigen Untersuchung wurde die steuerliche Beeinflussung der Risikobereitschaft nur innerhalb einperiodischer Entscheidungsmodelle betrachtet. Anlageund Investitionsentscheidungen haben jedoch regelmäßig Auswirkungen über mehrere Perioden hinweg. Deshalb sind als weiterer Aspekt die mehrperiodischen Besteuerungswirkungen zu beachten. 1) Vgl. Domar, E.D./Musgrave, R.A. (1944), S. 403ff 2) Vgl. Cansier, D. (1985), s. 276 - 102 - Es werden wieder eine sichere und eine risikobehaftete Anlage verglichen, die vor Steuern gleich bewertet werden. Die sichere Investition bringt in jeder Periode den gleichen Ertrag. Wird von Steuerrechtsänderungen abgesehen, löst dieser im Zeitablauf konstante Einkommensstrom auch konstante Steuerzahlungen aus. Bei risikobehafteten Engagements sind die Einkommensströme unsicher und nur zufällig im Zeitablauf konstant. Sehr viel wahrscheinlicher sind im Zeitablaufschwankende Einkommen. Sobald die Besteuerung nicht mehr streng proportional erfolgt, d.h. der Tarif ~icht durchgehend proportional ist und/oder kein sofortiger Verlustausgleich besteht, haben schwankende Einkommen auch schwankende Durchschnittsteuersätze zur Folge. Werden die Zinsproblematik und das Bestehen von bilanzpolitischen Manövriermassen einmal ausgeklammert•>, so bedeutet dies für progressive Tarife, daß bei gleichen Gesamteinkommen über die betrachtete Periode ein schwankender Einkommensstrom steuerlich stärker belastet wird als ein konstanter, und zwar um so stärker, je größer die Einkommensschwankungen sind. Formal bedeutet dies, für: (E.56) und ist (E.57) I: Y1 = I: YJ J d[t(Y)] > O dY mit Y1: sicheres Einkommen YJ: risikobehaftetes Einkommen I: t (Y) •Y1 :S I: t (Y) •YJ 1 J Wird der Betrachtungszeitpunkt gewechselt und dieser Aspekt ex ante, also im Entscheidungszeitpunkt untersucht, so zeigt sich, daß die steuerliche Behandlung schwankender Einkommen kein neues Problem ist, sondern nur eine Ergänzung des bereits analysierten Vergleichs eines proportionalen mit einem progressiven Tarif. Der Entscheidungsträger berücksichtigt dieses Problem bereits bei seiner Erwartungswertbildung. 1) Vgl. dazu Wagner, r.W./Dirrigl, H. (1980), S. 277ff - 109 - Die Varianz der Periodenergebnisse vor Abschreibungen Y beträgt: (E.58) a2 = E [ (Y-E (Y)) 2] Durch die Abschreibungen d wird der Bruttogewinn um einen konstanten Betrag in jeder Periode reduziert: (E.59) Od 2 = E[ ( (Y-d) - E(Y-d) )2] • Da die Abschreibungsbeträge bei linearer Abschreibung konstant sind, ist E(d) = d. Somit beträgt die Varianz nach Abschreibungen: (E.60) Od 2 = E [ ( (Y-d) - E (Y) + d) 2) = E [ (Y - E (Y) ) 2 ] Bei Anwendung eines nichtlinearen Abschreibungsverfahrens werden die Absetzungen im Vergleich zur linearen Methode vorverlagert. Am stärksten ist die Verschiebung bei der Sofortabschreibung, gefolgt von der degressiv-linearen und degressiven Methode. Bei unsicheren Einkommen wirken diese Verfahren tendenziell schwankungsverstärkend. Wird zusätzlich berücksichtigt, daß die effektive Nutzungsdauer auch kürzer als die steuerliche sein kann und daß die Veräußerungserlöse voll zu versteuern sind, so verursachen auch hier nichtlineare Abschreibungsverfahren höhere Ertragsschwankungen, da sie höhere stille Reserven bilden. In bezug auf das Gewinnziel sind zwei gegenläufige Effekte zu beachten. Durch eine Vorverlagerung der Abschreibungen können Steuerzahlungen in die Zukunft verschoben werden. Andererseits können bei progressiven Tarifen durch die Angleichung der jährlichen Gewinnausweise Steuervorteile erzielt werden. In der hier vorliegenden Studie scheint der Zinseffekt gegenüber dem Progressionseffekt zu überwiegen 1 >. 1) Wird ein höheres Einkommensniveau unterstellt, rückt das zu versteuernde Einkommen in den Bereich abnehmender Progression bzw. konstanter Grenzsteuersätze, sodaß der Progressionseffekt verschwindet. - 110 - Die Sofortabschreibung sowie die degressiv-lineare Methode sind die günstigsten Alternativen, während die lineare Abschreibung bei hohen Anschaffungsoder Herstellungskosten an Bedeutung gewinnt. Zwei Teilbereichsergebnisse bestätigen diese Einschätzung. Wird ein gespaltener Kalkulationszinsfuß mit einem Haben-Zinssatz von 5 und einem Soll-Zins von 30 Prozent eingeführt, so bleibt die Rangfolge der Abschreibungsverfahren unverändert, die Bedeutung des linearen Verfahrens steigt jedoch spürbar an. Wird eine Obertragung von Veräußerungsgewinnen nach § 6b EStG zugelassen, so gewinnt insbesondere die Sofortabschreibung größeres Gewicht. Nicht berücksichtigt sind in dieser Analyse die Verlustausgleichsmöglichkeiten nach§ l0d EStG. