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Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und nach Bologna

Hall, Anja

Abstract

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Hall, Anja Article — Published Version Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und nach Bologna KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Hall, Anja (2022) : Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und nach Bologna, KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 73, Iss. 4, pp. 527-553, https://doi.org/10.1007/s11577-021-00808-1 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/308970 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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November 2020 / Angenommen: 24. November 2021 / Online publiziert: 19. Januar 2022 © Der/die Autor(en) 2022 Zusammenfassung Mit Einführung der kürzeren Bachelorabschlüsse im Zuge des Bologna-Prozesses ist eine neue Konkurrenzsituation zwischen der höheren Berufsbildung und der akademischen Bildung entstanden. Ob sich die Erträge einer beruflichen Höherqualifizierung seit Bologna verändert haben, wird im Beitrag aus einer beruflichen Perspektive heraus untersucht, und zwar (1) im Vergleich zu dual Ausgebildeten ohne berufliche Höherqualifizierung und (2) gegenüber akademischen Abschlüssen (Diplom-FH-Abschlüsse oder Bachelor). Der „Bologna-Effekt“ wird auf Basis der Erwerbstätigenbefragungen (ETB) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) 2006 und 2018 und eines Difference-in-Difference-Ansatzes modelliert. Dabei werden die Abschlusskohorten 2006–2017 (ETB 2018) und 1994–2005 (ETB 2006) jeweils (maximal) 12 Jahre nach Abschluss verglichen. Die Analysen zeigen unterschiedliche Entwicklungen in den untersuchten Berufsfeldern. Während für die Gesamtgruppe der beruflich Höherqualifizierten und für die Subgruppe der technischen Fortbildungen keine Veränderungen über die Kohorten festzustellen sind, erzielen beruflich Höherqualifizierte in kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftlichen Fortbildungsberufen nach Bologna eine geringere Lohnprämie im Vergleich zu dual Ausgebildeten als vor Bologna. Die Wahrscheinlichkeit, eine hochqualifizierte Tätigkeit auszuüben, ist jedoch für beide Berufsfelder unverändert hoch. Die Analysen liefern damit insgesamt keine Belege für eine Verdrängung oder Entwertung höherer Berufsbildungsabschlüsse. Im Gegenteil, der Abstand zu formal gleichwertigen akademischen Abschlüssen ist heute geringer als vor der Bologna-Reform. Online-Anhang: www.kzfss.uni-koeln.de/sites/kzfss/pdf/Hall.pdf A. Hall () Arbeitsbereich 1.2 – Qualifikation, berufliche Integration und Erwerbstätigkeit, Bundesinstitut für Berufsbildung Robert-Schuman-Platz 3, 53175 Bonn, Deutschland E-Mail: [email protected] K 528 A. Hall Schlüsselwörter Höhere Berufsbildung · Bachelorabschlüsse · Bologna-Prozess · Einkommen · Verdrängung Everything Remains the Same? Returns to Higher Vocational and Academic Qualifications Before and After Bologna Abstract The introduction of the two-cycle structure of academic education as part of the Bologna Process has created a new competitive situation between higher vocational training and academic education. Taking an occupational perspective, this article analyses whether the returns to higher vocational education and training have changed with the Bologna Process, both (1) in comparison to basic dual-vocational training and (2) in comparison to academic degrees (applied university degrees and bachelor’s degrees). The analyses of the “Bologna effect” based on data from the 2006 and 2018 Employment Surveys of the German Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB) and the Federal Institute for Occupational Safety and Health (BAuA) use a difference-in-difference approach by comparing two cohorts, the 2006–2017 (ETB 2018) cohort and the 1994–2005 (ETB 2006) cohort. The analyses consider workers a maximal period of 12 years after completion of their respective degrees. The results point to different developments depending on the occupational field associated with an acquired degree. Whereas no changes across the cohorts can be observed for the overall group of workers with higher vocational training degrees or for the subgroup of those with technical higher vocational training, workers with higher vocational degrees in commercial and economic fields are achieving lower wage premiums after the Bologna process compared to workers with basic vocational training in that field. Moreover, the probability of working in a highly qualified occupation remains high for both occupational fields. Thus, the analyses do not provide any evidence of displacement or devaluation of higher vocational training degrees. On the contrary, the distance to formally equivalent academic degrees is shorter today than before the Bologna reform. Keywords Higher vocational qualifications · Bachelor degrees · Bologna process · Wages · Displacement 1 Einleitung Die höhere Berufsbildung ermöglicht in Deutschland einen Weg in gehobene Fachund Führungspositionen. Während die Verwertungschancen akademischer Abschlüsse vielfach untersucht wurden, waren höherqualifizierende berufliche Abschlüsse, wie beispielsweise Meister1, Techniker, Betriebsoder Fachwirt, weitaus seltener im Fokus der Forschung. Dies hat sich mit der Hochschulreform und der Debatte um die Akademisierung der Arbeitswelt geändert. Denn mit Einführung der gestuften Abschlüsse Bachelor und Master im Zuge des Bologna-Prozesses ist eine neue 1Im weiteren Text wird überwiegend das generische Maskulinum verwendet, es sind ausdrücklich immer sowohl weibliche als auch männliche Personen gemeint. K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 529 Konkurrenzsituation entstanden, die durch eine Marginalisierung der höheren Berufsbildung zu verändernden Verwertungschancen dieser Abschlüsse führen könnte (Rauner 2012; Severing und Teichler 2013). Als Ursachen werden sowohl die Zunahme der Hochschulabsolventenquote an sich2als auch die veränderte Struktur der Hochschullandschaft aufgrund der zunehmenden Konvergenz von beruflichen und akademischen Bildungsgängen gesehen. Denn die im Vergleich zu traditionellen Fachhochschulabschlüssen kürzeren und auf