Berufseinstieg im Jugendamt - empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen
Abstract
EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.
Full text
Breuer, Sophie; Tietmeyer, Jan Research Report Berufseinstieg im Jugendamt - empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen ifpm Schriftenreihe der FOM, No. 6 Provided in Cooperation with: FOM Hochschule für Oekonomie & Management, ifpm Institut für Public Management Suggested Citation: Breuer, Sophie; Tietmeyer, Jan (2024) : Berufseinstieg im Jugendamt - empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen, ifpm Schriftenreihe der FOM, No. 6, ISBN 978-3-89275-377-3, MA Akademie Verlagsund Druck-Gesellschaft mbH, Essen This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/300256 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Berufseinstieg im Jugendamt – empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen ~ Sophie Breuer / Jan Tietmeyer Anja Seng (Hrsg.) i i f f p p m m Institut für Public Management der FOM Hochschule für Oekonomie & Management ifpm Schriftenreihe Band 6
Sophie Breuer / Jan Tietmeyer Berufseinstieg im Jugendamt – empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen ifpm Schriftenreihe der FOM, Band 6 Essen 2024 ISBN (Print) 978-3-89275-376-6 ISSN (Print) 2702-0576 ISBN (eBook) 978-3-89275-377-3 ISSN (eBook) 2702-0584 Dieses Werk wird herausgegeben vom ifpm Institut für Public Management der FOM Hochschule für Oekonomie & Management gGmbH Verlag: MA Akademie Verlagsund Druck-Gesellschaft mbH, Leimkugelstraße 6, 45141 Essen [email protected] Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Dieses Werk ist lizenziert unter CC BY 4.0: Creative Commons Namensnennung 4.0 International. Diese Lizenz erlaubt unter den Voraussetzungen der Lizenzbedingungen, u. A. der Namensnennung der Urheberin oder des Urhebers, der Angabe der CC-Lizenz (inkl. Link) und der ggf. vorgenommenen Änderungen die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke. Die Rechte und Pflichten in Zusammenhang mit der Lizenz ergeben sich ausschließlich aus dem Lizenzinhalt: CC BY 4.0 Deed | Namensnennung 4.0 International | Creative Commons | https://creativecommons.org/licenses/ by/4.0/legalcode.de. Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.
Anja Seng (Hrsg.) Berufseinstieg im Jugendamt – empirische Befunde zu Herausforderungen und Lösungsansätzen Sophie Breuer / Jan Tietmeyer Kontakt zum Autor: Prof. Dr. Jan Tietmeyer [email protected]
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt III Vorwort Die Personalsituation in der öffentlichen Verwaltung ist vielfach schwierig, insbesondere auf der Ebene der Kommunalverwaltungen. Ursächlich sind neben den Auswirkungen des demografischen Wandels auch das Image der arbeitgebenden Institution ebenso wie die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und die gegebenen Karriereperspektiven. Diese Punkte spielen eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl junger Menschen. Im Qualifikationsfeld des Sozialen entsteht eine besondere Problematik, da hier ein starker Fachkräftemangel zu verzeichnen ist. Wenn öffentliche Kommunalverwaltungen einen Personalbedarf im Kontext der Sozialen Arbeit oder der Sozialpädagogik haben, zeigt sich demzufolge eine prekäre Situation, die bundesweit zu sehr vielen unbesetzten Stellen führt. Außerdem realisieren sich viele Stellenbesetzungen nur für kurze Zeit, da es zu Kündigungen durch die Mitarbeitenden kommt. Die vorliegende Studie zeigt exemplarisch die erlebten Herausforderungen im beruflichen Einstieg im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter. Basierend auf diesem Erleben der befragten Zielgruppe, hier Nachwuchskräfte der Sozialen Arbeit, werden betriebswirtschaftlich angelehnte Handlungsempfehlungen entwickelt, die eine langfristige Sicherung des Personals ermöglichen sollen. Somit besteht die Chance, den „Teufelskreis“ von Unzufriedenheit, hoher Fluktuation und folglich schlechtem Image zu durchbrechen und ein konstruktives, zuverlässiges und emotional gesichertes Arbeitsverhältnis zu gestalten. Vor dem Hintergrund der hohen Arbeitsbelastung auch bei erfahrenen Kräften mögen diese Empfehlungen als zusätzliche Bürde wahrgenommen werden; doch bieten sie einen möglichen Anknüpfungspunkt, um Verbesserungen für alle Beteiligten zu erzielen. Essen, im Februar 2024 Prof. Dr. Anja Seng Wissenschaftliche Direktorin des ifpm Institut für Public Management
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt IV Abstract Die Arbeitssituation von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) im Jugendamt ist aufgrund stetig wachsender und komplexer werdender Aufgabengebiete und einer prekären Personalsituation durch eine hohe Arbeitsbelastung gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass viele Kommunalbehörden ihre offenen Stellen nicht dauerhaft besetzen können, da die Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger häufig nicht auf den Positionen gehalten werden können. Insbesondere Berufseinsteigerinnen und -einsteiger verlassen den ASD nach relativ kurzer Zeit wieder. Daher untersucht diese Studie empirisch induktiv das Ankommen von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern im ASD. Dabei wird das Ziel verfolgt, sinnvolle Maßnahmen für den Berufseinstieg im ASD von Jugendämtern zu entwickeln, um einen andauernden Verbleib in der Behörde wahrscheinlicher zu machen. In der Studie werden zunächst die aktuellen Belastungen und Rahmenbedingungen dargestellt, die auf die Fachkräfte im ASD wirken. Im Kern wird hier eine deutschlandweit prekäre Personalund Einarbeitungssituation in den Jugendämtern, eine steigende Zahl verantworteter Fälle und komplexere Aufgaben beschrieben. Insbesondere öffentlichkeitswirksame Fälle haben außerdem zu einer negativeren Darstellung der Tätigkeiten im ASD geführt. Im Rahmen der empirischen Untersuchung wurden 15 problemzentrierte Interviews zu den zentralen Herausforderungen für den Berufseinstieg im ASD geführt. 13 Interviews geben Berufseinsteigerinnen und -einsteigern mit höchstens zweijähriger Berufserfahrung im ASD die Möglichkeit, ihre persönlichen Sichtweisen und Erfahrungen darzustellen. Ergänzt werden diese von zwei Interviews mit einarbeitenden Fachkräften aus dem ASD. In den Ergebnissen zeigt sich vor allem eine Problematisierung von wahrgenommener Überforderung, fehlenden Zeitkapazitäten und eine enorme emotionale Belastung. Ebenso wird eine Personalsituation beschrieben, die von enormer Unterbesetzung und Fluktuation der Fachkräfte geprägt ist. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Verjüngung der Personalstruktur empfinden die Fachkräfte selbst das zunehmend junge Alter in der Personalstruktur als eine zentrale Herausforderung. Durch die vorliegenden Ergebnisse lassen sich Forderungen für die Einarbeitung und Personalentwicklung im ASD der Jugendämter ableiten, was abschließend in dieser Studie dargestellt wird.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt V Inhalt Vorwort der Herausgeberin ................................................................................. III Abstract............................................................................................................... IV Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................... VII Abbildungsverzeichnis ...................................................................................... VIII Tabellenverzeichnis ............................................................................................ IX Über die Herausgeberin ...................................................................................... X Über die Autorin und den Autor .......................................................................... XI 1. Zur Relevanz der Einarbeitung im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter .................................................................................................... 1 2. Sozialarbeitende in der öffentlichen Verwaltung ............................................. 5 2.1 Zum Wesen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland ........................ 5 2.2 Soziale Arbeit als Organisationsbestandteil öffentlicher Verwaltung ...... 8 3. Allgemeiner Sozialer Dienst in Jugendämtern im Überblick ......................... 14 3.1 Funktionen und Aufgaben ..................................................................... 15 3.1.1 Beratungsinstanz .................................................................... 16 3.1.2 Entscheidungsund Vermittlungsinstanz ............................... 18 3.1.3 Wächterinstanz ....................................................................... 20 3.2 Rahmenbedingungen ............................................................................ 21 3.2.1 Gesellschaftlicher Wandel ...................................................... 21 3.2.2 Zentrale Rechtsgrundlagen .................................................... 24 3.3 Herausforderungen ................................................................................ 26 3.3.1 Aktuelle Personalsituation im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter .......................................... 27 3.3.2 Fallzahlen ............................................................................... 30 3.3.3 Spannungsfeld: Hilfe und Kontrolle ........................................ 32 3.3.4 Spannungsfeld: fachliches Handeln und Verwaltungshandeln ........................................................ 33
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt VI 3.3.5 Aufgabenerweiterung ............................................................ 35 3.3.6 Mediale Kinderschutzdebatte ................................................ 37 3.4 Gestaltung der Einarbeitung als Verbesserungspotenzial .................... 38 4. Studiendesign und Ergebnisse ..................................................................... 44 4.1 Forschungsansatz ................................................................................. 44 4.2 Datenerhebung ..................................................................................... 45 4.3 Datenauswertung .................................................................................. 47 4.4 Kategoriensystem ................................................................................. 50 4.4.1 Allzuständigkeit ...................................................................... 50 4.4.2 Fachkenntnisse ..................................................................... 53 4.4.3 Arbeitsbelastung .................................................................... 54 4.4.4 Verantwortung ....................................................................... 62 4.4.5 Berufserfahrung ..................................................................... 65 4.4.6 Einarbeitung .......................................................................... 68 4.4.7 Zeit ......................................................................................... 74 4.4.8 Personalsituation ................................................................... 77 5. Interpretation................................................................................................. 80 6. Einarbeitungsempfehlungen ......................................................................... 84 6.1 Allgemeine Hinweise............................................................................. 84 6.2 Strukturelle Rahmenbedingungen ........................................................ 86 6.3 Prozessebene des Qualitätsmanagements .......................................... 88 7. Schlussbetrachtung ...................................................................................... 91 Literatur .............................................................................................................. 93
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt Abkürzungsverzeichnis ASD Allgemeiner Sozialer Dienst BAG Bundesarbeitsgemeinschaft BGB Bürgerliches Gesetzbuch FamFG Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit GG Grundgesetz KJSG Kinderund Jugendstärkungsgesetz KSD Kommunaler Sozialer Dienst MGFFI NRW Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen SGB I Erstes Buch Sozialgesetzbuch SGB VIII Achtes Buch Sozialgesetzbuch SGB IX Neuntes Buch Sozialgesetzbuch SGB X Zehntes Buch Sozialgesetzbuch
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 3 Hinzu kommt der hohe Anteil an weiblichen Fachkräften. Diese gehen in Deutschland deutlich häufiger in Elternzeit, als dies bei männlichen Personen der Fall ist. Allerdings besteht auch ein besonderer Blick auf Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, die häufig im ASD des Jugendamts ihre erste Arbeitsstelle nach erfolgreicher Qualifizierung antreten, bspw. nach einem Studium der Sozialen Arbeit. Deshalb sollte der Fokus auf das Ankommen von neuen Fachkräften im ASD gerichtet werden. In der Empirie erleben hier viele Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, dass sie die Belastungen der täglichen Arbeit im ASD nicht aushalten können. Dies wird häufig damit begründet, dass die Einarbeitung im ASD als nicht ausreichend erlebt wird.12 Vor dem Hintergrund der dargelegten Situation13 ist eine tiefergehende Analyse der Einarbeitung in Stellen des Allgemeinen Sozialen Diensts im Jugendamt notwendig, um zunächst zentrale Verbesserungen der Einarbeitung selbst erreichen zu können. Hierauf aufbauend kann die gesamte Arbeitssituation der Fachkräfte im Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamts deutlich verbessert werden, weil eine höhere Stabilität in der Personalstruktur erreicht werden kann. Die dargestellten Herausforderungen im ASD sind auf einer theoretischen Ebene recht einfach darzustellen und sie liegen auf der Hand. Die Vielfältigkeit der Aufgaben und die hohe Unterschiedlichkeit der Lebenssituationen der Adressatinnen und Adressaten der Kinderund Jugendhilfe führt jedoch in der empirischen Realität zu einem ungleich komplexeren und nur schwer überschaubaren Konstrukt. Demzufolge sollte der Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Betrachtung der Einarbeitung im ASD die konkreten Erfahrungen von Personen aus dem ASD der Jugendämter sein. Somit kann aus den Erfahrungen heraus induktiv eine Theorie gebildet werden, auf deren Grundlage normative Handlungsempfehlungen fundiert abgeleitet werden können. Daher wählt diese Untersuchung genau diesen Ansatz. In der Folge werden zunächst einige theoretische Zusammenhänge verdeutlicht und konkretisiert, um den Untersuchungsgegenstand sinnvoll auszuleuchten. Daraufhin wird die zugrunde liegende Studie erläutert und ihre Ergebnisse dargestellt. Darauf aufbauend werden Inter12 Vgl. Gragert, N., Arbeitsfeld Jugendamt, 2004, S. 389; Unsieber, S., Jugendamt: Helfer ohne Hilfe, 2023. 13 Eine ausführlichere Darstellung der Situation kann in Kapitel 3.3.1 dieser Untersuchung gefunden werden.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 4 pretationen vorgenommen, die zu normativen Handlungsempfehlungen für die Einarbeitung im ASD im Jugendamt führen. Der Gang der Untersuchung beginnt im folgenden Kapitel mit einer allgemeinen Problematisierung der Arbeit der Profession Soziale Arbeit in den Strukturen der öffentlichen Verwaltung. Dies wird weiter konkretisiert, indem das Arbeitsfeld des ASDs im Jugendamt im folgenden Kapitel genauer umrissen wird, um ein gutes Vorverständnis der Aufgaben und Rahmenbedingungen aufzubauen. Auf der Grundlage dieses Vorverständnisses wird die empirische Untersuchung mitsamt den entdeckten Ergebnissen dargestellt. Diese Ergebnisse werden dann tiefergehend interpretiert, was zu Einarbeitungsempfehlungen für die Fachpraxis führt. Abgeschlossen wird die Untersuchung durch eine Schlussbetrachtung.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 5 2. Sozialarbeitende in der öffentlichen Verwaltung 2.1 Zum Wesen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland Zur Ausleuchtung des Untersuchungsgegenstands sollen im Folgenden zunächst die Besonderheiten betrachtet werden, wenn Fachkräfte der Profession der Sozialen Arbeit in der öffentlichen Verwaltung tätig sind. Die Unterschiedlichkeit der beiden Arbeitsansätze könnte nämlich kaum größer sein. Die öffentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland ist der Oberbegriff für die die Institutionen aller Gebietskörperschaften der mittelbaren und unmittelbaren Staatsvertretung, also dem Bund und den Bundesländern sowie der jeweiligen Kommunen. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Organisationseinheiten hinsichtlich ihres Aufgabenprofils. Während die Behörden zu Organisationseinheiten mit gesetzesvollziehendem Charakter zählen, existieren auch öffentliche Betriebe, welche ein Dienstleistungsbzw. Produktionsprofil aufweisen.14 Nicht nur historisch bedingte Entwicklungen, welche veränderte Erwartungen an Staat und Gesellschaft auslösen und neue Problemfelder eröffnen, sondern auch die ansteigende Staatsverschuldung erhöhen in den letzten Jahren immer wieder den Legitimationsdruck der Institutionen des öffentlichen Sektors.15 Als Bestandteil der Jugendämter sind die Allgemeinen Sozialen Dienste demzufolge Bestandteil der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Die Organisation der deutschen Verwaltung ist vom Bürokratieansatz von Max Weber geprägt.16 Dieser traditionelle Ansatz strebt nach einer willkürfreien Herrschaft durch die Bürokratie. Er beinhaltet insbesondere Merkmale wie die Regelgebundenheit, die Personenunabhängigkeit des Handelns, die Professionalität und das Hierarchieprinzip. Vorteile des Bürokratieprinzips sind in der Rationalität, der Neutralität, der Sicherheit (Verlässlichkeit) und der Fehlervermeidung zu sehen. Es herrscht vornehmlich der so genannte Legalismus. Das Verwaltungshandeln muss in dieser Logik insbesondere rechtmäßig sein. Effektivität und eine hohe Handlungsgeschwindigkeit sind keine primären Ansätze dieses Systems.17 Die Vorteile des Weber’schen Prinzips sind in der Rationalität, der Neutralität, der Sicherheit 14 Vgl. Reichel, K., Betriebliche Personalpolitik, 2010, S. 6. 