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse dürften diese im Hinblick auf das Gewinnziel die Verfahren beschleunigter Abschreibungen weiter begünstigen, sowie in bezug auf das Sicherheitsziel die Attraktivität der linearen Abschreibung reduzieren. Im besprochenen Modell wird die Risikowirkung einer einmaligen Investition im direkt progressiven Bereich des Einkommensteuertarifs untersucht. Investiert das Unternehmen jedoch kontinuierlich, so hat es unabhängig von der Wahl der Abschreibungsmethode ein jährlich konstantes Abschreibungsvolumen zur Verfügung. Sollen alle abnutzbaren Anlagegüter nach dem gleichen Verfahren abgeschrieben werden, ist für die Wahl der Methode nur das Gewinnziel relevant, d.h. in die Entscheidung gehen nur noch der Zinsund der Progressionseffekt ein. Die Entscheidungssituation wird weiter vereinfacht, wenn konstante Grenzsteuersätze und relativ stabile Ertragserwartungen bestehen. Hier ist nur noch der Zinseffekt zu beachten. - 111 - VI. DIE WIRKUNG DER BESTEUERUNG VON VERMÖGEN UND UMSATZ AUF DIE RISIKOBEREITSCHAFT Die bisherige Analyse beschränkte sich auf die Wirkungen der Ertragsbesteuerung. Auch bei der Vermögensbesteuerung ist die Steuerwirkung von der individuellen Risikonutzenfunktion abhängig. Wird auf das Jahresendvermögen (E.61) W = [l+r+a(X-r)] •Wo eine Vermögensteuer mit dem Steuersatz, erhoben, (E.62) W, = (1-,,. l [l+r+a (X-r)] •Wo , so wird deutlich, daß die Vermögensbesteuerung einer Reduzierung des Anfangsvermögens Wo gleichkommt. Somit wirkt eine proportionale Vermögensteuer risikofördernd, risikoneutral oder risikomindernd, je nachdem ob die Vermögenselastizität der Nachfrage nach riskanten Anlageformen größer, gleich oder kleiner eins ist (bzw. die relative Risikoaversion fallend, konstant, steigend) 1 >. Bei einem Kapitalumschlag von 100 Prozent bzw. in einem einperiodischen Modell wirkt die Umsatzsteuer wie eine Vermögensteuer2>. Die Wirkung der Umsatzsteuer ist nicht für alle Unternehmen gleich. Sie ist abhängig von der Umsatzrendite. Je geringer der Gewinn (Y) bei einem bestimmten Umsatz (U), je geringer also die Umsatzrendite (rul, desto stärker wird der Gewinn durch die Umsatzsteuer belastet 3 >: (E.63) T •• •U 1 = .. ·- y y ru (E.64) d (T/Yl u = - .. ·- dY yz 1) Vgl. Atkinson, A.B./Stiglitz, J.E. (1980), S. 104. Die Vermögensbesteuerung läßt sich entsprechend im direkten Ansatz darstellen; vgl. Bamberg, G./Richter, W.F. (1986), S. 4. 2) Vgl. Stiglitz, J.E. (1972), S. 302ff 3) Vgl. Cansier, D. (1985), S. 264 - 112 - VII. DIE DISKRIMINIERUNG UNTERNEHMERISCHER TATIGKEIT Die bisherigen Ableitungen zu den Wirkungen der Besteuerung auf die Risikobereitschaft führen jeweils zu dem Ergebnis, daß eine eindeutige Aussage über die Richtung der Steuerwirkungen nur bei Kenntnis des Verlaufs der Nutzenfunktion des Entscheidungsträgers gemacht werden kann. Die einzige Ausnahme hierzu bildet der Aspekt der Verlustausgleichsregelung. Unvollständiger Verlustausgleich hat hier eindeutig eine Verminderung der Risikoübernahmebereitschaft zur Folge. Grund für dieses Ergebnis ist der Tatbestand, daß das sichere Einkommen von der Verlustausgleichsregelung nicht berührt wird, da es größer als null ist. Die Verlustausgleichsregel ist somit diskriminierend und trifft nur das risikobehaftete Einkommen. Zu analogen Ergebnissen führen deshalb solche steuerlichen Institutionen, die einseitig nur eine Einkommensart begünstigen oder benachteiligen. Bei der Entscheidung zwischen abhängiger Beschäftigung mit weitgehend sicheren Einkommen und risikobehafteter unternehmerischer Tätigkeit haben zum Beispiel Weihnachtsund Arbeitnehmerfreibetrag, Steuerfreiheit von Abfindungen, Beihilfen, Sonn-, Feiertagsund Nachtarbeitszuschlägen sowie die subventionierte Alterssicherung der Arbeitnehmer eine Diskriminierung der unternehmerischen Tätigkeit zur Folge 1 >. Die genannten Regelungen sind von besonderer Bedeutung für Innovationsaktivitäten, da diese oft mit dem Wechsel von einer abhängigen Beschäftigung in ein selbständige Tätigkeit verbunden sind. Umgekehrt wirken Investitionszulagen risikofördernd, da sie nur für risikobehaftete unternehmerische Tätigkeiten gewährt werden 2 >. 1) Vgl. Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln/ Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung München (1982), S. 477ff 2) Vgl. Schneider, D. (1983), S. 74 - 113 - VIII. DAS STEUERPOLITISCHE RISIKO Die Mehrwertigkeit der Erwartungen ist in den bisherigen Ausführungen auf das Ergebnis der wirtschaftlichen Aktivitäten vor Steuern beschränkt geblieben. In der Realität tritt jedoch zu diesem kommerziellen Risiko, das vor allem durch die Unsicherheit über das Verhalten der Lieferanten, Abnehmer und Konkurrenten bestimmt wird, noch ein politisches Risiko hinzu1>. Die Folge dieses zusätzlichen Risikoaspekts ist, daß die Streuung der erwarteten Ergebnisse erhöht wird. Bei risikoaversen Entscheidungsträgern bewirkt dies, um den Erwartungsnutzen konstant zu halten, einen Substitutionseffekt hin zu sicheren Anlageformen 2> und damit einen Rückgang der Innovationstätigkeit. An dieser Stelle soll auf den steuerpolitischen Aspekt dieses politischen Risikos