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Rohstoffpreisentwicklung im Jahr 2019

Wellenreuther, Claudia

Abstract

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Wellenreuther, Claudia Article Rohstoffpreisentwicklung im Jahr 2019 Wirtschaftsdienst Suggested Citation: Wellenreuther, Claudia (2020) : Rohstoffpreisentwicklung im Jahr 2019, Wirtschaftsdienst, ISSN 1613-978X, Springer, Heidelberg, Vol. 100, Iss. 2, pp. 147-148, https://doi.org/10.1007/s10273-020-2587-5 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/215590 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. 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Quartal 2018 umfasst, fi elen die Rohölpreise kontinuierlich und spiegelten die Ausweitung des Ölangebots aufgrund der stetig ansteigenden Schieferölproduktion der USA wider. Mitte 2018 überholten die USA SaudiArabien und Russland und entwickelten sich zum weltweit größten Ölproduzenten. Zusätzlich drückte das verlangsamte globale Wirtschaftswachstum, ausgelöst unter anderem durch den Handelskrieg zwischen China und den USA, die weltweite Nachfrage nach Rohöl. Um dem Preisverfall entgegenzuwirken, einigte sich die OPEC+2 im Dezember 2018 auf eine Kürzung der Fördermenge von 1,2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag.3 Die Angebotsverknappung erzielte die gewünschte Wirkung und die Preise stiegen bis Ende April 2019 auf ein Jahresmaximum von 75 US-$ pro Barrel für Brent und 66 US-$ pro Barrel für WTI-Rohöl (vgl. Phase 1, Abbildung 2). Die Rohölpreise wurden zusätzlich durch die von den USA verhängten Sanktionen gegen Venezuela und Iran getrieben. Vene2 Die Organisation der erdölexportierenden Ländern (OPEC) umfasst zurzeit die folgenden Mitglieder: Algerien, Angola, Ecuador, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, die Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela. OPEC+ umschließt noch weitere Förderländer inklusive Russland. 3 OPEC: 175th Meeting, Wien, 6.12.2018, https://www.opec.org/opec_ web/en/press_room/5278.htm (3.2.2020). Die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten waren 2019 insbesondere durch globale Konfl ikte geprägt: einerseits durch den Handelskrieg zwischen den USA und China, der bereits seit Mitte 2018 anhält, und vor allem die Preise für Industriemetalle, aber auch die für Agrarrohstoffe im Jahr 2019 deutlich beeinfl usste; andererseits durch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die die Preise auf den Rohölmärkten antrieben. Trotz zeitweiser angespannter weltpolitischer Situation lag der durchschnittliche Rohölpreis 2019 unter dem Niveau des Jahres 2018. Der HWWI-Rohstoffpreisindex1 ist 2019 durchschnittlich um 12 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken und auch die Teilindizes für Energierohstoffe, Industrierohstoffe und Nahrungsund Genussmittel sind gefallen. Während die Preise für Energierohstoffe im Jahresdurchschnitt um 14 % und die für Nahrungsund Genussmittel um 5 % sanken, blieben die Preise für Industrierohstoffe nahezu unverändert und wiesen lediglich eine negative Wachstumsrate von 0,5 % auf (vgl. Abbildung 1). Auch die Preise für Rohöl sind 2019 im Vergleich zu 2018 durchschnittlich gesunken. Dabei lag der Durchschnitts- © Der/die Autor(en) 2020. Open Access: Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (https:// creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de) veröffentlicht. Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert. 1 Der HWWI-Rohstoffpreisindex bildet die preislichen Veränderungen der 31 wichtigsten internationalen Rohstoffe aus den Bereichen Energie, Nahrungsund Genussmittel und Industrierohstoffe ab. DOI: 10.1007/s10273-020-2587-5 Konjunkturschlaglicht Rohstoffpreisentwicklung im Jahr 2019 Abbildung 1 HWWI-Rohstoffpreisindex Quelle: Hamburgisches WeltwirtschaftsInstitut (HWWI). 80 90 100 110 120 130 140 150 160 Jan. 2018 Mrz. Mai Jul. Sep. Nov. Jan. 2019 Mrz. Mai Jul. Sep. Nov. Gesamtindex Nahrungs- & Genussmittel Industrierohstoffe Energierohstoffe Index auf US-$-Basis, 2015 = 100 Abbildung 2 Entwicklung der Rohölpreise Quellen: Macrobond; U.S. Energy Information Administration. US-$/Barrel 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 2018 2018 2019 2019 2019 2019 2019 2019 Brent Rohöl WTI Rohöl Jahreshoch 2019 Angriff SaudiArabische Ölraffinerie OPECOPEC-Treffen OPEC-Treffen Okt. Dez. Feb. Apr. Jun. Aug. Okt. Dez. Treffen Wirtschaftsdienst 2020 | 2 148 Ökonomische Trends für Industrierohstoffe sich im Jahresdurchschnitt dennoch nahezu unverändert zeigte, ist auf die starken Preisanstiege auf den Märkten für Eisenerz in der ersten Jahreshälfte 2019 zurückzuführen. Seit Januar 2019 stiegen die Preise für Eisenerz deutlich an, da bei einem Dammbruch in der brasilianischen Stadt Brumadinho große Teile einer wichtigen Eisenerzmine zerstört wurden und sich dadurch das weltweite Angebot an Eisenerz stark verknappte. Auch der Index für Nahrungsund Genussmittel fi el 2019 verglichen mit dem Vorjahr. Der Handelskonfl ikt beeinfl usste ebenfalls die Preise für Agrarrohstoffe, hier insbesondere für Sojabohnen und Getreide. Die rückläufi gen chinesischen Importe von US-amerikanischen Agrarprodukten reduzierten die Nachfrage und drückten die Preise. Die Kaffeepreise wurden zwar nicht durch die Spannungen zwischen China und den USA beeinfl usst, sanken 2019 aber ebenfalls durchschnittlich. Der seit 2016 fallende Preistrend auf den Kaffeemärkten ist auf die Überkapazitäten, die sich trotz stetig ansteigender Nachfrage halten, zurückzuführen.10 Ende 2019 waren sowohl auf den Märkten für Industrierohstoffe als auch auf den Märkten für Agrarrohstoffe Preisanstiege zu beobachten, da China und die USA sich auf ein Teilabkommen einigten. Das Teilabkommen entschärfte die Spannungen zwischen den beiden Weltmächten und erhöhte die Erwartungen auf eine Verbesserung der globalen Wirtschaftslage. Globale Verwerfungen beeinfl ussten 2019 die Preise auf den internationalen Rohstoffmärkten und erhöhten die Unsicherheit. Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA verschärften sich zunehmend. Die Rohölmärkte reagierten nur kurzfristig mit Preiserhöhungen, was darauf hinweist, dass die Märkte gut versorgt sind. Das ansteigende Schieferölangebot aus den USA und die fallende Nachfrage aufgrund des rückläufi gen Wirtschaftswachstums führten im Jahresdurchschnitt zu fallenden Rohölpreisen. Der im Jahr 2019 immer wieder eskalierende Handelskonfl ikt zwischen China und den USA reduzierte das globale Wirtschaftswachstum und verringerte die globale Nachfrage nach Industrierohstoffen. Die Weltbank prognostizierte für 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2,4 %, was dem schwächsten Wachstum seit der Finanzkrise entspricht.11 Das kürzlich unterzeichnete Teilabkommen zwischen den USA und China ließ die Preise für Industrieund Agrarrohstoffe wieder ansteigen und stärkt die Hoffnung auf eine Erholung der globalen Wirtschaft. Claudia Wellenreuther [email protected] 10 Vgl. International Coffee Organization (ICO): Coffee Development Report 2019, Growing for prosperity, 2019, https://www.internationalcoffeecouncil.org/media/coffeeDevelopmentReport.pdf (3.2.2020). 11 Vgl. Weltbank, a. a. O. zuela besitzt weltweit die größten Ölreserven. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der Sanktionen der USA ist die venezolanische Ölförderung in den letzten Jahren stark eingebrochen und die Ölexporte sind deutlich gesunken.4 2019 haben die USA das Nuklearabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und Sanktionen auf iranische Rohölexporte verhängt. Seither ist die Rohölförderung des Irans ebenfalls rückläufi g. Obwohl sich in Phase 3 ab Mai 2019 der Konfl ikt zwischen den USA und Iran erneut verschärfte, setzte sich der Aufwärtstrend auf den Märkten für Rohöl nicht weiter fort. Die USA verstärkten die wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran, der Iran wiederum drohte mit einer Blockade der Straße von Hormus5 für internationale Rohöltransporte. Erneut zeigte sich, dass die Rohölmärkte gut versorgt sind, da diese Ereignisse nur zu kurzfristigen Anstiegen der Ölpreise führten. Daran änderte auch nichts, dass die OPEC+ Anfang Juli entschied, die Drosselung der eigenen Ölförderung für weitere neun Monate beizubehalten.6 Am 16.9.2019 stiegen die Preise enorm, als nach einem Drohnenangriff erhebliche Teile der weltweit größten saudi-arabischen Rohölraffi nerie beschädigt wurden. Da Saudi-Arabien in der Lage war, die Produktionskapazitäten innerhalb kürzester Zeit wiederaufzubauen, stiegen die Preise nur kurzzeitig an und fi elen anschließend auf ein geringeres Niveau als noch vor dem Angriff. Das Jahr 2019 endete mit einem leichten Aufwärtstrend auf den Rohölmärkten. Im Dezember 2019 einigte sich die OPEC+ erneut auf eine Kürzung der Fördermenge um zusätzliche 500 000 Barrel Öl pro Tag (vgl. Phase 4, Abbildung 2).7 Der Handelskonfl ikt zwischen den USA und China beeinfl usste 2019 auch die Entwicklung des Index für Industrierohstoffe8 (vgl. Abbildung 1). Die bilateral verhängten Strafzölle schwächten das chinesische Wirtschaftswachstum und reduzierten insbesondere die Nachfrage nach Industriemetallen, was zu Preisreduktionen auf den Märkten für Stahlschrott und NE-Metalle führte.9 Dass der Index 4 Vgl. U.S. Energy Information Administration: Country Analysis Executive Summary: Venezuela, 7.1.2019, https://www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/Venezuela/venezuela_exe.pdf (3.2.2020). 5 Die Straße von Hormus ist für den internationalen Rohölhandel von großer Bedeutung, da ein Drittel der internationalen Öltransporte auf diesem Seeweg verschifft wird. Vgl. U.S. Energy Information Administration: The Strait of Hormuz is the world‘s most important oil transit chokepoint, 20.6.2019, https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=39932 (11.2.2020). 6 OPEC: 176th Meeting, Wien, 1.7.2019, https://www.opec.org/opec_ web/en/press_room/5591.htm (3.2.2020). 7 OPEC: 177th Meeting, Wien, 5.12.2019, https://www.opec.org/opec_ web/en/press_room/5794.htm (3.2.2020). 8 Der Index für Industrierohstoffe umfasst die Preise der wichtigsten agrarischen Industrierohstoffe, die Preise für NE-Metalle (Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn) sowie die für Eisenerz und Stahlschrott. 9 Im Jahr 2019 erreichte das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion einen mehrjährigen Tiefststand. Vgl. Weltbank: Global Outlook 2020, https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/ handle/10986/33044/211469-Ch01.pdf (3.2.2020).