15 Vgl. Schedler, K., Proeller, I., New Public Management,2011, S.27; Hill, H., Verwaltungsentwicklung, 2014, der insbesondere auch auf die treibende Kraft der Digitalisierung und insbesondere auch auf deren Potenzial verweist. 16 Vgl. Weber, M., Wirtschaft und Gesellschaft, 1922. 17 Vgl. Tietmeyer, J., Marktversagen im Neuen Steuerungsmodell, 2021.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 6 (Verlässlichkeit) und der Fehlervermeidung zu sehen. In der deutschen Verwaltung ist ein hohes Maß an Stabilität vorhanden, das auch die größeren Systemveränderungen durch die Weltkriege überstanden hat. Anders als in anderen Staaten ist die Verwaltung u. a. deswegen nicht so sehr durch die Legislative geprägt worden. Hier sind vor allem der Föderalismus und die Selbstverwaltung zu nennen. Innerhalb des Weber’schen Systems herrscht vornehmlich der so genannte Legalismus, der auch als Hauptansatzpunkt für die Kritikerinnen und Kritiker dieses Systems dient. Es ist demnach für das Verwaltungshandeln vielfach wichtiger, rechtmäßig zu handeln, als dass dieses Handeln effizient ist. Wegen der im Grundgesetz verankerten Rechtsstaatlichkeit ist es aber grundsätzlich nur schwer möglich, allein auf der Grundlage des Legalismus für den Einzelfall passende Entscheidungen zu treffen. Denn es ist nicht möglich, für jeden Einzelfall passende Gesetze zu erlassen, ohne ein solches Gesetz kann aber keine für den Einzelfall passende Entscheidung getroffen werden. Des Weiteren wird nur eine Negativabgrenzung vorgenommen, eine Suche nach besseren Entscheidungen ist nicht Bestandteil des Weber’schen Systems. Abwägungen bei Kosten-Nutzen-Relation sind bspw. innerhalb eines so gesteuerten Systems kein Kriterium für eine Verwaltungsentscheidung.18 In Bezug auf die Verfahren zur Gesetzgebung bestehen hier zu vernachlässigende Kritikpunkte, die sich auf Informationsasymmetrien zwischen Legislative und Exekutive zurückführen lassen. Seit den 1990er Jahren werden Verwaltungsreformen in Deutschland nach dem Reformbild des New Public Management durchgeführt. Dieses wird in der deutschen Ausprägung das Neue Steuerungsmodell genannt. Begründet wurde es von Gerhard Banner als Mitglied der KGSt. Das Ziel des Neuen Steuerungsmodells wird von ihm wie folgt beschrieben: „Die Kommunalverwaltung muss sich von der Behörde zum politisch gesteuerten Dienstleistungsunternehmen entwickeln.“19 Dabei werden vier Handlungsfelder benannt, nämlich • Kundenorientierung, • Leistungsanpassung an Nachfrage und vorhandene Mittel, • Wettbewerbsfähigkeit und • Personalentwicklung.20 18 Vgl. Knill, C., Bureaucratics, 1999, S. 120 f. 19 KGSt, Das Neue Steuerungsmodell, 1993, S. 7. 20 Vgl. Banner, G., Logik des Scheiterns, 2008, S. 448.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 7 Insgesamt lässt sich also feststellen, dass eine Annäherung der öffentlichen Verwaltung an klassische marktwirtschaftliche Verhältnisse angestrebt wird. Insbesondere eine Steuerung des Marktes durch Wettbewerb wird angestrebt, der durch eine höhere Volatilität der Leistungen und damit verbunden eine höhere Kundenorientierung erreicht werden soll. Es lassen sich somit auch klassische Bestandteile einer Unternehmensführung wie bspw. Kosten-NutzenAbwägungen in die öffentliche Verwaltung integrieren. Das Neue Steuerungsmodell verspricht grundsätzlich eine deutliche Steigerung der Effizienz – also der Relation des Mitteleinsatzes zu den zu erzielenden Ergebnissen – und der Effektivität – also den Ergebnissen – der Tätigkeit der öffentlichen Verwaltung.21 Die folgende Abbildung stellt diesen Zusammenhang grafisch dar. Abbildung 1: Effizienz und Effektivität der öffentlichen Verwaltung Quelle: in Anlehnung an Bouckaert, G., Halligan, J., New Public Leadership, 2008, S. 16. Die mit der Umsetzung des Neuen Steuerungsmodells zu erzielende Effizienzverbesserung bezieht sich in erster Linie auf eine Relation des Ressourceneinsatzes (Input) zu den damit erzielten Ergebnissen (Output). Die Transformation des Inputs in das Output wird durch das Verwaltungshandeln erreicht, also durch eine Aufbauorganisation laufende Prozesse.22 Wie aus Abbildung 1 ersichtlich wird, ist dieser Bereich aus der Sicht der Verwaltung als intern einzustufen. Somit beziehen sich die Ziele allein auf das interne Verwaltungshandeln. 21 Vgl. Barkowsky, K., Reform der Kommunalverwaltung, 2014, S. 11. 22 Vgl. Schwickert, A. C., Fischer, K., Geschäftsprozess, 1996, S. 6. Inputs (Resources)Ac�vi�es Immediate Outcome (direct) Intermediate Outcome (indirect) Outputs Final Outcome Area of Control internal to the Organiza�on Area of influence external to the Organiza�on Rising Influence of external Factors Efficiency Effec�veness
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 8 Die Reformziele hinsichtlich Ressourceneinsatz lassen sich wie folgt skizzieren:23 • Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des kommunalen Handelns • Verbesserte Steuerung der Fachbereiche • Verbesserte Steuerung der Beteiligungsunternehmen • Verbesserung der Kooperation zwischen Verwaltung und Politik • Verbesserung der Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung Die Verbesserung der mit dem Ressourceneinsatz zu erzielenden Ergebnisse wird wie folgt beschrieben: • Erhöhung der Bürgerinnenund Bürgerorientierung • Verbesserung des Images bei Bürgerinnen und Bürgern und der Wirtschaft • Erweiterung des finanziellen Handlungsspielraums24 Die Effektivität des Neuen Steuerungsmodells ergibt sich durch seine Wirkungen. Abbildung 1 zeigt, dass es sich hierbei um aus Sicht der öffentlichen Verwaltung externe Wirkungen handelt, die nicht durch direktes Verwaltungshandeln erreicht werden können. Zusammenfassend lässt sich als zentraler theoretischer Rahmen einer Organisationsanalyse der öffentlichen Verwaltung festhalten, dass – auch nach den Einflüssen des Neuen Steuerungsmodells – zentrale Punkte für die Beschäftigen bleiben, nämlich vor allem: • Die Organisation von konkreten Zuständigkeiten • Die Regelgebundenheit des Vorgehens • Die Festlegung klarer hierarchischer Zuordnungen 2.2 Soziale Arbeit als Organisationsbestandteil öffentlicher Verwaltung Um sich mit Sozialer Arbeit als Organisationsbestandteil der öffentlichen Verwaltung zu befassen, sollte in einem ersten Schritt deutlich werden, was im Rahmen dieser Untersuchung unter Sozialer Arbeit verstanden wird.25 Dies ist 23 Vgl. DIFU, Verwaltungsmodernisierung, 2005, S. 18 ff. 24 Inwieweit diese Ziele durch den Einsatz des Neuen Steuerungsmodells im Allgemeinen erreicht werden konnten, untersuchen Bogumil, J., Grohs, S., Kuhlmann, S., Evaluation der Verwaltungsmodernisierung, 2006. 25 Vgl. Tietmeyer, J., Nienaber, A.-M., Seng, A., Digitalisierung, 2024.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 9 als nicht trivial einzuschätzen, denn Soziale Arbeit wird immer wieder als schwer abgrenzbar und daher komplex zu definieren beschrieben, denn „das Soziale“ ist kaum fassbar. Insofern stehen folgerichtig viele unterschiedliche Definitionen zur Verfügung.26 Staub-Bernasconi beschreibt dies treffend, wenn sie die Debatten zum Gegenstand der Sozialen Arbeit als uferlos und frei von Konsens einordnet.27 Deshalb soll an dieser Stelle zunächst ein Zugang zu der Begrifflichkeit über die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit geschaffen werden. Grundlegend ist hierbei, dass ursprünglich Notsituationen und –lagen von Menschen im Rahmen Sozialer Arbeit mit Hilfe konkreter Unterstützung bearbeitet werden sollten. Es haben sich jedoch insbesondere durch die Professionalisierung Sozialer Arbeit weitere Bereiche ausdifferenziert:28 • Vermeidung von sozialen Konflikten • Menschenwürdige Entfaltung • Unterstützung bei der Erreichung von Teilhabezielen • Beitrag zum Sozialfrieden • Instrument zur Einlösung des im Grundgesetz verankerten Sozialstaatsprinzips Die zur Beschreibung der Sozialen Arbeit zentralen vier Rahmenbedingungen können wie folgt grob skizziert werden: 1. Die Allzuständigkeit Sozialer Arbeit entsteht durch die ganzheitliche Zuständigkeit für „das Soziale“. Dies führt dazu, dass Soziale Arbeit in vielfältigen und von Komplexität geprägten Handlungsfeldern aktiv ist – bspw. seien Bildungseinrichtungen, Wohnungslosenhilfe und Hilfen für straffällige Menschen zu nennen. Es können folgerichtig sämtliche Lebensbereiche Gegenstand der Sozialen Arbeit sein.29 2. Allzuständigkeit führt dazu, dass sozialarbeiterisches Wissen in einer sehr großen Vielfalt notwendig ist. Gleichzeitig kann dieses Wissen jedoch jeweils kaum eine spezifische Expertise sein:30 • Klientelverhalten muss nachvollzogen werden können. • Klientelkontext muss analysiert und verstanden werden können. • Klientelziele können nur gemeinsam erreicht werden, daher muss das 26 Vgl. Thole, S., Grundriss Soziale Arbeit, 2012. 27 Vgl. Staub-Bernasconi, S., Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft, 2007. 28 Vgl. Omlor, R., Einführung in die Soziale Arbeit, 2023; DBSH, Grundlagen, 2009. 29 Vgl. Omlor, R., Einführung in die Soziale Arbeit, 2023; Tietmeyer, J., Case Management, 2023; Galuske, M., Methoden der Sozialen Arbeit, 2013. 30 Vgl. Omlor, R. Einführung in die Soziale Arbeit, 2023; Galuske, M., Methoden der Sozialen Arbeit, 2013.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 10 professionelle Handeln planbar und kalkulierbar sein. 3. Koproduktion ist ein zentrales Kennzeichen Sozialer Arbeit. Eine Kooperation zwischen Fachkraft der Sozialen Arbeit und der Klientel ist zwingend notwendig.31 4. Das Triplemandat Sozialer Arbeit ist grundlegend zu beachten. Es bestehen Mandate der Gesellschaft, der Klientel und der Profession der Sozialen Arbeit.32 Wird nun dieses Verständnis von Sozialer Arbeit angewendet, um eine mögliche Integration der Sozialen Arbeit in die öffentliche Verwaltung zu untersuchen, so ergeben sich drei offensichtliche Gegensätze: 1. Allzuständigkeit vs. Zuständigkeitsprinzip In der Sozialen Arbeit können alle Bereiche des Lebens zum Gegenstand werden, sie ist im Grundsatz ganzheitlich konzipiert. Ein zentrales Kernelement des Weber’schen Bürokratieansatzes ist es jedoch, dass die Organisation von einer klaren Zuständigkeit gekennzeichnet sein muss. Einen Handlungsauftrag hat das jeweilige Organisationsmitglied dann nur in dem Fall, in dem die entsprechende Zuständigkeit festgeschrieben ist. Eine Auflösung dieses Widerspruchs durch eine Festlegung der Zuständigkeit der Fachkräfte der Sozialen Arbeit im ASD im Jugendamt auf einen konkreten Fall ist nicht ausreichend. Es ergibt sich somit zwar eine Zuständigkeit für diesen einen Fall in einer gewissen Ganzheitlichkeit. Auf der anderen Seite müssen aber die Zuständigkeitsgrenzen der Behörde insgesamt berücksichtigt werden. Dies meint zum einen den Übergang von Zuständigkeit innerhalb derselben Kommunalverwaltung, bspw. in Bezug auf mögliche Leistungen gem. SGB II. Zum anderen meint es aber auch Zuständigkeiten zu anderen Verwaltungsinstanzen wie bspw. in Bezug auf mögliche Leistungen gem. SGB IX. Dieser bereits auf der theoretischen Ebene offensichtliche Widerspruch soll über ein kleines Fallbeispiel veranschaulicht werden: Gegenstand einer konkreten Hilfe sei eine Familie, die Unterstützung in der Erziehung des Kindes erhält (hier konkret: Sozialpädagogische Familienhilfe gem. § 34 SGB VIII). Die konkrete Fallzuständigkeit und somit auch die Allzuständigkeit enden an folgenden beispielhaften und nicht abschließenden Grenzen: (1) Teile der Familienproblematik fallen auf Sanktionen im SGB II zurück. 31 Vgl. Bieler, K., Methoden der Sozialen Arbeit, 2023; Galuske, M., Methoden der Sozialen Arbeit, 2013. 32 Vgl. Omlor, R., Einführung in die Soziale Arbeit, 2023; Staub-Bernasconi, S., Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft, 2018.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 11 Die Zuständigkeit hier liegt aber im Jobcenter; (2) Teile der Problematik der Familie fallen auf eine Abhängigkeitserkrankung eines Elternteils zurück. Die Zuständigkeit liegt hier aber im SGB V und im SGB IX; (3) Teile der Problematik liegen im Schulsystem begründet, die Zuständigkeit hier liegt aber im Schulamt und im Landesministerium. 2. Unvorhersehbares und Koproduktion vs. Regelgebundenheit Das Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit ist auf Grund der Vielschichtigkeit und insbesondere vor dem Hintergrund der Koproduktion nur schwer planbar. Die Wirkung der Sozialen Arbeit wird von der Fachkraft der Sozialen Arbeit gemeinsam mit der Klientel vollbracht, und zwar auf der Grundlage eines tiefen Fallverständnisses. Im Bereich der Methodendiskussion in der Sozialen Arbeit wird auf diese Grundlage der Autonomie der Klientel ein erhöhter Stellenwert zugeschrieben. Insbesondere Eingriffe gegen explizite Interessen oder Wünsche der Klientel sind praktisch wirkungslos. Dies führt zu der Einsicht, dass biografisch und situativ bedingter Eigensinn der „Fälle“ zwingend berücksichtigt werden müssen, wenn die Hilfe erfolgreich sein soll.33 Für die Fachkraft der Sozialen Arbeit folgt daraus, dass sowohl das Ziel wie auch das Vorgehen des Unterstützungsprozesses Produkte eines Aushandlungsprozesses zwischen den Beteiligten sein müssen. Für Wendt folgt daraus, dass die Klientel „sowohl vom Tatbestand mitzubestimmen haben, der zu bearbeiten ist, als auch die Operationen, die zweckmäßig sind“.34 Allein die Tatsache, dass Ziel und Weg in der Sozialen Arbeit Aushandlungsprodukte sind, verhindert die Standardisierung von Methoden und Verfahren, da die „Behandlung“ nie ausschließlich Sache des „kompetenten Fachmanns“ ist. Auch dieser theoretisch als offensichtlich einzustufende Bereich soll nun durch eine weitere Fortführung des bereits bekannten Fallbeispiels verdeutlicht werden: In der dargestellten Familie ist eine Thematik vordergründig, nämlich dass die Haushaltsführung nicht funktional ist. Der Wohnraum kann als nahezu verwahrlost eingestuft werden und muss dringend instandgesetzt werden. Die Verantwortung hierfür trägt die Familie und nicht die Fachkraft der Sozialen Arbeit im ASD des Jugendamts. Trotzdem gilt: Den ersten Schritt der Instandsetzung schafft die beschriebene Familie nicht selbständig. Daher müsste zunächst eine extern durchgeführte Entrümpelung erfolgen, damit die Familie einen eigenen Ansatzpunkt finden kann. Dies kann die Familie jedoch nicht selbständig bezahlen. Die Regeln der 33 Vgl. Greese, Allgemeiner Sozialer Dienst, 1993, S. 142. 34 Vgl. Wendt, W.-R., Wohlfahrtsarrangements, 2010, S. 118.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 12 Hilfebewilligung des Jugendamts sieht aber vor, dass hierfür keine Gelder berücksichtigt werden dürfen.35 Insofern führt das Gebundensein an die Regel dazu, dass die eigentlich angestrebte Koproduktion nicht erfolgen kann. 3. Triple-Mandat vs. Hierarchieprinzip Das Triple-Mandat besteht aus der Gesellschaft / dem Staat, der Klientel / den Individuen und der eigenen Profession / den Sozialarbeitenden. Dabei nimmt die Klientel die Rolle der eigentlichen Zielgruppe ein, die unterstützt werden soll. Hinzu kommt der Bereich der Gesellschaft bzw. des Staates, bei dem es darum geht, soziale Unzulänglichkeiten aufzufangen und auch zur Weiterbearbeitung zu benennen und sich ihnen entgegenzustellen. In Bezug auf die eigene Profession sind Fachkräfte der Sozialen Arbeit dazu angehalten, den eigenen Ansprüchen an ihren Beruf und ihrer ethischen Grundhaltung gerecht zu werden. Diese drei Mandate werden in der folgenden Abbildung graphisch dargestellt. Abbildung 2: Das Triple-Mandat der Sozialen Arbeit Quelle: in Anlehnung an Staub-Bernasconi, S., Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft, 2018, S. 118. Wird nun dieses Triple-Mandat in Verbindung mit einer eindeutigen und klaren Umsetzung des Hierarchieprinzips gebracht, wird der Widerspruch direkt offensichtlich. Das Triple-Mandat wird durch hierarchische Eingriffe gesteuert, was dem grundsätzlichen beruflichen Anspruch von Fachkräften der Sozialen Arbeit 35 An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass je nach Kommune evtl. Lösungsmöglichkeiten bestehen könnten, indem die für das SGB II zuständige Behörde die Gelder bewilligt. Mandat 1Mandat 2 Individuum Gesellscha�/ Staat Freiheit / Selbstbes�mmung Doppelmandat Gesetze/ Regeln / Werte /Normen Mandat 3 Tripelmandat Profession Soziale Arbeit
