Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung
Abstract
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Full text
Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Ed.) Research Report Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung Positionspapier aus der ARL, No. 95 Provided in Cooperation with: ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft Suggested Citation: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Ed.) (2014) : Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung, Positionspapier aus der ARL, No. 95, Verlag der ARL - Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-00955 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/102794 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/
POSITIONSPAPIER AUS DER ARL 95 Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung AKADEMIE FÜR RAUMFORSCHUNG UND LANDESPLANUNG LEIBNIZ-FORUM FÜR RAUMWISSENSCHAFTEN Hannover 2014
POSITIONSPAPIER AUS DER ARL Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung Hannover 2014 95
Es wurden überwiegend grammatische Formen gewählt, die weibliche und männliche Personen gleichermaßen einschließen. War dies nicht möglich, wurde zwecks besserer Lesbarkeit und aus Gründen der Vereinfachung nur eine geschlechtsspezifische Form verwendet. Geschäftsstelle der ARL: Dr. Andreas Klee ([email protected]) Positionspapier aus der ARL 95 ISSN 1611-9983 Die PDF-Version ist unter shop.arl-net.de frei verfügbar (Open Access). CC-Lizenz BY-NC-ND 3.0 Deutschland Verlag der ARL – Hannover 2014 Akademie für Raumforschung und Landesplanung Satz und Layout: C. Moghaddesi, G. Rojahn, O. Rose Zitierempfehlung: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.) (2014): Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung. Hannover. = Positionspapier aus der ARL 95. URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-00955 Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL®) Leibniz-Forum für Raumwissenschaften Hohenzollernstraße 11, 30161 Hannover Tel. +49 511 34842-0, Fax +49 511 34842-41 [email protected], www.arl-net.de
Das Positionspapier wurde von den Mitgliedern des Organisationsteams der Jahrestagung des Jungen Forums der ARL „Raumentwicklung 3.0 – Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten“, die vom 6. bis 8. Juni 2012 in Hannover stattfand, erarbeitet. Die darin enthaltenen Thesen wurden am 8. November 2012 im Rahmen der Mitgliederversammlung der ARL im „Gespräch der älteren Akademiemitglieder mit dem Präsidium“ zur Diskussion gestellt. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Gesprächs wird an dieser Stelle noch einmal für ihre konstruktiven Anregungen und Hinweise gedankt. Dr. Patrick Küpper, Thünen-Institut, Institut für Ländliche Räume, Braunschweig Dipl.-Ing. Meike Levin-Keitel, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung, Hannover Dipl.-Ing. Friederike Maus, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Freiraumentwicklung, Hannover Dipl.-Ing. Peter Müller, Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, Region Westerwald, Altenkirchen Sara Reimann, M. Sc., Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Referat „Räumliche Planung, raumbezogene Politik“, Hannover Dipl.-Geogr. Martin Sondermann, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung, Hannover Dipl.-Ing. Katja Stock, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Hannover Dipl.-Geogr. Timm Sebastian Wiegand, Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Referat „Räumliche Planung, raumbezogene Politik“, Hannover
