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Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell

von Natzmer, Wulfheinrich,Reim, O.

Abstract

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von Natzmer, Wulfheinrich; Reim, O. Article Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: von Natzmer, Wulfheinrich; Reim, O. (1984) : Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 17, Iss. 3, pp. 371-396, https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292999 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Der Kern der Modifikation besteht aus einer nichtlinearen Einkommensabhängigkeit der Investitionen, die zu ihrer bekannten Zinsabhängigkeit hinzutritt. Als Folge dieser Erweiterung ändern sich die Ergebnisse finanzund geldpolitischer Maßnahmen gravierend. Die zusätzliche Einführung einer Preisdynamik verstärkt die abweichenden Wirkungen wirtschaftspolitischer Eingriffe und eröffnet die Möglichkeit sowohl modellendogener als auch durch Wirtschaftspolitik hervorgerufener Konjunkturzyklen. Nachdem im Abschnitt II eine Übersicht über das Modell gegeben wird, folgt im III. Abschnitt eine Ableitung der modifizierten IS-Kurve, der spezifischen in diesem Modell verwendeten LM-Kurve und eine Betrachtung über die Zahl und Stabilität der auftretenden ISLM-Gleichgewichte. Im Abschnitt IV werden die im Vergleich zur Hicks-Hansen-Analyse abweichenden Wirkungen der Finanzund Geldpolitik herausgestellt. Abschnitt V faßt die Diskussion der Einflüsse, die von einer zusätzlichen Berücksichtigung von Preisniveauänderungen und den mit ihnen verbundenen Realkasseneffekten ausgehen, mit einer Erörterung der wirtschaftspolitischen Eingriffsmöglichkeiten zusammen. Der letzte Abschnitt behandelt die wirtschaftspolitische Relevanz des vorliegenden Modells. II. Übersicht über das Modell Das vorliegende Modell besteht aus einem Gütermarkt und einem Geldmarkt, auf dem die folgenden Variablen endogen bestimmt werden: * Unser Dank für zahlreiche Hinweise gilt Prof. Dr. G. Blümle und Prof. Dr. D. Lüdeke sowie den Teilnehmern ihrer Doktorandenseminare im Sommersemester 1982. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 372 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim Gütermarkt: s = Sparen, real i = Investition, real y = Einkommen, real Geldmarkt: ls = Spekulationskasse, real lT = Transaktionskasse, real r = Nominalzinssatz. Zu diesen, auf den beiden Märkten der Hicks-Hansen-Analyse erklärten Variablen kommt das exogene nominale Geldangebot sowie eine Anpassungsregel für das Preisniveau hinzu. Die Liste der Modellvariablen wird deshalb wie folgt vervollständigt: endogen: P = Preisniveau m = Geldmenge, real exogen: M = Geldmenge, nominal. Die Variablen der einzelnen Märkte sowie das Preisniveau und das reale Geldangebot sind gemäß den folgenden Modellrelationen miteinander verbunden: I. Gütermarkt und Einkommensdynamik 8s (1) Sparen: s = s (y) mit ——>0 3 i d i (2) Investition: i = ir (r) + L (y) mit —— < 0 , —— > 0 dr oy (3) Einkommensdynamik: y = ay {ir (r) + iy (y) - s (y)} , ay > 0 ; II. Geldmarkt und Zinsdynamik dm - MP~2 < 0 (4) Geldangebot: m = MP~1 mit dP dl l =lT(y) + ls(r) mit —= 0 , dl (5) Geldnachfrage: (6) Zinsdynamik: r =ar{lr(y) + ls(r)-m(P)} , ar > 0 ; III. Preisdynamik (7) P = ap {y — y+) symmetrisch: aP < 0 f >0 für y > y+ asymmetrisch: aP s l =0 für y < y+ asymmetrisch: aP wobei das mit Preisniveaukonstanz verbundene reale Einkommen y. exogen vorliegt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 373 An Hand der formalen Übersicht über das Modell lassen sich die wesentlichen Unterschiede zur traditionellen Hicks-Hansen-Analyse herausheben. Auf dem Gütermarkt tritt zu der zinsabhängigen Investition eine einkommensabhängige Investition hinzu, deren spezielle Form im Abschnitt III erläutert wird. Die zweite Änderung besteht aus der Berücksichtigung einer Preisdynamik. Unterschiedliche Preisniveaus spielen im traditionellen Hicks-Hansen-Diagramm keine Rolle. Im vorliegenden Modell jedoch besteht eine Wirkungskette von der Preisdynamik über das reale Geldangebot auf die restlichen endogenen Variablen. Damit ist das für die Zinsdynamik wichtige