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 19 drohte Kinder und Jugendliche nach § 35a SGB VIII und die Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII entsprechende Leistungsangebote, über die im Rahmen des Hilfeplanungsverfahrens im Jugendamt durch den ASD entschieden wird. Die Hilfen zur Erziehung und die Eingliederungshilfe stellen eine Mussvorschrift dar, sodass Anspruchsberechtigte einen Rechtsanspruch haben. Die Hilfen für junge Volljährige waren über einen langen Zeitraum als Sollvorschrift formuliert. Auch heute sind noch mit einem größeren Ermessensspielraum ausgestattet. Es handelt sich nun aber im Kontext des § 41a SGB VIII um eine Mussvorschrift. Im Bereich der Entscheidung und Vermittlung ist zu berücksichtigen, dass zwar oftmals Spezialdienste, wie der Pflegeund Adoptionskinderdienst, die Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII oder die Jugendgerichtshilfe eingerichtet werden. Dadurch werden diese Aufgabenbereiche vom ASD abgespalten und spezialisiert erbracht.45 Wird jedoch in diesen Bereichen eine Anspruchsberechtigung nach § 27 Abs. 1 SGB VIII festgestellt, gilt es, die „richtige Hilfe“ zu eröffnen. Gemäß § 36 SGB VIII müssen die Fachkräfte im Jugendamt, die Personensorgeberechtigten und das Kind oder den Jugendlichen kontinuierlich an der Hilfeplanung beteiligen. Nach der Entscheidung der Fachkraft über die geeignete und notwendige Art der Hilfe können Leistungsberechtigte im Rahmen des Wunschund Wahlrechtes nach § 5 SGB VIII zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger wählen und somit die Leistung mitbestimmen. Darüber hinaus berät der ASD Mütter und Väter sowie deren Kinder bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts nach § 18 SGB VIII und trifft Entscheidungen über die Gewährung von Leistungen in Mutter- / Vater-Kind-Einrichtungen nach § 19 SGB VIII. Des Weiteren ist der ASD gemäß § 20 SGB VIII für die Betreuung und Versorgung von Kindern in Notsituationen zuständig und nimmt – zumindest teilweise – die Aufgaben im Rahmen der Beistandschaft, Amtspflegschaft oder der Amtsvormundschaft wahr.46 Der ASD wirkt zudem in familiengerichtlichen Verfahren nach § 50 SGB VIII, insbesondere in Verfahren nach § 1666 und 1666a BGB oder auf Grundlage des § 8a SGB VIII mit. Den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdungen stellt der ASD durch einen Rufbereitschaftsdienst während und außerhalb der Dienstzeiten sicher. 45 Vgl. Köhler, E., Landers, B., Organisatorische Verortung des ASD, 2019, S. 8. 46 Vgl. Nonninger, S., Meysen, T., SGB VIII, 2019, S. 2.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 20 3.1.3 Wächterinstanz Der ASD der Jugendämter hat als Wächterinstanz über das Kindeswohl den zentralen Auftrag, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen.47 Werden dem ASD gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung bekannt, so hat der ASD gemäß § 8a SGB VIII zunächst das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte einzuschätzen. Sofern der Schutz des Kindes oder des Jugendlichen hierdurch nicht gefährdet ist, sind die Erziehungsberechtigten sowie die Kinder oder Jugendlichen in die Gefährdungseinschätzung einzubeziehen. In der Regel verschafft sich die fallverantwortliche Fachkraft im Rahmen eines Hausbesuches einen unmittelbaren Eindruck von dem persönlichen Umfeld des Kindes (§ 8a Abs. 1 S. 2 SGB VIII). Sofern zur Abwendung der Gefährdung eine Hilfe notwendig ist, hat der ASD den Erziehungsberechtigten eine geeignete Hilfe anzubieten. Wird die Hilfe von den Erziehungsberechtigten nicht angenommen und kann die Gefährdung ihrerseits nicht abgewendet werden, ist der ASD verpflichtet, das Familiengericht für eine juristische Klärung anzurufen (§ 8a Abs. 2 S. 1 SGB VIII). Besteht eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen, ist ein sofortiges Tätigwerden erforderlich. Die sozialarbeiterischen Fachkräfte im ASD im Jugendamt sind ermächtigt und verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen (§ 42 Abs. 1 SGB VIII). Dies bezeichnet faktisch die vorrübergehende Übernahme der elterlichen Sorge durch das Jugendamt. Die Kinder oder Jugendlichen werden aus den Familien herausgenommen und entsprechend kurzfristig sofort fremd untergebracht, zumeist in spezialisierten Inobhutnahme-Einrichtungen. Die Inobhutnahme ist eine hoheitliche Aufgabe, die der ASD übernimmt und die von höchster Eingriffsintensität in die Familienautonomie geprägt ist.48 Derartige Maßnahmen gegen den elterlichen Willen können sich ohne gerichtliche Entscheidung maximal bis zum Ablauf des Folgetages erstrecken (§ 42 Abs. 5 S. 2 SGB VIII). Die öffentliche Kinderschutzdebatte, die dem ASD oftmals das Versagen als Wächteramt im Kinderschutz vorwirft, hat zu umfassenden Regularien und Checklisten zur Absicherung in den ASD geführt.49 47 Vgl. Nonninger, S., Meysen, T., SGB VIII, 2019, S. 2. 48 Vgl. Nonninger, S., Meysen, T., SGB VIII, 2019. 49 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 8 ff.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 21 Die Rechte und Pflichten von Kindern und Jugendlichen, Eltern und der staatlichen Gemeinschaft im Kontext des Wächteramtes des ASD werden in Abbildung 4 dargestellt. Abbildung 4: Dreieck „Kind – Eltern – Staatliche Gemeinschaft“ Quelle: in Anlehnung an DIJuF, Eingriff in die elterliche Sorge, 2018, S. 12. 3.2 Rahmenbedingungen Um die Komplexität der Arbeit der sozialarbeiterischen Fachkräfte im ASD von Jugendämtern verständlich machen zu können, muss der Fokus auch auf die entsprechenden Rahmenbedingungen gerichtet sein. Hierfür werden im Folgenden der gesellschaftliche Wandel und zentrale rechtliche Rahmenbedingungen vorgestellt. 3.2.1 Gesellschaftlicher Wandel Die Entwicklung der öffentlichen Kinderund Jugendhilfe ist nur im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang nachzuvollziehen.50 In diesem Zusammenhang sind die Fachkräfte in der öffentlichen Kinderund Jugendhilfe oftmals mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse sowie der Anpassung der Klientinnen und Klienten an die gesellschaftlich vorherrschenden Normalitätsvorstellungen konfrontiert.51 Der gesellschaftliche Wandel ist ge50 Vgl. Heyden, S. et al., Kinderschutz, 2019, S. 78. 51 Vgl. Olk, T., Otto, H-U., Wertewandel und Sozialarbeit, 2021, S. 138; Gragert, N., Arbeitsfeld Jugendamt, 2004, S. 17. Kind (UN-Kinderrechte, Grundrechte von Kind und Eltern, Recht auf (gewal�reie) Erziehung und Entwicklung, Recht auf Schutz) Eltern (Elternrechte und -pflichten, Leistungsansprüche, Schutz der Familie, Grundrecht auf Würde und Persönlichkeitsen�altung) Gesellscha� (Wachsamkeit, Schutz, Hilfe)
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 22 prägt von strukturellen, politischen und sozialen Veränderungen und zeigt sich in veränderten Einstellungen zu verschiedenen Lebensbereichen.52 Zunächst hat der gesellschaftliche Wandel zu grundlegenden Veränderungen in den Werteund Einstellungsmustern in Bezug auf Familie, Arbeit und Freizeit geführt.53 Die Entwicklung von der sogenannten „Normalfamilie“ der 1950er und 1960er Jahre als kulturelle Selbstverständlichkeit zu einer Pluralisierung privater Lebensformen erfährt zunehmende soziale Akzeptanz. Das Verständnis von Familie und Ehe wird in der Bundesrepublik Deutschland variantenreicher, sodass die ehemals selbstverständlichen biografischen Stationen wie Verlobung, Heirat und Familiengründung ihre Verbindlichkeit in der gesellschaftlichen Empirie verloren haben. Anstelle von entweder kinderlosen oder kinderreichen Familienbiografien häufen sich zunehmend Einkindund Zweikindfamilien sowie Einelternund Patchwork-Familien. Die große Dynamik moderner Sozialstrukturen ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl bunter Lebensverläufe, gelockerte Rollenerwartungen und eine flexiblere Anpassung der Lebensformen.54 Selbstverwirklichung, Flexibilität, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexiblere Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Gleichberechtigung von Kindern, Frauen und Männern und Partizipation werden heute insgesamt gesamtgesellschaftlich mehrheitlich gefordert.55 Der Wertewandel spiegelt sich auch in den Erwartungen an die öffentliche Kinderund Jugendhilfe wider. Während Themen wie Inklusion von Menschen mit Behinderung, Gender Mainstreaming oder Interkulturalität vor Jahren noch keine einflussreichen Themen waren, wird die Entwicklungsgeschichte der öffentlichen Kinderund Jugendhilfe derzeit im Rahmen der SGB VIII-Reform mit dem Ziel einer inklusiven Kinderund Jugendhilfe maßgeblich geprägt.56 Neben dem Ausbau der Beteiligungsrechte der Klientinnen und Klienten soll auch die Leistung für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung aus einer Hand gesteuert werden, und zwar mit Hilfe der so genannten großen Lösung durch die Jugendämter.57 Der demografische Wandel zeigt zudem, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Hilfen zur Erziehung überproportional repräsentiert sind. Besonders große Fluchtbewegungen wie in den Jahren 52 Vgl. Thiessen, B. et al., Sozialer Wandel, 2019, S. 1; Olk, T., Otto, H-U., Wertewandel und Sozialarbeit, 2021, S. 140. 53 Vgl. Geißler, R., Eine moderne Sozialstruktur, 2014, S. 22. 54 Vgl. Geißler, R., Eine moderne Sozialstruktur, 2014, S. 452 f. 55 Vgl. Maas, R., Generation Z, 2022, S. 33 ff. 56 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 5. 57 Vgl. Klomann, V., Kutscher, N., SGB VIII-Reformprozess, 2021, S. 406.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 23 2015 und 2017 sowie seit Beginn des Kriegs in der Ukraine führen zu einem massiven Anstieg an Schutzsuchenden in Deutschland und damit zu sehr gro-ßen Zahlen von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten bzw. Ausländern, deren Schutz der ASD im Sinne des Wächteramts zunächst sicherstellen muss. Darüber hinaus hat die Corona-Pandemie seit Anfang 2020 den ASD im Jugendamt in einen permanenten Krisenmodus versetzt, der geprägt ist von erheblichen Existenzängsten in Folge von gestiegenen Lebensunterhaltungskosten und damit wachsender familiärer Belastungen.58 Für die Arbeit im ASD setzen vielfältige Herausforderungen durch sich stetig verändernde Lebenswelten und Umweltanforderungen ein professionelles sozialpädagogisches Können der Fachkräfte voraus.59 Der gesellschaftliche Wandel zeigt, dass sich jüngere Generationen immer häufiger und globaler für die Themen Nachhaltigkeit sowie Umweltund Klimaschutz einsetzen.60 Auf der anderen Seite zählt der technologische Fortschritt zu einer der größten und einflussreichsten Herausforderungen der heutigen Zeit.61 Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung stellt zusätzliche Anforderungen an die Fachkräfte und führt auch zu veränderten Arbeitsabläufen im ASD.62 Aber die Aufgaben des ASDs werden durch die Digitalisierung auch im Gesamten breiter: Denn auch Kinderschutz in einer digitalen Welt gehört nun zu den Aufgaben des ASDs der Jugendämter. Darüber hinaus verändert sich die Gesellschaft aufgrund des demografischen Wandels. Der demografische Wandel beschreibt die Entwicklung und Veränderung der Bevölkerung angesichts der Altersstruktur, der Geburtenund Sterbefälle, Inund Ausländer, Eingebürgerte sowie Zuund Fortzüge und zeigt, dass die deutsche Bevölkerung insgesamt älter, weniger und bunter wird.63 Der demografische Wandel spiegelt sich auch in der Personalstruktur der ASD wieder und stellt diese vor neue Herausforderungen.64 Die vielfältigeren, komplexeren 58 Vgl. BAG ASD, Fachkräftemangel ASD, 2022, S. 1. 59 Vgl. Hollenberg, J., Kinderund Jugendhilfe in Not, 2023, S. 207; Schröer, H., Interkultureller ASD, 2019, S. 1. 60 Vgl. Grunwald, A., Kopfmüller, J., Nachhaltigkeit, 2022, S. 153. 61 Vgl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Künstliche Intelligenz. 62 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 5. 63 Vgl. Kösters, W., Personaldilemma im öffentlichen Dienst, 2019, S 32. 64 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 4.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 24 und herausfordernden Veränderungsprozesse prägen die Gesellschaft und stellen die ASD vor neue und umfassende Herausforderungen.65 Es muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass gesellschaftliche Entwicklungen und gesellschaftlicher Wandel immer direkt im ASD in der Handlungspraxis ankommen. Dies ergibt sich grundsätzlich auf einer theoretischen Ebene durch die Aufgaben des ASDs: Es geht um die Bearbeitung von Krisen und Problemen, die immer im Kontext der jeweiligen Gesellschaftsstruktur verankert sind. 3.2.2 Zentrale Rechtsgrundlagen Neben den gesellschaftlichen Anforderungen bilden die rechtlichen Rahmungen für die Arbeit im ASD des Jugendamts eine weitere, zentrale Rahmenbedingung, die die Aufgaben definieren und Handlungsspielräume und Grenzen aufzeigen.66 Bei der Betrachtung der Veränderungen der Rechtsgrundlagen in den letzten 20 Jahren lässt sich eine Entwicklungstendenz in Richtung von besserer Kosteneffizienz sowie steigendem Kooperationsund Legitimationsdruck erkennen.67 Nach Artikel 20 Abs. 1 GG in Verbindung mit Artikel 6 Abs. 1 GG ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Staat, in dem die Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung steht. Nach Artikel 6 GG in Verbindung mit § 1626 BGB ist die Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht sowie die Pflicht der Eltern, worüber die staatliche Gemeinschaft wacht. Diese Wächterfunktion übernehmen die sozialarbeiterischen Fachkräfte im Jugendamt – wie in Kapitel 3.1.3 beschrieben. Dabei wird im Rechtsrahmen festgelegt, dass die eigentliche Verantwortung bei den Eltern liegt, Eingriffe im Rahmen des Wächteramts benötigen also eine sehr starke Legitimation über das zu betrachtende Kindeswohl. Neben allgemeinen und grundlegenden Regelungen sind im SGB VIII die Leistungen der Kinderund Jugendhilfe bestimmt. Dabei sind gesellschaftsund fachpolitische Forderungen, die die Kinderund Jugendhilfe verändern, gesetzlich verankert. Mit Einführung des KJSG hat im Sommer 2021 die letzte maß65 Vgl. Kösters, W., Personaldilemma im öffentlichen Dienst, 2019, S 34 ff.; Merchel, J., Handbuch ASD, 2019, S. 390. 66 Vgl. Schröer, H., Interkultureller ASD, 2019, S. 1. 67 Vgl. Bode, I., Turba, H., Paradoxe Zeiten, 2015, S. 41.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 25 gebliche Novellierung stattgefunden.68 Gemäß des KJSG soll in einer inklusiven Kinderund Jugendhilfe nicht mehr zwischen Kindern mit und ohne Behinderung unterschieden werden, sondern die Hilfe aus einer Hand für alle Kinder und Jugendlichen erfolgen. Im Hinblick auf die Umsetzungsphase stellt die umfassende SGB VIII-Reform den ASD vor neue Herausforderungen.69 Denn bisher lag die Zuständigkeit für Kinder und Jugendliche mit Behinderung beim Sozialleistungsträger des SGB IX (Bundesteilhabegesetz), vormals SGB XII. Diese Umstellung wird in den nächsten Jahren in mehreren Schritten umgesetzt und bedeutet eine sehr weitreichende Zuständigkeitserweiterung für die Jugendämter in der Bundesrepublik Deutschland. Nach § 1 Abs. 1 SGB VIII hat „jeder junge Mensch […] ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“. Ist eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung nicht gewährleistet, haben Personensorgeberechtigte nach § 27 Abs. 1 SGB VIII Anspruch auf eine geeignete und notwendige Hilfe zur Erziehung nach §§ 28 – 35 SGB VIII. Neben den Hilfen zur Erziehung sind auch die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche nach § 35a SGB VIII und die Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII entsprechende Leistungsangebote. Als Behörde im Sinne des § 1 Abs. 2 SGB X nimmt der ASD als Verwaltungseinheit innerhalb eines Jugendamtes Aufgaben der öffentlichen Jugendhilfe wahr und unterliegt dabei den Regelungen des im SGB X verankerten Sozialverwaltungsverfahrensrechts. Ergänzende Regelungen ergeben sich beispielsweise aus den Vorschriften des SGB I und SGB IX, sowie den familiengerichtlichen Verfahren nach dem FamFG. Im Sinne einer objektiven und gerechten Verfahrensgestaltung soll das Sozialverwaltungsverfahrensgesetz die Klientinnen und Klienten stärken, indem ein niederschwelliger Zugang zum Sozialleistungssystem die Klientinnen und Klienten entlasten soll und ein formloses Widerspruchsverfahren ermöglicht wird. Trotz der grundsätzlich inhaltlich pädagogischen Ausrichtung der Arbeit im ASD, ist das ASD-Handeln immer auch Verwaltungshandeln.70 Dabei gilt insbesondere der Datenschutz, das Akteneinsichtsrecht nach § 25 SGB X sowie Anhörungspflichten nach § 24 SGB X und § 42 S. 2 SGB X als fachliche Standards im Verwaltungshandeln, sodass ein Verstoß oder ein fehlerhaftes Hilfe68 Vgl. Hollenberg, J., Öffentliche Kinderund Jugendhilfe, 2022, 390. 69 Vgl. Klomann, V., Kutscher, N., SGB VIII-Reformprozess, 2021, S. 405. 70 Vgl. Landers, B., Köhler, E., Organisatorische Verortung des ASD, 2019, S. 4.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 26 planverfahren zur Rechtswidrigkeit der Entscheidung führen kann.71 Weitere verbindliche Vorgaben ergeben sich für den ASD aus Verwaltungsvorschriften wie Dienstanweisungen, Auslegungsoder Ermessensrichtlinien, welche die Standards für die Art und Weise der Aufgabenerfüllung, Aktenführung oder Sprechstunden festlegen.72 Die Abgrenzung von Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung stellt die Fachkräfte im ASD vor eine besondere Herausforderung und erfordert im Rahmen der Einschätzung höchste Professionalität und Legitimation. Das Handeln der Fachkräfte bis hin zum Eingriff in die elterliche Sorge bei Kindeswohlgefährdungen erfolgt auf Rechtsgrundlagen, die der folgenden Abbildung entnommen werden können. Abbildung 5: Verhältnis von Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung Quelle: in Anlehnung an DIJuF, Eingriff in die elterliche Sorge, 2018, S.11. 3.3 Herausforderungen Die ASDs der Jugendämter sehen sich aktuell mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, auf die in den folgenden Unterkapiteln jeweils eingegangen wird, um ein tieferes Verständnis für die aktuelle Komplexität der ASDs der Jugendämter zu erreichen. 71 Vgl. Waschull, D., ASD-Arbeit und Verwaltungsverfahren, 2019, S. 2. 72 Vgl. Landers, B., Köhler, E., Organisatorische Verortung des ASD, 2019, S. 4. Wohl gewährleistet Wohl gefährdet: Eingriffsnorm §1666 BGB Entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig: Verbotsnorm §1631 Abs.2 S. 2 BGB Wohl nicht gewährleistet: Anspruchsnorm §27 SGB VIII