Vorwort IV Vorwort Das Präsidium der ARL begrüßt das Positionspapier „Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung“ von Mitgliedern des Jungen Forums außerordentlich. Der Betrachtungsfokus des Positionspapiers liegt u. a. auf einer adäquaten Beteiligung von Stakeholdern und Bürgern – ein Thema, das im Wechselspiel mit den Aufgaben repräsentativ-demokratischer Institutionen und deren Akteuren gesehen werden muss. Die ARL möchte besonders die Rolle und die Kooperation mit entscheidungslegitimierten politischen Gremien würdigen. Ihre Arbeit ist ein wesentlicher Garant für das Funktionieren unserer repräsentativen Demokratie. Eine der wichtigsten Akademie-Aufgaben besteht in der Politikberatung. Auf kommunaler Ebene wird beispielsweise durch transdisziplinäre Forschungsprojekte ein reger Austausch von kommunalpolitisch engagierten Bürgern, lokaler Wirtschaft, kommunalen Politikgremien und der raumwissenschaftlichen Forschung ermöglicht. Auf Bundesebene sind das „parlamentarische Frühstück“ oder die Aktion der Leibniz-Gemeinschaft „Science meets parliament“ interessante Andockpunkte, die den wechselseitigen Transfer von Wissen zwischen politisch-planerischer Praxis und Wissenschaft bereichern. Die ARL versteht sich als aktive Vermittlerin zwischen den Akteuren der räumlichen Entwicklung. Das Präsidium unterstützt deswegen das Junge Forum als eine wichtige Plattform, die es Nachwuchswissenschaftlern und -praktikern ermöglicht, einen Vermittlungsbeitrag zu leisten und diese Aufgabe in die Zukunft zu tragen. Klaus J. Beckmann Präsident der ARL
Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft 1 Patrick Küpper, Meike Levin-Keitel, Friederike Maus, Peter Müller, Sara Reimann, Martin Sondermann, Katja Stock, Timm Wiegand Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft der räumlichen Planung Präambel Die folgenden Thesen wurden im Anschluss an die Jahrestagung 2012 des Jungen Forums der ARL von den Organisatoren der Tagung gemeinsam erarbeitet. Im vorausgegangenen Call for Papers waren die Mitglieder des Jungen Forums aufgerufen worden, sich mit ihren Beiträgen zum Thema „Raumentwicklung 3.0 – Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten“ einzubringen. Aus den Bewerbungen heraus wurden vier Arbeitsgruppen zusammengestellt, deren Struktur auch in diesem Papier aufgegriffen wird. Die Themen der Tagung wurden durch dieses Vorgehen maßgeblich von den Teilnehmern bestimmt. Die folgenden Thesen gewähren somit einen Einblick in die Arbeitsfelder, Beweggründe und Gedanken der Menschen, die das Junge Forum 2012 gestaltet haben. Ziel der Thesen ist es, die Nachwuchsgeneration zur Diskussion untereinander und mit anderen Generationen aufzufordern, sie dazu anzuregen, sich mit ihrem Selbstverständnis auseinanderzusetzen, und Impulse zu einer aktiven Positionierung von Planern sowie Wissenschaftlern, die sich mit räumlicher Planung beschäftigen, zu geben. Am Anfang der beruflichen Laufbahn können die vielen Herausforderungen des komplexen Tätigkeitsfeldes der räumlichen Entwicklung einschüchternd wirken. Austausch und Unterstützung in einem Netzwerk wie dem Jungen Forum der ARL tragen dazu bei, die Herausforderungen selbstbewusst anzugehen und Verantwortung für die Gestaltung von Raum und Region, von Prozessen und Projekten zu übernehmen. Herausforderungen für die räumliche Planung (1) Die Energiewende wird die Raumentwicklung in erheblichem Maße beeinflussen und zu neuen Raumnutzungskonflikten führen, deren Lösung im Sinne der Nachhaltigkeit v. a. auch vom proaktiven planerischen Entscheiden und Handeln abhängt. Die nach der Atomkatastrophe in Japan beschlossene Energiewende stellt die räumliche Planung vor große Herausforderungen. Die im Energiekonzept der Bundesregierung angestrebten Ziele – u. a. soll der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch bis 2050 auf 60 % steigen – sind ambitioniert und der damit verbundene flächenintensive Ausbau der erneuerbaren Energien und des Stromnetzes wird zu neuen Raumnutzungskonflikten führen. Planer im politisch-administrativen Bereich sind daher aufgefordert, zwischen konkurrierenden Raumnutzungsansprüchen zu vermitteln und abzuwägen, um auf der einen Seite Flächen vor unangemessenen Eingriffen zu schützen und auf der anderen Seite geeignete Flächen für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Netze zu sichern. Zudem sollten sie auch aktiv zum Erfolg der Energiewende beitra-