reale Geldangebot nicht mehr exogen vorgegeben sondern eine Funktion des Preisniveaus. Verschiebungen der ISund LM-Kurve des Hicks-Hansen-Diagramms können damit folgende Ursachen haben: 1. Finanzpolitik — Wirkung über die realen Investitionen i 2. Geldpolitik — Wirkung über die reale Geldmenge m 3. endogene Preiseffekte — Wirkung über die reale Geldmenge m. Die explizite Spezifikation der Zins-, der Einkommensund der Preisdynamik ermöglicht qualitive Aussagen über die Anpassung an Gleichgewichte unterschiedlicher Art, wobei die in den Konstanten ar, ay und ap erfaßten Anpassungsgeschwindigkeiten von Bedeutung sind. Diese bestimmen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Gleichgewichte auf dem Geldmarkt, auf dem Gütermarkt und bezüglich der Preise erreicht werden. Für die weitere Analyse wird von der Annahme (8) ar » ay » ap > 0 ausgegangen1. Aufgrund dieser Prämisse existiert eine Hierarchie der Gleichgewichte, die für ar —> <» besonders deutlich hervortritt. In diesem Fall befindet sich der Geldmarkt in einem ständigen Gleichgewicht, da wegen r lim =0 —» lT + ls = m ar-K» aT 1 Die keynesianische Annahme einer größeren Beweglichkeit der Mengen gegenüber den Preisen geht durch ay » ap akzentuiert in das Modell ein. Der Nominalzins r als Preis für Kredit wird auf dem Geldmarkt festgelegt, der börsenartig organisiert ist und auf dem ein annähernd homogenes Gut gehandelt wird. Eine gegenüber dem realen Einkommen hohe Anpassungsgeschwindigkeit (ar » ay) erscheint deshalb trotz des hohen Abstraktionsgrades des Modells plausibel. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 374 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim folgt. Dieses LM-Gleichgewicht wird zu einem ISLM-Gleichgewicht erweitert, wenn auf dem Gütermarkt ein Ausgleich zwischen Sparen und Investieren eingetreten ist. Ein totales Gleichgewicht liegt dann vor, wenn ein ISLM-Gleichgewicht in einem Preisgleichgewicht zur Ruhe gekommen ist. III. Das modifizierte ISLM-Modell 1. Der Gütermarkt Die einkommensinduzierten Investitionen iy(y) hängen auf nichtlineare Weise von dem Niveau des Einkommens y ab, vgl. Abbildung 1. Der sigmoide Verlauf von iy(y) wird wie folgt begründet2: — bei einem niedrigen realen Einkommen y liegt eine niedrige marginale Einkommensinvestitionsneigung 3i/dy vor, da bei einem geringen Auslastungsgrad zunächst die nicht ausgenutzten Anlagen zur Produktion verwendet werden (vgl. Hicks (1937, S. 158), — in einem mittleren Bereich des Einkommens und damit der Auslastung liegt die marginale Einkommensinvestitionsneigung di/dy dagegen auf einem deutlich höheren Niveau, da die höhere Auslastung die Unternehmer zu Investitionen anreizt, — ein höheres Einkommen ist wiederum mit einer niedrigen marginalen Einkommensneigung di/dy verbunden, da (1) Angebotsengpässe im Investitionsgüterbereich zu Kostenerhöhungen führen und (2) Zweifel an weiteren dauerhaften Nachfrageerhöhungen auftreten. Der sigmoide Verlauf der Investitionsfunktion i - iT (r) + iy (y) im i-y-Diagramm ermöglicht mehrere Schnittpunkte mit der linearen Sparfunktion s = s (y)- Für ein multiples Gütermarktgleichgewicht müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein: Notwendige Bedingung In einem mittleren Bereich übersteigt die marginale Einkommensinvestitionsneigung die marginale Sparneigung3. 2 Eine sigmoide Einkommensinvestitionsfunktion i (y) verwendete schon Kaldor (1940), wenn auch mit einer abweichenden Begründung. Im Gegensatz zum vorliegenden Modell führt Kaldor (1940, S. 81) die niedrige marginale Investitionsneigung di/ 3y für hohe Einkommen neben steigenden Gestehungskosten für Anlagen insbesondere auf steigende Kreditkosten und Finanzierungsengpässe zurück. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 375 Hinreichende Bedingung Die zinsinduzierten Investitionen ir (r) legen in Abbildung 1 einen Ordinatenabschnitt fest, bei dem die sigmoide Einkommensinvestitionsfunktion iy (y) mit der linearen Sparfunktion entweder drei Schnittpunkte oder einen Schnittpunkt und einen Tangentialpunkt besitzt. Die notwendige Bedingung wird im folgenden als gegeben vorausgesetzt, während die hinreichende Bedingung in Abhängigkeit von dem auf dem Geldmarkt festgelegten Zinssatz erfüllt oder auch nicht erfüllt ist. Unterschiedliche Zinssätze führen zu einer Parallelverschiebung der Einkommensinvestitionsfunktion iy (y). Bei niedrigen Zinssätzen ist der Ordinatenabschnitt groß. Damit verbunden ist ein eindeutiges Gütermarktgleichgewicht bei einem hohen Einkommen. Für steigende Zinssätze nimmt der Ordinatenabschnitt ab, die Einkommensinvestitionsfunktion wird nach unten verschoben, weshalb multiple Gleichgewichte auftreten (vgl. Abbildung 1). Für hohe Zinssätze wird der Ordinatenabschnitt klein. Es existiert wiederum ein eindeutiges Gütermarktgleichgewicht, jetzt aber bei einem kleinen Einkommen. Als Folge der multiplen Gütermärktgleichgewichte in 3 Diese Bedingung für einen positiven Anstieg der IS-Funktion nennt schon Hicks (1937, S. 157 Fn. 8). In diesem Zusammenhang weist Hicks (1937, S. 158) darauf hin, daß bei einem positiven Anstieg der IS-Funktion steigende Einkommen mit steigenden Zinsen verbunden sind. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 376 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim einem Bereich mittlerer Zinssätze nimmt die IS-Kurve im r-y-Diagramm einen sigmoiden Verlauf an, vgl. Abbildung 2. Diese IS-Kurve unterscheidet sich jedoch nicht nur in ihrer Form von der IS-Kurve der Hicks-HansenAnalyse. Der positiv ansteigende Bereich der IS-Kurve in dem modifizierten Modell besteht aus instabilen Gütermarktgleichgewichten, während die äußeren Äste die stabilen Gleichgewichte enthalten, was unmittelbar aus der Einkommensdynamik, Gleichung (3), folgt. Aus der Abbildung 2 wird s^i s^i s-d s^i Abbildung 2: Einkommensinvestitionsfunktion und IS-Kurve OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 377 deutlich, daß durch die mittleren Schnittpunkte zwischen Investitionsund Sparfunktion eine Separatrix verläuft, die die Einzugsbereiche der beiden äußeren stabilen Gleichgewichte trennt. 2. Der Geldmarkt Bei den Geldmarktgleichungen des vorliegenden Modells -handelt es sich um näher spezifizierte Verhaltensfunktionen der Hicks-Hansen-Analyse. Eine detailliertere Festlegung der Funktionen wurde wegen der expliziten Berücksichtigung des Preisniveaus erforderlich. Da das nominale Geldangebot M als von der Wirtschaftspolitik exogen vorgegeben angesehen wird, ist das reale Geldangebot m eine Funktion des endogenen Preisniveaus. Dieses reale Geldangebot trifft auf die reale Geldnachfrage, die aus einer Nachfrage nach Transaktionskasse, abhängig vom realen Einkommen, und aus einer Nachfrage nach Spekulationskasse, abhängig vom nominalen Zinssatz, besteht. Geldillusion wird daher in dem Sinne angenommen, daß die Wirtschaftssubjekte keine Preiserwartungen bilden. Der Nominalzinssatz entspricht dem ex-ante-Realzinssatz, von dem sich der ex-post-Realzins wegen der endogenen Preisentwicklung unterscheiden kann. Diese Art der Geldillusion bedeutet aber nicht, daß hinsichtlich des realen Wertes des Nominaleinkommens falsche Vorstellungen bestehen. Vielmehr hängt die Nachfrage der Wirtschaftssubjekte mit Ausnahme der zinsabhängigen Investitionen vom realen Einkommen ab4. Die in Gleichung (6) spezifizierte Zinsdynamik gleicht eine Diskrepanz zwischen realem Geldangebot und realer Geldnachfrage durch eine Veränderung der Spekulationskasse aus. Dieser Prozeß kommt in einem Geldmarktgleichgewicht zur Ruhe, welches wegen der Annahme ar—permanent vorliegt. Graphisch betrachtet erfolgt die Zinsanpassung an die LMKurve parallel zur r-Achse. Die LM-Kurve weist die Hickssche Form mit einem überall endlichen positiven Anstieg auf. Sie nähert sich für niedrige Einkommen asymptotisch der Liquiditätsfalle und für hohe Zinsen asymptotisch der klassischen Form, vgl. Hicks (1937, S. 154). Änderungen des Preisniveaus wirken auf das Geldangebot. Eine Erhöhung (Senkung) des Preisniveaus verschiebt die LM-Kurve bei konstanter nominaler Geldmenge nach links (rechts). 