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 27 3.3.1 Aktuelle Personalsituation im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter Der ASD im Jugendamt stellt das Arbeitsfeld mit dem höchsten Professionalisierungsgrad in der Kinderund Jugendhilfe dar. Während in den traditionellen Kindertageseinrichtungen 6 Prozent des pädagogischen Personals eine einschlägige akademische Ausbildung vorweist, zeigt der ASD einen Professionalisierungsgrad von 92,1 Prozent.73 Bei der Betrachtung der Personalverteilung im Jugendamt verzeichnet der ASD das zweithöchste Personalvolumen im Jugendamt. Abbildung 6: Personalverteilung im Jugendamt nach überwiegendem Arbeitsbereich Quelle: Destatis, Statistiken der Kinderund Jugendhilfe, 2022. Angesichts des Fachkräftegebots nach § 72 SGB VIII stellt der allgemeine Fachkräftemangel im gesamten Feld der Kinderund Jugendhilfe besonders 73 Vgl. Mühlmann, T., Personal im ASD, 2022, S. 18.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 28 den ASD im Jugendamt vor die Herausforderung, den erforderlichen Personalbedarf ausreichend decken zu können.74 Im Vergleich der Berufsgruppen weisen die Soziale Arbeit bzw. die Sozialpädagogik im Jahr 2022 mit über 23.000 fehlenden Fachkräften die größte Fachkräftelücke in Deutschland auf.75 Weiterhin zeigt sich, dass die Berufsgruppe der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sich in der Spitzengruppe des Rankings der Berufsgruppen mit den meisten Tagen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Diagnose Burn-out befindet.76 Durch das stetige Anwachsen des Aufgabenumfangs, insbesondere durch das stufenweise Inkrafttreten des Kinderund Jugendstärkungsgesetzes im Jahr 2021 und der ohnehin angespannten Personalsituation in den ASDs der Jugendämter weist der Deutsche Städtetag in seinem Beschluss vom 22.11.2022 auf die drohende Überlastung der Kommunen hin. Zugleich fordert er die Entlastung der Jugendämter und die Vermeidung von zusätzlichen Arbeitsbelastungen durch Verwaltungsaufwand.77 Durch die erheblichen Unterschiede in der Größe sowie der geografischen und soziodemografischen Struktur der Zuständigkeitsgebiete unterscheiden sich die Jugendämter in Deutschland insbesondere auch in der Größe des Personalkorpus. Während im ASD sehr kleiner Jugendämter im Durchschnitt 3,8 Vollzeitäquivalente zu verzeichnen sind, können mittelgroße Jugendämter bereits 18,3 Vollzeitäquivalente im ASD und sehr große Jugendämter im Durchschnitt 99,6 Vollzeitäquivalente im ASD zugeordnet werden. Trotz dem stetig anwachsenden Aufgabenumfang steigt das Personalvolumen in den ASDs angesichts der Fallzahlentwicklungen nicht gleichermaßen und führt damit bundesweit zu einer steigenden Arbeitsbelastung und insbesondere Arbeitsverdichtung. Die ASDs in Nordrhein-Westfalen weisen im deutschlandweiten Vergleich seit dem Jahr 2018 deutlich ungünstigere Personal-Fallzahl-Relationen auf, welche zu neuen Herausforderungen in den ASD führen. Knapp 694.000 junge Menschen haben im Jahr 2021 Hilfen in Anspruch genommen. Der damit erreichte Höchststand unterstreicht die wachsende Bedeutung des Leistungsangebotes für ein gelingendes Aufwachsen von jungen Menschen. Komplexe Problemlagen führen dabei oftmals zu einer wachsenden Intensität der erforderlichen 74 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 13 ff. 75 Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft, Weltfrauentag, 2023. 76 Vgl. Meyer, M., Schenkel, A., Wing, L., Krankheitsbedingte Fehlzeiten, 2021. 77 Vgl. Deutscher Städtetag, Fachkräftemangel ASD, 2022, S. 1.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 35 Nach Oevermann ist ein Beruf eine Profession, wenn das berufliche Handeln nicht standardisierbar ist. Im Hinblick auf Oevermanns Sichtweise kommt dem professionellen Habitus in der Sozialen Arbeit, als unbewusste Antworten auf Handlungsprobleme, eine besondere Bedeutung zu.111 Die Effektivität und Effizienz der Übertragung von Strategien und Verfahren zur Verwaltungsmodernisierung für sozialpädagogische Tätigkeiten konnten zudem empirisch nicht nachgewiesen werden.112 Stattdessen schränken Budgetvorgaben die klientenzentrierte Grundhaltung und professionellen Handlungsstandards der Fachkräfte ein. So werden teilweise geeignete Hilfen durch kostengünstigere Alternativen ersetzt oder frühzeitig beendet.113 Darüber hinaus werden die Fachkräfte im ASD durch den allgemeinen Fachkräftemangel der freien und öffentlichen Träger in ihrem sozialpädagogischen Handeln eingeschränkt. Eine weitere Herausforderung besteht zudem in der kurzfristigen Identifizierung passgenauer Unterstützungsangebote, da dieser Prozess oftmals mit übermäßig hohem Zeitaufwand verbunden ist. Die Alltagspraxis im ASD führt damit oftmals zu hoher Frustration der Fachkräfte, da die berufliche Realität dem Professionsverständnis und der Grundintention des KJSG häufig widerspricht.114 3.3.5 Aufgabenerweiterung Neben dem Anwachsen des Aufgabenumfangs durch größere Fallzahlen führen auch die erhöhten Arbeitsanforderungen, die von den Fachkräften in der vorhandenen Arbeitszeit bewältigt werden müssen, zu einer erhöhten Arbeitsbelastung. Das Fallgeschehen in den Hilfeprozessen hat sich teilweise deutlich komplexer entwickelt. Die Fachkräfte müssen die problematischen Lebensbedingungen der Klientinnen und Klienten bei oftmals nur begrenzten Einblicken verstehen und Hilfsstrategien begründet entwickeln.115 Besonders die Auswirkungen dauerhafter Krisenbewältigung durch zunehmende häusliche Gewalt in Folge von psychosozialen und wirtschaftlichen Belastungen und Existenzängsten sowie familiärer Konflikte, stellen neue Herausforderungen an die ASDs der Jugendämter.116 Die erheblichen negativen Auswirkungen infolge der Fluchtbe111 Vgl. Oevermann, U., Soziale Deutungsmuster, 2001, S. 46. 112 Vgl. Marks, S. et al., Sozialpädagogische Kinderschutzarbeit, 2018, S.13. 113 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 27. 114 Vgl. Hollenberg, J., Kinderund Jugendhilfe in Not, 2023, S. 206. 115 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 122. 116 Vgl. Jentsch, B., Schnock, B., Kinder im Blick?, 2020, S. 304.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 36 wegungen, der Corona-Pandemie oder des Ukraine-Kriegs haben zu einem erheblichen Mehrbedarf an Hilfeleistungen geführt, der oftmals nur unter großen Bemühungen um die Sicherstellung der fachlichen Mindeststandards erfüllt werden kann.117 Um die Qualität einzelner Beratungsanliegen unter Berücksichtigung erforderlicher Reflexionsund Rücksprachemöglichkeiten sicherstellen zu können, fordert der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. auskömmliche Zeitressourcen und eine realistische Fallzahlbegrenzung pro Fachkraft. Dies ermöglicht passgenaue Hilfen, die von den Fachkräften begleitet werden können und dadurch wirkungsvoller, kostengünstiger und oftmals von kürzerer Dauer sind.118 Die Aufgaben und Leistungen, für die die Fachkräfte im ASD zuständig sind, haben sich inhaltlich-fachlich deutlich verändert, erweitert und intensiviert und fordern ein hohes Maß an Flexibilität und ein umfangreiches Fachwissen der Fachkräfte.119 Mit der Einführung des KJSG, als umfassendste Reform zur Verbesserung der Rechte von Kindern und Jugendlichen seit der Einführung des SGB VIII, hat sich ein Aufgabenund Funktionswandel der öffentlichen Kinderund Jugendhilfe vollzogen, der den Kinderschutz, die Partizipation – Beteiligung und Stärkung von Kindern, Jugendlichen und Familien – in den Fokus rückt.120 Als besonders belastend werden die Themen der Klientinnen und Klienten und deren Betreuungsintensität sowie die Sorge, etwas falsch machen zu können, empfunden.121 Die hohe Belastung zeigt sich auch darin, dass viele Berufsanfängerinnen und -anfänger den ASD nach kurzer Zeit wieder verlassen, weil die wahrgenommene Verantwortung so groß ist.122 Zur Umsetzung des inklusiven Leitgedankens des KJSG bedarf es personell gut aufgestellte und handlungsfähige ASDs in den Jugendämtern.123 117 Vgl. Alsago, E. et al., Corona-Pandemie, 2022, S. 229; Hollenberg, J., Kinderund Jugendhilfe in Not, 2023, S. 205. 118 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 7. 119 Vgl. Rätz, R., Schäuble, B., Arbeitssituation im ASD, 2015, S. 38. 120 Vgl. Klomann, V., Pietsch, S., SGB VIII-Reform, 2021, S. 420; Hollenberg, J., Öffentliche Kinderund Jugendhilfe, 2022, S. 389. 121 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 108. 122 Vgl. Vieth-Entus, S., Behörden in Berlin, 2017, Zugriff am 27.08.2023. 123 Vgl. Hollenberg, J., Kinderund Jugendhilfe in Not, 2023, S. 206.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 37 3.3.6 Mediale Kinderschutzdebatte Die medialen Berichterstattungen über die Arbeit des ASD bzw. des Jugendamts als zentrale Steuerungsinstanz im Kinderschutz erfolgt zwischen Verharmlosung und Skandalisierung und ist in den Medien insgesamt negativ konnotiert.124 In medial aufbereiteten Kinderschutzfällen geraten dabei weniger die Jugendämter als Organisation selbst in den Blick der Öffentlichkeit, sondern vielmehr das Handeln der Fachkräfte.125 Die Bevölkerung tritt Jugendämtern mit Skepsis und Vorbehalten gegenüber und das Vertrauen gegenüber Jugendämtern liegt bei einem Neun-Ländervergleich Im Jahr 2020 im unteren Mittelfeld. Der Ruf der Jugendämter in den Medien trägt maßgeblich zur Meinungsbildung in der Bevölkerung bei und verfestigt angstbesetzte Bilder von der Institution Jugendamt.126 Fachkräfte im ASD fühlen sich bei vergleichsweise geringer Bezahlung illusionären öffentlichen Erwartungen und stetigem Legitimationsdruck ausgesetzt.127 Dabei verschärft der zusätzliche Legitimationsdruck – zusätzlich zum grundsätzlichen Legitimationsdruck in der öffentlichen Verwaltung – eine zusätzliche Verstärkung des Faktors der Kontrolle im wahrgenommenen Arbeitsklima.128 Fallverantwortliche Fachkräfte empfinden die pauschal negative Wahrnehmung des ASD als Belastung und als erschwerend für die Zusammenarbeit mit Familien. Stattdessen fordern die Fachkräfte ausreichend Zeit für die Beziehungsarbeit mit den Familien.129 Dabei sind die Fachkräfte einer öffentlichen Wahrnehmung des Jugendamtes mit zwei möglichen Ausprägungen ausgesetzt: 1. Jugendämter handeln grundsätzlich zu früh und nehmen Familien ihre Kinder weg. 2. Jugendämter reagieren zu spät und gefährden dadurch ein Kind, Kinder oder Jugendliche.130 Die Probleme, die oftmals im Kontext des Kinderschutzes diskutiert werden, sind jedoch meist nicht mit Akteurs-, sondern Systemversagen in Verbindung zu 124 Vgl. Puhl, R., Öffentlichkeitsarbeit, 2004, S. 80 f. 125 Vgl. MGFFI NRW, Risikomanagement bei Kindeswohlgefährdung, 2009, S. 3. 126 Vgl. Meysen, T. et al., Arbeit der Jugendämter, 2023, S. 17 ff. 127 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 39. 128 Vgl. Kahl, Y., Bauknecht, J., Psychische Erschöpfung, 2023, S. 2. 129 Vgl. Biesel, K., Zusammenarbeit, 2015, S. 48. 130 Vgl. Biere, A., Rätz, R., Jugendhilfe, 2019, S. 350.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 38 bringen.131 In diesem Zusammenhang ist von einer allgemeinen öffentlichen Unkenntnis über die Komplexität der Arbeit im ASD des Jugendamts und dessen belastenden Rahmenbedingungen auszugehen.132 Folglich ist es Aufgabe der Politik, die Öffentlichkeit über die Aufgaben des ASDs aufzuklären und die erforderliche Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit zu fördern. Während andere belastende Professionen wie Ärztinnen bzw. Ärzte oder Lehrkräfte durch finanzielles und gesellschaftliches Ansehen kompensiert werden, wird die Belastung speziell im ASD des Jugendamts durch ein negatives Image verstärkt.133 Trotz der akademischen Ausbildung und einer hohen psychischen Arbeitsbelastung fällt die tarifliche Eingruppierung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im ASD vergleichsweise gering aus.134 3.4 Gestaltung der Einarbeitung als Verbesserungspotenzial Professionalität in der Sozialen Arbeit gründet auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen sowie auf praktischer Erfahrung und kann als organisiertes und reflektiertes Handeln in der Praxis verstanden werden.135 In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gerade den eigenen praktischen Erfahrungen und den Erkenntnissen aus dem kollegialen Austausch ein höherer Stellenwert eingeräumt wird als der theoretischen Methodik.136 Die Ergebnisse der Sekundäranalyse von Gragert verdeutlichen, dass die Fachkräfte in den Jugendämtern vermehrt der Überzeugung sind, dass sie nach Abschluss des Studiums auf die Anforderungen des Arbeitsplatzes im ASD nicht genügend vorbereitet waren und die Tätigkeit im ASD grundsätzlich erst ab einem Lebensalter von 35 Jahren empfehlen würden.137 Da die sozialarbeiterische Praxis von Unsicherheit und Komplexität geprägt ist, dient das individuelle Erfahrungswissen der Komplexitätsreduktion und ermög131 Vgl. Bode, I., Turba, H., Paradoxe Zeiten, 2015, S. 41. 132 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 125. 133 Vgl. Petry, U., Arbeitssituation im ASD, 2015, S. 46. 134 Vgl. Moch, M. et al., Berufspolitische Perspektiven, 2013, S. 226. Anzumerken ist jedoch, dass die grundsätzliche Eingruppierung in den Tarifvertrag durchaus die Komplexität und das Wächteramt berücksichtigt. 135 Vgl. Auner, C., Harrer-Amersdorffer, J., Dimensionen von Professionalität, 2022, S. 362. 136 Vgl. Reisberger, M., Quo Vadis Theoria?, 2020, S. 284 f. 137 Vgl. Gragert, N., Arbeitsfeld Jugendamt, 2004, S. 46 f.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 39 licht es den Fachkräften, im Berufsalltag handlungsfähig zu bleiben.138 Dabei scheint der Berufseinstieg im ASD aufgrund der Allzuständigkeit, der hoheitlichen Aufgaben im Kinderschutz und insgesamt hoher Fallzahlbelastungen eine besondere Herausforderung zu sein.139 Die Ergebnisse der Bottom-up-Studie „Berufliche Realität im ASD: der ASD in strukturellen Zwängen“ von Beckmann, Ehlting und Klaes weisen bereits 2018 auf eine vielerorts unzureichende Einarbeitungssituation hin. Während 32 Prozent der Befragten angaben, kein Einarbeitungsmodell zu haben, dauert die Einarbeitung von 68 Prozent der Befragten mit einem Einarbeitungsmodell maximal drei Monate.140 Nach Ansicht der Fachkräfte im ASD sollte die Einarbeitung im ASD hingegen ungefähr zwei Jahre betragen.141 Das im Zuge des Bologna-Prozesses ersetzte einjährige Anerkennungsjahr zur Erlangung der staatlichen Anerkennung wurde vielerorts durch 100 Tage praktischer Tätigkeit ersetzt. Nunmehr werden viele Berufseinsteigende umgehend als vollwertige Fachkraft in der Praxis angesehen, die dabei oftmals auf eine defizitäre Einarbeitungssituation sowie belastende Personalund Fallzahlproblematiken treffen.142 Nach Beckmann et al. kann von einer unzureichenden Einarbeitungssituation in einem Drittel der ASD auch vor dem Hintergrund ausgegangen werden, dass die meistbesuchte Fortbildung die Einarbeitungsfortbildung im Rahmen des Berufseinstiegs ist.143 138 Vgl. Auner, C., Harrer-Amersdorffer, J., Dimensionen von Professionalität, 2022, S. 363. 139 Vgl. Bondarowicz-Kaesling, M., Polutta, A., Herstellung von Fachlichkeit, 2017, S. 35. 140 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 53. 141 Vgl. Gragert, N., Arbeitsfeld Jugendamt, 2004, S. 47. 142 Vgl. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e. V., Staatliche Anerkennung, 2010. 143 Vgl. Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 124 f. Diese Fortbildungen haben häufig Bezeichnungen wie „Neu im ASD“.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 40 Abbildung 8: (Meist-)besuchte Fortbildungen im ASD Quelle: in Anlehnung an Beckmann, K. et al., Berufliche Realität im Jugendamt, 2018, S. 58. Dabei hängt die Qualität der erzieherischen Hilfen maßgeblich von der Professionalität der Fachkräfte ab. Eine fachlich angemessene und effiziente Hilfeplanung erfordert qualifizierte Fachkräfte. Daher sind die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger in die Verfahrensweisen und Arbeitsmethoden des ASD einzuarbeiten und stetig fortzubilden. Vor dem Hintergrund des sinkenden Erwerbstätigenpotenzials infolge des demografischen Wandels stehen zukünftig immer weniger Fachkräfte für die anfallenden Aufgaben zur Verfügung.144 Im Hinblick auf die veränderte Altersund Erfahrungsstruktur in den ASDs der Jugendämter ist ein strukturierter und fachgerechter Wissenstransfer zur Entwicklung einer professionellen Haltung von hoher Relevanz.145 Eine unzureichende Einarbeitung kann zu Gefühlen der Überforderung und Frustration führen und die hohe Fluktuation der Fachkräfte begünstigen. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. empfiehlt ein strukturiertes Einarbeitungskonzept in den ASD zu verankern, sodass umfassende Standards der Einarbeitung unabhängig von der Arbeitsbelastung der 144 Vgl. BAG Landesjugendämter, Empfehlungen Qualitätsmaßstäbe, 2023, S. 64. 145 Vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V., Personalgewinnung, 2021, S. 5. 63 72 135 41 338 100 15 160 125 050 100 150 200 250 300 350 400 FLÜCHTLINGE/ASYLRECHT -INTERKULTURALITÄT PSYCH. KRANKE ELTERN/TRAUMATA SYST. BERATUNG/THERAPIE QM, OPTIMIERUNG, SOFTWARE BERUFSEINSTIEG PSYCHOLOG. GRUNDLAGEN TRAUMATA BEI KINDERN KWG / § 8A SONSTIGE Nennungen
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 41 Fachkräfte sichergestellt werden können. Im Rahmen der Personalbedarfsplanung sind daher Kapazitäten zu schaffen, die eine Umsetzung der Einarbeitung sicherstellen, sodass die Qualität der Einarbeitung nicht von unzureichenden zeitlichen Kapazitäten abhängt.146 Der Fokus wird nun auf die Sozialwirtschaft im Gesamten gelegt. Dies scheint ein sinnvoller Ansatz zu sein, da die Sozialwirtschaft deutlich spezialisierter auf den fachlichen Bereich der Sozialen Arbeit ist, als dies bei der Kommunalverwaltung der Fall ist. In der Sozialwirtschaft lässt sich bereits der aus dem Personalmanagement stammende Begriff des Onboardings finden. Damit wird der Prozess der Neueinstellung von Mitarbeitenden in Organisationen beschrieben.147 In der Sozialwirtschaft sollte der Prozess des Onboardings über ein mehrstufiges Verfahren organisiert werden. Es beginnt mit der Ausschreibung der Stelle und somit der Stellenanzeige, setzt sich dann in Bewerbungsgesprächen und Arbeitsproben fort. Nach der Einstellungsentscheidung beginnt dann eine notwendige Organisationsphase, in der die zuständige Führungskraft die weiteren Schritte plant und Verantwortlichkeiten benennt. Die nächste Phase beginnt mit dem ersten Arbeitstag und endet mit dem Ende der Probezeit. Hier sollen beide Parteien entscheiden können, ob eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll erscheint. Nach dem Ende der Probezeit soll das Onboarding in einem laufenden Prozess fortgesetzt werden, der sich bspw. in Jahresgesprächen wieder findet.148 146 Vgl. ebd., S. 16 ff. 147 Vgl. Träger, T., Personalmanagement, 2021, S. 89 ff. 148 Vgl. Löhe, J., Onboarding: Konzepte für das Ankommen, 2022, S. 30 f.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 42 Abbildung 9: Schematische Darstellung eines Muster-Onboardings in der Sozialwirtschaft Quelle: inhaltlich angelehnt an Löhe, J., Onboarding: Konzepte für das Ankommen, 2022. Wird der Fokus auf die öffentliche Verwaltung gelegt, so ist hier insbesondere eine Publikation der KGSt relevant. Auch dort wird die Bedeutung des Onboardings deutlich skizziert. Die Phasierung des Onboardings wird jedoch leicht abweichend vorgenommen. Hier war Onboarding lediglich in drei Phasen dargestellt, die insgesamt einen deutlicheren Fokus auf die Einarbeitung legen: • Das Preboarding beschreibt die Vorbereitungsphase, die zwischen abgeschlossenem Recruiting und erstem Arbeitstag liegt. • Die Orientation beschreibt die Orientierungsphase, die mit dem ersten Arbeitstag des neu einsteigenden Personals beginnt und ca. bis zum Abschluss des dritten Beschäftigungsmonats dauern soll. • Die Integration beschreibt die Integrationsphase, sie setzt nach Abschluss der Orientierungsphase ein und soll bis zum Ende der Probezeit andauern, längstens jedoch bis zum Ende des ersten Beschäftigungsjahrs.149 149 Vgl. KGSt, Onboarding, 2022. •aussagekrä�ig •präzise Stellenbeschreibung •Teilstrukturiert mit offenen Fragen •Fallanalysen und ggf. Hospita�onstage Bewerbungsgespräche / Arbeitsproben •Vorbereitung erster Arbeitsaufgaben •Organisa�on einer Patenscha� Vorbereitung durch Führungskra� •Zeitressource zur Verfügung stellen •Emo�onales Ankommen ermöglichen Erster Arbeitstag •Abschlussgespräch •Entscheidung zur Übernahme Ende der Probezeit •Kon�nuierliche Fortsetzung des Ankommens •Weiterentwicklung stärken Jahresgespräche