Beschäftigungsfähigkeit hin abzielenden Bachelorabschlüsse sind den höheren Berufsbildungsabschlüssen im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) formal gleichgestellt (DQR-Stufe 6). Vor dem Hintergrund der quantitativen und qualitativen Veränderungen im Hochschulsystem wurde in der Berufsbildungsforschung daher die These formuliert, dass Personen mit akademischer Qualifizierung in Konkurrenz zu Personen mit beruflicher Höherqualifizierung treten und diese von den für sie adäquaten Positionen verdrängen könnten (Drexel 2012; Krone 2013; Kuda et al. 2012). Damit stellt sich auch die Frage, ob sich die individuellen Erträge höherer Berufsbildungsabschlüsse verändert haben, seitdem die Absolventen mit Bachelorabschluss in den Arbeitsmarkt eingetreten sind. Die Mehrzahl der Studien, die die Verdrängungsthese bisher untersucht haben, basiert auf der Analyse der Rekrutierungspraktiken von Betrieben. Im Ergebnis zeigte sich, dass die beiden Abschlüsse eher als komplementäre Qualifikationen zu sehen sind (Bott und Wünsche 2014; Dietzen et al. 2013) und die Betriebe keine signifikante Präferenz für Bewerber mit Bachelorabschluss haben, auch wenn die Abschlüsse im betrieblichen Aufstieg in Konkurrenz zueinanderstehen (Maier et al. 2020; Maier und Steeg 2019). Jedoch werden die Konkurrenzsituationen zwischen den Absolventen einer Aufstiegsfortbildung und akademisch Qualifizierten je nach Branche oder Beruf sehr unterschiedlich beschrieben, zum Teil auch mit widersprüchlichen Ergebnissen (Euler und Severing 2017; Flake et al. 2016a; Krone und Mill 2014; Mottweiler 2018;Werneretal.2008). Bisherige Studien, die die individuellen Arbeitsmarkterträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse im Vergleich untersucht haben, beschränkten sich auf die neuen Bachelorabschlüsse (Christoph et al. 2017; Neugebauer und Weiss 2018; Spangenberg und Quast 2016) oder bezogen sich auf die Gesamtgruppe der Akademiker (Backes-Gellner und Geel 2014; Flake et al. 2016a; Friedrich und Horn 2018). Die Frage, ob sich die Erträge einer höheren Berufsbildung im Vergleich zu einer Berufsausbildung nach Bologna verschlechtert haben, wurde bisher nur in der Analyse von Hall (2016) untersucht. Diese Studie, die für die Abschlusskohorte 2006–2011 keine sinkenden Bildungserträge aufzeigen konnte, deckt allerdings nicht die Zeit bis Ende der 2010er-Jahre ab und betrachtet lediglich die Gesamtgruppe der beruflich Höherqualifizierten, ohne nach dem Berufsfeld der Fortbildung zu differenzieren. Konkurrenzsituationen zwischen Personen mit höherer beruflicher und 2Die Zahl der Studienanfänger übertraf 2013 erstmals die der Anfänger im dualen System der Berufsausbildung (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014, S. 105). 2017 verfügten 29% der 30bis 34Jährigen über einen Hochschulabschluss, während der Anteil unter den 60bis 64-Jährigen bei 19% lag (Statistisches Bundesamt 2018). Die Studienanfängerquote hat sich von 33% im Jahr 2000 auf 57% im Jahr 2018 erhöht, wobei die Quote seit 2011 bei über 50% liegt. K 530 A. Hall akademischer Bildung sollten jedoch in erster Linie in jenen Bereichen entstehen, wo die beiden unterschiedlichen Abschlussarten in vergleichbare Tätigkeiten führen, wie im technischen und kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich (z.B. Betriebswirte) und weniger im Bereich des Handwerks oder im Bereich der Meisterfortbildungen. Ergebnisse aus der berufsbezogenen Forschung deuten an, dass eine beruflich differenzierte Analyse der Verwertungschancen der höheren Berufsbildung neue Erkenntnisse bringen könnte. Studien zu den Einkommensunterschieden zwischen beruflichen und akademischen Abschlüssen verweisen nämlich nicht nur auf Unterschiede zwischen technischen und kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Berufen (Flake et al. 2016a; Neugebauer und Weiss 2018; Pfister et al. 2017;Werneretal. 2008), sondern insbesondere auch auf unterschiedliche Folgen der Bildungsexpansion für die beruflichen Erträge in spezifischen, technischen und allgemeinen Berufsfeldern (Alda et al. 2020; Ortiz und Rodriguez-Menés 2016). Bisher ist jedoch noch nicht untersucht worden, ob es im Zuge der Bologna-Reform zu veränderten beruflichen Verwertungschancen in bestimmten Berufsfeldern der höheren Berufsbildung gekommen ist. Der vorliegende Beitrag zielt nun darauf, diese Forschungslücke zu schließen und untersucht getrennt für technische und kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftliche Fortbildungsabschlüsse, ob sich die monetären und nichtmonetären Erträge seit Bologna verändert haben, und zwar (1) im Vergleich zu dual Ausgebildeten ohne berufliche Höherqualifizierung und (2) gegenüber akademischen Abschlüssen (Bacheloroder Diplom-FH-Abschlüsse). Beide Vergleiche sind von bildungspolitischer Relevanz. Sinken die Chancen für einen Aufstieg durch eine berufliche Höherqualifizierung, z.B. wenn gehobene Fachoder Führungspositionen zunehmend von Akademikern besetzt werden, dann ginge dies mit einem hohen Attraktivitätsverlust für das duale System einher. Ebenso kann ein zunehmender Abstand in den Bildungserträgen im Vergleich zu formal gleichwertigen akademischen Abschlüssen die Attraktivität der Berufsbildung beeinflussen. Die Frage nach den Verwertungschancen einer höheren Berufsbildung umfassend zu klären, leistet somit auch einen Beitrag zur Debatte um die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. Die Analysen basieren auf den BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2018 und 2006 (kurz ETB), die aufgrund der Klassifizierung der erlernten Berufe nach der KldB 2010 eine berufliche Differenzierung der Abschlüsse erlauben.3Der „BolognaEffekt“ (im Sinne einer quantitativen und qualitativen Veränderung akademischer Abschlüsse) wird im Rahmen eines Difference-in-Difference-Ansatzes modelliert und auf Basis von Regressionsanalysen mit Interaktionstermen geschätzt. Verglichen werden die Kohorten 2006–2017 (ETB 2018) und 1994–2005 (ETB 2006) jeweils (maximal) 12 Jahre nach Abschluss. Um berufliche Verwertungschancen abzubilden, 3Nur wenige große Datensätze erlauben eine Differenzierung nach der Fachrichtung des erlernten Berufs. In den prozessproduzierten Daten der Bundesagentur für Arbeit liegt dieses Merkmal nur für berufliche Ausbildungen vor, die mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in einem Betrieb verbunden sind, nicht jedoch für akademische Qualifizierungen. In den Mikrozensuserhebungen wird zwar ab 2005 die Fachrichtung auch für beruflich Qualifizierte erhoben, allerdings nach einem Erfassungsschema (Hauptfachrichtungen), das speziell für Akademiker entwickelt wurde. K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 531 werden Veränderungen in den Lohnprämien und in den Wahrscheinlichkeiten für eine hoch qualifizierte und damit ausbildungsadäquate Tätigkeit untersucht. Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: In Abschn. 2 werden zunächst institutionelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse aufgezeigt. Abschnitt 3 stellt empirische Befunde und theoretische Ansätze vor, aus denen prüfbare Hypothesen abgeleitet werden. In Abschn. 4 werden die Datenbasis, die Variablen und die Methoden als Grundlage für die empirischen Analysen in Abschn. 5 beschrieben. Abschnitt 6 schließt mit einer Zusammenfassung und einem Fazit. 2 Zur Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung Die zum tertiären Bildungsbereich zählende höher qualifizierende oder höhere Berufsbildung4(die sogenannte Aufstiegsfortbildung) wird in der Regel nach einer dualen Berufsausbildung und/oder mehrjähriger Berufstätigkeit abgelegt. Das Verfahren zur Entwicklung einer Fortbildungsordnung wird dabei von Arbeitgebern und Gewerkschaften initiiert und orientiert sich am Bedarf der Wirtschaft (BIBB 2017). Fortbildungen nach Berufsbildungsgesetz/Handwerksordnung (BBiG/HwO) (hierzu zählen auch Meisterprüfungen) sind bundeseinheitlich (§ 53 BBiG bzw. § 42 HwO) oder durch die Kammern (§ 54 BBiG bzw. § 42a HwO) geregelt. Rund jeder zweite BBiG/HwO-Abschluss qualifizierte 2018 für einen kaufmännischen Fortbildungsberuf und rund 40% waren Meisterprüfungen (darunter rund die Hälfte Handwerksmeister). Daneben gibt es auch landesrechtlich geregelte Fortbildungen (z.B. staatlich geprüfter Techniker), die in Fachschulen angeboten werden (Friedrich 2019). Die Mehrzahl der Absolventen einer Aufstiegsfortbildung qualifizieren sich somit für einen kaufmännischen oder technischen Beruf. Auf der akademischen Ebene waren vor Bologna eher anwendungsbezogene Ausbildungen an Fachhochschulen von eher wissenschaftsbezogenen Ausbildungen an Universitäten zu unterscheiden, wobei Fachhochschulen geringere Zulassungsvoraussetzungen (Fachhochschulreife) aufwiesen als Universitäten. Im Zuge des Bologna-Prozesses (1999) wurden gestufte Bachelorund Masterstudiengänge eingeführt, die jeweils an Fachhochschulen und Universitäten angeboten werden. Der Bachelorabschluss als berufsqualifizierender Regelabschluss kann bereits nach einer Regelstudienzeit von drei Jahren erworben werden und zielt stärker auf Beschäftigungsfähigkeit am Arbeitsmarkt hin ab. Der darauf aufbauende Master (Regelstudienzeit 1–2 Jahre) soll der wissenschaftlichen Weiterqualifikation dienen.5 Hinsichtlich der Wertigkeit der neuen Bachelorund Masterabschlüsse und der tradi4In diesem Beitrag wird von höherer Berufsbildung gesprochen, da der mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) zum 1. Januar 2020 eingeführte Begriff „höher qualifizierende Berufsbildung“ die landesrechtlich geregelten Abschlüsse an Fachschulen, wie beispielsweise staatlich geprüfter Techniker, nicht abdeckt. 5Die Mehrzahl der Bachelorabsolventen qualifiziert sich weiter; rund 64% des Jahrgangs 2013 hatten ein Jahr nach dem Abschluss ein Masterstudium aufgenommen (Fabian et al. 2016, S. 14). In der Hochschulstatistik werden diese Absolventen zweimal gezählt, sodass aus der hohen Zahl an Bachelorabsolventen nicht unmittelbar eine zunehmende Konkurrenz auf DQR 6-Niveau abgeleitet werden kann. K 532 A. Hall ISCED 2011 7Master Dipl. (Uni.)* Master 6Höhere Berufsbildung Dipl.(FH)* Bachelor Bachelor Fach-, Meisterschule, Kammer Fachhochschule Universität ÇÇÇ 3-4 Berufsqualifizierender Abschluss ÅHochschulreife ((Fach-)Abitur)) Ç 1-2 Milerer Abschluss/ Hauptschulabschluss/ ohne Schulabschluss Abb. 1 Vereinfachte Darstellung des tertiären Bildungssystems vor und nach Bologna. * und vergleichbare Abschlüsse, grau hinterlegt Abschlüsse auf ISCED-Niveau 6 (zur vollständigen Zuordnung nationaler Bildungsabschlüsse zur ISCED 2011siehe Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2019, S. 122f.) tionellen Abschlüsse Diplom/Magister gilt nach Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK 2010, S. 8): (1) „Bachelorabschlüsse verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen“ und (2) „Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen wie Diplomund Magisterabschlüsse an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen“. In der internationalen Bildungsklassifikation ISCED 2011 sind die Abschlüsse der höheren Berufsbildung mehrheitlich auf ISCED-Niveau 6 eingeordnet (ISCED 65), vergleichbar zu den Bachelorund traditionellen Diplomfachhochschulabschlüssen, die gleichwertig auf der ISCED-Stufe 64 eingeordnet werden.6Auch im Ansehen der Abschlüsse zeigen sich zwischen Fortbildungsabschlüssen, Bachelorabschlüssen und traditionellen Fachhochschulabschlüssen keine signifikanten Unterschiede (Krüger et al. 2020). Eine unterschiedliche Wertigkeit der neuen und alten akademischen Abschlüsse ist hingegen aus der Zuordnung in der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) abzuleiten. Dort werden höhere Berufsbildungsabschlüsse zusammen mit Bachelorabschlüssen auf Stufe 3 „komplexe Spezialistentätigkeiten“ eingeordnet, mindestens 4-jährige Hochschulabschlüsse (auch FH-Abschlüsse) hingegen auf Niveau 4 „hochkomplexe Tätigkeiten“ (vgl. Paulus et al. 2011). Abbildung 1 stellt die verschiedenen Abschlüsse des Tertiärsystems und deren Einordnung in die ISCED 2011 schematisch dar. 3 Theoretische Mechanismen und empirische Befunde 3.1 Erträge höherer Berufsbildung vor und nach Bologna Nach der Humankapitaltheorie (Becker 1975) steigt mit der Höhe des Humankapitals die Produktivität von Arbeitskräften und damit das Einkommen. In den meisten Studien werden Bildungsrenditen im Bereich zwischen 7 und 10% pro Bildungsjahr ermittelt (Anger et al. 2010; Anger und Geis 2017, S. 47). Ob das Einkommen mit zunehmender Bildung steigt, weil damit die