4 Damit ist eine Geldillusion der Art Nominallohn = Reallohn ausgeschlossen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 378 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim 3. Simultane Gleichgewichte auf dem Geldmarkt und auf dem Gütermarkt Ein Schnittpunkt der LMund der IS-Kurve legt ein simultanes Gleichgewicht auf dem Güterund auf dem Geldmarkt fest. Aufgrund des sigmoiden Verlaufs der IS-Kurve ist es in dem vorliegenden modifizierten Modell jedoch nicht mehr unter allen Umständen eindeutig. Eine andere Folge der ausgeprägten Nichtlinearität der IS-Kurve besteht darin, daß neben stabilen auch instabile ISLM-Gleichgewichte auftreten können. Die Stabilität eines Güterund Geldmarktgleichgewichtes ergibt sich aus dem Kurvenverlauf und aus dem Verhältnis der Anpassungsgeschwindigkeiten. Da ar>>ay und ar-^o> angenommen wird, ist ein Geldmarktgleichgewicht grundsätzlich gegeben. Die langsamere Einkommensdynamik bewirkt dann eine Bewegung einer r-y-Kombination auf der LM-Kurve zu einem stabilen Gleichgewicht hin. Bei eindeutigen ISLM-Gleichgewichten kann die LM-Funktion die IS-Kurve in ihrem negativ oder positiv geneigten Bereich schneiden: Bim Bis Bis (1 e) ~9y~ > ~By~ mit ~~By~ < ° (siehe Abb' 3a) 3 Im Bis Bis (2 e) —— > —— mit —— > 0 (siehe Abb. 3 b) . By By By Wegen der Annahme über die Anpassungsgeschwindigkeiten besitzt der Unterschied zwischen den beiden Fällen keine Bedeutung5. Der Schnittpunkt zwischen ISund LM-Kurve legt bei beiden Möglichkeiten ein stabiles Gleichgewicht fest. 5 Eine Umkehrung der Relation der Anpassungsgeschwindigkeiten ändert die Stabilität im Fall (le) nicht. Ein Gleichgewicht im Fall (2e) verliert dagegen seine Stabilität. Es kommt zu einem Grenzzyklus: ar <<«3/ OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 385 schwächt. Die einkommensinduzierten Investitionen erhalten das neue ISLM-Gleichgewicht y3-r3 bei geringerem aber dennoch hohem Einkommen und entsprechenden Zinsen aufrecht. V. Preisreaktionen und Wirtschaftspolitik 1. Die Berücksichtigung von Preisniveauänderungen Im folgenden untersuchen wir die Wirkung von Preisänderungen auf das ISLM-Gleichgewicht. Die Preisänderungen hängen vom Auslastungsgrad der Kapazitäten ab, der bei konstantem Kapitalstock direkt mit dem realen Einkommen variiert. Mögliche Begründungen für den Zusammenhang zwischen Kapazitätsauslastung und Preisniveauänderung sind z.B. Engpässe im Angebot oder die Überwälzung steigender Kosten bei höherer Auslastung. Die Preisreaktion setzt bei Abweichungen von einer Normalauslastung ein, die dem Einkommen y+ entspricht, wobei zwei Möglichkeiten (siehe Gleichung (7)) zu untersuchen sind: 1. die symmetrische Preisreaktion, bei der eine hohe Auslastung zu Preiserhöhungen und eine niedrige zu Preissenkungen führt, 2. die asymmetrische Preisreaktion, bei der im Gegensatz dazu eine niedrige Auslastung keine Preisreaktion nach sich zieht. Es wird angenommen (siehe Ungleichung (8)), daß die Preisdynamik deutlich langsamer als die Einkommensdynamik ist. Das entspricht der bekannten keynesianischen Annahme über die größere Beweglichkeit der Mengen gegenüber den Preisen. Solange die Preisanpassung nicht vollzogen ist, befindet sich das Gesamtsystem im Ungleichgewicht, auch wenn jeweils momentan ein ISLM-Gleichgewicht vorliegt. Die Preisniveaureaktion verändert das ISLM-Gleichgewicht durch die Variation der realen Geldmenge, der eine horizontale Verschiebung der LMKurve im r-T/-Diagramm entspricht. Die Preisänderungshypothese teilt das r-y-Diagramm in drei bzw. zwei Bereiche, in denen eine unterschiedliche Veränderung der LM-Kurve eintritt: Bei Volkseinkommen, die kleiner (größer) als y+ sind, wird die LM-Kurve nach rechts (links) verschoben, wenn wir von der symmetrischen Preisanpassung ausgehen. Bei der asymmetrischen Preisanpassung wird die LM-Kurve nach links verschoben, wenn das Einkommen größer als y+ ist, sonst ändert sich ihre Lage nicht. Das Zusammenspiel der Preisdynamik mit der Anpassung an die ISLMGleichgewichte wird nun am Beispiel der symmetrischen Preisreaktion bei flacher LM-Funktion dargestellt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 386 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim Die Ausgangslage entspricht der Einkommens-Zinskombination yi-r 1 in Abb. 7. Da das aktuelle Einkommen kleiner als das preisstabile Einkommen ist, verschieben Preissenkungen die LM-Kurve