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LEO-Transfer News: Notwendige Kompetenzen für eine informierte Entscheidungsfindung zur eigenen Gesundheit

Grotlüschen, Anke; Buddeberg, Klaus; Skowranek, Kristin; Dutz, Gregor

Abstract

In dieser Reihe stellen wir verschiedene Kapitel aus einer interdisziplinären Publikation vor, die auf Daten der LEO Studie 2018 – Leben mit geringer Literalität basiert. Band 14 der Edition ZfE „Interdisziplinäre Analysen zur LEO-Studie 2018 – Leben mit geringer Literalität. Vertiefende Erkenntnisse zur Rolle des Lesens und Schreibens im Erwachsenenalter“, herausgegeben von Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg und Heike Solga, versammelt 11 Kapitel zu Fragen von Digitalisierung, Arbeit und Familie und Zugängen zu sozialer Teilhabe. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse aus dem Kapitel „Kritisch-hinterfragende Kompetenzen bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen“ von Lisanne Heilmann und Kristin Skowranek vor.

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Notwendige Kompetenzen für eine informierte Entscheidungsfindung zur eigenen Gesundheit Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg, Kristin Skowranek, Gregor Dutz LEO-Transfer – News vom 22.08.2023 Leo-Transfer – News vom 22.08.2023 2 Über diesen Newsletter Mit diesem Newsletter stellen wir verschiedene Kapitel aus einer interdisziplinären Publikation vor, die auf Daten der LEO Studie 2018 – Leben mit geringer Literalität basiert. Band 14 der Edition ZfE „Interdisziplinäre Analysen zur LEO-Studie 2018 – Leben mit geringer Literalität. Vertiefende Erkenntnisse zur Rolle des Lesens und Schreibens im Erwachsenenalter“ wurde von Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg und Heike Solga herausgegeben. Er versammelt 11 Kapitel zu Fragen von Digitalisierung, Arbeit und Familie und Zugängen zu sozialer Teilhabe. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse aus dem Kapitel „Kritisch-hinterfragende Kompetenzen bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen“ von Lisanne Heilmann und Kristin Skowranek vor. Notwendige Kompetenzen für eine informierte Entscheidungsfindung zur eigenen Gesundheit Der Zugang zu Gesundheitsinformationen bildet die Grundlage für eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Hierfür sind ausreichende Leseund Schreibfähigkeiten als basale Voraussetzung notwendig. Um Informationen für die eigene Gesundheit nutzbar machen zu können, werden darüber hinaus noch weitere Kompetenzen benötigt. Hierzu zählen das Auffinden und Verstehen von Informationen, die Beurteilung dieser Informationen für die eigene Gesundheit und schließlich die Anwendung der Informationen. Neben diesen Kompetenzen wird die eigene Gesundheit durch weitere Faktoren beeinflusst. Hierzu zählen das Alter, das Geschlecht, das Bildungsniveau, der soziale Status und soziale Deprivation. Für eine ausreichende Gesundheitskompetenz sind also jenseits der in der LEO-Studie 2018 untersuchten Leseund Schreibkompetenz auch noch weitere Kompetenzen erforderlich, die dabei helfen, den eigenen Gesundheitszustand einzuordnen. Auch wenn gering literalisierte Erwachsene häufiger von einem schlechteren Gesundheitszustand berichten als die gesamte erwachsene Bevölkerung, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich geringe Literalität direkt negativ auf die Gesundheit auswirkt. Vielmehr spielen hier die Lebensumstände, die Altagspraktiken und die Grundkompetenzen eine Rolle, die dann wiederum in einem Wechselverhältnis mit Literalität stehen. Leo-Transfer – News vom 22.08.2023 3 Die Rolle von Literalität bei der Suche nach Gesundheitsinformationen Auf den ersten Blick spielt Literalität bei der Häufigkeit der Suche nach Gesundheitsinformationen eine zentrale Rolle. Es lässt sich jedoch zeigen, dass die Häufigkeit der Informationssuche eher von anderen Faktoren abhängt als von der Literalität. Hierzu zählen in erster Linie kritische digitale Kompetenzen, das heißt die Fähigkeit, die Informationen in digitalen Medien bezüglich ihres Nutzens zu bewerten und gegenüber Falschinformationen (Fake News) abzugrenzen. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, welchen Schulabschluss eine Person erreicht hat, welches Geschlecht eine Person hat, ob Kinder im Haushalt sind und zu welcher Altersgruppe eine Person gehört. Literalität und kritische Gesundheitskompetenz Auch für eine kritische Gesundheitskompetenz kommt es nicht allein auf hohe Leseund Schreibkompetenzen an. Anhand der Daten der LEO-Studie 2018 lässt sich ein positiver Zusammenhang mit hohen kritischen Kompetenzen in anderen Lebensbereichen erkennen. Wer sich in den Bereichen Finanzen, Politik oder Digitalisierung für kompetent hält, Sachverhalte zu durchdringen und kritisch zu hinterfragen, hat in der Regel auch hohe kritisch-hinterfragende Kompetenzen bezogen auf die eigene Gesundheit und das Gesundheitssystem. Dabei haben insbesondere die kritischen digitalen Kompetenzen vergleichsweise den größten Einfluss auf die kritische Gesundheitskompetenz. Wer in einer auskömmlichen wirtschaftlichen Situation lebt, zeigt im Schnitt auch eine höhere Gesundheitskompetenz. Die Autorinnen folgern: „Dies kann darauf hindeuten, dass (…) eine Lebenssituation ohne Geldsorgen Ressourcen für die kritische Auseinandersetzung mit Gesundheitsthemen freisetzt.“ Was heißt das für die Gesundheit von Menschen mit geringer Literalität? Die vorliegenden Ergebnisse zeigen zwar einen gewissen Zusammenhang von Literalität mit der Häufigkeit der Informationssuche zu gesundheitsbezogenen Themen, aber geringe Literalität stellt zumindest kein grundsätzliches Hindernis für die Suche nach Gesundheitsinformationen zum Beispiel über das Internet dar. Für die Auseinandersetzung mit den gefundenen Informationen zum Thema Gesundheit, das heißt für eine kritische Gesundheitskompetenz, spielt dann Literalität allenfalls eine untergeordnete Rolle. Eher ist es eine generell ausgeprägte kritisch-hinterfragende Grundhaltung zu Themen der sozialen Umwelt, die einen kompetenten Umgang mit Fragen der Gesundheit fördern. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass mehr und mehr Informationen in die digitalen Medien verschoben werden, ist die Wichtigkeit einer kritischen digitalen Kompetenz hervorzuheben, um überhaupt Zugang zu relevanten Gesundheitsinformationen über die digitalen Medien zu bekommen. Die Autorinnen plädieren daher dafür, in der Grundbildung Erwachsener digitale, finanzielle, politikbezogene und gesundheistbezogene Kompetenzen als eng verzahnte Konstrukte zu betrachten, die es auch themenübergeifend zu stärken gilt. Leo-Transfer – News vom 22.08.2023 4 Interdisziplinäre Analysen zur LEO – Studie 2018 Der hier vorgestellte Beitrag ist als eines von elf Kapiteln in Band 14 der Edition ZfE (Zeitschrift für Erziehungswissenschaft) erschienen: Heilmann, Lisanne; Skowranek, Kristin (2023): Kritischhinterfragende Kompetenzen bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen. In: Anke Grotlüschen, Klaus Buddeberg und Heike Solga (Hg.): Interdisziplinäre Analysen zur LEO-Studie 2018 – Leben mit geringer Literalität. Vertiefende Erkenntnisse zur Rolle des Lesens und Schreibens im Erwachsenenalter. 1. Auflage. Wiesbaden: Springer VS; Springer Fachmedien (Edition ZfE, 14), S. 213–239. Lisanne Heilmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft der RuhrUniversität Bochum: [email protected]. Kristin Skowranek ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Erwachsenenbildung und Lebenslanges Lernen an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg: [email protected]. Sie möchten selbst mit den Daten der LEO-Studie arbeiten? Der Datensatz steht als Public Use File zur Verfügung: Grotlüschen, A., Buddeberg, K., Dutz, G., Heilmann, L. M., & Stammer, C. (2021). LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität (Public Use File). GESIS Data Archive. ZA6266. Data file Version 1.0.0, https://doi.org/10.4232/1.13771 Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung unter dem Förderkennzeichen W146600. Dieses Dokument ist unter der DOI 10.25592/uhhfdm.13193 auffindbar. Leo-Transfer – News vom 22.08.2023 Impressum Universität Hamburg Fakultät für Erziehungswissenschaft Arbeitsbereich Erwachsenenbildung und Lebenslanges Lernen Von-Melle-Park 8 20146 Hamburg www.ew.uni-hamburg.de/einrichtungen/ew3.html Dr. Klaus Buddeberg [email protected]