Produktivität einer Person steigt, 6Auf Basis des Mikrozensus 2015 sind rund 90% der Meister-, Technikeroder gleichwertigen Fachschulabschlüsse auf dem ISCED-Niveau 65 und rund 10% auf Niveau 55 eingeordnet (eigene Berechnungen). K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 533 oder ob Bildung nur ein Signal für das Fähigkeitsniveau einer Person ist, wurde vonDillundHammen(2011) untersucht. Sie zeigten, dass in Bezug auf tertiäre Bildungsabschlüsse eher Signaleffekte dominieren. Dem Signaling-Ansatz (Spence 1973) zufolge sind Arbeitgeber bei der Rekrutierung von Arbeitskräften mit Unsicherheit über deren wahre Produktivität und Leistungsbereitschaft konfrontiert. Sie verwenden daher bei der Rekrutierung leicht beobachtbare und zuverlässige Indikatoren wie den Bildungsabschluss (Spence 1973, S. 356). Berufliche und akademische Abschlüsse könnten der Theorie zufolge auch bei gleicher Bildungsdauer mit einem unterschiedlichen Signalwert verbunden sein. Auch im Job-CompetitionModell (Thurow 1975) spielt Bildung eine wichtige Rolle, insofern Arbeitgeber Bewerber nach ihren zu erwartenden Einarbeitungskosten und der zukünftigen Produktivität in eine Rangfolge einsortieren. Je besser qualifiziert eine Person ist, desto geringer sind ihre Einarbeitungskosten und desto weiter vorn in der Arbeitskräfteschlange ist ihre Position (Spence 1973, S. 75f.). Bildung hat der Theorie zufolge auf dem Arbeitsmarkt keinen absoluten, sondern als positionales Gut einen relativen Wert (Hirsch 1977). Die Position in der Arbeitskräfteschlange hängt daher davon ab, welche Abschlüsse die Mitbewerber aufweisen. Die auf der Humankapitaltheorie, der Signaling-Theorie und dem Job-Competition-Modell basierende Verdrängungsthese (Solga 2005, S. 102ff.; Schiener 2006, S. 27ff.; Blossfeld 1983) besagt nun, dass durch ein die Nachfrage übersteigendes Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften ein Verdrängungswettbewerb von oben nach unten in Gang gesetzt wird, bei dem es auch zu einer verstärkten Selektion seitens der Betriebe kommen kann. Zum einen könnten Bachelorabsolventen die typischerweise von Fortbildungsabsolventinnen ausgeübten Positionen einnehmen und diese von ihren angestammten Arbeitsplätzen auf niedrigere und geringer bezahlte Positionen verdrängen. Zum anderen könnten sich durch das höhere Akademikerangebot auch vormals mögliche Karrierewege von beruflich Qualifizierten nach oben verringern (vgl. Solga 2005, S. 103). Drexel (2012) beschreibt das Szenario, dass Betriebe ihre Rekrutierungspolitik an das erhöhte Akademikerangebot anpassen, indem sie höherwertige, wissensbasierte Aufgaben zu Positionen für Akademiker neu bündeln und quasi auf sie zuschneiden. Die verbleibenden Aufgaben würden dann zu einfacheren mittleren Positionen neu zusammengefasst werden oder auf der Facharbeiterebene angesiedelt sein, mit der Folge, dass Positionen für Personen mit Aufstiegsfortbildung verloren gehen (Drexel 2012, S. 38). Eine Entwertung höherer beruflicher Bildungsabschlüsse könnte die Folge sein. Hypothese 1a lautet daher: H1a Für Erwerbstätige mit höherer Berufsbildung hat sich die Lohnprämie und die Wahrscheinlichkeit für eine hoch qualifizierte Tätigkeit nach der BolognaReform verringert (Verdrängungshypothese). Ob ein solcher Verdrängungswettbewerb zuungunsten beruflich Qualifizierter tatsächlich in Gang gesetzt wird, hängt entscheidend davon ab, in welchem Maße höhere Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden oder inwieweit der Arbeitsmarkt das höhere Angebot an Hochqualifizierten aufnimmt. Eine zunehmende Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften aufgrund technologisch bedingter Veränderungen kann aus dem Skill-biased-technological-change(SBTC)- K 534 A. Hall Ansatz (Acemoglu 2002; Antonczyk et al. 2011) und dem „Task-Based-Approach“ (Autor et al. 2003; Acemoglu und Autor 2011) abgeleitet werden. Ein erhöhtes Angebot an Hochqualifizierten kann zudem eine erhöhte Nachfrage induzieren, sodass sich die Beschäftigungsstruktur am Arbeitsmarkt nachträglich anpasst (Stock 2017; Gangl 2002; Thomä 2019). Empirisch zeigt sich im Zeitverlauf eine klare Aufwertung der Berufsstruktur in Deutschland. Tätigkeiten, für die in der Regel ein Hochschulabschluss erforderlich ist, sowie anspruchsvolle kognitive Nichtroutinetätigkeiten haben im Zeitverlauf stark an Bedeutung gewonnen (Brenke 2019; Rohrbach-Schmidt und Tiemann 2016; Oesch 2015).7In der Entwicklung bis 2010 zeigten sich für Akademiker in Deutschland auch keine sinkenden Lohnprämien (Alda et al. 2020; Gebel und Pfeiffer 2010; Klös und Plünnecke 2013), für junge Erwerbstätige waren sie sogar steigend (Reinhold und Thomsen 2017). Eine Entwertung höherer beruflicher Bildungsabschlüsse ist aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften daher nicht zu erwarten. Somit lautet Hypothese 1b: H1b Für Erwerbstätige mit höherer Berufsbildung haben sich die Lohnprämie und die Wahrscheinlichkeit für eine hoch qualifizierte Tätigkeit nach der BolognaReform nicht verringert (Absorptionshypothese). 3.2 Berufsfeldspezifische Effekte Bisherige Studien zeigen, dass das Prinzip der Arbeitskräfteschlange nicht in allen Ländern und Arbeitsmarktsegmenten gleichermaßen anwendbar ist (Haupt 2012; van de Werfhorst 2011). Bildung wirkt als positionales Gut eher in schwach entwickelten beruflichen Bildungssystemen. In Deutschland hingegen sind das Bildungsund Beschäftigungssystem eng miteinander verknüpft (Blossfeld und Mayer 1988; Konietzka 1999) und Arbeitgeber orientieren sich an spezifischen Fähigkeiten oder formalen Bildungsabschlüssen (Di Stasio et al. 2016). Auf solchen berufsfachlichen Arbeitsmärkten werden bestimmte Qualifikationsnachweise vorausgesetzt, die gleichzeitig als Mechanismus der Schließung gegenüber Arbeitskräften ohne entsprechend zertifizierte Qualifikationen dienen (Sengenberger 1987; Bol und Weeden 2015). Die Frage der Einarbeitungsfähigkeit und der damit verbundenen Kosten stellt sich nach Haupt (2012, S. 732f.) auf berufsfachlichen Arbeitsmärkten erst gar nicht, da für den Arbeitgeber mit dem standardisierten beruflichen Qualifikationsprofil alle notwendigen Informationen sichtbar sind. Die Bedeutung von Bildungsabschlüssen als Schließungsmechanismus steigt aber auch innerhalb von