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 43 Nimmt man die dargestellten Informationen zusammen, so ergeben sich deutliche Hinweise, dass die Einarbeitung von zentraler Bedeutung für den ASD im Jugendamt sein könnte: • Die Personalsituation ist von Mangel gekennzeichnet. • Viele der offenen Stellen werden insbesondere mit jungen Berufseinsteigerinnen besetzt. • Die Fluktuation bei den neu eingestellten Fachkräften ist sehr hoch. • Das Aufgabengebiet an sich ist von einer sehr hohen Komplexität, Unsicherheit und Ambivalenz gekennzeichnet. • Die Fachlichkeit der Sozialen Arbeit kollidiert in ihren Grundsätzen mit denen der Organisation der öffentlichen Verwaltung. Auf Grund dieser Zusammenhänge wird der Fokus in der Folge auf eine Untersuchung der Einarbeitung im ASD im Jugendamt gelenkt. Die Basis hierfür stellt eine empirische Untersuchung dar, die eine Theorie zur aktuellen Situation der Einarbeitung in Jugendämtern entwickeln soll. Um den Praxisbezug durchgehend zu sichern, wird ein induktiver Ansatz gewählt, der die Theorie direkt in der Praxis verankern soll. Ziel dieses Vorgehens ist, normative Aussagen zu entwickeln, die über eine Verbesserung der Einarbeitung eine Verbesserung der gesamten Arbeitssituation im ASD im Jugendamt erreichen kann.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 44 4. Studiendesign und Ergebnisse In diesem Hauptkapitel wird nun die für diese Publikation zentrale Studie dargestellt, und zwar in Bezug auf den Forschungsansatz, die Datenerhebung, die Datenauswertung und das Kategoriensystem als Ergebnis der Studie. 4.1 Forschungsansatz In der Sozialforschung kann grundsätzlich zwischen dem quantitativen und dem qualitativen Forschungsansatz unterschieden werden. Beide Forschungsansätze unterscheiden sich hinsichtlich der Fragestellung und Zielsetzung und skizzieren damit einen unterschiedlichen Forschungsprozess.150 Während der quantitative Forschungsansatz ein hoch standardisiertes Vorgehen ist und durch eine große Stichprobe die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sowie statistische Zusammenhänge ermöglicht, zielt der qualitative Forschungsansatz durch die hohe Flexibilität und Offenheit im Vorgehen und einer im Vergleich zur quantitativen Forschung kleinen Stichprobe auf die Entdeckung bisher unbekannter Sachverhalte. Die quantitative Forschung ist damit ein weniger flexibles Vorgehen, sodass tendenziell keine Ursachenergründung oder das Erfragen von Lösungsansätzen möglich ist. Die qualitative Forschung ist hingegen sehr zeitintensiv und aufwendig in der Auswertung.151 Weiterhin unterscheiden sich beide Forschungsansätze hinsichtlich der Art ihres Vorgehens. Während quantitative Verfahren deduktiv vorgehen und Hypothesen testen, ist die qualitative Forschung durch ein induktives Vorgehen gekennzeichnet, wodurch neue Hypothesen generiert und Theorien empirisch begründet bzw. entwickelt werden.152 Unter Berücksichtigung der Kennzeichen quantitativer und qualitativer Sozialforschung sowie der Zielsetzung geht diese Untersuchung empirisch induktiv vor und befasst sich mit dem Ankommen von Berufseinsteigerinnen und - einsteigern im ASD des Jugendamts. Im Hinblick auf die vorab aufgezeigten Vorund Nachteile beider Forschungsansätze, wird für das vorliegende Forschungsvorhaben die qualitative Methode als geeignet erachtet. In diesem Zusammenhang wird folgende Forschungsfrage untersucht: 150 Vgl. Wichmann, A., Forschung, 2019, S. 3. 151 Vgl. Gläser, J., Laudel, G., Sozialforschung, 2010, S. 26 f. 152 Vgl. Bogner, A. et al., Interviews mit Experten, 2014, S. 32.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 51 stützung gesucht wird. Es wird also deutlich eher der Kontakt zum Jugendamt gesucht, als dies früher der Fall war. Ebenso zeigt sich der gesellschaftliche Wandel zunehmend durch die Erforderlichkeit eines umfassenden kulturellen Verständnisses für die Arbeit im ASD. Durch die geringe Planbarkeit des Arbeitsalltags ist eine strukturierte Arbeitsweise von besonderer Bedeutung. Tabelle 1 zeigt die Bildung der Kategorie Allzuständigkeit in den zentralen Auszügen. Es wird die Schrittfolge von der Kodiereinheit über die Paraphrase bis hin zur Generalisierung dargestellt. Alle dargestellten Kodiereinheiten wurden in der Kategorie Allzuständigkeit integriert. Tabelle 1: Induktive Kategorienbildung Allzuständigkeit Kodiereinheit Paraphrase Generalisierung „man muss schon sehr, sehr flexibel sein“ (Interview 1, Z. 142) Man muss sehr, sehr flexibel sein Hohe Flexibilität erforderlich „wir haben ja auch viele, die eben aus anderen Ländern kommen, da ist vielleicht das normal, dass man mal eine Ohrfeige verteilt oder sowas und das ist, ich finde da muss man immer viel Verständnis auch für mitbringen, klar hier ist es nicht erlaubt und man muss den das sagen, aber man muss so diese Wohlstandsbrille ganz oft auch absetzen“ (Interview 1, Z. 144 f.) Wir haben viele, die aus anderen Ländern kommen, wo eine Ohrfeige vielleicht normal ist und ich finde, dass man da viel Verständnis für mitbringen muss; klar hier ist es nicht erlaubt und man muss den Leuten das auch sagen, aber man sollte die Wohlstandsbrille oft auch absetzen Kulturelles Verständnis erforderlich „Aktuell besonders herausfordernd ist, dass man zum Dienst kommt und eigentlich gar nicht weiß wie der Tag sich so gestaltet“ (Interview 2, Z. 16 f.) Man kommt zum Dienst und weiß nicht, wie sich der Tag so gestaltet Ungewisser Arbeitsalltag „also mindestens die Hälfte der Tage kann ich nicht meinen Tag so gestalten wie ich den ursprünglich Ich kann die Hälfte der Tage nicht so gestalten, wie ich den Tag ursprünglich geplant hatte, sondern Geringe Planbarkeit und hohe Spontanität im Arbeitsalltag
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 52 geplant hatte, sondern muss dann spontan agieren“ (Interview 2, Z. 21 f.) muss spontan agieren „Ja also die Spontanität der Themen die dann aufplöppen, das ist besonders herausfordernd“ (Interview 2, Z. 24) Besonders herausfordernd ist die Spontanität der Themen, die aufplöppen Spontanität der Themen „weil ja auch die gesamte Gesellschaft mehr Anforderungen hatte, bzw. mehr über Problemlagen jetzt auch gesprochen [wird]“ (Interview 5, Z. 200 f.) Die gesamte Gesellschaft hat mehr Anforderungen und spricht über mehr Problemlagen Hohe gesellschaftliche Anforderungen „Also man muss selber für sich entscheiden, was hat für mich jetzt oberste Priorität, das ist auch zum Teil schwierig, sich da rein zu finden, weil man weiß ja gar nicht, was wie gewichtet wird und dann direkt zu entscheiden ich muss jetzt das aber machen und das aber eigentlich auch, kann auch eine Herausforderung sein, eine Große“ (Interview 8, Z. 137 ff.) Es kann eine große Herausforderung sein, Prioritäten zu setzen, weil man ja nicht weiß, wie was gewichtet wird Priorisierung „dass man in ganz, ganz, ganz vielen Themenbereichen firm sein muss“ (Interview 15, Z. 32.) Man muss in ganz vielen Themenbereichen firm sein Hohe Themenvielfalt „Dann in der reinen Arbeitsweise muss man sich stark strukturieren lernen, weil ja doch Planung eher auch durch Krisen über Bord geworfen werden“ (Interview 15, Z. 43 f.) Man muss sich in der Arbeitsweise strukturieren, weil Planungen durch Krisen über Bord geworfen werden Geringe Planbarkeit
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 53 4.4.2 Fachkenntnisse Um die Allzuständigkeit im Rahmen der Generalisierung sozialarbeiterischer Aufgaben im ASD im Jugendamt sicherzustellen, ist den Klientinnen und Klienten eine rundum kompetente Fachkraft gegenüberzustellen. Durch die rechtlich und fachlich sehr anspruchsvolle ASD-Tätigkeit, verfügen die dortigen Fachkräfte über die Befugnis, auf den Erfolg gelingender Hilfeprozesse maßgeblich einzuwirken.162 Als weitere zentrale Herausforderung für den Berufseinstieg im ASD beschreiben die Interviewten die oftmals geringen Fachkenntnisse der Fachkräfte. Dabei wird immer wieder die geringe oder teils fehlende Thematisierung der ASDTätigkeit während des Studiums betont. So haben die Interviewten den Eindruck, Berufseinsteigerinnen und -einsteiger kommen direkt nach dem fachbezogenen Studium ahnungslos in den ASD im Jugendamt, ohne sich vorab über die Aufgaben des ASD zu informieren. Besonders die Zusammenarbeit mit den Familiengerichten setzt ein hohes rechtliches Grundlagenwissen in familiengerichtlichen Verfahren von den sozialpädagogischen Fachkräften voraus. Gleichwohl erfordern akute Gefährdungssituationen organisatorische Bedingungen, die kompetentes Handeln der Fachkräfte erst ermöglichen. Denn das konkrete Handeln der Fachkräfte im ASD ist zeitgleich Ausdruck der Strukturen und Prozesse eines Jugendamtes.163 Tabelle 2 zeigt die Bildung der Kategorie Fachkenntnisse in den zentralen Auszügen. Es wird die Schrittfolge von der Kodiereinheit über die Paraphrase bis hin zur Generalisierung dargestellt. Alle dargestellten Kodiereinheiten wurden in der Kategorie Fachkenntnisse integriert. Tabelle 2: Induktive Kategorienbildung Fachkenntnisse Kodiereinheit Paraphrase Generalisierung „ASD wird ja nicht drüber gesprochen im Studium leider“ (Interview 8, Z. 194 f.) Über den ASD wird im Studium leider nicht gesprochen Fehlende Thematisierung des ASD während des Studiums „was ich immer ein bisschen schade fand, im Studium wurde nie über Ich fand es schade, dass im Studium nie über den ASD, das Jugendamt Fehlende Thematisierung des ASD während des Studiums 162 Vgl. Schröer, H., Interkultureller ASD, 2019, S. 160. 163 Vgl. MGFFI NRW, Risikomanagement bei Kindeswohlgefährdung, 2009, S. 10.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 54 ASD gesprochen, über Jugendamt“ (Interview 8, Z. 150 f.) gesprochen wurde „wobei man in der Uni relativ wenige Schnittpunkte glaube ich mit der Arbeit im Allgemeinen Sozialen Dienst hat“ (Interview 10, Z. 68 f.) In der Uni hat man glaube ich relativ wenige Schnittpunkte mir der Arbeit im ASD Geringe Thematisierung der ASD-Tätigkeit während des Studiums „In der Regel kommen die Leute relativ blauäugig in den ASD, weil eben das kein großes Lernfeld in der Uni ist“ (Interview 10, Z. 156 f.) Die Leute kommen relativ blauäugig, weil der ASD in der Uni kein großes Lernfeld ist Geringe Thematisierung der ASD-Tätigkeit während des Studiums „ich glaube viele Leute haben sich gar keine Gedanken gemacht, was das Jugendamt macht“ (Interview 10, Z. 163 f.) Viele Leute haben sich keine Gedanken darüber gemacht, was das Jugendamt macht Fehlende Kenntnis der Fachkräfte über die ASDTätigkeit „Man hat halt keinen guten Einblick in die Aufgabe n eines ASD, wenn man so von außen anfängt“ (Interview 12, Z. 118 f.) Fehlender Einblick in die Aufgaben eines ASD, wenn man anfängt Fehlende Kenntnis über die Aufgaben des ASD 4.4.3 Arbeitsbelastung Die vielfältigen sozialpädagogischen Aufgaben im ASD der Jugendämter führen auch durch teilweise geringe Fachkenntnisse zu einer hohen Arbeitsbelastung. Die Arbeitsbelastung stellt folglich eine weitere zentrale Herausforderung für den Berufseinstieg im ASD im Jugendamt dar. An dieser Stelle ist im Rahmen einer quantitativen Inhaltsanalyse festzustellen, dass die „(Arbeits-)Belastung“ die am häufigsten genannte Herausforderung darstellt. Die Arbeitsbelastung entsteht unter anderem durch ansteigende Fallzahlen infolge unbesetzter Stellen. Die flächendeckende Personalproblematik im ASD spiegelt sich besonders bei den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern in einem Gefühl der Überlastung wider.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 55 Dazu fühlen sich Berufseinsteigerinnen und -einsteiger enormen öffentlichen Erwartungen bei gleichzeitigem negativem Bild in der Öffentlichkeit ausgesetzt, sodass sie das Gefühl „mit einem Bein im Knast oder der Zeitung“ zu stehen als besonders belastend empfinden. Darüber hinaus ist „das Aushalten“ während des Berufseinstiegs im ASD besonders herausfordernd. So fällt es gerade Berufseinsteigerinnen und -einsteigern schwer, sensible Themen wie Missbrauch oder Gewalt und teilweise fehlende Handlungsmöglichkeiten auszuhalten und sich persönlich abzugrenzen, um die eigene psychische Gesundheit zu erhalten und zu schützen. Weiterhin empfinden Berufseinsteigerinnen und -einsteiger den geringen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen über die eigene Belastung als herausfordernd, sodass das Kommunizieren der eigenen Belastung teilweise als Schwäche empfunden wird. Als weitere zentrale Herausforderung in der Kategorie Arbeitsbelastung kann die flächendeckend überlastete Trägerlandschaft identifiziert werden. Beispielsweise die Suche nach stationären Unterbringungsmöglichkeiten gestaltet sich oftmals intensiv und schwierig, weil sich keine freien Plätze in den stationären Einrichtungen finden lassen. Den vielfältigen Aufgaben im ASD fühlen sich Berufseinsteigerinnen und -einsteiger unmittelbar nach dem Studium nicht ausreichend gewachsen. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass der ASD-Alltag nicht selten eine geringe Planbarkeit aufweist. Berufseinsteigerinnen und - einsteiger fühlen sich in Ihrem Handeln zum Teil unsicher und tragen dabei eine enorme Verantwortung. Abbildung 11 zeigt die Gründe für die empfundene Belastung der Interviewten während des Berufseinstiegs. Die Häufigkeit richtet sich dabei nach der Anzahl der entsprechenden Kodiereinheiten. Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger besondere Belastung durch die Emotionalität der Themen, der Herausforderung der Abgrenzung und des Aushaltens sowie der steigenden Fallzahlen empfinden.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 56 Abbildung 11: Arbeitsbelastung im ASD Tabelle 3 zeigt die Bildung der Kategorie Arbeitsbelastung in den zentralen Auszügen. Es wird die Schrittfolge von der Kodiereinheit über die Paraphrase bis hin zur Generalisierung dargestellt. Alle dargestellten Kodiereinheiten wurden in der Kategorie Arbeitsbelastung integriert. Tabelle 3: Induktive Kategorienbildung Arbeitsbelastung Kodiereinheit Paraphrase Generalisierung „also ich sag immer mit einem halben Bein steht man immer irgendwo im Knast oder in der Zeitung, wir haben ja auch nicht den besten Ruf“ (Interview 1, Z. 47 ff.) Ich sag immer, dass man mit einem Bein im Knast oder der Zeitung steht, weil wir nicht den besten Ruf haben Belastung durch negatives Bild in der Öffentlichkeit „das fiel mir am Anfang schon schwer, weil wir reden ja von Kindern, das auszuhalten, aber das ist hier ganz oft Aushalten, manchmal hat man eben nicht genügend Gefährdungspunkte um zu sagen, wir holen die da raus“ Am Anfang fiel es mir schwer das auszuhalten, weil wir von Kindern reden und man muss ganz oft hier aushalten, da man manchmal noch nicht genügend Gefährdungspunkte hat um Kinder rauszuholen Am Anfang fällt das Aushalten schwer 19% 3% 25% 31% 8% 8% 6% Gründe für die (Arbeits-)Belastung im ASD Fallzahlbelastung Nega�ves Bild in der Öffentlichkeit Abgrenzung/Aushalten Emo�onalität der Themen Unterbesetzung Verantwortung Überlastete Trägerlandscha�
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 57 (Interview 1, Z. 120 ff.) „gerade wenn es um so sensible Themen wie Missbrauch oder Gewalt geht, also das ist schon dann auch hartes Brot und das muss man schon ertragen können“ (Interview 1, Z. 123 ff.) Gerade sensible Themen wie Missbrauch oder Gewalt sind hartes Brot, das muss man ertragen können Besonders schwierig auszuhalten sind sensible Themen wie Missbrauch oder Gewalt „man muss immer gucken, dass man das nicht mit nach Hause nimmt“ (Interview 1, Z. 127) Man darf das nicht mit nach Hause nehmen Abgrenzung „Also man mu ss schon abschalten können und ich glaube da ist so ein Ausgleich neben der Arbeit nochmal ganz gut oder wenn man das Gefühl hat, ich halte da wirklich den Druck nicht aus, dann sich hier vielleicht in der Supervision dann nochmal zu reflektieren oder mit Kollegen sich nochmal zusammenzusetzen um das eben hier zu lassen […] ich glaube sonst zerbricht man hieran, also das ist dann einfach zu hart“ (Interview 1, Z. 130 ff.) Man muss abschalten können und einen Ausgleich nach der Arbeit haben; wenn man das Gefühl hat, den Druck nicht auszuhalten, dann in der Supervision reflektieren oder sich mit Kollegen zusammenzusetzen; sonst zerbricht man hieran, weil das zu hart ist Abschalten, um Druck auszuhalten „was noch besonders herausfordernd ist, sind natürlich di e emotionalen Themen, die die Familien mitbringen“ (Interview 2, Z. 25 f.) Besonders herausfordernd sind die emotionalen Themen der Familien Emotionalität der Themen „emotionale Herausforderung gibt es hier schon jede Menge“ (Interview 3, Z. 28 f.) Es gibt jede Menge emotionaler Herausforderungen Emotionale Belastung