näher eingegangen werden. Drei Bereichen steuerpolitischen Risikos sieht sich der steuerpflichtige bei der Planung seiner wirtschaftlichen Aktivitäten gegenüber 3 >. Zum ersten besteht Unsicherheit über den Inhalt des Steuerrechts im Planungszeitraum aufgrund der Unbeständigkeit kodifizierter, insbesondere steuerrechtlicher Normen 4 >. Der zweite Unsicherheitsbereich betrifft die Folgen inexakter Rechtsetzung und der Unbestimmtheit von Rechtsnormen. Ein besonderes Problem stellt hier der Zeitraum zwischen der Verkündung der interpretationsbedürftigen Norm und der Erläuterung und Klärung durch die Finanzverwaltung und Finanzgerichte. Oft dauert der Zeitraum mehrere Jahre~> und systematische Planung wird unmöglich. Den dritten Unsicherheitsbereich bilden die Steuerausweichund Steuerüberwälzungsprozesse, d.h. die Wirkungen der steuerlichen Institutionen auf das Verhalten der Konkurrenten und Marktpartner. Dieser Aspekt des steuerpolitischen Risikos ist ll Vgl. Ekern, S. (1971), s. 421f 2) Vgl. Diamond, P.A./Stiglitz, J.E. (1974), s. 345ff; Menezes, C.F./Hanson, D.C. (1970), s. 481ff; Zeckhauser, R./Keeler, E. (1970), S. 661ff 3) Vgl. Schneider, D. (1983), S. 65; dazu auch Rose, G. (1983), s. l00ff und derselbe (1975/76), s. 41ff 4) Zum Ausmaß der Steuerrechtsänderungen vgl. die Beispiele bei Borell, R./Schemmel, L. (1987), S. ll0f 5) Vgl. Rose, G. (1975/76), S. 55f und 62f - 114 - allerdings vom kommerziellen Risiko kaum zu trennen. Diese Ausführungen zeigen, daß vom politischen Bereich erhebliche zusätzliche Risiken auf die privaten wirtschaftlichen Aktivitäten ausgehen können. Durch eine Verstetigung der gesetzgeberischen Maßnahmen kann deshalb eine beträchtliche Reduzierung der Risiken erreicht werden, denen sich innovationswillige Wirtschaftssubjekte gegenüber sehen. IX. ZUSAMMENFASSUNG Gegenstand dieses Kapitels war die Untersuchung der steuerlichen Wirkungen auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme. Bereits die Analyse der Portefeuille-Entscheidung über risikolose und risikobehaftete Anlagemöglichkeiten hat gezeigt, daß keine eindeutigen Steuerwirkungen ableitbar sind. Dieses Ergebnis wird verstärkt, wenn zusätzlich Alternativen mit unterschiedlichem Risikograd oder verschiedene Steuertarife verglichen werden. Eine Ausnahme bilden nur diskriminierende steuerliche Regelungen. Hier sind eindeutige Wirkungen zu ermitteln. Zudem erfolgte die Analyse in einem einperiodischen Modell. Die abgeleiteten Ergebnisse lassen sich nur unter engen Restriktionen für Nutzenfunktionen 1> und Ertragsstruktur 2> auf mehrperiodische Entscheidungen übertragen. Eindeutige Aussagen über die Wirkung der Besteuerung auf die Risikoübernahmebereitschaft sind in intertemporalen Modellansätzen nicht möglich3>. Empirische Untersuchungen der Vermögenstruktur privater Haushalte4> erlauben eine Eingrenzung der möglichen Steuerwirkungen in Abhängigkeit von dem Vermögensniveau der Haushalte. 1) Vgl. Dr~ze, J.H./Modigliani, F. (1970), S. 317ft; Hagen, K.P. (1970/71), S. 274ff und Ahsan, S.M. (1976), S. 343ff 2) Vgl. Sandmo, A. (1969), S. 597 3) Vgl. Sandmo, A. (1985), S. 301 4) Vgl. Morin, A.-R./Fernandez Suarez, A. (1983), s. 1201ft; Friend, I./ Blume, M.E. (1975), S. 900ff; Blume, M.E./Friend, I. (1975), S. 585ff und Cohn, R.A. et al. (1975), s. 605ff - 115 - Generell kann den Wirtschaftssubjekten eine abnehmende relative Risikoabneigung unterstellt werden, d.h. mit steigendem Haushaltsvermögen wächst die Bereitschaft, ein bestimmtes relatives Risiko zu übernehmen. Allerdings ist bei Nettovermögen über 100.000 $ die Degression sehr gering, sodaß praktisch von einer konstanten relativen Risikoaversion ausgegangen werden kann. Nur bei Vermögen von 1 - 12.500 $ ist die relative Risikoabneigung ansteigend 1 >. Ober alle Vermögensklassen hinweg erhöht sich die Risikoaversion mit dem Alter der Haushaltsmitglieder 2 >. Die Ergebnisse werden kompliziert und die Analyse wird vielfältiger, wenn die durch den einfachen, partialanalytischen Modellansatz eingeführten Restriktionen bedacht werden. Oberwälzungsprozesse wurden durch die Annahmen (E.65) R(Y) • [1-,(Y)]Y und (E.66) Wt • (1-,)Wo ausgeschlossen. Auch Rückwirkungen aus der Verwendung der Steuermittel wurden nicht berücksichtigt. Tatsächlich werden aber durch Steuererhebung und staatliche Ausgabentätigkeit zahlreiche Anpassungsreaktionen ausgelöst. Die Bestimmung der Richtung und Wirkungen dieser Prozesse setzt die Kenntnis der Einkommensund Preiselastizitäten voraus 3 >. 1) Vgl. Morin, A.-R./Fernandez Suarez, A. (1983), s. 1026ff 2) Vgl. Morin, A.