Ländern mit der Stärke der Verknüpfung von beruflichen Abschlüssen und beruflichen Positionen (Alda et al. 2020; DiPrete et al. 2017; Forster und Bol 2018; Haupt 2012). Die insti7In den letzten Jahren stieg die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte mit Fortbildungsoder vergleichbarem Abschluss, gleichzeitig nahm die Stellenengpassquote zu (Flake und Zibrowius 2017). Die Fachkräftesicherung im Bereich der höheren Berufsbildung ist mittlerweile ein großes Problem, rund jeder dritte Beruf im Bereich der Aufstiegsfortbildung war 2016 von Engpässen betroffen (Bußmann und Seyda 2016). Eine Analyse auf Basis des IW-Personalpanels 2015 zeigte auch, dass es deutlich mehr Unternehmen gibt, die Tätigkeiten für beruflich Höherqualifizierte vorbehalten, als Unternehmen, die Tätigkeiten ausschließlich für Akademiker anbieten (Flake und Zibrowius 2017; Flake et al. 2016b). K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 541 Tab. 2 Beispielhafte Aus-/Fortbildungen bzw. Studiengänge in den Berufsfeldern Qualifikation Technische Berufe Kaufmännische Berufe (Wiwi) Duale Berufsausbildung Kraftfahrzeugmechaniker Elektroniker etc. Industrie-, Bank-, Bürokaufmann etc. Höhere Berufsbildung Maschinenbautechniker Elektrotechniker etc. Staatlich geprüfter Betriebs-, Fachwirt etc. Bachelor-, Diplom-FH Ingenieur für Maschinenbau, Elektrotechnik etc. Betriebswirt (Bachelor, Dipl.-FH) etc. sionen mit dem logarithmierten, inflationsbereinigten Bruttomonatslohn als abhängiger Variable unter Kontrolle von sieben Arbeitszeitdummies geschätzt.20 Den Einkommensanalysen liegen erweiterte Mincer-Gleichungen (Bildung, Berufserfahrung (BE), BE2) zugrunde, allerdings mit einer Variablen für die Qualifikation anstatt der Bildungsjahre; in der Literatur wird dann meist von einer Lohnprämie gesprochen (Anger et al. 2010, S. 7). Zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit, eine hoch qualifizierte Tätigkeit auszuüben, wurden logistische Regressionsmodelle geschätzt.21 Die Referenzgruppe sind jeweils Personen mit dualer Berufsausbildung ohne berufliche Höherqualifizierung. In den Modellen kann der Interaktionseffekt zwischen dem Bildungsabschluss und der Abschlusskohorte als Treatment-Effekt der Bologna-Reform auf die Verwertungschancen beruflich Höherqualifizierter interpretiert werden. Der Effekt beschreibt somit die Differenz in den Bildungserträgen vor und nach der Bologna-Reform und zeigt an, inwiefern die Entwicklung der Verwertungschancen bei Personen mit höherer Berufsbildung von der Entwicklung bei Personen mit Berufsausbildung abweicht. Der Haupteffekt für die Variable Abschlusskohorte beschreibt die zeitliche Veränderung für alle Bildungsgruppen. Um die Abhängigkeit der Beobachtungen innerhalb von Berufen zu berücksichtigen, wurden alle Modelle mit geclusterten Standardfehlern für die Berufsgruppen der Ausbildung (KldB20103steller) geschätzt. Zur Prüfung der berufsbezogenen Hypothesen wurden die Analysen auch berufsbezogen für technische und kaufmännisch/wirtschaftswissenschaftliche Fachrichtungen durchgeführt. Beispielhafte Bildungsabschlüsse in den beiden Berufsfeldern sind Tab. 2zu entnehmen. 20 Ein Vorteil dieser Transformation ist, dass die Regressionskoeffizienten als prozentuale Veränderung bei Veränderung der unabhängigen Variablen um eine Einheit interpretiert werden können. Im Falle einer Dummyvariablen ist dies insbesondere für größere Koeffizienten nur eine approximative Annäherung. Eine genauere Umrechnung kann erfolgen durch .eb1/100: 21 Ausgewiesen werden auch die Mittelwerte der marginalen Effekte über alle Beobachtungen hinweg (Average Marginal Effect [AME]) bzw. die vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten. Der AME gibt hier an, um wie viele Prozentpunkte sich die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für eine hoch qualifizierte Tätigkeit in einer Gruppe von der Wahrscheinlichkeit in der jeweiligen Referenzgruppe unterscheidet. Die Regressionskoeffizienten in logistischen Regressionsmodellen werden von unkorrelierter unbeobachteter Heterogenität berührt und sind für Modellvergleiche nicht geeignet (Best und Wolf 2010, S. 838; Mood 2010, S. 78). K 542 A. Hall 5 Empirische Analysen Tabelle 3zeigt die Ergebnisse der logistischen Regressionen auf eine hohe berufliche Positionierung. Zur Prüfung der Hypothesen interessieren hier nicht in erster Linie die Niveauunterschiede zwischen den Bildungsgruppen, sondern die Veränderungen dieser Relationen über die Abschlusskohorten. Gilt die Verdrängungshypothese (H1a), dann sollte der entsprechende Interaktionseffekt (DiD-Schätzer) für Absolventen einer höheren Berufsbildung negativ sein, was gleichbedeutend wäre mit schlechter werdenden Chancen. Für Erwerbstätige mit höherer Berufsbildung (M1) ist jedoch keine statistisch signifikante Verschlechterung in der beruflichen Positionierung zu erkennen, weshalb die Absorptionshypothese (H1b) für die Gesamtgruppe der beruflich Höherqualifizierten vorläufige Bestätigung findet. Dies bestätigt sich auch in den nach Berufsfeldern differenzierten Analysen (M2 und M3). Hypothese 2a, nach der für technische Berufe keine Veränderung erwartet wurde, bestätigt sich somit ebenfalls vorläufig. Hypothese 2b, nach der sich die beruflichen Positionierungschancen einer höheren Berufsbildung in kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftlichen Berufen verschlechtert haben sollten, muss hingegen abgelehnt werden. Im Vergleich zu dual Ausgebildeten haben akademisch Qualifizierte der Abschlusskohorte 2006–2017 (mehrheitlich Bachelor) eine geringere Chance auf eine hoch qualifizierte Tätigkeit als jene der Kohorte 1994–2005 (FH-Dipl. u.a.). Die entsprechenden Interaktionseffekte sind durchweg negativ und statistisch signifikant Tab. 3 Logistische Regressionen zu einer hoch qualifizierten Tätigkeit nach Bildungsabschluss und Abschlusskohorte. (Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 (vgl. Hall und Tiemann 2020), 2018 (vgl.Halletal.2020) (gepoolte Daten)) M1 Gesamt M2 Technische Berufe M3 Kaufmännische Berufe (Wiwi) b AME b AME b AME Abschluss (Ref.: Duale Ausbildung) Höhere Berufsbildung 2,876** 0,379** 2,746** 0,410** 2,449** 0,303** Bachelor, Diplom-FH 4,055** 0,611** 4,069** 0,639** 3,677** 0,537** Kohorte 2006–2017 (Ref.: 