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 58 „man muss sich ein dickes Fell anschaffen“ (Interview 3, Z. 44 f.) Man muss ein dickes Fell haben Fachkräfte müssen viel ertragen können „man darf nicht alles mitnehmen, das ist schon wichtig sich dann abzugrenzen“ (Interview 3, Z. 46 f.) Man darf nicht alles mitnehmen; es ist wichtig, sich abzugrenzen Abgrenzung „es gibt schon so Situationen, grenzwertige Situationen mit denen man umgehen muss. Also Belastbarkeit ist auf jeden Fall wichtig, Flexibilität, ist zwar auch Empathie, aber sich wirklich in diese Lebenswelt der Klienten einzulassen, um nachzuvollziehen warum ist das für die so, wie es jetzt gerade ist“ (Interview 4, Z. 37 ff.) Es gibt grenzwertige Situationen, mit denen man umgehen muss, Belastbarkeit und Empathie sind wichtig, um sich in die Lebenswelt der Klienten einzulassen und nachzuvollziehen Belastende Situationen „Wenn ich über Belastung rede, dann gibt es ja einmal die emotionale Belastung, also du nimmst ein Kind in Obhut im allerschlimmsten Fall“ (Interview 4, Z. 71 ff.) Es gibt die emotionale Belastung, also du nimmt im allerschlimmsten Fall ein Kind in Obhut Emotionale Belastung „wie gehe ich mit diesem Arbeitsbereich, mit diesem psychischen Druck [um]. (Interview 5, Z. 71 f.) Wie gehe ich mit diesem psychischen Druck um Psychischer Druck „ja, aber da habe ich festgestellt, wo ich beim Jugendamt war, Heidewitzka Herr Kapitän , da ist ein bisschen mehr was man noch, alles das, was Ethik, Moral und Diplomatie, Ressourcenorientiert und so weiter, das wird mehr Beim Jugendamt habe ich festgestellt, dass ein bisschen mehr Ethik, Moral, Diplomatie, Ressourcenorientierung und so erwartet wird. Hohe Erwartungen an die Fachkräfte
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 59 erwartet“ (Interview 5, Z. 115) „gerade im Allgemeinen Sozialen Dienst, da muss man für sich tatsächlich sehr gut trennen können, weil wenn hier dieser enorme psychische Druck vorherrscht“ (Interview 5, Z. 128 ff.) Im ASD muss man gut trennen können, weil ein enormer psychischer Druck vorherrscht Psychischer Druck erfordert Abgrenzung „ich glaube diese Fälle, wo dann echt Kinder wirklich misshandelt werden oder sonst was, dass das viele dann auch emotional nicht packen können“ (Interview 6, Z. 75 ff.) Ich glaube, dass viele die Fälle, i n denen Kinder misshandelt werden oder sonst was, emotional nicht packen können Fälle der Kindesmisshandlung hoch belastend „Das man darüber spricht, dass man sich auch eingestehen kann, wenn man belastet ist und dass man auch kommunizieren kann, … aber ich glaube das machen viele nicht, weil dann muss man sich ja doch auch vor den anderen eingestehen, ich kann das jetzt hier nicht so“(Interview 6, Z. 82 ff.) Ich glaube, dass viele nicht darüber sprechen, wenn sie belastet sind, weil sie sich vor anderen nicht eingestehen möchten, dass sie das so doch nicht können Fehlender Austausch der Fachkräfte über eigene Belastung „einfach nur die Menge macht es halt einfach nur jetzt die anstrengend ist“ (Interview 7, Z. 61 f.) Die Menge macht es anstrengend Hohe Arbeitsmenge „weil wir einfach zu wenige Träger haben, unsere Trägerlandschaft ist einfach rar oder überfüllt“ (Interview 7, Z. 158 f.) Es sind zu wenige oder überfüllte Träger Überlastete Trägerlandschaft „man muss stressresistent sein ... wir haben super Schwierigkeiten mit HeimMan muss stressresistent sein, weil wir Schwierigkeiten mit Heimplatzsuchen Intensive und schwierige Heimplatzsuche
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 60 platzsuchen, weil alles voll ist, da sitzen wirklich zum Teil mit acht Leuten da und telefonieren alles ab“ (Interview 8, Z. 117 f.) haben und alles voll ist, und wir teilweise mit acht Leuten alles abtelefonieren „dreiviertel der Sachen, die ich im Studium gelernt habe, sind so über Bord, muss man über Bord werfen, weil man einfach akut entscheiden muss und man kann nicht viel planen im ASD, nicht immer“ (Interview 8, Z. 155 ff.) Die meisten Sachen, die ich im Studium gelernt habe, muss ich über Bord werfen, weil ich wenig planen kann und akut entscheiden muss Geringe Planbarkeit „wenn man dann so einen Fall hat, wo ein Jugendlicher seine kleine Schwester vergewaltigt oder so, das darf man nicht mit nach Hause nehmen und man muss sich soweit abgrenzen können“ (Interview 8, Z. 166 f.) Fälle, wo ein Jugendlicher seine kleine Schwester vergewaltigt, darf man nicht mit nach Hause nehmen, man muss abgrenzen können Abgrenzung bei belastenden Themen „ich bin ehrlich, ich hätte mir nicht vorstellen können, direkt in den ASD direkt nach der Uni zu gehen, weil ich einfach das Gefühl hatte, das ist wie so ein riesiger Berg ASD“ (Interview 9, Z. 7 ff.) Ich hätte mir nicht vorstellen können, direkt nach der Uni in den ASD zu gehen, weil ich das Gefühl hatte, ASD ist so ein riesiger Berg Hohe Komplexität der ASD-Tätigkeit „Belastung, man muss damit rechnen, dass der ASD belastend ist und dann die Herausforderung der vielen Eigenverantwortlichkeit … man hat eben sehr viel Verantwortung“ (Interview 10, Z. 144 ff.) Man muss damit rechnen, dass der ASD belastend ist und man sehr viel Verantwortung hat Hohe Belastung und Verantwortung „Starke emotionale BelasIch glaube viele gehen, Hohe emotionale Belas-
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 67 „Ja, in meinem Anerkennungsjahr habe ich dann aber festgestellt, ich war zu dem Zeitpunkt 23, habe ich festgestellt, dass das, was ich an Erfahrung also sprich Lebenserfahrung mitbringe, in vielen Situationen einfach zu wenig war“ (Interview 5, Z. 13 ff.) In meinem Anerkennungsjahr, da war ich 23, habe ich festgestellt, dass meine Erfahrung sprich Lebenserfahrung in vielen Situationen zu wenig war Fehlende Lebenserfahrung „Für mich war also klar, dass ich mit meinen 23 Jahren mich einer Herausforderung stellen könnte, wo ich im Grunde genauso den Eindruck hatte, ich kann noch nicht genügend. Aufgrund eben meines Alters schon allein.“ (Interview 5, Z. 17 ff.) Für mich war klar, dass ich mich mit 23 Jahren einer Herausforderung stellen könnte, wo ich den Eindruck hatte , dass ich aufgrund meines Alterns noch nicht genügend kann Unzureichendes Können aufgrund des Alters „viele Eltern denken auch, ich lasse mir hier nichts von einer 25-Jährigen sagen“ (Interview 6, Z. 42 f.) Viele Eltern denken, ich lasse mir nichts von einer 25-Jährigen sagen Junges Alter der Fachkräfte „deswegen … ist ja auch im ASD immer diese Fluktuation da, weil viele nicht auf Dauer bleiben“ (Interview 6, Z. 72.) Im ASD ist immer diese Fluktuation, weil viele nicht auf Dauer bleiben Hohe Fluktuation „ich habe mit 23 Jahren hier angefangen, da muss man alleine zu Gericht und du denkst dir, scheiße“ (Interview 8, Z. 181 f.) Ich musste mit 23 Jahren alleine zu Gericht Junges Alter der Fachkräfte Ich glaube, dass es so oder so überfordernd ist, in den ASD zu kommen, wenn man gar keine Berufserfahrung hat“ (Interview 10, Z. 26 f.) Ich glaube, dass es ohne Berufserfahrung im ASD überfordernd ist Überforderung durch fehlende Berufserfahrung „Fluktuation, eine unwahrEine unwahrscheinlich Hohe Fluktuation
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 68 scheinlich große Fluktuation“ (Interview 10, Z. 168.) große Fluktuation „Also da ist relativ wenig Berufserfahrung einfach da und Berufserfahrung macht natürlich auch viel mit einem und gibt einem Sicherheit“ (Interview 10, Z. 198 f.) Es ist relativ wenig Berufserfahrung da, die einem natürlich Sicherheit gibt Fehlende Berufserfahrung „Ich glaube die Herausforderung ist, die Position derer man sich bewusstwerden muss, welche Rolle man hier hat … die dann ein zunehmen, hängt dann vielleicht auch von der Vorerfahrung ab“ (Interview 11, Z: 69 ff.) Die Herausforderung ist, dass man sich die eigene Roll hier bewusstwerden muss, die dann einzunehmen hängt dann von der Vorerfahrung ab Rolle im ASD einzunehmen, hängt von der Vorerfahrung ab „wenn man jung ist, ich bin ja jetzt 24, das ist dann schon, wenn man sich dann gegen die Eltern durchsetzen muss oder mit den Eltern zusammenarbeitet, ist ja eigentlich so das primäre Ziel zusammenzuarbeiten, dass das oft ein Na chteil ist, wenn man jünger ist“ (Interview 13, Z. 8 ff.) Wenn man mit Eltern zusammenarbeitet und sich durchsetzen muss, ist es oft ein Nachteil, wenn man jünger ist Junges Alter der Fachkraft in der Zusammenarbeit mit Eltern oft nachteilig „weil wir al le drei nicht so viele Erfahrungsjahre haben“ (Interview 15, Z. 63 f.) Wir drei haben nicht so viele Erfahrungsjahre Geringe Erfahrungslage 4.4.6 Einarbeitung Insbesondere dann, wenn der Einarbeitung kein Konzept zugrunde liegt, stellt diese eine Herausforderung im Berufseinstieg dar. Die sofortige Übernahme von Verantwortung in der Fallarbeit, anstelle einer umfassenden Einarbeitung, führt zur Überforderung der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. Ohne Einarbeitungskonzept wird der Berufseinstieg als unstrukturiert empfunden.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 69 Dabei empfinden die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die Einarbeitung auch als unstrukturiert, wenn nach einem Einarbeitungskonzept gehandelt wird, dieses jedoch nicht verschriftlicht ist und damit nicht nachvollzogen werden kann. Eine einarbeitende Fachkraft betont, dass im Rahmen des Qualitätsmanagements ein Einarbeitungskonzept entwickelt werden sollte. Lange Abstimmungsprozesse im öffentlichen Dienst haben jedoch dazu geführt, dass die Mitwirkenden sich nicht einigen konnten, ob das Konzept an die Realität angepasst oder den sonstigen Rahmenbedingungen entsprechen soll, sodass in diesem Fall kein Einarbeitungskonzept etabliert werden konnte. Während sich Fachkräfte einerseits eine Ansprechperson während der Einarbeitungsphase wünschen, soll jedoch keine konkrete Person für die Einarbeitung festgelegt werden. Stattdessen wird die Begleitung verschiedener Fachkräfte im Rahmen der Einarbeitung als effektiver empfunden. Dabei beschreiben die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die Einarbeitung als schwierig, wenn die einarbeitende Fachkraft in Teilzeit beschäftigt ist oder eine Fachkraft die Einarbeitung nicht übernehmen möchte, weil sie selber noch nicht lange im ASD tätig ist. Dies verdeutlicht die oftmals unklaren Verhältnisse im Hinblick auf die Einarbeitung, sodass den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern als auch den Fachkräften selbst nicht klar ist, wer die Einarbeitung neuer Fachkräfte übernimmt. Das immer geringere Erfahrungswissen in den ASD führt auch dazu, dass Berufseinsteigerinnen und -einsteiger erleben, dass die Einarbeitung davon abhängt, welche Fachkraft sich diese schon zutraut. Im Rahmen der Einarbeitung fällt auf, dass auftretende Fragen von dem bestehenden Personal aufgrund des geringen Erfahrungswissens teilweise nicht beantwortet werden können. Im Rahmen der Einarbeitung gilt der steigende Verwaltungsaufwand als große Herausforderung für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, weil „der klassische Sozialarbeiter […] kein Bürohengst [ist]“. An dieser Stelle betonen die Fachkräfte, dass sich der hohe Verwaltungsaufwand erheblich von den Inhalten des Studiums unterscheidet. Während des Studiums wurde die praktische Beziehungsarbeit mit den Klientinnen und Klienten in den Fokus der sozialarbeiterischen Tätigkeit gestellt. Im ASD wenden die Fachkräfte demgegenüber mehr Arbeitszeit für Verwaltungstätigkeiten statt für den direkten Austausch mit den Klientinnen und Klienten auf. Dabei fällt gerade Berufseinsteigerinnen und - einsteigern das Formulieren und Schreiben von Texten schwer. In einigen Kommunen gibt es offiziell ein Einarbeitungskonzept. Die berufliche Realität zeigt jedoch, dass dieses oftmals weder Fachkräften bekannt ist noch die Einarbeitung neuer Fachkräfte entlang des Konzeptes erfolgt. Hier sind die
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 70 Fachkräfte der Ansicht, dass die Einarbeitung abhängig von der personellen Situation ist. Die flächendeckende Personalproblematik führt damit auch flächendeckend zu einer unzureichenden Einarbeitungssituation in den ASD. Da freiwerdende Stellen vermehrt nicht umgehend nachbesetzt werden, leidet die Einarbeitung neuer Fachkräfte durch die Mehrbelastung des bestehenden Personals. Die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger erleben, dass sich der Personalmangel im ASD auf die Einarbeitung niederschlägt, sodass hierfür kaum Kapazitäten zur Verfügung stehen. Tabelle 6 zeigt die Bildung der Kategorie Einarbeitung in den zentralen Auszügen. Es wird die Schrittfolge von der Kodiereinheit über die Paraphrase bis hin zur Generalisierung dargestellt. Alle dargestellten Kodiereinheiten wurden in der Kategorie Einarbeitung integriert. Tabelle 6: Induktive Kategorienbildung Einarbeitung Kodiereinheit Paraphrase Generalisierung „unsere Arbeit besteht jetzt fast 60 % verwalterische Form und nur 40 % aus dem Klientenkontakt“ (Interview 5, Z. 259 f.) Unsere Arbeit besteht in fast 60 % verwalterischer Form und nur 40 % Klientenkontakt Höherer Verwaltungsaufwand als Klientenkontakt „Aber im Endeffekt fand ich den Einstieg schwierig, weil es gab keine feste Person, die jetzt für mich irgendwie die Anleitung oder Einarbeitung übernommen hat“ (Interview 6, Z. 5 ff.) Ich fand den Einstieg schwierig, weil es keine feste Person gab, die die Anleitung oder Einarbeitung für mich übernommen hat. Fehlender Ansprechperson in der Einarbeitung „Also das war ein bisschen schwierig, es gibt noch nich t so diese richtige Struktur, wenn jemand neu ist, dann wird das so und so gemacht“ (Interview 6, Z. 9 ff.) Es war ein bisschen schwierig, es gibt noch nicht die richtige Struktur, wenn jemand neu ist Fehlende Struktur in der Einarbeitung „Es ist nicht so richtig vernünftig niedergeschrieben, wie es läuft“ (Interview 6, Z. 114) Es ist nicht vernünftig niedergeschrieben, wie es läuft Fehlende Verschriftlichung der Einarbeitung „er hat versucht mir einen Der Ansprechpartner, der Schwierigkeiten mit der
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 71 Ansprechpartner zu geben, der wurde dann festgelegt dabei war jetzt in meinem Fall natürlich ein bisschen schwierig, dass die Person, die festgelegt wurde, zwischenmenschlich nicht so super geklappt hat“ (Interview 7, Z. 11 ff.) festgelegt wurde, war ein bisschen schwierig, weil es mit der Person, die festgelegt wurde, zwischenmenschlich nicht so super geklappt hat zuständigen Ansprechperson während der Einarbeitung „Für Sozialarbeiter ist Verwaltung ein totaler Unterschied zu dem Studium, was wir gemacht haben, es war sehr viel praktisch bei uns, ich war ja an eine Fachhochschule und jetzt hier, hier sitzt man ja viel im Büro auch“ (Interview 8, Z. 30 ff.) Für Sozialarbeiter ist Verwaltung ein totaler Unterschied zum Studium, weil das Studium sehr viel praktischer war und man hier auch viel im Büro sitzt Hoher Verwaltungsaufwand, geringe praktische Tätigkeit „Offiziell soll es ein Einarbeitungskonzept geben, ich hatte so eineinhalb Stunden mal ein Gespräch, aber das ging ausschließlich um strukturelle Dinge, wie funktioniert das MailProgramm wie richte ich eine Signatur ein“ (Interview 9, Z. 57 ff.) Offiziell soll es ein Einarbeitungskonzept geben, ich hatte ein eineinhalbstündiges Gespräch, bei dem es ausschließlich um strukturelle Dinge wie das MailProgramm oder die Signatur ging Fehlende praktische Umsetzung eines vorhandenen Einarbeitungskonzepts „Ich glaube das hängt auch einfach damit ab, wie ist gerade die personelle Situation, haben wir die Ressourcen oder ist es gerade einfach super rüselig, Chef nicht da, super viel Krankenstand, freie Stellen, da kann man natürlich nicht so einarbeiten und da muss man halt schneller eigenständig sein“ (Interview 9, Z. 87 ff.) Ich glaube die Einarbeitung hängt davon ab, wie die personelle Situation ist, wie die Ressourcen sind, Krankenstand, freie Stellen, sodass man schneller eigenständig sein muss Einarbeitung abhängig von personellen Ressourcen
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 72 „Also im Idealfall ist jemand da, aber wir sind im öffentlichen Dienst, so schnell passiert das häufig nicht mit den Nachbesetzungen“ (Interview 10, Z. 24 f.) Im Idealfall ist jemand da, aber im öffentlichen Dienst erfolgt die Nachbesetzung oft nicht so schnell Nachbesetzung freier Stellen dauert oft lange „wenn man ein gewisses Alter und ein gewisses Standing auch schon in dem Job hat, dann ist das glaube ich auch immer noch viel, aber nicht mehr so überfordernd, weil man in die Rolle Sozialarbeiter nicht mehr so reinwachsen muss“ (Interview 10, Z. 28 ff.) Ich glaube, dass der Job mit einem gewissen Alter und Standing nicht mehr so überfordernd ist, weil man in die Rolle als Sozialarbeiterin bzw. als Sozialarbeiter nicht mehr so reinwachsen muss Junges Alter der Fachkraft erfordert reinwachsen in die Rolle als Sozialarbeiterin bzw. Sozialarbeiter „Wir sind auch ein Verwaltungsdienst, wir haben unwahrscheinlich große Verwaltungsaufgaben … das fällt vielen ganz, ganz schwer, weil der klassische Sozialarbeiter ist kein Bürohengst“ (Interview 10, Z. 83 ff.) Wir sind ein Verwaltungsdienst und haben große Verwaltungsaufg aben, was vielen schwer fällt, weil der klassische Sozialarbeiter kein Bürohengst ist Hoher Verwaltungsaufwand „Ich merke immer wieder, dass es den jungen Leuten schwer fällt, Texte zu schreiben, Texte zu formulieren, Vermerke zu machen“ (Interview 10, Z. 123 ff.) Ich merke, dass es jungen Leuten schwer fällt , Texte zu schreiben und zu formulieren Oft haben junge Leute mit den Verwaltungsaufgaben Schwierigkeiten „aber die gesetzlichen Herausforderungen die werden auch immer, immer höher, immer höher und selbst mit viel Personal kann man dem gar nicht gerecht werden“ (Interview 10, Z. 176 f.) Die gesetzlichen Herausforderungen werden immer höher, denen man selbst mit viel Personal gar nicht gerecht werden kann Gesetzliche Herausforderungen
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 73 „Es braucht … feste Strukturen und Regeln“ (Interview 10, Z. 235) Es braucht feste Strukturen und Regeln Fehlende Strukturen und Regeln „wie gesagt, wir hatten im Rahmen des Qualitätsmanagem ents versucht was zu erarbeiten, aber das konnte bisher nicht fest eingesetzt werden, weil so viel auch zusammenhängt, wenn man im öffentlichen Dienst was entscheiden möchte und umsetzen möchte. Viele Leute, die mitentscheiden, der eine sieht es dann wieder anders als der andere, der eine versucht es dann an die Realität anzupassen, der andere sagt aber ja, aber notwendig ist das so, das ist halt ziemlich weit weg von der Realität“ (Interview 10, Z. 244 ff.) Im Rahmen des Qualitätsmanagements haben wir versucht, was zu erarbeiten, aber das konnte nicht fest eingesetzt werden, weil im öffentlichen Dienst viele Leute mitentscheiden und der eine es anders sieht als der andere und der eine es an die Realität anpas sen will und der andere sagt, dass es aber so notwendig ist Fehlendes Einarbeitungskonzept wegen langer, erfolgloser Abstimmungsprozesse „Erschreckend ist dieser verwalterische Aufwand“ (Interview 11, Z. 25 f.) Erschreckend hoher Verwaltungsaufwand Hoher Verwaltungsaufwand „Unabhängig davon war es so, dass die Einarbeitung für uns schwieriger war, auch dem geschuldet, dass die Kollegin, mit der ich mich vertreten habe, die eine nur Teilzeit hier war und die a ndere selber die Einarbeitung noch nicht über nehmen wollte, weil die selber noch nicht so lange hier im ASD war“ (Interview 15, Z. 12 ff.) Die Einarbeitung war für uns schwierig, weil die eine Kollegin, mit der ich mich vertreten habe, in Teilzeit war und die andere die Einarbeitung nicht übernehmen wollte, weil die selbst noch nicht lange im ASD war Herausforderung, geeignete Fachkräfte für die Einarbeitung zu finden „die ganzen Fragen … Fragen kann man schlechFachkräfte mit geringer