-R./Fernandez Suarez, A. (1983), S. 1029ff 3) Vgl. Stiglitz, J.E. (1972), S. 351f - 116 - F. DER EINFLUSS DER FINANZIERUNGSBEDINGUNGEN AUF DIE INNOVATIONSBEREITSCHAFT Als ein Charakteristikum der Finanzplanung für Innovationsprojekte ist zu beachten, daß verhältnismäßig hohen Auszahlungen bis zum Zeitpunkt der Markteinführung keine oder nur geringe Einzahlungen gegenüberstehen. Bei Berücksichtigung dieser Struktur der Zahlungsströme wird deutlich, daß die Innovationsfähigkeit entscheidend durch die Möglichkeiten der Kapitalbildung und Kapitalbeschaffung bestimmt wird. Innovationsbereitschaft besteht nur dann, wenn die institutionellen Rahmenbedingungen den (potentiellen) Unternehmer auch in die Lage versetzen, sich die für das Projekt erforderlichen Finanzierungsmittel zu beschaffen. In diesem Kapitel werden die steuerlichen und marktlichen Bedingungen der Kapitalbildung und Kapitalbeschaffung analysiert. Die Untersuchung erfolgt dabei unter dem Gesichtspunkt der Akkumulation und Zufuhr liquider Mittel sowie ihrer Kosten. Auf damit zusammenhängende Fragestellungen wie beispielsweise den Einfluß der Finanzierungsstruktur und ihrer steuerlichen Folgen auf den Marktwert der Unternehmen wird demnach nicht eingegangen 1 >. Zunächst werden die steuerlichen Bedingungen der Kapitalbildung analysiert. Daran anschließend werden die Möglichkeiten der Kapitalzuführung durch Dritte untersucht und die Konsequenzen für die Innovationsaktivitäten abgeleitet. 1) Vgl. dazu Modigliani, F./Miller, M.H. (1958), S. 26lff und dieselben (1963), S. 433ff; Farrar, D.E./Selwyn, L.L. (1967), S. 444ff und Seelbach, H. (1979), S. 692ff und zur Kritik Moxter, A. (1970), S. 128ff - 117 - I. KAPITALBILDUNG 1. Die steuerlichen Rahmenbedingungen der Kapitalbildung in privaten Haushalten Die Möglichkeiten der Ansammlung von Gründungskapital werden auf zwei Stufen von steuerlichen Bestimmungen beeinflußt. Auf der ersten Stufe steht die Beeinflussung der Höhe des anlagefähigen Betrages durch die Besteuerung. Die für Konsumtion und Sparen verwendbaren Mittel stammen aus versteuertem Einkommen (Ausnahmen sind solche Einkommensteile, die nicht im Einkommensbegriff des EStG enthalten sind, sowie nach§ 3 EStG steuerfreie Einnahmen). Somit werden die Möglichkeiten des Konsumverzichts und damit der Kapitalbildung durch die absolute Höhe der Steuerlast sowie die Zwangsabgaben zur Sozialversicherung bestimmt. Außer dem Volumen wird auch die Richtung der Ersparnisbildung durch steuerliche Regelungen beeinflußt. Nach§ lOI EStG sind die Beiträge zu bestimmten Versicherungen und an Bausparkassen bei der Einkommensermittlung als Sonderausgaben abziehbar. Die in diese Verwendung geleiteten Einkommensteilebleiben somit steuerfrei. Die steuerliche Behandlung der Kapitalerträge bildet die zweite Stufe der Beeinflussung der Kapitalbildung. Einkünfte aus Kapitalanlagen sind nach§ 20 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen (bzw. nach§ 21 EStG als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) zu versteuern. Ausgenommen hiervon sind die Zinsen auf die nach§ lOI Ziff. 2b und 3 EStG geleisteten Beiträge sowie Zinsen auf Anleihen nach§ 3a EStG. Im folgenden wird diskutiert, inwieweit die Bildung von Gründungskapital im Rahmen der Maßnahmen zur Unterstützung der privaten Vermögensbildung gefördert wird. - 118 - 2. Die Förderung bestimmter Vermögensanlagen Nach dem Spar-Prämiengesetz (SparPG) und dem Wohnungsbau-Prämiengesetz (WoPG) werden bestimmte Formen des Kontensparens, Anteilsund Wertpapiererwerbs in Höhe von 14 Prozent der jährlichen Sparbeiträge bzw. der prämienbegünstigten Aufwendungen im Sinne des WoPG gefördert 1 ). Voraussetzung für die Gewährung der Prämien ist zum einen, daß bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden 2 ), und zum zweiten, daß über die prämienbegünstigten Leistungen nicht vor Ablauf einer Sperrfrist von sechs oder sieben Jahren verfügt wird 3 ). Die vorzeitige Verwendung der prämienbegünstigten Ersparnisse ist nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen ohne Verlust der Prämie möglich. Neben Anderungen in den persönlichen Verhältnissen ist bei einer Förderung nach dem WoPG nur die sofortige Verwendung der Mittel für den Wohnungsbau prämienunschädlich. Seit dem Kalenderjahr 1984 kann das nach dem SparPG angesparte Kapital für Unternehmensgründungen verwendet werden. Nach§ lIV Ziff. 2e SparPG ist eine Verwendung der Mittel vor Ablauf der Sperrfrist dann prämienunschädlich, wenn der Prämiensparer seine nichtselbständige Arbeit aufgibt und eine nach§ l38I AO anzeigenpflichtige, d.h. freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeit aufnimmt. Der Anlagekatalog des 5. VermBG schließt die nach dem SparPG und dem WoPG geförderten Sparformen ein und umfaßt zudem Leistungen zu Kapitalversicherungen. Die Arbeitnehmer-Sparzulage für vermögenswirksame Leistungen, die in Anteilen an Unternehmen sowie im Wohnungsbau angelegt werden, beträgt 23 Prozent, ansonsten 16 Prozent 4 >. Der geförderte Betrag ist auf 1) Zu den begünstigten Leistungen vgl. § lII SparPG und§ 2 VoPG. Pro Kind wird der Prämiensatz um zwei Prozentpunkte erhöht (§ 2I SparPG, § 3I VoPG). Maximal sind im Kalenderjahr 800 DM bzw. 1600 DM bei Ehegatten begünstigt (§ 2IV SparPG, § 3IV VoPG). 