nach rechts. Das System wird dadurch aus dem ISLM-Gleichgewicht gebracht und stellt zunächst ein Geldmarktgleichgewicht her (siehe y\-r 2). Während der folgenden Anpassung an das Gütermarktgleichgewicht kommt es jedoch schon zu weiteren Preissenkungen, so daß die LM-Kurve weiter nach rechts verschoben wird. Die resultierende Bewegung aus der Anpassungsbewegung auf der LM-Kurve und der Verschiebung der LM-Kurve durch die Preisanpassung wird durch die in Abb. 7 eingezeichnete, mit Pfeilen versehene Kurve, die unterhalb der IS-Kurve verläuft, dargestellt. Der Abstand dieser Funktion von der IS-Kurve hängt von der relativen Schnelligkeit der Einkommensanpassung zur Preisanpassung ab. Je schneller die Einkommensanpassung, um so näher verläuft die Systembewegung an der IS-Funktion. Abbildung 7: Anpassungsverlauf bei symmetrischer Preisreaktion und stabilem Gleichgewicht Wird die LM-Kurve über das Minimum der IS-Funktion hinaus verschoben (siehe LM3), so existieren nur noch ISLM-Gleichgewichte auf dem höheren Einkommensniveau. Auch hier kommt es während der Einkommensanpassung noch zu weiteren Preissenkungen, solange y kleiner als y+ ist. Steigt das Einkommen über y+, so wird die LM-Kurve durch Preiserhöhungen nach links verschoben und die ISLM-Gleichgewichtseinkommen sinken wieder. Diese Hinund Herbewegungen der LM-Kurve sind relativ geringOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 387 fügig, da die Einkommensanpassung schneller als die Preisanpassung vonstatten geht. In Abb. 7 wird zunächst ein ISLM-Gleichgewicht bei y3 oberhalb des preisstabilen Einkommens y+ erreicht. Damit ist die Anpassung noch nicht beendet, da weiterhin Preiserhöhungen stattfinden. Es kommt zu weiteren Zinserhöhungen und Einkommenssenkungen, bis das Einkommen y+ erreicht ist, wobei der Anpassungsprozeß an das totale Gleichgewicht oberhalb der IS-Kurve erfolgt. Eine Vereinfachung der Beschreibung ergibt sich durch die Annahme, daß die Preisanpassung erst nach vollständiger Einkommensanpassung erfolgt, d. h. erst dann wenn das ISLM-Gleichgewicht erreicht ist. Damit wird aus der zweifachen Gleichgewichtshierarchie (LM-Gleichgewicht und totales Gleichgewicht) eine dreifache (LM-Gleichgewicht, ISLM-Gleichgewicht und totales Gleichgewicht). Wie aus Abb. 8 hervorgeht, führt diese Annahme zu annähernd gleichem Systemverhalten, so daß diese zusätzliche Annahme die qualitativen Modellaussagen nicht verändert. Abbildung 8: Anpassung bei symmetrischer Preisreaktion und stabilem Gleichgewicht: Vereinfachung Die Methode der dreifachen Gleichgewichtsgliederung wird im folgenden zur Analyse der Prozeßverläufe bei verschiedenen Lagen der Gleichgewichte verwendet. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 388 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim Aus der Verknüpfung der beiden Preisreaktionen mit der in Teil III abgeleiteten Charakterisierung der ISLM-Gleichgewichte durch den Anstieg der LM-Kurve ergeben sich vier zu analysierende Fälle: 1. bei flacher LM-Funktion a) symmetrische Preisreaktion b) asymmetrische Preisreaktion 2. bei steiler LM-Funktion a) symmetrische Preisreaktion b) asymmetrische Preisreaktion. Da die Verschiebungen der LM-Kurve durch Preiseffekte erst erfolgen, wenn die Anpassung an das ISLM-Gleichgewicht vollzogen ist, sind für die Betrachtung der Preisdynamik nur stabile ISLM-Gleichgewichte relevant. Es ist deshalb das Ergebnis der Untersuchung in Teil III zu beachten, daß bei flacher LM-Kurve das System nur auf den stabilen Armen der IS-Kurve ein Güterund Geldmarktgleichgewicht erreichen kann, während bei steiler LM-Funktion diese Einschränkung nicht gilt. Zu 1 a) Bei symmetrischer Preisreaktion und relativ flacher LM-Funktion sind stabile oder instabile Gesamtgleichgewichte möglich: Stabile Gesamtgleichgewichte liegen dann vor, wenn das Preisstabilitätseinkommen y+ in einem der beiden stabilen Bereiche der IS-Kurve liegt, wie z.B. in Abb. 7 bzw. 8. Der Anpassungsprozeß an das Gleichgewicht y+ erfolgt fortwährend im ISLM-Gleichgewicht (im folgenden: gleichgewichtig), wenn das Ausgangsgleichgewicht auf dem gleichen stabilen Arm der IS-Kurve liegt. Die Anpassung erfordert