1994–2005) 0,307+ –0,006 0,561* 0,011 0,334 –0,011 Interaktion Abschluss*Kohorte Höhere Berufsbildung * 2006–2017 –0,299 –0,448 –0,309 Bachelor, Diplom-FH * 2006–2017 –0,653** –1,075** –0,816* N5829 2084 1537 McFadden R20,384 0,386 0,304 Logistische Regressionen mit robusten, nach Berufen geclusterten Standardfehlern unter Kontrolle von Alter, Geschlecht, Abitur, Mehrfachausbildung, Arbeitsort (West/Ost), Selbstständigkeit, Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit (in Jahren); M 1 zusätzlich unter Kontrolle des Berufsfeldes des erlernten Berufs; Kohorte 1994–2005 (ETB 2006), Kohorte 2006–2017 (ETB 2018) +p< 0,10, *p< 0,05, **p<0,01 Siehe auch Tab. A3 im Online-Anhang für die vollen Modelle (inkl. Standardfehler) K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 543 P (hoch qualifizierte Tätigkeit)P (hoch qualifizierte Tätigkeit) P (hoch qualifizierte Tätigkeit) a bc Abb. 2 Vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten einer hoch qualifizierten Tätigkeit nach Bildungsabschluss und Abschlusskohorte. aM1: Gesamt, bM2: Technische Berufe, cM3: Kaufmännische Berufe (Wiwi). Anm.: Vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten einer hoch qualifizierten Tätigkeit auf Basis von Tab. 3.(Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 (vgl. Hall und Tiemann 2020), 2018 (vgl. Hall et al. 2020) (gepoolte Daten)) (M1–M3). Die anschaulich zu interpretierenden Marginaleffekte sind im Falle von Interaktionen in logistischen Regressionsmodellen nicht direkt abzulesen (vgl. Mitchell 2012), daher werden nachfolgend die vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten visualisiert dargestellt (vgl. Abb. 2). Die Wahrscheinlichkeit, eine hoch qualifizierte Tätigkeit auszuüben und damit positionsadäquat beschäftigt zu sein, liegt für beruflich Höherqualifizierte in der Abschlusskohorte 2006–2017 mit einem Anteil von 43% (M1) vergleichbar hoch zur Kohorte 1994–2005 (43%). Nach dem Berufsfeld des Abschlusses differenziert zeigensichinAbb.2ebenfalls keine statistisch signifikanten Verringerungen über die Abschlusskohorten, weder für technische (M2) noch für kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftliche Fortbildungsberufe (M3). Akademiker der Kohorte 2006–2017 (M1) üben allerdings signifikant seltener eine hoch qualifizierte Tätigkeit aus als Akademiker der Kohorte 1994–2005 (= –0,075; p< 0,05). Für die Absolventen technischer Berufe (M2) zeigt sich nach der Bologna-Reform dabei ebenso ein Rückgang (minus 10 Prozentpunkte; = –0,099; p< 0,05) wie für Akademiker mit kaufmännisch-betriebswirtschaftlichem Abschluss (M3, minus 11 Prozentpunkte; = –0,110; p< 0,01). Hypothese 3a, nach der sich die Positionen von Erwerbstätigen mit höherer Berufsbildung nach der Bologna-Reform in geringerem Maße von formal gleichwertigen akademischen Abschlüssen unterscheiden sollten als vor Bologna, bestätigt sich, wenngleich nur für technische Abschlüsse ein statistisch signifikanter Rückgang zu verzeichnen ist. K 544 A. Hall Die bisherigen Analysen zu den nichtmonetären Bildungserträgen deuten nicht auf sinkende Erträge eines höheren Berufsbildungsabschlusses nach Bologna hin. Die berufliche Positionierung anhand des Anforderungsniveaus ist jedoch ein relativ grobes Maß zur Messung beruflicher Verwertungschancen. Verlorengegangene Aufstiegschancen, wenn beispielsweise beruflich Höherqualifizierte seltener auf Positionen arbeiten, die anspruchsvoller sind als jene Tätigkeiten, die üblicherweise einen Fortbildungsabschluss voraussetzen, können damit nicht angemessen abgebildet werden. Dies könnte aber in den monetären Bildungserträgen zum Ausdruck kommen. Die Ergebnisse der Regressionsmodelle auf das logarithmierte BruttoeinkommensindinTab.4dargestellt.22 Der interessierende Interaktionseffekt „Höhere Berufsbildung *2006–2017“ (M1) ist zwar negativ (–0,037), jedoch statistisch nichtsignifikant, das heißt die Lohnprämie, der relative Einkommensvorteil gegenüber dual Ausgebildeten, ist im Vergleich zur Kohorte vor Bologna als unverändert hoch anzusehen. Im Hinblick auf das Einkommen kann die Verdrängungshypothese (H1a) für das Gesamtmodell somit ebenfalls abgelehnt werden, was die Absorptionshypothese (H1b) wiederum vorläufig bestätigt. Tab. 4 Lineare Regressionen des logarithmierten Bruttomonatseinkommens auf den Bildungsabschluss. (Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 (vgl. Hall und Tiemann 2020), 2018 (vgl. Hall et al. 2020) (gepoolte Daten)) M1 Gesamt M2 Technische Berufe M3 Kaufmännische Berufe (Wiwi) Abschluss (Ref.: Duale Ausbildung) Höhere Berufsbildung 0,147** 0,153** 0,215** Bachelor, Diplom-FH 0,294** 0,385** 0,331** Kohorte 2006–2017 (Ref.: 1994–2005) 0,099** 0,105** 0,108* Interaktion Abschluss*Kohorte Höhere Berufsbildung * 2006–2017 –0,037 –0,031 –0,116** Bachelor, Diplom-FH * 2006–2017 –0,101** –0,158** –0,091+ N5829 2084 1537 R20,611 0,532 0,709 Lineare Regressionen mit robusten, nach Berufen geclusterten Standardfehlern unter Kontrolle von Alter, Geschlecht, Abitur, Mehrfachausbildung, Arbeitsort (West/Ost), Selbstständigkeit, Berufserfahrung, quadrierte Berufserfahrung, Betriebszugehörigkeit (in Jahren), Arbeitszeit; M 1 zusätzlich unter Kontrolle des Berufsfeldes des erlernten Berufs; Einkommensangaben deflationiert; Kohorte 1994–2005 (ETB 2006), Kohorte 2006–2017 (ETB 2018) +p< 0,10, *p< 0,05, **p<0,01 Siehe auch Tab. A4 im Online-Anhang für die vollen Modelle inkl. Standardfehler 22 Erwerbstätige mit höherer Berufsbildung (M1) erzielen gegenüber Erwerbstätigen mit dualer Ausbildung eine Lohnprämie von 15% und Erwerbstätige der Abschlusskohorte 2006–2017 verdienen real 9,9% mehr als Erwerbstätige der Abschlusskohorte 1994–2005. Der Reallohn (das Verhältnis von Nominallohn und Preisniveau) von Arbeitnehmern in Vollzeit hat sich zwischen 2011/2012 und 2017/2018 um rund 8% erhöht (Statistisches Bundesamt 2019). Die höheren Einkommen für wirtschaftliche und technische Berufe (vgl. Tab. A4 im Online-Anhang) bestätigen sich auch in der Literatur (van de Werfhorst 2002; Altonji et al. 2016). K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 545 Differenziert nach dem Berufsfeld des erlernten Berufs zeigen sich jedoch Unterschiede. Für technisch Qualifizierte (z.B. Techniker, Industriemeister etc.) hat sich