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 74 kann man auch einfach schlechter stellen, wenn das hier mit der Erfahrungslage so ein bisschen unterschiedlich war und wer traut sich Einarbeitung schon zu und wer noch nicht“ (Interview 15, Z. 19 ff.) ter stellen, wenn das hier mit der Erfahrungslage unterschiedlich ist, wer tr aut sich Einarbeitung schon zu und wer noch nicht Erfahrung trauen sich Einarbeitung selbst auch nicht zu „wie sich der Personalmangel nicht nur hier im Flur vielleicht in Form von Einarbeitung, wo nicht so viele Kapazitäten für über sind, niederschlägt sondern, dass sich das auch von Schulen bis psychologischen Einrichtungen, bis Kindergärten, bis Jugendhilfeeinrichtungen, bis eigentlich an jeder Stelle auch an allen Institutionen mit denen wir zu tun haben, dass sich das ja auch auf die Familien und dadurch auf unsere Arbeit niederschlägt“ (Interview 15, Z. 53 ff.) Der Personalmangel schlägt sich hier in fehlenden Kapazitäten für die Einarbeitung nieder, aber auch in Schulen, psychologischen Einrichtungen, Kindergärten, Jugendhilfeeinrichtungen, an allen Institutionen, mit denen wir zu tun haben und damit auch auf die Familien und unsere Arbeit Personalmangel in allen Institutionen, mit denen der ASD zutun hat „eine strukturierte Einarbeitung, eine konkrete Zeitschiene, das fehlt hier gerade“ (Interview 15, Z. 144) Eine strukturierte Einarbeitung und konkrete Zeitschiene fehlt Fehlende strukturierte Einarbeitung 4.4.7 Zeit Als weitere zentrale Herausforderung beschreiben Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die Kategorie „Zeit“. Die zur Verfügung stehende Zeit für die Einarbeitung erleben die Fachkräfte durchweg als unzureichend. Während die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger andere Erwartungen im Hinblick auf die
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 75 Einarbeitungszeit hatten, empfinden sie diese „aufgrund des Systems“ als stark eingeschränkt. Die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger stellen kritisch dar, dass sie teilweise über Leistungen für Kinder und Jugendliche entscheiden müssen, die sie selber noch nie persönlich gesehen haben. Dabei fehle die Zeit für eine umfassende Hilfeplanung, sodass teilweise „nur noch Brände gelöscht“ werden. Insgesamt seien die Zeitkapazitäten für die Arbeit im ASD sehr knapp bemessen, sodass für manche Aufgaben, insbesondere für die Einarbeitung neuer Fachkräfte, die Zeit insgesamt fehle. Auch die Interviews zeigen, dass die Zahl der erfahrenen Fachkräfte in den ASDs zurückgeht und Zeitkapazitäten für alle Beteiligten in der Einarbeitung fehlen. Hier wird deutlich, dass den Einarbeitenden in der Regel keine Zeitkapazitäten für die Einarbeitung neuer Fachkräfte im Rahmen der Stellenbemessung zur Verfügung gestellt werden, sodass sie selbst in einem vollen Bezirk in der laufenden Fallarbeit tätig sind und neue Fachkräfte darüber hinaus einarbeiten müssen. Tabelle 7 zeigt die Bildung der Kategorie Zeit in den zentralen Auszügen. Es wird die Schrittfolge von der Kodiereinheit über die Paraphrase bis hin zur Generalisierung dargestellt. Alle dargestellten Kodiereinheiten wurden in der Kategorie Zeit integriert. Tabelle 7: Induktive Kategorienbildung Zeit Kodiereinheit Paraphrase Generalisierung „als ich hier angefangen habe war schon aufgrund des Systems hier eben Einarbeitungszeit wie man es sich gerne wünscht nicht ganz so gut gegeben hier“ (Interview 1, Z. 7 ff.) Als ich angefangen habe, war für die Einarbeitung aufgrund des Systems weniger Zeit, als ich mir gewünscht hätte System bietet wenig Zeit für die Einarbeitung „dann entscheide ich über Sachen, über Kinder, über Jugendliche, die ich noch nie gesehen habe, die ich gar nicht kenne …, es werden nur noch Brände gelöscht und so wirklich Hilfeplanung hat da nicht Ich entscheide über Kinder oder Jugendliche, die ich nicht kenne und noch nie gesehen haben; es werden nur noch Brände gelöscht, so wirklich Hilfeplanung hat da nicht stattgefunden Fehlende Zeitkapazitäten für umfassende Hilfeplanung
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 76 stattgefunden.“ (Interview 4, Z. 93 ff.) „dass sie auch die Möglichkeit bekommen, auch den Zeitrahmen bekommen, das ist natürlich in unserer Arbeit sehr knapp bemessen“ (Interview 5, Z. 171 f.) Der Zeitrahmen ist in unserer Arbeit sehr knapp bemessen Unzureichende Zeitkapazitäten „für andere Dinge fehlt dann auch die Zeit“ (Interview 10, Z. 50) Für andere Dinge fehlt die Zeit Fehlende Zeit „es müsste viel mehr Leute geben, die auch schon länger da sind, es müsste viel mehr freie Arbeitszeit für diejenigen geben, die einarbeiten, es müsste klare Regelungen und Strukturen geben, es müsste Zeit, viel mehr Zeit sowohl für den Einarbeitenden als auch für die Teamleitung, als auch für denjenigen, der eingearbeitet wird, Zeit ist ein unwahrscheinlich großer Faktor, die faktisch schon gar nicht einzuräumen ist, weil auch der Einarbeitende hat ein vollen Bezirk und das ist im Rahmen der Personalbemessung gar nicht ausreichend berücks ichtigt“ (Interview 10, Z: 218 ff.) Fehlende Erfahrung, Fehlende Zeit Fehlende Regeln und Strukturen für die Einarbeitung Unzureichende Einarbeitung durch fehlende Zeitkapazitäten „Es braucht Zeit, Zeit, Zeit, Zeit“ (Interview 10, Z. 235) Es braucht Zeit Fehlende Zeit
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 83 Schritte nach einem Studienabschluss direkt sinnvoll begegnen zu können. Inwieweit ein sogenanntes und früher übliches Anerkennungsjahr dieses Ergebnis maßgeblich verändern würde, ist fraglich und kann an dieser Stelle nicht weitergehend untersucht werden. Die Herausforderungen im Bereich der überfordernden Fachkenntnisse in verschiedenen Bereichen, der mangelnden Abgrenzungsfähigkeit im Kontext der Allzuständigkeit und der zu frühen Notwendigkeit zur Verantwortungsübernahme können dahingehend interpretatorisch verdichtet werden, dass ein entsprechendes fachbezogenes Studium inklusive der staatlichen Anerkennung auf der Grundlage von nachgewiesener fachbezogener praktischer Tätigkeit allein keine ausreichende Basis für die Übernahme der direkten Fallverantwortung im ASD des Jugendamts darstellt. An dieser Stelle wäre es sicherlich interessant, die entsprechenden fachbezogenen Studiengänge dahingehend zu untersuchen, wie sie besser auf die Anforderungen in den Jugendämtern vorbereiten könnten. Der Fokus dieser Untersuchung liegt jedoch darauf, wie der Einstieg im Jugendamt besser gelingen kann. Daher wird es im Folgenden einen klaren Bezug zu den Bereichen geben, auf die der ASD im Jugendamt – und damit die Kommunalverwaltung – Einfluss nehmen kann.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 84 6. Einarbeitungsempfehlungen Auf der Grundlage des bisherigen Verlaufs der Untersuchung sollen nun Einarbeitungsempfehlungen für den ASD im Jugendamt entwickelt werden. Nach einer allgemeinen Betrachtung unterteilen sich diese in eine Entwicklung der strukturellen Rahmenbedingungen und in Anpassungen auf der Prozessebene eines Qualitätsmanagements. 6.1 Allgemeine Hinweise Zusammenfassend ist festzustellen, dass der gelingende und qualifizierte Kinderschutz eine angemessene personelle und strukturelle Ausstattung in den ASDs erfordert. Die erheblichen Anforderungen an die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger im ASD machen eine laufende Qualifizierung unerlässlich. Angesichts der Wechselwirkungen der Kategorien im ASD des Jugendamts gilt es, die Berufseinstiegsphase durch Einarbeitungskonzepte und Qualitätsstandards zu strukturieren, um Überforderung von Anfang an zu vermeiden. Folglich kann diskutiert werden, ob eine umfassende Fortbildungsverpflichtung der Fachkräfte im ASD einerseits die Qualitätsstandards im Kinderschutz sicherstellen und andererseits die Fachkräftegewinnung und -bindung begünstigen kann. Im Hinblick auf die politische Verantwortung sind die Verwaltungsleitungen und der Jugendhilfeausschuss für die Sicherstellung der personellen, materiellen und organisatorischen Ressourcen der ASDs von besonderer Bedeutung.166 Diese Zuständigkeit in der Hierarchie ist besonders herauszuarbeiten. Die Notwendigkeit einer Legitimation durch Führung ist im Kontext der öffentlichen Verwaltung erforscht. Strukturelle Anpassungen und Anpassungen in Arbeitsweisen können in der Weber’schen Verwaltung nur dann erfolgreich sein, wenn sie durch Leitungshandeln eindeutig legitimiert sind. Die handelnden Personen benötigten diese Legitimation als Referenz für ihr vom bisherigen Regelfall abweichendes Verhalten. Ansonsten werden Anpassungen in der öffentlichen Verwaltung nicht nachhaltig umgesetzt.167 Einarbeitungskonzepte dürfen im Bereich des ASDs insbesondere für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger nicht allgemein gehalten sein. Vielmehr sollten die in dieser Studie identifizierten spezifischen Bedarfe berücksichtigt werden. 166 Vgl. MGFFI NRW, Risikomanagement bei Kindeswohlgefährdung, 2009, S. 10. 167 Vgl. Seng, A. et al., Agilität im Public Management, 2024.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 85 Diese Bedarfe lassen sich in den folgenden vier Punkten zusammenfassend wieder finden: • Verwaltungsabläufe und Soziale Arbeit • Hohe Variabilität und Komplexität der Aufgabe bei geringer Erfahrung • Zu frühe (alleinige) Übernahme einer sehr hohen Verantwortung • Große Arbeitsbelastung allgemein Bereits in Kapitel 3.4 dieser Untersuchung sind Onboarding-Prozesse dargestellt worden, wie sie für die öffentliche Verwaltung oder die Sozialwirtschaft entwickelt worden sind. Damit kann zum einen gezeigt werden, dass die Bedeutung der Einarbeitung in beiden professionellen Bereichen bereits deutlich geworden ist. Auf der anderen Seite zeigt jedoch die geringe Spezifität, dass weniger auf fachspezifische Besonderheiten geachtet werden soll als auf ein gelingendes Ankommen in den Institutionen insgesamt. Die entwickelten Bedarfe für Neueinsteigerinnen und -einsteiger im ASD zeichnen jedoch ein stark von Fachlichkeit geprägtes Bild. Dem sollte in einer Weiterentwicklung grundsätzlich gefolgt werden. Es gibt zwar teilweise bereits spezifische Hinweise für Hochschulabsolventinnen und -absolventen und Berufseinsteigerinnen und -einsteiger bei Birmele et al., die jedoch auch nicht fachspezifische Aspekte berücksichtigen.168 Dort wird bspw. auf die Beachtung neuer Lebensrhythmen hingewiesen. Auch geht es darum, dass die Spielregeln der Arbeitswelt vermittelt werden sollen. Außerdem wird darauf verwiesen, dass vertraute Medien verwendet werden sollen. Interessanterweise lassen sich hier auch bereits zwei Hinweise finden, die auch im Bereich des Berufseinstiegs im ASD des Jugendamts mit Bedeutung versehen sind: • Die besondere emotionale Situation des Berufseinstiegs soll berücksichtigt werden. • Den Neueinsteigerinnen und -einsteigern soll früh die passende Verantwortung übertragen werden. Beide Punkte sind auch in Bezug auf die Einarbeitung im ASD relevant. Dies unterstreicht die Bedeutung, denn bereits in nicht von so hoher Komplexität und Emotionalität geprägten Arbeitsumgebungen wird ihnen eine Bedeutung zu gemessen. 168 Vgl. Birmele, J. et al., Mitarbeiter-Onboarding, 2020, S. 120 ff.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 86 Auch die Publikation der KGSt zum Onboarding greift die Besonderheiten für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger in der öffentlichen Verwaltung auf, wird dabei in der Differenzierung aber nicht ausführlich.169 Weitere Hinweise lassen sich bei Birmele et al. finden, die nicht spezifisch für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger angesetzt werden, aber im Rahmen dieser Untersuchung Relevanz besitzen können: • Das neue Personal soll Feedback erhalten. • Es benötigt Klarheit über die ihnen gegenüber herrschenden Erwartungen. • Sie sollen eine eigene Rolle finden. • Ihnen soll eine interne Mentorin bzw. ein interner Mentor zur Verfügung gestellt werden. • Die Möglichkeit eines externen Coachings sollte bestehen. Vor dem Hintergrund einer Betrachtung dieser allgemeinen Darstellung und den konkreten Ergebnissen dieser Studie lassen sich mehrere konkrete Empfehlungen für die Einarbeitung von sozialarbeiterischen Fachkräften im ASD des Jugendamts herleiten. Sie unterteilen sich grundsätzlich in strukturelle Rahmenbedingungen und in die Prozessebene des Qualitätsmanagements. Beide Bereiche werden in den folgenden Unterkapiteln jeweils genauer betrachtet und erläutert. Dabei werden lediglich die Rahmenbedingungen betrachtet, die im Einflussbereich der kommunalen Verwaltungen liegen. Denn dass die neu einzustellenden Fachkräfte jung sind, ist als Rahmenbedingung nicht direkt veränderbar. Außerdem können Kommunalverwaltungen auch nicht ohne weiteres eigene Studiengänge entwickeln, die die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger unter Umständen gezielter und damit besser auf den Einstieg in den ASD der Jugendämter vorbereiten könnten, obwohl dies sicherlich im Kernbereich ein interessanter Lösungsansatz sein könnte. 6.2 Strukturelle Rahmenbedingungen Im Bereich der strukturellen Rahmenbedingungen sind in Teilen nur sehr schwer umzusetzende Bereiche zu identifizieren. Trotzdem sollen sie hier genannt und kurz skizziert werden, weil auch solche Rahmenbedingungen grundsätzlich anpassbar sind. Die entsprechenden Prozessabläufe sind nur komplexer und langfristiger angelegt. 169 Vgl. KGSt, Onboarding, 2022, S. 35.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 87 Zunächst ist hier zu nennen, dass strukturelle Anpassungen vorgenommen werden sollten, die die Unterbesetzung im ASD des Jugendamts verringern können. Hier ist insbesondere der Prozess der Freigabe von Stellen und der Stellenausschreibung zu fokussieren. Öffentliche Verwaltungen benötigen hierfür einen recht langen Zeitraum und sollten versuchen, diese Prozesse maßgeblich zu beschleunigen. Dabei wird das Ziel verfolgt, dass Einarbeitung strukturell durch die den ASD verlassenden Fachkräfte erfolgen kann bzw. diese die Einarbeitung unterstützen können. Hierfür ist es außerdem notwendig, dass solche Doppelbesetzungen von Stellen im jeweiligen Haushalt geplant werden, damit sie möglich und legitimiert sind. Diese Maßnahme stellt für die öffentliche Verwaltung eine sehr große Herausforderung dar, sollte aber in ihrer Bedeutung zumindest wahrgenommen werden. Insbesondere ist hier auch auf zukünftige rechtliche Entwicklungen hinzuweisen. Denn die große Lösung im SGB VIII wird zu einem deutlich gesteigerten Personalbedarf im ASD des Jugendamts führen. Im strukturellen Rahmen in der Einarbeitung muss auch festgelegt werden, dass die mit dem Berufseinstieg erfolgende sofortige Übernahme von Fallverantwortung vermieden werden sollte. Dieses sollte als Legitimation niedergeschrieben werden. Mindestens bei der am deutlichsten durch die Neueinsteigerinnen und -einsteiger im ASD des Jugendamts benannten Belastung, der Durchführung einer Inobhutnahme, sollten die Neueinsteigerinnen und -einsteiger lediglich begleitend mitwirken müssen. Hierfür müsste in den Kommunalverwaltungen akzeptiert werden, dass der qualifizierende Berufsabschluss nicht dazu führt, dass ab dem ersten Tag eine voll einzusetzende Fachkraft zur Verfügung steht. Hierfür ist es erforderlich, die Besonderheiten des ASDs im Jugendamt wahrzunehmen und zu akzeptieren. Sicherlich wäre eine spezifischere Ausbildung wünschenswert, ist aber durch die Kommunalverwaltungen in der Regel nicht realisierbar. Daher bieten sich nun zwei grundsätzliche Stränge an, die einen Umgang mit dieser Herausforderung darstellen können. • Personalentwicklung durch Schulungsmaßnahmen, die sich mit den spezifischen Anforderungen der Einarbeitung im ASD befassen; in diesem Kontext lassen sich drei Kernbereiche für mögliche Schulungen entdecken: o Im ersten Bereich geht es um das Zusammenwirken von Abläufen der Verwaltung und der Profession Sozialer Arbeit. Die Benennung und Bearbeitung dieser Problematik kann sehr wirksam sein. Es geht vor allem um ein abstrakteres Verständnis der tatsächlichen Aufgaben des Jugendamts in der Staatsorganisation der Bundesrepublik Deutschland. Deutlich hingewiesen werden soll an dieser Stelle darauf, dass es sich