ISLM-Ungleichgewichte (im folgenden: ungleichgewichtig), wenn das Ausgangsgleichgewicht auf dem anderen stabilen Arm der IS-Kurve liegt. Liegt das Gleichgewichtseinkommen y+ im instabilen Bereich der ISKurve, so existiert kein stabiles Gesamtgleichgewicht, sondern ein Grenzzyklus. In Abb. 9 ist dieser Fall dargestellt. Wenn wir wieder y 1 als Ausgangslage annehmen, so steigt die reale Geldmenge durch den resultierenden Deflationsprozeß. Die LM-Kurve wird dadurch nach rechts verschoben, bis das Einkommen y2 erreicht ist. Es folgt ein Sprung des ISLM-Gleichgewichts auf das Einkommen y3 bei konstanter Lage der LM-Kurve, da y2 nur einseitig stabil ist. Beim Einkommen y3 kommt es zu einem Inflationsprozeß, wodurch die LM-Kurve nach links verschoben wird. Die ISLM-Gleichgewichtseinkommen nehmen wieder ab, wobei das hohe Niveau jedoch erhalten bleibt, bis das Einkommen t/4 erreicht ist. y4 ist ebenfalls nur ein einseitig stabiles Gleichgewicht, so, daß das System zu dem stabilen Gleichgewicht î/5 hin tendiert. In î/5 setzt wiederum OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 389 Abbildung 9: Anpassungsverlauf bei symmetrischer Preisreaktion und instabilem Gesamtgleichqewicht ein Deflationsprozeß ein, der die LM-Kurve nach rechts verschiebt. Das Gleichgewicht y+ wird in diesem Fall nicht erreicht. Die LM-Kurve pendelt immer zwischen den Lagen LM2 und LM3 hin und her. In diesem Zyklus kann man vier Phasen unterscheiden: 1. Depression mit sinkendem Preisniveau, langsam sinkenden Zinsen und langsam steigendem Einkommen bei niedrigem Einkommensund Zinsniveau. 2. Aufschwung bei annähernd konstantem Preisniveau, schnell steigendem Einkommen und Zins. 3. Boom mit steigendem Preisniveau, langsam steigendem Zins und langsam sinkenden Einkommen auf hohem Einkommensund Zinsniveau. 4. Abschwung bei annähernd konstantem Preisniveau, schnell sinkenden Einkommen und Zins. Zu lb) Unterstellen wir eine asymmetrische Preisreaktion, so erhalten wir eine Menge möglicher totaler Gleichgewichte, die alle stabilen ISLMGleichgewichte für y <y+ enthält. Das maximal mögliche preisniveaustabile Gleichgewichtseinkommen y+ wird jedoch nicht erreicht, wenn y+ im instabilen Bereich liegt, da für alle Ausgangslagen y > y+ ein Sprung auf den unteren stabilen IS-Arm erfolgt, und alle Ausgangslagen y < y+ gemäß der Assymmetrieannahme stabil sind. Liegt y+ im stabilen Bereich der IS-Kurve, so ist eine modellendogene Annäherung nur von Ausgangslagen y > y+ möglich. Aber nicht alle Ausgangslagen mit y > y+ erlauben eine Annäherung an das Gleichgewichtseinkommen, wie das nächste Beispiel zeigt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 390 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim Liegt y + auf dem unteren stabilen IS-Arm, so kommt es von allen Ausgangslagen auf dem oberen stabilen Arm (z.B. y ι in Abb. 10) zu einem Sprung auf das Einkommen y2, das kleiner als y+ ist, nur Ausgangslagen zwischen y3 und y+ führen zu einer Anpassung an y+. Zu 2 a) Da alle ISLM-Gleichgewichte stabil sind, bewirkt die Verschiebung der LM-Kurve durch die Preisreaktion eine gleichgewichtige Annäherung an das Gesamtgleichgewicht y+, unabhängig davon, wo dieses Gleichgewicht auf der IS-Kurve liegt und wo die Ausgangslage ist. Hier liegt sozusagen der klassische Fall der Systemstabilität vor. Zu 2 b) Bei asymmetrischer Preisreaktion zeigen alle Gleichgewichte mit y < t/4Beharrungstendenzen während bei Ausgangslagen y > y+ eine gleichgewichtige Annäherung an y + erfolgt. Abbildung 10: Anpassung bei asymmetrischer Preisreaktion 2. Die Wirkung wirtschaftspolitischer Eingriffe a) zu den Fällen bei symmetrischer Preisreaktion Finanzund geldpolitische Maßnahmen sind nur dann sinnvoll, wenn es eine Möglichkeit zur Beeinflussung des Gesamtgleichgewichtes gibt. Bei symmetrischer Preisreaktion ist das totale Gleichgewicht auf t/+ fixiert. Dieses Gleichgewicht ist homöostatisch, wenn es im Bereich stabiler Gütermarktgleichgewichte liegt oder wenn der Zins stark auf Veränderungen der OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 391 Geldmarktbedingungen reagiert (bei steiler LM-Funktion). Ist die Zinsreaktion relativ gering und