der relative Einkommensvorsprung gegenüber technisch Qualifizierten mit dualer Ausbildung nicht nennenswert verändert (M2), was Hypothese 2a vorläufig bestätigt. Erwerbstätige, die sich in einem kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Fortbildungsberuf qualifiziert haben, erzielen nach Bologna hingegen geringere Lohnprämien (relativ zu dual Ausgebildeten) als vor Bologna (M3). Das Einkommen der Abschlusskohorte 2006–2017 ist um 11,6% niedriger als in der Kohorte 1994–2005, was Hypothese 2b vorläufig bestätigt. Beschäftigte, die sich in einem technischen Beruf qualifiziert haben, scheinen aufgrund der höheren Spezifität und der höheren Geschlossenheit der Berufe stärker vor Konkurrenz geschützt zu sein. Aber auch im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich kann aufgrund der unverändert hohen Wahrscheinlichkeit für eine hoch qualifizierte Tätigkeit (vgl. Abb. 2)nicht von einer Verdrängung von höherwertigen und damit dem Niveau einer Fortbildung adäquaten Positionen ausgegangen werden, vielmehr scheinen Aufstiege auf anspruchsvollere Positionen weniger möglich zu sein. Eine andere Entwicklung der Bildungserträge ist wiederum für Akademiker auf ISCED 6-Niveau zu erkennen. Die Lohnprämie akademisch Qualifizierter (im Vergleich zu dual Ausgebildeten) der Abschlusskohorte 2006–2017 (mehrheitlich Bachelor) ist um 10,1% geringer als jene der Kohorte 1994–2005 (M1). In den nach dem Berufsfeld differenzierenden Modellen zeigt sich ein Rückgang in der Lohnprämie, insbesondere für technisch qualifizierte Akademiker. So liegt in der Abschlusskohorte 2006–2017 die Lohnprämie eines akademischen Abschlusses um 15,8% niedriger als in der Kohorte 1994–2005. Eine mögliche Erklärung für den starken Rückgang könnte sein, dass mit den spezifischen technischen Diplom-FHAbschlüssen (beispielsweise Ingenieurwissenschaften) ein hoher Signalwert verbunden war, der mit den neuen Bachelorabschlüssen (noch) nicht erreicht werden kann. Im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich ist für Akademiker ebenfalls eine verringerte Lohnprämie zu verzeichnen. Betrachtet man die Veränderung des Abstands zwischen höheren beruflichen und akademischen Abschlüssen, so bestätigt sich Hypothese 3a vorläufig für die Gesamtgruppe (0,064; p< 0,1) und technisch Qualifizierte (0,127; p< 0,05), nicht aber für kaufmännische Abschlüsse ( –0,025; p> 0,05). Mit der vorläufigen Bestätigung der Absorptionshypothese (H1b) und den geringeren Verwertungschancen akademischer Abschlüsse (ISCED-6) haben sich die Bildungserträge beruflich und akademisch Qualifizierter tendenziell angenähert. Abbildung 3zeigt abschließend, wie sich die Einkommen beruflich Höherqualifizierter im Vergleich zu akademisch Qualifizierten (Bachelor, Dipl.-FH) über die Abschlusskohorten entwickelt haben und wie sich die beiden untersuchten Berufsfelder diesbezüglich unterscheiden. Für technisch Qualifizierte hat sich der Einkommensabstand zwischen der höheren Berufsbildung und akademischen Abschlüssen (ISCED 64) statistisch signifikant von minus 25% auf minus 8% verringert, wohingegen sich in der Gruppe mit kaufmännischer Qualifizierung (Wiwi) keine Veränderung zeigt. Die bereits vor Bologna vorliegenden geringen Einkommensunterschiede zwischen beruflich und akademisch Qualifizierten haben sich in diesem Berufsfeld im Zuge der Bologna-Reform nicht wesentlich verändert. Für die Gesamtgruppe der beruflich K 546 A. Hall Abb. 3 Einkommen von Erwerbstätigen mit höherer Berufsbildung im Vergleich zu Akademikern auf ISCED 6-Niveau. Anm.: Kontrollvariablen vgl. Tab. 4, siehe Tab. A5 im Online-Anhang für die vollen Modelle (inkl. Standardfehler). (Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 (vgl. Hall und Tiemann 2020), 2018 (vgl. Hall et al. 2020) [gepoolte Daten]) Höherqualifizierten hat sich der Einkommensunterschied zu akademisch Qualifizierten (ISCED 64) nach der Bologna-Reform von minus 15% auf minus 7% verringert, wobei der Rückgang ebenfalls statistisch signifikant ist. Allerdings erzielen Beschäftigte mit höherer Berufsbildung auch nach Bologna noch ein signifikant geringeres Einkommen als akademisch Qualifizierte (meist mit Bachelorabschluss). Dies bestätigt Hypothese 3b, nach der es nach wie vor signifikante Einkommensunterschiede zwischen beruflichen und formal gleichwertigen akademischen Abschlüssen geben sollte. Nachfolgend wird die Robustheit der Ergebnisse geprüft, indem alternative Operationalisierungen für die abhängigen Variablen verwendet werden. Statt der subjektiven Messung des Anforderungsniveaus der Tätigkeit wurden stärker objektive Messungen verwendet. Zum einen erfolgte die Messung anhand der 5. Stelle der KldB2010 (Tab. A6.1 im Online-Anhang), zum anderen wurden hoch qualifizierte Tätigkeiten über die ISCO-88-Berufshauptgruppe und Personalverantwortung gemessen (Tab. A6.2).23 Die Ergebnisse führen für die Gesamtgruppe ebenso wie für die beiden Berufsfelder ebenfalls zu einer Ablehnung der Verdrängungsthese, wobei je nach Messung sogar verbesserte Positionierungschancen für beruflich Höherqualifizierte zu erkennen sind (Tab. A6.2). Statt dem Bruttomonatslohn unter Kontrolle 23 Eine hoch qualifizierte Tätigkeit anhand der KldB2010 liegt hier vor, wenn mindestens eine Spezialistentätigkeit (Niveau 3) ausgeübt wird. Alternativ liegt sie vor, wenn die Tätigkeit den ISCO-88-Berufshauptgruppen 1–3 (Führungskräfte, Wissenschaftler/Akademische Berufe, Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe) zuzuordnen ist oder eine Tätigkeit mit Personalverantwortung ausgeübt wird. K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 547 der Arbeitszeit wurde zudem der Bruttostundenlohn24 herangezogen (Tab. A7). Auch diese Ergebnisse unterscheiden sich nicht substanziell von den in Tab. 4gezeigten und führen somit zu den gleichen Schlussfolgerungen. 