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 88 hierbei nicht um die klassischen Verwaltungslehrgänge für Quereinsteigerinnen und -einsteiger handelt, die in der öffentlichen Verwaltung bereits umgesetzt werden, von denen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter jedoch überraschenderweise befreit sind. o Psychische Belastungen sollten im zweiten Bereich angegangen werden. Dabei kann sicherlich der vorherige Bereich bereits hilfreich sein. Denn eine verbesserte Klärung der eigenen Rolle scheint bereits dort grundsätzlich möglich zu sein. Weitere Umgangsweisen zur Verbesserung der eigenen Psychohygiene können jedoch aufgezeigt und trainiert werden. o Im Bereich des Formulierens und Schreibens im Kontext des ASDs des Jugendamts haben die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger ebenfalls von größeren Herausforderungen gesprochen. Insofern sollte auch hier ein Fokus daraufgelegt werden, wie auf der einen Seite amtsintern formuliert werden soll. Auf der anderen Seite geht es hier jedoch auch um eine sogenannte gerichtsfeste Formulierung, die beim Familiengericht akzeptiert wird. • Beim zweiten Strang geht es darum, dass der Bereich des berufsbegleitenden Studierens durch die Kommunalverwaltungen ausgebaut werden könnte. Denn in diesem Rahmen wäre es möglich, die Studierenden bereits während des Studiums einzuarbeiten und ihnen Stück für Stück mehr Verantwortung zu übergeben. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass in diesem Bereich ein massiver Ausbau der Regelungen des folgenden Kapitels dieser Untersuchung notwendig wäre. Es sollte also im Fall des berufsbegleitenden Studierens einen auf das gesamte Studium angelegten Plan geben, wann die Studierenden was bei wem lernen und begleiten sollen. Das Ergebnis könnte zum einen ein deutlich vereinfachter Berufseinstieg nach Abschluss des Studiums sein und zum anderen eine deutliche Entlastung der Fachkräfte im ASD der Jugendämter durch die Unterstützung durch die Studierenden. 6.3 Prozessebene des Qualitätsmanagements Auf der Ebene des Qualitätsmanagements muss zunächst festgehalten werden, dass es notwendig ist, ein Einarbeitungskonzept zu verschriftlichen und es transparent zur Verfügung zu stellen. Dies ist auf der einen Seite das Ergebnis dieser empirischen Untersuchung – hier wurden nicht schriftliche zur Verfügung gestellte Einarbeitungskonzepte als nicht existent und vor allem als nicht bindend eingestuft – und auf der anderen Seite weist auch die KGSt darauf hin,
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 89 dass eine Verschriftlichung des Einarbeitungskonzepts zentral ist. Nach Einschätzung der KGSt geht es demnach darum, die Neueinsteigerinnen und - einsteiger schnell leistungsfähig und vollständig in der Kommunalverwaltung zu integrieren. Es werden dort auch weitere Auswirkungen eines erfolgreichen Onboarding-Prozesses dargestellt. Diese Darstellung findet sich in der folgenden Abbildung 14.170 Abbildung 14: Übersicht der Auswirkungen eines erfolgreichen OnboardingProzesses Quelle: in Anlehnung an KGSt, Onboarding, 2022, S. 11. Der zentralste Punkt sollte zuerst benannt werden. Die Begleitung der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger sollte strukturell organisiert werden. Für die Begleitung sollte ein Mentoring genutzt werden. Hier ist jedoch darauf zu ver170 Vgl. KGSt, Onboarding, 2022. Einflussfaktoren auf das Onboarding •Systema�sche Maßnahmen zur Integra�on •Führungsverhalten •Kollegiales Verhalten •Verhalten des Onboardees Auswirkungen auf den Onboardee •Klarheit der Rolle •Aufgabenbeherrschung •Integra�on •Mo�va�on •Arbeitszufriedenheit •Engagement •Loyalität Auswirkungen auf die Organisa�on •Produk�vität und Leistung •Iden�fika�on mit der Organisa�on •Bindung der Mitarbeitenden •Employer Brand
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 90 weisen, dass die vorliegende Studie gezeigt hat, dass sich die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger im ASD eine multiperspektivische Einarbeitung wünschen. Demzufolge wäre die Festlegung auf eine Mentorin bzw. einen Mentor vermutlich nicht zielführend. Evtl. sind Aufteilungen nach fachspezifischen Themen sinnvoll, also bspw. nach Verwaltungsabläufen und nach fachspezifischen Abläufen und Anforderungen. In diesem Kontext sollte auch ein Prozess definiert werden, der die schrittweise Übernahme von Fallverantwortung determiniert. Dies sollte amtsspezifisch diskutiert werden. Das Qualitätsmanagement sollte weiterhin Formate zur Verfügung stellen, die den amtsinternen Austausch stärken. Dabei wird hier nicht ausschließlich auf zielführende Teambesprechungen gesetzt. Vielmehr sollten auch Formate mit entlastendem Charakter aufgebaut werden, die nicht für das Auffinden von konkreten Lösungen in konkreten Fallkonstellationen gedacht sind. Der Fokus sollte auf dem Austausch und dem Lernen liegen, das Verständnis hierfür lässt sich im Kontext des Peer-Consultings finden.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 91 7. Schlussbetrachtung Im Folgenden wird zunächst das methodische Vorgehen kritisch hinterfragt und bewertet. Das problemzentrierte Interview sowie die Auswahl der Interviewpartnerinnen und -partner haben sich für die vorliegende Studie und ihre Zielerreichung als sehr geeignet erwiesen. Durch das gewonnene Interviewmaterial konnten die notwendigen Informationen generiert werden, um die Forschungsfrage zu beantworten und die zentralen Herausforderungen für den Berufseinstieg im ASD im Jugendamt herauszustellen. Die offene Vorgehensweise während der Interviewdurchführung und die anregende Einstiegsfrage hat den Berufseinsteigerinnen und -einsteigern die Möglichkeit gegeben, ihre subjektive Sichtweise zu der Forschungsfrage zu äußern und die Interviews nicht in eine gewünschte Richtung zu lenken. Während der Interviewdurchführung stellte sich frühzeitig heraus, dass die interviewten Berufseinsteigerinnen und -einsteiger die gleichen zentralen Herausforderungen angesprochen haben, sodass auch im Zuge der weiteren Interviews keine weitere Modifikation der Theorie erfolgte. Durch die Interviews mit den zwei erfahrenen Fachkräften konnten die Ergebnisse durch die Informationen nur marginal erweitert werden, sodass grundsätzlich von einer theoretischen Sättigung innerhalb der spezifischen Zielgruppe der Untersuchung ausgegangen werden kann. Das Thema der Untersuchung hat zu einer großen Interviewbereitschaft der Fachkräfte geführt. Mehrmals haben sich auch spontan weitere Fachkräfte aus den ASDs zu einem Interview bereiterklärt. Auf der anderen Seite lassen die zwei Interviews mit erfahrenen Fachkräften darauf hinweisen, dass die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger im ASD möglicherweise noch gar nicht den Gesamtblick über die Herausforderungen ihres Arbeitsfeldes haben, weil sie sich selber noch im Berufseinstieg befinden und damit noch gar nicht rückblickend über den Berufseinstieg berichten können, sondern nur aus der aktuellen Situation heraus. Dabei konnte allerdings festgestellt werden, dass nahezu alle Berufseinsteigerinnen und -einsteiger auf die gleichen Herausforderungen in leicht unterschiedlicher Ausprägung treffen. Die zwei weiteren Interviews weisen drauf hin, dass die Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung aus einem anderen Blickwinkel über den Berufseinstieg berichten können. Die erfahrenen Fachkräfte haben vor allem auch das oftmals junge Alter der Fachkräfte während des Berufseinstiegs sowie die geringe (Lebens-) Erfahrung als zentrale Herausforderung herausgestellt, welche die jungen Berufseinsteigerinnen und -einsteiger nur teilweise als solche benannt haben. Dies gibt Anlass zu der Vermutung, dass erfahrene Fachkräfte mehr Herausforde-
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 92 rungen kennen oder die Berufserfahrung als eigene Stärke zu hoch bewerten. Hierdurch ergeben sich weitere interessante Ansätze für weitere Forschungen. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass sehr spezifische Erkenntnisse für die ASDs im Jugendamt gefunden werden konnten. Es zeigt sich, dass insbesondere die Einarbeitung weiterentwickelt werden sollte. Hierfür wurden spezifische Empfehlungen erarbeitet und im Rahmen dieser Untersuchung dargestellt. Vor dem Hintergrund der momentanen Personalsituation in den Jugendämtern der Kommunalverwaltungen in Deutschland insgesamt und den zeitnah hinzukommenden zukünftigen Aufgabengebieten kann ein sehr großer Handlungsdruck identifiziert werden. Hemmend für die Umsetzung der entwickelten Vorschläge wird jedoch vermutlich die starke Arbeitsbelastung der Ämter im Alltag sein. Es muss abgewartet werden, inwieweit abstraktere Betrachtungen wie diese im Ergebnis in den Kommunalverwaltungen ankommen werden, um die Handlungspraxis weiter entwickeln zu können.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 99 Thiessen, B., Dannbeck, C., Wolff, M. (Sozialer Wandel, 2019): Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung: Eine Einleitung, in: Dannenbeck, C., Thiessen, B., Wolff, M. (Hrsg.), Sozialer Wandel und Kohäsion – Ambivalente Veränderungsdynamiken, Wiesbaden: Springer VS, 2019. Thole, W. (Grundriss Soziale Arbeit, 2012): Grundriss Soziale Arbeit, Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2012. Tietmeyer, J. (Marktversagen im Neuen Steuerungsmodell, 2021): Marktversagen im Neuen Steuerungsmodell – eine wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung des Ambulant Betreuten Wohnens in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung in NRW, in: Richenhagen, G, Seng, A. (Hrsg.), ifpm Schriftenreihe, Essen: MA Verlag, 2022. Tietmeyer, J. (Case Management, 2023): Anwendungsorientiertes Case Management, in: Buntrock, M., Peinemann, K. (Hrsg.), Grundwissen Soziale Arbeit, Wiesbaden: Springer Gabler, 2023, S. 267-290. Tietmeyer, J., Nienaber, A.-M., Seng, A. (Digitalisierung, 2024): Digitalisierung in Sozialer Arbeit und Sozialwirtschaft: Perspektiventwicklung vor dem Hintergrund einer ernüchternden Realität, in: Fichtner-Rosada, S., Heupel, T., Hohoff, C., Heuwing-Eckerland, J. (Hrsg.), European Year of Skills 2023 – Kompetenzen für die Zukunft, Wiesbaden: Springer Gabler, 2024 (im Erscheinen). Träger, T. (Personalmanagement, 2021): Personalmanagement: Grundlagen, Prozesse und Instrument, München: Vahlen, 2021. Waschull, D. (ASD-Arbeit und Verwaltungsverfahren, 2019): ASD – Arbeit und Verwaltungsverfahren, München: Reinhardt, 2019. Weber, M. (Wirtschaft und Gesellschaft, 1922): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, Tübingen: VS Verlag, 1922. Wendt, W. R. (Wohlfahrtsarrangements, 2010): Wohlfahrtsarrangements: Neue Wege in der Sozialwirtschaft. Baden-Baden: Nomos, 2010. Wichmann, A. (Forschung, 2019): Quantitative und Qualitative Forschung im Vergleich: Denkweisen, Zielsetzungen und Arbeitsprozesse, Berlin: Springer, 2019.
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 100 Internetquellen BAG ASD (Fachkräftemangel ASD, 2022): Positionspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft ASD zur Situation in den Allgemeinen Sozialen Diensten, 2022, https://www.bag-asd.de/bag-blog/positionspapier-zum-beschlussfachkraftemangel-im-asd [Zugriff am 01.03.2024]. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Künstliche Intelligenz): Künstliche Intelligenz, https://www.bsi.bund.de/dok/13394406 [Zugriff am 15.10.2023]. Destatis (Statistiken der Kinderund Jugendhilfe, 2022): Statistiken der Kinderund Jugendhilfe: Einrichtungen und tätige Personen (ohne Tageseinrichtungen für Kinder), https://www.destatis.de/DE/Themen/GesellschaftUmwelt/Soziales/Kinderhilfe-Jugendhilfe/Publikationen/Downloads-Kinderund-Jugendhilfe/sonstige-einrichtungen5225403209004.pdf?__blob=publicationFile [Zugriff am 06.03.2024]. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e. V. (Staatliche Anerkennung, 2010): Stellungnahme des DBSH zur Studienstruktur nach Umsetzung des Bologna-Prozess, https://www.dbsh.de/media/dbsh-www/downloads/ StellungnahmeStudienstrukturBologna.pdf [Zugriff am 27.08.2023]. Deutscher Städtetag (Fachkräftemangel, 2022): Fachkräftemangel Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD): Beschluss des Präsidiums des Deutschen Städtetages vom 22. November 2022 – 444. Sitzung in Hannover, https://jugendhilfeportal.de/fileadmin/user_upload/RS_U_4513_ASD_Anlag e__002_.pdf [Zugriff am 18.08.2023]. Deutsches Jugendinstitut (Kinderund Jugendhilfe, 2020): Kinderund Jugendhilfe in Zeiten der Corona-Pandemie, https://www.dji.de/fileadmin/ user_upload/bibs2020/1234_DJI-Jugendhilfebarometer_Corona.pdf [Zugriff am 18.08.2023]. Institut der deutschen Wirtschaft (Weltfrauentag, 2023): Weltfrauentag: Größte Lücken in typischen Frauenberufen, https://www.iwkoeln.de/presse/iwnachrichten/lydia-malin-groesste-luecken-in-typischen-frauenberufen.html [Zugriff am 18.08.2023]. Klomann, Verena (Allgemeiner Sozialdienst, 2022): Allgemeiner Sozialdienst, in: socialnet Lexikon, https://www.socialnet.de/lexikon/239 [Zugriff am: 24.11.2023]. Unsieber, Steffi (Jugendamt: Helfer ohne Hilfe, 2023): Jugendamt: Helfer ohne Hilfe, in: Zeit am Wochenende, 41, 2023, https://www.zeit.de/arbeit/202310/jugendamt-kinderschutz-fachkraefte-mangel-arbeitsbedingungenmitarbeiter, [Zugriff am 01.03.2024].
ifpm Schriftenreihe, Bd. 6, Breuer/Tietmeyer: Berufseinstieg im Jugendamt 101 Vieth-Entus, Susanne (Behörden in Berlin, 2017): Behörden in Berlin. Jede siebte Stelle in Berlins Jugendämtern ist nicht besetzt, in: Tagesspiegel, 24.04.2017, https://www.tagesspiegel.de/berlin/jede-siebte-stelle-in-berlinsjugendamtern-ist-nicht-besetzt-3864463.html [Zugriff am 27.08.2023]. Witzel, Andreas (Das problemzentrierte Interview, 2000): Das problemzentrierte Interview, in: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(1), Art. 22, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114fqs0001228 [Zugriff am 28.02.2024].
Folgende Bände sind bisher in dieser Reihe erschienen: Band 1 (2020) Hans-Jörg Fischer / Jesco Lippert / Thomas Mühlbradt / Hans-Rüdiger Munzke / Gottfried Richenhagen / Hans-Dieter Schat Gescheitert zum Erfolg – Neue Arbeit und fehlerfreundliche Kultur in kleinen und großen Organisationen ISSN (Print) 2702-0576 – ISSN (eBook) 2702-0584 ISBN (Print) 978-3-89275-156-4 – ISBN (eBook) 978-3-89275-157-1 Band 2 (2021) Jan Tietmeyer Marktversagen im Neuen Steuerungsmodell – eine wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung des Ambulant Betreuten Wohnens in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung in NRW ISSN (Print) 2702-0576 – ISSN (eBook) 2702-0584 ISBN (Print) 978-3-89275-228-8 – ISBN (eBook) 978-3-89275-229-5 Band 3 (2023) Stella Hammer Der Einfluss von Führung auf die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitenden in öffentlichen Verwaltungen und die Rolle des psychologischen Empowerments und des affektiven Commitments als Mediatoren ISSN (Print) 2702-0576 – ISSN (eBook) 2702-0584 ISBN (Print) 978-3-89275-322-3 – ISBN (eBook) 978-3-89275-323-0 Band 4 (2023) Henning Goersch Persönliche Notfallund Katastrophenvorsorge 2.0: Kompetenzentwicklung durch kollaboratives E-Learning ISSN (Print) 2702-0576 – ISSN (eBook) 2702-0584 ISBN (Print) 978-3-89275-316-2 – ISBN (eBook) 978-3-89275-317-9 Band 5 (2024) Anja Seng / Jan Tietmeyer / Corinna Höffner Agilität im Public Management: Experimente mit agilen Settings in obersten Landesbehörden im Kontext des Projekts Reallabor Agiles Arbeiten ISSN 2702-0576 (Print) – ISSN 2702-0584 (eBook) ISBN 978-3-89275-372-8 (Print) – 978-3-89275-373-5 (eBook)
Mehr als 50.000 Studierende, 25 Forschungseinrichtungen und 500 Veröff entlichungen im Jahr – damit zählt die FOM zu den größten und forschungsstärksten Hochschulen Europas. Initiiert durch die gemeinnützige Stiftung BildungsCentrum der Wirtschaft folgt sie einem klaren Bildungsauftrag: Die FOM ermöglicht Berufstätigen, Auszubildenden, Abiturienten und international Studierenden ein qualitativ hochwertiges und fi nanziell tragbares Hochschulstudium. Als gemeinnützige Hochschule ist die FOM nicht gewinnorientiert, sondern reinvestiert sämtliche Gewinne – unter anderem in die Lehre und Forschung. Die FOM ist staatlich anerkannt und bietet mehr als 50 akkreditierte Bachelorund MasterStudiengänge an – im Campus-Studium an 35 Hochschulzentren oder im einzigartigen Digitalen Live-Studium gesendet aus den Hightech-Studios der FOM. Lehrende und Studierende forschen an der FOM in einem großen Forschungsbereich aus hochschuleigenen Instituten und KompetenzCentren. Dort werden anwendungsorientierte Lösungen für betriebliche und gesellschaftliche Problemstellungen generiert. Aktuelle Forschungsergebnisse fl ießen unmittelbar in die Lehre ein und kommen so den Unternehmen und der Wirtschaft insgesamt zugute. Zudem fördert die FOM grenzüberschreitende Projekte und Partnerschaften im europäischen und internationalen Forschungsraum. Durch Publikationen, über Fachtagungen, wissenschaftliche Konferenzen und Vortragsaktivitäten wird der Transfer der Forschungsund Entwicklungsergebnisse in Wissenschaft und Wirtschaft sichergestellt. Forschungsstark und praxisnah FOM. Die Hochschule besonderen Formats Alle Institute und KompetenzCentren unter fom.de/forschung FOM Hochschulzentrum Düsseldorf
Mit rund 50.000 Studierenden ist die FOM eine der größten Hochschulen Europas und führt seit 1993 Studiengänge für Berufstätige durch, die einen staatlich und international anerkannten Hochschulabschluss (Bachelor/Master) erlangen wollen. Die FOM ist der anwendungsorientierten Forschung verpflichtet und verfolgt das Ziel, adaptionsfähige Lösungen für betriebliche bzw. wirtschaftsnahe oder gesellschaftliche Problemstellungen zu generieren. Dabei spielt die Verzahnung von Forschung und Lehre eine große Rolle: Kongruent zu den Masterprogrammen sind Institute und KompetenzCentren gegründet worden. Sie geben der Hochschule ein fachliches Profil und eröffnen sowohl Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch engagierten Studierenden die Gelegenheit, sich aktiv in den Forschungsdiskurs einzubringen. Weitere Informationen finden Sie unter fom.de Der öffentliche Sektor steht vor großen Herausforderungen. Gesetzliche Rahmenbedingungen und technische Entwicklungen fordern ebenso wie sich dynamisch verändernde Umweltbedingungen, Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden und Bürgerinnen und Bürgern sowie Diskussionen um digitale Transformation, Agilität und Ambidextrie neue Ansätze in Verwaltungsführung und -kultur. Das ifpm will Veränderungsprozesse im öffentlichen Sektor identifizieren und anstoßen sowie die Planung von Ressourcen und zukunftsorientierten Verwaltungsstrukturen auf Grundlage angewandter Forschung unterstützen. Dabei geht es um Digitalisierung und Auswirkungen für Organisation, Führung und Entscheidungsprozesse, Kulturwandel und die Einführung neuer Arbeitsweisen, die Relevanz von Krisenund Gefahrenlagen für das Verwaltungshandeln ebenso wie Veränderungsprozesse in der Sozialverwaltung. Weitere Informationen finden Sie unter fom-ifpm.de FOM Hochschule ifpm i i f f p p m m Institut für Public Management der FOM Hochschule für Oekonomie & Management ISSN (Print) 2702-0576 ISSN (eBook) 2702-0584ISBN (eBook) 978-3-89275-377-3 ISBN (Print) 978-3-89275-376-6 Der Wissenschaftsblog der FOM Hochschule Der Wissenschaftsblog der FOM Hochschule bietet Einblicke in die vielfältigen Themen, zu denen an der FOM geforscht wird: fom-blog.de