liegt das preisstabile Einkommen im Bereich instabiler Gütermarktgleichgewichte, so ist das Gesamtgleichgewicht instabil, das System bewegt sich zyklisch. In beiden Fällen kann durch Finanzoder Geldpolitik keine Änderung des Gleichgewichts erreicht werden. b) zu den Fällen bei asymmetrischer Preisreaktion In diesen Fällen ist der Einsatz wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Erreichung größerer Volkseinkommen als y+ ungeeignet, da die Preisreaktion kein stabiles Gleichgewicht in diesem Bereich zuläßt. Für y < y+ existiert kein entsprechender Anpassungsmechanismus, deshalb ist der Einsatz wirtschaftspolitischer Mittel zur Erreichung des maximalen Gleichgewichtseinkommens y+ sinnvoll. Bei steiler LM-Funktion ist y+ durch eine expansive Geldpolitik unabhängig von der Lage auf der IS-Kurve erreichbar. In diesem Fall nimmt das Volkseinkommen (und die Beschäftigung) durch eine Ausdehnung der Geldmenge bei konstantem Preisniveau zu, bis y+ erreicht ist. Die in diesem Fall mögliche stetige Anpassung an das Gleichgewicht durch den Einsatz der Geldpolitik zeigt, daß auch bei recht instabilem realem Sektor eine stringente Geldpolitik eine notwendige und (in diesem Modell) hinreichende Bedingung für eine makroökonomische Wirtschaftssteuerung ist. Die Finanzpolitik ist in diesem Fall, wie bei der Hicks-Hansen-Analyse, relativ ineffektiv. Bei flacher LM-Funktion ist durch expansive geldoder finanzpolitische Maßnahmen das Gleichgewicht y+ erreichbar, wenn y+ im Bereich stabiler ISLM-Gleichgewichte liegt. Wenn bei y+ ein instabiles ISLM-Gleichgewicht vorliegt, führt eine expansive Geldbzw. Finanzpolitik letztlich nur zu einem Gleichgewicht bei niedrigem Volkseinkommen: In Abb. 11 a sei yl die Ausgangslage. Versucht man durch expansive Geldpolitik eine Einkommenserhöhung zu erreichen, wobei die LM-Kurve auf die neue Lage LM2 verschoben wird, so wird zunächst ein höheres Volkseinkommen bei y3 erreicht, wobei ein beschleunigter Anstieg zwischen y2 und y3 eintrat. Da y3 größer als y+ ist, kommt es zu einer stetigen Verringerung der realen Geldmenge, bis die Lage LM3 der LM-Kurve erreicht ist. Dann fällt das Volkseinkommen wieder sehr schnell auf den niedrigen Wert î/5, in dem es wegen der asymmetrischen Preisreaktion verharrt. Ebenso gilt für eine expansive Finanzpolitik (in Abb. IIb dargestellt durch die Verschiebung der IS-Kurve auf IS2), daß zunächst ein höheres Volkseinkommen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 392 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim (α) (b) Abbildung 11: Wirkungen der Geldund Finanzpolitik bei instabilem Gesamtgleichgewicht und asymmetrischer Preisreaktion. erreicht wird (y3'), aber durch die anschließenden Preiserhöhungen die reale Geldmenge so weit eingeschränkt wird, bis das System auf ein niedriges Einkommensniveau zurückkehrt (in Abb. IIb Verschiebung der LM-Kurve auf LM2' und Ruhelage in î/5'). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem ISLM-Modell 393 Durch eine expansive Wirtschaftspolitik ist das Gleichgewicht y+ also nicht erreichbar, es wird nur ein Zyklus in Gang gesetzt. Die Vergeblichkeit des wirtschaftspolitischen Eingriffs ist in diesem Fall jedoch nicht durch die Preiserhöhung als Folge der Geldmengenausweitung, wie es eine monetaristische Kritik formulieren würde, bedingt, sondern durch die Nichtlinearität der Investitionsfunktion. Die Situation ist sogar als antimonetaristisch zu bezeichnen, da das totale Gleichgewicht y+ instabil ist. Wegen dieser Instabilität scheitert die globale Wirtschaftssteuerung schon an der Verwirklichung des maximalen preisstabilen Einkommens. VI. Folgerungen für die aktuelle Wirtschaftspolitik Trotz der abstrakten Formulierung des Modells ergeben sich einige Folgerungen für die aktuelle Wirtschaftspolitik. Von besonderem Interesse erscheint uns die in diesem Modell abzuleitende Veränderung des Schwerpunktes keynesianischer Wirtschaftspolitik. Das Modell weist der Geldpolitik eine zentrale Stellung zu. Wenn keine Preisniveaueffekte auftreten, impliziert ein weiter monetärer Rahmen, flache LM-Kurve, eine hohe Sensitivität des Volkseinkommens bezüglich wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Eine vorübergehende expansive Geldund/oder Finanzpolitik bewirken einen dauerhaften Anstieg des Einkommens. Wenn dagegen realistischerweise Preisniveauwirkungen berücksichtigt werden, tritt die Finanzpolitik weitgehend in den Hintergrund. Da in einer realen Wirtschaft schon bei einem geringen oder mittleren Einkommen (Beschäftigung) Preisniveausteigerungen einsetzen, wird ein preisniveaukonstantes Gesamtgleichgewicht im Bereich der ansteigenden IS-Kurve liegen. Dieses ist jedoch nur bei einer strengen geldpolitischen Beschränkung, steile LMKurve, stabil. Liegt eine solche stringente monetäre Kontrolle nicht vor, so führt ein alleiniger Einsatz expansiver Finanzpolitik zu vorübergehenden Beschäftigungswirkungen, die durch inflationäre Entwicklungen dann wieder aufgehoben werden, wenn die Geldpolitik nicht ein ständig steigendes Preisniveau finanziert. Das Modell erfaßt das Dilemma, daß eine expansive Geldund/oder Finanzpolitik eine Volkswirtschaft bei zunächst mäßigen Preissteigerungen aus der Rezession führt, die Inflation sich aber laufend beschleunigt und erst bei einem hohen Inflationsniveau zu einem Gleichgewicht auf dem Güterund Geldmarkt führt. Wird diese hohe Inflation nicht durch eine entsprechende Ausweitung der Geldmenge aufrechterhalten, ist ein Rückfall in eine Rezession unvermeidlich. Die Wirtschaftspolitik dämpft nicht konjunkturelle Schwankungen sondern erzeugt sie. Nur eine fein OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23 394 Wulfheinrich von Natzmer und O. Reim dosierte Geldpolitik, die zu einer steilen LM-Kurve führt, kann einen solchen Piozeß verhindern. Literatur Hicks, J. R. (1937): Mr. Keynes and the "Classics", Econometrica 5 (1937), 147-159. - Kaldor, Ν. (1940): A Model of the Trade Cycle, Economic Journal 50 (1940), 78-92. - Variati, H. R. (1977): The Stability of a Disequilibrium IS-LM Model, Scandinavian Journal of Economics 79 (1977), 260-270. Zusammenfassung Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell Das vorgelegte Modell erweitert die traditionelle ISLM-Analyse um einen nichtlinear vom Einkommen abhängigen Investitionseffekt. Die Folge ist eine sigmoide, im Bereich mittlerer Einkommen positiv ansteigende IS-Funktion. Bei einer stringenten Geldpolitik, steile LM-Kurve, ist das ISLM-Gleichgewicht trotz der induzierten Investition eindeutig. Mehrfache Gleichgewichte treten dagegen bei geringen monetären Beschränkungen auf. In einem solchen Fall, wenn in der Ausgangslage ein ISLMGleichgewicht bei niedrigem Einkommen besteht, bewirken einmalige und befristete finanzund geldpolitische Maßnahmen ein bleibendes höheres Einkommen. Werden zusätzlich noch Preisniveaueffekte berücksichtigt, ist es in dem vorliegenden Modell von entscheidender Bedeutung, welchen Wert bzw. welche Werte das preisniveauneutrale Einkommen hat. Ein Gesamtgleichgewicht, ISLM-Gleichgewicht bei Preisniveaukonstanz, kann unter Umständen instabil oder nur bei niedrigem Einkommen möglich sein. Die Folge ist, daß eine aktive Finanzund/oder Geldpolitik lediglich für eine begrenzte Zeit ein höheres Einkommen bewirken kann, da die durch die nichtlineare Einkommensabhängigkeit ausgelösten Inflationseffekte die Beschäftigungswirkung wieder aufheben. Unter diesen Umständen kann das höhere Einkommen nur bei einer ständigen Finanzierung eines steigenden Preisniveaus durch die Geldpolitik aufrechterhalten werden. Anderenfalls entsteht ein durch die Wirtschaftspolitik hervorgerufener Konjunkturzyklus. Summary Economic Policy and the Business Cycle in a Modified ISLM Model The model presented here extends traditional ISLM analysis by adding a nonlinear, income-dependent investment effect. The result is a sigmoid IS function that rises positively in the medium income range. Where monetary policy is stringent, steep LM curve, the ISLM equilibrium is clear-cut despite the induced investment. In contrast, multiple equilibria occur under slight monetary restrictions. In such a case, if at the start there is ISLM equilibrium for low incomes, one-time financial and OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.17.3.371 | Generated on 2023-01-16 12:50:23