2) Die Grenzen bilden zu versteuernde Einkommen von 24.000 DM bzw. 48.000 DM bei Ehegatten (§ la SparPG, § 2a VoPG). 3) § lIII SparPG, § 2II VoPG 4) § 12III VermBG; bei drei und mehr Kindern erhöht sich die Zulage auf 33 bzw. 26 Prozent. - 125 - überhaupt nicht 1> erfolgt, besteht ertragsteuerlich eine eindeutige Präferenz für die Fremdfinanzierung. In bezug auf die Belastung mit Gewerbekapitalsteuer gilt das für die Gewerbeertragsteuer Gesagte analog. Als substanzsteuerliche Zusatzbelastung ist aus Gleichung (F.13) bei der Beteiligungsfinanzierung die ertragsteuerlich nicht absetzbare Vermögensteuer ersichtlich. Sie beruht darauf, daß Kapitalgesellschaften selbständig steuerpflichtig sind und das Beteiligungskapital im Gegensatz zum Fremdkapital nicht als Schuldposten bei der Vermögensaufstellung abzugsfähig ist. Somit sind die steuerlichen Regelungen Grund für eine eindeutige Präferierung der Fremdfinanzierung 2 >. Zum einen führt die nur teilweise Hinzurechnung der Dauerschulden bzw. Dauerschuldzinsen bei der Gewerbesteuer zum Gewerbekapital bzw. Gewerbeertrag zu einer Diskriminierung der Beteiligungsfinanzierung3>. Als zweites verursacht die eigenständige Vermögensteuerpflicht der Kapitalgesellschaften eine einseitige Belastung des Beteiligungskapitals. Zusätzlich führt die bereits angesprochene Gesellschaftsteuer zu einer weiteren Schlechterstellung der Beteiligungsfinanzierung. Sie fällt bei einer Kapitalerhöhung durch Beteiligungsfinanzierung an, da mit ihr der Erwerb von Gesellschaftsrechten verbunden ist (§ 2I Ziff. 1 KVStG). 1) Bei kurzfristigem Fremdkapital erfolgt keine Hinzurechnung. Allerdings stellt sich die hier diskutierte Alternative dann in der Regel nicht. 2) Vgl. Knobbe-Keuk, B. (1987), S. 131 3) Wenngleich systemwidrig (vgl. Littmann, K. (1980), S. 620f), so wahrte die vollständige Hinzurechnung sowohl der Dauerschulden als auch der Dauerschuldzinsen den Charakter der Gewerbesteuer als einer Objektsteuer zumindest in bezug auf ihre Unabhängigkeit von der Kapitalstruktur der Unternehmung. - 126 - 1.2.2 Selbstfinanzierung versus Beteiligungsfinanzierung Diese Paarstellung 1> impliziert, daß die Frage nach der Kapitalverwendung zugunsten einer Anlage in der Kapitalgesellschaft bereits beantwortet ist. Zu analysieren ist hier, durch welche Finanzierungsform der im Unternehmen verfügbare Betrag maximiert wird. Da die Gewerbeertragund Substanzsteuerbelastung bei beiden Finanzierungsarten gleich ist, brauchen die entsprechenden Steuern nicht in den Kalkül mit einbezogen zu werden. Der bei der Selbstfinanzierung im Unternehmen verfügbare Betrag (SE) ist der mit Vermögenund Gewerbesteuer belastete Gewinn (G), verringert um die bei Thesaurierung fällige Körperschaftsteuer: (F.14) SE= (1 - sk•)G. Bei der Beteiligungsfinanzierung fallen neben der Gesellschaftsteuer (S11••) weitere Emissionskosten (EM) an. Beide Ausgabenarten sind ertragsteuerlich absetzbar. Der nach Abzug der persönlichen Einkommensteuer einlagefähige Betrag beläuft sich somit auf: (F.15) BE = G - s• -(s11••+EM) (1-sk•) (1-sll•) Bei einer proportionalen Einkommensbesteuerung wäre die Problemstellung trivial. Die Selbstfinanzierung ist dann vorzuziehen, wenn gilt: (F.16) sk• s s• + (l-s•)[(s11••+em)(l-sk•)(l-s11•)], d.h. der persönliche Steuersatz zuzüglich der Nettobelastung mit Emissionskosten pro Geldeinheit nach Einkommensteuer müßte den körperschaftsteuerlichen Thesaurierungssatz übersteigen. 1) Vgl. Wagner, r.W./Dirrigl, ff. (1980), S. 137 und Wöhe, G./Bilstein, J. (1986), S. 327ff sowie für die Kapitaleinkommensbesteuerung Sinn, H.-w. (1984), S. 233f und derselbe (1985), s. 81f - 127 - Ein Planungsproblem ergibt sich erst bei progressiver Einkommensbesteuerung. Ausschüttung und Wiedereinlage sind dann solange zu präferieren, wie der pro ausgeschütteter Geldeinheit wiedereinlagefähige Betrag größer als der Thesaurierungsbetrag ist. Bezeichnet s•' die Marginalbelastung mit Einkommensteuer, so muß gelten: (F.17) (l-s•')(l-[s11ea+em][(l-skn)(l-s11•)]) S 1-skn. Fallen keine nichtsteuerlichen Emissionskosten an und wird ein Hebesatz der Gewerbesteuer von 400 Prozent unterstellt, so beträgt der kritische Grenzsteuersatz der Einkommensteuer bei dem im Jahr 1987 geltenden Tarif 55,838 Prozent, der einem zu versteuernden Einkommen von 128.650 DM entspricht. Wird in den persönlichen Einkommensteuersatz die Kirchensteuer (sk 1 = 0,09) einbezogen und betragen die nichtsteuerlichen Emissionskosten em = 0,05, steuersatz s•' = 52,869 reicht 1 > • dann ist der kritische EinkommenProzent schon bei 103.910 DM er1.2.3 Selbstfinanzierung versus Fremdfinanzierung Wird angenommen, daß die Sollzinsen nicht kleiner als die Habenzinsen sein werden, dann ist die hier untersuchte Fragestellung nur sinnvoll, wenn wie im vorangegangenen Abschnitt