6 Fazit und Ausblick Mit Einführung der gestuften Hochschulabschlüsse im Zuge des Bologna-Prozesses ist eine neue Konkurrenzsituation zwischen der höheren Berufsbildung und der akademischen Bildung entstanden. In der Berufsbildungsforschung führte dies zu der Frage, ob beruflich Höherqualifizierte am Arbeitsmarkt durch Akademiker verdrängt werden, was einer Entwertung höherer beruflicher Abschlüsse gleichkäme. Um diese Frage zu beantworten, wurde untersucht, wie sich die monetären und nichtmonetären Erträge für beruflich Höherqualifizierte insgesamt und für technisch und kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftliche Abschlüsse entwickelt haben. Der „BolognaEffekt“ wurde auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen (ETB) 2006 und 2018 und eines Difference-in-Difference-Ansatzes modelliert. Dabei wurden die Kohorten 2006–2017 (ETB 2018) und 1994–2005 (ETB 2006) jeweils (maximal) 12 Jahre nach Abschluss verglichen. Bildungserträge wurden über das Bruttoeinkommen und die berufliche Positionierung abgebildet, und zwar sowohl im Vergleich zu dual Ausgebildeten ohne berufliche Höherqualifizierung als auch gegenüber gleichwertigen akademischen Abschlüssen (Bacheloroder Diplom-FH-Abschlüsse). Die Analysen zeigten, dass die These einer Verdrängung von beruflich Höherqualifizierten nicht bestätigt werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, eine hoch qualifizierte Tätigkeit auszuüben, lag für die Abschlusskohorte 2006–2017 vergleichbar zur Kohorte 1994–2005 und sie hat sich weder für beruflich Höherqualifizierte mit einem technischen Beruf noch für jene mit einer kaufmännischen Fortbildung verringert. Für Beschäftigte mit kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftlichem Fortbildungsberuf zeigten sich allerdings nach Bologna geringere Lohnprämien. Auch für Akademiker mit einem Abschluss auf ISCED 6-Niveau (Diplom-FH-Abschlüsse, Bachelorabschlüsse) verwiesen die Analysen auf sinkende Bildungserträge. Die Abschlusskohorte nach Bologna (meist Bachelorabschlüsse) erreichte seltener als die Abschlusskohorte vor Bologna (Diplom-FH-Abschlüsse) hoch qualifizierte Tätigkeiten und die Lohnprämien gegenüber dual Ausgebildeten waren nach Bologna geringer. Demzufolge ist auch der Abstand zu den formal gleichwertigen akademischen Abschlüssen auf ISCED 6-Niveau für beruflich Höherqualifizierte heute tendenziell geringer als vor der Bologna-Reform. Die Analysen lieferten insgesamt keine empirischen Belege für eine Entwertung höherer beruflicher Abschlüsse am Arbeitsmarkt nach Bologna. Bildungspolitisch ist dies insofern relevant, da sinkende Verwertungschancen einer beruflichen Höherqualifizierung mit einem hohen Attraktivitätsverlust für das duale System verbunden wären. Die Ergebnisse stützen damit die Vermutung von Hirsch-Kreinsen (2013, S. 27), 24 Beim Stundenlohn sind Arbeitszeiteffekte aus der Schätzung herausgerechnet. Der Bruttostundenlohn wurde auf Basis des Bruttomonatsverdienstes, geteilt durch die Monatsstunden (Wochenarbeitszeit *4,35) berechnet. K 548 A. Hall dass „... die Anforderungen einer modernen Wissensgesellschaft sowohl ein Mehr an akademisch-wissenschaftlich qualifizierten Beschäftigten als auch weiter entwickelte beruflich-praktische Qualifikationen“ verlangen. Mit einer veränderten Nachfrage am Arbeitsmarkt könnte sich die Situation zukünftig jedoch ändern, insbesondere in den allgemeineren kaufmännisch-wirtschaftswissenschaftlichen Berufen. Einschränkend ist zu sagen, dass der Difference-in-Difference-Ansatz mit Querschnittsdaten und Interaktionseffekten auf Basis regressionsanalytischer Verfahren umgesetzt wurde. Es kann dabei nicht ausgeschlossen werden, dass andere Einflussfaktoren als der Bologna-Prozess, die die Bildungsgruppen unterschiedlich betreffen, für die aufgezeigten Muster verantwortlich sind. Weitere Beschränkungen der verwendeten Daten resultieren aus der konzeptionsbedingten Bildung von Pseudokohorten, für die maximal bis 12 Jahre nach Abschluss Informationen vorliegen. Für den Vergleich zwischen den Bildungsgruppen könnte es aber einen Unterschied machen, zu welchem Zeitpunkt in der Karriere die Erträge verglichen werden (vgl. Backes-Gellner und Geel 2014; Christoph et al. 2017, S. 4). Ob sich der Zeitpunkt im Lebensverlauf, zu dem die Erträge erfasst werden, auch auf die relative Veränderung der Erträge auswirkt, ist allerdings eine offene Frage. Nicht auszuschließen ist, dass Bachelorabsolventen im Vergleich zu früheren Diplom-FH-Absolventen einen flacheren Anstieg im Einkommensverlauf haben und sich der Einkommensabstand von beruflich und akademisch Qualifizierten erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Karriere vergrößert. Absolventenstudien, die akademisch und beruflich Höherqualifizierte (auch jene ohne Hochschulzugangsberechtigung) im Werdegang vergleichen, stehen in Deutschland zurzeit allerdings nicht zur Verfügung. Die Analysen im Beitrag deuten bisher nicht darauf hin, dass die höhere Berufsbildung im Zuge der Bologna-Reform des Hochschulsystems insgesamt an Wert verloren hat. Die Positionierung von Absolventen der höheren Berufsbildung auch langfristig zu beobachten, bleibt für die Berufsbildungsforschung eine wichtige Aufgabe, gerade mit dem Ziel, auch leistungsstarke Jugendliche für die berufliche Bildung zu gewinnen. Zusatzmaterial online Zusätzliche Informationen sind in der Onlineversion dieses Artikels (https://doi. org/10.1007/s11577-021-00808-1) enthalten. Danksagung Ich danke den Herausgebenden und den anonymen Gutachtern der KZfSS sowie den Teilnehmern des BIBB-Projektbeirats der ETB 2018 für ihre hilfreichen und konstruktiven Anmerkungen. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. K Alles beim Alten? Bildungserträge höherer beruflicher und akademischer Abschlüsse vor und... 549 Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/ licenses/by/4.0/deed.de. Interessenkonflikt A. Hall gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Literatur Acemoglu, Daron. 2002. Technical change, inequality, and the labor market. Journal of economic literature 40:7–72. Acemoglu, Daron, und David Autor. 2011. Skills, tasks and technologies. Implications for employment and earnings. In Handbook of labor economics, Hrsg. Orley Ashenfelter und David E. Card, 1043–1171. Amsterdam: Elsevier. Alda, Holger, und Daniela Rohrbach-Schmidt. 2011. Imputation fehlender Werte für die Einkommensvariable in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006. BIBB-FDZ Daten-und Methodenbericht Nr. 2/2011. Alda, Holger, Anett Friedrich und Daniela Rohrbach-Schmidt. 2020. Educational expansion and educational wage premiums of young male employees. 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