Raumentwicklung 3.0 – Thesen zur Zukunft 2 gen, indem sie bei der Suche nach Standorten für erneuerbare Energien (z. B. Windkraft, Freiflächenphotovoltaik, Biomassenutzung), für konventionelle Ersatzanlagen (z. B. Gasund Kohlekraftwerke) sowie nach Speicherstandorten (z. B. Pumpspeicherkraftwerke) mitwirken. Im Rahmen des Ausbaus des Stromnetzes sollten sie bei der Ermittlung von notwendigen und geeigneten Trassenkorridoren und der späteren Festlegung des exakten Trassenverlaufs aktiv werden. Darüber hinaus sollten sie ihre Expertise in die Entwicklung von Energiekonzepten einbringen, die sich dem Umgang mit Strom, Wärme und Verkehr widmen. (2) Der Klimawandel stellt die Gesellschaft in den nächsten Jahren vor eine große Aufgabe, zu deren Bewältigung die räumliche Planung einen wichtigen Beitrag leisten kann, wenn sie ihren Gestaltungsauftrag aktiver wahrnimmt und sich stärker in Governance-Prozesse einbringt. Der Klimawandel ist ein Fakt. Nach den Prognosen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) findet bis zum Jahr 2100 eine globale Erwärmung von 1,1 ° bis 6,4 °C statt, die unsere Gesellschaft vor enorme Herausforderungen stellt. Im Umgang mit dem Klimawandel sind zwei Handlungsfelder zu berücksichtigen: zum einen der Klimaschutz, um die globale Erwärmung zu begrenzen (Reduzierung der Emission von Treibhausgasen, Sicherung und Entwicklung von natürlichen CO2-Senken), zum anderen aber auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die aufgrund der bereits emittierten Treibhausgase nicht mehr abwendbar sind. Die Anpassung umfasst den Umgang sowohl mit „schleichenden“ Veränderungsprozessen als auch mit Extremereignissen (z. B. Hochwasser, Hitzewellen, Starkregen, Stürme), deren Eintrittswahrscheinlichkeit in Zukunft steigt. Die räumliche Planung kann eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser Aufgaben übernehmen. Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel und der Aktionsplan zu deren Umsetzung betonen beispielsweise die Relevanz der Raumplanung bei der Entwicklung und Implementierung von integrativen, regionalen Strategien. Dies setzt jedoch voraus, dass Planer auf der einen Seite ihren Gestaltungsauftrag aktiver wahrnehmen und sich stärker in Governance-Prozessen einbringen, aber auf der anderen Seite auch die notwendige politische Unterstützung dazu erhalten, um den Auftrag in angemessener Art und Weise wahrnehmen zu können. (3) Der immer dringlicher werdende Schutz der Biodiversität und von Ökosystemdienstleistungen kann nur dann gelingen, wenn die Instrumente der räumlichen Planung noch stärker als bisher genutzt werden. Ohne die biologische Vielfalt ist kein menschliches Leben auf der Erde möglich. Die Reinigung von Luft und Wasser, aber auch die Fruchtbarkeit von Böden ist vom Zusammenwirken von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen abhängig und für den Menschen von existenzieller Bedeutung. Weltweit und auch in Deutschland findet ein dramatischer Rückgang der Biodiversität statt, der v. a. auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Zudem wird das Angebot von Ökosystemdienstleistungen (z. B. die Speicherung von Treibhausgasen, die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, die Bildung von Humus, die Bestäubung von Nutzpflanzen) durch menschliches Handeln erheblich beeinträchtigt. Ökosysteme besitzen zwar eine gewisse Regenerationsfähigkeit, sie sind aber nicht beliebig belastbar. Manche Beeinträchtigungen führen zu irreversiblen Schäden. Um die in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ angestrebten Ziele zum Schutz der Biodiversität zu erreichen, sind in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft noch größere Anstrengungen als bisher vonnöten. Insbesondere die
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