bereits eine Entscheidung zugunsten einer Anlage der Mittel im Unternehmen gefallen ist. Es soll also untersucht werden, ob Thesaurierung oder die Gewährung eines Gesellschafterdarlehens die für das Unternehmen in bezug auf den Verfügungsbetrag vorteilhaftere Finanzierungsform darstellen. Sind der Marginalsatz der Einkommensteuer und der Körperschaftsteuersatz gleich hoch, so ist nach der Analyse des letzten Abschnitts unmittelbar einsichtig, daß die Selbstfinanzierung die Fremdfinanzierung nie dominiert. Werden zusätzlich die eigenständige Vermögensteuerpflicht der Kapitalgesellschaft sowie die unvollständige Hinzurechnung von Dauerschulden und 1) Zu den Auswirkungen der Steuerreform 1990 auf das Schütt-ausHol-zurück-Verfahren vgl. Kapitel H - 128 - Dauerschuldzinsen bei der Ermittlung der Gewerbesteuer berücksichtigt, wird die Fremdfinanzierung gegenüber der Selbstfinanzierung eindeutig präferiert 1 >. Ein Planungsproblem entsteht, wenn die steuerlichen Kosten der Thesaurierung pro DM Gewinn unter dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer liegen. Dann ist Ausschüttung und anschließende Darlehensgewährung solange günstiger als die Selbstfinanzierung durch Einbehaltung der Gewinne, wie der persönliche Grenzsteuersatz der Einkommensteuer kleiner ist als die pro Einheit der thesaurierten Gewinne anfallenden Steuern. Die Kosten der Thesaurierung setzen sich zusammen aus dem Körperschaftsteuersatz auf die einbehaltenen Gewinne zuzüglich des Barwerts des Vermögensteuersatzes über den Planungshorizont sowie des Barwerts der gewerbesteuerlichen Privilegierung des Fremdkapitals pro thesaurierter Geldeinheit. 1.3 Der Einfluß der Finanzierungsbedingungen auf die Investitionsplanung Der Vergleich der Finanzierungsformen zeigt, daß bei gleicher Kapitalbedienung (ZI = [1 + sk•]D) die Fremdfinanzierung der Beteiligungsund der Selbstfinanzierung unter dem geltenden Steuerrecht immer überlegen ist. Werden die Ergebnisse dieses Abschnitts in bezug auf die Investitionsplanung im oben dargestellten neoklassischen Investitionsmodell betrachtet, so zeigt sich, daß auch bei optimaler Finanzierung, d.h. Fremdfinanzierung, die marginale Investitionsbereitschaft durch die Besteuerung negativ beeinflußt wird. Grund dafür ist, daß aufgrund der Gewerbesteuer, die keine Ziel- (Gewinn-) Steuer ist, nicht die gesamten Opportunitätskosten (hier: Zurechnung der Dauerschuldzinsen) des Kapitalbestands steuerlich abge1) In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, daß Zinssubventionen, die die Kreditkosten und den Ertrag von Alternativanlagen außerhalb des Unternehmens senken, zu einer Substitution von Eigenkapital durch Fremdkapital führen können. Dies ist auch die einzige Entscheidungssituation, in der sich für eine Personengesellschaft ein Entscheidungsproblem zwischen der Aufnahme von Fremdkapital und der Eigenfinanzierung stellt. - 129 - setzt werden können und deshalb die Marginalinvestition steuerlich belastet wird. Auch ohne diese ertragsteuerliche Verzerrung würde die Investitionsbereitschaft durch die Besteuerung negativ beeinflußt, da auch die steuerliche Belastung des Kapitalbestandes einen Keil zwischen die Grenzproduktivität und die Opportunitätskosten des Kapitaleinsatzes treibt 1 >. 1.4 Fazit Die Untersuchung der steuerlichen Behandlung alternativer Finanzierungsformen ergibt eine eindeutige Präferenz für die Fremdfinanzierung. Diese wurde durch die Zulassung eines begrenzten Abzugs der Dauerschuldzinsen und der Dauerschulden von den Bemessungsgrundlagen der Gewerbesteuer verstärkt. Die Gründe dafür, daß die verschiedenen Formen der Kapitalbeschaffung steuerlich nicht neutral behandelt werden, sind neben der Struktur der Gewerbesteuer die Substanzsteuern sowie die Gesellschaftsteuer. Die steuerliche Behandlung der alternativen Finanzierungsformen kann somit als ein Faktor zur Erklärung des empirisch beobachtbaren Rückgangs der Eigenkapitalquoten Behandlung herangezogen werden 2 >. Aber auch die steuerliche der Fremdfinanzierung verursacht Verzerrungen im Investitionskalkül und führt zu einer Dämpfung der Investitionsund damit auch der Innovationsbereitschaft. Verantwortlich dafür ist die Tatsache, daß bei der Fremdfinanzierung nicht die gesamten Opportunitätskosten des Kapitaleinsatzes steuerlich abgesetzt werden können. Hinter der nun folgenden Diskussion der Finanzierung von Innovationsprojekten steht die Frage, ob Innovationsaktivitäten stärker als andere Investitionsvorhaben durch die steuerliche Behandlung der Kapitalbeschaffung gedämpft werden. Dies wäre dann der Fall, wenn Innovatoren im Vergleich zu anderen Investoren ihre Vorhaben verstärkt mit Eigenkapital, das gegenüber dem Fremdkapital diskriminiert wird, finanzieren müßten. 1) Vgl. Sinn, H.-w. (1985), s. 131 2) Vgl. Sinn, H.-w. (1985), s. 92ff - 130 - 2. Die Finanzierung von Innovationsprojekten 2.1 Problemstellung In der Startphase eines Innovationsprojekts stehen den Aufwendungen keine oder nur relativ geringe Erlöse gegenüber. Es besteht somit ein andauernder Kapitalbedarf bis die Einnahmen die Ausgaben übersteigen. Selbstfinanzierung ist in der Regel nur sehr begrenzt möglich. Der Kapitalbedarf übersteigt insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen die finanziellen Mittel, die aus dem Privatvermögen oder durch Thesaurierung von Gewinnen in anderen Unternehmensbereichen aufgebracht werden können. Für das innovationsbereite Unternehmen stellt sich somit das Problem der Beschaffung von externen Finanzierungsmitteln. Anlagebereites Kapital von außerhalb des Unternehmens muß akquiriert werden. Gerade bei Innovationen handelt es sich um das Finanzierungsproblem schlechthin 1 >. Der Unternehmer benötigt finanzielle Mittel, um eine von ihm als gewinnträchtig eingeschätzte Innovationsmöglichkeit zu nutzen. Um sein riskantes, damit aber auch chancenreiches Vorhaben zu realisieren, muß ihm das Kapital längerfristig und ohne die Gefahr des Abzugs zur Verfügung stehen. Dagegen stehen die Interessen der potentiellen Kapitalgeber. Sie wünschen wenig riskante Anlagen und wollen nur kleine Beträge investieren, um Diversifikationsmöglichkeiten zu behalten. Zudem sind sie an tendenziell kürzerfristigen Engagements interessiert, um über ihr Kapital auch kurzfristig verfügen zu können. Neben den bei der Kapitalanlage bereits offenkundig widerstreitenden Interessen bezüglich Losgröße (Finanzierungsvolumen), Fristen und Risiken treten nach der Gewährung des Kapitals zusätzliche Anreizund Informationsprobleme auf, da der Kapitalnehmer Entscheidungen treffen kann, die die Kapitalgeber belasten. Je jünger das Unternehmen und je neuartiger das Innovationsprojekt, desto größer sind die Informationsprobleme für die Kapitalanleger und die Entscheidungsspielräume der Kapitalnehmer. 1) Vgl. Schmidt, R.H. (1985), S. 426ff - 131 - Sind Kapitalgeber und Kapitalnehmer auf direkte Finanzbeziehungen angewiesen, können sie nur nach hohen Suchkosten zu einem Interessenausgleich in komplexen Verträgen kommen. Es haben sich jedoch Institutionen herausgebildet, die eine Transformationsfunktion zum Ausgleich von Fristen-, Risiko-, Losgrößenund Informationsinteressen übernehmen. Diese Vermittlungsfunktion wird von Finanzintermediären, also Banken und organisierten Finanzmärkten (Börsen) wahrgenommen. Im folgenden werden die Möglichkeiten der Fremdfinanzierung von Innovationsprojekten untersucht. Im Anschluß daran werden dann die Bedingungen der Beschaffung von Eigenkapital für risikobehaftete Projekte diskutiert. 2.2 Fremdfinanzierung 2.2.1 Fremdkapitalaufnahme bei Kreditinstituten Die Kreditvergabeentscheidung der Banken erfolgt als Einzelentscheidung. Der jeweilige Entscheidungsträger hat keinen Oberblick über die Gesamtheit der bereits. getroffenen Vergabeentscheidungen und über die Gesamtheit der eingegangenen Kreditanträge. Seine Informationsgrundlagen bilden neben Analysen der gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Entwicklung die Jahresabschlüsse, Geschäftsberichte und Finanzpläne der Unternehmen, sowie die Unterlagen über die Inanspruchnahme sonstiger Bankleistungen und seine Einschätzung der Managementfähigkeiten der Unternehmensleitung. Damit gehen Höhe und Struktur der gesamten an das Institut gerichteten Kreditnachfrage und insbesondere der Grenzeffekt, den der betrachtete Kreditantrag auf die Risikoposition der Bank ausübt, nicht in die Kreditvergabeentscheidung ein. Dies hat zur Folge, daß Risikostreuungsund Diversifikationsaspekte bei der Entscheidung unberücksichtigt bleiben. Wird den Banken ein risikoaverses Verhalten unterstellt, so bedeutet dies, daß bei ihren Entscheidungen die möglichen ungünstigen Ereignisse betont werden. Aus den beschriebenen institutionellen Bedingungen der Entscheidungsfindung und der Risikoeinstellung der Entscheidungsträger lassen sich folgen- - 132 - de Aussagen über das Kreditvergabeverhalten der Banken ableiten1 > : 1. Kreditentscheidungen sind dann optimal, wenn die Insolvenzwahrscheinlichkeit der Bank minimiert wird. 2. Optimale Kreditentscheidungen maximieren das bei ungünstigem Ausgang resultierende Eigenkapital. Diese Schlußfolgerungen lassen sich aus einer einfachen Nutzenfunktion der Form (F.18) U = -e-11R ableiten, wobei a > 0 das Maß für die Risikoaversion darstellt und R das Eigenkapital repräsentiert. Wird jetzt U als eine Funktion der Risikoaversion a interpretiert, so ist Gleichung (F.18) gleich der negativen LaplaceTransformation der Wahrscheinlichkeitsverteilung der Eigenkapitalbestände der Bank dF(R): (F.19) U(a) = -E(e-111) = - j e11 1 dF ( R) lt= 0 Für den Grenzfall unendlich großer Risikoaversion gilt 2 >: (F.20) lim [- j e111 dF(R)] = WK(R=0) ; lt=O bei extremer Risikoaversion geht Gleichung (F.20) gegen den Wert der Wahrscheinlichkeit, daß das Eigenkapital der Bank null wird, also durch Verluste völlig aufgezehrt wird. Bezogen auf die Präferenzfunktion (F.18) heißt dies jedoch, daß die Wahrscheinlichkeit des Eigenkapitalverlusts zu minimieren ist, womit Aussage 1 nachgewiesen ist. Aussage 2 kann analog über die Betrachtung des zur Nutzenfunktion (F.18) gehörenden Sicherheitsäquivalents bewiesen werden3>: 1) Vgl. Wilhelm, J. (1982), S. 21 2) Vgl. Allen, R.G.D. (1971), S. 187ff und Feller, W. (1971), S. 429f 3) Vgl. Bamberg, G./Spremann, K. (1981), s. 208f - 133 - (F.21) Sa = -a1 ln(E-aR J. R: sei der kleinstmögliche Wert, den das Eigenkapital in der Verteilungsfunktion dF(R) annehmen kann. Gleichung (F.21) kann umgeformt werden zu: (F.22) Sa= ll - a1 ln(j(-a(R-lt])dF(R)J, R=i analog zu (F.20) gilt 1 >: (F.23) lim Sa = R: ; a-oo im Grenzfall unendlich großer Risikoaversion konvergiert das Sicherheitsäquivalent gegen den Eigenkapitalbestand, der im ungünstigsten Fall realisiert wird. Bezogen auf die Nutzenfunktion ist somit auch die zweite Aussage belegt. Das Sicherheitsäquivalent konvergiert bei unendlich großer Risikoaversion gegen den Minimalwert R, den die Verteilungsfunktion annehmen kann. Die Konsequenzen eines solchen Verhaltens der Banken für das einzelne Unternehmen können abgeleitet werden, indem das Sicherheitsäquivalent für einen marginalen Kredit formuliert wird. In bezug auf den marginalen Kredit gelte: R = o , d.h. durch die zusätzliche Kreditgewährung darf die Eigenkapitalposition bei Eintreten des ungünstigsten Falles nicht geschmälert werden. Der Grenzeffekt ~R des zusätzlichen Kredits A auf die Eigenkapitalposition der Bank wird durch die Geldbeschaffungskosten r, den Kapitalkostensatz i, der dem Schuldner berechnet wird, und die Befriedigungsquote y bestimmt 2 >: (F.24) ~R = A((l+i)y - (l+r)J 1) Vgl. Bamberg, G./Spremann, K. (1981), s. 208f 2) Vgl. Wilhelm, J. (1982), S. 22 - 134 - bzw. eingesetzt in Gleichung (F.23) für den ungünstigsten Fall: (F.25) s. = S{(A[(l+i)y - (l+rl]I = R. Für R = 0 bedeutet dies, daß der Kreditbetrag, den das Unternehmen maximal erhalten kann, auf die Summe begrenzt ist, die es im ungünstigsten Fall einschließlich der Geldbeschaffungskosten mit Sicherheit der Bank zurückzahlen kann. Für R = 0 ist die Bank also nur im Bereich positiver Deckungsbeiträge bereit, Risiken einzugehen. Das in diesem Ansatz unterstellte Bankenverhalten wird durch empirisches Datenmaterial bestätigt. Die Frage, ob Banken bereit sind, ihre Kreditbereitschaft bei entsprechender Vergütung des Risikos zu erhöhen, kann nicht direkt untersucht werden, da über Kreditbeziehungen Diskretion gewahrt wird. Die Analyse der Forderungsausfälle gibt jedoch indirekt Aufschluß darüber, daß die Banken bei ihren Kreditvergabeentscheidungen das Sicherheitsziel betonen und Kreditrisiken zu beschränken trachten. So berichten Friend/Howitt von einer Ausfallquote im kanadischen Bankwesen von etwa 0,5 Prozentbezogen auf das Kreditportefeuille, wobei im betrachteten Zeitraum von zehn Jahren keine Bank einen höheren wertmäßigen Kreditausfall als 0,7 Prozent erlitt 1 >. In der ~ugdesrepublik Deutschland beträgt das Volumen der WertberichtigungP~ bezogen auf den Kreditbestand gegenüber inländischen Nichtbanken 0, 3 Prozent2 > . Trotz dieses risikoaversen Kreditvergabeverhaltens können Kreditausfälle auftreten. Grund dafür sind Fehleinschätzungen der identifizierten Risiken bzw. die Nichtberücksichtigung einzelner Risiken. Da vollkommene Information nicht zu erreichen ist, werden derartige latente Risiken immer bestehen bleiben 3 >. Weitere Risiken bei der Kreditvergabe resultieren aus den Interessenkonflikten zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern4>. Der Kapitalnehmer hat ein Interesse an der Be1) Vgl. Friend, J./Howitt, P. (1980), S. 472 2) Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Februar 1988, S. lOff 3) Vgl. Wilhelm, J. (1982), S. 24f 4) Vgl. Schmidt, R.H. (1981), S. 140ff - 237 - Hall, R.E., Jorgenson, D.Jf. Tax Policy and Investment Behavior, in: American Economic Review 57(1967), S. 391-414 Ha11J11J, Jf. Freiheitsbeschränkung durch staatliche Strukturund Forschungspolitik, in: ORDO 30(1979), S. 423-439 Harberger, A. C. Three Basic Postulates for Applied Welfare Economics: An Interpretive Essay, in: Journal of Economic Literature 9(1971), s. 785-797 Hauff, V., Scharpf, F.Jf. Modernisierung der Volkswirtschaft, Köln 1975 Haveman, R.H., Norsworthy, J.R. Public Regulations and Productivity Growth: An Assessment, Paper presented at the 43rd Congress of the International Institute of Public Finance, Paris 1987 Hayek, F.A. von Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren, Kiel 1968 Hayek, F.A. von Die Theorie komplexer Phänomene, Tübingen 1972 Hayek, F.A. von Die Anmaßung von Wissen, in: ORDO 26(1975), s. 12-21 Heck, H. 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